Australien Motorradtour: Von Darwin nach Melbourne

Australien, Regenwälder im Norden, endlose Weiten im Outback, der Kontinent beindruckt mit seinen Landschaften, einer einzigartigen Tierwelt mit Kängurus, Koalas und Wombats und einer Jahrtausende alten Kultur. Besonders intensiv erlebt man das Land auf dem Motorrad, ist den Menschen und der Natur zugleich nah. 
 
Wir durchqueren den Kontinent von Nord nach Süd, von Darwin nach Melbourne. Stoppen am Kakadu-Nationalpark, in Alice Springs, am heiligen Berg Uluru, in der Opalstadt Coober Pedy und vielen weiteren sehenswerten oder auch trostlosen Orten. Am Ende der Tour stehen 6500 Kilometer mehr auf dem Tacho der BMW.
 
Die Mitreisenden kommen aus Australien, Neuseeland, den USA, England, Norwegen, der Schweiz und Deutschland. Gefahren wird gemeinsam, in kleineren Gruppen oder allein, Offroad oder auf der Straße. 
 

Tag 1 und 2, Darwin und Fahrt Kakadu Nationalpark

Wir starten im Norden Australiens, in Darwin, der Hauptstadt des Northern Territory. Die 150.000 Einwohner kommen aus rund 75 Nationen. Etwa ein Viertel der Bevölkerung sind Aborigines. Es ist Winter, die Sonne brennt vom Himmel, wir haben die ersten Tage mittags um die
38 Grad Celsius.
 
Die erste Tagesetappe führt zum 320 Kilometer entfernten Kakadu Nationalpark. Auf dem Weg dorthin nach siebzig Kilometern ein Stopp am Darwin Wildlife Sanctuary. Am Adelaide-River leben Salzwasserkrokodile, die mit bis zu sechs Meter Länge und 1000 Kilogramm Gewicht zu den Spitzenpredatoren gehören. Auf geführten Bootstouren kann man sie aus nächster Nähe beobachten.
 
Der Adelaide River ist bekannt für seine große Population an den großen Panzerechsen. Im Northern Territory soll es um die 100.000 der Reptilien geben. Sie sind in Australien geschützt und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie die Populationen anderer Tiere regulieren und ein Indikator für die Gesundheit von Fluss- und Wasserökosystemen sind. Im Gegensatz zu den Süßwasserkrokodilen sind sie recht aggressiv und greifen Menschen an. Durch Sicherheitsmaßnahmen wie Warnschilder, geführte Touren und verbesserte Information der Bevölkerung sind tödliche Zwischenfälle in den letzten Jahren jedoch seltener geworden.
Die Ranger locken die Krokodile mit Fleischstücken ans Boot. Die Reptilien haben eine enorme Sprungkraft, um ihre Beute zu fangen, meist Vögel oder kleine Säugetiere. Dazu schnellen sie mehrere Meter hoch aus dem Wasser.
 
Nach einer weiteren Rast und Tankpause erreichen wir am frühen Nachmittag unser Hotel in Form eines Krokodils im Kakadu-Nationalpark in Jabiru, einer 1982 gegründeten Siedlung. Hier bleiben wir zwei Nächte. Alles in allem eine entspannte Tour am ersten Fahrtag.

Tag 3, Ausflug zu den Felszeichnungen von Ubirr und zum South Alligator River

Etwa dreißig Kilometer sind es bis zu den Felszeichnungen von Ubirr. Hier finden sich wichtige Aborigine-Felsmalereien. Auch deswegen ist der Kakadu-Nationalpark Weltkulturerbe der Unesco. Die Zeichnungen dokumentieren den Umgang der Ureinwohner mit der Umwelt. Die ältesten Malereien sind etwa 5000 Jahre alt, die jüngsten nur wenige Hundert Jahre. Man erkennt Fische, Wasservögel, Muscheln, Krokodile, Wallabies und weitere verschieden Säugetiere.
Zu erreichen sind die Zeichnungen über einen etwa einen Kilometer langen Rundweg. Einzig die Temperaturen von 37 Grad jetzt im Frühling machen einen etwas zu schaffen. Das Umland ist in der Regenzeit im Sommer häufiger unter Wasser, jetzt ist alles grün.
 
Weiter geht es zum South Alligator River. Der Name ist Programm. Zahlreich kann man die Alligatoren im Wasser schwimmen und lauern sehen oder am Ufer dösend. Allein hier sollen im Umkreis von rund fünf Kilometern 200 Krokodile leben. Hinzu kommen zahlreiche Wasservögel wie Elstergänse, Entenarten, Ibisse, Pelikane, Reiher, Weißbauchseeadler aber auch wilde Wasserbüffel. Jetzt ist Trockenzeit, in der Regenzeit im Sommer liegt der Wasserpegel um zwei bis drei Meter höher, dann ist hier alles unter Wasser.

Tag 4, Fahrt Katherine zum Nitmiluk Nationalpark

Es geht Richtung Süden, in vier Tagen wollen wir Alice Springs erreichen, etwa 1600 Kilometer entfernt. Übernachtet wird in Katherine mit der Nitmiluk-Gorge, in Mataranka und Tennant Creek. Jetzt heißt es, alle Tankgelegenheiten zu nutzen, da wir uns nun ins Outback begeben.
 
Heute stehen 300 Kilometer an. Nach einer kurzen Rast, einem Tankstopp und einer kurzen Abkühlung im Wasser ist wenige Stunden später der Nitmiluk Nationalpark erreicht. Man kommt recht flott voran, beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit meist 110 oder 130 km/h auf den Landstraßen. Wenn man sich denn daranhält. Viel Verkehr, den gibt es nicht.
Einen Tankstopp machen wir in Pine Creek beim Lazy Lizard, einer historischen Outback-Taverne. Die Taverne wurde aus Termitenhügel-Lehmziegeln und lokalem Eisenholz gebaut. Pine Creek bietet sich für einen Zwischenstopp für Reisende an, die durch das Outback Australiens fahren. Man kann hier übernachten oder einfach nur rasten, wie wir es machen. 
Unterwegs bietet sich die Möglichkeit an, ins Wasser zu gehen, etwas abzukühlen.  Es hat um die 38 Grad Celsius. Man sollte nur etwas Vorsicht walten lassen, denn auch hier besteht eine geringe Gefahr, dass Krokodile in den Gewässern anzutreffen sind. Ranger überwachen die Bereiche, in denen man baden kann. 
40 Minuten später erreichen wir unser Hotel in Katherine. 

Tag 5, Unterwegs in der Katherine Gorge

Es sind nur wenige Kilometer vom Hotel bis zur Katherine Gorge. Das Schluchtensystem erstreckt sich über zwölf Kilometer und besteht aus 13 durch natürliche Steinbarrieren abgetrennte Abschnitte. Drei davon lassen sich mit dem Boot befahren, dazwischen gibt es kürzere Fußmärsche.  
In der Regenzeit ist der Wasserspiegel mehrere Meter höher, dann finden sich neben den ungefährlichen Süßwasserkrokodilen in der Schlucht auch die aggressiven und tödlichen Salzwasserkrokodile. Geht der Wasserspiegel zurück, leben hier normalerweise nur die etwas kleineren Süßwasserkrokodile, die Fische, kleine Säugetiere und Vögel fressen. Für den Menschen sollen sie ungefährlich sein. Dann kann man hier Wandern, Kajak fahren oder auch schwimmen. 
 
Sollte Salzwasserkrokodilen der Rückweg Richtung Meer beim Sinken des Wasserspiegels versperrt gewesen sein, hat man Lebendfallen aufgestellt und überwacht die Schlucht mithilfe von Beißködern. Die Süßwasserkrokodile leben das ganze Jahr hier, sind aber keine Gefahr für die Badenden. Letztes Jahr hat man keine Salzwasserkrokodile entdeckt, 2023 eines Im Februar und eines im April mit knapp vier Metern Länge. Die werden dann gefangen und weggebracht.

Tag 6, Fahrt Tennant Creek

Es heißt zuerst Auftanken, dann geht es nach Tennant Creek, etwa 580 Kilometer liegen heute vor uns. Der erste richtige Fahrtag. Unterwegs gibt es zwei Tankstopps und nur wenig Sehenswertes. 

Kilometerlange gerade Strecken und kaum Kurven liegen die nächsten Tage vor uns. Die längste kerzengerade Strecke in Australien beträgt etwa 147 Kilometer in der Nullarbor-Ebene, die ist aber ganz im Süden, da kommen wir nicht hin. 

Inzwischen haben sich beim Fahren mehrere kleine Gruppen und Einzelfahrer gebildet, ein jeder geht seinem Fahrstil, seinen Fotostopps und seiner Geschwindigkeit nach – oder macht auch mal einen Abstecher Offroad in das Outback.

Durch die erlaubte Geschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde legt man auch lange Distanzen recht schnell zurück, zumal kein Verkehr herrscht. Die hohen Temperaturen gehen langsam zurück, je weiter wir in den Süden kommen.

Einen Halt machen wir am Larrimah-Hotel, bekannt für seine rosa Panther. In den 1960er Jahren bildete sich vor der Kneipe eine Pfütze. Diese Pfütze wuchs und wuchs und man gab ihr den Namen Larrimah Lake. Damals war die Kneipe ein sehr geschäftiger Ort, mit Menschen, die an der Eisenbahn arbeiteten und vielen Truckern. Irgendwann beschloss ein Zöllner, einen großen rosa Panther mit einer Angel am Rande des Sees zu setzen. Der wiederum verschwand immer wieder und wurde nur gegen Lösegeld zurückgebracht.
 
Das Outback erstreckt sich über weite Teile im Landesinneren Australiens. Die meist weiten und offenen Landschaften sind geprägt von extremen Wetterbedingungen und Temperaturen unter Null bis über 50 Grad Celsius. Es gibt heiße, trockene Sommer und kühle Winter. Regen ist selten und oft unregelmäßig. Die Wüste besteht überwiegend aus Buschland, Trockensteppe und Sanddünen.
Hundert Kilometer weiter der nächste Halt, der Daly Waters Pub. Auch er liegt nahe am Stuart Highway und die Decke und die Wände sind mit Souvenirs übersät, die von Besuchern zurückgelassen wurden. Dazu gehören auch zahlreiche BHs, gern signiert von wem und wann. Das soll in den 80er-Jahren begonnen haben, als eine Busladung Touristen eine Wette gegen den Busfahrer verlor und alle die Kneipe etwas leichter verließen als bei ihrer Ankunft. Weniger ungewöhnlich sind die Aufkleber, Ausweise und Visitenkarten, die die Bar schmücken.
Zurück geht der Daly Waters Pub auf das Jahr 1930. Publican Bill Pearce versorgte die Reisenden nicht nur mit Nahrung und Getränken, sondern betankte auch die Flugzeuge, von denen sich viele, respektive deren Überreste an der Straße finden.

Tag 7, Fahrt Alice Springs

Es sind noch 500 Kilometer bis nach Alice Springs. Der erste Halt findet an den geologischen Formationen von Karlu Karlu statt. Das ist der indigene Name für die Devils Marbles, die Teufelsmurmeln. Das Naturschutzgebiet im Nirgendwo ist durch riesige, runde Granitfelsen gekennzeichnet, die in Jahrmillionen durch Erosion entstanden.
 

Für die Aborigines dieser Region sind sie ein wichtiges kulturelles und spirituelles Erbe und ein heiliger Ort, spielen eine bedeutende Rolle in ihren Traumerzählungen. Das Gebiet gehört ihnen seit 2008 wieder, sie verwalten es gemeinsam mit den Parkrangern.

 

Einige Kilometer weiter ist eine kleine Tankstelle mit einer Zapfsäule. Auf ihr klebt ein Zettel mit dem Hinweis, man möge doch nach dem Tanken den Tankstand und die Summe fotografieren und damit zum Zahlen in den Laden kommen. Was mit der Kreditkarte erfolgt. Und in der Toilette bestehen die Pinkelbecken einfach aus aufgeschnittenen Bierfässern.

Nachmittags erreichen wir Alice Springs, mit rund 26.000 Bewohnern. Die Stadt ist ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Wüstenregion. Historische Gebäude erinnern an die Geschichte der Stadt, die im Jahr 1872 als Posten auf der transaustralischen Telegrafenleitung zwischen Darwin und Adelaide gegründet wurde.

Tag 8, Fahrt Kings Canyon

Über 1500 Kilometer im Outback sind es über den Kings Canyon und Yulara bis nach Coober Pedy. Dafür haben wir drei Fahrtage eingeplant, in Yulara selbst bleiben wir zwei Tage.
 
Der Weg führt zuerst über den Stuart Highway, weiter den Lasseter Highway, gefolgt von der Luritja Road bis wir heute nach 470 Kilometern die Kings Canyon Lodge erreichen werden. Es geht durch eine immer wüstenartigere Landschaft.  Der Verkehr ist sehr überschaubar, selten mal ein Roadtrain und nur wenige Autos und Camper.Ab und an ein Tankstopp und eine Rast, viel mehr gibt er heute auf der Fahrt nicht. Etwas lästig sind die vielen Buschfliegen im Outback, die während der Hitze des Tages besonders aktiv sind. Einzig ein Kopfnetz hilft.
Der Kings Canyon liegt im Watarrka Nationalpark im Northern Territory. Er ist bekannt für seine Schluchten und beeindruckenden Landschaften. Hiervon bekommen wir aber nur wenig mit, dazu müsste man in der Gegend wandern. Für uns ist es aber nur ein Zwischenziel nach Yulara mit dem weltberühmten Uluru.
 

Abends gibt es einen schönen Platz, um die großen Sandsteinfelsen im Sonnenuntergang zu betrachten. Bei einem Glas Wein lässt es sich an der Sunset-Bar gut aushalten. Aber nicht allzu lange, da es, sobald die Sonne weg ist, empfindlich kalt wird. Nachts hatte es hier gerade noch drei Grad Celsius, nach den 38 Grad weiter im Norden. Im Sommer steigt die Temperatur auf deutlich über 40 Grad.

Tag 9, Fahrt Yulara (Uluru, Ayers Rock)

Es sind weniger als zehn Grad bei der Abfahrt. Heute stehen 300 Kilometer an, bis nach Yulara. Wir fahren über den Lasseter Highway nach einem kurzen Abstecher an den Kings Canyon zurück zum Stuart Highway und dann Richtung Süden.
 
Der Stuart Highway ist eine der wichtigsten Verkehrsadern im australischen Outback und verbindet den Norden mit den zentralen Regionen des Landes. Er erstreckt sich über mehr als 2.800 Kilometer und beginnt in Darwin, unserem Ausgangspunkt. Ein Großteil der Strecke verläuft durch abgelegene, wüstenähnliche Landschaften und bietet einen Einblick in das australische Outback. Es geht über endlose Routen im Outback, gestoppt wird etwa an schönen Felslandschaften und isolierten Wasserlöchern. Die Infrastruktur ist spärlich, gerade mit Motorrädern und ihrer begrenzten Reichweit heißt es, jede Tankgelegenheit zu nutzen. Der Stuart Highway ist mehr als nur eine lange Straße, er führt durch einige der wildesten und abgelegensten Landschaften Australiens. Yulara ist das touristische Zentrum und Ausgangspunkt zum Uluru-Kata Tjuta Nationalpark, um die spektakulären Felsformationen rund um den Uluru zu erkunden, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. In Yulara finden sich Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen. Von luxuriösen Resorts über gemütliche Hotels bis hin zu Campingplätzen – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Auch zahlreiche Restaurants und Souvenirläden sowie Kunsthandwerk finden sich. Die Preise sind generell etwas überteuert, vergleicht man sie mit den Geschäften abseits der Touristenströme.  Yulara hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Touristen entwickelt.
 
Am Abend erst mal ein Spaziergang durch das weiträumige Gelände, erste Eindrücke erfassen und einen Blick auf den heiligen Berg der Aborigines werfen.

Tag 10, Uluru-Kata Tjuta Nationalpark

Den besten Blick auf den Uluru hat man vom Hubschrauber aus. Auch bekannt als Ayers Rock ist der Berg ein imposantes Naturwunder im Herzen Australiens und ein Ort von tiefer kultureller Bedeutung. Der Hügel ist ein zentraler Bestandteil der Traumzeitgeschichten der Anangu, den traditionellen Eigentümern des Landes.
Etwa 50 Kilometer entfernt finden sich die Bergformationen des Kata Tjuṯa, eine Gruppe von 36 Felskuppen, und der Tafelberg Mount Conner. Kata Tjuṯa ist Teil des Uluru-Kata-Tjuṯa-Nationalparks. Natürlich bietet sich auch eine Tour zum Uluru mit dem Motorrad an.
 
Hat man genügend Zeit kann man auch geführte Exkursionen in den Naturpark buchen, bei dem die Ranger viel Wissenswertes über die Geschichte und Natur erzählen. Leider kann man dazu kaum Aufnahmen machen, weil alle heiligen Stätten, selbst die komplette Nordseite des Berges nicht fotografiert werden sollen. Selbst das neu erbaute touristische Besucher- und Kulturzentrum der Aborigines ist tabu. Außer man kauft etwas, dann sind die Regeln hinfällig.
Für die Aborigines ist der Felsen seit Jahrtausenden ein heiliger Ort, an dem Schöpfungsvorstellungen, Legenden und kulturelles Wissen miteinander verwoben sind. Diese Geschichten erzählen von Ahnen, die den Kontinent erschaffen haben und vermitteln moralische und spirituelle Lehren, die noch heute für die Ureinwohner einen hohen Stellenwert haben.

Tag 11 und 12, Fahrt Coober Pedy

Es steht die auf dieser Reise längste Tagesetappe an, 730 Kilometer nach Coober Pedy, stundenlang fast geradeaus. Einfach fahren, gedankenverloren, es ist eigentlich wie meditieren. Jedenfalls als die Temperatur etwas höher war, losgefahren sind wir bei vier Grad Celsius. Irgendwann hatte es aber um die 18 Grad, ideal zum Fahren. Gegen 15 Uhr sind wir angekommen, inklusive zwei Tankstopp und ein paar kurzen Fahrten abseits der Straße für etwas Abwechslung. Man kommt recht schnell voran, kein Verkehr, keine Ampeln und 700 km lang keine Städte.
 
Wir nähern uns Coober Pedy. Das ist deutlich am Abraum seitlich der Straße zu erkennen, taubes Gestein der kleinen Opalminen, die es hier in Unmengen gibt. In der Stadt der Opalschürfer mitten in der Wüste bleiben wir zwei Nächte.
 
Coober Pedy. Die Stadt im australischen Outback ist vor allem durch ihre Opalsucher bekannt. Viele der australischen Opale kommen aus dieser Region mitten in der Wüste, im Niemandsland. Ursprünglich lebten hier Aborigines, lange bevor europäische Siedler eintrafen. Die Ursprünge der Stadt lassen sich auf das frühe 20. Jahrhundert zurückverfolgen als man zufällig die Opalvorkommen entdeckte. Dies geschah bei der Suche nach Wasser durch Goldsucher. Der damit beginnende Opalboom zog Menschen aus allen Teilen Australiens und der Welt an, heute finden sich in Coober Pedy Menschen aus 30 Nationen.
Unterirdische Häuser und Kirchen, zahlreiche Opalminen und Museen ziehen die Besucher an. Die Stadt kann sicherlich keinen Schönheitspreis gewinnen. Manche sagen, hier wollen sie nicht einmal begraben sein. Staubige Baracken und Häuser, ringsum Halden, mehrere Tankstellen, einige Restaurants und zahllose Opalläden prägen das Gesamtbild. (20 s)
 
Der morbide Charme, die Wüste und die Endzeitstimmung sind der Grund, warum hier Filme wie 1985 Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel, Priscilla – Königin der Wüste, Pitch Black mit Vin Diesel, Red Planet und Mortal Combat gedreht wurden. Man sieht auch noch einige alte Kulissen herumstehen. Die einzigartige Mond-ähnliche, unterirdische Landschaftskulisse machen die Gegend zu einer beliebten Wahl für Science-Fiction- und Wüsten-Filme.
 
Das Klima hier ist extrem, im Sommer kann das Thermometer auf über 50 Grad im Schatten steigen und im Winter ist manchmal Frost angesagt. Deshalb bauten die Siedler ihre Häuser und Einrichtungen unterirdisch. Dies bietet Schutz vor der intensiven Hitze. Noch heute wohnen rund die Hälfte der 1500 Einwohner unter der Erde. Sie leben von der Opalsuche und dessen Verkauf. Coober Pedy zieht Abenteurer als auch Liebhaber von Opalen an.
 
Eine Minen- und Wüstentour gehört bei einem Besuch Coober Pedys dazu. Uns chauffierte ein Claimbesitzer, damit kommt man auch in Bereiche, die aus 
Sicherheits- und Besitzgründen Besuchern normalerweise verschlossen sind. Zuerst ging es zu einer noch aktiven Mine, in der man den Abbau der Opale anschaulich erklärt bekommt.
Beim Abbau handelt es sich oft um eine Kombination aus traditionellen Handwerkstechniken und modernen Maschinen. Die Suche nach den Edelsteinen erfolgt in Coober Pedy fast ausschließlich in kleineren, privaten Minen. Für größere Bergbaubetriebe ist das Risiko des Misserfolges zu groß.
 
Opale sind aufgrund des außergewöhnlichen Farbspiels weltweit begehrt und entsprechend teuer. Am begehrtesten und seltensten sind die schwarzen Opale in Kombination etwa mit Rot. Die findet man in Cooper Pedy nur selten.
 
Wir sind auf dem Claim unseres Guides, ein sonst abgesperrtes Gebiet. Claims sind Parzellen von Land, auf denen Einzelpersonen oder Unternehmen das Recht haben, nach Opalen zu graben. Dazu muss man einfach den Claim mit vier Holzpfosten abstecken und einen Antrag beim zuständigen Landesamt stellen. Nach dessen Überprüfung und Bezahlung einer geringen Gebühr wird eine Genehmigung erteilt. Der Claim-Besitzer kann dann mit dem Graben beginnen, sei es für den eigenen Bedarf oder für den Verkauf.
 
Nur wenige Kilometer entfernt ist man schon im Nichts. Die Landschaft ist mondartig, Sand und Steine, ab und zu weiße und rötliche kleinere Hügel. Auch diese Gegend hier diente als Drehort etwa für Mad Max-Filme. 
Und doch lebten hier seit Jahrtausenden Aborigines. Die wohl die älteste kontinuierliche Kultur der Welt ist, sie soll schon seit über 60.000 Jahren existieren. Das indigene Volk hat eine tiefe Verbindung zur Wüstenlandschaft und eine reiche Kultur, die sich in ihrer Kunst, ihren Erzählungen und ihrem Wissen über die Natur widerspiegelt. Die Aborigines betrachten die Wüste nicht nur als geografischen Raum, sondern als lebendigen Ort, der in vielen Geschichten und Zeremonien verankert ist. Die Landstriche um Coober Pedy sind oft mit Traumzeit-Geschichten verknüpft, in denen Schöpfungsmythen und spirituelle Bedeutungen erzählt werden.
Wir kommen am längsten Zaun der Welt vorbei, 5600 Kilometer lang. Er wurde gebaut, um die Dingos, die wilden Hunde Australiens, von den Schafherden des Südens fernzuhalten. Dingos sind geschickte Jäger und stellen eine erhebliche Bedrohung für die Schafzucht dar. Der Zaun beeinflusst jedoch nicht nur die tierischen, sondern auch die ökologischen Dynamiken der Region. Indem er die Dingos ausschließt, führt dies zu einer Überpopulation anderer Tierarten und stört das Gleichgewicht des Ökosystems.

Tag 13, Fahrt Port Augusta

Es geht weiter Richtung Süden, heute rund 540 Kilometer bis Port Augusta. Die nächste Etappe führt uns für zwei Tage zum Wilpena Pound, bevor wir nach insgesamt 1150 Kilometern Adelaide erreichen, die erste größere Stadt seit langem.
 
Heute sind zwei Tankpausen und ein paar kurze Stopps etwa an einem Salzsee und einer Militäranlage mit einem Museum zur australischen Luft- und Raumfahrt vorgesehen, mehr nicht.
 
Der Rocket Park zeigt einige historische Raketenmodelle und Flugzeuge, ist mehr eine Gedenkstätte für die Raumfahrtgeschichte Australiens. Aber allemal eine kurze Unterbrechung wert.
Port Augusta am Spencer Gulf gelegen. Die Stadt ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Fernverkehr und die Eisenbahn und hat 13.000 Einwohner. Für uns ist sie ein Zwischenstopp für die weitere Fahrt gen Süden.

Tag 14, Fahrt Wilpena Pound und Offroad unterwegs

Entsprechend geht es am kommenden Tag direkt weiter, 170 Kilometer nach Wilpena Pound, wo wir zwei Tage bleiben. Diesmal geht es in die Berge auf kurvigen Straßen und grünen Wäldern. Die Landschaft hat sich deutlich verändert.Angekommen und im Hotel eingecheckt bleibt noch genügend Zeit, um Offroad zu einem Aussichtspunkt zu fahren. Der größere Teil der Truppe ist dabei, einige bleiben im Hotel zurück. Die Piste ist recht gut, und es macht Spaß, sie entlangzueilen. 
 
Das Wilpena ist ein riesiges, natürliches Amphitheater, ein etwa 500 Millionen Jahre altes, kreisrundes Gebirgsmassiv mit 17 Kilometern Durchmesser. Es entstand durch Erosion eines Urmeeres. Hier finden sich Wanderwege, Offroad-Strecken, Aussichtspunkte und es ist ein wichtiger Ort für die Kultur der Adnyamathanha, der Ureinwohner der Region. Zu dritt machen wir eine etwa zehn Kilometer lange Wanderung ins Zentrum der geologischen Formation. Die Tour geht durch einen ursprünglichen und geschützten Wald mit einer bemerkenswerten Fauna.

Tag 15, Ausflug Blinman

Vom Hotel aus sind es rund 130 Kilometer nach Blinman, einer alten Bergbaustadt. Kurvenreiche Strecken wechseln sich mit langen Geraden ab. Auf der Hochebene bläst der Wind kräftig, auch auf den Geraden wird in Schräglage gefahren und man muss den Böen kräftig entgegenhalten.
Einst wurde in Blinman Kupfer abgebaut, von 1859 an nach der Entdeckung des Erzes durch Robert Blinman. Gewonnen wurden bis 1907 insgesamt etwa 10.000 Tonnen davon. Einst lebten hier 1500 Menschen, heute sind es noch 50. Die alte Mine ist eine beliebte Touristenattraktion.
 
Nahe Blinman gibt es einen kleinen Handwerkershop, der Waffen und Geräte der Aborigines herstellt und verkauft. Anders als in der Touristenhochburg Yulara am Uluru sind hier die Preise für das Handwerk real und nicht überteuert. Also wird zugeschlagen.

Tag 16, Fahrt Adelaide

Es geht weiter Richtung Adelaide. Die Landschaft wird grüner, überall sind riesige Felder mit blühendem Raps zu sehen. Zurzeit blühen in Australien im Spätwinter die Apfel- und Kirschbäume und zahlreich finden sich an der Strecke Weinbaubetriebe. Nach etwa zwei Stunden kommen wir zurück in die Zivilisation. Der Verkehr nimmt zu, das macht das Fahren weniger meditativ. Wir fahren erstmals seit mehreren tausend Kilometern auf einer Autobahn. 
 
Nach 435 Kilometern mit zwei Tankstopps und einer kurzen Kaffeepause erreichen wir Adelaide, eine moderne Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern. Gegründet wurde sie 1836 als erste freie Siedlung Australiens. Kurz eingecheckt und geduscht geht es mit dem Taxi zum 13 Kilometer entfernten Meer in ein schönes Restaurant mit Blick aufs Meer. Aber auch die Millionenmetropole ist für uns nur Durchgangsort, um wirklich etwas zu sehen, müsste man mehrere Tage bleiben.

Tag 17 Fahrt Robe

Die nächste Etappe führt in vier Tagen über Robe, Halls Gap und Apollo Bay nach Melbourne, unseren Ziel der gesamten Reise. Bis dahin sind noch einmal rund 1300 Kilometer.
 
Nach etwa 30 Kilometern sind wir in Hahndorf, eine kleiner Ort mit rund 2300 Einwohnern. Es ist eine Touristenattraktion, mithin eine der ersten deutschen Siedlungen in Australien. Gegründet hat man sie im Mai 1839. Das deutsche Erbe ist deutlich sichtbar, es gibt Bäckereien mit typisch deutschen Backwaren oder Metzgereien mit einer Vielzahl an Wurstwaren, die man im restlichen Australien eher nicht findet. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle vieler Hahndorfer.
In Strathalbyn findet sich ein kleines Motor-Museum und eine Statue eines Motorrad-Rennfahrers, einst eine Ikone in Australien. Nur verunglückte er auf der Ilse of Man bei einem Rennen tödlich.
Beidseitig der Straße liegen große Weinanbaugebiete, Rinder- und Schaffarmen, Ackerflächen oder Plantagen. Die größte Farm Australiens, die Anna Creek Station im Süden des Landes, dient vorwiegend der Rinderzucht und umfasst rund 23.600 Quadratkilometer, etwa 70 Prozent der Größe des Staates Belgien. 
 
Die längere Etappe fahre ich heute allein, kann somit andere Strecken und auch mein Tempo fahren. In Kingston treffen sich die meisten wieder, an der Statue eines großen Hummers vor einem Fischlokal.
Zwischendurch gab es auch mal eine Kontrolle, die Neuseeländer wurden von einer Polizistin angehalten, die aber schlussendlich eine gute Weiterreise wünschte. Ich wurde rechtzeitig auf die Kontrolle durch einen Autofahrer hingewiesen.
 
Am Hotel angekommen, standen 340 Kilometer mehr auf dem Tacho.

Tag 18, Fahrt Halls Gap

Weiter geht es Richtung Melbourne, diesmal bis nach Halls Gap, erstmals bei etwas regnerischem Wetter. Halls Gap ist rund 370 Kilometer entfernt. Zunächst geht es entlan griesiger Weideflächen und Rapsfeldern, später folgt eine kurvenreiche Berglandschaft.

Unterwegs machen wir Halt bei den Höhlen von Naracoorte. Eine kleinere davon besuchen wir, die Stick Tomato-Cave. Die zahlreichen Höhlen der Region beherbergen eine der weltweit umfangreichsten und am besten erhaltenen Fossilienlagerstätten des Pleistozäns. In den Höhlen wurden Überreste von vielen prähistorischen Tieren gefunden, darunter große Beuteltiere wie Riesen-Kängurus, Beuteldachse und andere Säugetiere, die Einblicke in die Tierwelt und Umweltverhältnisse des Zeitraums vor rund 2,6 Millionen Jahren bis etwa 10.000 Jahre vor Christi ermöglichen. Der Bedeutung des Höhlensystems wegen und der dort vorhandenen Fossilien wurde Naracoorte 1994 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.
Ab und zu kann mal einen Abstecher abseits der geteerten Wege machen, bevor es nach einigen Stunden in die Berge auf eine kurvenreiche Straßen geht. 
 
Angekommen in unserem Hotel begrüßt uns Buddy, das Hauskänguruh. Es lebt frei, hat sich aber an die Menschen gewöhnt. Es ist hier aufgewachsen, rennt auf dem Areal herum. Eine Banane verschmäht es auf keinen Fall.
Kängurus sind nur in Australien, Neuguinea und auf den umliegenden Inseln wie Tasmanien und Kangaroo Island heimisch. Sie sind für ihre langen Hinterbeine bekannt, mit denen sie durch die australischen Lebensräume wie Steppen, Wüsten und Regenwälder springen. Es gibt rund 65 Arten, von denen einige, wie das tote Riesenkänguru Buddy, bis zu 1,80 m groß werden können, Mithin ist das rote Riesenkänguruh größte lebende Beuteltier der Welt. (23 s)

Tag 19 Fahrt Apollo Bay

Weiter geht es am Folgetag am frühen Morgen nach Apollo Bay, etwa 315 km entfernt. Es ist regnerisch, das Wetter bessert sich aber über den Tag.
 
Nach drei Stunden erreichen wir an der Küste den Bay of Islands Coastal Park. Es ist ein 32 Kilometer langes Küstenreservat an der Great Ocean Road gelegen. Man hat ihn 1997 aus einigen kleineren Schutzgebieten errichtet. Immer wieder bietet sich ein Halt an und ein kurzer Spaziergang, um den Ausblick zu genießen.
Richtig was los ist bei den zwölf Apostel. Hier finden sich Hunderte Besucher ein, in der Sommersaison und an Wochenenden täglich weit über tausend, die die Steinformationen im Meer sehen wollen. Es sind vorwiegend junge Chinesen und viele Inder. In den letzten Jahren entstanden hier Parkplatz, Besucherzentrum, Stege und Aussichtsplattform sowie ein kleiner Flughafen mit Hubschraubern für Rundflüge. Und es wird weiter kräftig gebaut. Vermutlich wurde dieser Hot Spot auf Tiktok oder Instagramm gepostet, und jetzt muss jeder hin.
 
Weiter geht es auf der Great Ocean Road bis zur Apollo Bay. Insgesamt ist die Great Ocean Road 243 Kilometer lang. Apollo Bay erreichen wir nach rund 310 Kilometern. Das charmante Küstenstädtchen liegt eingebettet zwischen üppigen Wäldern und dem türkisblauen Meer mit schönen Sandstränden. Apollo Bay ist ein Ort für Reisende, die Entspannung, Natur und authentische Küstenkultur an einem malerischen Ort erleben möchten.

Tag 20 Fahrt Melbourne

Es geht auf die letzte Etappe dieser Tour quer durch Australien, 300 Kilometer nach Melbourne. Zuerst warten auf uns kurvenreiche Strecken die Ocean Road die Küste entlang bis etwa 100 Kilometer vor Melbourne der Großstadtverkehr beginnt. Dann ist das Ziel erreicht, nach rund 6500 Kilometer quer durch Australien. Durch tropischen Regionen mit 38 Grad Temperatur, durch das Outback und die Berge mit morgens um die drei Grad, entlang ellenlanger gerader Straßen oder am Ende über kurvige Strecken durch die Berge und an der Küste entlang. Die langen Strecken im Outback luden zum Meditieren ein, so dass die Zeit viel schneller verging als gedacht.

Tag 20 und 21 In Melbourne angekommen

Wir sind in Melbourne, in der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria. Es ist eine dynamische Metropole, die Kultur, Geschichte und moderne Lebensart miteinander vereint. Hier leben rund 5,3 Millionen Menschen. Die Stadt weist eine vielfältige Architektur auf, von historischen Gebäuden in der Innenstadt bis zu modernen Bauten und Kunstinstallationen. Neben einem regen kulturellen Leben mit zahlreichen Galerien, Museen und Theatern ist Melbourne auch als Sporthochburg bekannt, in der regelmäßig internationale Veranstaltungen stattfinden.
Einen guten Überblick über die Stadt bietet das Melbourne Skydeck. Es ist die höchste öffentliche Aussichtsplattform der südlichen Hemisphäre, die sich im 88. Stock des knapp 300 Meter hohen Eureka Towers befindet. 

Das Fazit

Es eine besondere Tour, einmal von Nord nach Süd durch den australischen Kontinent. Die nur sehr wenige Menschen mit dem Motorrad machen. So ist man besonders nah an der Natur, an den Menschen. Die Gruppe aus Australiern, Neuseeländern, Briten, Amerikanern, Schweizer, Deutschen und Norwegern hat wunderbar zusammengepasst. Auch die Guides Brian, John und Adam, waren sehr flexibel und brachten viel Erfahrung und Wissen in die Tour ein. Ein Zitat aus der Motorradszene bringt es auf den Punkt: Vier Räder bewegen deinen Körper, zwei Räder bewegen deine Seele.
Dank auch besonders an den Mitreisenden Alan aus Australien, der mir die Drohnenaufnahmen zur Verfügung stellte.
 

Das Forum für Reisende ob Nah oder Fern