Kategoriearchiv: Reisereportage

Australien Motorradtour: Von Darwin nach Melbourne

Australien, Regenwälder im Norden, endlose Weiten im Outback, der Kontinent beindruckt mit seinen Landschaften, einer einzigartigen Tierwelt mit Kängurus, Koalas und Wombats und einer Jahrtausende alten Kultur. Besonders intensiv erlebt man das Land auf dem Motorrad, ist den Menschen und der Natur zugleich nah. 
 
Wir durchqueren den Kontinent von Nord nach Süd, von Darwin nach Melbourne. Stoppen am Kakadu-Nationalpark, in Alice Springs, am heiligen Berg Uluru, in der Opalstadt Coober Pedy und vielen weiteren sehenswerten oder auch trostlosen Orten. Am Ende der Tour stehen 6500 Kilometer mehr auf dem Tacho der BMW.
 
Die Mitreisenden kommen aus Australien, Neuseeland, den USA, England, Norwegen, der Schweiz und Deutschland. Gefahren wird gemeinsam, in kleineren Gruppen oder allein, Offroad oder auf der Straße. 
 

Tag 1 und 2, Darwin und Fahrt Kakadu Nationalpark

Wir starten im Norden Australiens, in Darwin, der Hauptstadt des Northern Territory. Die 150.000 Einwohner kommen aus rund 75 Nationen. Etwa ein Viertel der Bevölkerung sind Aborigines. Es ist Winter, die Sonne brennt vom Himmel, wir haben die ersten Tage mittags um die
38 Grad Celsius.
 
Die erste Tagesetappe führt zum 320 Kilometer entfernten Kakadu Nationalpark. Auf dem Weg dorthin nach siebzig Kilometern ein Stopp am Darwin Wildlife Sanctuary. Am Adelaide-River leben Salzwasserkrokodile, die mit bis zu sechs Meter Länge und 1000 Kilogramm Gewicht zu den Spitzenpredatoren gehören. Auf geführten Bootstouren kann man sie aus nächster Nähe beobachten.
 
Der Adelaide River ist bekannt für seine große Population an den großen Panzerechsen. Im Northern Territory soll es um die 100.000 der Reptilien geben. Sie sind in Australien geschützt und spielen eine wichtige Rolle im Ökosystem, da sie die Populationen anderer Tiere regulieren und ein Indikator für die Gesundheit von Fluss- und Wasserökosystemen sind. Im Gegensatz zu den Süßwasserkrokodilen sind sie recht aggressiv und greifen Menschen an. Durch Sicherheitsmaßnahmen wie Warnschilder, geführte Touren und verbesserte Information der Bevölkerung sind tödliche Zwischenfälle in den letzten Jahren jedoch seltener geworden.
Die Ranger locken die Krokodile mit Fleischstücken ans Boot. Die Reptilien haben eine enorme Sprungkraft, um ihre Beute zu fangen, meist Vögel oder kleine Säugetiere. Dazu schnellen sie mehrere Meter hoch aus dem Wasser.
 
Nach einer weiteren Rast und Tankpause erreichen wir am frühen Nachmittag unser Hotel in Form eines Krokodils im Kakadu-Nationalpark in Jabiru, einer 1982 gegründeten Siedlung. Hier bleiben wir zwei Nächte. Alles in allem eine entspannte Tour am ersten Fahrtag.

Tag 3, Ausflug zu den Felszeichnungen von Ubirr und zum South Alligator River

Etwa dreißig Kilometer sind es bis zu den Felszeichnungen von Ubirr. Hier finden sich wichtige Aborigine-Felsmalereien. Auch deswegen ist der Kakadu-Nationalpark Weltkulturerbe der Unesco. Die Zeichnungen dokumentieren den Umgang der Ureinwohner mit der Umwelt. Die ältesten Malereien sind etwa 5000 Jahre alt, die jüngsten nur wenige Hundert Jahre. Man erkennt Fische, Wasservögel, Muscheln, Krokodile, Wallabies und weitere verschieden Säugetiere.
Zu erreichen sind die Zeichnungen über einen etwa einen Kilometer langen Rundweg. Einzig die Temperaturen von 37 Grad jetzt im Frühling machen einen etwas zu schaffen. Das Umland ist in der Regenzeit im Sommer häufiger unter Wasser, jetzt ist alles grün.
 
Weiter geht es zum South Alligator River. Der Name ist Programm. Zahlreich kann man die Alligatoren im Wasser schwimmen und lauern sehen oder am Ufer dösend. Allein hier sollen im Umkreis von rund fünf Kilometern 200 Krokodile leben. Hinzu kommen zahlreiche Wasservögel wie Elstergänse, Entenarten, Ibisse, Pelikane, Reiher, Weißbauchseeadler aber auch wilde Wasserbüffel. Jetzt ist Trockenzeit, in der Regenzeit im Sommer liegt der Wasserpegel um zwei bis drei Meter höher, dann ist hier alles unter Wasser.

Tag 4, Fahrt Katherine zum Nitmiluk Nationalpark

Es geht Richtung Süden, in vier Tagen wollen wir Alice Springs erreichen, etwa 1600 Kilometer entfernt. Übernachtet wird in Katherine mit der Nitmiluk-Gorge, in Mataranka und Tennant Creek. Jetzt heißt es, alle Tankgelegenheiten zu nutzen, da wir uns nun ins Outback begeben.
 
Heute stehen 300 Kilometer an. Nach einer kurzen Rast, einem Tankstopp und einer kurzen Abkühlung im Wasser ist wenige Stunden später der Nitmiluk Nationalpark erreicht. Man kommt recht flott voran, beträgt die erlaubte Höchstgeschwindigkeit meist 110 oder 130 km/h auf den Landstraßen. Wenn man sich denn daranhält. Viel Verkehr, den gibt es nicht.
Einen Tankstopp machen wir in Pine Creek beim Lazy Lizard, einer historischen Outback-Taverne. Die Taverne wurde aus Termitenhügel-Lehmziegeln und lokalem Eisenholz gebaut. Pine Creek bietet sich für einen Zwischenstopp für Reisende an, die durch das Outback Australiens fahren. Man kann hier übernachten oder einfach nur rasten, wie wir es machen. 
Unterwegs bietet sich die Möglichkeit an, ins Wasser zu gehen, etwas abzukühlen.  Es hat um die 38 Grad Celsius. Man sollte nur etwas Vorsicht walten lassen, denn auch hier besteht eine geringe Gefahr, dass Krokodile in den Gewässern anzutreffen sind. Ranger überwachen die Bereiche, in denen man baden kann. 
40 Minuten später erreichen wir unser Hotel in Katherine. 

Tag 5, Unterwegs in der Katherine Gorge

Es sind nur wenige Kilometer vom Hotel bis zur Katherine Gorge. Das Schluchtensystem erstreckt sich über zwölf Kilometer und besteht aus 13 durch natürliche Steinbarrieren abgetrennte Abschnitte. Drei davon lassen sich mit dem Boot befahren, dazwischen gibt es kürzere Fußmärsche.  
In der Regenzeit ist der Wasserspiegel mehrere Meter höher, dann finden sich neben den ungefährlichen Süßwasserkrokodilen in der Schlucht auch die aggressiven und tödlichen Salzwasserkrokodile. Geht der Wasserspiegel zurück, leben hier normalerweise nur die etwas kleineren Süßwasserkrokodile, die Fische, kleine Säugetiere und Vögel fressen. Für den Menschen sollen sie ungefährlich sein. Dann kann man hier Wandern, Kajak fahren oder auch schwimmen. 
 
Sollte Salzwasserkrokodilen der Rückweg Richtung Meer beim Sinken des Wasserspiegels versperrt gewesen sein, hat man Lebendfallen aufgestellt und überwacht die Schlucht mithilfe von Beißködern. Die Süßwasserkrokodile leben das ganze Jahr hier, sind aber keine Gefahr für die Badenden. Letztes Jahr hat man keine Salzwasserkrokodile entdeckt, 2023 eines Im Februar und eines im April mit knapp vier Metern Länge. Die werden dann gefangen und weggebracht.

Tag 6, Fahrt Tennant Creek

Es heißt zuerst Auftanken, dann geht es nach Tennant Creek, etwa 580 Kilometer liegen heute vor uns. Der erste richtige Fahrtag. Unterwegs gibt es zwei Tankstopps und nur wenig Sehenswertes. 

Kilometerlange gerade Strecken und kaum Kurven liegen die nächsten Tage vor uns. Die längste kerzengerade Strecke in Australien beträgt etwa 147 Kilometer in der Nullarbor-Ebene, die ist aber ganz im Süden, da kommen wir nicht hin. 

Inzwischen haben sich beim Fahren mehrere kleine Gruppen und Einzelfahrer gebildet, ein jeder geht seinem Fahrstil, seinen Fotostopps und seiner Geschwindigkeit nach – oder macht auch mal einen Abstecher Offroad in das Outback.

Durch die erlaubte Geschwindigkeit von 130 Kilometer pro Stunde legt man auch lange Distanzen recht schnell zurück, zumal kein Verkehr herrscht. Die hohen Temperaturen gehen langsam zurück, je weiter wir in den Süden kommen.

Einen Halt machen wir am Larrimah-Hotel, bekannt für seine rosa Panther. In den 1960er Jahren bildete sich vor der Kneipe eine Pfütze. Diese Pfütze wuchs und wuchs und man gab ihr den Namen Larrimah Lake. Damals war die Kneipe ein sehr geschäftiger Ort, mit Menschen, die an der Eisenbahn arbeiteten und vielen Truckern. Irgendwann beschloss ein Zöllner, einen großen rosa Panther mit einer Angel am Rande des Sees zu setzen. Der wiederum verschwand immer wieder und wurde nur gegen Lösegeld zurückgebracht.
 
Das Outback erstreckt sich über weite Teile im Landesinneren Australiens. Die meist weiten und offenen Landschaften sind geprägt von extremen Wetterbedingungen und Temperaturen unter Null bis über 50 Grad Celsius. Es gibt heiße, trockene Sommer und kühle Winter. Regen ist selten und oft unregelmäßig. Die Wüste besteht überwiegend aus Buschland, Trockensteppe und Sanddünen.
Hundert Kilometer weiter der nächste Halt, der Daly Waters Pub. Auch er liegt nahe am Stuart Highway und die Decke und die Wände sind mit Souvenirs übersät, die von Besuchern zurückgelassen wurden. Dazu gehören auch zahlreiche BHs, gern signiert von wem und wann. Das soll in den 80er-Jahren begonnen haben, als eine Busladung Touristen eine Wette gegen den Busfahrer verlor und alle die Kneipe etwas leichter verließen als bei ihrer Ankunft. Weniger ungewöhnlich sind die Aufkleber, Ausweise und Visitenkarten, die die Bar schmücken.
Zurück geht der Daly Waters Pub auf das Jahr 1930. Publican Bill Pearce versorgte die Reisenden nicht nur mit Nahrung und Getränken, sondern betankte auch die Flugzeuge, von denen sich viele, respektive deren Überreste an der Straße finden.

Tag 7, Fahrt Alice Springs

Es sind noch 500 Kilometer bis nach Alice Springs. Der erste Halt findet an den geologischen Formationen von Karlu Karlu statt. Das ist der indigene Name für die Devils Marbles, die Teufelsmurmeln. Das Naturschutzgebiet im Nirgendwo ist durch riesige, runde Granitfelsen gekennzeichnet, die in Jahrmillionen durch Erosion entstanden.
 

Für die Aborigines dieser Region sind sie ein wichtiges kulturelles und spirituelles Erbe und ein heiliger Ort, spielen eine bedeutende Rolle in ihren Traumerzählungen. Das Gebiet gehört ihnen seit 2008 wieder, sie verwalten es gemeinsam mit den Parkrangern.

 

Einige Kilometer weiter ist eine kleine Tankstelle mit einer Zapfsäule. Auf ihr klebt ein Zettel mit dem Hinweis, man möge doch nach dem Tanken den Tankstand und die Summe fotografieren und damit zum Zahlen in den Laden kommen. Was mit der Kreditkarte erfolgt. Und in der Toilette bestehen die Pinkelbecken einfach aus aufgeschnittenen Bierfässern.

Nachmittags erreichen wir Alice Springs, mit rund 26.000 Bewohnern. Die Stadt ist ein beliebter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Wüstenregion. Historische Gebäude erinnern an die Geschichte der Stadt, die im Jahr 1872 als Posten auf der transaustralischen Telegrafenleitung zwischen Darwin und Adelaide gegründet wurde.

Tag 8, Fahrt Kings Canyon

Über 1500 Kilometer im Outback sind es über den Kings Canyon und Yulara bis nach Coober Pedy. Dafür haben wir drei Fahrtage eingeplant, in Yulara selbst bleiben wir zwei Tage.
 
Der Weg führt zuerst über den Stuart Highway, weiter den Lasseter Highway, gefolgt von der Luritja Road bis wir heute nach 470 Kilometern die Kings Canyon Lodge erreichen werden. Es geht durch eine immer wüstenartigere Landschaft.  Der Verkehr ist sehr überschaubar, selten mal ein Roadtrain und nur wenige Autos und Camper.Ab und an ein Tankstopp und eine Rast, viel mehr gibt er heute auf der Fahrt nicht. Etwas lästig sind die vielen Buschfliegen im Outback, die während der Hitze des Tages besonders aktiv sind. Einzig ein Kopfnetz hilft.
Der Kings Canyon liegt im Watarrka Nationalpark im Northern Territory. Er ist bekannt für seine Schluchten und beeindruckenden Landschaften. Hiervon bekommen wir aber nur wenig mit, dazu müsste man in der Gegend wandern. Für uns ist es aber nur ein Zwischenziel nach Yulara mit dem weltberühmten Uluru.
 

Abends gibt es einen schönen Platz, um die großen Sandsteinfelsen im Sonnenuntergang zu betrachten. Bei einem Glas Wein lässt es sich an der Sunset-Bar gut aushalten. Aber nicht allzu lange, da es, sobald die Sonne weg ist, empfindlich kalt wird. Nachts hatte es hier gerade noch drei Grad Celsius, nach den 38 Grad weiter im Norden. Im Sommer steigt die Temperatur auf deutlich über 40 Grad.

Tag 9, Fahrt Yulara (Uluru, Ayers Rock)

Es sind weniger als zehn Grad bei der Abfahrt. Heute stehen 300 Kilometer an, bis nach Yulara. Wir fahren über den Lasseter Highway nach einem kurzen Abstecher an den Kings Canyon zurück zum Stuart Highway und dann Richtung Süden.
 
Der Stuart Highway ist eine der wichtigsten Verkehrsadern im australischen Outback und verbindet den Norden mit den zentralen Regionen des Landes. Er erstreckt sich über mehr als 2.800 Kilometer und beginnt in Darwin, unserem Ausgangspunkt. Ein Großteil der Strecke verläuft durch abgelegene, wüstenähnliche Landschaften und bietet einen Einblick in das australische Outback. Es geht über endlose Routen im Outback, gestoppt wird etwa an schönen Felslandschaften und isolierten Wasserlöchern. Die Infrastruktur ist spärlich, gerade mit Motorrädern und ihrer begrenzten Reichweit heißt es, jede Tankgelegenheit zu nutzen. Der Stuart Highway ist mehr als nur eine lange Straße, er führt durch einige der wildesten und abgelegensten Landschaften Australiens. Yulara ist das touristische Zentrum und Ausgangspunkt zum Uluru-Kata Tjuta Nationalpark, um die spektakulären Felsformationen rund um den Uluru zu erkunden, die zum Unesco-Weltkulturerbe zählen. In Yulara finden sich Übernachtungsmöglichkeiten, Restaurants, Geschäfte und Freizeiteinrichtungen. Von luxuriösen Resorts über gemütliche Hotels bis hin zu Campingplätzen – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Auch zahlreiche Restaurants und Souvenirläden sowie Kunsthandwerk finden sich. Die Preise sind generell etwas überteuert, vergleicht man sie mit den Geschäften abseits der Touristenströme.  Yulara hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Touristen entwickelt.
 
Am Abend erst mal ein Spaziergang durch das weiträumige Gelände, erste Eindrücke erfassen und einen Blick auf den heiligen Berg der Aborigines werfen.

Tag 10, Uluru-Kata Tjuta Nationalpark

Den besten Blick auf den Uluru hat man vom Hubschrauber aus. Auch bekannt als Ayers Rock ist der Berg ein imposantes Naturwunder im Herzen Australiens und ein Ort von tiefer kultureller Bedeutung. Der Hügel ist ein zentraler Bestandteil der Traumzeitgeschichten der Anangu, den traditionellen Eigentümern des Landes.
Etwa 50 Kilometer entfernt finden sich die Bergformationen des Kata Tjuṯa, eine Gruppe von 36 Felskuppen, und der Tafelberg Mount Conner. Kata Tjuṯa ist Teil des Uluru-Kata-Tjuṯa-Nationalparks. Natürlich bietet sich auch eine Tour zum Uluru mit dem Motorrad an.
 
Hat man genügend Zeit kann man auch geführte Exkursionen in den Naturpark buchen, bei dem die Ranger viel Wissenswertes über die Geschichte und Natur erzählen. Leider kann man dazu kaum Aufnahmen machen, weil alle heiligen Stätten, selbst die komplette Nordseite des Berges nicht fotografiert werden sollen. Selbst das neu erbaute touristische Besucher- und Kulturzentrum der Aborigines ist tabu. Außer man kauft etwas, dann sind die Regeln hinfällig.
Für die Aborigines ist der Felsen seit Jahrtausenden ein heiliger Ort, an dem Schöpfungsvorstellungen, Legenden und kulturelles Wissen miteinander verwoben sind. Diese Geschichten erzählen von Ahnen, die den Kontinent erschaffen haben und vermitteln moralische und spirituelle Lehren, die noch heute für die Ureinwohner einen hohen Stellenwert haben.

Tag 11 und 12, Fahrt Coober Pedy

Es steht die auf dieser Reise längste Tagesetappe an, 730 Kilometer nach Coober Pedy, stundenlang fast geradeaus. Einfach fahren, gedankenverloren, es ist eigentlich wie meditieren. Jedenfalls als die Temperatur etwas höher war, losgefahren sind wir bei vier Grad Celsius. Irgendwann hatte es aber um die 18 Grad, ideal zum Fahren. Gegen 15 Uhr sind wir angekommen, inklusive zwei Tankstopp und ein paar kurzen Fahrten abseits der Straße für etwas Abwechslung. Man kommt recht schnell voran, kein Verkehr, keine Ampeln und 700 km lang keine Städte.
 
Wir nähern uns Coober Pedy. Das ist deutlich am Abraum seitlich der Straße zu erkennen, taubes Gestein der kleinen Opalminen, die es hier in Unmengen gibt. In der Stadt der Opalschürfer mitten in der Wüste bleiben wir zwei Nächte.
 
Coober Pedy. Die Stadt im australischen Outback ist vor allem durch ihre Opalsucher bekannt. Viele der australischen Opale kommen aus dieser Region mitten in der Wüste, im Niemandsland. Ursprünglich lebten hier Aborigines, lange bevor europäische Siedler eintrafen. Die Ursprünge der Stadt lassen sich auf das frühe 20. Jahrhundert zurückverfolgen als man zufällig die Opalvorkommen entdeckte. Dies geschah bei der Suche nach Wasser durch Goldsucher. Der damit beginnende Opalboom zog Menschen aus allen Teilen Australiens und der Welt an, heute finden sich in Coober Pedy Menschen aus 30 Nationen.
Unterirdische Häuser und Kirchen, zahlreiche Opalminen und Museen ziehen die Besucher an. Die Stadt kann sicherlich keinen Schönheitspreis gewinnen. Manche sagen, hier wollen sie nicht einmal begraben sein. Staubige Baracken und Häuser, ringsum Halden, mehrere Tankstellen, einige Restaurants und zahllose Opalläden prägen das Gesamtbild. (20 s)
 
Der morbide Charme, die Wüste und die Endzeitstimmung sind der Grund, warum hier Filme wie 1985 Mad Max – Jenseits der Donnerkuppel, Priscilla – Königin der Wüste, Pitch Black mit Vin Diesel, Red Planet und Mortal Combat gedreht wurden. Man sieht auch noch einige alte Kulissen herumstehen. Die einzigartige Mond-ähnliche, unterirdische Landschaftskulisse machen die Gegend zu einer beliebten Wahl für Science-Fiction- und Wüsten-Filme.
 
Das Klima hier ist extrem, im Sommer kann das Thermometer auf über 50 Grad im Schatten steigen und im Winter ist manchmal Frost angesagt. Deshalb bauten die Siedler ihre Häuser und Einrichtungen unterirdisch. Dies bietet Schutz vor der intensiven Hitze. Noch heute wohnen rund die Hälfte der 1500 Einwohner unter der Erde. Sie leben von der Opalsuche und dessen Verkauf. Coober Pedy zieht Abenteurer als auch Liebhaber von Opalen an.
 
Eine Minen- und Wüstentour gehört bei einem Besuch Coober Pedys dazu. Uns chauffierte ein Claimbesitzer, damit kommt man auch in Bereiche, die aus 
Sicherheits- und Besitzgründen Besuchern normalerweise verschlossen sind. Zuerst ging es zu einer noch aktiven Mine, in der man den Abbau der Opale anschaulich erklärt bekommt.
Beim Abbau handelt es sich oft um eine Kombination aus traditionellen Handwerkstechniken und modernen Maschinen. Die Suche nach den Edelsteinen erfolgt in Coober Pedy fast ausschließlich in kleineren, privaten Minen. Für größere Bergbaubetriebe ist das Risiko des Misserfolges zu groß.
 
Opale sind aufgrund des außergewöhnlichen Farbspiels weltweit begehrt und entsprechend teuer. Am begehrtesten und seltensten sind die schwarzen Opale in Kombination etwa mit Rot. Die findet man in Cooper Pedy nur selten.
 
Wir sind auf dem Claim unseres Guides, ein sonst abgesperrtes Gebiet. Claims sind Parzellen von Land, auf denen Einzelpersonen oder Unternehmen das Recht haben, nach Opalen zu graben. Dazu muss man einfach den Claim mit vier Holzpfosten abstecken und einen Antrag beim zuständigen Landesamt stellen. Nach dessen Überprüfung und Bezahlung einer geringen Gebühr wird eine Genehmigung erteilt. Der Claim-Besitzer kann dann mit dem Graben beginnen, sei es für den eigenen Bedarf oder für den Verkauf.
 
Nur wenige Kilometer entfernt ist man schon im Nichts. Die Landschaft ist mondartig, Sand und Steine, ab und zu weiße und rötliche kleinere Hügel. Auch diese Gegend hier diente als Drehort etwa für Mad Max-Filme. 
Und doch lebten hier seit Jahrtausenden Aborigines. Die wohl die älteste kontinuierliche Kultur der Welt ist, sie soll schon seit über 60.000 Jahren existieren. Das indigene Volk hat eine tiefe Verbindung zur Wüstenlandschaft und eine reiche Kultur, die sich in ihrer Kunst, ihren Erzählungen und ihrem Wissen über die Natur widerspiegelt. Die Aborigines betrachten die Wüste nicht nur als geografischen Raum, sondern als lebendigen Ort, der in vielen Geschichten und Zeremonien verankert ist. Die Landstriche um Coober Pedy sind oft mit Traumzeit-Geschichten verknüpft, in denen Schöpfungsmythen und spirituelle Bedeutungen erzählt werden.
Wir kommen am längsten Zaun der Welt vorbei, 5600 Kilometer lang. Er wurde gebaut, um die Dingos, die wilden Hunde Australiens, von den Schafherden des Südens fernzuhalten. Dingos sind geschickte Jäger und stellen eine erhebliche Bedrohung für die Schafzucht dar. Der Zaun beeinflusst jedoch nicht nur die tierischen, sondern auch die ökologischen Dynamiken der Region. Indem er die Dingos ausschließt, führt dies zu einer Überpopulation anderer Tierarten und stört das Gleichgewicht des Ökosystems.

Tag 13, Fahrt Port Augusta

Es geht weiter Richtung Süden, heute rund 540 Kilometer bis Port Augusta. Die nächste Etappe führt uns für zwei Tage zum Wilpena Pound, bevor wir nach insgesamt 1150 Kilometern Adelaide erreichen, die erste größere Stadt seit langem.
 
Heute sind zwei Tankpausen und ein paar kurze Stopps etwa an einem Salzsee und einer Militäranlage mit einem Museum zur australischen Luft- und Raumfahrt vorgesehen, mehr nicht.
 
Der Rocket Park zeigt einige historische Raketenmodelle und Flugzeuge, ist mehr eine Gedenkstätte für die Raumfahrtgeschichte Australiens. Aber allemal eine kurze Unterbrechung wert.
Port Augusta am Spencer Gulf gelegen. Die Stadt ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Fernverkehr und die Eisenbahn und hat 13.000 Einwohner. Für uns ist sie ein Zwischenstopp für die weitere Fahrt gen Süden.

Tag 14, Fahrt Wilpena Pound und Offroad unterwegs

Entsprechend geht es am kommenden Tag direkt weiter, 170 Kilometer nach Wilpena Pound, wo wir zwei Tage bleiben. Diesmal geht es in die Berge auf kurvigen Straßen und grünen Wäldern. Die Landschaft hat sich deutlich verändert.Angekommen und im Hotel eingecheckt bleibt noch genügend Zeit, um Offroad zu einem Aussichtspunkt zu fahren. Der größere Teil der Truppe ist dabei, einige bleiben im Hotel zurück. Die Piste ist recht gut, und es macht Spaß, sie entlangzueilen. 
 
Das Wilpena ist ein riesiges, natürliches Amphitheater, ein etwa 500 Millionen Jahre altes, kreisrundes Gebirgsmassiv mit 17 Kilometern Durchmesser. Es entstand durch Erosion eines Urmeeres. Hier finden sich Wanderwege, Offroad-Strecken, Aussichtspunkte und es ist ein wichtiger Ort für die Kultur der Adnyamathanha, der Ureinwohner der Region. Zu dritt machen wir eine etwa zehn Kilometer lange Wanderung ins Zentrum der geologischen Formation. Die Tour geht durch einen ursprünglichen und geschützten Wald mit einer bemerkenswerten Fauna.

Tag 15, Ausflug Blinman

Vom Hotel aus sind es rund 130 Kilometer nach Blinman, einer alten Bergbaustadt. Kurvenreiche Strecken wechseln sich mit langen Geraden ab. Auf der Hochebene bläst der Wind kräftig, auch auf den Geraden wird in Schräglage gefahren und man muss den Böen kräftig entgegenhalten.
Einst wurde in Blinman Kupfer abgebaut, von 1859 an nach der Entdeckung des Erzes durch Robert Blinman. Gewonnen wurden bis 1907 insgesamt etwa 10.000 Tonnen davon. Einst lebten hier 1500 Menschen, heute sind es noch 50. Die alte Mine ist eine beliebte Touristenattraktion.
 
Nahe Blinman gibt es einen kleinen Handwerkershop, der Waffen und Geräte der Aborigines herstellt und verkauft. Anders als in der Touristenhochburg Yulara am Uluru sind hier die Preise für das Handwerk real und nicht überteuert. Also wird zugeschlagen.

Tag 16, Fahrt Adelaide

Es geht weiter Richtung Adelaide. Die Landschaft wird grüner, überall sind riesige Felder mit blühendem Raps zu sehen. Zurzeit blühen in Australien im Spätwinter die Apfel- und Kirschbäume und zahlreich finden sich an der Strecke Weinbaubetriebe. Nach etwa zwei Stunden kommen wir zurück in die Zivilisation. Der Verkehr nimmt zu, das macht das Fahren weniger meditativ. Wir fahren erstmals seit mehreren tausend Kilometern auf einer Autobahn. 
 
Nach 435 Kilometern mit zwei Tankstopps und einer kurzen Kaffeepause erreichen wir Adelaide, eine moderne Stadt mit 1,3 Millionen Einwohnern. Gegründet wurde sie 1836 als erste freie Siedlung Australiens. Kurz eingecheckt und geduscht geht es mit dem Taxi zum 13 Kilometer entfernten Meer in ein schönes Restaurant mit Blick aufs Meer. Aber auch die Millionenmetropole ist für uns nur Durchgangsort, um wirklich etwas zu sehen, müsste man mehrere Tage bleiben.

Tag 17 Fahrt Robe

Die nächste Etappe führt in vier Tagen über Robe, Halls Gap und Apollo Bay nach Melbourne, unseren Ziel der gesamten Reise. Bis dahin sind noch einmal rund 1300 Kilometer.
 
Nach etwa 30 Kilometern sind wir in Hahndorf, eine kleiner Ort mit rund 2300 Einwohnern. Es ist eine Touristenattraktion, mithin eine der ersten deutschen Siedlungen in Australien. Gegründet hat man sie im Mai 1839. Das deutsche Erbe ist deutlich sichtbar, es gibt Bäckereien mit typisch deutschen Backwaren oder Metzgereien mit einer Vielzahl an Wurstwaren, die man im restlichen Australien eher nicht findet. Der Tourismus ist eine wichtige Einnahmequelle vieler Hahndorfer.
In Strathalbyn findet sich ein kleines Motor-Museum und eine Statue eines Motorrad-Rennfahrers, einst eine Ikone in Australien. Nur verunglückte er auf der Ilse of Man bei einem Rennen tödlich.
Beidseitig der Straße liegen große Weinanbaugebiete, Rinder- und Schaffarmen, Ackerflächen oder Plantagen. Die größte Farm Australiens, die Anna Creek Station im Süden des Landes, dient vorwiegend der Rinderzucht und umfasst rund 23.600 Quadratkilometer, etwa 70 Prozent der Größe des Staates Belgien. 
 
Die längere Etappe fahre ich heute allein, kann somit andere Strecken und auch mein Tempo fahren. In Kingston treffen sich die meisten wieder, an der Statue eines großen Hummers vor einem Fischlokal.
Zwischendurch gab es auch mal eine Kontrolle, die Neuseeländer wurden von einer Polizistin angehalten, die aber schlussendlich eine gute Weiterreise wünschte. Ich wurde rechtzeitig auf die Kontrolle durch einen Autofahrer hingewiesen.
 
Am Hotel angekommen, standen 340 Kilometer mehr auf dem Tacho.

Tag 18, Fahrt Halls Gap

Weiter geht es Richtung Melbourne, diesmal bis nach Halls Gap, erstmals bei etwas regnerischem Wetter. Halls Gap ist rund 370 Kilometer entfernt. Zunächst geht es entlan griesiger Weideflächen und Rapsfeldern, später folgt eine kurvenreiche Berglandschaft.

Unterwegs machen wir Halt bei den Höhlen von Naracoorte. Eine kleinere davon besuchen wir, die Stick Tomato-Cave. Die zahlreichen Höhlen der Region beherbergen eine der weltweit umfangreichsten und am besten erhaltenen Fossilienlagerstätten des Pleistozäns. In den Höhlen wurden Überreste von vielen prähistorischen Tieren gefunden, darunter große Beuteltiere wie Riesen-Kängurus, Beuteldachse und andere Säugetiere, die Einblicke in die Tierwelt und Umweltverhältnisse des Zeitraums vor rund 2,6 Millionen Jahren bis etwa 10.000 Jahre vor Christi ermöglichen. Der Bedeutung des Höhlensystems wegen und der dort vorhandenen Fossilien wurde Naracoorte 1994 in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen.
Ab und zu kann mal einen Abstecher abseits der geteerten Wege machen, bevor es nach einigen Stunden in die Berge auf eine kurvenreiche Straßen geht. 
 
Angekommen in unserem Hotel begrüßt uns Buddy, das Hauskänguruh. Es lebt frei, hat sich aber an die Menschen gewöhnt. Es ist hier aufgewachsen, rennt auf dem Areal herum. Eine Banane verschmäht es auf keinen Fall.
Kängurus sind nur in Australien, Neuguinea und auf den umliegenden Inseln wie Tasmanien und Kangaroo Island heimisch. Sie sind für ihre langen Hinterbeine bekannt, mit denen sie durch die australischen Lebensräume wie Steppen, Wüsten und Regenwälder springen. Es gibt rund 65 Arten, von denen einige, wie das tote Riesenkänguru Buddy, bis zu 1,80 m groß werden können, Mithin ist das rote Riesenkänguruh größte lebende Beuteltier der Welt. (23 s)

Tag 19 Fahrt Apollo Bay

Weiter geht es am Folgetag am frühen Morgen nach Apollo Bay, etwa 315 km entfernt. Es ist regnerisch, das Wetter bessert sich aber über den Tag.
 
Nach drei Stunden erreichen wir an der Küste den Bay of Islands Coastal Park. Es ist ein 32 Kilometer langes Küstenreservat an der Great Ocean Road gelegen. Man hat ihn 1997 aus einigen kleineren Schutzgebieten errichtet. Immer wieder bietet sich ein Halt an und ein kurzer Spaziergang, um den Ausblick zu genießen.
Richtig was los ist bei den zwölf Apostel. Hier finden sich Hunderte Besucher ein, in der Sommersaison und an Wochenenden täglich weit über tausend, die die Steinformationen im Meer sehen wollen. Es sind vorwiegend junge Chinesen und viele Inder. In den letzten Jahren entstanden hier Parkplatz, Besucherzentrum, Stege und Aussichtsplattform sowie ein kleiner Flughafen mit Hubschraubern für Rundflüge. Und es wird weiter kräftig gebaut. Vermutlich wurde dieser Hot Spot auf Tiktok oder Instagramm gepostet, und jetzt muss jeder hin.
 
Weiter geht es auf der Great Ocean Road bis zur Apollo Bay. Insgesamt ist die Great Ocean Road 243 Kilometer lang. Apollo Bay erreichen wir nach rund 310 Kilometern. Das charmante Küstenstädtchen liegt eingebettet zwischen üppigen Wäldern und dem türkisblauen Meer mit schönen Sandstränden. Apollo Bay ist ein Ort für Reisende, die Entspannung, Natur und authentische Küstenkultur an einem malerischen Ort erleben möchten.

Tag 20 Fahrt Melbourne

Es geht auf die letzte Etappe dieser Tour quer durch Australien, 300 Kilometer nach Melbourne. Zuerst warten auf uns kurvenreiche Strecken die Ocean Road die Küste entlang bis etwa 100 Kilometer vor Melbourne der Großstadtverkehr beginnt. Dann ist das Ziel erreicht, nach rund 6500 Kilometer quer durch Australien. Durch tropischen Regionen mit 38 Grad Temperatur, durch das Outback und die Berge mit morgens um die drei Grad, entlang ellenlanger gerader Straßen oder am Ende über kurvige Strecken durch die Berge und an der Küste entlang. Die langen Strecken im Outback luden zum Meditieren ein, so dass die Zeit viel schneller verging als gedacht.

Tag 20 und 21 In Melbourne angekommen

Wir sind in Melbourne, in der Hauptstadt des Bundesstaates Victoria. Es ist eine dynamische Metropole, die Kultur, Geschichte und moderne Lebensart miteinander vereint. Hier leben rund 5,3 Millionen Menschen. Die Stadt weist eine vielfältige Architektur auf, von historischen Gebäuden in der Innenstadt bis zu modernen Bauten und Kunstinstallationen. Neben einem regen kulturellen Leben mit zahlreichen Galerien, Museen und Theatern ist Melbourne auch als Sporthochburg bekannt, in der regelmäßig internationale Veranstaltungen stattfinden.
Einen guten Überblick über die Stadt bietet das Melbourne Skydeck. Es ist die höchste öffentliche Aussichtsplattform der südlichen Hemisphäre, die sich im 88. Stock des knapp 300 Meter hohen Eureka Towers befindet. 

Das Fazit

Es eine besondere Tour, einmal von Nord nach Süd durch den australischen Kontinent. Die nur sehr wenige Menschen mit dem Motorrad machen. So ist man besonders nah an der Natur, an den Menschen. Die Gruppe aus Australiern, Neuseeländern, Briten, Amerikanern, Schweizer, Deutschen und Norwegern hat wunderbar zusammengepasst. Auch die Guides Brian, John und Adam, waren sehr flexibel und brachten viel Erfahrung und Wissen in die Tour ein. Ein Zitat aus der Motorradszene bringt es auf den Punkt: Vier Räder bewegen deinen Körper, zwei Räder bewegen deine Seele.
Dank auch besonders an den Mitreisenden Alan aus Australien, der mir die Drohnenaufnahmen zur Verfügung stellte.
 

Auf den Spuren der Maya, Teil III in Guatemala

Wir haben die Grenze nach Guatemala überquert. Hier besuchen wir die Ruinenstätten von Yaxha, Tikal und die Maya-Dörfer rund um den Atitlan-See, bevor es von Gutemala-City aus wieder zurück geht.
 
Hier finden sich Teil I (Mexiko) und Teil II (Belize) von der Maya-Reise.

Yaxha, selten besucht

Nach einer elf Kilometer langen Piste durch den Regenwald sind wir nun auf dem Yaxha-See unterwegs mit dem Ziel der Ruinenstätte Yaxhá. Der Name bedeutet grünes Wasser und konnte auf einer Maya-Inschrift der Stätte zugeordnet werden. Also einer der wenigen überlieferten originalen Stadtnamen. Vieles ist noch wie zu Zeiten der Entdecker, tief im Dschungel versteckt finden sich teils riesige, bewachsene Steinhaufen, die nicht als alte Ruinen zu erkennen sind. Selbst große Pyramiden verbergen sich mitten im Regenwald, ohne dass man es erkennen könnte. Schautafeln geben Hinweise, wie es einst aussah. In der Ferne hört man Brüllaffen, die Vögel zwitschern.
 
Bei der größten Pyramide hat man eine Seite freigelegt, Holzleitern führen an der unrestaurierten Seite hoch. Von oben hat man einen wundervollen Blick über den Dschungel, im Hintergrund der See. 
 
Außer einigen Wachleuten sehen wir keine weiteren Besucher, scheinen auf dem riesigen Areal allein unterwegs. Erst später auf dem Rückweg kommen uns ein paar weitere Besucher entgegen.
 
 
Yaxhá erlebte seine Blütezeit zwischen 250 und 900 n. Chr. Die Stadt war ein zeremonielles und administratives Zentrum, das mit anderen wichtigen Maya-Stätten in der Region interagierte. Die Stätte umfasst über 500 größere Strukturen, darunter Pyramiden, Tempel, Paläste und Ballspielplätze.

Die Maya-Communities rund um den Atitlan-See

Der Atitlan See im auf einer Höhe von 1569 Metern ist Guatemalas zweitgrößter See mit einer Fläche von 130 Quadratkilometern. Er entstand vor 84.000 Jahren durch die Eruption eines Supervulkans. Inmitten des Kratersees lag einst eine Insel, auf der sich eine bedeutende Stadtanlage der Maya befand, die heute im See versunken ist. An seinen Ufern finden sich mehrere Dörfer mit einer Maya-Bevölkerung.
 
Unser Hotel liegt direkt am See in San Lucas Tolimán. Von hier aus besuchen wir drei Maya-Dörfer mit dem Boot. Das Hochland rund um den Atitlan-See bot ein ideales Umfeld für die alten Maya. Die Orte waren dank fruchtbarem, vulkanischem Land nicht nur autark, sondern entwickelten sich zu geschäftigen Zentren des Handels und zeremonieller Aktivitäten.
 
Der erste Stopp gilt dem Dorf Santiago Atitlan. Die heutigen Siedlungen sind für ihre lebendige Kultur und Traditionen bekannt und gern besuchte Ziele. Von den Touristen können viele Menschen gut leben. In den Ortschaften bewahrt und feiert man bis heute das kulturell Erbe, hält Traditionen am Leben, die historische Lebensweisen und Glaubenssysteme widerspiegeln – das reicht von der Sprache bis zu den Kleidern, die die Frauen tragen.
 
Für uns steht der Besuch einer Familie an, die diese Jahr den Maximón beherbergt, eine über 500 Jahre alte Holzfigur, die traditionelle Kleidung trägt und immer eine Zigarre oder Zigarette im Mund hat. Er ist ein im Hochland Guatemalas verehrter Volksheiliger, dem sowohl positive wie heilende und beschützende als auch unheilvolle und verfluchende Kräfte zugesprochen werden. 
 
Maximón oder auch San Simón vereint Elemente aus der katholischen Heiligenverehrung und der einheimischen Maya-Religion. Er verkörpert den Apostel Simon und den alten Erdgott der Mayas, Maam. Die Figur soll bereits über 500 Jahre alt sein. Die Spanier verboten dessen Anbetung, aber die Mayas ließen sich ihre Kultur nicht nehmen. Jährlich wechselt er die Gastfamilie, bei der er aufbewahrt wird. Das ist eine besondere Ehre. Immer wieder kommen Gläubige, die verkostet werden und sich an Maximón wenden, um Hilfe in verschiedenen Lebensbereichen zu bitten, sei es für Gesundheit, Wohlstand oder Schutz. Seine Verehrung ist von Ritualen und Opfergaben geprägt, die Kerzen, Alkohol, Tabak und Geld umfassen können.
 
Nach einer halben Stunde haben wir San Pedro La Laguna erreicht. Hier ist etwas weniger los. Bei den Maya werden sowohl Familienstrukturen und Dorfgemeinschaften von überlieferten Traditionen beeinflusst. Wichtige Rituale, die die kosmische Ordnung und die individuelle Harmonie mit dem Universum aufrechterhalten richten sich nach dem Maya-Kalender. Bestimmte Orte rund um den See gelten als von heiliger Energie durchdrungen und dienen als Epizentrum für Gemeinschaftsrituale und individuelle Opfergaben.
 
Ein Stück oberhalb am Berg gibt es in San Pedro La Laguna eine Aussichtsplattform, von der man einen guten Überblick über Stadt und See hat. Hoch kommt man am besten mit dem Tuc-Tuc.
 
Von Besuchern wimmelt es wieder in San Juan La Laguna. Die Orte sind allesamt Touristenmagnete und bieten zahlreiche Läden mit allem Erdenklichem. Darunter viel Nippes aber auch schöne Kunstgalerien und Handwerksbetriebe. Mehrere Kooperationen befassen sich etwa mit Textilien und stellen Kleider her, andere haben das Thema Kaffee für sich entdeckt, oder Keramiken, Holzarbeiten sowie die Malerei.
 
 
Die Webereien arbeiten teils mit Techniken, die seit Jahrhunderten weitergegeben werden, und kreieren komplizierte Muster, die Geschichten erzählen und die Kosmologie der Maya symbolisieren. Jede Farbe, jedes Motiv und jeder Faden, der in diesen Textilien verwendet wird, verkörpert kulturelle Erzählungen und den persönlichen Ausdruck des Webers.

Der Chichi-Markt in Chichicastenango

Bevor wir nach Tikal kommen, sind wir noch etwas auf den Straßen im Land unterwegs. Überall sieht man die bunt bemalten Chicken-Busse. Die alten, umgebauten Schulbusse spielen eine wichtige Rolle, genauso wie viele Pickups die zum Transport von Menschen, Vieh und Waren dienen. Nicht selten alles zusammen auf einmal und vollgepfercht. Fünfsitzige alte Kombis und Minivans mit 15 bis 20 Passagieren sind kleine Ausnahme.
 
Der Chichi-Markt in Chichicastenango. Er soll einer der bekanntesten und farbenprächtigsten Märkte in Guatemala sein und sowohl Einheimische als auch Touristen anziehen und gilt als einer der ältesten Märkte des Landes. Mithin soll er seit über 1000 Jahren existieren und findet zweimal die Woche statt. Angeboten wird alles, Lebensmittel, Gewürze, lokale Speisen, handgefertigte Textilien, traditionelle Kleidung, Masken, Keramik, Holzschnitzereien, Schmuck und vieles mehr. Das Feilschen gehört zum guten Ton, es wird erwartet, dass man die Preise verhandeln.
 
 
Der Markt ist nicht nur ein Ort des Handels, sondern auch ein soziales und kulturelles Ereignis. Besucher können Maya-Rituale und Zeremonien beobachten, gern vermischt mit dem katholischen Glauben. Sie finden meist in der Nähe der Kirche Santo Tomás statt. 

Das Maya-Highlight – Tikal

Ein Besuch in Tikal, einer der bedeutendsten Maya-Stätten, ist ein unvergessliches Erlebnis. Die archäologische Kernzone umfasst etwa 16 Quadratkilometer, entsprechend wichtig ist gutes Schuhwerk und wetterfeste Kleidung. Wir konzentrieren uns auf die Große Plaza, die Tempel zwei, vier und fünf, den Tempel des Großen Jaguars, den Platz der sieben Tempel und die Nordakropolis. Allein dafür sollte man einen Tag einplanen. Selbst hier liegt vieles noch unter der Erde oder riesigen Steinhaufen. Sogar ganze Pyramiden. 
 
Ist man in dem riesigen Areal unterwegs, sieht man nicht nur Ruinen, sondern auch viel von der Natur herum. Seien es die stachellosen Maya-Bienen, Tukane, Spechte oder Papageien, Brüll- und Spinnenaffen sowie Füchse oder auch Ameisenbären und einen Aguti, der sich von einem Rivalen bedroht fühlte. Nur Pumas oder Jaguare, von denen hier auch über 1000 leben sollten, ließen sich nicht blicken. Das wäre auch eine seltene Ausnahme.
Wir sind an Tempel Vier. Mit rund 70 Metern Höhe die größte Pyramide in Tikal. Er dürfte um 741 nach Christi erbaut worden sein, hat eine rechteckige Basis mit sieben Stufenebenen und ist mit etwa 190.000 Kubikmetern Baumaterial das zweitgrößte präkolumbische Gebäude Amerikas.
 
Einst war Tikal eine der mächtigsten Städte der Maya und erlebte seine Blütezeit zwischen 200 und 900 n. Chr. Die Stadt war bedeutendes politisches, wirtschaftliches und religiöses Zentrum, bekannt für ihre militärische Stärke und ihre Rivalität mit anderen Maya-Städten wie Calakmul. Trotz seiner Stärke wurde Tikal auch mal erobert, erlebte einen Staatsstreich und schlug zurück, eroberte andere Städte. Zu sehen gibt es hunderte von größeren Strukturen, darunter Tempel, Paläste, Wohngebäude und Ballspielplätze.
 
 
Die Architektur zeigt fortschrittliche Baukenntnisse und künstlerische Fähigkeiten. Man schätzt, dass bis zu 100.000 Menschen hier lebten, die Gesellschaft war stark hierarchisch strukturiert, mit einer herrschenden Elite, Priestern, Kriegern, Handwerkern und Bauern. Die Wirtschaft basierte auf Landwirtschaft, Handel und Handwerk. Eine zentrale Rolle spielte – wie eigentlich überall, die Religion. Die Menschen verehrten viele Götter, und Rituale sowie Opferungen waren wichtige Aspekte des religiösen Lebens.
 
Die Maya von Tikal waren auch für ihre Errungenschaften in Kunst, Astronomie und Mathematik bekannt. Sie entwickelten ein komplexes Schriftsystem und den Kalender.
Tikal bietet einen faszinierenden Einblick in die Welt der alten Maya und ist ein Muss für jeden, der sich für Geschichte und Archäologie interessiert.
 
Jährlich besuchen um die 250.000 bis 3000.000 Menschen Tikal. Jeder wird genau registriert, die An- und Abreise erfasst. Das hat seinen Grund. Jede Saison werden in dem riesigen, insgesamt 575 Quadratkilometer umfassenden Dschungelareal Menschen vermisst. Abends darf man nur mit einem lokalen Guide unterwegs sein. Dennoch verliefen sich 2024 fünfzehn Menschen, acht davon konnte man finden und retten, den Rest nicht. Manchmal stößt man nach Jahren auf Skelettreste. Und das sind dann keine alten Mayagebeine.
 
Am späten Nachmittag ging es mit einem lokalen Guide noch einmal zu einer der Pyramiden, um von oben den Sonnenuntergang zu erleben. Die Geräuschkulisse hat sich geändert, erwacht in der Dämmerung doch der Dschungel zum Leben. Besonders die Brüllaffen machen ihren Namen alle Ehre, auch wenn sie kaum zu sehen sind.
 
Zahlreich zu sehen sind wieder die Vögel wie Spechte, Falken, Tukane oder Papageien, ansonsten laufen uns Agutis, Eichhörnchen oder ein Fuchs über den Weg.
 
 
Oben auf den Pyramide ein wunderschöner Sonnenuntergang mit vielleicht 20 weiteren Leuten und den Klängen des Regenwaldes, bevor es in der Dunkelheit zurück geht. Damit endet die Reise zu den Mayas, den alten und den jungen.
 
 

Auf Youtube ist der Film über die Maya zu sehen oder als BluRay in meinem Shop erhältlich

Hier geht es zum ersten Teil in Mexiko, und hier findet sich der zweite Teil durch Belize.

Auf den Spuren der Maya, Teil II in Belize

Wir sind über den Grenzübergang bei Chetumal nach Belize eingereist (hier findet sich der erste Teil der Reise, durch Mexiko). Zuerst besuchen wir die Maya-Höhle am Barton Creek, anschließend die Maya-Community in San Antonio  und die Ruinenstätten Carakol sowie Xunantunixh. Unser Hotel für die nächsten Tage liegt in San Ignacio.

Die Maya-Höhle am Barton Creek

Die Maya Höhle am Barton Creek bietet dem Besucher einen guten Einblick in die unterirdische Welt der Maya. Rein in die etwas sechs Kilometer lange Höhle kommt man mit dem Kanu, einen Kilometer weit kann man bei dem momentanen Wasserstand hinein paddeln. 

Die Maya betrachteten Höhlen als Eingänge zur Unterwelt
und als Orte von großer spiritueller Bedeutung. Archäologische Funde, darunter Keramiken, Werkzeuge und menschliche Überreste, zeigen auf, dass die Höhle für rituelle Opferungen und Zeremonien von großer Bedeutung war. (17 s)

Eine kleinere Plattform im oberen Teil der Höhle wurde von den Maya als zeremonieller Ort genutzt. Für uns nicht erreichbar. Zu sehen gibt es vom Kanu aus ein paar Keramiktöpfe und auch einen Totenschädel. Aber schon die Fahrt durch die enge mit Stalaktiten und Stalagmiten geschmückte Höhle sind die Strapazen der Anreise wert.

Unser Domizil in San Ignacio

Unser Hotel in Belize liegt in San Ignazio, das Maria Guesthouse. In der Stadt wohnen etwa 20.000 Menschen, sie leben vor allem vom Tourismus, der Landwirtschaft und betreiben kleinere Unternehmen. Im Stadtzentrum finden sich mehrere Restaurants und Cafés mit lokaler Küche und einige Handwerkerläden. 

Belize unterscheidet sich spürbar von Mexiko. Hier wird Englisch gesprochen und vieles hat einen karibischen Flair. Auch wenn man wie wir im Landesinneren sind.

Kochen und Töpfern in San Antonio

Von San Ignazio aus geht es zu einer Frauenkooperative in den benachbarten Ort San Antonio. Hier machen wir einen kurzen Kochkurs für Tortillas. Sie sind das Brot der Mayas, das wichtigste Grundnahrungsmittel. Mais gilt als heilig und ist seit Jahrhunderten ein zentrales Element in der Ernährung und Spiritualität der Maya.

Die traditionelle Zubereitung beinhaltet das Mahlen von Mais zu Masa, dem Maisteig auf einer Metate, einer alten Steinmühle, sowie das Formen und Backen der Tortillas auf einem Comal, der flachen Kochplatte.

Die Menschen in San Antonio sind überwiegend Maya. Die genaue Zahl variiert, dürfte aber bei etwa 3500 Bewohnern liegen. Eine Familie hat hier durchschnittlich sieben Kinder. Besonders die Mädchen verlassen nach der Grundschulstufe die Schule, Bildung hat für sie keine hohe Priorität. Staatliche Unterstützung ist schwer zu bekommen, also suchen engagierte Mütter andere Einkommensformen, um ihren Kindern eine bessere Bildung zu ermöglichen. Das führte zu der Gründung der Frauenkooperative in San Antonio, die Handwerks- und Kochkurse für Touristen anbietet und auch einen kleinen Laden besitzt. Ansonsten leben die Menschen von der Landwirtschaft, Handwerk und zunehmend vom Ökotourismus. 

Getöpfert wird auch, man kann selbst Hand anlegen. Zum Einsatz kommt Ton aus lokalen Vorkommen. Er wurde mit etwa 20 Prozent gemahlenen Muscheln vermischt, um die Textur zu verbessern. Gearbeitet wurde von den alten Maya anders als heute in Handaufbautechnik, sie kannten keinen Drehscheibe. Dabei hat man den Ton in Schichten oder Rollen geformt und zusammengedrückt, um die gewünschte Form zu erreichen. Zum Einsatz kamen auch Formen und Modelle, um gleichmäßige Töpfe und Schalen zu erzeugen. Die Oberfläche der Töpferware hat man gern mit Mustern verziert. Zum Einsatz kamen wie heute Farbpigmente aus Pflanzen, Erden und Mineralien. Die Dekorationen hatten oft symbolische Bedeutungen und spiegelten die Kultur und die Glaubensvorstellungen der Maya wider.

Caracol, einst eine Metropole der Maya

Es soll die eine der größten Städte der Maya gewesen sein, Caracol, neben Tikal und Carakmul. So im weiteren Umkreis könnten um die 130.000 Menschen gelebt haben. Dennoch ist es ein weniger besuchter Ort. Als wir in ankamen, dürften an dem Tag etwa dreißig Besucher die Ruinen besucht haben, hochgerechnet auf die Saison werden es vielleicht 5000 sein.

Wir beginnen unseren Rundgang vor dem mit 45 m höchsten Gebäude, der sogenannte Himmelspalast Caa-Na. Allein das Zentrum der Stadt umfasst um die 17 Quadratkilometer, das gesamte Areal über 200 Quadratkilometern. Um die 30.000 Gebäude sollen sich hier befinden, fast alle noch vom Dschungel begraben oder als gigantische Steinhaufen herausragend, obwohl schon seit Jahrzehnten geforscht und ausgegraben wird.

Oben auf der Caa-Na findet sich noch eine größere Plattform mit drei weiteren Pyramiden. Der Aufstieg lohnt allein der Übersicht wegen.

Caracol erlebte ihre Blütezeit während der klassischen Periode der Maya-Zivilisation, ungefähr zwischen 600 und 900 n. Chr. Die Stadt wurde 1937 von einem Holzfäller entdeckt, während er Mahagoni suchte.

In Caracol fand man mehrere Stelen und Altäre mit Inschriften und Reliefs, die historische Informationen über die Stadt und ihre Herrscher lieferten. Sie beschreiben, wie mächtig Caracol einst war, sogar rivalisierende Städte wie Tikal in Guatemala besiegte. Die Inschriften in Caracol berichten von militärischen Siegen und der politischen Dominanz der Stadt über die Region. Die Maya-Zivilisation war bekannt für häufige Konflikte zwischen den Stadtstaaten. Die Kriege spielten eine zentrale Rolle in deren Geschichte und Entwicklung, wurden geführt, um die politische Vorherrschaft in einer Region zu erlangen oder auszubauen. Die Kontrolle über Handelsrouten und Ressourcen wie Wasser, Land und Prestigeobjekte waren häufige Auslöser für Konflikte, zudem hatten sie oft auch eine rituelle Dimension, wobei Gefangene für Opferungen genutzt wurden, um die Götter zu besänftigen und die Macht der Sieger zu demonstrieren.

Tikal und Caracol waren in einen jahrhundertelangen Konflikt verwickelt, der als Schlangenkrieg bezeichnet wird. Sie bildeten große Allianzen mit anderen Städten und führten zahlreiche Schlachten gegeneinander. Langanhaltende Kriege konnten jedoch zum Niedergang von Städten führen, da Ressourcen erschöpft und die Bevölkerung dezimiert wurde. Waffen, die zum Einsatz kamen, waren Speere, Speerschleudern, Keulen und Bögen.

Immer wieder sieht man auch Militärpatrouillen. Sie schützen die Besucher vor guatemaltekischen Räubern, die über die nahe Grenze kommen und früher schon mal Fahrzeuge auf dem Weg nach Caracol überfallen haben. Zudem schauen sie nach illegalen Holzfällern oder Wilderern, die ebenfalls über die Grenze kommen.

In den Ruinen von Xunantunich

Bevor es über die Grenze nach Guatemala geht, schauen wir uns früh morgens noch die Ruinen von  an. Ihre Blütezeit hatte die Stadt um 600 bis 900 n. Chr., sie wurde im späten 19. Jahrhundert wiederentdeckt und ist seitdem Gegenstand zahlreicher archäologischer Untersuchungen. 

Das beeindruckendste Bauwerk ist El Castillo, eine rund 43 Meter hohe Pyramide. Von ihrer Spitze aus hat man einen wunderbaren Blick auf die umliegende Landschaft, einschließlich der Maya Mountains und des Mopan Rivers.

Die Stätte umfasst mehrere Plätze, Tempel und Paläste, die um sechs Hauptplätze angeordnet sind. Der Name Xunantunich bedeutet Steinerne Frau und bezieht sich auf eine lokale Legende über eine geisterhafte Frau, die angeblich in der Stätte gesehen wurde.

Auf Youtube ist der Film über die Maya zu sehen oder als BluRay in meinem Shop erhältlich

Hier geht es weiter zum dritten Teil in Guatemala mit Tikal, und hier findet sich der erste Teil, durch Mexiko

Auf den Spuren der Maya, Teil I in Mexiko

Ausgangspunkt Tulum

Die Mayas – Ihre Zivilisation entwickelte sich über Jahrtausende und ist bekannt für ihre kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen. Sie lebten einst in den Gebieten der heutigen Staaten Mexiko, Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador. Wir besuchen auf unserer Reise die wichtigsten Stätten aber auch manch unbekanntes in Mexiko, Belize und Guatemala.

Unser erster Besuch gilt der archäologischen Stätte Tulum, sie liegt auf einer Klippe mit Sicht auf das Meer. Etwas ungewöhnlich für die Bauten der Mayas, doch diese Lage machte Tulum zu einem wichtigen Zentrum für den Handel mit Salz, Honig und Textilien.
Tulum wurde erst im 12. Jahrhundert gegründet und war eine der letzten Maya-Städte, die während der Ankunft der Spanier noch bewohnt war. Umgeben ist Tulum von einer Mauer, einzigartig unter den Maya-Städten. Das zeigt die militärische Bedeutung des Standorts. Archäologisch nur von untergeordneter Bedeutung. Ist Tulum heute ein beliebtes Touristenziel, das für seine Strände, die archäologischen Stätten und die natürliche Schönheit der Umgebung bekannt ist.

Auf Youtube ist der Film über die Maya zu sehen oder als BluRay in meinem Shop erhältlich

Über Coba nach Chichén Itzá

Auf dem Weg nach Chichén Itzá erreichen wir nach etwa 20 Minuten Fahrzeit die antike, weniger bekannte Stätte Coba. Dabei handelt es sich um einen originalen Stadtnamen, er wird in einer Inschrift auf einer Stele erwähnt. In der um 200 n. Christus errichteten Stadt ist weniger los, obwohl sie eine bedeutende archäologische Stätte der Maya ist und sich mit der 42 m hohen Nohoch Mul die höchste Pyramide der Yucatán-Halbinsel befindet.

Einst war Coba ein wichtiges kulturelles und wirtschaftliches Zentrum und bekannt für sein weitläufiges Straßennetz, das die Stadt mit anderen Maya-Stätten verbindet.

Die Stadt hatte um die 20.000 Einwohner. Sie nahm eine Fläche von 80 Quadratkilometern ein, wobei die Maya-Städte eher einen offenen Siedlungscharakter aufwiesen. Um ein dichter bebautes Zentrum mit den Palästen und religiösen Stätten befand sich eine lose Bebauung mit deutlich abnehmender Gebäudedichte zu den

Die längeren Wege zwischen der Ruinen legt man am besten mit dem Fahrrad oder einer Rikscha zurück. Letzteres ist unsere Wahl. Rechts und links des Weges sieht man zahlreiche größere Steinhaufen von bisher noch nicht ausgegrabenen Gebäuden. Meist ist nur ein kleiner Teil der Maya-Stätten erforscht und restauriert. Rändern hin.

Chichén Itzá

Von Coba knapp zwei Fahrstunden entfernt liegt mit Chichén Itzá eine der bekanntesten und bedeutendsten Maya-Stätten. Dafür nehmen wir uns einen ganzen Tag Zeit. Die Stätte ist Weltkulturerbe der Unesco und wurde 2007 als eines der neuen sieben Weltwunder gewählt. Chichen Itza zieht jährlich mehrere Millionen Besucher an. Mit einer Fläche von über 1500 Hektar handelt es sich um einen der größten archäologischen Stätten in Yucatán. Im Zentrum finden sich zahlreiche monumentale Repräsentationsbauten mit religiös-politischem Hintergrund, aus denen die große, weitestgehend erhaltene Stufenpyramide Kukulkan herausragt. Zwischen dem 8. und dem 11. Jahrhundert muss diese Stadt eine überregional bedeutende Rolle gespielt haben. Wie diese genau aussah, konnte bisher nicht geklärt werden.

Das sicherlich markanteste Bauwerke von Chichen Itza ist die Pyramide von Kukulkan, auch bekannt als El Castillo. Diese Stufenpyramide hat 91 Stufen auf jeder der vier Seiten, was zusammen mit der Plattform oben 365 Stufen ergibt – eine symbolische Darstellung des Sonnenjahres.

Die Pyramide von Kukulkan

Chichen Itza ist auch bekannt für den große Ballspielplatz, den größten seiner Art in Mesoamerika. Das Ballspiel der Maya, bekannt als Pok-a-Tok oder Pitz, war wichtiger Bestandteil ihrer Kultur und Gesellschaft. Es wurde mit einem Gummiball aus Kautschuk gespielt. Ziel war es, den Ball durch einen ringförmigen Durchlass an der Wand des Spielfelds zu befördern, üblicherweise ohne die Hände zu benutzen. Die Spieler mussten den Ball mit Hüften, Schultern oder Knien bewegen. 

Die Ballspieltechnik in Chitzen Itza am großen Ballspielplatz

Der Ballspielplatz in Chichen Itza hat jedoch eine ungewöhnliche Form, also nicht die übliche Schräge, wo der Ball rollt. Deswegen spielte man hier laut den Forschungen unseres Guides, Jens S. Rohark Bartusch, zugleich Buchautor und Maya-Spezialist, eher mit einem Schläger: „Ein Objekt, sehr wahrscheinlich aus Holz geschnitzt, mit einem Griff, jetzt hätte der Spieler mit der Unterseite des Schlägers gespielt, den Ball gestoßen, manchmal kniet er oder fast, rennt ein Stück, und tatsächlich sieht man bei den Relieftafeln hier im Hintergrund, dass sie alle nur rechts Knieschutz haben, links nur ein bisschen Schmuck, So hätte das ausgesehen.“ Das Zitat stammt aus dem Film zur Reise – Auf den Spuren der Maya

Das Ballspiel hatte nicht nur einen sportlichen, sondern auch einen tiefen kulturellen und religiösen Kontext. Es symbolisierte oft den Kampf zwischen Gut und Böse und war mit den Zyklen der Natur und der Landwirtschaft verbunden. Das Spiel konnte auch rituelle Elemente beinhalten, es gibt Hinweise darauf, dass die Spiele manchmal mit Menschenopfern endeten, insbesondere wenn es um wichtige religiöse Feste oder Zeremonien ging.

Besonders interessant ist zudem El Caracol, eine bemerkenswerte architektonische Struktur in Chichen Itza, die oft als Observatorium der Maya bezeichnet wird. Der Name El Caracol bedeutet auf Spanisch die Schnecke, was sich auf die spiralförmige Treppe bezieht, die zur oberen Plattform führt. Die Struktur wurde im 10. Jahrhundert n. Chr. erbaut und hebt sich durch ihre einzigartige Bauweise und Funktion von anderen Gebäuden ab.
El Caracol verfügt über runde Wände, ein gewölbtes Dach und Fenster, die auf bedeutende astronomische Ereignisse ausgerichtet sind. Die Maya waren äußerst versiert in der Astronomie und verwendeten das Bauwerk, um Himmelskörper wie die Sonne, den Mond und die Sterne zu beobachten. Es wird angenommen, dass die Struktur eine wichtige Rolle bei der Berechnung von Jahreszeiten, Feiertagen und landwirtschaftlichen Zyklen spielte.

Die Struktur von Caracol

Abends findet eine Lasershow im Zentrum statt, in der die Geschichte mit Projektionen auf der großen Pyramide dargestellt wird. Leider nur auf Spanisch.

Von Chichen Itza nach Ticul

Von Chitzen Itza fahren wir Richtung Ticul, bleiben mehrere Tage und besuchen Muno, Yaxcopoil und Uxmal. Auch Kabah, Sayil und Labna, selten besuchte Maya-Ruinen stehen auf dem Programm.

Unser Hotel für die nächsten vier Tage ist die Hacienda María Elena, erbaut im 19. Jahrhundert. Die Hacienda zeichnet sich durch ihre koloniale Architektur aus, mit großen Innenhöfen, hohen Decken und schönen Ziegeldächern. Ursprünglich war es ein landwirtschaftlicher Betrieb für die Produktion von Henequen, einer Faserpflanze, aus der langlebige Produkte wie Seile und Matten hergestellt wurden.

Nahe gelegen finden sich in Muno zwei schöne Handwerksbetriebe, die Replikate alter Maya-Artefakte herstellen, auch für Museen weltweit. Sie liegen abseits touristischer Pfade, bieten mithin beste Qualität zu bezahlbaren Preisen. Hat wenig mit den üblichen Souvenirs an den touristischen Hot-Spots zu tun.

Abends treffen wir in Santa Elena eine Maya-Familie, kochen mit ihr ein traditionelles Gericht und erfahren damit viel über den Speiseplan der Maya. In den Dörfern ist er seit Jahrhunderten fast unverändert, viele besitzen eigene Nutztiere oder bauen Obst und Gemüse selbst an. Die Speisen der Maya basieren auf Mais als Grundnahrungsmittel und Herzstück der Maya-Küche etwa in Form von Tortillas, Tamales und Atol, einem dickflüssigen Mais- Getränk. Bohnen, die oft mit Mais kombiniert werden, dürfen nicht fehlen wie auch Kürbisse für Suppen und Eintöpfe, für Schärfe und Geschmack sorgen Chillies. Gern verwendet werden zudem Avocado und Tomaten und in Getränken und Süßspeisen findet sich Kakao.

Am kommenden Morgen ging es zu der Sisal-Hazienda Yaxcopoil. Gegründet im 19. Jahrhundert spielte sie eine bedeutende Rolle in der Sisalproduktion, einem Naturfaserprodukt, das aus den Blättern der Agave-Pflanze gewonnen wird. Damit ließ sich Mitte des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts sehr viel Geld verdienen, zumal die Maya-Arbeiter mehr oder weniger umsonst arbeiten mussten. Nachdem ein Mindestlohn eingeführt wurde, druckten die Plantagenbesitzer ihr eigenes Geld, bezahlten damit die Arbeiter, die mit dem Geld aber nur in den Läden der Plantagenbesitzer einkaufen konnten.

Yaxcopoil war eine der größten Sisal-Plantagen in der Region und trug zur wirtschaftlichen Entwicklung Yucatáns bei. Die Hazienda umfasst mehrere Gebäude, darunter ein Herrenhaus, Maschinenhäuser und Wohnräume für Arbeiter.
Sisal-Fasern werden für Seile, Kordeln, grobe Garne, Teppiche oder kunsthandwerkliche Produkte verwendet und sind auch heute noch weltweit eine der wichtigsten Naturfasern.

Da wir genügend Zeit hatten, ging es noch zu einem Kakaomuseum. Ein Rundweg führt zu mehreren kleineren im Maya-Stil errichteten Gebäuden, in denen vom Anbau bis zur Schokoladenherstellung alles erklärt wird. Kakao war für die Maya ein wichtiges Nahrungsmittel, wertvolles Handelsgut, Zahlungsmittel und spielte eine zentrale Rolle in Ritualen und Zeremonien. Schokolade wurde gern als Getränk konsumiert und war ein Symbol für Reichtum und Macht der Eliten. Die Wirtschaft der Maya basierte auf Landwirtschaft, Überschüsse ermöglichten den Handel mit anderen Maya-Städten und Regionen. Handelsware waren auch Jade, Textilien, Töpferwaren oder eben Kakao.

Wichtig war der Schaum auf dem Kakao, der durch Aufblasen in speziellen Gefäßen, durch umrühren und aufschäumen oder umgießen in größere Gefäßen erzeugt wurde. Milch gab es bei den Mayas nicht. Natürlich lässt sich an einer Station auch das Getränk mit verschiedenen Würzungen wie Vanille oder Chili probieren.

Die Ruinen von Uxmal

Wir sind jetzt in der archäologischen Stätte von Uxmal. Vieles hier liegt wie andernorts auch noch unter der Erde, obwohl schon seit den 30er-Jahren geforscht und ausgegraben wird. Die Stadt hatte ihren Höhepunkt zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert nach Christus und ist bekannt für die beeindruckende Architektur sowie kunstvolle Reliefs und Stuckarbeiten. Uxmal gehört zu den sogenannten Puuc-Stätten, die für ihren charakteristischen Baustil bekannt sind, der sich durch hohe Mauern, große Tempel und reich verzierte Fassaden auszeichnet und der in der Endphase der Maya-Kultur entstand. Hieroglyphen gab es kaum mehr, so dass es schwerer ist, Daten und Fakten zu der Geschichte zu eruieren.

Sehenswert ist der Gouveneurspalast, der Palacio del Gobernador, vor allem wegen seiner Länge von 98 Metern und den kunstvollen Reliefs. Die spanischen Namen dachten sich die ersten Entdecker nur aus, der Palast dürfte eher etwas mit dem Planeten Venus zu tun gehabt haben aufgrund einiger Reliefs. Es gilt als eines der schönsten Beispiele für Puuc-Architektur.

36 Meter hoch ist die Zwergenpyramide von Uxmal, so heißt sie, weil ein Zwerg diese Pyramide in einer einzigen Nacht erbaut haben soll, so zumindest wird erzählt. Die Pirámide del Adivino, die magische hat eine ovale Form und ist sicherlich das beeindruckenste Bauwerk in Uxmal.

Labna, Sayil und Kabah – selten besucht

Abseits touristischer Pfade liegen die selten besuchten Ruinen Kabah, Sayil und Labna. Stellenweise waren wir allein unterwegs. Kabah dürfte seine beste Zeit zwischen 800 und 1000 n. Chr. gehabt haben. Das herausragendste Gebäude ist der Codz Poop, der Palast der Regengötter. Es sollen um die 260 Regengottmasken sein.

Chaac zeigt die Bedeutung des Wassers für die Maya in dieser Region auf. Waren sie doch von genügend Regen für die Landwirtschaft abhängig. Hier gibt es keine Cenotes und Oberflächenwasser, so dass die Maya eben auf den Regen angewiesen waren und das Wasser auch in Zisternen sammelten.

In Sayil kann man sich fast wie die ersten Entdecker fühlen, da das meiste noch nicht erforscht und ausgegraben ist. Stellenweise ist man von meterhohen Schutthügeln alter Gebäude umgeben und die Ruinen sind von einer üppigen Vegetation bewachsen. Besiedelt wurde Sayil vermutlich etwa zwischen 600 und 1000 n. Chr. Die Stadt erlebte ihre Blütezeit im 9. und 10. Jahrhundert. Eines der auffälligsten Gebäude ist das große Palastgebäude, die Fassade weist zahlreiche Säulen auf und ist mit verschiedenen Reliefs geschmückt, die mythologische Szenen und Tiere darstellen.

In Labna findet sich der wohl schönste Torbogen der Maya-Welt. Er verbindet zwei große Gebäudekomplexe und ist reich mit Reliefs und Symbolen verziert, auch wenn man Statuen schon in früheren Zeiten gestohlen hat. Labna war Teil eines Netzwerks von Städten in der Puuc-Region und ist durch eine alte Straße, eine sogenannte Sacbé, mit Städten wie Uxmal und Kabáh verbunden. Ein weiteres bedeutendes Bauwerk ist das El Palacio, ein langes Gebäude mit zahlreichen Räumen und kunstvoll verzierten Fassaden.

Pomuch, Becal, Campeche und Ich-Eck

Wir verlassen die Hacienda, fahren zuerst nach Becal, wo Panama Hüte handgefertigt werden. Becal ist eine kleine Stadt im Bundesstaat Campeche, eben bekannt ist für die handgefertigten Hüte.
Gefertigt werden sie vor allem aus den Blattfasern der Jipi-Japa-Palme. Einzigartig ist, dass viele Hüte in Höhlen gewebt werden. Sie bieten das feuchte Klima, das notwendig ist, um die feinen Fasern zu bearbeiten, damit sie nicht brechen.
Die Hüte zu produzieren ist ein aufwändiger Vorgang. Ein sehr feiner Panamahut kann mehrere Monate in der Herstellung benötigen.

Es gibt ihn in verschiedenen Qualitätsstufen, abhängig von der Faser, des Muster und besonders von der Anzahl der Knoten pro Quadratinch. Eine Verdoppelung der Maschenzahl erhöht die Zeit für das Weben um das Vierfache.

Anschließend ging es zum Maya-Friedhof in Pomuch. Der in einem kleinen Dorf liegende Friedhof ist bekannt für seine einzigartigen und faszinierenden Begräbnisrituale, die tief in der Maya-Tradition verwurzelt sind. Diese Traditionen zeigen sich besonders während der Feierlichkeiten zum Día de los Muertos, zum Tag der Toten.
Man reinigt dabei die Knochen verstorbener Angehöriger. Sie werden aus den Grabstätten entfernt, gereinigt und in handgefertigte, bunt verzierte Holzkisten gelegt. Diese Kisten platziert man offen auf den Gräbern. Das Reinigen und Schmücken der Kisten durch die Familien erfolgen jährlich, besonders um den Día de los Muertos herum. So erinnert man sich an die Verstorbenen. So seien diese Praktiken Ausdruck des Respekts und der Liebe der Maya zu ihren Vorfahren. Sie spiegeln den Glauben wider, dass die Toten weiterhin Teil der Gemeinschaft sind und durch diese Rituale geehrt werden.

Trotz der Einflüsse der Moderne und anderer Kulturen haben viele Maya-Gemeinschaften ihre traditionellen Begräbnisrituale bewahrt. Der Día de los Muertos ist ein farbenfrohes Fest, das Anfang November stattfindet. Ein Tag ist dem Gedenken an verstorbene Kinder gewidmet und wird als Día de los Angelitos bezeichnet.Bei den Feierlichkeiten errichten die Familien Altäre, die mit Fotos, Kerzen, Blumen und den Lieblingsspeisen und Getränken der Verstorbenen geschmückt sind. Auch Totenköpfe aus Zucker und das traditionelle Pan de Muerto, gehören dazu wie Tanz und Musik.

Wir sind jetzt in Campeche, seit 1999 ist die Altstadt Weltkulturerbe der Unesco. Die Kolonialstadt ist reich an Geschichte und Kultur. Gegründet von den Spaniern im 16. Jahrhundert entwickelte sie sich schnell zu einer wichtigen Hafenstadt. Geprägt ist sie aber nicht allein durch die Spanier, sondern auch durch alte Maya-Traditionen. Feste, Musik und Tänze, wie der Danza de los Pajaritos, sind wichtige Bestandteile des kulturellen Lebens. Bei dem Tanz der kleinen Vögel, so die Bedeutung, ahmen die Tänzer die Bewegungen von Vögeln nach. 

Vielfältig und schmackhaft ist zugleich die Küche von Campeche, mit einem starken Fokus auf Meeresfrüchte. Gerichte wie Pan de Cazón, ein Tortilla-Gericht mit Haifisch und frische Fischgerichte sind lokale Spezialitäten.

In Ich-Eck befindet sich eine Frauenkooperative, die sich auf die traditionelle Imkerei mit einer einheimischen Bienenart befasst. Die Melipona-Bienen sind stachellose Bienen, die für ihren hochwertigen und medizinisch wertvollen Honig bekannt und für die Maya-Kultur von großer Bedeutung sind. Die Bienen produzieren nur geringe Honigmengen, der ist deswegen recht wertvoll. In der Maya-Kultur hält man diese Bienen seit Jahrhunderten. Sie sind ein Symbol für Fruchtbarkeit und Wohlstand, und ihre Haltung hat eine lange Tradition in der Region. Die Kooperative wird hauptsächlich von Frauen geführt, die durch diese Arbeit finanzielle Unabhängigkeit und eine stärkere Rolle in ihrer Gemeinschaft erlangen.

Die Ruinen von Tohcok und Chicanná 

Vor Calakmul besuchen wir mit Tohcok noch eine kleinere Maya-Ruine, die zwischen 250 und 900 n. Chr besiedelt war und eine Zeit lang ein wichtiger Standort für Handel und politische Aktivitäten in der Region. Die Ruinen wurden spät entdeckt und sind kaum touristisch erschlossen, was ihnen eine gewisse Abgeschiedenheit und Authentizität verleiht. So waren wir anfangs die einzigen Besucher neben den Wächtern, bis eine Schulklasse eintraf.

Zu guter Letzt sind wir in den Maya-Ruinen von Chicanná unterwegs. Sie liegen an der Ruta Puuc, einer Route, die mehrere Maya-Stätten miteinander verbindet. Eines der sehenswertesten Gebäude ist das Haus des Mundes der Schlange mit seiner eindrucksvollen Eingangsfassade. Hier waren wir die einzigen Besucher zu dieser Zeit. An verschiedenen Stellen finden sich noch Reste der Farbgebung, viele Gebäude waren rot angestrichen. Mehrere Farben, etwa Rot, Weiß oder Blau waren für die Maya heilig, jede mit einer Himmelsrichtung und Göttern verbunden.

Die Maya kannten keine Rundbögen, sondern neigten die Wände ab einer gewissen Höhe nach innen, bis sie sich fast berührten und schlossen mit einem horizontalen Deckstein ab. So entstand ein auf dem Kopf stehendes V. Aus statischen Gründen waren die Räume deswegen immer sehr schmal.

Calakmul, die Ruinen und Fledermäuse

Die archäologischen Stätte von Calakmul ist tief im Regenwald der Region Petén gelegen. . Allein vom Eingang des Nationalparks Reserva de la Biósfera de Calakmul bis zu den Ruinen sind es 60 Kilometer. Deshalb schaffen es jährlich nur um die 30.000 Besucher hier her, etwa so viel in zwei/drei Tagen in Chitzen Itza oder Tulum. Dabei handelt es sich um eine der größten bisher entdeckten Maya-Städte mit vermutlich über 100.000 Bewohnern. Auf 30 Quadratkilometern finden sich über 100 Kolossalbauten, insgesamt sind 5000 steinerne Gebäude bekannt. Der Großteil ist weder ausgegraben noch näher erforscht, das meiste liegt verborgenen in dem Dschungelareal.

Hier darf man die Pyramiden besteigen, in Mexiko inzwischen ob der Besucherzahlen und Unfallgefahren eher die Ausnahme. Von der größten Pyramide mit rund 50 Meter Höhe hat man einen wunderbaren Blick auf den Regenwald, immer wieder sieht man auch die Reste einstiger Paläste und andere Pyramiden aus dem Dickicht des Dschungels ragen.

In Calakmul fand man mehrere Stelen mit Inschriften, die wertvolle Informationen über die Geschichte, Politik und Gesellschaft der Maya liefern. Viele Stelen wurden aber noch bis in die 70er-Jahre hinein gestohlen, zersägt und im Kunsthandel in Teilen verkauft – selbst von einem namhaften Archäologen. So gingen wertvolle Informationen für immer verloren.

Calakmul war einst ein bedeutender Rivale der Stadt Tikal und spielte eine zentrale Rolle im politischen Gefüge der Maya-Welt. Es war Teil eines größeren Netzwerks von Maya-Städten und hatte Einfluss auf weite Teile der Region. Seinen Höhepunkt erreichte die Stadt zwischen 600 und 900 nach Christus.

Abends ging es zur Flederhaushöhle von Calakmul, ein faszinierendes Naturschauspiel. Die Höhle ist bekannt für die enorme Anzahl an Fledermäusen – man schätzt etwa drei bis vier Millionen Tiere, die dort leben und sie all abendlich in großen Schwärmen verlassen, um auf Nahrungssuche zu gehen. Eine einzige Fledermaus vertilgt pro Nacht zwischen 1000 und 4000 Insekten, meist Stechmücken. So fressen sie etwa 15 Prozent ihres Körpergewichtes. Pro Nacht dürften es etwa zwei Tonnen an Insekten sein, die die Fledermausschar vertilg. Ein unvorstellbare Zahl von um die sechs Milliarden Insekten.

Spät entdeckt, Ichkabal

Erst seit Anfang Februar 2025 für Besucher zugänglich sind die Ruinen von Ichkabal. Wieder entdeckt hat man sie um 2009, seitdem forschen Archäologen und fokussieren sich dabei auf vier Areale. Spät entdeckt wurden sie, weil der Dschungel hier unberührt und von der Zivilisation völlig isoliert ist.

Auch wenn noch viele Fragen offen sind, vermutet man inzwischen, dass es sich um eine der älteren Maya-Stätten handelt, schon um 1000 v. Chr. gegründet worden sein könnte und ihre Hochphase um 250 v. Chr. bis 900 n. Chr. liegen dürfte. In Ichkabal finden sich architektonische Strukturen, die man in bisher erforschten Maya-Ruinen noch nie entdeckt hatte. Eines der Gebäude ist mehr als 40 Meter hoch und misst an der Pyramidenbasis 200 Meter. Das ist das Vierfache der Grundfläche der Hauptpyramide Kukulcan in Chitzen Itza.

Zudem verfügt die Stadt über eine künstliche Wasserstelle r in einer fast perfekten Rechteckform. Steine am Ufer verhinderten die Erosion, so ist sie seit den Maya-Zeiten in ihrer Gesamtheit erhalten geblieben. Nach Ansicht der Archäologen könnten hier noch unbekannte landwirtschaftliche Methoden angewandt worden sein. 

Unverständlicherweise ist hier weder Fotografieren noch Filmen mit Kameras erlaubt, das gilt auch für kleine Actions-Cams. Warum konnte einem keiner sagen, auch gab es keine Verbotsschilder, nur die Wächter am Eingang, die keine Kameras auf dem Gelände erlaubten. Handys dagegen waren kein Problem, damit durfte man dann auch filmen und fotografieren. 

Hier geht es zu Teil II der Reise, nach Belize, und hier zu Teil III nach Guatemala mit Tikal.

 

Südkorea 2024 – das Land der Morgenstille

Eine Reise nach Japan und Südkorea, Teil 2 – Südkorea

Obwohl zwischen Fukuoka in Japan und Busan in Südkorea nur knapp über 200 km liegen, sind es dich zwei recht unterschiedliche Länder. Die Menschen unterscheiden sich spürbar. So jedenfalls unser erster Eindruck. Die Südkoreaner wirken westlicher geprägt, die Gelassenheit und Rücksichtnahme sind nicht so ausgeprägt wie in Japan, eher wie in Deutschland, man hört erstmals wieder hupende Autos, wenn auch recht selten. Während in Japan die Menschen stärker auf die Gesellschaft ausgerichtet sind und sich entsprechend verhalten, fokussieren sich die Südkoreaner eher auf die Familie und sich selbst. Auch das Essen ist unterschiedlich ebenso wie Sprache und Schrift.

Unsere Route in Südkorea: Busan, Ulsan, Gyeong-ju, Seoul

Hier geht es direkt zum Reisebericht Japan

Tag 12 und 13 – Busan, die Metropole im Süden

Wir starten unseren Kurztrip im Land der Morgenstille, wie Südkorea auch genannt wird, ganz im Süden in Busan und bleiben zwei Nächte. Einen guten Überblick über die Stadt hat man vom Busan Tower aus. Der Turm liegt im Yongdusan-Park auf dem Drachenkopfberg. Man benötigt aber viel Fantasie, um in der Form des kleinen, gerade mal 69 Meter hohen Berges einen Drachenkopf zu erkennen. Der Turm entstand 1973 als Radio- und Fernsehturm, wurde 2021 umfassend renoviert.

Am Folgetag beginnen wir einen Besuch bei der jüngeren Geschichte des Landes, am UN Memorial Park. Er ist den gefallenen UN-Soldaten des Koreakrieges von 1950 bis 1953 gewidmet. Es ist der weltweit einzige UN-Friedhof. Damals unterstützen 16 Nationen den Süden militärisch unter US-Führung im Kampf gegen das kommunistische Nordkorea. Die meisten der Gefallenen stammen aus den USA, die damals das größte UN-Truppenkontigent stellten. 2320 Gräber befinden sich heute auf dem 1951 errichteten Friedhof, der seit 1959 unter UN-Verwaltung steht. Die gefallenen US-Soldaten wurden in ihrer Heimat beerdigt. 2006 kam die Wall of Remembrance hinzu, auf der die Namen aller 40896 getöteten UN-Soldaten eingraviert wurden.

Jeden Tag um zehn Uhr wird die UN-Flagge von Soldaten feierlich gehisst und um 16 Uhr wieder eingeholt. Es finden sich auch jüngere Gräber auf dem weiträumigen Gelände, hier sind inzwischen verstorbene Veteranen beerdigt, die bei ihren gefallenen Kameraden ihre letzte Ruhestätte finden wollten. Auch einige Ehefrauen damals gefallener Soldaten wurden auf ihren Wunsch hin inzwischen hier bestattet. Einmal im Jahr wird in Korea auch der Memorial Day zelebriert, ein Nationalfeiertag. Insgesamt dürften im dreijährigen Koreakrieg um die 4,5 Millionen Menschen getötet worden sein, vor allem Zivilisten.
Die Spaltung des Landes hält bis heute an, an der 243 Kilometer langen und vier Kilometer breiten Demarkationslinie gibt immer wieder vereinzelte Schusswechsel und Zwischenfälle, mehrere Hunderttausend Soldaten – manch Quelle spricht von einer Million – stehen sich gegenüber. Während sich Südkorea zu einer der bedeutendsten Volkswirtschaften entwickelte und seit Ende der 80er-Jahre eine stabile Demokratie ist, ist Nordkorea trotz einer einst besseren Ausgangslage ein unterentwickeltes Land, in dem viele dauerhaft unterernährt sind. Die Wirtschaft ist deutlich am Militär ausgerichtet. Das diktatorisch regierte Land ist gemessen am Bruttosozialprodukt mit weitem Abstand das Land mit den höchsten Militärausgaben weltweit.

Der nächste Stopp war der nahe Busan gelegene buddhistische Haedong Yonggungsa-Tempel, der auf einer Klippe am Meer thront. Erbaut hat man ihn im Jahre 1376. Nach seiner Zerstörung während des siebenjährigen Imjin-Krieges zwischen Japan und Korea im Jahr 1592 wurde er 1930 rekonstruiert, das Hauptheiligtum 1970. Seinen aktuellen Namen erhielt er 1974, als der Mönch Jeongam von einem weiß gekleideten Buddha träumte, der auf einem Drachen in den Himmel flog.
Der Weg zum Tempel führt über eine von großen Steinlaternen gesäumte Treppe mit 108 Stufen. Jede der Stufen steht für eine weltliche Begierde im Sinne des Buddhismus. 

Gamcheon Cultural Village

Nach einem typisch koreanischen Mittagessen geht es zum Gamcheon Cultural Village, ein malerisches Viertel mit bunten Häusern und Kunstwerken. Gamcheon war einst ein Slum, gegründet von Flüchtlingen aus dem Koreakrieg. Nachdem 1950 Truppen aus Nordkorea fast das ganze Land erobert hatten, bis auf das kleine Gebiet im Südosten um Busan, kamen viele Flüchtlinge hier her. Sie erbauten ihre Häuser treppenförmig an den Ausläufern eines Küstenbergs. Im Laufe der Zeit verließen das Dorf, Häuser standen leer und verfielen. Das änderte sich ab 2009 dank einer Initiative von Bewohnern, Studenten, Künstlern und der Lokalregierung. Sie begannen das Dorf im Rahmen des Village Art Projects zu schmücken, luden Künstler ein und stellten ihnen leere Räumlichkeiten mietfrei zur Verfügung. Viele Gassen sind mit Wandmalereien und Skulpturen der Bewohner geschmückt.

In das Dorf mit seinen weniger als 9.000 Einwohnern kommen jährlich 160.000 Besucher. Es wird gern als Musterbeispiel für eine Stadterneuerung herangezogen. Eine Kooperative der Bewohner hat ein Sozialunternehmen gegründet, um die zahlreichen Souvenirläden, Cafés, Restaurants, das Hostel und den Parkplatz zu verwalten.
Die Entwicklung stößt aber nicht überall auf Gegenliebe. Zwar wissen alle, dass man ohne die vielen Besucher weiterhin arm wäre und immer mehr im Ort verfallen würde, aber negativ sei, dass die meisten älteren Bewohner das Dorf verlassen hätten und die Händler alle von außen kämen. Einheimische würden ihre Häuser vermieten oder verkaufen. Zudem würden viele von dem Touristenboom gar nicht profitieren. Das aber scheinen nur Einzelstimmen zu sein.

Weiter geht es zum Gukje Market, er befindet sich in überdachten Hallen und ist einer der ältesten Märkte in Busan. Er bietet eine enorme Vielfalt an Waren und kulinarische Köstlichkeiten. Auch ihn gründeten einst koreanischen Flüchtlinge, um mit dem Verkauf von geschmuggelten oder importierten Waren ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Daraus entwickelte sich der heutige Markt. Gukje bedeutet auf Koreanisch international.
Er ist in den über 60 Jahren seines Bestehens zu einem der größten Märkte Koreas angewachsen, die Gassen sind voll von Ständen, an denen alle mögliche gehandelt wird. Seien es Maschinen, Werkzeuge, Küchengeräte und Kleidung oder Lebensmittel.

Unser letzter Halte für den heutigen Tag ist der Jagalchi Fish Market, dem größten Fischmarkt in Korea. Es soll Busans farbenprächtigste Sehenswürdigkeit sein, und das nicht nur morgens, wenn die Fischer ihren Fang an Land bringen, sondern den ganzen Tag über. Er erstreckt sich über mehrere Hundert Meter entlang des Ufers und ist von kleinen Restaurants gesäumt. Wir haben schon einige Fischmärkte auf der Welt besucht, aber so einen noch nicht. Denn eigentlich alles Meeresgetier hier lebt noch und wird in Bassins und Becken aufbewahrt. Frischer geht es nicht. Zu finden ist alles, was hier im Meer lebt, von großen Kraken über Hummer bis hin zu Haien und Seegurken, Schnecken und Muscheln.

Tag 14 – Auf dem Weg nach Gyeongju

Es geht nordwärts mit dem Auto. Unterwegs machen wir einen Halt im Ulsan Daewangam Rock Park. Es regnet schon den ganzen Tag, recht kräftig. Dennoch unternehmen wir eine einstündige Wanderung. Der schön angelegte Weg führt durch eine von schwarzen Pinien, Kirschbäumen, Magnolien und Kamelien geprägten Landschaft am Meer entlang mit schönen Felsformationen, die durch Wind und Wasser geformt wurden. Am Ende des Wanderwegs findet sich eine Druckluftstation für die Wanderer. Damit lassen sich im Nu die Schuhe säubern und auch die gröbste Nässe aus den Hosen und Jacken blasen. Funktioniert wunderbar.

In Gyeongju kommen wir am frühen Nachmittag an. Deaneung-won, der Park der großen Tumuli ist das erste Ziel. Hier besichtigen wir ein älteres königliches Hügelgrab. Es folgt eine kurze Rast in einem traditionellen koreanischen Teehaus, bevor die Ruinen des Donggung-Palastes sowie den Wolji-Teich den Tag ausklingen lassen.

Im Park finden sich 23 Königsgräber aus der Ära der drei Königreiche von 57 v. Ch. bis 660 n. Chr. Unter grasbewachsenen Hügeln fanden sie ihre letzte Ruhestätte. Noch bis in die 70er-Jahre standen dazwischen Wohnhäuser, die man 1975 abriss, um die Gräber freizulegen. Im mit 23 Meter höchsten Grab, genannt Hwangnam Daechong, ein Doppelhügelgrab soll König Soji und seine Frau begraben liegen, das aber ist nicht ganz sicher. Es misst 120 m in seiner Länge und 80 m in seiner Breite. Bei Ausgrabungen wurden über 30.000 kostbare Grabbeigaben entdeckt. Die Grabkammer der weiblichen Person war reicher ausgestattet als die ihres Gemahls. Frauen scheinen während der Silla-Zeit einen höheren gesellschaftlichen Stellenwert genossen zu haben als in späteren Zeiten. So sind aus dieser Epoche auch einige selbstständig regierende Königinnen überliefert.

Cheonmachong

Eines der bekanntesten Gräber ist Cheonmachong, der Hügel des himmlischen Pferdes und mit 13 Meter Höhe etwas kleiner. Es ist koreaweit das einzige von innen zu besichtigende Hügelgrab und stammt aus dem 5. oder 6. Jahrhundert. Wobei es innen eher wie in einem Museum ausgebaut ist. Musste es bei der Ausgrabung doch abgetragen werden und neu aufgebaut. Benannt hat man es nach den Pferdeartefakten, die sich hier fanden. Nicht bekannt ist, wer hier bestattet war. Rund 12.000 Grabbeigaben fand man auf dem Areal insgesamt, darunter eine Goldkrone und ein goldener Gürtel. Sie befinden sich fast alle in Gyeongju-Nationalmuseum, das wir anschließen besuchen und uns die Schätze aus diesen Gräbern anschauten.

Nach einer Pause in einem traditionellen koreanischen Teehaus geht es zu den Ruinen des Donggung-Palastes sowie dem Wolji-Teich. Beides war Teil des Palastkomplexes des alten Silla. Die Anlage soll im Auftrag von König Munmu im 674 n. Chr. Erbaut worden sein. 935 zerstörte ein Brand die fünf Pavillons, die Reste stürzten in den Teich. Im Zuge von archäologischen Untersuchungen legte man den See 1975 trocken, entdeckte dabei die Überreste der Gebäude. Daraufhin rekonstruierte man drei der Pavillions am Ufer des künstlichen Sees.

Tag 16, von Gyengju nach Seoul

Wir widmen uns den Vormittag weiteren Sehenswürdigkeiten in Gyeongju. Die Stadt war fast 300 Jahre die Hauptstadt der gesamten koreanischen Halbinsel. Vieles hier ist Weltkulturerbe der Unesco. Mehr Tempel, Königsgräber und Palastruinen sollen in keiner anderen koreanischen Stadt zu finden sein – obwohl das Silla-Reich schon vor mehr als tausend Jahren unterging. Wir entscheiden uns bei den zahlreichen Möglichkeiten und der beschränkten Zeit für den die Seokguram-Höhle, den Bulguksa-Tempel sowie dem Cheomseongdae-Observatorium. Alles Weltkulturerbestätten.

Bild Richardfabi – Creative Common Licence – Seokguram Buddha

Begonnen haben wir bei leichten Nieselregen und stürmischem Wetter mit der auf 750 m Höhe liegenden Seokguram-Grotte, eine menschengemachte Höhle aus Granit, quasi ein Grottenkloster. Sie stammt aus dem 8. Jahrhundert. Silla-Minister Kim Dae-Song hat das Grottenkloster zu Ehren seiner Eltern aus seinem vorherigen Leben errichten lassen. Sei er doch dank seiner Verdienste wiedergeboren worden. Die Grotte geriet während der Joseon-Dynastie ab 1392 in Vergessenheit, wurde 1909 wieder entdeckt. Nach einer Restauration von 1961 bis 1966 hat sie viel von ihrem ursprünglichen Charakter wiedergewonnen.
Seokguram besteht aus einer Vorkammer, dem Symbol des Irdischen, einem Korridor, dem Weg der Erleuchtung und der kuppelförmigen Haupthalle dem Himmel respektive Nirwana. Grimmig dreinblickende Wächtergottheiten stoppen jeden teuflischen Einfluss allein durch ihren Blick. Im Zentrum steht ein etwa 3,5 Meter großer Buddha. Betreten dürfen sie aber nur Betende, man kann den Buddha von außen durch eine Glasscheibe bestaunen, Bilder sind nicht gestattet.

Nicht weit entfernt liegt der Bulguksa-Tempel. Seine heutige Form erhielt er um 774. Das ganze Areal umfasst mehrere sehenswerte Gebäude. Der Besucherstrom von Gläubigen und Interessierten ist an einem Sonntag wie heute enorm. Über 800 Jahre blieb das Gebäude intakt, wurde dann 1593 in Kriegszeiten niedergebrannt. Es folgten Wiederaufbau und Plünderungen in regelmäßigen Abständen, bis 1970 ließ man das Areal verfallen. Erst dann besann man sich seines Erbes und begann mit der Restaurierung. Zwei der Steinpagoden, zwei steinerne Treppen und zwei vergoldete Buddha-Statuen stammen original aus der Anfangszeit und gehören heute zu den Nationalschätzen Südkoreas.


Bevor es zum Bahnhof für den Zug Richtung Seoul geht, schaffen wir noch eine kurze Visite beim Cheomseongdae-Observatorium, mithin soll es das älteste erhaltene Observatorium Ostasiens sein. Erbaut wurde es um 640 und die damaligen Menschen dürften es für die Beobachtung der Sterne genutzt haben, um Wettervorhersagen zu treffen. Sicher ist man sich aber nicht, es könnte astronomischen, astrologischen oder rituellen Zwecken gedient haben.
Jede Lage besteht aus 12 Steinen, die wahrscheinlich die Monate symbolisieren. Das ganze Observatorium ist aus 30 Steinlagen aufgebaut; eine für jeden Tag im Monat. Insgesamt besteht die Sternwarte aus 365 Steinen. Das entspricht genau einem Jahr.
Der Turm ist knapp über neun Meter hoch. Jede Seite der oberen quadratischen Steinschicht ist exakt nach den einzelnen Himmelsrichtungen ausgerichtet und die Steine formen zusammen das chinesische Zeichen Jing, eine der 28 chinesischen Sternkonstellationen, das Äquivalent zum westlichen Sternbild Zwilling.

Am frühen Nachmittag geht es mit dem KTX-Expresszug weiter nach Seoul, der Hauptstadt des Landes. Unser Hotel liegt im Herzen von Seouls Myeong-Dong, einem pulsierenden Einkaufs- und Unterhaltungsviertel mit zahlreichen Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und Sehenswürdigkeiten.

Abend sind wir noch zum nahe gelegene Seoul Plaza marschiert, haben den Deoksugung-Palast im Zentrum besichtigt, einen von fünf und gut koreanisch gegessen. Anders als bei den anderen Königspalästen aus der Joseon-Zeit gibt es innerhalb der Deoksugung- Palastanlage neben den traditionellen Holzbauten auch Gebäude im westlichen Stil. Die Anlage erinnert viele Koreaner an die schwierige Lage, in der sich das Joseon-Reich zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand. Damals musste sich das Reich gegen die feindlichen Überfälle der großen imperialen Mächte erwehren und ums Überleben kämpfen. König Gojong verkündigte 1897 daraufhin den Beginn des koreanischen Kaiserreichs und wählte den Palast als Sitz des Kaisers.

Der Seoul Plaza ist ein zentraler Platz vor dem Rathaus von Seoul und wird gern von jungen Pärchen und Familien in Beschlag genommen. Zahlreiche bequeme Sitzmöglichkeiten, eine Freilichtbibliothek und Spielgeräte für die kleinen sorgen für den Zulauf.

 

Tag 17, ein Bummel zu Seouls Sehenswürdigkeiten

Wir beginnen denheutigen Tag mit der Besichtigung des Gwanghawamun-Platz, dem pulsierende Herzen der Stadt. Es ist zum einen ein historischen Platz, der seit Jahrhunderten ein zentraler Punkt der koreanischen Geschichte ist. Zugleich handelt es sich um einen modernen städtischen Raum für Einheimische und Besucher gleichermaßen. Häufiger finden hier auch politische Demonstrationen statt.

Nahe gelegen liegt der Palast Gyeongbokgung, der von 1395 bis 1592 sowie von 1868 bis 1910 Sitz der koreanischen Herrscher war und an dessen Stelle in der Kolonialzeit die Residenz des japanischen Generalgouverneurs stand. Der Name bedeutet „Palast der strahlenden Glückseligkeit“. Mit seinen 330 Gebäuden soll es sich um den größten und wohl schönsten der fünf Paläste Seouls handeln. Viele alte Gebäude wurden während der japanischen Besatzung von 1910 bis 1945 abgerissen oder signifikant verändert. 1990 begann man, Teile der ehemaligen Anlage originalgetreu wieder herzustellen. Einst zählte der Palast über 7000 Räume. Nicht missen sollte man die Zeremonie des Wachswechsels der königlichen Garde. Gekleidet in den Uniformen des 15. Jahrhundert zeigt man den Besuchern viermal am Tag, wie ein Wachwechsel zu damaligen Zeiten wohl vonstatten gegangen sein dürfte.

Der malerische Stadtteil Bukchon, übersetzt Nordstadt ist unser nächstes Ziel. Hier finden sich noch rund 860 traditionelle koreanischen Häuser. Man wird in die Vergangenheit Koreas zurückversetzt. Die Häuser mit den geschwungenen Dächern und mit Ziegelornamenten verzierten Fassaden bilden einen surrealen Kontrast zum nur wenige Gehminuten entfernten modernen Seoul. Die meisten Gebäude stammen aus den 1930er-Jahren und sind bewohnt.

Kurze Zeit später finden wir uns in der lebhaften Insadong-Allee wieder, die für ihre Vielfalt an koreanischen Antiquitäten und traditionellen Gegenständen bekannt ist. Das aber ist weltweit bekannt, dementsprechend viel ist los und das Preisniveau ist auch nicht gerade niedrig. Dennoch, hier finden sich unzählige schöne Läden und auch Kleinstgalerien mit schöner koreanischer Kunst. In den Seitengassen siedelten sich viele kleine Restaurants und abends packen Straßenmusiker ihre Instrumente aus. So lange bleiben wir aber nicht.

Einen atemberaubenden Blick auf die Stadt hat man dann vom N Seoul Tower aus, eingeweiht 1975. Bei Tageslicht liegt er aber gern innerhalb der für solche Städte üblichen Dunstglocke. Nicht jedoch heute. Nachts erleuchtete der Tower von überall in der Stadt sichtbar in vier Farben. Rot bedeutete starke Smog und schlechte Luft, man solle daheimbleiben. Es folgen die Farben gelb und grün, blau heißt dann besonders saubere Luft. Vorab, abends leuchtete der Tower während unserer Anwesenheit blau. Der Tower steht auf dem Namsam-Berg, deswegen das N im Namen. Er ist rund 236 Meter hoch, die Plattform befindet sich auf etwas über 130 Meter Höhe. Von hier aus sieht man gut die Dimensionen der Stadt mit ihren rund zehn Millionen Einwohnern.

Zu guter Letzt hielten wir uns noch auf dem geschäftigem Namdaemun-Markt in der Nähe des Hotels auf. Es soll sich um den größten koreanischen Markt handeln der weit über die Stadtgrenzen Seouls bekannt ist. Was man hier nicht findet, findet man nirgendwo in Korea, so heißt es. Es sollen um die 10.000 Läden sein, andere Quellen sprechen von 6.000, das spielt aber keine Rolle. Alles ist in verschiedene Zonen entsprechend dem Warensortiment aufgeteilt, um sich zurecht zu finden. Falls nicht, helfen Englisch sprechende Mitarbeitern in rote Kleidung, die sich auf dem Markt finden. Die Ursprünge des Marktes sollen bis ins Jahr 1414 zurück reichen.


Historiker glauben, dass der Markt während der Regierungszeit von König Taejong, dem dritten König der Joseon-Dynastie, Anfang des 15. Jahrhunderts gegründet wurde. In den 1600er Jahren wurde der Namdaemun-Markt zu einer Drehscheibe für den Verkauf einer breiten Palette von Waren, darunter Stoffe, Töpferwaren und Möbel. In vielerlei Hinsicht bleibt der Markt der dynamische und vielfältige Ort, der er seit Jahrhunderten ist.

Tag 18, Ein letzter Tag in Seoul

Das Dongdaemun Design Plaza ist eine von Seouls Architekturikonen. Das Gebäude sieht mit seiner kühlen, silbernen Aluminiumhaut und der amorphen Struktur eher aus wie ein Raumschiff. Es gibt weder gerade Linien noch Winkel. In Inneren finden sich ein Museum, Ausstellungsflächen, Designlabor, Läden und Cafés. Auch die Umgebung des Gebäudes und des Platzes bietet einiges Sehenswertes. Man kann das Gebäude quasi erwandern. Erbaut hat man es von 2009 bis 2014, geplant wurde die Anlage von der irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid.

Weiter geht es mit einem kurzen, etwa einstündigen Spaziergang die Seoul Wall Fortress entlang. Der Weg entlang der Stadtmauer bietet gute Blicke auf das moderne Seoul und gleichzeitig den in die Vergangenheit. Die Stadtmauer von Seoul oder Hanyangdoseong ist eine Verteidigungsmauer, die zunächst von König Taejo der Joseon-Dynastie zur Verteidigung des Stadtzentrums der Joseon-Hauptstadt Hanseongbu errichtet wurde. Ihre Länge betrug einst etwa über 18 Kilometer, davon sind 12,7 noch erhalten. Seit 1963 ist sie eine Historischen Stätte Südkoreas und inzwischen eine Touristenattraktion in der Nähe des Stadtzentrums. Errichtet wurde sie ursprünglichen im späten 14. Jahrhundert und bestand einst aus großen runden Steinen, die durch Lehm zusammengehalten wurden. Im 15. Jahrhundert hat man sie renoviert und modernisiert und dann wieder im Jahr 1704.

Am Ende des Weges kommen wir zur Iwha Mural Village, auch als Monddorf oder „daldongne“ bekannt. Wie auch das Gamcheon Cultural Village in Busan war der Ort dem Untergang geweiht, da es als Slum und heruntergekommene Gegend galt. 2006 wurden im Rahmen eines Kunst in der Stadt-Projekts von 70 Künstlern sehr schöne Wandmalereien aufgebracht, um das Viertel wiederzubeleben. Das gelang. Seitdem kamen viele Besucher hierher, mit allen positiven, aber auch negativen Begleiterscheinungen. Nur hat anscheinend auch hier niemand die meist älteren Bürger gefragt, ob sie es auch wollen. 2016 hatten einige Anwohner genug, zumal ihre Beschwerden ignoriert wurden und übermalten zwei der beliebtesten Wandgemälde. Inzwischen scheint es sich aber beruhigt zu haben und es kamen sogar einige neue Gemälde hinzu. Das Problem ist halt, das sich eine Minderheit der Besucher nicht an gängige Regeln hält. So soll man sich leise unterhalten und Rücksicht auf die Anwohner nehmen. Und die Hauptsaison meiden.

Mit der Welt der traditionellen koreanischen Kräutermedizin befassen wir uns dann im Yangnyeongsi Herb Medicine Museum. Gegründet hat man das Museum, um die Geschichte und das Wissen der traditionellen koreanischen Medizin zu bewahren und weiterzugeben. Passenderweise befindet sich das Museum gegenüber dem Seouler Yangnyeong-Markt, einem bekannten Märkte für orientalische Medizin in Korea. Hier sollen um die 70 Prozent aller orientalischen Kräuter und Medizinarien des Landes vertrieben werden.

Es folgt ein Besuch des Jegidong Market, wo vor allem Lebensmittel aller Art gehandelt werden. Als sich die Nation von den Folgen des Koreakrieges zu erholen begann, versammelten sich Bauern aus der nördlichen Region um den alten Bahnhof Seongdong auf brachliegendem Ackerland, um ihre Produkte und Waren zu verkaufen. Das war der Beginn dieses Marktes. Man hat in jüngerer Zeit einige Renovierungsarbeiten durchgeführt, um die veraltete Marktumgebung in ein modernes Einkaufserlebnis umzuwandeln, dabei aber versucht, den Charme des Viertels zu bewahren. Auch Handwerksarbeiten werden hier gehandelt.

Die Zeit reichte anschließend noch für einen Besuch des Cheonggyecheon Stream. Der Cheonggyecheon ist ein etwa elf Kilometer langer, kleiner Fluss, der durch das Stadtzentrum von Seoul fließt. 1950 hatte man ihn überbaut und im Rahmen eines Stadterneuerungsprojekts baute man die darüber laufende Hochstraße wieder ab und legte ihn frei. Von den Menschen in den umliegenden Gebäuden wird er gern während der Mittagspause genutzt, zudem finden hier kulturelle Veranstaltungen statt.

Das Resumee

Damit endet die Reise durch Japan und Südkorea. Beide Länder sind doch recht unterschiedlich was die Menschen und Kultur angeht und in manchen dennoch recht ähnlich. 
In Japan sind die Menschen deutlich zurückhaltender und nehmen mehr Rücksicht auf den anderen, in Südkorea steht mehr das eigene ich im Vordergrund. Das merkt man auch in deutlichen Unterschieden im Straßenverkehr oder in den öffentlichen Verkehrsmitteln. Südkorea ist da Deutschland sehr ähnlich. Beides sind sichere und angenehme Reiseländer und auch sehr sauber. Müll oder Graffiti sieht man nicht, die Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut. Beide eint stark der respektvolle Umgang untereinander, wenn hier auch spürbare Unterschiede in der Art vorhanden sind. Auch die Küche ist unterschiedlich. In Japan lieben vor allem saisonale Produkte, Meerestiere, Sushi, Reis, Nudeln und Miso-Suppe, wobei meist nur gedämpft, geschmort oder gekocht wird. Dagegen bevorzugen die Südkoreaner Kimchi – fermentierter Chinakohl oder Rettich, frittiertes Hähnchen mit Bier, generell BBQ, wobei das Fleisch am Tisch gegrillt wird. Und die südkoreanische Küche ist schärfer als die von Japan. Aber beide eint eines, sie sind Länder, in die sich das Reisen lohnt.

Hier geht es zum Reisebericht Japan

Quellen: eigene Erfahrungen, Internetrecherche, Bilder Werner Götz

Japan 2024 – Tradition und Moderne in Harmonie

Eine Reise nach Japan und Südkorea, Teil 1 – Japan

Knapp drei Wochen geht unsere Reise durch Japan und Südkorea, auf dem Programm stehen moderne Großstädte, mit Tokyo mithin die größte Metropole der Welt, aber auch alte Traditionen mit Schreinen und Tempeln. Übernachtet wird in modernen Stadthotels oder auch in einem traditionellen Ryokan und einem Kloster. Man sieht und erfährt sehr viel über Menschen, Leben, Essen und Kultur, dennoch ist es nur ein Kratzen an der Oberfläche. Zumal man sich auf nur einige wenige Highlights fokussieren muss. Unterwegs waren wir ausschließlich mit Zügen und Bussen.

Unsere Route in Japan: Tokyo, Kamakura, Takayama, Shirakawa-go, Kyoto, Nara, Kõyasan, Fukuoka

Hier geht es direkt zum Reisebericht Südkorea

Tag 1,2 – Tokyo, der Welt größte Metropole

Unser Ausgangspunkt für die Reise durch Japan und Südkorea ist die Hauptstadt Japans, Wir sind für drei Tage in einem Hotel im Stadtteil Ginza, Tokyos schillerndstes Stadtviertel. Von hier aus lässt sich vieles zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmittel machen. Ein erster Eindruck, eine sehr saubere und moderne Stadt mit breiten Straßen, Alleen und zahllosen Hochhäusern. Auffallend ist, dass verhältnismäßig viele mit schweren Motorrädern unterwegs sind, gern mit Harleys oder italienischen Fabrikaten.

Wir bummeln erst einmal in der Nähe des Hotels zu Fuß durch die Stadt. Etwa zur Tokyo-Station, dem zentralen Bahnhof der Stadt. Das 1914 errichtete Bahnhofsgebäude fällt zwischen all den modernen Hochhäusern allein durch die rote Backsteinfassade auf. Dahinter liegt einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Stadt, der das Land durch Hochgeschwindigkeitszüge miteinander verbindet.

Die Tokyo Station ist nicht nur ein sehr geschäftiger Verkehrsknotenpunkt, zugleich bietet er eine Fülle von Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants und touristische Attraktionen. Man könnte bis zum Umfallen einkaufen, ohne allzu weit laufen zu müssen. Rein theoretisch. Denn die Gänge und Passagen im und um den Bahnhof sollen eine Länge von 20 Kilometern haben und über 1000 Geschäft beherbergen.
Dabei ist es nur einer von sechs großen Bahnhöfen in Tokyo und bei weitem nicht der größte. Hier im Hauptbahnhof Tokyo Station werden Tag für Tag um die 4000 Züge abgefertigt und rund eine halbe Millionen Menschen. Der Bahnhof Shinjuku kommt auf täglich über vier Millionen Fahrgäste, und dass vorwiegend im Nahverkehr. Zu Stoßzeiten sind es rund 500 Menschen pro Sekunde, die in Züge ein- oder aussteigen, raus und rein kommen sie über einem der mehr als 200 Zugänge.

Weiter sind wir etwa einen Kilometer zum Kaiserpalast gelaufen. Inmitten eines grünen Areals lebt der Tennō, der japanische Kaiser mit seiner Familie. Der heutige Palast wurde 1888 auf dem Gelände der ehemaligen 1638 errichteten Burg Edo-jō des Tokugawa-Shogunats errichtet. Edo war der Name des alten Tokyo. Einst war die Burg eine der größten der Welt, es ist aber kaum mehr etwas erhalten. Im zweiten Weltkrieg wurde der Palast zerstört und bis 1968 in modernerem Stil wieder aufgebaut. Der größere Teil des 3,4 Quadratkilometer großen Areals ist wie der Wohnsitz des Kaiser nicht öffentlich zugänglich.

Am Folgetag nutzen wir vor allem die U-Bahn zu den für uns wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt. Dazu gehört der Schrein Meiji Jingu, Tokyos wichtigster Shinto-Schrein. Er ist dem Gedenken an Kaiser Meiji und der Kaiserin Shõken gewidmet, deren Regentschaft von 1868 bis 1912 dauerte und die den Wandel Japans vom einstigen isolationistischen Feudalstaat in eine moderne Nation einleiteten. Deswegen werden sie bis heute verehrt. Zu Neujahr kommen hier an drei Tagen mehr als dreieinhalb Millionen Menschen her.

Der 1920 errichtete Schrein befindet sich in einem Wäldchen, zu dem ein langer, gewundener Kiesweg führt. Ihn betritt man durch mehrere große Torii, den japanischen Toren, die vor Schreinen und Tempeln zu finden sind. Die Torbögen sind das Symbol für den Übergang aus der profanen in die spirituelle Welt. Durchschreitet man das Tor, befindet man sich auf heiligem Boden. Vor einen Torii sollte man sich immer kurz verbeugen, um seinen Respekt zu zollen und immer am Rand hindurchzugehen. Die Mitte ist den Gottheiten vorbehalten. Hinter dem Tor findet sich ein Reinigungsbrunnen für Hände und Mund. Zuerst wird die rechte Hand gesäubert, dann die linke, dann nimmt man etwas Wasser in den Mund, spült ihn aus und reinigt sich noch einmal die linke Hand.

Der Shintōismus ist neben dem Buddhismus die wichtigste Religion in Japan. Bei dem Volksglauben werden die Kräfte der Natur verehrt er setzt sich aus vielen regionalen Kulten und Glaubensvorstellungen zusammen. Die Kami, die Götter, können Menschen, Tiere, Gegenstände oder abstrakte Wesen sein. Übersetzt bedeutet Shintõ ´Weg der Götter´.

Unser nächster Besuch gilt dem Stadtteil Harajuku, ein lebendiges Viertel mit Boutiquen und Geschäften, beliebt vor allem bei jungen Japanern. Das Viertel gilt mit seinen vielen Läden und Boutiquen als ein wichtiges Modezentrum. Die hier vorwiegend angebotene, etwas punklastige Jugendmode gilt als eigener Stil, der Harajuku-Kei. Hier soll auch von Mode-Ikonen wie Lady Gaga eingekauft werden.

Weiter geht es zum Koishikawa Korakuen-Garten. Der Landschaftsgarten im chinesischen und japanischen Stil hat der Landesfürst Ikeda Tsunamasa gegen Ende des 17. Jahrhunderts errichten lassen. Er zählt zu den Nihon-Sanmeien, den drei berühmten Gärten Japans. Ein Rundweg führt einen vorbei an Teichen, Bächen, Büschen und Bäumen mit immer wechselnden Ansichten. Er diente einst dem Fürsten und seiner Familie zur Entspannung.

Zu guter Letzt sind wir in Asakusa, in diesem Stadtteil findet sich Tokyos ältester buddhistischer Tempel, der Sensoji-Tempel. Er ist der meistbesuchte Tempel der Stadt, was man anhand der Menschenmassen auch schnell spürt. Hinein geht es durch das rote Kaminari-mon. Entlang des Weges finden unzählige Stände, verkauft wird alles Erdenkliche, von touristischem Kitsch bis hin zu Kunsthandwerk im Edo-Stil.

 

Betritt man einen Tempel, muss man über eine erhöhte Schwelle treten und darf niemals direkt auf diese treten. Hier gibt es neben dem Reinigungsbrunnen auch Räucherstäbchen, die man zur Heilung oder Reinigung verbrennt. Die gibt es nur in Tempeln, nicht in Shinto-Schreinen. Dabei darf man niemals ein anderes Räucherstäbchen verwenden, um seines anzuzünden. Ansonsten übernimmt man die Sünden des anderen.

Tag 3 – Kamakura, unterwegs im alten Japan

Etwa eine Stunde dauerte die Zugfahrt von Tokyo nach Kita-Kamakura. Von der Station aus machten wir eine 13 km lange Wanderung entlang einiger Sehenswürdigkeiten bis zum großen Buddha. Die Stadt war während des Kamakura-Shogunats von 1185 bis 1333 die Hauptstadt Japans. 

In und um Kamakura finden sich fünf Tempelanlagen, die dem Zen-Buddhismus angehören. Zwei davon besichtigen wir. Der älteste, 1252 gegründet und wichtigste von ihnen ist der Kenchō-ji mit dem Zen-Garten. Er liegt nahe der Bahnstation Kita-Kamakura. Der Tempel wird bis heute genutzt. In der zentralen Buddhahalle steht eine Jizō-Botsatsu-Statue, etwas ungewöhnlich für einen Zentempel. Sie spiegelt jedoch die alte Funktion des Tales wider, als Hinrichtungsstätte. Jizō spendet verlorenen Seelen Trost.

Kenchō-ji

Etwa 1,5 Kilometer entfernt liegt der Tempel Engaku-ji. Ihn hat man 1282 gegründet, vermutlich zur Ehrung der Krieger, die ihr Leben bei der Verteidigung des Landes 1274 und 1281 gegen Kublai Khan verloren hatten. Alle Tempelbauten hier wurden in Laufe der Zeit erneuert, das aktuell älteste der Bauwerke, die Shariden-Halle hat man zuletzt im 16. Jahrhundert überholt. Hier soll ein Zahn Buddhas aufbewahrt werden. Zu sehen bekommt man ihn aber nicht. 

Der Tsurugaoka-Hachiman-gu Schrein, das nächste Etappenziel ist Kamakuras wichtigster Shintō-Schrein und dem Gott des Krieges Hachiman geweiht. Er wurde ursprünglich im Jahr 1063 dem 15. Tennō Ojin und seiner Frau gewidmet und 1180 an den jetzigen Standort verlegt und vergrößert. Er gilt als die Seele der Stadt Kamakura. Die Schreingebäude stammen teilweise aus dem frühen 19. Jahrhundert und wurden historisierend im Stil der Momoyama-Zeit errichtet. 

Es folgt die Wakamiya-Õji, die etwa zwei Kilometer lange Hauptstraße durch Kamakura, gesäumt von vielen Souvenirgeschäften und Restaurants. Besonders hervorzuheben sind die Kamakura-bori, Schnitzereien im Kamakura-Stil.

Wakamiya-Õji

Etwas über zwei Kilometer die Straße entlang geht es zum Hase-dera Tempel, gelegen an einem Berghang nahe der Küste. Von hier aus hat man einen guten Ausblick über die Stadt Kamakura. Zentrum des Hase-dera ist die große Halle mit der elfköpfigen Statue der Kannon, der Göttin der Barmherzigkeit. Die neun Meter hohe, aus Holz geschnitzte Statue hat man vergoldet. Die elf Köpfe repräsentieren die Stufen der Erleuchtung. 

Die berühmteste Attraktion der Stadt ist sicherlich der 1252 errichtete große sitzende Buddha Kamakura Daibutsu. Der Daibutsu – übersetzt großer Buddha – von Kamakura ist das Symbol oder Wahrzeichen der Stadt und die am meisten besuchte Attraktion. Gefertigt ist er aus Bronze und ohne Sockel 11,4 m hoch. Die Statue wiegt 121 Tonnen und stand einst in einer riesigen Halle. Die jedoch hat ein Tsunami 1498 weggespült, seitdem steht der Buddha im Freien. Nach der Buddha-Statue des Todai-ji in Nara ist der Daibutsu von Kamakura die zweitgrößte Buddha-Statue in Japan.

Buddha Kamakura Daibutsu.

Tag 4 – Zugfahren in Japan

Wir verlassen Tokyo nach drei Tagen, es geht mit dem Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen nach Nagoya und weiter mit einem Schnellzug nach Takayama, einer kleinen Stadt in der Hida-Alpenregion. Zugfahren in Japan bedeutet schnelle, saubere und pünktliche Züge. Die Mitarbeiter sind alle freundlich. Ja, auch mehrere Schaffner pro Zug gibt es hier, nicht um Fahrkarten zu kontrollieren, sondern um den Fahrgästen zu helfen. Fahrkarten braucht man nicht kontrollieren, ohne kommt man gar nicht auf die Bahnhöfe oder U-Bahn-Stationen. Japans Schienennetz ist sehr gut ausgebaut. Egal ob Nahverkehr oder Hochgeschwindigkeit mit den Shinkansen. Sie eilen mit Geschwindigkeiten von durchschnittlich 260 bis 320 km/h durch das Land. Für die gesamte Strecke von etwa 480 km benötigen wir rund vier Stunden inklusive Umstieg in Nagoya und Wartezeit auf den dann von uns benutzen Eilzug.

Wir machen in Japan alle Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmittel, auf eigene Faust mit dem Zug durch das Land zu reisen, ist im Grunde keine komplizierte Angelegenheit. Man sollte auf den größeren Bahnhöfen nur genügend Zeit einplanen, um auch die richtigen Gleise zu finden. Besonders in Tokyo.

Beim Nahverkehr nutzen wir eine Suica-Wellcome Card, eine Prepaid-Smartcard, die man auflädt und bei der bei jeder Fahrt die Fahrtkosten automatisch an den Schranken abgezogen werden. Es wird dann auch immer angezeigt, wieviel Geld noch auf den Karten ist, um sie rechtzeitig an Automaten aufzuladen. Nutzbar ist sie in vielen Metropolen für den Nahverkehr, in Bussen und U-Bahnen. Die Karte fungiert zudem als elektronische Geldbörse, man kann kleine Einkäufe in Zügen, an Verkaufsautomaten, Läden und Restaurants mit dem entsprechenden Suica-Zeichen tätigen oder auch Taxen bezahlen.

Tag 4 – Angekommen in Takayama

In Takayama verbringen wir die kommenden zwei Nächte im Honjin Hiranyoka Kaochan, einem charmanten Ryokan, das traditionelle Atmosphäre mit modernem Komfort vereint. Das Ryokan bietet exzellente Gastfreundschaft, köstliche Mahlzeiten und entspannende heiße Quellen.
In einem Ryokan zu übernachten, bedeutet , sich mit der Etikette in einem traditionellen Haus zu befassen. Hier lernt man die japanische Kultur mit ihren Sitten und Gebräuchen von einer sehr persönlichen Seite her kennen. Ein paar Beispiele: Die Schuhe zieht man bereits beim Betreten des Foyer aus, Hausschuhe liegen bereit. Die Hausschuhe trägt man im Inneren des Ryokans. Vor Betreten des Zimmers zieht man diese wieder aus, den Raum mit den Tamati-Matten betritt man nur in Socken oder barfuß. Für Spaziergänge  stehen extra Holzsandalen bereit.
Nachdem man sich im Zimmer eingerichtet hat, bringt der Gastgeber Tee sowie kleine Süßigkeiten. Dann erfährt man auch die Zeiten für das Abendessen. Serviert wird in kleinen separaten Räumen typisch japanisches Essen. Relativ kleine Portionen aber viel Gänge. Die Mitarbeiter tragen traditionelle Kimonos.
Auch wir tragen im Haus traditionelle Kleidung. Bereit gestellt wird etwa ein Yukata, ein einfacher Kimono. Man trägt ihn im Zimmer oder in der Stadt. Den Samue wiederum trägt man ebenfalls im Haus, und auf dem Weg zum Onsen, dem Thermalbad oder als Schlafkleidung. Wichtig beim Kimono ist, die linke Seite über die rechte zu schlagen – andersherum legt man das Gewand traditionell Leichen an. Ein Band hält alles zusammen.

Nutzen sollte man auf jeden Fall den Onsen, das Thermalbad. Japanern finden sich bis zu dreimal am Tag darin: morgens, nach dem Sightseeing und abends. Dabei ist ein Onsen eine Art Gemeinschaftsbad. Man legt seine Kleidung im Vorraum ab und duscht gründlich, traditionell im Sitzen, ehe man in das Wasser steigt. Da man den Onsen ohne Badebekleidung betritt, sind die Bäder für gewöhnlich für Männer und Frauen getrennt.
Tattoos sind verpönt, manche Ryokans verweigern tätowierten Personen sogar den Zutritt, wie unseres. Assoziiert man sie doch mit der Zugehörigkeit zu den Yakuza, der japanischen Mafia.

Gegen später sind wir zu Fuß in der nahe gelegenen Shitamachi unterwegs, der Altstadt. Takayama bezaubert durch alte Holzhäuser, zahlreiche Sake-Brauereien, einem Tempelbezirk und Freilichtmuseum. Natürlich gibt es zahlreiche Handwerksläden, teilweise mit hochwertigen Souvenirs. Landesweit besonders bekannt sind die hiesigen Tischler und Holzschnitzer. Nur mit dem Bummeln sollte man sich beeilen. Machen die meisten Läden doch schon zwischen 16.30 und 17.30 Feierabend.

Tag 5 – Shirakawago, gebaut wie Hände im Gebet

Wir machen uns mit dem Bus zum Dorf Shirakawago auf, seit 1995 Weltkulturerbe seiner einzigartigen Hauskonstruktionen wegen, den Gassho-zukuri-Bauernhäuser. Das bedeutet so viel „wie gebaut wie Hände im Gebet“. Der Baustil mit den steilen Strohdächern entwickelte sich über Generationen hinweg. Die Dächer müssen großen Schneemengen standhalten, sind ohne Nägel gebaut. Anders als bei Freilichtmuseen sind hier die meisten Häuser bewohnt und privat. Einige sind jedoch für Besucher offen. Beispielsweise das Nagase- oder das Wada-Haus. In den größeren Gassho lebten bis zu dreißig Personen unter einem Dach. 

Tag 6 – Kyoto, die kulturelle Hauptstadt Japans

Mit dem Zug geht es von Takayama nach Kyoto, etwa 310 km entfernt. Kyoto ist die kulturelle Hauptstadt des Landes mit über 2000 Schreinen und Tempeln, davon allein 17 Unesco-Weltkulturerbestätten. Wir bleiben drei Nächte. 

Am Nachmittag machen wir eine kurze Stippvisite zum Bezirk Nene-no-Michi, einem historischen Stadtviertel und Touristenmagnet. Das Viertel grenzt an die Einkaufsstraße Sannenzaka. Hier treffen sich die Besucher aus aller Welt, entsprechend viel ist los. Nicht selten sieht man Männer und Frauen in den traditionellen Kimonos, meistens handelt es sich um Touristen. Japaner tragen auf der Straße kaum einen Kimono, ist viel zu unbequem und aufwändig. Sie tragen ihn nur zu besonderen Anlässen. So sieht man immer wieder Geschäfte, bei denen man sich einen Kimono leihen und sich ankleiden lassen kann.
Sannenzaka ist eine gepflasterte Fußgängerzone, gesäumt von traditionellen Gebäuden und Geschäften – es sollen um die 60 sein – und grenzt an die Straße Ninenzaka, ebenfalls ein Einkaufsparadies. Beide Straßen führen zu zwei berühmten Tempeln, die, als wir gegen 18 Uhr ankamen, schon geschlossen waren. So wie die meisten Geschäfte trotz der Touristenhorden ebenfalls gegen 18 Uhr schließen.

Tag 6 – die Teezeremonie, eine jahrhundertealte Tradition

Eine Teezeremonie folgt seit Jahrhunderten den immer gleichen Regeln. In einem traditionellen Teehaus weiht uns ein Zeremonie-Meister in die Kunst eben dieser ein. Sie hat ihre Wurzeln im Zen-Buddhismus. Die Tradition reicht in Japan bis ins 8. Jahrhundert zurück. Buddhistische Mönche brachten sie aus China nach Japan. Damals konsumierten Priester und Adelige das kostbare Getränk vor allem aus medizinischen Gründen.

Die ersten in Japan angelegten Teeplantagen gab es ab dem 12. Jahrhundert. Damals soll der Zen-Meister Eisai Samen die Teepflanze Camelia sinensis aus China mitgebracht und damit den Grundstein für den Teeanbau in Japan gelegt haben. Sehr wichtig bei einer Teezeremonie ist die Begegnung zwischen Gastgeber und Gästen, die von Harmonie, Ruhe und Respekt geprägt ist. Deswegen sollte jede Begegnung einmalig sein, sprich jede Teezusammenkunft darf mit ihren Teilnehmern nur ein einziges Mal zu dieser Zeit an diesem Ort stattfinden und nicht wiederholt werden. Dahinter steckt das Bewusstsein für die Vergänglichkeit.
Die Teezeremonie zählt zu den Wegkünsten des Zen, zu denen etwa auch Ikebana oder Kalligrafie gehören. Neben den strengen Regeln zeichnen sich die Wegkünste dadurch aus, dass es nicht auf das Ergebnis ankommt, sondern auf das Erreichen eines meditativen Zustandes. Ein Teemeister zu werden dauert viele Jahre, doch abgeschlossen sei das Lernen und Perfektionieren der einzelnen Schritte niemals. Den Meisterstatus erlangt man nach etwa 15 Jahren.

Nach der Teezeremonie sind wir auf dem Weg zum Hotel noch am Yasaka-Schrein vorbeigekommen. Besonders schön wirkt er nachts, wenn die roten Tore angeleuchtet werden. Er ist einer der größten Schreine ganz Japans, wurde im Jahre 656 erbaut und ist dem Wind- und Meeresgott Susanoo und dessen Ehefrau gewidmet. Das Aushängeschild des Schreins ist das rote Eingangstor Romon.

Anschließend fanden wir noch ein kleines typisch japanisches Restaurant, in dem Teppanyaki angeboten wird. Das ist das Zubereiten von Speisen auf einer heißen Platte, die direkt in den Gästetisch oder am Tresen integriert ist. Teppan heißt wörtlich eiserne Platte. Wir entschieden uns diesmal für ein Nudelgericht mit Rind, Fleisch, Scampi und Tintenfisch. Schmeckte vorzüglich.

Tag 7 – Unterwegs in Kyoto

Die einstige japanische Hauptstadt ist bekannt für die zahlreichen buddhistischen Tempel, die Gärten, Kaiserpaläste, Shintō-Schreine und traditionellen Holzhäuser. Wir beginnen unsere Tour am majestätischen Fushimi Inari Shinto-Schrein, der dem Shintōismus gewidmet ist. Hier ziehen sich tausende orangefarbene Torii-Tore den Berghang hinauf. Will man den ganzen Weg bis oben gehen und wieder runter, benötigt man über zwei Stunden. Wir begnügen uns in Anbetracht der Temperatur von rund 33 Grad schon am Morgen und der hohen Luftfeuchtigkeit mit einem etwa einstündigen Abschnitt. Man läuft stellenweise durch einen orangefarbenen Tunnel aus den Toren, unterbrochen von einigen Schreinen. Man sagt, es sollen bis zu 11.000 Torii sein. Der Fushimi Inari-Schrein ist ein absolutes Muss bei einem Besuch in Kyoto.

Der Schrein ist Inari gewidmet, der Kami des Reises, der Fruchtbarkeit, des Sake und Tees, des Wohlstands und des Glücks. Sie wird normalerweise als weiblich angesehen und ist eine wichtige Gottheit im Shinto-Glaubenssystem.  Orangerot sind die Tore des Schreins, weil man sie mit Füchsen in Verbindung bringt. So sieht man überall auf dem Gelände Bilder und Statuen von Füchsen. Sie gelten als Inaris Boten und manche Menschen glauben, dass sie selbst ein Fuchs ist. Dies hängt vermutlich mit einer Legende über Inari zusammen. Demnach kam die Göttin in einer Zeit der Hungersnot auf einem weißen Fuchs vom Himmel herab. Sie brachte Körner mit, die ausgesät wurden und wuchsen. Es war der Reis. Ine ist das japanische Wort für Reis, und ine-nari, von dem sich der Name der Kami ableitet, bedeutet „wachsender Reis“.

Die Verehrung von Inari geht vermutlich auf das 8. Jahrhundert zurück, als der Schrein in Fushimi errichtet wurde. Im Laufe der Jahrhunderte weitete sich die Rolle von Inari in der japanischen Gesellschaft aus, sie wurde im 16. Jahrhundert auch die Schutzpatronin der Schmiede und Krieger; später war Inari die Kami der Fischer, verhinderte Brände und beschützte Prostituierte. Man betete zu Inari, damit sie einem Glück bringe, Kinder beschere und Krankheiten wie Zahnschmerzen und Syphilis heile. Als der Reichtum nicht mehr in Reis, sondern in Geld gemessen wurde, wurde Inari für Finanzen und Geschäfte zuständig.

Bild: Creative Commons, Autor Bamse, 2008 und Postkarten

Es folgt die Besichtigung des Sanjusangendo, der buddhistische Tempel ist in Japan legendär, allein durch den zentralen Buddha und die 1001 lebensgroßen goldenen Statuen, die ihn flankieren. Zudem ist die Tempelhalle mit 120 Meter Länge das längste Holzgebäude Japans.  In der Mitte der Haupthalle befindet sich eine große hölzerne Statue einer 1000-armigen Kannon, die auf jeder Seite von 500 Statuen in Menschengröße flankiert wird, die in zehn Reihen stehen. Alle Statuen sind über 700 Jahre alt und werden heute als wichtige Kulturgüter eingestuft, wobei die riesige sitzende Statue als Nationalschatz Japans gilt. Der Buddha, die 1000-armigen Kannon ist mit elf Köpfen ausgestattet, um das Leiden der Menschen besser sehen zu können, und mit 1000 Armen, um ihnen im Kampf gegen das Leiden besser helfen zu können.
Fotografieren und Filmen dieser heiligen Statuen ist verboten, also muss man hier mit Postkarten oder den wenigen Bildern auf Wikipedia leben.

Bild: Creative Commons, Autor Bamse, 2008 und Postkarten

Der Nishiki-Markt, auch bekannt als Kyotos-Küche, war der nächste Stopp. Auf dem Markt werden frische und haltbar gemachte Lebensmittel angeboten. Man findet ferner ausgezeichnetes Kochgeschirr und elegante Keramiken sowie Gewürze und Papierwaren. Der Markt existiert seit 1310, heute finden sich hier rund 130 Läden, die sich in einer schmalen Passage tummeln, die etwa 400 Meter lang und vier Meter breit ist. 

Weiter ging es zu der prächtigen Nijo-Burg. Dieser repräsentative Bau wurde vom Gründer des Edo-Shogunats als Residenz in Kyoto erbaut. Das Hauptgebäude hat man 1603 fertiggestellt und es ist bekannt für die „zwitschernden“ Nachtigallenböden, die den Haushalt auf die Anwesenheit von Eindringlingen aufmerksam machen sollten. Der Shogun hatte sieben Vorkoster aus Angst vor einer Vergiftung. Bis das Essen bei ihm ankam, dürfte wohl alles kalt gewesen sein. Die Burg ist Weltkulturerbe und wohl eine der bekanntesten ganz Japans. Die Heimstätte des ersten Tokugawa-Shoguns Ieyasu überragt den nahe gelegenen Kaiserlichen Palast, um die Macht zu verdeutlichen, die der Shogun über den schwächer werdenden Kaiser hatte. Shogun lässt sich in etwa mit „Barbaren unterwerfender großer General“ übersetzen.

Zu guter Letzt sind wir noch in die östlichen Ausläufer Kyotos bis an den Fuß der Higashiyama-Berge, zum Nanzenji Zen-Tempel gefahren, eine Oase der Ruhe. Die weitläufige Anlage umfasst ein Aquädukt und mehrere Tempelgebäude. Im Nanzen-ji Tempel gilt es mehrere schöne Gärten zu erkunden. Steingärten des Zen. Sie dienen der Meditation und der inneren Ruhe. Den Tempel hat 1291 Kaiser Kameyama gebaut, er wuchs im Laufe der Zeit stetig, bis mehrere Feuer alle Gebäude zerstörten. Schließlich wurden der Tempel 1597 wieder aufgebaut.

Tag 8 – Nara, die Stadt der Rehe und Tempel

Rund 90 Minuten brauchen wir bis Nara, von 710 bis 784 das einstige Zentrum und die Hauptstadt Japans. Von der Pracht zeugen große Tempelanlagen, Schreine und Ruinen und machen den Ort mit rund 350.000 Einwohnern zu einem der wichtigsten touristischen Ziele Japans. Zumal Nara während des zweiten Weltkrieges nicht bombardiert wurde – wie Kyoto auch. Die meisten der alten Gemäuer sind Weltkulturerbestätten der Unesco.

Beim Spaziergang durch den Nara-Park warten zahlreiche frei herumlaufende Hirsche und Rehe nur darauf, dass sie gefüttert werden. Es sollen um die 1000 sein und sie laufen mitten unter den Menschen herum, als würden sie dazugehören. Verschiedene Stände bieten Kekse zum Füttern der Tiere an, dann ist man sofort von Rehen umlagert. Besonders witzig, verbeugt man sich vor Ihnen, machen sie das gleiche und senken den Kopf. Manche der Tiere stehen am Wegesrand und verbeugen sich von allein an vorbeilaufenden Leuten, um einen der Kekse zu ergattern. Dennoch, es sind frei wildlebende Tiere inmitten des Parkes und der Stadt, besonders in der Brunftzeit heißt es vor den Hirschen mit ihrem Geweih auch aufzupassen. Einer Überlieferung zufolge soll zum Schutz der neu gegründeten Stadt um 710 ein aus Westjapan herbeigerufener Kriegsgott auf einem Hirsch erschienen sein. Die Rehe gelten seitdem als heilig und leben hier mit den Menschen seit Jahrhunderten zusammen.

Wir starten unseren Besuch am Tõdai-ji-Tempel, den der dem Buddhismus tief ergebene Kaiser Shõmu zu Beginn des 8. Jahrhunderts errichten ließ. Die Einweihung um 752 herum soll mit Tausenden von Gästen aus China, Korea und Indien der alles überbietende Höhepunkt der gesamten buddhistischen Welt im 8. Jahrhundert gewesen sein. Der heutige Bau stammt aus der Edo Zeit um 1692. Inmitten der Haupthalle findet sich eine über 16 Meter große Buddha-Statue aus Bronze, mithin die größte des Landes. Die Halle des großen Buddha ist 57 Meter lang, 50 Meter breit und 49 Meter hoch. Damit hat sie nur noch zwei Drittel der einstigen Größe, gehört dennoch zu den größten reinen Holzbauwerken der Welt, wenn es nicht sogar das größte ist.

Tõdai-ji-Tempel

Etwas östlich des Todai-ji-Tempels findet sich mit Nigatsu-do ein kleinerer Tempel.  Der Name Nigatsu-dô oder Halle des Zweiten Monats leitet sich von einer jährlich im zweiten Monat des Mondkalenders abgehaltenen Zeremonie ab. Das Gebäude soll ursprünglich zwischen 760 und 820 errichtet worden sein und brannte 1667 dann ab. Die heutige Halle ist eine Rekonstruktion aus dem Jahr 1669.

Beim Bummel durch den Park folgt der Kasuga-Taisha-Schrein, errichtet um 768 mit zahlreichen steinernen und metallischen Laternen. Es soll sich um Naras bedeutendsten Schrein mit vier Hauptgöttern und vielen Glücksgöttern handeln und er gilt als eine der heiligsten Stätten von Japans. Als Schrein zahlreicher Götter lockt er Gläubige und Touristen gleichermaßen an. Der Kasuga Taisha ist für seine Farbenpracht und seine fotogene Kulisse berühmt.

Als letztes statteten wir noch dem Kõfuku-ji-Tempel einen Besuch ab, ursprünglich erbaut 669. Er besteht aus mehreren großartigen Gebäuden, etwa der fünfstöckigem Pagode – die bei unserem Besuch von einem riesigen Gerüst ummantelt war, mit 50,1 m Höhe die zweitgrößte Holzpagode in Japan und ein Symbol für die alte Hauptstadt Nara. Die zentrale Goldene Halle, ursprüngliche von 710 bis 724 erbaut, brannte sechsmal vollständig nieder und wurde zwischen 2010 und 2018 hinsichtlich der Dimensionen und des Architekturstils exakt dem Bau aus dem Jahr 710 angepasst. 

Tag 9 – Es geht nach Koyasan

Wir verlassen Kyoto mit dem Zug nach Gokurakubashi und mit einer Standseilbahn weiter nach Kõyasan. Das auf einer Höhe von 860 m auf einem Hochplateau liegende Kōyosan erreichen wir um die Mittagszeit. Von den rund 4000 Einwohnern dieses mystischen Ortes sind etwa 600 Mönche.

Unser erster Besuch gilt dem Okuno-in, den größten und bedeutendsten japanischen Friedhof. Hier ruhen hochrangige Persönlichkeiten der japanischen Geschichte: Kaiser, Shogune, Landesfürsten. Es findet sich auch das Mausoleum von Kobo Daishi. Laut einer Legende soll er immer noch in einem Zustand ewiger Meditation im Mausoleum verharren. Das weitläufige Tempelgelände beherbergt über 200.000 Grabstätten. All diese Seelen wollen sich Kobo Daishi nähern und hoffen, dass sie ihren Weg zur Erlösung finden.
Der zwei Kilometer lange Kopfsteinpflasterweg, der nach Okuno-in führt, ist von jahrhundertealten riesigen, moosbewachsenen Zedern gesäumt. Entlang des Weges finden sich aber nicht nur Gräber sondern auch neuere Denkmäler und Monumente von japanischen Unternehmen. Auch sie gedenken hier den Ahnen und Kobo Daishi.

Die Ichi-no-hashi-Brücke kennzeichnet den offiziellen Eingang zum Tempelgelände und ist das Tor zwischen zwei Welten: der weltlichen und der geistlichen. Es wird erwartet, dass Besucher Kobo Daishi mit einer Verbeugung ihren Respekt erweisen, bevor sie das heilige Gelände des Okunoin betreten. Etwas weiter überquert man die Gobyo-no-hashi-Brücke und betritt nach einigen Metern das Innere des Tempels. Fotografieren ist hier natürlich nicht erwünscht.

Die Torodo-Halle – die Halle der Laternen – liegt vor dem Mausoleum von Kobo Daishi und ist das Zentrum der Verehrung. Das schimmernde spirituelle Heiligtum ist nach den mehr als 20.000 Laternen benannt, die im gesamten Tempelareal ständig beleuchtet sind. Der Zutritt zum eigentlichen Mausoleum ist generell und immer untersagt, um Kobo Daishi nicht zu stören, in seinem Zustand ewiger Meditation. Mönche, Pilger und alle anderen beten vor dem Mausoleum.

Anschließend ging es zum Kongobu-ji, dem Herzen von Koyasa. In der Edo-Zeit um 1593 erbaut, ist er das Hauptheiligtum des Shingon Buddhismus und mehr als nur ein Ort der Anbetung. Er dient als Hauptverwaltung der Shingon-Schule, einst von Kōbõ Daishi gegründet. Der sich auf dem Gelände befindliche Banryū-tei, der Garten des Tempels soll mit einer Fläche von 2340 Quadratmetern der größte Steingarten Japans sein.

In Kōyasan bleiben wir eine Nacht, wohnen auf dem Areal des etwa 1000-Jahre alten Ekoin-Tempels. Unser Zimmer ist im japanischen Stil eingerichtet mit einem eigenen, kleinen Garten, recht modern und ziemlich neu. Es ist ein Nebengebäude, im eigentlichen Tempel gibt es natürlich keine Zimmer.

Teilnehmen darf man auch am buddhistischen Morgenritual, dem Goma-Feuerritual und an Meditationen. So findet jeden Morgen um 7 Uhr in der Haupthalle das Morgenritual statt. Dabei werden den  Geistern jeden Morgen Opfergaben dargebracht. In einem kleinen nahegelegenen Tempel folgt das Feuerritual, man verbrennt kleine Holzlatten mit Wünschen, sie steigen mit dem Rauch auf zum Himmel.

Tag 10,11 – Fukuoka, das Tor zum Festland

Der heutige Tag ist ein Fahrtag. Es geht 626 km von Kōyosan nach Fukuoka in den Süden mit Bus, Seilbahn, Expresszug, U-Bahn und Shinkansen. Alles war pünktlich und hat reibungslos funktioniert.
Fukuoka zählt etwa 1,5 Millionen Einwohner und hat eine 2000-jährige Geschichte. Hier findet sich der älteste Hafen Japans, mithin schon immer ein Tor zum asiatischen Festland. Schon die Mongolen versuchten im 13. Jahrhundert über Fukuoka Japan zu erobern. Und scheiterten. 

Am zweiten Tag in der Stadt machen wir uns zu Fuß zuerst mal auf zum Shofukuji Tempel, er gilt als der erste in Japan errichtete Zen-Tempel und wurde 1195 von dem Priester Eisai gegründet, der die Rinzai-Sekte des Zen-Buddhismus aus China nach Japan brachte. Die Tempelgebäude dürfen nicht betreten werden, aber man kann durch die Tempelanlage des Shofukuji schlendern und die Gebäude von außen betrachten.

Shofukuji Tempel

Die nächste Etappe führt uns zum etwas über einen Kilometer Fußmarsch entfernten Sumiyoshi Schrein. Der Schrein ist der älteste aller 2.000 Sumiyoshi Schreine in Japan, gilt als deren Geburtsstätte. Hier verehrt man Uwatsutsuo-no-kami, die Reisende, Fischer und Seeleute beschützen sollen. Deswegen ist er in der Nähe des Meeres gelegen. Der Ursprung des Schreins soll auf das Jahr 221 zurückgehen. Den heutigen Schrein baute Feudalherren Kuroda Nagamasa am Anfang der Edo Zeit um 1603 wieder auf, nachdem er mehrfach zerstört wurde.

Zurück an der Hakata Station, dem zentralen Bahnhof der Stadt, treffen wir uns mit einem Guide für eine Food-Tour. Ist die Stadt doch für ihre Restaurants und Speisen bekannt, hat sogar eine eigene Touristeninfo für alles rund ums Essen. Mit dem Bus geht es zu unserem ersten kulinarischen Stopp, dem Yanagibashi Rengo Ichiba fish market mit rund 40 Läden. Dieser vor allem morgens belebte Markt ist bietet nahezu alles aus dem Meer und wird von den Einwohnern als „Speisekammer von Hakata“ geschätzt. Im Jahr 1916 wurde ein einzelner Stand, der frischen Fisch vom Ohama-Markt verkaufte, so populär, dass sich andere Stände um ihn scharten. Jetzt am Nachmittag ist schon einiges zu, die Läden bereiten sich auf den Feierabend vor.

 

Weiter geht es in das Untergeschoss eines Kaufhauses von denen es hier Unmengen gibt. Viele in Dimensionen, die für uns unvorstellbar sind. In vielen dieser Einkaufszentren finden sich im ersten Untergeschoss Delikatessengeschäfte, Konditoreien und andere Essensstände. in Japan depachika genannt. Man muss erstmal auf die Idee kommen wie unser Guide Norry, bei einer Foodtour einen Supermarkt einzubeziehen. Doch das ist genial, denn hier findet sich wirklich alles, was die japanische Esskultur erklärt. In dem Supermarkt klapperten wir die Themen Tee, Fleisch, Fisch und Obst ab. Allein die Fischauswahl und -Fischtheken werfen einen fast um. Es gibt eigentlich alles, was man sich vorstellen kann oder auch nicht. Egal ob vom Wal oder getrocknete Seegurke, die erst mal mehrere Tage gewässert werden muss, bis sie genießbar ist. Nicht selten auch exklusive Waren, deren Preise einen blass werden lassen. Beispiele gefällig:Japanische Bananen, einzeln verpackt in Karton mit Sichtfenster, das Stück rund zehn Euro. Oder Zuckermelonen, in einem abgeschlossenen Schrank aufbewahrt, etwa 10 Zentimeter im Durchmesser, das Stück 205 Euro. Das Stück und nein, ich habe mich nicht verschrieben oder falsch umgerechnet. Oder eine Rispe mit Weintrauben, kosten gerade mal 170 Euro. Derartiges Luxusobst dient gern als Geschenk, wandert eher nicht in Salate.

Es folgt der Besuch einer traditionellen Sushi Bar, das Besondere an dieser Art Restaurant. Man isst im Stehen, beliebt besonders bei vielbeschäftigten Angestellten, die keine Zeit haben, sich für eine Mahlzeit hinzusetzen. Man kann sich aber auch Zeit lassen, zumal die Sushi köstlich sind. Zu lange sollte man sich in dieser Art Restaurants aber keine Zeit lassen, warten draußen doch schon die nächsten Gäste auf freie Stehplätze an der Theke. An der auch das Essen frisch zubereitet wird.

Den letzten Halt machten wir ein Stück weiter an einem Yatai-Straßenstand, die Teil der Kultur von Fukuoka sind. An den Ständen soll es das beste Streetfood geben, dass die Stadt zu bieten hat. Wir entscheiden uns für gegrilltes Schwein und dazu einen Pflaumen-Reiswein, der vorzüglich schmeckt. Es ist schon ein Genuss, dem Koch bei seiner Arbeit mit dem offenen Feuer zuzuschauen. Nicht ohne Grund gibt es einen halbhohen Plexiglasschutz, hinter dem es dennoch schön heiß wird, da der Koch schon mal die eine oder andere hohe Stichflamme mit verdampfendem Öl produziert.
In Fukuoka solle es fast 100 Yatai geben, die am frühen Abend öffnen und sowohl traditionelle japanische Gerichte wie Tempura und Oden als auch die lokale Küche von Fukuoka anbieten.

Alles in allem war die gelungene Foodtour ein guter Abschluss unserer Japanreise, bevor es morgen früh nach Südkorea weitergeht. Auffallend ist, das Japan ein sehr sauberes und modernes Land mit freundlichen und hilfsbereiten Menschen ist. Die sich selbst gerne zurücknehmen und immer hilfsbereit sind. Hier finden Moderne und Tradition problemlos zusammen, so wie etwa 80 Prozent der Einwohner dem Buddhismus zugewandt sind und weitere 80 Prozent dem Shintoismus. Es kann ja nicht schaden, sich mit beiden gut zu stellen. Aber alles in allem sind viele auch sehr realistisch und nicht unbedingt streng gläubig. So jedenfalls wurde es uns geschildert. Für uns Besucher heißt es, sich mit den Traditionen vertraut zu machen und sich als Gast eines fremden Landes zu fühlen und entsprechend zu verhalten.

Hier geht es zum Teil II der Reisereportage, nach Südkorea

Quellen: eigene Erfahrungen, Internetrecherche, Bilder Werner Götz

Kambodscha 2024 – eine Nation mit Zukunft

Phnom Penh und Siem Reap (Angkor)

Tag 20, Phnom Penh

Wir haben Vietnam mit dem Schnellboot auf dem Mekong verlassen, sind jetzt in Phnom Penh, der Hauptstadt des Landes. Wir konzentrieren uns bei dem Besuch auf zwei Regionen: die 2,3 Millionen-Metrople Phnom Penh und die Region um Angkor, dem berühmten Tempelbezirk.

Zum ersten Teil der Reise, einmal quer durch Vietnam geht es hier lang.

Angekommen sind wir am frühen Nachmittag, so dass noch Zeit blieb, vier der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt anzuschauen. Beginnend mit dem Königspalast, er allein ist eine Reise wert. Die goldenen Dächer der Gebäude sind bereits von Weitem zu sehen, sie glitzern in der gleißenden Sonne – es hat 37 Grad. Die Anlage ist schon beeindruckend, errichtet wurde sie an der Stelle älterer Gebäude Ende des 19. Jahrhunderts unter französischer Herrschaft, aber im Stile der Khmer.

Der Thronsaal

Als ob der Palast und die Tempel an sich noch nicht beeindruckend genug wären, findet sich hier noch die Silberpagode. Ihr Boden besteht aus 5329 massiven Silberziegeln, je 1,125 kg schwer. In ihr, Fotografieren ausnahmsweise mal verboten, finden sich prächtige Schätze und die bedeutendste Buddha-Statue der Landes. Die Buddhas hier sind allesamt schlank. Eine Statue besteht aus rund 90 Kilogramm reinem Gold und ist mit über 9500 Diamanten besetzt, das dritte Auge hat 25 Karat und findet sich ein weiterer 20-Karäter. Im Palast residiert noch heute die königliche Familie. Der aktuelle König ist 65 Jahre alt und lebt hier mit seiner Mutter.


Weiter ging es zum Nationalmuseum um sich mit der älteren Geschichte des Landes etwas vertraut zu machen und dann zum zentralen Markt. Zum Schluss besuchen wir noch den kleinsten und ältesten Tempel der Stadt, die Wat Phnom Pagode, das Herz von Phnom Penh. Hier fand die alte Frau Penh 1372 mehrere Buddha-Statuen in einem Fluss und errichtete den Tempel auf dem Hügel, quasi die Keimzelle der heutigen Stadt.

Zu guter Letzt haben wir uns noch mit der jüngeren Geschichte des Landes befasst: Nach über zwei Jahrzehnten Krieg, Schreckensherrschaft und Besatzung war Kambodscha Anfang der 2000er-Jahre eines der ärmsten Länder der Welt. Man hat seitdem enorme Fortschritte im Kampf gegen Armut und Unterentwicklung gemacht und heute soll Kambodscha eine der der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Asiens sein. Wenn man durch Phnom Penh wandelt, mag man die grausame Geschichte des Landes kaum glauben, die noch gar nicht so lang her ist. Die Hauptstadt des Landes ist mittlerweile für viele Urlauber ein echter Geheimtipp geworden – ein kosmopolitische Hauptstadt mit Flair.

Mehr zu der Geschichte des Landes und den roten Khmer findet sich auf meinen FindPenguin-Blog, einfach Link anklicken.

Tag 21, Phnom Penh, Dreh- und Angelpunkt des Landes

Nachdem wir gestern die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von einem lokalen Führer haben zeigen lassen, sind wir heute auf eigene Faust den ganzen Tag in der Stadt unterwegs. Mit einer Unterbrechung in der Nachmittagszeit, es ist mit 36 Grad einfach zu heiß. Morgen soll es in Siem Reap 39 Grade haben, unserem nächsten Ziel. Es ist Frühling.
Die Menschen hier sind ähnlich wie in Vietnam, aber doch anders. Die Stadt scheint wohlhabender zu sein, auch etwas sauberer. Auch fällt auf, dass weniger Roller unterwegs sind – für uns immer noch Unmengen – dafür mehr Autos (meist große SUVs) und was es in Vietnam kaum gab, unzählige Tuc-Tucs. Lange Zeit Verkehrsmittel Nummer 1 der Kambodschaner. Der Verkehr ist ähnlich chaotisch. Wir schauen uns zwei Märkte für die Einheimischen an, noch einige Sehenswürdigkeiten und beobachten die Menschen und den Verkehr. Des Öfteren von einem Café aus. Die längeren Strecken legen wir mit dem Tuc-Tuc zurück. Immer vorher den Preis ausmachen, den bei Touristen langen sie kräftig zu. So eine kürzere Stadtfahrt darf ein/zwei Dollar kosten, bei der ersten Frage nach dem Preis kommen meist fünf Dollar. Lehnt man freundlich lächelnd ab, sind es dann drei Dollar, und dann fahren wir doch für zwei. Immer noch genügend, würde kein Einheimischer zahlen. Aber leben und leben lassen.


Luxuriöse Hotels finden sich hier genauso wie die zahlreichen Garküchen, Läden und mobile Verkaufsroller am Straßenrand. Manche Häuser erinnern an die französische Kolonialzeit. Phnom Penh ist seit 1866 die Hauptstadt von Kambodscha, derzeit leben hier 2,3 Millionen Menschen. 2035 rechnet die Regierung mit sechs Millionen. Entsprechend viel wird gebaut, meist von chinesischen Investoren. In den vergangenen Jahren hat Phnom Penh eine erstaunliche Transformation hin zu einer weltoffenen Großstadt gemeistert. Die Menschen wollen leben und Wohlstand erreichen. Freie Wahlen stehen nur auf dem Papier. Interessiert viele aber erstaunlich wenig. So unser Eindruck. Dennoch ist die Stadt überschaubar geblieben und vereint das chaotische Leben in einer Großstadt mit der Ruhe der Bauern, die im Umkreis leben und auf den vielen Märkten ihre Produkte anbieten.

Tag 22, Donnerstag – auf dem Weg nach Siem Reap

Es sind rund 360 km von Phnom Penh nach Siem Reap, etwa sechs Stunden Fahrzeit. Der Fahrer ist pünktlich, spricht aber kein Englisch. Macht nichts, funktioniert alles auch so. Unterwegs machen wir einen kurzen Stopp am Skun Markt, hier verkaufen sie auch frittierte Spinnen und Taranteln. Sie gelten als lokale Köstlichkeit.

Zwischendurch ein weiterer Stopp für ein kleines Mittagessen und dann noch einen in Kampong Kdei. Hier findet sich eine alte Brücke der Khmer. Königs Jayavarman VII ließ die 87m lange Brücke im 12. Jahrhundert erbauen, und sie steht heute noch. Benutzt werden darf sie von Rollern, für Autos hat man sie zwischenzeitlich gesperrt. Sie hat die Forme einer Schlange, sich aufbäumenden Schlangenköpfe beschließen jeweils Anfang und Ende der Balustraden. Zu guter Letzt halten wir noch an einem der zahlreichen Stände, an denen eine kambodschanische Spezialität gekocht wird: Klebreis in Bambus. Das Gericht wird in speziell vorbereiteten Bambusstücken unterschiedlicher Durchmesser und Länge geröstet und sowohl als herzhaftes Essen oder als süßes Dessert verzehrt. Hier bezeichnet man die Speise als Kralan und sie besteht aus Klebreis, Schwarzaugenerbsen oder Bohnen, Kokosmilch und Palmzucker.

Am späteren Nachmittag angekommen, wird erst mal eine Pause im Hotel eingelegt, Es ist einfach zu heiß und zu schwül. Gegen Abend ging es dann erst mal in das Zentrum von Sies Reap. Das Hotel liegt etwas außerhalb, also mit dem TucTuc ins Gewühl. Siem Reap ist die zweitgrößte Stadt Kambodschas mit rund 250.000 Einwohnern und die inoffizielle Tourismushauptstadt. Das liegt an der Nähe zu den Tempelanlagen von Angko. Der Name bedeutet in etwa besiegtes Siam oder Siam plattgemacht und soll sich auf einen Sieg der Khmer über eine Thai-Armee im 16. Jahrhundert beziehen. Vermutlich ist es aber eher eine Volksetymologie. Diese Deutung zeigt aber auf, wie belastet das Verhältnis zwischen Kambodscha und Thailand bis heute ist, zumal die Thailänder einst die roten Khmer unterstützten. Die Region war von Angriffen der roten Khmer noch bis Anfang der 90er-Jahre betroffen, erst danach stabilisierte sich die politische Lage. Heute ist Siem Reap eine friedliche und für kambodschanische Verhältnisse blühende Stadt. Obwohl das durchschnittliche Monatseinkommen 2023 nur etwa 130 USD pro Monat betrug. Der Mindestlohn liegt eigentlich bei 170 USD. In der Stadt ist das Einkommen jedoch höher als auf dem Land. Vor zehn Jahren noch waren es etwa 30 US-Dollar monatlich. Zu der positiven Entwicklung beigetragen hat vor allem der Tourismus. 

Tag 23 – Angkor Tom, die große Stadt

Nach Kambodscha kommt man vor allem der Tempelanlagen in Angkor wegen, so auch wir. Es war das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja, das Reich der der Khmer vom 9. bis 15. Jahrhundert. Während ihrer Blütezeit im 12. Jahrhundert lebten hier auf etwa 1000 Quadratkilometer eine Million Menschen. Weltbekannt wurde Angkor durch die Zeugnisse der Baukunst der Khmer in Form einzigartiger Tempelanlagen – allen voran durch den Angkor Wat, dem größten Tempelkomplex der Welt. Allesamt Weltkulturerbe der Unesco.Allein hier wurden bis heute rund 1000 Tempelanlagen entdeckt, bis in jüngster Zeit. Und immer wieder findet man neue Anlagen, 2008 zum Beispiel beim Bau einer Straße im thailändischen Grenzgebiet. Manches dürfte noch im dichten Dschungel verborgen liegen. Der Park umfasst heute rund 400 Quadratkilometer und ist eines der Top-Touristenziele weltweit.
Auch wenn die Anlage im Laufe der Jahrhunderte stark unter Raubgrabungen und dem Diebstahl vieler Kunstwerke gelitten hat, ist sie doch einmalig. Die wertvollsten Kunstwerke hatte man schon im 15. Jahrhundert nach der Niederlage Kambujas, über Umwege nach Mandalay im Myanmar (ehemalig Birma) geschafft, wo sie sich heute noch befinden. Vierhundert Jahre später schlugen europäische Forscher, Abenteurer und Händler zu, verpackten Statuen, Bronzeskulpturen und auch herausgebrochene Stücke von Reliefs in Kisten und verschifften sie nach Europa, wo sie in Museen und privaten Sammlungen landeten. Heute gibt es in Angkor nur noch sehr wenige originale Statuen. Was noch nicht gestohlen wurde, befindet sich in den Archiven der Archäologen vor Ort oder im Staatsmuseum in Phnom Penh, um zu verhindern, dass auch diese letzten Stücke gestohlen werden. Kunsträuber brechen auch heute noch Tafeln aus Reliefs und schlagen Figuren die Köpfe ab, um sie am Schwarzmarkt in Europa, den USA oder Japan zu verkaufen. Manche der abgesägten Köpfe hat man originalgetreu kopiert und die Figuren wieder ergänzt. Es finden zudem Restaurationen und Sicherungsmaßnahmen statt, im Wesentlichen durch internationale Hilfe und Mittel der Unesco. Kambodscha wäre allein mit dieser Aufgabe überfordert. Vieles wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Franzosen von der überwuchernden Vegetation befreit und restauriert, zerfallene Bauwerke aus den Originalteilen wieder zusammengesetzt. Heute arbeiten Teams aus den verschiedensten Ländern, auch aus Deutschland, hier vor Ort.

Wir beginnen unseren zweitägigen Besuch bei den Ruinen von Angkor Tom. Angkor heißt Stadt und Tom groß, also große Stadt. Es handelte sich um die letzte Hauptstadt des Angkor-Imperiums. Die markanten Haupttore sind mit jeweils vier Gesichtern gekrönt. Der Bau der Stadt begann gegen Ende des 12. Jahrhundert, sie bedeckte eine Fläche von etwa 900 Hektar und ist von einer 12 km langen Mauer umgeben, die von einem Wassergraben umschlossen ist. Die einfacheren Gebäude wurden aus Holz erbaut, sind heute nicht mehr erhalten. Die Brücken, die über den 100 m breiten Wassergraben führen, waren jeweils mit Steinfiguren flankiert – 54 Gottheiten auf der einen, 54 Dämonen auf der anderen Seite. Erhalten sind in der etwa 3 x 3 km umfassenden Stadtmauer noch 14 Gebäudekomplexe. Zentral findet sich der Bayon, bekannt für seine Türme mit den steinernen Gesichtern. Noch heute stehen 37 davon. Die Gebäudeteile sind bis zu 43m hoch. Neben dem zentralen Tempel besuchten wir noch ein paar weitere Ruinen und die Terrasse der Elefanten.

Tag 23 – Angkor Wat, die Stadt der Tempel


Die Bedeutung von Angkor Wat für das Land zeigt sich schon darin, dass der Tempel zentraler Bestandteil der Flagge ist. Er ist nationales Wahrzeichen und auch Herz und Seele Kambodschas. Übersetzt heißt Angkor Wat “die Stadt der Tempel”. Dieser Komplex wurde vor etwa 1000 Jahren erbaut und soll die größte Tempelanlage der Welt sein. Erbaut sein soll sie in 37 Jahren durch 300.000 Manschen mithilfe von 6000 Elefanten. So jedenfalls eine Legende.
Das Areal misst inklusive des zwischen 170 und 190 m breiten Wassergrabens 1,5 x 1,3 km. Er stellt nach gängigen Interpretationen den Ur-Ozean dar, zusammen mit den zahllosen Bauten im Inneren ergibt sich ein symbolisches Bild des Universums. Im Zentrum steht der markanteste Tempel mit fünf nach Lotusblüten geformten Türmen. Der größte hat eine Höhe von 65 m.
Zahlreiche Wände sind mit steinernen Figuren dekoriert, die Tänzerinnen, die Apsaras darstellen. Alle unterscheiden sich in Details, keine gleicht er anderen. Große Galerien zeigen historische Szenen vom Leben, den Kriegen, von religiösen Geschichten und dem Schöpfungsmythos des Quirlen des Milchozeans. Angkor Wat ist der besterhaltene Bau von ganz Angkor und hat bis heute religiöse Bedeutung. Einst für den Hinduismus erbaut, dominiert jetzt der Buddhismus. Die Bauten repräsentieren den Mount Meru, das Zuhause der hinduistischen Götter.


Angkor Wat wurde vermutlich unter der Herrschaft des Königs Suryvarman II erbaut. Zu seinem Tod war der Bau aber nicht komplett fertig, er wurde eingestellt, einige Reliefs nicht fertiggestellt. Die Gebäude bestehen aus Sandstein, per Hand wurde die Steinblöcke mit einer besonderen Vorrichtung so geschliffen, dass sie ohne erkennbare Zwischenräume zusammengesetzt werden konnten. Das zeigen einige Reliefs, die den Bau darstellen.
Die meisten Khmer verließen im 15. Jahrhundert die Tempelanlage, sie wurde aber nie ganz verlassen so wie die anderen Anlagen. Anfang des 20. Jahrhunderts restaurierten die Franzosen Angkor Wat und befreiten das Areal von Erde und Vegetation. Das Monument überstand den Bürgerkrieg und die roten Khmer. Zahlreiche der Statuen wurden jedoch gestohlen oder zerstört.

Tag 23 – der Blick vom Berg

Zwei kleinere Tempel, den Thommamon und den Chau Say Tevoda liegen nahe Angkor Tom. Im Lauf der Jahrhunderte sind die Umfassungsmauern der beiden Tempel weitgehend verschwunden. Während der Thommanon in den 1960er-Jahren komplett restauriert wurde, ist der Chau Say Tevoda noch ursprünglicher, wenig restauriert.
Gegen den späteren Mittag sind wir in der Hitze von über 35 Grad Celsius noch auf den Bakheng-Hügel mit der gleichnamigen Tempelanlage gestiegen. Nur machen das viele, um den Sonnenuntergang zu beobachten. Doch der findet nicht über Angkor Wat statt, sondern über einem Stausee in der Nähe, könnte also überall sein. Richtig macht man es, wenn man den Sonnenaufgang in aller Frühe beobachtet, denn dann geht die Sonne über den Tempelanlagen auf. Sofern es nicht bewölkt ist.
Wir genossen den Ausblick vom Berg in die Dschungellandschaft und auf die Ruinen, beobachteten die Menschen und verließen den Berg wieder, vor dem Sonnenuntergang. Auch wenn der Ort hier um diese Zeit einer der meistbesuchten der antiken Stätten sind, hält sich der Besucherandrang in Angkor doch in Grenzen. Die Besucherzahlen haben sich nach Corona noch nicht wieder ganz erholt. Segen und Fluch. Gut für die antike Stätte, sehr schlecht für die tausenden Menschen hier, die auf den Tourismus angewiesen sind – ihn zum Leben und Überleben brauchen. Das spürt man an vielen Orten deutlich.

Tag 24 – Ta Keo, ein monumentaler Tempelberg

Nahe den Göttern zu sein war schon immer Ziel der Menschen. Also baute man in die Höhe, zumal auf Bergen gern die Götter wohnten. Der moderne Name Ta Keo bedeutet „Altes Kristall“, Prasat Keo entsprechend Kristall-Tempel. Ursprünglich hieß er Hemasringagiri, zu deutsch der „Berg mit goldenen Gipfeln“ und verweist auf den mythologischen Berg Meru. Der bildet gemäß der hinduistischen und auch der buddhistischen Lehre den Weltenberg im Zentrum des Universums.

Ta Keo ist bei den Pyramidentempeln hier das größte und imposanteste Bauwerk. Erbaut wurde er unter Jayavarman V. (Regierungszeit 968–1001) und König Suryavarman I. (Regierungszeit um 1002–1050) und sollte als neuer Staatstempel dienen. Im Jahr 1007 weihte man ihn dem Hindugott Shiva. Kurz vor Fertigstellung aber schlug ein Blitz ein, was als schlechtes Omen galt. Also gab man ihn auf. Einige Reliefarbeiten waren bereits fertig, die übrigen Wände jedoch blieben ungestaltet. Unter den Khmertempeln ist Ta Keo der einzige Rohbau und zeigt sehr gut die Sorgfalt, mit der die Steinquader fast fugenlos aufeinandergeschichtet wurden.

Tag 24 – Lara Croft lässt grüßen

Wir sind an der Tempelanlage Ta Prohm, auch Dschungeltempel genannt oder Lara-Croft-Tempel. Ersteres, weil man bei der Restaurierung bewusst darauf verzichtete, die Bäume zu entfernen. Die französischen Restauratoren beschlossen, einen Tempel in dem Zustand zu belassen, in dem sie ihn vorfanden. Die Wahl fiel auf Ta Prohm. Man entfernte und sicherte die Vegetation und die herabgefallenen Mauersteine nur soweit, dass es Besuchern möglich ist, die Anlage zu begehen. Besonders eindrucksvoll sind die Bäume, etwa eine Würgefeige oder die noch größeren, bis zu 45 m hoch werdenden Tetrameles nudiflora. Deren Wurzeln überwuchern ganze Gebäude. Das macht diesen Tempel auch zu meinem Liebling und war auch der Grund, warum man ihn als Drehort für Teile des Lara Croft-Filmes Tomb Raider mit Angelina Jolie auswählte. Lara Croft ist in dem Streifen rund um den Tempel auf der Suche nach einem mystischen Artefakt.


Beides zusammen macht ihn zu einem Fotomotiv Par Excellence und zieht die Menschen an. Sind gerade einige Reisegruppen anwesend, sollte man Geduld haben und abwarten. An manchen Foto-Spots baut sich sogar eine Warteschlange auf, die einen Schnappschuss zur Erinnerung haben möchten. Gerade als Selfie-Fotospot zählen einige Stellen hier zu den beliebtesten in ganz Angkor. Aber es gibt auch sehr schöne Stellen, die nicht dem Hauptweg folgen. Also Zeit einplanen, dann schafft man sogar Filmszenen ohne Menschen.
Errichtet wurde der Komplex im 12. – 13. Jahrhundert, die gesamte Anlage umschließt rund 60 Hektar und zeichnet sich auch durch die Türme mit den mehrere Metern großen Gesichtern aus.
Zurück zu Tomb Raider. Denn es solltatsächlich einen Schatz hier gegeben haben. So steht auf einer mit einem Relief versehen Säule geschrieben, dass zu den Tempelschätzen des buddhistischen Ta Prohm Gold, Perlen und Seide gehörte. Allein an Gold sollen sich hier fünf Tonnen befunden haben. Weiter erzählt die Inschrift, dass hier auf dem Gelände 12.500 Mönche lebten, darunter 18 Hohepriester und 615 Tänzer. Der Tanz spielte in den damaligen Zeiten eine wichtige Rolle. 
Die äußere Begrenzungsmauer der Anlage umschließt ein Gebiet von etwa 60 Hektar, der Tempel und die ihn umgebenden Gebäude machen davon nur einen Hektar aus. Außerhalb fanden sich rund 3.140 Dörfer mit insgesamt 80.000 Bewohnern. Wie überall in Angkor waren aus Stein gebaute Gebäude religiösen Zwecken vorbehalten. Die Menschen, auch der König, lebten in Häusern aus Holz, die dem Zahn der Zeit zum Opfer fielen.

Tag 24 – Tempeltag

Banteay Kdei

Von nun an wird es ruhiger. Dem Tempel Banteay Kdei bleiben die Besuchermassen weitestgehend fern. Tagesbesucher haben den Tempel nur selten auf ihrem Reiseplan stehen. Und das ist in Form von Reisegruppen ein recht hoher Anteil. Zu knapp ist deren Zeit.
Banteay Kdei ähnelt in seiner Bauweise To Prahm, ist aber mit 500 x 700 m deutlich kleiner und weniger verziert. Dennoch den Besuch wert.
Beim östlichen Eingang findet sich mit Srah Srang ein künstlicher See. Zu Deutsch bedeutet der Name Königliches Bad. Er misst etwa 725 x 400 m und ist etwa vier Meter tief. Alles damals von Hand ausgehoben und mit Sandstein ummauert. Gemäß meiner Inschrift diente er dem „Wohl aller Kreaturen“ mit Ausnahme der „Deichbrecher“, vermutlich Elefanten. Bis heute, also über ein Jahrtausend nach der Errichtung, ist der Srah Srang intakt und bildet eine weite, ruhige Wasserfläche. Ein Srah wurde als Wasserbecken für rituelle Waschungen verwendet, so vermutet man.

Banteay Srei

Es folgt der Besuch des Banteay Srei, ein kleiner Tempel, von einem reichen Landbesitzer und Lehrer erbaut. Er ist jedoch der wohl Kunstvollste, bekannt durch die filigranen Steinmetzarbeiten. Errichtet hat man den Tempel ebenfalls zu Ehren von Shiva, einer der Hauptgötter des Hinduismus. Er steht Schöpfung, Neubeginn, aber auch Erhaltung und Zerstörung.
Zwischen den Tempelanlagen ist man immer einige Kilometer unterwegs, nichts für einen Spaziergang. Dennoch legten wir gestern nur für die Tempelbesichtigungen über zwölf Kilometer zurück.


Zu Guter Letzt sind wir noch beim Tempel Banteay Samre, übersetzt bedeutet der Name „Festung der Samré“. Die Samré sollen ein lokaler Volksstamm gewesen sein. Man nennt ihn aber lieber Zitadelle der Frauen. Er ist ein klassischer Vertreter der Angkor-Wat-Epoche, am knospenförmigen Dachaufbau erkennbar. Banteay Samré zeigt eine überwiegend hinduistische Bilderwelt, am zentralen Tempelturm ungewöhnlicherweise jedoch auch Reliefs aus dem buddhistischen Glauben. Er befindet sich abseits der üblichen touristischen Wege, auch hier ist es recht ruhig.

Wir begegnen hier mal wieder einer größeren Studentengruppe aus Phnom Penh. Und auch hier passiert es, dass die Kids mich auffordern Fotos von Ihnen zu machen. Wohlgemerkt nicht mit ihrem Handy, sondern meiner Kamera für mich. Dann bedanken sie sich überschwänglich, wenn ich die Fotos gemacht habe. Selbst eine halbe Stunde später, wenn man dem Mädchen wieder begegnet, ein Dankeschön, Verbeugung und strahlende Gesichter. Sie freuen sich, dass man sich für ihr Land und ihre Kultur interessiert. Das sollte uns mal in Europa oder anderen Ländern passieren. Generell ist die Höflichkeit und der Respekt vor anderen – besonders Älteren – hier ein hohes Gut. Ist auch im Glauben verankert.

Tag 24 – Apsara-Tänze, eine uralte Tradition

Apsaras sind in der hinduistischen und Teilen der buddhistischen Mythologie halb menschliche, halb göttliche Frauen. Sie leben im Palast des Gottes Indra. Sie gelten auch als Geister der Wolken und Gewässer und sind damit vergleichbar mit Nymphen aus der griechischen und römischen Mythologie. Sie präsentierten den Menschen zur Zeit des historischen Königreiches Kambuja zudem die Kunst des Tanzes. Reliefdarstellungen der Tänzerinnen finden sich an vielen Tempeln in Angkor. Auf diese Zeit geht auch die Tradition des höfischen Tanzes in Kambodscha zurück. Es sind häufig recht langsame und grazile Tanzbewegungen, wobei die Handstellungen eine wichtige Rolle spielen. Zum Repertoire gehört die Darstellung epischer Geschichten und Gedichte oder das Leben der Menschen und die Brautwerbung.

Tag 25 – mit dem Boot zu den schwimmenden Dörfern

Wir sind auf dem Tonle Sap See unterwegs, dem größten in Kambodscha. Wobei See ist relativ. Es ist Mitte März, die Trockenzeit nähert sich langsam dem Ende. Der See sieht meist eher aus wir ein größerer Wald und dichtes Buschland, die Wassertiefe, wo denn Wasser zu sehen ist, beträgt etwa vier Meter. In der Regenzeit von Mai an fließt Wasser vom Mekong in den See, zusammen mit den monsunartigen Regenfällen steigt der Wasserspiegel dann um zehn Meter. Dann ist es für vier bis fünf Monate ein großer See, heraus schauen nur noch die größeren Bäume, alles ist unter Wasser. Die Menschen bauen ihre Behausungen und Läden ab und woanders wieder auf. Bis die Trockenzeit kommt, dann fließt das Wasser Richtung Mekong wieder ab. Mithin ist der Tonle Sap-Fluss Zu- und Ablauf. Hier lebt man vom Fischfang und dem Reisanbau, passt sich dem Wasser an. Die Fläche schwankt zwischen Trocken- und Regenzeit zwischen 2700 und 25.000 Quadratkilometern – der Bodensee hat eine Fläche von 536 Quadratkilometern, die Länge beträgt maximal 250 km, die Breite 100 km. Im September erreichen die Überflutungen ihren Höhepunkt, dann stehen mehr als ein Drittel der landwirtschaftlichen Fläche in Kambodscha unter Wasser. 1997 wurde der See von der Unesco zum Biosphären-Reservat erklärt.

Hier finden sich auch die schwimmenden Dörfer, sprich die Häuser, Läden, Restaurant, Werkstätten und alles weitere schwimmt auf dem See. Alles ist auf Bambusplattformen aufgebaut, die wiederum meist von alten Blechfässern als Schwimmkörper getragen werden. Die Menschen, die hier leben, passen sich so dem schwankenden Wasserpegel an. Auf einigen erhöhten Stellen baut man auch Stelzenhäuser. In so einem Dorf leben um die eintausend Familien, es unterscheidet sich eigentlich nicht von denen an Land, nur das die Straßen eben Wasserstraßen sind. Wer hier auf dem See unterwegs ist, bekommt einen guten Eindruck vom Leben der Menschen am oder besser gesagt auf dem See. Der See ist Lebensgrundlage, Wohnort und Transportmittel zugleich. Die meisten Bewohner leben auf dem Wasser in irgendeiner Form.

Tag 25- Prek Toal, ein Vogelparadies

Weiter ging es von den schwimmenden Dörfern zu dem Vogelschutzgebiet Prek Toal. Es ist recht wenig los, Touristen kommen seltener in diese Region. Unser Guide war ebenfalls schon lange nicht mehr hier und der Fahrer überhaupt nicht. So kommt er den ganzen Tag mit uns. Hier finden sich um die 130 Vogelarten, vor allem Reiherarten, Ibis und Störche aber auch 700 Paare an Graupelikanen auf den insgesamt geschützten 312 Quadratkilometern. Insgesamt sollen in der Trockenzeit um die 30.000 Vögel hier leben, in der Regenzeit sind kaum welche an diesem Ort, sie ziehen dann weiter. Auch Schlangen und Schildkröten fühlen sich in dem Gebiet wohl.

Tag 26 – Kambodscha, das Resumee

Kambodschaner sind oft sehr freundliche und hilfsbereite Menschen, besitzen meist nicht viel und sind dennoch zufrieden mit dem Wenigen. Sie haben es schwer, besonders wenn die Gäste wegbleiben oder die Ernte schlecht ist. Aber auch dann und trotz der grausamen Geschichte haben sie oft ein Lächeln im Gesicht. Natürlich lässt sich keine Nation, keine Kultur in eine Schublade stecken, das vorweg. In den Gesprächen und Erzählungen fiel uns auf, dass hinter der Natur der Kambodschaner häufig ein starker Glaube steckt. Bberuflicher Erfolg oder das Geldverdienen stehen nicht über Allem. Das Wesen der Kambodschaner ist eher ruhig, freundlich und fürsorglich. Das sollte man sich auch als Besucher zu Herzen nehmen. Touristen werden meist freundlich empfangen, und nicht nur des Trinkgeldes wegen. Das hilft den Menschen, ist aber kein Muss. Man gibt es gerne, denn es ist verdient. Hier fällt auf, dass sich die Kambodschaner echt über ein Trinkgeld freuen, dass sie nicht unbedingt erwartet haben. Natürlich gibt es Ausnahmen, wie überall. Die sind aber deutlich in der Minderheit. Der hier vorherrschende Buddhismus vertritt ja eine Philosophie des Mitgefühls und der Fürsorge im täglichen Leben. Hand in Hand mit dem Glauben geht auch der Aberglaube. Der ist hier weit verbreitet. Für vieles gibt es spezielle Rituale, um sicherzustellen, dass auch alles funktioniert. Räucherstäbchen oder Götter halten etwa die bösen Geister vom Haus fern. Nicht selten sieht man sie auch vorne an Tucktucks oder Autos. Klar, dass viele Geistergeschichten mögen. Der Buddhismus lehrt die Menschen zudem, offen für Neues zu sein. Auch wenn sie meist auf dem Land nur über eine Grundbildung verfügen, sind sie wissbegierig und neugierig.
Ganz weit oben steht die Familie, die auch die Ahnen miteinschließt. Sie stehen an erster, zweiter und dritter Stelle, bedeutet Ihnen alles. Deswegen sind die Familien hier oft auch recht groß, umfassen drei/vier Generationen.
Kambodscha bietet aber auch eine beeindruckende Kultur, die sich weltweit nicht verstecken muss und auf einer Höhe etwa mit Machu Picchu oder den Pyramiden steht. Trotz der vielen Kriege und Plünderungen und den Kolonisten. Der Besuch lohnt und man sollte auch genügend Zeit einplanen, um nicht nur Phnom Peng, den Strand (den wir ausließen) oder Angkor zu besuchen.

Hier geht es zum Teil I der Reisereportage, nach Vietnam 2024 – Land des Lächelns

Quellen: eigene Erfahrungen, Internetrecherche, Bilder Werner Götz