Archiv der Kategorie: Südamerika

Kurzbericht Buenos Aires ist fertig

Bar Sur – Ein Muss für Tangoliebhaber

Der Weg nach Ushuaia führt meist über Buenos Aires . Und natürlich bietet es sich an, ein paar Tage hier zu bleiben. Zumal wir die Stadt bei unserer Patagonien-Tour 2011 schon mal kurz kennen lernen konnten. Und es lohnt. Um die dreizehn Millionen Einwohner bevölkern derzeit die Metropole, das politische, kulturelle, kommerzielle und industrielle Zentrum des Argentiniens. Die Stadt mit ihren etwa 3 Millionen Bewohnern bildet den Kern einer der größten Metropolregionen Südamerikas.

Hier findet sich nun ein kurzer Reisebericht und zahlreiche Bilder aus der Stadt des Tangos.

Buenos Aires 2018

Auf dem Weg zum alten Hafen

Der Weg nach Ushuaia führt meist über Buenos Aires . Und natürlich bietet es sich an, ein paar Tage hier zu bleiben. Zumal wir die Stadt bei unserer Patagonien-Tour 2011 schon mal kurz kennen lernen konnten. Und es lohnt. Um die dreizehn Millionen Einwohner bevölkern derzeit die Metropole, das politische, kulturelle, kommerzielle und industrielle Zentrum Argentiniens. Die Stadt mit ihren etwa 3 Millionen Bewohnern bildet den Kern einer der größten Metropolregionen Südamerikas.

Uns zieht es als erstes immer nach San Telmo, vom Hotel aus zu Fuß in zehn Minuten zu erreichen. Der Stadtteil ist vom Tango und von Antiquitätengeschäften geprägt. Um die 400 sollen es sein, nur mit den Öffnungszeiten kamen wir nicht ganz klar. Sehr individuell. Dennoch sind immer genügend offen, das Stöbern lohnt. Sicher ist man Sonntags, da findet hier der größte Antikmarkt der Stadt statt. Nur wir hatten leider keinen Sonntag.

Bildergalerie Zentrum und San Telmo

Im Viertel findet sich auch die Bar Sur, quasi ein Tipp für alle, die Tango erleben möchten, ohne touristische Massen und Klimbim. In die Bar gehen nämlich nur rund 25 Leute hinein, dennoch treten Topp-Künstler auf. Zu den Gästen gehört auch die Prominenz, Liza Minelli, Sean Connery, Antonios Banderas, Franz Beckenbauer und viele weitere Vips waren schon in der Bar. Reservieren ist angesagt, geht unter der Woche aber auch kurzfristig.

Bildergalerie Bar Sur und Buenos Aires bei Nacht

Nur zehn Minuten Fußweg weg vom Hotel ist der alte Hafen, Puerto Madero. Saniert ist das Viertel heute eines der teuersten in Buenos Aires. Zahlreiche vorzügliche Restaurants finden sich hier, dann aber mit europäischen Preisen.

Puerto Madero, die Brücke stellt ein tanzendes Tango-Paar dar

Bildergalerie Puerto Madero

Ein lohnenswertes Ziel ist auch der Stadtteil Recoletta mit seinem weltberühmten Friedhof. Liegt hier doch Evita Peron begraben, die schon in jungen Jahren starb. Aber auch sonst lohnt ein Bummel durch das Viertel.

Bildergalerie Recoleta

Weiter standen auf dem doch recht gemütlichen Programm die Gegend um das berühmte Opernhaus und Retiro mit seinem Bahnhof. Den direkt anschließenden Busbahnhof verlassen täglich etwa 2000 Busse.

Das Opernhaus

Bildergalerie Tribunales (Oper und Umgebung) sowie Bildergalerie Retiro

Recht schnell gingen  die vier Tage rum, dann stand der Flug nach Ushuaia an. Auf nach Falkland, Süd- Georgien und in die Antarktis. Hier findet sich später dann auch ein ausführlicher Reisebericht.

Amazonien Nov./Dez. 2013

Von Cusco nach Manaus – Unterwegs in Peru, Bolivien und Brasilien

Teil 2 Bolivien und Brasilien

10-grenze-peru-bolivien-1715-amazonien-2013…200 m weiter erreichen wir die bolivianische Grenze, ein Militärposten (zum ersten Teil des Reiseberichtes: Von Cusco bis zur Bolivianischen Grenze). Hier hieß es aussteigen. Nach zehn Minuten ist alles erledigt, meinten wir. Also wieder zum Boot, ohne Stempel. Eine Liste mit den Namen der Einreisenden sollte genügen, da wir ja nur durch Bolivien nach Brasilien durchreisen würden. Jetzt halten wir uns erstmals sowieso im Grenzgebiet zwischen  den beiden Ländern auf, am Rio Heath, dem Grenzfluss und kommen zwei Tage später wieder hier vorbei.  Später stellte sich heraus, dass wir die sechs Tage illegal in Bolivien waren. Das verursachte einige nicht geringe Probleme bei der Ausreise nach Brasilien. Davon später mehr.

Um 14 Uhr waren wir dann an der peruanischen Ranger-Station, die als Kontrollpunkt immer besetzt sein sollte. Nur kein Ranger weit und breit. Eigentlich wollten wir hier übernachten. 20 Fahrminuten entfernt soll auf bolivianischer Seite eine Lodge liegen. Hier tauchte dann auch der Ranger auf, also zurück zu der Station, wir dürfen die zwei Tage auf dem Gelände der Station bleiben. Bis hier hin dürfen wir übrigens um die 1100 km zurückgelegt haben.

Um 7.30 Uhr am kommenden Morgen fuhren wir den Heath-River flussaufwärts um zu großen Kapok-Bäumen zu gelangen. Dabei ließ sich am Ufer ein schwarzer Kaiman beobachten, der hier recht selten ist. Ein etwa zweijähriges Tier, zu sehen an den vier Flecken am Kopf.09-rio-heath-madidi-1795-amazonien-2013 Zehn Minuten später landeten wir an, am linken Flussufer, sprich wir sind in Bolivien im Madidi-Nationalpark. Nach kurzem Fußmarsch sahen wir die ersten Kapok-Bäume. Sie erreichen Höhen bis zu 75 Meter. Damit ist die Art mit die größte des tropischen Regenwaldes. Der Stamm ist grün und wird im Alter von Brettwurzeln gestützt. Der größte hier war um die 50 m hoch, etwa 300 Jahre alt und durch die Blattwurzeln im Durchmesser schwer zu schätzen. Jedenfalls hätten wir alle zusammen (16) nicht ausgereicht, um ihn zu umarmen. An Pflanzen entdeckten wir wilden Kakao, den Knoblauchbaum, dessen Rinde wie Knoblauch riecht, Wanderpalmen, die pro Jahr bis zu 80 Zentimeter wie der Name schon sagt wandern und Soldatenameisen, die gerade ein fremdes Nest plünderten und die Eier entwendeten um Sklavenameisen aufzuziehen.

Hier gibt es auch eine Savanne mitten im Regenwald. Die Graslandschaft befindet sich teils auf peruanischer, teils auf bolivianischer Seite. Es handelt es sich dabei um eine nasse Grassteppe, auch wachsen hier immer wieder Palmen. Warum diese doch recht große Landschaft ohne den typischen Regenwaldbewuchs hier entstand, da gibt es nur Theorien: Eine sieht die Ursache in der Bodenbeschaffenheit, eine andere dass sich hier mal ein großer Fluss durch die Gegend schlängelte. Neben endemischen Termiten leben hier große Ameisenbären, die bis zu zwei Meter Länger erreichen.

Bildergalerie Tambopata und Rio Heath

Erste Station ist heute der uns schon bekannte Militärposten an der bolivianischen Grenze an. Dort sind wir gegen zehn Uhr. Es gibt den Stempel, die Einreise ist gesichert und die Ausreise. Dachten wir. Wie gesagt es war der falsche Stempel und wir unwissentlich illegal in Bolivien unterwegs.

Die Strecke durch Bolivien auf dem Madre de Dios bis Riberalta macht eigentlich kaum ein Besucher. Ist die Region doch zu abgelegen und unbekannt und auch schwierig zu bereisen. Schon eine Stunde später sind wir in Chivee, einem kleinen Ort am Fluss gelegen. Gelegenheit, die Trinkwasservorräte aufzufüllen und Vorräte einzukaufen. Auch war es möglich, in einem Laden US-Dollar gegen Bolivianos umzutauschen. Der Kurs soll besser sein als in Riberalta, in der Stadt.

Der Unterschied zu Peru ist jetzt schon zu erkennen. Zwar ist Peru auch ein armes Land, aber mit höheren Wachstumsraten, zudem investiert die Regierung zunehmend in die ländlichen Gebiete und nicht mehr nur in den Städten. In Bolivien gehört ein großer Teil des Landes nur etwa 20 Familien, die das Sagen haben. Und besonders das Geschäft mit den Paranüssen beherrschen. Neben Gold das Hauptprodukt in dieser Region. Paranüsse sind auch der Grund für diesen Ort, dass es ihn überhaupt gibt. Zur Zeit leben nur wenige Menschen hier, wenn aber Saison ist, die von Mitte Dezember bis Ende März dauert, leben hier Hunderte von Paranuss-Sammlern. Mafiöse Strukturen, fast eine Art Sklavenhaltung, so jedenfalls erzählte man uns. Mehr dazu im Buch ab Ende des Jahres.

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Wir sind wieder auf dem Fluss unterwegs. Während man in Peru nur wenige Goldwäscher auf dem Fluss sah, hier in Bolivien sind sie mit ihren Schiffen recht häufig. An einem Zusammenfluss zweier Flüsse sah man geschätzt 30 bis 40 Goldwäscherboote mit ihren Saugschläuchen, Pumpen und Waschanlagen. Wäre gut für einen Besuch gewesen, aber hier wäre es nicht gut angekommen. Sind die Goldwäscher unter den Bolivianos Fremde nicht gewohnt und Ihnen auch nicht unbedingt freundlich gesonnen. Wir werden es morgen weiter im Landesinneren versuchen um mit einigen ins Gespräch zu kommen.

Santa Rosa. Ein glühend heißer Platz am Flussufer. Es hat etwa 37 °C im Schatten. Ein Platz mit ein zwei leeren, hölzernen Baracken, recht groß. Es sind Lagerhäuser, in einem wollten wir übernachten. Es war jedoch von Wespen besetzt. Die Lager werden übrigens während der Paranuss-Ernte benutzt.  Deswegen gibt es hier nur einen alten Mann in einer Hütte, der das Gelände verwaltet. Er lässt uns für ein paar Bolivianos auch hier übernachten.

Nach Sonnenuntergang lassen wir uns mit dem Boot auf dem Fluss treiben, auf der Suche nach Kaimanen am Flussufer. Wir sehen auch einen, können ihn sogar fangen (die Guides). Und lassen ihn wieder frei.

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7.30 Uhr (bolivianische Zeit). Weiter ging es mit dem Boot auf dem Madre de Dios. Heute stand die längste Etappe der Reise mit dem Boot bevor, rund 350 km Flussabwärts. Selbst für unsere Bootsbesatzungen, die von Touren auf den Flüssen leben, war die Fahrt von Puerto Maldonado nach Sena ein Novum, die insgesamt 740 km umfasst. Es hatte zwischenzeitlich  angefangen zu regnen. Das Dach bot vorne keinen Schutz. Zumal der Fahrtwind den eher leichten Regen durch das ganze Boot trieb.

Gegen elf Uhr erreichten wir America. So heißt ein Dorf am Fluss gelegen. Eine bäuerliche Idylle, arm aber irgendwie erinnerte es daran. Doch der Schein trügt. Zwar haben die etwa 150 hier lebenden Bolivianos ein Zuhause, Arbeit und sogar eine Schule, aber alles gehört einem der Großgrundbesitzer. Er stellt alles zur Verfügung, damit bleiben die Menschen hier und er hat gleich für das kommende Jahr seine Arbeiter für die Paranuss-Ernte. Dazwischen reparieren und restaurieren sie für ihn alte Schiffe und Boote. Darunter einen recht stattlichen Schaufelraddampfer. Im Regenwald wird natürlich Coca angebaut. Zudem befindet sich hinter dem Dorf ein kleiner Flugplatz mit kleinen Flugzeugen, die sehr tief fliegen können – so wurde uns erzählt. Mit ihnen lässt sich derzeit noch das Radar in Peru und Brasilien unterfliegen. Für den Drogenschmuggel.

In der Schule gibt es zwei Klassen. Das heißt, mehrere Jahrgänge werden in einer Klasse unterrichtet, fünf Tage die Woche, je sechs Stunden. Zur Zeit waren Schulferien. Dennoch kamen die Kinder alle zusammen, ist ja nicht so häufig, dass Besucher wie wir hier vorbeifinden.

Wieder auf dem Madre de Dios. Wir fuhren zu Goldwäschern, hier waren vier Boote aneinander gekoppelt. Wir durften in zwei kleineren Gruppen an Bord, uns die Anlagen anschauen. Die Boote heißen Draga, der Taucher, mithin die wichtigste Person die den Saugschlauch bedient heißt Draguero. Die Männer arbeiten 20 Stunden täglich, quasi eine Schicht – nennen wir es mal so. Dann kommt die nächste Schicht. Auch in der Pause ist man an Bord, in der Enge, dem Dieselgestank der LKW-Motoren – sie treiben die Pumpen an –  und dem Lärm.  Eine Waschanlage holt hier in einer Schicht etwa fünf Gramm Gold aus dem Fluss. Die Arbeiter bekommen 20 Prozent, den Rest kassiert der Inhaber der Boote. Er lässt sich auch täglich blicken, kontrolliert seine Arbeiter. Mehr dazu im Buch zu der Reise und auch zum Thema Drogen.

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Abends erreichten wir dann Sena, unser Tagesziel. Es ist noch hell, die eine Stunde Zeitverschiebung in Bolivien macht es möglich. Die Stadt dürfte schon mal bessere Zeiten erlebt haben. Davon zeugt ein altes Kolonialgebäude. Holzhütten, einige modernere Häuser – nach bolivianischen Maßstäben – die rund 300 Einwohner leben vor allem vom Handel. Abends und Nachts sehr heftiger, langandauernder Regen, der sich am Morgen dann kurz legte.

Fahrt nach Riberalta

Drei Pick-Ups wurde geordert. So hätten wir bei dem regnerischen Wetter alle im Auto sitzen können. Hieß es am Vorabend. Vor dem Frühstück waren es dann nur noch zwei Fahrzeuge. Dann war keines mehr verfügbar. Anscheinend wollten die Fahrer die beschwerliche Fahrt nach Riberalta nicht auf sich nehmen. Oder wurde nur nicht genug bezahlt? Keine Ahnung. Dafür trieb der Guide einen alten LKW auf, dessen Fahrer würde uns die 150 km zu der Stadt bringen. Auf der offenen Ladefläche des mit Starrachsen und Blattfedern für die leichte Last denkbar ungeeigneten Fahrzeuges für die lange Fahrt. Denn die dauerte jetzt über sechs Stunden statt der geplanten drei.

Pünktlich mit der Abfahrt fing es zu regnen an. So blieb es auch einen größeren Teil der Fahrt, mit zum Teil recht kräftigen Niederschlägen. Trotz Regenjacke war ich schnell durchnässt und es wurde durch den Fahrtwind bei den 24 °C recht kühl. Außerdem saß ich direkt über der Hinterachse, ab und zu hob man auch mal ab.

Dann ging alles sehr schnell. Der Laster schleuderte, neigte sich bedrohlich, alles flog durcheinander. Es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre umgekippt. Dann sitzen wir in einem großen Schlammloch abseits der Straße fest. Glück gehabt. Außer ein paar leichten Blessuren bei einer Mitreisenden nichts weiter passiert. Das hätte ganz anders ausgehen können. Immer ein Risiko, die alten Fahrzeuge. An der Lenkung hatte sich Schraube gelockert, ist rausgefallen und die Lenkung hat sich selbständig gemacht. Entdeckt und repariert war der Schaden in zehn Minuten.  Schien nicht das erste Mal zu sein.  Und er schafft es tatsächlich, den Laster aus dem Schlammloch heraus zu manövrieren. Also weiter, und fehlt noch etwa eine Stunde. Wenigstens regnet es nicht mehr.

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Etwa 30 Minuten später kommen wir an einen breiten Fluss. Hier enden die Spuren direkt am Wasser, im Schlamm. Kurz darauf kommt eine kleine Fähre, eher ein Floss herüber, nicht viel größer als der LKW. Angetrieben von einem halb mit Wasser vollgelaufenen hölzernen Boot mit 40 PS Außenborder. 11-fahrt-riberalta-2193-amazonien-2013 Verbunden nur über ein etwa ein Zentimeter dickes Tau. Das muss genügen und reicht auch aus. Wir jedenfalls erreichen sicher das andere Ufer. Eine halbe Stunde später erreichen wir Riberalta und unser Hotel, ein schönes altes Kolonialgebäude. Mit Abstand das Beste seit zwei Wochen, seit dem wir Cusco verlassen haben. Bauen lassen hat es ein ehemaliger Kakaobaron.

Riberalta hat um die 80.000 Einwohner. Man lebt in erster Linie von der Ziegelherstellung aufgrund des hier vorkommenden sehr feinen Lehms. Zudem gibt es noch einige Paranuss-Fabriken. Eine lebhafte Stadt und recht sauber. Morgen werden wir sie näher uns anschauen. Bis Riberalta von Cusco aus haben wir übrigens in den knapp zwei Wochen etwa 1760 km zurückgelegt.

Bildergalerie Fahrt Bolivien und Riberalta

Die Saison der Paranuss-Ernte beginnt Mitte Dezember und endet Ende März. Dementsprechend standen die meisten Paranuss-Fabriken in Riberalta still. Eine aber arbeitete noch, gespeist aus den Lagern der letzten Ernte. Ihr statteten wir einen Besuch ab. Unangemeldet, aber es klappte. Vorher ging es jedoch erst mal mit Motorradtaxis zu einer Behörde, die Ausreise nach Brasilien vorzubereiten.

Das Geschäft mit den Paranüssen ist hart für die einen, oft die einzige Möglichkeit des Broterwerbes, lohnend für die anderen, meist nur einige wenige. Paranussbäume sind bis zu 50 Meter hoch. Die Frucht ist rund, etwa 10 bis 12 cm im Durchmesser, ähnlich einer Kokosnuss. Ein Baum trägt zwischen 800 und 2000 davon. Jede davon enthält 10 bis 25 Samen, die eigentlichen Paranüsse. Gesammelt werden sie von den Safreros. Versuche scheiterten, sie in Plantagen anzubauen. Der Qualität wegen. Pro Sack Paranüsse mit 23 kg erhält der Sammler rund 8 bis 13 Bolivianos, etwa 1 bis 2 Euro. Davon muss er sich dann versorgen, Lebensmittel kaufen und so weiter. Am Markt erzielt ein Kilogramm der besten Qualität später 60 bis 70 USD.

In der Fabrik, wir trugen Kopfschutz und Schutzkleidung, lautes Klacken erwartete einen, von hunderten Frauen, die die „Nussknacker“ betätigten, die Schale entfernten. Laut John, dem Firmenchef, arbeiten hier etwa 400 Frauen. 40 Stunden pro Woche an fünf Tagen. Mehr dazu wie immer im Buch mit der ausführlichen Reisereportage.

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Nach dem Besuch der Firma ging es dann zu einer weiteren Behörde, quer durch die Stadt auf Motorradtaxis, japanischen Fabrikats mit meist 125 ccm. Hauptverkehrsmittel. Autos gibt es kaum. Die Ausreise benötigte den Besuch von zwei Ämtern. Später, auf der Fahrt zur Grenze mussten wir noch eine dritte Behörde frequentieren. Der Grund ist eine eigene Geschichte im Buch wert, waren wir doch unwissentlich illegal in Bolivien. Nur so viel (das erzählen die Stempel im Reisepass): Eingereist in Bolivien das erste Mal am 27. November (ohne Stempel). Noch einmal eingereist am 29. November (mit Stempel). Offiziell (rückwirkend) eingereist am 1. Dezember. Ausgereist am 2. November (nein, kein Schreibfehler). Eingereist in Brasilien am 2. Dezember.

Fahrt nach Porto Velho

Kurz nach zwölf Uhr ging es dann vom Hotel aus los, mit zwei Stunden Verspätung, Richtung brasilianische Grenze. der Fahrer bekreuzigt sich, legt den Sicherheitsgurt an und los geht es. Als Beifahrer fehlt mir das Gurtschloss zu Anschnallen. So wie auch der Tacho außer Funktion ist. Am Rio Mamore „überschreiten“ wir mit einer Fähre die Grenze (überfahren geht auch schlecht). Wir wären übrigens ohne irgendeinen Stempel aus Bolivien herausgekommen. Keiner wollte irgendetwas sehen.

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Auf brasilianischer Flussseite, nur ein kleiner Steg, kontrolliert wird nur das Gepäck. Vermutlich auf Drogen. Keine Personen – oder Passkontrolle. Die offizielle Einreise erfolgt wieder in einem kleinen Büro in der Stadt. Dreieinhalb Stunden soll die 320 km lange Fahrt mit Taxen bis Porto Velho dauern, unserem Etappenziel. Es werden nicht ganz fünf Stunden. Der überschaubare Verkehr schlängelt sich die Straße entlang, mal rechts, mal links, mal auf dem unbefestigten Seitenstreifen, wie eine Schlange. Nicht wenige Schlaglöcher haben die Größe einer Badewanne. Selbst große LKW fahren Zick-Zack-Kurs. Es später wird die Straße besser, dann geht es mit 130 km/h vorwärts. Erlaubt sind 80 km/h. Wir erreichen Porto Velho lebend dann gegen acht Uhr Abends.

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Ein Flopp. Früh aufgestanden, auf die Guides gewartet, zu Fuß zu einem Eisenbahnmuseum gehetzt. Zum Filmen blieb diesmal überhaupt keine Möglichkeit, wäre sonst schon nach einer Szene allein auf weiter Flur gewesen. Am Museum festgestellt, dass es heute geschlossen ist. Hatte man vorher nicht gewusst. Eigentlich ein Muss, der Besuch. Die Madeira-Mamoré-Eisenbahn, so ihr Name, sollte in der Zeit des brasilianischen Kautschukbooms von Porto Velho bis nach Riberalta in Bolivien verlaufen. Realisiert wurde ab 1872 mit Unterbrechungen bis 1912 jedoch nur die 364 km lange Strecke bis nach Guajará-Mirim an der bolivianisch-brasilianischen Grenze. Einen hohen Blutzoll verlangte der Bau dieser Strecke. Offiziellen Zahlen zufolge starben etwa 6000 Menschen, ohne die Opfer bei den indigenen Stämmen. Todesursachen waren Schlangen, Krankheiten, Unwetter und auch die Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern.

In Porto Velho selbst leben um die 400.000 Einwohner. Gegründet 1914 als Hafen am Rio Madeira ist sie heute ein wichtiger Punkt der Transamazonica, die einmal den Pazifik und den Atlantik verbinden soll. Früher profitierte die Stadt vom Kautschukboom und gelangte zu bescheidenem Reichtum. Für uns war die Stadt nur noch eine kurze Zwischenetappe, wir mussten um 10.30 Uhr Richtung Flughafen. Die Strecke zu unserem nächsten Ziel, die 880 km nach Manaus, legten wir mit dem Flugzeug zurück.

Bildergalerie Fahrt Brasilien bis Porto Velho

Rio Urubu und Manaus

Früh geht es los. Nur das Notwendigste geht mit für die zwei Tage am Urubu-Fluss. Bis dorthin respektive der Lodge sind es etwa 160 km mit dem Bus, weitere 35 km mit kleinen Booten. Die Antonio-Lodge, schön, einfach, ökologisch orientiert. Der Strom wird mittels Solarpaneels erzeugt, nur die Kühlschränke betreibt man mit Gas.

Auf kleinen Ruderbooten waren wir dann auf dem Urubu unterwegs, auf der Suche nach den rosa und grauen Delphinen. Unser brasilianischer Guide Christobal ersetzte jetzt Brian, der uns in Porto Velho vor dem Flug nach Manaus verlassen musste. Wir sind hier nur noch auf einer Höhe von etwa 25 m. Obwohl es bis zur Küste noch 1500 Kilometer sind. Der Amazonas hat kaum Gefälle, auch der Urubu nicht. Wirkt manchmal eher wie ein See wegen der glatten Wasseroberfläche. Der Amazonas wird durch die nachfließenden Wassermassen regelrecht Richtung Meer geschoben.

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Es ist traumhaft durch die Wälder mit den Booten zu rudern. Die Bäume hier heißen Mata Mata, sind eine Art Gummibaum und können immer im Wasser stehen. Die abgestorbenen Bäume bilden zusammen mit dem frischen Grün der noch lebenden eine fantastische Kulisse. Nach etwa einer Stunde Bootsfahrt, die offenen Wasserflächen dabei  mit Motorunterstützung überquert, legten wir am Ufer an. Zeit um für das Abendessen zu sorgen. Dran glauben mussten acht Piranhas.  Eine Schnur mit Haken und kleingehacktes Hühnerfleisch reichten aus.

Die Rückfahrt in der Dämmerung durch die Bäume hatte etwas Faszinierendes. Eine surreale Landschaft, hinzu kam die untergehende Sonne. Das alles zusammen mit dem Wolkenspiel zauberte ein irreales Lichtbild auf die glatte Wasseroberfläche. In der Dämmerung entdeckten wir dann doch noch ein paar Delfine. Leider nur aus der Entfernung.

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In stockdunkler Nacht folgte noch eine Bootsfahrt. Ziel waren die erst in der Nacht aktiven Kaimane. Unsere brasilianischen Guides fingen sogar zwei kleinere mit der Hand ein, etwa einen halben Meter groß. Sie wurden nach ausgiebigen Erklärungen wieder freigelassen.

5.40 Uhr am Morgen. Wir trieben auf dem Fluss, umgeben von der Geräuschkulisse eines Regenwaldes. Die Wasseroberfläche war fast spiegelglatt. Wir warteten auf den Sonnenaufgang. Die beiden Sonnen gingen auf respektive unter. Das Original und die Kopie. Letztere spiegelte sich im Wasser.

Nach dem Frühstück wieder eine Bootsfahrt, dann ein etwa 2 bis 2 ½-stündiger Marsch durch den Regenwald. Das war eine Wanderung, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte. Christobal ist hier im Regenwald aufgewachsen, kennt sich sehr gut aus. Nahm sich Zeit, erklärte ausgiebig, brachte uns zu interessanten Stellen, wartete, bis alle da waren. So hätte es bei den Wanderungen und in den Siedlungen in Peru und Bolivien auch sein können, nein, sein müssen. Denn Zeit war ja genug vorhanden. Hinterher.

14-urubu-2679-amazonien-2013Wir bekamen unter anderem Lianen gezeigt, die Chinin enthalten und als natürliches Medikament gegen Malaria verwendet werden. Weiter Heilmittel gegen Erkältungen (ja, auch die gibt es hier) und man zeigte uns wie man aus jungen Palmenblättern Gegenstände geflochten werden. Er lockte aus einem Erdloch sogar eine handtellergroße Vogelspinne heraus. Diese Art war sehr giftig, Der Tod tritt beim Menschen innerhalb einer Stunde ein. Aber es gebe ein Gegenmittel. So sei ein Freund von ihm vor geraumer Zeit von dieser Art gebissen worden. Hier das lebensrettende Rezept: Man nehme ein Termitennest mit allem was so dabei ist, sprich Termiten, Eier, Erde… vermahle es und mische es mit Wasser. Dies muss getrunken werden. Bei seinem Freund half es, er überlebte.

Nachmittags gelangten wir nach einer Bootsfahrt durch einen schmalen, sehr flachen Flussarm in traumhafter Umgebung zu einer im Regenwald lebenden Familie. Den Rest zu Fuß durch einen brandgerodeten Dschungel, die Auswirkungen jeglicher Besiedlung, auch die nur einer Familie. Von etwas müssen sie ja leben. Kurz danach ein großes Maniokfeld. Von dessen Anbau lebt die Familie. Die brandgerodete Fläche eignet sich etwa für zehn bis fünfzehn Jahre Anbau, dann ist sie ausgelaugt und die Krume weggeschwemmt. Hier wächst dann nichts mehr. Auch kein Regenwald. Das ist das Problem, großflächig betrachtet. Nicht in diesem Maßstab hier.

John , 73 Jahre alt, und sein seine Frau, 68, haben 32 Kinder. Hat er uns erzählt. Hier leben sie noch zu zwölft. Die Stadt wäre keine Alternative, da wären sie nicht glücklich. Gilt das auch für die Jüngeren?  Auf mich jedenfalls machen alle einen etwas apathischen Eindruck, gibt gerade wahrscheinlich nichts zu tun. Außer für John. Der hämmert und sägt gerade an einer neuen Tür, unterbricht auch bei unserem Besuch seine Arbeit nicht. Obwohl hier her kaum jemand herkommt. Interessiert ihn aber auch nicht so richtig. Dennoch erzählt er von sich und dem Leben hier. Beim Weiterarbeiten. Die Hütte, einfach und schlicht, drei Räume, Ein Schlafzimmer, ein weiterer Raum mit Hängematten. Weiter ein separates Klohäuschen, ein Garten mit Früchten des Dschungels, eine überdacht Holzpresse und Kochvorrichtung für das Maniok

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Bildergalerie An den Ufern des Urubu

In Manaus

Am Folgetag ging es die 35 km mit dem Boot zurück zur Anlegestelle und weiter die 160 km Straße nach Manaus. Nach dem Ende des Kautschukbooms lag die Wirtschaft in Manaus am Boden. Auch im Zentrum sind viele Gebäude marode, dazwischen 20-stöckige Hochhäuser. Eine Stadt im Zwiespalt, aber mit einem eigenwilligen Charakter, mit Zerfall, Armut, Patina und vielen Liebespaaren.

Gut in Schuss und zentraler Punkt ist das Teatro Amazonas im Stil der Renaissance. Hier finden heute noch große Konzerte mit berühmten Künstlern statt. 700 Menschen haben darin Platz. Ein Zeichen des Reichtums zu Zeiten des Kautschukbooms.

Nach der Oper stand ein Fußmarsch durch die quirlige Stadt zum Fischmarkt an, ein Muss. Überall werden Waren angeboten, einzelne gesichtslose Luxusläden und Marken wie sie bei uns zu finden sind bis hin zum Brotverkauf aus dem Einkaufswagen heraus. Dazu viele Autos, vermutlich auf der Suche nach Parkplätzen, die es nicht gibt. Die Straßenränder voller Müll, auch das gehört dazu. Und unzählige Essens- und Getränkestände.

Der Fischmarkt, am Rio Negro gelegen, einem Zufluss des Amazonas. Die Brücke, die ihn überspannt ist vier Kilometer lang. Der Geruch erschlägt einen fast. Hier geht es rustikal zu. Fische zuhauf. Draußen frisches Obst.

Abends bin ich allein unterwegs. Die Stadt, ihre Umtriebigkeit, das Leben genießen. Mit ausreichend Zeit. Junge Menschen, Buden, Musik, Restaurants, vieles spielt sich im Freien ab. Kurz die Kathedrale besucht, hier fand gerade ein Gottesdienst statt. Es hat noch 33 °C. Der Busbahnhof. Chaos pur. Für mich jedenfalls. Vor dem Theater auf einem großen Platz ein Violinist. Er spielt zu Orchesterbegleitung die von CD kommt. Eine wunderbare Stimmung. Ein passender Abschluss vor weihnachtlicher Kulisse.

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Bildergalerie Manaus

In Rio de Janeiro

7. Dezember, Freitag, Tag 21: Heute Nacht sollte es um zehn Minuten nach drei mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro gehen. Noch zwei Tage ausspannen, bevor uns die Heimat wieder erwartet. Also gegen ein Uhr am Flughafen. Der Flug hatte etwa elf Stunden Verspätung, also nur einen Tag für Rio.  Das aber ist eine andere Welt mit Copacabana und Zuckerhut, und wäre auch eine andere Geschichte. Deswegen nur ein paar Bilder.

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Bildergalerie Rio de Janeiro
(Zu Teil 1 von Cusco bis zur bolivianischen Grenze)

 

Amazonien Nov./Dez. 2013

Von Cusco nach Manaus – Unterwegs in Peru, Bolivien und Brasilien

Teil 1 von Cusco bis zur bolivianischen Grenze

Eine Expedition in touristisch unerschlossenes Gebiet, besonders zwischen Puerto Maldonada in Peru und Riberalta in Bolivien, das war unsere Tour im November und Dezember 2013 in den Regenwald Amazoniens. Wir durchquerten dabei Peru, Bolivien und Brasilien. Schon die Grenzübertritte sind eine eigene Geschichte wert. Kaum Straßen und Wege, unterwegs ist man meisten auf dem Wasser. Kaum Infrastruktur, Camping im Freien auf Feldbetten unter Moskitonetzen oder in einfachen Lodges und Ranger-Stationen  verlangten ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Zwei Köche sorgten für die notwendige Kalorienzufuhr, unterwegs war man auf Trampelpfaden und den im Amazonasbecken typischen, überdachten langen Booten mit Außenborder. Manches ging schief, häufig musste improvisiert werden, aber das gehört einfach zu so einer Reise dazu. Dennoch bei weitem nicht so „extrem“ wie unsere Expedition im Sommer 2012 in den Dschungel von West-Papua. Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes und hier findet sich der Film-Trailer zur DVD.

Eine Reisereportage in Buchform ist übrigens auf Amazon  und Co. sowie im Buchhandel erhältlich. Auch als eBook. Mehr dazu hier.

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Zur Bildergalerie der – subjektiv betrachtet – schönsten Aufnahmen der Reise, eine kleine Auswahl

Der Lohn für die Anstrengungen: Natur pur, exotische Tiere, Papageien-lecken, Goldsucher und Eindrücke aus einer anderen Welt, besonders im armen Bolivien. Teilweise ein Kontrast und richtig erholsam dagegen Brasilien. Wir badeten in Flüssen, fuhren Motorrad-Taxis und auf der Ladefläche eines LKW mit einer Beinahe-Katastrophe, überquerten Ländergrenzen mitten im Regenwald, lernten Bürokratie von einer anderen Seite lernen. Ohne den Einsatz unserer Guides Marco und Brian wären wir wohl daran gescheitert. Startpunkt war Cusco in den peruanischen Anden, Ziel Manaus, bekannt durch das Teatro Amazonas.

Die Route

Ausgangspunkt war Cusco, die alte Inkahauptstadt in den Anden. Von hier aus ging es mit einem Kleinbus über die Anden und weiter eine spektakuläre, aber nicht ungefährliche Piste die Anden den Bergnebelwald hinunter bis nach Pillcopata im Manu Nationalreservat. Weiter mit dem Boot in sechs Tagen auf dem Madre de Dios und dem Tambopata bis nach Puerto Maldonado, unterbrochen von diversen Exkursionen. Die letzte Etappe bis zu der Goldwäscherstadt mit Taxen, einer Fähre und dem Bus. Hier wurde eine (ungeplante) Ruhepause von zwei Tagen eingelegt, da vorgesehene Touren entfielen.
 Wieder auf dem Boot den Madre de Dios weiter, einen 2-tägigen Abstecher auf dem Rio Heath gemacht, ein Grenzfluss zwischen Bolivien und Peru, und rein nach Bolivien. Nach weiteren sechs Tagen Sena erreicht, von hier aus ging es auf der Pritsche eines LKWs und mittels einer abenteuerlichen Fähre nach Riberalta. Es folgte Porto Velho in Brasilien, Manaus (mit dem Flugzeug) und ein dreitägiger Abstecher an den Urubu. Alles in allem rund 3000 km ohne Flug.

Dieser Reisebericht ist nur eine Kurzversion. Eine ausführliche Reisereportage mit viel Erlebtem und Hintergrund gibt es ab Herbst/Winter in Buchform zu erwerben.

Interaktive Karte über die Route

Der Startpunkt: Cuzco – die Hauptstadt des alten Inkareiches

Schon 2008 waren wir mehrere Tage in Cuzco. Deswegen hielten wir diesmal nur einen Tag auf. Alte Kulturen standen auf dieser Reise nicht im Fokus, mich zog es in den Regenwald. Also den Markt San Pedro besucht, etwas durch die alte Innenstadt gebummelt, den Placa de Armas, den Waffenplatz genossen. Auch stand ein Kennenlernen der Expeditionsteilnehmer an, die ich nicht schon von früheren Reisen her kannte. Es regnete immer wieder kräftig, quasi als Einstimmung auf die Tour, die ja zu Beginn der Regenzeit stattfand.

Zur Einstimmung ging es zudem in das kleine Museo de Plantas Sagradas, Magicas y Mediciales. Hier lässt sich ein erster Eindruck von der Pflanzenvielfalt im Amazonas gewinnen, im speziellen bei den Heil- und Zauberpflanzen.

Da wir diesmal direkt von Lima aus in die auf knapp 3500 m Höhe liegende Stadt flogen, fand keine Akklimatisierung an die Höhe statt. Dennoch überstanden alle den Höhenwechsel ohne größere Probleme.

Hier geht es zum Reisebericht aus 2007 u. a. mit sechs Tagen Cusco und Umgebung.

Und hier eine interessante Website zu Peru (Fokus auf Lima)

Fahrt in das Amazonas-Becken

Am Montagmorgen ging es dann richtig los. Ein Kleinbus für die Expeditionsteilnehmer und ein zweites Fahrzeug für unser Gepäck, trotzdem war es sehr eng. Daran würden wir uns noch gewöhnen müssen, an die Enge, was Busse, Taxen und dergleichen anging.

Also raus aus Cuzco mit den in Lateinamerika üblichen Straßenverhältnissen. Schon kurz, etwa 30 km nach Cuzco, ein Stopp. In Coroposa finden sich eine ganze Reihe von Bäckereien die ihre Waren vorwiegend nach Cuzco liefern. Gebacken wird in Lehmöfen. 220 km, davon etwa das erste Viertel der Strecke geteert, geht es insgesamt bis zu unserem ersten Tagesziel, Pillcopata. Es folgt eine Schotter- und Lehmpiste, die es später noch in sich hat. Unser Ziel Pillcopata ist die einzige etwas größere Ansiedlung im Manu-Nationalreservat. Kurz danach im Hafen von Atalaya endet die Straße.

Der erste Teil ging durch die Anden auf einer verhältnismäßig guten, wenn auch engen Piste. Immer wieder fantastische Ausblicke in die Landschaft. Ein Muss ist der Stopp im hübschen Andendorf Paucartambo. Mittags erreichten wir dann den Pass Abra Ajanaco, zugleich Grenze zum Manu-Nationalreservat auf knapp 3850 m NN.

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Nach dem Pass ging es also die nebeligen Hänge bergab. Denn dieser Teil des Parks ist ein Bergnebelwald. Die folgenden sechs Stunden benötigten wir für die vielleicht 70 km (geschätzt), inklusive rund zwei Stunden Pause. Und den größten Teil davon für die 50 km den Bergnebelwald herunter. Auf einer engen einspurigen Piste, stellenweise direkt am senkrechten Hang gelegen ohne irgendeine Begrenzung, das hat schon was. Enge Kehren, Erdrutsche, schmale Tunnels, eigentlich Löcher im Fels, manchmal hängt das Rad am Abgrund, atemberaubende Schluchten. Immer wieder notdürftige Baustellen, die Straße auch mal für eine halbe Stunde durch einen Bagger gesperrt der gerade einen Erdrutsch wegräumt. Diese Piste bei strömenden Regen zu fahren dürfte ein enormes Wagnis sein, schon bei trockenem Wetter ist sie nicht ohne.

Ausblicke laden immer wieder zu Stopps ein. Hier konnten wir während einer Essenspause den Nationalvogel Guatemalas, einen Quetztal beobachten. Im Gallito de las Rocas‐Rerservat, auf der Strecke gelegen, ließ sich dann von einer Beobachtungsplattform der seltene Nationalvogel Perus beobachten, der „Gallito de las Rocas“, ein Felsenhahn, auch Andenfelsenhahn genannt.

Bildergalerie über die Fahrt in das Amazonas-Becken bis nach Pillcopata

In der Dunkelheit kamen wir dann deutlich später als geplant in Pillcopata an, nachdem die Straße kurz davor noch einmal etwa eine halbe Stunde gesperrt war. Das Manu-Nationalreservat, in dem die Siedlung liegt, gilt als das wichtigste Perus. Auf einer Fläche von über 1,8 Millionen Hektar und Höhenlagen zwischen 365 und 4000 m bietet er Lebensraum für mehr als 1000 Vogelarten, 200 Säugetiere, darunter 13 Affenarten, eine Vielzahl bunter Schmetterlinge aller Größen und 15.000 bekannte Pflanzenarten. 1973 gegründet, war der Park einer der ersten Nationalparks Perus. Die Unesco hat ihn 1987 zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt.

Der Zugang zum Nationalpark ist sehr eingeschränkt. Die Kernzone, die 81,5 Prozent ausmacht, darf nicht betreten werden. Ausgenommen davon sind kleine Indianerstämme, die keinen Kontakt zur Außenwelt wünschen. Weitere 13,5 Prozent dürfen nur mit Erlaubnis für Forschung und eingeschränkten Tourismus betreten werden, sind zugleich Puffer zur Kernzone. Die restlichen 5 Prozent dienen menschlicher Besiedelung, wobei die Fläche meist den Indios vorbehalten ist.

Auf dem Madre de Dios

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Der Río Madre de Dios (spanisch für „Muttergottes-Fluss“) begleitete uns die nächsten 14 Tage immer wieder durch Peru und Bolivien, erreicht nach etwa 460 Kilometern bei der Stadt Puerto Heath die Grenze nach Bolivien. Nach weiteren 480 km vereinigt er sich bei Riberalta mit dem Río Beni. Der Fluss mäandriert auf seiner gesamten Länge und verändert seinen Lauf und seine Länge ständig. Er ist die Hauptverkehrsader eines sehr wenig erschlossenen Gebietes, unterbrochen von kleineren Stromschnellen. An seinen Ufern ist noch wenig Land unter Kultur genommen. Auch für uns ist er Fortbewegungsmittel (respektive das Boot) Nummer Eins. Insgesamt ist er 1400 km lang.

Vor der Flussfahrt verbrachten wir erst noch die Nacht in Pillcopata. Die Ortschaft ist eine der wenigen Siedlungen im Manu Nationalpark. Etwa 2000 Menschen leben hier und in der Umgebung. Typische Holzbaracken prägen die Ansiedlung, vielleicht 100 an der Zahl. Immer mal wieder ein Laden, Werkstätten, eine breite von Schlamm-Pfützen und Schlaglöchern übersäte Lehmstraße.

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Es regnete die ganze Nacht sehr kräftig, ohne Unterlass. Vorbote für unsere Dschungeltour? Das Trommeln auf dem Blechdach ließ einen zuerst kaum schlafen, zudem die Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit auch nicht gerade sehr förderlich waren.  Nach dem Frühstück und einem Bummel durch den Ort ging es dann  die letzten 30 km auf der dann endenden Straße zum Hafen Atalaya.

Nach zehn/fünfzehn Minuten ein erster Stopp an einer Art privaten Hilfsstation mitten im Regenwald für verletzte Tiere. Zugleich betreibt der Besitzer eine genehmigte Coca-Plantage für medizinische Zwecke. Zu sehen waren Aras, ein Dreifinger-Faultier, ein Zwergameisenbär, ein Kapuzineraffe, Wasserschwein und Hühnervögeln. Alle übrigens frei herumlaufend, sie könnten den Ort verlassen.

Kaum eine viertel Stunde später wieder ein Stopp, hier fand sich eine Art botanischer Garten in Sachen Orchideen. Des Inhabers Profession ist der Schutz seltener Arten. Auf seinem Gelände hütet er momentan ungefähr 220 Arten, ein Eldorado für Orchideensammler.

Dann, nach weiteren 30 Minuten der Hafen Atalaya. Ein paar Bretterbuden, ein paar kleine, für die Region typische überdachte Holzboote mit Außenborder. Wir benötigten zwei davon, eines für unsere Köche, Gepäck, Lebensmittel, Feldbetten und der Expeditionsausrüstung, das andere für uns und das Tagesgepäck.

Weiter ging es nun sechs Tage auf dem Rio Madre de Dios bis Puerto Maldonado, unserem nächsten Etappenziel. Zwischen hier und der Stadt liegt nichts außer Regenwald, keine Infrastruktur, keine Straßen, keine größeren, nur einige wenige kleinere Siedlungen, einzelne Ranger-Stationen, alles nur über den Wasserweg zu erreichen.

Nach 20 Minuten Fahrt flussaufwärts ein erster Halt. Auf gut ausgetretenen Pfaden ging es teilweise durch Wasser (Wichtig: Gummistiefel mit guten Sohlen sind ein Muss im Dschungel, nicht nur wenn man die Boote auf den schlammigen Ufern verlässt) zu einer kleinen Lagune Namens Machu Cocha (Cocha steht für See). Auf einfachen Holzflössen ließen sich am Rand der Lagune Hoatzine beobachten, quasi Urzeitvögel. Jung besitzen sie noch Krallen zum Klettern und ein an Wiederkäuer erinnerndes Verdauungssystem. Avisiert waren auch Riesen-Fischotter, die aber ließen sich nicht blicken.

Zurück auf dem Boot wechselten wir quasi nur das Flussufer, suchten eine Kiesbank. Zeit für das Mittagessen. Gekocht wurde von Genaro und Hipolito auf dem schwankenden zweiten Boot, für die richtige Temperatur sorgte ein Gaskocher. Da Kiesbänke an Ufern eines Dschungelflusses recht selten sind, wurde übrigens meist in der Flussmitte gespeist, auf den miteinander vertäuten Booten.

Von unserem Rastplatz aus wollten wir in einer einstündigen Wanderung durch den Regenwald einen riesigen Kapokbaum besichtigen. Der Marsch war aber nach etwa zehn Minuten schon wieder beendet. Ein Fluss ließ sich nicht mehr durchwaten und im Gegensatz zu der Expedition in West Papua hatten wir diesmal keine Träger mit Äxten dabei, die schnell mal ein paar Bäume fällten und Übergänge schufen. Denke wäre hier auch nicht erlaubt, da wir uns ja im Manu Nationalreservat befinden.

Also weiter auf dem Madre de Dios zu unserem geplanten Tagesziel, einer einfachen, kleinen Lodge namens Sogade Oho. Abends dann noch eine Nachtwanderung, aber wie sich zeigt wurde es dann schnell hektisch für mich als Filmer, denn fünf Minuten warten bis die Technik bereit und gerichtet war, war anscheinend zu viel. Also hinterher gehetzt. Obwohl ausreichend Zeit da war, ging es in diesem Tempo weiter so dass Filmen und Fotografieren nur sehr eingeschränkt möglich war. Schade. Zumal diese Eile auch tagsüber immer wieder vorkam um dann am Tagesziel mehrere Stunden Zeit totzuschlagen. Wäre auch anders machbar gewesen. Hätte man die folgenden Etappen richtig eingeschätzt.

Am Morgen ging es mit dem Boot weiter, unser heutiges Ziel war eine kleine Siedlung Namens Boca Manu. Etwa sechs Stunden mit dem Boot entfernt. 90 Minuten entfernt fand sich etwas Besonderes für einen Regenwald: heiße Quellen, die zum Baden einladen. Das Wasser kommt mit etwa 76 °C aus der Erde, wird mit Holzrinnen zu einem kleinen Bassin geleitet. Die Temperatur betrug um die 35 °C. Ähnlich wie im Dschungel.  Das Wasser riecht stark nach Schwefel und hinterher auch der ganze Körper. Bei uns wäre das Wellness und müsste teuer bezahlt werden.

Weiter mit dem Boot. Übrigens hat es seit Pillcopata kaum mehr geregnet, nur ein paar Tropfen, mehr nicht. Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich Bocu Manu, eine Siedlung mit etwa 150 Einwohnern die von der Landwirtschaft und Fischerei leben. Holzbaracken, Läden, eine Schule und sogar eine Art Krankenhaus finden sich hier.  Ein Generator produziert von etwa 19 bis gegen 22 Uhr Strom. Gelegenheit die Akkus zu laden. Übernachtet wurde in einfachen, sauberen Holzhütten. Innen zwei Betten mit Moskitonetzen, die braucht man hier generell, wie guten Insektenschutz.

Am nächsten Morgen starteten wir gegen sechs Uhr, Ziel der kurzen Fahrt und Wanderung war eine kleine Lagune. Hier sahen wir kurz auch zwei der großen Fischotter, wenigstens deren Köpfe.  Das nächste Ziel war dann nach weiteren zwei Stunden erreicht, Maquisapoy, Ausgangspunkt für den Marsch zu einer Tapir-Plattform. Heute Nacht wollen wir die seltenen, scheuen Tiere beobachten. Immerhin die größten Säugetiere Südamerikas, wie es heißt. Etwa 30 bis 40 Minuten Fußmarsch im Dschungel entfernt befindet sich eine Lehmlecke, die die Tiere des Nachts gern aufsuchen. Vorher ging es aber noch zu einer metallenen Plattform, quasi einem Stahlturm mit 35 m Höhe, von dem man aus über das Dach des Dschungels blicken kann.

04-tapire-1065-amazonien-2013Auf der etwa vier/fünf Meter hohen hölzernen Plattform befanden etwa 15 Matratzen (60 cm breit) eng nebeneinander, auf ihnen lag man bäuchlings unter einem Moskitonetz und konnte die Tapirlecke in etwa 50 m Entfernung beobachten. Die Tapire benötigen die Minerale in dem Lehm um Gifte in den häufig unreifen Früchten zu neutralisieren. Deswegen kommen sie immer wieder an solche Stellen und fressen eben diesen Lehm. Genauso wie Sittiche, Amazonen und Aras, die wir später noch beobachten konnten

Gegen acht Uhr erschien in der Dunkelheit tatsächlich der erste Tapir. Ein gewaltiges Tier, einem Wildschwein ähnlich mit einem Rüssel. Bis gegen 24 Uhr sahen wir fünf Mal Tapire, es dürfte sich dabei um insgesamt zwei verschiedene Tiere gehandelt haben.

Ara-Lecke Blanquillo

Viertel vor Vier früh Morgens der Aufbruch.  Nur wenige Minuten zum Packen der Videoausrüstung, in Dunkelheit mit der Stirnlampe. Zum Glück nichts übersehen. Zurück durch den dunklen Regenwald zu der Lodge, und nach einer kurzen Pause weiter mit dem Boot. Unser Ziel, die Ara-Lecke in Blanquillo. Da der ganze Bereich überschwemmt war, konnten wir sogar mit dem Boot über einen Seitenarm des Flusses bis zu der Plattform fahren und stiegen direkt dort aus. Ob erlaubt oder nicht, keine Ahnung. 

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Das Boot verließ die Plattform anschließend, sollte uns etwa drei Stunden später gegen neun Uhr wieder abholen.

Die Geräuschkulisse war schon beeindruckend. Zahlreiche Aras, Amazonen und Sittiche saßen in den Bäumen über der Lehmwand, flatterten durch die Gegend, machten einen Lärm, stritten sich und schmusten. Meistens traten sie paarweise auf. Salz-/Lehmlecken sind ideale Stellen, um Papageie zu beobachten. Sie suchen die Lecken auf um den Lehm zu fressen. Darin enthaltene Stoffe neutralisieren die ungesunden Alkaloide und Tannine etwa unreifer Früchte und mancher Samen, die die Papageien fressen.

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Bildergalerie Manu Nationalpark

Nach einer Weile  ließen sich die Aras, Amazonen und Sittiche zu dem Lehmufer herunter. Das Schauspiel dauerte um eine Stunde, endete erst, als unser Boot kam. Erst vor ihm wichen sie mit lautem Geschimpfe. Vorher schien kaum etwas die Vögel wirklich zu stören, eigentlich sind sie scheu und sehr empfindlich. Doch selbst Toilettengänge auf der Plattform ignorierten sie. Ungewöhnlich.

Weiter ging es auf dem Madre de Dios mit dem Ziel Puerto Maldonada. Mit dem Boot zuerst etwa zweieinhalb Stunden bis Boca Colorado. Hier hieß es dann, sich von den Bootsbesatzungen zu verabschieden. Weiter mit mehreren PKWs über eine Dschungelpiste bis zum Rio Inambari, mit Booten über den Fluss und die letzte Strecke mit einem sehr engen Kleinbus knapp drei Stunden durch eine von Menschenhand deutlich veränderte Landschaft. Gerodete Flächen mit Viehhaltung und Plantagen dominierten an der Straße. Ziel war die Anaconda-Lodge nahe der Stadt. Hier verbrachten wir dann zwei Nächte, denn der am Folgetag vorgesehene Beginn unsere Tour in den Tambopata-Nationalpark mit Besuch und Übernachtung bei einem Schamanen wurde gestrichen. Sollte ein Höhepunkt der Tour sein. Und die Alternative war keine wirkliche: ein kurzer Besuch eines Schamanen in einer Stadtwohnung. Dann lieber in der Stadt unterwegs gewesen, zwei Gramm Amazonasgold eingekauft.

Transportmittel der Wahl sind hier die dreirädrigen Mopeds, die Platz für 2 oder 3 Mitfahrer bieten und hier neben Motorradtaxen das Hauptverkehrsmittel stellen. Autos sind eher rar. Die Stadt erlebt die letzten Jahre einen richtigen Boom, heute leben um die 80.000 Menschen hier. Der Grund: Gold. Das Waschen ist zwar illegal, dennoch leben nach Schätzung unseres Guides etwa 50.000 Menschen direkt und indirekt davon.

Bildergalerie Fahrt nach/ und Puerto Maldonado

Am Sonntag, dem achten Tag ging es dann wieder weiter. Es stand die nur selten von Besuchern bereiste Etappe am Rio Heath und durch Bolivien an. Geschlafen wird auf Feldbetten unter Moskitonetzen im Freien unter einer Plastikplane oder in einfachen Unterkünften, sofern vorhanden. Sieben Tage dauerte die Etappe bis Riberalta in Bolivien, inklusive Abstechern in den Tambopata-Nationalpark und dem Rio Heath. Heute lagen etwa 120 km vor uns, bis zu dem Lager im Regenwald. Morgen ging es dann die gleiche Strecke wieder zurück, weiter auf dem Madre de Dios Richtung Bolivien.

Unser Lager hatte schon bessere Zeiten gesehen. Ein paar Holzpflöcke, einige Querbalken, löchrige blaue Plastikplanen darüber, das war´s. Aber der Boden war eben und picobello sauber. Hier fließt des Öfteren Wasser durch. Unsere Helfer besserten die Folie aus, bauten zwei neue Unterstände und darunter kamen die Feldbetten und darüber die Moskitonetze an Schnüren aufgehängt. Auf der Nachtwanderung entdeckten wir diesmal eine kleine Baumechse, Spinnen, auch eine größere, Frösche, eine Taube, eine Fledermaus und weiteres kleines Getier.

Um 5 Uhr am kommenden Morgen ging es dann zu einer weiteren Papageienlecke. Beobachten konnten wir hier ebenfalls diverse Aras, etwa Blue and Yellow Macaws, Scarlet Macaws oder den Red and Green Macaw, um nur ein paar zu nennen.

Sechs Stunden Bootsfahren stand dann auf dem Programm bis zu unserem nächsten Lager auf dem Weg zum Lago Valencia an der bolivianischen Grenze. Erst zurück auf dem Tambopata nach Puerto Maldonado, hier wurden die Vorräte und das Benzin aufgefüllt für die nächste, 5-tägige Etappe. Im Schatten hatte die Temperatur  inzwischen 37 °C erreicht. Weiter dann auf dem Madre de Dios, knapp eine Stunde bis zu einer Lodge – sogar mit Dusche.

27,2 °C war übrigens die tiefste Temperatur in dieser Nacht. Morgens ging es erst um neun Uhr los – außergewöhnlich, der erste Stopp folgte auf der Insel der Affen. Hier sollen fünf verschieden Arten an Affen leben und sich auch beobachten lassen.  Was uns aber erwartete waren Unmengen an hungrigen Moskitos. Nur keine Affen. Und Moskitosprays, die ignorierten viele der Viecher einfach. Also nach einer Stunde weiter mit dem Boot, ohne auch nur einen Affen gesehen zu haben.

Die letzte halbe von den folgenden drei Stunden ging durch einen engen Seitenarm, bis wir den See erreichten. Erst mal einen Platz zum Übernachten gesucht dann ab zum Piranha-Angeln. Ganz zum Abendessen reichte der Fang dann doch nicht, gegrillt gaben sie jedoch eine gute Vorspeise ab.

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Es ist 3.40 Uhr am nächsten Morgen. Auch hier gibt es Hähne. Einen direkt neben dem Lager. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Also halbwach weitergedöst und gegen sechs Uhr viel zu früh aufgestanden. Denn auch heute sollte es erst um neun Uhr weitergehen. Es hat immer noch 28 °C. Früher als geplant ging es dann die 12 km durch den Seitenarm zurück und weiter auf dem Rio Madre de Dios die zwei Stunden bis zur bolivianischen Grenze.

Am peruanischen Kontrollpunkt müssen wir nicht einmal aus dem Boot raus. Unser Guide Victor – er kam in Puerto Maldonado zusätzlich an Bord für Bolivien – erledigte die Formalitäten. Ging recht flott, offiziell habe wir die Ausreiseformalitäten schon vor ein paar Tagen in Puerto Maldonado erledigt.  200 m weiter dann der bolivianische Kontrollpunkt, ein kleiner Militärposten…

…zum zweiten Teil des Reiseberichtes: In Bolivien und Brasilien.

Chile Juni 2013

Wüsten, Wein und geheimnisvolle Kulturen

Unterwegs im Norden Chiles und auf der Osterinsel

Über eine Strecke von über 4000 km erstreckt sich Chile, mithin mehr als 39 Breitengrade. Und zahlreiche über 6000 m hohe Berge in den Anden sorgen für beträchtliche Höhenunterschiede. Infolge dessen finden sich eine große Vielfalt an Klima- und Vegetationszonen in diesem Land. Kein Wunder dass Chile mit seinen unterschiedlichsten Landschaftsformen als eines der schönsten Länder Südamerikas gilt. Unsere Reise fokussiert sich diesmal auf den Norden des Landes mit der Atacama-Wüste und auf die Gegend um Santiago de Chile und den angrenzenden Weingütern. Aber auch die über 3000 km entfernte Osterinsel kommt nicht zu kurz. Ausgelassen haben wir den Süden, Patagonien. Hier waren wir schon im Frühjahr 2011 (zum Reisebericht Patagonien)

Veranstalter in Deutschland: TWR Erlebnisreisen, und der lokale Organisator: TravelArt Chile

Unsere Route
Die Reise begannen wir in der Hauptstadt Santiago de Chile. Nach einer kurzen Stadtbesichtigung ging es am kommenden Tag schon weiter in den Norden nach Arica. Ausflüge führten uns ins Altiplano, in den Lauca-Nationalpark, dem Azapa-Tal und zu einer verlassenen Salpeterstadt in der Atacama-Wüste bevor wir San Pedro de Atacama erreichten. Von hier aus starteten wir Exkursionen u. a. zu Hochlandlagunen, kleinen Städtchen, den Geysiren von El Tatio und ins Tal des Mondes. Natürlich waren wir auch auf den Spuren der alten Atacameños und Inkas und befassten uns ausgiebig mit der Atacama, einer der trockensten und ältesten Wüsten der Welt.

Zurück in Santiago stand die etwa 120 km entfernte, direkt an der Küste gelegene Stadt Valparaiso auf dem Programm und eines der besten Weinanbaugebiete Chiles, das Colchagua-Tal. Vier Tage später zurück in der Hauptstadt folgte die Tour zu der im Pazifik gelegenen, rund 3800 km entfernten Osterinsel. Hier widmeten wir uns auf der abgelegensten Insel der Welt mehrere Tage den Geheimnissen der Rapa Nui-Kultur.

Hier gibt es den ausführlichen Reisebericht ohne Bilder zum Download: Chile 2013 Reisebericht
Und hier geht es zum kurzen Trailer, der Vorschau des Chile-Filmes.

In Youtube finden sich weitere Trailer zu Chile (vier an der Zahl über die einzelnen Regionen. Am einfachsten meinen Kanal abonnieren, dann erfährt man automatisch was es Neues an Videos respektive Trailern gibt.

Zur Bildergalerie der – subjektiv betrachtet – schönsten Aufnahmen der Reise, eine kleine Auswahl

Santiago de Chile

Ausgangspunkt unserer Reise in den Norden des Landes und auf die Osterinsel war die 1541 vom Spanier Pedro de Valdivian gegründete Hauptstadt Santiago de Chile. Im Großraum rund um die Stadt leben etwa die Hälfte der 17 Mio. chilenischen Einwohner, in der Stadt selbst etwa 6 Mio. In der uns zur Verfügung stehenden kurzen Zeit war nur ein Besuch des Stadtzentrums möglich und eine kurze Fahrt durch das modernere Santiago. Das reichte uns auch, stand doch nicht die Millionenmetropole im Fokus der Reise, sondern die Atacama-Wüste, Valparaiso, der Wein und die Osterinsel. Außerdem war die Sicht und Luftqualität schlecht, durch eine ungünstige Wetterlage war Smog angesagt. Nicht außergewöhnliches für die Stadt. Liegt die Millionenmetropole doch in einem Talkessel von über 6000 m hohen Bergen umgeben, und im Winter fehlen öfters die Luftzirkulation und frische Winde. Dafür kommen Jahr für Jahr um die 50.000 Fahrzeuge hinzu. Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO gilt die Luftqualität in Santiago de Chile als eine der schlechtesten der Welt. Aber gut, einige Tage lang macht das nicht aus.

Historische Gebäude aus der spanischen Kolonialzeit finden sich trotz der langen Geschichte nur wenige im Zentrum. Wird das Land doch regelmäßig von schweren Erdbeben heim-gesucht. Zitat unseres Stadtführers Camillo: Der Baumeister Santiagos sind die Erdbeben. Sie bestimmen den Baustil. Erst 2009 fand eines der weltweit schwersten Erbeben (8,5 auf der Richterskala) hier statt, Schäden davon waren aber für uns nicht mehr zu sehen. Historisches ist auch deswegen rar, weil vieles erst durch den wirtschaftlichen Aufschwung nach der Unabhängigkeit entstand. Aus spanischen Zeiten stammen noch der zentrale Platz Plaza de Armas mit seiner Kathedrale Metropolitana de Santiago (erbaut 1745). Sehenswert sind zudem der heutige Präsidentenpalast La Moneda (1784-1805), ein klassizistischer Bau, einst die nationale Münzanstalt, sowie die pastellfarbene Hauptpost Correo Central (1882). Der Palacio de la Real Audiencia (1807) beherbergt heute das Historische Museum. Weiter finden sich am zentralen Platz die blaue Eisenkonstruktion des Edwards-Kaufhauses (Edificio Comercial Edwards, 1893) und der 1769 fertiggestellte Kolonialbau der Casa Colorada, Sitz des historischen Stadtmuseums.

Im Stadtviertel Paris Londres, gut zu Fuß von der Stadtmitte zu erreichen, steht eine der ältesten Kirchen, San Francisco genannt. Und gut Essen lässt sich in den Restaurants (gut: El Galeon, aber europäische Preise) an der zentralen Markthalle, Mercado Central, , im Mai 2012 vom National Geographic unter die Top Five der attraktivsten Lebensmittelmärkte der Welt gewählt. Etwa zehn Minuten vom Zentrum mit dem Taxi entfernt lohnt ein Besuch des vielleicht interessantesten Viertels der Stadt, zum Markt Persa Bio Bio. Die ganze Gegend ist ein riesiger Markt, Altes und Neues, Kunst und Krempel, Möbel und Ambiente, Nippes und Verrücktes, Leben und Musik, es gibt nichts, was es nicht gibt – und alles sehr günstig. Nur für uns war nichts dabei, in eineinhalb Stunden, da fehlt einfach die Zeit zum Stöbern. Man sollte sich schon einen halben Tag Zeit nehmen, am besten Samstag morgens.

Die moderne Seite der Stadt, auch sie war eine Stippvisite wert. Auf dem Weg dorthin fuhren wir auf den Cerro San Cristóbal, einen 885 m hohen Hügel. Santiago selbst liegt auf ungefähr 550 m NN. Auf dem Berg findet sich das Wahrzeichen Santiago de Chiles, eine 22 m hohe Marienstatue. Von dem Hügel aus hat man einen schönen Überblick über die Stadt, sofern es der Dunst zulässt. Hoch kommt man am besten mit dem Auto, Ende des Jahres soll aber auch die Seilbahn wieder in Betrieb sein (2013). Alternativ gibt es auch noch einen Schrägaufzug, der einen Zwischenstopp am Zoo macht.

Hier geht es zu einer Bildergalerie über Santiago de Chile

Die Stadtteile Providencia und Las Condes sind geprägt von gläsernen Bürotürmen, Geschäften und Restaurants. Im Gegensatz zum historischen Stadtzentrum bieten die hier zu findenden schattigen Alleen und großzügigen Boulevards fast europäisches Flair. Hier befindet sich neuerdings auch das mit rund 300 m höchste Gebäude ganz Südamerikas. Erdbebensicher natürlich, versprechen die Erbauer.

Am Abend schlenderten wir dann noch mal über den Plaza de Armas, hier findet das Leben statt. Gaukler, Maler, Musiker, Kaffees, einfach dasitzen und beobachten. Ab zehn ist dann Schluss, dann sollte man den Platz auch verlassen, aus Sicherheitsgründen. Auch wenn Chile das sicherste Reiseland in Südamerika ist, handelt es sich doch um eine sechs Millionen-Metropole mit allen Seiten.

Café con piernas, Kaffee mit Beinen. Mag man sich erst mal unter diesem Begriff nichts vorstellen können, so ändert sich das doch schnell, tritt man ein. Denn die Bedienungen die hier arbeiten, brauchen nicht nur Beine, sondern schöne Beine. Vorwiegend von Männern besucht, servieren hier Schönheiten den Kaffee, mit langen, unbedeckten Beinen. Schön zu Anschauen, mehr als Kaffee, Tee und Kuchen gibt es natürlich nicht.

Gut ist auch die Küche Chiles, so weit kann man schon mal vorgreifen. Ein traditionelles Gericht ist Asado, gegrilltes Rindfleisch. Gut schmecken auch die würzigen Paprikawürste. Zu den Nationalgerichten zählen zudem Empanadas, mit Hackfleisch, Ei und Oliven, oder mit Käse gefüllte Teigtaschen, sowie Cazuela, eine kräftige Suppe mit Huhn und Mais. Und immer zu empfehlen, alle Arten von Fisch, besonders in Meeresnähe. Nur die Preise, wie gesagt, die sind europäisch und auf der Osterinsel sogar höher. Muss doch alles weit eingeflogen werden. Chile jedenfalls ist kein billiges Reiseland, es aber wert.

Schon früh am Morgen ging der Flug in den Norden nach Arica. Nur erschien unser Guide nicht. Also mit dem Fahrer mit entsprechender Verspätung zum Flughafen und selbst um alles gekümmert. Hat noch gereicht. Abgehakt. Zumal der Guide wie sich auch später in Valparaiso zeigte wirklich gut ist. Galt übrigens für alle vier im Laufe der Reise. Der Flug verlief reibungslos und auch die Abholung im Arica. Später stellte sich heraus, der Guide steckte im Stau fest. Morgens um sechs Uhr. Ja die Arbeitszeiten in Chile sind noch etwas länger als in Deutschland, denn Abends ging die Rushhour bis gegen acht Uhr.

Im Norden: Von Arica bis Iquique

Arica liegt nahe der peruanischen Grenze direkt am Pazifik und heißt im Volksmund „Stadt des ewigen Frühlings“. Sie fiel während des Salpeterkrieges gegen Peru und Bolivien an Chile, hat heute um die 190.000 Bewohner. Schnell spürt man das Wüstenklima der Atacama, auch im Winter beträgt die Temperatur bis zu 20 °C. Und Regen, den gibt es hier praktisch nie. Offizielle Statistiken weisen in Arica eine Niederschlagsmenge von 0 mm aus. Dazu später mehr.
Die Landschaft ist durch 6.000 Meter hohe Vulkane, einsame Lagunen, staubtrockene Flächen, kilometerlange Sandstrände und kleine Aymara-Dörfer geprägt. Bei letzteren handelt es sich um ein indigenes Volk in den Anden. Nur ein kleiner Teil von Ihnen lebt in Chile, der größere Teil in Bolivien und Peru. Nach einer These gelten sie als die kulturellen Vorgänger der Inka-Hochkultur, praktizieren noch heute das System des Gemeinwesens. Doch darüber gibt es unterschiedliche Ansichten.

Zurück nach Arica. Als erstes unternahmen wir – nach einer Pause im direkt am Strand gelegenen Hotel – einen Abstecher zum sogenannten Morro-Felsen, einem 130 m hohen Sandsteinfelsen, dem Wahrzeichen der Stadt. Im Salpeterkrieg wurde eben dieser und die darauf befindliche Festung am 7. Juni 1880 von den Chilenen erstürmt. Ein kleines Armeemuseum erläutert diesen Teil der chilenischen Geschichte. Zugleich bietet der Fels einen Blick über ganz Arica, die Küste und dem grünen Lluta-Tal. El Morro gilt auch heute noch sowohl in Chile als auch in Peru als nationales Symbol. Es scheint sogar wichtiger für Peru, auch noch 133 Jahre nach dem Krieg.Bevor es dann in die Stadt ging, fuhren wir jedoch erst etwas weiter ins Landesinneren nach San Miguel de Azapa. Auf dem Weg dorthin sahen wir die ersten Geoglyphen. Auch dazu später mehr. In San Miguel findet sich ein interessantes archäologisches Museum, das Museo Arqueológico San Miguel de Azapa. Gezeigt werden vor allem Exponate aus der sehr alten Chinchorro-Kultur, einem bereits im 5. Jahrtausend v. Chr. hier lebenden Nomadenvolk. In dem Museum finden sich auch die ältesten Mumien der Welt, wie es heißt, um die 6000 v. Chr. entstanden. Über die Chinchorro-Kultur ist nur sehr wenig bekannt. Unklar ist zum Beispiel warum die Nomaden ein so hochentwickeltes Totenritual praktizierten. Ein Grund dafür könnte sein, dass im Norden Chiles das Wasser eine hohe natürliche Konzentration an Arsen enthält. Das könnte zu einer hohen Kindersterblichkeit geführt haben, und dies wiederum zu den aufwändigen Praktiken. Anfänglich hat man die Kinderleichen mit Lehm bedeckt und getrocknet, später entnahm man die Eingeweide, verzierte und füllte die Körper mit Pflanzen. In der Nähe des Museums liegt zudem ein Friedhof, der als der älteste der Welt bezeichnet wird, den zu besuchen reichte uns jedoch nicht mehr

Abends ging es noch kurz ins Zentrum der Stadt mit dem Erbe Gustave Eiffels. Es begegnete uns schon bei einer früheren Reise auf die Baja California im Norden Mexikos (hier geht´s zum Bericht) in Form einer Eisenkirche in Santa Rosalia. Hier stammen aus seiner Hand, respektive seinem Geist, die San Marcos Kathedrale, ebenfalls eine Eisenkonstruktion, sowie das historische Zollgebäude am Hauptplatz. Da es aber schon dunkel und kühl war, holten wir den Stadtbummel am Samstagmorgen nach, bevor wir unsere fünftägige Tour in die Atacama-Wüste nach San Pedro starteten.

Auf dem Weg ins Altiplano

Am kommenden Tag fuhren es zuerst zum Strand von Carazoe. Hier findet sich nach einem kurzen Spaziergang hohe, von Guano überzogene Berge und Felsen und natürlich die dazugehörenden Wasservögel wie Möwen und Albatrosse. Früher hieß Arica auch „Stadt des Guano“. Es folgte ein Besuch des Marktes von Arica, ein Muss. Aus der Gegend um die Stadt kommt aber nur das Gemüse und die Oliven, alles Obst wird per Flugzeug aus Ecuador und Peru importiert oder kommt aus dem Süden Chiles. Bei der überwiegenden Zahl der Händler handelt es sich um indigene Aymaras.

Dann ging es weiter in Richtung Landesinnere. Auf dieser Strecke findet der Warentransit zwischen Arica und La Paz in Bolivien statt. So kämpfen sich täglich hunderte von Tanklastern über die bis zu 3600 m hohen Pässe, schaffen Rohöl aus Bolivien nach Arica, wo es gereinigt wird und wieder zurück nach La Paz. Hinzu kommen noch zahlreiche Laster mit Waren aller Art. Für die 600 km lange Strecke benötigen die Truckfahre ungefähr 15/16 Stunden. Mit einem Pkw ist es in acht zu schaffen, auch wenn man lange Strecken hinter den Lkws hinterher schleicht.

Knapp zehn Kilometer nach Arica ein erster Stopp, hier finden die Silos von Huayan, rund 60 Erdlager der Inkas, auch Colcas genannt. Runde, ausgemauerte Löcher von etwa einem halben bis einem dreiviertel Meter Durchmesser und einen Meter tief in der Erde. In ihnen bewahrten die Inkas Lebensmittel wie Fleisch und Getreide auf, aber auch Kleidung und Haushaltswaren. Von hier aus kann man auch die ersten
Geoglyphen und Scharrbildern anschauen, vermutlich um die 600 bis 1000 Jahre alt. Sie finden sich vor allem an den hellen, glatten Bergeinfassungen des Tales, die wie eine überdimensionale Leinwand benutzt wurden. Angefertigt wurde sie ähnlich denen im bekannteren Nasca im Süden Perus. Die besuchten wir im Sommer 2008 (hier geht’s zum Reisebericht).

Nächster Stopp war die Kirche San Chironimo in Poconchile, sie stammt aus dem 16. Jahrhundert (erbaut 1580). Interessant dabei, mehrmals von Erdbeben zerstört, wird sie immer aus dem gleichen Material wieder aufgebaut. Rund 80 % der Chilenen sind übrigens katholisch, der überwiegende Rest evangelisch.

Kurz darauf sahen wir die ersten Kandelaber-Kakteen, die in dieser Gegend so ab einer Höhe von 2200 m wachsen und hier bis zu vier Meter Höhe erreichen. Also verhältnismäßig klein bleiben. Hier kann es auch schon ab und zu mal regnen, vor allem im Februar und seit zwei Jahren hat es auch schon mal im September geregnet. Viele einfache Häuser in Arica sind übrigens nur bedingt wetterfest, bei mehr als zehn Minuten Regen dringt das Wasser ein und kann die Häuser sogar massiv beschädigen.

Auf dem Weg folgt zu guter Letzt die Ansiedlung Socorama bevor wir unser Tagesziel, den 3500 m hoch gelegenen Ort Putre mit seinen 1200 Einwohnern erreichten. In Socorama blieb uns Zeit, die Kolonialarchitektur des Dorfes und seine prähispanischen Terrassenkulturen der Inka zu besichtigen. Interessant dabei, in dem schön gelegenen und gar nicht so kleinen Dorf leben gerade mal zwölf Einwohner. Die jüngeren Leute sind alle weggezogen. Dennoch ist der Ort sehr gepflegt, keine Spur von Zerfall. Auch ist die Kirche gerade wieder aufgebaut worden. Errichtet wurde sie ursprünglich um 1560, nach einem Erdbeben 1870 komplett neu aufgebaut und jetzt nach einem Brand. Zu Karneval finden sich hier um die 2000 Menschen ein um zu feiern. Dann sind alle Häuser voll, Zelte fassen die restlichen Menschenmassen. Klein Rio in 3500 m Höhe mitten im Gebirge in den Vor-Kordilleren. Abgebrannt ist die Kirche übrigens zu den Karneval-Feiern 2013.

Am folgenden Morgen in Putre schauten wir uns erst Mal die Kirche und den Plaza de Amor an. Die Kirche bildet wie in allen Dörfern das Zentrum der Stadt zusammen mit dem Plaza de Amor, dem Waffenplatz. Putre ist mit den rund 1800 Einwohnern (in der Stadt selber um die 1200) die Hauptstadt der Region hier im Norden. Erbaut wurde die Kirche San Ikenfonse de Putre um 1600, bei einem Erdbeben 1871 komplett zerstört und wieder neu aufgebaut. Die Türme könnten noch von der alten Kirche stammen, doch da ist man sich nicht sicher.

Dann ging es endlich auf in das Altiplano in einer mehrstündigen Fahrt auf der Hauptachse nach Bolivien, und zwar in den Lauca Nationalpark. Unter Altiplano versteht man eine abflusslose, auf durchschnittlich 3600 m Höhe gelegene Hochebene im Südosten Perus, dem Westen Boliviens und dem Norden Chiles.

Auf dem Weg liegt eine im 12. Jahrhundert errichtete Festung namens Pukara de Copaquilla. Die Reste einer indianischen Befestigung balancieren praktisch auf einem von Abgründen umgebenen Felsen. In den tiefen Schluchten befanden und befinden sich die Felder ihrer Bewohner. Angebaut werden Kartoffeln und Mais, weiter widmet man sich der Lama-Zucht. Angelegt wurde die Festung zum Schutz vor den Inka. Zu sehen sind aus der Ferne nur einige Steinmauen, betreten darf man das Areal derzeit nicht. Lohnt nur einen kurzen Zwischenstopp am Aussichtspunkt.

Die Fahrt dauert, schleicht man doch immer wieder hinter Lastwagen her. Überholen ist nicht immer gleich möglich. Auch wenn sie sich in Schrittgeschwindigkeit den Berg hochkämpfen. Das holen sie in den Ebenen aber wieder ein. Immer wieder sieht man auch Wracks verunglückter Lastzüge oder einzelne Seecontainer am Hang hängen, die Straße fordert ihren Tribut. Zumal sie stellenweise recht schlecht ist, bedingt durch die hohen Temperaturunterschiede hier oben und Witterungseinflüsse.

Im Lauca-Nationalpark

Für den Lauca Nationalpark selber sollte man sich genügend Zeit einplanen. Die Temperaturen liegen im Schatten unter dem Gefrierpunkt, das zeigt die dünne Schneedecke. Und der starke Wind lässt die gefühlten Temperaturen deutlich absinken, Also warme Kleidung ist in dieser Jahreszeit angesagt. Unser Ziel war der auf etwa 4250 m NN gelegenen Chungará-See, in dessen smaragdgrünem Wasser sich die Gipfel der umliegenden Berge spiegeln. Nicht wenige davon 6000er, allen voran der des 6342 m hohen Vulkans Parinacota. Der rund 21 km2 große See gehört zu den höchstgelegenen der Welt. Er liegt schon nahe der bolivianischen Grenze. Im Park lassen sich zahlreiche Tiere beobachten, etwa GuanakosVikunjas oder Andenhirsche. Seltener zu sehen oder nur aus der Ferne sind dagegen Andenkondore und Pumas. Zudem finden sich rund 140 unterschiedliche Vogelarten in dieser Region. Wir jedenfalls sahen unter anderem zahlreiche Vikunjas und auch eine Hasenart, den Vizcacha. Der höchste Punkt auf der Tour war übrigens auf ungefähr 4600 m NN gelegen.
Rast machten wir in dem kleinen Hochlanddorf Parinacota mit seinen 16 Einwohnern. Übrigens kann man in den Restaurationen in diesen Dörfern und an Raststätten gut und preisgünstig essen. Sehenswert in Parinacota ist natürlich die Kirche, mehr gibt es eigentlich nicht. Ihr Name: De la Inglesia de la Virgen de la Natividad de Parinacota. Erbaut wurde sie ebenfalls im 17. Jahrhundert. Abends ging es dann wieder an die Küste zurück nach Arica, ins gleich Hotel wie vor zwei Tagen. Zum Aufwärmen.

Hier findet sich die Bildergalerie Arica, Fahrt in den Lauca-Nationalpark und der Park selber.

Fahrt Richtung San Pedro de Atacama

Iquique, unser nächstes Etappenziel erreichten wir dann am kommenden Abend. Bis dorthin waren es jedoch um die 480 km Fahrweg, meisten durch eine trostlose, ausgedörrte und pflanzenlose Gegend. Einzige Ausnahme waren einige Täler, durch die ein Trockenfluss oder ein schmaler Rinnsal floss, der aus den Anden gespeist wird. Auf dem Weg finden sich einige beeindruckende Geoglyphen Chiles, und moderne Monumente.

Knapp eine Viertel Stunde fahrt nach Arica stehen einige große Figuren mitten in der Wüste. Unter anderem sollen sie einen Mann und eine Frau darstellen, eine Sonnenuhr, ein Kamel und einen Landeplatz für Ufos. Errichtet wurden diese Figuren von Ufo-Anhängern, die glauben, dass die Geoglyphen von Aliens errichtet wurden und warten auf deren Wiederkommen. Um die 40 Gläubige finden sich hier immer wieder zu Feiern ein, etwa zur Jahreswende oder dem einen oder anderen Weltuntergang.

Zurück zur Realität: Nach einer Kontrolle durch die Polizei und Zoll etwa 160 km südlich in Cuya, Arica ist Zollsonderzone, zudem versucht man Illegale heraus zu fischen, erreichten wir die ersten Scharrfiguren auf dem Weg, die Geoglyphen von Chica, Hier findet sich die einzige eckige Darstellung, etwa aus der Zeit um 1000 bis 1400 n Chr. Erstellt wurden sie von der Tiawanuko-Kultur. Etwa eine Stunde später erreichten wir die Geoglyphen von Tliviche, eine ganze Gruppen von Tieren. Und nach der Mittagspause dann den „Gigante de Atacama“, mit 86 Metern das größte Scharrbild, es soll einen König oder einen Gott darstellen, der eine Krone trägt. Der Anblick ist sehr eindrucksvoll und auf jeden Fall den Umweg von 20 km wert. Letztere besteht laut der örtlichen Reiseleiterin nur aus Steinen, es handelt sich also nicht um ein Scharrbild.

Hauptziel des Tages war die verlassene Salpeterstadt Humberstone. Sie ist seit 2005 im Weltkulturerbe der Unesco aufgelistet. Zu Hochzeiten beherbergte Humberstone ungefähr 3.500 Arbeiter, die in der salitrera, der Schwefelmiene, nach Nitraten gruben. Grundstoff für Schießpulver, Sprengstoff und insbesondere für Düngemittel. Die im Jahr 1862 in Betrieb genommenen – damals noch zu Peru gehörend – und 1930 komplett umgebauten „Officina Humberstone“ war am Ende der 50er-Jahre am Ende. Schuld daran mit Verzögerung, ein Deutschen. Ihnen gelang die Erfindung des Stoffes auf künstliche Weise in Form der Ammoniak-Synthese, und das viel billiger. Das Gelände verfiel, wurde geplündert, erst 2002 fingen ehemalige Beschäftigte an, das Areal zu sichern. Heute versucht man das gesamte Areal zu konservieren: das Theater in dem Künstler aus aller Welt auftraten, der Kramladen, das Schwimmbad mit einem Becken aus Eisen, die Kirche, das Hotel, Schulgebäude, Krankenhaus, Verwaltungsgebäude und natürlich die Fabrikanlagen. Letztere sind ziemlich marode. Und ein geheimnisvoller Raum, für lang Zeit. Hier in der casa de los secretos arbeiteten die Chemiker. Die Unterkünfte sind nur noch teilweise erhalten, liegen links und rechts der staubigen Hauptstraße. Alle mit Vorgarten und Hinterhof, in manchen steht noch eine rostige Badewanne. In anderen hat man dagegen kleine Sammlungen ausgestellt, zu den unterschiedlichsten Themen der damaligen Zeit. Die gegenüber liegende „Officina Laura“ war von 1872 bis 1960 in Betrieb und zeigt heute hauptsächlich die mächtigen Industrie- und Prozessanlagen. Die jedoch besichtigten wir nicht mehr, nachdem wir einige Stunden durch Humberstone schlenderten und es schon dunkel wurde. Außerdem schließt das Gelände um sechs Uhr. Früher gab es um die 300 Salpeterstädte, heute noch zwei, die in Betrieb sind. Was heute das Kupfer für Chile bedeutet, war früher der Salpeter.

Hier findet sich die umfangreiche Bildergalerie zu Humberstone, Iquique und San Pedro

Gegen Abends dann erreichten wir das rund 50 km westlich gelegene Iquique. Wie es heißt, eine der schönsten Städte im Norden Chiles. Gut, dass was wir in der Dunkelheit vom Strand von oben herab sahen, erinnerte eher an Beton, Hochhäuser, architektonischem Wildwuchs. Wie an vielen einst schönen Orten der Welt. Wir besichtigten, da es schon spät war und die Stadt sowieso nur als Durchgangsstation geplant war, nur die zentrale Fußgängerzone zum Plaza Prat mit dem englischen Uhrentürmchen und dem prächtigen Theater sowie des im maurischen Stil erbauten Centro Español,. Hier herrscht noch kein Wildwuchs. Anschließend ging es durch den dichten Verkehr ins Hotel. Das dauerte um die 45 Minuten für wenige Kilometer. Ich jedenfalls bevorzuge die menschenleeren Wüstengegenden. So ging es am kommenden Tag schnurstracks in die Atacama-Wüste: Iquique ist heute ein von palmengesäumten Alleen durchzogener Badeort. Wobei, Ort ist etwas untertrieben, immerhin dürften um die 170.000 Menschen hier leben. Eine zunehmende Rolle spielt inzwischen der Tourismus, besonders Badegäste oder Besucher der Salpeterstädte. Wobei der Ort im Wesentlichen von den Kupferminen in der Wüste lebt. Das Klima hier ist übrigens im Winter sehr angenehm, im Sommer heiß. Regen ist ebenfalls selten. Zwischen zwei Regenschauern vergangen schon mal 14 Jahre.

Auf ins Herzen der Atacama-Wüste, von Iquique aus geht es noch einmal 680 km teils entlang der diesigen und zerklüfteten Küste sowie quer durch eine trostlose und ausgetrocknete Gegend. Einen Stopp legten wir in der Hafenstadt Tocopilla ein. Von dort aus ging es ins Landesinnere. Der Name Tocopilla bedeutet auf Aymara „Große Schlucht“. Die 1843 gegründete Stadt gehörte bis 1879 zu Bolivien. Der Hafen dient wie schon lange Zeit zum Export von Kupfer und Salpeter. Nach dem kurzen Stopp in Form eines Mittagessens, eine Suppe – gut dass wir vorher nicht in die Küche schauten – ging es weiter durch die Wüste von Calma nach San Pedro de Atacama, das wir gegen Abend erreichten. Ein ereignisloser Tag, den wir überwiegend im Fahrzeug verbrachten. Doch eines blieb in Erinnerung: Wir sind an zwei Golfplätzen (18 Loch) nahe zweier Städte vorbeigekommen. Ein seltsamer Anblick mitten in der Wüste, nur aus Sand bestehend, mit weißen Steinen und Kalk abgegrenzt und sauber angelegt. Da es kein Gras gibt, nimmt der Spieler ein kleines Stückchen Kunststoffgras mit und schlägt immer auf diesem ab. Natürlich von den kleinen weißen Plastikhaltern, wie auch immer diese heißen.

Auf dem Weg liegt übrigens auch die größte Kupfertagebaumine der Welt. Leider blieb keine Zeit für eine Besichtigung, die möglich ist. Nur so viel: Chuquicamata wurde im Jahre 1911 in Betrieb genommen, heute werden jährlich bis zu 600.000 t Kupfer produziert. Das dafür notwendige Gestein wird in den 4,7 x 3 km umfassenden und 750 Meter tief reichenden Terrassen abgebaut. Chuquicamata selbst ist inzwischen eine Geisterstadt, durch die Umweltbelastung der Mine und Kupferfunden direkt unter der Stadt. 2004 siedelte man die Bewohner in das etwa 15 km entfernte Calama um. Das Wort Chuquicamata kommt aus dem Aymara, die Bedeutung ist aber nicht bekannt. Rund 20.000 Arbeiter sind in der Mine beschäftigt, die als die größte von Menschen erschaffene Grube gilt. Und neben der chinesischen Mauer anscheinend vom Mond aus zu sehen ist.

In der Atacama

Abends reichte es noch zu einem ersten Bummel durch San Pedro, und zum Kauf eines Schales und diverser wärmere Sachen. Auch wenn wir einiges dabei hatten. Die Tage zuvor hatte es hier noch – sehr ungewöhnlich – ein größeres Unwetter mit viel Regen gegeben. Deswegen waren auch Straßen gesperrt. In wie weit unsere geplanten Touren davon betroffen sein würden, war zu diesem Zeitpunkt noch unklar. Jedenfalls kühlte es durch diese Regenfälle weiter ab, auch fiel Schnee auf den Bergen. Und in diesen Höhen waren wir in den nächsten Tagen unterwegs. San Pedro selbst liegt auf 2440 m NN.
Nach San Pedro de Atacama kommen alle: Archäologen, Hippies, Wüsten- und Extremsportfans, Touristen und viele mehr. Dementsprechend hat der Tourismus die Stadt in der Hand und auch geprägt, auch außerhalb der Saison. Auch wir verbringen hier die nächsten vier Nächte um die Umgebung zu erkunden. Die Stadt selbst hat etwa 5000 Einwohner und bietet eine der ältesten chilenischen Kirchen mit einem Dach aus Kaktusstämmen sowie das sehenswerte archäologisches Museum R. P. Gustavo le Paige mit zahlreichen Funden aus der Atacama-Wüste wie Keramiken, Textilien und Schmuck der indigenen Bevölkerung. In der Stadt finden sich zahlreiche kleinere Geschäfte mit Kunsthandwerk, Outdoor-Equipment, Fahrradverleih, Exkursionen, natürlich Restaurants, Kaffees und vieles mehr. Vor allen an der „Hauptstraße“ und rund um den Plaza de Amor. Verkauft werden auch zahlreiche Souvenirs aus Kaktusholz, davon sollte man aber die Finger lassen. Denn es ist geschützt, die Ausfuhr aus Chile wie die Einfuhr in Europa verboten. Besuchen sollte man auch die weiße Pfarrkirche Iglesia San Pedro. Eine Stadt mit Flair, trotz der Ausprägungen der Besucherströme, in der man es ohne weiteres aushalten kann. Die eigentlichen Ziele finden sich aber in der Atacama um die Stadt herum: Der Salzsee Salar de Atacama mit zahlreichen Flamingos, Thermalquellen (für die wir leider keine Zeit hatten), die höchste gelegenen Geysire von El Tatio, das Mondtal Valle de la Luna, sehenswerte Lagunen und zahlreiche archäologische Fundstätten und Ruinen. Über allem thront der Licanpur, der heiliger Berg der Atacameños, 4914 m hoch. Es handelt sich um einen erloschenen Vulkan. Und die Landschaft, kaum zu beschreiben, einfach fantastisch.

Die Atacama selbst gilt als die trockenste Wüste der Welt. Sie grenzt im Westen an den Pazifik, im Norden an Peru und im Osten an Bolivien und Argentinien. Ihr Alter liegt bei 15 Millionen Jahren. Hier fällt im Jahresmittel nur ein Fünfzigstel des Regens, heißt es, im Vergleich zum Death Valley in den USA. Hier misst man durchschnittlich um die 40 mm Niederschlag. Zum Vergleich, in der Sahara sind es 46 mm, in Deutschland etwa 800 mm. Wobei es in der Atacama auch Jahre gibt, in denen schon mal 80 mm Niederschlag gemessen wurden. Derartige „Extreme“ erfolgen meist in Abständen von sechs bis zehn Jahren, es handelt sich um eine Auswirkung des Klimaphänomens El Niño. In anderen Jahren fällt dafür gar kein Regen. Es gibt sogar Regionen, die in den letzten Jahrhunderten nicht einen Tropfen Niederschlag abbekommen haben. Der Grund für die Trockenheit: Die Wüste liegt im Regenschatten der Anden, die Ostwinde sind trocken und bringen keine Niederschläge. Und an der Küste im Westen verhindert eine kalte Meeresströmung, der Humboldstrom, die Entwicklung von Regenwolken. Das kalte Meerwasser sorgt zugleich dafür, dass die Atacama eine eher kühle Wüste ist. Dennoch herrschen große Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. So schwanken sie schon mal zwischen + 30 °C Tags und – 15 °C des Nachts. Trotzdem finden sich hier auch Tiere und viele Pflanzen. Wichtig für uns: es gibt eine Reihe von mit offenen Kaminen und Feuern beheizter Restaurants. Ein Muss in diesen Tagen.

Zurück zur Atacama: Besonders beeindruckend ist die Wüste durch ihre bizarre Schönheit und zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Übrigens sind etwa ein Drittel der in der Atacama-Wüste lebenden Menschen indianischer Abstammung, über ganz Chile betrachtet nur rund fünf Prozent.

Wir besuchten am kommenden Tag schon früh am Morgen zuerst den Salzsee mit seinen Flamingos. Generell heißt es immer früh auf Achse zu sein, will man die Naturschönheiten besichtigen und die Wüste erleben. Denn schon gegen 18 Uhr wird es dunkel. Die Oberfläche des Salzsees ist für uns überraschend sehr zerklüftet, im Gegensatz zu denen, die wir schon zu Gesicht bekamen. Die waren immer glatt. Dafür sorgt Regen, und der fehlt hier. Absolut sehenswert, die Salzfläche, unterbrochen von kleineren Teichen an Stellen, an denen der Fluss San Pedro (aus den Anden gespeist) kurz an die Oberfläche tritt. Und bemerkenswert der Geruch, alles riecht nach Schwefel. Das Salz enthält übrigens unter anderem Lithium, ein in heutiger Zeit sehr wertvoller Rohstoff. An anderen Stellen wird die Salzschicht, die hier rund 1500 m dick ist, auch abgebaut. Doch hier ist alles geschützt, ein Naturreservat. Hoffentlich bleibt es auch dabei.

In den offenen Wasserstellen stolzieren einige Dutzend Flamingos durch das knöcheltiefe Wasser. Hier finden sich drei Arten: der Andean Flamingo, der chilenische und der James-Flamingo. Nach etwa zwei Stunden fuhren wir dann weiter zu zwei hoch gelegenen Lagunen. Von San Pedro etwa 100 km (ja, die Entfernungen sind groß), durch eine faszinierende Landschaft auf holprigen Straßen erreichten wir die Hochlandlagunen Miscanti und Miñiques. Fast verschlägt es einem die Sprache. Zwei Seen mit strahlend blauem Wasser, umrahmt von weißem Salz und rötlich gefärbten Vulkanen, ein strahlend blauer Himmel, eine Symphonie aus Landschaft und Farbe. Dazu eine Stille… Leider konnten wir nicht ganz zu den Lagunen gehen, es hatte erst geschneit und die Atacameños, die hier das Sagen haben, hielten es für besser den Weg zu sperren. Gründe dafür brauchen sie eigentlich keine. Doch die Aussicht entschädigte mehr als genug.

Zu Mittag aßen wir auf dem Rückweg eine Suppe in Dorf Socaire. Generell, die Suppen waren immer zu empfehlen, schmeckten sehr gut und wärmten auf. Denn bei den Lagunen war es gerade mal um die 8 °C kalt, durch den starken kalten Wind lag die gefühlte Temperatur jedoch deutlich unter Null Grad. Socaire selber zeichnet sich durch eine eigentümliche Architektur aus grauen, grob behauenen Steinen aus. Die wenigen Bewohner ernähren sich wie zu alten Zeiten vom Terrassenfeldbau. Angebaut werden hauptsächlich Mais, Weizen, Bohnen, Knoblauch und Kartoffeln. Beeindruckend sind nicht nur die zwei Kirchen, auch der Blick hinunter zum Salzsee und hinauf zu den Bergen beeindruckt.
Einen weiteren Stopp machten wir in Toconao. Hier besichtigten wir den zentralen Platz mit der Kirche, dem Plaza de Amor und einige Handwerksläden. In einem zeigten die Atacameños uns, welche Produkte sie hier aus welchen Materialien herstellen. Mehr gibt es eigentlich auch nicht zu berichten.

Schon bei der Anfahrt zu den Geysiren sind im Halbdunkel die Wasserdampfsäuen zu sehen. Aber erst das Licht der aufgehenden Sonne lässt die zischenden Fontänen der Geysire in vielen Farben leuchten, bildet einen starken Kontrast zu den aufsteigenden Dampfsäulen und den umliegenden Gipfeln. Absolut einer der Höhepunkte auf der gesamten Reise. Eine mystische, beeindruckende Stimmung, man ist den Naturgewalten der Erde sehr nahe, Absperrungen gibt es nicht, jeder ist für sich selbst verantwortlich. Das ermöglicht Eindrücke und Aufnahmen, wie sie sonst wohl kau nirgendwo möglich sind. Einfach wunderbar, man gerät schnell ins Schwärme.

El Tatio, der rauchende Vater so sein Beiname, ist übrigens das größte Geysir-Feld in der südlichen Hemisphäre und das drittgrößte der Welt. Gezählt habe ich sie nicht, aber es sollen etwa 40 Geysire, 60 heiße Quellen und mehr als 70 Fumarole auf den rund drei Quadratkilometern zu finden sein. Nur die Geysir-Felder im Yellowstone Nationalpark in den USA sowie die von Dolina Geiserow auf der russischen Halbinsel Kamtschatka sind noch größer. Hier oben kocht das Wasser übrigens bereits bei rund 85 °C, bedingt durch den niedrigen Luftdruck in dieser Höhe von über 4300 m. Reicht dennoch für hartgekochte Eier, denn Frühstück gab es erst hier oben.

Kaum ist die Sonne aufgegangen, ist es auch schon relativ schnell vorbei mit den riesigen Dampfsäulen. Bei Kälte steigen die Dampfwolken deutlich höher. Physik halt. Eben herrschten noch Temperaturen um die 8 Grad Minus, und schon steigen die Temperaturen spürbar an. Nach und nach fallen einzelnen Kleiderschichten. Gemächlichkeit ist zudem angesagt. Denn die Höhe mit dem geringen Sauerstoffgehalt macht sich schnell bemerkbar. Hektische und schnelle Bewegungen passen nicht dazu. Viel trinken, früh zu Bett gehen und möglichst wenig Alkohol sind auch nicht verkehrt. Gut ist auch, viel durch die Nase einzuatmen. Wir überstanden die Höhe bisher ohne Probleme, haben auch schon Erfahrung , in Peru waren wir einmal über 4900 m hoch (mit dem Auto) auf dem Weg zum Colca-Canyon zu den Andenkondoren und in Ekuador überschritten wir sogar die 5000 m-Marke (beim Trekking). Was aber nicht viel heißt. Die Höhenkrankheit kann jeden jederzeit erwischen, egal ob alt oder jung, sportlich oder nicht, Raucher oder Nichtraucher. Besonders wichtig ist, sich langsam zu akklimatisieren und wenn möglich nicht zu viele Höhenmeter in zu kurzer Zeit zurückzulegen.

Etwas robustere Naturen können hier oben übrigens auch ein Bad in einem künstlich angelegten Bassin vornehmen. Ich gehörte dazu. Das Wasser selbst ist über 30 °C warm. Gut, an der Oberfläche deutlich heißer, kommt man der Quelle näher sogar bis an und über die Schmerzgrenze hinweg, weiter tiefer dafür wesentlich kälter, aber im Mittel stimmte es. Nun ja. Zudem sollte man sich beim Umkleiden sputen, der Temperaturunterschied zur Außenluft ist doch beträchtlich. Dafür gibt es sogar einige Umkleidekabinen.

Hier findet sich eine umfassende Bildergalerie zu der Atacama-Wüste.

Hat sich die Sonne über die Berge geschoben, zeigen die Geysire dann ein anderes Gesicht. Das einer Mondlandschaft. Gegen zehn Uhr sind nur noch einzelne Dampfsäulen zu sehen, dennoch sprudelt und zischt es überall, auch das ist einfach faszinierend. Der Abschied fiel schwer, doch es musste sein. Sicher einer der Höhepunkte dieser Tour. Wiederhole ich mich da gerade?

Zurück Richtung San Pedro beobachteten wir noch einige Vikunjas, Blesshühner, Andengänse und Enten in einer gefrorenen Landschaft. In San Pedro selbst war dann Relaxen, Kaffee, Bummeln und dergleichen angesagt, bis es Abends um acht wieder los ging. Gehen sollte. Denn unsere geplante Tour zum Space Obbs, einer astronomischen Beobachtungsplattform, wurde kurzfristig abgesagt. Zwar war der Himmel klar, aber der Wind zu stark. Nächster Versuch Morgen Abend.

Nur drei Kilometer von Sand Pedro entfernt findet sich eine historische Stätte der Atacameños: Pukará de Quitor. Errichtet wurde die Stätte vermutlich im 12. Jahrhundert von den Atacameños und später, Mitte des 15. Jahrhunderts von den Inkas weiter befestigt. Die Festung wie 16 weitere auf dem Gebiet der Atacama diente zur Sicherung der Handelswege der Inkas. Deswegen wurde sie auch in massiver Steinbauweise errichtet anstelle der üblicherweise zum Bau verwendeten weicheren Adobe-Lehmziegel. Doch auch das half nichts, als Francisco de Aguirre, ein spanischer Konquistador, 1540 mit 30 Reitern, ausgerüstet mit Helmen, Brustpanzern und Feuerwaffen, sowie einem kleinen Heer bewaffneter Söldner die Festung einnahm. Und alle 25 Führer der einzelnen Atacameños-Stämme köpfen ließ. Das ist bis heute nicht vergessen.
Von der Festung aus hat man übrigens einen herrlichen Blick auf die Stadt und die Berge der Anden mit ihren Vulkanen. Zu Urzeiten war dieses Tal einmal ein See, was man heute noch an den horizontalen Sedimentschichten der Felswände gut erkennen kann. Wind, und vor Jahrmillionen Jahren auch Regen haben hier aus Salz, Gips und Lehm die erstaunlichsten Formen und Figuren entstehen lassen.

Wieder entdeckt hat man die Ruinen erst 1981, seit 1992 sind sie für die Öffentlichkeit zugänglich. Nur verfallen sie in letzter Zeit wieder, größere Teile sind für Besucher gesperrt.
Unser nächstes Ziel, südlich der Stadt gelegen, war die archäologische Stätte Aldea de Tulor. Sie wird laut der Reiseleiterin auf eine Zeit von 1500 v. Christus datiert, anderen Angaben zufolge auf etwa 300 v. Chr. Neben den Ruinen baute man zwei der Behausungen originalgetreu wieder auf, aber auch diese Stätte verfällt zunehmend, da die Atacameños Fremde nicht mehr weiter forschen lassen. Deswegen erfolgten seit den 60er-Jahren des letzten Jahrhunderts keine weiteren Ausgrabungen oder Restaurationen mehr. Aber Eintritt kassieren sie dennoch.
Uns erwischte an diesem Ort jedoch ein heftiger Sandsturm, somit war der vorgesehene Besuch des Valle de Luna, des Mondtales, Am Nachmittag und Abend ad acta gelegt. In der Hoffnung es Morgen früh zu schaffen, vor unserem Weiterflug. Dafür besuchten wir eine atacameñische Familie“, bestehend aus Magda, einer Italienerin mit kroatischen Wurzeln, ihren Ehemann Siares, einem Atacameño und den drei Kindern. Sie experimentieren mit verschiedenen Früchten, Gemüsen und Salaten. Die Atacameños bauen traditionell eigentlich nur Mais, Mangold, Knoblauch, kleine Birnen und manches Mal Tomaten an. Hier gedeihen aber auch Salate, Radieschen, Zwiebeln, Kürbisse, neuerdings versucht man auch den Anbau von Oliven. Ergebnis noch offen.

Anschließend konnten wir ein typisches chilenisches Mahl genießen, das Restaurant öffnete extra für uns fünf. Eine Vorspeise auf Basis von Mais, ein Tomatensalat und einer mit Avocado, gekochtes Rindfleisch mit einer Getreidebeilage und zwei Nachspeisen, eine auf Basis von Pisco Sour. Alles wunderbar und schmackhaft, nur viel zu viel. Und wer mal etwas Besonderes probieren will, ungewöhnlich für unseren Geschmack, der probiere einen Aperitif aus Rica Rica, einer hier wachsenden Pflanze. Man könnte den alkoholischen Trunk auch problemlos als Medizin durchgehen lassen. Wir jedenfalls besorgten uns am kommenden Tag bei dem Wirt einige kleinere Flaschen davon, für unsere Gäste zuhause. Übrigens bietet der Wirt 40 verschiedene regionale Biersorten an, ich blieb dennoch beim Vino de la Casa, dem Hauswein.
Zwischendurch immer mal wieder ein kurzer Regenschauer, kaum spürbar, und, selbst für unsere Reiseleiterin, die seit 13 Jahren hier lebt, völlig ungewöhnlich und erstmals erlebt, mehrere kurze Hagelschauer. Mitten in der Wüste. In einer der trockensten Gegenden der Welt. Und das kurz nach dem Abflauen des Sandsturmes. Ein verrücktes Wetter. Dem fiel am Abend natürlich auch der verschobene Besuch des Space Obs statt. Einige Infos für die, die es schaffen sollten: In der Höhe ist die Luft besonders klar und in der Wüste sind größere Ansiedlungen weit weg, die Sicht auf die Sterne ist wie kaum irgendwo auf der Welt möglich. Dementsprechend finden sich hier die wichtigsten Sternwarten der Erde. Für Besucher geöffnet ist das Beobachtungszentrum Space Obs bei San Pedro de Atacama. Es befindet sich in unmittelbarer Nähe des südlichen Wendekreises.

Valle de Luna

Womit wir beim Valle de la Luna wären, dem Tal des Mondes. Denn am kommenden Morgen war das Wetter besser, nahezu windstill. Doch zunächst stand eine kurze Fahrt durch das Tal des Todes an, eine faszinierende Lehmschlucht. Wobei der Name mit der Realität nichts zu tun hat, er entstand durch ein Missverständnis. Pater Gustavo wollte die Gegend als Marstal bezeichnen, denn sein persönlicher Eindruck war, als befände er sich auf dem Mars. Zu spanisch also Valle de Marte. Doch er sprach das Wort falsch aus, und so wurde daraus Valle de Muerto, Tal des Todes.

Als erstes genossen wir vom Aussichtspunkt Piedra del Coyote, dem Kojotenstein, den überwältigenden Blick in die Karischlucht und auf weite Teile der Wüste, bis hin zum Salar de Atacama. Dann ging es zum rund 17 km von der Stadt entfernten Valle de Luna. Wie der Name schon sagt verleihen Salz- und Felsformationen inmitten vegetationsloser Sandlandschaft sowie der Licancabur-Vulkan im Hintergrund dem Tal das Aussehen einer Mondlandschaft. Einfach eine faszinierende Landschaft und auch leicht zu erfahren, im wahrsten Sinne des Wortes. Sicher landschaftlich ein weitere Höhepunkt, und außerhalb der Saison und Morgens ist man fast allein..

Zu den bekannteren Sehenswürdigkeiten im Tal zählt die Salzformation Las Tres Marías (Die drei Marien). Auch diese besuchten wir zum Abschluss der heutigen Tour. Idealer Weise besucht man diese Gegend am späten Nachmittag bis hin zum Sonnenuntergang. Dies war uns Wetterbedingt jedoch nicht vergönnt. Am Abend entlockt das schwächer werdende Licht der Wüstenerde der Landschaft die schönsten Farbnuancen – von Gold über Purpur bis Ockerbraun. Dann spielt es mit den tausenderlei Erdkrusten, Vertiefungen, Nischen und Zacken, aus denen das Tal besteht. Ein Naturschauspiel, prädestiniert für Fotografen und Filmer, oder einfach zum Genießen. Aber auch der Morgen bietet ein wunderbares Licht- und Schattenspiel. Nur sollte man rechtzeitig früh los.

Hier findet sich eine Bildergalerie zum Tal des Mondes.

Wir hatten diesmal Glück, gegen 11 Uhr begann wieder ein Sandsturm, schlimmer noch als am Vortag. Da machten wir uns aber schon auf zum Flughafen in Calama für den Flug nach Santiago und unserer zweiten Etappe der Reise. Die Themen: Das Weltkulturerbe Valparaiso und der Weinbau in Chile.

Weltkulturerbe Valparaiso

Zurück in Santiago de Chile verließen wir die Stadt wieder am folgenden Morgen Richtung Küste mit Ziel Valparaiso, Chiles Tor zum Pazifik. Die 1544 gegründete traditionsreiche Stadt beherbergt den ältesten Hafen Chiles, außerdem residieren hier Kongress und Senat. Als 1989 mit dem Ende der Pinochet-Militärdiktatur die Demokratie und somit der Nationalkongress wieder hergestellt wurde, verlegte man ihn von Santiago hierher. Valparaísos Hafen zählt auch heute noch zu den wichtigsten ganz Südamerikas, im 19. Jahrhundert war er mehrere Jahrzehnte sogar der größte Hafen des gesamten Pazifikraumes. An Bedeutung verlor er durch die Eröffnung des Panama-Kanals im Jahr 1914. In der Stadt gibt es mehrere Hochschulen, Valparaíso ist auch ein bedeutendes Bildungszentrum Chiles.
 

Den Charme der Stadt mit ihren bald 300.000 Einwohnern macht für Besucher jedoch etwas anderes aus. Es sind die vielen kleinen Ecken und Winkel, die kunterbunt gestrichenen Häuser und die zahlreichen Stufen und Treppen, bedingt durch die 40 Hügel an und auf denen die Stadt liegt. „Treppen. Keine Stadt hat sie in ihrer Geschichte so verschwendet und aufgeblättert, hat sie in ihrem Angesicht so ausgestreut und vereint wie Valparaíso. Wenn wir alle Treppen Valparaísos begangen haben, sind wir um die Welt gereist“, schrieb Pablo Neruda, chilenischer Träger des Literaturnobelpreises. Sich selbst bezeichnete er gern als „Vagabund von Valparaíso“. Auf den Hügeln steht eines seiner Häuser. Das heute ein Museum ist und wir auch als erstes besuchten. Es lohnt sich. Zur Hauptsaison stehen die Besucher lange an, um einmal durch das fünfstöckige Haus mit zahlreichen Winkeln und wunderbaren Ausblicken über die Stadt zu bummeln. Wir konnten direkt hinein.

Sehenswert sind auch die alten, um 1900 konstruierten Standseilbahnen, die den Bewohnern für 100 bis 300 Pesos den Auf- und Abstieg erleichtern. Auch heute noch verrichten zahlreiche tagaus, tagein ihren Dienst. Auch wir nutzten sie, fuhren zu einem Aussichtspunkt der einen guten Blick über die Stadt ermöglicht, zeigt, wie sich die kunterbunt gestrichenen Häuser auf den vielen Hügeln drängen. Besichtigen sollte man natürlich auch die Regierungsgebäude und die Plaza Sotomayor mit dem Heldendenkmal. Eine Stadt mit Flair, die zu besuchen lohnt, Hier könnte man auch einige Tage verbringen. Unser Guide führte uns zudem zu einer kleinen Galerie, die Bilder regionaler Künstler anbietet. Ein Volltreffer, keine Verkaufsshow. Er hatte nichts davon, aber die Galerie machte mit uns fünf vermutlich das Geschäft des Monats. Wir jedenfalls verbrachten insgesamt rund 1 ½ Stunden in dem kleinen Laden und strichen sehr schnell unseren anschließend geplanten kurzen Ausflug in die direkt bei Valparaiso liegende Stadt Vinja del Mar, der moderne Gegenentwurf zu Valparaiso. Das aber kann man überall auf der Welt sehen. Ein wunderbarer, eigentlich zu kurzer Tag bevor es wieder nach Santiago in unser Hotel zurück ging.

 Hier geht es zu einer ausführlichen Bildergalerie über Valparaiso

Weinkultur in Chile

Der Weinanbau hat in Chile eine lange Tradition. Schon die Spanier brachten Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten Rebstöcke in das Land. Laut einer Überlieferung soll der Freibeuter Sir Francis Drake im Jahre 1578 auf seiner Weltumsegelung ein Schiff gekapert haben, das Weinschläuche von Chile nach Peru bringen sollte – ein Hinweis, dass schon zu dieser Zeit Wein aus Chile exportiert wurde. Der moderne Weinbau nahm dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Anfang, damals wanderten französische Winzer ein und brachten ihre Sorten wie zum Beispiel Cabernet Sauvignon mit. Chile ist das einzige Land, das von der Reblaus verschont wurde. Der falsche Mehltau tritt ebenfalls nicht auf, deswegen kann auf die Veredlung der Rebsetzlinge verzichtet werden.

Das älteste Weingut in der Region Colchagua, eines (wie es heißt) der besten Weinanbaugebiete Chiles, ist Casa Silva, Grund genug für einen Besuch. Es soll mit seinen eindrucksvollen historischen Weinkellern zu den schönsten Weingütern Chiles zählen. Das kann man nur bestätigen. In den Kellern lagern rund 3000 französische Fässer mit Rotwein, hinzu kommen noch moderne Edelstahltanks und vieles mehr. Auch der Wein kann sich schmecken lassen. Meine Favoriten: Camenere Los Lingues 2012 und besonders Quinta No. 5. Es handelt sich um kräftige, dunkle Weine und beide sind auch in Deutschland zu bekommen (Weinhaus Stratmann, Zewen; R. Münchow, Singen, Bührmann Weine, Moers). Das Weingut selbst geht zurück auf Emilie Bouchon, einer Pionierin, die 1892 aus dem französischen Weinanbaugebiet Bordeaux nach Chile kam. Noch heute ist das Weingut ganz in den Händen ihrer Nachkommen, der Familie Silva.

Der Weinanbau hat in Chile eine lange Tradition. Schon die Spanier brachten Mitte des 16. Jahrhunderts die ersten Rebstöcke in das Land. Laut einer Überlieferung soll der Freibeuter Sir Francis Drake im Jahre 1578 auf seiner Weltumsegelung ein Schiff gekapert haben, das Weinschläuche von Chile nach Peru bringen sollte – ein Hinweis, dass schon zu dieser Zeit Wein aus Chile exportiert wurde. Der moderne Weinbau nahm dann um die Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Anfang, damals wanderten französische Winzer ein und brachten ihre Sorten wie zum Beispiel Cabernet Sauvignon mit. Chile ist das einzige Land, das von der Reblaus verschont wurde. Der falsche Mehltau tritt ebenfalls nicht auf, deswegen kann auf die Veredlung der Rebsetzlinge verzichtet werden.
Das älteste Weingut in der Region Colchagua, eines (wie es heißt) der besten Weinanbaugebiete Chiles, ist Casa Silva, Grund genug für einen Besuch. Es soll mit seinen eindrucksvollen historischen Weinkellern zu den schönsten Weingütern Chiles zählen. Das kann man nur bestätigen. In den Kellern lagern rund 3000 französische Fässer mit Rotwein, hinzu kommen noch moderne Edelstahltanks und vieles mehr. Auch der Wein kann sich schmecken lassen. Meine Favoriten: Camenere Los Lingues 2012 und besonders Quinta No. 5. Es handelt sich um kräftige, dunkle Weine und beide sind auch in Deutschland zu bekommen (Weinhaus Stratmann, Zewen; R. Münchow, Singen, Bührmann Weine, Moers). Das Weingut selbst geht zurück auf Emilie Bouchon, einer Pionierin, die 1892 aus dem französischen Weinanbaugebiet Bordeaux nach Chile kam. Noch heute ist das Weingut ganz in den Händen ihrer Nachkommen, der Familie Silva.

Gott sei Dank musste nach der Weinprobe niemand mehr zu unserer nächsten Station selber fahren, einem vorzüglichen Restaurant. Ein absoluter Tipp: Eine von der Besitzerin, einer Architektin, in ein Restaurant umgewandelte Bäckerei. Das Restaurant Panpan Vinovino, an der Straße zwischen Nancagua und Santa Cruz, der Hauptstadt der Region gelegen (etwa zehn Minuten vor Santa Cruz). Eine traumhafte Innenausstattung mit sehr viel Liebe zum Detail. Mithalten konnte auch das Essen. Als Vorspeise Käsevariationen und mit Fleisch gefüllte Empanadas. Als Hauptspeise Schweinebraten mit Kartoffelpüree, alternativ Pute mit Reis oder vegetarisch. Und als Nachspeise Feigen mit Vanilleeis oder ein leckere Torte. Dazu ein Glas Weißwein oder Rotwein, je nach Gusto. Alles vorzüglich zubereitet und sehr schmackhaft. Nach gut zwei Stunden ging es weiter nach Santa Cruz in unser Hotel und anschließend ins direkt daneben gelegene Museo tematicos de la Fundacion Cardon. Es gehört dem Hotelbesitzer, heute ist es eine Stiftung. Ein absolutes Muss, die größte und schönste Privatsammlungen, die ich jemals zu Gesicht bekam. Zugleich auch die bedeutendste private Sammlung ganz Lateinamerikas. Es zeigt u. a. in sorgfältig ausgestatteten Sälen von der Urzeit beginnend die Geschichte Chiles. Zudem sind enorme Mengen an sagenhaften Schätzen aus den Anden zu sehen, etwa der Maya oder Inkas. Auch ein Kutschenpark gehört dazu, Waffensammlungen, die Geschichte der Konquistadoren, kirchliche Reliquien, ganze mit Gold beschlagene Altäre, uralte Lokomotiven und vieles mehr. Wir hatten leider nur 1 ½ h Zeit bevor das Museum um 18 Uhr schloss, man sollte sich eigentlich einen halben Tag Zeit nehmen, das ist es wert. Bei vielen Artefakten würden sich große westliche Museen die Finger danach schlecken.

Hier findet sich die Bildergalerie über das Colchagua-Tal

Unser zweites Ziel in Sachen Wein war am kommenden Tag das Weingut Montes. Es wurde nach dem Feng Shui Prinzip gebaut und eingerichtet. Jedes Element – Wasser, Metall, Holz etc. – hat nach dieser alten chinesischen Weisheit seinen ganz speziellen Platz, um Harmonie und Wohlbefinden zu erreichen. Das Weingut selbst gilt als Musterbeispiel für den chilenischen Weinbau. Der Name Montes ist eine Hommage an den Onologen Aurelio Montes, einer der vier Mitbegründer des Weingutes. Im Inneren des Weinkellers konnten wir ein ausgeklügeltes Gravitationssystem zur Bewegung der Weine kennenlernen. Er hat wesentlich zum Erfolg der Weine u. a. aus dem Colchagua-Tal beigetragen, die heute zu Chiles absoluter Spitze gehören. Die Weine werden aus Rebsorten erzeugt, die man im 19. Jahrhundert aus Frankreich eingeführt hatte. Nach der Tour durch das Gut einer weiterer Höhepunkt der Reise: Es ging in den Keller des Gutes, in eine, wie will man es beschreiben, in eine Kathedrale des Weins. Ein halbkreisförmiger Saal mit einer Empore. Dämmerlicht. Gregorianische Musik. Statt Gästen liegen hier im Halbrund etwa 1000 der insgesamt vorhandenen 3000 Eichenfässer. Auf der Empore wird verkostet. Einfach faszinierend.

Zum Wein. Wir probierten vier Sorten, die alle wirklich topp sind. Einen Sauvignon Blanc, einen Chardonay, bei den Roten folgten ein Pino Noir – ja auch den gibt es in Chile und er kann mit den französischen Pinos und deutschen Spätburgundern mithalten – sowie ein Cuvee auf Basis eines Camenere. Meine Favoriten: bei den Weißen der Chardonay, bei den Roten der Cuvee, ein CGM Alpha. Beide sind ebenfalls in Deutschland problemlos zu bekommen (einfach im Internet Google benutzen) und füllten nach der Reise auch den Weinkeller auf. Die Roten haben übrigens alle einen Alkoholgehalt von 14 bis 14,5 %, also keine leichten Weine.

Bei Montes füllt man übrigens pro Jahr rund 800.000 Flaschen ab, wenig für Chiles Weingüter. Mengenbegrenzungen wie in Europa gibt es nicht, einzelne Weingüter produzieren 300 Millionen Liter pro Jahr.

Rund zehn Fahrminuten entfernt befindet sich das nächste von uns besuchte Weingut, idyllisch inmitten von grünen Hügeln gelegen, das Gut Viu Manent. Im Haupthaus aus der Kolonialzeit befindet sich das Besucherzentrum La Llavería. Hier befinden sich die beiden Restaurants La Terraza und La Cava de Don Miguel, die sehr gute, lokaltypische, aber auch katalanische und französische Gerichte anbieten. Hier aßen wir nach der Weinprobe zu Mittag, und die Küche war einfach gut. Empfehlenswert. Wie fast immer in Chile – jedenfalls wo wir aßen.
Zurück zum Weingut. Hier werden pro Jahr etwa 3,5 Mio. Flaschen abgefüllt, davon gehen 85 % in den Export, rund 40 % nach Europa. Entsprechend gelten die Regeln der Europäer. Wir testeten sechs Weine. Bis auf den Sauvignon Blanc, der zu viel Säure enthielt, mundeten alle ebenfalls sehr gut, kamen aber an die von Montes nicht ganz heran. Meine Favoriten: Ein Grand Reserva Camenere von 2011 und ein Cabernet Sauvignon La Capilla, ebenfalls aus 2011.
Am Nachmittag hieß es dann Abschied zu nehmen. Wir verließen das Colchagua Tal wieder Richtung Santiago de Chile. Abends bummelten wir noch ein/zwei Stunden auf dem größten Krämermarkt Santiagos, den Persia Bio Bio. Er findet jeden Tag statt, auch Sonntags. Eigentlich ein ganzes Viertel, mit hunderten von kleinen und größeren Läden in riesigen Hallen, im Freien oder in Form einzelnen Geschäfte. Teils chaotisch, teils einigermaßen übersichtlich, alles durcheinander, Leben und Musik aller Orten. Hier gibt es nichts was es nicht gibt, Krempel, Neuware, Altes, Kunst, Möbel, Hifi-Komponenten, Computer, Kleidung, Schuhe, Essen und Trinken, Spielzeug, Werkzeug, Sanitärzubehör, viel Nippes… Man sollte an einem Samstag Morgen hingehen und sich mindesten einen halben Tag Zeit nehmen, einfach durchstöbern, sicherlich kann man auch das eine oder andere Interessante finden. Aber darum geht es nicht, einfach erleben sollte man dieses Chaos. Und alles ist natürlich billig.
Zurück im Hotel hieß es packen, eine Tasche blieb bis zur Rückkehr im Hotel, denn nun folgte der dritte Teil unsere Tour, hin zur einsamsten Insel der Welt, die Osterinsel. Dafür hieß es am kommenden Tag früh aufstehen.

Die Osterinsel

3526 km sind es von der Küste Chiles zu der Osterinsel. Weit und breit keine andere Erhebung über den Meeresspiegel hinaus. Geographisch (und auch von den Insulanern her) gehört die Insel zu Polynesien, politisch zu Chile. Das Eiland ist etwa 24 km lang und 13 km breit, umfasst eine Fläche von rund 160 km2. Die nächstgelegene bewohnte Insel, Pitcairn, liegt 2078 km westlich. Man kennt die Osterinsel vor allem durch die monumentalen Steinskulpturen, den Moai. Seit 1995 ist die Osterinsel als Nationalpark Rapa Nui Teil des Unesco-Welterbes.
Durch ihre abgelegene Lage gehört das Archipel zu den artenärmsten Inseln des Südpazifiks. So sind weniger als 30 indigene Samenpflanzen bekannt. Vögel, Wind und Strömungen konnten nur in geringem Maße Samen eintragen. Erst der Mensch brachte diverse Nutzpflanzen hierher und tierischen Schädlinge. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.
Wir jedenfalls waren erst Mal einen halben Tag lang unterwegs, um mit dem Flugzeug von Santiago de Chile zu den Osterinseln zu gelangen, Flugzeit knapp fünf Stunden, Zeitverschiebung gegenüber Santiago noch einmal zwei Stunden minus, insgesamt acht Stunden minus gegenüber Deutschland. 3500 km, das ist weiter als die Strecke von Frankfurt zu den Kanaren vor der afrikanischen Atlantikküste. Von Frankfurt aus ist es bis zu der Osterinsel rund 15700 km. Das stand uns beim Rückflug bevor. Doch jetzt ging es erst einmal westwärts. Unser Hotel auf der Osterinsel liegt direkt in Hanga Roa, dem rund 5800 Einwohner zählenden Hauptort. Es handelt sich eigentlich um eine Kleinstadt mit vielen Einfamilienhäusern, lockerer Bebauung, der Hauptstraße entlang zahlreichen Geschäften, es wirkt eher wie ein ländliches Dorf. Nach unserer Ankunft gegen 11.30 Uhr reichte es zu einem ausgiebigen Bummel in der Stadt, und vorher sogar noch für einen Kaffee und eine Kleinigkeit zum Essen am Hafen, was sich halt so nennt. Auch zu einem Spaziergang zu den ersten Steinskulpturen, den Moai, reichte die Zeit, auch hier am Strand von Hanga Roa finden sich einige stattliche Exemplare. Richtig los ging es erst am folgenden Tag. Positiv auch, nach der Kälte in Chile, immerhin ist Winter, und die Atacama ist sowieso eine eher kalte Wüste, Temperaturen von über 20 °C.

Rätsel über Rätsel, dazu Mythen und Legenden: Überall auf der Welt gibt es geheimnisvolle Orte. Die Osterinsel ist einer davon. Bekannt sind insbesondere die stummen Zeugen der kaum bekannten Vergangenheit der hier lebenden Menschen. Wer meißelte die riesigen Figuren? Was für eine Bedeutung hatten sie für die damals hier lebenden Menschen? Und wer zerstörte sie? Ja, warum gab es als James Cook die Insel besuchte, keinen einzigen Baum mehr? Zumal man heute durch archäobotanische Befunde weiß, dass die Insel einmal bewaldet war. Und warum ging die alte Kultur unter? Fragen über Fragen, denen wir versuchten nachzugehen. Einige Ursachen für das geringe Wissen über die Kultur und Geschehnisse geht übrigens auf das 19. Jahrhundert zurück, auf uns Europäer. Denn durch die Sklaverei, das Einschleppung von Krankheiten und übereifriger Missionierung wurde fast das gesamte Wissen um die alte Kultur unwiederbringlich vernichtet. Etwa 600 Insulaner überlebten, emigrierten mit der katholischen Kirche nach Tahiti, nur rund 110 blieben zurück. Auch ein Problem der Inzucht, Damals. Deswegen ist der Fremde gut geheißen, um Kinder zu zeugen. Erzogen werden sie jedoch eher vom Bruder der Mutter. Der Vater hat wenig zu sagen. So unserer Reiseführer Josef. Ein Schweizer. Der mit einer Insulanerin verheiratet ist und weiß wovon er spricht. Immerhin hat er es als einer der wenigen geschafft, akzeptiert zu werden, hat durchgehalten. Und das seit 22 Jahren.
Zurück zu den Fragen. Theorien gibt es zuhauf. Am wahrscheinlichsten ist, dass die Figuren von Polynesiern stammen, die auf der Insel zwischen dem 4. und 12. Jahrhundert lebten. Sie dürften auch für das Abholzen der Palmen verantwortlich sein. So wurden immer größere Flächen für den Anbau der Süßkartoffel benötigt um die Bevölkerung zu ernähren. Zudem wurde Holz für Feuer, für den Bau der Maoris und vielem mehr benötigt. Mehr als nachwachsen konnte. Steht man auf der Osterinsel, hat die heutige Vegetation nichts mehr mit der ursprünglichen zu tun. Die Veränderung dürfte eben auf die massiven menschlichen Eingriffe in das Ökosystem zurückgehen. Wenn es auch Spekulationen gibt, das ein gigantisches Seebeben dafür verantwortlich sein könnte. Oder Außerirdische. Die ja immer für alles nicht so einfach Erklärbare herhalten müssen. Nicht von den Insulanern. Ein Seebeben für diese Entwicklung verantwortlich zu machen, ist aber ist eher unwahrscheinlich.
Einst war die Insel dicht mit Palmwäldern der Gattung Jubaea bedeckt, einer nahen Verwandten der Honigpalme Jubaea chilensis. Zehn Millionen sollen es gewesen sein. Untersuchungen sollen ergeben haben, dass die Rodungen in einem Zeitraum von etwa 70 Jahren stattgefunden haben, etwa ab dem Jahr 1010. Eine der Theorien. Die Folge der Entwaldung kann man in vielen Regionen der Erde auch heute beobachten. Bodenerosion. Ohne den Schutz der Palmen wehte der Wind und spülte der Regen die fruchtbare Erde einfach weg, das hatte natürlich enorme Auswirkungen auf die Versorgung mit Nahrungsmitteln.
Eine andere Theorie scheint logischer. So fand 1451 ein großer Vulkanausbruch im Pazifik, der des Kuwoe statt. Er sorgte selbst im fernen Europa für eine kleine Eiszeit, Jahre der Missernten folgten. Und die Osterinsel lag viel näher am Ort des Ausbruches. Die Klimakatastrophe und eine ebenfalls erfolgte großflächige Abholzung durch oben genannte Gründe sowie der Hungersnot folgende Kriege und Unruhen dürften wohl für den rapiden Rückgang der Bevölkerungszahl ursächlich gewesen sein haben. Soweit eine andere, wenn auch recht wahrscheinliche Theorie. Zumal sie von Untersuchungen im arktischen Eis was den Vulkanausbruch betrifft bestätigt seien.

Wir jedenfalls widmeten uns den ersten vollen Tag der Geheimnisse der Rapa Nui Kultur. So besichtigen wir am Morgen zuerst umgestürzte und nicht restaurierte Moaris in Waihu, anschließend eine Wohnhöhle und eine weitere Moai-Plattform in Akahanga. Beide Stellen befinden sich der Südküste der Insel. Die Plattformen (Ahu), wurden ebenfalls nicht restauriert und ihre kolossalen Steinskulpturen, die Moai liegen hier noch so am Boden, wie sie bei der Zerstörung der Kultstätten liegen gelassen wurden. Wobei, niemand weiß genau, wann die Moaris umfielen. War es im Zuge denen der Hungersnot folgenden Unruhen oder später eine Folge der Jahrhunderte? Über den Ahu, der eigentlichen Altarplattformen, auf denen die Moai aufgestellt wurden, ist mit der Zeit Gras gewachsen.
Ein unstrittiger Höhepunkt des Tages ist der in den 1990er Jahren wieder aufgebaute Ahu Tongariki. Mit seinen 23.000 m⊃3; Lavagestein soll er das imposanteste Bauwerk in ganz Polynesien sein. 15 Kolossalstatuen aus Tuff thronen tonnenschwer auf flachen Fundamenten. Die Kulisse ist ergreifend und sie gehört bestimmt mit zu den schönsten Fotomotiven dieser Reise. Sicherloch auch zu den weltweit am bekanntesten. Insgesamt zählt man derzeit (Ende 2012) übrigens 1047 der kolossalen Steinstatuen, den Moai auf der Insel (größer als etwa einen Meter). Hinzu kommen zahlreiche kleinere.
Trotz intensiver Forschung weiß man nicht sicher, was ihr eigentlicher Zweck war und wann sie genau errichtet wurden. Einzig dass sie nicht älter als 1500 Jahre sind, darauf hat man sich geeinigt. Respektive die Experten sind sich nicht einig. Die letzten dürften im 15. Jahrhundert aufgestellt worden sein, dann brach es abrupt ab. Passt zu dem Vulkanausbruch. Eine These: es waren berühmte Häuptlinge oder allseits verehrte Ahnen, die als Bindeglied zwischen diesseitiger und jenseitiger Welt fungierten. Die größte aufgerichtete Figur ist knapp über zehn Meter groß, (so einer wiegt um die 86 t) ein unfertig gebliebener Moai hätte sogar eine Größe von 21 m erreicht. Durchschnittlich sind sie jedoch um die vier Meter hoch und wiegen etwa zwölf Tonnen. Nur, was heißt hier Durchschnitt? Es gibt auch Hinweise, dass sie einmal farbig bemalt waren.
Die Produktion der Steinfiguren endete dann quasi schlagartig. Warum die Maoris umgestürzt wurden und die Kultplattformen zerstört, auch dazu gibt es nur Theorien. Ursachen könnte eine Abkehr von der Religion sein, eben ein Bürgerkrieg der Hungersnöte wegen, auch Klima- oder Wetterkatastrophen kämen in Frage. Eins jedoch ist sicher: Schlüssige Beweise für die eine oder andere Theorie gibt es nicht.

Weiter im Programm: Wir fuhren jetzt zum Rano Raraku, einem erloschenen Vulkan aus Tuffgestein. Es ist die vielleicht interessanteste Sehenswürdigkeit der Insel, denn hier befindet sich der Steinbruch, in dem die Moai aus dem Felsen geschlagen wurden. Überall an den Berghängen des Vulkans liegen die gigantischen Figuren verstreut, viele stehen in inzwischen im Laufe der Zeit verfüllten Gruben (von der Natur). Man richtete sie in den Löchern auf (ließ sie quasi hinein rutschen) um die Rückseite vor dem Transport fertig zu bearbeiten. Also schaut nur die obere Hälfte aus dem Boden. Beeindruckend. Eingegraben wurden sie nicht, eine in vielen Büchern und Reiseführern stehende Mär. Manche waren fertig zum Abtransport, der aber nie erfolgte. Weiter oben finden wir noch mehr Moais in verschiedensten Stadien der Fertigstellung die teilweise noch mit dem Fels verbunden sind, als wären sie von einem auf den anderen Tag verlassen worden. Insgesamt befinden sich hier über 400 Moaris in allen Stadien der Fertigstellung, der größte wäre wie gesagt über 20 m groß geworden und damit rund 200 t schwer. Und auch der hätte ja nach geplantem Standort quer über die Insel transportiert werden müssen. Wie so viele andere. Ressourcenfressend.

Weiter Richtung Norden gelangten wir nun zum Ahu Te Pito Kura. Hier befindet sich Te Pito o Te Henua, „der Nabel der Welt“. Ein großer, runder, glatter Stein der angeblich mit magischen Kräften ausgestattet ist. Ziel vieler Besucher. Irgendwie hat dieser Ort auch etwas, etwas nicht zu beschreibendes… Naja, Wir jedenfalls spürten nichts Außergewöhnliches. Außer dass es sich bei dem Stein um eine magnetische Lavabombe handeln dürfte. Das beweist der Kompass, der in der Nähe des Steines verrückt spielt. Nichts außergewöhnliches für einen Geologen. Einer Legende nach brachte ihn König Hotu Matua höchstpersönlich bei der Erstbesiedlung der Osterinsel mit. Eben eine Legende, die eher neuzeitlich sein dürfte und erfunden. Etwas für Esoteriker.
Zum Abschluss des Tages verschlug es uns dann zum Strand Anakena, an dem König Hotu Matua mit den ersten Siedlern an Land gegangen sein soll. Hier befinden sich zwei restaurierte Ahu‘s, Nau Nau und Ature Huke. Auf Nau Nau besitzen vier der Maoris noch ihre Hüte. Außerdem hätten wir Zeit gehabt, uns im feinen weißen Sand des Strandes zu entspannen und ein erfrischendes Bad in den Wellen des Pazifiks zu nehmen, bevor wir zum Hotel zurückfuhren. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Planung. Also einen Kaffee getrunken in den nahe gelegenen Hütten, auch keine schlechte Alternative. Obwohl das Wasser hier um die 24 °C hatte.

Abends nach einem kleinen Imbiss, die Preise hier auf der Osterinsel entsprechen übrigens denen europäischer Großstädte, alles muss eingeflogen werden, ging es noch in eine Folklore-Veranstaltung mit der Gruppe Karikari, etwa 20 Tänzer(innen) und Musiker. Absolut sehenswert um unbedingt zu empfehlen, Eben keine reine touristische Pseudoveranstaltung, sondern etwas für die Einheimischen und Besucher. Das ganze findet in der Sprache der Rapa Nui und in Englisch statt, Themen sind Geschichten, Kultur, Essen und Anekdoten, der Gast wird gern bei einzelnen Tänzen einbezogen. Wobei im Vergleich… allein die Gelenkigkeit der Männer und Frauen, es handelt sich eigentlich um einen Hochleistungssport, eine Stunde lang. Das wichtigste Kulturereignis findet übrigens Anfang Februar statt und dauert zwei Woche, das Tapati Rapa Nui-Festival. Musik, Tanz und Kultur stehen im Mittelpunkt. Wäre eigentlich auch mal einen Besuch wert.

Der vulkanische Ursprung der Insel – hier finden sich 78 Vulkane, der letzte soll vor etwa 3000 Jahren aktiv gewesen sein – hat zur Folge, dass sich hier zahlreiche Klüften und Höhlen finden. In den Höhlen wohnte man und einige wurden vermutlich auch als Kultstätten genutzt. Hier sind Reste von eher schlecht erhaltenen Felsmalereien zu entdecken. Ein Beispiel ist die Höhle Ana Kai Tangata. In der Lavagrotte sind an der Decke erkennt man einige Reste ritueller Malerei, mehr oder weniger. Die Höhlen waren vermutlich einzelnen Familien zugeordnet. Das Wissen darüber wurde mündlich an die nachfolgenden Generationen weitergegeben. Knochenfunde weisen aus, dass die Höhlen auch als Begräbnisstätten genutzt wurden, meinen die einen. Andere wiederum, dass hier in unruhigen Zeiten Menschen sich versteckt hielten und dann starben, etwa an Seuchen, die sich in den Höhlen schnell verbreiteten, etwa zu der Zeit als Sklavenhändler die Insel überfielen. Überlieferung nach nutze man sie deswegen auch als Zufluchtsstätten. Ana Kai Tangata heißt in der Sprache übrigens in etwa so viel wie „Höhe in der Männer gegessen wurden“. Einige Sprachforscher meinen jedoch, dass es “Höhle, in der Menschen essen“ heißt. Jedenfalls wurde bei Ausgrabungen im Jahr 1988 u. a. zwar ein Schädel mit Ritzzeichnungen gefunden, aber keine Beweise für Kannibalismus. Ist auch eher unwahrscheinlich. Alles mal wieder spekulativ.

Zur Bildergalerie über die Osterinsel

Vorher besuchten wir jedoch noch Orongo, gelegen am Kater von Rano Kau, etwas besonderes. Denn hier findet sich ein Kratersee, eine Seltenheit auf der Insel, wo alles Wasser normalerweise versickert. Er hat einen Durchmesser von etwa 600 m und ist mit Binsen bewachsen, die drei bis vier Meter hoch werden. Der Krater selbst misst etwa 1600 / 1700 m im Durchmesser.

In Orongo erfuhren wir mehr über die Zeremonienstätte des Vogelmenschenkultes, deren Steinhäuser direkt am kreisrunden Krater des Vulkanes Ranu Kau liegen. Ein Teil davon sehr schön restauriert. Der Vogelmann- oder -menschenkult soll sich erst nach dem Untergang der Moai-Kultur entwickelt haben und besteht aus Fruchtbarkeitsriten und dem Vogelmannwettbewerb. Ein Mitglied jeden Stammes machte sich schwimmend und kletternd zu den Motus auf, um das erste Schwalbenei des Jahres zu stehlen. Der Siegerclan stellte für ein Jahr den König von Rapa Nui.

Weiter ging es zum Ahu Vinapu, wo wir den einzigen weiblichen Moai der Insel besichtigten. Denkt man jedenfalls. Vermutlich aber eher eine Fehlinterpretation. Er befindet sich etwas abseits der Anlage. Ist etwa 3,50 Meter hoch, besteht aus rotem Tuffgestein. Entdeckt hat man diese Figur 1956 während der archäologischen Ausgrabungsarbeiten unter Thor Heyerdahl. Er fand während seiner Arbeiten noch zahlreiche steinerne Kleinplastiken mit den unterschiedlichsten Motiven: Vogelmanndarstellungen, Moais, Kopfplastiken, Darstellungen von Segelschiffen. Auch eine Inkamauer. Das aber ist falsch, die Inkas kamen niemals hier her. Auch ist die Bearbeitung der Steine eine andere als bei den Inkas. Erdbeben mussten sie niemals aushalten, diensten nur der Verkleidung der Fundamente der Moaris.

Der erste Europäer, der die Osterinsel entdeckte, war übrigens ein Pirat: Edward Davis mit seiner Bachelors Delight. Und zwar 1687 von den Galápagos-Inseln kommend. Zufall war es, und er glaubte, den sagenhaften Südkontinent gefunden zu haben. Er landete jedoch nicht an. Ihren heutigen Namen erhielt die Osterinsel von dem Niederländer Jakob Roggeveen, der am Ostersonntag, dem 5. April 1722 mit drei Schiffen anlandete.

Zu Chile kam die Insel am 9. September 1888. Damals schloss man einen Vertrag mit den Toro und weiteren Stammeshäuptlinge an Bord des Kriegsschiffes Angamos. Die Rapanui versprachen sich davon einen Schutz gegen Übergriffe.

Die nächste Station war dann der Puna Pau Steinbruch, wo die Kopfbedeckungen aus rotem Stein hergestellt wurden, mit denen man zahlreiche Moai schmückte. Wenn man sich überlegt wie man die tonnenschweren Hüte den Hang aus dem Steinbruch heraufrollen musste, einfach unvorstellbar. Und doch machte es Mechanik und schwere Arbeit möglich. Auch mussten die Moaris zum Teil quer durch die Insel zu ihren Standpunkten transportiert werden, eine Herkulesarbeit. Mit Magie wie auch von Insulanern kolportiert wird oder sogar Außerirdischen hat das nichts zu tun.

Unsere letzte Station unserer Tour auf die Osterinseln war dann der Ahu Akibi, einer der wenigen Ahu der nicht am Meer steht und auf das Meer blickt. Seine sieben wieder errichteten Moai‘s sind nach der Tag- und Nachtgleiche ausgerichtet, was auf fortgeschrittene Astronomie Kenntnisse der Rapa Nui schließen lässt. Nur blicken sie nicht auf das Meer, eher Richtung Meer. Dazwischen lagen noch genügend Wohnhöhlen und Langhäuser, so dass sie eher darauf blicken. Wie immer, viel Raum für Spekulationen, Theorien und Mystisches.

Resümee

Grandiose Landschaften, atemberaubende Höhen, dampfende Geysire, Schnee und Eis, dazu eine trockene und kalte Wüste, all das und vieles mehr macht den norden Chiles zu einem Reiseziel erster Güte. Und auch die Menschen und ihre Gastfreundschaft. Nur sollte man sich genügend Zeit nehmen. Unsere Tage etwa in San Pedro de Atacama hätte man problemlos auf das Doppelte ausdehnen könne, und man hätte noch immer nicht all das gesehen, was sehenswert ist. Wie mag es da Reisenden gehen, die das gesamte Land inklusive Patagonien in vierzehn Tagen besuchen? Lange Fahrten müssen allerdings dafür in Kauf genommen werden aber Sie werden mit grandiosen Landschaftsszenen belohnt. Ein wahres Eldorado nicht nur für Fotografen. Und erst die Osterinsel, Rätsel über Rätsel, Mysterien wohin man auch blickt, und vieles was man liest ist nichts mehr als Spekulation, schaut man erst hinter die Kulissen. Und beschäftigt man sich näher mit den Lebensgewohnheiten der heutigen Insulaner, das allein wäre eine Geschichte wert – und eine Reise.

Quellen: Wikipedia, Internetrecherche, eigene Erlebnisse und Erzählungen vor Ort, Werner Götz, Winnenden, Juni 2013

Patagonien Jan./Febr. 2011

Raues Patagonien

Patagonien bezeichnet den südlichen Teil Südamerikas bis zum Beagle-Kanal. Manche rechnen noch das davon südlich gelegene Feuerland hinzu. Genaue Grenzen gibt es nicht. Die Landschaft besteht aus zwei durch die Anden getrennte Regionen. Westpatagonien gehört überwiegend zu Chile, Ostpatagonien dagegen zu Argentinien. Patagonien ist sehr dünn besiedelt, es finden sich nur etwa zwei Einwohner auf einen Quadratkilometer. Überwiegend besteht Patagonien aus trockener Steppe, ist aufgeteilt in private Estanzias, Schaffarmen. Durch die Trockenheit benötigen die Estanzias große Flächen, 60.000 bis 100.000 Hektar sind keine Ausnahme. Pro Schaf benötigt man zwei bis über zehn Hektar. Übrigens: Eine 60.000 Hektar große Farm benötigt allen für die Zäune um die 20.000 km Draht.

Während der argentinische Teil Patagoniens im Regenschatten der Anden liegt und im Wesentlichen durch Steppen geprägt ist, herrscht im chilenischen Teil eher ein feuchtes, kühleres Klima – hier findet sich mit dem chilenischen Inlandeis die größte zusammenhängende Eismasse außerhalb der beiden Pole. Beiden Regionen gemein ist der immerwährende, häufig starke Wind, der den Boden austrocknet.

Bekannt ist das Land für seine Natur und Tierwelt. Besonders interessant ist ein Besuch des Nationalpark Torres del Paine auf chilenischer Seite, auf argentinischer Seite der des Nationalpark Los Glaciares (Unesco- Weltnaturerbe) und die Gegend um die Insel Valdés. Vertreter der Tierwelt sind Guanakos, Nandus, Andenkondore, Flamingos, zahlreiche Wasservögel, Pinguine, See-Elefanten und Seehunde, um nur einige zu nennen.

Nur wenige Gegenden dieser Erde können so rau und wild, und zugleich so romantisch sein, wie Patagonien. Natur Pur, weite Landschaften und Gauchos, das ist Patagonien für den Reisenden.

Hier geht es zu einer Linkliste, und hier zu einer kurzen Vorschau vom Film.


Unsere Route:
Ausgangspunkt war Buenos Aires. Hier wurde während des kurzen Zwischenstopps (rund 2 Tage) neben kurzen Stadtbummeln und dem Friedhof, auf dem Evita Peron beerdigt, ist die labyrinthische Wasserwelt des Tigre Delta besucht. Mit dem Flugzeug ging es dann zur Insel Valdez, bekannt u. a. für See-Elefanten und Seelöwen-Kolonien. Von hier aus wurde auch die Halbinsel Punta Tombo besucht, weltweit größte Brutstätte von Magellan-Pinguinen. Weiter ging es ebenfalls per Flugzeug nach Ushuaia. Von hier aus standen u. a. Feuerland und der Beagle-Kanal auf dem Programm bevor es wieder per Flugzeug nach El Calafate ging um die Gletscher Perito Moreno, Upsala und Spegazzini (Nationalpark Los Glaciares) sowie den Gletscher Grey im Nationalpark Torres del Paine zu besichtigen. Es folgten das Gebirgsmassiv Fitz Roy und der hängende Gletscher Huemul, um nur einige Ziele zu nennen. Mehr dazu im folgenden, detaillierten Reisebericht.

Die Metropole

Buenos Aires

argentinien-2011-0190-buenos-airesDer erste Tag war ganz Buenos Aires gewidmet. Um die zwölf Millionen Einwohner bevölkern die Metropole, das polititische, kulturelle, kommerzielle und industrielle Zentrum des Argentiniens. Die Stadt mit ihren etwa 3 Millionen Bewohnern bildet den Kern einer der größten Metropolregionen Südamerikas, in ihr lebt etwa ein Drittel aller Argentinier.

Da wir nur wenig Zeit hatten, Ziel war schließlich Patagonien und nicht Buenos Aires, fokussierten wir uns auf einige wenige Highlights in der Stadt und Umgebung. Etwa eine Stunde entfernt liegt das Tigre-Delta. Es besteht aus geschätzt 5000 Wasserwegen, unzähligen Inseln, umfasst über 21.000 km2 Fläche, halb so groß wie die Niederlande. Mit einem Katamaran erkundeten wir eine der größeren Wasserstrassen, rechts und links bebaut von keinen und mittleren Gebäuden. Für Europäer erschwinglich, so kostet ein Grundstück mit Haus um die 40.000 bis 50.000 USD. Erreichbar sind sie jedoch nur über den Wasserweg, und so müssen die Häuser auch versorgt werden. Und Hochwasser ist auch nicht selten. Es hat halt alles seine zwei Seiten. Je nach Quelle leben hier übrigens 3000 bis 5000 Menschen, überwiegend vom Verkauf von Holz, Möbeln, Weidengeflecht, Obst und Liköre. Hier verbrachten wir einen halben Tag, nicht zu viel. Die Stadt Tigre selber bietet kunsthandwerkliche Betriebe, die ihre Souvenirs und Waren anbieten. Nachmittags folgte eine kurze Fahrt nach San Isidro, ein paar Stationen mit dem Zug weitere wartete dann der Bus auf uns, der uns zurück ins Zentrum nach Buenos Aires zu unserem Hotel ging. Dort erkundigten wir dann zu Fuß ein ehemaliges Hafenviertel, das einen eher an eine große US-amerikanische oder kanadische Metropole erinnert als an eine südamerikanische Millionenstadt. Gut, nicht weit weg davon sind dann wieder Slums, ohne Sie geht es in größeren südamerikanischen Städten nicht. Die sahen wir dann am kommenden Tag.

Apropos Essen. Argentinien steht natürlich für Steaks. Und die schmecken nicht nur, sondern sind riesig. Ein normales Steak (klein) hat um die 400 bis 500 g, eine Entrecote (unseres) 650 g und 1000 g schwere sind keine Ausnahme. Üblich ist aber auch, dass man sich ein Steak teilt und auch die Beilagen. Es wird alles schön angerichtet und aufgeteilt. Und vorzüglich ist auch der Rotwein, natürlich argentinischer. Wie übrigens auch die Preise, sie haben europäisches Niveau. Generell fällt auf, das Argentinien reicher scheint als etwa Peru und Ekuador, die wir in den letzten Jahren besuchten. Aber ein vergleich ist sowieso müßig. Hier geht es übrigens zu den Reiseberichten Peru und zu dem nach Ecuador mit dem Galapagos-Inseln.

Bildergalerie Buenos Aires und Tigre-Delta

Bevor es dann Nachmittags am kommenden Tag weiter mit dem Flugzeug nach Trelew ging, folgte ein strenges Programm: Stadtrundfahrt mit dem Besuch des Friedhofes von Recoletta mit dem Grab von Evita Peron, ein Bummel über den zentralen Platz der Stadt, den geschichtsträchtigen Plaza de Mayo, der Prachtbau Banco de la Nacion , weiter über die 140 m breite Avenida 9 de Julio, vorbei an einem 67 m hoher Obelisk, keine Zeit blieb für den einen Wachwechsel vor der Casa Rosada, dem Regierungsgebäude. Den Nachmittag verbrachten wir noch in den Stadtvierteln La Boca – Geburtsort des Tango und geprägt durch den alten Hafen, allein hier könnte man einen halben Tag verbringen – sowie San Telmo. An der Plaza Dorrego im Viertel San Telmo schlägt Sonntags einer der malerischsten Flohmärkte Südamerikas seine Stände auf. Und in den umliegenden zahlreichen Antiquitätengeschäften finden sich immer noch Sammlerstücke aus alten Zeiten. Besuchenswert auch die Markhalle… Da diese Viertel nur etwa 30 Fußminuten vom Hotel weglegt und wir am Ende der Reise noch fast einen Tag für Buenos Aires Zeit haben, ist klar wohin es geht. Nachmittags jedoch jedenfalls per Flugzeug nach Trelew und weiter nach Puerto Madryn, Ausgangspunkt für den Besuch der Halbinseln Valdez und Punta Tomba. Ab sofort liegt die Natur und Tierwelt im Fokus unserer Reise, nicht ungern ließen wir den Trubel der Hauptstadt zurück.

Insel Valdés und Punta Tomba

An der Atlantikküste gelegen, ist die Halbinsel Valdés für die Kolonien von See-Elefanten und Seelöwen bekannt. Sie lassen sich in Ruhe beobachten, fotografieren und filmen. See-Elefanten sind die größten Robben der Welt, ein Bulle kann deutlich über sechs Meter lang werden und dreieinhalb Tonnen wiegen. Eine Kuh schafft es auf „gerade mal“ dreieinhalb Meter und runde 900 kg. Die Halbinsel ist Weltnaturerbe der Unesco, derzeit sollen um die 2000 Tiere hier leben. An Land lassen während der Fahrt Neuweltkamele wie Guanakos sehen, die gar nicht selten waren, oder auch Nandus, flugunfähige, bis zu 1,40 m große Vögel, sowie Maras, südamerikanische Pampashasen, die sich jedoch nicht für uns blicken ließen. Dafür lief uns ein recht großes Gürteltier vor die Füße. Erstes Ziel war jedoch ein kleines Museum am Eingang zum Nationalpark, hier wird das Ökosystem dieser Gegend anschaulich erklärt.

Einzig bewohnter Ort mit 400 Einwohnern und beliebtes Ziel der Argentinier auf der Halbinsel ist Puerto Pirámides, er stand gleich im Anschluss auf dem Programm. Hier könnte man es auch etwas länger aushalten, beim Schwimmen, Sonnen oder einfach auf einer Veranda mit einem Cafe oder kühlem Weißwein. Es hat zur Zeit übrigens um die 35 °C, eigentlich keine Abkühlung nach dem heißen Buenos Aires mit 37 °C.

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Bildergalerie Halbinsel Valdes

Im Anschluss ging die Tour nach Punta Norte, ganz im Norden der Halbinsel zu den Seelöwen. Sie unterscheiden sich von den Seeelefanten auch dadurch, dass sie auf ihren Flossen „gehen“ können und Ohrmuscheln haben. Wir bekamen sie auch zahlreich zu sehen und zu hören, auch wenn man zum Schutz der Tiere nicht zu nah hin gehen kann. Beeindruckend.

Weiter auf der Piste in den Süden der Insel kamen wir auch an kleinen Pinguinkolonien vorbei, eine davon besuchten wir. Hier saßen die Tiere nur wenige Meter entfernt und ließen sich nicht im Geringsten von uns beeindrucken. Ziel war jedoch eine Kolonie von Seelöwen, die wiederum machten sich jedoch rar. Gut, auf zwei Dutzend Tiere kam man, leider oder Gott sei Dank – je nach Ansicht – ebenfalls aus gebührendem Abstand. Dennoch lohnenswert, wenn der Tag auch 420 km Fahrt bedeutete – davon über die Hälfte auf gut ausgebauten Pisten.

Der nächste Tag war zu einem großen Teil den Magellan-Pinguinen in Punta Tombo gewidmet. Dafür müssen 180 km mit dem Bus zurückgelegt werden, einfache Strecke. Doch es lohnt. Von Oktober bis März versammeln sich hier tausende und abertausende Pinguine, mithin die größte zugängliche Pinguinkolonie der Welt. Ein unvergessliches Naturerlebnis, den Tieren watschelnd auf der Suche nach ihren Nestern zuzuschauen. Zwischen Büschen, auf Kiesbänken, am Strand, in Erdbauten, überall tummeln sich die Pinguine, Jungtiere schreien und betteln nach Futter oder liegen einfach rum. Absolut ein Höhepunkt einer jeden Patagonienreise, die den zweitägigen Zwischenstopp Richtung in Puerto Madryn allemal wert ist. Auf der etwa 3 km langen, 600 m breiten felsigen Landspitze finden sich zudem zahlreiche Kormorane, Möwen und weiteren Seevögeln ein.

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Bildergalerie Pinguinkolonie Punta Tombo und Gaiman

Anschließend lohnt ein Besuch des in dem Ort Gaiman, gegründet von Walisern. Im Cafe gibt es Tee, süsse Stücke unterschiedlichster Ausprägung und als walisische Spezialität, die Torte Negra. Einen Besuch wert wäre auch der Parkes ´Geoparque Paleontologico Bryn Gwyn´ gewesen, doch reichte die Zeit nicht mehr. Ein Spaziergang durch die Erdgeschichte hätte einen Interessantes über die letzten 40 Mio. Jahre der Entstehungsgeschichte Patagoniens erfahren lassen.

Torta NegraIn Gaiman sollte auch ein Besuch in einem alten traditionellen Teehaus mit Verkostung einer Torta Negra, einer schwarzen Torte, ins Auge gefasst werden. Generell lieben die Argentinier Süßes, sehr Süßes. Zucker gibt es im Überfluss. Und sehr beliebt ist Dulce de Leche, gegessen als Brotbelag oder auf Kuchen verwendet. Dabei handelt es sich um eine Art Milchmarmelade. Man nehme dazu 4 l Vollmilch, 2 kg Zucker und vier Vanilleschoten, bringe alles zusammen in einem Topf langsam zu Kochen und dickt es ein, bis eine sehr süße, cremig braune Masse entsteht. Dass es ausnahmsweise jedoch auch ohne Dulce de Creme geht, zeigt die Torta Negra, durch walisische Einwanderer nach Argentinien gekommen. Waliser gründeten 1848 den Ort Gaiman, kein Wunder, dass man diese Torte hier noch nach alter Tradition mit braunem Zucker, Nüssen und Johannisbeeren backt. Inzwischen gibt es sie auch landesweit in zahlreichen Geschäften und Supermärkten, eingeschweißt in Folie, damit lange haltbar.
Quelle: Ingrids-Welt

Ushuaia, Feuerland

Von Trelew ging es dann mit dem Flugzeug in die südlichste Stadt Argentiniens, nach Ushuaia. Nicht die südlichste der Welt, da gibt es noch einige andere etwa im benachbarten Chile oder auf den Falkland-Inseln. Heute leben um die 60.000 Menschen in der Stadt 1980 waren es gerade mal 10.000. Ein Grund für das Wachstum sind zahlreiche Touristen, die Jahr für Jahr hierher kommen, ans Ende der Welt. Trotz des Wetters. Die vier Jahreszeiten passen problemlos in einen Tag, mehrere Tiefdruckausläufer an einem Tag sind keine Seltenheit. Auch im Sommer fegen Schneestürme durch die Gassen, Minuten später braucht man die Sonnenbrille bei einem blau strahlenden Himmel. Und im polaren Sommer – also zu unserer Zeit im Februar – scheint die Sonne 17/18 h Stunden am Tag, wenn sie denn scheint. Die Temperatur liegt zwischen 5 und 14 °C, im Sommer, im Winter unter 0 °C bis hin zu -20 °C. Also alles im Rahmen. Von Buenos Aires nach Ushuaia sind es übrigens rund 2340 km, nach Berlin 14106 km.

Tags drauf ging es dann zuerst in die Stadt, ins Museo Fin del Mundo, das Museum vom Ende der Welt. Ein kleines interessantes Museum, dass Zeugnisse zur Vergangenheit der Stadt, der Ureinwohner der Region und der Besiedelungsgeschichte bietet. Stadtteile wie Mission, Brow und Solier – hier siedelten sich die ersten Einwohner von Feuerland an – standen weiter auf dem Programm sowie der alte Flughafen mit einem schönen Blick auf die Stadt. Mit dem Sessellift ging es anschließend zum Fuße des über Ushuaia thronenden Gletscher Glacier Martial. Doch er hat sich um einiges zurückgezogen, war nur von der Ferne aus zu sehen – wenig spektakulär. Auf jeden Fall sollte man sich auf dem Sessellift warm anziehen, dauert die Fahrt doch um die 15 Minuten einfach. Und der Wind, der bläst ganz schön kalt, oder auch der Nieselregen. Oben kann man dann kleinere Wanderungen machen, zum Teil durch vom Wind geformte bizarre, kleine Laubwälder.

Nächste Etappe war der etwa 20 km entfernt liegende Tierra del Fuego, den Feuerland Nationalpark. Den 63.000 Hektar großen Park begrenzt im Süden der Beagle-Kanal. Im Park finden unzählige windschiefe Bäume und seltene Pflanzenarten wie die 3 cm große Fleisch fressende Drosera uniflora aus der Gattung Sonnentau – die wir jedoch nicht entdeckten. Dafür brütende Magellan-Gänse, zahlreiche Hasen – von den Europäern eingeführt sind sie inzwischen regelrecht eine Plage –, Rotgänse und einen sogar ein Biber ließ sich blicken. Sein riesiger und wunderbar gebauter Damm war allein die Fahrt wert. Er hat ein großes Areal unter Wasser gesetzt, die abgestorbenen Bäume, der Damm und die Sonne – ja sie schien gerade – bildeten eine beeindruckende Landschaft.

Insgesamt 25 km Wanderwege führen durch den Nationalpark. Wir entschieden uns für einen etwa 40 Minuten langen Weg am Rio Pipo bis zur Lapataia Bucht. Hier endet die Panamericana mit dem Schild „Fin Ruta 3“ Alaska 17848 km und kündet das „Ende der Welt“ an (Feuerland in Wikipedia).

Übrigens: Das Essen in Argentinien ist meist gut, ebenso der Wein. Auf italienische Pasta und Vegetarisches sollte man aber verzichten. Steak oder Fisch dagegen sind gut, die Preise bis auf Buenos Aires (europäische Großstadtniveau) in Ordnung, jedenfalls für Europäer (Stuttgarter). Getrennt zahlen sollte man bleiben lassen, einfacher ist, bei mehreren untereinander die Rechnung aufzuschlüsseln. Geht deutlich schneller.

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Am nächsten Morgen ging es dann per Boot auf den Beagle-Kanal zu den Bridges Inseln, gelegen in der Nähe des Hafens von Ushuaia, benannt nach Thomas Bridges, einem englischen Missionar der Ushuaia Ende des 19. Jahrhundert gründete. Beobachten ließen sich hier zahlreiche Seelöwen und Vögel wie Kaiser- und Königskormorane sowie Felskomorane. Ganze Felsen voll mit Vögeln boten Gelegenheit für zahlreiche Fotos vom Treiben und Leben. Zumal der Kapitän mit dem doch recht großen Katamaran elegant zwischen den Felsen navigierte und sehr nach an die Vögel und Seelöwen-Kolonien heranfuhr. Die 2 ½ Stunden lohnten allemal. Zumal die Sonne schien, der Himmel blau war und der Wind verhältnismäßig flau, für Ushuaia ein Traumtag, Sommer eben. Ohne weitere Jahreszeiten im Tagesverlauf. Generell konnten wir uns über das Wetter nicht beschweren, eigentlich war es viel zu schön und lieblich für das Ende der Welt. Und Nachmittags hatten wir noch runde fünf Stunden Zeit für Stadtbummel, Shopping, Cafes und so weiter.

Bildergalerie Ushuaia, Beagle-Kanal und Feuerland

Abends war dann wieder ein Flug angesagt, nach El Calafate. Die Entfernungen sind für Busse einfach zu groß. El Calafate. Liegt in der Provinz Santa Cruz, die „Hauptstadt der Gletscher“ liegt am Lago Argentino.

El Calafate und Provinz Santa Cruz

El Calafate ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Waren es vor zehn Jahren noch rund 5000 Bewohner, sind es heute um die 20.000. Und die leben vor allem eben vom Tourismus. Eine schöne Stadt mit zahlreichen handwerklichen Geschäften und guten Lokalen. Auch hier lässt sich einige Zeit verbringen. Gut dass die Läden oft bis 8, 9 oder sogar 10 Uhr offen haben. Erstes Ziel der Besucher ist jedoch der Perito-Moreno-Gletscher, er befindet sich im als Unseco-Weltnaturerbe eigestuften Nationalparkes Los Glaciares und ist Teil eines riesigen kontinentalen Gletschergebietes in den Südamerikanischen Anden, rund 80 km von El Calafate entfernt.

Für uns stand jedoch erst einmal eine 8-stündige Schifffahrt auf dem Lago Argentino an – immerhin drei Mal so groß wie der Bodensee und bis zu 700 m tief. Er speist sich ausschließlich aus den Gletschern, ist entsprechend milchig türkis, hervorgerufen durch die Gletschermilch. Der Gletscher mahl das Gestein so fein, dass es mit dem Wasser eine Suspension bildet, an der Oberfläche bleibt und für diese Farbe sorgt. Die Schifffahrt, ausgehend von Puerto Bandera, ging erst mal zum nördlichen Arm des Sees mit dem Ziel Uppsala-Gletscher. Mit seiner 60 km langen Zunge und einer Fläche von 902 km⊃2; ist der Upsala Gletscher viermal so groß wie der Perito Moreno und somit der breiteste Eisriese des Nationalpark Los Glaciares. Aber nicht nur der Gletscher, sondern auch die vorbeidriftenden, manchmal bis zu 70 m hohen abgebrochenen Eisblöcke des Upsala, lassen sich gut beobachten. Nur leider nicht die Gletscherzunge des Upsala, denn eine Eisbarriere hinderte die Schiffe daran, sich der Gletscherzunge zu nähern. Ein Hinweis: Auch hier sind starke Winde allgegenwärtig, also warm anziehen, besonders auf dem Schiff.

Bildergalerie Lago Argentina und Calafate

Durch die Barriere ließ sich zudem eine Anlegestelle nicht erreichen, somit fiel die geplante Wanderung durch den Wald von Onelli, einem urzeitlichen Regenwald mit Moosen, Flechten, Farnen und Scheinbuchen dem Eis zum Opfer. Am Ufer des Lago Onelli hätten sich zudem hunderte kleiner Eisberge, bizarr geformt, im glasklaren und ruhigen Wasser des Sees beobachten. Natur ist nicht qplanbar, gut so.

So ging es gleich weiter zum Spegazzini Gletscher, benannt nach einem italienische-argentinischen Botaniker. Hier ließ sich die Gletscherzungen wunderbar beobachten, eine Barriere aus 60 bis 80 m hohem Eis, einzelne Spitzen sollen 135 m in den Himmel ragen. Einfach beeindruckend. Und die „gewonnene“ Zeit durch den Wegfall der Wanderung reichte für einen Abstecher mit dem Boot zum nördlichen Teil des Perito-Moreno-Gletscher, dem Höhepunkt einer Patagonien-Reise. Eine Eiswand, die sich weder mit Worten oder Bildern beschreiben lässt. Man muss sie erleben, erfahren.

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Bildergalerie Perito Moreno und Flug über das Eisfeld bei traumhaftem Wetter

Eben dieser Gletscher stand auch für den ganzen nächsten Tag auf dem Programm, zuerst wieder mit einem Katamaran zum südlichen Teil der Gletscherzunge. Und von Land aus kann man erst den ganzen Gletscher überblicken, einfach faszinierend. Angesichts dieser natur wird man eher nachdenklich, genießt den Blick, schaut dem Gletscher beim Kalben der etwa 60 bis 80 m hohen und 5 km breiten Eiswand zu, was sich in lauten Knacken, Knirschen, Schlägen ankündigt. Dann geht es schnell. Pro Tag schiebt sich die Eismasse am Rand und am Boden durchschnittlich 40 cm vorwärts in der Mitte um 2 m. Das Ergebnis des Kalbens können Hochhausgroße Eisberge und meterhohe Flutwellen sein. Schwer zu fotografieren oder zu filmen, denn hört man die Geräusche und lokalisiert sie an der gigantischen Wand, ist es eigentlich schon vorbei. Doch beobachten kann man es, und genießen. Beobachten lässt sich alles von einem mehrere Kilometer langen, wunderbar angelegten Wanderweg – besser von durchgehend angelegten Stegen und zahlreichen Plattformen aus. Auch wenn ich mich wiederhole: allein dieser Blick, dieser Gletscher ist eine Patagonienreise wert, beeindruckend, gigantisch, wunderbar. Und das macht Lust auf mehr, auf die Antarktis, eventuell Anfang 2013. Das ist aber eine andere Geschichte…

Eine Besonderheit zeichnet den Perito Moreno übrigens aus: Ein Teil des Gletschers trifft auf einen Gegenhang und blockiert so etwa alle vier bis zehn Jahre einen Nebenarm des Lago Argentino, den Brazo Rico. Dadurch steigt der Seespiegel im südlichen Teil dieses Arms an, quasi ein natürlicher Stausee auf Zeit. Der Höhenunterschied kann bis zu 30 m betragen. Irgendwann wird der Druck des Wassers jedoch zu hoch, die Barriere wird unterspült und bricht irgendwann zusammen. Das dauert jedoch mehrere Tage und lässt sich kaum vorhersagen. Der Zusammenbruch dieser Barriere ist ein eindrückliches Naturschauspiele und lockt jedes mal viele Touristen und Dokumentarfilmer zum Gletscher, halt nur alle vier bis zehn Jahre, wobei die letzten Male geschah es 2006 und 2008.

Heute war übrigens Regen angesagt. Was war: ein traumhafter Sommertag mit Sonne, blauem, wolkendurchsetztem Himmel, alles, eben nur kein Regen. Sogar der Wind war nicht allzu stark.

 Chile, Torres del Paine

Von El Calafate aus ging es nun für zwei Tage nach Chile in den Nationalpark Torres del Paine. Das bedeutet eine sieben bis achtstündige Fahrt durch monotone Landschaften mit einigen Nandus – straussähnliche Vögel –, Schafen und Pferden am Wegesrand und Grenzübertritt mitten in der Steppef. Zuerst kommt der argentinische Grenzposten, gegen Mittag kamen wir an und nach gerade mal rund eineinhalb Stunden war der Grenzübertritt geschafft. Fast. Denn sieben Kilometer später folgt der chilenische Grenzposten, hier wurde auch das gesamte Gepäck kontrolliert. Der Grund: es dürfen keinerlei frische Lebensmittel eingeführt werden. Das alles dauerte jedoch nur gut eine viertel Stunde. Nach der Grenze stieg unser chilenischer Guide zu, argentinische dürfen in Chile nicht arbeiten – und umgekehrt. Nach weiteren fünf bis sechs Stunden inklusive zahlreicher Stopps war dann unsere Lodge erreicht, Unterkunft für die nächsten zwei Tage. Gelegen in traumhafter Landschaft, inmitten des Nationalparkes, umgeben von einer wirklich gigantischen Bergwelt. Auf der Fahrt bis zum Hotel konnten wir schon zahlreiche Guanakos beobachten, einige Nandus, einen Graufuchs, Stinktiere, Pelikane, Magellangänse, Caranchas, Weißhals-Ibise und zahlreiche Vögel mehr.

Bildergalerie Torres del Peine und Lago Grey

Der Nationalpark im Süden Chiles und ist ein Teil Patagoniens. Der gut erschlossene Park bietet zahlreiche Wandermöglichkeiten, ist mithin der am meisten besuchte Park Chiles. Die abwechslungsreiche Landschaft ist das Ergebnis vulkanischer Aktivitäten und tektonischer Verschiebungen. Es gibt große vergletscherte Bereiche, hohe Berge, viele Seen, Tundra und große Wälder aus Zypressen, Lenga- und Olivillo-Bäumen, außerdem viele Blumenarten, unter anderem auch Orchideen. Vielfältig ist auch die Tierwelt. So finden sich zahlreiche Guanakos, Darwin-Nandus, Andenkondore, Rot- und Graufüchse, eine kleine endemische Hirschart namens Huemul, Pumas und viele kleinere Vogelarten. Viele davon konnten wir in den Folgetagen beobachten, leider keinen von den rund 60 im Park lebenden Pumas. Einzig ein von einem Puma frisch gerissenes Guanako konnten wir entdecken, an dem labte sich gerade ein Graufuchs.

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An der Schönheit dieser Landschaft arbeiten unablässig gewaltige Eismassen, sie verbergen teilweise das Paine-Massiv und graben sich in den Stein, schleifen den Fels und sprengen ihn auf. Natürlich in geologischen Zeiträumen. So entstanden die „Cuernos“, die drei über 2600 Meter hoch in den Himmel ragenden Hörner des Gebirgsmassives, eines der Wahrzeichen Chiles und einer der Höhepunkte einer Patagonientour. Unsere Unterkunft befindet sich direkt im Nationalpark, unterhalb der „Cuernos“ in herrlicher Umgebung. Der Blick ist einzigartig, sicherlich ein weiterer Höhepunkt einer Patagonientour. Wobei, die meisten Touren lassen diesen Teil aus, scheuen den Grenzübertritt und die lange Fahrten. Das aber ist ein Fehler, ein großer.

Im Park selber besuchten wir u. a. den Wasserfall „El bello Salto“ an. Hier zeigte sich auch die stürmische Seite des Landes. Die durchschnittliche Windgeschwindigkeit lag an diesem Tag bei 75 km/h, Böen erreichten über 100 km/h. Herrlich, sich gegen den Wind zu stemmen, wenn auch das Wandern gegen den Wind etwas beschwerlich ist, dafür ist es bei Rückenwind umso einfacher. Generell bläst in Patatgonien fast immer ein weniger oder meistens stärkerer Wind. Das hängt mit der nahem Antarktis zusammen. Dementsprechend ist es im Windschatten sogar relativ mild, der wind kühlt jedoch sehr stark. Warme Kleidung (Zwiebelschalen) sind deswegen immer angesagt (Ausnahme Valdez). Was übrigens das Wetter betraf: Nur selten sind die herrlichen Berge in ihrer ganzen Pracht zu beobachten, die Gipfel sind häufig in Wolken gehüllt. Wir hatten dagegen an beiden Tag eine herrliche Sicht, keine Wolken verdeckten die Gipfel. Selten in diesem Land, überhaupt bei zwei Tagen in Folge. Überhaupt, wie konnten uns über das wechselhafte patagonische Wetter nicht beschweren, es war halt einfach meisten gut.

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Weiterhin besuchten wir im Park den Mirador Salto Chico mit einem herrlichen Blick auf das Paine-Massiv. Am Lago Grey, der Name kommt von dem milchigen grauen Wasser, hervorgerufen durch das feine Gesteinsmehl der Gletscher, ließen sich schon vom Ufer des Sees aus die Eismassen des gleichnamigen Gletschers erkennen. Ran mit dem Schiff, man kann von Gletschern einfach nicht genug bekommen, gut der See war etwas rau, aufgewühlt durch den Wind, nahe der Gletscher wird es jedoch wieder ruhig. Nicht so gigantisch wie die bereits besuchten Gletscher, aber Formen, Farben, einmalig und wirklich sehenswert. Auch wenn dieser Teil weniger besucht wird, muss man doch erst mit einem Motorboot auf das Schiff übersetzen und die Fahrt dauert insgesamt rund dreieinhalb Stunden. Aber das ist es allemal wert.

Die Hosteria selber bietet einfache Zimmer, hohe Preise auch für Essen und Trinken, dafür etwas kleinere Portionen, aber die Lage und der Ausblick, das ist es allemal wert, auch wenn ich mich wiederhole. Am kommenden Tag ging es dann per Bus zurück nach Argentinien, nach El Chalten, ein kleines Dorf, erst 1985 gegründet. Es liegt im nördlichen Teil des Parque Nacional Los Glaciares. Eine lange Fahrt (rund 650 km, 8 h ohne Stopp), unterbrochen von ein paar Fotostopps und Tierbeobachten sowie mehrerer Kaffeepausen. Ein Tag für den Reisebericht, Foto- und Filmbearbeitung.

Bildergalerie Rückfahrt nach Argentinien

El Cahlten, Fitz Roy, Argentinien

„What a day „, so der knappe Kommentar unserer Leitering durch den Nationalpark. Für uns fast Normalität. Klare Sicht, blauer Himmel und diesmal sogar kaum Wind. Temperaturen von über 20 °C im Schatten, und die Sonne ist in diesen Breiten sehr intensiv. Wobei, derartige Tage gibt es im Sommer höchstens vier/fünf Mal pro Monat. Dieses Kontingent haben wir mehr als ausgeschöpft.

argentinien-2011-2362-fitz-royUnser Ausgangspunkt ist El Cahlten, erst 1985 gegründet und komplett auf den Tourismus mit Schwerpunkt Wandern und Bergsteigen ausgerichtet. Vorher gab es nur einige wenige Gebäude, vor allem als Ausgangspunkt für Bergsteiger, die den Fitz Roy besteigen wollten. Und vor uns steht in voller Pracht der 3406 m hohe Granitberg, keine Wolke trübt die Sicht. Er wurde erst im Jahr 1952 durch französische Bergsteiger unter Leitung von Lionel Terray bezwungen. Die erste Alleinbegehung schaffte der Österreicher Thomas Bubendorfer erst 1986. Der zweite Granitobelisk, der Cerro Torre bringt es immerhin auf 3128 Meter, dessen Westwand fast ständig in Eis gehüllt ist. Durch das Chorrillo del Salto geht es für uns zuerst in Richtung Fitz Roy. Die kurze Fahrt geht durch eine wald- und lagunenreiche Gebirgswelt, die immer wieder von grandiosen Aussichtspunkten unterbrochen wird. Ziel ist ein kleiner Parkplatz namens El Pillar. Die 16 km lange Wanderung lohnt und ist eigentlich ein Muss für jeden, der hier in der Region unterwegs ist und nicht gerade die Berge besteigen will. Immer wieder bieten sich grandiose Ausblicke auf den Fitz Roy, und auch der märchenhafte Wald und die wunderschöne Landschaft fordert immer wieder Fotostopps. Ziel ist ein Campingplatz, Basislager für Wanderer und Bergsteiger. Auf dem Weg lag die Lagune Capri, und das geschätzt 8 bis 10 °C kalte Wasser hielt nicht von einem Sprung ins Nass ab. Baden in Patatgonien, am Fuß des Fitz Roy mit seinen Gletschern. Das hat schon etwas. Sicherlich ist diese Wanderung ein weiterer Höhepunkt einer Patagonien-Tour.

Idylle pur: Der Fitz Roy bei blauem Himmel

Den nächsten Vormittags nutzen wir für eine Wanderung zum Gletscher Huemul, ausgehend vom Lago Desierto. Etwa zwei Stunden und 40 km Anfahrt auf Schotterpiste muss man dafür insgesamt einplanen. Der Anstieg schlaucht obwohl es nur 200 Höhenmeter sind, aber er ist sehr steil, was dann natürlich auch für den Abstieg gilt. Natur pur, in der sich der gleichnamige Eisriese von den Bergen in den grünfarbenen See Lago Huemul hinunter schlängelt. Festzustellen ist, dass der Gletscher gegenüber früheren Aufnahmen deutlich zurückgegangen ist, wie so viele weltweit.

Am Nachmittag ging es dann über Cahlten nach Calafalte und per Flugzeug nach Buenos Aires. Eigentlich wäre jetzt das Resumee gekommen, doch der Linienflug mit Aerolineas Argentina war doch etwas außergewöhnlich. Wie immer strahlend blauer Himmel, und das animierte den Kapitän einen kleinen Umweg zu fliegen. In nur 3000 m Höhe flog er mehrere Schleifen über den Perito Moreno-Gletscher. Schön einmal nach rechts und einmal nach links geneigt – und das mit einer großen Boeing, so dass jeder den Gletscher und einen Teil des Eisfeldes wunderbar beobachten und fotografieren konnte. Und das rund 15 Minuten lang. Großer Applaus und vereinzelte Jubelschreie waren die Antwort der Passagiere. Darauf hin ließ sich sogar der Kapitän später kurz sehen. Einmalige Eindrücke, die auch bei unserer Reiseleiterin, die uns spät Nachts in Buenos Aires am Flughafen abholte, für Erstaunen sorgte. Sowohl das Wetter als auch dieser Flug wären wohl etwas Außergewöhnliches, und das war auch so.

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Bildergalerie Huemul-Gletscher und der Fitz Roy

Resümee

Alles in allem: Patagonien bietet grandiose Landschaften, eine fantastische Bergwelt, Gletscher die ihresgleichen suchen… Auch wenn 98 Prozent Patagoniens Steppe sind, die restlichen zwei Prozent lohnen. Auch der zeitaufwändige Abstecher in den chilenischen Teil ist ein Muss. Und man sollte sich genug Zeit nehmen, in fünf oder sieben Tagen durch Patagonien wie es häufiger angeboten wird, kann man auch gleich bleiben lassen, es fehlt Zeit zum Genießen, zum Beobachten, zum Wandern. Es sollten schon um die vierzehn Tage sein, lieber Buenos Aires abkürzen. Die Distanzen legt man – wo möglich – am besten mit dem Flugzeug zurück, man verliert so am wenigsten Zeit und die Abwicklung ist recht zügig. Die Strassen sind gut ausgebaut und meisten geteert, außer in den Nationalparks. Wer Landschaften, Natur, Gletscher und Berge liebt, kommt hier auf seine Kosten. Und das wechselhafte patagonische Wetter? In unserem Falle zeigte es sich von seiner besten Seite. Selbst der immer währende starke Wind machte des Öfteren eine Pause. Aber das lässt sich nicht beeinflussen.

Quellen: Wikipedia, Reisebeschreibung TWR-Latino-Tours, Internetrecherche, eigene Erfahrungen und Erlebnisse

Ecuador 2009, Galapagos-Archipel

Ecuador – das Galapagos-Archipel

Zum Teil 1 Reisebericht Ecuador

Am folgenden Tag ging es erst einmal mit dem Flugzeug zu der Insel Baltra, gelandet wurde auf einem kleinen ehemaligen Militärflughafen, Weiter ging es mit dem öffentlichen Bus durch karge Landschaft zu einem kleinen Hafen und mit einer etwas wagemutigen Fähre nach Santa Cruz, der Hauptinsel. Rund 45 min. später erreichten wir den Hauptort Puerto Ayora mit etwa 10.000 Bewohnern und bezogen erst mal unser Hotel.

Die Insel Santa Cruz ist nicht die größte des Galapagos-Archipels – bedingt durch ihre Größe von knapp 1000 m2 und ihre zentrale Lage jedoch die Hauptinsel. Die Galapagos-Inseln sind vulkanischen Ursprungs, es gibt 13 größere, 6 mittlere und über 100 kleine und kleinste Inseln. Sie bilden den ältesten Nationalpark in Ecuador und wurden 1959 mit dem Ziel gegründet, die einzigartige Flora und Fauna in dieser außergewöhnlichen Landschaft zu erhalten und zu bewahren.

Wenig davon merkt man in der Hauptstadt Puerto Ayora. In den letzten Jahren gebaute Hotels, Restaurants, Diskotheken und Souvenirläden machen die Stadt aus, sie ist nahezu ausschließlich auf den Tourismus ausgerichtet. Es findet sich aber auch die Nationalparkverwaltung und die Charles-Darwin-Forschungsstation. Seit 1965 wird dort neben vielen anderen Aktivitäten ein Nachzuchtprogramm für Riesenschildkröten durchgeführt. Das konnten wir während einer Führung am späteren Nachmittag nach der Ankunft auch anschauen. Während die meisten Menschen in Puerto Ayora heute vom Tourismus leben, gibt es im regenreichen Hochland, das von sattgrünen Scalesia-Wäldern bedeckt ist noch Farmen, auf denen Landwirtschaft betrieben wird. Im Südwesten der Insel befindet sich ein großes Schildkröten-Reservat, das zum Nationalpark gehört. Riesenschildkröten sind somit auch die Hauptattraktion auf der Insel, zumindest was die Tierarten betrifft. Dazu später mehr.

Seit 1959 Nationalpark, sind heute 97 Prozent der Landfläche der Galapagos-Inseln unter Schutz gestellt, nur die Siedlungen und bisher landwirtschaftliche Flächen erhielten Bestandsschutz. Seit 1978 stehen die Inseln auf der Unesco-Liste des Weltnaturerbes. Seit 2007 wird das Naturerbe jedoch von der Unesco als gefährdet eingestuft und auf der roten Liste geführt.

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Aufgrund ihrer Entfernung von anderen Landmassen zeichnen sich die Galapagosinseln durch eine Vielzahl endemischer Tier- und Pflanzenarten aus. Die Einführung fremder Arten, sowie die Jagd haben im 19. Jahrhundert viele dieser einzigartigen Tierarten wie die Galapagos-Riesenschildkröte fast zum Aussterben gebracht. 1999 verursachte ein besonders heftiger El Niño ein enormes Korallensterben und vernichtete etwa zwei Drittel der Pinguin-Population.Die abgelegenen Inseln wurden im April 2007 per Dekret von der Regierung zu einem ökologischen Risikogebiet erklärt. Tourismus, Luftfahrt und Ansiedlung werden künftig eingeschränkt.

Dennoch bietet die Inselwelt der Galapagos ein einmaliges Erlebnis und nur hier vorkommende Tier- und Pflanzenarten. Weiterhin bietet das Meeresgebiet rund um die Inseln einen großen Fischreichtum. Zusehen sind zum Beispiel Seebären und Seelöwen, Mähnenrobben, Riesenschildkröten, Meerechsen und Landleguane, Lavaechsen, zahlreiche Vogelarten, auch Greifvögel wie Seeadler, und viele Fischarten, etwa Seegurken, Haie und dergleichen. Quelle: Wikipedia, Internetrecherche

El Niño (spanisch für „der Junge“) nennt man das Auftreten ungewöhnlicher, nicht zyklischer, veränderter Strömungen im ozeanographisch-meteorologischen System des äquatorialen Pazifiks. Obwohl man schon 1726 erstmals El Niño registrierte, wird bis heute noch nicht vollständig verstanden, warum es etwa alle 3 bis 8 Jahre zu einer solchen Erwärmung des Meerwassers im Ostpazifik kommt. Auf drei Vierteln der Erde werden die Wettermuster beeinflusst. Auf den Galapagos-Inseln und an der südamerikanischen Küste kommt es zu starken Regenfällen und in der Folge zu Überschwemmungen. Zugleich stirbt durch die Erwärmung des Meereswassers das Plankton. Es folgt ein Massensterben von Fischen, Seevögeln und Korallen.

04-santa-fee-235Die erste Bootstour ging zu der Insel Santa Fe. Sie war ursprünglich gar nicht im Programm vorgesehen, die Nationalparkverwaltung ermöglichte dies aber. Nur ein Landgang blieb verwehrt. Mit einem kleineren, hochseetauglichen Boot und 20 Personen inklusive der Besatzung ging es in rund 1 ½ Stunden durch kabbelige See zu einer Art Naturhafen. Hier ließen sich von Boot aus mehrere Seehunde-Kolonien beobachten, einige Meerechsen und zahlreiche Vögel wie Blaufußtölpel.

Dann konnte man hier schnorcheln und die Unterwasserwelt beobachten. Tausende Fische, schlicht oder farbenprächtig, klein oder einen halben Meter groß, auch Rochen, ließen sich sehen – leider keine Haie. Dafür natürlich Seehunde. So konnte man bis auf wenige Meter an sie heranschwimmen, sie ließen sich gar nicht beeindrucken. Generell fällt auf, dass das Verhalten der Tiere gegenüber Menschen anders ist. Sie haben keine Scheu, lassen sich nicht stören, selbst kleine Vögel sind unbeeindruckt vom Menschen. Schließlich kennen sie ihn nicht als Feind, sind schon lange geschützt und werden nicht gejagt. Zu dritte sind wir dann etwas vom Boot weggeschwommen hatten die Gelegenheit gleich fünf Seehunde zu beobachten, die um uns herumtollten, sogar mit Berührung. Einfach schön.

Dann ging es etwa eine Stunde zu einem Strand von Santa Cruz. Aussteigen erfolgt übrigens durchs Wasser, manchmal auch bauchhoch – kein Problem selbst mit Kamera und Foto. Hier konnte man baden oder auch weitere Vögel, Meerechsen oder farbenprächtige Krebse beobachten und sich mit Mangroven-Wäldern beschäftigen. Übrigens mit Begleitung – wer wollte –, einer deutschsprachigen Führerin der Nationalparkverwaltung.

Am nächsten Tag ging es um 8 Uhr los, zu der Insel Bartolome, eine der meist fotografierten aller Galapagosinseln. 45 Minuten Busfahrt zu einem günstiger gelegenen Hafen, etwas über zwei Stunden Fahrt (zu zwölft) auf einer gut ausgestatteten Hochseejacht, ruhige See und traumhaftes Wetter – ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Aber der Wettergott meinte es gut mit uns, übrigens schon nahezu die ganze Reise. Sie ist eine der kleineren und geologisch jüngeren Inseln, nur 1,2 km² groß. Benannt wurde sie nach Leutnant David Ewen Bartholomew von der Royal Navy.

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Bartolome gehört zu den wenigen Inseln des Archipels, auf denen nicht die Tierwelt dominiert, sondern die Landschaft beeindruckt. Begonnen haben wir jedoch mit einer Schnorcheltour an einem wunderschönen Sandstrand, den wir mit Robben teilten, die keinerlei Scheu zeigten – typisch für Galapagos. Sie schwommen sogar beim Schnorcheln mit und beobachteten uns manches Mal, blieben aber die meiste Zeit unbeeindruckt. Dem folgten ein gutes Essen auf dem Schiff und ein kurzer Aufstieg zum 114 m hohen Aussichtspunkt. Er führt durch eine trostlose und doch bizarre, gewaltige Mondlandschaft aus Bimsstein, Schlacke und Asche. Hier wachsen hellgraue Tequilapflanzen, die ihren Wasserbedarf durch den spärlichen Morgentau bekommen. Am Gipfel bietet sich ein einzigartiges und atemberaubendes Panorama. Etwas weiter im Süden ragt eine weitere kleine Insel, das Urbild eines Vulkans, aus dem Meer. Besondere Attraktionen sind zudem die Strände, der auf Fotos von Galápagos häufig zu sehende Pinnacle Rock sowie die dort zu sehenden Galápagos-Pinguine. Und die sahen wir auch wie auch zahlreiche Wasservögel beim Fischfang. Wie Geschosse schlagen sie im Sturzflug auf die Wasseroberfläche ein, schnappen sich einen Fisch und weiter geht’s. Auch die etwas tölpelhaft erscheinenden Pelikane erweisen sich als erfolgreiche Jäger. Unsere geduldige Naturführerin ließ uns viel Zeit, und so kamen wir erst gegen 18.30 wieder im Hotel an, mit rund zwei Stunden Verspätung. Nichts ungewöhnlicher aus dieser Reise. Ein traumhafter Tag.

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Bildergalerie Galapagos I – Anreise, Puerto Ayora, Santa Fee, Bartolomé

Am nächsten Tag ging es nach Plaza Sur. Nur 25 m aus dem Meer ragt die nahe der Ostspitze von Santa Cruz gelegene Insel. Auf der trockenen, unter der Hitze ächzenden, von roten Flechten und Opuntien geprägte Insel gibt es eine ganz erstaunliche Vielfalt. Zu allererst begrüßen einen die Seelöwen, die die Anlandestelle nur unter Protest räumen. Gleich darauf begegnen einen im Schatten dösende Landleguane in einem Opuntienhain. Sie warten darauf, dass die reifen Feigen oder Blätter von den Kakteen abfallen, das ist ihre einzige Nahrungsquelle. Gibt es zu wenig, etwa durch zu große Trockenheit, haben sie ein Problem. Die Männchen fallen durch ihre leuchtend gelbe Farbe besonders auf und erreichen eine Länge von bis zu einem Meter. Landleguane treffen trifft man übrigens überall auf dieser Insel.

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Auf den windigen Klippen brüten die zierlichen Gabelschwanzmöwen, Sturmschwalben, goldene Drusenköpfe und der Rotschnabel-Tropikvogel mit seinen schönen langen Schwanzfedern. Und immer wieder begegnen einen die Seelöwen, räkeln sich in der Sonne oder im Schatten, streiten auch mal oder säugen ihre Jungen. An den Felsen im Wasser lassen sich rote, handtellergroße Krabben beobachten und ab und zu stößt man auch auf ein Gerippe, auch von Seelöwen. Und immer wieder faszinierend, die Unbekümmertheit der Tiere gegenüber dem Menschen. Etwas weiter von der Insel erhebt sich Gorden Rocks steil aus den Tiefen des Ozeans. Hier ist ein bevorzugtes Tauchrevier, um die Hammerhaie zu beobachten.

Von dort aus ging es weitere zu Insel Seymour. Die rund 2 km2 kleine, flache Insel ist von silbergrauen Balsabäumen und Feigenkakteen bewachsen und von Menschen weitgehend unberührt. Die Insel ist die Heimat zahlreicher Vogelarten wie Fregattvögel und Blaufußtölpel, die zwischen den Büschen an der Küste nisten. Gabelschwanzmöwen, Audubon-Sturmtaucher und Noddiseeschwalben bauen Ihre Nester dagegen auf den Klippen. Eine Rundwanderung von etwa 1,5 km führte natürlich zuerst an Seelöwen vorbei, aber gleich darauf das erste Nest (immer am Boden, schließlich gibt es keine Feinde) mit brütenden Blaufußtölpeln und flauschigen Jungen. Dann folge eines nach dem anderen, man muss schon auf dem Weg bleiben, aber auch hier aufpassen. In manchen Nestern fanden sich auch zwei Junge, nur eines hat jedoch eine Überlebenschance. Das später geborene geht zugrunde oder wird vom Erstgeborenen attackiert und aus dem Nest geworfen. Manchmal versuchen die Alttiere auch zwei Junge aufzuziehen, doch führt das fast immer zum Tod beider Jungen, weil die Nahrung dann nicht ausreicht.

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Auffallend sind auch die männlichen Prachtfregattvögel. Sie blähen ihren roten Kehlsack auf – das kann bis zu 20 min. dauern – spreizen ihre metallisch glänzenden Flüge und versuchen damit, vorbei fliegende Weibchen zu beeindrucken. Prachtfregattvögel können über einen Meter lang werden, haben eine Flügelspannweite von bis zu 2,30 m und ein Gewicht bis zu 1,6 kg. Das Gefieder ist bei erwachsenen Tieren überwiegend glänzend schwarz, nur das Weibchen hat eine weiße Binde an der Unterseite. Jungvögel dagegen sind an Kopf und Unterseite weiß, auf der Oberseite braunschwarz mit sandbrauner Stricheln. Sein Gefieder ist wenig Wasser abstoßend, daher schwimmt er fast nie. Er fliegt akrobatische Luftmanöver und kann stundenlang segeln, wird bis zu 26 Jahre alt. Sie betätigen sich als Luftpiraten, rauben anderen Vögeln Beute und Material zum Nestbau.

03-charles_darwin_station-156Am Folgetag blieben wir dann auf Santa Cruz. Zuerst besuchten wir das Hochland, hier finden sich noch zahlreiche, riesige Landschildkröten, die problemlos über 200 Jahre alt werden und mehrere hundert Kilogramm wiegen. Geschlechtsreif werden sie erst mit rund 45 Jahren, die Sterbensrate innerhalb der ersten fünf Jahre ist sehr hoch. Deswegen entnimmt man jährlich 100 Eier, brütete sie aus und entlässt die jungen Schildkröten nach fünf Jahren in die „Wildnis“. Hier sind übrigens die landwirtschaftlichen Flächen eingezäunt, nicht die Wildtiere. Sie können sich überall hinbewegen, wo sie wollen. Keine Zäune trennen ihre Wege.

Zurück in Puerto Ayora ging es zu Fuß zu der etwa 3 km entfernten Tortuga Bay, sie ist nur per Fuß zu erreichen. Dabei handelt es sich um einen weißen Sandstrand in einer großen Bucht. Am Ende der Bucht erreichten mit Beginn der Mangrovenwälder und Opuntienhaine finden sich gegen Nachmittag zahlreiche Meeresechsen, nachdem sie das Wasser verlassen haben und sich in der Sonne aufwärmen. Leider war es an diesem Tag recht trüb, so dass sie nahezu bewegungslos verharrten, Kämpfe und Spiele blieben aus. Dennoch beindruckend diese Mengen an den bis zu 1,50 m langen Echsen. Sie ernähren sich im Gegensatz zu den Landechsen ausschließlich von Algen.

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Bildergalerie Galapagos-Inseln II – Plaza Sur, Seymour, Santa Cruz

Auch Meeresechsen finden sich überall auf dem Archipel. Sie werden bis 1,5 m lang und 12 kg schwer. Am frühen Morgen herrscht Ruhe, sind die wechselwarmen Reptilien doch noch starr von der Kühle der Nacht. Erst am Nachmittag kommt Leben in die aufgewärmten und hungrigen Echsen. Kräftigere männliche Tiere begeben sich dann ins tiefere kalte Wasser, um Algengärten abzuweiden. Sie tauchen bis zu 20 m tief und bleiben bis zu einer Stunde unter Wasser. Nur hier ist das möglich, liefert die Sonne doch genügend Energie, um das kalte Wasser auszuhalten. Und nur große und kräftige Echsen schaffen den bis zu zwei Stunden dauernden Wasseraufenthalt. Der Weg zurück zum Ufer ist ein Kampf, sind die Echsen inzwischen doch so ausgekühlt, dass nicht einmal mehr die Verdauung funktioniert. Dafür sorgt dann der Aufenthalt auf den heißen Steinen mitten in der Sonne. Die Weibchen und jüngeren Echsen nutzen die Algengärten im flacheren und etwas wärmeren Wasser oder warten bis zur Ebbe, um dann freiliegende Algengärten zu erreichen. Die überlassen die kräftigeren Männchen übrigens den Weibchen und Jungen, da sie tiefere Tauchgänge nicht überleben würden. Zudem benötigen die Männchen mehr Nahrung, sind auf die tiefer gelegenen Algenfelder angewiesen. Spät nachmittags kann es dann so heiß werden, dass sich selbst die Echsen zurückziehen. Jeder Tag eine Gratwanderung zwischen Kälte und Hitze.

Resümee

Ecuador ist ein vielseitiges Land. Natur, Landschaften, die Tier- und Pflanzenwelt ist – besonders auf Galapagos – einmalig. Hier steht im Gegensatz zu unseren letzten Südamerikareise nach Peru nicht die Geschichte mit den Inkas mit Macchu Pichu oder Cusco, die alten Moche_kulturen oder die Chimus im Vordergrund, sondern eben die Natur. Natürlich findet man auch alte Ruinen, die aber sind nicht zu vergleichen. Besondere Höhepunkte waren das Amazonas-Becken (besonders in Verbindung mit der Sacha Lodge), das Paramo-Naturreservat (Mirador el Moran – nur selten in Rundreisen enthalten aber absolut empfehlenswert), die Gegend um den Cotopaxi, der Aufstieg auf 5000 m am Chimborazo und ganz besonders natürlich die Galapagos-Inseln. Für uns am beeindruckendsten. Die Tiere. Keine Scheu vor den Menschen, sie haben ihn halt einfach die letzten 50 Jahre nie richtig kennen gelernt. Ein Paradies, wenn auch ein hartes was die Lebensbedingungen angeht.
Was Städte und Menschen angeht waren am interessantesten der Indiomarkt in Otavalo, der Obst- und Fleischmarkt in Pujili (auch nur selten in den Programmen, war auch bei uns ursprünglich nicht vorgesehen), sowie die Städte Baños und Cuenco (leider zu wenig Zeit).
Alles in allem eine wirklich empfehlenswerte Reise, die vielleicht sogar mal der Fortsetzung harrt. Galapagos ließe sich von Schiffen aus machen, ist jedoch teurer, man kann natürlich schlecht in den Hafenstädtchen bummeln und essen, zumal sind bei jedem Landgang je nach Größe des Schiffes mehrere Gruppen von maximal 16 Leuten dicht an dicht. Dafür lassen sich auch einzelne entferntere Inseln besuchen und man spart einiges an Transferzeit in Bussen und auf Schiffen. Hat halt alles seine Vor- und Nachteile.

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Quellen: Wikipedia, TWR-Tours, Internetrecherche, eigene Erfahrungen

Reisebericht: Das Festland

Ecuador, Juni 2009

Berge, Dschungel und ferne Inseln

Unsere Route: Quito – Amazonasbecken (Coca, Sacha Lodge, Yasuni Nationalpark) – Quito – Calderon – Lagune Cuicocha – El Angel – Paramo Naturreservat – Pujili – Otavalo – Peguche – Quito – Cotopaxi – Limpiopungo See – Latacunga – Baños – Riobamba – Chimborazo – Ingapirca – Cuenca – Nationalreservat – Guayaquil – Galapagos (Insel Santa Cruz, Darwin Forschungsstation, Insel Santa Fe, Insel Bartolome, Insel Seymor, Insel Plaza Sur)

Kurzinfo: Die Republik Ecuador im Nordwesten Südamerikas zwischen Kolumbien und Peru gelegen bietet eine ungeheure Vielfalt, sei es unter geographischen, topographischen, klimatischen oder ethnischen Aspekten.. Vier unterschiedliche Zonen prägen das Land: der westliche Küstenbereich (Costa) besteht aus Schwemmland und einem niedrigen Küstengebirge und wird durch den Río Guayas dominiert. Die zentrale Andenregion (Sierra) umfasst zwei von starkem Vulkanismus geprägte Gebirgsketten und das Hochtal dazwischen. Das östliche Amazonas-Tiefland (Oriente) beginnt an den Osthängen der Anden und umfasst das dünn besiedelte Amazonasbecken. Und etwa 1000 km vor der Küste liegen die Galápagos-Inseln.

In Ecuador, das etwas größer ist als Großbritannien, leben rund 14 Millionen Einwohner, die meisten davon in den Regionen um Guayaquil(3,3 Mio.) und in der Hauptstadt Quito (1,9 Mio.). Insgesamt leben damit über 40 Prozent in den beiden größten Städten. Wobei Guayaquil das Wirtschaftszentrum des Landes mit dem größten Hafen Ecuadors ist.

Ecuador-Reisebericht ohne Bilder zum Runterladen mit Tipps und Informationen

Kurzer Trailer (4 min.)  aus Berge, Regenwälder und ferne Inseln, unterwegs in Ecuador und Galapagos.

Lohnenswerte Links zu Ecuador:
allg. Länderinformation
Wikipedia
– allg. Reiseführer
Auf einen Blick
Exploring Ecuador

Quito

Reiseveranstalter: TWR Latino Tours
Reiseleiter: Fredy Melo

Reisebericht Teil II, das Galapagos-Archipel


Anreise: Nach rund 20 h von Stuttgart nach Quito über Amsterdam, mit Zwischenlandungen auf den Niederländischen Antillen und in Guajaquil sind wir gegen acht Uhr morgens in Quito gelandet (in Deutschland 15 Uhr). Unser Reiseführer Fredy Melo hat uns abgeholt und ins Hotel San Francisco Quito im Zentrum der Metropole (2,5 Mio. Einwohner, 50 km lang und 5 km breit, von Bergen umgeben, etwa 2800 m hoch gelegen) gebracht. Nach einer kurzen Ruhepause ging es zu Zweit in die Altstadt und zur Kathedrale (beides Weltkulturerbe), um etwas Atmosphäre zu schnuppern und die ersten Aufnahmen und Fotos zu machen – mehr zu Quito gibt es nach unserem Aufenthalt im Amazonas-Becken. Abends reisten dann die weiteren Teilnehmer für unsere „Dschungeltour“ am nächsten Morgen an. Gleich eine erste Änderung. Der Flughafen im Amazonas-Tiefland ist geschlossen, also geht es eine Stunde früher (7.30) zu einem anderen, etwa 2 h nördlich gelegenen Flughafen. So kommen wir noch zu der Gelegenheit einer entsprechenden Fahrt über Dschungelpisten, bevor es mit dem motorisierten Kanu wie geplant weiter geht. Mehr dazu morgen.

Im Amazonasbecken

Früh morgens pünktlich am Flughafen, doch der Abflug verzögert sich: Der Grund, schlechtes Wetter am Zielflughafen. Doch schon knapp eine halbe Stunde später als geplant startete dann das Flugzeug (Flugdauer 25 min.), so dass wir um elf im Amazonas-Becken landeten. In knapp zwei Stunden ging es dann mit dem Bus entlang an größeren und kleineren Städten, Öl- und Gaspipelines und Regenwald nach San Francisco de Orellana, bekannt als Coca. Das Gepäck gut und wasserdicht verpackt folgte die 2-stündige Fahrt in einem motorisierten Kanu den Rio Napo flussabwärts (80 km), weitere 30 Minuten dauerte der Fußmarsch bis an den Lago Pilchicoccha, dem Schwarzwassersee.
 

Der erhöhte Weg führte dabei durch einen dichten, unter Wasser stehenden Palmenwald. Unterwegs gab die ersten Begegnungen mit zahlreichen kleinen Totenkopfaffen. In Einbaumkanus überquerten wir dann den Schwarzwassersee mit Ziel Sacha Lodge. Übrigens ist diese Gegend laut dem Reiseführer Malariafrei, da das Wasser basisch ist und sich die Mücken darin nicht vermehren können. Stand-by-Malariamittel reichen also. Kritisch wäre es nur, wenn etwa Stürme Anopheles-Mücken aus anderen Gegenden her wehen würden.

Mitten im Dschungel gelegen besitzen die im traditionellen Amazonasstil errichteten Cabañas ein hohes, strohgedecktes Dach und eine überdachte Terrasse. Und manmerkt sehr schnell, nicht erst in der Lodge, dass man sich im Regenwald aufhält. Nein, Regen gab es bis dato noch keinen, aber die Temperaturen und besonders die Luftfeuchtigkeit sprechen eine eindeutige Sprache. Spezielle Trockenschränke – unten brennt eine Glühlampe die ganze Zeit und trocknet die Luft – sorgen dafür, dass elektrische Geräte wie Kamera, Handy, Foto oder Notebooks nicht zu schnell den Geist aufgeben. So bleiben diese Geräte – ein Handy braucht sowieso niemand – im Trockenen, was jedoch weniger für die Kamera und den Foto in Frage kommt, sonst gäbe es ja keinen Film und eben keine Fotos. Und das Netbook schlägt sich bisher auch ganz gut – verschwindet nach dem Sichten der Fotos und dem Schreiben des Tagebuchs jedoch wieder im „Trockenen“.

Nach einer Einweisung und einer kürzeren Ruhepause ging es dann erst mal zur Schuhprobe (Gummistiefel) und zum Abendessen (ausgezeichnete Küche, sicherlich nichts zum Abnehmen, und das mitten im Dschungel). Gegen Halb neun folgte dann eine Kanufahrt in die dunkle Nacht hinaus, denn die meisten Tiere sind Nächtens unterwegs. Zu sehen bekamen wir jedoch in dieser ersten Tour wenig, dafür umso mehr zu hören. Dennoch ein Muss, traumhalf diese Stimmung. Am kommenden Morgen geht es dann übrigens um 5.30 Uhr wieder los. Generell ist man früh morgens auf Achse und am späten Nachmittag in die Nacht hinein. Dazwischen wird relaxt, gebadet oder gefischt. Geschwommen übrigens im gleichen See, in dem es auch Alligatoren und Piranhas gibt. Doch auch die sind Nachtaktiv, versicherte man uns.

Tags darauf ging es zuerst mit dem Kanu bei Regen etwa eine Stunde durch den Regenwald und weiter zu Fuß einem nahe gelegenen etwa 45 m hohen Beobachtungsturm, konstruiert um einen alten Kapokbaum. Die Fahrt mit dem Kanu, einfach schön. Der dichte Regenwald, vorbei an Totenkopf- und Kapuzineraffen und der Morbidität des vermodernden Waldes. Von dem Beobachtungsturm aus ließ sich dann die Welt der tropischen Baumwipfel des Regenwaldes studieren, eine ganz andere Welt. Wobei schon der Beobachtungsturm allein sehenswert wäre. Aber der Blick, die Pflanzenwelt in 45 m Höhe, zahlreiche Vögel – leider nur aus der Ferne zu erkennen, dennoch, der Aufstieg lohnt. Bei klarem Wetter kann man in der Ferne die Anden mit ihren Vulkanen Sumaco, Antisana und Cayambe erkennen, das blieb uns aber verwehrt. Wobei die Stimmung im Regenwald bei trübem Wetter besonders interessant ist. Zumal es zwischenzeitlich nicht mehr regnete und es aufklarte. Kurz nach Sonnenaufgang oder kurz vor Sonnenuntergang ist übrigens die beste Zeit um Tukane, Papageie und eine Vielzahl anderer bunter Vögel zu beobachten.

Zurück in der Lodge war erst mal Relaxing angesagt. Eigentlich könnte man es hier deutlich länger als die vier von uns geplanten Tage aushalten. Und das Bad im Schwarzwassersee war wunderbar, bei ca. 25 °C. Und nebenan zogen sie mit Fleischstückchen als Köder Piranhas aus dem Wasser. Aber Menschen scheinen ihnen nicht zu liegen (Fotobeweis siehe rechts oben).

Die Sacha Lodge mit ihren rund 1800 ha Fläche ist das größte private Reservat im Amazonas-Tiefland in Ecuador. Das Schutzgebiet liegt am Yasuni-Nationalpark, es gibt keine Jagd, keine Erdölexploration oder Goldsuche. Im Besitz eines Schweizers lebt man hier im Einklang mit der Natur, dennoch komfortabel, hat man sich doch einen umweltverträglichen Tourismus auf die Fahnen geschrieben. Unterstützt wird auch die einheimische, indianische Bevölkerung, etwa 60 von Ihnen arbeiten auf der Lodge. Insgesamt stehen 26 Kabinen für Besucher zur Verfügung, denen Regenwald pur mit Kanufahrten, Nachwanderungen, Tier- und Pflanzenbeobachtungen, ein Aussichtsturm und eine Hängebrücke (Baumwipfelpfad), Papageienlecken (im Yasuni-Nationalpark) und vieles mehr geboten werden – und das bei allem gebotenen Komfort, schöne, geräumige Lodges, eine ausgezeichnete Küche, Bar, Leseräume, Bademöglichkeiten im Schwarzwassersee (unbedingt nutzen)…, ohne es dabei aber zu übertreiben. Meine Bewertung: Hinfahren und genießen – absolut empfehlenswert auch der Service und die Menschen. Hinkommen kann man übrigens nur über eine mehrstündige Anreise über den Fluss Napo. Doch das alles organisiert die Sacha Lodge. Ein Manko aber bleibt: Unser Aufenthalt war einfach zu kurz – ruft nach einer Wiederholung.

Nachmittags ging es dann in einem etwa 40-minütigen Fußmarsch durch den Dschungel zu einem etwa 275 m langer Baumkronen-Pfad in Form einer sehr langen Hängebrücke an drei Türmen. Eigentlich nur etwas für Schwindelfreie, aber auch Elke hielt durch und ließ sich diese Ausblicke nicht entgehen. Auch hier gab es Gelegenheit, eine Vielzahl von Tieren und Pflanzen (Epiphyten) zu studieren, die vom Boden aus nur sehr selten sichtbar sind.


Nach dem Abendessen folgte dann noch eine 40-minütige Nachtwanderung mit Taschenlampen, gesichtet wurde eine Tarantel, zahlreiche andere, zum Teil handtellergroße Spinnen, zwei Würgeschlangen, Frösche und Stabheuschrecken. Ein kleiner Einblick was die Nacht im Dschungel so an Insekten bietet.

Am kommenden Tag ging es dann schon frühmorgens (um fünf) zum Yasuni Nationalpark zu zwei Papageien-Lecken, etwa eineinhalb Stunden (mit Einbaum, zu Fuß und motorisiertem Kanu) von der Lodge entfernt. Aus einem Unterstand erwarteten wir in großer Stille (von uns) die Papageien, die üblicherweise zwischen 7 und 8 Uhr eintrudeln Schon auf dem Weg dorthin fing es jedoch an zu regnen. Schlechte Voraussetzungen, dennoch probierten wir es. Und hatten Glück, immerhin neun Aras ließen sich nach einiger Wartezeit beobachten. Etwas verspätet ging es zu einer anderen Stelle, und hier herrschte einfach der Wahnsinn. Nach eiern relativ kurzen Wartezeit von einer halben Stunde kamen zwei Arten von Wellensittichen herunter zu der Lecke. Hunderte mit einem ohrenbetäubenden Lärm, einfach fantastisch. Und erst der Abflug…,mehr davon später auf dem Film.

Insgesamt elf Arten von Papageien, Sittichen und Aras finden sich – sofern man Glück und Geduld hat und völlig still ist – in großer Zahl an den Lehmwänden ein und fressen die mineralhaltige Erde. Zur gleichen Zeit fliegt der Rest der Vögel laut kreischend um die Lehmwand herum oder hält sich in den umliegenden Bäumen auf. Bei idealen Verhältnissen (sonnig und trocken) kommen Hunderte von Papageien hierher, eine Schau aus Klang und Farbe. Sie fressen eine bestimmte lehmhaltige Erde um die giftigen Substanzen in den unreifen Samen zu kompensieren, das ist lebensnotwendig. Deshalb gehen sie das Risiko ein, die sicheren Baumkronen zu verlassen, das wissen natürlich auch Raubvögel und andere Jäger.

Nachmittag fuhren wir übrigens (fünf unverbesserliche und drei Führer) noch einmal hin um eventuell weitere Aras zu beobachten, hatten jedoch kein Glück mehr, der Regen hatte wieder eingesetzt. Dennoch lohnenswert, die Wanderung und Kanufahrt im strömenden Regen, gute Aufnahmen von dem, was den Regenwald halt ausmacht, die Bootsfahrt auf dem Napo… Generell hat es übrigens weniger als erwartet geregnet, immerhin begann die Regenzeit – was aber gar nichts ausmacht.

Elke und der Rest besichtigte u. a. ein in der Lodge beheimatete Schmetterlingshaus, eines der größten Ecuadors. Hier finden sich über 40 einheimische Schmetterlingsarten, es gab viele Informationen über Aufzucht und Lebensbedingungen. Im sogenannten Flugzimmer finden sich hunderte bunter Schmetterlinge, etwa durchsichtige Glasflügel-Schmetterlinge, spektakuläre blaue Monarchen, bemerkenswerte Heliconius-Arten, gelbe Schwalbenschwänze und riesige nachtaktive Bananenfalter um nur einige zu nennen. Und zu beobachten waren auch die kleinsten Affen der Welt, gerade mal etwas größer als eine Hand, und der Nachwuchs etwa Daumengroß.

Bildergalerie Amazonasbecken und Sacha Lodge

Quito

Nach den Tagen im Dschungel ist Quito – auf rund 2800 m Höhe gelegen – eine andere Welt. Besiedelt ist die Hochebene bereits seit etwa 1500 v. Chr., die Stadt selbst gründetet die Spanier 1563. Auf dem Programm stand als erstes natürlich ein Spaziergang durch die historische Altstadt, unser Reiseleiter für Quito und den rest der Rundreise war Fredy Melo. Alt Quito wurde übrigens als erste Stadt überhaupt in die Liste des Unesco-Weltkulturerbe aufgenommen und gilt als die älteste Metropole Südamerikas. Prächtig ausgestattete Kirchen die bis ins 16. Jahrhundert zurück reichen, die zentralen Plätze und koloniale Paläste – darunter der Präsidentenpalast – bilden das Umfeld.

Derzeit leben in Quito etwa 2,2 Mio. Einwohner, die Stadt hat eine Länge von rund 45 km und eine Breite von bis zu 5 km. Aufgrund der kolonialen Vergangenheit und der starken Präsenz katholischer Orden ist Quito eine stark vom römisch-katholischen Glauben geprägte Stadt, etwa 92% der Ecuadorianer sind Katholiken, wenn auch des Öfteren in einer besonderen, mit Naturreligionen vermischten Form. zumindest formal Mitglieder der katholischen Kirche, eine Zahl, die auch auf Quito zutreffen dürfte.

In Vergangenheit und Gegenwart haben Erdbeben und Aschefälle Quito häufig heimgesucht, ist die Stadt doch von 14 Vulkanen umgebe. Zerstörte Gebäude in der Altstadt wurden nach Erdbeben mindestens viermal wieder aufgebaut. Der letzte große Vulkanausbruch fand im September 2002 statt.

Einen schönen Blick nicht nur auf Quito bietet sich übrigens vom El Panecillo-Hügel, den wir nach einer ausgiebigen Rast am Plaza San Franciso per Bus erklommen. Zu sehen bekommt man auch die umliegenden Andenkordilliere mit ihren schneebedeckten Bergen.

Rund 15 km nördlich von Quito lag unser nächstes Ziel, die „Mitte der Welt“. Hier teilt der Äquator die Erdkugel in die nördliche und südliche Hemisphäre. Im Inneren des Monumentes befindet sich das Ethnographische Museum, das sich mit den Kulturen des Landes befasst. Das hier liegende, im spanischen Stil erbaute Dorf, beherbergt zahlreiche Geschäfte und Restaurants. Das alles hat nur einen Schönheitsfehler: Denn das Monument liegt gar nicht am Äquator, sondern 144 m zu weit südlich. Man hatte sich damals schlicht vermessen. Also ging es zum „richtigen“ Äquator in ein weiteres Museum, das aber die meisten Besucher gar nicht wahrnehmen. Nun gut, ob die obligatorischen Fotos nun an der richtigen Stelle entstanden oder nicht, merkt daheim keiner. An der richtigen Stelle lassen sich jedoch einige Experimente vornehmen, ein bekanntes: Der Strudel am Abfluss eines Wasserbeckens: Einmal geht es links herum, einmal rechts und direkt am Äquator direkt nach unten. Wobei das alles nur ein Trick ist. Nur kurz: Die sogenannte durch die Erdrotation verursachte Coriolis-Kraft, die dafür verantwortlich sein soll, ist viel zu gering um den Abfluss des Wassers zu beeinflussen.Das hängt von vielen Faktoren ab, etwa von der Form des Abflusses. Und noch viel mehr davon, wie ich das Wasser aus dem Eimer ins Becken schütte und welchen Drall ich ihm damit gebe.

Bildergalerie Quito

El Angel, Paramo-Naturreservat und Otavalo

Nach zwei Tagen in Quito ging es gen Norden. Über Calderon und Cuicocha fuhren wir nach El Angel.
Calderon mit seinen über 100.000 Bewohnern ist am ehesten bekannt für die Brotfiguren. Bunt bemalt gibt es sie in vielen Geschäften entlang der Hauptstraße zu kaufen. Wobei nur mehr wenige davon heute mit der Hand geformt werden sondern maschinell hergestellt sind. Es finden sich auch anlassbezogene Motive in Form von Hochzeitspärchen oder Trachtenfiguren sowie Bäume, Tiere oder Krippen. Wir kamen nach einer etwa einstündigen Fahrt von Quito aus nach Calderon und besuchten einen kleinen Laden, in dem die Figuren noch mit Hand hergestellt werden. Und fanden sogar ein schönes Souvenir, zwar nicht aus Salzteig, sondern aus Ton – und das schon zu Beginn der Rundreise.

Weiter ging es in Sichtweite zum erloschenen Vulkan Cayambe (5790 m) via dem gleichnamigen Ort Cayambe – hier überquert man den Äquator – durch eine herrliche Landschaft mit zwei Stopps zur tiefblauen Laguna de Cuicocha, überragt vom Vulkan Cotacachi. Nach einem kurzen Spaziergang erreicht man einen schönen Aussichtspunkt, gelegen auf 3086 m. Die rund drei Kilometer durchmessende Caldera entstand bei einer Eruption vor etwa 3100 Jahren. Seit dieser Zeit ruht der Vulkan, ist jedoch noch aktiv, wie man an Gasausstritten feststellen kann. Der bis zu 200 m tiefe See ist hochgradig alkalisch und beherbergt wenig Leben. Anders auf den Inseln des Sees. Hier findet sich zum Beispiel der silberne Lappentaucher, der sich von Algen ernährt. Rund um den See finden sich auch zahlreiche Pflanzen wie Orchideen, Algaven und vielem mehr. Ein Paradies für Botaniker oder Fotografen.

Weiter ging es dann über El Angel zu einer auf rund 3500 m gelegenen, rustikalen Lodge, am „Ende der Welt“ gelegen. Zum Schluss benötigten wir für 15 km Strecke rund 45 min. Fahrtzeit. Vorher ging es rund zwei Stunden über die Pan America. Zuerst wurde in der Lodge der Holzofen angeschmissen, es war doch schon sehr kühl geworden in dieser Gegend, Temperaturen um Null Grad sind nicht selten. Es folgte ein gutes Essen, dann wurden noch einige Holzscheit nachgelegt, was folgte war ein tiefer Schlaf nach dem doch langen Tag.

Paramo Naturreservat
Heute ging es erst mal in den Nationalpark El Angel, auf über 3600 m gelegen. Besonders die 2 bis 3 m hohen Frailejones-Blumen fallen auf. Nach einer etwa 45 minütigen Fahrt durch wunderschöbe Landschaften und einem etwa einstündigen Fußmarsch erreichten wir den Mirador de Moran auf etwa 4000 m Höhe. Von dort aus hat man einen fantastischen Ausblick, die Grenze zu Kolumbien ist nur noch 20 km entfernt. Die Frailejones-Blumen wachsen pro Jahr übrigens nur rund einen Zentimeter, dran lässt sich ihr Alter also sehr gut abschätzen. Die größten von Ihnen schaffen 10 m, sind also runde 1000 Jahre alt. Die gesamte Landschaft bietet traumhafte Ausblicke, Fotomotive und in der Ferne sahen wir auch den Andenkondor.

Zurück in der Polylepis-Lodge folgte einem ausgiebigen Mal (u. a. frische Forellen) eine Wanderung durch einen märchenhaften Polylepiswald mit seinen Lagunen. Eine nicht ganz einfache Tour durch den dichten Wald über glitschige Pfade, durch dichtes Unterholz und hoch zu einemWasserfalle, Dauer immerhin über drei Stunden. Einige von uns verliefen sich auch, schafften es aber vor der Dunkelheit zurück zur Lodge. Polylepis ist übrigens der lateinische Name von kleinen, windbestäubten Bäume und Sträucher mit Wuchshöhen zwischen einem und sechs Meter und Kronendurchmesser zwischen drei und fünf Metern. Sie besitzen eine rötliche, abblätternde Rinde, einen gewundenen Stamm und kleine, ledrige, meist gefiederten harzbedeckte Blätter. Poly steht für viele und lepsis für Rinde.

Früh am Morgen ging es dann erst mal zu viert auf zu dem bereits gestern besuchten Mirador de Moran. Diesmal mit dem Geländewagen, der jedoch auch nicht weiter kam als wie der Bus gestern. Der Grund: starke Regenfälle machten den weiteren Weg unpassierbar. Also ging es zu Fuß im Laufschritt weiter, und das auf 4000 m Höhe. Wir mussten ja pünktlich um acht zurück sein, der Rest der Gruppe wartete für die Weiterfahrt. Also in Rekordtempo zum Aussichtspunkt, zehn Minuten für die Aufnahmen und retour. Und wir waren pünktlich, trotz des nicht eingeplanten Fußmarsches von 25 Minuten. Und es hat sich gelohnt.

Bildergalerie ´Was so grünt und blüht in Ecuador´

Nächstes Etappenziel war der Ort Otavalo. Kurz vor der Stadt machten wir nach etwa drei Stunden Fahrt durch gebirgige Landschaften erst einen Abstecher nach Peguche. Hier finden sich neben geschäftstüchtigen Webern auch indianische Musikgruppen, die ihre Andenmelodien weltweit bekannt machten. Wir liefen jedoch in gut 15 Minuten zu einem etwa 30 m hohen Wasserfall, er soll heilende Kräfte bergen. Die Schamanen nehmen die Energie des Wasserfalls auf bevor Sie kranke Menschen heilen. Heute wurde der Wasserfall jedoch von zahlreichen Schulkindern in Beschlag genommen, die ihn zu einem ausgiebigen und lebhaften Bad nutzen.

10 Minuten mit dem Bus später entfernt erreichten wir dann Otavalo, gelegen in einer Höhe von 2530 m. Der Grund für den Stopp: ein farbenprächtiger Indiomarkt mit Schwerpunkt Ponchos. Hier lohnt der Kauf von Souvenirs, findet man doch nahezu alles und die Konkurrenz ist groß. Auffallend sind vor allem die Farbenpracht der Otavaleños in ihrer traditionellen Kleidung. Hier finden sich Stoffrollen, dicke Decken für kühle Nächte, Wollteppiche, Wandbehänge mit Bildern von Indianern, Bergen und Lamas, bestickten Blusen und Kleider, Strickpullover, lange bunte Gürtel und Bänder…

Bildergalerie El Angel, Paramo-Naturreservat und Otavalo

Otavalo, die Kleinstadt im Norden Ecuadors hat 20.000 Einwohner. Die Hälfte davon sind inzwischen Indichenos. Mit Pullovern und Jacken betrieben sie ein gutes Geschäft. Für ihren neuen Wohlstand haben die Indichenos hart arbeiten müssen. Ohne internationale Kredite und Unterstützung bauten sie ihre Geschäfte auf und sind weltweit aktiv. Über ein Dutzend Exportagenturen, Reisebüros und Vertretungen internationaler Fluggesellschaften sind in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen. Die Stadt ist dadurch nicht schöner geworden. Indichenos arbeiten ohne Eile, aber ausdauernd. Nie haben wir in Otavalo die in Europa so verbreitete Hektik empfunden.

Cotopaxi, Limpiopungo See

Von Quito aus ging es jetzt südlich auf der Straße der Vulkane. Den Namen bekam sie, als Alexander von Humboldt die Region bereiste. Dominiert wird die Region vom Cotopaxi, dem zweithöchsten Berg Ecuadors und mit 5897 m der höchste aktive Vulkan der Erde. Sein Name stammt aus der alten Sprache Quechua und bedeutet übersetzt „Hals des Mondes“.
Nach rund 3 Stunden Fahrt mit einem Stopp an einem Straßenmarkt – hier wurden Bananen, Ananas, Kokosnüsse und eine gut schmeckende aber undefinierbare etwa einen Meter lange „Bohnenstange“ eingekauft – erreichten wir dann den Nationalpark über Straßen, die eigentlich einen Geländewagen benötigen. Doch unser Busfahrer meisterte alle Hindernisse bis bisher schon souverän, etwa einen 5 m breiten Fluss, enge und kurvige Pisten und vieles mehr.

Unser erstes Ziel eine Schutzhütte, errichtet und betrieben von einem Schweizer. Ein Teil der Gruppe zog sich sofort in die Hütte zu Essen und Trinken zurück – es war schon recht kühl und immer wieder regnerisch, ein anderer Teil (u. a. Elke) machte eine kurze Wanderung, und ich machte solo Aufnahmen von Pflanzen und Landschaften. Und von einem Andenwolf, der mir etwa 5 Meter gegenüberstand. Mindestens eine Minute Filmsequenz und ein paar Bilder sprangen heraus, bis er sich zurückzog. Beim Andenwolf handelt es sich übrigens um eine Fuchsart. Später trafen wir uns dann alle in der Schutzhütte zu Kartoffel- oder Karottensuppe zum Aufwärmen.
Bildergalerie Blumen und Pflanzen aus Ecuador

Über eine enge Piste ging es dann zum nahe gelegenen Limpiopungo See, 3800 m über dem Meer gelegen an den Hängen des Cotopaxi. Dieses Gebiet ist bekannt für seine Wasservögel die dort im Schilf nisten. Aus der Ferne bekamen wir sie auch zu sehen. Hier finden sich insbesondere Anden-Seemöwen, Habichte und Falken, mit Glück kann man sogar Andenkondore entdecken – was uns verwehrt blieb. Und zu sehen bekamen man eine fantastische Landschaft, viele Blumen, einige Tiere (bei der Rückfahrt auch noch einen Hasen), nur eines bekamen wir nicht zu sehen, den Gipfel des Cotopaxi. Denn der versteckte sich in Wolken. Dennoch, eine wunderbare und herbe Landschaft, die lohnt zu besuchen.

Weiter ging es dann zu der Hacienda La Cienega, in der schon Humboldt nächtigte. Eine wunderschöne Anlage, die einige Jahrhunderte überstand, auch Erdbeben. Denn der sumpfige Grund dämpfte diese, so dass die Gebäude im Gegensatz zu anderen stärkeren Erdbeben wiederstand. Dort bezogen wir ein sehr schönes Zimmer mit allem was man so braucht oder auch nicht.

Sonntagmorgen. Heute ist Wahl des Parlaments in Ecuador, Wahlpflicht für alle. Wer nicht kann zahlt eine Strafe. Nebenaspekt: 24 Stunden vor der Wahl und 24 Stunden danach gibt es kein Bier, keinen Wein. Generell ist Alkoholverkauf in diesem Zeitraum verboten, Offiziell wenigstens.
Unser erstes Ziel, eigentlich gar nicht auf dem Programm ist der sonntägliche Markt in Pujili. Ein Muss und ein Erlebnis. Einen solchen Gemüse-, Obst- und Fleischmarkt haben wir noch nicht erlebt. Ob Bananen, bekanntes und unbekanntes Obst und Gemüse, Fleisch, ganze Schweinsköpfe, lebende Tiere wie Schafen, Schweine, Geflügel, Meerschweinchen, Hasen, Katzen… hier gab es alles und ein Menschengewirr erster Güte. Gute zwei Stunden gingen für den Markt drauf, und jede Minute war es wert.

Bildergalerie Obst und Gemüse aus Ecuador – eine Auswahl

Drei Stunden später erreichten wir auf schwer zu beschreibenden Straßen den Kratersee Quilotoa. Auf dem Weg dorthin konnten wir einige arme Kinder glücklich machen, mit den von uns mitgebrachten Stofftieren. Die Augen sprachen Bände.

Apropos Straßen: Ein Lob an Louis unseren Fahrer. Verlässt man die Pan America, erwarten einen meist sehr schlechte Straßen und Pisten, wenn man überhaupt davon reden kann. Und wir bewegen uns Stunden darauf, manchmal mit Schrittgeschwindigkeit, meistens aber mit 30 bis 40 km/h. Die Fahrweise in Ecuador unterscheidet sich generell von der unseren, hier helfen nur der Film und persönliche Eindrücke weiter. Überholt wird auch an absolut unübersichtlichen Stellen, besonders von voll besetzen öffentlichen Bussen. Und wer kein Geld dafür hat oder wo es schlicht keine Linienbusse gibt, nutzt offene Pick Ups. Da hängen die Leute dann auch mal außen am Auto dran oder stehen hinten auf der Stoßstange. Generell fahren die Einheimischen defensiv, dass verhindert viele Unfälle. Trotzdem sieht man immer wieder Kreuze am Straßenrand, meistens von Busunfällen in den Bergen. Unser Reisebus hält die Straßen auch nur aus, weil es eigentlich ein Lastwagen ist, nämlich das Chassis eines LKW und der Aufbau eines Busses. Und die Pan America ist deswegen recht gut, weil sie privatisiert wurde. Dafür zahlen die Ecuadorianer sogar gern Maut, so wurde uns versichert.

Zurück zur Lagune Quilotoa, auf rund 3300 m gelegen. Sie füllt den Grund eines noch aktiven Vulkankraters. Er brach vor 800 Jahren letztmals aus. Das Wasser ist giftig, es leben keine Tiere darin. Man kann auch heruntersteigen (nur nachmittags, morgens kann tödliches Kohlendioxid die Lagune füllen), nur muss man die 500 m auch wieder hochsteigen. Und das auf bald 4000 m Höhe. Zu Fuß entlang dem Kraterrand (3810 m) genossen wir die Ausblicke, gerade noch rechtzeitig. Denn eine viertel Stunde später war alles im Nebel versunken.

Weiter ging es in knapp fünf Stunden zu unserem Tagesziel, der Stadt Baños. Unterbrochen von ein paar Stopps, u. a. um Aufnahmen von dem nahe gelegenen Vulkan Tungurughua zu machen, der Aschewolken ausstieß.

Baños, Riobamba
Am Morgen ging es zunächst mal zu einem kurzen Bummel durch Baños. Das angenehme Klima, warme Thermalquellen und die schöne Landschaft, machen diese Stadt zu einem beliebten Ort. Auch wenn man hier nicht ganz ungefährlich lebt, liegt die Stadt doch zu Fuße des aktiven Vulkans Tungurughua, der schon seit Jahren Asche spukt und erst vor einigen Jahren ausbrach. Und große Teile liegen in Bereichen, die von Schlammlawinen bedroht sind. Dennoch wollen die Leute ihre Heimat nicht verlassen. Die Stadtführung konzentrierte sich insbesondere auf die Basilica de Nuestra Señora del Agua Santa, einem Wallfahrtsort.

Nahe Baños entlang des Rio Pastaza gibt es zahlreiche Wanderwege und Wasserfälle. Besonders spektakulär, der „Pailon del Diablo“ mit 32 m Höhe. Er ist nach einem Abstieg von rund 200 m zu erreichen, wer will geht auf die vorderste Plattform, Dusche inbegriffen. Hier findet sich eine dem Amazonas-Urwalds ähnliche Vegetation, auf 1800 m Höhe gelegen.

In der Nähe lässt sich die Schlucht über den Rio Pastazza in einem offenen Gitterkorb für einen Dollar auf einer Art Seilbahn überqueren, ein Spaß, den man sich nicht entgehen lassen sollte – vorausgesetzt, man ist schwindelfrei. Weiter ging es dann teilweise auf der Panamericana mit einem Stopp auf einem Indiomarkt zu unserer Unterkunft nahe Riobamba, der Hosteria Abraspungo, absolut empfehlenswert. Alles in allem ein ruhigerer Tag.

Bildergalerie Cotopaxi, Limpiopungo See, Markt Pujili, Quilotoa, Banos, Teufelswasserfall

Chimborazo

Dafür kam der Weckruf am nächsten Tag schon um fünf Uhr, heute stand der längste Tag an mit einem Aufstieg auf 5000 m und der Besuch von Inkaruinen und einer langen Fahrt bis Cuenca. Der höchste Berg Ecuadors, der Chimborazo mit seinen 6310 Metern Höhe, war das erste Ziel. Der Vulkan, der Krater durchmisst immerhin 20 km, brach das letzte Mal vor über zehntausend Jahren aus. Abenteurer können sich dieser großartigen Herausforderung stellen und den Chimborazo erklimmen. Die erste Schutzhütte ist auf 4.800 Meter, eine weitere auf 5.000 Meter, in der man sich ausruhen und auch übernachten kann. Die war auch unser Ziel, zur ersten Schutzhütte ging es mit dem Bus über abenteuerliche Lehmpisten. Langsam war da Motto für den folgenden Aufstieg auf 5000 m, der aber problemlos von statten ging. Da ein Teil der Gruppe schneller ging, kamen wir noch bei traumhaftem Wetter oben an, es reichte für wunderbare Fotos und Filmaufnahmen in der schneebedeckten und/oder wüstenhaften Landschaft. Einfach fantastisch. Dann jedoch zog es innerhalb von Minuten zu, der Rest der Truppe bekam nur Nebel zu sehen. Elke war nicht mit aufgestiegen, wartete in der ersten Hütte.

An den wüstenartigen Hängen des Chimborazo ließen sich auch freilebende Vicuñas beobachten. Die hatten wir schon in freier Wildbahn lebend auf unserer 2008er-Reise durch Peru erleben dürfen (Link einfügen). Ansonsten finden sich hier vor allem Hirsche, Wölfe und Hasen, von denen wir aber nichts zu Gesicht bekamen. Dafür jedoch einige Kolibris.

Das Vikunja gehört zur Familie der Kamele. Es ähnelt dem Guanako, ist aber kleiner und schlanker. Seine Kopfrumpflänge beträgt 150 Zentimeter, die Schulterhöhe 100 Zentimeter, das Gewicht 50 Kilogramm. Es ist oberseits hellbraun und unterseits weißlich. Eine anatomische Besonderheit sind die unteren Schneidezähne, die wie bei Nagetieren ständig nachwachsen – etwas Vergleichbares gibt es unter anderen Paarhufern nicht. Das Fell ist wesentlich feiner als das verwandter Arten und so dicht, dass es wie eine Isolierschicht gegen die Kälte wirkt. Die Wolle gilt als die teuerste der Welt. Verbreitet ist das Vikunja in den Hochanden Ecuadors, Perus, Boliviens, Argentiniens und Chiles. Es kommt hier in Höhen zwischen 3500 und 5500 Metern vor. Wie das Guanako lebt das Vikunja in territorialen Familienverbänden, die von je einem Männchen geführt werden. Daneben gibt es Junggesellentrupps (Männchen, die wegen ihres jungen Alters noch kein Territorium verteidigen können) und solitäre alte Männchen (die durch jüngere Männchen von ihren Verbänden vertrieben wurden. Quelle: Wikipedia

Nächstes Ziel waren die Inka-Ruinen in Ingapirca, die am besten erhaltenen in Ecuador – natürlich kein Vergleich mit denen in Peru, doch deshalb waren wir auch nicht hier. Bis hierhin waren es jedoch knapp fünf Stunden Fahrt. Diesbezüglich muss ich auch eine frühere Aussage relativieren, die was die Straßenqualität angeht. Nicht was die Nebenstraßen betrifft, die waren so schlecht wie sonst auch. Sondern die was die Pan America angeht. In diesem Bereich ist sie nicht privatisiert, und das merkt man. Kilometerweit glich sie eher einer Lehmpiste, und zwar einer schlechten, selbst die besseren Streckenabschnitte waren stellenweise von Schlaglöchern und Querfugen übersät, manche Teile aber auch schon recht gut saniert. Die Durchschnittsgeschwindigkeit der sich durch die Ostkordillieren auf 3000 bis 3600 m Höhe windenden Straße lag über längere Strecken bei 25 km pro Stunde, die Fahrweise glich eher einer Schlangenlinie über beide Spuren, und das an Berghängen wo es 500 m in die Tiefe ging. Zwischendurch auch mal autogroße Gruben auf einer Seite oder große Steinhaufen ohne Kennzeichnung oder Absperrung, besonders interessant in der Nacht. Aber auch das ist Ecuador, und gerechterweise muss man anmerken, dass man bemüht ist, die Pan America und das gesamte Straßennetz umfassen und langfristig zu erneuern. Was aber auch schwierig ist bei Erdbeben, Bergrutschen und El Nino, der das letzte mal 90 % der Straßen an den Küsten zerstörte und immer wieder auftritt. zu erneuern. Unter dem wiedergewählten Präsidenten Rafael Corea hat sich anscheinend einiges zum Besseren gewandelt. Er bemüht sich ernsthaft, die Korruption zu bekämpfen, fördert die Ausbildung und die eigene Wirtschaft, geht dabei aber auch auf Konfrontation mit den USA. Dem Land hat er jedenfalls laut Freddy Melo, unserem Reiseleiter schon einiges gebracht, zumal in den letzten 11 Jahren zehn Präsidenten gewählt wurden, und die meisten waren ebenfalls korrupt, ein Hauptübel in Ecuador.

Zurück aus dem Reich der Politik: Gegen 17 Uhr erreichten wir die Inkaruinen in Ingapirca. Hier findet sich ein Komplex aus fugenlos zusammengesetzten Dioritblöcken, der Platz bot durch die Nähe zum Äquator sehr gute Bedingungen für den Sonnenkult der Inkas. Durch die Ruinen ging es auf einem etwa einen Kilometer langen Rundweg. Nun lagen noch etwa 2 ½ h Fahrt vor uns, eine knappe Stunde quer durch die Berge auf einer Lehmpiste, am Berghängen gelegen, oft kaum breiter als der Bus und das an Hängen und in Dunkelheit. Nicht immer ist es von Vorteil, vorn im Bus zu sitzen. Weiter ging es dann auf der Panamericana in Richtung Süden zu unserem heutigen Ziel.

Cuenca

Einen schönen Blick auf die Kolonialstadt – übrigens Unesco-Weltkulturerbe – hat man vom „El Turi Hügel“. Anschließend ging es zur „Neuen Kathedrale“, ein Gotteshaus aus rötlichem Backstein und mit blauen Kuppeln, heute das Wahrzeichen der Stadt. Die Stadt Cuenco gilt als eine der schönsten Städte Ecuadors und als recht wohlhabend. Das sieht man auch, wenn man durch die Stadt fährt und geht. Cuenco bedeutet übrigens viele Flüsse, durch die Stadt fließen gleich vier davon. Nahe dem zentralen Platz mit der alten und neuen Kathedrale finden sich ein Blumenmarkt, zahlreiche Stände mit Süßigkeiten, traditionelle Kunstarbeiten und die Markthalle mit Fleisch-, Fisch- und Obstmarkt. Sehenswert, aber teilweise nichts für schwache Mägen.

Was folgte war der Besuch einer Hutfabrik, hier finden sich die berühmten Panama Hüte. Gezeigt wurden die Herstellung, die Qualitätsunterschiede und natürlich wurde auch gleich eingekauft.

Nach einer Ruhepause ging ein Teil der Gruppe zum Cui-Essen – Meerschweinchen, der Rest, unter anderem wir, machte sich selbständig für den Rest des Tages. Was hieß, Bummeln durch die Stadt und abends Essen, diesmal nicht landestypisch, sondern beim Mexikaner

Cajas Nationalreservat, Guayaquil

Die letzte Etappe auf dem Festland führte und über den Cajas Nationalpark nach Guayaquil, unsere Gesamtstrecke mit dem Bus betrug nun rund 1800 km. Für einen Stopp in dem Park war leider keine Zeit, zumal es nur mit örtlichen Führern überhaupt möglich ist, den Nationalpark zu besuchen. In dem knapp 30.000 ha kleinen Naturpark schimmern auf einer Höhe von 3500 bis 4200 m Hunderte von klaren, kalten Seen. Durch die Erhöhungen wirkt das Seensystem innerhalb des Parks wie gewaltige, miteinander verbundene Kästen (Kasten= caja). Sie sind das Kennzeichen des Nationalparks. Unberechenbar ist übrigens das Wetter, manchmal gefriert es sogar, Regen und Nebel sind sehr häufig. Wir hatten etwa um die zehn Grad, in Guayaquil zwei Stunden später waren es über 30 °C, und das bei einer hohen Luftfeuchtigkeit.

Bildergalerie Chimborazo, Ingapirca, Cuenca, Fahrt Cajas, Guayaquil

Die weitere Fahrt führte durch spektakuläre Gebirgslandschaften, durch Berg-Nebelwälder bis in die tropische Tiefebene, vorbei an Kakao-Plantagen und riesigen Bananenplantagen, denen übrigens der Regenwald zum Opfer fiel. Und die Monokulturen sorgen auch für große Probleme durch die eingesetzten Spritzmittel, denen die Arbeiter ungeschützt ausgesetzt sind. Aber das ist eine andere Geschichte. Nachmittags erreichten wir schließlich die Küste auf Meereshöhe in Guayaquil. Die größte Stadt mit Ihren rund 3 Mio. Einwohnern bietet eine 10 km lange schöne Promenade, zahlreiche internationale und lokale Läden und vieles mehr. Sie ist sehr sauber und modern, generell ist Ecuador sehr sauber, die Müllabführ funktioniert nahezu landesweit. Es folgte ein Besuch der Kathedrale von Guayaquil und eines Stadtparks, in denen grüne Leguane in größerer Zahl leben. Die sind übrigens vor längerer Zeit von allein eingewandert und bevölkern den Park mitten in der Altstadt zusammen mit zahlreichen Tauben. führte Es folgte eine Stadtrundfahrt, einen guten Überblick bekommt man vom Santa Ana Hügel über die gesamte Stadt.

Fortsetzung mit Reisebericht Galapagos-Archipel