Amazonien Nov./Dez. 2013

Von Cusco nach Manaus – Unterwegs in Peru, Bolivien und Brasilien

Teil 2 Bolivien und Brasilien

10-grenze-peru-bolivien-1715-amazonien-2013…200 m weiter erreichen wir die bolivianische Grenze, ein Militärposten (zum ersten Teil des Reiseberichtes: Von Cusco bis zur Bolivianischen Grenze). Hier hieß es aussteigen. Nach zehn Minuten ist alles erledigt, meinten wir. Also wieder zum Boot, ohne Stempel. Eine Liste mit den Namen der Einreisenden sollte genügen, da wir ja nur durch Bolivien nach Brasilien durchreisen würden. Jetzt halten wir uns erstmals sowieso im Grenzgebiet zwischen  den beiden Ländern auf, am Rio Heath, dem Grenzfluss und kommen zwei Tage später wieder hier vorbei.  Später stellte sich heraus, dass wir die sechs Tage illegal in Bolivien waren. Das verursachte einige nicht geringe Probleme bei der Ausreise nach Brasilien. Davon später mehr.

Um 14 Uhr waren wir dann an der peruanischen Ranger-Station, die als Kontrollpunkt immer besetzt sein sollte. Nur kein Ranger weit und breit. Eigentlich wollten wir hier übernachten. 20 Fahrminuten entfernt soll auf bolivianischer Seite eine Lodge liegen. Hier tauchte dann auch der Ranger auf, also zurück zu der Station, wir dürfen die zwei Tage auf dem Gelände der Station bleiben. Bis hier hin dürfen wir übrigens um die 1100 km zurückgelegt haben.

Um 7.30 Uhr am kommenden Morgen fuhren wir den Heath-River flussaufwärts um zu großen Kapok-Bäumen zu gelangen. Dabei ließ sich am Ufer ein schwarzer Kaiman beobachten, der hier recht selten ist. Ein etwa zweijähriges Tier, zu sehen an den vier Flecken am Kopf.09-rio-heath-madidi-1795-amazonien-2013 Zehn Minuten später landeten wir an, am linken Flussufer, sprich wir sind in Bolivien im Madidi-Nationalpark. Nach kurzem Fußmarsch sahen wir die ersten Kapok-Bäume. Sie erreichen Höhen bis zu 75 Meter. Damit ist die Art mit die größte des tropischen Regenwaldes. Der Stamm ist grün und wird im Alter von Brettwurzeln gestützt. Der größte hier war um die 50 m hoch, etwa 300 Jahre alt und durch die Blattwurzeln im Durchmesser schwer zu schätzen. Jedenfalls hätten wir alle zusammen (16) nicht ausgereicht, um ihn zu umarmen. An Pflanzen entdeckten wir wilden Kakao, den Knoblauchbaum, dessen Rinde wie Knoblauch riecht, Wanderpalmen, die pro Jahr bis zu 80 Zentimeter wie der Name schon sagt wandern und Soldatenameisen, die gerade ein fremdes Nest plünderten und die Eier entwendeten um Sklavenameisen aufzuziehen.

Hier gibt es auch eine Savanne mitten im Regenwald. Die Graslandschaft befindet sich teils auf peruanischer, teils auf bolivianischer Seite. Es handelt es sich dabei um eine nasse Grassteppe, auch wachsen hier immer wieder Palmen. Warum diese doch recht große Landschaft ohne den typischen Regenwaldbewuchs hier entstand, da gibt es nur Theorien: Eine sieht die Ursache in der Bodenbeschaffenheit, eine andere dass sich hier mal ein großer Fluss durch die Gegend schlängelte. Neben endemischen Termiten leben hier große Ameisenbären, die bis zu zwei Meter Länger erreichen.

Bildergalerie Tambopata und Rio Heath

Erste Station ist heute der uns schon bekannte Militärposten an der bolivianischen Grenze an. Dort sind wir gegen zehn Uhr. Es gibt den Stempel, die Einreise ist gesichert und die Ausreise. Dachten wir. Wie gesagt es war der falsche Stempel und wir unwissentlich illegal in Bolivien unterwegs.

Die Strecke durch Bolivien auf dem Madre de Dios bis Riberalta macht eigentlich kaum ein Besucher. Ist die Region doch zu abgelegen und unbekannt und auch schwierig zu bereisen. Schon eine Stunde später sind wir in Chivee, einem kleinen Ort am Fluss gelegen. Gelegenheit, die Trinkwasservorräte aufzufüllen und Vorräte einzukaufen. Auch war es möglich, in einem Laden US-Dollar gegen Bolivianos umzutauschen. Der Kurs soll besser sein als in Riberalta, in der Stadt.

Der Unterschied zu Peru ist jetzt schon zu erkennen. Zwar ist Peru auch ein armes Land, aber mit höheren Wachstumsraten, zudem investiert die Regierung zunehmend in die ländlichen Gebiete und nicht mehr nur in den Städten. In Bolivien gehört ein großer Teil des Landes nur etwa 20 Familien, die das Sagen haben. Und besonders das Geschäft mit den Paranüssen beherrschen. Neben Gold das Hauptprodukt in dieser Region. Paranüsse sind auch der Grund für diesen Ort, dass es ihn überhaupt gibt. Zur Zeit leben nur wenige Menschen hier, wenn aber Saison ist, die von Mitte Dezember bis Ende März dauert, leben hier Hunderte von Paranuss-Sammlern. Mafiöse Strukturen, fast eine Art Sklavenhaltung, so jedenfalls erzählte man uns. Mehr dazu im Buch ab Ende des Jahres.

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Wir sind wieder auf dem Fluss unterwegs. Während man in Peru nur wenige Goldwäscher auf dem Fluss sah, hier in Bolivien sind sie mit ihren Schiffen recht häufig. An einem Zusammenfluss zweier Flüsse sah man geschätzt 30 bis 40 Goldwäscherboote mit ihren Saugschläuchen, Pumpen und Waschanlagen. Wäre gut für einen Besuch gewesen, aber hier wäre es nicht gut angekommen. Sind die Goldwäscher unter den Bolivianos Fremde nicht gewohnt und Ihnen auch nicht unbedingt freundlich gesonnen. Wir werden es morgen weiter im Landesinneren versuchen um mit einigen ins Gespräch zu kommen.

Santa Rosa. Ein glühend heißer Platz am Flussufer. Es hat etwa 37 °C im Schatten. Ein Platz mit ein zwei leeren, hölzernen Baracken, recht groß. Es sind Lagerhäuser, in einem wollten wir übernachten. Es war jedoch von Wespen besetzt. Die Lager werden übrigens während der Paranuss-Ernte benutzt.  Deswegen gibt es hier nur einen alten Mann in einer Hütte, der das Gelände verwaltet. Er lässt uns für ein paar Bolivianos auch hier übernachten.

Nach Sonnenuntergang lassen wir uns mit dem Boot auf dem Fluss treiben, auf der Suche nach Kaimanen am Flussufer. Wir sehen auch einen, können ihn sogar fangen (die Guides). Und lassen ihn wieder frei.

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7.30 Uhr (bolivianische Zeit). Weiter ging es mit dem Boot auf dem Madre de Dios. Heute stand die längste Etappe der Reise mit dem Boot bevor, rund 350 km Flussabwärts. Selbst für unsere Bootsbesatzungen, die von Touren auf den Flüssen leben, war die Fahrt von Puerto Maldonado nach Sena ein Novum, die insgesamt 740 km umfasst. Es hatte zwischenzeitlich  angefangen zu regnen. Das Dach bot vorne keinen Schutz. Zumal der Fahrtwind den eher leichten Regen durch das ganze Boot trieb.

Gegen elf Uhr erreichten wir America. So heißt ein Dorf am Fluss gelegen. Eine bäuerliche Idylle, arm aber irgendwie erinnerte es daran. Doch der Schein trügt. Zwar haben die etwa 150 hier lebenden Bolivianos ein Zuhause, Arbeit und sogar eine Schule, aber alles gehört einem der Großgrundbesitzer. Er stellt alles zur Verfügung, damit bleiben die Menschen hier und er hat gleich für das kommende Jahr seine Arbeiter für die Paranuss-Ernte. Dazwischen reparieren und restaurieren sie für ihn alte Schiffe und Boote. Darunter einen recht stattlichen Schaufelraddampfer. Im Regenwald wird natürlich Coca angebaut. Zudem befindet sich hinter dem Dorf ein kleiner Flugplatz mit kleinen Flugzeugen, die sehr tief fliegen können – so wurde uns erzählt. Mit ihnen lässt sich derzeit noch das Radar in Peru und Brasilien unterfliegen. Für den Drogenschmuggel.

In der Schule gibt es zwei Klassen. Das heißt, mehrere Jahrgänge werden in einer Klasse unterrichtet, fünf Tage die Woche, je sechs Stunden. Zur Zeit waren Schulferien. Dennoch kamen die Kinder alle zusammen, ist ja nicht so häufig, dass Besucher wie wir hier vorbeifinden.

Wieder auf dem Madre de Dios. Wir fuhren zu Goldwäschern, hier waren vier Boote aneinander gekoppelt. Wir durften in zwei kleineren Gruppen an Bord, uns die Anlagen anschauen. Die Boote heißen Draga, der Taucher, mithin die wichtigste Person die den Saugschlauch bedient heißt Draguero. Die Männer arbeiten 20 Stunden täglich, quasi eine Schicht – nennen wir es mal so. Dann kommt die nächste Schicht. Auch in der Pause ist man an Bord, in der Enge, dem Dieselgestank der LKW-Motoren – sie treiben die Pumpen an –  und dem Lärm.  Eine Waschanlage holt hier in einer Schicht etwa fünf Gramm Gold aus dem Fluss. Die Arbeiter bekommen 20 Prozent, den Rest kassiert der Inhaber der Boote. Er lässt sich auch täglich blicken, kontrolliert seine Arbeiter. Mehr dazu im Buch zu der Reise und auch zum Thema Drogen.

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Abends erreichten wir dann Sena, unser Tagesziel. Es ist noch hell, die eine Stunde Zeitverschiebung in Bolivien macht es möglich. Die Stadt dürfte schon mal bessere Zeiten erlebt haben. Davon zeugt ein altes Kolonialgebäude. Holzhütten, einige modernere Häuser – nach bolivianischen Maßstäben – die rund 300 Einwohner leben vor allem vom Handel. Abends und Nachts sehr heftiger, langandauernder Regen, der sich am Morgen dann kurz legte.

Fahrt nach Riberalta

Drei Pick-Ups wurde geordert. So hätten wir bei dem regnerischen Wetter alle im Auto sitzen können. Hieß es am Vorabend. Vor dem Frühstück waren es dann nur noch zwei Fahrzeuge. Dann war keines mehr verfügbar. Anscheinend wollten die Fahrer die beschwerliche Fahrt nach Riberalta nicht auf sich nehmen. Oder wurde nur nicht genug bezahlt? Keine Ahnung. Dafür trieb der Guide einen alten LKW auf, dessen Fahrer würde uns die 150 km zu der Stadt bringen. Auf der offenen Ladefläche des mit Starrachsen und Blattfedern für die leichte Last denkbar ungeeigneten Fahrzeuges für die lange Fahrt. Denn die dauerte jetzt über sechs Stunden statt der geplanten drei.

Pünktlich mit der Abfahrt fing es zu regnen an. So blieb es auch einen größeren Teil der Fahrt, mit zum Teil recht kräftigen Niederschlägen. Trotz Regenjacke war ich schnell durchnässt und es wurde durch den Fahrtwind bei den 24 °C recht kühl. Außerdem saß ich direkt über der Hinterachse, ab und zu hob man auch mal ab.

Dann ging alles sehr schnell. Der Laster schleuderte, neigte sich bedrohlich, alles flog durcheinander. Es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre umgekippt. Dann sitzen wir in einem großen Schlammloch abseits der Straße fest. Glück gehabt. Außer ein paar leichten Blessuren bei einer Mitreisenden nichts weiter passiert. Das hätte ganz anders ausgehen können. Immer ein Risiko, die alten Fahrzeuge. An der Lenkung hatte sich Schraube gelockert, ist rausgefallen und die Lenkung hat sich selbständig gemacht. Entdeckt und repariert war der Schaden in zehn Minuten.  Schien nicht das erste Mal zu sein.  Und er schafft es tatsächlich, den Laster aus dem Schlammloch heraus zu manövrieren. Also weiter, und fehlt noch etwa eine Stunde. Wenigstens regnet es nicht mehr.

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Etwa 30 Minuten später kommen wir an einen breiten Fluss. Hier enden die Spuren direkt am Wasser, im Schlamm. Kurz darauf kommt eine kleine Fähre, eher ein Floss herüber, nicht viel größer als der LKW. Angetrieben von einem halb mit Wasser vollgelaufenen hölzernen Boot mit 40 PS Außenborder. 11-fahrt-riberalta-2193-amazonien-2013 Verbunden nur über ein etwa ein Zentimeter dickes Tau. Das muss genügen und reicht auch aus. Wir jedenfalls erreichen sicher das andere Ufer. Eine halbe Stunde später erreichen wir Riberalta und unser Hotel, ein schönes altes Kolonialgebäude. Mit Abstand das Beste seit zwei Wochen, seit dem wir Cusco verlassen haben. Bauen lassen hat es ein ehemaliger Kakaobaron.

Riberalta hat um die 80.000 Einwohner. Man lebt in erster Linie von der Ziegelherstellung aufgrund des hier vorkommenden sehr feinen Lehms. Zudem gibt es noch einige Paranuss-Fabriken. Eine lebhafte Stadt und recht sauber. Morgen werden wir sie näher uns anschauen. Bis Riberalta von Cusco aus haben wir übrigens in den knapp zwei Wochen etwa 1760 km zurückgelegt.

Bildergalerie Fahrt Bolivien und Riberalta

Die Saison der Paranuss-Ernte beginnt Mitte Dezember und endet Ende März. Dementsprechend standen die meisten Paranuss-Fabriken in Riberalta still. Eine aber arbeitete noch, gespeist aus den Lagern der letzten Ernte. Ihr statteten wir einen Besuch ab. Unangemeldet, aber es klappte. Vorher ging es jedoch erst mal mit Motorradtaxis zu einer Behörde, die Ausreise nach Brasilien vorzubereiten.

Das Geschäft mit den Paranüssen ist hart für die einen, oft die einzige Möglichkeit des Broterwerbes, lohnend für die anderen, meist nur einige wenige. Paranussbäume sind bis zu 50 Meter hoch. Die Frucht ist rund, etwa 10 bis 12 cm im Durchmesser, ähnlich einer Kokosnuss. Ein Baum trägt zwischen 800 und 2000 davon. Jede davon enthält 10 bis 25 Samen, die eigentlichen Paranüsse. Gesammelt werden sie von den Safreros. Versuche scheiterten, sie in Plantagen anzubauen. Der Qualität wegen. Pro Sack Paranüsse mit 23 kg erhält der Sammler rund 8 bis 13 Bolivianos, etwa 1 bis 2 Euro. Davon muss er sich dann versorgen, Lebensmittel kaufen und so weiter. Am Markt erzielt ein Kilogramm der besten Qualität später 60 bis 70 USD.

In der Fabrik, wir trugen Kopfschutz und Schutzkleidung, lautes Klacken erwartete einen, von hunderten Frauen, die die „Nussknacker“ betätigten, die Schale entfernten. Laut John, dem Firmenchef, arbeiten hier etwa 400 Frauen. 40 Stunden pro Woche an fünf Tagen. Mehr dazu wie immer im Buch mit der ausführlichen Reisereportage.

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Nach dem Besuch der Firma ging es dann zu einer weiteren Behörde, quer durch die Stadt auf Motorradtaxis, japanischen Fabrikats mit meist 125 ccm. Hauptverkehrsmittel. Autos gibt es kaum. Die Ausreise benötigte den Besuch von zwei Ämtern. Später, auf der Fahrt zur Grenze mussten wir noch eine dritte Behörde frequentieren. Der Grund ist eine eigene Geschichte im Buch wert, waren wir doch unwissentlich illegal in Bolivien. Nur so viel (das erzählen die Stempel im Reisepass): Eingereist in Bolivien das erste Mal am 27. November (ohne Stempel). Noch einmal eingereist am 29. November (mit Stempel). Offiziell (rückwirkend) eingereist am 1. Dezember. Ausgereist am 2. November (nein, kein Schreibfehler). Eingereist in Brasilien am 2. Dezember.

Fahrt nach Porto Velho

Kurz nach zwölf Uhr ging es dann vom Hotel aus los, mit zwei Stunden Verspätung, Richtung brasilianische Grenze. der Fahrer bekreuzigt sich, legt den Sicherheitsgurt an und los geht es. Als Beifahrer fehlt mir das Gurtschloss zu Anschnallen. So wie auch der Tacho außer Funktion ist. Am Rio Mamore „überschreiten“ wir mit einer Fähre die Grenze (überfahren geht auch schlecht). Wir wären übrigens ohne irgendeinen Stempel aus Bolivien herausgekommen. Keiner wollte irgendetwas sehen.

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Auf brasilianischer Flussseite, nur ein kleiner Steg, kontrolliert wird nur das Gepäck. Vermutlich auf Drogen. Keine Personen – oder Passkontrolle. Die offizielle Einreise erfolgt wieder in einem kleinen Büro in der Stadt. Dreieinhalb Stunden soll die 320 km lange Fahrt mit Taxen bis Porto Velho dauern, unserem Etappenziel. Es werden nicht ganz fünf Stunden. Der überschaubare Verkehr schlängelt sich die Straße entlang, mal rechts, mal links, mal auf dem unbefestigten Seitenstreifen, wie eine Schlange. Nicht wenige Schlaglöcher haben die Größe einer Badewanne. Selbst große LKW fahren Zick-Zack-Kurs. Es später wird die Straße besser, dann geht es mit 130 km/h vorwärts. Erlaubt sind 80 km/h. Wir erreichen Porto Velho lebend dann gegen acht Uhr Abends.

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Ein Flopp. Früh aufgestanden, auf die Guides gewartet, zu Fuß zu einem Eisenbahnmuseum gehetzt. Zum Filmen blieb diesmal überhaupt keine Möglichkeit, wäre sonst schon nach einer Szene allein auf weiter Flur gewesen. Am Museum festgestellt, dass es heute geschlossen ist. Hatte man vorher nicht gewusst. Eigentlich ein Muss, der Besuch. Die Madeira-Mamoré-Eisenbahn, so ihr Name, sollte in der Zeit des brasilianischen Kautschukbooms von Porto Velho bis nach Riberalta in Bolivien verlaufen. Realisiert wurde ab 1872 mit Unterbrechungen bis 1912 jedoch nur die 364 km lange Strecke bis nach Guajará-Mirim an der bolivianisch-brasilianischen Grenze. Einen hohen Blutzoll verlangte der Bau dieser Strecke. Offiziellen Zahlen zufolge starben etwa 6000 Menschen, ohne die Opfer bei den indigenen Stämmen. Todesursachen waren Schlangen, Krankheiten, Unwetter und auch die Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern.

In Porto Velho selbst leben um die 400.000 Einwohner. Gegründet 1914 als Hafen am Rio Madeira ist sie heute ein wichtiger Punkt der Transamazonica, die einmal den Pazifik und den Atlantik verbinden soll. Früher profitierte die Stadt vom Kautschukboom und gelangte zu bescheidenem Reichtum. Für uns war die Stadt nur noch eine kurze Zwischenetappe, wir mussten um 10.30 Uhr Richtung Flughafen. Die Strecke zu unserem nächsten Ziel, die 880 km nach Manaus, legten wir mit dem Flugzeug zurück.

Bildergalerie Fahrt Brasilien bis Porto Velho

Rio Urubu und Manaus

Früh geht es los. Nur das Notwendigste geht mit für die zwei Tage am Urubu-Fluss. Bis dorthin respektive der Lodge sind es etwa 160 km mit dem Bus, weitere 35 km mit kleinen Booten. Die Antonio-Lodge, schön, einfach, ökologisch orientiert. Der Strom wird mittels Solarpaneels erzeugt, nur die Kühlschränke betreibt man mit Gas.

Auf kleinen Ruderbooten waren wir dann auf dem Urubu unterwegs, auf der Suche nach den rosa und grauen Delphinen. Unser brasilianischer Guide Christobal ersetzte jetzt Brian, der uns in Porto Velho vor dem Flug nach Manaus verlassen musste. Wir sind hier nur noch auf einer Höhe von etwa 25 m. Obwohl es bis zur Küste noch 1500 Kilometer sind. Der Amazonas hat kaum Gefälle, auch der Urubu nicht. Wirkt manchmal eher wie ein See wegen der glatten Wasseroberfläche. Der Amazonas wird durch die nachfließenden Wassermassen regelrecht Richtung Meer geschoben.

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Es ist traumhaft durch die Wälder mit den Booten zu rudern. Die Bäume hier heißen Mata Mata, sind eine Art Gummibaum und können immer im Wasser stehen. Die abgestorbenen Bäume bilden zusammen mit dem frischen Grün der noch lebenden eine fantastische Kulisse. Nach etwa einer Stunde Bootsfahrt, die offenen Wasserflächen dabei  mit Motorunterstützung überquert, legten wir am Ufer an. Zeit um für das Abendessen zu sorgen. Dran glauben mussten acht Piranhas.  Eine Schnur mit Haken und kleingehacktes Hühnerfleisch reichten aus.

Die Rückfahrt in der Dämmerung durch die Bäume hatte etwas Faszinierendes. Eine surreale Landschaft, hinzu kam die untergehende Sonne. Das alles zusammen mit dem Wolkenspiel zauberte ein irreales Lichtbild auf die glatte Wasseroberfläche. In der Dämmerung entdeckten wir dann doch noch ein paar Delfine. Leider nur aus der Entfernung.

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In stockdunkler Nacht folgte noch eine Bootsfahrt. Ziel waren die erst in der Nacht aktiven Kaimane. Unsere brasilianischen Guides fingen sogar zwei kleinere mit der Hand ein, etwa einen halben Meter groß. Sie wurden nach ausgiebigen Erklärungen wieder freigelassen.

5.40 Uhr am Morgen. Wir trieben auf dem Fluss, umgeben von der Geräuschkulisse eines Regenwaldes. Die Wasseroberfläche war fast spiegelglatt. Wir warteten auf den Sonnenaufgang. Die beiden Sonnen gingen auf respektive unter. Das Original und die Kopie. Letztere spiegelte sich im Wasser.

Nach dem Frühstück wieder eine Bootsfahrt, dann ein etwa 2 bis 2 ½-stündiger Marsch durch den Regenwald. Das war eine Wanderung, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte. Christobal ist hier im Regenwald aufgewachsen, kennt sich sehr gut aus. Nahm sich Zeit, erklärte ausgiebig, brachte uns zu interessanten Stellen, wartete, bis alle da waren. So hätte es bei den Wanderungen und in den Siedlungen in Peru und Bolivien auch sein können, nein, sein müssen. Denn Zeit war ja genug vorhanden. Hinterher.

14-urubu-2679-amazonien-2013Wir bekamen unter anderem Lianen gezeigt, die Chinin enthalten und als natürliches Medikament gegen Malaria verwendet werden. Weiter Heilmittel gegen Erkältungen (ja, auch die gibt es hier) und man zeigte uns wie man aus jungen Palmenblättern Gegenstände geflochten werden. Er lockte aus einem Erdloch sogar eine handtellergroße Vogelspinne heraus. Diese Art war sehr giftig, Der Tod tritt beim Menschen innerhalb einer Stunde ein. Aber es gebe ein Gegenmittel. So sei ein Freund von ihm vor geraumer Zeit von dieser Art gebissen worden. Hier das lebensrettende Rezept: Man nehme ein Termitennest mit allem was so dabei ist, sprich Termiten, Eier, Erde… vermahle es und mische es mit Wasser. Dies muss getrunken werden. Bei seinem Freund half es, er überlebte.

Nachmittags gelangten wir nach einer Bootsfahrt durch einen schmalen, sehr flachen Flussarm in traumhafter Umgebung zu einer im Regenwald lebenden Familie. Den Rest zu Fuß durch einen brandgerodeten Dschungel, die Auswirkungen jeglicher Besiedlung, auch die nur einer Familie. Von etwas müssen sie ja leben. Kurz danach ein großes Maniokfeld. Von dessen Anbau lebt die Familie. Die brandgerodete Fläche eignet sich etwa für zehn bis fünfzehn Jahre Anbau, dann ist sie ausgelaugt und die Krume weggeschwemmt. Hier wächst dann nichts mehr. Auch kein Regenwald. Das ist das Problem, großflächig betrachtet. Nicht in diesem Maßstab hier.

John , 73 Jahre alt, und sein seine Frau, 68, haben 32 Kinder. Hat er uns erzählt. Hier leben sie noch zu zwölft. Die Stadt wäre keine Alternative, da wären sie nicht glücklich. Gilt das auch für die Jüngeren?  Auf mich jedenfalls machen alle einen etwas apathischen Eindruck, gibt gerade wahrscheinlich nichts zu tun. Außer für John. Der hämmert und sägt gerade an einer neuen Tür, unterbricht auch bei unserem Besuch seine Arbeit nicht. Obwohl hier her kaum jemand herkommt. Interessiert ihn aber auch nicht so richtig. Dennoch erzählt er von sich und dem Leben hier. Beim Weiterarbeiten. Die Hütte, einfach und schlicht, drei Räume, Ein Schlafzimmer, ein weiterer Raum mit Hängematten. Weiter ein separates Klohäuschen, ein Garten mit Früchten des Dschungels, eine überdacht Holzpresse und Kochvorrichtung für das Maniok

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Bildergalerie An den Ufern des Urubu

In Manaus

Am Folgetag ging es die 35 km mit dem Boot zurück zur Anlegestelle und weiter die 160 km Straße nach Manaus. Nach dem Ende des Kautschukbooms lag die Wirtschaft in Manaus am Boden. Auch im Zentrum sind viele Gebäude marode, dazwischen 20-stöckige Hochhäuser. Eine Stadt im Zwiespalt, aber mit einem eigenwilligen Charakter, mit Zerfall, Armut, Patina und vielen Liebespaaren.

Gut in Schuss und zentraler Punkt ist das Teatro Amazonas im Stil der Renaissance. Hier finden heute noch große Konzerte mit berühmten Künstlern statt. 700 Menschen haben darin Platz. Ein Zeichen des Reichtums zu Zeiten des Kautschukbooms.

Nach der Oper stand ein Fußmarsch durch die quirlige Stadt zum Fischmarkt an, ein Muss. Überall werden Waren angeboten, einzelne gesichtslose Luxusläden und Marken wie sie bei uns zu finden sind bis hin zum Brotverkauf aus dem Einkaufswagen heraus. Dazu viele Autos, vermutlich auf der Suche nach Parkplätzen, die es nicht gibt. Die Straßenränder voller Müll, auch das gehört dazu. Und unzählige Essens- und Getränkestände.

Der Fischmarkt, am Rio Negro gelegen, einem Zufluss des Amazonas. Die Brücke, die ihn überspannt ist vier Kilometer lang. Der Geruch erschlägt einen fast. Hier geht es rustikal zu. Fische zuhauf. Draußen frisches Obst.

Abends bin ich allein unterwegs. Die Stadt, ihre Umtriebigkeit, das Leben genießen. Mit ausreichend Zeit. Junge Menschen, Buden, Musik, Restaurants, vieles spielt sich im Freien ab. Kurz die Kathedrale besucht, hier fand gerade ein Gottesdienst statt. Es hat noch 33 °C. Der Busbahnhof. Chaos pur. Für mich jedenfalls. Vor dem Theater auf einem großen Platz ein Violinist. Er spielt zu Orchesterbegleitung die von CD kommt. Eine wunderbare Stimmung. Ein passender Abschluss vor weihnachtlicher Kulisse.

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Bildergalerie Manaus

In Rio de Janeiro

7. Dezember, Freitag, Tag 21: Heute Nacht sollte es um zehn Minuten nach drei mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro gehen. Noch zwei Tage ausspannen, bevor uns die Heimat wieder erwartet. Also gegen ein Uhr am Flughafen. Der Flug hatte etwa elf Stunden Verspätung, also nur einen Tag für Rio.  Das aber ist eine andere Welt mit Copacabana und Zuckerhut, und wäre auch eine andere Geschichte. Deswegen nur ein paar Bilder.

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Bildergalerie Rio de Janeiro
(Zu Teil 1 von Cusco bis zur bolivianischen Grenze)

 

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