Mexiko Januar 2012

Von Wüsten, Menschen und sanften Riesen

Der Nordwesten mit dem Barranca del Cobre, dem Kupfercanyon, und der Baja California, wenig besuchte Regionen Mexikos. Hier finden sich keine Ruinen der Azteken oder Mayas, sondern grandiose Landschaften, zerklüftete Berge, gähnende Abgründe, Wüsten in ihrer ganzen Vielfalt mit riesigen Kakteen und – zwischen Mitte Dezember und Anfang Mai – zahlreiche Grauwale, die sich aus nächster Nähe beobachten lassen. Hinkommen lässt sich mit dem Chepe, der Eisenbahn. Sie führt durch ein 3000 m hohes Gebirge auf einer, wie es heißt, der schönsten und spektakulärsten Eisenbahnstrecken der Welt.
Zum Herunterladen, der Reisebericht Mexiko 2012 und hier geht es zum kurzen Trailer vom Film (2.00min.)

 

Unsere Route:
Von der Stadt Chihuahua aus im Norden zentral gelegen geht es mit dem Zug in vier Tagen bis nach El Fuerte im Nordwesten, unterbrochen von Stopps in Creel, Posada Barrancas und Cerocahui. Auf El Fuerte folgt Topolobampo, von dort aus geht es mit der Fähre über Nacht nach La Paz auf der Baja California. Besucht werden von La Paz aus kleinere Ortschaften wie El Triunfo, San Antonio und López Mateos. Hier geht es erstmals zur Walbeobachtung raus aufs Meer. Besichtigt werden u. a. Loreto, die Minenstadt Santa Rosalía und San Ignacio sowie einige kleinere Ortschaften mit alten Missionen (Kirchen). Von San Ignacio aus ging es zu einer weiteren Walexkursion. Besucht wurde zudem die Salzgewinnungsanlage von Guerrero Negro, am Pier werden ebenfalls Bootstouren zu den Grauwalen angeboten. Zurück in La Paz folgte ein Abstecher mit dem Boot zu der unbewohnten Insel Espíritu Santo. Alles in allem 18 Tage Kupfercanyon und Baja California – der Norden Mexikos pur.

Zum Stöbern und surfen, die Linkliste zu Nordmexiko.

Zur Bildergalerie der – subjektiv betrachtet – schönsten Aufnahmen der Reise, eine kleine Auswahl

Chihuahua bis El Fuerte mit dem Chepe

Trockener, sandiger Ort, so lässt sich Chihuahua (gesprochen Chiwawa) in etwa übersetzen. Die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates mit rund 750.000 Einwohnern ist unser Ausgangspunkt für die Tour in den Nordwesten Mexikos. Und wie der Name schon sagt, liegt sie mitten in der Wüste in einer Oase. Touristisch bietet die Stadt nicht allzu viel, einzig einige Bauwerke aus dem 18. Jahrhundert lohnen eine Besichtigung und das Museum La Quinta Luz, gewidmet dem mexikanischen Volkshelden Pancho Villa, der hier seinen Wohnsitz hatte.
In der Umgebung finden sich zahlreiche Minen, auch ist die Stadt durch die Nähe zur Grenze der Vereinigten Staaten eine Metropole, in der sich mexikanische Sitten und Gebräuche mit den nordamerikanischen mischen. Leider kämpft Chihuahua auch mit den Problemen des Drogenhandels, eben wegen der Nähe zu den USA. Als Besucher bekamen wir davon jedoch nichts mit.

Bildergalerie über Chihuahua

Besuchenswert ist die Kathedrale, ein meisterhaftes Gebäude aus rosafarbenem Stein. Der Bau dauerte über 100 Jahre. Im Zentrum gelegen ist auch der Gouverneurspalast, ein Bauwerk im neoklassischen Stil. Hier lässt sich die Gefängniszelle des Paters Miguel Hidalgo besichtigen, dem Gründervater Mexikos, der 1811 im Patio des Regierungspalastes erschossen wurde. Besuchen sollte man zudem das Museum La Quinta Luz zu Ehren des Nationalhelden Francisco Pancho Villa, der die berüchtigte Division Norte anführte und Chihuahua zur Wiege der mexikanischen Revolution machte.
Hat man genügend Zeit, lässt sich auch der archäologische Komplex von Paquimé besuchen, einem der wichtigsten vorspanischen Fundstellen von Mexiko mit rund 50, bis zu dreistöckigen Gebäuden. Sehenswert sind zudem die Kupfermienen, die im Tagebau abgebaut wurden. Die ausgehobenen Täler sollen größer sein als der Grand Canyon und die Halden bis zu 300 m hoch. Diese Zeit hatten wir jedoch nicht.

El Chepe
Wir machten uns gleich an nächsten Tag mit dem Zug Richtung Pazifik auf, dem Chihuahua al Pacifico, kurz Chepe genannt. Die streckenweise spektakuläre Zugstrecke schlängelt sich über Ebenen und durch die Felsen der Sierra Madre, entlang tiefer Schluchten, überquert 175 kleinere und größere Brücken, durchquert 86 Tunnels – mit bis zu 1838 m Länge – und bewältigt einen Höhenunterschied von 2400 m. Zugleich durchfährt man unterschiedliche Vegetationszonen, etwa kühle Bergwelten und Landschaften voll von Kakteen oder auch die Pazifikküste mit ihrem subtropischen Klima.

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CreelZuerst ging es rund fünf Stunden mit dem Chepe über eine Strecke von knapp 300 Kilometer nach Creel. An sich ein unspektakulärer Ort, bewohnt von vielen Holzfällern und ab und an besucht von Touristen, die zum Wandern hierher kommen. Im Winter kann es hier schneien, und auch die Null Grad Grenze wird an manchen Tagen unterschritten. Von hier aus lassen sich zahlreiche Ausflüge in die Sierra Tarahumara zu Wasserfällen, Höhlen, Aussichtspunkten und dem Arareco-See machen. Wir entschieden uns für eine Tour in das Tal der Pilzköpfe, Felsformationen, die eben Pilzen gleichen. Und zum Besuch einer Rarámuri-Wohnhöhle. Die indigene Ethnie lebt im Norden Mexikos, auch als Tarahumara bezeichnet. Bekannt sind sie für ihre Langstreckenläufe durch Wüsten, Schluchten und Berge, Rarámuri bedeutet in ihrer Sprache „jene, die schnell laufen“. Ob zur Jagd oder bei Wettrennen, sie können 170 km laufen ohne anzuhalten.

Auch heute noch leben sie sehr isoliert, bewahren ihre Traditionen. Viele bewohnen immer noch Höhlen und bauen Mais und Bohnen an, leben sehr ärmlich und sind von der Regierung in Mexiko-City fast vergessen. Zwischen 50.000 und 70.000 sollen hier noch leben, so genau weiß man es nicht. Man trifft sie in der Nähe von Creel an. Auffallend ist die Kleidung. Frauen tragen voluminöse Faltenröcke undBlusen aus gemusterten farbenfrohen Stoffen. Die sind bei den Männern unifarben, kombiniert mit Lendenhosen. Am Fuß tragen sie Sandalen mit Lederbändern.

Von Creel aus besuchten wir auch eine Jesuitenmission in Cusaráre. Der Name bedeutet „wo die Adler fliegen“. Die Jesuiten kamen mit den Spaniern Ende des 16. Jahrhunderts in das Land, die Kirche wurde 1741 errichtet. Früher war sie deutlich kleiner, ihr heutiges Aussehen bekam sie bei einem Umbau 1826. Hier finden sich zwölf Gemälde von 1713, gemalt vom mexikanischen Künstler Miguel Correa. Entdeckt wurden die Bilder erst 1969 in sehr schlechtem Zustand, als der Glockenturm einstürzte.

Von hier aus lässt sich zudem ein 33 m hoher Wasserfall besuchen, nahe der Siedlung der Rarámuri-Indianer. Zu erreichen ist er auf einer etwa 3,5 km langen Wanderung auf einem alten Rarámuri-Pfad. Auf der Rückfahrt nach Creel bot sich ein kurzer Stopp am Lago Arareco an.

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem Stadtbummel weiter mit dem Zug in etwa zwei Stunden nach Posada Barrancas. Kein Ort, sondern eher ein Aussichtspunkt, für den die Bahn einen extra Halt eingerichtet hat, und ein paar traumhaft gelegene Hotels. Oben am Berg, vom Zimmer aus, ein fantastischer Ausblick auf drei der neun Schluchten des Barranca del Cobre. Kaum zu beschreiben, man muss schon dort gewesen sein.

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Die Kupferschlucht

Posada Barrancas ist Ausgangspunkt für einige Exkursionen in den Barranca del Cobre, der Kupferschlucht. Der Name leitet sich vom kupferfarbenen Gestein ab, das es annimmt, wenn es geregnet hat und alles nass ist. Mit einer Fläche von 25.000 bis 30.000 km2, einem 600 km langen Schluchtensystem und bis zu 1800 m tiefen Canyons handelt es sich um einen der größten Nordamerikas. Sechs Flüsse formten die neun größeren Canyons. Man vergleicht ihn mit dem Grand Canyon. Dabei ist er doppelt so groß als sein nordamerikanisches Gegenstück. Zugleich ist er ein Naturparadies und Siedlungsgebiet der verstreut lebenden Tarahumaras. Von den Hotels aus lassen sich auch einige Familien besuchen, die ihr Handwerk anbieten. Besonders erwähnenswert, aus Nadeln von Pinien geflochtene Gefäße. Der Lohn für eine eintägige Arbeit: rund 20 Peso (1,20 €).

Rund 290 Vogelarten tummeln sich in der Region und über 3500 unterschiedliche Pflanzen sind hier zu finden, darunter 400 mit medizinischer Wirkung. Fünf Klimazonen sorgen für diese Vielfalt. Auch Tiere lassen sich beobachten, so kann man in den Steilhängen auf Pumas, Coyoten, Bären, Füchse, Wölfe und Wild treffen, wenn man denn Glück hat und ausreichend Zeit für Wanderungen.

In der Kupferschlucht lassen sich ein- und mehrtägige Touren unternehmen. Die sind jedoch nicht zu unterschätzen, ist die Landschaft doch Wildnis pur. Außerdem werden in abgelegenen Gegenden Drogen angebaut, und diese Orte sollte man doch besser meiden. Also heißt es, sich gut zu informieren oder man setzt gleich auf einen ortskundigen Führer.

Empfehlenswert ist die Seilbahnfahrt zum Aussichtspunkt im Herzen der Kupferschluchten mit einem guten Blick auf den Río Urique. Der erste Abschnitt des Seilbahn-Systems hat eine Länge von 2.750 m und wurde 2010 fertig gestellt. Später einmal soll sie in zwei Abschnitten auf 5500 m Länge kommen. Die Fahrt vom Piedra Volada aus bietet gute Aussichten in das umliegende Canyon-System. Wanderwege auf alten Rarámuri-Pfaden runden das Erlebnis ab.

Um 13 Uhr ging es dann mit dem Zug weiter nach Bahuichivo, etwa 90 Minuten dauert die Fahrt. Gelegenheit, die Landschaft in aller Ruhe vom Sessel aus zu beobachten. Nach unserer Ankunft erreichten wir das vom Bahnhof etwa noch 30 Autominuten entfernte Ziel Cerocahui. In der Stadt mit etwa 3000 Einwohnern lässt sich eine alte Missionskirche in der Sierra Madre besuchen. 1680 durch den Jesuitenpater Juan María de Salvatierra gegründet, verfiel die Mission über die Jahrhunderte, wurde aber in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts unter Leitung von Padre Andrés Lara restauriert. Dieser energische Padre entwickelte viel Tatkraft, um den Bewohnern der Region das harte Leben erträglicher zu machen.

mexiko-2012-tag-04-cerocahui-0518Direkt gegenüber besuchten wir noch eine der viel zu seltenen privaten Mädcheninternate Nordmexikos, in dem die Töchter der Tarahumara die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen und etwas von ihrer Kindheit zu erleben. Derzeit sechs Nonnen kümmern sich liebevoll um die 86 Mädchen, hier gehen sie in die Grundschule, lernen Wichtiges fürs Leben, etwa Kochen, Nähen und Disziplin. Die private Schule lebt von Spenden, der Unterstützung durch die Stadt und der Kirche. Hilfreich sind auch die wenigen, herzlich empfangenen Besucher, welche die Schule mit einer kleinen Spende unterstützen. Nur etwa ein Drittel der Tarahumara-Kinder hat überhaupt die Möglichkeit, eine staatliche oder privat finanzierte Schule zu besuchen, trotz Schulpflicht. Üblicherweise bekommen sie mit 14, 15 ihr erstes Kind und heiraten, wenn überhaupt.

Cerocahui ist auch Ausgangspunkt für eine Fahrt zum Aussichtspunkt Cerro del Gallego. Für die Strecke auf einer Naturpiste sollte man genügend Zeit einplanen, man schafft etwa 25 km pro Stunde. Der Blick in die Tiefe der Urique-Schlucht auf das etwa 1800 m tiefer liegende gleichnamige Städtchen ist beeindruckend, etwas für Schwindelfreie. Dort machten wir auch eine kurze Wanderung durch eine wirklich schöne Gegend. Leider war die Zeit etwas knapp bemessen, mussten wir doch zurück, um rechtzeitig den Zug zu erreichen. Der dann eine Stunde Verspätung hatte.

Bildergalerie Fahrt bis Posada Barrancas

Weiter mit dem Chepe erreichen wir etwa vier Stunden später bei Dunkelheit die Endstation, El Fuerte – für uns jedenfalls, der Zug fährt noch einige Kilometer bis Los Moches. Historisch gesehen ist El Fuerte, 1563 durch den Spanier Francisco de Ibarra gegründet, eine der wichtigsten Städte im Norden Mexikos. 1610 wurde ein Fort gegründet, daher der Name El Fuerte. Es sollte vor den Angriffen der Indianer schützen. Typisch für die Städte sind im Zentrum gelegen ein Pavillon mit Gartenanlage, das Rathaus und die Kirche. Die Stadt lohnt einen Bummel, man sollte sich schon drei/vier Stunden Zeit nehmen. Eine Besichtigung wert ist auf jeden Fall das gleichnamige Hotel El Fuerte, erbaut vor etwa 300 Jahren und wundervoll restauriert. Voll von Antiquitäten und alter Geschichte aus der Kolonialzeit. Und einen guten Überblick hat man von der Festung aus, die heute als Museum dient.

Bildergalerie Posada Barrancas bis El Fuerte

El Fuerte
Am Nachmittag fuhren wir dann die rund 70 km nach Topolobampo, ein Fischerdorf mit einer abenteuerlichen Geschichte. Der Grund: der amerikanische Ingenieur Albert K. Owen war bei einem Besuch im Jahr 1868 von der Gegend so begeistert, dass er hier eine »Sozialistische Metropole des Westens« plante, genannt Topolobampo. Um sie mit der Welt zu verbinden, entwarf er vier Jahre später die Eisenbahntrasse durch die Sierra Madre nach Chihuahua, eben El Chepe, und weiter in die USA. 1881 übergab ihm die mexikanische Regierung den Boden, und acht Jahre später kamen 300 Abenteurer mit dem Schiff aus New York. 1891 brach das Projekt zusammen, nur wenige blieben zurück. Noch heute finden sich einstmals prächtige Villen, an denen der Zahn der Zeit nagt. Die Natur aber blieb: kleine Felseninseln im Meer, unberührte Buchten, weiße Strände. Heute lebt der Ort vom Fährbetrieb, einem bescheidenen Tagestourismus und dem Fang von Langusten. Mit einer Bootstour lässt sich hier auch der drittgrößte natürliche Meereshafen der Welt erfahren.

Wir unternahmen eine Tour mit zwei kleinen Booten zur Insel der Enten, der Isla de los Patos. Ein Vogelschutzgebiet, hier ließen sich vom Boot aus u.a. zahlreiche Kormorane, Pelikane und Fischreiher beobachten. Nicht weit weg konnten wir dann zwei Delphinfamilien beobachten, nahe der Insel der Delphine (Isla de los Delfines). In dem Naturreservat leben die Delfine das ganze Jahr über, die Chance sie zu sehen ist groß. Zumal die Fischer sehr genau wissen, wo sie zu finden sind. Die Tiere sind in Mexiko streng geschützt.

Bildergalerie zu Topolabambo

Für uns ist das Fischerdorf Startpunkt für die Überfahrt zur Baja California. Der Fährdienst zwischen Topolobampo und Pichilingue ist die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen der Halbinsel und dem mexikanischen Festland. Los ging es Abends um elf Uhr, Ankunft gegen fünf Uhr. Die Sicherheitskontrollen bei der Autofähre, so streng wie an Flughäfen. Hier macht sich der Drogenkrieg so richtig bemerkbar. Zahlreiche schwer bewaffnete und vermummte Militärs, Personenkontrollen, Sicherheitschecks, bevor es für die Nachtfahrt in die Kabine ging. Auch die zahlreichen Lastwagen und PKWs wurden kontrolliert, soweit dies möglich ist. Die gleiche Prozedur dann beim Aussteigen, Personen- und Fahrzeugkontrollen, lange Schlangen… Man sollte schon um die drei Stunden einplanen, als wenn man in ein fremdes Land reist.

Generell sah man die Polizei jedoch nicht viel häufiger als in Deutschland. Dann aber häufig mit mindestens zwei Fahrzeugen, Pickups, zwei Polizisten in der Kabine, zwei oder drei stehend auf dem Pick-up, ausgerüstet mit Maschinengewehren, Pistolen, schusssicherer Weste, schwarzen Uniformen, oft vermummt. Wir hatten jedoch nie das Gefühl der Unsicherheit, die Berichterstattung in Europa erfolgt halt nach dem Motto: bad news are good news. Mexiko jedoch ist viel mehr, und ganz sicher ein faszinierendes Reiseland, was auch für den Norden gilt.

Baja California

Die Baja California, auch Niederkalifornien genannt, ist eine schmale und langgezogene Halbinsel im Nordwesten Mexikos von 1200 km Länge und 80 bis 220 km Breite, mithin größer als die Apennin-Halbinsel Italiens. Dominiert wird die Landschaft durch die Vegetation der Sonora-Wüste. Auch die Tierwelt ist der Wüste angepasst. so finden sich u. a. Leguane, Klapperschlangen, Kitfüchse oder Alkenvögel. Die Herkunft des Namens Kalifornien ist unklar, er könnte von der Bezeichnung calida forna – heißer Ofen – abgeleitet sein. Besonders bekannt ist die Halbinsel für ihre Möglichkeit, vor der Küste Wale aus nächster Nähe zu beobachten. 18 km von Fährhafen in Pichilingue liegt La Paz, Hauptstadt des Bundesstaates Baja California Sur, dem südlichen Teil der Halbinsel. Dazu am Ende des Berichtes mehr. Wir jedenfalls machten uns erst mal auf Richtung Süden zu den Dörfern El Triunfo und San Antonio, einst ihrer Bodenschätze wegen mit die wichtigsten Bevölkerungszentren der südlichen Baja California.

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El Triunfo hat heute noch um die 330 Einwohner und gleicht mehr einer staubigen Geisterstadt. Dennoch finden sich neben Ruinen renovierte Häuser, gute Wege, und der ganze Ort wirkt sehr gepflegt. Die Einwohner leben von etwas Viehzucht und von den wenigen Touristen, die sich hierher verirren. Das aber lohnt sich. Sehenswert ist die Kirche zu Ehren der heiligen Babara, die hier in Mexiko häufig eine größere Bedeutung spielt als Christus. Weiter die alten Ruinen des Silberbergbaus, der Ende der 1890er-Jahre zu Ende ging, einzelne Häuser, das Cafe El Triunfo und ein kleines Musikinstrumenten-Museum.

Etwas mehr Einwohner hat San Antonio, hier sollte man die Ortsmitte besichtigen, mit der Kirche San Antonio zu Ehren des heiligen San Antonio. Beides typische alte mexikanische Städte, geprägt durch die Spanier und einen Besuch wert.

Eine weitere sehenswerte Stadt ist Todos Santos, nur knapp drei Kilometer vom Pazifik entfernt. Die Entfernung nach La Paz beträgt etwa 80 km. Zahlreiche Galerien und kleine Läden prägen die Stadt, viele Künstler bieten hier ihre Waren an. Die Stadt ist schon deutlich mehr touristisch geprägt, hat aber dennoch viel von Ihrem alten Charme erhalten. Sehenswert ist auch die Kirche „Unsere Mutter Pilar Todos Santos“ im Zentrum gelegen. Man sollte schon zwei/drei Stunden einplanen, um durch die Gassen zu bummeln und die schönsten Läden und Galerien zu besichtigen.

Richtig touristisch geprägt im amerikanischen Stil war unser nächstes Ziel, Cabo San Lucas, rund 90 km von Todos Santos entfernt. Discomusik am Yachthafen, ein Bootsverkehr wie in der größten Rushhour, viele Amerikaner die mal schnell runterjetten, ein Paradies für Wassersportler – jedoch wenig für uns. Wir machten eine etwa einstündige Bootfahrt, sahen ein paar Robben, viele Vögel, Boote… und unseren erste Wale, wenigstens kurz. Trotz des Trubels. Dann kehrten wir der Stadt schnell unseren Rücken zu und fuhren zurück nach La Paz. Cabo San Lucas, das muss man mögen. Ansonsten kann man sich die Tour auch sparen. Unser Ziel war das Fischrestaurant von Vorabend, in dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht hatten. Der Fisch war vorzüglich. Generell kann man sich an die mexikanische Küche gewöhnen, auch an die Schärfe.

Bildergalerie der Tour von La Paz bis Todos Santos über El Triunfu und Cabo San Lucas

Am nächsten Morgen verließen wir dann La Paz und fuhren nach López Mateos. Im engen Kanal vor der Stadt sind Wale auf stetiger Durchreise. Hier starteten wir unsere erste Walexkursion auf Pangas, kleinen Sportfischer-Booten. In der Lagune lassen sich damit Grauwale hautnah in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Mit zwei kleinen Booten fuhren wir hinaus und sahen zahlreiche Wale, sogar springend. Leider aus der Entfernung. Dafür kamen aber ein Muttertier und sein Kalb direkt an die Boote. Sie kamen sogar so nah an das Boot, dass man sie streicheln konnte. Einfach faszinierend diese friedfertigen Riesen so zu beobachten. Sie spielten richtig mit uns, zeigten keine Scheu. Hier merkt man, dass die Tiere in Mexiko und vielen anderen Ländern streng geschützt sind. Leider werden bestimmte Arten in Ländern wie Japan, Island und Norwegen (ja auch europäische Länder schlachten die friedfertigen Riesen noch ab) immer noch gejagt. Rund zwei Stunden, etwa 50 Minuten davon auf Video und 300 Bilder später ging es zurück ans Kai. Ein faszinierendes Erlebnis. Und es sollte nicht das letzte sein. Es stimmt, dass der Golf von Kalifornien die weltweit beste Stelle ist, um Wale zu beobachten. Kein Vergleich mit Kanada oder den USA, aus eigener Erfahrung.

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Die GrauwaleDer Grauwal, ein Bartenwal, lebt in arktischen bis warm-gemäßigten Gewässern. Er erreicht Längen von 13 bis 15 Metern und ein Gewicht bis zu 34 Tonnen. Diese schiefergrau bis dunkelgrau gefärbten Wale erscheinen in der Entfernung oft weiß gefleckt. Der Grund dafür sind die Besiedlung der Haut
durch parasitische Krebstiere wie Seepocken, Entenmuscheln und
Walläuse. Bis zu 60 Jahre alt kann so ein Riese werden, sofern ihn der Mensch lässt. Erst 1946 wurde die Art unter Schutz gestellt und so vor dem Aussterben bewahrt. Heute leben wieder um die 22.000 Tiere im Ostpazifik, nur scheinen die Nahrungsvorräte selbst für diese gegenüber früher geringe Zahl an Tieren nicht mehr auszureichen.

An der Baja California leben die Grauwale recht nah an der Küste, sind dementsprechend ein sehr beliebtes Ziel für den Waltourismus. Wobei es dennoch nur wenige Menschen sind, die diese Touren auf sich nehmen. Der „Rummel“ hält sich also in Grenzen. Man darf sich mit den kleinen Booten bis auf 30 m nähern. Den Rest machen die Wale dann selber wenn sie wollen, und schwimmen bis an die Boote heran. Die Grauwale verbringen den Sommer in polaren Gewässern und ziehen im Winter südwärts. Die ostpazifische Population überwintert vor den Küsten von Kalifornien und Mexiko und pflanzt sich hier auch fort. Weiter südlich schwimmen sie kaum mehr, werden sie in Peru und Chile doch weiterhin gejagt.

Grauwale legen bei ihren Wanderungen bis zu 10.000 km zurück, mehr als jede andere Wal- und auch Säugetierart. Dabei sind sie mit rund acht Kilometer pro Stunde langsame Schwimmer. Sie finden sich meist in kleineren Gruppen, sind sehr sozial. So ließ sich beobachten, wie kranke oder verletzte Artgenossen zum Atmen an die Wasseroberfläche gebracht wurden.

Gefressen wird vorwiegend während der Sommermonate, die Fettvorräte müssen dann für die lange Wanderung und die Fortpflanzungszeit genügen. Die Nahrung sind Flohkrebse, Ruderfußkrebse und kleine Fische. Als einziger Wal geht er auch am Meeresgrund auf Nahrungssuche. Dabei filtert er Bodenbewohner aus dem Schlamm, unter Bartenwalen der einzige.

Bildergalerie Fahrt nach/und Lopes Mateos – Walbeobachtung aus nächster Nähe

Weiter im Landesinneren

Entlang der Straßen durch die Wüste finden sich immer wieder riesige Kandelaber-Kakteen. Am besten erfahren lassen sie sich durch eine Wanderung. Man fühlt sich wie ein Zwerg. Wir fuhren entlang der Bahía Concepcíon mit einer malerischen Kulisse aus tiefblauem Meer, weißen Sandstränden und den mächtigen Kakteen. Die Bucht ist ein Meeresschutzgebiet, in dem verschiedene Vogelarten, Wale, Delfine und Walhaie ihren Lebensraum haben.

Unser Ziel war Guerrero Negro, unser nördlichster Punkt der Reise. Von dort aus ging es dann wieder in Etappen zurück nach La Paz. In Guerrero Negro besuchten wir als erstes eine riesige Salzgewinnungsanlage, spanisch für schwarzer Krieger. So entstand auch der Name der 1972 gegründeten Stadt, sank vor der Bucht doch ein Schiff Namens Black Warrior. In der Salzanlage erwartet den Besucher eine bizarre Welt der weißen Salzbecken. Fünf Prozent der weltweiten Salzgewinnung erfolgt hier auf rund 90 Quadratkilometern, damit ist die Firma der weltweit größte Salzproduzent. Meerwasser mit einem Salzgehalt von etwa vier Prozent wird in riesige Becken gepumpt, durch die Sonne verdunstet das Wasser, zurück bleibt eine etwa 25 cm dicke Salzschicht. Die wird abgefräst und ähnlich wie bei Erntemaschinen gleich in riesige Trucks mit drei Wagen geladen. Jeder fasst 120 t Salz, summa summarum transportiert jeder davon 360 t in die Waschanlage. Das Abfräsen dauert gerade mal zehn Minuten. Nach der Waschanlage hat man ein Salz mit einem Reinheitsgrad von 99,97 %, das meiste davon wird nach Japan per Schiff exportiert. Täglich werden etwa 23.000 t Salz gewonnen, jährlich um die 9,5 Mio. t. Die Firma beschäftigt etwa 1600 Mitarbeiter, die durchschnittlich 1000 Euro verdienen. Relativ viel, zumal sie ein Haus und ein Auto gestellt bekommen, Sportanlagen vorhanden sind und Grundnahrungsmittel zu günstigeren Preisen in eigenen Läden bezogen werden können. Sonst würde wahrscheinlich aber auch kaum ein Mensch in die Wüstengegend zum Arbeiten kommen.

Guerrero Negro – Salzgewinnung
Hauptgrund für den Besuch der Stadt ist jedoch das Walbeobachtungspier, von hier aus ging es zu unserer zweiten Walexkursion, wieder mit den Panga-Booten. Auch hier boten sich fantastische Möglichkeiten, die Grauwale aus nächster Nähe zu beobachten. Und sie ließen sich blicken. Dutzende um uns herum meist mit etwas Abstand. Kurz kam auch eine Kuh mit ihrem Kalb zu uns, wieder einige wunderschöne Momente. Aber ansonsten eher wenig aus der Nähe, gut, wir waren natürlich nach den Erlebnissen in Lopez Mateos etwas „verwöhnt“.

Eine kurze Abendwanderung durch eine Dünenlandschaft nahe Guerrero Negro rundete den Tag mit einem wunderschönen Sonnenuntergang ab. Und ein Fischadler mit frisch gefangenem Fisch im Abendrot sorgte für die letzten Aufnahmen.

Am folgenden Tag ging es dann auf dem Weg südlich (160 km) nach San Ignacio in eine unwirtliche Gegend. Schon die Straße, eine kleine Herausforderung. Entlang der Felsen auf schwieriger Piste – hier einmal ein Lob an unseren die ganze Reise sehr guten und sicheren Fahrer Martin – ging es zum Schluss auf etwa 16 km abenteuerlicher Piste (einfach, mussten wir die Strecke ja wieder zurück auf die Hauptstraße) zu Felszeichnungen der Chochimí-Indianer. Geschätzt 10.000 Jahre alt in rot und schwarz lassen sich Puma, Hirsch, Schildkröte und ein Mensch besichtigen. Den Weg zu der archäologischen, gut geschützten Stelle finden jährlich kaum mehr als 100 Besucher. Dafür sorgt schon der Weg. Noch faszinierender war jedoch der Weg selbst. Die zerklüfteten Canyonlandschaften des Nationalparks San Francisco, die Ausblicke auch auf die Pazifikebene und besonders die Fauna in Form zahlreicher Kakteen und Sukkulenten begeisterten einfach. Endemisch sind zum Beispiel die Cirien – eigentümliche, metergroße Sukkulenten, die sich kaum beschreiben lassen. Zahlreiche Stopps sorgten dafür, dass wir etwa drei Stunden später in San Ignacio ankamen und dafür auf einen ersten Ausflug verzichteten. Das aber war es allemal wert.

San Ignacio an, eine Stadt mit etwa 4000 Einwohnern, liegt mitten im Ödland. 1728 errichtete der Jesuit Juan Bautista Loyando an dieser Stelle eine Mission und benannte sie nach dem Gründer seines Ordens, dem heiligen Ignatius von Loyola. Von hier aus ging es zu der dritten Walexkursion, wieder mit den wendigen Motorbooten, hinaus auf die Laguna San Ignacio. Wenn nur die Anfahrt von San Ignacio zu dem Bootspier nicht wäre, einfach über 2 ½ Stunden, fast überwiegend Piste. Doch es lohnt: Zahlreiche Wale (am gestrigen Tag lauf offizieller Zählung 260) tummeln sich hier. Die Vorschriften sind streng. Nur in einem klar umrissenen Gebiet darf man Wale beobachten, und die Bootsführer müssen die 30 m Abstand halten. Nur die Wale, die halten sich wieder nicht daran, kamen auch hier bis an die Boote – das ist auch erlaubt. Können Wale doch keine Vorschriften lesen. Leider hielten sie sich meistens nur sehr kurz auf. Bis auf einen Wal: Zu unserem zweiten Boot kam eine Mutterkuh mit ihrem Kalb, und hob es dann sogar in die Höhe, zeigte es her, brachte es so nah ans Boot, das eine Reiseteilnehmerin es streicheln konnte. Nach einer Weile zogen die Wale dann ab, und die maximal 90 genehmigten Minuten waren auch sehr schnell vorbei. Also hieß es mit Höchstgeschwindigkeit etwa 30 Minuten zurück mit dem Boot, und dann wieder auf die Piste. Ich kenne wirklich kein besseres Gebiet um Wale in ihrer natürlichen Gegend zu beobachten, als im Golf von Kalifornien und im Pazifik Mexikos. Wichtig auch, die kleinen Boote mit 5/6 Personen an Bord, nur mit ihnen ist ein so enger Kontakt möglich

Bildergalerie Guerrero Negro bis San Francisco

Am Abend und am folgenden Morgen besichtigten wir dann erst mal San Ignacio, das von tausenden von Dattelpalmen umgeben ist. Wobei, mehr als die Missionskirche lohnt nicht wirklich. Den besten Blick hat man vom Dach der Mission, der Weg hoch ist aber nicht einfach und nur etwas für Schwindelfreie. Und der Padre muss da sein, um die Türen aufzuschließen. Der Blick lohnt aber allemal, tausende von Dattelpalmen vor einer Bergkulisse und ein guter Überblick belohnen den Weg. Einer der wenigen Läden im Zentrum führte sogar noch Blitzwürfel aus den 50er-Jahren. Regulär zum Verkauf. Auch der Besitzer meinte, die seien wohl etwas alt, aber vielleicht findet sich ja noch einer der sie brauchen kann. Nur dass es derartige Blitzgeräte seit etwa einem halben Jahrhundert nicht mehr gibt. 20 Pesos drei Stück, umgerechnet 1,20 Euro.

Anschließend verließen wir den Ort und machten uns auf in Richtung Loreto (63 km). Die Fahrt ging dabei durch eine von etwa 2.000 m hohen Vulkangipfeln der „Drei Jungfrauen“ – Volcán Las Tres Vírgenes – geprägte Lavalandschaft. Immer mehr nimmt die Landschaft einen vulkanischen Charakter an. Mit 1.920 m stellt die höchste Jungfrau einen imposanten Berg dar. Der letzte Ausbruch fand im Jahr 1986 statt. Am Fuße des aktiven Vulkans machen wir eine Wanderung durch eine Gegend mit zahlreichen unterschiedlichen Kakteen. Eine typische Landschaft für die Baja California, rötliches Vulkangestein, Kakteen und Büsche prägen sie. Hier finden sich auch einige „kleinere“ Saguaro-Kakteen, auch Kandelaber-Kakteen genannt. Die Saguaro werden etwa 15 m groß und bis zu 70 cm dick. Einzelne erreichen sogar eine Größe um die 20 m und einen Stammdurchmesser von 1,5 m. Die aber wachsen weiter oben im Norden, so weit kamen wir nicht. Unsere waren bis zu zehn Meter groß. Pro Jahr wachsen sie etwa 1 bis 3 cm, je nach Regenmenge.

Unser nächstes Ziel, Santa Rosalía, mit rund 15.000 Einwohnern, ist eine alte Bergwerkstadt. Sie verdankt ihre Existenz den hier um 1880 gefunden großen Kupfervorkommen.

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Bildergalerie San Ignacio bis Santa Rosalia

Die Industrieanlagen sind nur noch zum kleinen Teil erhalten. Heute ist man bestrebt, diese Industriemonumente zu bewahren. Überall sichtbar ist der französische Einfluss durch die französische Minengesellschaft, der El Boleo Copper Company. Die Häuser und Geschäfte vom Ende des 19. Jahrhunderts sind aus Holz und dahinter liegendem Mauerwerk. Viele sind äußerst eng gebaut. Keine Lücke trennt sie, sie stehen Wand an Wand. Hinzu kommen typische Villen, ein Verwaltungsgebäude in dem ein Museum integriert ist (Museo Histórico Minero), das Hotel Francés und die Eisen-Kirche Santa Barbara de Santa Rosalía von Gustave Eiffel, dem Erbauer des Eiffelturms in Paris. Er entwarf und baute die Kirche für die Weltausstellung in Paris 1889. Nach der Ausstellung wurde sie abgebaut, zerlegt und nach Santa Rosalía verschifft und aufgebaut. Mitte der 1980er-Jahre wurde der Kupferabbau eingestellt, die Franzosen zogen sich schon 1953 zurück. Heute versucht man wieder einen Teil des Kupferabbaus zu reaktivieren, trotz eines geringeren Kupfergehaltes im Erz. Die gestiegenen Kupferpreise machen einen Abbau jedoch wieder wirtschaftlich. Die meisten Einwohner leben von der Hochseefischerei und verarbeitenden Betrieben.

„It never rains in southern California“, soweit der bekannte Song. Heute Nacht hatte es jedoch erstmals seit langem etwas geregnet. Und eine Rast am Strand von Bahia Magdalena und die Missionskirche von Mulegé fielen einem längeren Wolkenbruch zum Opfer. Gut für die Natur, und wer erlebt schon kräftigen Regen in Niederkalifornien? Gut, eigentlich gibt es hier 360 Sonnentage im Jahr.
mexiko-2012-tag-15-loreto-2244Loreto, unser Etappenziel, war das religiöse und weltliche Zentrum des gesamten spanischen Kaliforniens, das sich bis zum heutigen US-Bundesstaat Oregon erstreckte. 1829 zerstörte ein gewaltiger Wirbelsturm die „Mutter aller Missionen“. Erst die Sportfischerei brachte einen neuen Aufschwung. Hier leben rund 12.000 Menschen in der 1697 als Mission gegründeten Stadt. Besuchen sollte man auf jeden Fall die Mission mit Museum. Sie ist, wie auch der gesamte historische Ortskern, erhalten, und wurde restauriert. Die Mission Nuestra Senora de Loreto war die erste auf der kalifornischen Halbinsel. Von hier aus verbreiteten sich die Missionare auf der Baja California und gründeten in den nächsten Jahrzehnten 31 Missionen (bedeutet Aufgabe), bis hoch ins heutige Kalifornien in den USA. Die Stadt selber ist sehr schön, eigentlich die schönste auf der Reise. Und die Läden führen überwiegend noch Handwerksarbeiten. Man kann man ohne weiteres einen Tag mit Cafes, Bummeln und Genießen verbringen. Da sich die Stadt im Laufe der Zeit nicht wesentlich vergrößert hat, erhält man bei einem Besuch Loretos ein authentisches Gefühl der spanischen Kolonialzeit. Loreto ist übrigens die einzige Stadt im Umkreis von 300 km.

Die Rückfahrt und La Paz

Zurück in La Paz (365 km) machten wir als erstes eine Bootstour zu der unbewohnten Heilig-Geist-Insel Espíritu Santo. Da die Fahrt jedoch über offenes Meer geht, sollte man einigermaßen seefest sein, wenn das Meer nicht ganz ruhig ist. Und bei uns war es das, wenigstens auf der Hinfahrt. Die nicht ganz 80 Quadratkilometer große zerklüftete Insel vulkanischen Ursprungs bietet faszinierende Aussichten und Felsformationen und traumhafte Buchten. Das Gebiet in der die Insel liegt ist – wie der gesamte Golf von Kalifornien – mit über 1.000 Arten an Flora und Fauna extrem artenreich. Es beherbergt unter anderem Kolonien von Seelöwen, fünf Meeresschildkrötenarten und dient Hammerhaien als Rastplatz während ihrer Wanderschaft. Das Schutzgebiet ist das erste Meeresschutzgebiet in Mexiko. Bei der Seelöwenkolonie von Los Islotes lässt sich sogar mit den verspielten Jungtieren schnorcheln. Wir jedoch führen wegen des noch unruhigen Waser nicht ganz so weit. Dafür besichtigten wir vom Boot aus eine große Kolonie an Prachtfregattvögeln, ein Muss wenn man hier in der Gegend ist. Und konnten an der Küste zahlreiche weitere Vogelarten beobachten wie Kormorane, Fischreiher, Pelikane, Schwarzfußtölpel, Möwen… Inzwischen wurde das Wasser auch ruhiger, so dass der Bootsführer auch mehr Gas geben konnte.

Bildergalerie Loreto und Espiritu Santo

Anschließend machten wir an einer fantastischen Bucht einen mehrstündigen Stopp, zum Wandern, Schwimmen und Essen. Ein drittes Boot war vorgefahren, hatte Essen gerichtet, Tisch und Stühle mitgebracht, so könnte man mehr als einen halben Tag verbringen. Die Sonne übrigens brannte gnadenlos herunter. Hat man Zeit, kann man hier auch über Nacht im Zelt bleiben, aber nur organisiert, da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Absolut empfehlenswert. Zum Schluss kamen wir zwei Stunden später zurück, die Mexikaner hatten uns alle Zeit gelassen. Dafür gab es natürlich auch ein besseres Trinkgeld.

mexiko-2012-tag-07-la-paz-0860La Paz selbst ist im Zentrum eine alte Stadt geblieben, trotz vieler neuerer, nicht besonders schöner Gebäude. Sie hat etwa 250.000 Einwohner. Es bietet sich an, entlang der Uferpromenade, dem Malecón, zu bummeln und die Plaza mit der Kathedrale und deren rosafarbenen Glockentürmen zu besuchen. Wirtschaftszweige sind neben der Industrie (einschließlich Silberbergbau) auch Fischerei (etwa Perlenfischerei) und Landwirtschaft. Im Bereich Tourismus sind ebenfalls viele Bewohner beschäftigt. Mit einem Durchschnittseinkommen von 27 US-Dollar pro Tag soll die Stadt mit den höchsten Lebensstandard in Mexiko haben. Hier finden sich auch durch die Nähe zum Golf von Kalifornien drei der in Lateinamerika führenden Forschungsinstitute für Meeresbiologie.

Bildergalerie La Paz

Resümee

Der Kupfercanyon, El Chepe, die Baja California – alles von Europäern nur selten besuchte und Regionen im Norden Mexikos. Das ist ein Fehler oder auch nicht. So bleiben große Bereiche noch ursprünglich, auf der anderen Seite helfen Besucher den Menschen ihr Land zu bewahren, ein ursprüngliches Mexiko. Landschaften, die zum Staunen einladen, riesige Kakteen, generell die Flora und Fauna in einer sonnenverbrannten Wüste, ursprüngliche Städte außerhalb der Zentren, all das macht den Norden Mexikos schon zu einem erlebenswerten Reiseziel. Der Höhepunkt aber, das sind die Walbeobachtungen, wie sie nirgends besser möglich sind. Allein sie sind ein Grund für eine Reisen auf die Baja California. Und die in Europa so diskutierte Kriminalität. Davon spürten wir nichts, eher die Gastfreundlichkeit der Mexikaner und ihre Ehrlichkeit. In größeren Städten muss man wie überall auf der Welt natürlich eine gewisse Sorgfalt walten lassen. Und der Drogenkrieg, der spielt sich anscheinend meist innerhalb der Banden und der Polizei ab und das eher im Bereich zu den USA hin.

Quellen: Internetrecherche, Wikipedia, Eigene Erlebnisse, Werner Götz, Winnenden, Januar/Februar 2012

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