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Auf den niederländischen Antillen – Teil I: Aruba

One Happy Island – so tituliert sich Aruba selbst. Wir sind auf den niederländischen Antillen, auf der Insel Aruba, eine der drei ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curacao), nahe vor Venezuelas Küste gelegen. Und auch nahe dem Äquator (rund 1400 km), jetzt im November sinken derzeit die Nachtemperaturen nicht unter 27 Grad Celsius. Tags sind es über 30 Grad. Teil Eins des Reiseberichtes über Aruba, hier geht es zum zweiten Teil über Curacao

Und hier geht es zu einer Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Fotos von Aruba

Boardwalk Boutique Hotel und Palm Beach

Heute Morgen haben wir erst einmal unser Boutique-Hotel erkundet. Es ist etwas kleiner, wie der Name schon sagt, rund 50 unterschiedlich gestaltete und eingerichtete Appartements in einer wunderschönen grünen Anlage mit zwei Swimmingpools. Maximal zweigeschossige Gebäude. Eben kein Hotelblock direkt am Strand gelegen, sondern etwas Landestypisches, individuelles. Zwar in der zweiten Reihe, will man an den hoteleigenen Strand muss man halt fünf Minuten laufen. Die Gäste kommen vorwiegend aus den Niederlanden und den USA. Wie die meisten Besucher Arubas.

Anschließend sind wir vor an den Strand. Der Palm-Beach ist mit der bekannteste Arubas. Weißer feiner Sand, Palmen, Bars, große Hotelanlagen mit eigenen Casinos – es kommen viele Amerikaner hierher – und zahlreiche Wassersportmöglichkeiten locken natürlich viele Menschen an. Zugleich mach das ruhige Wasser den Palm-Beach zu einem gemütlichen Refugium zum Schwimmen und Schnorcheln. Dennoch ist es nicht zu voll.
Unser Spaziergang führte etwa drei Kilometer den Strand entlang. Irgendwann war es schlicht zu heiß, also zurück zu unserem Hotel und ab an den Pool. Abends dann wieder vor an den Strand und zu einem im Reiseführer empfohlenen Fischrestaurant gelaufen. Für mich gab es als Vorspeise erst mal Ceviche, sauer angemachter roher Fisch (eine meiner Leibspeisen) und ein ganzer frisch gefangener Red Snapper. Leider wird der Fisch hier frittiert, ist so üblich, Dennoch schmeckte er sehr gut. Dazu ein/zwei Gläschen Rotwein, Wasser und einen Irish Coffee. Sind direkt am Meer gesessen bei einen schönen Sonnenuntergang. Das Restaurant ist recht voll, ist ja bekannt. Und weiß das auch zu nutzen, was die Preise angeht. Zu zweit ist man mal schnell 150 Dollar los. Muss ja nicht jeden Abend sein. 
Nachdem was ich vorab gelesen hatte, soll der Palm Beach nach Sonnenuntergang so richtig zum Leben erwachen. Dem war aber nicht so. Einzelne Bars mit Musik, ok. Aber generell wenig los. Obwohl die Hotels gut gebucht sein sollen. Vielleicht sind viele beim Essen (Vollpension) oder sitzen in den Casinos. Wer weiß, uns soll es recht sein.

Der Arikok N.P und die Ayo Rock-Formationen

Wir haben uns einen Allrad-Jeep gemietet. Es geht zum Arikok Nationalpark. Dort ist, je nachdem wo man hinwill, Allrad gefordert. Unser erstes Ziel nach einem Kaffee im Besucherzentrum ist ein schöner Naturpool am Meer gelegen, der nur mit einem Geländefahrzeug angefahren werden darf. Ich bin schon tausende Kilometer Offroad an Pisten gefahren, aber diese kurze Strecke toppte alles Bisherige. Für die knapp zehn Kilometer vom Besucherzentrum hin und zurück benötigten wir über eine Stunde reine Fahrzeit. Durchschnittstempo: zehn Kilometer pro Stunde. Offroad im wahrsten Sinne des Wortes über felsige und teils steile Pisten – wenn denn die richtige überhaupt zu erkennen war. Stellenweise unter Schrittgeschwindigkeit und Abtasten, was der beste Weg ist und was überhaupt geht.

 

Am Ziel dann ab ins kühle Nass, ist eine der wenigen Stellen, wo man hier ins Wasser kann. Denn die Strömungen und Brandungen im offenen Meer im Nordosten sind lebensgefährlich. Hier beherrscht der wilde Atlantik die Küsten, Baden ist normalerweise nicht, außer eben an diesem geschützten Naturpool. Gut, ob sich das jetzt tatsächlich bei dieser Anfahrt lohnt, sei dahingestellt. Die meisten hier kommen mit Veranstaltern und offenen Geländewagen mit acht/zehn Plätzen her, in Verbindung mit den restlichen Sehenswürdigkeiten hier im Park. Nur wenige machen sich selbst auf den Weg oder befahren nur den Bereich mit geteerten Straßen. Insgesamt ist natürlich wenig los, wen wundert´s.

Wieder am Besucherzentrum zurück geht es auf besseren Straßen weiter, teils geteert, teils eine ordentliche Piste. Wir fahren gemütlich durch eine für die Karibik surreale Gegend. Eine staubige, trockene, mit Kakteen und Sukkulenten bewachsene wüstenartige, leicht hügelige Landschaft. An der Küste immer mal wieder weiße Traumstrände – ohne Palmen – Baden ist ob der Strömungen und Brandung nicht angesagt. „On your own Risk – not recommended“. So ein Ranger. 


Kurz später, nach ein paar Fotostopps, erreichen wir die Fontain Cave. Die ganze Gegend besteht aus Kalkstein, entsprechend wurden im Laufe der Jahrmillionen Höhlen mit Stalagtiten und Stalagmiten herausgewaschen. Die auch die Ureinwohner nutzen, schon vor über 1000 Jahren. In diese Höhle finden sich einige gut erhaltene Wandmalereien der hier einst lebenden Indianer. Und in den Nischen eine Schlange sowie im Dunkeln ein etwa zwanzig Zentimeter großer, recht giftig aussehender Tausendfüssler.
Nur ein paar Minuten später erreichen wir die Quadirikiri Cave. Besonders schön, in zwei größeren Hohlräumen fällt durch ein Loch in der Decke Licht und leuchtet sie aus. Hier leben viele Fledermäuse, die in der Dämmerung die Höhle verlassen. Es ist übrigens überall recht ruhig, hier sind kaum Besucher unterwegs.

Am Rückweg zum Hotel fahren wir an der Ayo Rock-Felsformation vorbei. Geschliffene Felsen türmen sich zu bemerkenswerten Formationen auf, manche sehen aus, als hätten Riesen mit großen Murmeln gespielt. Kein Wunder, dass die einst hier lebenden Arawak-Indianer diese Stätte als heilig ansahen. Davon zeugen jahrtausende alte Felszeichnungen. Zwischen den hoch aufragenden Steinfelsen sollen die Indianer ihre Riten vollzogen haben. Geologen zufolge entstanden die Felsgebilde im Lauf von Jahrmillionen durch Erosion. Zwischen den Tonnen schweren Steinbrocken wachsen meterhohe Kakteen und stacheliges Gestrüpp. Karibik pur…


Das Gelände ist frei zugänglich, teilweise führen Treppen zu imposanten Gebilden. Bis hoch müsste man aber etwas klettern. Dazu bleibt keine Zeit, weil die Sonne hier schnell untergeht, so gegen 18.30 Uhr. 

Vom Leuchtturm, Kite-Surfen, Straußen, Gold und Kirchen 

Ganz an der Nordwestspitze gelegen, das California-Lighthouse

Wir haben uns wieder ein Auto gemietet, diesmal einen normales Fahrzeug für die nächsten zwei Tage um die Insel weiter zu erkunden. Erstes Ziel ist ein Leuchtturm ganz an der Nordwestspitze gelegen, sprich vier Kilometer vom Hotel entfernt. Ja, die Insel ist recht klein. Zwischen 1914 und 1916 erbaut ist das Leuchtfeuer rund 30 m hoch. Und nein, wir sind nicht hoch gegangen, bei den 35 Grad Celsius, die es um diese Zeit schon hat. Das muss das nicht sein. Dafür habe ich die Drohne fliegen lassen, gibt noch bessere Bilder und strengt weniger an.
Den Namen hat das Bauwerk von dem vor der Küste 1891 gesunkenen Dampfschiff California. Umgeben ist der Turm von zahlreichen Sanddünen und er gilt als Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen Arubas, ist ein beliebtes Ziel für die Autosafaris auf der Insel.

Dann ging es zu einem nahe gelegenen Strand, der bekannt für seine Kite-Surfer ist. Sie ist sich ihres Könnens bewusst und surft recht nah am Strand, lächelt dabei sogar in die Kamera. Es macht Spaß zuzuschauen und man kann sich vorstellen, wieviel Freude es macht, wenn man das Kitesurfen so beherrscht, wie die junge Frau und einige andere hier am Palm Beach. Der Wind ist recht kräftig, muss er auch sein, um solche Kunststücke zu vollführen.

 

Beim Kitesurfen steht der Sportler auf einem Board, ähnlich einem kleinen Surfbrett und wird von einem Lenkdrachen gezogen. Entsprechender Wind vorausgesetzt nimmt man dabei ganz schön Fahrt auf und kann auch meterhohe Luftsprünge machen. Wir beobachten das eine ganze Weile bis es einfach zu heiß ist. Schatten ist hier vorne am Wasser Mangelware.

Als nächstes steht eine Straußenfarm auf dem Programm. Sie dient ausschließlich touristischen Zwecken, rund 80 der imponierenden Vögel leben hier und einige Emus. Wir sind die einzigen, entsprechend wenig motiviert ist der Guide. Trotz eines Eintrittes von 14 USD pro Person. Er rasselt sein Programm runter, nach 20 Minuten ist alles gezeigt. Schade, denn die Tiere und Anlage sind wirklich sehenswert. So nah kommt man ihnen selten und sie sind schon wirklich groß. So bis um die 2,70 m.


Weiter geht es mit dem Auto zur nahe gelegenen Natural Bridge, oder dem, was übrig ist. Bis sie 2005 kollabierte, war sie eine der größten Naturbrücken der Welt, 30 m lang, acht Meter über dem Meeresspiegel, sie konnte sogar mit einem Auto befahren werden. Doch das war einmal, und die Brücke heute lohnt nicht mehr. Dafür ist dort ein kleines Touristenzentrum mit Café und Shop. Der Weg hin führt über eine Piste, ist aber auch mit normalen Fahrzeugen befahrbar. 

Ebenfalls nahe gelegen – eigentlich ist hier alles nahe beieinander – sind einige Ruinen einer alten Goldmühle, war das edle Metall doch in früheren Zeiten das wichtigste Gut der Insel. Hier hatte man im 19. Jahrhundert während des Aruba-Goldrausches das Erz der Minen verarbeitet.

Dann ab zu den Felsformationen von Casibari. Schöne Wege – zum Teil im Schatten – führen durch den Park mit den besonderen Steinformationen. Gegenüber denen bei Ayo fallen sie aber deutlich ab. Dafür können sie bequemer erklommen werden, auf Stufen. Und es gibt einen Shop und kühle Getränke.

Zu guter Letzt noch ein Besuch bei Arubas ältester Kirche, der Alto Vista Kapelle, respektive dessen Neubaus aus 1952. Sie basiert auf einen Vorgängerbau von 1750, man hat sie auf den Ruinen der alten Kirche Saint Ann aufgebaut. An Karfreitag findet eine Wallfahrt vom 11 Kilometer entfernten Oranjestad statt und einmal die Woche eine heilige Messe.

Oranjestad – Arubas Hot Spot

Am Tag 6 geht es erstmal in die Hauptstadt Arubas, nach Oranjestad. 1796 gründeten die Niederländer hier das Fort Zoutman, und schufen die Grundlage für die Stadt mit ihren knapp 30.000 Einwohnern. Das Fort ist ein sehenswertes Museum, jedoch „bis auf Weiteres“ geschlossen. Also sind wir durch den Hafen gebummelt und nach Downtown marschiert. Hier finden sich noch zahlreiche schöne, farbige Gebäude aus der Kolonialzeit.

Oranjestad´s Wilhelminastraat

Zwei Sachen fielen uns besonders auf. In der Einkaufsstraße Wilhelminastraat sind an fast allen Laternen Lautsprecher angebracht, die laut Musik aller Coleur abstimmen. Karibische Rhythmen genauso wie Pop und Rock. Dazwischen haben einige Läden noch ihre eigene Musik platziert. Dauerberieselung pur. Und die andere, mindestens jeder dritte Laden war geschlossen, for rent, for sale. Corona hat hier gewaltig zugeschlagen und viele Existenzen vernichtet. Aruba erwirtschaftet rund 70 Prozent des Bruttosozialproduktes allein durch Tourismus. Wenn der einbricht wie geschehen, dann gute Nacht. Die meisten Besucher kommen übrigens aus den USA, dann folgen Lateinamerikaner, die Niederländer an vierter Stelle, die Deutschen fallen unter Sonstige.
Die Terminals im Hafen für die Kreuzfahrschiffe sind mit einer Straßenbahn mit Downtown verbunden. Obwohl es nur zehn Minuten zu Fuß sind. Entlang der Strecke ballen sich die Luxusläden mit all den bekannten Namen. Kunsthandwerksläden sind selten, nur vereinzelt zu finden. Besonders lohnenswert ist der Mop Mopa im Market Place gelegen. Die spezielle Handwerkskunst hat es sogar in die Unesco-Liste des schutzbedürftigen immateriellen Kulturerbes geschafft. 


Was auffällt ist die Freundlichkeit der meisten Menschen. Nicht nur im Service und bei kurzen Gesprächen, sondern auch im Straßenverkehr. Hier herrscht eine sehr defensive Fahrweise, man lässt einen einfahren, wartet, alles sehr rücksichtsvoll.

 

Von Aloe, Gold und Schmetterlingen

Aloe vera, Basis für viele Produkte und inzwischen bald Kult

Einst war Aruba der Welt größte Exporteur von Aloe. Eingeführt wurde die Pflanze 1840, bald darauf sollen zwei Drittel der Insel mit Aloe Vera-Pflanzen bedeckt gewesen sein. Das ist natürlich Geschichte. Erfahren kann man das alles und viel mehr bei einem Besuch der Aruba Aloe Factory, gegründet 1890 und eines der ältesten, heute noch bestehenden, Unternehmen auf der Insel. Besichtigung des Museums, der Produktion und Plantage inklusive Führung sind kostenlos. Natürlich gibt es einen Laden, in dem die Körper-, Sonnen- und Hautpflegeprodukte eingekauft werden können. Was wir auch taten.

Weiter geht es zu den Ruinen der Balashi Gold Mills, einer alten Goldmühle. Gelegen in malerischer Umgebung an einem See, von dornigen Büschen umwuchert, dazwischen große Kakteen, hier lässt sich wunderbar wandeln und sich auch zahlreiche Fotomotive finden. Gold war einst der wichtigste Wirtschaftsfaktor auf der Insel, und zwar von 1825 bis 1915. Bis es vom Öl abgelöst wurde, dessen Ende dann um 2009 kam. Seitdem ist es der Tourismus. Insgesamt wurden auf Aruba in den 90 Jahren 1700 Kilogramm Gold gewonnen.

Die Butterfly Farm ist wieder in der Palm Beach Region gelegen, nahe unserem Hotel. Gelegenheit für eine wunderbare Begegnung mit den filigranen Wesen in in all ihrer Schönheit und Vielfalt. Dazu wurde ein tropischer Garten angelegt, in dem es von farbenprächtigen Schmetterlingen nur so wimmelt. Hier lässt sich der Lebenszyklus dieser Tiere vom Ei zur Raupe zur Puppe bis zum Schmetterling beobachten. Die Führungen vermitteln einem mit reichlich Wissenswertem über deren Lebenszykus.


Es bleibt viel Zeit, um wunderbare Aufnahmen der Tiere zu machen, wie sie in freier Natur kaum möglich sind. Morgens kann man sogar beobachten, wie Schmetterlinge aus ihren Kokons schlüpfen und die ersten Flugversuche unternehmen. Der Eintritt von 16 USD gilt übrigens für die gesamte Dauer des Urlaubs, leider waren wir am vorletzten Tag dort.

Ein Tag zum Entspannen

Morgens haben wir das Auto zurückgebracht, zu einem nahe gelegenen Hotel am Palm Beach. Von dort aus ging es die rund zwei Kilometer am Strand entlang, Richtung Boardwalk Hotel und das bei wunderbarem Wetter. Angekommen am hoteleigenen Bereich des Strandes haben wir hier den restlichen Tag verbracht. Morgen, also am Donnerstag geht es weiter nach Curacao. Dann ist eine Woche schon wieder vorbei. 
Unser Hotel hat eine Vereinbarung mit einem Restaurant beim Ritz Charlton, das für Essen und Getränke sorgt. Die Mitarbeiter flitzen auf Segways den Strand entlang und sorgen für das Wohlbefinden der Gäste. Überaus freundlich und kompetent. Sommer, Sonne, Strand und Palmen… Was will man mehr. So lässt sich´s leben.

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes über die elf Tage auf Curacao

Quelle: eigene Erfahrungen und Internetrecherche

Auf den niederländischen Antillen – Teil II: Curacao

Von Aruba nach Curacao – ein Inselhopfer

Donnerstag, der 18. November, Tag 7. Es geht weiter zu dem knapp über 100 km entfernten Curacao in einer kleinen Propellermaschine mit gerade mal 16 Plätzen. Der Flug dauert etwas über 30 min., von Hotel zu Hotel brauchen wir rund vier Stunden.
Curacao ist wie Aruba innenpolitisch ein unabhängiger Staat im niederländischen Königreich und mit 160.000 Bewohnern etwas größer als Aruba (107.000 Bewohner). Auch die Insel selbst ist größer. Hier lebt man auch nicht fast ausschließlich vom Tourismus, der Erdölbereich spielt eine ebenso wichtige Rolle. Auch hat es einen Namen als Offshore-Finanzplatz, steht seit 2010 in den USA aber nicht mehr auf der schwarzen Liste der Steuerparadiese.
Wir habe uns für die elf Tage gleich von Anfang an einen Mietwagen genommen, vom Flughafen geht es zu unserem Domizil, dem Coral Estate Luxury Resort in Willibrordus, rund 20 km vom Flughafen entfernt.

Hier geht es zu Teil Eins mit dem Bericht über Aruba, und hier zu den subjektiv schönsten Bildern Curacaos.

Das erste was uns auffällt, die Insel ist viel grüner als Aruba. Und das zweite, der Fahrstil ist ein anderer. Fahrt man tempomäßig vorschriftsgerecht, hängen einem die schweren SUV und Vans auf der Stoßstange und überholen – auch bei Gegenverkehr. Also schnell etwas an die übliche Fahrweise angepasst um kein Verkehrshindernis darzustellen. Einfädeln lassen ist auch nicht mehr, also alles eher wie in Deutschland. Nicht mehr so relaxt und rücksichtsvoll wie in Aruba.
Die Hotelanlage liegt direkt am Wasser, etwas oberhalb an einer Steilküste stehen private Villen mit traumhafter Sicht. Die eine oder andere wird gerade neu erbaut, die Preise liegen bei 1 bis 2 Millionen Dollar. Auch Appartements in der Hotelanlage gibt es zu kaufen, für rund 500.000 Dollar. Dennoch, die Preise etwa im Restaurant sind niedriger als in Aruba, die Lage ist traumhaft. Auch wenn der Strand eher zum Schnorcheln geeignet ist, das Riff mit all den Fischen, Seeanemonen und Korallen beginnt direkt am Ufer.

Grote Knip, eine von zahlreichen Badebuchten

Willemstad, wie eine holländische Metropole

Wir sind in Willemstad, der Hautpstadt Curacaos. Hier leben 125.000 Menschen, mithin die große Mehrheit aller Inselbewohner. Die Stadt ist niederländisch geprägt und sehr farbenfroh. Aushängeschild der Stadt ist die farbenfrohe Handelskade. Die Kolonialbauten gehören wie die Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe und zeugen von der florierenden Geschichte Willemstads in vergangenen Zeiten als Handelsmetropole und Posten der Niederländischen Westindien-Kompanie.

Farbenfroh, die Handelskade

Für uns noch spannender ist aber die 1888 erbaute Königin Emma-Brücke, auch Swinging Old Lady genannt. Die weltweit einzigartige Pontonbrücke – so heißt es jedenfalls und mir ist auch nichts Vergleichbares bekannt – schwimmt auf 16 Pontons und wird über einen Drehpunkt auf der einen und einem Bootsantrieb auf der anderen Seite weggeschwenkt und geöffnet, wenn ein Schiff in den dahinter liegenden Hafen will. Er wird Schottegat genannt und es soll sich um den siebtgrößten Naturhafen der Welt handeln. Die Brücke wird auch geöffnet, wenn noch Fußgänger darauf sind. Sollen zwar runter, hält sich aber niemand dran. Wir auch nicht.

Weltweit ein Unikat, die Königin Emma-Brücke

Ist es ein kleineres Schiff, schwenkt die Brücke nur ein kleines Stück auf, ist es ein größeres, wird die Brücke ganz an das andere Ufer geschwenkt und bleibt schon mal 40 Minuten offen. Dann kann man die kostenfreie Fähre nutzen. An den Handelskaskaden kann man sich gemütlich in ein Café oder Restaurant direkt am Ufer setzen und das Schauspiel gemütlich beobachten. Einfach wunderbar.
Eine weitere Hauptattraktionen existiert derzeit leider nicht mehr, der schwimmende Markt mit Händlern aus Venezuela, die hier Obst, Gemüse, frischen Fisch und mehr anboten. Seit der Wirtschaftskrise und den Unruhen in Venezuela kommen die Händler kaum mehr her. Heute finden sich noch einige Stände mit Souvenirs und ein paar Gemüsestände lokaler Anbieter an dieser Stelle.


Dafür haben wir uns noch das Marinemuseum angeschaut und mit der dunklen Geschichte der Insel befasst – Curacao war Umschlagplatz für den Sklavenhandel aus Afrika nach Amerika. Selbst die Ureinwohner Curacaos wurden alle von den Spaniern nach Europa verschleppt und versklavt.

Salinen und Flamingos

Auf der Rückfahrt von Willemstadt zum Hotel wurde erst einmal in einem Supermarkt eingekauft, bevor wir an den Jan Kok-Salinen vorbei kamen. Hier finden Flamingo ideale Bedingungen vor. Vom Ufer aus und einem kurzen Steg lassen sich wunderbare Fotos machen. In der Karibik sind derartige Plätze recht selten, insofern ist dieser Ort eine der wichtigsten Brutstätten für Flamingo-Kolonien.

Unterwasser, zum Ersten

Der heutige Tag, sprich Samstag ist ganz dem Relaxen verschrieben. Sprich ausschlafen, gut frühstücken – das Essen hier am Coral Beach ist übrigens vorzüglich, egal ob Frühstück oder a la card am Abend. Danach ging es an den Strand. Der nicht an den in Aruba rankommt, aber wir geben uns auch damit zufrieden. Auf jeden Fall kann man hier wunderbar schnorcheln, was ich auch gemacht habe. Und zum ersten Mal unter Wasser fotografiert und gefilmt, was nicht ganz ohne ist beim Schnorcheln mit Seegang. Dennoch sind einige schöne Aufnahmen entstanden.

Der Christoffel-Nationalpark und Shete Boka

Heute morgen geht es erstmals in den weniger bewohnten Westen der Insel, zum Christoffel-Nationalpark. Er ist mit 2300 Hektar der größte Park auf Curacao und schützt die Tier- sowie Pflanzenwelt rund um den Sint-Christoffelberg, mit 372 Metern die höchste Erhebung der Insel. Auf ihn kann man auch hoch wandern, Kondition und Trittsicherheit vorausgesetzt. Man darf aber nur bis spätestens 10 Uhr loslaufen, anschließend ist es wegen der Hitze verboten ihn zu besteigen.
Der Park lässt sich aber auch einfacher erkunden, auf einer einspurigen Ringstraße von 12 Kilometer Länge mit dem Auto. Stopps gibt es an schönen Aussichtspunkten, an alten Ruinen, einem Stollen in dem Kupfer abgebaut wurde und an kürzeren und längeren Wanderwegen. Die längeren ließen wir ob der Temperatur aber aus.

Nur wenige Kilometer entfernt direkt an der Küste liegt der kleinere Nationalpark Shete Boka. Die Wörter stammen aus dem Papiamentu und bedeuten etwa sieben kleine Buchten. Der rund zehn Kilometer lange Küstenabschnitt zeichnet sich durch seine ständig den Gezeiten ausgesetzten Kalkstein-Kliffs aus. Besonders spektakulär ist die Grotte Boka Tabla. Eine in den Fels gehauene Treppe führt in eine zum Meer hin offene, kleine Höhle, in der sich die hereinrollenden Wellen beobachten und auch belauschen lassen.
Vier Buchten lassen sich besuchen. Komplett zu Fuß in zwei etwa einstündigen Wanderungen in sengender Sonne oder etwas weniger anstrengend teilweise mit dem Auto abkürzen. Was einem einen restlichen Fußmarsch in der Hitze und Schwüle aber nicht erspart – lohnt aber.
Die Gegend ist trocken, wird von Sträuchern und Kakteen dominiert. Überall wuseln kleinere und größere Echsen auf dem scharfkantigen, ausgewaschenen Boden herum. Manchmal muss man aufpassen, nicht auf eine zu treten. Aber die Spaziergänge lohnen.
Baden ist in den malerischen Buchten nicht erlaubt, sollte angesichts der tobenden Wellen eigentlich selbstverständlich sein. In der Bucht Boka Pistol lassen sich mit viel Glück Schildkröten bei der Eiablage beobachten. Hier donnern die lärmenden Wellen an die Küste und bilden bis zu zehn Meter hohe Springwellen aus. Eigentlich ist das der interessantere Park von beiden.

Von Kliffspringern, Sklaven und Korallen

Weiter geht es im Westen der Insel, nächster Stopp ist ein Restaurant in Playa Forti, direkt auf einer Klippe gelegen. Der Flüssigkeitsmangel macht sich bemerkbar, die zwei Flaschen für unterwegs sind bereits leer. Quasi fast von der Terrasse aus kann man den Sprung in das zehn Meter tiefer liegende Meer machen, was auch immer wieder einige tun. Reizt gewaltig, aber wir wollen weiter. 
Unser nächstes Ziel ist das nahe gelegene Landhaus Kenepa mit dem Museo Tula. Zeitweise schufteten auf dieser Plantage 400 Sklaven, hier begann 1795 der größte Sklavenaufstand Curacaos, angeführt von dem Sklaven Tula, heute ein Nationalheld. Ihm ist das Museum gewidmet und auch ein Gedenktag, der 17. August. Um diesen Termin herum finden zahlreichen Aktivitäten und Sonderausstellungen im Museo Tula statt. Damals hat man ihn nach der Niederschlagung des Aufstandes hingerichtet, entsprechend hat Kenepa für Curacao einen enormen kulturellen und geschichtlichen Wert. Und was stellen wir fest: Es ist geschlossen, und zwar schon länger. Auf den Wegen wächst bereits Gras, Büsche machen sich breit, es scheint langsam zu verfallen. Wohl auch eine Folge von Corona und den ausbleibenden Besuchern.
Gut, nahe bei dem Landhaus ist die Playa Lagun, an dem sich das Schnorcheln lohnen soll. Hier gibt es zwei intakte Riffe. Nur ist Sonntag, und da sind auch viele Einheimische an den Stränden. Egal. Wir finden einen Platz. Und das Schnorcheln lohnt, hier finden sich besonders viele schöne Korallen.

Viel Korallenriffe scheinen hier noch intakt, ein Paradies für Schnorcheln und Tauchen

Palmen, Sand und türkisfarbenes Meer

Heute morgen sind wir erstmal zum Grote Knip gefahren, etwa 18 km vom Hotel entfernt. Vermutlich ist das der meist fotografierte Strand Curacaos. Wir waren schon gestern am Sonntag in der Nähe, nur Wochenenden sollte man meiden. Denn der Strand wird nicht nur von Touristen gern besucht, sondern auch von zahlreichen Einheimischen. Die kommen halt vorwiegend am Wochenende. Müssen ja arbeiten.
Grote Knip ist ein Idealtypus von einem karibischen Strand mit feinem weißen Sand, Palmen und türkisfarbenem Wasser. Zumal lässt sich hier wunderbar Schnorcheln und auch das Klippenspringen gehört dazu. Für geübte Schwimmer ist in etwa zehn Minuten ein der Bucht vorgelagertes Riff zu erreichen. Wir sind eigentlich nur mal hingefahren um zu sehen ob es sich lohnt. Und ja, es lohnt. Wir kommen wieder für einen ganzen Badetag. Und ja, auch die Klippe habe ich mir vorgenommen.
In der Nähe habe ich dann einen idealen Ort gefunden, um die Drohne steigen zu lassen. Direkt an der Felsenkante, ein ehemaliger, im Verfall befindlicher Aussichtspunkt mit Resten eines Sonnenschutzes. So konnte ich die Bilder von Grote Knip noch mit Luftaufnahmen ergänzen und auch die grüne Landschaft einfangen.

Von den Hato Caves bis Sint Michiel

Um die Mittagszeit ging es dann zu einer anderer Ecke der Insel, in die Nähe zum Flughafen. Was auffällt, besonders in den weniger bewohnten Gegenden, dass der Coronavirus in Sachen Tourismus auch hier zugeschlagen haben muss. Nicht wenige Restaurants, ganzen Ferienanlagen, Museen, manches geschlossen und dem Zerfall preisgegeben. Nicht selten auch zu lesen, for sale. Selbst in der Hauptstadt Willemstad hat es sichtbare Leerstände mitten im Zentrum. Curacao ist zwar nicht so abhängig von Tourismus, wer aber davon lebt, den trifft es natürlich.
Unser Ziel waren die Hato Höhlen. Sie entstanden vor Millionen von Jahren unter Wasser. Eine Zeit lang lagen sie dann auf Meereshöhe – für die Hebung sorgt die Plattentektonik – bis sie heute rund 60 Meter über dem Meeresspiegel liegen. So wurden sie unter Wasser geformt, aber auch durch die Kraft der Wellen und seit etwa 300.000 Jahren durch Auswaschungen. Zudem bildet das durchsickernde Regenwasser wunderbare Stalaktiten und Stalagmiten. Die wachsen hier durchschnittlich nur einen Zentimeter pro hundert Jahre aufgrund der geringen Regenmengen.

Die Hate-Caves, im Inneren rund 95 % Luftfeuchtigkeit und 32 Grad Celsius


In der Höhle leben rund 300 kleine Langohrfledermäuse, die durch ein Loch in der Decke einer Höhlenkammer ein- und ausfliegen. Auch sie ließen sich gut beobachten. Diese Art hier lebt vegetarisch, sie verspeisen nur Früchte. Die Temperatur in der Höhle beträgt rund 32 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit 95 %. Fotografieren ist verboten, da wir aber nur zu Viert bei der Führung waren, durften wir an zwei Stellen einige Aufnahmen machen.

Zum Abendessen sind wir anschließend in ein kleines Fischerdorf gefahren, nach Boca Sint Michiel. Das noch ursprünglich ist, und wir fanden gleich ein schönes kleines Restaurant direkt am Strand.

Fort Beekenburg

Es soll mit mit das besterhaltene Fort in der Karibik sein, das 1703 errichtete Fort Beekenburg. Ursprünglich zur Abwehr von Piraten errichtet, widerstand es später auch englischen und französischen Angriffen. Es ist frei zugänglich und man kann das mit wunderbaren Kakteen bewachsene Gelände durchstöbern. Überall stehen oder liegen noch alte Kanonen herum, der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Auch der Turm ist offen, er ist über eine recht steile Leiter zu erklimmen. Dafür hat man dann einen wunderbaren Blick über die Carcasbaai, die das Fort zu verteidigen wusste.
Direkt an der Festung liegen zwei Marineschiffe, das größere jedenfalls scheint ausgemustert zu sein.

Blue Curacao und farbenfrohe Bilder

Von Fort Beekenburg haben wir uns zu einer Institution der Insel aufgemacht, zum Landhuis Chobolobo. In der ehemaligen Stadtvilla wird seit 1946 der weltbekannte Likör Blue Curacao von Senior & Co hergestellt, nach dem Originalrezept von 1896. Zum Einsatz kommt immer noch der über 100 Jahre alte Originalkessel. Der Likör entstand eigentlich aus einem Malheur. Wollten die Spanier einst doch Valencia-Orangen hier anbauen, heraus kamen aber nur schrumpelige, bittere Minifrüchte. Der Legende nach experimentierte später der alte Herr Senior mit den Früchten herum und er begann aus den harten Schalen Alkohol herzustellen. Irgendwann kam ein schmackhafter, farbloser Orangenlikör heraus. Durch eine Reaktion mit dem Kupferkessel entstand aber auch ein mal ein blau gefärbter Likör. Das gefiel dem Herrn Senior, also fügte er fortan blaue Lebensmittelfarbe hinzu.
In dem Landhuis Chobolobo kann man kostenfrei eine Führung mitmachen und darf drei Likörvarianten probieren. Und natürlich hinterher im Shop auch kaufen. Haben wir. Den mit Schokolade. Denn den originalen Blue Curacao nach dem alten Rezept gibt es nur hier, er lässt sich auch online nicht erwerben. Man kann ihn aber auch in einem angeschlossenen Kaffee (oder ist es eine Bar?) gleich genießen, etwa pur, als Drink oder versteckt im Kaffee. Wie wir.

Auf dem Rückweg zu unserem Hotel haben wir noch am Landhuis Jan Kok vorbei geschaut. Hier befindet sich die Galerie Nena Sanchez mit Bildern und Skulpturen der über die Insel hinaus bekannten Künstlerin. Einige ihrer Werke haben wir als Wandbemalung schon in Willemstad entdeckt. Die ehemalige Miss Curacao ließ sich von den Farben der Insel inspirieren und malte farbenfrohe und fröhliche Bilder. Sie ist 2017 verstorben, ihre ältere Schwester führt nun die Galerie fort und verwaltet ihr Erbe. 

Zu guter Letzt sind wir noch zu einem nahe gelegenen Top-Strand Curacaos gefahren, dem Play Porto Mari. Da fällt es jetzt schwer, wohin es Morgen geht, drei Strände in der Nähe zur Auswahl… und den vom Hotel natürlich. Morgen ist relaxen angesagt.

Playa Kalki und Playa Piscada

Am Mittwoch sind wir ziemlich ans westliche Ende der Insel gefahren. Mit Playa Kalki gibt es hier einen kleinen Strand, der zwar weniger Sand denn Kiesel aus Korallen bietet, aber gut zum Schnorcheln sein soll. Und ja, er ist es. Nicht weit weg liegt der Playa Piscada. Hier verkaufen Fischer am frühen Nachmittag traditionell direkt am Strand ihren Fang und nehmen die Fische auch gleich aus. Und schon immer werfen sie die Fischabfälle wieder ins Wasser. Das lockt natürlich zahlreiche Fische an, die die Reste ihrer Artgenossen gerne verspeisen. Und auch Karett-Schildkröten, die sich daran ebenfalls laben. Eine gute Chance die Tiere im Wasser beobachten zu können. Also hin. Und ja, es waren einige da. Einfach einmalig. 

Die Tiefsee ruft

Sicherlich einer der Höhepunkte dieser Reise. Und ein Ort, an dem weniger Menschen waren als auf dem Mount Everest. Mithin der zweite derartige Ort für mich. Der erste war bei den Korowai in West Papua und der zweite, jetzt, ist die Tiefsee. Sie fängt ab 200 m an, kein Licht gelangt mehr in diese Tiefen.
Hinunter geht es in einem Mini-U-Boot, der Substation. Nur einen Meter breit ist die Kapsel, 2,70 m lang, bietet aber Platz für fünf Personen. An Platzangst darf man nicht leiden, übergewichtig auch nicht sein. Sonst passt man gar nicht durch die Luke.

Die Substation, ein Mini-U-Boot für Forschung und Touristische Zwecke, einmalig.

Eingesetzt wird das U-Boot für touristische Fahrten und die Forschung. Mehrere neue Fischarten und Muscheln hat man auf diesen Fahrten seit 2010 bereits entdeckt, so Tico Christiaan, mein Pilot. Ich hatte das Glück als einziger Gast – mit Tico natürlich – an Bord zu sein. 
Der Aufwand ist schon enorm. Zuerst eine längere Einführung. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Tico ausfällt, muss ich in der Lage sein das Boot per Joystick und Druckluft wieder an die Oberfläche zu bringen. Und auch die Kommunikation mit dem Sicherheitsoffizier muss dann bedient werden, der an der Station die Fahrt überwacht. Dabei sind dann noch ein Begleitboot und ein Taucher, der von außen nahe der Oberfläche Bilder von uns macht. Reichen würde das Atemgas für eine Woche zu zweit. Wasser und Nahrung ist auch an Bord. Sprich, sieben Tage würde man bis zu einer Bergung überleben. Wenn alle drei Sicherheitssysteme versagen würden. Mehr als unwahrscheinlich, aber Sicherheit geht eben vor. Das Boot hat übrigens schon über tausend Fahrten gemacht, ohne Probleme und ist vom Germanischen Lloyd zertifiziert. Gebaut wurde das U-Boot in Vancouver, Kostenpunkt 2,6 Millionen Dollar.


Nach den Aufnahmen nahe der Oberfläche durch den Taucher geht es in die Tiefe. Für normale Sporttaucher endet ein Tauchgang bei 40 m. In 140 Meter Tiefe macht Tico kurz das Licht aus. Das ist die Tiefe, wo sich das letzte bläuliche Schimmern im ewigen Dunkel verliert. Es geht weiter hinab. Eigentlich eine öde Sandwüste hier unten, ab und an ein Fisch, alles wirkt durch die gläserne Halbkugel und die Lichtbrechung unter Wasser sehr klein. Wie eine Miniaturwelt. Ich sehe schwarze Korallen, riesige Hornkorallen und zwei Meter große Schwämme. Auch einige Skorpionfische, ein Oktopus und eine Muräne lassen sich blicken. Zwischendurch geht es an einem alten, gesunkenen Ruderboot vorbei. Generell hat der Mensch auch hier seine Spuren hinterlassen. Immer mal wieder sieht man Plastikflaschen oder Büchsen und weiteren Unrat. Eine Plastikflasche kann ich mit dem Greifer fassen, sie wird später wieder an die Oberfläche gebracht.
Es ist eng und stickig, man liegt auf dem Bauch, kann sich kaum bewegen. Egal, einfach faszinierend. Alle paar Minuten gibt Tico dem Sicherheitsoffizier Daten durch: Sauerstoffgehalt, Trimmung, Position, Tiefe, Alarmmeldungen (keine) und verschiedenes mehr. Dazwischen erklärt er die Tierwelt hier und allerlei über die Tiefsee und das Leben in der Dunkelheit.
Wir erreichen die tiefste Stelle, mehr geht heute nicht da die Stromversorgung mit den 40 Akkumulatoren nachlässt. Die sind gut für maximal sieben Stunden Tauchfahrt, es ist heute aber nicht die erste. Und sie halten nur neun Monate, müssen dann komplett ausgetauscht werden. Wir sind auf 854 Fuß Tiefe, rund 261 m. Ausgelegt ist das U-Boot bis 450 m, zugelassen bis 1000 Fuß, 305 m.
Es geht langsam wieder hoch, zu dem Höhepunkt dieser Fahrt, dem Wrack eines vor 20 Jahren versenkten Frachters, der Stella Maris. Er misst 98 Meter Länge und hat 18 Meter Breite. Eigentlich sollte er für Taucher als Tauchspot und für Korallen und Fische als künstliches Riff dienen und in etwa 30 Meter Tiefe liegen. Nur überlegte er sich es anders und rollte einen Unterwasser-Hang hinunter. Liegt deshalb jetzt auf der Seite in einer Tiefe von rund 140 m. Also unerreichbar für Taucher, nicht aber für ein U-Boot.

Ein Clip auf YouTube mit der Vorbeifahrt am Wrack der Stella Maris.

Es ist schon faszinierend, an dem Frachter vorbei zu gleiten, die Schraube starrt in den Himmel, Aufbauten wie Winden und Masten kreuz und quer durcheinander. Alles erobert die Natur zurück, sprich Pflanzen und Tiere, der Rost bildet bizarre Skulpturen. Ein einmaliger Erlebnis.


Wieder hoch geht es an einer Riffkante entlang, und je höher wir kommen, desto mehr nimmt die Tierwelt zu. Zahlreiche bunte Fische die um Korallen herum schwimmen oder große Fischschwärme lassen sich beobachten. Bis zu einer Wassertiefe von etwa 50 Metern tobt noch das Leben, darunter war es deutlich ruhiger, lebensfeindlicher. Eine eigene Welt. Man fühlt sich wie ein Entdecker, wenn man es natürlich auch nicht ist. Nach zwei Stunden war alles wieder vorbei. Der Rücken dankt´s, der Rest nicht. Jedenfalls ist es ein einmaliges Erlebnis.

Den Fischen auf der Spur

Strandtage bieten sich natürlich zum Schnorcheln an.Und es ist immer wieder einfach fantastisch. Etwas weiter draußen im Meer an der Steilkante, wo die Insel zur Tiefsee abfällt, habe ich wunderbare Riffe entdeckt. Zwar muss man für die Aufnahmen dort tiefer tauchen, aber die acht bis zehn Meter schaffe ich auch beim Schnorcheln – ohne ärztliche Freigabe. Hier konnte ich wieder einige wunderbare Videoszenen mit Nahaufnahmen von Fischen machen, ganzen Schwärmen folgen – teilweise mehrere Minuten und schöne Korallen einfangen. Erwischt habe ich auch zwei Flötenfische. Zudem fielen einige Fotos ab, auch wenn heute der Fokus auf Videoaufnahmen lag. War heute eigentlich der beste Schnorcheltag.

Das Auge Curacaos

Abgelegen, ganz im westlichen Teil Curacaos und erst nach einigen Kilometern Piste erreichbar ist das Watamula Hole, ein Loch im Boden nahe der Klippen, in dem das Meereswasser rauscht – man nennt es das Auge Curacaos. Hier an der Küste zeigt sich die raue karibische See, das Meer ist keineswegs zahm und lädt nicht zum Baden ein. Kräftige Wellen wogen an die Klippen, die Gischt spritzt meterhoch in die Luft. Der Boden ist sehr scharfkantig, gutes Schuhwerk ist geboten. Zieht sich das Wasser zurück, hört man ein sanftes Rauschen, man vergleicht es mit dem Atem eines Riesen. Der Legende nach ist es der Atem von Mama Baranka, der Mutter Erde. Sie schläft seelenruhing, während um sie herum das Meer tobt.

Das Auge Curacaos aus der Luft…

Der Name des mystischen Ortes kommt übrigens von einer Mühle, die einst hier stand. Watamula bedeutet auf Papiamentu schlicht Windmühle.

…und etwas näher

Das Resumee

Aruba und Curacao, zwei nahe beieinander liegende Inseln, beide gehören zum niederländischen Reich, sind dennoch sehr unterschiedlich. Die kleinere Arbuba lebt fast ausschließlich vom Tourismus, gefühlt ist die halbe Insel von feinen, weißen Sandstränden umgeben. Ein Paradies für alle Arten von Wassersport, hier leben sehr nette Menschen, gastfreundlich, geprägt von der Kolonialgeschichte. Das Essen ist vorzüglich, das Preisniveau hoch. Karibik pur. Ideal für Menschen, die sich vor allem an und im Wasser aufhalten wollen. Die Insel selber bietet auch einige Sehenswürdigkeiten, deswegen kommt man aber nicht hier her.

Palm Beach, Aruba


Curacao ist größer, etwas weniger vom Tourismus abhängig. Ist man mit dem Auto auf der Insel unterwegs, fällt schon der erste Unterschied auf. In Aruba fährt man defensiv, hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, ist rücksichtsvoll, alles sehr relaxt. Curacao ist dagegen eher wie Deutschland. An die Geschwindigkeit hält sich hier kaum jemand, es wird gehupt und überholt – auch bei Gegenverkehr, einfädeln lassen gibt es nicht, Ellbogen ist erforderlich.
Was auch auf den ersten Blick auffällt, die Insel ist viel grüner, überzogen mit Buschwerk und Sukkulenten. Landschaftlich bietet Curacao mehr, Nationalparks mit „Bergen“, viele Steilküsten, es gibt einfach viel mehr mögliche Aktivitäten an Land. Und die Menschen sind auch recht freundlich (außer auf der Straße). Auch gibt es wunderbare karibische Strände, die sind jedoch meist in den Steilküsten eingebettet, also deutlich kleiner. Und besonders an den Wochenenden recht voll. Es geht enger zu als in Aruba. Auch zahlt man immer wieder einige Dollar um an die Strände zu kommen, als Tourist, ohne zu wissen was einen erwartet. Das Essen ist meist ebenfalls vorzüglich und etwas günstiger als in Aruba. Auch Curacaos Hauptstadt Willemstad ist attraktiver als Oranjestad auf Aruba, bietet schlicht viel mehr zum Shoppen und museal.

Unterwasserwelt – Curacao


Für mich das Besondere, Schnorcheln und Tauchen. Hier auf Curacao braucht man eigentlich nur vom Strand los schwimmen und ist sofort an wunderbaren Riffen um die Unterwasserwelt zu erkunden. Auf Aruba ist meist ein Boot erforderlich, dass einen herausbringt. Dafür sind auf Aruba andere Wassersportarten einfacher zu realisieren.
Egal, Aruba und Curacao sind beide eine Reise wert. Relaxen, Erholen, Baden, Wassersport, dafür steht Aruba, Sightseeing, Erkundungstouren und besonders Schnorcheln, dafür steht Curacao. So jedenfalls unsere Erfahrung in drei Wochen, natürlich sehr subjektiv.

Hier geht es zu Teil Eins mit dem Bericht über Aruba

Quelle: eigene Erfahrungen, Intenetrecherche, Bilder alle eigene, Ausnahme U-Boot Außenaufnahmen durch Substation-Crew

Mit dem Motorrad zum Norkap und an Norwegens Küste zurück – der Trailer zum Film

Durch Schweden Finnland und Norwegen geht es mit einer Yamaha Tenere zum Nordkap. Es folgen Fahrten die Westküste entlang durch Norwegen nach Bergen. Höhepunkte sind sicherlich die Lofoten, die Küstenstraße Kystriksveien, der Trollstiegen und Geirangerfjord sowie die Nationalparks Jostedalsbreen und Jotunheimen. Ab Bergen nehme ich die Fähre nach Hirtshals in Dänemark, weiter geht es für ein paar Tage nach Hamburg, bevor die Rückfahrt nach Winnenden bei Stuttgart ansteht. Insgesamt 7852 km mit dem Motorrad (ohne die Fährstrecken) in knapp vier Wochen durch wunderbare Landschaften, eintönige Wälder, entlang Flüssen bei Regen, Eiseskälte und Sonne. Auf Autobahnen und kilometerlange Geraden oder kurvenreich über Pässe und Fjorde entlang. Fähren wurden mit der Zeit Routine und kilometerlange Tunnel auch. Ein ausführlicher Reisebericht mit vielen Bildern findet sich auf meiner Website.

Den Film gibt es als Video auf DVD und BluRay auf meiner Shop-Seite.

Reisebericht Nordkap ist Fertig

Online zu lesen gibt es nun den Reisebericht über meine Tour durch Schweden, Finnland und Norwegen bis zum Nordkap. Das war aber nur ein Etappenziel, denn die Reise ging weiter die Küste Norwegens entlang bis nach Bergen. In der Summe fast 7900 km mit der Reiseenduro in knapp vier Wochen bei wunderbaren wie widrigen Tagen.  Auf dem Weg zurück wurden noch drei Tage in Hamburg eingelegt, auch dieser Bericht ist nun online.

 

 

Mit dem Motorrad zum Nordkap

Es geht los, immer Richtung Norden – zum Nordkap

Durch Schweden Finnland und Norwegen geht es mit einer Yamaha Tenere zum Nordkap. Es folgen Fahrten die Westküste entlang durch Norwegen nach Bergen. Höhepunkte sind sicherlich die Lofoten, die Küstenstraße Kystriksveien, der Trollstiegen und Geirangerfjord sowie die Nationalparks Jostedalsbreen und Jotunheimen. Ab Bergen nehme ich die Fähre nach Hirtshals in Dänemark, weiter geht es für ein paar Tage nach Hamburg, bevor die Rückfahrt nach Winnenden bei Stuttgart ansteht. Insgesamt 7852 km mit dem Motorrad (ohne die Fährstrecken) in knapp vier Wochen durch wunderbare Landschaften, eintönige Wälder, entlang Flüssen bei Regen, Eiseskälte und Sonne. Auf Autobahnen und kilometerlange Geraden oder kurvenreich über Pässe und Fjorde entlang. Fähren wurden mit der Zeit Routine und kilometerlange Tunnel auch.

Hier geht es zu einer Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Fotos

Hier ein Trailer zu meinem Film: 

Es gibt den 140-minütigen Film als DVD oder hochauflösend als BluRay in meinem Shop.

Tag 1 – Es wird Strecke gemacht

Die ersten zwei Tage mache ich erst mal Strecke Richtung Kiel. Vom dortigen Terminal fährt morgen um 18.45 die Fähre nach Göteborg los. Die muss ich erreichen. Monotone Autobahn mit zahlreichen Baustellen ist angesagt. Ab etwa der halben Strecke fängt es an zu regnen. Mal mehr oder weniger stark. Also gibt es nur Tankstopps und Kilometer machen. Am Abend bin ich dann rund 40 km vor Kiel, nach etwa 700 km. Viel weiter als gedacht. Und schaue nach einem Zimmer, es regnet immer noch. Doch nichts geht, alles voll hier in der Region. Auch online nicht. Also doch zu einem Zeltplatz in der Nähe, der Inhaber gibt mir einen guten, festen Platz wo das Moped sicher steht. Ist die Wiese doch durchnässt. Und es stimmt was VauDe über mein neues Zelt behauptet hat. Man kann es in fünf Minuten auch im Regen aufbauen und das Innenzelt bleibt trocken. Nur ich nicht so ganz. Wobei die neue Motorradkombi bei der Fahrt ihre Sache gut macht. Alles wirklich wasserdicht.
Währenddessen macht mir der Campingplatzinhaber ein Schnitzel mit Bratkartoffeln, dazu gibt es ein gutes Bier. Jetzt müsste nur noch das Wetter besser werden.

700 km Strecke, die Hälfte davon bei Regen. Es regnet auch, als ich das Zelt aufbaue

Tag 2 – Die Fähre ist erreicht

Am Schwedenkai in Kiel. Von hier aus geht es über Nacht nach Göteborg

Es waren nur noch etwa 40 km bis zum Fähranleger in Kiel. Doch zuerst hieß es packen und das Zelt abzubauen. Natürlich begann es wieder leicht zu regnen, also alles nass in den Packsack. Gefrühstückt wurde dann an einer Tanke. Am Fährkai blieb Zeit um das Moped abzustellen und in die Stadt zu laufen für ein zweites Frühstück, diesmal richtig. Anschließend wurde noch mal etwas umgepackt und optimiert. Motorräder dürfen übrigens ganz vorn parken und auch als erste an Bord (wie sich später zeigte dafür als letztes von Bord). Klappte alles problemlos. Nachdem das Motorrad sicher verzurrt war – macht man aus Haftungsgründen selber – ab in die Kabine, duschen, erste Wäsche waschen, Akkus laden. Es ist ja Zeit, rund 14 h dauert die Fahrt nach Göteborg. So gegen 9 Uhr am kommenden Morgen komme ich an. Heute Abend gönne ich mir noch ein Essen und etwas Wein an Bord.

Tag 3 – Der erste Tag in Schweden

 

Meine Hütte am Värmlands Sjö och Fjäll Campingplatz nahe Torsby – empfehlenswert

Gerade sitze ich in einer kleinen Hütte, wunderschön gelegen auf dem Värmlands Sjö och Fjäll Campingplatz nahe Torsby gelegen. Die Hütte habe ich mir gegönnt, nachdem es kurz zu tröpfeln anfing. Wobei es heute überwiegend ein schöner sonniger Tag war.
Heute Morgen pünktlich um 9.15 in Göteborg mit der Fähre aus Kiel angekommen, verhinderte der Zoll eine zügige Abfahrt. Meinte man doch, mal alle Fahrzeuge respektive die Fahrer nach Ziel und Grund der Einreise zu fragen. Das wars dann auch, dauerte aber insgesamt 90 Minuten bis ich draußen war. Wenn es eine gut funktionierende weltweite Union gibt, ist es die der Bürokraten.


Mein erster Stopp nach 80 km war der Trollhätta Kanal. Hier lassen sich alte Kanäle, Wasserkraftanlagen und Fabrikationsanlagen in einer wunderbaren Schlucht besichtigen sowie schöne Spaziergänge machen sofern man Zeit hat und keine schweren Motorradstiefel an den Füßen.
Eine Stunde später stand ich an der abseits gelegenen Skålleruds Kirche nahe Mellerud. Ein Kleinod das auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, aber wegen Renovierungsarbeiten gerade geschlossen ist.


Nach dann insgesamt 340 km kam ich hier am Campingplatz an. Noch ein paar Foto- und Filmaufnahmen gemacht, dann wurde erstmal gekocht. Pasta mit Tomatensauce, was sonst.

 

Tag 4 – On the Road

Das Wetter ist schön, die Sonne scheint. Auch wenn es für August mit deutlich unter zehn Grad am Morgen doch recht frisch ist. Also los, gefrühstückt wird zeitnah unterwegs. Wenn denn was käme. Und beim ersten Tankstopp schon wieder an ner Tanke, nein danke. Also wird es halb eins bis etwas geeignetes am Weg liegt (natürlich auch eine Tankstelle), dann aber gleich einen ordentlichen Hamburger. 


Das Wetter schlägt um, es fängt wieder an zu tröpfeln. Es ist saukalt, ein eisiger aus dem Norden wehender Wind. Dort will ich hin…
Weiter geht es, sonnige Abschnitte wechseln mit Regen. Was bleibt ist der kalte stürmische Wind, der sich auch auf dem Moped bemerkbar macht. Sightseeing steht bei diesen Bedingungen nicht auf dem Plan.
Abends gegen halb sechs habe ich das Tagesziel erreicht. Bei dem Wetter ist doch wieder eine Hütte angesagt. Doch alles ist ausgebucht. In der Region findet gerade eine Veranstaltung statt. Also weiter. Beim nächsten Zeltplatz ist niemand zu erreichen, erst nach fünfzig weiteren Kilometern finde ich einen einfachen Campingplatz mit einer freien Hütte. Gut, die Strecke spare ich mir für morgen schon mal ein.
Immerhin habe ich heute rund 530 Kilometer Richtung Norden geschafft, auf dem Moped und unter Einhaltung aller Geschwindigkeitsregeln.

Tag 5  – On the Road again

Es hat gefühlt Minusgrade. Ist natürlich Quatsch, das Thermometer zeigt in der Früh 6 Grad an. Aber der eiskalte arktische Wind. Egal, es geht weiter, zumal heute die längste Etappe der ganzen Tour ansteht. Rund 540 km bis Jokkmokk, ein Zentrum der Samen. Ich bin dann schon eine Weile in Lappland. Hier will ich mir dann auch einiges ansehen. 
Also los, gefrühstückt wird wieder unterwegs. Nur am Samstag früh (10 Uhr) hat alles noch zu.

Eine Säule, ein Kreditkartenautomat, reicht fürs Moped.

Selbst die Tankstellen, zumal inzwischen viele nur aus zwei Säulen und einem Automaten zum Zahlen per Kreditkarte bestehen. Zum Tanken des Mopeds reicht es. Was aber ist mit mir?

 

Es braucht 150 km bis Vilhelmina, bevor eine Rast ansteht. Hier will ich sowieso eine Pause einlegen, wegen den vom Reiseführer empfohlenen Geschäfte. Doch wo sind die nur hin? Hat vermutlich mal wieder der eine vom anderen abgeschrieben und keiner war hier. Nun gut, für einen Einkauf im Supermarkt und einen Kaffee reichte es. 
Weiter geht‘s Kilometer um Kilometer. Die Landschaft wandelt sich langsam, die Wälder sind nicht mehr so dicht, die Bäume kleiner. Lichte Flächen nehmen zu und es wird bergiger. Das Wetter bleibt wechselhaft, meist grauer Himmel, immer wieder Regen, ab und an ein Sonnenstrahl. 

Die ersten Rentiere. Später wird es zur Gewohnheit – man stoppt nicht mehr


Dann ein Stopp bei einem Museum das ich besuchen will. Geschlossen, die ganze Saison. So ist es häufiger, wohl der wenigen Besucher wegen. Lohnt nicht. Gegen 17 Uhr überquere ich den nördlichen Polarkreis.

Einzig und allein. Selbst Cafe und Shop waren die ganze Saison über geschlossen

Ich war hier der einzige und Laden, Infozentrum, Kaffee, alles geschlossen. Nun gut, 15 Minuten später bin ich in Jokkmokk, am Campingplatz. Ausgebucht. Und zum Zelten habe ich nach der Strecke und dem Wetter keine Lust. Das wars dann mit dem Samenzentrum am kommenden Morgen. Zumal auch hier vieles zu zu sein schien. 
Also weitere 90 Kilometer bis Gällivare geheizt, hier eine beheizte! Hütte mit Dusche ergattert. Am Schluss waren’s heute so um die 630 Kilometer, knapp 11 Stunden Fahrt mit dem Moped.

Tag 6 – Das Wetter spielt mit

Die Sonne scheint. Es ist zwar kalt, nur 8 Grad, und auf mehr als 10 Grad wird das Thermometer heute auch nicht steigen. Doch die gefühlte Temperatur passt, denn der eisige Nordwind hat sich gelegt. Also ab aufs Ross und ihm die Sporen gegeben. Sind doch in Lappland auf den schlechteren Straßen 100 km/h erlaubt. Ich gehöre zu den wenigen, die sich daran halten.
Da die Strecke nicht so lang ist, nehme ich mir Zeit für eine längere Pause und lasse die Drohne aufsteigen. So offenbart sich mal der Blick auf Wald und Seen aus anderer Perspektive. An Holz und Wasser hat es hier wahrlich keinen Mangel. 

Gegen 14 Uhr sage ich Schweden Ade und fahre nach Finnland ein. Hier gibt es inzwischen Grenzkontrollen, man will den Impfnachweis sehen. Das war‘s.

Dem freundlichen Grenzer ist langweilig, er unterhält sich mit mir, gibt mir Tipps und warnt vor den vielen Rentieren auf meinem Weg zum Nordkap, den kaum einer so nehmen würde. Warum auch immer. Und er hat Recht. Mal einzeln, mal in kleinen Gruppen stehen die Rentiete an oder auf der Straße, lassen sich vom wenigen Verkehr nicht stören. Nur wenn man stoppt um ein Foto zu machen, sind sie weg.
Nach etwa drei Stunden verlasse ich die Finnen schon wieder, reise nach Norwegen ein. Auch hier wird der Impfnachweis kontrolliert (und der Führerschein), that‘s it. Seit 15 Uhr regnet es übrigens immer mal wieder, die Temperatur liegt bei acht Grad. Es hatte doch etwas gefehlt. Deswegen den nächsten, etwas einfachen Campingplatz angesteuert, bin sowieso rund 100 km weiter als geplant. 
Die Landschaft hat sich übrigens deutlich verändert, sumpfige Flächen und viele kleinere lichte Wälder aus eher buschig wachsenden Birken. Nur etwa drei bis vier Meter hoch. Dazwischen Tümpel und Seen. Die raue Natur zeigt sich deutlich.

Tag 7 – Die letzte Etappe zum Nordkap

Diese Gegend Norwegens ist ganz anders als der Teil Schwedens, den ich bereist habe. Es herrscht mehr Verkehr, die Städte sind größer, viele Häuser und die Infrastruktur zeigen den Reichtum des Landes. Landschaftlich bietet diese Region zudem einfach mehr als nur endlose Wälder und Seen wie in Schweden. Jedenfalls der Teil, den ich befahren habe. Doch zurück zum Anfang.
In Kautokeino hat am Montag Morgen tatsächlich das Samenmuseum offen. Diese Gelegenheit nutze ich und kann mir in Ruhe die Ausstellungstücke und das Freigelände zur Kultur und Geschichte des Volkes der Samen ansehen. Ich bin der einzige hier. Gestern kamen drei Besucher. Ansonsten hat alles andere interessante, auch Kunsthandwerksläden oder eine Silberschmiede in der Stadt geschlossen.

Also weiter Richtung Alta. Die inzwischen übliche Routine auf der Straße, es hat acht Grad. Das Navi zeigt 138 km bis zur nächsten Tanke an, passend für eine Pause. Und der Tank war dreiviertels voll. Der Himmel ist trüb, die Fahrt zieht sich hin. Dann aber ändert sich die Landschaft, es wird bergiger, kurvenreicher. Gut für Motorräder. Die Sonne kommt heraus. Dann geht es zehn bis fünfzehn Kilometer entlang eines wunderschön gelegenen, schmalen Sees, an dem beidseits in den bewaldeten Hängen und auch am Ufer immer wieder wunderschöne Häuser zu sehen sind. Wochenendhäuser wohlhabender Norweger, hierher kommt man zum Angeln. Das zeigen die Boote, die vertäut auf den Wellen schaukeln. Menschen sind aber weit und breit nicht zu sehen. Gut es ist ja Montag. 


Dann soll die Tankstelle bei Alta kommen. Nur sie kommt nicht. Das Navi von Garmin patzt des öfteren. Also den Umweg über Alta oder dem Navi glauben, dass in 68 km die nächste kommt. Gut, ich habe ja zwei Liter Ersatzbenzin dabei.
Nachdem ich die Ausläufer Altas hinter mir gelassen habe, geht es über eine endlose Hochebene weiter (etwa 60 km), fast baumlos und die Sonne scheint immer noch, spiegelt sich in den Seen des Hochmoores. Eine fantastische, endlose Landschaft, grasbewachsen, nur wenige buschartige Birken, auf den Wiesen tummeln sich Herden von Rentieren. Die auch des Öfteren die Straße vor einem queren. Es folgen lichte Wälder mit buschigen, von Wind und Wetter gezeichneten, häufig fast blattlosen Birken. Hat auch etwas beeindruckendes.
Dann kommt tatsächlich die Tankstelle. Hätte noch für 100 km gereicht. Der Verbrauch des Mopeds liegt bei 3,7 Litern. Weiter geht es auf einer Hauptachse Richtung Kirkenes, der Verkehrt nimmt etwas zu. Relativ gesehen. Irgendwann kommt der Abzweig Richtung Honningsvag, kurz darauf ändert sich die Landschaft wieder gravierend. Es geht rund 80 km an einem Fjord entlang, direkt an der Küste, vorbei an kleinen Fischereihäfen und Siedlungen, durch baumlose Küstenabschnitte, durch Naturtunnel (teils über sechs Kilometer lang, mit erlaubten 80 km/h), zahlreiche Stopps verzögerten die Fahrt enorm. Aber deswegen ist man ja unterwegs.

Rentiere Zuhauf, rechts und links der Straße

Dann das erste Ziel, die Stadt Honningsvag. Hier war ich zuletzt Anfang Februar 2020 mit dem Schiff und dem Ziel Nordkap. Doch die Straße war gesperrt, der stürmischen Winde wegen und der Temperatur von – 33 ° Celsius. Also die Stadt mal im Sommer angeschaut, und dann weiter zu einem Campingplatz Richtung Nordkapp – es liegt etwa 30 km von Honningsvag entfernt. Dort auch gleich für zwei Nächte eine Unterkunft bekommen, nein kein Zelt. Es hat tagsüber jetzt 6 ° C.

Tag 8 – Es ist vollbracht

Das Nordkap, der nicht nördlichste Punkt des Kontinents

Jedenfalls die erste Etappe der Reise. Ich bin am Nordkap. Es ist Montag Abend und genau 3187 km liegen hinter mir, ohne die Kilometer, die ich mit der Fähre von Kiel nach Göteborg zurückgelegt habe. Und das in sieben Fahrtagen mit dem Motorrad von Winnenden aus. Eigentlich sechs, da ich am Fährtag nur 40 Kilometer mit dem Moped zurückgelegt habe. Vor fünf Jahren stand ich übrigens am Kap der guten Hoffnung, dem südlichsten Punkt Afrikas. Entgegengesetzt. Auch mit dem Motorrad nach 2500 km Wüste und Berge von Windhoek aus.
Das Nordkap befindet sich auf 71° 10′ 21″ nördlicher Breite, 514 Kilometer nördlich des Polarkreises und rund 2100 Kilometer südlich des Nordpols. Für die, die es genau wissen wollen. Der nördlichste Punkt Festland-Europas. Sagt man. Stimmt aber nicht. Denn der liegt in Sichtweite auf einer kleinen, westlich gelegenen Landzunge. Knivskjellodden, ihr Name, ist der nördlichste Punkt. Er reicht rund 1400 Meter weiter gen Nordpol. Da kann man aber nur hinwandern, insgesamt rund fünf Stunden für die 19 Kilometer. Ist aber stark vom Wetter abhängig, denn das wechselt hier oben schnell. Was aber stimmt, das Nordkap ist der nördlichste Punkt Europas, der vom Straßennetz aus erreichbar ist. Und er ist natürlich mit seinem Wahrzeichen, dem Globus, ein wichtiges touristisches Reiseziel. Wobei derzeit recht wenig los ist. Es ist schon gegen Ende der Saison und Corona tut ein übriges. 


Die Landschaft zum Kap hat einen eigentümlichen, rauen Charme. Heute, am Dienstag bin ich noch einmal hingefahren, mit viel Zeit, die Landschaft zu genießen. Hier lasse ich die Bilder sprechen.

Tag 9  – Auf dem Weg zu den Lofoten

Meist geht es auf geteerten Straßen voran. Doch für den einen oder anderen Abstecher geht es ins Gelände

Es geht Richtung Süden, nach Alto. An Alto bin ich schon auf dem Weg zum Nordkapp vorbei gekommen, nehme jetzt aber einen anderen Weg dorthin zurück. Das Wetter ist wunderbar, es ist richtig warm, etwa 14 ° Celsius. Und ich habe heute nur etwa drei Fahrstunden vor. Bleibt also Zeit für ausgiebige Stopps. Die Gegenden, durch die ich fahre, sind es allemal wert. Die Küste entlang, manchmal auch kilometerlang durch Tunnel unter dem Meer, über Hochebenen (immerhin 350 m hoch und damit baumlos), durch Birkenwälder, bei denen die Bäume kaum mehr ein Blatt tragen, über Pässe und einen traumhaften Fluss entlang. Hier unterhalte ich mich etwas länger mit einem Norweger, der von den Lofoten zum Angeln hier her kommt. Denn in dem Fluss gibt es Lachse, so bis zu zehn Kilogramm schwer. Zur Zeit ist aber der Wasserstand niedrig, deswegen wird es wohl schwierig, etwas zu fangen. Zweimal lasse ich in wunderbaren Gegenden auch die Drohne aufsteigen, der Blick von oben ist schon etwas besonderes. 

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Mein Ziel Alta liegt an der Küste, es handelt sich um eine größere Stadt. Sie ist nicht sehr schön, aber hier gibt es das Alta-Museum, das auf jeden Fall einen längeren Besuch wert ist. Es informiert über die Kultur der Samen, weit wichtiger aber ist der angegliederte, etwa drei Kilometer lange Wanderweg. Hier kommt man an zahlreichen Felsritzungen vorbei, die die Menschen in den arktischen Gebieten vor bis zu 7000 Jahren erstellt haben. In Hjemmeluft, so heißt das Gebiet, soll es bis zu 6000 Ritzungen geben. Hier wurde von den Jägern und Sammlern der Steinzeit mehr Felskunst hergestellt, als im gesamten Nordeuropa zusammen. Vermutlich war Alta damals ein wichtiger Treffpunkt der Menschen. Die Ritzungen erzählen von der Jagd, dem Walfang und dem Angeln unter dem Polarhimmel und der Mittsommernacht. Wichtige Themen waren auch Schwangerschaft und Geburt. So geben die Felsritzungen einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der damaligen Menschen. Einige Ritzungen wurden mit roter Farbe nachgezeichnet, so dass sie besser zu sehen sind. Je nach Sonnenstand sind sie sonst nur sehr schwer zu erkennen. Die Zeichnungen gehören zum Weltkulturerbe der Unesco. Alles hier ist wunderbar angelegt, es gibt sogar ausführliche Beschreibungen auf Deutsch und einen Audioguide.

Tag 9 – Das Motorrad der Wahl

Unterwegs bin ich mit der Tenere 700 von Yamaha. Sie kam 2019 auf den Markt und wurde von vielen sehnlichst erwartet. Sie ist kein rollender Computer, Connectivity, Fahrmodi, elektronische Fahrwerke,Traktionskontrolle – alles Fehlanzeige. Die Traktionskontrolle hat man in der rechten Hand. Was nicht eingebaut ist, kann auch nicht kaputtgehen oder spinnen. Was Sensoren gerne mal machen. Dann ist eine Reise schnell beendet. Einzig das vorgeschriebene, fürs Gelände abschaltbare ABS ist an Bord. Und natürlich eine elektronischen Einspritzung. Der Zweizylinder-Reihenmotor mit rund 700 Kubikzentimeter und 78 PS ist vollkommen ausreichend und gilt als äußerst zuverlässig. Und ist auch relativ sparsam. Über die Distanz von über 3000 km habe ich rund 4,0 l/100 km an Benzin verbraucht. 
Zudem wiegt die Tenere nur 204 kg. Mithin rund 50 kg weniger als die meisten vergleichbaren Maschinen der Wettbewerber. Das ist ein entscheidendes Argument. Zwar kommen durch Sturzbügel, Hauptständer, Koffer mit Tragesystem, schwere Handprotektoren, Motorschutz mit Werkzeugbox, Wasserpumpen- und ABS-Schutz noch mal rund 35 kg hinzu, das gilt aber auch für die Wettbewerber.
Ausgetauscht habe ich den Standardsitz, denn der ist für längere Touren wenig geeignet – jedenfalls für mich. Hier habe ich mir von einem Sattler einen besseren machen lassen. Und einziger Komfort ist eine Griffheizung die ich einbauen ließ, was sich auf dem Weg zum Nordkapp schon bewährt hat.
Mit den zwei 50 l-Packsäcken, dem 15 l-Tankrucksack und den 78 l Volumen in den Alukoffern kommt dennoch ein Gewicht mit Fahrer (mir) von etwa 400 kg zusammen. Die müssen gehändelt werden, zumal eine Enduro ja wegen der Geländegängigkeit (hohe Bodenfreiheit, lange Federwege) einen hohen Schwerpunkt hat. Damit ist sie systembedingt beim Rangieren etwas kippelig, aber schon bei langsamer Fahrt ist das vorbei. Aber daran gewöhnt man sich.
Auch ist sie extrem geländegängig was viele andere Reiseenduros – mehr SUV auf zwei Rädern als Enduro – nicht mehr sind. Allein des Gewichtes wegen. Aber natürlich verlassen die wenigsten mit ihren Maschinen die Straßen. Schotterwege sind da das Maximum.

Tag 10 – Spektakuläre Landschaften zuhauf

Weiter geht es Richtung Lofoten. Ich fahre einen Umweg entlang der Küste und diversen Fjorden, die deutlich kürzere Alternativ wäre eine Hauptstraße Richtung Narvik. Die muss ich aber auch später ein Stück fahren. Die Sonne scheint, der blaue Himmel ist ohne eine einzige Wolke. Dafür ist es recht kalt. Morgens noch, später steigt die Temperatur auf angenehme 13 ° Celsius. 

Es geht zuerst einen Fjord entlang durch traumhafte Landschaften. Gelegenheit an einer besonderen Stelle mit einer eingefallenen Mohle die Drohne einzusetzen. Musste nur aufpassen, dass Möwen sie nicht angreifen. Sehen sie als Konkurrenten. Freue mich schon auf die Aufnahmen.

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Dann geht es über einen Pass (403 m NN !), direkt am Fjord gelegen, traumhafte Aussichten garantiert. Und weiter die Fjorde entlang, gefühlt ewig an schneebedeckten Bergen vorbei – man will die ganze Zeit anhalten. Geht aber nicht, immerhin stehen durch den Umweg 450 km häufig kurvenreiche Straßen an. Nicht selten mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h, Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen ist normalerweise 80 oder 90 km/h. Auch durch nasse, dunkle Tunnel geht es kilometerlang unter dem Meer hindurch. Manchmal fährt man in einen hinein und ist blind. Bis sich die Augen und die Brille angepasst haben. Also schön gemütlich.

 
Später muss ich dennoch auf die Hauptachse nach Narvik, hier nimmt der Verkehr deutlich zu, auch ist die Gegend nicht mehr so spektakulär. Es geht an auch größeren Städten mit Industrie vorbei, an Seen, durch Wälder, zudem trübt sich der Himmel ein.

Dafür komme ich einem größeren Zelt vorbei, mit dem Hinweis Arts Sami. Also ein schneller Stopp und hinein. Hier finden sich Mengen an Handwerkskunst der Sami, Kleidung, Schuhe, Felle, Schalen, Schnitzereien, auch Lebensmittel und mehr. Vieles aus Fell und Knochen der Rentiere oder aus Holz. Manches Krempel, manches Kunst. Nur mit dem vollbeladenen Motorrad, schwer etwas einzukaufen. Aber ein schönes handgeschmiedetes Messer mit wunderbar gearbeitetem Griff bekomme ich noch unter. Und eine Salami aus Elchfleisch auch. Doch ob die bis nach Hause überlebt? Zudem kocht in einem Topf über offenem Feuer eine Suppe aus Rentierfleisch und Gemüse. Gut zum Aufwärmen zusammen mit einem schwarzen Kaffee.
Die Strecke wird wieder schöner und abwechslungsreicher. Sie führt durch Bergwälder, der Verkehr hat auch wieder abgenommen. Die Sonne kommt auch wieder hervor.

Rund 30 km vor Narvik endet der heutige Fahrtag auf einem Campingplatz. Der Kälte wegen wieder in einer Hütte. Habe mich eigentlich schon daran gewöhnt. Diesmal gibt es sogar eine mit Dusche und WC, großem Wohnraum und extra Zimmer für die Betten. Ist eigentlich für vier Personen. Für den Vermieter egal, der Preis ist immer pro Hütte. Andere hatte er anscheinend nicht mehr frei… Ansonsten lasse ich die Bilder sprechen.

Tag 11 – Etappenziel Nr. 2 in Sicht

Nur noch rund 300 km, dann bin ich an meinem vorab ausgesuchten Campingplatz in den Lofoten angekommen. Etappenziel Nr. 2, nach dem Nordkap. Zuerst geht es durch Wälder und Berge in die Höhe und wieder hinab Richtung Narvik. Der Blick in den Fjord fordert den Einsatz der Drohne, Morgens ist das Licht einfach toll. Die Sonne scheint. Später in Narvik will ich mit der Narvikfjellet-Seilbahn auf 656 m hochfahren, von dort soll man eine wunderbare Aussicht haben. Nur die Bahn fährt erst ab 13 Uhr. Und es ist 9 Uhr. Also gestrichen. Rund um Narvik finden sich übrigens häufiger Hinweisschilder auf Schlachtfelder aus dem 2. Weltkrieg. Hier fanden zahlreiche Kampfhandlungen zwischen den Alliierten und den Deutschen statt, war der Hafen doch strategisch eminent wichtig für Eisenlieferungen an die Alliierten. Am 8. Juni 1940 kapitulierten die Alliierten in Narvik, das bis zum 8. Mai 1945 unter deutscher Herrschaft blieb.


Nach Narvik geht es fast endlos Fjorde entlang, durch zahlreiche lange oder auch kürzere Tunnel, einmal wieder unter dem Meer hindurch, über Brücken und kurvenreichen Strecken die Küste entlang. Vielleicht schaffe ich es doch noch, die auf deutschen Autobahnen und den endlosen Geraden in Schweden eckig gefahrenen Reifen wieder rund zu bekommen. Die Tunnel-, Brücken- und Straßenbauer in Norwegen wissen jedenfalls, was sie tun. Sie verstehen ihr Handwerk.
An der Küste bläst der Wind recht kräftig, an einer einen 300 m breiten Fjord überquerenden Hochbrücke wird die aktuelle Windgeschwindigkeit angezeigt, umgerechnet 60 km/h. Über diese Brücke bin ich in Schräglage gefahren, gerade aus. Bei jeden Pylon oder Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn, besonders bei LKWs, setzt der Seitenwind schlagartig aus und dann wieder ein. Man fährt wie besoffen. Weniger heftig ist es die Küste entlang, aber einzelne Böen lassen einen ganz schön schwanken. So geht es ein/zwei Stunden lang. Manche Brücken werden übrigens ab bestimmten Windgeschwindigkeiten für Motorräder, leere LKW und Wohnwagengespanne gesperrt. 
Passend bei einen Tankstopp gibt es dann einen Burgerladen. Die werden immer ganz frisch zubereitet und schmecken einfach köstlich. Aber Norwegen wäre nicht Norwegen, hätte das nicht einen Haken. Hamburger mit Pommes und einem Kaffee, macht 20 Euro… Aber er war es wert.
Irgendwann kommt wieder ein Pass durch wunderbare bergige Landschaften, Verbindung zwischen zwei Fjorden. Dann das Schild Lofoten. Bald ist es geschafft. In Solvaer mache ich einen Stopp, hier war ich schon im tiefsten Winter, im Februar 2020 mit Hurtigruten. Es folgt Kabelväg mit seiner wunderbaren Vågan-Kirche, die zweitgrößte Holzkirche Norwegens. Sie ist jedoch gerade geschlossen, wegen Renovierung. In Kabelvåg findet sich zudem das sehenswerte Lofoten-Museum. Macht aber um 15 Uhr zu. Es ist zehn vor 15 Uhr… 


Also weiter zum geplanten Campingplatz, ausgebucht. Es findet an diesem Wochenende eine Hochzeit statt. Die nette Dame an der resepsjon empfiehlt mir einen nahegelegenen Campingplatz, da wäre sicherlich noch was frei. Das ist ein Glücksfall. Denn es ist nicht nur was frei, sondern es ist ein Rorbu, eine Fischerhütte direkt am Meer. Teilweise auf Stelzen gebaut. Mit wunderbarem Ausblick auf die Berg- und Meereswelten der Lofoten. Hier bleibe ich, und zwar drei Tage lang und erkunde die Lofoten. Vielleicht schaffe ich dann noch das Lofotenmuseum nicht nur von außen. Bis hierher waren es jetzt übrigens insgesamt 4240 km.

 

Tag 12 – Mit den Wikingern auf Du und Du

Der Nachbau des Wikinger-Langhauses. Das Original stand ein paar Meter daneben

Heute stehen vor allem die Wikinger im Fokus. Denn die bauten einst hier nahe dem heutigen Ort Borg auf den Lofoten das bisher größte, jemals entdeckte Langhaus aus der Wikingerzeit. Die Überreste wurden 1981 beim Pflügen von einem Bauern entdeckt, es maß in der Länge 83 m und in der Breite über 10 m. Direkt daneben rekonstruierte man das Gebäude in voller Größe und stattete die Räume mit zeitgemäßen Inhalten zum Leben, Handwerk, Dekorationen und Weltbild der Wikinger aus. In einem modernen Museumsgebäude zeigen die Norweger einen Film über das damalige Leben und es gibt eine kleine archäologische Ausstellung, einen schönen Museumsladen und ein Cafe in der umgedrehten Form eines Wikingerbootes. Macht man sich auf einen etwa 1,5 km langen Weg hinunter zum Meer, kann man auch mehrere fahrbereite Nachbauten von Wikingerschiffen bestaunen. Im der Hauptsaison kann man sogar mit den Booten mitrudern und in „See“ stechen. Die aber ist schon vorbei. Den Weg muss man auch wieder hinauflaufen, Gott sei Dank habe ich mir sehr gute Motorradstiefel geleistet, die nicht nur schützen, wasserdicht und bequem beim Fahren sind, sondern mit denen man auch einen kürzere Strecke wie die drei Kilometer gut laufen kann. Die Motorradjacke dagegen sorgt bergauf bei den jetzt milden Temperaturen von um die 15 Grad für einen Wärmestau.

 

Alles in allem verbringe ich in den Museum deutlich über drei Stunden, so dass der ursprüngliche Plan bis ans Ende der Lofoten, bis zum Ort Å zu fahren gestrichen wird. Dafür habe ich mich für die Rückfahrt für eine Alternative zu der recht viel befahrenen E 10 entschieden, die sich durch das Herz der Insel Vestvågøy schlängelt. Die Alternative, die Rv815 führt einen Teilabschnitt kurvenreich an der Küste entlang und ist kaum befahren. Und der Ausblick auf die Berge ist spektakulär. Da kommt natürlich die Drohne wieder zum Einsatz, heute ganze drei Mal. Die Zeit dafür ist da . 


Wettermäßig fing es bescheiden und trist an, am späteren Nachmittag setzt sich dann die Sonne wieder durch. Gerade richtig. Denn ich mache noch einen Abstecher zu dem Fischerort Henningsvær, zu dem eine wunderbare, 8 km lange kurvenreiche, aber enge Straße führt. One Way. Fährt man wieder zurück. Lohnt aber. Manche nennen den Ort das Venedig der Lofoten, ist übertrieben, aber der Ort hat was. Es ist sicherlich der trendigste und lebendigste Ort der Lofoten, daß haben aber auch viele Touristen inzwischen entdeckt.

Tag 13  – Bis ans Ende der Lofoten

Es geht bis an das Ende der Lofoten, bis zum Ort Å. Ja, so heißt er, kurz und einprägsam. Sind rund 130 km von meinem derzeitigen Domizil, einfach. Kurvenreich und durch die faszinierende Landschaft der Lofoten. Die erste Hälfte fahre ich zügig durch, bin ich ja gestern bis zum Wikingermuseum schon mal gefahren. Dann kommt Neuland. Erst mal ändert sich nicht viel, zudem der Himmel trüb und dunkel ist. Dann fängt es auch noch an zu regnen. Es kommen Zweifel auf ob sich der über zwei Stunden lange Weg lohnt. Zumal ich die gleiche Strecke ja noch zurück muss. Vorab, er lohnt.


Der Regen hört auf, die Straße ist nass und kurvig. Macht nichts. Die Reifen müssen noch ein abgerundetes Profil bekommen. Die Landschaft wird immer wunderbarer, je näher ich dem Ziel komme. Zwischendurch lasse ich mal die Drohne fliegen, sie kommt leicht feucht zurück, es hat nämlich als sie rund einen Kilometer weg war zu nieseln angefangen. Ist aber hart im Nehmen, macht nichts aus. Abtrocknen, verstauen, weiter gehts.
Dann geht es einen langen Tunnel unter dem Meer hindurch, es folgen weiße Sandstrände, jetzt fehlt nur noch die Sonne (und Palmen, höhere Temperaturen, Bacardi…., dann wäre ich aber wieder auf Kuba). Surfer gibt es jedoch schon.
Bei Moskenes geht es über einspurige hohe Brücken, die Landschaft hier ist spektakulär. Und die Sonne lugt zwischen den Wolken durch. Immer mal wieder. Die letzten Kilometer sind fast eine enge kurvige Bergstraße, nur dass sie durch einen Ort führt und die Küste entlang, dann leitet einen ein Tunnel zu einem großen Parkplatz für Autos und Wohnmobile. Von dort geht es zu Fuß in die Stadt. Und was machen Motorradfahrer. Die fahren direkt in die Stadt, besser in den Ort, dürfen das. Und finden direkt vor dem dortigen Fischereimuseum einen Parkplatz, meinem Ziel.

Die Ortsmitte ist das Museum

Das Museum besteht aus sechs alten Gebäuden, die quasi den Ortskern um den alten Hafen herum bilden. Dazu gehört ein altes Fischerhaus, man geht hinein, alles ist offen und liegt so herum, als wäre der alte Fischer gerade auf dem Meer und kommt gleich wieder. Nebenan das alte Postamt, gleiche Atmosphäre. Mann könnte sein Paket hier aufgeben. Ein paar Meter weiter die alte Schmiede, und dann das größte Gebäude. Es umfasst lauter alte Fischereiutensilien, auch mehrere kleinere Boote und dürfte ein alter großer Schuppen gewesen sein. Alles Kreuz und quer, wie bei einem alten Trödler, Einfach wunderbar. Im nächsten Gebäude wurde Fischöl hergestellt, und der Ort hier ist nichts für empfindliche Nasen. Denn es stehen noch uralte volle Fässer mit gammeligem Fischöl offen herum. Ab und zu zwischen den Utensilien finden sich Monitore, auf denen kurze Filme laufen, das wars an Erläuterungen. Mehr ist auch nicht nötig. Das Museum lebt von seiner Patina, dem wunderbaren Gerümpel, der Atmosphäre, dem Staub.

Übrigens sind kaum Menschen hier, trotz des großen Parkplatzes, der nicht leer war. Hier in den musealen Gebäuden vertrödele ich mal wieder meine Zeit, muss ja noch über zwei Stunden zurückfahren. Doch Gebäude Nummer 6, ein Souvenir- und Lebensmittelladen (für den Ort) hat in der unteren Etage ein kleines Cafe. Ein Kaffee muss noch sein und ein Stückchen Zimtgebäck, bevor es dem trüben Himmel entgegen geht. Zurück zum Campingplatz. Der Tag, die Fahrt hat sich gelohnt.

Tag 14 – Der Weg ist das Ziel

Heute Morgen geht es zuerst mit der Fähre von Svolvaer gut 2 h 15 min. nach Skutvik. Das spart ein paar Hundert Kilometer Fahrstrecke ein. Heißt halt, früh auszustehen, am fjerekai sollte man gegen viertel vor acht sein, etwa acht Kilometer entfernt.

Bei längeren Überfahrten muss das Motorrad immer verzurrt werden

Es nieselt. Also so bald als möglich auf die Fähre und das Moped gut verzurrt, geht quasi über offene See. Dann erst mal gefrühstückt und vom Schiff aus ein paar Aufnahmen gemacht. Pünktlich um 10.30 legt die Fähre in Skutvik an, pünktlich beginnt es auch stärker zu regnen. Das bleibt die nächste Stunde so, bis der Regen etwas nachlässt und dann ganz aufhört. Jedenfalls kurz. So dass die Straße etwas abtrocknet, durch den inzwischen recht böigen und kalten Wind geht das recht schnell. Bis es wieder leicht regnet. Das geht den ganzen Tag so. Was sich nicht zeigt, ist die Sonne zwischen den düsternen Wolken – jedenfalls bis kurz vor Ende der Fahrt.

Dennoch, die Stimmung und die Fahrt die Fjorde entlang und über Granitberge hat etwas. Auf jeden Fall heißt schlechtes Wetter Strecke machen, auch wenn man der nassen Straßen wegen doch etwas vorsichtiger sein muss. Denn die Kurven sind geblieben. 
Gegen frühen Nachmittag geht es die Berge hoch auf ungefähr 680 m. Ich durchquere den Saltfjellet-Svartisen Nationalpark. Eine wunderbare Gegend auch bei diesen Wetterverhältnissen. Es geht durch Bergwälder einen Fluss entlang und auf der Höhe über eine schier endlose Hochebene, die in die grauen Wolken übergeht. Dann überquere ich den nördlichen Polarkreis, diesmal natürlich von Norden her kommend. Hier gibt es ein Besucherzentrum, und ganz wichtig, warmen Kaffee. Auf dieser Höhe halten sich auch jetzt noch an geschützten Stellen in den Berghängen Schneefelder. Das sagt alles über die Temperatur. Zwar sagt das Thermometer acht Grad, gefühlt liegt es jedoch völlig falsch. Und die Schneereste bestätigen mich.


Fast eine Stunde lang geht es dann auf einer wunderbaren, nur leicht geschwungenen Straße bergab. Mit erlaubten 90 km/h. Meine erste Mautstrecke hier in Norwegen. Das geht ganz problemlos. Kameras scannen an einer Mautbrücke das Nummernschild während der Fahrt. Wäre da nicht ein Schild, man würde es kaum bemerken. Besitzt man einen AutoPass und ist angemeldet, wird direkt abgebucht, hat man das nicht, bekommt man irgendwann später eine Rechnung per Post. Autopass-Besitzer bekommen 20 Prozent Rabatt, lohnt für Touristen aber nur, wenn man länger unterwegs ist. Gleiches Prinzip wie auf den meisten Fähren. Auch hier gilt der Autopass. Besonders schön. Motorräder sind von der Maut ausgenommen, zahlen nichts. In Städten wie Oslo dürfen sie sogar gekennzeichnete Busspuren nutzen und Parkhäuser haben oft eine halbe Schranke, so dass Motorräder daran vorbei fahren können, denn sie können kostenfrei parken. Hier weiß man die Ressourcen schonende und platzsparende Gattung der Motorräder wertzuschätzen – wie in vielen anderen Ländern auch, etwas was es in Deutschland nicht gibt. Aber kommen bei uns Ideologien und Politiker zusammen, ist Hopfen und Malz verloren.
Kurz vor Mo i Rana, meinem Tagesziel, fängt es ein paar Hundert Meter vor einem Tunnel an stärker zu regnen. Als ich ihn auf den anderen Seite wieder verlasse, ist die Straße trocken und die Sonne lugt zwischen den grauen Wolken hervor. Diese Art von Tunnel mag ich. Schauen wir mal, wie das Wetter morgen wird. Jetzt gerade als ich diesen Post schreibe, regnet es wieder. Denn Morgen geht es an die Küste. Auf eine der schönsten Küstenstraßen dieser Welt.

Tag 15 – Unterwegs auf den Kystriksveien

Heute geht es die Küste entlang. Bis Trondheim wären es auf der E 6 rund 470 km, etwa sieben Stunden. Die Küste entlang benötige ich dafür zwei Tage. Doch das lohnt sich. Soll die Kystriksveien, wie die Küstenstraße heißt, doch zu den schönsten der Welt gehören. Aber erst mal geht es über eine Stunde lang auf der E6 bevor der Abzweig kommt. Ich möchte die 10.50-Uhr-Fähre in Tjotta erreichen. Laut meinem Garmin-Navi benötige ich dafür rund zwei Stunden. Inklusive Fotostopps und Tankpause also drei Stunden eingeplant. Nach rund 30 Minuten Fahrt ändert das Navi seine Meinung und errechnet insgesamt über 2 1/2 Stunden. Passt immer noch. Großes Vertrauen schenke ich dem Garmin sowieso nicht mehr. Immer wieder zeigt es Tankstellen an, die es nicht gibt und die Geschwindigkeitsanzeigen stimmen zu einem erheblichen Teil nicht. Gern zeigt es mal 10 oder 20 km/h über dem tatsächlichen Limit an, das würde in Norwegen ganz schön teuer. Übersieht man mal ein Schild und ist sich unsicher, hilf das Navi nicht weiter. Garmin, dass konntet ihr mal besser.

 

An dem Abzweig Richtung Küste fängt es pünktlich an zu regnen. Mal kräftiger, mal weniger stark. Vor der Fähre hört es wieder auf. Die 50 Minuten Fahrtdauer reichen, nachdem das Moped gut verzurrt ist, für ein Frühstück an Bord. Kaffee und Muffins. Wieder runter von der Fähre, es fängt an zu regnen. Aber nicht lange, Letztendlich wechselt sich das Wetter den ganzen Tag über ab, Wolken, Regen, am Nachmittag sogar einige Sonnenstrahlen, und das im 10-Minuten-Takt. Schade für diese Strecke. Doch spektakulär ist diese Straße auch bei Sonnenschein eher nicht, nicht der Teil den ich befahre. Auch wenn viele Reiseführer das behaupten. Sie ist sehr schön und wunderbar zu fahren, keine Frage. Aber spektakulär ist anders. Bis auf die eine oder andere Brücke. Dennoch lohnt die Fahrt auch bei miesem Wetter. Und macht Spaß. Schade nur, dass der Belag immer wieder nass ist, auf diesen kurvenreichen Straßen. Ist sie stellenweise aber abgetrocknet, kann man auch die erlauben 80 fahren. Habe ich erwähnt das das Konstante über den Tag hinweg die Temperatur ist? 12 ° Celsius. Und der kräftige Seitenwind, der einen ganz schön durchrüttelt.
Für die dritte Fähre diesen Tages ab Venneburg steht im Internet, Abfahrt 14.20 Uhr. Und zwar auf der Website der Reederei. Also bin ich um 14.10 da. Tja, zu spät. Laut Aushang Abfahrt 14 Uhr. Die nächste Abfahrt aber stimmt: 15.20 Uhr. Also Zeit die Drohne steigen zu lassen, es regnet gerade nicht. Denn das einzige Cafe hier hat geschlossen. Sonst gibt es auch nichts außer dem Fähranleger und einem Campingplatz. Dafür ist es aber zu früh. Die Drohne meckert zwischenzeitlich ob der starken Winde, möchte zurück. Da ich das aber nicht veranlasse, verrichtet sie halt ihren Dienst und liefert gute Aufnahmen.

Von oben: Fährhafen Venneburg


Auf der anderen Seite des Fjords geht es noch etwa zwei Stunden nach Namsos durch eine schöne Fjordlandschaft, Berge und Meer wie im Bilderbuch. Streckenweise scheint sogar die Sonne. Aber nur kurz. Bevor es regnet. In Namsos will ich übernachten. Doch als ich gegen 18 Uhr am Campingplatz ankomme, ist die Rezeption nicht besetzt. Ein Anruf klärt, er könne so in 90 Minuten da sein. Ich könnte aber zelten, nur für eine Hütte müsste ich warten. Das ist mir zu spät. Also weitere zehn Kilometer zu einem anderen Campingplatz. Laut Schild geht es etwa 1,5 Kilometer in den Wald hinein. Es werden 5 km auf glatten Lehm- und Schotterwegen. Dann ist auch hier niemand an der Rezeption, obwohl der Platz gut besucht ist. Das ist übrigens keine Ausnahme. Ein Anruf genügt jedoch, dann ist schnell jemand da. Es ist halt keine Saison mehr.

Auf diesem Platz hängt aber keine Nummer an der Tür, zudem sehe ich, dass es sowieso nur große Hütten für ganze Familien und Anglerclans gibt. Der nächste Campingplatz kommt jedoch erst in 60 km, und es ist schon bald 19 Uhr. Zurück in die Stadt wäre eine Alternative, ein Zimmer nehmen? Oder doch weiter? Also weiter des Weges. Doch schon nach 15 km gibt es einen Platz, der nicht in meiner sehr guten Camping-App NorCamp verzeichnet ist (aber im Navi…). Und es gibt eine kleine günstige Hütte. Zwar ohne Wasser, Bad und Dusche, aber beheizt und mit Kochgelegenheit. Was will man mehr nach über 12 Stunden Fahrt.

Tag 16 – Im Zeichen der Christianisierung

Früh aufgewacht, früh losgefahren. Natürlich bei Nieselregen, Wind und 11 ° Celsius. Heute habe ich nur rund 3 Fahrstunden vor und mehr Zeit für Kultur und die Stadt Trondheim. In Stiklestad, meinem ersten Stopp, findet sich ein großes Kulturzentrum und Freilichtmuseum. Der Ort ist vor allem durch die Schlacht bei Stiklestad bekannt. Damals, am 29. Juli 1030 wurde der norwegische Nationalheld Olav der Heilige in eben dieser Schlacht getötet. An der Stelle seines wahrscheinlichen Todes steht jetzt eine Kirche aus 1180. Dies war ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung des Christentums in Norwegen. Jährlich findet deswegen das St. Olav Drama und Festival statt, zudem werden Wikingerfeste und dergleichen veranstaltet. Leider ist die Saison schon vorbei, wie ich erfuhr. Man könne nur die Ausstellung (gegen Eintritt) und das Freigelände von außen (jetzt frei) besichtigen. Ab in die Ausstellung, bringt aber nicht viel, alles in Norwegisch. Also raus in Freie zu dem Freilichtmuseum. Hier finden sich Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber auch der Nachbau eines Wikinger-Langhauses. Zu meiner Überraschung sind viele Gebäude offen, man kann innen alles besichtigen, aber niemand sonst ist da. Wäre in Deutschland undenkbar. Außer eine Schulklasse auf dem weitläufigen Gelände. Vielleicht sind ja deshalb einige Gebäude offen?


Ein Aspekt am Rande. Autos müssen auf einem großen Parkplatz 200 m weg parken, für Motorcycles sind überdachte Plätze direkt am Eingang reserviert. Ich liebe Norwegen. Noch einen Kaffee und einiges nachgelesen, dann geht es weiter auf den Weg nach Trondheim.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt einen Stopp am Bahnhof in Hell gemacht, ich bin an meinem persönlichen Ziel angekommen: Welcome to hell – willkommen in der Hölle, das Foto muss sein. Doch sie wollen mich nicht behalten, also weiter. Zudem war es zu kalt an diesem Ort. „Hell“ bedeutet im Norwegischen übrigens Felsüberhang.

Welcome to Hell


Bevor ich mir Trondheim mit dem Nidaros-Dom anschaue – hier ist König Olaf begraben – geht es auf einen Campingplatz vor Trondheim gelegen. Um nicht mit dem ganzen Gepäck in der doch größeren Stadt mit über 180.000 Einwohnern rumzugurken. Doch der ist geschlossen. Pünktlich fängt es zu regnen an, und zwar kräftig, das bleibt die nächsten Stunden so. Ein weiterer Campingplatz liegt 15 km hinter der Stadt, sagt meine Camping-App. Das Garmin-Navi entdeckt aber einen am Rande der Stadt. Also hin. Kurz und knapp: Nachdem es mich quer durch die Stadt gelotst hat – Stop and Go, Ampeln, Staus, selbst ein Kreisel in einem Tunnel mit drei Abfahrten ist dabei – bin ich dort, in einem guten Wohngebiet. Einen Campingplatz gab es hier noch nie. Also die 16 km raus, wieder quer durch die Stadt. Da beschloss ich, Trondheim ob des nervigen Verkehrs (bin ich nicht mehr gewohnt) und des Sauwetters auszulassen. Ich war ja im Februar 2020 schon hier, besuchte den Dom und das Altstadtviertel. Noch mal getankt und hin zum dritten Campingplatz. Die nette Dame in der Rezeption empfiehlt mir ein Gästehaus in der Nähe, denn hier wären alle Zimmer und Hütten belegt. Das ist das letzte was ich will, die ganzen nassen Sachen in ein Zimmer zu transportieren. Also weiter Richtung Molde. Auf der Strecke gibt es einige Campingplätze, den nächsten in rund 20 km. Hier wie gewohnt niemand an der Rezeption, aber eine Nummer die man anrufen kann. Fünf Minuten später ist ein netter älterer Herr hier. Eine Hütte mit Dusche hat er noch frei, nur eine etwas größere. Macht nichts. Nach über zwei Stunden Campingplatzsuche in strömenden Regen. Das Kennwort für das WLAN macht mich etwas stutzig: Glamping14. So war dann auch die Hütte mit Abstand die schönste und komfortabelste (und teuerste, aber angemessen), mit großem Wohnzimmer inklusive Küche mit Herd, Ofen, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Kühlschrank…, und sogar SAT TV, wobei ich auch das hier nicht nutze. Zudem hat die Hütte ein schönes Bad und ein Schlafzimmer mit vier Betten. Auch ist eine überdachte Terrasse vorhanden, auf der ich die ganzen Sachen erst mal abtrocknen kann. Es regnet übrigens immer noch recht kräftig, soll auch so bleiben. Positiv, Motorradkombi und Schuhe sind absolut dicht, auch der Helm, nur die Handschuhe schwächeln etwas. Dafür habe ich aber Gummiüberzieher dabei, wenn es weiter so regnet, werde ich die wohl brauchen.

Tag 17 – Ein Tag (fast) zum Vergessen

Heute Morgen scheint sich das Wetter etwas zu bessern. Ein kräftiger Wind trocknet die Straßen ab. Jedenfalls die ersten zehn Fahrminuten. Dann setzt wieder starker Regen ein. Gestern meinte ich noch, schlechter könne das Wetter nicht werden. Doch, es kann. Hinzu kommen nämlich stürmische Böen, die versuchen, einen von der Straße zu wehen. Genialerweise fahre ich für die nächsten zwei Stunden die Küste entlang – wo der Wind besonders stark ist. Eigentlich eine wunderschöne Gegend und Strecke. Wenn man etwas sehen kann. Die Wolken hängen tief und der Wind vertreibt den Regen nicht, es sorgt nur dafür, dass er mehr waagrecht kommt als senkrecht. Nach 90 Minuten komme ich an eine Fähre, die ich gar nicht erwartet hatte. Passt aber, sie steht abfahrtbereit, nach mir geht es auch gleich los. Die 20-Minuten-Passage reicht für einen Kaffee und eine Bockwurst als Frühstück. Obwohl die See recht unruhig ist, liegt der Kahn wie ein Brett auf dem Wasser, ich muss mein Moped nicht mal verzurren.
Kurz nach dem Verlassen der Fähre passiere ich einige wunderbare Brücken. Bei einer lugt auch für ein paar Minuten die Sonne raus, reicht für ein Foto und die Querung des Fjords. Dann ein Tunnel, dahinter wieder Regen und Nebel. Also Einkaufs-, Tank- und Essenstopp in einem kleinen Ort gemacht und schon gegen 14 Uhr bin ich in Molde, meinem Tagesziel. Musste ja gestern weiter als geplant fahren. Der Campingplatz hat eine freie Hütte, alles klar. 


Der Regen lässt etwas nach, also ohne Gepäck nach Molde hinein, in die Stadt der Rosen. Der Beiname geht auf das Jahr 1913 zurück und bezieht sich auf die zahlreichen Rosengärten in und um die Stadt herum. Möglich macht das hier ein relativ mildes Klima. Und ja, es stimmt, es ist fast warm geworden, mithin 14 bis 15 ° Celsius. Zugleich ist die Stadt eine Metropole des Jazz, da bin ich aber zum falschen Zeitpunkt hier. Das Molde international Jazzfestival ist das zweitälteste Europas und zieht jährlich 60.000 Menschen hierher. Zudem ist das Romsdalsmuseum eines der größten Volksmuseums Norwegens, Öffnungszeit von 12 bis 16 Uhr. Pech gehabt. Für einen Stadtbummel und ein wunderbares Kaffee reicht es, Parken tut man hier übrigens wie schon des öfteren per App, auch bezahlen. Und für viele Museen gibt es eine App, die als Audioguide auf dem eigenen Handy dient, oder es reicht das Scannen eines QR-Codes, dann kann man die Sprache auswählen und los geht´s. Digital sind halt viele Nationen besser aufgestellt als Deutschland. Nur der Verkehr nervt auch hier. Es scheint als setze der Feierabendverkehr schon so gegen 15.30 Uhr ein. Passt in etwa auch zu den Öffnungszeiten der Museen.

Tag 18 – Der Mühe Lohn, Teil I  – der Trollstigen

Der Tag heute, er allein wäre eine Norwegenreise wert. Doch von Anfang an. Heute Morgen klarte der Himmel auf, es ging Richtung Trollstiegen. Die erste Fähre auf dem Weg, ich komme an, Abfahrt in zwei Minuten. Passt. Hier habe ich mir die Fahrpläne der Fähren nicht herausgesucht. Es sind alles kürzere Verbindungen (10 bis 20 Minuten), diese Fähren fahren meist zwei Mal pro Stunde. Bis zum Trollstigen sind es nur rund 80 km. Und das schöne, kurz vor dem Ziel sind kaum Fahrzeuge unterwegs. Das verspricht eine gute Fahrt den Berg hinauf. Denn die Straße ist nicht ohne. Aber genau deswegen kommt man ja hierher. Die Bergstraße schlängelt sich in elf Haarnadelkurven über eine Höhendifferenz von rund 400 m vom Tal Isterdalen zur Passhöhe Stigrøra hinauf.

Jede der elf Haarnadelkurven trägt den Namen des verantwortlichen Vorarbeiters

Sie sie eine der Touristenattraktionen Norwegens und jeder will hier hoch. Autos, Busse, Caravans, Wohnmobile, Motorräder – in der Saison herrscht hier Stop and Go, zumal größere Fahrzeuge kaum an die 20 km/h erreichen und häufig rangiert werden muss, denn die Straße ist meist einspurig – aber keine Einbahnstraße. Der Trollstigen ist übrigens Norwegens meist befahrene Landschaftsroute. Und bei mir, alles frei. Die gesamte Strecke hoch habe ich nicht ein Fahrzeug vor mir. Genial. Gut. die Straße ist nass, aber nicht vom Regen, sondern von den vielen Wasserläufen und -fällen. Ab und an bekommt man auch eine leichte Dusche ab. Und die Gegend ist atemberaubend.


Schon früher spielte die Straße eine wichtige Rolle für den Verkehr, zuerst als Pfad und anschließend als Reitweg. Im Jahr 1916 begann der Bau der heutigen Straße. Man hat die Trasse direkt in den Fels gehauen oder mit Natursteinen aufgemauert. Auch eine Steinbrücke quert man, an Ausweichstellen kann man auch mal halten (heute jedenfalls) und Fotos etwa vom Wasserfall Stigfossen machen. Jeder der elf Haarnadelkurven hat einen Namen, und zwar den des für diesen Abschnitt verantwortlichen Vorarbeiters. 
Oben angekommen haben die Norweger ein Besucherzentrum gebaut, das wunderbar in diese Bergwelt passt. Beton und Cortenstahl, dazu schöne Wege angelegt und mehrere Aussichtsplattformen. Also erst mal die Aussichtspunkte zu Fuß angesteuert, im Laden rumgebummelt und einen Kaffee getrunken. Dann bin ich ein, zwei Kilometer weiter in die Berge gefahren. Dort bot es sich an, wieder einmal die Drohne fliegen zu lassen.

Tag 18 – Der Mühe Lohn, Teil II – Geirangerfjord

Zu meinem heutigen Tagesziel sind es noch einmal 80 km, inklusive einer Fährüberfahrt. Inzwischen scheint sogar die Sonne, der Himmel wird blau. Also ein zweites Mal die Drohne steigen lassen, in einem wunderbaren Bergtal mit einem Fluss. Geiranger nähere ich mich von den Bergen her, also von oben herab. Wie will man sich sonst auch einem Fjord nähern, wenn man kein Boot hat… Wieder sind es wunderbare, kurvenreiche Straßen mit wenig Verkehr. Was hier in der Saison los ist, wenn Busse, Wohnmobile und Autos die engen Straßen teilen, will ich lieber nicht erleben. Dann der erste Blick in den Fjord. Ist schon etwas Besonderes. Kein Wunder, dass inzwischen viele Menschen hierher kommen, in der Saison zu viele.

Immer präsent, Norwegen ohne Trolle gibt es nicht

Umgeben von bis zu 1700 m hohen schneebedeckten Bergen, Wasserfällen und grünen Tälern ist der Geirangerfjord von der Unesco als Welterbe geschützt. Die Region Geiranger ist zudem als nachhaltiges Reiseziel zertifiziert. Dieses Gütesiegel bekommen Touristenziele, welche die lokale Natur, Kultur und Umwelt bewahren und aktiv etwas gegen überbordenden Tourismus unternehmen. Dennoch ist der Geirangerfjord mit das meistbesuchte Touristenziel Norwegens. 
Ich selber habe mir einen Campingplatz etwas oberhalb und außerhalb ausgesucht, etwa fünf Kilometer entfernt, wunderbar gelegen. Denke, dass ich kommendes Jahr wieder hierher komme, dann für drei/vier Tage.

Tag 19 – Norwegen, wie es schöner kaum sein kann

Genau wegen solcher Tage wie heute macht man diese Art von Reisen. Besonders mit dem Motorrad. Dachte ich gestern noch, besser könne es kaum kommen, folgt schon völlig unerwartet die Steigerung. 
Es fing mit der Fahrt auf den Dasnibba, einen Berg an. Die erste und bis dato einzige Straße, auf der auch Motorräder Maut zahlen müssen. Doch die Straße und später der Ausblick ist jeden Cent der rund 25 Euro wert. Es geht durch eine fantastische Berglandschaft in eine eisige Landschaft auf 1476 m Höhe. Serpentine um Serpentine, und jedes mal ein neuer fantastischer Ausblick, zudem ist kaum jemand sonst unterwegs – was will man mehr. Und die Serpentinen können meiner Meinung nach problemlos mit dem weitaus bekannteren Trollstiegen mithalten – wobei auch dieser wunderbar ist. 


Der Blick von oben – auch Geiranger Skywalk genannt – ist phänomenal. Auch den Geyrangerfjord sieht man, doch der geht angesichts der schneebedeckten Berge und Landschaft sogar fast unter. Eisig ist es, das Moped steht in der Sonne und zeigt 1 ° Celsius an. Im Schatten ist alles noch gefroren. Da nichts los ist, kann ich sogar die Drohne aufsteigen lassen, die erste kurze Sichtung des Materials verspricht Wunderbares. 
Irgendwann muss man sich losreissen – oder loseisen? Bei diesen Temperaturen stellt sich diese Frage. Ich will ja heute noch nach Bergen kommen, das sind rund 460 km. Also weiter geht es wehmütig, aber ich komme wieder. Schon kommendes Jahr.
Die Berglandschaft bleibt wunderbar, Kilometer um Kilometer geht es durch wunderbare Gegenden. Langsam verliere ich Höhe, bleibe aber immer noch auf rund 500 m. Hier geht es durch Bergwälder an Flüssen vorbei, wie sie nur die Natur schaffen kann. Auch solch ein Fluss ist Ziel für die Drohne. Heute passt einfach alles. 
Wieder im Tal geht es nach Lom, dort steht eine der größten Stabkirchen. Es soll zudem eine der schönsten Norwegens sein. Sie wurde vermutlich in einer ersten Form um 1150 n. Chr. herum gebaut und im 17. Jahrhundert durch zwei Seitenschiffe ergänzt. Sie ist heute noch als Kirche in Benutzung und wirklich sehenswert.

Inzwischen wird mir klar, dass ich es heute vermutlich nicht mehr nach Bergen schaffe. Egal. 
Dann kommt die nächste Passstraße. Es geht zuerst durch den Jotunheimen Nasjionalpark und anschließend durch den Jostedalsbreen Nasjonalpark. Kilometerweit – ich rede nicht von 5 oder 10, sondern von 50, 60 bis 70 km – fahre ich auf baumlosen Höhen von über 1400 m auf schön geschwungenen Straßen mit immer wieder fantastischen Ausblicken, die zu einem Stopp animieren. Rechts und links Seen, schneebedeckte Berge, Flüsse, grüne Wiesen – und ein blauer Himmel. Die Höhenunterschiede erfolgen natürlich auf Straßen mit zahllosen Serpentinen. Die Routine dafür ist längs da. Wieder ist kaum jemand unterwegs, so dass man es auch mal laufen lassen kann. Traumhaft. Hier befinde ich mich oberhalb der Schneegrenze, was natürlich ein Selfie beweisen muss.

 

Wieder auf Meereshöhe geht es rund 100 km an Fjorden entlang, dann nähere ich mich meinem nächsten Ziel, dem kleinen Ort Borgund. Auch hier gibt es eine alte Stabkirche, doch die sehe ich mir erst Morgen an. Denn hier finde ich eine Hütte, nach Bergen sind es noch 200 km. Der Tag war einfach fantastisch, so wie der gestrige schon. Es scheint, der Wettergott will etwas gutmachen.

Tag 20 – Im Fokus: Kirchengeschichte und Kultur

Über 800 Jahre alt und kaum verändert

Heute steht erst einmal Kirchengeschichte auf dem Programm. Respektive deren Bauten. Schon gestern habe ich mir ja eine Stabkirche in Lom angeschaut, und da das nicht reicht, bin ich nach Borgund gefahren. Hier steht eine weitere von noch 28 existierenden von ehemals weit über 1000. Das Besondere, sie wurde niemals größer verändert, ist noch so erhalten wie sie vor über 800 Jahren, um 1180 gebaut wurde. Jedenfalls stammt aus der Zeit das Holz und sie dürfte kurz danach errichtet worden sein. Geschützt mit Pech und auf einem steinernen Sockel überstand sie die Zeiten.
Die meisten dieser Kirchen wurden ab 1130 nicht nur in Norwegen gebaut. Aber nur hier überstanden einige wenige die lange Zeit. 1350 beendete die Pest jegliche Bautätigkeiten. Der daneben stehende Glockenturm wurde im 13. Jahrhundert gebaut. 


Früher war es üblich, unter dem Kirchenboden Tote zu beerdigen, das wurde aber 1805 auch wegen des unangenehmen Geruches verboten. Dennoch wurden auch später noch kleine Kästen mit Fehlgeburten oder früh verstorbenen Kindern unter den Kirchenboden geschoben. Wurde zu früh geborenen oder ungetaufen Kindern doch ein Grab in geweihter Erde verweigert. 
Dann ging es auf die Straße Richtung Bergen, rund 220 km entfernt. Auch sie führt durch schöne Landschaften, an Fjorden entlang, ist aber halt eine Hauptachse – und je näher man Bergen kommt, desto dichter wird der Verkehr. Erwähnenswert sind aber die Tunnel. Etwa 74 Kilometer (rund ein Drittel) der Strecke führten nämlich durch zahlreiche kürzere und längere. Der längste Tunnel maß immerhin 24,5 km. Und man glaubt es kaum, Überholen ist nicht verboten. Das wurde ich auch mehrmals, hielt ich mich doch an die erlaubten 80 km/h. Und brauchte um die 20 Minuten allein durch diesen einen. Wie ich später recherchierte, heißt er Lærdalstunnel und ist tatsächlich der längste Straßentunnel der Welt. Er weist eine leicht kurvige Streckenführung auf, um Fahrer am Ermüden zu hindern. Zudem gibt es alle sieben Kilometer farbig erleuchtete Hallen, an denen das Halten erlaubt ist. Es handelt sich aber nicht um Notausgänge. 
Angekommen in der Nähe von Bergen dann erstmal die Hütte bezogen, das Gepäck abgeladen und gleich deutlich erleichtert zum Edward Grieg-Museum in Troldhaugen gefahren.  

Edward Griegs Museum in Troldhaugen

Es liegt direkt an einem See und war 22 Jahre lang das Zuhause des norwegischen Komponisten bis zu seinem Tod 1907. Sein bekanntestes Werk dürften wohl die Peer-Gynt-Suiten sein. Im Haus kann man u. a. das Wohnzimmer besichtigen, im Zustand von 1907. Im Garten findet sich auch die kleine Gartenhütte, hier komponierte er viele seiner Werke. In einer Felswand im Garten direkt am See finden sich zudem die Urnengräber von Edvard und Nina Grieg.

Tag 21 – Bergen – die Stadt der Fjorde

Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegens, das merkt man sofort am Verkehr und der Straßenführung. Wenn man dann aber erstmal die Innenstadt erreicht hat und einen Parkplatz, sieht man schnell, dass sie sich den Charme und Flair einer Kleinstadt erhalten hat. Das gilt besonders für das Hafenviertel, wenn auch die großen Schiffe der Hurtigruten nicht unbedingt zu einer Kleinstadt gehören. Der Grund für diesen Charme ist ein uraltes Stadtviertel, genannt Bryggen. Es entstand um 1343 als Handelsniederlassung der Hanse, später wurde die Niederlassung der Hansestadt Lübeck zugeordnet. 1702 brannte ein Großteil ab, wurde aber wieder aufgebaut. Ein weiterer Brand in 1955 zerstörte weitere große Teile. Übrig blieben 62 Gebäude, selbst deren Abriss wurde diskutiert. Man entschied sich jedoch anders und stellte den Rest ab 1965 wieder her. 


Heute ist das Viertel Welterbestätte der Unesco und zahlreiche Handwerksläden, Galerien, ein Museum, Restaurants und Touristenshops bieten hier ihre Waren feil. Mithin prägt die hanseatische Landungsbrücke das Erscheinungsbild des Stadtzentrums und ist ein auffälliges Überbleibsel aus der Zeit, als Bergen das Handelszentrum Norwegens und dem Rest von Europa war.
Und dann ging es zurück zum Campingplatz, nochmal gut eingekauft für heute Abend (Steak, Zwiebeln, Senf…) und Morgen zum Frühstück (Eier, Lachs, Baguette). Das wars dann für erste in Norwegen. Geht es doch morgen mit der Fähre in knapp 19 Stunden nach Dänemark.

Tag 22 – Von Bergen mit der Fähre nach Dänemark

Heute Mittag geht es mit der Fjordline von Bergen über See zurück nach Hirtshals in Dänemark gelegen. Fahrtzeit etwa 16.30 Stunden. Von Hirtshals aus sind es etwas über 500 km nach Hamburg. Also erstmal gut gefrühstückt, passend für das Schiff gepackt und ab aufs Moped die 20 km bis zum Terminal. Dort heißt es erstmal warten bis man nach dem Check In in einen abgesperrten Bereich kommt – wo es wieder warten heißt. Zweieinhalb Stunden genau. Es regnet seit der Abfahrt unablässig, keine Möglichkeit sich irgendwo unterzustellen oder einen Kaffee zu trinken. Man kann nur eins machen, im Regen dumm herumstehen. Was ich natürlich genau mache. Wenn ich mir bis dato bei den ganzen Schlechtwetterfahrten keine Erkältung geholt habe, dann jetzt. Im Regen fahren ist etwas anderes als nur rumzustehen.

Alle anderen sitzen in ihren Autos oder Wohnmobilen, ich bin der einzige Motorradfahrer. Später kommen noch zwei Fahrradfahrer hinzu. Irgendwann öffnet sich das Gatter, dann geht es auch recht zügig. Moped verzurrt, die zwei großen Taschen. Helm, Handschuhe, Tankrucksack – alles zusammen über 30 kg – zur Kabine geschleppt. Die Koffer bleiben am Motorrad. Es steht übrigens am Heck, Deck 3 ganz hinten, Und wo ist meine Kajüte? Natürlich am Bug auf Deck 9, das oberste, mithin im langen Gang die vorletzte Kabine. Kenne ich ähnlich ja von der Herfahrt von Kiel nach Göteborg. Weiter kann man die ganzen Sachen auf dem großen Schiff nicht schleppen. Okay geduscht, einen Bummel über das ziemlich leere Schiff gemacht, später etwas gegessen. Und einen Vorrat norwegische Schokolade gekauft, ist hier zollfrei. Zudem das erste Glas Wein seit drei Wochen getrunken.

Viel los ist auf der Fähre gerade nicht

Tag 23 – Durch Dänemark nach Hamburg

Pünktlich um acht Uhr ist die Fähre in Hirtshals angekommen, fünf nach acht bin ich schon draußen, es geht direkt auf die Autobahn Richtung Hamburg. Meist mit 130 km/h manchmal nur 110. Und das bei fast leeren Straßen. Da kommt man vorwärts. Sehenswürdigkeiten in Dänemark stehen nicht auf dem Programm, das ist eine eigene Reise wert. So erreiche ich nach einem kurzen Frühstücksstopp schon gegen 12 Uhr die deutsche Grenze. Coronakontrollen gibt es keine in Richtung Deutschland, umgekehrt schon. Die Straßen werden voller, und was macht man während über 500 km sturer Autobahnfahrt. Man beobachtet Dinge, die einem sonst nicht in den Sinn kämen. So fallen mir in der Summe ein gutes Dutzend gelbe DHL-LKWs auf, meist mit dänischem Kennzeichen. Kommen ja aus Dänemark, passt also. Aber die Zugmaschine, ausschließlich ostdeutsche Nummern, fast immer aus Polen oder Bulgarien. Hier sitzt ja der „teure“ Fahrer. Fällt dann auch an anderen Zuggespannen auf. Sattelauflieger ist dänisch, niederländisch, deutsch – die Zugmaschine Nummernschild aus Osteuropa. Zudem kommt die Mehrzahl der Laster nicht aus Deutschland. Wir leben ganz gut von den billigeren ausländischen Arbeitskräften und die Firmen, wie DHL, verdienen noch mehr damit. Scheint auf jeden Fall so auf diesem Autobahnabschnitt. Vor Hamburg ändert sich das Bild dann etwas, hier kommt ja der Werksverkehr hinzu. 
Hamburg ist in Sicht und empfängt mit einem richtigen Stau, Stop and Go. Durch einen Unfall werden am Stauanfang fünf Fahrspuren auf eine reduziert, und das auf einer der Haupteinfallachsen. Es hat 26 °C, ich bin viel zu warm angezogen. Also durchgeschlängelt mit der breiten Maschine, denn Stopp and Go mag eine hohe, beladene Enduro gar nicht. Funktioniert auch gut, fast alle machen Platz. Nur einige wenige machen dicht, gönnen Motorrädern ein langsame Vorwärtskommen im Stau nicht – weil sie halt auch nicht weiterkommen. Aber das hält nur kurz auf. Dann macht einmal sogar ein LKW auf der rechten Spur Platz, weil ein PKW dicht macht. So konnte ich den 5-km-langen Stau mit nahezu Stillstand doch in guten 15 Minuten überwinden und kam gegen 14 Uhr im Hotel an. Eingecheckt, das Motorrad via Lastenaufzug ins Parkhaus ins Untergeschoss geparkt, abgeladen, ausgepackt und geduscht.

Hier geht es zu einem kurzen Bericht über die drei Tage in Hamburg

Tag 27 – Die Tour im Rückblick

7852 Kilometer mit dem Motorrad sind es geworden als ich gegen 16 Uhr in Winnenden heimkomme. Es sind von Hamburg aus noch einmal 650 km hinzugekommen. Autobahn, Baustellen, Staus, Regen und Sonne, das ist die Kurzfassung der Rückfahrt. 


7852 Kilometer durch wunderbare Landschaften, durch eintönige Wälder, bei Regen, Eiseskälte und Sonne. Auf Autobahnen und kilometerlange Geraden oder kurvenreich über Pässe und Fjorde entlang. Fähren wurden mit der Zeit Routine und kilometerlange Tunnel auch – mithin bis zu 24,5 km lang. Bei bis zu 12 Stunden Fahrtdauer an einem Tag war Sitzfleisch gefragt. Fiel auch manchmal schwer, man wird halt nicht jünger. Zelten fiel nahezu aus, des Wetters wegen, aber Hütten sind eine wunderbare (und meiste heizbare) Alternative.
Es ist schon etwas besonderes mit dem Motorrad. Anders als von der Umwelt isoliert in Auto oder Wohnmobil. Man ist nah dran an der Natur, dem Wetter völlig ausgeliefert – auch den Unbillen. Man ist viel näher dran an den Menschen, wird immer wieder angesprochen, hat Kontakt mit anderen Reisenden und Einheimischen. Das Nordkap selber, das erste Ziel aber nicht das alleinige, es ist nicht mehr und nicht weniger als ein geographischer Punkt. Aber ein Besonderer. Auch wenn es nicht der nördlichste Flecken des Kontinents ist, macht nichts. Aber es ist ein Unterschied, ob ich selber auf eigener Achse dort ankomme, oder vom Schiff aus mit Bussen hingekarrt werde. War schon vor fünf Jahren so, als ich von Windhoek aus durch Wüste und über Berge 2500 km mit einer Enduro zum Kap der guten Hoffnung gefahren bin, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents. Also entgegengesetzt, geografisch und klimatisch. Im Norden Kälte und Nässe, die in die Knochen zieht, im Süden Hitze und Staub.


Norwegen selber, der Schwerpunkt der Fahrt, bietet wunderbare Landschaften, eine gute Infrastruktur, wunderbare Museen, sympathische Menschen. Und in meinem Fall ein sehr wechselhaftes Wetter, was beim Motorrad natürlich eine ganz andere Rolle spielt als beim Auto. Wenn es jedoch darauf ankam, am Nordkap, den Lofoten, die Fahrten am Trollstieg und Geirangerfjord sowie die durch den Jostedalsbreen- und dem Jotunheimen-Nationalpark, da stimmte einfach alles. Generell, die Fahrt über die Hochebene in den Nationalparks waren sicherlich Höhepunkte, die so gar nicht absehbar waren. Norwegen, wir kommen wieder – und zwar schon kommendes Jahr.

Bericht Norwegen auf der Postschiffroute online

Eine Reise auf dem Postschiff entlang Norwegens Küste Ende Januar ist eher etwas ungewöhnlich. Aber jede Jahreszeit hat seinen Reiz. So geht in dieser Zeit nördlich des Polarkreises die Sonne nicht mehr auf. Nacht ist es tagsüber Ende Januar dennoch nicht, auch wenn die Sonne den Horizont nicht übersteigt. Richtig dunkel ist es vom frühen Nachmittag an bis zum späten Morgen, ideale Voraussetzungen also, um das Nordlicht zu beobachten. Und eben diese Nordlichter sind ein Höhepunkt einer Winterreise und Grund dafür – neben Hunde- und Motorschlitten, Eishotels sowie weniger Reisenden. Das alles ist halt nur im Winter möglich.

Hier finden sich gleich die schönsten Fotos, ersetzen den Reisebericht natürlich nicht.

 

Mit dem Postschiff entlang Norwegens Küste

Nordlichter, Eis und Schnee im hohen Norden

Fjorde bei Nacht

Eine Reise auf dem Postschiff entlang Norwegens Küste Ende Januar ist eher etwas ungewöhnlich. Aber jede Jahreszeit hat seinen Reiz. So geht in dieser Zeit nördlich des Polarkreises die Sonne nicht mehr auf. Nacht ist es tagsüber Ende Januar dennoch nicht, auch wenn die Sonne den Horizont nicht übersteigt. Richtig dunkel ist es vom frühen Nachmittag an bis zum späten Morgen, ideale Voraussetzungen also, um das Nordlicht zu beobachten. Und eben diese Nordlichter sind ein Höhepunkt einer Winterreise und Grund dafür – neben Hunde- und Motorschlitten, Eishotels sowie weniger Reisenden. Das alles ist halt nur im Winter möglich.

Hier ein kurzer Trailer zu meinem Film über die Reise, ab Anfang April 2020 im Shop als DVD und BluRay erhältlich.

Zwölf Tage dauerte die Fahrt mit der MS Polarlys von Bergen nach Kirkenes ganz im Norden und zurück inklusive zahlreicher Stopps und der Möglichkeit, Ausflüge an Land zu machen.

Unser Schiff, die MS Polarlys

Die Route: Ausgangspunkt der Reise ist Bergen. Insgesamt liefen wir auf der 7-tägigen Route nordwärts 34 Häfen an. Erster längerer Stopp war Ålesund. Es folgen zahlreiche kleinere Häfen, Trondheim mit dem Nidaros-Dom, der nördliche Polarkreis, die Lofoten und Tromsø. Dann erreichten wir Europas nördlichste Stadt Honningsvag und anschließend den Umkehrpunkt in Kirkenes. Von da an fuhren wir in fünf Tagen wieder südwärts zurück nach Bergen.

Hier geht es zu einer Auswahl der subjektiv schönsten Bilder.

Tag 1 – Abfahrt in Bergen

Als Tor zu den Fjorden gilt Bergen, unser Ausgangspunkt für die Reise mit dem Postschiff. In der zweitgrößten Stadt Norwegens trifft sich eine moderne City mit lebendiger Geschichte. Reicht die rund 950 Jahre alte Stadt doch bis in die Wikingerzeit zurück.

Bergen von oben

Je nach Abfahrtszeit hat man noch die eine oder andere Stunde für die Stadt. Und die lohnt, wir kennen sie von einer früheren Reise her. Obwohl Bergen für norwegische Verhältnisse eine große Stadt ist, hat sie den Charakter einer Kleinstadt bewahrt und auch diesen Charme. Das gilt besonders für die Gegend um das historische Hanseviertel Brygge mit seinen farbenfrohen Häusern aus dem 14. Jahrhundert. Hier finden sich auch zahlreiche Restaurants, Museen und Läden mit Kunsthandwerk.

Für die Stadt bleibt dieses mal keine Zeit, da das Terminal etwas außerhalb liegt (hier ein paar Bilder der früheren Reise). Unser Schiff ist die MS Polarlys, norwegisch für Polarlicht, von der Hurtigruten-Reederei.

Das 1996 gebaute und 2016 modernisierte Schiff hat eine Länge von rund 120 Meter. Es bietet etwas über 600 Passagieren Platz und ist mit drei Restaurants, einer Bäckerei und Panorama-Bar ausgestattet. Zudem finden sich Sauna und Fitnessraum. Sonnendeck und zwei Whirlpools. Wichtiger jedoch ist ein eigenes Expeditionsteam, das an Bord Vorträge und Präsentationen anbietet. Etwa zu Geographie, Geologie, den Wikingern, im Winter natürlich zum Nordlicht und zu Themen wie Fotografie oder Navigation. Zudem ist das Team bei verschiedenen Landausflügen aktiv.

Insgesamt elf Schiffe verkehren auf der Linie und ganz wichtig, Fahrpläne werden eingehalten – sofern das Wetter mitmacht. Wer an Land ist und zu spät kommt, der hat Pech gehabt. Gewartet wird nicht. Dann heißt es Taxi fahren und blechen, was je nach Hafen, Entfernung und Region sehr teuer werden kann.

Spät Abends geht es von Bergen los Richtung Norden

Für uns ging es am späteren Abend geht es mit der MS Polarlys vom Hurtigruten-Terminal in Bergen los. Wir fahren mitten in die Nacht hinein. Langsam entfernt sich das Lichtermeer der Stadt, es folgen die obligatorischen Sicherheitseinweisungen. In der Nacht legt das Schiff kurz in den Häfen Florø, Måløy und Torvik an.

Tag 2 – Ålesund und Molde

Morgens erreichen wir Ålesund. Hier bleibt das Schiff knapp vier Stunden an der Reede liegen, so bietet sich ein ausgiebiger Stadtbummel an. Den besten Überblick hat man von dem nahe der Innenstadt gelegenen Hügel. Nur heißt es rund 420 Stufen zu bewältigen.

Blick auf Ålesund

Der Ausblick aber entschädigt für den Aufstieg. Die Stadt erstreckt sich über mehrere Inseln hinweg, auch das macht ihren Charme aus. Ålesund zählt zu den schönsten Städten Norwegens und ist bei Besuchern auch sehr beliebt. Die Stadt bestand früher komplett aus Holzhäusern, diese branden 1904 ab. Also baute man die Stadt neu auf, und zwar im Jugendstil. Das macht die Stadt so attraktiv und zu einem Touristenmagnet erster Güte.

Als die Stadt niederbrannte kam am schnellsten Hilfe von Kaiser Wilhelm II, der als Nordlandfan schon tags darauf Schiffe mit Lebensmitteln Medikamenten, Kleidung und Baumaterial von Hamburg und Bremerhaven losschickte. Deswegen trägt eine Straße hier noch heute den kaiserlichen Namen.

Zugleich ist Ålesund kulturelles und wirtschaftliches Zentrum dieser Region. Rings herum die Berge, knapp 2000 m hoch, sie bieten sich an für Skifahrten auf und abseits von Pisten, sanfte geschwungene Hügel für Langlauf. Im Sommer ist sie auch Ausgangspunkt zu vielen Sehenswürdigkeiten wie den Geirangerfjord, die Vogelschutzinsel Runde oder die Gipfel des Hjørundfjords. Zudem sind die Fjorde, Seen und Flüsse hier reich an Fisch. Ein kleines Paradies für Angler.

Auf Reede in Molde

Am frühen Abend erreichen wir dann Molde. Die Stadt zieht Besucher durch ihre Lage im Herzen vieler touristischer Hotspots an und auch durch ihr historisches Erbe. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt nahezu völlig zerstört, insofern finden sich kaum ältere Gebäude. Außer im zentral gelegenen Volkskundemuseum, dem größten Norwegens mit 50 historischen Gebäuden.

Zahlreiche Rosengärten haben Molde den Beinamen Stadt der Rosen eingebracht. Sie wachsen hier in verschwenderischer Pracht, ein Ableger des Golfstromes macht es möglich. Dafür ist der Winter jedoch die falsche Jahreszeit. Aber auch jetzt ist die kleine Fjordstadt voller Charme und Atmosphäre. Im Sommer findet hier Norwegens größtes Jazzfestival über mehrere Wochen hinweg statt mit rund 60.000 Besucher. Zugleich ist es das zweitälteste Jazzfestival Europas.

Schön beobachten lässt sich immer wieder an fast jedem Halt, wie das Postschiff Fracht ausliefert und neue einlädt. Auch steigen Gäste aus, neue kommen an Bord. Früher ließen sich manche Städte weiter im Norden nur per Schiff mit Lebensmitteln und Waren versorgen. Heute verdient man vor allem mit Passagieren das Geld, Fracht spielt nur noch eine untergeordnete Rolle.

Bildergalerie Abfahrt, Ålesund und Molde

Tag 3 – Trondheim

Es ging weiter die Küste entlang, Richtung Trondheim. Kurz vor der Stadt passierten wir die kleine Insel Munkholmen mit einer langen Geschichte. Vor dem 12. Jahrhundert diente sie als Hinrichtungsstätte, als Warnung spießte man schon mal den Kopf der Hingerichteten auf einer Stange auf. Bis 1537 fand sich hier dann ein Kloster, anschließend eine Seefestung mit Staatsgefängnis. Im zweiten Weltkrieg diente sie den Deutschen als Batterie Munkholmen zur Verteidigung der sich hier befindenden U-Boot-Basen. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel als Bade- und Sonneninsel, im Sommer verkehrt stündlich eine Fähre.

Das historische Bakklandet, Trondheims Altstadt

Gegen zehn Uhr erreichten wir Trondheim nach etwa 15 Stunden Fahrt, unser nächster längerer Halt. Rund 193.000 Einwohner machen Trondheim zur drittgrößten Stadt Norwegens. Sie ist ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt, Norweger kommen wegen den vielen Einkaufsmöglichkeiten gern nach Trondheim. Finden sich hier doch zahlreiche Läden mit Kleidung und Accessoires, wie man sie sonst kaum findet. Das gilt besonders für das historische Bakklandet, Trondheims Altstadt.

 

Diese hat man während einer Belagerung 1718 niedergebrannt, um die Stadt besser verteidigen zu können. Später wurde der Stadtteil wieder aufgebaut in eben dieser Form mit seinen kleinen Holzhäusern, Flussspeichern und Kopfsteinpflasterstraßen

Nidaros-Dom in Trondheim

Trondheim, 997 vom Wikingerkönig Olav Tryggvason gegründet bietet eine schöne Mischung aus alt und neu. Hier findet sich zudem der Nidaros-Dom, Norwegens einzige gotische Kathedrale und Grabstädte eben jenes Wikingerkönigs. Gebaut hat man die Kathedrale ab 1070 über dem Grab des Heiligen Olav, heute ist sie das Nationalheiligtum Norwegens. Die ältesten noch erhaltenen Teile stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.

Schon kurz nach dem Tod König Olav des Zweiten Haraldsson 1030 in einer Schlacht, wurde er zu einem Märtyrer stilisiert. Es gibt aber keine Information, wie er ein Heiliger wurde. Sicher ist man sich nur dabei, dass es sehr schnell erfolgte.  Schon 1040 wurde in einem Gedicht von einer Olavsmesse, einem Heiligenschrein und von Wundern an seiner Leiche unmittelbar nach seinem Tod berichtet. Bald setzte zudem ein ausgeprägtes Pilgerwesen ein. Heute finden alljährlich im Juli die Olavstage statt, mit einem Mittelaltermarkt, Konzerten und Theater.

Am späten Nachmittag dann, mitten im Meer, auf einer kleinen Schäre vor Ørland gelegen, befindet sich ein tiefroter, achteckiger Leuchtturm, der über einen viel befahrenen Schifffahrtsweg im Bjungfjord wacht. Sein Name Kjeungskjær, erbaut um 1880. Die Höhe etwa 20 m. Er hilft Fischern und Seereisenden, auf dem richtigen Kurs zu bleiben, auch bei schwerer See. Denn diese Gegend ist für rasche Wetterwechsel gefürchtet. Es heißt, auf Ørland kann schon der nächste Sturm aufziehen, bevor man überhaupt bemerkt hat, dass der jetzige sich gelegt hat.

Bildergalerie Munkholmen, Trondheim und Leuchtturm

Tag 4 – Polarkreis, Lofoten, Bodø

Heute überquerten wir den Polarkreis auf 66° 33’ nördlicher Breite. Markiert ist er auf einer kleinen Schäre durch ein Modell der Erdkugel. Die Sonne reicht ab jetzt nicht mehr über den Horizont hinaus, die Chancen steigen, Polarlichter zu sehen. Begossen wird die Überquerung mit einem Schnaps, und wer will, der bekommt eine Kelle Eiswasser in den Nacken. Was die meisten wollten.

Erdkugel am nördlichen Polarkreis

Am Horizont zeichnet sich die 1000 m hohe Lofotenwand ab. Die Inselwelt der Lofoten bezaubert mit ihren kleinen, pittoresken Fischerdörfern. Die Inseln liegen verstreut auf den turbulenten Gewässern des Europäischen Nordmeers, weit oberhalb des Polarkreises. Hier herrscht die Natur: majestätische Berge, tiefe Fjorde, von der Brandung umspülte Strände.

Wir erreichten Bodø. Die Stadt gehört zu den am schnellsten wachsenden Norwegens. Heute leben hier etwa 50.000 Einwohner. Liebhaber von Kunst und Kunsthandwerk kommen hier besonders auf ihre Kosten finden sich hier doch ein eine bunte, vielseitige Truppe aus regionalen Künstlern, Glasbläsern, Töpfern und Schmuckherstellern. Man könnte aber auch Kajakfahren oder etwas den Saltstraumen besuchen, den stärksten Gezeitenstrom der Welt.

Weiter ging es nach einem Aufenthalt von etwa 2 ½ Stunden. Wir durchquerten in der früh einsetzenden Dunkelheit den engen Raftsund, legten einen Halt am Trollfjord ein. Dessen Einmündung ist nur 100 m breit, bei Nacht und Winters wird er nicht passiert.

Auf der Fahrt zum Trollfjord

An Deck gab es Erzählungen um die Schlacht am Trollfjord, die sich hier im Winter des Jahres 1890 abspielten. In den engen Fjord verirren sich im Winter große Fischschwärme und sind damit eine leichte Beute für die Fischer. Damals aber war der Fjord zugefroren. Nordlandfischer auf Ruderbooten baten daraufhin die Reeder moderner Dampfschiffe, das Eis aufzubrechen und so einen Zugang zu den Fischschwärmen zu ermöglichen. Nur versperrten die vier Dampfschiffe dann den rund 5000 Fischern auf etwa 1300 Booten den Zugang und begannen mit Senknetzen die Fische komplett abzufischen. Der Fjord jedoch ist Allgemeingut. Also enterten die Fischer am 6. März die Schiffe und es kam zu der sogenannten Schlacht am Trollfjord, in der die Nordlandfahrer obsiegten und sich einen Zugang zum Fjord erkämpften. Ein Jahr später erwirkten sie im norwegischen Parlament zudem ein Verbot der Senknetze während der Zeit des Lofotfischfanges.

Bildergalerie Polarkreis, Fahrt Bodo, Trollfjord

Abends dann das erste Mal auf dieser Tour, die divenhaften Polarlichter haben sich gezeigt.

 

Tag 5 – Tromsø

Wir haben Tromsø erreicht. Die Stadt wurde erst vor rund 200 Jahren gegründet, obwohl hier schon seit tausenden von Jahren Menschen leben. Anfang des 20. Jahrhunderts diente Tromsø gern als Ausgangspunkt für Expeditionen ins Eis. Deswegen bekam sie den Beinamen „Tor zur Arktis“. Zudem wurde die Stadt schnell ein Zentrum für Polarjäger in der arktischen Region. Heute kommen vor allem Jäger des Polarlichtes und Outdoor-Fans.

Im Zentrum von Tromsø am Nachmittag

An winterlichen Aktivitäten herrscht hier kein Mangel an Angeboten. Seien es Walsafaris, Kajakfahrten, Eisangeln, Wanderungen, natürlich Hundeschlittenfahrten oder es geht mit dem Motorschlitten durch nahezu scheinbar unberührte Natur. Natürlich bietet sich auch ein Stadtbummel an. Auffallend ist, dass viele Gehwege im Zentrum schnee- und eisfrei sind, während die Straßen durchweg mit Schnee bedeckt sind. Der Grund: die Gehwege werden beheizt.

Bildergalerie Tromsø

Die Stadt liegt 350 km nördlich des Polarkreises und bietet zusammen mit der folgenden Küstenlinie die höchsten Chancen Polarlichter zu beobachten. Sofern das Wetter mitmacht. So trifft man sich an Deck, um nach diesem atemberaubenden Phänomen Ausschau zu halten.

Aurora Borealis, das Nordlicht. Man könnte dessen Entstehung jetzt ausführlich wissenschaftlich erläutern oder es einfach auf die Sonne schieben. Denn ursächlich dafür sind geladene Teilchen des Sonnenwindes, die auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen. Das Magnetfeld der Erde sorgt dafür, dass die Teilchen zu den Polen geleitet werden. Verbinden sie sich mit Stickstoff- oder Sauerstoffatomen entsteht dabei das Nordlicht. Hier in dieser Gegend sind die Lichter meistens grün, dafür ist der Sauerstoff zuständig.

Voraussetzung für die Beobachtung des Polarlichtes ist ein dunkler und klarer Himmel. Findet diese Reaktion doch in etwa 100 Kilometern Höhe statt, also weit oberhalb der Wolkendecke. Nur: Nordlichter verhalten sich gern wie eine Diva, erscheinen dann, wenn sie Lust haben. Ideal ist kaltes und trockenes Wetter und in diesen Breiten die Zeit zwischen 18 Uhr abends und 1 Uhr nachts.

So richtig erforscht ist das Phänomen auch heute noch nicht. Kein Wunder, dass die Menschen in früheren Zeiten den Lichtern mit Angst und Respekt begegneten oder einfach von ihnen verzaubert wurden. Sie schufen Märchen und Sagen um die Nordlichter, brachten sie mit Göttern, Kriegern und Fabelwesen in Verbindung, auch Philosophen, Chronisten und Wissenschaftler befassten sich seit jeher mit ihnen. Mit dem Wissen von heute können wir sie jedoch ohne Angst und Schrecken genießen. Die ersten schönen Polarlichter ließen sich übrigens schon weiter südlich am Abend des dritten Tages beobachten und auch heute Nacht.

Tag 6 – Honningsvåg (Nordkap)

In Honningsvag

Von Tromsø aus hat es rund 20 Stunden gedauert, bis wir Honningsvåg erreicht haben. Die Stadt gilt als das Tor zum 40 km entfernten Nordkap. Während der Sommermonate sind es um die 200.000 Besucher, die von hier aus zu dem Schieferplateau finden, im Winter erheblich weniger. Wenn sie es denn überhaupt schaffen. Uns jedenfalls machten Wind und Wetter einen Strich durch die Rechnung. Temperaturen am Kap von – 30 °C und sehr starke, orkanartige Winde verwehrten eine Fahrt. Also war ein Stadtbummel angesagt, hier sind die Temperaturen deutlich erträglicher.

Auffallend ist, dass sich hier keine älteren Gebäude mehr finden. Der Grund dafür findet sich im Nordkap-Museum. So wurde Honningsvåg am Ende des Zweiten Weltkrieges von der deutschen Wehrmacht wegen der von Adolf Hiltler angeordneten Politik der verbrannten Erde bis auf die Kirche und Grabkapelle vollständig zerstört. So wie viele der Gemeinden im Norden Norwegens.

Zum Nordkap kommt man – wenn es das Wetter zulässt – mit dem Bus. Fälschlicherweise wird das Kap oft als nördlichster Punkt des Kontinents bezeichnetet. Das ist jedoch Kinnaroden, nordöstlich gelegen, aber weit schwerer zu erreichen. Früher noch war es aber auch ein Abenteuer hierher ans Nordkap zu gelangen, heute finden sich Scharen von Menschen ein.

Am Nordkap treffen atlantischer und arktischer Ozean aufeinander, zwischen ihm und dem Nordpol liegt nur die Inselgruppe von Spitzbergen. Hier finden sich ein Besucherzentrum, die Nordkap-Halle sowie die ökomenische St. Johannes Kapelle. Mithin die weltweit nördlichste und ein beliebter Ort für Hochzeiten. Vor etwas länger als einem Jahr standen wir noch in der südlichsten Kirche der Welt in Grytviken auf Süd Georgien kurz vor der Antarktis (hier geht es zum Reisebericht Falkland-Inseln, Südgeorgien und die Antarktis).

Bildergalerie Honningsvag

Tag 7 – Kirkenes, die Hundeschlittentour

Nächstes Etappenziel der MS Polarlys war zugleich der Wendepunkt der Reise, das östlich gelegene Kirkenes. Vorher fuhren wir noch durch das Kernland der einheimischen Sami, den Nomaden des Nordens. Heute lebt aber nur noch eine Minderheit der Samen von der Rentierzucht. Mit dem Schiff passieren wir ihre einstige heilige Stätte, die Felsformation Finnkirka, eine wie eine Kirche geformte Klippe. Die raue See formte den Stein in Millionen von Jahren. Früher war es eine Opferstätte der Samen. Auch die Fischer machten hier gerne Halt und beteten für gutes Wetter.

Wir hatten Kirkenes erreicht. Von hier aus geht es wieder zurück Richtung Süden, nach Bergen. Die Stadt liegt auf einem Längengrad von 30 Grad östlicher Richtung, mithin tiefer im Osten als St. Petersburg und Istanbul. Straßenschilder sind hier zweisprachig, norwegisch und russisch. Liegt die russische Grenze doch nur wenige Kilometer entfernt.

Im Winter bieten sich Touren mit dem Schneemobil an oder mit Hundeschlitten. Auch lässt sich ein Schneehotel besuchen. Wer mehr Zeit hat kann hier übernachten. Im Winter. Die Innenraumtemperatur liegt bei konstant minus 4 Grad Celsius. Man kann sich zudem mit Rentieren befassen oder einfach eine Schneeschuhwanderung unternehmen. Für alles zusammen fehlte jedoch die Zeit, da das Schiff nach einem Aufenthalt von dreieinhalb Stunden sich Richtung Süden aufmachte.

Deswegen ließen wir die Stadt aus, fuhren gleich zu einem Camp mit Huskys. Unser Ziel war eine Schlittenhundefahrt durch die verschneite Landschaft. Die Temperatur war wieder angenehm mit rund – 13 ° C. Warm hielten Thermoanzüge, die der Anbieter der Schlittentour stellte.

Den Huskys machte es sichtlich Spaß, der Umgang mit den Besuchern und besonders die bevorstehende Schlittenfahrt. Es handelt sich um Siberian Husky´s, ihre Vorfahren stammen aus dem nördlichen Sibirien. Gut trainiert kann ein Hund das Neunfache seines Eigengewichtes ziehen. Huskys  – sprich, der Leithund – besitzt einen sehr guten Orientierungssinn, kommt nie von bekannten Wegen ab, selbst wenn diese dick zugeschneit sind. Und missachtet auch schon mal eine Anweisung des Mushers, des Schlittenführers, wenn dies eine Gefahr bedeuten würde. Hier verlässt sich der Mensch ganz auf das Tier und das Tier ganz auf den Menschen.

Unser Gespann aus 12 Hunden für den Viererschlitten ist ein Renngespann für Ausdauerläufe. Sie schaffen bis zu 250 km an einem Tag bei zwölf bis 14 Kilometern pro Stunde. Langstreckenrennen gehen über die Distanzen von 1200 km in sechs Tagen. Da braucht ein einziger Hund pro Tag um 8.000 bis 10.000 Kalorien.

Nach viel zu kurzer Zeit ging es wieder zurück, das Schiff wartet nicht. Die Häfen, die wir nordwärts nur in der Nacht angelaufen hatten, werden wir jetzt tagsüber sehen, oder besser in der Dämmerung. Jedenfalls solange wir noch nördlich des Polarkreises sind.

Bildergalerie Hundeschlittenfahrt

Tag 8 – Hammerfest

Kurz nach Mitternacht legten wir in Mehamn an, dem nördlichsten Anlegepunkt der Postschiffreise. Neben Booten und Schiffen ist das Schneemobil hier das Verkehrsmittel der Wahl. Und was bietet sich dann eher an, als mit einem Schneemobil nach Kjøllefjord zu fahren, dem nächsten Anlegepunkt der Polarlys. Hierbei geht es mitten in der Polarnacht durch eine der extremsten natürlichen Lebensräume Europas im Winter. So jedenfalls hatte ich es geplant. Aber auch hier machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung, kurz vorher wurde die Fahrt vom Anbieter gecancelt. Es hatte sehr viel geschneit, die Wege waren teilweise unpassierbar.

Dafür zeigten sich kurz ein paar Polarlichter als die Wolkendecke aufriss.

Am Vormittag dann fuhren wir an der Gasanlage Melkoya vorbei, nahe Hammerfest. Norwegen gibt sich gern als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Zugleich gehört das Land zu den großen Gas- und Erdölproduzenten weltweit. Doch Gas und Öl spielen in der norwegischen Wirtschaft eine Schlüsselrolle, tragen erheblich zur Finanzierung der norwegischen Wohlfahrtsgesellschaft bei. Und darauf will man natürlich nicht verzichten.

Definitiv nicht die nördlichste Stadt der Welt, auch wenn sie mit eben diesem Slogan wirbt, das ist Hammerfest. Da gibt es die Städte Honningsvag, die wir auf der nordwärtigen-Route besuchten oder Barrow in Alaska, beide liegen nördlicher. Nicht zu vergessen Longyearbyen auf Spitzbergen. Dennoch, das tut ihrem Charme keinen Abbruch. Sehenswert ist etwa die 1854 errichtete Meridiansäule, heute Teil einer Unesco-Welterbestätte. Die Stadt ist zudem ein Zentrum der Samenkultur und Heimat des Eisbärenclubs. Ein Museum, dass sich mit der Geschichte der Jagd in der Arktis befasst.

Weiter ging die Fahrt Richtung Süden. Um Mitternacht waren wir wieder in Tromso, rechtzeitig, um ein Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale zu besuchen. Hier lässt sich bei Kerzenlicht norwegischen Volksliedern sowie klassischen und kirchlichen Musikstücken lauschen. Die Eismeerkathedrale ist eigentlich eine Pfarrkirche, wird aber aufgrund ihrer Architektur gern als Kathedrale bezeichnet. Filmen und Fotografieren ist aus Urheberrechtsgründen verboten.

Bildergalerie Hammerfest bis Tromsø

Tag 9 – Harstadt-Sortland, Svolvær

Am frühen Morgen schon verließen wir das Schiff in Harstadt. An Bord der MS Polarlys gingen wir erst wieder um die Mittagszeit in Sortland. Diese zwei Schiffsetappen legten wir mit dem Bus zurück. Als erstes stoppten wir an der nahe gelegenen Kirche in Trondenes. Sie ist die am nördlichsten gelegenen Steinkirche Norwegens. Das 1434 errichtete heilige Haus galt damals als wichtigste römisch-katholische Kirche nördlich des Nidarosdoms und diente als geistliches Bollwerk gegen die russisch-orthodoxe Kirche im Osten.

Steinkirche in Trondenes

In der Kirche finden sich heute noch drei wertvolle Flügelaltäre aus dem späten Mittelalter. Der mittlere stammt aus den Lübecker Werkstätten, vermutlich vom deutschen Künstler Brent Nolke. Die Chorschranke und die Kanzel im Stil des Rokoko stammen aus 1792 und die Orgel aus dem Jahre 1790, mithin die älteste in Nordnorwegen.

Museum in Trondenes

Die Region um Trondenes spielte schon zu Zeiten der Wikinger eine wichtige Rolle, war der Ort damals ein Machtzentrum der Nordmänner und diente als Versammlungsort. Nahe der Kirche findet sich das Trondenes Historical Centre. Hier finden sich ausschließlich Funde aus der Region, seien sie aus der Bronzezeit, der Ära der Wikinger bis hin zum zweiten Weltkrieg.

Unterwegs auf den Vesteralen

Mit dem Bus ging es jetzt quer über tief verschneite Straßen durch die Inselwelt der Vesteralen. Die Landschaft hier ist überaus facettenreich: von weißen Sandstränden und idyllischen Feld- und Wiesenlandschaften bis zu schroffen, steil über dem Meer aufsteigenden Berggipfeln. Das alles liegt natürlich derzeit unter einer tiefen Schneeschicht, was aber seinen eigenen Reiz hat.

Um die Mittagszeit erreichten wir pünktlich den Hafen von Sortland und stiegen wieder zu.

Bildergalerie Busfahrt Vesteralen

Am Abend dann lagen wir im Hafen von Svolvær, einem ehemaligen Fischerdorf, das eine jahrhundertealte Seefahrertraditionen bewahrt. Heute leben hier um die 4800 Menschen. Geschäfte, Galerien, Cafés und Restaurants sind über die gesamte Stadt verteilt.

Zwischen Januar und April ist Hochsaison was den Kabeljaufang betrifft. So um die 25.000 bis 50.000 Tonnen Fisch werden jährlich gefangen. Immerhin noch 3000 Fischer sind während der Saison an den Bänken der Lofoten unterwegs, 1947 waren es noch 20.000. Im Winter finden hier zudem die jährlichen Weltmeisterschaften im Kabeljauangeln statt.

Um diese Jahreszeit kommen vor allem Skifahrer nach Solvær, oder Künstler des wunderbaren Lichtes wegen Die Lofoten inspirieren schon seit Jahren zahlreiche künstlerisch veranlagte Menschen.

Fahrt und Bildergalerie Solvær

Wahrzeichen der Lofoten und der Stadt ist die Felsformation Svolværgeita, ein im Sommer gern besuchtes Ziel von Bergsteigern, um zwischen den beiden Felszacken auf dem Gipfel hin- und herzuspringen.

Tag 10 – Brønnøysund

Am Polarkreis, diesmal südwärts

Am frühen Morgen überquerten wir wieder den Polarkreis, von Norden kommend. Auf eine Taufe mit Eiswasser wird dieses Mal verzichtet, wer will bekommt traditionell einen Lebertran zum Genießen.

Es ging weiter entlang den sieben Schwestern, einer Bergkette. Leider ist das Wetter nicht besser geworden, es ist meist recht nebelig und stürmisch. Dennoch lassen sich die Schwestern beobachten, wenn manches Mal auch nur schemenhaft. Die Berge sind zwischen 900 und 1.100 m hoch und Stoff für alte Mythen. Eine davon ist, dass sieben wunderschöne Trollschwestern bei Sonnenaufgang erwischt wurden, sich in Stein verwandelten und so die Berggipfel erschaffen wurden.

Genau in der Mitte Norwegens liegt die Stadt Brønnøysund. Der Name basiert auf dem altnordischen Wort Brunney oder brunnur und bedeutet Brunnen oder Quelle. Für die alten Seefahrer gab es hier Süßwasser. Im Zentrum findet sich die steinerne Brønnøy-Kirche von 1870 im neugotischen Stil. Manches in der Kirche ist jedoch bedeutend älter, etwa Teile des Chors und der Eingangswände aus dem Mittelalter. Ansonsten bietet sich ein Bummel durch die Stadt an oder entlang des Jachthafens.

Bildergalerie Polarkreis und Brønnøysund

Tag 11 + 12 – Rückfahrt Bergen

Auf der weiteren Rückfahrt bliebe noch Zeit für einen zweiten Besuch von Trondheim. Nur ist der Anlieger außerhalb der Stadt und der Halt am frühen Morgen, so dass wir diesmal auf einen Landgang verzichteten.  Es folgte die Fahrt durch den majestätischen Trondheimsfjord, wenn auch bei nebeligem Wetter. Er ist 170 km lang und bis zu 25 km breit. Und recht tief, bis zu 577 m. Es folgten Kristiansund und bei Nacht die Häfen Ålesund, Torvik und Måløy. Damit näherte sich die zwölftägige Reise dem Ende. An 33 von 34 Häfen hatte die MS Polarlys angelegt – einer fiel des Wetters wegen aus. Insgesamt hatte das Schiff rund 2700 Seemeilen zurückgelegt.

Vor Bergen ließ sich noch die Landschaft genießen, die an einem vorbei glitt. Etwa der Nordfjord unterhalb des Jostedal-Gletschers. Oder im Geiste die Höhepunkte der Reise wie die Hundeschlittenfahrt, die Fahrt mit dem Motorschlitten durch die Polarnacht oder die faszinierenden Polarlichter.

Die Postschiffsreise an Norwegens Küste ist auch im Winter eine Reise wert wert, vielleicht sogar gerade dann. Lebhafte Städte wechseln sich mit kleinen, ruhigen Fischerdörfern und weiten Landschaften ab. Besonders bemerkenswert, die fehlende Lichtverschmutzung. Voraussetzung für die Beobachtung der famosen Nordlichter.