Schweden, der Süden – Teil I, von Stuttgart bis Stockholm

Mit dem Wohnmobil geht es diesmal auf dem Landweg in den Süden Schwedens – sechs Wochen haben wir uns dafür Zeit genommen. Die Anreise führt über Deutschland und Dänemark, mit Stopps bei Landvergnügen-Höfen, an einem historischen Hafen und in einem außergewöhnlichen Garten, bevor es über die Öresundbrücke nach Schweden geht.

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes über unsere Schwedenreise.

Anreise nach Schweden durch Dänemark

Tag 1: Mühlenbrennerei Inselhof, Dietzenrode

Mit dem Wohnmobil geht es auf dem Landweg Richtung Süden Schwedens – sechs Wochen sind dafür eingeplant. Erster Stopp nach rund 350 Kilometern östlich von Kassel: die Mühlenbrennerei auf dem Inselhof in Dietzenrode, vermittelt über Landvergnügen, das Netzwerk für kostenlose Wohnmobil-Stellplätze bei Bauernhöfen, Weingütern und Brennereien in Deutschland, Österreich und der Schweiz (rund 2.100 Gastgeber, über 5.000 Plätze). Der ökologisch bewirtschaftete Hof mit Mutterkühen, Obst- und Ackerbau brennt seit 2013 eigene Obstbrände, Liköre und Whisky. Der Stellplatz liegt schattig zwischen Scheune und Bach – ein hübsches Plätzchen. Hofladenbesuch, Verkostung und Brennereibesichtigung runden den Stopp ab; im Angebot: Edelbrände, Gin, Liköre, Fleisch- und Wurstwaren, Käse, Honig, Wein und mehr.

Tag 2: Rieckens Landmilch, Großbarkau

Rund 400 Kilometer weiter in Richtung Schweden legen wir bei Rieckens Landmilch in Großbarkau nahe Kiel einen weiteren Landvergnügen-Stopp ein. Der Milchviehbetrieb ist seit 2017 bio-zertifiziert; im Hofladen gibt es Milch und Milchprodukte sowie eine große Auswahl eigener Fleischwaren – von Rinderschinken über Mettwurst und Bratwurst bis zu Steaks, Braten und Wild – dazu weitere regionale Spezialitäten. Wir stehen diesmal abseits direkt an den Viehweiden, nur lässt sich das Vieh gerade nirgends blicken.

Tag 3: Middelfart, Dänemark

Da wir einen Tag früher losgefahren sind, schieben wir einen zusätzlichen Stopp ein: Middelfart, direkt an den Lillebælt-Brücken zwischen Jütland und Fünen. Wir stehen zentral am Hafen, nur 200 Meter zur Altstadt – 2023 als „Dänemarks erster maritimer Kulturhafen“ ausgezeichnet, mit historischen Holzschiffen und der traditionsreichen Lillebælt-Werft. Am Hafen liegen die terrassierten Hängenden Gärten sowie das Henner Friisers Hus von 1575, das älteste erhaltene Bürgerhaus Dänemarks. Die Altstadt besticht durch kopfsteingepflasterte Gassen mit terrassenförmig zum Wasser gestaffelten Häusern. Middelfart liegt an der schmalsten Stelle des Kleinen Belts und war jahrhundertelang für seinen Walfang bekannt; heute lebt hier eine der dichtesten Schweinswalpopulationen Europas. Über die Belt-Brücke – die 1935 erbaute Eisenbahnbrücke und die seit 1970 genutzte Autobahn-Hängebrücke – sind wir angereist.

Tag 4: Zen Garden, Stenlille (Dänemark)

Noch in Dänemark unterwegs, steuern wir den Zen Garden bei Stenlille an. Seit 35 Jahren verwandelt Jørgen das einst flache Gelände in eine Landschaft aus über 8.000 Tonnen Granitstein, mit Wasserfällen, Bächen und einem der größten Koiteiche Europas. Hunderte Rhododendronarten sowie Rosen und Lilien geben dem Garten rund um ein altes Herrenhaus einen fernöstlichen Charakter. Auf der anderen Straßenseite liegt der offenere Lakeside Garden mit breiten Kieswegen zwischen Rhododendren, stählernen Rosenbögen und einem ausgedehnten Dahlienbeet. Wer Zeit mitbringt, findet Bänke und Picknicktische – oder Kaffee und Kuchen im kleinen Gartencafé.

Tag 5: Limhamn bei Malmö

Wir sind in Schweden. Erster Stopp ist ein Aussichtspunkt mit Blick auf die gerade überquerte Öresundbrücke. Nur wenige Schritte davon entfernt liegt unser Stellplatz für die nächsten zwei Tage: die Marina Limhamns Småbåtshamn. Von dort sind es mit dem Fahrrad nur wenige Kilometer in die Malmöer Innenstadt, die wir uns für den nächsten Tag vorgenommen haben. Am Nachmittag schlendern wir vom Stellplatz zur Molenspitze und durch die Hafengegend – auch von dort hat man einen freien Blick auf den Öresund und die Brücke.

Trotz ihres Namens („kleiner Boots-Hafen“) ist die Marina die größte von rund einem halben Dutzend in Malmö und zählt zu den größten Südschwedens, mit vermutlich über 1.000 Bootsliegeplätzen. Es gibt mehrere Restaurants, eine Badestelle, ein Kaltbadehaus, Spielplatz, Grillplätze, kostenlose Leihfahrräder und eine Bushaltestelle mit Direktverbindung ins Zentrum – für uns eine Option, falls es am nächsten Tag regnen sollte.

Rund um die Marina gibt es außerdem etwa 100 Stellplätze für Wohnmobile, teils direkt an der Kaimauer; außerhalb der Saison deutlich weniger, da dann die winterfest gemachten Boote den Platz einnehmen. Die Plätze verfügen über Stromanschluss, Frischwasser sowie Grauwasser- und Chemie-WC-Entsorgung; Toiletten, Duschen, Waschmaschine und Geschirrspüler sind ebenfalls vorhanden.

Tag 6: Malmö

Mit dem Fahrrad geht es die rund sechs Kilometer in die Innenstadt von Malmö, wo wir sie tagsüber in der großen unterirdischen Fahrradgarage am Bahnhof abstellen – die Infrastruktur für Radfahrer ist hervorragend. Ganz sicher sind die Räder aber auch hier nicht: Man rät uns, die Akkus mitzunehmen, da sie selbst abgeschlossen in Sekunden gestohlen wären. Ein Fahrradladen in der Garage verwahrt sie für rund 6 Euro, bis wir zurückkommen – spart das Mitschleppen.

Nur wenige Schritte entfernt liegt der Lilla Torg, der „Kleine Platz“ mit historischen Fachwerkhäusern und dichter Restaurant- und Café-Szene. Ende des 16. Jahrhunderts als Erweiterung des Stortorget angelegt, ist er heute kein Markt mehr, sondern von Restaurantterrassen geprägt.

Weiter geht es zu Kungsparken und Slottsparken, die gemeinsam eine große Grünfläche rund um das Schloss Malmöhus bilden. Der Kungsparken, ältester Park Malmös (1869/70 auf dem Gelände der einstigen Malmöhus-Befestigung angelegt), bietet auf 34.000 m² alte Bäume, Teiche und einen gusseisernen Brunnen von 1882. Der angrenzende, jüngere Slottsparken (21 Hektar, 1897/1900) wirkt eher wie ein Volkspark mit Wald und Wiesen; beide Anlagen gehen fließend ineinander über.

Danach ein Besuch des Malmöhus Slott: 1434 als Kastell errichtet, 1537–1542 zum Renaissanceschloss ausgebaut und das älteste erhaltene seiner Art in Skandinavien. Nach dänischer Residenz und schwedischer Grenzfestung diente es ab 1828 bis 1909 als Gefängnis mit Hinrichtungen im Burghof, danach als Notunterkunft. Seit 1937 ist es Museum – heute mit Kunstmuseum, Naturhistorischem Museum, Aquarium und Stadtmuseum, die uns allerdings nicht überzeugt haben.

Kurzer Kaffeestopp in der Markthalle Malmö Saluhall, seit 2016 in einem denkmalgeschützten Lagerhaus von 1898 untergebracht, mit Street-Food-Ständen und Restaurants, die auf Handwerk statt große Speisekarten setzen.

Mit dem Fahrrad weiter zum Turning Torso: Mit 190 Metern und 54 Etagen der zweithöchste Wolkenkratzer Skandinaviens, von Santiago Calatrava nach seiner Skulptur „Twisting Torso“ entworfen, aus neun um insgesamt 90 Grad verdrehten Segmenten. Seit 2005 ist er Malmös Wahrzeichen, errichtet auf dem Gelände der ehemaligen Werft Kockums.

Nächstes Ziel: Ribersborgs Kallbadhus, 1898 an den heutigen Standort verlegt, 1902 durch einen Sturm zerstört und wieder aufgebaut, 2009 mit neuem Sonnendeck und Steg modernisiert. Die Anlage steht auf Pfeilern im Meer, verbunden über einen rund 300 Meter langen Holzsteg.

Ausklang des Tages im Limhamns Fiskrökeri nahe unserem Stellplatz – Fischräucherei mit Restaurant und Feinkostladen, wo wir bereits am Vortag geräucherten Lachs und Heringssalat gekauft hatten. Der Tagesfisch kommt morgens direkt aus dem Räucherofen, dazu dillstuvad potatis oder ein Silltallrik mit fünf Heringssorten; freitags oft Hummersuppe, heute ein Shrimps-Buffet – so viel man möchte für rund 25 Euro. Empfehlenswert bei Qualität und Preis.

Tag 7: Fotevikens, Smygehuk und Ystad

Fotevikens

Das Fotevikens Museum südlich von Malmö ist ein großes archäologisches Freilichtmuseum mit einem lebendigen Wikingerdorf: über 20 rekonstruierte Gebäude innerhalb einer halbkreisförmigen Holzpalisade, die eine typische Wikingersiedlung zwischen 950 und 1150 nachbilden. Wahrzeichen ist ein hölzerner Wachturm; am Wasser liegen Räucherstuben und Fischerhütten, im Dorf u. a. Schmiede, Bäckerei, Münzwerkstatt, Gärten sowie die Häuser von Richter und Weber und ein großes Thinghaus für Versammlungen. Außerhalb der Palisaden finden sich Hütten armer Handwerker, eine einfache Pilgerherberge, ein heidnischer heiliger Hain und ein Runenstein. Morgens waren wir noch fast allein unterwegs, erst im Laufe des Tages füllte sich das Gelände.

Im lebendigen Dorf wird Handwerk vorgeführt – Schmied, Weberin sowie der Guss von Schmuck – dazu eine kleine Wikingerschau, die Szenen aus der damaligen Zeit nachstellen.

In der Umgebung finden sich zahlreiche archäologische Fundstellen bis zurück in die frühe nordische Jungsteinzeit, acht davon aus der Wikingerzeit; die Stelle war nachweislich schon um 970 den Asen geweiht. Das Museumsleben spielt dauerhaft im Jahr 1134, dem Jahr der nahegelegenen Schlacht bei Fodevig; die rekonstruierten Gebäude gehören in die Übergangszeit von später Wikingerzeit zu frühem skandinavischem Mittelalter (etwa 950–1150).

Smygehuk

Weiter ging es zum südlichsten Punkt Schwedens und der skandinavischen Halbinsel, Smygehuk. Dort steht ein weißer, 17 Meter hoher Eisen-Leuchtturm von 1883, der 1976 stillgelegt und seit 2001 wieder als Navigationshilfe für Fischer- und Privatboote in Betrieb ist; die schmale Treppe lässt sich hinaufsteigen. Das ehemalige gelbe Leuchtturmwärterhaus daneben ist heute eine Jugendherberge. Wir waren die einzigen Besucher – in der dritten Augustwoche hat in Schweden bereits die Nachsaison begonnen.

Ein paar hundert Meter weiter ist mehr los: Das Kunsthandwerkszentrum Köpmansmagasinet in einem historischen Kaufmannslagerhaus aus dem frühen 19. Jahrhundert diente der Legende nach während der Napoleonischen Kriege als Schmuggler-Umschlagplatz. Heute zeigt es Kunst- und Kunsthandwerksausstellungen lokaler Handwerker, dazu Café und Touristeninfo; im Sommer finden zudem Konzerte statt.

Ystad

Am späteren Nachmittag ging es noch zu Fuß in die Altstadt von Ystad, die mit über 300 farbigen Fachwerkhäusern aus dem 17./18. Jahrhundert, Kopfsteinpflastergassen und – zur passenden Jahreszeit – Rosen besticht. Bekannt ist sie zudem als Schauplatz von Henning Mankells Wallander-Krimis. Uns überzeugte die Stadt allerdings nicht sonderlich, zumal sie fast ausgestorben wirkte: Läden und viele Cafés hatten geschlossen, auch das sicher sehenswerte Kloster schloss bereits um 16 Uhr. Einzig die Marienkirche hatte geöffnet und lohnte sich. So beschlossen wir, bereits am Sonntag weiterzufahren, statt wie geplant zwei Nächte zu bleiben.

Tag 8: Ales Stenar und Kiviksgraven

Ales Stenar

Ales Stenar bei Kåseberga ist Schwedens berühmteste Schiffssetzung – ein rund 1.400 Jahre altes, als „Stonehenge Schwedens“ bekanntes Monument und eine der rätselhaftesten archäologischen Stätten Nordeuropas. Sie liegt auf den Klippen bei Kåseberga, etwa 32 Meter über der Ostsee, und besteht aus 59 Granit- und Sandsteinblöcken in Schiffsform: 67 Meter lang, bis zu 19 Meter breit und damit die größte erhaltene Schiffssetzung Skandinaviens. Die Steine wiegen zwischen 500 Kilogramm und fünf Tonnen, die höchsten an Bug und Heck über drei Meter.

Radiokohlenstoffdatierungen datieren das Monument auf etwa 600 n. Chr., kurz vor der Wikingerzeit. Solche Schiffssetzungen symbolisierten die Reise der Verstorbenen ins Jenseits, da das Schiff das zentrale Statussymbol der nordischen Elite war. Trotz nur weniger gefundener Knochenreste gilt Ales Stenar als Kult- oder Grabstätte, möglicherweise für einen Häuptling namens „Ale“. Zusätzlich fasziniert die präzise astronomische Ausrichtung: Zur Sommersonnenwende geht die Sonne exakt über dem Heckstein unter, zur Wintersonnenwende über dem Bugstein auf; weitere Steine korrespondieren mit Sonnenständen zu landwirtschaftlichen Terminen – das Monument diente wohl auch als Sonnenkalender.

Für Steinformation und das Fischerdorf Kåseberga sollte man 1,5 bis 2 Stunden einplanen, der Fußweg vom Parkplatz zur Klippe dauert je Strecke 10 bis 15 Minuten. Kåseberga selbst ist ein kleiner, noch aktiver Fischerhafen, dessen Boote traditionell auf Ostseehering („sill“) fischen. Rund um das Hafenbecken reihen sich mehrere traditionelle Fischräuchereien, etwa Kåseberga Fisk mit frisch geräuchertem Lachs, Hering oder Aal sowie Fischsuppe – auch wir kauften dort wieder geräucherten Lachs und ein paar Delikatessen ein. Außerhalb der Hauptsaison ist der sonst im Sommer belebte Hafen angenehm ruhig.

Kiviksgraven

Das Grab von Kivik – auch Kungagraven (Königsgrab) genannt – ist das mit Abstand monumentalste und bedeutendste bronzezeitliche Grabmonument Skandinaviens, errichtet um 1400 v. Chr. Der kreisrunde Steinhügel mit 75 Metern Durchmesser war ursprünglich eine gewaltige Landmarke direkt an der Ostseeküste. Im Inneren liegt die rekonstruierte Grabanlage: eine Steinkiste, deren zehn große Sandsteinplatten mit rituellen Felsritzungen verziert sind. Die Darstellungen zeigen bronzezeitliche Streitwagen, Schiffe, Äxte, Musiker, Prozessionen und mystische Symbole, die bis heute wertvolle Einblicke in Religion, Mythologie und die herrschende Elite der nordischen Bronzezeit geben.

Tag 9: Von Havängsdösen bis Åhus

Havängsdösen

Weiter geht es nach Havängsdösen (Großsteingrab von Haväng), eingebettet in eine einzigartige, fast steppenartige Heidelandschaft direkt an einem kilometerlangen Sandstrand. Der Dolmen zählt zu den ältesten Megalithmonumenten Skandinaviens, stammt aus der Jungsteinzeit und ist rund 5.500 Jahre alt. Die Grabkammer besteht aus fünf massiven, senkrecht aufgestellten Tragsteinen und einem riesigen, flachen Deckstein. Besonders ist die Ausrichtung: Die Kammeröffnung zeigt exakt nach Osten zum Meer, sodass die aufgehende Sonne zur Tagundnachtgleiche direkt hineinscheint. Jahrhundertelang von Sanddünen verdeckt, wurde das Monument erst 1843 durch einen schweren Herbststurm wieder freigelegt.

Am Strand finden sich zudem immer wieder Reste alter Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg – Teil der „Skånelinjen“, einer Verteidigungslinie, die Schweden zwischen 1939 und 1945 entlang der Südküste errichtete, da Skåne wegen der kurzen Distanz zu den deutsch besetzten Gebieten Dänemarks als wahrscheinlichster Landepunkt eines Angriffs galt. Manche Bunker sind frei zugänglich, andere gesperrt oder bereits verfallen.

Hallamölla Vattenfall

Nur wenige Kilometer vom Strand entfernt liegt der größte Wasserfall Schonens, der Hallamölla Vattenfall: Der Fluss Verkeån stürzt hier über mehrere Stufen insgesamt 23 Meter in die Tiefe – bei unserem Besuch mangels Wasser allerdings eher ein Rinnsal. Vor Ort steht eine historische Wassermühle, deren erste Vorgänger bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, dazu kurze Wanderwege durch dichte Buchenwälder und Picknickplätze.

Kaffestugan Alunbruket

Nahegelegen liegt die Kaffestugan Alunbruket, Schonens ältestes Kaffeehaus, untergebracht in einem idyllischen, reetgedeckten Fachwerkhaus direkt an Wanderwegen – ein lohnender Stopp für eine traditionelle Fika mit hausgemachtem Kuchen und Keksen inmitten eines zauberhaften Gartens.

Naturschutzgebiet Forsakar

Vor der Weiterfahrt nach Åhus wollten wir noch eine kürzere Wanderung im Naturschutzgebiet Forsakar machen, wo das Schmelzwasser der Eiszeit eine 40 Meter tiefe Urwald-Schlucht in die Landschaft gegraben hat; ein rund 1,6 Kilometer langer Weg führt am rauschenden Bach entlang zu zwei stufenförmigen Wasserfällen. Nach etwa einem Kilometer kehrten wir wegen einsetzenden Regens jedoch um – die Wasserfälle hätten ohnehin trotz Regens mehr Wasser gebraucht.

Ankunft in Åhus

Am Nachmittag in Åhus angekommen, unternahmen wir noch eine kurze Radtour die Küste entlang in ein Naturschutzgebiet – inzwischen schien wieder die Sonne.

Tag 10: Åhus

Åhus ist eines der am besten erhaltenen mittelalterlichen Städtchen Schwedens, malerisch an der Mündung der Helge å in die Hanöbucht gelegen, mit reicher Geschichte, lebendiger Hafenpromenade und kilometerlangen weißen Sandstränden.

Die Besiedlung geht auf die Wikingerzeit zurück, die ältesten Stadtrechte stammen von 1326. Im Mittelalter war Åhus als Handels- und Hafenstadt unter dem Erzbischof von Lund bedeutend, verlor sie 1617 aber an das neu gegründete Kristianstad und verfiel. Bis 1658 gehörte die Region zu Dänemark, danach zu Schweden; erst 1929 erhielt Åhus wieder Stadtstatus. Der historische Kern zählt bis heute zu den besterhaltenen mittelalterlichen Stadtzentren Schwedens, mit Ringmauerresten, engen Pflastergassen und Fachwerkhäusern. Wirtschaftlich prägt seit 1879 die Absolut-Vodka-Destillerie den Ort, daneben Fischerei, Aalfang-Tradition und Tourismus.

Von unserem Stellplatz liefen wir den Fluss entlang mit schönen Häusern und folgten dann in der Stadt dem Mittelalterweg. Startpunkt war das Anders Håkansgården, ein Freilichtmuseum der Heimatvereinigung Sankta Annas Gille südlich der Altstadt – leider nur donnerstags geöffnet. Der Hof stammt aus dem späten 17. Jahrhundert, ursprünglich ein Kronohemman; Wohnlänge, Scheune und Stall zeigen bäuerliches Leben des 19./20. Jahrhunderts. Direkt gegenüber liegt Malmströms Repslageri, eine überdachte, rund 70 Meter lange Seilerbahn, in der bis 1966 Fischereitauwerk hergestellt wurde – ebenfalls nur donnerstags zu besichtigen.

Von dort führt der Weg in die mittelalterliche Altstadt mit Ringmauerresten, Grabenlinie und schmalen Gassen. Mittendrin liegt der Marktplatz (Torget), heute geprägt von Eisdielen und Cafés. Gleich daneben steht die Kungstugan, ein kleines Fachwerkhaus von 1675, ursprünglich Nebengebäude des Pfarrhofs. Um sie ranken sich zwei Legenden: Der Überlieferung nach versteckte Pfarrer Rönnow König Karl XI. während der Belagerung von Kristianstad vor dänischen Soldaten im Schornstein über der Feuerstelle, öffnete den Soldaten dann selbst gelassen die Tür und behauptete, der König sei bereits abgereist – die Durchsuchung blieb erfolglos. Eine zweite, pikantere Version besagt, der König sei eigentlich wegen der Pfarrersfrau so oft zu Gast gewesen, und sie habe ihm beim Verstecken geholfen.

Wenige Schritte weiter liegt die Ruine des Sankta Annas Hospitals, 1524 gegründet, 1569 abgebrannt und 1617 nach Kristianstad verlegt; die Backsteinruine dient heute als Café-Terrasse. Von dort führt die alte Kaufmannsstraße Köpmannagatan weiter zur Burgruine Åhus Borg, vermutlich aus dem 12. Jahrhundert und Schwedens erste Steinfestung – erhalten sind nur Mauerreste, im Hintergrund kontrastiert eine wenig ästhetische Fabrik.

Am Hafen lohnt eine Pause an der Eisdiele in einem umgebauten alten Fischkutter – Åhus ist landesweit für sein Speiseeis bekannt, unter anderem durch die Eismanufaktur Otto am Marktplatz. Direkt daneben liegt die Gamla Skeppsbron, die alte Hafenpromenade mit Fischrestaurants und Marina. Zum Abschluss der Blick auf die Spritkyrkan, die „Vodka-Kirche“ – das 1906 errichtete Destilleriegebäude von Absolut Vodka. Für den Abend fanden wir nahe unserem Stellplatz eine schöne Fiskrökeri, ein passender Ausklang mit gutem Fisch.

Tag 11: Ronneby und Karlskrona

Brunnspark Ronneby

Zwischenstopp in Ronneby: Der Brunnspark wurde einst als schönster Park Schwedens ausgezeichnet, umfasst rund 30 Hektar, seine erste Heilquelle wurde 1705 entdeckt. Die Glanzzeit als Kurort lag im späten 19. Jahrhundert; seine heutige Form erhielt der Park im Wesentlichen durch den dänischen Landschaftsarchitekten Henry August Flindt, der ihn Ende des 19. Jahrhunderts neu gestaltete.

Der angrenzende Brunnsskogen ist ein naturnaher Buchenwald mit kleinem See und mehreren angelegten Gartenbereichen: ein japanischer Garten mit Iris, ein Duftgarten mit rund 50 Pflanzenarten, ein Rosengarten mit ausschließlich Sorten aus der Jahrhundertwende, eine Rhododendron-Pflanzung von 1912 sowie Teiche und ein Wasserfall. Die im Park verteilten Holzvillen aus dem 18. und 19. Jahrhundert stehen unter Denkmalschutz und werden heute als Büros, Cafés, Restaurants und Ausstellungsflächen genutzt. Für einen ausführlichen Rundgang könnte man einen ganzen Tag einplanen, wir begnügen uns mit rund zwei Stunden.

Marinemuseum Karlskrona

Tagesziel ist das Marinemuseum in Karlskrona auf der Insel Stumholmen, Teil des Unesco-Welterbes „Örlogsstaden Karlskrona“. Das Museumsgebäude stammt von 1997, das Museum selbst zählt zu den ältesten Schwedens und dokumentiert rund 500 Jahre schwedische Marinegeschichte anhand von über 50.000 Objekten – Galionsfiguren, Schiffsmodelle, Waffen, Navigationsinstrumente. Zu den bekannten Bereichen gehören die Modellkammer, die Galionshalle und ein Wracktunnel mit Blick auf Schiffswracks aus dem 18. Jahrhundert.

Am Kai liegen drei Museumsschiffe: die Jarramas (Schwedens letztes Vollschiff, heute Schulschiff), der Minensucher Bremön und das Robotboot Västervik – ein kleines, schnelles Raketenschnellboot, wie es im Kalten Krieg für verdeckte Angriffe auf gegnerische Schiffe in der Ostsee gedacht war.

2014 kam die U-Boot-Halle hinzu, deren Fundament auf 270 Pfählen ruht, um das Gewicht der U-Boote zu tragen. Gezeigt werden die HMS Neptun (Baujahr 1980, knapp 50 m lang, rund 800 Tonnen, 19 Mann Besatzung) – nach der Vasa das zweitgrößte Museumsexponat Schwedens, 1981 an der Blockade des havarierten sowjetischen U-Boots U 137 beteiligt und von innen besichtigbar – sowie die Hajen von 1904, Schwedens erstes U-Boot. Die Ausstellung deckt damit gut 110 Jahre U-Boot-Geschichte ab.

Tag 12: Glasriket – Kosta Boda und Målerås

Kosta Boda

Wir sind im Glasriket, dem „Königreich des Glases“ in Småland zwischen Kalmar und Växjö, mit Orten wie Kosta, Orrefors, Boda und Målerås. Erstes Ziel ist Kosta Boda, eine der bekanntesten Glashütten Schwedens. Besonders ist die Offenheit der Werkshalle: Man geht direkt hinein und kann den Glasbläsern ohne Absperrungen bei der Arbeit zusehen, Besucher können sich sogar selbst als Glasbläser versuchen.

1742 gründeten Andreas Koskull und Georg B. Staël von Holstein die Firma, 1864 kam die Glashütte Boda hinzu, woraus der heutige Name entstand. Anderthalb Jahrhunderte lang stellte man vor allem Gebrauchsglas her, bevor ab 1898 mit Gunnar Wennerberg erstmals ein eigener Designer die Kunstglasproduktion prägte. Heute stehen Namen wie Bertil Vallien, Ulrika Hydman-Vallien oder Kjell Engman für das künstlerische Profil der Marke, ihre Ateliers liegen direkt in der Werkshütte. Im gut sortierten Fabrikverkauf kosten Vasen schon mal 500 bis 1000 Euro, einzelne Objekte mehrere Tausend. Gegenüber liegt Südschwedens größtes Bekleidungs-Outlet – wir ließen es links liegen und fuhren weiter zur nächsten Glashütte.

Målerås

Rund 30 Kilometer weiter liegt Målerås, gegründet 1890 und heute Schwedens größte Glashütte in Privatbesitz. Anders als Kosta war Målerås zunächst auf Fensterglas spezialisiert, bevor sich die Hütte unter Glaskünstler Mats Jonasson dem kunstvoll geschliffenen, gemalten und gravierten Dekorationsglas zuwandte – weltbekannt vor allem für ihre fein gearbeiteten Tierreliefs.

Bemerkenswerte Firmengeschichte: Am 29. Januar 1981 kauften 15 Handwerker – darunter Mats Jonasson – gemeinsam mit Anwohnern die Glashütte auf; von den 250 Einwohnern des Ortes investierten damals 80 in das Unternehmen. Daraus wurde die größte private Glashütte Schwedens. Auch hier lässt sich den Glasbläsern beim Schmelzen, Blasen, Gravieren und Bemalen zusehen, deutlich weniger Trubel als bei Kosta Boda. In Galerie und Shop zeigt sich das künstlerische Niveau schwedischer Glaskunst: fein ziselierte Tierfiguren und geschliffene Unikate, die Preisspanne reicht von rund 2.000 Euro für limitierte Editionen bis zu 85.000 Euro für großformatige Skulpturen.

Tag 13: Elchpark und Glasbruk Orranäs

Grönåsen Älgpark

Übernachtet haben wir auf einem Parkplatz beim Grönåsen Älgpark, rund 30 Kilometer weiter – einer der größten Elchparks Schwedens, familiengeführt. Das rund 10 Hektar große, eingezäunte Waldstück hat einen etwa 1.300 Meter langen Rundweg (gut eine halbe Stunde), mit Bänken und Beobachtungsplattformen an den von Elchen bevorzugten Stellen; zu den Fütterungszeiten sind die Tiere sicher zu sehen. Neben Elchen lebt im Park auch Dammwild.

Elche sind Wiederkäuer und verbringen viel Zeit ruhend mit der Verdauung, weshalb sich Geduld auszahlt. Die Tiere im Park haben eigene Persönlichkeiten und Namen: manche völlig angstfrei, andere verschmust oder auch mal flegelhaft, wieder andere scheu. Eine Ausstellung im Museum des Parks widmet sich den drei größten Gefahren für frei lebende Elche: Bär, Wolf und der Mensch als Jäger bzw. Straßenverkehr.

Orranäs Glasbruk

Dritte Station in Sachen Glasblasen: das Orranäs Glasbruk, ein moderner Glashüttenbetrieb mit historischen Wurzeln, der Glashandwerk und Glaskunst mit Nachhaltigkeitsanspruch verbindet und mit unabhängigen Designern zusammenarbeitet. Zum Areal gehören Glashütte, ein Museum mit Glaskunstsammlung, ein Ladengeschäft, Park sowie das angrenzende Eisenmuseum Hammarsmedjan. Besucher schauen der Glasbläserin bei der Arbeit zu und können im Café The Glassblower Café & Crêperie direkt daneben Kaffee und Kuchen genießen. Hyttmästare ist Amy Krüger, ausgebildet am Kosta Glascenter und der Königlich Dänischen Kunstakademie auf Bornholm, mit über zwanzig Jahren Erfahrung im Glasblasen.

Öland (Tag 14 bis 16)

Wir erreichen Öland, mit rund 137 km Länge Schwedens zweitgrößte Insel, seit 1972 über eine rund 6 km lange Brücke mit dem Festland verbunden. Die Insel ist überwiegend flach und karg, bekannt für die Kalksteppe Stora Alvaret (teils Unesco-Welterbe), rund 350 historische Windmühlen und zahlreiche Naturschutzgebiete.

Tag 14: Karlevi-Stein

Erster Stopp an der Westküste ist der Karlevi-Stein, um das Jahr 1000 errichtet und der älteste Runenstein Ölands. Der 130 cm hohe Block aus vulkanischem Porphyrgranit stammt nicht von der Insel, sondern vermutlich vom Festland bei Oskarshamn. Die Inschrift besteht aus drei Teilen: ein Prosatext, der den Stein dem Krieger Sibbe, Sohn des Foldar, widmet; eine Skaldenstrophe im komplexen Versmaß Dróttkvætt – die einzige bekannte runische Aufzeichnung dieser Form, die auf einen bedeutenden, wohl im Kampf gefallenen dänischen Anführer verweist; und auf der Rückseite bislang ungedeutete lateinische Buchstaben, begleitet von einem Kreuz und einem Thorshammer – ein Beleg für die religiöse Übergangszeit zwischen altem Glauben und beginnendem Christentum.

Burgruine Borgholm und Schloss Solliden

Die Burgruine Borgholm, oft als schönste Schlossruine Skandinaviens bezeichnet, thront auf offener Ebene über der Stadt. Ihre Ursprünge reichen ins 12./13. Jahrhundert zurück; bis zum Frieden von Roskilde 1658 diente sie als wichtige Verteidigungsanlage, wurde später zum Barockschloss ausgebaut und brannte schließlich aus.

Nahebei liegt Schloss Solliden, seit über hundert Jahren Sommerresidenz der schwedischen Königsfamilie. Das Schloss selbst ist nicht zu besichtigen, wohl aber der weitläufige Park mit Gärten (bei Anwesenheit der Königsfamilie können Teile gesperrt sein). Vor dem Park gibt es kleine Läden mit Souvenirs und regionalen Produkten sowie ein Café. 1938 ließ König Gustav V. dort eine Büste zum Gedenken an seine Frau, Königin Victoria, errichten.

Sandviks Kvarn

Stippvisite bei Sandviks Kvarn: Die achtstöckige Holländerwindmühle ist mit 26 m Höhe und 24 m Flügelspannweite die größte Windmühle Nordeuropas. Ursprünglich 1856 in Vimmerby errichtet, wurde sie nach einem Sturmschaden 1885 komplett demontiert, nach Sandvik transportiert und dort auf einem Sockel aus öländischem Kalkstein wieder aufgebaut. Anders als die kleineren Bockwindmühlen der Insel war sie eine Lohnmühle mit hoher Kapazität, bis in die 1950er-Jahre in Betrieb, seit 1980 als Byggnadsminne geschützt. Heute ist sie als Museum zugänglich, über mehrere Stockwerke bis zu den alten Mahlsteinen; im Sockelgebäude betreibt der Heimatverein Restaurant, Café und Kiosk.

Byrums Raukar

Rund 20 km weiter liegt Byrums Raukar, ein seit 1935 geschütztes Naturreservat mit Ölands berühmtester Raukenformation: etwa 120 bizarre Kalksteinsäulen entlang 600 Metern Küste, im Süden bis zu vier Meter hoch. Der Kalkstein entstand vor rund 490 Millionen Jahren aus einem Korallenriff; als sich das Meer zurückzog, trug die Brandung die weicheren Gesteinspartien ab und ließ die härteren Kerne als freistehende Säulen zurück. Besonders im Süden finden sich Fossilien wie Orthoceren und Trilobiten. Auf Öland kommen solche Rauken ausschließlich hier vor.

Leuchtturm Långe Erik

Ganz im Norden Ölands steht der Leuchtturm Långe Erik auf der kleinen Insel Stora Grundet, seit 1965 per Brücke angebunden. Erbaut 1845 aus Kalkstein, ist er mit 32 Metern rund 10 Meter niedriger und knapp 60 Jahre jünger als sein südliches Gegenstück Långe Jan. Nach Rüböl- und Petroleumlampe erhielt er 1906 ein rotierendes Linsensystem, 1947 wurde das Uhrwerk elektrifiziert, 1976 der Betrieb automatisiert; seit 1991 leuchtet ein kleineres Feuer mit 26 km Reichweite. Nur im Sommer geöffnet, führen 138 Stufen zum Umlauf in 28 Metern Höhe mit Blick über Ölands Nordspitze.

Nabbelund Hamn

Stellplatz für die Nacht: Nabbelund Hamn, südlich des Leuchtturms, früher ein wichtiger Verladehafen für Holz. Der alte Fährhafen ist außer Betrieb, das Fährterminal dient heute als Sanitärgebäude. Der Ort funktioniert als kleiner Gasthafen (30 Bootsliegeplätze) mit rund 30 Wohnmobil-Stellplätzen, mit Wasser, Duschen und Toiletten.

Tag 15: Freilichtmuseum, Fornborg und Leuchtturm

Erstes Ziel des Tages ist das Freilichtmuseum Himmelsberga, das am besten erhaltene zweizeilige Straßendorf Ölands – kaum restauriert, weitgehend im Zustand, in dem es ausgemustert wurde. Beiderseits der schmalen Dorfstraße stehen Vierseitenhöfe aus dem 18./19. Jahrhundert an ihrem Originalstandort, mit Originalmöbeln in den Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Geräten in Ställen und Scheunen. Auf den Weiden grasen alte Haustierrassen wie Ölandpferde. Ergänzt wird das Museum durch eine Kunsthalle, einen Dorfladen und ein Café. Grundstein war 1959 die Eröffnung des Hofs Norrgården als erstes Museumsgebäude.

Eketorps Borg

Eketorps borg im Süden Ölands ist Schwedens einzige vollständig ausgegrabene und originalgetreu wiederaufgebaute Fornborg, mitten im Weltnaturerbe Stora Alvaret. Ausgrabungen zwischen 1964 und 1973 förderten rund 26.000 Fundstücke zutage und zeigten drei Siedlungsphasen: Eketorp I (ca. 300–400 n. Chr.), Eketorp II (ca. 400–650 n. Chr., verstärkte Befestigung, 15 Gehöfte mit 53 Häusern für 150–200 Menschen) und Eketorp III (1170–1240 n. Chr., Wehr- und Viehburg mit berittener Truppe, über 100 Häuser). Der Ringwall ist fünf Meter hoch und sechs Meter breit; ein Brunnen aus der ältesten Bauphase versorgt die Anlage bis heute mit Wasser und wurde schon 1741 vom Naturforscher Carl von Linné erwähnt. Nach heutigem schwedischen Recht dürfen archäologische Stätten nicht mehr verändert werden – eine Rekonstruktion wie in Eketorp wäre unter geltendem Recht kaum mehr möglich.

Leuchtturm Långe Jan

An der Südspitze Ölands im Naturschutzgebiet Ottenby steht Långe Jan, mit 41,6 Metern der höchste Leuchtturm Schwedens. Errichtet 1784/85, vermutlich mit Hilfe russischer Kriegsgefangener, aus Steinen der abgerissenen Sankt-Johannes-Kapelle, deren Kurzform ihm den Namen gab. 1845 erhielt er seinen charakteristischen weißen Anstrich mit schwarzem Ring, 1907 ein rotierendes Linsensystem, 1948 elektrisches Licht. Heute ferngesteuert und von BirdLife Sverige verwaltet, kommen die Eintrittsgelder der benachbarten Vogelstation Ottenby zugute. Im Sommer führen 197 Stufen zur Aussichtsplattform – wir verzichteten wegen einsetzenden Regens darauf.

Tag 16: Gettlinge und Kalmar

Gräberfeld von Gettlinge

Wir starten mit dem Gräberfeld von Gettlinge an der Westküste Südölands, direkt am Rand des Weltnaturerbes Stora Alvaret – mit fast zwei Kilometern Ausdehnung eines der größten Gräberfelder der Insel. Genutzt rund 2000 Jahre lang (ca. 1000 v. Chr. bis 1050 n. Chr.), ursprünglich rund 250 Gräber, davon über 200 bis heute erhalten: Hügel, Steinsetzungen, Richterringe und mehrere Schiffssetzungen. Zentraler Blickfang ist eine rund 30 Meter lange Schiffssetzung aus 23 Granitblöcken mit rund zwanzig bronzezeitlichen Schälchensteinen. Ausgrabungen um 1900 untersuchten 15 – ausschließlich – Männergräber, meist geplündert; die am besten erhaltene Bestattung enthielt einen Hund, zwei Speere, einen Schild und Sporen. Schon 1634 beschrieb der Historiker Johannes Haquini Rhezelius die Anlage, 1741 untersuchte Carl von Linné eines der Gräber.

Schloss Kalmar

Zurück auf dem Festland: Schloss Kalmar. Um 1180 ließ König Knut Eriksson auf einer Halbinsel am Kalmarsund einen Verteidigungsturm errichten – die Gründung der heutigen Burganlage. Ende des 13. Jahrhunderts erweiterte König Magnus Ladulås sie zur Burg mit Ringmauer; da die dänische Grenze unmittelbar südlich verlief, wurde Kalmar zur wichtigsten Festung Schwedens ausgebaut, als „Schlüssel zum Reich“ bezeichnet. 1397 wurde hier unter Königin Margarethe die Kalmarer Union geschlossen, der fast 150 Jahre bestehende Zusammenschluss Schwedens, Dänemarks und Norwegens.

Unter den Wasa-Königen wurde die mittelalterliche Burg in einen Renaissancepalast verwandelt, mit Sälen wie dem Goldenen Saal (vergoldete Kassettendecke von 1576) und Erik XIV.s Schlafgemach. Seit 1592 blieb die Bausubstanz im Kern unverändert; das Schloss gilt als bestererhaltenes Renaissanceschloss Nordeuropas, ist seit 1935 Byggnadsminne und beherbergt seit 1870 das Kalmar Museum. Eindrücklich auch die Zahlen zum höfischen Alltag: Der private Monatsbedarf Johans III. umfasste u. a. 63 Ochsen, 298 Schafe, 980 Hühner und 858 Lachse und Hechte – „königliche Majestät war lustig und es sollte an nichts gespart werden“, wie eine zeitgenössische Randnotiz vermerkt.

Kalmar selbst zählt rund 40.000 Einwohner, ist drittgrößte Stadt Smålands und war im Mittelalter Hansestandort für den Export von Öland-Kalkstein, Teer, Holz, Eisen und Butter. 1986 erhielt die Stadt den Europa-Nostra-Preis für die Erhaltung ihres historischen Stadtbilds. Zentral am Marktplatz Stortorget steht der 1660–1703 errichtete, streng klassizistische Dom mit vier Türmen, von 1602 bis 1915 Bischofssitz.

Tag 17: Kalmar Läns Museum, Pataholm und Umgebung

Kalmar Läns Museum – Das Kriegsschiff Kronan

Am Vormittag zu Fuß zum Kalmar Läns Museum, das die Überreste der Kronan zeigt, neben der Vasa eines der größten schwedischen Kriegsschiffe des 17. Jahrhunderts. Am 1. Juni 1676 kenterte, explodierte und sank das Schiff vor der Südspitze Ölands – vermutlich weil die Segel bei starkem Wind nicht rechtzeitig gerefft wurden. Von rund 800 bis 850 Mann Besatzung überlebten nur etwa 40; der Untergang gilt als eine der größten Katastrophen der schwedischen Seefahrtsgeschichte.

Noch im 18. Jahrhundert wurden mit einer primitiven Taucherglocke wertvolle Bronzekanonen geborgen, danach geriet das Wrack für rund 300 Jahre in Vergessenheit. Erst 1980 wurde es von Anders Franzén – der zuvor bereits die Vasa entdeckt hatte – in 26 bis 27 Metern Tiefe wiedergefunden. Rund 95 % des Rumpfbereichs sind inzwischen untersucht. Zu den bedeutendsten Funden zählen zwei Goldmünzschätze, zwei der größten in Schweden geborgenen Silbermünzschätze, mehr als 40 bronzene Kanonen, ein Kabinettschrank mit 54 Einzelobjekten sowie 1999 gefundene menschliche Überreste, deren Gesicht später forensisch rekonstruiert werden konnte – insgesamt wurden bislang rund 35.000 Objekte geborgen.

Pataholm

Wenige Kilometer weiter liegt Pataholm, Schwedens kleinste historische Marktstadt. Bereits im 16./17. Jahrhundert ein bedeutender Handelsplatz mit Status einer Minderstadt (köping), getragen von Holzexport, einer Werft und regem Handel; im 19. Jahrhundert erlebte der Schiffbau hier noch einmal eine Blüte. Bis heute zeugen gut erhaltene Holzhäuser um den alten Marktplatz davon; nur noch wenige Menschen leben fest im Ort. Zwei historische Höfe wurden zu Heimatmuseen, in einem auch ein kleines Fotomuseum sowie ein Kunsthandwerksladen; im Café Förlig Wind werden im Sommer Kaffee und Gebäck serviert. Bei unserem Besuch in der Nachsaison war davon nichts zu spüren – Café und Läden geschlossen, der Marktplatz menschenleer, der Ort wirkte wie ausgestorben.

Klosterruine Kronobäck

Unterwegs ein Stopp an der Klosterruine Kronobäck, von der nur noch wenige Mauerreste stehen. Um 1292 zunächst als Hospital für Leprakranke gegründet, wandelte der Johanniterorden die Anlage 1479/1480 in ein Mönchskloster um; die Klosterkirche galt als größte Hospitalkirche Schwedens. Unter Gustav Wasa im 16. Jahrhundert aufgelöst, verfiel das Gebäude danach. Ab den 1940er-Jahren freigelegt, dient die Ruine heute als Ausflugsziel und Schauplatz eines jährlichen Mittelalterfests im Juli.

Steinmetzmuseum Våneviks Stenhuggarmuseum

Am Nachmittag das Freilicht-Steinmetzmuseum Våneviks Stenhuggarmuseum in einem stillgelegten Steinbruch – ganzjährig zugänglich, auch wenn die kleinen Gebäude geschlossen waren. Ein kurzer Spaziergang führt vorbei an einer alten Schmiede, Gleisen und Steinmetzhütten, wo einst der berühmte rote Vånevik-Granit abgebaut wurde. Übernachtet haben wir auf dem First Camp Gunnarsö-Oskarshamn, einem schön gelegenen Platz auf einer Schärenhalbinsel direkt am Meer mit großzügigen, ebenen Stellflächen.

Tag 18: Stensjö By und Västervik

Stensjö By

Stensjö By ist ein gut erhaltenes, bewohntes Kleinbauerndorf aus dem 19. Jahrhundert in Småland, heute Freilichtmuseum – original erhaltene Gehöfte und Gärten vermitteln einen authentischen Eindruck vom bäuerlichen Leben. Bekannt wurde der Ort als Drehort für Astrid-Lindgren-Verfilmungen: Hier entstanden Szenen für „Die Kinder von Bullerbü“ und „Michel aus Lönneberga“ – wer die Filme kennt, erkennt einzelne Gebäude und Wege wieder. In der Nachsaison wirkte das Dorf fast ausgestorben, das Café war geschlossen. Zum Abschluss führte ein ruhiger Rundweg durch den angrenzenden Wald, der als Viehweide dient.

Västervik

Västervik, oft „Perle der Ostküste“ genannt, liegt inmitten des Schärengartens von Tjust. Wahrzeichen ist die Burgruine Stegeholm auf einer kleinen Insel am Zentrum, um 1370 im Auftrag von Albrecht II. von Mecklenburg zur Sicherung der Wasserwege errichtet, mehrfach zerstört und wieder aufgebaut, bis sie 1677 bei einem dänischen Angriff endgültig niederbrannte.

Die Innenstadt ist geprägt von alten Holzhäusern und einem lebendigen Zentrum. Markant ist die neugotische St.-Petri-Kirche (1903–1905) mit roter Backsteinfassade, die die ältere St.-Gertrud-Kirche als Hauptkirche ablöste; bemerkenswert sind gleich drei Orgeln im Innenraum sowie ein Heiligenbild aus recycelten Militärplanen des Künstlers Mats Hermansson. Auf der Weiterfahrt zum Astrid-Lindgren-Museum in Vimmerby ließen wir nach einem Regenschauer kurz die Drohne steigen, um den Regenbogen aus der Luft zu sehen.

Tag 19: Auf den Spuren von Astrid Lindgren und Gränna

Astrid Lindgrens Näs

Der Tag steht im Zeichen von Astrid Lindgren, der wohl bekanntesten Kinderbuchautorin weltweit – Pippi Langstrumpf, die Kinder aus Bullerbü, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter. Erster Stopp ist Näs bei Vimmerby, ihr Geburtshaus, mit Nebengebäuden, Pfarrhaus, Garten und einem sehr sehenswerten Besucherzentrum. Das Geburtshaus selbst ist nur im Rahmen begrenzter Führungen zu besichtigen, die trotz Nebensaison ausgebucht waren.

Astrid Anna Emilia Ericsson wurde 1907 auf dem Pachthof Näs geboren und wuchs mit drei Geschwistern in einer als frei und unbeschwert beschriebenen Umgebung auf – diese Kindheit bildet später den atmosphärischen Kern vieler ihrer Bücher. Mit 17 Jahren wurde sie ungewollt schwanger, ging nach Stockholm und musste ihren 1926 geborenen Sohn Lars zunächst zu einer Pflegefamilie in Dänemark geben. 1931 heiratete sie Sture Lindgren; ihre schriftstellerische Laufbahn begann 1944, als sie – bettlägerig nach einer Fußverstauchung – die zuvor ihrer Tochter erzählten Pippi-Langstrumpf-Geschichten aufschrieb. 1945 erschien das erste Pippi-Buch. Sie engagierte sich zeitlebens politisch, unter anderem gegen Gewalt an Kindern – direkt zurückgeführt wird darauf Schwedens Verbot körperlicher Kindeserziehung von 1979 – und für Tierschutz. Ihre Steuersatire „Pomperipossa in Monismanien“ von 1976 löste eine landesweite Debatte aus und gilt als einer der Gründe für die Abwahl der Sozialdemokraten im selben Jahr. Astrid Lindgren starb 2002 im Alter von 94 Jahren in Stockholm; von ihr wurden weltweit rund 200 Millionen Bücher verkauft, seit 2002 verleiht die schwedische Regierung ihr zu Ehren jährlich den mit rund 560.000 Euro höchstdotierten Kinder- und Jugendliteraturpreis der Welt.

Filmbyn Småland

20 Kilometer weiter liegt Filmbyn Småland mit Original-Kulissen der Astrid-Lindgren-Verfilmungen – Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter, Ferien auf Saltkråkan, Nils Karlsson Däumling, Die Kinder aus Bullerbü, Pippi Langstrumpf. Man läuft durch die originalen Schauplätze wie Pippis Küche oder Emils Werkzeugkammer, sieht Originalkostüme und Requisiten und erfährt, wie die Filme entstanden. Anders als in Näs geht es hier nicht um Astrid Lindgrens Leben, sondern um die Verfilmung ihrer Werke.

Katthult

Acht Kilometer weiter liegt Katthult, eigentlich Gibberyds Gård, seit 2000 offiziell umbenannt – der Bauernhof, auf dem in den 1970er-Jahren die Michel-aus-Lönneberga-Filme entstanden. Ein echter smaländischer Hof aus dem 19. Jahrhundert, seit 1898 von derselben Familie bewohnt, äußerlich seit den Dreharbeiten kaum verändert. Gedreht wurde vor Ort in Gesindehaus, Scheune und der eigens errichteten Michels Werkstatt; Innenaufnahmen des Haupthauses entstanden dagegen im Studio. Das Haupthaus ist bis heute bewohnt und nicht zugänglich, der Rest des Hofs frei begehbar – inklusive Michels Holzschuppen mit geschnitzten Figuren und Fahnenmast.

Gränna

Über dichte Wälder und Schotterpisten geht es nach Gränna, wo wir übernachten – bekannt für den Polkagris, die rot-weißen Zuckerstangen. Erfunden hat sie Amalia Eriksson: Als Kind verlor sie durch eine Choleraepidemie Eltern und Geschwister, arbeitete als Dienstmagd, wurde mit 35 Jahren mittellose Witwe und begann zuhause Süßigkeiten zu kochen, um sich und ihre Tochter Ida zu ernähren. 1859 erhielt sie vom Magistrat die Erlaubnis für eine eigene Bäckerei – für eine Frau damals keine Selbstverständlichkeit – und gilt als erste Polkagris-Herstellerin Schwedens: roter, mit Pfefferminzöl aromatisierter Teig, verdreht mit hellem Teig, bis heute das typische Muster.

Ida führte das Geschäft bis 1945 weiter; Amalia starb 99-jährig als eine der wohlhabendsten und einflussreichsten Frauen Grännas, seit 1997 erinnert eine Bronzestatue an sie. Heute stellen rund ein Dutzend Betriebe in Gränna Polkagris her, der Ort zieht dafür jährlich über eine Million Touristen an – am Abend unseres Besuchs allerdings hatten fast alle Läden bereits geschlossen.

Tag 20: Vadstena und der Göta Kanal

Schloss Vadstena

Stopp am Schloss Vadstena, einer 1545 bis 1620 im Auftrag Gustav Wasas erbauten Renaissance-Festung am Vättern zur Grenzsicherung gegen Dänemark, umgeben von einem wassergefüllten Wallgraben. Unter Johan III. prunkvoll als königliche Residenz eingerichtet, fiel die Einrichtung 1598 einem Brand zum Opfer; Anfang des 18. Jahrhunderts als königliche Burg aufgegeben, diente sie zeitweise als Kornlager. Zusammen mit Gripsholm und Kalmar gilt Vadstena als eine der besterhaltenen Wasa-Burgen und als die eigentliche Renaissanceburg Schwedens, seit 1935 Byggnadsminne, seit 1899 zudem Sitz eines Landesarchivs.

Auffällig sind die großzügigen Raumgrößen, ein Erbe der einstigen Nutzung für höfisches Zeremoniell. Der Bröllopssalen (Hochzeitssaal) bietet dank seiner Größe und Akustik bis heute Raum für eine Opernbühne samt Publikum, obwohl er nie als Theater geplant war – seit 1964 bespielen die Vadstena-Akademien hier im Sommer neue und wiederentdeckte Opern, oft mit jungen Sängern und Musikern am Anfang ihrer Karriere.

Bergs Slussar und der Göta Kanal

Die Carl-Johans-Schleusentreppe bei Berg ist mit sieben direkt hintereinander verbundenen Kammern die längste ihrer Art am gesamten Göta Kanal, erbaut 1815 bis 1818 und nach König Carl XIV Johan benannt, der während der Bauzeit persönlich zwei Grundsteine legte. Zwischen dem See Roxen und dem oberen Hafenbecken überwinden Boote hier rund 18,9 Höhenmeter; mit zwei weiteren Doppelschleusen umfasst Berg insgesamt elf Schleusen und knapp 29 Höhenmeter. Eine Schleusung dauert 7 bis 10 Minuten, die komplette Treppe oft eine gute Stunde.

Der Göta Kanal selbst entstand zwischen 1810 und 1832 und verbindet die Ostsee bei Mem mit dem Vänern bei Sjötorp – zusammen mit dem Trollhätte-Kanal die durchgehende Wasserverbindung zwischen Stockholm und Göteborg. Mit 190 Kilometern und 58 Schleusen gilt er als eines der größten je in Schweden errichteten Bauwerke und wurde landesweit zum „Bauwerk des Jahrtausends“ gewählt. Von Mai bis September betreuen rund 100 überwiegend studentische Schleusenwärter die Strecke; in der Nachsaison unseres Besuchs war davon nur noch wenig zu spüren.

Tag 21: Werkstattstopp und Naturreservat Stendörren

Nach dem Reiseabbruch in der Toskana wegen Motor- und Getriebeproblemen und dem Transport des Wohnmobils zurück nach Deutschland leuchtete nach der aufwendigen Garantiereparatur und rund 2.800 gefahrenen Kilometern erneut die Motorkontrollleuchte auf. In Norrköping fand sich am Samstagmorgen eine offene Werkstatt, die den Fehlerspeicher auslas, mit der deutschen Fiat-Werkstatt telefonierte und den Partikelfilter reinigte. Die Fehlermeldungen deuten auf eine defekte AdBlue-Einspritzung oder defekte NOx-Sensoren hin – Entwarnung: Die Reparatur kann bis zur Rückkehr nach Deutschland warten, der Motor läuft einwandfrei, nur der AdBlue-Verbrauch ist deutlich erhöht und lässt sich nachfüllen.

Naturreservat Stendörren

Kürzere Wanderung im Naturreservat Stendörren: seit 1972 geschützt, 923 Hektar groß (davon 738 Hektar offenes Wasser), Teil des europäischen Natura-2000-Netzwerks. Hängebrücken und Stege führen ganz ohne Boot vom Festland auf die vorgelagerten Schäreninseln Äspskär und Stora Krokholmen. Am Eingangsbereich bei Aspnäset liegen das (nur im Sommer geöffnete) Naturum mit Ausstellung zu Ostsee und Kulturgeschichte, ein Aussichtsturm mit Panoramablick über den Sörmland-Schärengarten, mehrere Wanderwege, Grillplätze und einfache Ferienhütten auf der Insel Ekholmen sowie Naturhäfen und eine Kanuanlegestelle.

Tag 22: Schlössertour – Tullgarn, Gripsholm und Taxinge

Schloss Tullgarn

Erster Halt: Tullgarns slott, königliches Sommerschloss an einer Ostseebucht bei Vagnhärad, seit 1975 König Carl XVI Gustaf zur Verfügung gestellt. Erbaut in den 1720er-Jahren, geprägt von Rokoko, gustavianischem Stil und einer viktorianischen Umgestaltung durch das Kronprinzenpaar Gustaf (V) und Victoria – die Innenräume gelten als eine der schönsten Ausstattungen Schwedens. Zu dieser Jahreszeit war eine Innenbesichtigung nicht möglich, das Schloss ist nur im Sommer geöffnet. Die ganzjährig zugängliche englische Parkanlage lohnt trotzdem: angelegt ab Ende des 18. Jahrhunderts, mit Kanalsystem, kleinen Brücken und rund 22 Hektar Fläche – vom barocken Sternenwäldchen nahe dem Schloss bis zur weitläufigen englischen Parklandschaft, mit einem reizvollen Weg entlang der Bucht Tullgarnsviken.

Schloss Gripsholm

Deutlich mehr Betrieb herrschte in Gripsholm – anders als Tullgarn bis 15. September täglich geöffnet, direkt am charmanten Städtchen Mariefred gelegen und eines der bekannteren königlichen Schlösser. 1537 von Gustav Wasa auf einer Insel im Mälarsee gegründet, mit charakteristischen runden Ecktürmen. Es beherbergt die Svenska statens porträttsamling, die älteste nationale Porträtgalerie der Welt: Allein im Schloss sind 800 Gemälde ausgestellt, die Gesamtsammlung umfasst deutlich über 5000 Porträts bedeutender Schweden, darunter Greta Garbo und August Strindberg; sie geht auf Gustav Wasas Kunstsammlung im 16. Jahrhundert zurück und wurde 1822 offiziell gegründet.

In der Rustkammer wartet ein ausgestopfter Löwe neben Rüstungen aus der Zeit Gustavs III., dazu Gustavs III. eigenes kleines Schlosstheater: 1781 beauftragte der als „Theaterkönig“ bekannte Monarch den Architekten Erik Palmstedt, eine kleinere Bühne zu einer vollwertigen Hoftheater-Anlage umzubauen. Palmstedt nutzte die runde Turmform geschickt für Bühne und Zuschauerraum für rund 60 Gäste inklusive Majestätsloge; nicht-adliges Personal durfte auf königliche Anweisung vom Kuppelgewölbe aus zuschauen.

Taxinge Slott

Letzte Station der Schlössertour: Taxinge Slott, ein ehemaliges Rittergut auf einer Landzunge in der Gripsholmsbucht am Mälarsee. Erste Erwähnung des Gutshofs Näsby bereits 1281, das heutige gelbe Hauptgebäude stammt von 1806 bis 1813. Berühmt ist das Schloss aber vor allem als „Kakslottet“ – das Kuchenschloss: Das Slottscafé bietet Nordeuropas größtes Kuchenbuffet mit garantiert mindestens 65 hausgebackenen Sorten, bezahlt wird nur, was tatsächlich auf dem Teller landet. Genossen wird das Ganze in der historischen Bibliothek oder – bei schönem Wetter – im Schlosspark am Wasser; kein Wunder, dass hier auch die schwedische Version von „Das große Backen“ gedreht wird. Die Warteschlange vor dem Kuchentisch gehört an diesem Wochenende praktisch zum Erlebnis dazu – der Kuchen war es wert.

Tag 23: Stockholm – Gamla Stan und Kungliga Slottet

Stockholm verteilt sich auf 14 Inseln, verbunden über rund 50 Brücken. Gegründet 1252 an der strategisch wichtigen Engstelle, wo der Mälarsee in die Ostsee mündet, wurde die Stadt offiziell erst 1634 Hauptstadt, war aber schon 1289 als bevölkerungsreichste Stadt des Königreichs dokumentiert. Heute leben knapp eine Million Menschen in der Stadtgemeinde, in der gesamten Metropolregion fast 2,5 Millionen – rund ein Viertel der schwedischen Bevölkerung.

Über den rund 500 Meter langen Panoramaweg Monteliusvägen mit Aussicht auf Stadshuset, Gamla Stan, Riddarholmen und Kungsholmen erreichen wir die Gamla Stan, eine der besterhaltenen mittelalterlichen Altstädte Europas auf der Insel Stadsholmen. Enge Kopfsteingassen, bunte Giebelhäuser und der Stortorget als ältester Platz der Stadt prägen das Bild; sehenswert sind zudem die Storkyrkan (Dom und Krönungskirche), die mit knapp 90 cm schmalste Gasse Stockholms, Mårten Trotzigs Gränd, sowie die Riddarholmskyrkan, die mittelalterliche Grabkirche der schwedischen Könige.

Nach einer Kaffeepause geht es ins Kungliga Slottet, die offizielle Residenz des Königs – tatsächlich bewohnt wird allerdings Schloss Drottningholm außerhalb der Stadt, weshalb sich das Schloss unkompliziert besichtigen lässt. Der Barockbau entstand 1697 bis 1770 auf den Grundmauern einer mittelalterlichen Burg, die im selben Jahr abbrannte. Mit 230 mal 125 Metern und über 600 Räumen zählt es zu den größten noch genutzten Schlössern Europas; öffentlich zugänglich sind die Prunkräume, die Schatzkammer mit den Kronjuwelen, das Tre-Kronor-Museum und die Schlosskirche.

Tag 24: Vasa-Museum und Museum of Wrecks

Vasa-Museum

Hauptgrund für den längeren Stopp in Stockholm ist das Vasa-Museum. Es zeigt ein fast vollständig erhaltenes Kriegsschiff aus dem 17. Jahrhundert, das am 10. August 1628 auf seiner Jungfernfahrt nach nur rund 20 Minuten und 1.300 Metern im Hafen sank. Ursache war eine gravierende Fehlkonstruktion: Auf Drängen König Gustavs II. Adolf war nachträglich ein zweites Kanonendeck eingebaut worden, wodurch das Schiff kopflastig und zu schmal wurde. Ein Stabilitätstest Wochen zuvor hatte bereits bedrohliches Schwanken gezeigt, wurde aber aus Angst vor dem königlichen Zorn abgebrochen. Als das Schiff die schützenden Felsen des Hafens verließ, brachten zwei Windböen es in Schräglage, Wasser drang durch die wegen der Salutschüsse offenen Kanonenluken ein – das Schiff sank binnen kurzer Zeit und riss zwischen 30 und 50 Menschen mit in den Tod.

Nach 333 Jahren im sauerstoffarmen Ostseewasser wurde das Wrack 1961 geborgen: Marinetaucher spülten unterhalb des im Schlamm feststeckenden Rumpfes unter Lebensgefahr sechs Tunnel frei, durch die Stahlkabel gezogen wurden, mit deren Hilfe das Schiff schrittweise angehoben wurde. 1988 folgte der Transport in ein Trockendock, um das herum das heutige Museumsgebäude entstand. Aktuell läuft ein Projekt für rund 18 Millionen Euro, um den Rumpf dauerhaft gegen Absacken zu stabilisieren. Das Vasa-Museum ist mit rund 1,5 Millionen Besuchern jährlich das meistbesuchte Museum Schwedens. Bei den Ausgrabungen wurden über 40.000 Objekte geborgen, darunter Skelette von mindestens 15 Personen, gut erhaltene Alltagskleidung, Schuhe und Werkzeuge sowie rund 4.000 Kupfermünzen als Matrosensold.

Museum of Wrecks

Anschließend das nahe gelegene Museum of Wrecks, das dem gesamten Wrackerbe der Ostsee gewidmet ist – nirgendwo sonst haben sich so viele hölzerne Schiffswracks so gut erhalten, dank kaltem, salzarmem und schiffswurmfreiem Wasser. Die Wracks selbst bleiben am Meeresgrund, wo sie am besten konserviert sind; gezeigt werden sie über 3D-Rekonstruktionen, Hologramme, VR-Brillen und immersive Rauminstallationen, unter anderem rund um das 1660 gesunkene Schiff „Resande Man“. Für 2026 wurde das Museum von Schwedens Museumsverband und ICOM zum „Museum of the Year“ gekürt. Den Tag beendet ein längerer Bummel durch die Altstadt – öffentliche Verkehrsmittel kosten rund 3,40 Euro für 75 Minuten beliebigen Umsteigens, egal ob Bus, U-Bahn oder Fähre, bezahlt per Handy an der Schranke.

 

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes über unsere Schwedenreise.

 

Das Forum für Reisende ob Nah oder Fern