Archiv der Kategorie: Motorrad

Slowenien mit dem Motorrad 2022

Prolog: Am Sonntag ging es nahezu ausschließlich die Autobahn entlang via Ulm, Augsburg, München und Salzburg und durch den Karawankentunnel nach Slowenien. Mein Ziel war der Ort Lesce, hier bleibeich die ersten vier Tage. Lesce liegt etwa 30 km hinter der österreichischen Grenze. Summa summarum waren es rund 640 km in etwas über sechs Stunden inkl. zweier Tankstopps und einer kurzen Essenspause. Muss man halt durch.   

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Montag, der 16. Mai – Julische Alpen und Soća

 

Meine erste Tagestour am Montag durch die Julischen Alpen und die Soča entlang führte mich Anfangs erst mal nach Italien. Stand als erstes doch die Passfahrt über den Paso del Predil auf dem Programm. Davor noch ein erster Stopp am Lago del Predil. Mit der Drohne gelangen wunderbare Eindrücke der Landschaft hier.
Kaum auf dem Moped, schon wieder ein Stopp. Diesmal ist es ein altes österreichisches Festungswerk, das mich aufhält, die Batterie Predilsattel. Sie diente der Überwachung der italienischen Grenze, ist noch recht gut erhalten, wurde im zweiten Weltkrieg nicht zerstört.
Kurz darauf bin ich auf dem 1156 m hohen Pass und wieder in Slowenien. Kurvenreich geht es kurz bergab, wieder liegt etwas im, respektive am Weg, also Anhalten. Es ist ein weiteres altes österreichisches Festungsbauwerk, das Fort Predel. Während der napoleonischen Kriege spielte es eine wichtige Rolle, so liest man. Auch hier kam die Drohne zum Einsatz, so hat man einen wunderbaren Überblick über die Ruinen und die ganze Gegend.
Kurz darauf wollte ich hoch auf die Mangartstraße, die höchste Straße Sloweniens, die bis auf 2500 m führt. Doch die war noch gesperrt. Also weiter Richung Soča-Tal, kurz darauf ein Halt an der Flitscher Klause. Ein weiteres Sperrwerk, wie die anderen beiden vorher eine der österreichisch-ungarisch alpinen Festungen. Das reicht aber dann aber auch an alten Gemäuern, schließlich ist man ja zum Mopedfahren hier. Also weiter den Fluss Soça entlang Richtung Süden. Der ist nicht nur bei Kanuten und Raftern bekannt und beliebt, sondern auch bei Motorradfahrern. Die Straße am Fluss jedenfalls. So finden sich in jedem Ort immer wieder Pensionen, Gaststätten und kleinere Hotels mit ‚Biker Welcome‘. Auch heute sind nicht wenige unterwegs, meist in Gruppen von fünf bis zehn Fahrern. Ich will nicht wissen, was in der Hochsaison dann abgeht. 

Die engen weichen langsam langgezogenen Kurven, jetzt kann man sogar wieder in den sechsten Gang schalten und die erlaubten 90 km/h auch fahren. So macht das Fahren Spaß, aber auch die engen Serpentinen haben etwas. Über Kolbarit geht es nach Tolmino, mein Ziel ist eigentlich Nova Gorica. Eigentlich. Nur bin ich ob der Stops schon etwas in Verzug, zudem ziehen am Himmel dunkle Wolken auf. Für Nachmittags ist Regen angekündigt. Und ich habe noch einen Pass vor mir, das eigentlich fahrerische Highlight mit 50 Spitzkehren, davon bald die Hälfte mit einem Belag aus Pflastersteinen. Besser, wenn die trocken sind. Also wieder Richtung Norden, wieder die Soča entlang, diesmal stromaufwärts. 
Bei Kolbarit findet sich der Kozjak-Bach, der in die Soča mündet. Hier stürzt der Bach über sechs Wasserfälle vom Berg Krnčica (2142m) herab und fließt durch mehrere Klammen. Zwei der Wasserfälle sind erreichbar, nach einer halbstündigen Wanderung. Doch in Motorradstiefeln, und die Wolken werden immer dunkler…
Die Drohne schafft das doch in wenigen Minuten. So ist es, damit sind wenigstens Aufnahmen der Wasserfälle im Kasten.

Bei Bovec verlasse ich die mir bekannte Route und biege nach Osten ab. Weiter entlang der Soča. Es geht hinauf auf den Vršič, den höchsten Gebirgspass Sloweniens. Die Straße hinauf, die hat Gott extra für Motorradfahrer geschaffen. Genau 50 Spitzkehren sind es auf den beiden Seiten des Passes zusammen gezählt, und unzählige enge, 90 Grad-Kurven. Es geht hinauf auf 1611 m und wieder hinunter. Ein paar Autos sind auch auf der Passstraße unterwegs, machen aber schnell Platz, lassen einen gern vorbei. Ein kurzer Stopp an einem Aussichtspunkt, dann ist der Pass schon erreicht. Kein Problem, sofern man Spitzkehren beherrscht. Oben am Pass steht ein kleiner Souvenirshop, Kaffe gibt es aber keinen. Dafür bekomme ich von anderen Motorradfahrern die Antwort auf meine nichtgestellte Frage, warum ich eigentlich nahezu der Einzige war, der den Pass von Bovec aus fährt. Andersrum, sprich mir entgegen, sah es anders aus. Da waren und sind einige unterwegs. Der Grund, die Spitzkehren mit Kopfsteinpflaster finden sich nur auf der Seite von Kranskja Gora aus und sie lassen sich bergauf deutlich besser fahren, so heißt es… Zumal nicht jeder Stein im Pflaster dort ist, wo er sein sollte und Sand von den Felshängen auch noch zu finden ist. Vorab, auch bergab stellten die – noch trockenen Pflasterstein-Spitzkehren auch kein Problem dar.

Am Gipfel des Vršič

Also runter den Berg mit zahlreichen Kurven. Macht Spass, man muss ja nicht rasen. Resumee der Passfahrt auf den Vršič: es könnte stimmen, dass es sich um die schönste Passstrecke Sloweniens handelt. Gut, kenne bisher ja nur zwei. und da ist der erste Platz sicher. 
Unten angekommen in Kozorog, ein wunderbares Gartenlokal und Hotel direkt am Jasna -See gelegen. Ein Kaffee mit Kuchen ist die Belohnung. Es ist trocken geblieben, auch wenn es in der Ferne donnert. Genau aus der Richtung Lesce. In die ich muss. Natürlich erwischt mich doch noch eine dicke Regenwolke, kurz vor meinem Hotel. Egal, war ein wunderbarer Tag und die Klamotten sind ja Nordkap erprobt.

Dienstag, 17. Mai, Julische Alpen, Burg Bled und Bohinjska jezero

In aller Frühe ging es wieder in Richtung der Julischen Alpen, in den Triglavski Narodni Nationalpark. Hier finden sich einige wunderbare Straßen mit fantastischen Ausblicken, vielen Kurven und Kehren und auch der höchste Gipfel der Julischen Alpen und ganz Sloweniens, der Triglav – absolut lohnenswert seien die Strecken, so sagt man jedenfalls. Zum Besichtigen gebe es auch einiges. Tja, was soll ich sagen, könnte stimmen, oder auch nicht.

Reste einer Gräueltat

Ein erstes kurzes Teilstück durch Wald und Wiesen ist vielversprechend. Nach kurzer Fahrt im Park findet sich am Weg eine Ruine mit einem Mahnmal. Das macht neugierig. Eine traurige Geschichte verbirgt sich dahinter. Als Vergeltung für den Tod zweier Soldaten durch Partisanen brannten deutsche Soldaten im September 1944 alle Häuser des Weilers nieder und töteten die 24 Bewohner. Das jüngste Opfer war elf Monate alt, das älteste 89 Jahre.
Nachdenklich geht es weiter. Etwas weiter durch den Wald findet sich ein altes Sägewerk, das auch eine Inspektion lohnt. Kurz darauf erreiche ich Mojstrane, hier beginnt die Strecke zum 2864 m hohen Triglav. Doch was sehe ich, ein Schild mit der Aufschrift ‚Zufahrt gesperrt‘. Und zwar von Montag bis Freitag, jeweils von 9 bis 17 Uhr. Das verstehe, wer will. Früh morgens und abends ist die Strecke frei und auch das ganze Wochenende über. Hilft nichts, also weiter zu einer Rundtour auf das Hochplateau Pokljuka. Nach einer halben Stunde bin ich am Ausgangspunkt, und was sehe ich? Ein Schild, dass die Strasse komplett gesperrt ist, kein Hinweis warum, keine Umleitung, nichts. Auch online kein Hinweis, nichts. An der Kommunikation müssen die Nationalparkbehörden hier noch arbeiten.
Nicht weit weg liegt die Stadt Bleg mit einer sehenswerten Burg. Die dürfte ja wohl offen sein. Also dort hin, und ja, man kann sie besuchen. Es ist schon Mittag, also bietet sich erstmal ein Cappuchino und ein Stück Kuchen an, bevor ich mit der Besichtigung beginne.
Die auf einem weißen Felsen hoch über einem smaragdfarbenen See thronende Burg geht auf das Jahr 1004 zurück und ist eine der ältesten Sloweniens. Ihre heutige Form und Aussehen erhielt sie durch die Renovierung nach einem Erdbeben im Jahr 1511. Charakteristisch für die Burg ist die Doppelstruktur: innen der befestigte zentrale Teil für die feudalen Herren, außen der Teil mit Mauern und Räumlichkeiten für die Diener. Auf der Burg gibt es u. a. ein Kaffee mit einer wunderschönen Terrasse mit Blick über die Bergwelt und den See, allein dafür lohnen die 13 € Eintritt. Weiter finden sich ein gehobenes Restaurant, ein Museum und ein Weinverkauf im alten Weinkeller sowie eine Buchdruckermanufaktur. Und zwei Souvenirshops. Der Besuch lohnt.

Wieder auf dem Moped fahre ich einem Hinweisschild Richtung Pokljuka nach, der Hochebene im Nationalpark, die ich morgens nicht erreichte. Nach einigen Irrungen und Wirrungen erreiche ich tatsächlich wieder den Nationalpark, nur nicht die Hochebene. Dafür geht es durch dunkle Wälder, Bärenland. Ich sehe aber keinen der Gesellen, sie scheuen Menschen und Fahrzeuge sowieso. Dennoch, die Berge hoch und runter, wie Achterbahnfahren, nur dass man selbst steuert. Wieder den Berg runter geht es einen Fluss entlang zum See Bohinjska jezero.

Auf dem Wasser zahlreichen Kanufahrer, StandUp-Paddler und auch Badende. Man sollte seine Badesachen dabei haben, liegen im Hotel. Zumal das Wetter mitspielt: Sonne und 28 Grad, nur die Wetterapp prognostizierte für heute eine Regenwahrscheinlichkeit von 90 Prozent. Tatsächlich hatte es mal ganz kurz oben auf den Bergen geregnet, das war es aber dann schon.

Weiter ging es Richtung Süden wieder hoch auf die Berge, bin bald allein unterwegs. Oben gibt es größere Skigebiete, jedenfalls im Winter. Durch weite Waldstrecken komme ich dann auf eine wunderschöne Hochebene, die tiefstehende Sonne und die Landschaft ist Balsam für die Seele. Hier kann ich auch mal die Drohne aufsteigen lassen, in den Nationalparks ist es ja verboten. Im Tal unten hat mich dann die Realität wieder. Stadtverkehr, Lastwagen, Ampeln, es geht im Stopp an Go vorwärts. Also ab auf die Autobahn und zurück nach Lesce in mein Hotel. Alles in allem wieder ein gelungener Tag, trotz der Streckensperrungen im Nationalpark. Ich weiß ja nicht, was ich versäumt habe. Am Ende kamen rund 280 Kilometer auf dem Tacho hinzu.

Mittwoch 18. Mai, Begunje, Bohinjska und ein Absturz

Heute Morgen machte ich mich erst mal zu einer nahegelegenen Ruine, der Burg von Begunje auf. Ich bin hier fast der Einzige. Nur auf dem kleinen, schattigen Parkplatz steht noch ein niederländischer Camper, das junge Paar übernachtet hier. Das alte Gemäuer lässt sich wunderbar erkunden, bis hoch in den Bergfried. Nur ein kleiner Teil ist abgesperrt, wegen Steinschlaggefahr durch sehr hohe, freistehende Mauern. In dunklen Räumen sieht man eine Fledermäuse umherflattern.

Die Burg Kamen, so der deutsche Name, wurde auf einem Felsvorsprung im 12. Jahrhundert von den Ortenburger Grafen erbaut und diente als wichtiger Stützpunkt auf dem alten Frachtweg über den Bergpass Preval nach Kärnten. Ihre größte Ausdehnung hatte sie im 15. Jahrhundert, zu Beginn des 18. Jahrhunderts verlor sie endgültig ihre Schutz- und Verteidigungsfunktion. Fenster und Türen wurden zur Renovierung des Schlosses Katzenstein verwendet, die Dachziegel sollen heute die Pfarrkirche St. Ulrich in Begunje decken. Den Verfall stoppte man erst ab 1959.
Eine gute Gelegenheit und Location, um die Drohne einzusetzen. Doch beim Rückflug zum Landeplatz passierte es. Im Rückflugmodus (in diesem Fall mal nicht manuell, sondern im automatischen Modus) „übersieht“ die Drohne einen hohen Baum, respektive einen Ast. Eigentlich dürfte sie gar nicht so nah daran vorbeifliegen, dafür sorgen Antikollisionssensoren – theoretisch. Der Ast aber bringt die Drohne zum Absturz. Sie sendet weiterhin das Bild, liegt irgendwo in der Pampa. Also per GPS den Standort lokalisiert und auf den Weg gemacht. Sie müsste im Innenbereich der Ruine abgestürzt sein, da steht auch ein hoher Baum, direkt an einem steilen Abhang. Wo Burgen halt so stehen. Hier, beim Baum müsste sie laut GPS auch liegen. Doch nichts ist zu finden. Noch mal das Bild von der Drohne genauer betrachtet, da sind doch Zapfen zu erkennen. Kiefernzapfen. Ich stehe unter einer Kiefer. Hängt sie etwa irgendwo im Baum? Der ist gut und gerne 20/25 m hoch, absolut nichts zu sehen. Da ich keine Chance habe und wenigstens den Chip mit den Aufnahmen retten möchte – eine neue Drohne, die Mavik 3 liegt ja schon zuhause – starte ich kurzerhand die Motoren. Sie starten auch, doch werden sofort wieder gestoppt, da die Propeller blockieren. Aber ich konnte oben im Baum etwas hören. Nach einigen Versuchen ließ sie sich lokalisieren, aber immer noch nicht sehen. Zu hoch. Sie hängt ganz oben in der Spitze des Baumes. Genial. Mit Steinwürfen erreiche ich etwa die halbe Höhe. Aussichtslos. Aber man hat ja nichts zu verlieren, also immer mal wieder den Motor gestartet, der sofort blockiert. Dennoch, kurz drehen die Propeller. Mal sehen, ob sie das Geäst der Kiefer nicht klein kriegen und die Drohne dadurch freikommt. Oder das Akku vorher leer ist. Es hat noch 15 % Kapazität.
Tatsächlich, nach dem vielleicht zehnten/fünfzehnten Versuch tut sich etwas, auf einmal kommt sie frei, fällt im Geäst etwa 15 m tiefer, bleibt dann wieder hängen. Aber diesmal in etwa sechs Meter Höhe. Schon besser. Praktischerweise ist genau hier ein Geländer zum Abhang, wo sonst eigentlich nichts groß gesichert ist. Also rauf und ich bekomme den untersten Ast des Baumes zu fassen, schüttle kräftig so dass auch die darüber wackeln und ja, die Drohne fällt die letzten Meter auf den Boden. Nicht den Abhang hinunter. Der Chip ist gerettet. Nur der Chip? Nein. Die Drohne nahm keinen Schaden, nicht mal ein Propeller ist beschädigt. Gut, hätte ich ja einige dabei, aus Erfahrung.  Robust sind die Dinger von DJI schon. Auch wenn beim Kollisionsschutz und den Automatikfunktionen eindeutig Nachholbedarf besteht.

Also etwas später als gedacht geht es mit dem Moped weiter, heute frei Schnauze. Einfach mal losfahren, weg von den Städten Richtung Julische Alpen, nur kleine Seitenstraßen gewählt, hoch in die Berge. Einfach treiben lassen und schauen, wohin mich das Motorrad respektive die Straße und Abzweigungen so führen und was es da zu entdecken gibt. Teilweise wusste ich gar nicht wo ich bin. Einige kleine Dörfer durchfahren, zahlreiche kurvenreiche Strecken mitgenommen, auch einen Pass, irgendwann kommt mir ein Ort bekannt vor. War ich gestern schon, aber aus der anderen Richtung. Also weiter, eine Rast gemacht, dabei einen landestypischen Eintopf genossen, noch zweimal die Drohne aufsteigen lassen und am späten Nachmittag im Hotel gewesen. Morgen geht es ja weiter, über Ljubljana in den Süden des Landes. So waren es heute gerade mal 120 km, was auch reicht. Tja ohne die Drohne hätte es ja kaum was zu erzählen gegeben. Und die Region um die Julischen Alpen sind immer einen Besuch wert, auch ohne Motorrad.

Donnerstag 19. Mai, Ljubjana und fahrt nach Postojna

Knapp eine Stunde dauerte die Fahrt auf der Autobahn am Morgen nach Ljubjana, der Hauptstadt Sloweniens. Sie ist wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes, dennoch überschaubar mit ihren rund 290.000 Einwohnern. Es ist eine der kleinsten Hauptstädte Europas, was nicht schlecht ist. Und, so mein Eindruck, sie ist sehr lebhaft und grün. Im Zentrum herrscht südländisches Flair, unzählige Restaurants und Kaffee haben ihre Sitzplätze im Freien entlang des Flusses Ljubljanica. Ich halte mich im Zentrum und der Altstadt auf, schaue mir den Marktplatz an, wandele die berühmte Drachenbrücke entlang, die aber etwas enttäuscht und schlendere über den zentralen Platz der Stadt, den Prešernov Trg. Hier steht die dominante Franziskanerkirche und besonders beeindruckend ist die dreiteilige Tromostovje-Brücke. Fotomotive zuhauf. Nach zwei Stunden mache ich mich wieder auf den Weg zum Motorrad und hoch zur Burg, es ist heute in der Motorradkluft einfach zu heiß, um länger durch die Stadt zu bummeln.

Das Schloss ist schnell erreicht, es liegt direkt an der Altstadt auf einem Hügel. Das Laibacher Schloss, so der deutsche Name ist Wahrzeichen Ljubjanas und thront geradezu über der Innenstadt, entsprechend wunderbar ist der Blick auf die Hauptstadt Sloweniens. Irgendwann gebe ich aber mit der Besichtigung auf, es ist einfach zu heiß. Lieber genieße ich noch einen Kaffee und mache mich dann auf den Weg zu meinem nächsten Domizil – wieder für vier Tage, einem Campingplatz nahe Postojna. Hier habe ich eine Hütte reserviert. Die Fahrt dauert nur gute 30 Minuten, dann bin ich am Ziel. Auch heute kamen nur runde 100 km mit dem Moped zustande. Hier kostet der Liter Super übrigens um die 1,55 €. Da sieht man, wer in Deutschland beim Benzin der größte Preistreiber ist, der Staat.

Mein Domizil auf einem Campingplatz nahe Potojna

Freitag, 20. Mai, die Höhle von Postojna und die Höhlenburg Predjama

Nur rund vier Kilometer vom Campingplatz entfernt befindet sich eine der größten Touristenattraktionen Sloweniens, die Höhle von Postojna. Ich habe mit gestern schon online ein Ticket besorgt, da die Höhlengänge nur stündlich stattfinden und einiges los sein könnte. Liegen die Besuchszahlen doch bei fährlich um die 500.000 bis 600.000 Menschen. Es war dann doch nicht so voll, bin ja noch recht früh im Jahr hier. Die allersten Besucher stammen von 1213, darauf deuten Wandmalereien hin, die man zeitlich einordnen konnte. Sprich, die Höhle ist schon sehr lange bekannt, jedoch nicht in ihren Ausmaßen.
Erforscht sind 24, besuchen kann man bei der normalen Tour rund 5 Kilometer, wobei man etwa 3,5 davon in einem Zug zurücklegt. Ich habe schon sehr viele Höhlen besucht, diese jedoch gehört sicherlich mit zu den Sehenswertesten, für mich bis dato nur mit der Mammoth Cave in den USA vergleichbar. Das System besteht aus drei Hauptebenen, in der untersten fließt heute noch der Fluss Pivka, der dieses System schuf. Prächtige Tropfsteinskulpturen wechseln sich mit großen Hallen ab, wie der weiße Saal, der Spaghetti-Saal und der rote Saal. Der Name ist dabei Programm. Manche der Stalagtiten sind reinweiß, manche gelblich oder rötlich. Im größten Saal, der Konzerthalle, sollen zehntausend Menschen passen. Es gibt Führungen in Englisch, Italienisch, Slowenisch und Deutsch, ebenfalls zu jeder Stunde. In der Höhle verlaufen sich die Gruppen aber. Bevor es mit dem Zug wieder rausgeht, darf natürlich ein Souvenirshop nicht fehlen. Und außerhalb gibt es mehrere Kaffees, Restaurants ein großes Hotel, einen Parkt und ein Vivarium, das sich mit der Tierwelt in der Höhle befasst. 
Eines davon ist der Grottenolm, in einem Aquarium am Ende der Tour kann man einige sehen. Die bis zu 30 cm großen Schwanzlurche sind weiß, blind und können um die 100 Jahre alt werden. Und kommen bis zu zwölf Jahre ohne Nahrung aus. Insgesamt finden sich in den Höhlen um die 150 verschiedene Tierarten. Doch lassen wir nun die Bilder sprechen.

Wenige Kilometer weiter findet sich hier ein weiteres Highlight, die Höhlenburg Predjama, zu deutsch Lueg. Mithin die größte und am besten erhaltene Höhlenburg überhaupt und auch hier gilt, ich habe schon zahlreiche Burgen gesehen und besucht, aber diese ist etwas Besonderes. Wurde sie doch in eine 123 Meter hohen, senkrechten Felsenwand auf halber Höhe in eine Höhle gebaut. Kein Wunder, dass sie über 800 Jahre uneinnehmbar war, wenn man die Zeit bis heute rechnet, stamm sie doch aus dem 12. Jahrhundert. Die heutige Form stammt aus dem Jahr 1570. Hinter der Höhlenburg befinden sich geheime Höhlengänge, so dass man sich auch bei einer beispielsweise über ein Jahr lang andauernden Belagerung problemlos versorgen konnte. So geschehen als man den Raubritter Erasmus von Predjama (von Luegg) ergreifen wollte, der hier residierte. Er verspottete seine Belagerer sogar, indem er Nahrungsmittel wie gebratenes Schweinefleisch von der Burg warf. Und für klares, sauberes Wasser sorgte der Berg selber. Was ihm letztendlich doch nicht half, durch den Verrat eines seiner Diener soll er 1484 dann doch getötet worden sein. So erzählt man sich, dass er während eines Ganges zum Abort mit Steinkugelgeschossen erschlagen worden sein soll. Vermutlich aber nur eine Legende, die für die Touristen aufrechterhalten wird.
Unterhalb der Burg findet sich das zweitgrößte Höhlensystem Sloweniens, mit einer Ganglänge von immerhin 14 Kilometern, die Höhle unter der Burg genannt.
Man zählt die Burg zu den zehn faszinierendsten der Welt und sie ist auch im Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet, eben als der Welt größte Höhlenburg. Doch komfortabel war das Leben hier nicht, der musste der Sicherheit weichen. Natürlich bietet sich so eine Burg auch für Filme an. So war sie Schauplatz mehrerer Dokumentar- und Spielfilme.

Samstag 21. Mai, ein Tag Fahrspaß

Heute habe ich mal einen ganzen Fahrtag mit dem Motorrad eingelegt, nach den Besichtigungen der letzten zwei Tage. Außerdem ist es einfach zu warm, um in der Motorradkombi rumzulaufen. Ich habe zwar eine speziell für heiße Regionen, damals für meine Wüstentouren in Namibia und Südafrika angeschafft, doch die ist zu Hause. So geht es erst schöne Landstraßen entlang, dann über die Berge durch endlose, dunkle Wälder durch Bärenland auf Schotterpisten, weiter durch ein Region mit Weinanbau. Schöne Dörfer, ein Schloß, eine Burg und eine weitere Höhle – sogar Weltnaturerbe, lasse ich links liegen. Kann man sich ja mal für einen späteren Besuch mit Auto oder Wohnmobil merken. Summa summarum ging es über kurvenreiche Landstraßen, viele Kilometer auf Schotter und am Schluß recht zackig auf gut ausgebauten Straßen mit langgezogenen Kurven. Meist war kaum Verkehr. Zusammen kamen rund 270 km Fahrspaß.

Sonntag 22 Mai, Sloweniens Küste und Kroatien

290 km sind es heute geworden. Hatte ich eigentlich gar nicht vor. Aber vielleicht ist es keine so gute Idee an einem Wochenende bei Sonnenschein an die Küste zu fahren. Machen viele andere auch. Der erste Versuch war die Stadt Koper mit Sloweniens einzigen Seehafen. Schon von weitem dominiert die Hafenanlage mit mächtigen Kränen und Containerplätzen. Auf dem Wasser dümpeln große Frachtschiffe vor sich hin. Die schöne Altstadt liegt direkt daneben. Einmal umrundet und weiter, diese Menschenmassen will,ich mir nicht antun.
Also weiter nach Izola, schon der Weg die Küste entlang, Stop and Go. Einmal,durch das Küstenstädtchen gefahren, auch hier einfach zuviel los, also weiter nach Piran. Soll auch der schönste der drei Küstenorte sein. Dort ist etwas weniger los und direkt im Zentrum nahe dem Strand gibt es Motorradparkplätze. Also einen Stopp gemacht und etwas durch die Gegend geschlendert. Und für einen Cappucchino und ein Blaubeereis hat es auch gereicht.

Wieder los gleich Richtung Landesinnere, der Küstenstreifen Sloweniens umfasst gerade mal etwa 50 km. Bei der Anfahrt heute morgen war ich nur einige Kilometer vom italienischen Triest entfernt und jetzt ist es nicht weit zur kroatischen Grenze. Es geht an Weinstöcken und Olivenhainen entlang auf kleinen Sträßchen, teils geteert, teils auf Schotter. Die Dörfer abseits der größeren Routen scheinen ausgestorben. Auf einmal, mitten in der Pampa, ist die Straße gesperrt. Der letzte Abzweig liegt gut acht Kilometer zurück, also umgedreht und eine Umfahrung gesucht. Denn eigentlich wollte ich hier weiter. Mein Navi führt mich dann über teils abenteuerliche Pisten, mit meinen bescheidenen Offroad-Kenntnissen komme ich fast an meine Grenzen. Schmale, sehr steile Pisten mit Haarnadelkurven, grober Schotter oder Steine, meterhohes Gras, und das kilometerlang. Aber irgendwann ist es geschafft, ohne Sturz. Mit der Zeit wird man immer sicherer, was gefährlich ist. Denn jede kleinste Unaufmerksamkeit wird sofort bestraft. Derartige Strecken begleiten mich den Tag immer wieder, bei manchen hat man den Eindruck, dass hier schon jahrelang niemand mehr entlang gefahren ist, wahrscheinlich nicht mal gelaufen. So komme ich aber an einzelne Gehöfte, die wirklich noch in der Vergangenheit stehengeblieben sind. Die auch nur über solche Wege erreichbar sind.

Irgendwann stehe ich vor der kroatischen Grenze. Gut, dass ich den Pass dabei habe, denn Kroatien gehört zwar zur EU, aber nicht zum Schengenbereich. Ist also Schengen-Außengrenze. Und es wird kontrolliert. Auf der kroatischen Seite geht es kilometerweit durch eine Bergwelt, dann eine größere Stadt und später durch Wälder und auf einer wunderbaren Hochebene entlang, die an eine Heidelandschaft erinnert. Nur fast überall sind gerade mal 40 km/h erlaubt. Ätzend. Denn die Straßen sind gut. Kurz fahre ich auf kroatischer Seite an der Grenze zu Slowenien entlang, ein meterhoher Zaun mit Nato-Stacheldraht sichert die Grenze. Auf einer kleinen Seitenstraße sehe ich auch eine kleine Flüchtlingsgruppe auf dem Weg in den Schengenbereich.
Nach etwa einer Stunde verlasse ich Kroatien wieder, nehme die letzen 40 Kilometer dann eine schnellere Verbindung nach Postojna. Bin ja schon den ganzen Tag unterwegs und muss morgen zurück nach Winnenden.

Nicht alle Straßen in Slowenien sind geteert

 

Epilog, Montag 23. Mai. Heute ging es zurück nach Winnenden. 750 km Autobahn. Morgens um 8.30 Uhr losgefahren, war ich mit zwei Tankpausen schon gegen 16 Uhr in Winnenden. Meist freie Autobahnen, und das am Montag. Trocken blieb es auch, trotz angekündigtem Regen. Auch wenn es stellenweise nass war. Es war ein schöner Urlaub, Wetter, Straßen und das Land mit den Menschen haben gepasst. Und zu sehen gibt es auch vieles, nicht nur für Motorradfahrer.

 

Norwegen Motorradreise als BluRay oder DVD

Die zum Nordkap und weiter Norwegens Küste entlang führende Motorradtour ist jetzt in meinem Shop zu erhalten. Der 100-minütige Film zeigt die Reise beginnend auf schwedischem Boden und führt den Zuschauer über das Nordkap und die Lofoten bis nach Bergen. Viel Informatives und Spannendes erwartet den Zuschauer. Den Film gibt es als DVD oder hochauflösend als BluRay.

Hier gibt es einen kurzenTrailer auf YouTube mit Ausschnitten vom Film. Auf meinem Kanal finden sich weitere längere Filme mit deutschen Kommentaren.

Mit dem Motorrad zum Norkap und an Norwegens Küste zurück – der Trailer zum Film

Durch Schweden Finnland und Norwegen geht es mit einer Yamaha Tenere zum Nordkap. Es folgen Fahrten die Westküste entlang durch Norwegen nach Bergen. Höhepunkte sind sicherlich die Lofoten, die Küstenstraße Kystriksveien, der Trollstiegen und Geirangerfjord sowie die Nationalparks Jostedalsbreen und Jotunheimen. Ab Bergen nehme ich die Fähre nach Hirtshals in Dänemark, weiter geht es für ein paar Tage nach Hamburg, bevor die Rückfahrt nach Winnenden bei Stuttgart ansteht. Insgesamt 7852 km mit dem Motorrad (ohne die Fährstrecken) in knapp vier Wochen durch wunderbare Landschaften, eintönige Wälder, entlang Flüssen bei Regen, Eiseskälte und Sonne. Auf Autobahnen und kilometerlange Geraden oder kurvenreich über Pässe und Fjorde entlang. Fähren wurden mit der Zeit Routine und kilometerlange Tunnel auch. Ein ausführlicher Reisebericht mit vielen Bildern findet sich auf meiner Website.

Den Film gibt es als Video auf DVD und BluRay auf meiner Shop-Seite.

Reisebericht Nordkap ist Fertig

Online zu lesen gibt es nun den Reisebericht über meine Tour durch Schweden, Finnland und Norwegen bis zum Nordkap. Das war aber nur ein Etappenziel, denn die Reise ging weiter die Küste Norwegens entlang bis nach Bergen. In der Summe fast 7900 km mit der Reiseenduro in knapp vier Wochen bei wunderbaren wie widrigen Tagen.  Auf dem Weg zurück wurden noch drei Tage in Hamburg eingelegt, auch dieser Bericht ist nun online.

 

 

Mit dem Motorrad zum Nordkap

Es geht los, immer Richtung Norden – zum Nordkap

Durch Schweden Finnland und Norwegen geht es mit einer Yamaha Tenere zum Nordkap. Es folgen Fahrten die Westküste entlang durch Norwegen nach Bergen. Höhepunkte sind sicherlich die Lofoten, die Küstenstraße Kystriksveien, der Trollstiegen und Geirangerfjord sowie die Nationalparks Jostedalsbreen und Jotunheimen. Ab Bergen nehme ich die Fähre nach Hirtshals in Dänemark, weiter geht es für ein paar Tage nach Hamburg, bevor die Rückfahrt nach Winnenden bei Stuttgart ansteht. Insgesamt 7852 km mit dem Motorrad (ohne die Fährstrecken) in knapp vier Wochen durch wunderbare Landschaften, eintönige Wälder, entlang Flüssen bei Regen, Eiseskälte und Sonne. Auf Autobahnen und kilometerlange Geraden oder kurvenreich über Pässe und Fjorde entlang. Fähren wurden mit der Zeit Routine und kilometerlange Tunnel auch.

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Hier ein Trailer zu meinem Film: 

Es gibt den 140-minütigen Film als DVD oder hochauflösend als BluRay in meinem Shop.

Tag 1 – Es wird Strecke gemacht

Die ersten zwei Tage mache ich erst mal Strecke Richtung Kiel. Vom dortigen Terminal fährt morgen um 18.45 die Fähre nach Göteborg los. Die muss ich erreichen. Monotone Autobahn mit zahlreichen Baustellen ist angesagt. Ab etwa der halben Strecke fängt es an zu regnen. Mal mehr oder weniger stark. Also gibt es nur Tankstopps und Kilometer machen. Am Abend bin ich dann rund 40 km vor Kiel, nach etwa 700 km. Viel weiter als gedacht. Und schaue nach einem Zimmer, es regnet immer noch. Doch nichts geht, alles voll hier in der Region. Auch online nicht. Also doch zu einem Zeltplatz in der Nähe, der Inhaber gibt mir einen guten, festen Platz wo das Moped sicher steht. Ist die Wiese doch durchnässt. Und es stimmt was VauDe über mein neues Zelt behauptet hat. Man kann es in fünf Minuten auch im Regen aufbauen und das Innenzelt bleibt trocken. Nur ich nicht so ganz. Wobei die neue Motorradkombi bei der Fahrt ihre Sache gut macht. Alles wirklich wasserdicht.
Währenddessen macht mir der Campingplatzinhaber ein Schnitzel mit Bratkartoffeln, dazu gibt es ein gutes Bier. Jetzt müsste nur noch das Wetter besser werden.

700 km Strecke, die Hälfte davon bei Regen. Es regnet auch, als ich das Zelt aufbaue

Tag 2 – Die Fähre ist erreicht

Am Schwedenkai in Kiel. Von hier aus geht es über Nacht nach Göteborg

Es waren nur noch etwa 40 km bis zum Fähranleger in Kiel. Doch zuerst hieß es packen und das Zelt abzubauen. Natürlich begann es wieder leicht zu regnen, also alles nass in den Packsack. Gefrühstückt wurde dann an einer Tanke. Am Fährkai blieb Zeit um das Moped abzustellen und in die Stadt zu laufen für ein zweites Frühstück, diesmal richtig. Anschließend wurde noch mal etwas umgepackt und optimiert. Motorräder dürfen übrigens ganz vorn parken und auch als erste an Bord (wie sich später zeigte dafür als letztes von Bord). Klappte alles problemlos. Nachdem das Motorrad sicher verzurrt war – macht man aus Haftungsgründen selber – ab in die Kabine, duschen, erste Wäsche waschen, Akkus laden. Es ist ja Zeit, rund 14 h dauert die Fahrt nach Göteborg. So gegen 9 Uhr am kommenden Morgen komme ich an. Heute Abend gönne ich mir noch ein Essen und etwas Wein an Bord.

Tag 3 – Der erste Tag in Schweden

 

Meine Hütte am Värmlands Sjö och Fjäll Campingplatz nahe Torsby – empfehlenswert

Gerade sitze ich in einer kleinen Hütte, wunderschön gelegen auf dem Värmlands Sjö och Fjäll Campingplatz nahe Torsby gelegen. Die Hütte habe ich mir gegönnt, nachdem es kurz zu tröpfeln anfing. Wobei es heute überwiegend ein schöner sonniger Tag war.
Heute Morgen pünktlich um 9.15 in Göteborg mit der Fähre aus Kiel angekommen, verhinderte der Zoll eine zügige Abfahrt. Meinte man doch, mal alle Fahrzeuge respektive die Fahrer nach Ziel und Grund der Einreise zu fragen. Das wars dann auch, dauerte aber insgesamt 90 Minuten bis ich draußen war. Wenn es eine gut funktionierende weltweite Union gibt, ist es die der Bürokraten.


Mein erster Stopp nach 80 km war der Trollhätta Kanal. Hier lassen sich alte Kanäle, Wasserkraftanlagen und Fabrikationsanlagen in einer wunderbaren Schlucht besichtigen sowie schöne Spaziergänge machen sofern man Zeit hat und keine schweren Motorradstiefel an den Füßen.
Eine Stunde später stand ich an der abseits gelegenen Skålleruds Kirche nahe Mellerud. Ein Kleinod das auf das 13. Jahrhundert zurückgeht, aber wegen Renovierungsarbeiten gerade geschlossen ist.


Nach dann insgesamt 340 km kam ich hier am Campingplatz an. Noch ein paar Foto- und Filmaufnahmen gemacht, dann wurde erstmal gekocht. Pasta mit Tomatensauce, was sonst.

 

Tag 4 – On the Road

Das Wetter ist schön, die Sonne scheint. Auch wenn es für August mit deutlich unter zehn Grad am Morgen doch recht frisch ist. Also los, gefrühstückt wird zeitnah unterwegs. Wenn denn was käme. Und beim ersten Tankstopp schon wieder an ner Tanke, nein danke. Also wird es halb eins bis etwas geeignetes am Weg liegt (natürlich auch eine Tankstelle), dann aber gleich einen ordentlichen Hamburger. 


Das Wetter schlägt um, es fängt wieder an zu tröpfeln. Es ist saukalt, ein eisiger aus dem Norden wehender Wind. Dort will ich hin…
Weiter geht es, sonnige Abschnitte wechseln mit Regen. Was bleibt ist der kalte stürmische Wind, der sich auch auf dem Moped bemerkbar macht. Sightseeing steht bei diesen Bedingungen nicht auf dem Plan.
Abends gegen halb sechs habe ich das Tagesziel erreicht. Bei dem Wetter ist doch wieder eine Hütte angesagt. Doch alles ist ausgebucht. In der Region findet gerade eine Veranstaltung statt. Also weiter. Beim nächsten Zeltplatz ist niemand zu erreichen, erst nach fünfzig weiteren Kilometern finde ich einen einfachen Campingplatz mit einer freien Hütte. Gut, die Strecke spare ich mir für morgen schon mal ein.
Immerhin habe ich heute rund 530 Kilometer Richtung Norden geschafft, auf dem Moped und unter Einhaltung aller Geschwindigkeitsregeln.

Tag 5  – On the Road again

Es hat gefühlt Minusgrade. Ist natürlich Quatsch, das Thermometer zeigt in der Früh 6 Grad an. Aber der eiskalte arktische Wind. Egal, es geht weiter, zumal heute die längste Etappe der ganzen Tour ansteht. Rund 540 km bis Jokkmokk, ein Zentrum der Samen. Ich bin dann schon eine Weile in Lappland. Hier will ich mir dann auch einiges ansehen. 
Also los, gefrühstückt wird wieder unterwegs. Nur am Samstag früh (10 Uhr) hat alles noch zu.

Eine Säule, ein Kreditkartenautomat, reicht fürs Moped.

Selbst die Tankstellen, zumal inzwischen viele nur aus zwei Säulen und einem Automaten zum Zahlen per Kreditkarte bestehen. Zum Tanken des Mopeds reicht es. Was aber ist mit mir?

 

Es braucht 150 km bis Vilhelmina, bevor eine Rast ansteht. Hier will ich sowieso eine Pause einlegen, wegen den vom Reiseführer empfohlenen Geschäfte. Doch wo sind die nur hin? Hat vermutlich mal wieder der eine vom anderen abgeschrieben und keiner war hier. Nun gut, für einen Einkauf im Supermarkt und einen Kaffee reichte es. 
Weiter geht‘s Kilometer um Kilometer. Die Landschaft wandelt sich langsam, die Wälder sind nicht mehr so dicht, die Bäume kleiner. Lichte Flächen nehmen zu und es wird bergiger. Das Wetter bleibt wechselhaft, meist grauer Himmel, immer wieder Regen, ab und an ein Sonnenstrahl. 

Die ersten Rentiere. Später wird es zur Gewohnheit – man stoppt nicht mehr


Dann ein Stopp bei einem Museum das ich besuchen will. Geschlossen, die ganze Saison. So ist es häufiger, wohl der wenigen Besucher wegen. Lohnt nicht. Gegen 17 Uhr überquere ich den nördlichen Polarkreis.

Einzig und allein. Selbst Cafe und Shop waren die ganze Saison über geschlossen

Ich war hier der einzige und Laden, Infozentrum, Kaffee, alles geschlossen. Nun gut, 15 Minuten später bin ich in Jokkmokk, am Campingplatz. Ausgebucht. Und zum Zelten habe ich nach der Strecke und dem Wetter keine Lust. Das wars dann mit dem Samenzentrum am kommenden Morgen. Zumal auch hier vieles zu zu sein schien. 
Also weitere 90 Kilometer bis Gällivare geheizt, hier eine beheizte! Hütte mit Dusche ergattert. Am Schluss waren’s heute so um die 630 Kilometer, knapp 11 Stunden Fahrt mit dem Moped.

Tag 6 – Das Wetter spielt mit

Die Sonne scheint. Es ist zwar kalt, nur 8 Grad, und auf mehr als 10 Grad wird das Thermometer heute auch nicht steigen. Doch die gefühlte Temperatur passt, denn der eisige Nordwind hat sich gelegt. Also ab aufs Ross und ihm die Sporen gegeben. Sind doch in Lappland auf den schlechteren Straßen 100 km/h erlaubt. Ich gehöre zu den wenigen, die sich daran halten.
Da die Strecke nicht so lang ist, nehme ich mir Zeit für eine längere Pause und lasse die Drohne aufsteigen. So offenbart sich mal der Blick auf Wald und Seen aus anderer Perspektive. An Holz und Wasser hat es hier wahrlich keinen Mangel. 

Gegen 14 Uhr sage ich Schweden Ade und fahre nach Finnland ein. Hier gibt es inzwischen Grenzkontrollen, man will den Impfnachweis sehen. Das war‘s.

Dem freundlichen Grenzer ist langweilig, er unterhält sich mit mir, gibt mir Tipps und warnt vor den vielen Rentieren auf meinem Weg zum Nordkap, den kaum einer so nehmen würde. Warum auch immer. Und er hat Recht. Mal einzeln, mal in kleinen Gruppen stehen die Rentiete an oder auf der Straße, lassen sich vom wenigen Verkehr nicht stören. Nur wenn man stoppt um ein Foto zu machen, sind sie weg.
Nach etwa drei Stunden verlasse ich die Finnen schon wieder, reise nach Norwegen ein. Auch hier wird der Impfnachweis kontrolliert (und der Führerschein), that‘s it. Seit 15 Uhr regnet es übrigens immer mal wieder, die Temperatur liegt bei acht Grad. Es hatte doch etwas gefehlt. Deswegen den nächsten, etwas einfachen Campingplatz angesteuert, bin sowieso rund 100 km weiter als geplant. 
Die Landschaft hat sich übrigens deutlich verändert, sumpfige Flächen und viele kleinere lichte Wälder aus eher buschig wachsenden Birken. Nur etwa drei bis vier Meter hoch. Dazwischen Tümpel und Seen. Die raue Natur zeigt sich deutlich.

Tag 7 – Die letzte Etappe zum Nordkap

Diese Gegend Norwegens ist ganz anders als der Teil Schwedens, den ich bereist habe. Es herrscht mehr Verkehr, die Städte sind größer, viele Häuser und die Infrastruktur zeigen den Reichtum des Landes. Landschaftlich bietet diese Region zudem einfach mehr als nur endlose Wälder und Seen wie in Schweden. Jedenfalls der Teil, den ich befahren habe. Doch zurück zum Anfang.
In Kautokeino hat am Montag Morgen tatsächlich das Samenmuseum offen. Diese Gelegenheit nutze ich und kann mir in Ruhe die Ausstellungstücke und das Freigelände zur Kultur und Geschichte des Volkes der Samen ansehen. Ich bin der einzige hier. Gestern kamen drei Besucher. Ansonsten hat alles andere interessante, auch Kunsthandwerksläden oder eine Silberschmiede in der Stadt geschlossen.

Also weiter Richtung Alta. Die inzwischen übliche Routine auf der Straße, es hat acht Grad. Das Navi zeigt 138 km bis zur nächsten Tanke an, passend für eine Pause. Und der Tank war dreiviertels voll. Der Himmel ist trüb, die Fahrt zieht sich hin. Dann aber ändert sich die Landschaft, es wird bergiger, kurvenreicher. Gut für Motorräder. Die Sonne kommt heraus. Dann geht es zehn bis fünfzehn Kilometer entlang eines wunderschön gelegenen, schmalen Sees, an dem beidseits in den bewaldeten Hängen und auch am Ufer immer wieder wunderschöne Häuser zu sehen sind. Wochenendhäuser wohlhabender Norweger, hierher kommt man zum Angeln. Das zeigen die Boote, die vertäut auf den Wellen schaukeln. Menschen sind aber weit und breit nicht zu sehen. Gut es ist ja Montag. 


Dann soll die Tankstelle bei Alta kommen. Nur sie kommt nicht. Das Navi von Garmin patzt des öfteren. Also den Umweg über Alta oder dem Navi glauben, dass in 68 km die nächste kommt. Gut, ich habe ja zwei Liter Ersatzbenzin dabei.
Nachdem ich die Ausläufer Altas hinter mir gelassen habe, geht es über eine endlose Hochebene weiter (etwa 60 km), fast baumlos und die Sonne scheint immer noch, spiegelt sich in den Seen des Hochmoores. Eine fantastische, endlose Landschaft, grasbewachsen, nur wenige buschartige Birken, auf den Wiesen tummeln sich Herden von Rentieren. Die auch des Öfteren die Straße vor einem queren. Es folgen lichte Wälder mit buschigen, von Wind und Wetter gezeichneten, häufig fast blattlosen Birken. Hat auch etwas beeindruckendes.
Dann kommt tatsächlich die Tankstelle. Hätte noch für 100 km gereicht. Der Verbrauch des Mopeds liegt bei 3,7 Litern. Weiter geht es auf einer Hauptachse Richtung Kirkenes, der Verkehrt nimmt etwas zu. Relativ gesehen. Irgendwann kommt der Abzweig Richtung Honningsvag, kurz darauf ändert sich die Landschaft wieder gravierend. Es geht rund 80 km an einem Fjord entlang, direkt an der Küste, vorbei an kleinen Fischereihäfen und Siedlungen, durch baumlose Küstenabschnitte, durch Naturtunnel (teils über sechs Kilometer lang, mit erlaubten 80 km/h), zahlreiche Stopps verzögerten die Fahrt enorm. Aber deswegen ist man ja unterwegs.

Rentiere Zuhauf, rechts und links der Straße

Dann das erste Ziel, die Stadt Honningsvag. Hier war ich zuletzt Anfang Februar 2020 mit dem Schiff und dem Ziel Nordkap. Doch die Straße war gesperrt, der stürmischen Winde wegen und der Temperatur von – 33 ° Celsius. Also die Stadt mal im Sommer angeschaut, und dann weiter zu einem Campingplatz Richtung Nordkapp – es liegt etwa 30 km von Honningsvag entfernt. Dort auch gleich für zwei Nächte eine Unterkunft bekommen, nein kein Zelt. Es hat tagsüber jetzt 6 ° C.

Tag 8 – Es ist vollbracht

Das Nordkap, der nicht nördlichste Punkt des Kontinents

Jedenfalls die erste Etappe der Reise. Ich bin am Nordkap. Es ist Montag Abend und genau 3187 km liegen hinter mir, ohne die Kilometer, die ich mit der Fähre von Kiel nach Göteborg zurückgelegt habe. Und das in sieben Fahrtagen mit dem Motorrad von Winnenden aus. Eigentlich sechs, da ich am Fährtag nur 40 Kilometer mit dem Moped zurückgelegt habe. Vor fünf Jahren stand ich übrigens am Kap der guten Hoffnung, dem südlichsten Punkt Afrikas. Entgegengesetzt. Auch mit dem Motorrad nach 2500 km Wüste und Berge von Windhoek aus.
Das Nordkap befindet sich auf 71° 10′ 21″ nördlicher Breite, 514 Kilometer nördlich des Polarkreises und rund 2100 Kilometer südlich des Nordpols. Für die, die es genau wissen wollen. Der nördlichste Punkt Festland-Europas. Sagt man. Stimmt aber nicht. Denn der liegt in Sichtweite auf einer kleinen, westlich gelegenen Landzunge. Knivskjellodden, ihr Name, ist der nördlichste Punkt. Er reicht rund 1400 Meter weiter gen Nordpol. Da kann man aber nur hinwandern, insgesamt rund fünf Stunden für die 19 Kilometer. Ist aber stark vom Wetter abhängig, denn das wechselt hier oben schnell. Was aber stimmt, das Nordkap ist der nördlichste Punkt Europas, der vom Straßennetz aus erreichbar ist. Und er ist natürlich mit seinem Wahrzeichen, dem Globus, ein wichtiges touristisches Reiseziel. Wobei derzeit recht wenig los ist. Es ist schon gegen Ende der Saison und Corona tut ein übriges. 


Die Landschaft zum Kap hat einen eigentümlichen, rauen Charme. Heute, am Dienstag bin ich noch einmal hingefahren, mit viel Zeit, die Landschaft zu genießen. Hier lasse ich die Bilder sprechen.

Tag 9  – Auf dem Weg zu den Lofoten

Meist geht es auf geteerten Straßen voran. Doch für den einen oder anderen Abstecher geht es ins Gelände

Es geht Richtung Süden, nach Alto. An Alto bin ich schon auf dem Weg zum Nordkapp vorbei gekommen, nehme jetzt aber einen anderen Weg dorthin zurück. Das Wetter ist wunderbar, es ist richtig warm, etwa 14 ° Celsius. Und ich habe heute nur etwa drei Fahrstunden vor. Bleibt also Zeit für ausgiebige Stopps. Die Gegenden, durch die ich fahre, sind es allemal wert. Die Küste entlang, manchmal auch kilometerlang durch Tunnel unter dem Meer, über Hochebenen (immerhin 350 m hoch und damit baumlos), durch Birkenwälder, bei denen die Bäume kaum mehr ein Blatt tragen, über Pässe und einen traumhaften Fluss entlang. Hier unterhalte ich mich etwas länger mit einem Norweger, der von den Lofoten zum Angeln hier her kommt. Denn in dem Fluss gibt es Lachse, so bis zu zehn Kilogramm schwer. Zur Zeit ist aber der Wasserstand niedrig, deswegen wird es wohl schwierig, etwas zu fangen. Zweimal lasse ich in wunderbaren Gegenden auch die Drohne aufsteigen, der Blick von oben ist schon etwas besonderes. 

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Mein Ziel Alta liegt an der Küste, es handelt sich um eine größere Stadt. Sie ist nicht sehr schön, aber hier gibt es das Alta-Museum, das auf jeden Fall einen längeren Besuch wert ist. Es informiert über die Kultur der Samen, weit wichtiger aber ist der angegliederte, etwa drei Kilometer lange Wanderweg. Hier kommt man an zahlreichen Felsritzungen vorbei, die die Menschen in den arktischen Gebieten vor bis zu 7000 Jahren erstellt haben. In Hjemmeluft, so heißt das Gebiet, soll es bis zu 6000 Ritzungen geben. Hier wurde von den Jägern und Sammlern der Steinzeit mehr Felskunst hergestellt, als im gesamten Nordeuropa zusammen. Vermutlich war Alta damals ein wichtiger Treffpunkt der Menschen. Die Ritzungen erzählen von der Jagd, dem Walfang und dem Angeln unter dem Polarhimmel und der Mittsommernacht. Wichtige Themen waren auch Schwangerschaft und Geburt. So geben die Felsritzungen einen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der damaligen Menschen. Einige Ritzungen wurden mit roter Farbe nachgezeichnet, so dass sie besser zu sehen sind. Je nach Sonnenstand sind sie sonst nur sehr schwer zu erkennen. Die Zeichnungen gehören zum Weltkulturerbe der Unesco. Alles hier ist wunderbar angelegt, es gibt sogar ausführliche Beschreibungen auf Deutsch und einen Audioguide.

Tag 9 – Das Motorrad der Wahl

Unterwegs bin ich mit der Tenere 700 von Yamaha. Sie kam 2019 auf den Markt und wurde von vielen sehnlichst erwartet. Sie ist kein rollender Computer, Connectivity, Fahrmodi, elektronische Fahrwerke,Traktionskontrolle – alles Fehlanzeige. Die Traktionskontrolle hat man in der rechten Hand. Was nicht eingebaut ist, kann auch nicht kaputtgehen oder spinnen. Was Sensoren gerne mal machen. Dann ist eine Reise schnell beendet. Einzig das vorgeschriebene, fürs Gelände abschaltbare ABS ist an Bord. Und natürlich eine elektronischen Einspritzung. Der Zweizylinder-Reihenmotor mit rund 700 Kubikzentimeter und 78 PS ist vollkommen ausreichend und gilt als äußerst zuverlässig. Und ist auch relativ sparsam. Über die Distanz von über 3000 km habe ich rund 4,0 l/100 km an Benzin verbraucht. 
Zudem wiegt die Tenere nur 204 kg. Mithin rund 50 kg weniger als die meisten vergleichbaren Maschinen der Wettbewerber. Das ist ein entscheidendes Argument. Zwar kommen durch Sturzbügel, Hauptständer, Koffer mit Tragesystem, schwere Handprotektoren, Motorschutz mit Werkzeugbox, Wasserpumpen- und ABS-Schutz noch mal rund 35 kg hinzu, das gilt aber auch für die Wettbewerber.
Ausgetauscht habe ich den Standardsitz, denn der ist für längere Touren wenig geeignet – jedenfalls für mich. Hier habe ich mir von einem Sattler einen besseren machen lassen. Und einziger Komfort ist eine Griffheizung die ich einbauen ließ, was sich auf dem Weg zum Nordkapp schon bewährt hat.
Mit den zwei 50 l-Packsäcken, dem 15 l-Tankrucksack und den 78 l Volumen in den Alukoffern kommt dennoch ein Gewicht mit Fahrer (mir) von etwa 400 kg zusammen. Die müssen gehändelt werden, zumal eine Enduro ja wegen der Geländegängigkeit (hohe Bodenfreiheit, lange Federwege) einen hohen Schwerpunkt hat. Damit ist sie systembedingt beim Rangieren etwas kippelig, aber schon bei langsamer Fahrt ist das vorbei. Aber daran gewöhnt man sich.
Auch ist sie extrem geländegängig was viele andere Reiseenduros – mehr SUV auf zwei Rädern als Enduro – nicht mehr sind. Allein des Gewichtes wegen. Aber natürlich verlassen die wenigsten mit ihren Maschinen die Straßen. Schotterwege sind da das Maximum.

Tag 10 – Spektakuläre Landschaften zuhauf

Weiter geht es Richtung Lofoten. Ich fahre einen Umweg entlang der Küste und diversen Fjorden, die deutlich kürzere Alternativ wäre eine Hauptstraße Richtung Narvik. Die muss ich aber auch später ein Stück fahren. Die Sonne scheint, der blaue Himmel ist ohne eine einzige Wolke. Dafür ist es recht kalt. Morgens noch, später steigt die Temperatur auf angenehme 13 ° Celsius. 

Es geht zuerst einen Fjord entlang durch traumhafte Landschaften. Gelegenheit an einer besonderen Stelle mit einer eingefallenen Mohle die Drohne einzusetzen. Musste nur aufpassen, dass Möwen sie nicht angreifen. Sehen sie als Konkurrenten. Freue mich schon auf die Aufnahmen.

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Dann geht es über einen Pass (403 m NN !), direkt am Fjord gelegen, traumhafte Aussichten garantiert. Und weiter die Fjorde entlang, gefühlt ewig an schneebedeckten Bergen vorbei – man will die ganze Zeit anhalten. Geht aber nicht, immerhin stehen durch den Umweg 450 km häufig kurvenreiche Straßen an. Nicht selten mit Geschwindigkeitsbegrenzung auf 60 km/h, Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen ist normalerweise 80 oder 90 km/h. Auch durch nasse, dunkle Tunnel geht es kilometerlang unter dem Meer hindurch. Manchmal fährt man in einen hinein und ist blind. Bis sich die Augen und die Brille angepasst haben. Also schön gemütlich.

 
Später muss ich dennoch auf die Hauptachse nach Narvik, hier nimmt der Verkehr deutlich zu, auch ist die Gegend nicht mehr so spektakulär. Es geht an auch größeren Städten mit Industrie vorbei, an Seen, durch Wälder, zudem trübt sich der Himmel ein.

Dafür komme ich einem größeren Zelt vorbei, mit dem Hinweis Arts Sami. Also ein schneller Stopp und hinein. Hier finden sich Mengen an Handwerkskunst der Sami, Kleidung, Schuhe, Felle, Schalen, Schnitzereien, auch Lebensmittel und mehr. Vieles aus Fell und Knochen der Rentiere oder aus Holz. Manches Krempel, manches Kunst. Nur mit dem vollbeladenen Motorrad, schwer etwas einzukaufen. Aber ein schönes handgeschmiedetes Messer mit wunderbar gearbeitetem Griff bekomme ich noch unter. Und eine Salami aus Elchfleisch auch. Doch ob die bis nach Hause überlebt? Zudem kocht in einem Topf über offenem Feuer eine Suppe aus Rentierfleisch und Gemüse. Gut zum Aufwärmen zusammen mit einem schwarzen Kaffee.
Die Strecke wird wieder schöner und abwechslungsreicher. Sie führt durch Bergwälder, der Verkehr hat auch wieder abgenommen. Die Sonne kommt auch wieder hervor.

Rund 30 km vor Narvik endet der heutige Fahrtag auf einem Campingplatz. Der Kälte wegen wieder in einer Hütte. Habe mich eigentlich schon daran gewöhnt. Diesmal gibt es sogar eine mit Dusche und WC, großem Wohnraum und extra Zimmer für die Betten. Ist eigentlich für vier Personen. Für den Vermieter egal, der Preis ist immer pro Hütte. Andere hatte er anscheinend nicht mehr frei… Ansonsten lasse ich die Bilder sprechen.

Tag 11 – Etappenziel Nr. 2 in Sicht

Nur noch rund 300 km, dann bin ich an meinem vorab ausgesuchten Campingplatz in den Lofoten angekommen. Etappenziel Nr. 2, nach dem Nordkap. Zuerst geht es durch Wälder und Berge in die Höhe und wieder hinab Richtung Narvik. Der Blick in den Fjord fordert den Einsatz der Drohne, Morgens ist das Licht einfach toll. Die Sonne scheint. Später in Narvik will ich mit der Narvikfjellet-Seilbahn auf 656 m hochfahren, von dort soll man eine wunderbare Aussicht haben. Nur die Bahn fährt erst ab 13 Uhr. Und es ist 9 Uhr. Also gestrichen. Rund um Narvik finden sich übrigens häufiger Hinweisschilder auf Schlachtfelder aus dem 2. Weltkrieg. Hier fanden zahlreiche Kampfhandlungen zwischen den Alliierten und den Deutschen statt, war der Hafen doch strategisch eminent wichtig für Eisenlieferungen an die Alliierten. Am 8. Juni 1940 kapitulierten die Alliierten in Narvik, das bis zum 8. Mai 1945 unter deutscher Herrschaft blieb.


Nach Narvik geht es fast endlos Fjorde entlang, durch zahlreiche lange oder auch kürzere Tunnel, einmal wieder unter dem Meer hindurch, über Brücken und kurvenreichen Strecken die Küste entlang. Vielleicht schaffe ich es doch noch, die auf deutschen Autobahnen und den endlosen Geraden in Schweden eckig gefahrenen Reifen wieder rund zu bekommen. Die Tunnel-, Brücken- und Straßenbauer in Norwegen wissen jedenfalls, was sie tun. Sie verstehen ihr Handwerk.
An der Küste bläst der Wind recht kräftig, an einer einen 300 m breiten Fjord überquerenden Hochbrücke wird die aktuelle Windgeschwindigkeit angezeigt, umgerechnet 60 km/h. Über diese Brücke bin ich in Schräglage gefahren, gerade aus. Bei jeden Pylon oder Fahrzeug auf der Gegenfahrbahn, besonders bei LKWs, setzt der Seitenwind schlagartig aus und dann wieder ein. Man fährt wie besoffen. Weniger heftig ist es die Küste entlang, aber einzelne Böen lassen einen ganz schön schwanken. So geht es ein/zwei Stunden lang. Manche Brücken werden übrigens ab bestimmten Windgeschwindigkeiten für Motorräder, leere LKW und Wohnwagengespanne gesperrt. 
Passend bei einen Tankstopp gibt es dann einen Burgerladen. Die werden immer ganz frisch zubereitet und schmecken einfach köstlich. Aber Norwegen wäre nicht Norwegen, hätte das nicht einen Haken. Hamburger mit Pommes und einem Kaffee, macht 20 Euro… Aber er war es wert.
Irgendwann kommt wieder ein Pass durch wunderbare bergige Landschaften, Verbindung zwischen zwei Fjorden. Dann das Schild Lofoten. Bald ist es geschafft. In Solvaer mache ich einen Stopp, hier war ich schon im tiefsten Winter, im Februar 2020 mit Hurtigruten. Es folgt Kabelväg mit seiner wunderbaren Vågan-Kirche, die zweitgrößte Holzkirche Norwegens. Sie ist jedoch gerade geschlossen, wegen Renovierung. In Kabelvåg findet sich zudem das sehenswerte Lofoten-Museum. Macht aber um 15 Uhr zu. Es ist zehn vor 15 Uhr… 


Also weiter zum geplanten Campingplatz, ausgebucht. Es findet an diesem Wochenende eine Hochzeit statt. Die nette Dame an der resepsjon empfiehlt mir einen nahegelegenen Campingplatz, da wäre sicherlich noch was frei. Das ist ein Glücksfall. Denn es ist nicht nur was frei, sondern es ist ein Rorbu, eine Fischerhütte direkt am Meer. Teilweise auf Stelzen gebaut. Mit wunderbarem Ausblick auf die Berg- und Meereswelten der Lofoten. Hier bleibe ich, und zwar drei Tage lang und erkunde die Lofoten. Vielleicht schaffe ich dann noch das Lofotenmuseum nicht nur von außen. Bis hierher waren es jetzt übrigens insgesamt 4240 km.

 

Tag 12 – Mit den Wikingern auf Du und Du

Der Nachbau des Wikinger-Langhauses. Das Original stand ein paar Meter daneben

Heute stehen vor allem die Wikinger im Fokus. Denn die bauten einst hier nahe dem heutigen Ort Borg auf den Lofoten das bisher größte, jemals entdeckte Langhaus aus der Wikingerzeit. Die Überreste wurden 1981 beim Pflügen von einem Bauern entdeckt, es maß in der Länge 83 m und in der Breite über 10 m. Direkt daneben rekonstruierte man das Gebäude in voller Größe und stattete die Räume mit zeitgemäßen Inhalten zum Leben, Handwerk, Dekorationen und Weltbild der Wikinger aus. In einem modernen Museumsgebäude zeigen die Norweger einen Film über das damalige Leben und es gibt eine kleine archäologische Ausstellung, einen schönen Museumsladen und ein Cafe in der umgedrehten Form eines Wikingerbootes. Macht man sich auf einen etwa 1,5 km langen Weg hinunter zum Meer, kann man auch mehrere fahrbereite Nachbauten von Wikingerschiffen bestaunen. Im der Hauptsaison kann man sogar mit den Booten mitrudern und in „See“ stechen. Die aber ist schon vorbei. Den Weg muss man auch wieder hinauflaufen, Gott sei Dank habe ich mir sehr gute Motorradstiefel geleistet, die nicht nur schützen, wasserdicht und bequem beim Fahren sind, sondern mit denen man auch einen kürzere Strecke wie die drei Kilometer gut laufen kann. Die Motorradjacke dagegen sorgt bergauf bei den jetzt milden Temperaturen von um die 15 Grad für einen Wärmestau.

 

Alles in allem verbringe ich in den Museum deutlich über drei Stunden, so dass der ursprüngliche Plan bis ans Ende der Lofoten, bis zum Ort Å zu fahren gestrichen wird. Dafür habe ich mich für die Rückfahrt für eine Alternative zu der recht viel befahrenen E 10 entschieden, die sich durch das Herz der Insel Vestvågøy schlängelt. Die Alternative, die Rv815 führt einen Teilabschnitt kurvenreich an der Küste entlang und ist kaum befahren. Und der Ausblick auf die Berge ist spektakulär. Da kommt natürlich die Drohne wieder zum Einsatz, heute ganze drei Mal. Die Zeit dafür ist da . 


Wettermäßig fing es bescheiden und trist an, am späteren Nachmittag setzt sich dann die Sonne wieder durch. Gerade richtig. Denn ich mache noch einen Abstecher zu dem Fischerort Henningsvær, zu dem eine wunderbare, 8 km lange kurvenreiche, aber enge Straße führt. One Way. Fährt man wieder zurück. Lohnt aber. Manche nennen den Ort das Venedig der Lofoten, ist übertrieben, aber der Ort hat was. Es ist sicherlich der trendigste und lebendigste Ort der Lofoten, daß haben aber auch viele Touristen inzwischen entdeckt.

Tag 13  – Bis ans Ende der Lofoten

Es geht bis an das Ende der Lofoten, bis zum Ort Å. Ja, so heißt er, kurz und einprägsam. Sind rund 130 km von meinem derzeitigen Domizil, einfach. Kurvenreich und durch die faszinierende Landschaft der Lofoten. Die erste Hälfte fahre ich zügig durch, bin ich ja gestern bis zum Wikingermuseum schon mal gefahren. Dann kommt Neuland. Erst mal ändert sich nicht viel, zudem der Himmel trüb und dunkel ist. Dann fängt es auch noch an zu regnen. Es kommen Zweifel auf ob sich der über zwei Stunden lange Weg lohnt. Zumal ich die gleiche Strecke ja noch zurück muss. Vorab, er lohnt.


Der Regen hört auf, die Straße ist nass und kurvig. Macht nichts. Die Reifen müssen noch ein abgerundetes Profil bekommen. Die Landschaft wird immer wunderbarer, je näher ich dem Ziel komme. Zwischendurch lasse ich mal die Drohne fliegen, sie kommt leicht feucht zurück, es hat nämlich als sie rund einen Kilometer weg war zu nieseln angefangen. Ist aber hart im Nehmen, macht nichts aus. Abtrocknen, verstauen, weiter gehts.
Dann geht es einen langen Tunnel unter dem Meer hindurch, es folgen weiße Sandstrände, jetzt fehlt nur noch die Sonne (und Palmen, höhere Temperaturen, Bacardi…., dann wäre ich aber wieder auf Kuba). Surfer gibt es jedoch schon.
Bei Moskenes geht es über einspurige hohe Brücken, die Landschaft hier ist spektakulär. Und die Sonne lugt zwischen den Wolken durch. Immer mal wieder. Die letzten Kilometer sind fast eine enge kurvige Bergstraße, nur dass sie durch einen Ort führt und die Küste entlang, dann leitet einen ein Tunnel zu einem großen Parkplatz für Autos und Wohnmobile. Von dort geht es zu Fuß in die Stadt. Und was machen Motorradfahrer. Die fahren direkt in die Stadt, besser in den Ort, dürfen das. Und finden direkt vor dem dortigen Fischereimuseum einen Parkplatz, meinem Ziel.

Die Ortsmitte ist das Museum

Das Museum besteht aus sechs alten Gebäuden, die quasi den Ortskern um den alten Hafen herum bilden. Dazu gehört ein altes Fischerhaus, man geht hinein, alles ist offen und liegt so herum, als wäre der alte Fischer gerade auf dem Meer und kommt gleich wieder. Nebenan das alte Postamt, gleiche Atmosphäre. Mann könnte sein Paket hier aufgeben. Ein paar Meter weiter die alte Schmiede, und dann das größte Gebäude. Es umfasst lauter alte Fischereiutensilien, auch mehrere kleinere Boote und dürfte ein alter großer Schuppen gewesen sein. Alles Kreuz und quer, wie bei einem alten Trödler, Einfach wunderbar. Im nächsten Gebäude wurde Fischöl hergestellt, und der Ort hier ist nichts für empfindliche Nasen. Denn es stehen noch uralte volle Fässer mit gammeligem Fischöl offen herum. Ab und zu zwischen den Utensilien finden sich Monitore, auf denen kurze Filme laufen, das wars an Erläuterungen. Mehr ist auch nicht nötig. Das Museum lebt von seiner Patina, dem wunderbaren Gerümpel, der Atmosphäre, dem Staub.

Übrigens sind kaum Menschen hier, trotz des großen Parkplatzes, der nicht leer war. Hier in den musealen Gebäuden vertrödele ich mal wieder meine Zeit, muss ja noch über zwei Stunden zurückfahren. Doch Gebäude Nummer 6, ein Souvenir- und Lebensmittelladen (für den Ort) hat in der unteren Etage ein kleines Cafe. Ein Kaffee muss noch sein und ein Stückchen Zimtgebäck, bevor es dem trüben Himmel entgegen geht. Zurück zum Campingplatz. Der Tag, die Fahrt hat sich gelohnt.

Tag 14 – Der Weg ist das Ziel

Heute Morgen geht es zuerst mit der Fähre von Svolvaer gut 2 h 15 min. nach Skutvik. Das spart ein paar Hundert Kilometer Fahrstrecke ein. Heißt halt, früh auszustehen, am fjerekai sollte man gegen viertel vor acht sein, etwa acht Kilometer entfernt.

Bei längeren Überfahrten muss das Motorrad immer verzurrt werden

Es nieselt. Also so bald als möglich auf die Fähre und das Moped gut verzurrt, geht quasi über offene See. Dann erst mal gefrühstückt und vom Schiff aus ein paar Aufnahmen gemacht. Pünktlich um 10.30 legt die Fähre in Skutvik an, pünktlich beginnt es auch stärker zu regnen. Das bleibt die nächste Stunde so, bis der Regen etwas nachlässt und dann ganz aufhört. Jedenfalls kurz. So dass die Straße etwas abtrocknet, durch den inzwischen recht böigen und kalten Wind geht das recht schnell. Bis es wieder leicht regnet. Das geht den ganzen Tag so. Was sich nicht zeigt, ist die Sonne zwischen den düsternen Wolken – jedenfalls bis kurz vor Ende der Fahrt.

Dennoch, die Stimmung und die Fahrt die Fjorde entlang und über Granitberge hat etwas. Auf jeden Fall heißt schlechtes Wetter Strecke machen, auch wenn man der nassen Straßen wegen doch etwas vorsichtiger sein muss. Denn die Kurven sind geblieben. 
Gegen frühen Nachmittag geht es die Berge hoch auf ungefähr 680 m. Ich durchquere den Saltfjellet-Svartisen Nationalpark. Eine wunderbare Gegend auch bei diesen Wetterverhältnissen. Es geht durch Bergwälder einen Fluss entlang und auf der Höhe über eine schier endlose Hochebene, die in die grauen Wolken übergeht. Dann überquere ich den nördlichen Polarkreis, diesmal natürlich von Norden her kommend. Hier gibt es ein Besucherzentrum, und ganz wichtig, warmen Kaffee. Auf dieser Höhe halten sich auch jetzt noch an geschützten Stellen in den Berghängen Schneefelder. Das sagt alles über die Temperatur. Zwar sagt das Thermometer acht Grad, gefühlt liegt es jedoch völlig falsch. Und die Schneereste bestätigen mich.


Fast eine Stunde lang geht es dann auf einer wunderbaren, nur leicht geschwungenen Straße bergab. Mit erlaubten 90 km/h. Meine erste Mautstrecke hier in Norwegen. Das geht ganz problemlos. Kameras scannen an einer Mautbrücke das Nummernschild während der Fahrt. Wäre da nicht ein Schild, man würde es kaum bemerken. Besitzt man einen AutoPass und ist angemeldet, wird direkt abgebucht, hat man das nicht, bekommt man irgendwann später eine Rechnung per Post. Autopass-Besitzer bekommen 20 Prozent Rabatt, lohnt für Touristen aber nur, wenn man länger unterwegs ist. Gleiches Prinzip wie auf den meisten Fähren. Auch hier gilt der Autopass. Besonders schön. Motorräder sind von der Maut ausgenommen, zahlen nichts. In Städten wie Oslo dürfen sie sogar gekennzeichnete Busspuren nutzen und Parkhäuser haben oft eine halbe Schranke, so dass Motorräder daran vorbei fahren können, denn sie können kostenfrei parken. Hier weiß man die Ressourcen schonende und platzsparende Gattung der Motorräder wertzuschätzen – wie in vielen anderen Ländern auch, etwas was es in Deutschland nicht gibt. Aber kommen bei uns Ideologien und Politiker zusammen, ist Hopfen und Malz verloren.
Kurz vor Mo i Rana, meinem Tagesziel, fängt es ein paar Hundert Meter vor einem Tunnel an stärker zu regnen. Als ich ihn auf den anderen Seite wieder verlasse, ist die Straße trocken und die Sonne lugt zwischen den grauen Wolken hervor. Diese Art von Tunnel mag ich. Schauen wir mal, wie das Wetter morgen wird. Jetzt gerade als ich diesen Post schreibe, regnet es wieder. Denn Morgen geht es an die Küste. Auf eine der schönsten Küstenstraßen dieser Welt.

Tag 15 – Unterwegs auf den Kystriksveien

Heute geht es die Küste entlang. Bis Trondheim wären es auf der E 6 rund 470 km, etwa sieben Stunden. Die Küste entlang benötige ich dafür zwei Tage. Doch das lohnt sich. Soll die Kystriksveien, wie die Küstenstraße heißt, doch zu den schönsten der Welt gehören. Aber erst mal geht es über eine Stunde lang auf der E6 bevor der Abzweig kommt. Ich möchte die 10.50-Uhr-Fähre in Tjotta erreichen. Laut meinem Garmin-Navi benötige ich dafür rund zwei Stunden. Inklusive Fotostopps und Tankpause also drei Stunden eingeplant. Nach rund 30 Minuten Fahrt ändert das Navi seine Meinung und errechnet insgesamt über 2 1/2 Stunden. Passt immer noch. Großes Vertrauen schenke ich dem Garmin sowieso nicht mehr. Immer wieder zeigt es Tankstellen an, die es nicht gibt und die Geschwindigkeitsanzeigen stimmen zu einem erheblichen Teil nicht. Gern zeigt es mal 10 oder 20 km/h über dem tatsächlichen Limit an, das würde in Norwegen ganz schön teuer. Übersieht man mal ein Schild und ist sich unsicher, hilf das Navi nicht weiter. Garmin, dass konntet ihr mal besser.

 

An dem Abzweig Richtung Küste fängt es pünktlich an zu regnen. Mal kräftiger, mal weniger stark. Vor der Fähre hört es wieder auf. Die 50 Minuten Fahrtdauer reichen, nachdem das Moped gut verzurrt ist, für ein Frühstück an Bord. Kaffee und Muffins. Wieder runter von der Fähre, es fängt an zu regnen. Aber nicht lange, Letztendlich wechselt sich das Wetter den ganzen Tag über ab, Wolken, Regen, am Nachmittag sogar einige Sonnenstrahlen, und das im 10-Minuten-Takt. Schade für diese Strecke. Doch spektakulär ist diese Straße auch bei Sonnenschein eher nicht, nicht der Teil den ich befahre. Auch wenn viele Reiseführer das behaupten. Sie ist sehr schön und wunderbar zu fahren, keine Frage. Aber spektakulär ist anders. Bis auf die eine oder andere Brücke. Dennoch lohnt die Fahrt auch bei miesem Wetter. Und macht Spaß. Schade nur, dass der Belag immer wieder nass ist, auf diesen kurvenreichen Straßen. Ist sie stellenweise aber abgetrocknet, kann man auch die erlauben 80 fahren. Habe ich erwähnt das das Konstante über den Tag hinweg die Temperatur ist? 12 ° Celsius. Und der kräftige Seitenwind, der einen ganz schön durchrüttelt.
Für die dritte Fähre diesen Tages ab Venneburg steht im Internet, Abfahrt 14.20 Uhr. Und zwar auf der Website der Reederei. Also bin ich um 14.10 da. Tja, zu spät. Laut Aushang Abfahrt 14 Uhr. Die nächste Abfahrt aber stimmt: 15.20 Uhr. Also Zeit die Drohne steigen zu lassen, es regnet gerade nicht. Denn das einzige Cafe hier hat geschlossen. Sonst gibt es auch nichts außer dem Fähranleger und einem Campingplatz. Dafür ist es aber zu früh. Die Drohne meckert zwischenzeitlich ob der starken Winde, möchte zurück. Da ich das aber nicht veranlasse, verrichtet sie halt ihren Dienst und liefert gute Aufnahmen.

Von oben: Fährhafen Venneburg


Auf der anderen Seite des Fjords geht es noch etwa zwei Stunden nach Namsos durch eine schöne Fjordlandschaft, Berge und Meer wie im Bilderbuch. Streckenweise scheint sogar die Sonne. Aber nur kurz. Bevor es regnet. In Namsos will ich übernachten. Doch als ich gegen 18 Uhr am Campingplatz ankomme, ist die Rezeption nicht besetzt. Ein Anruf klärt, er könne so in 90 Minuten da sein. Ich könnte aber zelten, nur für eine Hütte müsste ich warten. Das ist mir zu spät. Also weitere zehn Kilometer zu einem anderen Campingplatz. Laut Schild geht es etwa 1,5 Kilometer in den Wald hinein. Es werden 5 km auf glatten Lehm- und Schotterwegen. Dann ist auch hier niemand an der Rezeption, obwohl der Platz gut besucht ist. Das ist übrigens keine Ausnahme. Ein Anruf genügt jedoch, dann ist schnell jemand da. Es ist halt keine Saison mehr.

Auf diesem Platz hängt aber keine Nummer an der Tür, zudem sehe ich, dass es sowieso nur große Hütten für ganze Familien und Anglerclans gibt. Der nächste Campingplatz kommt jedoch erst in 60 km, und es ist schon bald 19 Uhr. Zurück in die Stadt wäre eine Alternative, ein Zimmer nehmen? Oder doch weiter? Also weiter des Weges. Doch schon nach 15 km gibt es einen Platz, der nicht in meiner sehr guten Camping-App NorCamp verzeichnet ist (aber im Navi…). Und es gibt eine kleine günstige Hütte. Zwar ohne Wasser, Bad und Dusche, aber beheizt und mit Kochgelegenheit. Was will man mehr nach über 12 Stunden Fahrt.

Tag 16 – Im Zeichen der Christianisierung

Früh aufgewacht, früh losgefahren. Natürlich bei Nieselregen, Wind und 11 ° Celsius. Heute habe ich nur rund 3 Fahrstunden vor und mehr Zeit für Kultur und die Stadt Trondheim. In Stiklestad, meinem ersten Stopp, findet sich ein großes Kulturzentrum und Freilichtmuseum. Der Ort ist vor allem durch die Schlacht bei Stiklestad bekannt. Damals, am 29. Juli 1030 wurde der norwegische Nationalheld Olav der Heilige in eben dieser Schlacht getötet. An der Stelle seines wahrscheinlichen Todes steht jetzt eine Kirche aus 1180. Dies war ein wichtiger Meilenstein für die Entwicklung des Christentums in Norwegen. Jährlich findet deswegen das St. Olav Drama und Festival statt, zudem werden Wikingerfeste und dergleichen veranstaltet. Leider ist die Saison schon vorbei, wie ich erfuhr. Man könne nur die Ausstellung (gegen Eintritt) und das Freigelände von außen (jetzt frei) besichtigen. Ab in die Ausstellung, bringt aber nicht viel, alles in Norwegisch. Also raus in Freie zu dem Freilichtmuseum. Hier finden sich Gebäude aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber auch der Nachbau eines Wikinger-Langhauses. Zu meiner Überraschung sind viele Gebäude offen, man kann innen alles besichtigen, aber niemand sonst ist da. Wäre in Deutschland undenkbar. Außer eine Schulklasse auf dem weitläufigen Gelände. Vielleicht sind ja deshalb einige Gebäude offen?


Ein Aspekt am Rande. Autos müssen auf einem großen Parkplatz 200 m weg parken, für Motorcycles sind überdachte Plätze direkt am Eingang reserviert. Ich liebe Norwegen. Noch einen Kaffee und einiges nachgelesen, dann geht es weiter auf den Weg nach Trondheim.
Nach einer weiteren Stunde Fahrt einen Stopp am Bahnhof in Hell gemacht, ich bin an meinem persönlichen Ziel angekommen: Welcome to hell – willkommen in der Hölle, das Foto muss sein. Doch sie wollen mich nicht behalten, also weiter. Zudem war es zu kalt an diesem Ort. „Hell“ bedeutet im Norwegischen übrigens Felsüberhang.

Welcome to Hell


Bevor ich mir Trondheim mit dem Nidaros-Dom anschaue – hier ist König Olaf begraben – geht es auf einen Campingplatz vor Trondheim gelegen. Um nicht mit dem ganzen Gepäck in der doch größeren Stadt mit über 180.000 Einwohnern rumzugurken. Doch der ist geschlossen. Pünktlich fängt es zu regnen an, und zwar kräftig, das bleibt die nächsten Stunden so. Ein weiterer Campingplatz liegt 15 km hinter der Stadt, sagt meine Camping-App. Das Garmin-Navi entdeckt aber einen am Rande der Stadt. Also hin. Kurz und knapp: Nachdem es mich quer durch die Stadt gelotst hat – Stop and Go, Ampeln, Staus, selbst ein Kreisel in einem Tunnel mit drei Abfahrten ist dabei – bin ich dort, in einem guten Wohngebiet. Einen Campingplatz gab es hier noch nie. Also die 16 km raus, wieder quer durch die Stadt. Da beschloss ich, Trondheim ob des nervigen Verkehrs (bin ich nicht mehr gewohnt) und des Sauwetters auszulassen. Ich war ja im Februar 2020 schon hier, besuchte den Dom und das Altstadtviertel. Noch mal getankt und hin zum dritten Campingplatz. Die nette Dame in der Rezeption empfiehlt mir ein Gästehaus in der Nähe, denn hier wären alle Zimmer und Hütten belegt. Das ist das letzte was ich will, die ganzen nassen Sachen in ein Zimmer zu transportieren. Also weiter Richtung Molde. Auf der Strecke gibt es einige Campingplätze, den nächsten in rund 20 km. Hier wie gewohnt niemand an der Rezeption, aber eine Nummer die man anrufen kann. Fünf Minuten später ist ein netter älterer Herr hier. Eine Hütte mit Dusche hat er noch frei, nur eine etwas größere. Macht nichts. Nach über zwei Stunden Campingplatzsuche in strömenden Regen. Das Kennwort für das WLAN macht mich etwas stutzig: Glamping14. So war dann auch die Hütte mit Abstand die schönste und komfortabelste (und teuerste, aber angemessen), mit großem Wohnzimmer inklusive Küche mit Herd, Ofen, Kaffeemaschine, Wasserkocher, Kühlschrank…, und sogar SAT TV, wobei ich auch das hier nicht nutze. Zudem hat die Hütte ein schönes Bad und ein Schlafzimmer mit vier Betten. Auch ist eine überdachte Terrasse vorhanden, auf der ich die ganzen Sachen erst mal abtrocknen kann. Es regnet übrigens immer noch recht kräftig, soll auch so bleiben. Positiv, Motorradkombi und Schuhe sind absolut dicht, auch der Helm, nur die Handschuhe schwächeln etwas. Dafür habe ich aber Gummiüberzieher dabei, wenn es weiter so regnet, werde ich die wohl brauchen.

Tag 17 – Ein Tag (fast) zum Vergessen

Heute Morgen scheint sich das Wetter etwas zu bessern. Ein kräftiger Wind trocknet die Straßen ab. Jedenfalls die ersten zehn Fahrminuten. Dann setzt wieder starker Regen ein. Gestern meinte ich noch, schlechter könne das Wetter nicht werden. Doch, es kann. Hinzu kommen nämlich stürmische Böen, die versuchen, einen von der Straße zu wehen. Genialerweise fahre ich für die nächsten zwei Stunden die Küste entlang – wo der Wind besonders stark ist. Eigentlich eine wunderschöne Gegend und Strecke. Wenn man etwas sehen kann. Die Wolken hängen tief und der Wind vertreibt den Regen nicht, es sorgt nur dafür, dass er mehr waagrecht kommt als senkrecht. Nach 90 Minuten komme ich an eine Fähre, die ich gar nicht erwartet hatte. Passt aber, sie steht abfahrtbereit, nach mir geht es auch gleich los. Die 20-Minuten-Passage reicht für einen Kaffee und eine Bockwurst als Frühstück. Obwohl die See recht unruhig ist, liegt der Kahn wie ein Brett auf dem Wasser, ich muss mein Moped nicht mal verzurren.
Kurz nach dem Verlassen der Fähre passiere ich einige wunderbare Brücken. Bei einer lugt auch für ein paar Minuten die Sonne raus, reicht für ein Foto und die Querung des Fjords. Dann ein Tunnel, dahinter wieder Regen und Nebel. Also Einkaufs-, Tank- und Essenstopp in einem kleinen Ort gemacht und schon gegen 14 Uhr bin ich in Molde, meinem Tagesziel. Musste ja gestern weiter als geplant fahren. Der Campingplatz hat eine freie Hütte, alles klar. 


Der Regen lässt etwas nach, also ohne Gepäck nach Molde hinein, in die Stadt der Rosen. Der Beiname geht auf das Jahr 1913 zurück und bezieht sich auf die zahlreichen Rosengärten in und um die Stadt herum. Möglich macht das hier ein relativ mildes Klima. Und ja, es stimmt, es ist fast warm geworden, mithin 14 bis 15 ° Celsius. Zugleich ist die Stadt eine Metropole des Jazz, da bin ich aber zum falschen Zeitpunkt hier. Das Molde international Jazzfestival ist das zweitälteste Europas und zieht jährlich 60.000 Menschen hierher. Zudem ist das Romsdalsmuseum eines der größten Volksmuseums Norwegens, Öffnungszeit von 12 bis 16 Uhr. Pech gehabt. Für einen Stadtbummel und ein wunderbares Kaffee reicht es, Parken tut man hier übrigens wie schon des öfteren per App, auch bezahlen. Und für viele Museen gibt es eine App, die als Audioguide auf dem eigenen Handy dient, oder es reicht das Scannen eines QR-Codes, dann kann man die Sprache auswählen und los geht´s. Digital sind halt viele Nationen besser aufgestellt als Deutschland. Nur der Verkehr nervt auch hier. Es scheint als setze der Feierabendverkehr schon so gegen 15.30 Uhr ein. Passt in etwa auch zu den Öffnungszeiten der Museen.

Tag 18 – Der Mühe Lohn, Teil I  – der Trollstigen

Der Tag heute, er allein wäre eine Norwegenreise wert. Doch von Anfang an. Heute Morgen klarte der Himmel auf, es ging Richtung Trollstiegen. Die erste Fähre auf dem Weg, ich komme an, Abfahrt in zwei Minuten. Passt. Hier habe ich mir die Fahrpläne der Fähren nicht herausgesucht. Es sind alles kürzere Verbindungen (10 bis 20 Minuten), diese Fähren fahren meist zwei Mal pro Stunde. Bis zum Trollstigen sind es nur rund 80 km. Und das schöne, kurz vor dem Ziel sind kaum Fahrzeuge unterwegs. Das verspricht eine gute Fahrt den Berg hinauf. Denn die Straße ist nicht ohne. Aber genau deswegen kommt man ja hierher. Die Bergstraße schlängelt sich in elf Haarnadelkurven über eine Höhendifferenz von rund 400 m vom Tal Isterdalen zur Passhöhe Stigrøra hinauf.

Jede der elf Haarnadelkurven trägt den Namen des verantwortlichen Vorarbeiters

Sie sie eine der Touristenattraktionen Norwegens und jeder will hier hoch. Autos, Busse, Caravans, Wohnmobile, Motorräder – in der Saison herrscht hier Stop and Go, zumal größere Fahrzeuge kaum an die 20 km/h erreichen und häufig rangiert werden muss, denn die Straße ist meist einspurig – aber keine Einbahnstraße. Der Trollstigen ist übrigens Norwegens meist befahrene Landschaftsroute. Und bei mir, alles frei. Die gesamte Strecke hoch habe ich nicht ein Fahrzeug vor mir. Genial. Gut. die Straße ist nass, aber nicht vom Regen, sondern von den vielen Wasserläufen und -fällen. Ab und an bekommt man auch eine leichte Dusche ab. Und die Gegend ist atemberaubend.


Schon früher spielte die Straße eine wichtige Rolle für den Verkehr, zuerst als Pfad und anschließend als Reitweg. Im Jahr 1916 begann der Bau der heutigen Straße. Man hat die Trasse direkt in den Fels gehauen oder mit Natursteinen aufgemauert. Auch eine Steinbrücke quert man, an Ausweichstellen kann man auch mal halten (heute jedenfalls) und Fotos etwa vom Wasserfall Stigfossen machen. Jeder der elf Haarnadelkurven hat einen Namen, und zwar den des für diesen Abschnitt verantwortlichen Vorarbeiters. 
Oben angekommen haben die Norweger ein Besucherzentrum gebaut, das wunderbar in diese Bergwelt passt. Beton und Cortenstahl, dazu schöne Wege angelegt und mehrere Aussichtsplattformen. Also erst mal die Aussichtspunkte zu Fuß angesteuert, im Laden rumgebummelt und einen Kaffee getrunken. Dann bin ich ein, zwei Kilometer weiter in die Berge gefahren. Dort bot es sich an, wieder einmal die Drohne fliegen zu lassen.

Tag 18 – Der Mühe Lohn, Teil II – Geirangerfjord

Zu meinem heutigen Tagesziel sind es noch einmal 80 km, inklusive einer Fährüberfahrt. Inzwischen scheint sogar die Sonne, der Himmel wird blau. Also ein zweites Mal die Drohne steigen lassen, in einem wunderbaren Bergtal mit einem Fluss. Geiranger nähere ich mich von den Bergen her, also von oben herab. Wie will man sich sonst auch einem Fjord nähern, wenn man kein Boot hat… Wieder sind es wunderbare, kurvenreiche Straßen mit wenig Verkehr. Was hier in der Saison los ist, wenn Busse, Wohnmobile und Autos die engen Straßen teilen, will ich lieber nicht erleben. Dann der erste Blick in den Fjord. Ist schon etwas Besonderes. Kein Wunder, dass inzwischen viele Menschen hierher kommen, in der Saison zu viele.

Immer präsent, Norwegen ohne Trolle gibt es nicht

Umgeben von bis zu 1700 m hohen schneebedeckten Bergen, Wasserfällen und grünen Tälern ist der Geirangerfjord von der Unesco als Welterbe geschützt. Die Region Geiranger ist zudem als nachhaltiges Reiseziel zertifiziert. Dieses Gütesiegel bekommen Touristenziele, welche die lokale Natur, Kultur und Umwelt bewahren und aktiv etwas gegen überbordenden Tourismus unternehmen. Dennoch ist der Geirangerfjord mit das meistbesuchte Touristenziel Norwegens. 
Ich selber habe mir einen Campingplatz etwas oberhalb und außerhalb ausgesucht, etwa fünf Kilometer entfernt, wunderbar gelegen. Denke, dass ich kommendes Jahr wieder hierher komme, dann für drei/vier Tage.

Tag 19 – Norwegen, wie es schöner kaum sein kann

Genau wegen solcher Tage wie heute macht man diese Art von Reisen. Besonders mit dem Motorrad. Dachte ich gestern noch, besser könne es kaum kommen, folgt schon völlig unerwartet die Steigerung. 
Es fing mit der Fahrt auf den Dasnibba, einen Berg an. Die erste und bis dato einzige Straße, auf der auch Motorräder Maut zahlen müssen. Doch die Straße und später der Ausblick ist jeden Cent der rund 25 Euro wert. Es geht durch eine fantastische Berglandschaft in eine eisige Landschaft auf 1476 m Höhe. Serpentine um Serpentine, und jedes mal ein neuer fantastischer Ausblick, zudem ist kaum jemand sonst unterwegs – was will man mehr. Und die Serpentinen können meiner Meinung nach problemlos mit dem weitaus bekannteren Trollstiegen mithalten – wobei auch dieser wunderbar ist. 


Der Blick von oben – auch Geiranger Skywalk genannt – ist phänomenal. Auch den Geyrangerfjord sieht man, doch der geht angesichts der schneebedeckten Berge und Landschaft sogar fast unter. Eisig ist es, das Moped steht in der Sonne und zeigt 1 ° Celsius an. Im Schatten ist alles noch gefroren. Da nichts los ist, kann ich sogar die Drohne aufsteigen lassen, die erste kurze Sichtung des Materials verspricht Wunderbares. 
Irgendwann muss man sich losreissen – oder loseisen? Bei diesen Temperaturen stellt sich diese Frage. Ich will ja heute noch nach Bergen kommen, das sind rund 460 km. Also weiter geht es wehmütig, aber ich komme wieder. Schon kommendes Jahr.
Die Berglandschaft bleibt wunderbar, Kilometer um Kilometer geht es durch wunderbare Gegenden. Langsam verliere ich Höhe, bleibe aber immer noch auf rund 500 m. Hier geht es durch Bergwälder an Flüssen vorbei, wie sie nur die Natur schaffen kann. Auch solch ein Fluss ist Ziel für die Drohne. Heute passt einfach alles. 
Wieder im Tal geht es nach Lom, dort steht eine der größten Stabkirchen. Es soll zudem eine der schönsten Norwegens sein. Sie wurde vermutlich in einer ersten Form um 1150 n. Chr. herum gebaut und im 17. Jahrhundert durch zwei Seitenschiffe ergänzt. Sie ist heute noch als Kirche in Benutzung und wirklich sehenswert.

Inzwischen wird mir klar, dass ich es heute vermutlich nicht mehr nach Bergen schaffe. Egal. 
Dann kommt die nächste Passstraße. Es geht zuerst durch den Jotunheimen Nasjionalpark und anschließend durch den Jostedalsbreen Nasjonalpark. Kilometerweit – ich rede nicht von 5 oder 10, sondern von 50, 60 bis 70 km – fahre ich auf baumlosen Höhen von über 1400 m auf schön geschwungenen Straßen mit immer wieder fantastischen Ausblicken, die zu einem Stopp animieren. Rechts und links Seen, schneebedeckte Berge, Flüsse, grüne Wiesen – und ein blauer Himmel. Die Höhenunterschiede erfolgen natürlich auf Straßen mit zahllosen Serpentinen. Die Routine dafür ist längs da. Wieder ist kaum jemand unterwegs, so dass man es auch mal laufen lassen kann. Traumhaft. Hier befinde ich mich oberhalb der Schneegrenze, was natürlich ein Selfie beweisen muss.

 

Wieder auf Meereshöhe geht es rund 100 km an Fjorden entlang, dann nähere ich mich meinem nächsten Ziel, dem kleinen Ort Borgund. Auch hier gibt es eine alte Stabkirche, doch die sehe ich mir erst Morgen an. Denn hier finde ich eine Hütte, nach Bergen sind es noch 200 km. Der Tag war einfach fantastisch, so wie der gestrige schon. Es scheint, der Wettergott will etwas gutmachen.

Tag 20 – Im Fokus: Kirchengeschichte und Kultur

Über 800 Jahre alt und kaum verändert

Heute steht erst einmal Kirchengeschichte auf dem Programm. Respektive deren Bauten. Schon gestern habe ich mir ja eine Stabkirche in Lom angeschaut, und da das nicht reicht, bin ich nach Borgund gefahren. Hier steht eine weitere von noch 28 existierenden von ehemals weit über 1000. Das Besondere, sie wurde niemals größer verändert, ist noch so erhalten wie sie vor über 800 Jahren, um 1180 gebaut wurde. Jedenfalls stammt aus der Zeit das Holz und sie dürfte kurz danach errichtet worden sein. Geschützt mit Pech und auf einem steinernen Sockel überstand sie die Zeiten.
Die meisten dieser Kirchen wurden ab 1130 nicht nur in Norwegen gebaut. Aber nur hier überstanden einige wenige die lange Zeit. 1350 beendete die Pest jegliche Bautätigkeiten. Der daneben stehende Glockenturm wurde im 13. Jahrhundert gebaut. 


Früher war es üblich, unter dem Kirchenboden Tote zu beerdigen, das wurde aber 1805 auch wegen des unangenehmen Geruches verboten. Dennoch wurden auch später noch kleine Kästen mit Fehlgeburten oder früh verstorbenen Kindern unter den Kirchenboden geschoben. Wurde zu früh geborenen oder ungetaufen Kindern doch ein Grab in geweihter Erde verweigert. 
Dann ging es auf die Straße Richtung Bergen, rund 220 km entfernt. Auch sie führt durch schöne Landschaften, an Fjorden entlang, ist aber halt eine Hauptachse – und je näher man Bergen kommt, desto dichter wird der Verkehr. Erwähnenswert sind aber die Tunnel. Etwa 74 Kilometer (rund ein Drittel) der Strecke führten nämlich durch zahlreiche kürzere und längere. Der längste Tunnel maß immerhin 24,5 km. Und man glaubt es kaum, Überholen ist nicht verboten. Das wurde ich auch mehrmals, hielt ich mich doch an die erlaubten 80 km/h. Und brauchte um die 20 Minuten allein durch diesen einen. Wie ich später recherchierte, heißt er Lærdalstunnel und ist tatsächlich der längste Straßentunnel der Welt. Er weist eine leicht kurvige Streckenführung auf, um Fahrer am Ermüden zu hindern. Zudem gibt es alle sieben Kilometer farbig erleuchtete Hallen, an denen das Halten erlaubt ist. Es handelt sich aber nicht um Notausgänge. 
Angekommen in der Nähe von Bergen dann erstmal die Hütte bezogen, das Gepäck abgeladen und gleich deutlich erleichtert zum Edward Grieg-Museum in Troldhaugen gefahren.  

Edward Griegs Museum in Troldhaugen

Es liegt direkt an einem See und war 22 Jahre lang das Zuhause des norwegischen Komponisten bis zu seinem Tod 1907. Sein bekanntestes Werk dürften wohl die Peer-Gynt-Suiten sein. Im Haus kann man u. a. das Wohnzimmer besichtigen, im Zustand von 1907. Im Garten findet sich auch die kleine Gartenhütte, hier komponierte er viele seiner Werke. In einer Felswand im Garten direkt am See finden sich zudem die Urnengräber von Edvard und Nina Grieg.

Tag 21 – Bergen – die Stadt der Fjorde

Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegens, das merkt man sofort am Verkehr und der Straßenführung. Wenn man dann aber erstmal die Innenstadt erreicht hat und einen Parkplatz, sieht man schnell, dass sie sich den Charme und Flair einer Kleinstadt erhalten hat. Das gilt besonders für das Hafenviertel, wenn auch die großen Schiffe der Hurtigruten nicht unbedingt zu einer Kleinstadt gehören. Der Grund für diesen Charme ist ein uraltes Stadtviertel, genannt Bryggen. Es entstand um 1343 als Handelsniederlassung der Hanse, später wurde die Niederlassung der Hansestadt Lübeck zugeordnet. 1702 brannte ein Großteil ab, wurde aber wieder aufgebaut. Ein weiterer Brand in 1955 zerstörte weitere große Teile. Übrig blieben 62 Gebäude, selbst deren Abriss wurde diskutiert. Man entschied sich jedoch anders und stellte den Rest ab 1965 wieder her. 


Heute ist das Viertel Welterbestätte der Unesco und zahlreiche Handwerksläden, Galerien, ein Museum, Restaurants und Touristenshops bieten hier ihre Waren feil. Mithin prägt die hanseatische Landungsbrücke das Erscheinungsbild des Stadtzentrums und ist ein auffälliges Überbleibsel aus der Zeit, als Bergen das Handelszentrum Norwegens und dem Rest von Europa war.
Und dann ging es zurück zum Campingplatz, nochmal gut eingekauft für heute Abend (Steak, Zwiebeln, Senf…) und Morgen zum Frühstück (Eier, Lachs, Baguette). Das wars dann für erste in Norwegen. Geht es doch morgen mit der Fähre in knapp 19 Stunden nach Dänemark.

Tag 22 – Von Bergen mit der Fähre nach Dänemark

Heute Mittag geht es mit der Fjordline von Bergen über See zurück nach Hirtshals in Dänemark gelegen. Fahrtzeit etwa 16.30 Stunden. Von Hirtshals aus sind es etwas über 500 km nach Hamburg. Also erstmal gut gefrühstückt, passend für das Schiff gepackt und ab aufs Moped die 20 km bis zum Terminal. Dort heißt es erstmal warten bis man nach dem Check In in einen abgesperrten Bereich kommt – wo es wieder warten heißt. Zweieinhalb Stunden genau. Es regnet seit der Abfahrt unablässig, keine Möglichkeit sich irgendwo unterzustellen oder einen Kaffee zu trinken. Man kann nur eins machen, im Regen dumm herumstehen. Was ich natürlich genau mache. Wenn ich mir bis dato bei den ganzen Schlechtwetterfahrten keine Erkältung geholt habe, dann jetzt. Im Regen fahren ist etwas anderes als nur rumzustehen.

Alle anderen sitzen in ihren Autos oder Wohnmobilen, ich bin der einzige Motorradfahrer. Später kommen noch zwei Fahrradfahrer hinzu. Irgendwann öffnet sich das Gatter, dann geht es auch recht zügig. Moped verzurrt, die zwei großen Taschen. Helm, Handschuhe, Tankrucksack – alles zusammen über 30 kg – zur Kabine geschleppt. Die Koffer bleiben am Motorrad. Es steht übrigens am Heck, Deck 3 ganz hinten, Und wo ist meine Kajüte? Natürlich am Bug auf Deck 9, das oberste, mithin im langen Gang die vorletzte Kabine. Kenne ich ähnlich ja von der Herfahrt von Kiel nach Göteborg. Weiter kann man die ganzen Sachen auf dem großen Schiff nicht schleppen. Okay geduscht, einen Bummel über das ziemlich leere Schiff gemacht, später etwas gegessen. Und einen Vorrat norwegische Schokolade gekauft, ist hier zollfrei. Zudem das erste Glas Wein seit drei Wochen getrunken.

Viel los ist auf der Fähre gerade nicht

Tag 23 – Durch Dänemark nach Hamburg

Pünktlich um acht Uhr ist die Fähre in Hirtshals angekommen, fünf nach acht bin ich schon draußen, es geht direkt auf die Autobahn Richtung Hamburg. Meist mit 130 km/h manchmal nur 110. Und das bei fast leeren Straßen. Da kommt man vorwärts. Sehenswürdigkeiten in Dänemark stehen nicht auf dem Programm, das ist eine eigene Reise wert. So erreiche ich nach einem kurzen Frühstücksstopp schon gegen 12 Uhr die deutsche Grenze. Coronakontrollen gibt es keine in Richtung Deutschland, umgekehrt schon. Die Straßen werden voller, und was macht man während über 500 km sturer Autobahnfahrt. Man beobachtet Dinge, die einem sonst nicht in den Sinn kämen. So fallen mir in der Summe ein gutes Dutzend gelbe DHL-LKWs auf, meist mit dänischem Kennzeichen. Kommen ja aus Dänemark, passt also. Aber die Zugmaschine, ausschließlich ostdeutsche Nummern, fast immer aus Polen oder Bulgarien. Hier sitzt ja der „teure“ Fahrer. Fällt dann auch an anderen Zuggespannen auf. Sattelauflieger ist dänisch, niederländisch, deutsch – die Zugmaschine Nummernschild aus Osteuropa. Zudem kommt die Mehrzahl der Laster nicht aus Deutschland. Wir leben ganz gut von den billigeren ausländischen Arbeitskräften und die Firmen, wie DHL, verdienen noch mehr damit. Scheint auf jeden Fall so auf diesem Autobahnabschnitt. Vor Hamburg ändert sich das Bild dann etwas, hier kommt ja der Werksverkehr hinzu. 
Hamburg ist in Sicht und empfängt mit einem richtigen Stau, Stop and Go. Durch einen Unfall werden am Stauanfang fünf Fahrspuren auf eine reduziert, und das auf einer der Haupteinfallachsen. Es hat 26 °C, ich bin viel zu warm angezogen. Also durchgeschlängelt mit der breiten Maschine, denn Stopp and Go mag eine hohe, beladene Enduro gar nicht. Funktioniert auch gut, fast alle machen Platz. Nur einige wenige machen dicht, gönnen Motorrädern ein langsame Vorwärtskommen im Stau nicht – weil sie halt auch nicht weiterkommen. Aber das hält nur kurz auf. Dann macht einmal sogar ein LKW auf der rechten Spur Platz, weil ein PKW dicht macht. So konnte ich den 5-km-langen Stau mit nahezu Stillstand doch in guten 15 Minuten überwinden und kam gegen 14 Uhr im Hotel an. Eingecheckt, das Motorrad via Lastenaufzug ins Parkhaus ins Untergeschoss geparkt, abgeladen, ausgepackt und geduscht.

Hier geht es zu einem kurzen Bericht über die drei Tage in Hamburg

Tag 27 – Die Tour im Rückblick

7852 Kilometer mit dem Motorrad sind es geworden als ich gegen 16 Uhr in Winnenden heimkomme. Es sind von Hamburg aus noch einmal 650 km hinzugekommen. Autobahn, Baustellen, Staus, Regen und Sonne, das ist die Kurzfassung der Rückfahrt. 


7852 Kilometer durch wunderbare Landschaften, durch eintönige Wälder, bei Regen, Eiseskälte und Sonne. Auf Autobahnen und kilometerlange Geraden oder kurvenreich über Pässe und Fjorde entlang. Fähren wurden mit der Zeit Routine und kilometerlange Tunnel auch – mithin bis zu 24,5 km lang. Bei bis zu 12 Stunden Fahrtdauer an einem Tag war Sitzfleisch gefragt. Fiel auch manchmal schwer, man wird halt nicht jünger. Zelten fiel nahezu aus, des Wetters wegen, aber Hütten sind eine wunderbare (und meiste heizbare) Alternative.
Es ist schon etwas besonderes mit dem Motorrad. Anders als von der Umwelt isoliert in Auto oder Wohnmobil. Man ist nah dran an der Natur, dem Wetter völlig ausgeliefert – auch den Unbillen. Man ist viel näher dran an den Menschen, wird immer wieder angesprochen, hat Kontakt mit anderen Reisenden und Einheimischen. Das Nordkap selber, das erste Ziel aber nicht das alleinige, es ist nicht mehr und nicht weniger als ein geographischer Punkt. Aber ein Besonderer. Auch wenn es nicht der nördlichste Flecken des Kontinents ist, macht nichts. Aber es ist ein Unterschied, ob ich selber auf eigener Achse dort ankomme, oder vom Schiff aus mit Bussen hingekarrt werde. War schon vor fünf Jahren so, als ich von Windhoek aus durch Wüste und über Berge 2500 km mit einer Enduro zum Kap der guten Hoffnung gefahren bin, dem südlichsten Punkt des afrikanischen Kontinents. Also entgegengesetzt, geografisch und klimatisch. Im Norden Kälte und Nässe, die in die Knochen zieht, im Süden Hitze und Staub.


Norwegen selber, der Schwerpunkt der Fahrt, bietet wunderbare Landschaften, eine gute Infrastruktur, wunderbare Museen, sympathische Menschen. Und in meinem Fall ein sehr wechselhaftes Wetter, was beim Motorrad natürlich eine ganz andere Rolle spielt als beim Auto. Wenn es jedoch darauf ankam, am Nordkap, den Lofoten, die Fahrten am Trollstieg und Geirangerfjord sowie die durch den Jostedalsbreen- und dem Jotunheimen-Nationalpark, da stimmte einfach alles. Generell, die Fahrt über die Hochebene in den Nationalparks waren sicherlich Höhepunkte, die so gar nicht absehbar waren. Norwegen, wir kommen wieder – und zwar schon kommendes Jahr.