Madeira, November 2006

Madeira – die Blumeninsel

Blumeninsel oder auch grüne Perle wird sie genannt und vorwiegend im Mai und Juni besucht. Doch auch im November hat Madeira einiges zu bieten: schroffe Hochgebirge, wildromantische Küsten, malerische Dörfer, alte Laurazeenwälder, immer noch viel Grünes und Blühendes, zahlreiche wunderschöne Wanderungen und Temperaturen um die 20 bis 22 °C. Hier finden sich einige Touren, die normalerweise gut an einem Tag zu machen sind.

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Madeira interaktiv

Hinweis: Alle beschriebenen Routen starten in Ponte Delgada, sind in einem Tag aber natürlich auch von Funchal so möglich oder fast jedem anderen Ort auf Madeira

Wilde Nordküste und raues Bergland

Von Lava geformte Höhlen und Schwimmbecken, eine spektakuläre Küstenstrasse, ein an Schottland erinnerndes Hochland und ein grandioser Gebirgspass sind die Höhepunkte dieser Tour. Route: Von Ponte Delgada (unser Domizil auf Madeira) via São Vicente nach Seixal (Fahrt entlang der Küste, die alte Küstenstrasse ist leider gesperrt, dennoch finden sich sehr schöne Aussichtspunkte). Weiter über Ribeira da Janela nach Porto Moniz (Lava-Schwimmbecken + Fort am Hafen). Die Rückfahrt erfolgte über die Paul da Serra mit der Möglichkeit verschieden langer Wanderungen. (siehe Tour 4). Am Rückweg (oder gleich am Hinweg) Besuch der Lavahöhlen in São Vicente (Führung 10-18 Uhr, Dauer 60 min.)

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Idyllisch auf einer Landzunge gelegen lebt Seixal, die erste Station, vorwiegend vom Weinanbau. Überall wächst durch Heidezäune geschützt die Sercialtraube, die trockenste Sorte Madeirawein. Erfrischen lässt es sich am Hafen in mehreren Gezeitenbecken. Leider ist die alte Küstenstrasse inzwischen für den Verkehr gesperrt und man muss die zahlreichen Tunnels nutzen. Das geht zwar schneller, jedoch ist es mit der alten Strecke nicht vergleichbar. Dennoch bieten sich zahlreiche Möglichkeiten abseits der neuen Strecke Ausblicke zu genießen und auch mal ein Stück der alten Strecke.

Weiter ging es nach Porto Moniz, dem nordwestlichsten Punkt der Insel und auch ein sehr schöner. Die Hauptattraktion von Porto Moniz sind seine von bizarren Lavafelsen umgebenen Naturschwimmbecken. Die seichten Bade-Pools, deren kristallklares Wasser durch die Flut täglich ausgetauscht wird, sind ein beliebter Badeort. Neu angelegt wurde zudem die Uferpromenade, die die Naturbecken mit dem Pier verbindet. Hier finden sich mehrere Aussichtspunkte, Snack-Bars und das ‘Centro de Ciência Viva’ (Zentrum für lebende Wissenschaft). Neben dem Tourismus ist für die Region um Porto Monitz der Weinanbau und die Fischerei bedeutende Wirtschaftsfaktoren. Dementsprechend finden sich hier auch einige gute Fischrestaurants, wo sich traditionelle Fischgerichte und lokale Spezialitäten im Angebot finden.

Nächstes Ziel waren die Höhlen von São Vicente. Sie sind vulkanischen Ursprungs und entstanden vor mehr als 400.000 Jahren. Der Tunnelkomplex mit seiner Länge von mehr als einem Kilometer ist bis heute der größte dieser Art auf Madeira. Im Inneren kann man auf einer Länge von rund 700 m Stalaktiten aus Vulkanstein, Lavaanhäufungen und den sog. ‚Wanderfelsen‘ bestaunen. Bei letzterem handelt es sich um einen vom Lavastrom mitgetragenen Stein, bis er stecken blieb. Zu der insgesamt 60-minütigen Führung gehört auch ein Vulkanologie-Zentrum

Raue Felsen, karge Vegetation

Raue Felsen, karge Vegetation und meist eine steife Brise – so präsentiert sich Madeira an seinem östlichen Ende. Die Rückfahrt erfolgte via Santana, hier gibt es noch einige der traditionellen strohgedeckten Häuser zu besichtigen. Besuchen lässt sich auch der Parque Temático – ein Themenpark zur Geschichte und Kultur Madeiras. Den kann man sich aber auch sparen – außer es sind Kinder dabei die nicht zu anspruchsvoll sind.

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Die inzwischen zum Naturschutzgebiet erklärte Halbinsel Ponta de São Lourenço ist ein Ort, wo sich imposante Felsenklippen, das Meer und eine außergewöhnliche Vegetation begegnen. Wandert man auf den Höhen der Halbinsel entlang bieten sich zahlreiche atemberaubende Aussichten über den Nord- und Südteil der Insel und auf die Nachbarinsel Porto Santo. Nur windfest sollte man sein, bläst doch häufig ein starker Wind gerade an den Klippen.

Auf dem Weg von oder zu der Halbinsel bietet sich ein Besuch von Santana an. Hier finden sich noch einige der traditionellen Häuser aus Naturstein mit einem bis zum Erdboden hinunter reichenden Strohdach. Sie dienten über Jahrhunderte als Ställe und Wohnhäuser, und manche von ihnen werden sogar heute noch bewohnt. Die meisten fielen im Laufe der Zeit jedoch der aufwändigen Pflege ihrer Dächer zum Opfer.
In Santana findet sich auch noch der Madeira-Themenpark. Er bietet Besuchern die Möglichkeit, auf unterhaltsame Weise mehr über Geschichte, Kultur und Traditionen der Insel Madeira zu lernen. Nicht weit weg von Santana liegt übrigens Queimadas, der Ausgangspunkt zum Calderão Verde (‘grüner Kessel’), eine der spektakulärsten Levada-Wanderungen der Insel.

Im Süden – Funchal und Umgebung

Liebhaber von Korbflechterei kommen in Camacha auf ihre Kosten wie die von Häfen (in Camara de Lobos, Funchal) und Altstadtbummler (Funchal). Nicht zu vergessen die Liebhaber botanischer Gärten. In Funchal kann man zum Beispiel durch Altstadtgassen flanieren und am Hafen entlang, Kirchen, Paläste und Museen besuchen und die schöne Vegetation Madeiras in herrlichen Gärten entdecken. Einen Besuch wert ist auch Monte. Hin geht es zum Beispiel mit der Seilbahn, zurück mit bis zu knapp 50 km/h mit dem Korbschlitten.Route: Ponta Delgada – Funchal (Altstadt, Markthalle, Hafen, div. Museen, Jardin Botanico e Loiro Parque…) – Monte (Kirche, Korbschlittenfahrt) – Camacha (Korbflechterzentrum) – Camara de Lobos (Fischereihafen) und falls Zeit und Lust: Wanderung Rother, Tour 2, S. 34, 3 h. Abends dann den Blick von Gabio Girão genießen.

Die fast 500 Jahre alte Hauptstadt Madeiras, Funchal (120.000 Einwohner) bekam ihren Namen von ‘Fenchel’ (portugiesisch ‘funcho’), der in dieser Gegend einst überall zu finden war. Einem Amphitheater ähnlich zieht sich die Stadt vom Naturhafen über sanfte Hänge bis zu einer Höhe von über 1200 m hoch. Ein Muss ist der Besuch der Kathedrale ‘Sé’ in der Altstadt (erbaut zwischen 1493 und 1514), dann sollte man die Einkaufstrasse entlang bummeln bis zur Markthalle (Ein Muss, Öffnungzeit ‘Mercado dos Lavradores’: Montag bis Freitag von 07.00 bis 20.00 h; Samstag von 07.00 bis 14.00 h, Sonntags und an Feiertagen geschlossen), zurück geht es dem Hafen entlang (Ein Tipp: ein Parkhaus findet sich direkt an der Parkhalle, ist auch nicht zu teuer) Um die Stadt Funchal ausgiebig zu erkunden, reicht ein Tag übrigens nicht. So gibt es gleich drei historische Kerne. São Pedro‚, ‘Santa Mariaund

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Nicht weit weg von der Altstadt (etwa 3 km nordöstlich) findet sich der botanische Garten. Einer von vielen auf der Insel aber ein Muss, zudem recht günstig was den Eintritt betrifft.

Oberhalb von Funchal (etwa 7 km) findet sich Monte, auch zu erreichen mit der Seilbahn vom Hafen aus oder vom botanischen Garten. Dieses kleine Dorf war früher einmal der In-Kurort für Europas ‘High Society’. Karl I, der letzte österreichische Kaiser, fand Exil auf der Insel Madeira. Er und seine Familie fanden ihr neues Zuhause in der ‘Quinta do Monte’, aber nur sechs Monate später starb der Ex-Kaiser an einer Lungenentzündung. Sein Grab finden Sie in der berühmten Pilgerkirche ‘Nossa Senhora do Monte’.Eines der traditionsreichsten Feste, und mit Sicherheit das größte Kirchenfest Madeiras, ist das Volksfest zum Tag der ‘Mariä Himmelfahrt’, das immer am Vorabend des 15. August beginnt. Ein Muss wenn man zu dieser Zeit auf Madeira weilt.

Die Rückfahrt bietet sich mit einem Korbschlitten an. Ursprünglich als schnelles Transportmittel für die Bewohner Montes gedacht (um 1850) bietet es heute Tausenden von Touristen einen besonderen Nervenkitzel, bei hoher Geschwindigkeit auf den engen, kurvigen Straßen nach Funchal hinunter zu rutschen.
Gelenkt werden die zweisitzigen Korbschlitten von zwei, traditionell in weißer Leinenkleidung und einem Strohhut bekleideten Männern, die die Gummisohlen ihrer Stiefel Die Fahrt (2 km) dauert etwa zehn Minuten wobei mit den sehr sicheren Schlitten Geschwindigkeiten von bis zu 48 km/h erreicht werden.

Camacha, ein paar Kilometer östlich von Funchal gelegen, wird auch das ‘Dorf der Körbemacher’ genannt, weil es auf eine lange Tradition in dieser Industrie zurückblicken kann und das Zentrum von Madeiras Korbwarenindustrie ist. In der Ausstellung im Zentrum finden sich über 1000 verschiedene Artikel (auch zum Kaufen). Weiter ist das Dorf für sein alljährliches ‘Apfelfest’ und seine aktiven Volkstanzgruppen bekannt.

Weiter ging es nach Camara de Lobos an der Küste gelegen. Der Ort erhielt seinen Namen durch zahlreiche Mönchsrobben die hie einmal lebten und in den Höhlen der Felsenküste Schutz suchten. Camara de Lobos ist eine der ältesten Siedlungen der Insel und heute ein Zentrum der madeirischen Fischerei. Hier leben die oft kinderreichen Fischerfamilien in der Nähe des Hafens. In den engen Gassen spielt sich ihr Leben ab. Am Hafen liegen die bunten Boote; die Fischer, die nicht mehr ausfahren, stehen herum, viele spielen Karten.

Abends dann noch eine Stippvisite hoch zum Cabo Girão. Mit 580 m Höhe ist das die zweithöchste Steilklippe der Welt. Den atemberaubenden Panoramablick vom Aussichtspunkt sollte man sich nicht entgehen lassen.
Nicht weit vom Aussichtspunkt führt ein Panoramalift zum am Fuß vom Cabo Girão liegenden Ausflugsort ‘Fajã dos Padres’, eine Strandidylle mit Restaurant, wo man sonst nur mit dem Boot hinkommt.

Topfeben in 1400 m Höhe

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Dieses karge, an das schottische Hochland erinnernde Gebiet mit zahlreichen wild lebenden Schafen und Ziegen steht im Kontrast zu der Blumenfülle und landschaftlichen Vielfalt des übrigen Madeiras und eignet sich vorzüglich für längere wie kürzere Wanderungen.

Route: Ponta Delgada – Sao Vicente (Besichtigung Tour 1) – Encumeada Pass (Levada-Wanderung 39, Rother Wanderführer S. 142, 1.30 h) – Paul do Serra (Wanderung 41, S. 146, 1.30 h) – Rabacal, (Wanderung 44, S. 152, 2 h + 45, S. 154, 2 h)
Die Straße auf den 1004 m hohen Pass Encumeada beginnt an der Südküste bei Ribeira Brava, windet sich hoch über Serra d’Água bis auf die Passhöhe, von wo aus man eine wunderbare Aussicht sowohl über die Nord- als auch die Südküste hat – sofern es das Wetter zulässt. An vielen Tagen lassen sich faszinierende Wolkenformationen beobachten, die von der Nordküste kommend über die südlichen Hänge hinabtrudeln. Der Pass ist Ausgangspunkt für eine schöne Levada-Wanderung (Nr. 39), die man sich nicht entgehen lassen sollte.

Die Wanderwege an den Levadas (Wasserkanäle) entlang sind sehr einfach zu finden und oft auch ohne große Anstrengung zu laufen. Nur sollte man je nach Tour trittsicher und schwindelfrei sein. Es gibt aber auch Routen bei denen das nicht erforderlich ist. Einzigartig sind ihre Zugänglichkeit und ihre Ausdehnung. Das Bewässerungssystem Madeiras umfasst heute Kanäle in einer Gesamtlänge von 2150 km, davon verlaufen allein 40 km in Tunneln.

Vom Pass aus geht es weiter zu der Hochebene Paul do Serra. Untypisch für Madeira, glaubt man eher auf den schottischen Highlands zu sein, hat das „Sumpfgebirge“ (immerhin auf 1300 bis 1400 m gelegen) ganz und gar nichts mit dem Rest der Insel gemein. Niedrige Heide- und Farngewächse prägend die Landschaft und innerhalb von Minuten schlägt das Wetter von strahlenden Sonnenschein in dichte Wolkenschwaden um. Hier bietet sich die Wanderung 39 im Rother Wanderführer an.

Am westlichen Ende der Hochebene Paul da Serra befindet sich das Gebiet Rabaçal. Vom Parkplatz bis zum Rasthaus für Waldarbeiter führt zunächst eine asphaltierte Straße 1,8 km lang hinunter, heute für Autos gesperrt. Man hat jedoch die Möglichkeit zwischen 10 und 18 Uhr einen Pendelbus zu nutzen (3 € pro Person hin und zurück). Spart eine Stunde. Das Rasthaus ist der eigentliche Startpunkt für verschiedene Wanderungen (Bsp. Nr. 45). Empfehlenswert ist aber unbedingt die Wanderung Nr. 44 vom Parkplatz oben an der Strasse aus.

Höhenluft

Inmitten der Gebirgslandschaft finden sich die letzten zusammenhängenden Laurazeenwälder der Insel. Und eine wunderschöne Bergwelt – sofern die in den Hängen und über den Gipfeln hängenden Wolken es auch gestatten. Generell lohnt es für einen Besuch der höchsten Berge Madeiras früh loszumarschieren, bilden sich in den späteren Vormittagsstunden doch gern Wolken, die die Sicht einschränken. Belohnt wird man mit wunderschönen Aussichten und einer grandiosen Bergwelt. Und wer Lust und Zeit hat, trittsicher schwindelfrei und einigermaßen gut in Kondition begibt sich auf eine 4-stündige Wanderung vom Pico do Arieiro zum Pico Ruivo.

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Route: Ponte Delgada – via Santana zum Wanderparkplatz unterhalb des Pico Ruivo (Wanderung 29, S. 112, 2 h)Ribeiro Frio (Wanderungen 18, S. 82, 40 min.) – Pico de Arierio (fast mit dem Auto zu erreichen (S. 169, Baedeker) – retour am besten via Funchal

Madeira-Web
Madeira-Karte interaktiv
Visit-Madeira (Infoseite)
Madeira Center (Reiseportal)

Städte und Sehenswürdigkeiten

Cabo Girao
Calheta
Camacha (Korbmacherzentrum)
Camara de Lobos (Fischereihafen, Pico da Torre, Cabo Girao)
Canical (Walmuseum)
Curral das Freiras (Ausblick)
Funchal (Hauptstadt – Altstadt, Markthalle…, bot. Garten, Orchideengarten…)
Machio
Monte
Encumeada-Pass
Pico Ruivo
Pico do Arieiro
Ponta da Sao Lourenco
Ponta do Sol
Porto Moniz (Lava-Wasserbecken, Hafen)
Ribeiro Frio (Laurazenwald)
Santana
São Vicente (Lavahöhlen)

Die angesprochenen Wanderungen finden sich im Rother Wanderführer Madeira, Auflage 2006, empfehlenswerter Reiseführer Baedeker, Madeira (zugleich Quelle der Infos)

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