Mit der Enduro von Windhoek nach Kapstadt

Eine Motorradreise auf staubigen Pisten

Dünen in Sossusvlei

Uralte Wüsten, Sanddünen, Hitze und Staub, aber auch faszinierende Landschaften, Canyons, Savannen und Buschland mit einer vielfältigen Tierwelt das bietet der Süden Namibias. All dies lässt sich wunderbar in Form einer Motorradreise erfahren, in wahrsten Sinn des Wortes.  Voraussgesetzt, dass Pisten und leichtes Offroadgelände keine Fremdwörter sind. Mit etwa 2,2 Mio. Einwohnern bei einer dreifachen Größe Deutschlands ist das Land nur sehr dünn besiedelt. Das gilt auch für den Norden Südafrikas, den wir einige Tage später erreichen, auf unserer Tour mit einer Enduro von Windhoek nach Kapstadt. Und im Süden Südafrikas finden sich Obst- und Weinanbaugebiete, Blumenmeere und die alpinartigen Cederberge, ein Traum für Motorradfahrer. Afrika von seiner schönen Seite.

An Kontrasten fehlt es auf dieser Tour nicht. Geht es doch auf Pisten und in leichtem Offroad-Gelände über 2500 Kilometer von der Hauptstadt Namibias aus bis nach Kapstadt in Südafrika, durch Wüsten und Savannen, Berge und Canyons.

Motorräder der Wahl sind BMWs XChallenges. Gutes Fahrwerk und Motor, aber eine lausige Verkabelung wie sich immer wieder zeigen wird. Denn die nicht staubdichten Schalter und Stecker der Enduro sorgen für manch Unterbrechung und sogar für einen hefigen Sturz auf steiniger Piste. Ohne größere Schäden an Mensch und Maschine. Davon später mehr. Unterwegs waren wir zu dritt, zwei Berliner, Michael und Kay gesellten sich zu mir, dem Schwaben. Beide erfahren mit Enduros, ich ein Novize, der sich dennoch nicht allzu dumm anstellt. Passte wunderbar. Und Dirk, unser Tourguide, Inhaber der Namib Enduro Tours, der das Begleitfahrzeug mit Ersatzmotorrad, Werkzeug, Zelten und Gepäck fährt, passte auch. Eine Empfehlung, will man eine Tour durch Namibia oder nach Kapstadt machen.

Die Route: Windhoek (Namibia), Solitaire,  Sossusvlei, Aus, Kolmanskuppe, Lüderitz, Canyon Roadhouse, Fish-River-Canyon, Grenzübertritt am Oranje-Fluss, Oranje-Fluss, Cederberge, Melkbosstrand, Kapstadt

Hier finden sich übrigens eine Bildergalerie mit einer Auswahl der schönsten Aufnahmen

Wichtig: gute Endurostiefel. Schützen vor Steinschlag und bei Stürzen

Meine Ausrüstung bestand aus leichter Enduro-Kleidung. Gute Enduro-Stiefel um die Beine vor Steinschlag zu schützen sind ein Muss und natürlich auch ein Crosshelm, dicht schließende Motorradbrille, eine dünne, luftige Jacke mit Ellbogen-und Schulterprotektoren, Rückenprotektor, eine ebenso leichte Hose, Knieprotektoren und passende Handschuhe. Bewährte sich wunderbar, auch bei dem Sturz. Der Helm weist jetzt halt eine schöne Patina auf, gehört dazu.

Das Endurofahren auf Pisten und in leichten Offroadgelände ist für einen Straßenfahrer wie mich (Harley Dyna Super Glide, Ducati Diavel und Yamaha Scrambler) natürlich eine Herausforderung und birgt auch ein gewisses, jedoch überschaubares Gefahrenpotenzial. Dafür erfährt man ein Land im wahrsten Sinn des Wortes, kein Vergleich mit den üblichen geschlossen Allraddosen. Was ich auch schon zweimal gemacht habe und es immer wieder machen würde. Hat alles seinen Charme, seine Vor- und Nachteile. Diesmal hieß es halt Abenteuer pur mit all seinen Erlebnissen. Genug der Vorrede.

Hier der Trailer zum Film:

Tag 1 – Windhoek bis Sesriem (260 km)

Unsere Tour führt uns von Windhoek aus Richtung Südwest zuerst nach Sesriem, der Namib-Wüste entgegen. Windhoek selbst ist wirtschaftliches und politisches Zentrum, liegt ziemlich genau im geographischen Mittelpunkt des Landes. Die saubere und überschaubare Stadt vermitteln eher den Charakter einer mitteleuropäischen Stadt, es finden sich kleine Straßenkaffees und Biergärten. Moderne Gebäude teilen sich das Stadtbild mit wilhelminischer Kolonialarchitektur. Dieses Mal halte ich mich jedoch nicht in Windhoek auf. Morgens am Flughafen angekommen geht es gleich zum Motorrad und nach einer kurzen Einweisung los auf die Piste, die erst noch aus einen kurzen Stück Asphalt besteht.

Gut, um sich mit dem Moped vertraut zu machen. Dann die erste Piste, kein Problem, 80 km/h sind drin. Später auch deutlich mehr. Kaum habe ich mich an die BMW gewöhnt, so nach 40 km, geht der Motor aus. Kurze Fehlersuche, Vermutung ist ein Wackelkontakt in einem Stecker, also die Ersatzmaschine, eine Suzuki abgeladen, die BMW drauf auf den Hänger. Fehlersuche auf heute Abend verschoben. Die Suzuki fährt sich ganz anders, ist auch nicht so kräftig und für mich etwas instabiler. Mir liegt die BMW mehr. Wenn sie denn fährt, was die Suzuki ohne Probleme macht. Blinker, Bremslicht, ABS, Tacho, Armaturen… ist bei der BMW schon alles außer Betrieb, braucht man hier auch nicht. Am Abend den Wackler repariert, sprich am nächsten Tag wieder auf die BMW umgestiegen. Liegt mir einfach mehr.

Jetzt geht es jedoch erst mit der Suzuki weiter, weitere 220 km bis zu unserem Tagesziel am Sesriem Canyon. Nächster Stopp ist der Spreetshoogte-Pass, hier bietet sich ein gigantischer Ausblick runter zur Namib. An dieser Randstufe haben sich vor 100 Millionen Jahren Südamerika und Afrika getrennt. Der Pass soll mit einem Gefälle von 22 Prozent einer der steilsten Namibias sein. 2011, als ich das letzte mal hier war, stand überall hohes trockenes Gras. War damals ein außergewöhnlich „regenreiches Jahr“. Heute ist alles trocken, staubig, es hat schon lange nicht mehr geregnet. Die Gegend wirkt anders, auch wenn der Ausblick der gleiche ist.

Blick vom Spreetshoogte-Pass

Die Namib nimmt fast den gesamten Küstenraum des Landes ein, ein Streifen von 2000 km Länge, ins Landesinnere reicht sie rund 160 km. Sie ist mit die älteste Wüste der Welt. Je röter die Farbe des Sandes, desto älter sollen die Dünen sein. Namib bedeutet „der Ort wo nichts ist“.

Kurz darauf folgt Solitaire. Tankstelle, Werkstatt, General Store, Hotel, eine Bäckerei, that´s it. Mitten in der Wüste und wahrscheinlich jedem Reisenden bekannt, der sich Richtung Sossusvlei aufmacht. Und das sind verhältnismäßig viele. Bekannt auch der vielen, verstaubten 60er- und 70er-Jahre Oldtimer wegen, die vor sich hin gammeln und eher im Südwesten der USA vermutet würden. Ein schönes „Örtchen“ mit Flair. Bekannt zudem  wegen des guten Apfelkuchens, den es hier gibt. Nachtanken und eine Pause ist angesagt. Natürlich mit Kaffee und Apfelkuchen und dem einen oder anderen Schwätzchen. Dann weiter nach Sesriem, am Abend stehen 260 km mehr auf dem nicht existierenden Tacho.

Angesagt ist dann erst einmal der Aufbau der Zelte, die Reparatur der BMW und dann geht es zum Essen in ein Restaurant der Lodge. Wir sind schon im Nationalparkgelände, mit unsere Motorrädern dürfen wir nur auf den Zeltplatz. Weiter hinein zu den Dünen von Sossusvlei sind Motorräder verboten. Aber Trucks, Allradfahrzeuge und alles Vierrädrige darf rein…

Bildergalerie Tag 1

Tag 2: Sesriem bis Aus (340 km)

Ein Gedanke zu „Mit der Enduro von Windhoek nach Kapstadt“

  1. Servus Werner,
    danke für deine ausführliche und gut recherchierte Reiseberichte. Dadurch kann jedermann die Reise so richtig miterleben. Und die Fotos sind sowieso der Wahnsinn.
    Herzliche Grüße an euch beide
    Richard und Christine

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