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Die Arktis – rund um Spitzbergen, Teil III

An Bord der MS Sea Spirit

Freitag, 1. Juli 2022: Früh morgens erstmal ein PCR-Test, ohne ihn und vollständige Impfung geht es nicht an Bord der MS Sea Spirit. Gegen 16 Uhr erfolgte die Einschiffung auf das Expeditionsschiff und die obligatorischen Sicherheitseinweisungen, was recht zügig vor sich ging. Obwohl wir mit den Tenderbooten, sogenannten Zodiacs zum Schiff gebracht werden mussten, war die Reede doch belegt. Kurz die Kabine bezogen, die recht großzügig ist und komfortabel mit ihren rund 20 Quadratmetern. Dies hier ist noch ein klassisches Schiff, viel mit Holz und Messing, es hat gerade mal fünf Decks. An Bord sind 68 Passagiere aus den unterschiedlichsten Ländern und 72 Crew-Mitglieder. Hinzu kommen noch einmal 13 Mitglieder des Expeditionsteams.

Gebaut wurde das Schiff 1991 in Italien und 2016 und 17 renoviert. Es kann maximal 114 Gäste an Bord nehmen. Gegessen wird in einem a la Card-Restaurant, darüber hinaus bietet es eine größere Lounge für Vorträge, die alle in Englisch mit deutscher Simultanübersetzung gehalten werden. Zudem finden sich eine Bücherei, Club Lounge, Outdoor-Bistro und sogar ein Jacuzzi an Bord. Die Länge ist knapp 91 m, die Breite etwas über 15 m und die maximale Geschwindigkeit 15 knoten. Normalerweise hat das Schiff eine offene Brücke, sprich jeder kann sie besuchen und sich mit dem Kapitän unterhalten. Das ist aufgrund von Corona derzeit jedoch nicht möglich.

Hier geht es zu Teil I,  der Reise durch Mittelnorwegen und die westlichen Fjorde und hier zum zweiten Teil, rund um Longyearbyen.

Ny-Ålesund und der St. Jonsfjorden

Wir sind über Nacht rund 110 Seemeilen nördlich gefahren und haben am Morgen Ny-Ålesund erreicht, die nördlichste Siedlung der Welt. Hier befinden sich in der ehemaligen Bergbausiedlung heute zwölf Forschungsstationen aus neun Ländern, auch aus Deutschland. Themen sind u. a. die Atmosphärenforschung, der Klimawandel und Umweltverschmutzung.

Der Ort hat auch eine interessante Geschichte, was Arktisexpeditionen angeht. Starteten hier doch drei Expeditionen, etwa von Amundsen und Nobile. Mit Luftschiffen versuchte man damals den geographischen Nordpol zu erreichen. Der magnetische Pol bewegt sich und liegt ohne weiteres hunderte Kilometer entfernt.

Der 35 m hohe Ankermast, an denen die Luftschiffe festgemachten, steht heute noch. Hin geht es aber nur mit einem bewaffneten Guide, denn es ist Eisbärenland. Am 11. Mai 1926 startete von hier aus das Luftschiff Norge, um den Nordpol mit Roald Amundsen als Leiter und 16 weiteren Männern an Bord zu erreichen. Umberto Nobile war Führer des Luftschiffes. Am 12. Mai um 1 Uhr 25 erreichten sie ihr Ziel, und warfen die norwegische, italienische und amerikanische Flagge über dem Pol ab.

Gleich am Ortseingang vom Anleger aus findet sich eine alte Schmalspurbahn, die Lok stammt aus Deutschland, gebaut 1909 in Berlin und 1977 hierher transportiert. Damals wurde die Kohle in großen Zügen von den Minen zum Hafen transportiert und mit dieser kleinen Lokomotive an den Anleger auf die Schiffe gebracht.

In dem Ort finden sich weiter ein Museum, ein Souvenirladen, Hotel – nur für Wissenschaftler und eine Briefpost. Die alten Gebäude stehen größtenteils noch und wurden renoviert. Übrigens lässt man hier alle Fahrzeuge und Häuser wie in Longyearbyen immer unverschlossen. So kann man – sollte ein Eisbär auftauchen, sich in ein Auto oder Haus retten.

Nach einen Sicherheitsbriefing an Bord was Eisbären und den Umgang auf den Zodiacs angeht erreichten wir am frühen Nachmittag den St. Jonsfjorden und machten mit den Zodiaks einen Landgang. Vor einer großen Felswand voll von Vogelnestern findet sich eine interessante Vegetation. Für das Pflanzenwachstum sorgt der Kot der Vögel, Guano.

Zudem lassen sich hier von Land aus die kalbenden Gletscher beobachten und besonders beeindruckend sind immer wieder die Geräusche, die Gletscher von sich geben. Manches klingt wie Donnerhall, anderes eher wie lautes Knirschen. Wenn man die abbrechenden Eismassen hört und lokalisiert, ist es jedoch für Aufnahmen meist zu spät. Licht ist halt viel schneller als Schall.

Bei der Rückfahrt zum Schiff ging es noch an einer Felswand direkt an Wasser vorbei, wo sich zahlreiche Papageientaucher finden. Der einzige Ort auf Svalbard, wo man diese prächtigen Vögel beobachten kann.

Bei einem Landgang eruieren die Guides als Allererstes, ob das Gelände weiträumig auch Eisbärenfrei ist. Herrscht Nebel und damit keine gute Sicht, gibt es keine Anlandung. Scheint es alles in Ordnung zu sein, sichern sieben oder acht Mitglieder der Expeditionscrew mit Signalwaffe und Gewehr das ganze Gelände an strategischen Punkten ab und überwachen das Areal kontinuierlich mit Ferngläsern. Bei Wanderungen wird ebenfalls erst das Gelände gesichert und die kleineren Gruppen müssen zusammenbleiben und werden von zwei bewaffneten Guides begleitet.

Smeerenburg und Virgohamna, ein selten besuchter Ort

Smeerenburg auf der Insel Danskoya ist unser Ziel am Sonntagmorgen. Es ist eine ehemalige Walfangstation. wir sind jedoch vor allem wegen einer Kolonie von Walrossen hier. Man kann so an die 50 Meter an sie heran, immer gegen den Wind und nur von einer Seite, um sie nicht zu stören. Zudem man hat leise zu sein, gut für die Filmaufnahmen, der O-Ton ist somit gesichert. Mehr zu den Walrossen zu einem späteren Zeitpunkt. Der Besuch hat sich gelohnt. Ansonsten sieht man hier nur viel altes Holz der verfallenen Gebäude und Grundrisse der Öfen, mit dem man das Öl aus dem Tran gewonnen hat.

Der Walfang begann auf Smeerenburg um 1606 und dauerte bis etwa 1750, dann gab es keine Wale und auch keine Walrosse mehr, die nach den Walfischen dran glauben mussten. Der Bartenwal war das Hauptziel, er ist recht langsam und damit leicht zu jagen. Sechs Männer auf einem kleinen Ruderboot verfolgten und harpunierten die Wale, dann zog man sie an Land, zerteilte sie und siedete den Tran. Ein blutiges Geschäft. Zu den Hochzeiten lebten und arbeiteten 200 Menschen hier, es war ein sehr hartes Geschäft, obwohl die Station nur im Sommer besetzt war. Entsprechend hoch war die Todesrate bei den Walfängern, so fand man allein in Smeerenburg 101 alte Gräber. Walfänger wollten dort beerdigt werden, wo sie starben.

Virgohamna, eine der wichtigsten archäologischen Stätten auf Spitzbergen

Mit dem Tenderboot ging es anschließend auf eine benachbarte Insel, nach Amsterdamya zu dem Ort Virgohamna. Dies ist der archäologisch wichtigste Ort auf Spitzbergen, nur mit einer selten erteilten Sondergenehmigung des Gouverneurs, darf man hier anlanden. Obwohl der Ort auf den ersten Blick eher wie ein alter Schrottplatz aussieht. Virgohamna spielte in der Erforschung des Nordpols ab dem Ende des 19. Jahrhunderts mit Luftschiffen eine sehr wichtige Rolle. Starteten von den acht Polarexpeditionen allein fünf von hier, die restlichen drei von Ny-Ålesund. Letztendlich scheiterten alle, das aber ist eine andere Geschichte.

Was man schnell mal als Schrott ansehen mag, ist der Grund, warum man eine Genehmigung des Gouverneurs benötigt, um hierher zu kommen. Alles was hier rum liegt ist streng geschützt, sind Überbleibsel der Polarexpeditionen. Das Holz und einige Grundrisse sowie mehrere Gräber sind aus der Walfangzeit zwischen 1606 und 1730, die Metalle, Reste eines großen Hangars, Keramik, Eisenhaufen, Fässer, Ziegel und vieles mehr stammen aus der Ära der Polarexpeditionen etwa von 1890 bis 1926. Gut geeignet war diese Bucht für Walfänger wie Polarreisende, weil Ausläufer des Golfstromes sie frei von Eis halten.

Grab eines Walfängers aus dem 17. Jahrhundert

Nachmittags gab es dann noch eine Fahrt mit den Tenderbooten die Gletscher in Hamilton Bukta entlang, die ließ ich jedoch aus. Denn für mich stand die erste Kajakausfahrt im offenen Meer an. Sechs Teilnehmer nutzen anstelle von Bootsfahrten oder einigen Landausflügen das Kajak, um in dieser einmaligen Umgebung unterwegs sein. Eine Zusammenfassung der insgesamt sechs Kajaktouren gibt es zu einem späteren Zeitpunkt. Nur so viel, eine Kajakfahrt im Eismeer ist schon etwas Besonderes.

Abends sind wir dann noch in einen schönen Fjord eingelaufen, und hier sahen wir sie zum ersten Mal live, wenn auch aus einiger Entfernung. Eine Eisbärenmama mit zwei Jungen. Dafür steht man schon eine Weile im eisigen Wind an Bord des Schiffes herum und das bald gegen Mitternacht. Auch wenn man ein Fernglas benötigt, es ist schon etwas Besonderes.

Am Monacobreen-Gletscher und der Texas-Bar

Am Montag ging es für mich und fünf weitere gleich wieder mit dem Kajak los, während die anderen Gäste eine Zodiac-Tour den Monacobreen-Gletscher entlang machten. Es ist einfach fantastisch, nah an der Gletscherzunge entlang zu fahren, so aus etwa 200 m Sicherheitsabstand, da der Gletscher immer wieder kalbt und größere Wellen erzeugen kann.

Nachmittags machten wir dann eine Wanderung von etwa zwei Stunden bei der Texas Bar, so der Name der Landestelle. Schwerpunkt dieser Tour war die Botanik, finden sich hier doch einige Pionierpflanzen und weiteres blühendes Gewächs. Was naturgemäß alles sehr klein ist und extrem langsam wächst. Deswegen sollte man auch aufpassen, wohin man tritt. Auch hier findet sich ein Vogelfelsen, der für den Dünger und die Nährstoffe sorgt.

Die Texas-Bar findet sich etwas erhöht nahe dem Strand. Es ist eine kleine, Eisbärensichere Trapperhütte etwa aus den 20er-Jahren. Auch heute gibt es noch zwei Trapper, die hier unterwegs sind und Rentiere und mit Sondergenehmigung auch Polarfüchse jagen dürfen.

An der Texas Bar gibt es natürlich einen Wodka

Diese Bar ist von einem der bekannten norwegischen Trapper gebaut worden, von Hilmar Neuss. Er überwinterte hier über 38 Jahre, wollte Eisbären und Füchse vor allen in dieser Jahreszeit jagen. Dann hatten die Tiere ihr Winterfell, was dichter und schöner ist als das Sommerfell. Und damit deutlich mehr wert ist. Besonders wertvoll war der Blaufuchs, etwa genauso viel wie ein vielfach größeres Eisbärenfell. Um den Fuchs zu fangen, baute man steinerne Fallen, Schlagfallen. Dazu legte man einen Köter in die Falle, etwa ein Ei oder ein Stück eines Vogels. Ist der Fuchs rein und zog an dem Köter, fiel die Falle zusammen und erschlug ihn.

Reste einer alten Fuchsfalle

Abends fuhr das Schiff dann weiter gegen Norden, so dass wir den 80. Breitengrad gegen 21 Uhr überquerten. Hier gibt es eine flache Insel mit Walrosskolonien. Man darf aber nur bis 300 m heran, da es ein Naturschutzgebiet ist.

An der Packeisgrenze

Um 7.40 Uhr am Morgen haben wir die Packeisgrenze erreicht, fahren jetzt die nächsten Stunden an ihr entlang gen Osten. Crewmitglieder beobachten das Packeis, ob sich irgendwo Leben zeigt. Hier hat man recht gute Chancen, Robben und Eisbären zu sehen. Sahen wir aber nicht.

Die Packeisgrenze liegt auf 81°22.149‘. Von hier aus ginge es nur noch auf dem Packeis oder mit einem großen Eisbrecher Richtung Nordpol – aber nur im Sommer, sonst ist das Eis zu dick. Der Pol ist noch rund 500 nautische Seemeilen entfernt, etwa 900 Kilometer. Die Temperatur an Bord ist um die Null Grad, es scheint die Sonne. Erstmals seit wir Longyearbyen verlassen haben, bis dato hatten wir immer tiefhängende Wolken. Für uns ist das der nördlichste Punkt dieser Reise.

Die Seven Islands

Am späteren Nachmittag erreichten wir dann die südwärts gelegenen Seven Islands. Auf der Insel Philippsøya gingen wir an Land. Auch hierfür braucht man eine Genehmigung. Für uns ist es der nördlichste Punkt auf Spitzbergen. Zuerst wird wie üblich das Gelände sondiert, nahezu jede zweite Anlandung muss abgebrochen werden oder findet nicht statt, zu viele Eisbären sind in der Gegend. Heute jedoch nicht. Mitglieder der Expeditionscrew sichern verschiedene Taleingänge von erhöhten Punkten ab, zusätzliche Zodiacs liegen am Ufer, um im Notfall die Leute schnell abtransportieren zu können. Auch im Wasser fahren Crewmitglieder mit den Tenderbooten Patrouille, Eisbären können ja schließlich schwimmen.

Der Strand ist übersäht von Treibholz, ganze Stämme finden sich zuhauf. Das Holz wird von Sibirien bis hier her angetrieben. Mit ihm kommt das Plastik. Es ist üblich, dass die Besucher und Guides bei Landgängen angeschwemmte Plastikabfälle und Seile, in diesem Fall sogar ein ganzes Fischernetz aus Kunststoff einsammeln, an Bord mitnehmen und im Hafen entsorgen. Drei Sack voll kommen hier zusammen, daran sieht man auch, dass hier nur wenige Schiffe anlanden. Zudem steht hier eine alte Trapperhütte von 1936. Sie wird heute noch genutzt, etwa in Notfällen oder wenn der Gouverneur Kontrollfahrten macht.

Kraemerpynten und die Eisbären

Die ganze Nacht ging es Richtung Osten. Wir versuchen, einen besonderen Ort zu erreichen, die einsame Insel Kvitøya. Besonders insofern, als dass Expeditionsleiter Chris es in den letzten zehn Jahren nicht geschafft hat, an diesem Ort anzulanden. Immer musste man umkehren, starker Winde wegen oder des Eises. Doch es scheint, dass wir von den Wetterprognosen her Glück haben könnten. Wir hatten es.  

So nah kommt man einer Eisbärenmama und ihrem Jungen selten

Morgens angesagt war erst eine Zodiactour bei Kraemerpynten entlang des Gletschers. Die Insel ist zu 99 Prozent mit Eis bedeckt, rund 40 x 20 km groß und die höchste Erhebung ist rund 400 m. Die Sonne schien, der Himmel war blau. Doch mit der Tour die Gletscher entlang wurde es nichts. Der Grund: drei Eisbären, eine Mama mit ihrem Kleinen und ein weiteres Einzeltier. Es ist einfach fantastisch, sie kamen zum Ufer, beobachteten uns, spielten und fraßen, wir konnten bis auf 100 m ran. So blieben wir über zwei Stunden bei den Eisbären, konnten wunderbare Aufnahmen machen, einfach fantastisch. Mehr dazu im nächsten Footprint. Dann tauchten auch noch Walrosse auf, einzelne räkelten sich auf Eisschollen, es war eigentlich nicht mehr zu toppen. Allein schon wegen diesem Morgen lohnte die ganze Reise. Nur ein Problem hatte ich, allein von diesem Morgen mehr aus 500 Aufnahmen…, darunter einige Serienaufnahmen.

Nanook – der große Wanderer

Es ist schon etwas Besonderes, Eisbären in der freien Natur zu beobachten. Wir hatten schon am dritten Tag das Glück, gleich eine Mama mit zwei Jungen zu beobachten – aus der Ferne vom Schiff aus. Am fünften Tag dann noch einmal eine Begegnung mit drei Tieren bei Sonnenschein auf dem Eis und aus der Nähe. Ein weibliches Tier mit Nachwuchs und ein einzelner Eisbär. Über zwei Stunden lang ließen sie sich studieren, kamen uns sogar bis an das Ufer entgegen, so dass nur 100 m zwischen uns lagen. Traumhaft.

Der Polarbär, Ursus maritimus oder wie die Inuit sagen, Nanook – der große Wanderer ist eines von den größenen Tieren hier auf Svalbard, neben Walrossen, Polarfüchse und Rentieren. Männchen werden um die 500 bis 700 kg schwer, Weibchen 200 bis 400 kg. Gejagt wurden sie auf Spitzbergen bis 1973, seitdem sind sie geschützt. Weltweit soll es noch um die 20.000 bis 25.000 Eisbären geben, in Kanada und Grönland bejagt man sie weiterhin legal, 1000 Tiere pro Jahr. Früher hatte man sogar fallenartige Selbstschussanlagen gebaut, um die Bären zu töten.

An Land erreichen die Bären eine Geschwindigkeit von bis zu 40 km/h, deutlich mehr als normale Menschen. Im Wasser erreichen sie immer noch 10 km/h, als vergleich, wir sind mit den Kajaks ungefähr fünf bis sechs Kilometer schnell. Zudem sind sie sehr gute und ausdauernde Schwimmer. Forscher fanden heraus, dass ein GPS überwachter Bär an einem Stück 687 km im Meer in neun Tagen zurücklegte und dann an Land noch einmal 1800 km unterwegs war. Während dieser Zeit verlor er 30 Prozent seines Gewichts. Eine Ausnahme. Aber Schwimmeinlagen von 300 km am Stück sollen keine Ausnahme sein. Alt werden sie 25 Jahre, Weibchen leben länger als die männlichen Eisbären.

Interessant auch, es gibt Kreuzungen zwischen Eisbär und Grizzly-Bär, der Nachwuchs ist sogar fruchtbar. Während Eisbären reine Fleischfresser sind, leben Grizzlys zu 80 Prozent vegetarisch. Der Nachwuchs richtet sich nach der Mutter. War es eine Eisbärin, wird Fleisch gefressen, war es ein Grizzly, lebt er gerne vegetarisch.

Bei einem Landgang eruieren die Guides aus Sicherheitsgründen als Allererstes, ob das Gelände weiträumig auch Eisbärenfrei ist. Herrscht Nebel und damit keine gute Sicht, gibt es keine Anlandung. Oder wenn Eisbären gesichtet werden. Scheint alles in Ordnung, sichern sieben oder acht Mitglieder der Expeditionscrew mit Signalwaffe und Gewehr das ganze Gelände an strategischen Punkten ab und überwachen das Areal kontinuierlich mit Ferngläsern. Auch das Meer wird mit Zodiacs überwacht. Bei Wanderungen wird ebenfalls erst das Gelände gesichert und die kleineren Gruppen müssen zusammenbleiben und werden von zwei bewaffneten Guides begleitet. Dennoch gab es auch auf Spitzbergen schon Todesfälle im Zusammenhang mit Eisbären, etwa vor zwei Jahren auf dem Campingplatz in Longyearbyen. Ist aber überaus selten. Muss ein Eisbär erschossen werden, zieht das lange und unangenehme polizeiliche Ermittlungen nach sich.

Andreeneset, nur selten zu erreichen

Die Spur eines Eisbären

Nachmittags wollten wir dann im Westen bei Andreeneset anlanden. Jedoch wurde ein Polarbär gesichtet (Nummer 7), schlafend und 5 km von der Anlandestelle entfernt, also sollte es nur eine Zodiac-Tour geben. An einem Felsen im Meer tummelten sich gut und gerne 200 Walrosse auf engstem Raum. Weiter zu der ursprünglichen Anlandestelle, um wenigsten ein besonderes Denkmal von Wasser aus zu sehen. Die Crew hat es seit zehn Jahren wie viele andere nicht mehr geschafft, hier anzulanden. Nur wenige Besucher schafften es überhaupt. Das Wetter erlaubt es nur an etwa 20 Tagen im Jahr, wir haben heute blauen Himmel, Windstille, und dann liegt da ein Polarbär herum. Das Besondere an diesem Ort: In etwa 300 km Entfernung musste der Ballon von Andree, Strindberg und Fraenkel notlanden. Die drei Männer starteten im Oktober 1897 von Virgohamna aus, um den Nordpol zu erreichen. Sie schlugen sich auf driftenden Eis bis hierher durch. Doch auf der einsamen, abseits gelegenen Insel hatten sie keine Chance zu überleben und starben etwa nach drei Wochen. Suchaktionen fanden die Männer nicht. Entdeckt wurde die Absturzstelle 1930 zufällig, als eine Expedition nach Franz-Josef-Land aufbrach, um dort eine Wetterstation zu errichten. Die Gebeine wurden geborgen und in Stockholm beerdigt. Strindberg hatte eine Braut, die erst 18 Jahre später loslassen konnte und einen anderen Mann heiratete. Bei ihrem Tod 1947 verfügte sie, dass ihr Körper bei ihrem aktuellen Mann bestattet wird und ihr Herz bei dem in Stockholm bestatteten Verlobten Strindberg. So geschah es auch.

Doch der Expeditionsleiter entschied, nachdem sie das Gelände vom Boot aus sondiert hatten und mit der Drohne aus der Luft kontrollierten, dass man doch anlanden könnte, Boot für Boot und recht kurz. Also raus mit fünf bewaffneten Crew-Mitliedern, die das Gelände absicherten. Der Bär schlief noch und wir waren gegen den Wind, so dass er keine Witterung aufnehmen konnte. Also raus aus dem Boot und hin zu dem Denkmal. So gehören wir nun zu den wenigen Menschen, die an diesem Ort waren, der für Svalbard – Spitzbergen – eine besondere historische Bedeutung hat.

Am Gletscher Brasvellbreen bei Sonnenschein

Am Donnerstagmorgen lagen wir bei Sonnenschein vor dem Gletscher Brasvellbreen mit wunderbaren Ausblicken auf die Eismassen. Auch dieser Gletscher verändert sich deutlich durch die Klimaerwärmung, so fließt das Schmelzwasser heute unterirdisch ab, da sich viele Gletscherspalten gebildet haben. Früher vor einigen Jahren floss das Wasser oberirdisch ab, bildete an der Abbruchkanten wunderbare Wasserfälle. Die gibt es nicht mehr, dennoch lohnt der Blick.

Etwas später erreichten wir Torellneset, unseren nächsten Stopp. Für die meisten stand eine Zodiac-Tour an, während ich wieder ins Kajak stieg. Hier findet sich eine Walrosskolonie. Zahlreiche Tiere tummeln sich diesmal im Wasser, vor allem Jungtiere spielen in der Brandung. Ihnen kann man sich so auf 20 bis 30 Meter mit dem Kajak nähern. Wir beobachteten zwei Jungtiere in etwa 20 m Entfernung, die aber dann abtauchten und verschwunden waren. Also weiter gepaddelt. Auf einmal ein Schlag von hinten an unser Boot, sie sind direkt hinter uns beiden aufgetaucht und untersuchten und schubsen das Kajak. Alex aus den USA ist mein Paddelkollege. Ein seltenes und harmloses Erlebnis – sind halt neugierig, und die Tiere so aus der Nähe zu sehen ist schon etwas Besonderes. Anders wäre es bei einem ausgewachsenen Männchen, hier heißt es Abstand gewinnen. Dann wäre es tatsächlich gefährlich. Zu den Walrossen nachher mehr.

Anschließend landeten wir mit den Kajaks noch an, um kurz die Kolonie von Land aus zusehen, bevor es die drei Kilometer über offene See zum Schiff zurückging.

Die Brünnich´s Guillemont in Alkefjellet

Nachmittags in Alkefjellet gleich die nächste Kajak-Tour, so waren wir an diesem Tag bald fünf Stunden unterwegs. Diesmal ging es nah an der Küste entlang, nur wenige Meter entfernt an dem rund 100 m hohen Cliff. Es erinnert an eine Skyline einer Stadt mit Wolkenkratzer. Das war ein weiterer Höhepunkt dieser Tour. Hier brüten um die 60.000 Pare Dickschnabellummen, in kleinsten Nischen im steilen Fels. Rings um uns herum flattern und schwimmen tausende Vögel, teilweise nur einen Meter entfernt. Zu Starten von der Wasseroberfläche brauchen sie einen langen Anlauf, schon lustig die etwa 40 cm großen Vögel dabei aus nächster Nähe zu beobachten. Die Geräuschkulisse, einmalig. Auch der Geruch.

Die Brünnich´s Guillemont, wie die Vögel hier heißen, sind sehr schlechte Flieger, aber wunderbare Schwimmer. Deswegen verbringen sie ihr Leben lieber im Wasser als in der Luft. Schwimmend erinnern sie stark a Pinguine. Sie tauchen ohne Probleme 100 m tief, manche sogar 150 m bleiben dann bald zehn Minuten unter Wasser, werden bis zu 30 Jahre alt. Vor einigen Jahren hat die BBC dieser weltweit einmaligen Brutstätte eine eigene Dokumentation gewidmet. In einem Schneefeld sahen wir auch den ersten Polarfuchs, sind selten geworden. Aber sie halten sich gerne dort auf, wo Vögel brüten. Die Nahrung ist dann nicht weit.

Walrosse, Giganten der Arktis

Auf Spitzbergen findet sich das Atlantik-Walross, von dem es noch um die 20.000 Exemplare geben soll. Es gibt zudem das Pazifik-Walross mit einem Bestand von 200.000 Tieren. In Spitzbergen sind sie streng geschützt, in Kanada oder Grönland werden sie noch gejagt. Das Weibchen wird etwa 3 m lang, wiegt 1200 kg, das Männchen ist 3,60 m groß und bis zu 1900 kg schwer. Das Alter lässt sich anhand der Zähne bestimmen, sie werden in freier Wildbahn um die 30 bis 40 Jahre alt. Ihre langen Zähne dienen Revierkämpfen und zur Verteidigung etwa gegenüber Eisbären. Die greifen Walrosse normalerweise nicht an, da sie sich gemeinsam verteidigen.

Ein krankes Tier oder ein Jungtier, das abgesondert wurde, kann schon mal von einem Eisbären erlegt werden. Vor allem von Mollusken leben die Tiere, an einem Tag vertilgen sie um die 70 kg Muscheln, indem sie sie aussaugen. Manchmal erbeuten sie aber auch Seehunde oder Vögel. Im Wasser erreichen Walrosse Geschwindigkeiten von über 30 km/h und können bis zu 45 Minuten und bis 500 m tief tauchen. Üblicherweise bleiben sie aber nur um die fünf Minuten unter Wasser. Alle drei Jahre können sie ein Junges gebären, die Sterblichkeitsrate bei dem Nachwuchs liegt bei 25 Prozent.

Kapp Waldburg und Kapp Lee

Kapp Waldburg ist unser nächstes Ziel. Es geht wieder mit dem Kajak raus, die Küste entlang. Hier herrschte ein etwas höherer Wellengang, zum Teil mussten wir gegen eine stärkere Strömung ankämpfen. Und ja, es ist Salzwasser. Das Kajak tauchte in den Wellen unter, die Gischt spritzte manchmal ins Gesicht. Macht Spaß. Besonders die Anlandung, man surft manchmal kurz die Wellenkämme entlang, dann hieß es Full Speed um auf dem Kiesbett anzulanden. Hier findet sind etwa 100 bis 200 m vom Ufer entfernt ebenfalls ein Vogelfelsen, es ist schon irre, wie wenig sich die Vögel um Menschen kümmerten. Und es war ein Lärm, den die Vögel verursachten. Einfach schön. Man konnte bis auf wenige Meter an die Kittywakes, Trottellummen herankommen. Die um die 40 cm großen Vögel nisten in steilen Felsnischen und legen nur zwei Eier. Mehr Platz gibt es nicht im Nest. Hier sind sie scheinbar sicher vor dem Fuchs. Der streifte auf den Grünflächen herum, hält sich dort auf, wo er Nahrung erbeuten kann. Es ist der Zweite, den wir beobachten konnten. Er kann gut klettern, so dass er immer wieder Beute macht. Die Vögel attackieren den Fuchs nicht, kommt er zu nah fliegen sie einfach weg und überlassen Eier oder Brut dem Polarfuchs. Er ist kleiner als unser Rotfuchs, etwa 55 bis 75 cm und nur drei bis neun Kilogramm schwer. Und kann Temperaturen bis – 70 °C überstehen.

Rund drei Stunden später konnten wir an Kapp Lee anlanden. Seit rund 1600 diente dieser Platz als Schlachthaus. Hier wurden bald 400 Jahre unzählige Eisbären, Walrosse und Rentiere ausgenommen. Noch heute liegen unzählige Knochen herum. Von den alten Hütten finden sich noch Fundamente. Einige Trapperhütten aus dem 19. Jahrhundert stehen noch. Zudem finden sich alte Gräber von Walrossjägern.

Wir sind jedoch wegen einer Kolonie an Walrossen hier, die sich wunderbar von einer Anhöhe beobachten lassen. Auch mehrere Rentiere lassen sich blicken, in den rund zwei Stunden bleibt Zeit für schöne Beobachtungen und zahlreiche Fotos. Einige der Walrosse haben Übrigens eine rötliche Färbung, es scheint die Sonne und ist verhältnismäßig warm. Ist ihnen warm, wird die Fettschicht durchblutet und Wärme abzuführen, Das führt zu der Farbänderung. Sind sie immer Wasser oder ist es kälter sind sie braun, dann wird die dicke Fettschicht nicht mehr durchblutet, um keine Wärme zu verlieren.

Wanny Waldstad – die erste norwegische Trapperin

In Gnålodden, unserem nächsten Anlandepunkt, findet sich eine Trapperhütte aus den 30er-Jahren, die einen berühmten Besitzer hatte: Wanny Waldstad. Die Frau war die erste Taxifahrerin in Tromsøe und später die erste norwegische Trapperin auf Spitzbergen, von 1932 bis 1937. Sie überwinterte auch mehrere Jahre hier und war eine sehr erfolgreiche Jägerin. Später erwarb sie eine Farm auf dem Festland in Norwegen und reiste dann als durch die Lande, von ihrem Leben zu erzählen. Das endete im Alter von 66 Jahren bei einem Busunfall in Tromsøe.

Einen Vogelfelsen in der Nähe muss man erklimmen. Eine anstrengende Tour, bei ungewöhnlichen 10 °C, den Abhang hinauf bis zum Fuß des Felsens. Dafür hat man dann aber auch die Vögel aus der Nähe und einen wunderbaren Blick ins Tal.

Nachmittags gleich ins Kanu bei Samarinvågen (Kanutour Nr. 6). Es ging etwa 4,5 Kilometer in der Bucht zu einem fantastischen Gletscher, bei Windstille, glatter See und 10 °C. Wir haben schon bald fünf Tage Sonnenschein, seit wir die Packeisgrenze verlassen haben. Jetzt ist keine Wolke am Himmel zu sehen. Mehr als ungewöhnlich, wie unsere Kajakguides Eloisas aus Argentinien und Eduardo aus Peru erzählen, und das bisher beste Wetter in dieser Saison. Traumhaft mit dem Kajak hier entlang zu paddeln. Deswegen macht man solche Reisen, und der Eisbären und Walrosse wegen, natürlich. Ein junger Buckelwal ließ sich in dieser Bucht auch noch blicken.

„Lets play with the icecubes”, war dann die Aufforderung Eloisas, mit den Kajaks in die treibenden Eisblöcke des kalbenden Gletscher zu paddeln. Was wir mit Elan auch taten, bevor wir zurück zum Schiff mussten. Der Zeit wegen im Tenderboot, denn es stand ja noch der Polarplunsch an. Sprich, der Sprung ins etwa 1° C warme Wasser vom Zodiak aus, was dann 14 Teilnehmer taten. So auch ich. Damit bin ich jetzt in der Antarktis und in der Arktis geschwommen und war auch in beiden Regionen mit dem Kajak unterwegs. So viele gibt es nicht, die das schafften.

Auf dem Weg zum nächsten Stopp zeigte sich in einer Bucht auch ein Buckelwal. Zwar aus einiger Entfernung, aber immerhin. Für einige gute Aufnahmen der hinteren Flosse beim Abtauchen reichte es.

Der Sprung ins kalte Wasser

Der Polarplunsch, sprich ein Sprung ins etwa 1° C warme Eismeer vom Zodiak aus. Das ist Tradition und gehört dazu, besonders für die sechs Kajaker. 14 wagten den Sprung ins eisige Wasser. So auch ich. Damit bin ich jetzt in der Antarktis und in der Arktis geschwommen und war auch in beiden Regionen mit dem Kajak unterwegs. So viele gibt es nicht, die das schafften.

Bamsebu, Schlachtplatz vergangener Zeiten

Zehn Tage sind wir schon in der Arktis unterwegs, es ist wieder Sonntag und wir haben Bamsebu im Süden von Spitzbergen erreicht. Hier finden sich noch die Reste einer 1930 gebauten Station, die zum Walfang (vorwiegend Belugas) genutzt wurde. Es steht noch das Hauptgebäude, das man als Wohnquartier nutzte. Am Strand, Unmengen an Walknochen der abgeschlachteten Tiere, die zu Haufen aufgeschüttet wurden. Auch die zerfallenen Reste alter Boote finden sich. Ein Platz, der einem die damaligen Grausamkeiten an den Tieren eindringlich vor Augen führt. 

Die zweite geplante Anlandung fiel wetterbedingt aus, es wurde windig und die Anlandestelle lag an einem Fjordeingang, zu hohe Wellen. Also direkt zurück nach Longyearbyen.

Lets play with the icecubes

Diese Aufforderung eines unsere Kajakguide sagt schon sehr viel. Es macht einfach Spaß, mit dem Kajak durch das Eismeer zu paddeln. Für die Kajaker, ursprünglich sieben, nach der zweiten Tour dann noch sechs, wurde jede Gelegenheit genutzt, mit den Kajaks unterwegs zu sein anstelle mit den Zodiacs. Manchmal führen wir ähnliche Strecken wie die Tenderboote, manchmal ganz andere. Manchmal landeten wir auch mit den Kajaks an, um etwas anzuschauen, manchmal ging es nur ums Paddeln. Bei Wind und bis zu einem Meter hohen Wellen, bei Nebel oder spiegelglatter Meeresoberfläche und blauem, sonnendurchflutetem Himmel entlang kalbender Gletscher und durch Eisfelder. So verbrachten wir sechs rund zehn Stunden allein im Kajak, legten knapp 40 km zurück.

Immer dabei, ein Begleitboot mit einem der beiden Kajakguides, die sich auf dem Wasser tourweise abwechselten. Vom Begleitboot wechselten wir in die Kajaks und auch wieder zurück, selbst bei Wellengang recht schnell Routine trotz des Höhenunterschiedes. Am Schiff ist es nicht möglich, selbst wenn wir dahin zurück paddelten. Es wurden auch Foto- und Filmaufnahmen von uns gemacht, einige seht ihr hier in diesem Post. Auch ich konnte einige Aufnahmen machen, mit der GoPro. Nur war sie bei diesen Lichtverhältnissen recht schnell überfordert, die Bilder mussten intensiv nachbearbeitet werden. Das eine oder andere Bild machte auch Elke vom Zodiak aus, wenn wir uns begegneten oder vom Ufer. Sogar eine Drohne kam zum Einsatz, der Fotograf hat eine Sonderlizenz. Man darf sie aber nicht der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen, wir haben sie bekommen. Vorschrift des Gouverneurs, der auch die Genehmigung erteilt. Er will den Drohneneinsatz auf Spitzbergen unter Kontrolle halten. Anziehen muss man einen Trockenanzug, den Spritzschutz für die Kajaköffnung und eine Rettungsweste, etwa zehn Minuten dauert es, bis alles am Mann respektive der Frau ist. Ausgebootet wurde immer als erstes, vor den Zodiac, so hatte man immer etwas mehr Zeit.

Besonders positiv und engagiert, die beiden Kajakguides, Eloisa aus Argentinien und Eduardo aus Peru, beides Meeresbiologen und enthusiastische Kajakfahrer. Das spürt man. Und machte es uns auch sehr angenehm. Für mich waren die Touren im Kajak auf offenem Meer, an Gletschern entlang oder Felswänden sicherlich einer der Höhepunkte dieser Tour.

Die Arktis – eine extreme Region

Es ist eine extreme Region, die Arktis. Fast frei von Menschen. Eis, Wasser baumlose Landschaften, Vögel, Eisbären, Walrosse, Füchse, Wale und Rentiere bevölkern die Gegend. Jahrhunderte lang wurden sie gejagt und abgeschlachtet. Die Reste dieser Zeiten finden sich vielerorts. Aber auch Geschichte wurde hier geschrieben, in Sachen Polarexpeditionen. Mit dem Ziel, als erster Mensch am Nordpol zu sein oder ihn wenigstens überquert zu haben. Unser nördlichster Punkt, den wir auf dieser Expedition erreichten, die Packeisgrenze, lag nur noch 900 km vom Pol entfernt. Eigentlich ein Katzensprung. Doch ab hier ginge es nur noch auf dem Packeis bei extremen Bedingungen weiter. Bergbau spielte auf Spitzbergen lange Zeit eine wichtige Rolle, vor allem die Förderung von Kohle. Doch deren Zeit nähert sich dem Ende. Heute sind es Wissenschaftler und Touristen, die die Gegend am Leben halten.

Wunderbar auch die Crew der MS Spirit, die sehr flexibel reagierte und uns einige wunderbare Tage ermöglichten. Auch deren Kompetenz in Sachen Arktis ist unbestritten. Eines der Mitglieder der Expeditionscrew hat zum Beispiel der Grönlandeis auf einem Schlitten mit Skiern durchquert, was nur wenigen Menschen bis dato gelang. Und jeder hatte seine Kompetenz auf sich ergänzenden Gebieten. Sei es Geologie, Vogelkunde, Meeresbiologie, um nur einige Beispiel zu nennen. Und jeder war sehr polarerfahren.

Ganz besonders intensiv empfand ich die sechs Kajaktouren im Eismeer, bei Wind und Wellen, bei Nebel oder spiegelglatter Meeresoberfläche und blauem, sonnendurchflutetem Himmel entlang kalbender Gletscher und durch Eisfelder. Immerhin verbrachten wir sechs und die zwei Guides rund zehn Stunden im Kajak. Besonders engagiert die beiden Kajakguides, Eloisa aus Argentinien und Eduardo aus Peru, beides Meeresbiologen und enthusiastische Kajakfahrer.

Dreieinhalb Jahre nach der Antarktisreise nun die Arktis, in beiden Regionen gepaddelt und geschwommen, einfach Erlebnisse der besonderen Art. Die Natur, Tierwelt, aber auch der Einfluss des Menschen. Man lernt sehr viel dazu.

Mehr zu Norwegen und der Arktis

Teil II der Reise zeigt uns die Stadt und Umgebung von Longyearbyen auf Spitzbergen.

Im Teil I sind wir auf dem Festland in Oslo, Mittelnorwegen und den westlichen Fjorden unterwegs, konkret geht die Tour von Oslo zum Telemarkkanal, weiter nördlich zum Geirangerfjord und wieder südlich nach Bergen.

Wen es interessiert, hier geht es zu der Reisereportage mit dem Motorrad durch Schweden, Finnland und Norwegen ans Nordkap und zurück die Westküste Norwegens entlang nach Bergen.

Auch über eine Winterreise mit dem Postschiff von Hurtigruten die Küste Norwegens entlang gibt es eine Reportage, von Bergen bis ganz in den Norden nach Kirkenes und wieder zurück.

Die Arktis – Spitzbergen und Longyearbyen, Teil II

Angekommen auf Spitzbergen

Im Zentrum Longyearbyens

Wir sind am frühen Montagnachmittag am 27. Juni 2022 in der ‚Hauptstadt` Svalbards – so heißt Spitzbergen in Norwegen, in Longyearbyen angekommen. Gesprochen Lung-yer-bin. Man fühlt sich wie auf einem nördlichen Außenposten der Menschheit. Eine karge, baumlose, leicht bergige Landschaft, Schnee und Gletscher ringsherum, der Boden ist tiefgefroren, Tagestemperatur derzeit rund 5 Grad Celsius – Hochsommer. Die Gebäude und Lagerplätze verstärken den Eindruck noch. Die Stadt ist nur rund 1310 Kilometer vom Nordpol entfernt, mithin die nördlichste Siedlung der Welt. Derzeit scheint rund um die Uhr die Sonne, vom 26. Oktober bis 15. Februar bleibt sie dagegen vollständig unter dem Horizont, es herrscht fortwährend schwarze Nacht. 

Hier geht es zu Teil III, rund um Spitzbergen bis an die Packeisgrenze und hier zu der Reise durch Mittelnorwegen und die westlichen Fjorde, (Teil I)

Gegründet hat die Stadt der Amerikaner John Munroe Longyear 1906 als Bergarbeiterstadt, der reichen Kohlevorkommen wegen. Rund 2200 Menschen leben hier, auf der ganzen Insel 2700. Viele davon immer noch vom Bergbau, in Betrieb ist aber nur noch eine Grube nahe der Stadt gelegen. Ein Drittel der abgebauten Kohle verfeuert das einzige Kraftwerk der Insel, der Rest wird exportiert. Aus alten Zeiten übrig geblieben ist der Brauch, dass Besucher im Eingangsbereich ihre Schuhe ausziehen und die Häuser mit Socken oder Hausschuhen betreten. Der Grund: Früher waren die Minenarbeiter oft sehr staubig und dreckig. Schuhe aus, das gilt auch für Hotels oder Museen.

Das wichtigste Verkehrsmittel hier, der Schneescooter

Zunehmend wichtig ist seit den 1990er-Jahren die Forschung und der Tourismus. So kommen pro Jahr etwa 30.000 Besucher nach Spitzbergen, 20.000 sind mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Ist überschaubar. In Norwegen nennt man die Insel Svalbard, was für Kühle Küste steht.

Zentrum der Forschungsaktivitäten ist der Svalbard Forskingpark, mit einer Universität, dem Polarinstitut und der EISCAT-Radaranlage. 32 und 42 m große Parabolspiegel dienen der Erforschung der Atmosphäre, der Nordlichter und des Ozons. Dann gibt es noch die Svalbard Satellite Station (SvalSat). Sie ist für die Kommunikation und Kontrolle von Satelliten mit polarer Umlaufbahn zuständig.

Global Seed Vault – der Saatguttresor. Hier lagern im Permafrostboden rund eine Million Samenproben von Nutzpflanzen.

Longyearbyen verfügt über eine moderne Infrastruktur, Geschäfte, Restaurants, Hotels, Schule, Kindergarten, auch Kino, Schwimmbad und Hafen. Das Straßennetz umfasst aber nur 40 km rund um den Ort herum, Schneemobil und Boote sind die Fortbewegungsmittel der Wahl.

Von der ursprünglichen Minenarbeit ist nicht mehr viel zu sehen, sprengte die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg doch vieles. Alles was die Zerstörungsorgie überstanden hat, untersteht heute dem Denkmalschutz.

Ein Gerücht übrigens hält sich hartnäckig – in Reiseführern und besonders im Internet. Auch manch Reiseleiter erzählt die Story: das gesetzliche Sterbeverbot. Ein Gesetz von 1950 soll nämlich das Sterben hier verbieten. Der Grund: Der Permafrostboden, der ein Bestatten problematisch mache. Das aber ist Unfug. Longyearbyen war lange Zeit das Betriebsgelände einer Firma und es gab nur firmeneigene Unterkünfte.

Der Friedhof in Longyearbyen – auch heute finden noch Urnenbestattungen statt.

Hörte man auf zu arbeiten oder ging in Rente, verließ man die Stadt in Richtung Festland. Also wurde hier nicht gestorben, außer durch einen Unfall. Zudem gibt es hier keine Alters-oder Pflegeheime und das Krankenhaus ist klein. Stirbt ein Bewohner von Longyearbyen, wollen sie meist in der Heimatgemeinde auf dem Festland beerdigt werden. Leben doch die wenigsten mit ihrer Familie über Generationen in der Stadt. Will jemand dennoch hier beerdigt werden, so ist auch das möglich. Allerdings nur als Urnenbegräbnis. Zuletzt 2014 geschehen. So viel zu den vielen falschen Erzählungen.

Unfug ist auch die Behauptung, es gebe ein gesetzliches Gebot, eine Waffe zu tragen.Der gesunde Menschenverstand gebietet es jedoch, außerhalb der Stadt eben eine geeignete Waffe zu tragen. Es ist Eisbärenland, auch wenn Begegnungen recht selten sind. 2020 wurde ein Niederländer in Longyearbyen durch einen Eisbären auf dem Campingplatz getötet, das ist aber äußerst selten. Das Gesetz fordert nur, ein geeignetes Abschreckmittel außerhalb der Stadt mitzuführen. Etwa eine Signalpistole mit spezieller Munition. Wer ohne Gewehr in Spitzbergen außerhalb von Longyearbyen unterwegs ist, mag vielleicht lebensmüde sein. Er ist aber nicht illegal unterwegs.

Rings um die Stadt ist Eisbärenland. Nur können die auch das Schild lesen?

Auf Vogelpirsch rund um Longyearbyen

Mittwoch, 29. Juni: Heute ist einer der seltenen Tage auf Spitzbergen für diese Jahreszeit, wo es regnet. Generell fällt wenig Niederschlag auf der Insel, hier um Longyearbyen sind es nur etwa 200 mm pro Jahr. Und im Juni regnet es eigentlich nur an drei Tagen. Die Jahresmitteltemperaturen liegen bei – 7,5 °C, recht warm für diese Breitengrade, bedingt durch Ausläufer des Golfstromes. Am wärmsten ist es im Juli mit 5 °C, selten bis maximal 10 °C, am kältesten im Februar mit – 14 °C, im Einzelfall wurden aber auch schon – 30 °C gemessen.

Wir sind mit einem Guide unterwegs, um die Umgebung von Spitzbergen mit dem Auto zu erkunden. In erster Linie steht Vogelbeobachtung auf dem Programm, aber auch Rentiere kreuzen unseren Weg. Die hier sind kleiner und gedrungener als die vom skandinavischen Festland und leben wild. Halten sich aber gern in der Umgebung von Siedlungen auf, da darf nicht gejagt werden.

An Vögeln recht häufig sieht man die Dreizehenmöve und die Eiderenten. Seltener dagegen ist die Prachteiderente, von der wir auch ein Exemplar sahen. Sehr aggressiv sind die Küstenseeschwalben, die gehen gerne sofort auf Attacke. Hier heißt es in der Nähe des Autos zu bleiben. Auch einen einzelnen Papageientaucher entdecken wir, an ungewöhnlicher Stelle. Der Guide vermutet das er krank ist und meldet ihn und den Ort einer Behörde. Denn es besteht das Risiko, dass der Vogel an Vogelgrippe erkrankt ist. Am 24. Juni ist sie erstmals in der Arktis nachgewiesen worden. Forscher hatten schon damit gerechnet, dass das Virus auch in Spitzbergen ankommen würde, da einen großen Ausbruch im Frühjahr unter Gänsen in Schottland gab, und die ziehen zum Brüten nach Svalbard. Das Virus ist Vögel hoch ansteckend und tödlich. Man rechnet für die großen Vogelkolonien in Spitzbergen mit möglicherweise fatalen Folgen. Deswegen sollen Funde toter oder kranker Vögel gemeldet werden.

  • Prachteiderente
Permafrostboden, hier gut zu sehen

Zwischendurch führen wir noch am Global Seed Vault – dem Saatguttresor auf Spitzbergen vorbei. Rein kann man jedoch nicht und man sieht nur den gesicherten Eingang in des unterirdische Lagersystem. Dennoch ist dies ein sehr wichtiger Platz für die Zukunft der Menschheit. In Betrieb genommen 2008 lagern hier im Permafrostboden rund eine Million Samenproben von Nutzpflanzen aus aller Welt, in Plastikboxen verpackt, sicher vor dem Anstieg des Meeresspiegels, vor Erdbeben, Seuchen, radioaktiver Strahlung oder menschengemachter sowie Naturkatastrophen. Sie können helfen nach einer Katastrophe die Erde wieder zu kultivieren.

Zu guter Letzt fuhren wir noch zu einem Zelt des Veranstalters, wo wir uns aufwärmen konnten und der Guide ein paar Würste für uns grillte. Hier besuchte uns auch ein Skua, eine Raubmöwe mit der Hoffnung auf Beute. Der Guide kommt aus Westfahlen, hat in Tromsø und Longyearbyen Biologie studiert und schreibt gerade eine Publikation. Ideal, er konnte uns sehr viel über die Insel und Tierwelt erzählen und das auf Deutsch. Trotz des Regens ein interessanter Tag mit viel Informationen.

Kohle, das Lebenselixier vergangener Tage

Donnerstag, 30 Juni: Kohle ist der Grund für die Existenz Longyearbeans und der Exploration der Insel Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Qualität der Steinkohle ist sehr gut – sie besteht zu 98 Prozent aus reinem Kohlenstoff, so dass sich der Abbau im hohen Norden lohnt. Heute ist nur noch Mine 7 in Betrieb, etwa 30 Prozent der geförderten Kohle von rund 130.000 Tonnen wird für das inseleigene Kraftwerk benötigt, der Rest wird exportiert, vor allem nach Deutschland. Dort findet die Kohle etwa bei der Herstellung hochwertigen Stahles ihren Einsatz, etwa für Motorenblöcke von Automobilen. Die Mine soll aus Umweltschutzgründen jedoch im Laufe des Jahres 2023 geschlossen werden, so jedenfalls hat es die norwegische Regierung vor. Dann beheizt man das Kraftwerk, das neben Strom vor allem Wärme für die Häuser produziert mit Diesel. Ob das die Umwelt schont, ist sicher zu bezweifeln. Fotovoltaik macht so weit im Norden absolut keinen Sinn, Windenergie erzeugt keine Wärme, der Alternativen gibt es nicht viel.

Wir besuchten heute Morgen jedenfalls die 1971 in Betrieb genommene und 1996 geschlossene Grube Nr. 3. Wobei sie nur temporär außer Betrieb ist, würde man sie endgültig schließen, müsste alles rückgebaut und renaturiert werden. Das gilt für alle Minen nach dem zweiten Weltkrieg, alles davor steht unter Denkmalschutz.

Die rund 3-stündige Tour lohnt, und wir haben einen wunderbaren Guide, der voll engagiert ist und wirklich viel erzählen kann. Auch Geschichten aus der damaligen Zeit. Die Arbeit war extrem schwer, unter Tage herrscht Permafrost, in den Gängen so um die minus zwei Grad, die Schichten dauerten acht Stunden und man arbeitete mit schwerem Gerät (alles Handarbeit) in Flözen von um die 50 / 60 cm Höhe. Also den ganzen Tag liegend und kriechend. Ungefährlich war es auch nicht. Dennoch blieben nicht wenige ihr Leben lang dieser Arbeit treu, der sehr guten Bezahlung wegen, geringer Steuern und der – nicht selten fast familiären Kameradschaft unter den Bergleuten.

Schön auch, als das Bergwerk aufgelassen wurde, konnte man für die Mine 7 nichts verwenden, denn das aktuelle Bergwerk ist hoch automatisiert. Also beließ man alles wie es war, ließ alles liegen wie Werkzeug, Maschinen und Kleidung, nichts wurde abgebaut. Das gibt einen sehr guten Eindruck , wie hier in den 70er- bis 90er-Jahren gearbeitet wurde.

Am frühen Abend sind wir noch einmal mit einem Guide, diesmal eine junge Dame aus dem Ruhrgebiet, in der Gegend von Spitzbergen umhergefahren – auf ähnlichen Wegen wie gestern, ist das Straßen- und Pistennetz hier doch nur 40 km lang. Nur diesmal bei schönerem Wetter. Mehr Tiere als Gestern ließen sich aber auch nicht sehen, eine Herde Rentiere kreuzte unseren Weg und viele altbekannte Vogelarten. Von den Hügeln umher gab es eine gute Sicht auf Longyearbyen und wir fuhren auch an den alten Mienen 5 und 6 vorbei bis zur aktiven Grube 7. Wir besuchten noch die neue Kirche und auch den nahegelegenen Friedhof. Einige schöne Bilder entstanden dabei, mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten.

Mehr zu Norwegen und der Arktis

Teil III der Reise führt uns rund um Spitzbergen und in die Arktis.

Im Teil I sind wir auf dem Festland im Südwesten Norwegens unterwegs, von Oslo über Geiranger nach Bergen.

Wen es interessiert, hier geht es zu der Reisereportage mit dem Motorrad durch Schweden, Finnland und Norwegen ans Nordkap und zurück die Westküste Norwegens entlang nach Bergen.

Auch über eine Winterreise mit dem Postschiff von Hurtigruten die Küste Norwegens entlang gibt es eine Reportage, von Bergen bis ganz in den Norden nach Kirkenes und wieder zurück.

 

 

Mittelnorwegen und die westlichen Fjorde – Teil I

Oslo – der Ausgangspunkt unserer Reise

Ausgangspunkt für unsere Tour nach Spitzbergen und durch Mitttelnorwegen sowie die westlichen Fjorde ist Oslo. Rund zwei Tage hatten wir für die Hauptstadt Norwegens. Ursprünglich waren vier Tage geplant, aber durch den Streik der SAS-Piloten – unsere Flüge nach Spitzbergen waren davon betroffen – mussten wir einiges anpassen und umbuchen.  Der erste Tag bei wunderbarem Sonnenschein, blauem Himmel, der zweite bei zeitweise stärkerem Platzregen. So wie das Wetter in Norwegen halt ist. Wechselhaft. Also am Tag 1 einen Bummel durch die Stadt gemacht, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mitgenommen. Sprich, als erstes ging es zur Oper. Das Opernhaus ist aus weißem Marmor gebaut, die eckige Fassade scheint sich aus dem Wasser zu erheben. Genial, man kann auf das riesige Dach steigen – oder mit eRollern auch befahren – was einige machten – und hat dann von oben einen wunderbaren Blick über Oslo und den Fjord. Auf dem Weg dorthin lag auch die Osloer Kathedrale und das Parlament sowie einige weitere Sehenswürdigkeiten.

Manches Mal waren auf dem Weg zur Oper Umwege angesagt, es waren einfach zu viele Menschen unterwegs. Menschenmassen. Zumal mehrere Kundgebungen für die sexuelle Selbstbestimmung und Menschenrechte stattfanden, überall Regenbogenfahnen und entsprechend gekleidete Teilnehmer. Eine freundliche Stimmung, wie man sie sich bei vielen Demos wünschen würde.

Hier geht es zu Teil II, rund um Longyearbyen auf Spitzbergen und der dritte Teil findet sich hier: an Bord der MS Sea Spirit rund um Spitzbergen bis an die Packeisgrenze.

Exkurs: Wie wir inzwischen erfahren haben, fand in der Nacht zum Samstag in Oslo in der Nähe einer Schwulenbar ein terroristischer Anschlag statt mit zwei Toten und 21 weiteren Verletzten, zehn davon schwer. Am Samstag war ursprünglich eine große Gay-Parade geplant, die aus Sicherheitsgründen verschoben wurde. Dennoch strömten am Samstag Tausende Menschen mit Regenbohnenfahnen durch die Innenstadt und riefen „Wir sind hier, wir sind queer, wir werden nicht verschwinden“. Die Menschen schwenkten die Regenbogenfahne und legten am Ort des Attentats Blumen nieder. Hier kamen wir auch vorbei, wussten aber noch nicht, was passiert war. Deswegen die vielen Menschen, die unterwegs waren.

Als wir zurück und nahe unserem zentral gelegenen Hotel waren, machten wir noch eine Stippvisite beim Königlichen Schloss. Es dient dem König als Residenz, wird für staatlichen Repräsentation verwendet und ist zugleich Gästehaus des Landes. Mit 173 Räumen gehört es zu den kleineren Residenzen Europas.

Am Sonntag waren dann in Anbetracht des Wetters Museen im Ortsteil Bygdøynes angesagt. Hin ging es mit dem Bus, wir ließen das Auto stehen. Das dortige Wikingermuseum mit drei originalen Schiffen ist derzeit leider geschlossen, aber es gibt in dieser Ecke Oslos noch das Fram-Museum, das Kon-Tiki- und das Maritime Museum. Reicht für einen guten halben Tag. Mindestens. Das dortige Folkloremuseum mit 130 Gebäuden ließen wir aus. 
Die Fram soll das stärkste, je aus Holz gebaute Schiff der Welt sein und wurde bei drei Polarexpeditionen von Fridtjof Nansen (1893-1896), Otto Sverdrup (1898-1902) und Roald Amundsen (1910-1912) eingesetzt. Gebaut 1892 ist das Schiff hier im Original mit kompletter Einrichtung und zahlreichen Infos zur Geschichte ausgestellt. Schon faszinierend.

Faszinierend und Geschichte pur, das ist auch das Kon-Tiki-Museum. Hier finden sich das originale Kon-Tiki-Floß aus Balsaholz und das Papyrus-Boot Ra II. Mit der Kon-Tiki überquerte Thor Heyerdahl 1947 den Pazifik auf dem Floß von Lima, Peru bis nach Polynesien. Er war 101 Tage unterwegs und legte etwa 7000 km zurück. Ziel war der Beweis, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus erfolgen konnte, und zwar vor der Zeit der Inka.
Mit der Ra II, einen Papyrusboot – hier steht ein Nachbau im Museum, stach Heyerdahl im Mai 1970 von Marokko aus in See und erreichte nach 57 Tagen und 6.100 km Barbados. In dem Museum findet sich zudem einiges zu archäologische Ausgrabungen auf den Galapagosinseln, den Osterinsel und in Tucume. Gegen die zwei Museen fällt das maritime Museum naturgemäß etwas ab, dafür hat es ein Kaffee und es war weniger los.

Zurück ins Zentrum nahmen wir die Fähre. Von Anlegestelle am Nobel Peace Center bot sich ein kurze Abstecher zu der nahe gelegenen Ankershus Fortress an. Das integrierte Museum zur norwegischen Widerstandsbewegung und das Militärmuseum ließen wir jedoch aus. An Geschichte reicht es heute und das langsame Gehen geht doch ganz schön aufs Kreuz. Dafür schlenderten wir bei Regen lieber die Hafenpromenade entlang, bis wir ein typisches norwegisches Restaurant fanden. Auf das angebotene Walfleisch ließ sich leichten Herzens verzichten, aber ein Rentier als Filet musste daran glauben.

Skien und der Telemarkkanal

Wir sind in Skien, rund 160 km südwestlich von Oslo gelegen. Die Stadt ist Ausgangspunkt für Bootsfahrten auf dem insgesamt 105 km langen Telemarkkanal. Zwei Schiffe starten von hier im Wechsel, die MS Henrik Ibsen und MS Victoria. 18 Schleusen überwinden auf der Strecke einen Höhenunterschied von 72 m. Eine davon befindet sich in der Stadt.

Die manuell betätigte Vrangfoss-Schleuse ist die größte des Telemarkkanals. Die fünf Schleusenkammern überwinden 23 Höhenmeter, die Durchfahrt dauert rund 45 Minuten. Allein die Fahrt durch die Schleusen den Telemarkkanal entlang ist schon einen Besuch dieser Region wert. Aber auch hier, wir waren nahezu die einzigen Nicht-Norweger auf dem Schiff.  Die Vrangfoss-Schleusen sind Weltkulturerbe der Unesco, fertiggestellt wurde der Kanal 1892. 500 Arbeiter benötigten rund fünf Jahre dafür. Zugleich bietet eine Schifffahrt die Gelegenheit, die wunderbare Natur aber auch alte Schleusenwärtergebäude, Schmieden, Sägewerke, Lagerschuppen und Anlegestellen vom Bott aus an sich vorbei gleiten zu lassen. Wir machten eine kürzere Tour von etwa fünf Stunden bis Lunde sluse, zurück ging es in einer Stunde mit dem Bus. Fahren kann man auch bis Dalen, dann dauert die Fahrt aber rund zehn Stunden.

Am Samstag ging es weiter, wir entschieden bei dem wunderbaren Wetter den Telemarkkanal entlang zu fahren. Und stoppten passend mit dem Schiff an den zwei Schleusenanlagen Uttfoss und Vrangfoss, konnten so wunderbare Aufnahmen von der Schleusung machen, diesmal mit dem Schwesterschiff MS Victoria. Die MS Henrik Ibsen ist ja in Gegenrichtung unterwegs, also nach Skien.

Ich durfte sogar Aufnahmen stehend auf den Schleusentoren machen, wurde problemlos gestattet. In Deutschland unvorstellbar. Hier zählt die Eigenverantwortung doch noch etwas mehr als bei uns. Wir waren auch rechtzeitig vor der Einfahrt des Schiffes in Lunde, wo wir gestern von Bord gingen. Ich habe so insgesamt rund 90 Minuten Filmmaterial allein von diesen Fahrten, im Film dürfen es aber nicht mehr als drei/vier Minuten werden…

Wir haben jetzt zwei Tage in Skien verbracht. Es ist eine der ältesten Städte Norwegens, davon sieht man aber nicht mehr viel. Brannte die Innenstadt doch zweimal vollständig ab. Auch ist es ein Ort, an dem ausländische Touristen eher selten hinkommen. Jedenfalls derzeit.

Skien ist die Stadt des Dramatikers und Schriftstellers Hendrik Ibsens, der hier 1828 geboren wurde. In dessen Wohnhaus findet sich heute ein kleines Museum, das wir natürlich besuchten und quasi eine Privatführung bekamen. 1867 erschien Ibsens dramatisches Gedicht Peer Gynt. Vorlage dafür war ein norwegisches Feenmärchen von Peter Christen Asbjørnsen. 1874 arbeitete er das Werk zu einer Bühnenfassung um. Dafür schuf der Komponist Edvard Grieg die 26-teilige Schauspielmusik Peer Gynt. Und aus dieser schuf Grieg 1888 und 1891 seine beiden weltbekannten Peer-Gynt-Suiten.

In Skien findet sich zudem der Brekkenpark mit Freilichtmuseum. Hier kann man gemütlich zwischen alten Bauernhäusern und Speichern, teilweise aus dem 16. Jahrhundert, wandeln. Zudem gibt es ein modernes Museum. Und auch ein schön gelegenes Kaffee mit wunderbarem Blick über die Stadt. Hier fand am Donnerstagabend ein Jazz-Konzert statt, dessen Besuch wir uns nicht nehmen ließen. Von den ungefähr 200 Besuchern, dürften wir die einzigen nicht-Norweger gewesen sein. Zwar verstanden wir kein Wort von den Erzählungen der Interpretin, aber die Musik um so besser. Ein schöner Abend.

Stabkirche zu Heddal

Weiter ging es zu der größten Stabkirche Norwegens in Heddal, erbaut um 1250. Einige Baumaterialien stammen aus dem 9. Jahrhundert, dass manches auch älter sein könnte. Sie ist etwa 25 m lang und 17 m breit. Die größte Höhe beträgt 29 m und das Gebäude hat drei Turmspitzen. Sie ist heute noch als Kirche in Betrieb. Die Kirche wurde jedoch um 1600 innen umgebaut und um 1850 noch einmal renoviert. Um 1950 baute man sie in ihren ursprünglichen Zustand zurück, so dass sie jetzt wieder so aussieht wie einst. Im Inneren finden sich drei mittelalterliche Möbelstücke (Nachbauten, Originale sind in Oslo im Museum), die mit Motiven aus den Sagen von Siegfried dem Drachentöter verziert sind. Wagner und die Nibelungen lassen grüßen.

Einst gab es in Skandinavien mehr als 1000 derartige Kirchen, heute existieren noch 28, ausschließlich in Norwegen. Mehr Infos zu Stabkirchen gibt es, wenn wir die in Lom und Borgund besuchen etwas später in diesem Post. 

Rjukan und der Gaustatoppen

Unterwegs in Mittelnorwegen

Weiter Richtung Rujkan, unserem Tagesziel. Bei dem schönen Wetter und der wunderbaren Landschaft, bot es sich an, gleich mal die Drohne einzusetzen. Am Nachmittag erreichten wir dann unseren Campingplatz. Hier bezogen wir eine kleine Hütte für die nächsten zwei Tage.

Am kommenden  Morgen ging es hoch auf den 1883 m hohen Gaustatoppen, der von vielen als einer der schönsten Berge Norwegen bezeichnet wird. Vom Gipfel aus sieht man ein Sechstel ganz Norwegens, bis rein nach Schweden und auf der anderen Seite bis ans Meer. Bei entsprechender Sicht. Die wir nicht hatten, die Spitze lag im dichten Nebel. Aber anhand der Schautafeln konnte man es sich wenigstens vorstellen. Zudem es gab einen warmen Kaffee und die für hier typischen leckeren Waffeln.

Man kann den Berg in knapp drei Stunden von Stravsro auf 1173 m Höhe erwandern oder aber den bequemeren Weg nehmen, mit einem Zug und einer Schrägseilbahn. Die von der Nato 1954 erbaut wurden. Denn auf dem Berg befindet sich eine Jahrzehnte lang geheime Anlage des Militärbündnisses, die je nach Quelle Mitte der 90er-Jahre oder erst in den 2000ern stillgelegt wurde. Seitdem nutzen Touristen die Bahn. Erst führt ein kleiner Zug in einem dunklen Stollen etwa 840 m tief in den Berg hinein, dann folgt die Schrägseilbahn mitten im Berg mit einer Steigung von 39 Grad. Sie überwindet in 10 Minuten rund 1100 Höhenmeter. Schon die Fahrt in dem Relikt des kalten Krieges lohnt, auch wenn oben die Sicht nahezu Null war.

Also wieder herunter und den Rjukan Bahnhof, heute eine Museumsanlage besucht. Die Bahnstrecke, Fahrzeuge und Fährschiffe sowie eine ganze Reihe von Gebäuden wie große Wasserkraftwerke aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts sind Weltkulturerbe der Unesco. In dem Bahnhof endet die 46 km lange Bahnstrecke, die Züge wurden auf Fähren rangiert und nach Mæl verschifft, dann ging es wieder auf Gleisen nach Skien. Transportiert wurden vor allem Chemikalien von Norsk Hydro.  In Betrieb genommen hat man die Anlage 1909, sie war bis 1991 in Betrieb. Zwei der alten Eisenbahnfähren lassen sich besichtigen: Die D/F Ammonia, die letzte dampfbetriebe Eisenbahnfähre der Welt, wird gerade restauriert und soll irgendwann wieder den Betrieb aufnehmen. Und die M/F Storegut, sie ist für gelegentliche Fahrten noch in Betrieb und nicht weniger interessant. Wir bekamen eine exklusive, sehr ausführliche Führung durch die Anlage und beide Schiffe von einer Museumsmitarbeiterin, die viel über die Geschichte, Land und Leute erzählte. Jedenfalls schloss das Museum gegen 17 Uhr, unsere Führung endete um 18 Uhr.

Bekannt ist diese Gegend zudem durch eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, fand bei Rjukan doch ein den Zweiten Weltkrieg mit entscheidender Sabotageakt statt: sie sogenannte Norwegische Schwerwasser-Sabotage. Sie bestand aus verschiedenen Operationen sowohl des norwegischen Widerstands als auch der Alliierten. Ziel war, die Herstellung und den Transport Schweren Wassers im Kraftwerk Vermork, zum Bau der Atombombe erforderlich, nach Nazi-Deutschland zu verhindern. Diese Aktionen wurden nach dem Krieg verfilmt, u. a. mit Kirk Douglas.

Über Uvdal nach Borgund

Morgenstimmung, ganz nach Edvard Grieg

Heute war ein Fahrtag vorgesehen, etwa 300 km nach Borgund. Vorwiegend auf kleinen Seitenstraßen über Berge und Pässe. Hauptachsen vermeiden wir, soweit möglich. Das gibt auch die Möglichkeit, immer mal wieder die Drohne aufsteigen zu lassen. Nach rund 100 km entdecken wir ein braunes Schild mit dem Hinweis auf ein Freilichtmuseum und die Stabkirche Uvdal, nur ein kleiner Umweg. Also hin. Es hat sich gelohnt. Kaum etwas los, sind die alten landwirtschaftlichen Gebäude und vor allem die kleine Stabkirche Uvdal wirklich sehenswert. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert finden Erweiterungen statt und im 18. Und 19. Jahrhundert noch Umbauten. Dennoch bietet sie einen sehr guten Eindruck der alten Zeiten. Die Wandmalereien im Inneren stammen von 1770.

In dem Museum finden sich weitere zahlreiche landwirtschaftliche Gebäude wie Vorratshäuser, Getreidemagazin, Scheunen, ein Sommerwohnhaus reicher Bauern, ein Schulhaus, Trockenhaus für Getreide, eine Bachmühle und weiteres. Die meisten stammen aus dem 19. Jahrhundert, das älteste aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Nach dem Besuch des Freilichtmuseums Uvdal ging es über kurvenreiche Straßen und Pässe weiter, auch über eine stärker befahrene Teilstrecke bis nach Borgund. Hier war ich letzten September schon mal mit dem Motorrad. Ziel ist Stabkirche Nummer drei: Das Besondere, sie ist noch so erhalten wie man sie vor über 800 Jahren, um 1180 erbaut hatte. Es fanden keine Umbauten statt, geschützt mit Pech – das regelmäßig erneuert wird – und auf einem steinernen Sockel überstand sie die Zeiten. Ein einmaliges Dokument vergangener Zeiten.

Der Sognefjells und eine traumhafte Bergwelt

Unterwegs in 1400 m Höhe

Heute stand eine kürzere Fahrtstrecke (rund 150 km) zur Sognefjellshytta in den Bergen an. Da es sich aber um eine wunderbare Gegend handelt, erst lange kurvenreich an einem Fjord entlang und dann hoch in die Berge auf etwa 1400 m, dauerte die Fahrt doch einige Stunden. Die Sognefjellshytta war unser Domizil für die nächsten zwei Tage, gelegen in einer wunderbaren Bergwelt mit Seen, schneebedeckten Bergen und Gletschern – umgeben von mehreren Parks wie dem Jotunheimen-Nationalpark. Überall finden sich noch große und dicke Schneefelder aus dem letzten Winter. Und die Sonne scheint. Eine traumhafte Fahrt, und viele Gelegenheiten, für Fotos und um die Drohne außerhalb der Nationalparks aufsteigen zu lassen. Auch die Fahrt über Nordeuropas höchsten Pass – auf 1434 m gelegen, ein Traum. Die E 55 ist zugleich eine der schönsten norwegischen Landschaftsrouten, hier zeigen sich die mächtigsten Berge Norwegens von ihrer wildesten oder schönsten Seite, je nach Wetter. Das wechselt hier sehr schnell.

Abends von unserem Quartier gleich noch bei Sonnenschein eine kurze Wanderung gemacht, runde 4 km über steiniges und sumpfiges Gelände, über Schneefelder und um kleinere Seen herum. Inzwischen scheinte wieder die Sonne, es war verhältnismäßig warm für diese Höhen. Zahlreiche Fotomotive ließen den Weg deutlich länger werden. Aber seht selbst.

Runde 34 km waren am kommenden Vormittag es zur Leirvassbu Fjellstue. Hier findet sich eine Berghütte, quasi ein Zentrum für Bergsteiger, Ausgangspunkt für Gipfeltouren – zahlreiche 2000er-Berge tummeln sich hier, für Gletschertouren und -kurse, aber auch zum Angeln in den umliegenden Seen und Flüssen. Das ist im Nationalpark erlaubt, für den Eigenbedarf. Im Nationalpark Jotunheimen liegt zudem der höchste Berg Norwegens, der 2469 m hohe Galdhøpiggen. Diese Region hatte ich letzten September mit dem Motorrad entdeckt, aber viel zu wenig Zeit. Letztes Jahr bin ich von Geiranger nach Borgund in einem Tag durchgefahren (sind ja nur runde 300 km), diesmal mit dem Auto haben wir für diese Strecke sechs Tage.

Nachmittags haben wir dann einen gemütlichen Tag in der schönen Berghütte verbracht- gut, Hütte ist wohl etwas untertrieben. Das Wetter hatte umgeschlagen und es regnete immer wieder recht stark, dazwischen Sonnenschein. Zum Wandern hatten wir da keine Lust.

Via Lom zum Geiranger-Fjord

Unterwegs nach Lom. Viele Orte laden zu einem Stopp ein

Heute standen rund 150 km Fahrstrecke an. Auch die dauerten, ging es doch durch wunderbare Berglandschaften. Wie gehabt, bei diesem Wetter kommt natürlich die Drohne immer wieder zum Einsatz. es scheint die Sonne, der Himmel ist blau. Die Fahrt führt über Lom, der wichtigsten Stadt hier in der Region. Das merkt man sehr schnell am etwas chaotischen Verkehr, obwohl es eine Kleinstadt mit gerade mal 26.000 Einwohnern ist. Bald jedes zweite Fahrzeug ist ein Wohnmobil oder Caravan. Es ist Saison. Als ich im September letzten Jahres hier war, schien Lom eher ausgestorben, etwas übertrieben. Der Parkplatz vor der Stabkirche von Lom, randvoll. Im September stand neben mir ein einziges Fahrzeug. 


Viele Besucher kommen wegen der Stabkirche von Lom, doch uns sah sie nur von außen. Nach den Stabkirchen von Heddal, Uvdal und Borgund reichte es, zumal ich letztes Jahr auch die von Lom ausgiebig besucht hatte. Dennoch, immer wieder ein imposanter Anblick. Nur Soviel: Lom ist eine der größeren Stabkirchen Norwegens, wurde vermutlich in einer ersten Form um 1150 n. Chr. herum gebaut und im 17. Jahrhundert durch zwei Seitenschiffe ergänzt. Sie ist heute noch als Kirche in Benutzung. 
Anschließend stand ein kurzer Stadtbummel an, zudem hieß es die Vorräte in einem Supermarkt aufzufrischen. Es ging weiter, wieder durch wunderschöne Berglandschaften zu unserem nächsten Aufenthaltsort: Dalen Camping, fünf Kilometer und 400 Höhenmeter oberhalb von Geiranger gelegen, weg vom Trubel des touristischen Hotspots. Die Hütte hier, mithin die schönste. Kannte ich vom letzten Jahr und hatte sie im Februar schon fix gemacht. Diesmal bleiben wir drei Nächte.

Unser Domizil nahe Geiranger

Nach dem Bezug der norwegisch Hytten, sind wir noch den Berg runter nach Geiranger gefahren. Wie befürchtet, es lag ein großes Kreuzfahrtschiff im Fjord. Auf 220 Einwohner kommen jährlich rund 800.000 Besucher, vorwiegend im kurzen Sommer. Überraschender weise war nicht mal so viel los, wir fanden sogar sofort einen Parkplatz. Es war schon später und vermutlich Essenszeit an Bord. 

In Geiranger, der touristische Hotspot mithin

Die Berge liegen im Nebel, also runter in den Fjord nach Geiranger. Obwohl das Kreuzfahrtschiff abgelegt hat, brauchen wir eine Weile, um einen Parkplatz zu finden. Es ist halt Saison. Letztes Jahr schrieb ich noch: „Was hier in der Saison los ist, wenn Busse, Wohnmobile und Autos die engen Straßen teilen, will ich lieber nicht erleben.“. So kann man sich irren, wir erleben es gerade, wenn normale Pkw´s kilometerlang mit 20 bis 30 km/h die Straßen auf- und runterschleichen, obwohl es deutlich flotter ginge. Nur viele kennen ihre Fahrzeuge anscheinend nicht, die Straßen sind eng und kehren- sowie kurvenreich. Bei den Gespannen und Wohnmobilen sieht es anders aus, hier geht es häufig kaum schneller. Nur wenige lassen den Stau hinter sich vorbei, an den Parkbuchten und Ausweichstellen gäbe es genügend Möglichkeiten. Egal, damit hatten wir gerechnet, konnten durch die Arktisreise der Hauptsaison halt nicht ausweichen.

Also auf zu einem weiteren Bummel, diesmal mit offenen Läden durch den Ort, bei schönstem Wetter. Hier unten im Fjord. Oben in den Bergen ist weiterhin dichter Nebel, wir wollten eigentlich heute morgen auf den 1500 m hohen Dalsnibba. Erstmal gestrichen, nochmal Sicht Null wollen wir uns nicht antun. In Geiranger dann kurzfristig Tickets für eine 90-minütige Bootsfahrt durch den Fjord gebucht. Aus dieser Perspektive kannten wir ihn noch nicht.

Der Geirangerfjord ist umgeben von bis zu 1700 m hohen schneebedeckten Bergen, Wasserfällen und grünen Tälern und ist von der Unesco als Welterbe geschützt, weil kaum durch Menschen verändert. Die Region hat sich als nachhaltiges Reiseziel zertifizieren lassen. Dieses Gütesiegel bekommen Touristenziele, welche die lokale Natur, Kultur und Umwelt bewahren und aktiv etwas gegen überbordenden Tourismus unternehmen. Doch wie sich das bei diesen Fahrzeug- und Menschenmengen realisieren lassen soll, ist mir ein Rätsel. Ein Drittel des Zentrums am Fjord ist Camping- und Parkplatz. Die Gegend lebt halt ausschließlich vom Tourismus.

Hoch auf den Dalsnibba

Der Parkplatz auf dem Gipfel des Dalsnibba mit einem wunderbaren Blick auf den Geirangerfjord und die Bergwelt ringsum

Immer wieder schauen wir auf die Webcams des Dalsnibba, ob sich die Wolken verziehen. Nachmittags gegen 17 Uhr ist es dann so weit. Also hoch auf den Berg auf 1476 m, und es war bei weitem nicht mehr so viel los, wie befürchtet. Der Blick auf die schneebedeckten Berge ist einfach fantastisch. Wir hielten uns bald zwei Stunden oben auf, auch die Drohne kam wieder zum Einsatz. Dann zog es wieder zu, Wolkenfetzen trieben um uns herum. Wir hatten genau das richtige Fenster erwischt. Ich denke, die Aufnahmen sagen alles. Die Maut von etwa 25 Euro hoch auf den Berg ist jeden Cent wert.

Ein ruhiger Tag in Geiranger

Wir hatten ursprünglich überlegt, auf den kurvenreichen Straßen und durch wunderbare Berge die rund 70 km zum Trollstiegen zu fahren. Doch es ist Samstag und wir wollen den halben Tag nicht unbedingt hinter Wohnmobilen und Schleichern verbringen. Ich war letztes Jahr schon dort, ohne Verkehr. Behalten wir den Aufstieg am Trollstiegen so in Erinnerung.

Also ein ruhiger Tag, nach einem ausgiebigen Frühstück ging es zum etwas oberhalb von Geiranger gelegenen Norsk Fjordsenter, dem Zentrum für die Verwaltung des Weltkulturerbes mit Kaffee, Shop und Museum zum Thema Fjorde. Dort habe ich auch eine vernünftige Internet-Verbindung, um die Post der letzten Tage hochzuladen. Von dort aus führt ein schöner Weg bergab ins Zentrum von Geiranger aus Cortenstahl und Edelstahl entlang wunderbarer brausender Wasserkaskaden. Dieser Weg ist sicherlich ein Höhepunkt von Geiranger. Unten angekommen ging es wieder hinauf (323 Stufen, etwa ). Fast alle anderen machen den Weg umgekehrt. Nur oben am Zentrum spart man sich die Parkplatzsuche. Nach Kaffee mit Waffeln – könnte mich daran gewöhnen – und dem Museumsbesuch ging es wieder hinauf zu unserer Hütte. Den restlichen Nachmittag relaxt, bei einem Gläschen Wein auf der Terrasse. Und wieder zusammengepackt. Morgen geht es weiter, weg von touristischen Hotspots ins ländliche Norwegen.

Über den Gamle Strynefjellsvegen

Eine traumhafte, kaum befahrene Strecke mit wenig Verkehr, der Gamle Strynefjellsvegen

Bis zu unserem nächsten Etappenziel Stryn sind es eigentlich nur rund 70 km. Dennoch brauchen wir über fünf Stunden. Bietet sich doch ein Abstecher über den Gamle Strynefjellsvegen an. Ein Umweg von etwa 100 km, fahren wir doch eine Schleife auf dem Weg nach Stryn. Zehn Jahre arbeiteten norwegische und schwedische Arbeiter an dieser Bergstraße, bis sie 1894 für den Verkehr freigegeben wurde. Sie galt als ingenieurtechnische Meisterleistung und war etwa 80 Jahre die wichtigste Ost-West-Verbindung in diesem Teil Norwegens. Sie ist bis heute gut zur Hälfte immer noch eine Lehmpiste. Bis in die 50er-Jahre hielten 200 Arbeiter im Winter die metertief eingeschneite Straße frei, per Hand mit Schaufeln.

Es geht an mehreren parallel verlaufenden Schmelzwasserflüssen mit Kaskaden und Wasserfällen vorbei, den Berg hinauf, kilometerweit über ein Hochplateau und an einem derzeit trostlosen Sommerskigebiet vorbei. Von Mai bis Mitte Juni soll hier einiges los sein, Skifahrer in Badehosen seien keine Seltenheit. Auch das Wetter macht bei der Fahrt mit. Weiter vorbei an milchig trüben, zum Teil noch zugefrorenen Bergseen geht es nach 27 wunderbaren Kilometern wieder auf die asphaltierte Hauptachse Richtung Stryn. Wir kommen bald danach an der Kreuzung vorbei, von der wir heute Morgen von Geiranger herkamen, fahren die drei Tunnel somit zum zweiten Mal und machen einen Stopp am Jostedalsbreen-Nationalparkzentrum. Hier schlägt das Wetter um, es fängt an zu regnen. Sind aber nur noch 20 km von unserem Campingplatz entfernt.

Erstmalig hat eine Hüttenbuchung auf der Reise nicht gleich funktioniert, man hat vergessen, uns einzutragen. Kein Problem, bekommen eine größere Hütte zum Preis der kleineren, die alle belegt sind. Und inmitten der Pampa auf der Gamle Strynefjellsvegen hielt hinter uns ein Auto aus Waiblingen. Die beiden wohnen in Hebsack. Hatten uns gut unterhalten und wollen uns nach der Reise mal treffen.

Der Weg nach Bergen

Einer dieser trüben Montage, die man so liebt. Es regnete und war kühl. Heute war ein Fahrtag angesagt, es ging etwa 300 km inklusive einer Fährüberfahrt nach Bergen. Es ist unsere letzte Destination, bevor wir Norwegen mit der Fähre wieder verlassen. Eigentlich ging es durch schöne Berglandschaften und entlang mehrere Fjorde, eine Landschaft, die für Norwegen eben typisch ist. Aber bei Regen sieht alles immer ganz anders aus. Also ein ereignisloser Tag, bis wir am Nachmittag an unserem Hotel mitten in Bergen ankamen.

Auch der Regen hat seine schöne Seiten. Immer dann, wenn die Sonne mal durchkommt

Eingecheckt, das Auto in ein nahegelegenes Parkhaus gestellt und noch einen Bummel durch Bryggen und den alten Hafenbereich der Stadt gemacht. Es regnete immer wieder kräftig, so dass erstmals unsere Regenkleidung in Norwegen gefordert war. Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegen mit rund 265.000 Einwohnern. Wir hatten jetzt noch etwas mehr als zwei Tage, bevor wir diese Region verließen.

Auf den Spuren von Edvard Grieg

Es regnete am Stück. Nichts Ungewöhnliches für Bergen in dieser Jahreszeit. Durchschnittlich fällt n dieser Jahreszeit an 25 Tagen Regen. Jährlich kommen durchschnittlich 2250 mm Niederschlag zusammen, mithin ist Bergen die regenreichste Stadt des ansonsten an Regen sowieso nicht armen Norwegen. Also ab ins Museum, so dachten auch viele andere. Aber egal, das Museum von Edvard Grieg, nage Bergen in Troldhaugen gelegen, ist immer einen Besuch wert. Hier lässt sich das Haus und Garten besichtigen, in dem der norwegische Komponist 22 Jahre lebte und auch starb. Edvard Grieg ist Komponist vieler bekannter Werke, hierzulande ein Nationalheld und gegen Ende des 19. Jahrhunderts der meistgespielte weltweit. Sein bekanntestes Werk dürften wohl die Peer-Gynt-Suiten sein. Das Haus und die Einrichtung sind in dem Zustand zu seinem Tod im Jahr 1907, seitdem nicht verändert worden. Nahe dem Haus mit wunderbaren Blick auf den See findet sich die kleine Gartenhütte, in der er viele seiner Werke komponierte. In einer Felswand direkt am See finden sich zudem die Urnengräber von Edvard und Nina Grieg. Wir hatten für diesen Tag noch Karten für ein Klavierkonzert mit Stücken von Grieg bekommen, das in der auf dem Museumsgelände befindlichen Konzerthalle gegeben wurde. Insofern ein gelungener Tag, wir verbrachten nahezu vier Stunden allein hier.

Nachmittags dann noch etwas relaxt, und als der Regen etwas nachließ noch mal zu einem Bummel in die Stadt gelaufen, unser Hotel liegt ja zentral, und am Fischmarkt etwas gegessen.

Hoch auf den Floyen

Bergen ist in Norwegen die zweitgrößte Stadt nach Oslo. Am besten sieht man das von einem erhöhten Standpunkt aus wie von rund 400 m hohen Floyen. Eine Standseitbahn fährt hinauf, also hin zu der Talstation fast im Zentrum der Stadt gelegen. Nach zwei Tagen Regen und dichten Nebel in den Bergen kamen aber viele auf die Idee. Eine lange Schlange stand schon vor der Kasse. Also schnell online die Karten besorgt und daran vorbei. Vor der Bahn aber hieß es warten, obwohl es für diese Menschenmengen recht zügig voran ging. Nur dann nicht in der modernen Bahn. An einem Zwischenhalt hat vermutlich ein Türsensor gesponnen, eine halbe Stunde ging nichts. Die Fahrt dauert eigentlich nur wenige Minuten. Endlich oben angekommen entschädigt der Blick auf die Stadt für das Warten. Hier sagen Bilder mehr als Worte.

Der Floyen lädt auch für kürzere und längere Wanderungen ein, eine kürzere zu einem See machten wir. Hier ließ sich Kanu fahren, übrigens kostenlos. Generell bietet der Floyen für Familien mit Kindern sehr viel. Im Wald und an der Station wunderbare Spielplätze, für die Kleinsten aber auch für etwas Größeren im Wald verteilt. Mehrere wunderschön angelegte Abenteuerspielplätze. Entsprechend viel war los. Sobald man aber etwas von der Bergstation weg ist, verteilt es sich. An der Bergstation findet sich noch ein gehobenes Restaurant – hier war ich Mitte der 2000er-Jahre schon mal geschäftlich eingeladen. Zudem ein Kaffee, ein Souvenirshop und noch ein paar Stände.

Wieder unten machten wir noch einen Bummel durch Bergen, in einem Teil, den wir noch nicht gesehen hatten. Die letzten Tage hatten wir schon einige Ecken erkundet, besonders schön ist das alte Viertel im Zentrum. Hat man die Innenstadt Bergens erreicht, zeigt die Stadt den Charme und Flair einer Kleinstadt. Der Grund dafür ist das alte Stadtviertel Bryggen (die Bilder hatte ich schon gepostet). Es entstand um 1343 als Handelsniederlassung der Hanse, später wurde die Niederlassung der Hansestadt Lübeck zugeordnet. 1702 brannte ein Großteil ab, wurde aber wieder aufgebaut. Ein weiterer Brand 1955 zerstörte große Teile. Übrig blieben 62 Gebäude, selbst die sollten damals abgerissen werden. Was aber nicht geschah.  

Heute ist das Viertel Welterbestätte der Unesco und zahlreiche Handwerksläden, Galerien, ein Museum, Restaurants und Touristenshops bieten hier ihre Waren feil. Mithin prägt die hanseatische Landungsbrücke das Erscheinungsbild des Stadtzentrums und ist ein auffälliges Überbleibsel aus der Zeit, als Bergen das Handelszentrum Norwegens und dem Rest von Europa war.

Blick auf Bergen vom 400 m hohen Flohen aus

Am Folgetag hatten wir noch den Morgen in Bergen, bevor es weiter ging. Das Wetter war wunderbar, blauer Himmel und Sonne. Nur mussten wir der Stadt den Rücken kehren. Bis zur Abfahrt blieb nach einem ausgiebigen Frühstück  noch etwa eine Stunde Zeit. So gingen wir noch ins maritime Museum, nur eines von vielen in dieser Stadt. Das bekannteste ist sicherlich der Kode 1-Museumskomplex. Hier findet sich unter anderem die weltweit drittgrößte Sammlung an Munch-Gemälden. Für diesen Museumskomplex sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Später vielleicht einmal. So blieb das kleine, aber feine Schifffahrtsmuseum mit einem interessanten Film über die Brandbestattungen hochrangiger Wikinger inklusive ganzer Schiffe.

Mehr zu Norwegen und der Arktis

Teil II der Reise zeigt uns die Stadt und Umgebung von Longyearbyen auf Spitzbergen (Svalbard).

Im Teil III sind wir auf der MS Sea Spirit unterwegs rund um Spitzbergen bis zur Packeisgrenze.

Wen es interessiert, hier geht es zu der Reisereportage mit dem Motorrad durch Schweden, Finnland und Norwegen ans Nordkap und zurück die Westküste Norwegens entlang nach Bergen.

Auch über eine Winterreise mit dem Postschiff von Hurtigruten die Küste Norwegens entlang gibt es eine Reportage, von Bergen bis ganz in den Norden nach Kirkenes und wieder zurück.

Die Peloponnes – eine Reise ins antike Griechenland

Sonne, Strände, gemütliche Tavernen und Kultur, das verspricht Griechenland. Besonders letzteres findet sich auf der Halbinsel Peloponnes im Süden Griechenlands, gilt die Region doch als die Wiege der ersten Hochkultur in Europa und als Schauplatz heldenhafter Taten, als Geburtsstätte vieler Sagen, Mythen und Legenden. Genannt seien nur Herkules, die schöne Helena und Agamemnon oder die Ruinen von Korinth, Mykene und Sparta sowie die olympischen Stätten der Antike. Zudem darf man sich auf ursprüngliche Landschaften, unverbaute Küsten mit Sandstränden, gebirgige Regionen zum Wandern und Dörfer freuen, die ihren eigentümlichen Charme bewahrt haben. Die Reisereportage ist nun online mit vielen Bildern. Viel Spass beim Stöbern und Ideen holen.

 

Unterwegs in Griechenland, die Peloponnes – Teil II

 

Teil II – die Regionen um Pylos, Olympia und wieder Mykene. Hier geht es direkt zu Teil I mit den Regionen um Korinth, Nafplion und  Mystras

Der Palast des Nestor und die Hafenstadt Pylos

Samstag, 09. April: Heute ging es zum nächsten Etappenziel, der Hafenstadt Pylos, etwa 110 km von Mystrás entfernt. Die erste Stunde der Fahrt führte dabei durch eine schöne Bergwelt bis auf rund 1300 m Höhe, wie immer auf kurvenreichen Straßen. Auf denen man 90 km/h fahren dürfte, wenn es denn ginge. Wie auch auf engen Landstraßen. Selbst ein Profi-Rally-Fahrer hätte da aber Probleme. Dafür ist auf bestens ausgebauten, geraden Straßen außerhalb von Ortschaften immer wieder auch über längere Strecken nur 50 oder 70 km/h erlaubt. Man hat öfters den Eindruck, als wären Tempolimits nur ausgewürfelt. Die Konsequenz: Es hält sich eigentlich niemand an die Limits, auch innerhalb von Ortschaften nicht. 20 km/h schneller als erlaubt zu fahren ist normal, und auch dann wird man häufig noch überholt. Die wenigen Radaranlagen, die wir sahen, waren meist demoliert. Und bei den nicht demolierten bremste auch niemand. Auch wir irgendwann nicht mehr. Außer Betrieb – hoffen wir…

Unterwegs machten wir einen kurzen Stopp beim Palast des Nestor, aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. Zu sehen ist jedoch außer Fundamenten unter einer interessanten Dachkonstruktion mit Laufstegen aber kaum etwas. Laut Homers Illias war Nestor am Trojanischen Krieg beteiligt, führte 90 Schiffe an und war als Ratgeber von Agamemnon und Achilles tätig. Auch trat er als Schlichter im Streit zwischen den beiden auf. Er kehrte nach zehn Jahren wieder zurück. Gut gemacht sind die Erläuterungen, zudem gibt es an einem kleinen Bildschirm einen virtuellen Rundgang durch den ehemaligen Palast.

Am frühen Nachmittag erreichten wir dann Pylos, checkten ein und bummelten durch die hübsche Hafenstadt. Sie ist noch recht ursprünglich, das sieht man schon daran, dass es nur wenige Shops mit Touristenware gibt. Aber leider auch kaum welche mit heimischen Handwerk. Dafür zahlreiche Tavernen, Kaffees und Bars. Auch ok. Im Sommer muss hier einiges los sein.

Das antike Messene

Sonntag 10. April: Heute stand ein Highlight der Reise an, der Besuch des etwa 70 Kilometer von Pylos entfernten antiken Messene. Es ist sicherlich eine der beeindruckendsten Ausgrabungsstätten des Peleponnes. 369 v. Chr. gegründet, war es die Hauptstadt des antiken Staates Messenien. Die Stadt soll einst in nur 85 Tagen errichtet worden sein. Das ist Legende, nicht jedoch die fantastischen Reste monumentaler Gebäude wie das Theater, die Basilika aus späteren Zeiten, das Brunnenhaus mit 40 m Breite, die Agora (der römische Marktplatz), das Asklepieion (Sanatorium), der zweischiffige Tempel des Askilios mit Abmessungen von 66 x 72 m, ein Gymnasium, die Halle der Ringer und insbesondere das beeindruckende Stadion, das für 10.000 Besucher Platz bot. Messene wurde erst in den letzten Jahren intensiv erforscht und soll das umfangreichstes Ausgrabungsgebiet in Griechenland sein. So ändert sich immer wieder etwas, vieles liegt noch unter der Erde. Das kann man an vielen Stellen erahnen. Alles befindet sich in einer reizvollen Berglandschaft, liegt am Fuß des 798 m hohen Berges Ithome. Auf ihm stand die Akropolis, die Festung der Messener. Davon ist aber kaum mehr etwas vorhanden, so finden sich auf dem Berg nur noch Reste eines Zeus-Heiligtums. Und ein verlassenes Kloster, das ist aber aus jüngerer Zeit. Die Stadt wurde einmal von den Spartanern erobert, die Burg oben am Berg konnten sie jedoch nicht einnehmen.

Das Stadion von Messene

Alles wurde von einer gigantischen Stadtmauer umgeben, deren Reste allein schon eine Sehenswürdigkeit sind. Sie hatte eine Länge von über 9 Kilometer, war etwa 2 bis 3 m dick und bis zu 10 m hoch. Bewehrt zudem mit zahlreichen Wachtürmen. Gebaut aus zehntausenden, tonnenschweren Quadern, so etwas konnten wirklich nur die riesigen Zyklopen errichten. Doch halt, wir befinden uns ja in römischen Zeiten. Da gab es die ja gar nicht mehr. Also waren es doch Menschen – oder eher Sklaven. Überall in den Bergen und Hügeln finden sich Reste davon, mal mehr oder weniger gut erhalten. Die Mauern unterbrach nur der Berg Ithome.

Reste der einstigen Mauer um Messene

Messene ist ein Ort, den man wirklich einmal im Leben besuchen sollte – sofern man sich für Geschichte und alte Gemäuer interessiert. Das natürlich außerhalb der Saison, so wie wir. Dann ist auch nicht so viel los.

 

Der Tag der Festungen – Pylos, Methoni und Koroni

Montag, 11. April, Pylos: Heute ging es zuerst hoch zur Neo Kastro, der Festung der Stadt Pylos. Sie wurde von den Türken 1573 erbaut und welche Bedeutung sie einst für die Militärstrategen hatte, verrät die Größe der Festung mit ihren sechs Bastionen und einer weitläufigen Burgmauer. Wie bisher bei jeder Besichtigungstour einer Festung handelt es sich zugleich auch um eine mehr oder weniger lange Wanderung, diesmal auf der Burgmauer  – sofern man schwindelfrei ist und durch die blühende Natur im Inneren. In jüngerer Zeit diente die Festung noch als Gefängnis, heute finden sich in den Kasematten Archive mit archäologischen Exponaten. Zwei Museen besuchten wir zudem auf dem Gelände, eines zur Unterwasserarchäologie und das archäologische Museum der Stadt Pylos.

Von etwas außerhalb wollte ich mit der Drohne noch einige Übersichtsaufnahmen von der Festung machen, jedoch herrschte heute den ganzen Tag über ein sehr starker, stürmischer Wind vor. Im sicheren Modus schafft die Drohne 36 km/h. Das reichte nicht um gegen den Wind anzufliegen. Erst mit dem Sportmodus mit deaktivierten Sicherheitsfunktionen, hohem Akkuverbrauch und ausschließlich manueller Steuerung konnte ich einige Aufnahmen machen. Dieser Modus schafft immerhin 68 km/h.

Die Festung von Pylos

 

Rund zehn Kilometer von Pylos entfernt liegt Methoni. Der Ort lockt mit einem schönen Sandstrand – zum Baden ist es aber noch zu kalt, einer hübschen Patia – hier war der Wirt einer Taverne aber überfordert – und 30 Minuten auf einen Kaffee zu warten ist dann doch zu lang sowie natürlich einer großen Festung, diesmal aus venezianischer Zeit. Und die lohnt den Besuch allemal. Eigentlich hat hier jeder Küstenort seine eigene Festung, daran sieht man, wie gebeutelt die Menschen hier in den kriegerischen Zeiten waren. Die über Jahrhunderte andauerten. „Im August des Jahre 1500 belagerten 100.000 türkischen Soldaten die Festung mit ihren 7000 Mann Besatzung. Die widerstanden etwa einen Monat lang, dann fiel der wichtige Militärstützpunkt in die Hände der Osmanen.“ Nur, um einmal die Größe der Anlagen aufzuzeigen. 7000 Mann Besatzung…

Den schönen Turm zum Meer hin, den erbauten die Türken im 16. Jahrhundert, er diente als Leuchtturm und Gefängnis. 300 Jahre lang blieb die Festung in türkischer Hand, sie diente auch als Umschlagplatz für griechische Sklaven, die nach Ägypten verkauft wurden. 1828 eroberten schließlich die Franzosen die Festung.

Auch hier wollte ich noch Drohnenaufnahmen machen, nur der Wind war eher noch stärker geworden, ich ließ es also bleiben. Erst am Abend bei der Rückfahrt gelang es, da der Wind etwas weniger blies.

7000 Venezianer sollen einst hier stationiert gewesen sein

 

Blick auf den Hafen von Koroni von der Festung aus

Koroni: Die dritte Station an diesem Tag war die weitere 20 Kilometer entfernt liegend Küstenstadt Koroni. Der Besuch lohnt absolut, es dürfte die mithin hübscheste Stadt bei dieser Tour bis dato gewesen sein. Ein typisches, gemütlich-verschlafens griechisches Städtchen mit steil ansteigenden schmalen Gassen und einer Hafenpromenade mit Tavernen und Bars. Auch einige Handwerksläden finden sich. Der Tourismus kam erst in den letzten Jahren hierher. Und am Berg thront natürlich eine Festung aus byzantinischer Zeit, wie könnte es anders sein. Die aber unterscheidet sich deutlich von den anderen heute, denn es ist kein Museum, sondern eine noch immer bewohnte Anlage. Hier finden sich einige Wohnhäuser, Kirche mit Friedhof, eine Zitadelle und große Parkanlagen mit Olivenhainen und wild wuchender, derzeit blühender Natur. Also wieder einen Spaziergang gemacht, hoch hinauf in die Festung. Am beeindruckendsten ist das inmitten gelegene Nonnenkloster mit wunderbaren Kapellen, Gärten, Weinterrassen und faszinierendem Blick von Dach eines alten Turms (ohne Geländer, nur etwas für absolut schwindelfreie) auf die Küste und Stadt. Auch einen schönen Souvenirshop mit Produkten aus Griechenland und aus dem Kloster findet sich im Garten. Ihn betreiben die Nonnen. Also einen Orangelikör und Marmelade gekauft, zumal man keinen Eintritt begleicht. Auch hier legt man einige Meter zurück, in den drei Festungen heute erwanderten wir immerhin eine Strecke von über elf Kilometern.

Bassae, der Tempel des Apollon und die Stadt Olympia

Dienstag 12. April: Auf dem Weg zu den antiken Stätten Olympias liegt der Apollon-Tempel von Bassae, in einer einsamen, kargen Landschaft im Lykaéon-Massiv in 1130 m Höhe. Hier lohnt schon die Anfahrt auf den kurvenreichen und steilen Wegen die Serpentinen hinauf durch das Gebirge. Der Tempel gilt als einer der besterhaltenen in der Peloponnes und ist Weltkulturerbe. Zum Schutz ist er unter einem großen Zelt untergebracht, seit 2001 wird er saniert. Dazu versetzt man ihn um rund einem Meter, baut Säulenreihe für Säulenreihe und Stein für Stein ab und versetzt wieder auf. Nur so lässt sich das marode Fundament sanieren, um einem Einsturz vorzubeugen. In den 20 Jahren seit Beginn hat man erst einen kleineren Teil geschafft, eine Aufgabe von Jahrzehnten. Unterhalb des Tempels liegen einige Reste des antiken Dorfes. Einige Meter entfernt hat man eine größere Halle und einige Steingebäude aufgebaut, in denen Steinmetz- und Restaurierungsarbeiten stattfinden.

Am frühen Nachmittag dann die Stadt Olympia erreicht, morgen geht es zu der Ausgrabungsstätte. Hier merkt man, wie Olympia Menschen aus aller Welt anzieht. Zahlreiche Souvenierläden und Kunsthandwerksgeschäfte mit Krempel, Kitsch aber auch schönen Arbeiten, viele Tavernen, Bars und Kaffees, nahezu überall wo wir waren, wurde auch Deutsch gesprochen. Bisher die große Ausnahme.

Das antike Olympia, zum Ersten – Streik

Mittwoch, 13. April: Olympia. Heute blieb Zeit um Bildmaterial zu sichten und die Posts zu aktualisieren und für einen gemütlichen Stadtbummel– obwohl eigentlich das antike Olympia auf dem Programm stand. Der Grund ist ein ungeplanter Ruhetag. Am Morgen vor dem Eingang des antiken Olympia gestanden, wie viele andere auch – geschlossen. Heute wird gestreikt. Morgen sollte es eigentlich wieder über die Berge zurück nach Mykene gehen, da bliebe keine Zeit für die antike Stätte. Also kurz telefoniert, eine von den drei restlichen Übernachtungen bei Mykene (waren wir ja am Anfang schon) gecancelt und hier um eine Nacht verlängert. Wir sind ja flexibel. So steht Olympia Morgen auf dem Programm und es geht erst am Freitag wieder Richtung Athen. Die Zeit haben wir. 

Das antike Olympia, zum Zweiten

Donnerstag, 14. April: Ein geistiges Zentrum der Antike, Sportstätte, heiliger Bezirk – das alte Olympia war vieles, aber sicherlich kein Vorbild für den modernen Hochleistungssport und die heutige funktionärsgetriebene Geldmaschinerie Olympia. Entstanden sein sollen die olympischen Spiele aus den zu Ehren des mythischen Königs Pelops veranstalteten Leichenfeiern, als kultische Handlung, anfangs eher nicht als sportlicher Wettkampf.

Dennoch, ein symbolträchtiger Ort und Touristenmagnet, und das zu Recht. Die ersten Spiele fanden 776 v. Chr. statt und wurden bis 393 n. Chr. abgehalten. Wobei man heute weiß, dass auch schon früher sportliche Wettkämpfe in diesem Areal stattfanden, die Besiedlungsgeschichte geht auf das Jahr 3000 v. Chr. zurück. Und bis auf zweimal wurden in diesen Tagen alle kriegerischen Handlungen eingestellt.

Anfangs gab es nur einen Wettlauf über die Distanz des Stadions (192,27 m), später dauerten die Spiele dann fünf Tage. Sie umfassten u.a. den Wettkampf der Knaben im Laufen, Ringen und Faustkampf, ein Wettreiten und Wagenrennen – das Areal für die Pferderennbahn von 600 x 200 m entdeckte Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts erst 2008 durch geophysikalische Messungen, rund 100 Jahre, nachdem die Ausgrabungen begannen – weiter wurden Kurz- und Langstreckenläufe abgehalten und die Wettkämpfe der Sportler im Ringen, Boxen, dem Waffenlauf sowie der Pankration – eine spezielle Kampfkunst. Am fünften Tag fanden die Siegesfeiern und eine Prozession der Sieger zum Zeustempel statt. In ihm stand die sitzende Zeus-Statue des Phidias, eines der sieben antiken Weltwunder. Sie war aus Gold und Elfenbein gefertigt, der Thron aus Ebenholz und maß 13 m in der Höhe. Sie ließ sich aus antiken Münzfunden mit Abbildungen rekonstruieren, nur ihr Fundament konnte ausgegraben werden.

Das Stadion selber ist eingebettet von Graswällen, auf denen die Besucher saßen. Sitzplätze aus Stein (wie im Stadion von Messene) gab es nur für die Kampfrichter in Form einer Tribüne. Die Hänge boten Platz für 45.000 Zuschauer.

Der Eingang zum Stadion

Auf dem Gelände finden sich neben dem Stadion und den Ruinen des Zeus-Tempels u.a noch Reste des Hera-Tempels – der Gemahlin und zugleich Schwester des obersten olympischen Gottes Zeus. Er stammt aus dem Ende des 7. Jhr. v. Chr., hier wird seit 1936 die Fackel für die olympischen Spiele der Neuzeit angezündet.

Weitere Gebäudereste sind die Werkstatt des Phidias, das Gymnasion, die Echohalle, das Philippeion – ein Rundbau den Alexander der Große vollenden ließ – diverse Schatzhäuser, das Leonidaion, ein 75 x 81 m großes Gästehaus umgeben von Säulenreihen und einem Wasserbecken im Zentrum, eine monumentale Brunnenanlage sowie weitere Tempel und Häuser. Vieles gibt es auch noch zu entdecken, so finden derzeit auch wieder Grabungen statt. Manches holt sich augenscheinlich inzwischen auch wieder die Natur zurück. Hier fehlt die Instandhaltung und vermutlich Kapazitäten wie Geld. Das antike Olympia, ein Ort, der für uns zu den Plätzen gehört, die man einmal im Leben besucht haben sollte. Wenn man sich dafür interessiert…

Nach der rund fünf Kilometer langen Wanderung über die Ausgrabungsstätte ging es in das archäologische Museum Olympias. Hier werden die Geschichte, Kunst und Kultur des Ortes wieder lebendig. Es finden sich etwa die Skulpturen und auch die restaurierten Giebel des Zeustempels, die allein einen ganzen Saal beanspruchen, darüber hinaus viele Statuetten aus Ton und Bronze – Weihegeschenke der Pilger, und auch einmalige Exponate wie die mit Sockel 12 m hohe Marmorstatuete der Siegesgöttin Nike, die Statuete des Hermes, sowie zahlreiche Helme, Brustpanzer und Schilde aus Bronze. Ausgestellt werden aber auch Alltagsgegenstände, Gläser und vieles mehr. Das Museum erweitert und erleichtert das Verständnis für die Geschichte und die Anlage. Und lässt einen ahnen, welch Prunk und Pracht hier einst Olympia herrschten.

 

Über die Berge nach Mykene

Freitag, 15. April: Heute ging es rund 220 Kilometer zurück nach Mykene, wo wir am Anfang der Peloponnes-Tour schon einmal waren. Dabei führte die erste Etappe wieder kurvenreich durch die Berge Arkadiens und über die sehenswerten Bergdörfer Dimitsana, Stemnitsa und Karitena.

Auf rund 1000 m Höhe liegt der 600-Seelen-Ort Dimitsana. Hier leben vorwiegend ältere Menschen, die Jungen zogen der Arbeit wegen nach Tripoli oder Athen und kommen in der Urlaubszeit in ihr Heimatdorf zurück. So ist es eigentlich in allen Bergdörfern hier in der Gegend. Die Dörfer schmiegen sich wunderbar an die Berghänge, holprige enge Gassen, schöne, massive Steinhäuser, Tavernen und ein paar Läden machen den Ort aus. Touristen verirren sich zunehmend, aber dennoch selten hier her. Eine abgeschiedene Welt.

Dimitsana wurde selbst von den Türken nie beachtet und erobert, deswegen spielte der Ort eine wichtige kulturelle Rolle in der Geschichte. Hier wurde Jahrhunderte lang, während der Besetzung, die verbotene griechische Sprache und Kultur unterrichtet. Die Schüler kamen dazu aus allen Teilen Griechenlands in den Ort.

Zehn Kilometer entfernt liegt Stemnitsa, bekannt durch kunstvolle Gold- und Silberarbeiten. Als wir ankamen, nahezu ausgestorben. Nur noch rund 100 Einwohner leben das ganze Jahr über hier, einst waren es 4000. Seit 1978 erlebt das Dorf jedoch eine kleine Renaissance, als ein inzwischen verstorbener Goldschmied zurückkehrte und eine Gold- und Silberschmiedeschule gründete. In zwei Jahren lernen derzeit jährlich rund 25 Schüler das Handwerk. In den Sommermonaten spielt auch der Tourismus eine Rolle, gut besucht heißt es dann. Zumal die Temperaturen ein paar Grad niedriger sind als auf der übrigen Peleponnes.

Von einer mächtigen Bergfestung aus dem 12. Jahrhundert überragt wird Karítena. Die ist aber schon geraume Zeit geschlossen, wegen archäologischer Ausgrabungen und Sanierungsarbeiten. Der Ort liegt auf keiner der gängigen touristischen Routen einer Arkadien-Rundfahrt, entsprechend wenig gibt es hier. Karítena ist der Geburtsort des Theodor Kolokotronis, der die Griechen nach Jahrhunderten türkischer Herrschaft erfolgreich in die Unabhängigkeit führte und die Burg damals als wichtigen Stützpunkt der Befreiungsarmee ausbaute. Hier trafen wir in einer Taverne Vater und Sohn aus Israel, die mit je einer Tenere 700 – ich fahre selber so ein Motorrad – eine Woche in der Peloponnes unterwegs sind. Es entwickelte sich schnell ein nettes, längeres Gespräch, es könnte nun in absehbarer Zeit eine weitere Israelreise anstehen.

Runter die Berge ging es dann aufgrund der fortgeschrittenen Zeit erstmals auf die mautpflichtige Autobahn Richtung Mykene. Hervorragend ausgebaut kommt man dann doch zügiger voran als auf den Landstraßen. Die Mautkosten, für rund 70/80 km, knapp über vier Euro.

Das antike Nemea, das Heraion, Argos und die Lárissa-Feste

Der Zeus-Tempel von Nemea

Samstag, 16. April (Teil I): Das antike Nemea stand heute Morgen als erstes auf dem Programm. Bei der Hinfahrt hatten wir es ausgelassen. Es war einer der vier Austragungsorte für die panhellenischen Spiele. Dabei handelte es sich um sportliche Wettbewerbe zu Ehren der griechischen Götter. Sie fanden in Nemea, Korinth, Delphi und in Olympia statt. Ursprünglich waren es Wettkämpfe unter Kriegern in voller Montur, später traten die Kämpfer nackt an, einzige Ausnahme war der Waffenlauf. Auch die olympischen Spiele gehörten zu den panhellenischen Spielen. Besichtigen kann man heute den Zeus Tempel, den man teils restauriert hat, das Stadion und ein sehenswertes Museum. In Nemea wurde die Spiele von 573 v. Chr. an abgehalten.

 

Seit dem Sommer 1996 finden wieder Nemeische Spiele im Stadion statt. Alle zwei Jahre treffen sich Jugendliche, um die Spiele nach alten Regeln abzuhalten. Es gibt keine Rekorde, keine Medaillen und keine Preisgelder. Die Sportler treten barfuß an und in einer weißen Tunika. Zuletzt kamen 8000 Besucher zu den Spielen, die von Prominenten wie Nicolas Cage und Mikis Theodorakis unterstützt werden. Die „Society of the Revival of the Nemean Games“ zählt inzwischen 1800 Mitglieder.

Knapp zehn Kilometer entfernt findet sich das Heraion, mithin das größte und bedeutendste Hera-Heiligtum. Der Kult um die Gemahlin des Zeus wurde sehr aufwändig betrieben. Bei den jährlich stattfindenden Festivitäten wurde die Vermählung von Zeus und Hera nachvollzogen. Sie dauerten wie eine richtige Hochzeit drei Tage. Begleitet wurden die Festlichkeiten von sportlichen Wettkämpfen und kulturellen Handlungen. Hundert, damals besonders verehrte Kühe sollen der obersten Göttin geopfert worden sein. Erhalten ist nicht mehr viel, ein Spaziergang lohnt aber auch schon wegen den schönen Ausblicken ins Tal.

 

Wir sind in Argos, genauer bei den Ruinen des antiken Argos. Am Rande der lauten und hektischen Stadt Argos mit 27.000 Einwohnern finden sich am Fuße des Lárissa-Berges u. a. Reste des Theaters, römische Thermen und ein Odeon. Das Theater fasste etwa 20.000 Zuschauer und ist aus dem Felsen des Berghanges geschlagen. Es soll größer als das von Athen oder Epidauros gewesen sein und wurde Ende des 4. Jhr. v. Chr. erbaut. Es ist recht gut erhalten, auch wenn die Natur langsam wieder Besitz davon ergreift.

Direkt davor finden sich Reste römischen Thermen, besonders beeindruckend sind die Reste einer zehn Meter hohen Ziegelmauer. Da kann man sich die Dimensionen der Anlage recht gut vorstellen, zudem Schautafeln mit Rekonstruktionen der ehemaligen Gebäude alles recht gut veranschaulichen. Die Thermen dienten einst nicht nur hygienischen Zwecken, sondern waren im ganzen römischen Reich Treffpunkt für geschäftliche und politische Gespräche.

Nahe findet sich noch die Überbleibsel des Odeon mit Platz für 1800 Besucher, hier fanden wohl politische Versammlungen statt und es diente als Kleinkunstbühne. 14 der ehemals 35 Sitzreihen sind noch vorhanden, alles war einst überdacht.

Zu guter Letzt fuhren wir mit dem Auto noch hoch auf dem Lárissa-Berg, finden sich hier doch die Reste einer einst beeindruckenden Festung und auch der grandiose Blick über die Stadt und die argolische Ebene lohnt. Die Burg basiert auf Bauten der Byzantiner aus dem zehnten Jahrhundert, im 13. und 14. Jahrhundert bauten die Herzöge von Athen die Festung weiter aus. Anschließend legten die Venzianer noch Hand an.

Die Festung auf dem Lárissa-Berg

Das war es dann auch, zurück ins Hotel und noch ein kurzer Bummel durch Mykéne – wir waren glaube ich die einzigen Touristen und vieles war noch zu, ein Gläschen Wein und gut gegessen. Morgen geht es zurück nach Athen und Deutschland. 15 tage Peleponnes, es hätten gerne noch einige Tage mehr sein können, den Norden der Halbinsel ließen wir aus. Aber auch so lohnt ein Besuch, viel Geschichte und Kultur, nette Menschen, Griechenland ist immer wieder eine Reise wert.

Ende Teil II  des Reiseberichtes Peloponnes, hier geht es zum ersten Teil  mit den Regionen um Korinth, Mykene, Nafplion und Mystras.

Quellen: eigene Erfahrungen ergänzt um Internetrecherchen

 

Unterwegs in Griechenland, die Peloponnes – Teil I

Stadion im antiken Messene

April 2020: Sonne, Strände, gemütliche Tavernen und Kultur, das verspricht Griechenland. Besonders letzteres findet sich auf der Halbinsel Peloponnes im Süden Griechenlands, gilt die Region doch als die Wiege der ersten Hochkultur in Europa und als Schauplatz heldenhafter Taten, als Geburtsstätte vieler Sagen, Mythen und Legenden. Genannt seien nur Herkules, die schöne Helena und Agamemnon oder die Ruinen von Korinth, Mykene und Sparta sowie die olympischen Stätten der Antike. Zudem darf man sich auf ursprüngliche Landschaften, unverbaute Küsten mit Sandstränden, gebirgige Regionen zum Wandern und Dörfer freuen, die ihren eigentümlichen Charme bewahrt haben.

Die Peloponnes ist eine Halbinsel ganz im Süden Griechenlands und durch den Kanal von Korinth vom Festland getrennt. Die Region ist weitaus weniger vom Tourismus geprägt als der Rest Griechenlands und eignet sich besonders für Individualtouristen.

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Teil I -Regionen um Korinth, Nafplion und  Mystras, hier geht es direkt zu Teil II, die Regionen um Pylos, Olympia und wieder Mykene

Der Kanal von Korinth und die Stadt

Samstag, 02. April: Verbunden ist die Peloponnes über eine schmale Landzunge, genannt Isthmus. Hier findet sich der von 1881 bis 1893 erbaute, bald 80 m tiefe und etwa sechs Kilometer lange Kanal von Korinth, der den Schiffen einen Umweg von 325 km erspart. Heute hat er an Bedeutung verloren, da maximal 17 m breite Schiffe den am Wasserspiegel rund 27 m breiten Kanal passieren können. Dennoch nutzen ihn etwa 11.000 Schiffe jährlich.  

Weiter ging es die zehn Kilometer bis zur heutigen Stadt Korinth. In dem kleinen Städtchen haben wir für eine Nacht eine Unterkunft, im Pegasus Rooms, direkt im Zentrum gelegen. Die Stadt liegt unmittelbar an den Überresten des antiken Korinth. Das war einst die drittgrößte Stadt Griechenlands, in der einst geschätzt 300.000 Einwohner gelebt haben sollen, während ihrer Blütezeit als Verkehrsknotenpunkt zwischen Europa und Asien. Mehr dazu später. Die Ruinen liegen zu Fuße eines Tafelberges, auf dem sich die Burg Akrokorinth befindet. Da die Ausgrabungsstätte hier aber schon um 15.30 dicht macht, blieb heute keine Zeit für eine Besichtigung. Die machen wir morgen früh. Dafür ging es in das Städtchen und zum Essen in die Taverne Marinos, ist eine Empfehlung wert.

In der Stadt Korinth

Das antike Korinth und Mykene, die Festung des Agamemmnon

Sonntag, 03. April: Am Morgen ging es erst die paar Meter zu den Ruinen des Paleo Korinthos, des antiken Korinth. Die Ruinenstadt prägen die noch stehenden sieben Säulen des ehemaligen Apollon-Tempels. Für das gesamte Gelände sollte man sich schon zwei Stunden Zeit nehmen, inklusive des sehenswerten Museums. Die Ruinen sind jedoch überwiegend römischen Ursprungs. Zerstörten die Römer einst doch die alte Handelsmetropole und bauten sie wieder neu auf.

Reich wurde die damalige Metropole durch den weltweiten Handel. So reichten die Handelsbeziehungen im 6. Jahrhundert vor Christi von Ägypten bis nach Spanien. Und berühmt war die Stadt einst besonders durch seine Keramiken und Metallerzeugnisse. Bekannt war Korinth damals zudem für seinen Reichtum, die lockeren Moralvorstellungen und den Luxus. So genoss Aphrodite, die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde hier besondere Verehrung. Sie soll den trojanischen Krieg ausgelöst haben, das ist aber eine andere Geschichte. In der Blütezeiten der Stadt sollen nach je Quelle 100.000 bis 300.000 Menschen gelebt haben, kaum vorstellbar für die damalige Zeit.

Die Maske des Agamemnon, laut Schliemann. Ist aber ein paar hundert Jahre zu alt, entstand lange vor dem Trojanischen Krieg

40 Kilometer entfernt auf dem Weg nach Nafplion lag dann unser nächstes Ziel, das legendäre Mykene, die Festung des Agamemnon. Die über 3000 Jahre alte Anlage mit ihren wuchtigen Zyklopenmauern und dem Löwentor ist Weltkulturerbe der Unesco und eine der großen, kulturhistorischen Attraktionen Griechenlands. Entdeckt hatte die Reste Heinrich Schliemann vor etwa 130 Jahren.

In der Bronzezeit war Mykene Königspalast, Festung und Haupstadt, hier herrschte u. a. eben der mächtige Agamemnon, in der griechischen Mythologie der Anführer der Griechen im Trojanischen Krieg und Herrscher von Mykene. Die schöne Helena war die Frau seines Bruders. Hier wurde von Schliemann auch die legendäre Goldmaske gefunden, die er Agamemnon zuordnete. Nach neueren Untersuchungen ist sie jedoch 300 Jahre zu alt, um zeitlich mit der Schlacht um Troja zu passen.

Besonders beeindruckend sind die Zyklopenmauern, die aus tonnenschweren, exakt angepassten Steinblöcken besteht. Wie musste man sich in der Bronzezeit vorgekommen sein, wenn man die Burg von der Ferne sah und dann die riesige Mauer. Die konnten natürlich nur Götter gebaut haben, oder eben die großen, einäugigen Zyklopen, die in den Diensten der Götter standen. Daher der Name.

Im nahegelegenen Dorf stand dann erst einmal eine Mittagspause an, mit gutem Essen und etwas Wein, dann ging es weiter nach Nafplio, wo wir uns drei Tage in einem nahegelegenen Hotel aufhalten werden. Unterwegs noch einen großen Kunst- und Antiquitätenshop entdeckt, den wir auf dem Rückweg auf jeden Fall ausgiebig besuchen werden und abends einen ersten Eindruck der Hafenstadt gewonnen. Und es ist klar, für die Stadt mit der wunderbaren Altstadt, den Geschäften und Restaurants sowie den zwei Festungen auf Bergen ringsherum müssen wir uns einiges an Zeit nehmen.

Tyrins, eine mykenischen Burg, das Stadion von Epidauros und die Stadt Náfplion

Montag, 04. April: Tiryns, eine mykenische Burg stand heute Morgen als Erstes auf dem Programm. Das Weltkulturerbe war einst eines der wichtigsten Zentren der Bronzezeit im östlichen Mittelmeer. Der steinige Klotz aus riesigen Felsbrocken fällt eigentlich erst auf, wenn man davorsteht. Und diese Mauern, auch die können nur die Gehilfen der Götter errichtet haben, die Zyklopen. Übrig geblieben von der Festung sind nur riesigen Mauern aus tonnenschweren Steinen, die Mauerdicke schwankt zwischen 4,5 und 8 Metern. Die Gesamtlänge der Mauern beträgt rund 725 m. Die heutige Form der Anlage stammt etwa aus dem Zeitraum um 1200 v. Chr. Ein Spaziergang um und durch die Anlage reicht aus, so halten wir uns nicht allzu lange auf.

Die Zyklopenmauer von Tiryns

Unser nächstes Ziel liegt eine halbe Fahrstunde entfernt, ein im Wesentlichen aus römischer Zeit stammendes Sanatorium und Heilbad sowie diverse heilige Stätten, in denen vor allem Asklepios, der Gott der Heilkunde und sein Vater Apollon verehrt wurde. Deswegen fährt man aber nicht nach Epídauros. Sondern wegen des Theaters, das den Patienten u. a. zur geistigen Heilung verhelfen sollte. Es gibt in Griechenland in Sachen Erhaltungszustand und Berühmtheit nichts Vergleichbares. Sprich, es ist nahezu vollständig erhalten, einzig von dem Bühnenhaus sind nur mehr die Fundamente Vorhanden. Es stammt etwa von 330 v. Chr. und war bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. mit Unterbrechungen in Betrieb. Und es fasst sage und schreibe 14.000 Besucher, wartet zudem mit einer wunderbaren Akustik auf. Auch heute noch ist das Theater in Betrieb, jeden Sommer findet seit 1952 hier das Athens & Epidaurus Festival statt.

Das Stadion von Epidauros für 14.000 Besucher

Es blieb noch Zeit, um auch die Ausgrabungen des Sanatoriums, der heiligen Anlagen und der zugehörigen Sportarena zu besuchen, bevor es nachmittags nach Nafpoli und der Festung Palamidi zurück ging.

Es ist eine gewaltige Anlage, mithin eine der größten, die wir jemals besuchten. Und sie thront auf einem Berg über der Stadt Nafplion in 230 m Höhe. Man kann von der Stadt aus hochsteigen, über 999 Stufen oder aber fahren. Haben wir bevorzugt. Die Rede ist von der Palamídi Festung. Zu Beginn des 18. Jahrhundert haben sie die Venezianer erbaut, die gesamte Anlage besteht aus acht Forts mit Namen antiker griechischer Helden. Eine Wanderung durch die Anlage lohnt, allein wegen den fantastischen Blicken auf die Stadt Nafplion und deren Umgebung. Und ja, ich rede bewusst von einer Wanderung, legten wir doch in den alten Gemäuern sage und schreibe fast sieben Kilometer zurück. Das Innere der meisten Forts holt sich die Natur wieder zurück, eine wunderbare Landschaft. Doch seht selbst.

Wieder auf Meereshöhe folgte ein Bummel durch die Stadt Náfplion. Mithin das Touristenzentrum in der Region. Selbst Kreuzfahrtschiffe machen hier Halt. Das macht der Stadt aber keinen Abbruch, findet sich hier doch eine Dichte an Tavernen, Bars, und Kneipen sowie Handwerksläden (keine Chinaware) wie sonst nicht auf der Peloponnes. Sei es in der wunderbaren Altstadt oder an der Hafenpromenade. Die Abende der drei Tage, die wir hier verbringen, sind immer der Altstadt gewidmet. Zum Bummeln und gut Essen (und etwas trinken). Dass Nàfplion eine Touristenhochburg ist – immer relativ betrachtet – merkt man auch am höheren Preisniveau. Wir haben zu zweit für gut Essen, Trinken, mit Espresso und Nachtisch im Schnitt 40 bis 45 Euro liegen gelassen.

Náfplion war übrigens die erste Hauptstadt Griechenlands von 1829 bis 1834, während des griechischen Freiheitskampfes. 1832 fand in einem Vorort die vierte Nationalversammlung statt, die Prinz Otto von Wittelsbach zum König von Griechenland wählte.

Die Vulkaninsel Methana

Dienstag, 05. April: Wir fuhren kurvenreich die Küste gen Süden entlang, bis zu unseren Tagesziel, die Halbinsel Méthana. Sie ist nur durch eine schmale Landbrücke mit der Peloponnes verbunden, rund 80 Kilometer von Nafplíon entfernt. Noch ist die Vulkaninsel ein Geheimtipp, nur wenige Besucher kommen hier her. Wir jedenfalls waren an diesem Tag bei unserer Wanderung durch wunderbare Vulkanlandschaften hoch zu einem Krater die einzigen. Die Insel besteht aus 25 Vulkanschloten, die meisten sind jedoch durch Erosion und Baumbewuchs überdeckt. Einen jedoch kann man besteigen. Eine kurze, aber lohnenswerte Tour. Dieser Vulkan war vor 2000 Jahren das letzte Mal aktiv, auf bis zu 100 m türmen sich die skurillen Felsformationen auf. Eine wunderbare Landschaft, und es blieb Zeit, hier mal die Drohne aufsteigen zu lassen.

Anschließend ging es noch zu einem Kaffee in den Hauptort Méthana, ein 1000-Seelen-Kaff. Am Ortseingang versprühen Schwefelquellen einen stechenden Geruch nach faulen Eiern. Gemütlich an einem Strandkaffee gesessen und die Meeresbrise genossen, bevor es wieder zum Hotel zurück ging. Mal ein Tag ohne Ruinen, dennoch mit vielen Steinen.

Fahrt nach Mystras

Fahrt durch die Berge

Mittwoch, 06. April: Nach den drei Tagen in Nafplíon ging es weiter zum nächsten Etappenziel, nach Mystras, nahe Sparta gelegen. Wir fuhren einen größeren Umweg über das Kloster Eleónis in den Bergen gelegen. Es ging erst kurvenreich die Küste entlang und dann über viele Serpentinen in die Berge. Hier kommt man nicht allzu schnell voran. Nach rund zwei Stunden haben wir das Kloster erreicht. Die im 15. und 16. Jahrhundert errichteten Gebäude kleben förmlich an einer senkrechten Felswand. Leider ist es geschlossen, es gibt keine festen Öffnungszeiten. Vom Haupteingang aus ist es nicht zu sehen, man kann es ausschließlich aus der Ferne vom Tal aus betrachten. Oder aber man setzt die Drohne ein. So hat man wenigstens einen Blick auf die ungewöhnliche Lage, und das aus der Nähe.

Das Kloster Elonis

Dennoch, die Fahrt durch die baumlose Berglandschaft über die landschaftlich herrliche Strecke lohnt. Kurz darauf kommen wir in ein wunderbares kleines Bergdorf namens Kosmás. Das allein wäre die Tour wert gewesen. Riesige, alte Platanen spenden auf dem Dorfplatz Schatten, ringsherum Tavernen und einzelne Läden und natürlich eine überdimensionierte Kirche. Lohnt für einen etwas längeren Stopp und auch um etwas zu Essen. Es ist kaum etwas los.

Später, am Nachmittag, erreichen wir nach rund 170 Kilometern unser Ziel, das Mazaraki Guesthouse, nahe Mystrás gelegen. Die bisher schönste Unterkunft liegt wunderbar an einem Berghang mit Blick ins Tal, mit tollem Garten, wunderbaren Steinhäusern und stilvoll eingerichteten Suiten. Selbst einen offenen Kamin gibt es in unserem Zimmer.

Die Höhle von Pirgos Dirou und die Türme von Váthia

Donnerstag, 07. April: Wir sind im Süden etwa 70 Kilometer von Mystrás, in der Höhle von Pirgos Dirou. „Eine bizarre Welt aus Stalagtiten und Stalagmiten, scheinbar endlose Tunnel in gelben und braunen Farbtönen, die im spiegelglatten Wasser glitzern. In Kähnen geht es durch die märchenhafte Unterwelt der Máni“, so jedenfalls wird es beschrieben. Doch mit der Kahnfahrt war es nichts. Findet derzeit nicht statt. Dafür fanden wir eine große Baustelle vor, alles wird an den Außenanlagen gerade neu gemacht. Einzig den eigentlichen Ausgang der Höhle kann man per Fuß erkunden, aber auch das lohnt. In den Höhlen hier wurden viele Artefakte aus der Jungsteinzeit gefunden. Die lassen sich in einem Museum oberhalb der Höhle besichtigen. Wenn es denn geöffnet wäre.

Weiter gen Süden erreichen wir nach etwa 30 Minuten das größtenteils verlassene Dorf Váthia. Es liegt auf einem Hügel inmitten der Landschaft des Kap Matapan und dürfte eines der beeindruckensten Dörfer auf der Peloponnes sein. Dicht gedrängt stehen die meist im Verfall befindlichen Wohntürme der Mani. Sie sind Sinnbild der Manioten und dienten seit dem 17. Jahrhundert als Fluchtburgen, waren die Menschen hier doch seit altersher für ihre blutigen Fehden bekannt -schon wegen Marginalien. Die Türme sind über den ganzen Landstrich verteilt und für Griechenland einzigartig. Sie sind bis zu 20 m hoch, haben bis zu sieben Stockwerke und äußerst massiv gebaut, die Wandstärke beträgt gern 1,5 m. Schießscharten sind auch vorhanden und der Eingang befindet sich nicht selten in drei Meter Höhe, zu betreten über ein Nebengebäude. Relikte einer archaischen Zeit, die so lange noch gar nicht her ist. Heute sanieren Privatleute wieder einzelne Gebäude, wenn auch der Verfall noch lange nicht gestoppt ist.

Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher in das Hafenstädtchen Gíthio für einen kurzen Stopp, etwas zum Essen und etwas Shopping (Oliven und Olivenöl).

Die mittelalterliche Ruinenstadt Mystras

Freitag 08. April: Diesmal waren es nur fünf Kilometer, dafür aber über 200 Höhenmeter, die wir in einer antiken Stätte zurücklegten. Eigentlich eine Wanderung durch Ruinen und wunderbare, blühende Landschaft. Die Reste der mittelalterlichen Stadt Mystrás liegen am steilen Hang eines Berges, hoch oben thront die vor 800 Jahren von den Venezianern erbaute Festung. Von dem ehemaligen Reichtum der Stadt zeugen zahlreiche byzantinischen Kirchen (die noch gut erhalten sind), Klöster, ein Palast, zahlreiche Ruinen herrschaftlicher Häuser und natürlich die Festung. Einst wohnten hier 41.000 Menschen, kaum vorstellbar. Beherrscht wurde die Stadt von den Byzantinern, Türken, Venezianern, wieder Türken und schlussendlich von den Griechen. Und seine Entstehung verdankt es einem Franzosen. Während des griechischen Freiheitskampfes von 1821 bis 1829 wurde die Stadt endgültig zerstört. Mit der Gründung des im Tal liegenden modernen Sparti durch König Otto verließen auch die letzten Bewohner die Ruinenstadt. Seit 1989 ist alles hier Weltkulturerbe der Unesco. Zu Recht. Hier entlang zu wandeln ist einfach wunderbar, man kann die Fantasie walten lassen. Immer wieder finden sich neue Perspektiven, wunderbare Ausblicke, schöne Details. Auch in den Kirchen faszinieren die Reste der Wandmalereien. Fotomotive zuhauf.

Am Berghang gelegen, die Ruinenstadt Mystras mit der Festung obenauf

 

 

Ende Teil I des Reiseberichtes Peloponnes, hier geht es zum zweiten Teil  mit den Regionen um Pylos, Olympia und wieder Mykene

Quellen: eigene Erfahrungen ergänzt um Internetrecherchen

 

 

Auf den niederländischen Antillen – Teil I: Aruba

One Happy Island – so tituliert sich Aruba selbst. Wir sind auf den niederländischen Antillen, auf der Insel Aruba, eine der drei ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curacao), nahe vor Venezuelas Küste gelegen. Und auch nahe dem Äquator (rund 1400 km), jetzt im November sinken derzeit die Nachtemperaturen nicht unter 27 Grad Celsius. Tags sind es über 30 Grad. Teil Eins des Reiseberichtes über Aruba, hier geht es zum zweiten Teil über Curacao

Und hier geht es zu einer Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Fotos von Aruba

Boardwalk Boutique Hotel und Palm Beach

Heute Morgen haben wir erst einmal unser Boutique-Hotel erkundet. Es ist etwas kleiner, wie der Name schon sagt, rund 50 unterschiedlich gestaltete und eingerichtete Appartements in einer wunderschönen grünen Anlage mit zwei Swimmingpools. Maximal zweigeschossige Gebäude. Eben kein Hotelblock direkt am Strand gelegen, sondern etwas Landestypisches, individuelles. Zwar in der zweiten Reihe, will man an den hoteleigenen Strand muss man halt fünf Minuten laufen. Die Gäste kommen vorwiegend aus den Niederlanden und den USA. Wie die meisten Besucher Arubas.

Anschließend sind wir vor an den Strand. Der Palm-Beach ist mit der bekannteste Arubas. Weißer feiner Sand, Palmen, Bars, große Hotelanlagen mit eigenen Casinos – es kommen viele Amerikaner hierher – und zahlreiche Wassersportmöglichkeiten locken natürlich viele Menschen an. Zugleich mach das ruhige Wasser den Palm-Beach zu einem gemütlichen Refugium zum Schwimmen und Schnorcheln. Dennoch ist es nicht zu voll.
Unser Spaziergang führte etwa drei Kilometer den Strand entlang. Irgendwann war es schlicht zu heiß, also zurück zu unserem Hotel und ab an den Pool. Abends dann wieder vor an den Strand und zu einem im Reiseführer empfohlenen Fischrestaurant gelaufen. Für mich gab es als Vorspeise erst mal Ceviche, sauer angemachter roher Fisch (eine meiner Leibspeisen) und ein ganzer frisch gefangener Red Snapper. Leider wird der Fisch hier frittiert, ist so üblich, Dennoch schmeckte er sehr gut. Dazu ein/zwei Gläschen Rotwein, Wasser und einen Irish Coffee. Sind direkt am Meer gesessen bei einen schönen Sonnenuntergang. Das Restaurant ist recht voll, ist ja bekannt. Und weiß das auch zu nutzen, was die Preise angeht. Zu zweit ist man mal schnell 150 Dollar los. Muss ja nicht jeden Abend sein. 
Nachdem was ich vorab gelesen hatte, soll der Palm Beach nach Sonnenuntergang so richtig zum Leben erwachen. Dem war aber nicht so. Einzelne Bars mit Musik, ok. Aber generell wenig los. Obwohl die Hotels gut gebucht sein sollen. Vielleicht sind viele beim Essen (Vollpension) oder sitzen in den Casinos. Wer weiß, uns soll es recht sein.

Der Arikok N.P und die Ayo Rock-Formationen

Wir haben uns einen Allrad-Jeep gemietet. Es geht zum Arikok Nationalpark. Dort ist, je nachdem wo man hinwill, Allrad gefordert. Unser erstes Ziel nach einem Kaffee im Besucherzentrum ist ein schöner Naturpool am Meer gelegen, der nur mit einem Geländefahrzeug angefahren werden darf. Ich bin schon tausende Kilometer Offroad an Pisten gefahren, aber diese kurze Strecke toppte alles Bisherige. Für die knapp zehn Kilometer vom Besucherzentrum hin und zurück benötigten wir über eine Stunde reine Fahrzeit. Durchschnittstempo: zehn Kilometer pro Stunde. Offroad im wahrsten Sinne des Wortes über felsige und teils steile Pisten – wenn denn die richtige überhaupt zu erkennen war. Stellenweise unter Schrittgeschwindigkeit und Abtasten, was der beste Weg ist und was überhaupt geht.

 

Am Ziel dann ab ins kühle Nass, ist eine der wenigen Stellen, wo man hier ins Wasser kann. Denn die Strömungen und Brandungen im offenen Meer im Nordosten sind lebensgefährlich. Hier beherrscht der wilde Atlantik die Küsten, Baden ist normalerweise nicht, außer eben an diesem geschützten Naturpool. Gut, ob sich das jetzt tatsächlich bei dieser Anfahrt lohnt, sei dahingestellt. Die meisten hier kommen mit Veranstaltern und offenen Geländewagen mit acht/zehn Plätzen her, in Verbindung mit den restlichen Sehenswürdigkeiten hier im Park. Nur wenige machen sich selbst auf den Weg oder befahren nur den Bereich mit geteerten Straßen. Insgesamt ist natürlich wenig los, wen wundert´s.

Wieder am Besucherzentrum zurück geht es auf besseren Straßen weiter, teils geteert, teils eine ordentliche Piste. Wir fahren gemütlich durch eine für die Karibik surreale Gegend. Eine staubige, trockene, mit Kakteen und Sukkulenten bewachsene wüstenartige, leicht hügelige Landschaft. An der Küste immer mal wieder weiße Traumstrände – ohne Palmen – Baden ist ob der Strömungen und Brandung nicht angesagt. „On your own Risk – not recommended“. So ein Ranger. 


Kurz später, nach ein paar Fotostopps, erreichen wir die Fontain Cave. Die ganze Gegend besteht aus Kalkstein, entsprechend wurden im Laufe der Jahrmillionen Höhlen mit Stalagtiten und Stalagmiten herausgewaschen. Die auch die Ureinwohner nutzen, schon vor über 1000 Jahren. In diese Höhle finden sich einige gut erhaltene Wandmalereien der hier einst lebenden Indianer. Und in den Nischen eine Schlange sowie im Dunkeln ein etwa zwanzig Zentimeter großer, recht giftig aussehender Tausendfüssler.
Nur ein paar Minuten später erreichen wir die Quadirikiri Cave. Besonders schön, in zwei größeren Hohlräumen fällt durch ein Loch in der Decke Licht und leuchtet sie aus. Hier leben viele Fledermäuse, die in der Dämmerung die Höhle verlassen. Es ist übrigens überall recht ruhig, hier sind kaum Besucher unterwegs.

Am Rückweg zum Hotel fahren wir an der Ayo Rock-Felsformation vorbei. Geschliffene Felsen türmen sich zu bemerkenswerten Formationen auf, manche sehen aus, als hätten Riesen mit großen Murmeln gespielt. Kein Wunder, dass die einst hier lebenden Arawak-Indianer diese Stätte als heilig ansahen. Davon zeugen jahrtausende alte Felszeichnungen. Zwischen den hoch aufragenden Steinfelsen sollen die Indianer ihre Riten vollzogen haben. Geologen zufolge entstanden die Felsgebilde im Lauf von Jahrmillionen durch Erosion. Zwischen den Tonnen schweren Steinbrocken wachsen meterhohe Kakteen und stacheliges Gestrüpp. Karibik pur…


Das Gelände ist frei zugänglich, teilweise führen Treppen zu imposanten Gebilden. Bis hoch müsste man aber etwas klettern. Dazu bleibt keine Zeit, weil die Sonne hier schnell untergeht, so gegen 18.30 Uhr. 

Vom Leuchtturm, Kite-Surfen, Straußen, Gold und Kirchen 

Ganz an der Nordwestspitze gelegen, das California-Lighthouse

Wir haben uns wieder ein Auto gemietet, diesmal einen normales Fahrzeug für die nächsten zwei Tage um die Insel weiter zu erkunden. Erstes Ziel ist ein Leuchtturm ganz an der Nordwestspitze gelegen, sprich vier Kilometer vom Hotel entfernt. Ja, die Insel ist recht klein. Zwischen 1914 und 1916 erbaut ist das Leuchtfeuer rund 30 m hoch. Und nein, wir sind nicht hoch gegangen, bei den 35 Grad Celsius, die es um diese Zeit schon hat. Das muss das nicht sein. Dafür habe ich die Drohne fliegen lassen, gibt noch bessere Bilder und strengt weniger an.
Den Namen hat das Bauwerk von dem vor der Küste 1891 gesunkenen Dampfschiff California. Umgeben ist der Turm von zahlreichen Sanddünen und er gilt als Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen Arubas, ist ein beliebtes Ziel für die Autosafaris auf der Insel.

Dann ging es zu einem nahe gelegenen Strand, der bekannt für seine Kite-Surfer ist. Sie ist sich ihres Könnens bewusst und surft recht nah am Strand, lächelt dabei sogar in die Kamera. Es macht Spaß zuzuschauen und man kann sich vorstellen, wieviel Freude es macht, wenn man das Kitesurfen so beherrscht, wie die junge Frau und einige andere hier am Palm Beach. Der Wind ist recht kräftig, muss er auch sein, um solche Kunststücke zu vollführen.

 

Beim Kitesurfen steht der Sportler auf einem Board, ähnlich einem kleinen Surfbrett und wird von einem Lenkdrachen gezogen. Entsprechender Wind vorausgesetzt nimmt man dabei ganz schön Fahrt auf und kann auch meterhohe Luftsprünge machen. Wir beobachten das eine ganze Weile bis es einfach zu heiß ist. Schatten ist hier vorne am Wasser Mangelware.

Als nächstes steht eine Straußenfarm auf dem Programm. Sie dient ausschließlich touristischen Zwecken, rund 80 der imponierenden Vögel leben hier und einige Emus. Wir sind die einzigen, entsprechend wenig motiviert ist der Guide. Trotz eines Eintrittes von 14 USD pro Person. Er rasselt sein Programm runter, nach 20 Minuten ist alles gezeigt. Schade, denn die Tiere und Anlage sind wirklich sehenswert. So nah kommt man ihnen selten und sie sind schon wirklich groß. So bis um die 2,70 m.


Weiter geht es mit dem Auto zur nahe gelegenen Natural Bridge, oder dem, was übrig ist. Bis sie 2005 kollabierte, war sie eine der größten Naturbrücken der Welt, 30 m lang, acht Meter über dem Meeresspiegel, sie konnte sogar mit einem Auto befahren werden. Doch das war einmal, und die Brücke heute lohnt nicht mehr. Dafür ist dort ein kleines Touristenzentrum mit Café und Shop. Der Weg hin führt über eine Piste, ist aber auch mit normalen Fahrzeugen befahrbar. 

Ebenfalls nahe gelegen – eigentlich ist hier alles nahe beieinander – sind einige Ruinen einer alten Goldmühle, war das edle Metall doch in früheren Zeiten das wichtigste Gut der Insel. Hier hatte man im 19. Jahrhundert während des Aruba-Goldrausches das Erz der Minen verarbeitet.

Dann ab zu den Felsformationen von Casibari. Schöne Wege – zum Teil im Schatten – führen durch den Park mit den besonderen Steinformationen. Gegenüber denen bei Ayo fallen sie aber deutlich ab. Dafür können sie bequemer erklommen werden, auf Stufen. Und es gibt einen Shop und kühle Getränke.

Zu guter Letzt noch ein Besuch bei Arubas ältester Kirche, der Alto Vista Kapelle, respektive dessen Neubaus aus 1952. Sie basiert auf einen Vorgängerbau von 1750, man hat sie auf den Ruinen der alten Kirche Saint Ann aufgebaut. An Karfreitag findet eine Wallfahrt vom 11 Kilometer entfernten Oranjestad statt und einmal die Woche eine heilige Messe.

Oranjestad – Arubas Hot Spot

Am Tag 6 geht es erstmal in die Hauptstadt Arubas, nach Oranjestad. 1796 gründeten die Niederländer hier das Fort Zoutman, und schufen die Grundlage für die Stadt mit ihren knapp 30.000 Einwohnern. Das Fort ist ein sehenswertes Museum, jedoch „bis auf Weiteres“ geschlossen. Also sind wir durch den Hafen gebummelt und nach Downtown marschiert. Hier finden sich noch zahlreiche schöne, farbige Gebäude aus der Kolonialzeit.

Oranjestad´s Wilhelminastraat

Zwei Sachen fielen uns besonders auf. In der Einkaufsstraße Wilhelminastraat sind an fast allen Laternen Lautsprecher angebracht, die laut Musik aller Coleur abstimmen. Karibische Rhythmen genauso wie Pop und Rock. Dazwischen haben einige Läden noch ihre eigene Musik platziert. Dauerberieselung pur. Und die andere, mindestens jeder dritte Laden war geschlossen, for rent, for sale. Corona hat hier gewaltig zugeschlagen und viele Existenzen vernichtet. Aruba erwirtschaftet rund 70 Prozent des Bruttosozialproduktes allein durch Tourismus. Wenn der einbricht wie geschehen, dann gute Nacht. Die meisten Besucher kommen übrigens aus den USA, dann folgen Lateinamerikaner, die Niederländer an vierter Stelle, die Deutschen fallen unter Sonstige.
Die Terminals im Hafen für die Kreuzfahrschiffe sind mit einer Straßenbahn mit Downtown verbunden. Obwohl es nur zehn Minuten zu Fuß sind. Entlang der Strecke ballen sich die Luxusläden mit all den bekannten Namen. Kunsthandwerksläden sind selten, nur vereinzelt zu finden. Besonders lohnenswert ist der Mop Mopa im Market Place gelegen. Die spezielle Handwerkskunst hat es sogar in die Unesco-Liste des schutzbedürftigen immateriellen Kulturerbes geschafft. 


Was auffällt ist die Freundlichkeit der meisten Menschen. Nicht nur im Service und bei kurzen Gesprächen, sondern auch im Straßenverkehr. Hier herrscht eine sehr defensive Fahrweise, man lässt einen einfahren, wartet, alles sehr rücksichtsvoll.

 

Von Aloe, Gold und Schmetterlingen

Aloe vera, Basis für viele Produkte und inzwischen bald Kult

Einst war Aruba der Welt größte Exporteur von Aloe. Eingeführt wurde die Pflanze 1840, bald darauf sollen zwei Drittel der Insel mit Aloe Vera-Pflanzen bedeckt gewesen sein. Das ist natürlich Geschichte. Erfahren kann man das alles und viel mehr bei einem Besuch der Aruba Aloe Factory, gegründet 1890 und eines der ältesten, heute noch bestehenden, Unternehmen auf der Insel. Besichtigung des Museums, der Produktion und Plantage inklusive Führung sind kostenlos. Natürlich gibt es einen Laden, in dem die Körper-, Sonnen- und Hautpflegeprodukte eingekauft werden können. Was wir auch taten.

Weiter geht es zu den Ruinen der Balashi Gold Mills, einer alten Goldmühle. Gelegen in malerischer Umgebung an einem See, von dornigen Büschen umwuchert, dazwischen große Kakteen, hier lässt sich wunderbar wandeln und sich auch zahlreiche Fotomotive finden. Gold war einst der wichtigste Wirtschaftsfaktor auf der Insel, und zwar von 1825 bis 1915. Bis es vom Öl abgelöst wurde, dessen Ende dann um 2009 kam. Seitdem ist es der Tourismus. Insgesamt wurden auf Aruba in den 90 Jahren 1700 Kilogramm Gold gewonnen.

Die Butterfly Farm ist wieder in der Palm Beach Region gelegen, nahe unserem Hotel. Gelegenheit für eine wunderbare Begegnung mit den filigranen Wesen in in all ihrer Schönheit und Vielfalt. Dazu wurde ein tropischer Garten angelegt, in dem es von farbenprächtigen Schmetterlingen nur so wimmelt. Hier lässt sich der Lebenszyklus dieser Tiere vom Ei zur Raupe zur Puppe bis zum Schmetterling beobachten. Die Führungen vermitteln einem mit reichlich Wissenswertem über deren Lebenszykus.


Es bleibt viel Zeit, um wunderbare Aufnahmen der Tiere zu machen, wie sie in freier Natur kaum möglich sind. Morgens kann man sogar beobachten, wie Schmetterlinge aus ihren Kokons schlüpfen und die ersten Flugversuche unternehmen. Der Eintritt von 16 USD gilt übrigens für die gesamte Dauer des Urlaubs, leider waren wir am vorletzten Tag dort.

Ein Tag zum Entspannen

Morgens haben wir das Auto zurückgebracht, zu einem nahe gelegenen Hotel am Palm Beach. Von dort aus ging es die rund zwei Kilometer am Strand entlang, Richtung Boardwalk Hotel und das bei wunderbarem Wetter. Angekommen am hoteleigenen Bereich des Strandes haben wir hier den restlichen Tag verbracht. Morgen, also am Donnerstag geht es weiter nach Curacao. Dann ist eine Woche schon wieder vorbei. 
Unser Hotel hat eine Vereinbarung mit einem Restaurant beim Ritz Charlton, das für Essen und Getränke sorgt. Die Mitarbeiter flitzen auf Segways den Strand entlang und sorgen für das Wohlbefinden der Gäste. Überaus freundlich und kompetent. Sommer, Sonne, Strand und Palmen… Was will man mehr. So lässt sich´s leben.

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes über die elf Tage auf Curacao

Quelle: eigene Erfahrungen und Internetrecherche