Teil I – Die Falkland-Inseln

Hier geht es zu Teil II, Süd-Georgien und zu Teil III, der Antarkis

Ende des Jahres 2018 führte uns eine Reise zu einem der abgelegensten Orte der Welt, der Antarktis. Vorher verbrachten wir noch einige Tage in Buenos Aires (hier geht es zu einem kurzen Reisebericht mit zahlreichen Bildern), bevor wir dann am 7. Dezember in Ushuaia an Bord des Expeditionsschiffes  MS Fram der Reederei Hurtigruten gingen.

Die MS Fram, unser Expeditionsschiff der Reederei Hurtigruten in Stanley

Der namensgleiche Vorgänger der MS Fram war eines der berühmtesten Expeditionsschiffe zu Zeiten der ersten Polarexpeditionen. Von 1893 bis 1912 diente es den norwegischen Forschern Fridtjof Nansen und Roald Amundsen auf ihren Arktis- und Antarktisexpeditionen. Insofern ist MS Fram ein Schiffsname mit großer Entdeckertradition und somit ein Versprechen der Reederei auf eine unvergessliche Expedition in eine der entlegensten Regionen unseres Planeten. Zugleich bietet die Tour eines der größten touristischen Abenteuer unserer Zeit.

Hier gibt es den 90-minütigen Film der Reise kommentiert als DVD oder hochauflösend als BluRay. Als Vorgeschmack ein paar Ausschnitte jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln. 

Auf dieser Reise erwarten einen faszinierende Eindrücke von der Tierwelt auf den Falklandinseln und natürlich vom Leben der Menschen weit weg von unserer Zivilisation auf dem britischen Überseegebiet. Man erlebt auf Süd-Georgien eines der wichtigsten Brutgebiete des Königpinguins, zugleich ein Vogelparadies mit geschätzt 30 Millionen Seevögeln und lernt vergangene Zeiten kennen, in denen Menschen Tiere wie Wale und Robben nur als Jagdbeute betrachteten. Und man erfährt im wahrsten Sinn des Wortes die hohe See, Eis und Eisberge sowie viele Anlandungen auf der antarktischen Halbinsel mit ihrer einmaligen Tierwelt. Aus Reisenden werden Botschafter. Damit die Antarktis so bleibt, wie sie ist.

Die Route: Bevor wir uns auf den Weg in die Antarktis machten, ging es nordöstlich in Richtung der Falklandinseln. Nach einem Tag auf hoher See widmeten wir uns dann drei Tage den Seevögeln, Pinguinen und der Hauptstadt Stanley. Nach zwei weiteren Tagen erreichten wir Süd-Georgien. Vier Tage blieben uns, um die Schönheit und die Tierwelt des einzigartigen Archipels zu erkunden. Weiter ging es Richtung Süden, nach einem Tag auf See erreichten wir Antarktika, den kältesten, trockensten, windigsten und entlegensten Kontinent der Erde. Hier hielten wir uns sechs Tage auf und machten zahlreiche Anlandungen. Zurück ging es rund zwei Tage durch die raue Drake-Passage, mithin das wildeste Meer weltweit. Und einer der größten Schiffsfriedhöfe unseres Planeten. Die Antarktis kostet keinen Eintritt, der Preis ist die Drake-Passage.

Unsere Route mit der MV Fram via Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarktis

Hier finden sich die Logdateien (GPS) über die gesamte Reise hinweg (Quelle: Hurtigruten)

 

Und hier geht es zu einer Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Aufnahmen (nur eine kleine Auswahl)

Blick auf Ushuaia, Argentinien, vom alten Flughafen aus

Ausgangspunkt für die Reise war Ushuaia. Die südlichste Stadt Argentiniens und je nach Betrachtungsweise auch der Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem verschlafenen Dorf in eine Stadt mit vielen Besuchern und rund 80.000 Bewohnern gewandelt. Wie am Ende der Welt fühlt man sich hier nicht. Die Menschen und Besucher suchen oder leben von spektakulären Landschaften, der Nähe zum Feuerland-Nationalpark, zudem ist Ushuaia Ausgangspunkt für Reisen durch Patagonien und in die Antarktis.

Betrieben wird das Expeditionsschiff von der norwegischen Reederei Hurtigruten. Das Schiff ist etwa 114 Meter lang und 29 Meter breit. Damit ist es wendig genug, um zwischen Eisbergen, Eisschollen und kleineren Inseln zu navigieren. Derartige Schiffe erreichen Regionen, die größeren Schiffen verschlossen bleiben. Aber es ist groß genug um Stabilität und Sicherheit auch bei rauer See zu gewährleisten. In die Antarktis nimmt es maximal 200 Passagiere auf, das ermöglicht mehrere Anlandungen pro Tag. Bis zu 60 Zentimeter dickes Eis ist für die Fram kein Problem.  Auf Kiel gelegt hat man es 2006 im italienischen Monfalcone. Funktional und praktisch ist das Schiff ausgelegt. Besonderen Luxus darf man nicht erwarten. Es handelt sich ja um ein Expeditionsschiff und nicht um ein Kreuzfahrtschiff. Wer Luxus erwartet, liegt hier falsch. Viel wichtiger sind die Vorträge der mitreisenden Wissenschaftler und Lektoren.

Bildergalerie Ushuaia und Fram

Die Falklandinseln (Islas Malvinas)

Wir haben die Falkland-Inseln erreicht und sind in Stanley, der Hauptstadt des Archipels. Sie ist Ausgangspunkt für verschiedene Touren in die Umgebung und leicht zu Fuß zu erkunden. Die meisten Geschäfte und Restaurants sind am Hafen zu finden. Etwa zwei Drittel der rund 3.000 Einwohner der Falkland-Inseln leben in Stanley. Der Rest findet sich in kleinen Ortschaften über die zwei Hauptinseln verteilt. Die Menschen stammen vor allem von Einwanderern nordenglischen und schottischen Ursprungs ab, die in den 1830er Jahren auf die Inseln kamen.

Infolge des Falklandkrieges von 1982 hat man zudem Einheiten der britischen Luftwaffe, Marine und des Heeres stationiert. Die Soldaten sind noch immer mit dem Räumen von Munition und Minen aus Kriegszeiten beschäftigt, die auch heute Teile der Insel zu Sperrgebieten machen.

Wirtschaftlich gesehen sind die Falkland-Inseln von Großbritannien abhängig. Häute und Talg aus der Schafzucht sind ein traditionelles Exportgut. Bedeutung hat zudem der Fischfang und in einem gewissen Umfang auch der Tourismus. Per Flugzeug erreichen nur um die 1600 Besucher das Eiland, der größere Teil kommt mit Kreuzfahrtschiffen als Tagestouristen.

Einen guten Eindruck von der Geschichte der Insel bekommt man im Falkland Islands Museum. Historische Artefakte, Skulpturen und Gemälde erzählen die Seefahrtgeschichte der Inselgruppe.

Windig, kühl und regenreich ist das Klima auf den Inseln. So regnet oder schneit es an rund 200 Tagen im Jahr. Jetzt im Hochsommer kann die Tagestemperatur aber schon mal auf 20 Grad Celsius steigen. Durchschnittlich beträgt sie im Sommer zwischen 8 und 12 Grad Celsius, im Jahresdurchschnitt 5 Grad. Wir hatten drei Tage lang prima Wetter, Sonnenschein und 12 bis 14 Grad Celsius.

Bildergalerie Stanley und Umgebung

Die Anlandungen

Angelandet sind wir an New Island. Buchten und niedrige Hügel mit sandigen Stränden im Osten und steile und felsige Küstenabschnitte im Norden und Westen prägen die Insel. Mit Beaver Island ist es die am weitesten westlich gelegene Insel der Falklandinseln. Das Eiland wurde um 1770 von amerikanischen Walfängern besiedelt. Mitte des 19. Jahrhunderts baute man den Guano der Vogelkolonien ab. Hier erwarten den Besucher Felsenpinguine, die zusammen mit Schwarzbrauenalbatrossen an einem steilen Küstenabschnitt brüten. Ja nach Anlandungsstelle zu beobachten sind Eselspinguine, See-Elefanten, Robben, Sturmvögel, Möwen, Blauaugenkormorane und Magellangänse. Heute leben auf New Island nur eine Hand voll Menschen.

Bildergalerie New Island

West Point Island war die nächste Insel, an der wir an Land gingen. Noch in den 1920-Jahren hat man hier Pinguine und Seelöwen zur Ölgewinnung gejagt. Heute lebt die Familie Napier von der Schafzucht und den gelegentlichen Besuchern, die sie sehr gerne bewirten. Ein paar Milchkühe und ein Gemüsegarten versorgen sie mit dem Nötigsten. Zu Fuß ging es die zwei Kilometer nach Devils Noise mit bis zu 300 Meter hohe Klippen. Dieser Ort ist Heimat für über 2000 Brutpaare der Schwarzbrauenalbatrosse und etwa 500 Paare der Felsenpinguine. Manch Besucher zählen ihn zu den spektakulärsten der gesamten Falklandinseln.

Bildergalerie West Point Island

Mit einer Spannweite von etwas über zwei Metern sind Schwarzbrauenalbatrosse relativ klein für ihre Gattung. Die Vögel verbringen nahezu ihr ganzes Leben im Südpolarmeer, einzelne Exemplare wurden aber schon an Europas Atlantikküste gesichtet. Sie können stundenlang über den Wellen schweben, ohne einen einzigen Flügelschlag. Die Vögel leben sehr treu. So kommen die Paare normalerweise jedes Jahr wieder zusammen, um gemeinsam zu brüten. Auch erreichen sie ein hohes Alter von bis zu 70 Jahren. Die Nahrung bilden vor allem Tintenfische, Krebse und Krill. Als Nistplätze bevorzugen sie die Steilküsten mit ihren Aufwinden.

Schwarzbrauen-Albatross

Relativ klein sind die Felsenpinguine mit rund einem halben Meter Körperlänge. Das kompensieren sie durch ihre Wehrhaftigkeit, Felsenpinguine greifen jedes Tier an, das ihrem Nest in die Nähe kommt. Seien es andere Pinguine, Albatrosse oder auch Menschen. Ihren Partnern gegenüber sind sie hingegen ausgesprochen zärtlich, soziale Gefiederpflege ist üblich.

Angelandet sind wir am Folgetag dann noch auf Carcass-Island und Sounders Island. Carcass-Island ist rattenfrei, bietet somit eine besonders artenreiche Vogelpopulation. Hier marschierten wir insgesamt sieben Kilometer zu einer Kolonie an Magellan-Pinguinen. Felsen-, Esels- und die Königspinguine fanden sich zahlreich auf Saunders Island.

Carcass-Island

Saunders Island

Bildergalerien Caracas Island und Saunders Island

Der kleinere Magellan-Pinguin erreicht etwa 60 Zentimeter Körpergröße. Besonders auffallend ist die fehlende Scheu vor dem Menschen. Sie nähern sich einem bis auf Armlänge, zeigen keine Drohgebärden oder Fluchtinstinkte. Man muss sogar aufpassen, dass man Ihnen nicht auf die Füße tritt. Magellan-Pinguine bauen mit Schnabel und Krallen eine Bruthöhle, die bis zu zwei Meter tief und mehrere Meter lang sein kann. Sie legen häufig zwei Eier, beim Füttern bevorzugen sie jedoch meist das zuerst geschlüpfte Jungvogel, was zu einer höheren Sterblichkeit des zweiten führt.

Trotz deutlicher Unterschiede in Größe und Gewicht eint alle Pinguinarten eines: Ihre Anpassung an das Meer und teilweise extreme Temperaturen. Das sind der strömungsgünstige, torpedoähnliche Rumpf, die zu Flossen gewandelten Flügel, das dichte und wasserabweisende Federkleid und die als Nährstoffvorrat und Kälteschutz dienende Fettschicht.

Königspinguin

Von den hier auf den Falklands lebenden vier verschiedene Arten ist sicherlich mit am imposantesten der Königspinguin. Ein ausgewachsenes Tier erreicht eine Größe von bis zu 95 Zentimeter und ein Gewicht von neun bis 18 Kilogramm. Sie können bis zu 345 Meter tief tauchen und erkennen sich untereinander anhand ihrer Rufe. Aufgrund der harten klimatischen Bedingungen dauert ein Brutzyklus 14 Monate. Sie bauen keine Nester, sondern legen nur ein etwa 300 Gramm schweres Ei, das auf den Füßen gelagert wird.

Nach etwa zwei Monaten nach dem Schlüpfen hat das Jungtier Ende März vor dem Winter das Gewicht der Eltern, ist aber noch nicht flügge. In den sechs Wintermonaten werden sie nicht selten nur ein oder zwei Mal von den Elterntieren mit Nahrung versorgt. Im Frühjahr haben sie bis zu 70 Prozent ihres Gewichtes verloren, werden von den Eltern wieder hochgepäppelt.

Noch extremer leben die Kaiserpinguine, die tief im antarktischen Winter weit im Landesinneren Antarktikas brüten. Allein um an die Brutgebiete zu kommen, sind sie mehrere Wochen auf dem Eis unterwegs. Ihr Federkleid ist extrem dicht, pro Quadratzentimeter liegen zwölf Federkiele über- und nebeneinander. Kaiserpinguine bekommt der Besucher bei einer Antarktisreise jedoch nicht zu sehen, sie leben zu weit südlich.

Eselspinguin

Die Eselspinguine brüten auf den Falkland-Inseln gern in der Nähe von Königspinguinen. Sie sind mit durchschnittlich 70 Zentimeter Körpergröße etwas kleiner und gehören zu den schnellsten Schwimmern unter den Pinguinen. Je nach Quelle erreichen sie 27 bis 36 Kilometer pro Stunde. Sie haben ihren Namen durch ihre charakteristischen Rufe, die an Eselsschreie erinnern.

Hier geht es zu Teil II mit Süd-Georgien und zu Teil III zur Antarktis

 

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