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Bericht Norwegen auf der Postschiffroute online

Eine Reise auf dem Postschiff entlang Norwegens Küste Ende Januar ist eher etwas ungewöhnlich. Aber jede Jahreszeit hat seinen Reiz. So geht in dieser Zeit nördlich des Polarkreises die Sonne nicht mehr auf. Nacht ist es tagsüber Ende Januar dennoch nicht, auch wenn die Sonne den Horizont nicht übersteigt. Richtig dunkel ist es vom frühen Nachmittag an bis zum späten Morgen, ideale Voraussetzungen also, um das Nordlicht zu beobachten. Und eben diese Nordlichter sind ein Höhepunkt einer Winterreise und Grund dafür – neben Hunde- und Motorschlitten, Eishotels sowie weniger Reisenden. Das alles ist halt nur im Winter möglich.

Hier finden sich gleich die schönsten Fotos, ersetzen den Reisebericht natürlich nicht.

 

Mit dem Postschiff entlang Norwegens Küste

Nordlichter, Eis und Schnee im hohen Norden

Fjorde bei Nacht

Eine Reise auf dem Postschiff entlang Norwegens Küste Ende Januar ist eher etwas ungewöhnlich. Aber jede Jahreszeit hat seinen Reiz. So geht in dieser Zeit nördlich des Polarkreises die Sonne nicht mehr auf. Nacht ist es tagsüber Ende Januar dennoch nicht, auch wenn die Sonne den Horizont nicht übersteigt. Richtig dunkel ist es vom frühen Nachmittag an bis zum späten Morgen, ideale Voraussetzungen also, um das Nordlicht zu beobachten. Und eben diese Nordlichter sind ein Höhepunkt einer Winterreise und Grund dafür – neben Hunde- und Motorschlitten, Eishotels sowie weniger Reisenden. Das alles ist halt nur im Winter möglich.

Hier ein kurzer Trailer zu meinem Film über die Reise, ab Anfang April 2020 im Shop als DVD und BluRay erhältlich.

Zwölf Tage dauerte die Fahrt mit der MS Polarlys von Bergen nach Kirkenes ganz im Norden und zurück inklusive zahlreicher Stopps und der Möglichkeit, Ausflüge an Land zu machen.

Unser Schiff, die MS Polarlys

Die Route: Ausgangspunkt der Reise ist Bergen. Insgesamt liefen wir auf der 7-tägigen Route nordwärts 34 Häfen an. Erster längerer Stopp war Ålesund. Es folgen zahlreiche kleinere Häfen, Trondheim mit dem Nidaros-Dom, der nördliche Polarkreis, die Lofoten und Tromsø. Dann erreichten wir Europas nördlichste Stadt Honningsvag und anschließend den Umkehrpunkt in Kirkenes. Von da an fuhren wir in fünf Tagen wieder südwärts zurück nach Bergen.

Hier geht es zu einer Auswahl der subjektiv schönsten Bilder.

Tag 1 – Abfahrt in Bergen

Als Tor zu den Fjorden gilt Bergen, unser Ausgangspunkt für die Reise mit dem Postschiff. In der zweitgrößten Stadt Norwegens trifft sich eine moderne City mit lebendiger Geschichte. Reicht die rund 950 Jahre alte Stadt doch bis in die Wikingerzeit zurück.

Bergen von oben

Je nach Abfahrtszeit hat man noch die eine oder andere Stunde für die Stadt. Und die lohnt, wir kennen sie von einer früheren Reise her. Obwohl Bergen für norwegische Verhältnisse eine große Stadt ist, hat sie den Charakter einer Kleinstadt bewahrt und auch diesen Charme. Das gilt besonders für die Gegend um das historische Hanseviertel Brygge mit seinen farbenfrohen Häusern aus dem 14. Jahrhundert. Hier finden sich auch zahlreiche Restaurants, Museen und Läden mit Kunsthandwerk.

Für die Stadt bleibt dieses mal keine Zeit, da das Terminal etwas außerhalb liegt (hier ein paar Bilder der früheren Reise). Unser Schiff ist die MS Polarlys, norwegisch für Polarlicht, von der Hurtigruten-Reederei.

Das 1996 gebaute und 2016 modernisierte Schiff hat eine Länge von rund 120 Meter. Es bietet etwas über 600 Passagieren Platz und ist mit drei Restaurants, einer Bäckerei und Panorama-Bar ausgestattet. Zudem finden sich Sauna und Fitnessraum. Sonnendeck und zwei Whirlpools. Wichtiger jedoch ist ein eigenes Expeditionsteam, das an Bord Vorträge und Präsentationen anbietet. Etwa zu Geographie, Geologie, den Wikingern, im Winter natürlich zum Nordlicht und zu Themen wie Fotografie oder Navigation. Zudem ist das Team bei verschiedenen Landausflügen aktiv.

Insgesamt elf Schiffe verkehren auf der Linie und ganz wichtig, Fahrpläne werden eingehalten – sofern das Wetter mitmacht. Wer an Land ist und zu spät kommt, der hat Pech gehabt. Gewartet wird nicht. Dann heißt es Taxi fahren und blechen, was je nach Hafen, Entfernung und Region sehr teuer werden kann.

Spät Abends geht es von Bergen los Richtung Norden

Für uns ging es am späteren Abend geht es mit der MS Polarlys vom Hurtigruten-Terminal in Bergen los. Wir fahren mitten in die Nacht hinein. Langsam entfernt sich das Lichtermeer der Stadt, es folgen die obligatorischen Sicherheitseinweisungen. In der Nacht legt das Schiff kurz in den Häfen Florø, Måløy und Torvik an.

Tag 2 – Ålesund und Molde

Morgens erreichen wir Ålesund. Hier bleibt das Schiff knapp vier Stunden an der Reede liegen, so bietet sich ein ausgiebiger Stadtbummel an. Den besten Überblick hat man von dem nahe der Innenstadt gelegenen Hügel. Nur heißt es rund 420 Stufen zu bewältigen.

Blick auf Ålesund

Der Ausblick aber entschädigt für den Aufstieg. Die Stadt erstreckt sich über mehrere Inseln hinweg, auch das macht ihren Charme aus. Ålesund zählt zu den schönsten Städten Norwegens und ist bei Besuchern auch sehr beliebt. Die Stadt bestand früher komplett aus Holzhäusern, diese branden 1904 ab. Also baute man die Stadt neu auf, und zwar im Jugendstil. Das macht die Stadt so attraktiv und zu einem Touristenmagnet erster Güte.

Als die Stadt niederbrannte kam am schnellsten Hilfe von Kaiser Wilhelm II, der als Nordlandfan schon tags darauf Schiffe mit Lebensmitteln Medikamenten, Kleidung und Baumaterial von Hamburg und Bremerhaven losschickte. Deswegen trägt eine Straße hier noch heute den kaiserlichen Namen.

Zugleich ist Ålesund kulturelles und wirtschaftliches Zentrum dieser Region. Rings herum die Berge, knapp 2000 m hoch, sie bieten sich an für Skifahrten auf und abseits von Pisten, sanfte geschwungene Hügel für Langlauf. Im Sommer ist sie auch Ausgangspunkt zu vielen Sehenswürdigkeiten wie den Geirangerfjord, die Vogelschutzinsel Runde oder die Gipfel des Hjørundfjords. Zudem sind die Fjorde, Seen und Flüsse hier reich an Fisch. Ein kleines Paradies für Angler.

Auf Reede in Molde

Am frühen Abend erreichen wir dann Molde. Die Stadt zieht Besucher durch ihre Lage im Herzen vieler touristischer Hotspots an und auch durch ihr historisches Erbe. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt nahezu völlig zerstört, insofern finden sich kaum ältere Gebäude. Außer im zentral gelegenen Volkskundemuseum, dem größten Norwegens mit 50 historischen Gebäuden.

Zahlreiche Rosengärten haben Molde den Beinamen Stadt der Rosen eingebracht. Sie wachsen hier in verschwenderischer Pracht, ein Ableger des Golfstromes macht es möglich. Dafür ist der Winter jedoch die falsche Jahreszeit. Aber auch jetzt ist die kleine Fjordstadt voller Charme und Atmosphäre. Im Sommer findet hier Norwegens größtes Jazzfestival über mehrere Wochen hinweg statt mit rund 60.000 Besucher. Zugleich ist es das zweitälteste Jazzfestival Europas.

Schön beobachten lässt sich immer wieder an fast jedem Halt, wie das Postschiff Fracht ausliefert und neue einlädt. Auch steigen Gäste aus, neue kommen an Bord. Früher ließen sich manche Städte weiter im Norden nur per Schiff mit Lebensmitteln und Waren versorgen. Heute verdient man vor allem mit Passagieren das Geld, Fracht spielt nur noch eine untergeordnete Rolle.

Bildergalerie Abfahrt, Ålesund und Molde

Tag 3 – Trondheim

Es ging weiter die Küste entlang, Richtung Trondheim. Kurz vor der Stadt passierten wir die kleine Insel Munkholmen mit einer langen Geschichte. Vor dem 12. Jahrhundert diente sie als Hinrichtungsstätte, als Warnung spießte man schon mal den Kopf der Hingerichteten auf einer Stange auf. Bis 1537 fand sich hier dann ein Kloster, anschließend eine Seefestung mit Staatsgefängnis. Im zweiten Weltkrieg diente sie den Deutschen als Batterie Munkholmen zur Verteidigung der sich hier befindenden U-Boot-Basen. Heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel als Bade- und Sonneninsel, im Sommer verkehrt stündlich eine Fähre.

Das historische Bakklandet, Trondheims Altstadt

Gegen zehn Uhr erreichten wir Trondheim nach etwa 15 Stunden Fahrt, unser nächster längerer Halt. Rund 193.000 Einwohner machen Trondheim zur drittgrößten Stadt Norwegens. Sie ist ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt, Norweger kommen wegen den vielen Einkaufsmöglichkeiten gern nach Trondheim. Finden sich hier doch zahlreiche Läden mit Kleidung und Accessoires, wie man sie sonst kaum findet. Das gilt besonders für das historische Bakklandet, Trondheims Altstadt.

 

Diese hat man während einer Belagerung 1718 niedergebrannt, um die Stadt besser verteidigen zu können. Später wurde der Stadtteil wieder aufgebaut in eben dieser Form mit seinen kleinen Holzhäusern, Flussspeichern und Kopfsteinpflasterstraßen

Nidaros-Dom in Trondheim

Trondheim, 997 vom Wikingerkönig Olav Tryggvason gegründet bietet eine schöne Mischung aus alt und neu. Hier findet sich zudem der Nidaros-Dom, Norwegens einzige gotische Kathedrale und Grabstädte eben jenes Wikingerkönigs. Gebaut hat man die Kathedrale ab 1070 über dem Grab des Heiligen Olav, heute ist sie das Nationalheiligtum Norwegens. Die ältesten noch erhaltenen Teile stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts.

Schon kurz nach dem Tod König Olav des Zweiten Haraldsson 1030 in einer Schlacht, wurde er zu einem Märtyrer stilisiert. Es gibt aber keine Information, wie er ein Heiliger wurde. Sicher ist man sich nur dabei, dass es sehr schnell erfolgte.  Schon 1040 wurde in einem Gedicht von einer Olavsmesse, einem Heiligenschrein und von Wundern an seiner Leiche unmittelbar nach seinem Tod berichtet. Bald setzte zudem ein ausgeprägtes Pilgerwesen ein. Heute finden alljährlich im Juli die Olavstage statt, mit einem Mittelaltermarkt, Konzerten und Theater.

Am späten Nachmittag dann, mitten im Meer, auf einer kleinen Schäre vor Ørland gelegen, befindet sich ein tiefroter, achteckiger Leuchtturm, der über einen viel befahrenen Schifffahrtsweg im Bjungfjord wacht. Sein Name Kjeungskjær, erbaut um 1880. Die Höhe etwa 20 m. Er hilft Fischern und Seereisenden, auf dem richtigen Kurs zu bleiben, auch bei schwerer See. Denn diese Gegend ist für rasche Wetterwechsel gefürchtet. Es heißt, auf Ørland kann schon der nächste Sturm aufziehen, bevor man überhaupt bemerkt hat, dass der jetzige sich gelegt hat.

Bildergalerie Munkholmen, Trondheim und Leuchtturm

Tag 4 – Polarkreis, Lofoten, Bodø

Heute überquerten wir den Polarkreis auf 66° 33’ nördlicher Breite. Markiert ist er auf einer kleinen Schäre durch ein Modell der Erdkugel. Die Sonne reicht ab jetzt nicht mehr über den Horizont hinaus, die Chancen steigen, Polarlichter zu sehen. Begossen wird die Überquerung mit einem Schnaps, und wer will, der bekommt eine Kelle Eiswasser in den Nacken. Was die meisten wollten.

Erdkugel am nördlichen Polarkreis

Am Horizont zeichnet sich die 1000 m hohe Lofotenwand ab. Die Inselwelt der Lofoten bezaubert mit ihren kleinen, pittoresken Fischerdörfern. Die Inseln liegen verstreut auf den turbulenten Gewässern des Europäischen Nordmeers, weit oberhalb des Polarkreises. Hier herrscht die Natur: majestätische Berge, tiefe Fjorde, von der Brandung umspülte Strände.

Wir erreichten Bodø. Die Stadt gehört zu den am schnellsten wachsenden Norwegens. Heute leben hier etwa 50.000 Einwohner. Liebhaber von Kunst und Kunsthandwerk kommen hier besonders auf ihre Kosten finden sich hier doch ein eine bunte, vielseitige Truppe aus regionalen Künstlern, Glasbläsern, Töpfern und Schmuckherstellern. Man könnte aber auch Kajakfahren oder etwas den Saltstraumen besuchen, den stärksten Gezeitenstrom der Welt.

Weiter ging es nach einem Aufenthalt von etwa 2 ½ Stunden. Wir durchquerten in der früh einsetzenden Dunkelheit den engen Raftsund, legten einen Halt am Trollfjord ein. Dessen Einmündung ist nur 100 m breit, bei Nacht und Winters wird er nicht passiert.

Auf der Fahrt zum Trollfjord

An Deck gab es Erzählungen um die Schlacht am Trollfjord, die sich hier im Winter des Jahres 1890 abspielten. In den engen Fjord verirren sich im Winter große Fischschwärme und sind damit eine leichte Beute für die Fischer. Damals aber war der Fjord zugefroren. Nordlandfischer auf Ruderbooten baten daraufhin die Reeder moderner Dampfschiffe, das Eis aufzubrechen und so einen Zugang zu den Fischschwärmen zu ermöglichen. Nur versperrten die vier Dampfschiffe dann den rund 5000 Fischern auf etwa 1300 Booten den Zugang und begannen mit Senknetzen die Fische komplett abzufischen. Der Fjord jedoch ist Allgemeingut. Also enterten die Fischer am 6. März die Schiffe und es kam zu der sogenannten Schlacht am Trollfjord, in der die Nordlandfahrer obsiegten und sich einen Zugang zum Fjord erkämpften. Ein Jahr später erwirkten sie im norwegischen Parlament zudem ein Verbot der Senknetze während der Zeit des Lofotfischfanges.

Bildergalerie Polarkreis, Fahrt Bodo, Trollfjord

Abends dann das erste Mal auf dieser Tour, die divenhaften Polarlichter haben sich gezeigt.

 

Tag 5 – Tromsø

Wir haben Tromsø erreicht. Die Stadt wurde erst vor rund 200 Jahren gegründet, obwohl hier schon seit tausenden von Jahren Menschen leben. Anfang des 20. Jahrhunderts diente Tromsø gern als Ausgangspunkt für Expeditionen ins Eis. Deswegen bekam sie den Beinamen „Tor zur Arktis“. Zudem wurde die Stadt schnell ein Zentrum für Polarjäger in der arktischen Region. Heute kommen vor allem Jäger des Polarlichtes und Outdoor-Fans.

Im Zentrum von Tromsø am Nachmittag

An winterlichen Aktivitäten herrscht hier kein Mangel an Angeboten. Seien es Walsafaris, Kajakfahrten, Eisangeln, Wanderungen, natürlich Hundeschlittenfahrten oder es geht mit dem Motorschlitten durch nahezu scheinbar unberührte Natur. Natürlich bietet sich auch ein Stadtbummel an. Auffallend ist, dass viele Gehwege im Zentrum schnee- und eisfrei sind, während die Straßen durchweg mit Schnee bedeckt sind. Der Grund: die Gehwege werden beheizt.

Bildergalerie Tromsø

Die Stadt liegt 350 km nördlich des Polarkreises und bietet zusammen mit der folgenden Küstenlinie die höchsten Chancen Polarlichter zu beobachten. Sofern das Wetter mitmacht. So trifft man sich an Deck, um nach diesem atemberaubenden Phänomen Ausschau zu halten.

Aurora Borealis, das Nordlicht. Man könnte dessen Entstehung jetzt ausführlich wissenschaftlich erläutern oder es einfach auf die Sonne schieben. Denn ursächlich dafür sind geladene Teilchen des Sonnenwindes, die auf die oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen. Das Magnetfeld der Erde sorgt dafür, dass die Teilchen zu den Polen geleitet werden. Verbinden sie sich mit Stickstoff- oder Sauerstoffatomen entsteht dabei das Nordlicht. Hier in dieser Gegend sind die Lichter meistens grün, dafür ist der Sauerstoff zuständig.

Voraussetzung für die Beobachtung des Polarlichtes ist ein dunkler und klarer Himmel. Findet diese Reaktion doch in etwa 100 Kilometern Höhe statt, also weit oberhalb der Wolkendecke. Nur: Nordlichter verhalten sich gern wie eine Diva, erscheinen dann, wenn sie Lust haben. Ideal ist kaltes und trockenes Wetter und in diesen Breiten die Zeit zwischen 18 Uhr abends und 1 Uhr nachts.

So richtig erforscht ist das Phänomen auch heute noch nicht. Kein Wunder, dass die Menschen in früheren Zeiten den Lichtern mit Angst und Respekt begegneten oder einfach von ihnen verzaubert wurden. Sie schufen Märchen und Sagen um die Nordlichter, brachten sie mit Göttern, Kriegern und Fabelwesen in Verbindung, auch Philosophen, Chronisten und Wissenschaftler befassten sich seit jeher mit ihnen. Mit dem Wissen von heute können wir sie jedoch ohne Angst und Schrecken genießen. Die ersten schönen Polarlichter ließen sich übrigens schon weiter südlich am Abend des dritten Tages beobachten und auch heute Nacht.

Tag 6 – Honningsvåg (Nordkap)

In Honningsvag

Von Tromsø aus hat es rund 20 Stunden gedauert, bis wir Honningsvåg erreicht haben. Die Stadt gilt als das Tor zum 40 km entfernten Nordkap. Während der Sommermonate sind es um die 200.000 Besucher, die von hier aus zu dem Schieferplateau finden, im Winter erheblich weniger. Wenn sie es denn überhaupt schaffen. Uns jedenfalls machten Wind und Wetter einen Strich durch die Rechnung. Temperaturen am Kap von – 30 °C und sehr starke, orkanartige Winde verwehrten eine Fahrt. Also war ein Stadtbummel angesagt, hier sind die Temperaturen deutlich erträglicher.

Auffallend ist, dass sich hier keine älteren Gebäude mehr finden. Der Grund dafür findet sich im Nordkap-Museum. So wurde Honningsvåg am Ende des Zweiten Weltkrieges von der deutschen Wehrmacht wegen der von Adolf Hiltler angeordneten Politik der verbrannten Erde bis auf die Kirche und Grabkapelle vollständig zerstört. So wie viele der Gemeinden im Norden Norwegens.

Zum Nordkap kommt man – wenn es das Wetter zulässt – mit dem Bus. Fälschlicherweise wird das Kap oft als nördlichster Punkt des Kontinents bezeichnetet. Das ist jedoch Kinnaroden, nordöstlich gelegen, aber weit schwerer zu erreichen. Früher noch war es aber auch ein Abenteuer hierher ans Nordkap zu gelangen, heute finden sich Scharen von Menschen ein.

Am Nordkap treffen atlantischer und arktischer Ozean aufeinander, zwischen ihm und dem Nordpol liegt nur die Inselgruppe von Spitzbergen. Hier finden sich ein Besucherzentrum, die Nordkap-Halle sowie die ökomenische St. Johannes Kapelle. Mithin die weltweit nördlichste und ein beliebter Ort für Hochzeiten. Vor etwas länger als einem Jahr standen wir noch in der südlichsten Kirche der Welt in Grytviken auf Süd Georgien kurz vor der Antarktis (hier geht es zum Reisebericht Falkland-Inseln, Südgeorgien und die Antarktis).

Bildergalerie Honningsvag

Tag 7 – Kirkenes, die Hundeschlittentour

Nächstes Etappenziel der MS Polarlys war zugleich der Wendepunkt der Reise, das östlich gelegene Kirkenes. Vorher fuhren wir noch durch das Kernland der einheimischen Sami, den Nomaden des Nordens. Heute lebt aber nur noch eine Minderheit der Samen von der Rentierzucht. Mit dem Schiff passieren wir ihre einstige heilige Stätte, die Felsformation Finnkirka, eine wie eine Kirche geformte Klippe. Die raue See formte den Stein in Millionen von Jahren. Früher war es eine Opferstätte der Samen. Auch die Fischer machten hier gerne Halt und beteten für gutes Wetter.

Wir hatten Kirkenes erreicht. Von hier aus geht es wieder zurück Richtung Süden, nach Bergen. Die Stadt liegt auf einem Längengrad von 30 Grad östlicher Richtung, mithin tiefer im Osten als St. Petersburg und Istanbul. Straßenschilder sind hier zweisprachig, norwegisch und russisch. Liegt die russische Grenze doch nur wenige Kilometer entfernt.

Im Winter bieten sich Touren mit dem Schneemobil an oder mit Hundeschlitten. Auch lässt sich ein Schneehotel besuchen. Wer mehr Zeit hat kann hier übernachten. Im Winter. Die Innenraumtemperatur liegt bei konstant minus 4 Grad Celsius. Man kann sich zudem mit Rentieren befassen oder einfach eine Schneeschuhwanderung unternehmen. Für alles zusammen fehlte jedoch die Zeit, da das Schiff nach einem Aufenthalt von dreieinhalb Stunden sich Richtung Süden aufmachte.

Deswegen ließen wir die Stadt aus, fuhren gleich zu einem Camp mit Huskys. Unser Ziel war eine Schlittenhundefahrt durch die verschneite Landschaft. Die Temperatur war wieder angenehm mit rund – 13 ° C. Warm hielten Thermoanzüge, die der Anbieter der Schlittentour stellte.

Den Huskys machte es sichtlich Spaß, der Umgang mit den Besuchern und besonders die bevorstehende Schlittenfahrt. Es handelt sich um Siberian Husky´s, ihre Vorfahren stammen aus dem nördlichen Sibirien. Gut trainiert kann ein Hund das Neunfache seines Eigengewichtes ziehen. Huskys  – sprich, der Leithund – besitzt einen sehr guten Orientierungssinn, kommt nie von bekannten Wegen ab, selbst wenn diese dick zugeschneit sind. Und missachtet auch schon mal eine Anweisung des Mushers, des Schlittenführers, wenn dies eine Gefahr bedeuten würde. Hier verlässt sich der Mensch ganz auf das Tier und das Tier ganz auf den Menschen.

Unser Gespann aus 12 Hunden für den Viererschlitten ist ein Renngespann für Ausdauerläufe. Sie schaffen bis zu 250 km an einem Tag bei zwölf bis 14 Kilometern pro Stunde. Langstreckenrennen gehen über die Distanzen von 1200 km in sechs Tagen. Da braucht ein einziger Hund pro Tag um 8.000 bis 10.000 Kalorien.

Nach viel zu kurzer Zeit ging es wieder zurück, das Schiff wartet nicht. Die Häfen, die wir nordwärts nur in der Nacht angelaufen hatten, werden wir jetzt tagsüber sehen, oder besser in der Dämmerung. Jedenfalls solange wir noch nördlich des Polarkreises sind.

Bildergalerie Hundeschlittenfahrt

Tag 8 – Hammerfest

Kurz nach Mitternacht legten wir in Mehamn an, dem nördlichsten Anlegepunkt der Postschiffreise. Neben Booten und Schiffen ist das Schneemobil hier das Verkehrsmittel der Wahl. Und was bietet sich dann eher an, als mit einem Schneemobil nach Kjøllefjord zu fahren, dem nächsten Anlegepunkt der Polarlys. Hierbei geht es mitten in der Polarnacht durch eine der extremsten natürlichen Lebensräume Europas im Winter. So jedenfalls hatte ich es geplant. Aber auch hier machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung, kurz vorher wurde die Fahrt vom Anbieter gecancelt. Es hatte sehr viel geschneit, die Wege waren teilweise unpassierbar.

Dafür zeigten sich kurz ein paar Polarlichter als die Wolkendecke aufriss.

Am Vormittag dann fuhren wir an der Gasanlage Melkoya vorbei, nahe Hammerfest. Norwegen gibt sich gern als Vorreiter in Sachen Klimaschutz. Zugleich gehört das Land zu den großen Gas- und Erdölproduzenten weltweit. Doch Gas und Öl spielen in der norwegischen Wirtschaft eine Schlüsselrolle, tragen erheblich zur Finanzierung der norwegischen Wohlfahrtsgesellschaft bei. Und darauf will man natürlich nicht verzichten.

Definitiv nicht die nördlichste Stadt der Welt, auch wenn sie mit eben diesem Slogan wirbt, das ist Hammerfest. Da gibt es die Städte Honningsvag, die wir auf der nordwärtigen-Route besuchten oder Barrow in Alaska, beide liegen nördlicher. Nicht zu vergessen Longyearbyen auf Spitzbergen. Dennoch, das tut ihrem Charme keinen Abbruch. Sehenswert ist etwa die 1854 errichtete Meridiansäule, heute Teil einer Unesco-Welterbestätte. Die Stadt ist zudem ein Zentrum der Samenkultur und Heimat des Eisbärenclubs. Ein Museum, dass sich mit der Geschichte der Jagd in der Arktis befasst.

Weiter ging die Fahrt Richtung Süden. Um Mitternacht waren wir wieder in Tromso, rechtzeitig, um ein Mitternachtskonzert in der Eismeerkathedrale zu besuchen. Hier lässt sich bei Kerzenlicht norwegischen Volksliedern sowie klassischen und kirchlichen Musikstücken lauschen. Die Eismeerkathedrale ist eigentlich eine Pfarrkirche, wird aber aufgrund ihrer Architektur gern als Kathedrale bezeichnet. Filmen und Fotografieren ist aus Urheberrechtsgründen verboten.

Bildergalerie Hammerfest bis Tromsø

Tag 9 – Harstadt-Sortland, Svolvær

Am frühen Morgen schon verließen wir das Schiff in Harstadt. An Bord der MS Polarlys gingen wir erst wieder um die Mittagszeit in Sortland. Diese zwei Schiffsetappen legten wir mit dem Bus zurück. Als erstes stoppten wir an der nahe gelegenen Kirche in Trondenes. Sie ist die am nördlichsten gelegenen Steinkirche Norwegens. Das 1434 errichtete heilige Haus galt damals als wichtigste römisch-katholische Kirche nördlich des Nidarosdoms und diente als geistliches Bollwerk gegen die russisch-orthodoxe Kirche im Osten.

Steinkirche in Trondenes

In der Kirche finden sich heute noch drei wertvolle Flügelaltäre aus dem späten Mittelalter. Der mittlere stammt aus den Lübecker Werkstätten, vermutlich vom deutschen Künstler Brent Nolke. Die Chorschranke und die Kanzel im Stil des Rokoko stammen aus 1792 und die Orgel aus dem Jahre 1790, mithin die älteste in Nordnorwegen.

Museum in Trondenes

Die Region um Trondenes spielte schon zu Zeiten der Wikinger eine wichtige Rolle, war der Ort damals ein Machtzentrum der Nordmänner und diente als Versammlungsort. Nahe der Kirche findet sich das Trondenes Historical Centre. Hier finden sich ausschließlich Funde aus der Region, seien sie aus der Bronzezeit, der Ära der Wikinger bis hin zum zweiten Weltkrieg.

Unterwegs auf den Vesteralen

Mit dem Bus ging es jetzt quer über tief verschneite Straßen durch die Inselwelt der Vesteralen. Die Landschaft hier ist überaus facettenreich: von weißen Sandstränden und idyllischen Feld- und Wiesenlandschaften bis zu schroffen, steil über dem Meer aufsteigenden Berggipfeln. Das alles liegt natürlich derzeit unter einer tiefen Schneeschicht, was aber seinen eigenen Reiz hat.

Um die Mittagszeit erreichten wir pünktlich den Hafen von Sortland und stiegen wieder zu.

Bildergalerie Busfahrt Vesteralen

Am Abend dann lagen wir im Hafen von Svolvær, einem ehemaligen Fischerdorf, das eine jahrhundertealte Seefahrertraditionen bewahrt. Heute leben hier um die 4800 Menschen. Geschäfte, Galerien, Cafés und Restaurants sind über die gesamte Stadt verteilt.

Zwischen Januar und April ist Hochsaison was den Kabeljaufang betrifft. So um die 25.000 bis 50.000 Tonnen Fisch werden jährlich gefangen. Immerhin noch 3000 Fischer sind während der Saison an den Bänken der Lofoten unterwegs, 1947 waren es noch 20.000. Im Winter finden hier zudem die jährlichen Weltmeisterschaften im Kabeljauangeln statt.

Um diese Jahreszeit kommen vor allem Skifahrer nach Solvær, oder Künstler des wunderbaren Lichtes wegen Die Lofoten inspirieren schon seit Jahren zahlreiche künstlerisch veranlagte Menschen.

Fahrt und Bildergalerie Solvær

Wahrzeichen der Lofoten und der Stadt ist die Felsformation Svolværgeita, ein im Sommer gern besuchtes Ziel von Bergsteigern, um zwischen den beiden Felszacken auf dem Gipfel hin- und herzuspringen.

Tag 10 – Brønnøysund

Am Polarkreis, diesmal südwärts

Am frühen Morgen überquerten wir wieder den Polarkreis, von Norden kommend. Auf eine Taufe mit Eiswasser wird dieses Mal verzichtet, wer will bekommt traditionell einen Lebertran zum Genießen.

Es ging weiter entlang den sieben Schwestern, einer Bergkette. Leider ist das Wetter nicht besser geworden, es ist meist recht nebelig und stürmisch. Dennoch lassen sich die Schwestern beobachten, wenn manches Mal auch nur schemenhaft. Die Berge sind zwischen 900 und 1.100 m hoch und Stoff für alte Mythen. Eine davon ist, dass sieben wunderschöne Trollschwestern bei Sonnenaufgang erwischt wurden, sich in Stein verwandelten und so die Berggipfel erschaffen wurden.

Genau in der Mitte Norwegens liegt die Stadt Brønnøysund. Der Name basiert auf dem altnordischen Wort Brunney oder brunnur und bedeutet Brunnen oder Quelle. Für die alten Seefahrer gab es hier Süßwasser. Im Zentrum findet sich die steinerne Brønnøy-Kirche von 1870 im neugotischen Stil. Manches in der Kirche ist jedoch bedeutend älter, etwa Teile des Chors und der Eingangswände aus dem Mittelalter. Ansonsten bietet sich ein Bummel durch die Stadt an oder entlang des Jachthafens.

Bildergalerie Polarkreis und Brønnøysund

Tag 11 + 12 – Rückfahrt Bergen

Auf der weiteren Rückfahrt bliebe noch Zeit für einen zweiten Besuch von Trondheim. Nur ist der Anlieger außerhalb der Stadt und der Halt am frühen Morgen, so dass wir diesmal auf einen Landgang verzichteten.  Es folgte die Fahrt durch den majestätischen Trondheimsfjord, wenn auch bei nebeligem Wetter. Er ist 170 km lang und bis zu 25 km breit. Und recht tief, bis zu 577 m. Es folgten Kristiansund und bei Nacht die Häfen Ålesund, Torvik und Måløy. Damit näherte sich die zwölftägige Reise dem Ende. An 33 von 34 Häfen hatte die MS Polarlys angelegt – einer fiel des Wetters wegen aus. Insgesamt hatte das Schiff rund 2700 Seemeilen zurückgelegt.

Vor Bergen ließ sich noch die Landschaft genießen, die an einem vorbei glitt. Etwa der Nordfjord unterhalb des Jostedal-Gletschers. Oder im Geiste die Höhepunkte der Reise wie die Hundeschlittenfahrt, die Fahrt mit dem Motorschlitten durch die Polarnacht oder die faszinierenden Polarlichter.

Die Postschiffsreise an Norwegens Küste ist auch im Winter eine Reise wert wert, vielleicht sogar gerade dann. Lebhafte Städte wechseln sich mit kleinen, ruhigen Fischerdörfern und weiten Landschaften ab. Besonders bemerkenswert, die fehlende Lichtverschmutzung. Voraussetzung für die Beobachtung der famosen Nordlichter.

 

Kurzer Reisebericht von Rom ist fertig

Die Engelsburg

Hier findet sich nun ein kurzer Bericht einer Woche in Rom und vom Besuch von Ostia antica. Und wie gehabt natürlich viele Bilder. Einfach zum Stöbern und um auf Ideen zu kommen. Auf jeden Fall steht fest, Rom ist nicht nur eine Reise wert, gibt einfach zu viel zu tun und zu sehen. Wir kommen wieder.

Das Kolosseum
Blick auf den Petersdom
In Ostia antica

 

Rom im Dezember 2019

Rom 2019 – eine Städtetour im Dezember

Piazza Navona

Rom, die ewige Stadt, ist sicherlich eine der interessantesten Metropolen dieser Welt. Das Colosseo, das Forum Romanum mit dem Palatin, dem am besten erhaltene römische Gebäude, das Pantheon, aber auch der Vatikan mit dem Petersdom und den vatikanischen Museen, weiterhin der Trevi-Brunnen oder die spanische Treppe, eine nur annähernde Aufzählung würde den Rahmen dieses kurzen Berichtes sprengen. Aber dafür gibt es ja unzählige Reiseführer und -foren, Print wie online und als Apps. Deswegen nur ein kurzer Bericht unserer Woche in Rom über das was wir angeschaut haben und dazu einige schöne Bilder.

Hier geht es zur Bildergalerie mit den – subjektiv betrachtet – schönsten Bilder Roms und Ostia anticas – eine Auswahl

Blick auf den Petersdom von der Engelsburg aus

Tag 1 – Engelsburg bis Piazza Navona

Angekommen sind wir um die Mittagszeit an einem Donnerstag im Dezember. Dezember, weil es immer noch warm ist und recht trocken, und in der Hoffnung, dass weniger Besucher wie wir unterwegs sind. Weit gefehlt. Auch im Dezember sind viele Attraktionen voll, die zentralen Plätze überlaufen. Wichtig, Tickets etwa für die vatikanischen Museen und das Kolosseum vorab online besorgen, spart längere Wartezeiten an den Ticketkassen, außerdem gibt es kürzere Schlangen bei den Sicherheitskontrollen. Und den Menschenmassen kann man relativ einfach aus dem Weg gehen, gibt es doch nicht nur zentrale Plätze wie die Piazza Navona oder den Piazza Popolo. Die, zugegeben, wunderschön sind, besonders am Abend. Zum Essen geht man jedoch lieber in eine Seitengasse, es ist besser und günstiger.

Menschenmassen auch im Dezember, hier an einem Sonntagabend an der spanischen Treppe

Von unserem relativ gut gelegenen Hotel waren es zu Fuß nur 600 m zur Engelsburg, also am Nachmittag erstmal dort hin gegangen. Ursprünglich als Mausoleum für den römischen Kaiser Hadrian und seine Nachfolger errichtet wurde sie später von diversen Päpsten zur Kastellburg umgebaut. Heute ein Museum kann man oben eine Kleinigkeit bei einem wunderbaren Blick über die Stadt essen oder einen Kaffee trinken. Abends wenn es dunkel ist hat man eine wunderbare Aussicht über die Stadt. Absolut lohnenswert, einfach die Bilder anschauen.

Anschließend bietet sich ein Fußmarsch über die Engelsbrücke die Via Momte Giordano mit schönen Läden und Restaurants zur Piazza Navona an.

Bildergalerie Tag 1 Rom – Engelsburg bis Piazza Navona

Tag 2 – Villa Borghese, Piazza del Popolo, spanische Treppe, Trevi-Brunnen und das Pantheon

Am folgenden Tag, am Freitag nahmen wir uns die Borgheses vor, sprich die Villa Borghese. Dabei handelt es sich um eine Parkanlage, hervorgegangen aus dem Landgut der gleichnamigen adligen Familie, die immerhin eine Fläche vom fünf Quadratkilometern umfasst. Hier kann man eine schöne Wanderung mitten im Rom durch grüne Landschaften machen, weit weg vom Straßenverkehr und anschließend die Galerie Borghese besuchen. Sie zählt zu den berühmtesten und wertvollsten privaten Kunstsammlungen der Welt und geht auf den Kardinal Scipione Borghese zurück, der auch dieses Gebäude errichtete.

Im Garten der Borgheses

Weiter ging es zur Piazza del Popolo, die Via del Corso und die Via del Babuino – hier finden sich alle Edelgeschäfte Roms – entlang bis zur spanischen Treppe. Ab 1723 erbaut, dürfte sie eine der berühmtesten Freitreppen der Welt sein. Zuvor findet sich mit dem Antico Caffé Greco eines der berühmtesten Cafés Roms nahe der Spanischen Treppe. Schon Goethe trank dort seinen Kaffee. Ob er aber auch umgerechnet 9.- € für einen Cappuccino zahlte? Oder 12 für ein Stück Kuchen? Dafür trugen die Bedienungen einen Frack.

Nach der Spanischen Treppe ging es noch zum Trevi-Brunnen. Unvorstellbar was hier in der Saison los sein muss, wenn jetzt schon im Dezember Menschenmassen unterwegs sind. Dennoch, hier gewesen sein muss man. Die Fontana de Trevi ist mit rund 26 m Höhe und 50 m Breite immerhin der größte Brunnen Roms und sicherlich auch der bekannteste, wenn nicht sogar der Welt. Es soll Glück bringen, wenn man eine Münze über die Schulter rückwärts in den Brunnen wirft. Immerhin rund 1,5 Millionen Euro holen die Bediensteten der Stadt jährlich aus dem Brunnen, mit deutlich steigender Tendenz. 2018 sollen bald 30 Millionen Besucher an dem Brunnen gewesen sein. Das Geld fließt übrigens an die Caritas für soziale Zwecke.

Das Pantheon

Weiter durch die belebten Straßen stand noch das Pantheon auf dem Programm. Bei dem unter Kaiser Hadrian fertig gestellte Gebäude (um 128 n. Chr.) soll es sich um das am besten erhaltene Gebäude aus der römischen Antike handeln. Mehr als 1700 Jahre lang hatte es die größte Kuppel der Welt. Schon 609 wandelte man es in eine christliche Kirche um, deswegen auch der gute Erhaltungszustand. So diente das Gebäude nicht als Steinbruch. Im Pantheon finden sich heute die Gräber von berühmten Malern und Architekten, etwa von Raffael.

Bildergalerie Garten Borghese, Piazza Popolo, spanische Treppe, Trevi-Brunnen, Pantheon, Piazza Navona 

Tag 3 – Palazzo Massimo, Santa Maria degli Angeli, Museo Nazionale Romano, Trastevere

Samstag, Tag 3 in Rom. Heute standen erst einmal zwei Museen auf dem Plan. Der Palazzo Massimo alle Terme beherbergt heute Skulpturen, Portraits und Reliefs aus der späten römischen Republik und der frühen Kaiserzeit. So etwa eine Augustus-Statue, zwei von Apollo und den Sarkophag von Portonaccio.

Sarkophag von Portonaccio

Allein der ist den Besuch wert. Wie auch der Faustkämpfer von Quirinal, mithin ein der am besten erhaltenen Bronzestatuen aus jener Zeit. Für Numismatiker lohnt der Besuch des Untergeschosses mit einer riesigen Münzsammlung in einen großen unterirdischen Tresor.

Nahe dabei liegt mit Santa Maria degli Angeli e dei Martiri eine unter der Leitung von Michelangelo inmitten der Ruinen der Diokletiansthermen integrierte, absolut sehenswerte Kirche. Und daneben wiederum findet sich das Museo Nazionale Romano, welches auch einen Besuch wert ist. Allein für diese drei Gebäude kann man ruhig einen halben Tag einplanen, mindestens.

Weiter ging es mit der Metro  – die übrigens wunderbar funktioniert hat mit sehr kurzen Umsteigezeiten – und zu Fuß zu dem Künstlerviertel Trastevere den herbstlichen Tiber entlang.  Einst das Viertel der Arbeiterklasse ist die Gegend heute für ihre Trattorias, Kunsthandwerksläden, einfachen B&Bs und Budget-Hotels bekannt. Auch Kirchen finden sich und einige belebte zentrale Plätze wie die Piazza di San Calisto und die Piazza Santa Maria.

Bildergalerie Palazzo Massimo, Piazza della Republica, Maria degli Angeli, Museo Nazionale, Circo Massimo, Travestere 

Tag 4 – Das antike Rom – Colosseo und Forum Romanum 

Unser vierter Tag, der Sonntag, stand nahezu ganz im Zeichen des alten Rom. Beginnend natürlich mit dem Kolosseum, dem größten im antiken Rom erbauten Amphitheater.  

Das Colosseo

Das Wahrzeichen der Stadt, zwischen 72 und 80 n. Chr. errichtet, diente einst als Austragungsort grausamer und brutaler Veranstaltungen zur Belustigung der freien Bürger Roms. 50.000 davon passten hinein. Eine ausgeklügelte Bühnentechnik ließ innerhalb weniger Minuten vor den Zuschauern eine komplette Wald- oder Wüstenlandschaft entstehen, und das vor 2000 Jahren. Anfangs konnte man die gesamte Bühne auch fluten, etwa für Seeschlachten. 450 Jahre war das Kolosseum in Betrieb, Schätzungen zufolge sollen 300.000 bis 500.000 Menschen darin getötet worden sein und mehrere Millionen Tiere. Viele halten diese Zahlen jedoch für zu hoch gegriffen, da Gladiatorenkämpfe seltener tödlich ausgingen als vermutet.

Auf dem Palatin

Mehrere Stunden haben wir dann im Herzen des ehemaligen römischen Weltreiches, dem Forum Romanum, und auf dem Palatin zugebracht. Es ist schon beeindruckend allein die Ruinen zu betrachten. Man kann sich kaum die einstige Pracht vorstellen, bekommt aber eine kleine Ahnung davon. Mehr dazu am besten in Wikipedia nachlesen.

Am Ende des Weges stand dann die Neuzeit mit dem riesigen Denkmal Vittoriano, im späten 19. Jh. für den ersten König des geeinten Italiens, Vittorio Emanuele II, erbaut. Es zählt heute zu den Statussymbolen der Italienischen Republik.

Mit der Metro ging es dann zurück Richtung spanische Treppe, um dort ein schönes Lokal zu suchen. Was aber
in Rom an so einem Platz selbst im Dezember an einem Sonntagabend los ist, ließ uns sehr schnell umschwenken. Da waren die Besucherströme beim Kolosseum ein Klacks. Unvorstellbar diese Menschenmassen. Also weiter zu weniger belebten Plätzen, um ein ruhigeres Eck zu suchen, was wir auch fanden.

Bildergalerie das antike Rom, Vittoriano und spanische Treppe

Tag 5 – Im Vatikan

Nachdem am Sonntag das alte Rom im Fokus stand war es am Montag der Vatikan. Zuerst ging es am frühen Morgen in den Petersdom, da halten sich die Schlangen an den Sicherheitskontrollen noch in Grenzen. Anschließend standen die Vatikanischen Museen auf dem Programm. Gut, dass wir online das Ticket vorgebucht hatten, reduzierte die Wartezeit doch erheblich.
Der Petersdom, schon beeindruckend, wenn man inmitten dieser riesigen Kirche steht, man ist da so klein gegenüber all der Pracht und dem Gigantismus. Ist es doch die größte der päpstlichen Basiliken, fasst 20.000 Menschen, im Inneren. Damit ist es die größte aller päpstlichen Basiliken und eine der größten Kirchen der Welt, auf jeden Fall die Bedeutendste. Auf den Petersplatz vor dem Dom passen 100.000 Menschen.

Auch interessant: Der Bau des Petersdomes soll mit ein Anlass für die Spaltung der Kirche in Katholiken und Protestanten gewesen sein. Um ihn zu finanzieren führte Papst Leo X den Plenarablass ein: Wer der Kirche Geld zahlt, dem wurde die Strafe für seine Sünden erlassen. Dies war dem Augustinermönch Martin Luther ein Dorn im Auge. Der Rest ist Geschichte.

Einer von 1400 Räumen in den vatikanischen Museen

Kaum zu beschreiben sind dann die vatikanischen Museen. Unvorstellbar was sich dort so alles findet, sprich, was er Vatikan so alles im Laufe der Jahrhunderte zusammensammelte. Ob römisch, ägyptisch, etruskisch, Mittelalter… es ist kaum zu beschreiben. Nur ein paar Fakten. Besichtigen kann man 1400 Räume, zum Teil jeder einzelne mehrere hundert Quadratmeter groß. Rund 1000 Mitarbeiter beschäftigt das Museum, der Jahresumsatz liegt bei rund 100 Millionen Euro. 

Hier finden sich auch die Sixtinische Kapelle mit den berühmtesten Gemälden Michelangelos oder zig Räume mit riesigen Gemälden Raphaels und vieler anderer, zeitgenössischer Künstler, Galerien mit hunderten antiken wunderbar erhalten Statuen (5. Jh. vor Christus bis 2. Jh. nach Christi), archäologische Funde der Etrusker, Ägypter, Römer … der allerbesten Güte. Immerhin durchschnittlich 20.000 Menschen besuchen die Museen täglich. Wir hielten uns ungefähr sechs Stunden auf, legten dabei etwa sechs Kilometer zurück inklusive drei Kaffeepausen. Dann war es aber auch genug, zurück an den Hotspots Rom fanden wir ein gemütliches, ruhiges und gutes Restaurant.

Bildergalerie Vatikan 

Tag 6 – Ostia antica und die Pauluskirche

Am Dienstag machten wir uns dann mit dem Zug auf nach Ostia antica, etwas außerhalb von Rom gelegen. Bei der Stadt handelt es sich um den alten Hafen der Metropole. Hierher verirren sich nur wenige (und zahlreiche Schulklassen, an diesem Tag, die müssen), was aber ein Fehler ist. In dieser alten Stadt kann man Stunden verbringen und Kilometer zurücklegen – was wir auch taten – und hat immer nur einen kleinen Teil gesehen.

Eine der Hauptstrassen in Ostia antica

Immerhin lebten hier im 2. Jahrhundert mal 50.000 Menschen. Kommt vom Erhaltungszustand nicht ganz an Pompeji und Herkulaneum heran, aber nahe. Immerhin zählt die Ruinenstadt heute zu den bedeutendsten Ausgrabungsstätten der römischen Welt. Rund ein Drittel der Stadtfläche ist noch nicht mal ausgegraben. Trotz der Bedeutung findet von Rom aus kaum jemand hier her. Ein schöner Ausgleich gegenüber dem Trubel der Metropole.

Auf dem Rückweg machten wir einen Stopp bei der zweitgrößten Kirche (nach dem Petersdom) Roms, der Basilica di San Paolo fuori le mura, der Grabeskirche des Apostels Paulus. Dabei handelt es sich um eine exterritoriale Besitzung des Heiligen Stuhls im Vatikan. Das Gemäuer ist schon beeindruckend, wenn man die Säulenhalle betritt und es soll den schönsten Kreuzgang aller mittelalterlichen Kirchen besitzen. Könnte stimmen.

Blick auf die Grabeskirche des Apostel Paulus

Paulus war einer der ersten Missionare des Christentums, der um 67 n. Chr. von den Römern geköpft wurde. Sein Sarkophag wurde bei Umbauarbeiten im Dezember 2006 wiederentdeckt. Unter Historikern ist ziemlich unumstritten, dass er tatsächlich gelebt hat und auch einer der wesentlichen Ideengeber für das Neue Testament war. Nach einer Sondenuntersuchung des nie geöffneten Sarkophags fanden sich Knochen- und Stoffreste aus dem 1. Jh. n. Chr., Papst Benedikt XVI erklärte daraufhin das Grab als authentisch.

Bildergalerie Ostia antica und Pauluskirche

Tag 7 – Die Gegend um die Haltestelle Pyramidi

Nun geht unsere Woche Rom zu Ende. Den letzten Tag haben wir recht gemütlich verbracht, trotzdem rund 17 km gelaufen. Wir besuchten ein paar Kirchen, einige alte römische Gebäude (Casa Romanum) die sich heute im Untergrund befinden und die Caracalla-Thermen.

Eine gigantische Wellnessanlage der Römer für 1600 Besucher. Auch wenn nur noch Ruinen stehen, es ist schon überwältigend was die Römer da alles errichtet hatten. Manchmal wünscht man sich, sich eine Stunde in die Zeit `hineinzubeamen`. Natürlich als Bürger oder Aristokrat, nicht als Sklave. Zu guter Letzt besuchten wir noch die Pyramide, ja nach der Eroberung des alten Ägyptens stand alles ägyptische hoch im Kurs. Also bauten die Römer Mal schnell eine kleinere, nur 27 m hohe Pyramide. 

Ansonsten waren Bummeln angesagt, etwas shoppen und gut essen (und trinken). Eines ist nach dieser Woche klar, wir kommen wieder. Auch wenn wir keine Münzen in den Trevi-Brunnen geworfen haben.

Quellen: Eigene Erlebnisse, Internetrecherche, alle Bilder Werner Götz