Marokko 2015 – die Tour

Auf Rundreise in Marokko

 

UNSERE ROUTE: Marrakesch – mittlerer Atlas – Rabat – Meknes – Volubilis – Fes – Merzouga – Erfoud – Tinjedad – Schlucht von Todgha – Tinghir – Boumalen Dades – Dades-Schlucht – Tal der Rosen bei Kalai Gouna – Quarzazate – Tazenakt – Anti-Atlas – Taliounie – Agadir – Hohe Atlas – Essaouria

Marrakesch

Marrakesch, die Perle des Südens ist unser Ausgangspunkt für die Tour durch Marokko. Schon hier begegnet der Besucher den Gegensätzen des Landes: ob zinnenbekrönte Kasbas, Art-Deco-Villen und modernen Bürogebäuden, einer mächtige Stadtmauer, Gewusel in engen Gassen, elegant gekleideten Frauen und Verschleierte, Tradition und Moderne und einem offenen, toleranten Islam. Zahlreiche Moscheen prägen die Stadt, aber auch eine christliche Kirche und eine Synagoge finden sich. In der Ferne dann die schneebedeckten Gipfel des Atlas-Gebirges.

Hier geht es zu den subjektiv betrachtet schönsten Bildern der Reise

Der zentrale Platz, der Place Djemaa el Fna, arabisch für die Versammlung der Toten. Ehemals Markt- und Henkersplatz für zum Tode verurteilte. Heute ein lebendiger Ort mit Ständen, Schlangenbeschwörern, Gauklern. Und vielen Touristen.

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Von hier aus gelangt man in die Medina, in das alte Marrakesch mit seinem Souk. Hier gibt es alles zu kaufen, auch landestypische Souvenirs wie Gewürze, Lederwaren, Lampen und bunte Tücher. Zu finden sind zudem zahlreiche Handwerker, die ihre Produkte hier gleich herstellen oder Dienstleistungen feilbieten. Ist man in Marrakesch im Souk als Besucher allein unterwegs, sprich ohne einheimischen Führer, heißt es jedoch sich am besten durch Ignorieren von allzu aufdringlichen selbsternannten Führern zu schützen, die es natürlich for free machen. Bis man sich im Gewirr der Gassen nicht mehr zurechtfindet.

Mit der Kutsche geht es zum Jardin Majorelle, benannt nach einem französischen Kunstmaler und Dekorateur, der einst hier lebte. Jahrzehntelang verwilderte und verfiel dieser einst wunderschöne Garten, bis sich der Modeschöpfer Yves Saint Laurent der Pflege des Anwesens annahm. Und ihn anschließend an die Kommune Marrakesch übergab. Nach seinem Tod verstreute man seine Asche im Rosengarten. Um die 300 Pflanzenarten sollen sich hier finden, hauptsächlich Kakteen und Bougainvillea.

Zurück in der Stadt gab es erstmal eine weitere Kaffeepause. Ein Kaffee, wo nur selten Touristen hinkommen, drei Cappuccino, drei Croissant, eine Flasche Sprudel – zusammen vier Euro. Dann stießen wir auf unseren örtlichen Führer der uns in der Medina zuerst einen alten, gut versteckten islamischen Friedhof zeigte, um die 400 Jahre alt. In den Saadier-Gräbern ruhen auch vier Sultane, entdeckt hat man die Gräber im Jahr 1917. Prächtiger Carrera-Marmor verziert die Eingänge der Mausoleen sowie andalusisch angehauchte Stuck- und Mosaikwerke. Im größten Mausoleum befindet sich in einem Saal mit zwölf großen Säulen.

Nicht so alt ist der Bahia-Palast. Erbaut wurde er erst Ende des 19. Jahrhunderts. Schnitzereien im Zedernholz prägen das Gebäude, die Innenhöfe sind üppig bepflanzt. In den über 160 Räumen lebten um die 500 Menschen, mit separatem Männer- und Frauenbereichen.

Der Menara-Garten, ein 100 Hektar größer Stadtpark, um ein zentrales Wasserbecken angelegt. Alles umgeben von Olivenbäumen. Die mit eben mit diesem Wasser aus dem zentralen Becken über ein weit verzweigtes Kanalsystem bewässert werden. Angelegt hat den Garten ein Herrscher einer ehemaligen Berber-Dynastie um 1156 n. Christus. Er steht seit 1985 gemeinsam mit der Altstadt und den Adgal-Gärten auf der Liste der Weltkulturerbe der Unesco.

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Menara-Garten

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Fahrt über Rabat, Meknes, Volubilis nach Fes

Die längste Strecke über insgesamt 570 km liegt nun hinter uns. Es ging in zwei Tagen via Rabat, Meknes und den römischen Ruinen in Volubilis nach Fes. Rabat ist die Hauptstadt und Königssitz Mohammeds VI. Im Gegensatz zu Marrakesch oder Fes ist die Stadt eher weniger besucht. Das ist ein Fehler. Denn die Medina, besonders die Kasbah de Oudaías, die vor den Toren liegende merinidische Totenstadt Chellah, das Grabmahl Sultan Mohammed V, dem Großvater des amtierenden Königs oder auch der Regierungssitz sind jedenfalls einen Besuch wert.Jedenfalls kann man hier einen Blick auf den Palast werfen, in allen anderen drei Königsstätten ist außer einer hohen Mauer nichts zu sehen. Für uns jedenfalls reichte der halbe Tag kaum aus, um nur das wichtigste zu sehen.

Grabmahl Sultan Mohammed V

Kasbah bedeutet übrigens Wehrburg. Und hinter den mächtigen Mauern der Kasbah de Oudaías versteckt sich ein malerisches Altstadtviertel mit blau-weiß getünchten Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Der Ortsteil ist inzwischen zu einer begehrten, und teuren Wohngegend geworden.

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In der Kasbah de Oudaías

Mindesten eine Stunde sollte man sich auch Zeit für die merindische Totenstadt Chellah nehmen. Umgeben ist sie von einer hohen, zinnenbekrönten Stampflehmmauer. Und hinein kommt man durch ein monumentales steinernes Portal aus dem 14. Jahrhundert. Innen finden 1930 freigelegte Resten der römischen Siedlung Sala Colonia. Und direkt daneben die aus dem 13. Jahrhundert stammende Nekropole. Mehrere islamische Heilige und merindische Sultane liegen hier begraben. Und auf dem Türmen und Mauern trohnen zahlreiche Störche.

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In der Totenstadt Chellah

Hier finden sich die Bilder zur Königsstadt Rabat

Weiter ging es nach Meknes, eine der vier Königsstädte. Von 1672 an war sie für etwas mehr als 50 Jahre sogar Hauptstadt des Reiches. Hier besichtigten wir die Medina und besonders interessant, ein alten, gut erhaltenen riesigen Kornspeicher. Fälschlicherweise wird dieser Teil der Anlage in vielen Reiseführen und auch Wikipedia als die ehemaligen Stallungen ausgewiesen, das aber sei falsch, so jedenfalls unser örtlicher Stadtführer. Für deutlich über 20.000 Pferde, die sich hier einmal befanden, wäre dieser Komplex auch viel zu klein, trotz seiner Größe. Von den ehemaligen Stallungen ist kaum mehr etwas erhalten

Sehenswert ist zudem das Mausoleum von Moulay Ismail mit angeschlossener Moschee, restauriert von Mohammed V. Seit 1996 Weltkulturerbe. Hier kann man auch als Nichtmuslim eine Moschee betreten, was sonst nur noch in der Moschee Hasan II in Casablanca der Fall ist.

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Volubilis, nahe Meknes gelegen auf dem Weg nach Fes. Vorbei geht es auf dem Weg zu der ehemaligen römischen Metropole an Weinfeldern. Der Anbau von Wein wurde mit der Besetzung des Landes durch die Franzosen Anfang des 20. Jahrhunderts wieder eingeführt. Das blieb mit einigen Konfusionen auch nach der Unabhängigkeit so, obwohl Alkohol im Islam ja verboten ist. Seit den 90er-Jahren wurden die Anbauflächen hier in der Region sogar deutlich ausgeweitet. Es gibt Untersuchungen, nachdem in Marokko Bier und Wein nach Tee gemeinsam den zweiten Platz unter den meist konsumierten Getränken einnehmen. Dennoch bestehen bei vielen Marokkanern dagegen Vorbehalte. Also nannte man das in Meknes jährlich stattfindende Fest des Weines in Fest des Rebstocks um.

Zurück zu Volubilis. Die römische Stadt ist seit 1997 ebenfalls Unesco-Weltkulturerbe und zeigt die am besten erhaltenen römischen Monumente in diesem Teil Afrikas. Neben der Hafenstadt Tingis ( das heutige Tanger) war Volubilis das wichtigste Zentrum der Provinz Mauretania Tingitana mit um die 20.000 Bewohnern, laut neueren Untersuchungen. Weizen, Wein und Olivenöl machten den Reichtum der Stadt aus.

Volubilis

Als Nordafrika im 5. Jahrhundert an die Vandalen verloren ging, existierte die Stadt dennoch weiter bis zur Eroberung durch die Araber im 7. Jahrhundert. Teile der wertvollen Steine und ganze Säulen verwendete man etwa für Prachtbauten in Meknes, 1755 wurde die Reste durch das schwere Erdbeben in Lissabon schwer in Mitleidenschaft gezogen. 1915 begannen die Ausgrabungen durch die Franzosen.

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Die älteste der Königsstädte: Fes

Blick auf einen Teil der Medina von Fes

Die drittgrößte Stadt Marokkos ist zugleich die älteste der vier Königsstädte und gilt als geistliches Zentrum der Region. Hier findet sich mit der Quarawiyin-Universität eine der ältesten der Welt, sie geht auf das Jahr 859 zurück. Die Altstadt steht seit 1981 ebenfalls als Weltkulturerbe unter dem Schutz der Unesco. Bezogen auf die Fläche soll es sich um die weltweit größte mittelalterliche Altstadt handeln, über 9000 Gassen, meist nur ein/zwei Meter breit durchziehen das Areal. Autoverkehr gibt es keinen, in der Regel beschränkt sich der Verkehr neben einigen Mopeds jedoch auf Maultiere und Esel sowie vollbeladene Ziehwagen. Die benötigt man auch, übernachtet man in einem Riad inmitten der Medina wie wir.

Will man in der Medina die Orientierung nicht verlieren, sollte man sich einen Stadtführer gönnen. Zumal die einzelnen Sehenswürdigkeiten von außen oft gar nicht zu entdecken wären. Wie so oft, sehen Gebäude oder Riads von außen eher bescheiden aus, tritt man durch das Tor, erwarten einen bald kleine Paläste. Man zeigte seinen Reichtum nicht vor. 2,8 Quadratkilometer umfasst die Medina, die Fläche von 400 Fußballfeldern.

Ein Muss in der Medina ist der Besuch der Ledergerber von Chuwwara. Beim Aufstieg zur Aussichtsplattform des meistfotografierten Viertels gibt einen der Inhaber des Lederladens, durch den man muss, einem extra ein Blatt Minze gegen den Geruch. Denn gegerbt wird das Schaf-, Ziegen-, Kuh- und Kamelleder seit Jahrhunderten auf die gleiche Weise, mit den Exkrementen von Tauben, tonnenweise. Das geschieht in großen, runden, farbenfroh leuchtenden Steinbottichen.

  • Gerberei in Fes

Leder ist neben der bleu-weißen Keramik übrigens traditionelles Markenzeichen der Stadt, und stapelt sich entsprechend als Jacken, Taschen, Sitzkissen und Schuhen in den Verkaufsräumen sowie unzähligen Ständen der Stadt. Natürlich für Vorzugspeise, kommt man mit einem Stadtführer. Handeln ist angesagt, und das ist eine Kunst für sich, elementarer Bestandteil arabischer Lebensart.

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Fahrt in den Süden nach Merzouga

Nun hieß es eine längere Strecke zurückzulegen, etwa 510 km von Fes in den Süden Marokkos, nach Merzouga, dem Tor zur Sahara. dennoch blieb Zeit für einige kürzere Stopps. Der erste erfolgte im mittleren Atlasgebirge in Ifrane. Hier fühlt man sich auf den ersten Blick, als sei man in der Schweiz und nicht in Marokko. Der Baustil der Häuser mit Satteldach ist so gar nicht landestypisch, gepflegte Boulevards, Parkanlagen und die sich gerade verfärbenden Laubbäume verstärken die Illusion. Ifrane ist eine gepflegte Kleinstadt und dient der marokkanischen Mittel- und Oberschicht als Sommerfrische und Wintersportort. Auch der König hat hier eine größere Residenz, soll Skifahren doch nach Wasserski sein zweitliebstes sportliches Hobby sein. Die Stadt liegt auf einer Höhe von etwa 1650 m, hier findet sich auch eine private Elite-Universität.

Ifrane

Weiter ging es durch faszinierende Berglandschaften. Der Mittlere Atlas hat übrigens eine Länge von fast 500 km, der höchste der Gipfel erreicht 3356 m Höhe, bewohnt ist die Region hauptsächlich von Berbern. Seit 2010 ist übrigens die Sprache der Berber, Amazigh, offiziell Amtssprache, nach Arabisch und vor Französisch. In den Schulen werden inzwischen alle drei Sprachen gelehrt. Das sei auch ein Zeichen gegen den Fundamentalismus, eines von vielen.

Anderen begegnet man indirekt sehr häufig. Auch auf dieser Fahrt. So wird sehr viel in die Infrastruktur investiert. Neue Straßen, Autobahnen, Schulen, Krankenhäuser, überall wird gebaut, auch und besonders auf dem Land. Auch große Wohnviertel. Manchmal frage ich mich, wer hier mal alles leben soll. Platz hat man ja. Ärzte und Lehrer auf dem Land werden übrigens besser bezahlt als in der Stadt. So will man der Landflucht entgegen wirken.

Noch etwas interessantes: Ich habe noch nie so viel Verkehrskontrollen erlebt (Geschwindigkeitsmessungen mit Laser und Radar) wie hier in Marokko. An einem einzigen Tag waren es mal zehn Kontrollen. Der Hintergrund. 2010 wurde ein neuer Führerschein eingeführt mit einem Punktesystem. Zu schnelles Fahren kostet rund 70 Euro (bei einem Pro-Kopf-Einkommen von rund 1500 Euro jährlich) und gibt 3 Punkte, bei 30 ist der Führerschein weg. Damit will man die Unfallzahlen eindämmen. Soll auch funktionieren.

Die Korruption bei der Polizei soll sich auch gebessert haben, so jedenfalls unser Fahrer Abdullah (der sich übrigens immer penibel an Geschwindigkeitsvorschriften hielt, Abstand halten scheint aber kein Thema in Marokko zu sein und Straßenspuren in den Städten auch nicht). Das Erfolgsrezept laut Abdullah: Vor etwa zehn Jahren wurde die Arbeitszeit der Polizei von 12 bis 14 Stunden täglich auch acht reduziert. Und das Gehalt von durchschnittlich 300 Euro monatlich auf 800 erhöht. Korruption soll laut verschiedenen Berichten jedoch ein großes Problem in Marokko sein, wir als Besucher jedenfalls merkten davon nichts.

Zurück zur Tour. Es folgte mit Midelt die Stadt des Apfels, dann ging es den Fluss Ziz entlang bis zu einer großen Oase gleichen Namens bis nach Tafilalt. Den Fluss entlang finden sich an dieser Strecke durch Berge und Wüste um die zwei Millionen Dattelpalmen. Hier liegt auch der größte von rund 130 Stauseen, genannt Hassan Addakhill. Marokko ist übrigens afrikanischer Vorreiter was regenerative Energien betrifft. 2015 produziert das Land immerhin 20 % des Stroms in Wasserkraftwerken, 14 % mit Wind und 5 % mit Sonne. Letzteres soll noch deutlich ausgebaut werden.

  • Unterwegs nach Merzouga

Weiter geht es durch Wüstengegenden, an Städten folgen Errachidia, Erfoud, die Stadt der Datteln und der Fossilien (die wir später noch besuchen werden), dann Er Rissan, das Tor zur Sahara. Und was macht das Wetter, erst ein Sandsturm, dann regnet es. Dann schien wieder die Sonne und so blieb es auch.

Bildergalerie Fahrt nach Merzouga

In der Sahara

Am kommenden Tag ritten wir am späten Nachmittag auf Dromedaren in die Wüste hinein, etwa zwei Stunden bis zu einem Zeltcamp, in dem wir die Nacht verbrachten. Bei mir hielt der Gurt des Sattels jedoch nicht, so dass ich einen Abgang machte. Und das Dromedar schier durchging. Aber auf Sand fällt man ja nicht so hart, also neu aufgesattelt und weiter. Die Lichtstimmung in den Abendstunden ist schon gigantisch, die Farben der Dünen bei tiefstehender Sonne kaum zu glauben. Orange, rot, gelb… Am besten die Bilder anschauen, erzählen mehr als tausend Worte. Und vom Rücken eines Dromedars, quasi von oben, ist der Ausblick noch einmal so schön. Auch wenn es gerade nicht unbedingt bequem zugeht.

  • Unterwegs in der Sahara

Später zog der Himmel dann etwas zu, die klare Sternennacht blieb so verwehrt. Zumal Vollmond war, also sowieso zu hell. Dafür war der Mondaufgang absolut sehenswert. Sieht man in dieser Form und Größe auch seltener als einen Sonnenunter- oder -aufgang. Dennoch am kommenden Morgen vor Sonnenaufgang (6.32 Uhr) auf eine Düne geklettert und zahlreiche Bilder geschossen.

Bildergalerie Merzouga und die Sahara

Von Merzouga nach Boumalen Dades

Nach einem ausgiebigen Frühstück dann wieder aufs Dromedar und zurück nach Merzouga und weiter mit dem Auto nach Erfoud. Die Stadt die wir schon mal durchfahren haben, die Stadt der Datteln und Fossilien. Und letzteres lohnt immer einen Stopp, für mich jedenfalls. Also eine Fabrik besichtigt, in der aus den fossilhaltigen Gesteinen Tische, Waschbecken, Platten oder aber polierte Fossilien wie Ammoniten und Belemniten präpariert bzw. hergestellt werden und natürlich auch angeboten. Es wurde auch eingekauft, und trotz harten Verhandeln haben wir vermutlich zu viel bezahlt. Egal, es muss einem den Preis wert sein, und günstiger als in Deutschland ist es allemal.

Weiter ging es über Tinghir zur touristisch gut besuchten Todra-Schlucht mit ihren spektakulären, etwa 300 m hohen und beinahe senkrecht abfallenden Felswänden. Mitten drin ein Hotel und Restaurant, das aber seit einiger Zeit aus Sicherheitsgründen gesperrt ist, fiel doch ein größerer Felsbrocken auf ein Gebäude. Abends in Boumalen Dades angekommen, ein wunderbares Hotel, das eigentlich zum Bleiben einlud. Aber leider waren wir hier nur für eine Nacht.

Bildergalerie Erfoud, Fahrt, Todra-Schlucht, Hotel Boumalen Dades

Vom Heiratsmarkt nach Quarzazate

Es folgte ein weiterer, gemütlicher Tag. Zuerst sind wir zu der Dadés-Schlucht gefahren auf einer schönen Strecke durch die Berge. Die Schlucht ist schöner und bei weiten nicht so erschlossen wie die Todra-Schlucht.

Am Ende der Schlucht geht es weiter nach Imilchil, einem Berberdorf. Bekannt ist der 7000 Einwohner zählende Ort durch den jährlich im September stattfindenden Heiratsmarkt. Jahr für Jahr pilgern scharenweise Berber vom Stamm der Ait Haddidou hierher, um zu heiraten oder einen Hochzeit anzubahnen. Ideal für ledige oder geschiedene Berberfrauen um sich einen Partner zu suchen. Scheidungen sind in Marokko kein Problem, und die Frauen suchen sich selbst ihren Mann aus, auch ohne Zustimmung der Familie. Deswegen kommen viele Berberfrauen hierher und treffen auf ebenso willige Männer. Viele sehen sich erstmals und heiraten dann schlicht und einfach. Freiwillig. Hier findet sich eine Videoreportage auf YouTube zu dem Thema. Zugleich findet zu dem Termin einer der wichtigsten Viehmärkte Marokkos statt.

Weiter des Weges mit einem Halt abseits touristischer Pfade an einem Wochenmarkt in Souk Al Khamiss, Gewürze standen hier auf dem Einkaufszettel.

Am frühen Nachmittag erreichten wir dann Quarzazate, unser Tagesziel. Eine moderne Stadt, Zentrum für Filmproduktionen aus aller Welt. Mehrere Studios sind hier aktiv, ein 5-Sterne-Hotel beherbergt die Filmstars. Gedreht wurden hier zum Beispiel Teile von Lawrence von Arabien, Gladiator, Game of Thrones, Die Päpstin und viele Bibel- und Antikenfilme. Es folgte ein Einkaufsbummel in einem Antiquitätenladen mit einer riesigen Auswahl an originalen antiken Sachen von den Berbern, Juden, nordafrikanischen Völkern…, bei Touristen nahezu unbekannt – selbst unser Führer war erstmals hier. Er bekam den Tipp von einem Kollegen. Auch hier ist natürlich faires aber hartes Handeln angesagt.

Bildergalerie Dadés-Schlucht bis Quarzazate

Ait Ben Haddou bis Taroudant

Nächstes Ziel war dann die Kasbah Ait Ben Haddou. Kasbah oder Ksar bezeichnet ursprünglich eine inner- oder außerhalb von Städten gelegene Festung. Dazu zählen heute auch die aus Stampflehm errichteten Festungsanlagen der Berberfürsten. Nicht selten wird der Begriff zudem für Wohnburgen der Berber verwendet, bei denen der militärische Aspekt keine größere Rolle spielte.

  • Ksar Ali ben Heddou

Die Kasbah Ait Ben Haddou aus dem 18. Jahrhundert ist eine befestigte Stadt, der alte Ortskern seit 1987 Weltkulturerbe. Sie dient ebenfalls häufig als Filmkulisse, besteht aus mehreren eng aneinander gebauten und teilweise ineinander verschachtelten Wohnburgen. Noch ist der Ort von vier Familien bewohnt, es scheint aber nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis sich der Ort zu einem Freilichtmuseum wandelt. Wir konnten durch Zufall eine Familie besuchen, wurden zum Tee eingeladen. Generell könnten sich besonders die Deutschen von der Gastfreundschaft der Marokkaner eine dicke Scheibe abschneiden.

Ende der 70er-Jahre wurde ein großer Teil der Kasbah für den Film Jesus von Nazareth restauriert, weitere Renovierungsmaßnahmen fanden in den Jahren 2000 bis 2015 statt. Dennoch ist die Zukunft unsicher, ist der Erhaltungsaufwand für die Lehmbauten doch enorm. Jedenfalls ist Ait Ben Haddou eine der immer noch am besten erhaltenen Lehmbausiedlungen in Marokko, trotz der Filmcrews und zahlreicher Touristen. Oder vielleicht gerade deswegen.

Nach weiteren Stopps erreichten wir Taliouine, die Stadt des Safrans. Hier jedenfalls soll es den besten weltweit geben, wir tranken sogar Tee mit Safran. Und kauften etwas ein, den echten. Bei einer Frauenkooperative. Zu einem Viertel was er in Deutschland kostet. Der Safran wird aus einer Krokus-Art gewonnen, die im Herbst violett blüht. Nur die aromatisch riechenden Stempelfäden werden verwendet. Für ein Gramm des Gewürzes benötigt man rund 1500 bis 2000 Blüten, alles reine Handarbeit. Da das Gewürz sehr teuer ist, wird es auch gern gefälscht, etwa in Form einer Kurkuma-Mischung. Selbst die Fäden fälscht man, wer aber mit Aussehen und Geruch vertraut ist, erkennt den Unterschied

Unser Ziel Taroudant war dann am späteren Nachmittag erreicht, zu einem Besuch einer Gerberei und des Souks reichte es noch. Um dann in unseren Riad abzusteigen, in der Medina. Von außen sieht es wie schon öfter nicht so geheuer aus, öffnet sich die unscheinbare Tür, wartet bald ein kleiner Palast auf einen.

Bildergalerie Aid Ben Heddou bis Taroudant

Agadir und Essaouira

Nächstes Ziel Agadir am Atlantik gelegen. Gegründet von portugiesischen Seefahrern um 1505. Heimatstadt unseres Fahrers Abdulah. Die Stadt wurde am 29. Februar 1960 am Ende des Ramadan gegen Mitternacht durch ein Erdbeben völlig zerstört mit bis zu 15.000 Toten. Deswegen gibt es keine alte Medina mehr, eigentlich nichts Altes mehr. Außer der Kasbah auf einem Hügel. Alles wurde neu aufgebaut. Die Stadt ist heute besonders im Strandnahen Bereich von Hotelanlagen, Appartements und dem Handel mit Kunsthandwerk geprägt.

Agadir, Blick von der Kasbah aus

Besonders interessant für uns waren der Fischereihafen und natürlich die Strandpromenade mit zahlreichen Touristen. Hier treffen Kulturen aufeinander, ganz friedlich. Wenige Vollverschleierte, deutlich mehr nur mit Kopftuch, viele sehr modisch und figurbetont gekleidet, Badende mit Badeanzug oder Bikini, Touristen wie Marokkanerinnen. Von der Kasbah aus hat man übrigens einen wunderbaren Blick auf die Stadt.

Bildergalerie Agadir

Weiter ging es Richtung Essaouira, eine Zeitlang an der Küste entlang. Auf dem Weg kurz vor dem Ziel besuchten wir eine Frauenkooperative, die das wertvolle Arganöl herstellen und kauften natürlich etwas ein. Das Öl wird aus den Samen der gelben Beerenfrucht des Arganbaumes durch Handpressung gewonnen. Es ist ein nussartig schmeckendes, vergleichsweise teures Speiseöl. Es wird zudem in der Kosmetik und Haarpflege verwendet. Zur Produktion eines Liters werden ungefähr 30 Kilogramm Früchte benötigt, also die Ernte von 4 bis 5 Bäumen. Die Bäume sind in Marokko laut Abdullah streng geschützt, kein einziger darf mehr gefällt werden, auch nicht für Baumaßnahmen. Auf das Fällen steht seit zehn Jahren Gefängnisstrafe, nachdem bis dahin der Bestand von 19.000 auf etwa 9.500 Hektar zurückging.

In Essaouira dann in ein Riad in der Medina eingecheckt und auf zum Fischereihafen, an dem frisch gefangener Fisch verkauft und gehandelt wurde. Zum Abendessen bot sich natürlich ein Fischrestaurant an.

Bildergalerie Fahrt nach Essaouira

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Am Hafen von Essaouira

Heute ist unser letzter Tag bevor es wieder zurückgeht. Kurzfristig sind wir den halben Tag in Essaouira geblieben, anstatt gleich nach Marrakesch zu fahren. Essaouira ist eindeutig die schönere Stadt, besonders der Hafen und der Strand haben es uns angetan. Im Hafen, ein wirklich ursprünglicher Ort an dem das Leben wuselt, einfach eine tolle Atmosphäre und unendlich viele Fotomotive. ich denke, die Bilder sprechen für sich.

  • Essaouira

Bildergalerie Essaouira

Marokko ist immer eine Reise wert und das wird auch nicht unser letzter Besuch bleiben. Liberal, offen, ein toleranter Islam, ja auch protestantische und katholische Kirchen finden sich hier genauso wie Synagogen, weite und schöne Landschaften, ein quirliges Leben, nette, zuvorkommende und gastfreundliche Menschen, eine gute Infrastruktur…, wir als Besucher jedenfalls nahmen es so wahr.

 

 

Ein Gedanke zu „Marokko 2015 – die Tour“

  1. Ich habe deinen Bericht mit Freude gelesen. Bilder und Text machen einen neugierig auf Marokko… Ich selbst bin von dem Land begeistert und werde nächstes Jahr wieder hinfahren um noch mehr Schönheiten zu entdecken.

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