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Auf den niederländischen Antillen – Teil I: Aruba

One Happy Island – so tituliert sich Aruba selbst. Wir sind auf den niederländischen Antillen, auf der Insel Aruba, eine der drei ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curacao), nahe vor Venezuelas Küste gelegen. Und auch nahe dem Äquator (rund 1400 km), jetzt im November sinken derzeit die Nachtemperaturen nicht unter 27 Grad Celsius. Tags sind es über 30 Grad. Teil Eins des Reiseberichtes über Aruba, hier geht es zum zweiten Teil über Curacao

Und hier geht es zu einer Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Fotos von Aruba

Boardwalk Boutique Hotel und Palm Beach

Heute Morgen haben wir erst einmal unser Boutique-Hotel erkundet. Es ist etwas kleiner, wie der Name schon sagt, rund 50 unterschiedlich gestaltete und eingerichtete Appartements in einer wunderschönen grünen Anlage mit zwei Swimmingpools. Maximal zweigeschossige Gebäude. Eben kein Hotelblock direkt am Strand gelegen, sondern etwas Landestypisches, individuelles. Zwar in der zweiten Reihe, will man an den hoteleigenen Strand muss man halt fünf Minuten laufen. Die Gäste kommen vorwiegend aus den Niederlanden und den USA. Wie die meisten Besucher Arubas.

Anschließend sind wir vor an den Strand. Der Palm-Beach ist mit der bekannteste Arubas. Weißer feiner Sand, Palmen, Bars, große Hotelanlagen mit eigenen Casinos – es kommen viele Amerikaner hierher – und zahlreiche Wassersportmöglichkeiten locken natürlich viele Menschen an. Zugleich mach das ruhige Wasser den Palm-Beach zu einem gemütlichen Refugium zum Schwimmen und Schnorcheln. Dennoch ist es nicht zu voll.
Unser Spaziergang führte etwa drei Kilometer den Strand entlang. Irgendwann war es schlicht zu heiß, also zurück zu unserem Hotel und ab an den Pool. Abends dann wieder vor an den Strand und zu einem im Reiseführer empfohlenen Fischrestaurant gelaufen. Für mich gab es als Vorspeise erst mal Ceviche, sauer angemachter roher Fisch (eine meiner Leibspeisen) und ein ganzer frisch gefangener Red Snapper. Leider wird der Fisch hier frittiert, ist so üblich, Dennoch schmeckte er sehr gut. Dazu ein/zwei Gläschen Rotwein, Wasser und einen Irish Coffee. Sind direkt am Meer gesessen bei einen schönen Sonnenuntergang. Das Restaurant ist recht voll, ist ja bekannt. Und weiß das auch zu nutzen, was die Preise angeht. Zu zweit ist man mal schnell 150 Dollar los. Muss ja nicht jeden Abend sein. 
Nachdem was ich vorab gelesen hatte, soll der Palm Beach nach Sonnenuntergang so richtig zum Leben erwachen. Dem war aber nicht so. Einzelne Bars mit Musik, ok. Aber generell wenig los. Obwohl die Hotels gut gebucht sein sollen. Vielleicht sind viele beim Essen (Vollpension) oder sitzen in den Casinos. Wer weiß, uns soll es recht sein.

Der Arikok N.P und die Ayo Rock-Formationen

Wir haben uns einen Allrad-Jeep gemietet. Es geht zum Arikok Nationalpark. Dort ist, je nachdem wo man hinwill, Allrad gefordert. Unser erstes Ziel nach einem Kaffee im Besucherzentrum ist ein schöner Naturpool am Meer gelegen, der nur mit einem Geländefahrzeug angefahren werden darf. Ich bin schon tausende Kilometer Offroad an Pisten gefahren, aber diese kurze Strecke toppte alles Bisherige. Für die knapp zehn Kilometer vom Besucherzentrum hin und zurück benötigten wir über eine Stunde reine Fahrzeit. Durchschnittstempo: zehn Kilometer pro Stunde. Offroad im wahrsten Sinne des Wortes über felsige und teils steile Pisten – wenn denn die richtige überhaupt zu erkennen war. Stellenweise unter Schrittgeschwindigkeit und Abtasten, was der beste Weg ist und was überhaupt geht.

 

Am Ziel dann ab ins kühle Nass, ist eine der wenigen Stellen, wo man hier ins Wasser kann. Denn die Strömungen und Brandungen im offenen Meer im Nordosten sind lebensgefährlich. Hier beherrscht der wilde Atlantik die Küsten, Baden ist normalerweise nicht, außer eben an diesem geschützten Naturpool. Gut, ob sich das jetzt tatsächlich bei dieser Anfahrt lohnt, sei dahingestellt. Die meisten hier kommen mit Veranstaltern und offenen Geländewagen mit acht/zehn Plätzen her, in Verbindung mit den restlichen Sehenswürdigkeiten hier im Park. Nur wenige machen sich selbst auf den Weg oder befahren nur den Bereich mit geteerten Straßen. Insgesamt ist natürlich wenig los, wen wundert´s.

Wieder am Besucherzentrum zurück geht es auf besseren Straßen weiter, teils geteert, teils eine ordentliche Piste. Wir fahren gemütlich durch eine für die Karibik surreale Gegend. Eine staubige, trockene, mit Kakteen und Sukkulenten bewachsene wüstenartige, leicht hügelige Landschaft. An der Küste immer mal wieder weiße Traumstrände – ohne Palmen – Baden ist ob der Strömungen und Brandung nicht angesagt. „On your own Risk – not recommended“. So ein Ranger. 


Kurz später, nach ein paar Fotostopps, erreichen wir die Fontain Cave. Die ganze Gegend besteht aus Kalkstein, entsprechend wurden im Laufe der Jahrmillionen Höhlen mit Stalagtiten und Stalagmiten herausgewaschen. Die auch die Ureinwohner nutzen, schon vor über 1000 Jahren. In diese Höhle finden sich einige gut erhaltene Wandmalereien der hier einst lebenden Indianer. Und in den Nischen eine Schlange sowie im Dunkeln ein etwa zwanzig Zentimeter großer, recht giftig aussehender Tausendfüssler.
Nur ein paar Minuten später erreichen wir die Quadirikiri Cave. Besonders schön, in zwei größeren Hohlräumen fällt durch ein Loch in der Decke Licht und leuchtet sie aus. Hier leben viele Fledermäuse, die in der Dämmerung die Höhle verlassen. Es ist übrigens überall recht ruhig, hier sind kaum Besucher unterwegs.

Am Rückweg zum Hotel fahren wir an der Ayo Rock-Felsformation vorbei. Geschliffene Felsen türmen sich zu bemerkenswerten Formationen auf, manche sehen aus, als hätten Riesen mit großen Murmeln gespielt. Kein Wunder, dass die einst hier lebenden Arawak-Indianer diese Stätte als heilig ansahen. Davon zeugen jahrtausende alte Felszeichnungen. Zwischen den hoch aufragenden Steinfelsen sollen die Indianer ihre Riten vollzogen haben. Geologen zufolge entstanden die Felsgebilde im Lauf von Jahrmillionen durch Erosion. Zwischen den Tonnen schweren Steinbrocken wachsen meterhohe Kakteen und stacheliges Gestrüpp. Karibik pur…


Das Gelände ist frei zugänglich, teilweise führen Treppen zu imposanten Gebilden. Bis hoch müsste man aber etwas klettern. Dazu bleibt keine Zeit, weil die Sonne hier schnell untergeht, so gegen 18.30 Uhr. 

Vom Leuchtturm, Kite-Surfen, Straußen, Gold und Kirchen 

Ganz an der Nordwestspitze gelegen, das California-Lighthouse

Wir haben uns wieder ein Auto gemietet, diesmal einen normales Fahrzeug für die nächsten zwei Tage um die Insel weiter zu erkunden. Erstes Ziel ist ein Leuchtturm ganz an der Nordwestspitze gelegen, sprich vier Kilometer vom Hotel entfernt. Ja, die Insel ist recht klein. Zwischen 1914 und 1916 erbaut ist das Leuchtfeuer rund 30 m hoch. Und nein, wir sind nicht hoch gegangen, bei den 35 Grad Celsius, die es um diese Zeit schon hat. Das muss das nicht sein. Dafür habe ich die Drohne fliegen lassen, gibt noch bessere Bilder und strengt weniger an.
Den Namen hat das Bauwerk von dem vor der Küste 1891 gesunkenen Dampfschiff California. Umgeben ist der Turm von zahlreichen Sanddünen und er gilt als Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen Arubas, ist ein beliebtes Ziel für die Autosafaris auf der Insel.

Dann ging es zu einem nahe gelegenen Strand, der bekannt für seine Kite-Surfer ist. Sie ist sich ihres Könnens bewusst und surft recht nah am Strand, lächelt dabei sogar in die Kamera. Es macht Spaß zuzuschauen und man kann sich vorstellen, wieviel Freude es macht, wenn man das Kitesurfen so beherrscht, wie die junge Frau und einige andere hier am Palm Beach. Der Wind ist recht kräftig, muss er auch sein, um solche Kunststücke zu vollführen.

 

Beim Kitesurfen steht der Sportler auf einem Board, ähnlich einem kleinen Surfbrett und wird von einem Lenkdrachen gezogen. Entsprechender Wind vorausgesetzt nimmt man dabei ganz schön Fahrt auf und kann auch meterhohe Luftsprünge machen. Wir beobachten das eine ganze Weile bis es einfach zu heiß ist. Schatten ist hier vorne am Wasser Mangelware.

Als nächstes steht eine Straußenfarm auf dem Programm. Sie dient ausschließlich touristischen Zwecken, rund 80 der imponierenden Vögel leben hier und einige Emus. Wir sind die einzigen, entsprechend wenig motiviert ist der Guide. Trotz eines Eintrittes von 14 USD pro Person. Er rasselt sein Programm runter, nach 20 Minuten ist alles gezeigt. Schade, denn die Tiere und Anlage sind wirklich sehenswert. So nah kommt man ihnen selten und sie sind schon wirklich groß. So bis um die 2,70 m.


Weiter geht es mit dem Auto zur nahe gelegenen Natural Bridge, oder dem, was übrig ist. Bis sie 2005 kollabierte, war sie eine der größten Naturbrücken der Welt, 30 m lang, acht Meter über dem Meeresspiegel, sie konnte sogar mit einem Auto befahren werden. Doch das war einmal, und die Brücke heute lohnt nicht mehr. Dafür ist dort ein kleines Touristenzentrum mit Café und Shop. Der Weg hin führt über eine Piste, ist aber auch mit normalen Fahrzeugen befahrbar. 

Ebenfalls nahe gelegen – eigentlich ist hier alles nahe beieinander – sind einige Ruinen einer alten Goldmühle, war das edle Metall doch in früheren Zeiten das wichtigste Gut der Insel. Hier hatte man im 19. Jahrhundert während des Aruba-Goldrausches das Erz der Minen verarbeitet.

Dann ab zu den Felsformationen von Casibari. Schöne Wege – zum Teil im Schatten – führen durch den Park mit den besonderen Steinformationen. Gegenüber denen bei Ayo fallen sie aber deutlich ab. Dafür können sie bequemer erklommen werden, auf Stufen. Und es gibt einen Shop und kühle Getränke.

Zu guter Letzt noch ein Besuch bei Arubas ältester Kirche, der Alto Vista Kapelle, respektive dessen Neubaus aus 1952. Sie basiert auf einen Vorgängerbau von 1750, man hat sie auf den Ruinen der alten Kirche Saint Ann aufgebaut. An Karfreitag findet eine Wallfahrt vom 11 Kilometer entfernten Oranjestad statt und einmal die Woche eine heilige Messe.

Oranjestad – Arubas Hot Spot

Am Tag 6 geht es erstmal in die Hauptstadt Arubas, nach Oranjestad. 1796 gründeten die Niederländer hier das Fort Zoutman, und schufen die Grundlage für die Stadt mit ihren knapp 30.000 Einwohnern. Das Fort ist ein sehenswertes Museum, jedoch „bis auf Weiteres“ geschlossen. Also sind wir durch den Hafen gebummelt und nach Downtown marschiert. Hier finden sich noch zahlreiche schöne, farbige Gebäude aus der Kolonialzeit.

Oranjestad´s Wilhelminastraat

Zwei Sachen fielen uns besonders auf. In der Einkaufsstraße Wilhelminastraat sind an fast allen Laternen Lautsprecher angebracht, die laut Musik aller Coleur abstimmen. Karibische Rhythmen genauso wie Pop und Rock. Dazwischen haben einige Läden noch ihre eigene Musik platziert. Dauerberieselung pur. Und die andere, mindestens jeder dritte Laden war geschlossen, for rent, for sale. Corona hat hier gewaltig zugeschlagen und viele Existenzen vernichtet. Aruba erwirtschaftet rund 70 Prozent des Bruttosozialproduktes allein durch Tourismus. Wenn der einbricht wie geschehen, dann gute Nacht. Die meisten Besucher kommen übrigens aus den USA, dann folgen Lateinamerikaner, die Niederländer an vierter Stelle, die Deutschen fallen unter Sonstige.
Die Terminals im Hafen für die Kreuzfahrschiffe sind mit einer Straßenbahn mit Downtown verbunden. Obwohl es nur zehn Minuten zu Fuß sind. Entlang der Strecke ballen sich die Luxusläden mit all den bekannten Namen. Kunsthandwerksläden sind selten, nur vereinzelt zu finden. Besonders lohnenswert ist der Mop Mopa im Market Place gelegen. Die spezielle Handwerkskunst hat es sogar in die Unesco-Liste des schutzbedürftigen immateriellen Kulturerbes geschafft. 


Was auffällt ist die Freundlichkeit der meisten Menschen. Nicht nur im Service und bei kurzen Gesprächen, sondern auch im Straßenverkehr. Hier herrscht eine sehr defensive Fahrweise, man lässt einen einfahren, wartet, alles sehr rücksichtsvoll.

 

Von Aloe, Gold und Schmetterlingen

Aloe vera, Basis für viele Produkte und inzwischen bald Kult

Einst war Aruba der Welt größte Exporteur von Aloe. Eingeführt wurde die Pflanze 1840, bald darauf sollen zwei Drittel der Insel mit Aloe Vera-Pflanzen bedeckt gewesen sein. Das ist natürlich Geschichte. Erfahren kann man das alles und viel mehr bei einem Besuch der Aruba Aloe Factory, gegründet 1890 und eines der ältesten, heute noch bestehenden, Unternehmen auf der Insel. Besichtigung des Museums, der Produktion und Plantage inklusive Führung sind kostenlos. Natürlich gibt es einen Laden, in dem die Körper-, Sonnen- und Hautpflegeprodukte eingekauft werden können. Was wir auch taten.

Weiter geht es zu den Ruinen der Balashi Gold Mills, einer alten Goldmühle. Gelegen in malerischer Umgebung an einem See, von dornigen Büschen umwuchert, dazwischen große Kakteen, hier lässt sich wunderbar wandeln und sich auch zahlreiche Fotomotive finden. Gold war einst der wichtigste Wirtschaftsfaktor auf der Insel, und zwar von 1825 bis 1915. Bis es vom Öl abgelöst wurde, dessen Ende dann um 2009 kam. Seitdem ist es der Tourismus. Insgesamt wurden auf Aruba in den 90 Jahren 1700 Kilogramm Gold gewonnen.

Die Butterfly Farm ist wieder in der Palm Beach Region gelegen, nahe unserem Hotel. Gelegenheit für eine wunderbare Begegnung mit den filigranen Wesen in in all ihrer Schönheit und Vielfalt. Dazu wurde ein tropischer Garten angelegt, in dem es von farbenprächtigen Schmetterlingen nur so wimmelt. Hier lässt sich der Lebenszyklus dieser Tiere vom Ei zur Raupe zur Puppe bis zum Schmetterling beobachten. Die Führungen vermitteln einem mit reichlich Wissenswertem über deren Lebenszykus.


Es bleibt viel Zeit, um wunderbare Aufnahmen der Tiere zu machen, wie sie in freier Natur kaum möglich sind. Morgens kann man sogar beobachten, wie Schmetterlinge aus ihren Kokons schlüpfen und die ersten Flugversuche unternehmen. Der Eintritt von 16 USD gilt übrigens für die gesamte Dauer des Urlaubs, leider waren wir am vorletzten Tag dort.

Ein Tag zum Entspannen

Morgens haben wir das Auto zurückgebracht, zu einem nahe gelegenen Hotel am Palm Beach. Von dort aus ging es die rund zwei Kilometer am Strand entlang, Richtung Boardwalk Hotel und das bei wunderbarem Wetter. Angekommen am hoteleigenen Bereich des Strandes haben wir hier den restlichen Tag verbracht. Morgen, also am Donnerstag geht es weiter nach Curacao. Dann ist eine Woche schon wieder vorbei. 
Unser Hotel hat eine Vereinbarung mit einem Restaurant beim Ritz Charlton, das für Essen und Getränke sorgt. Die Mitarbeiter flitzen auf Segways den Strand entlang und sorgen für das Wohlbefinden der Gäste. Überaus freundlich und kompetent. Sommer, Sonne, Strand und Palmen… Was will man mehr. So lässt sich´s leben.

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes über die elf Tage auf Curacao

Quelle: eigene Erfahrungen und Internetrecherche

Auf den niederländischen Antillen – Teil II: Curacao

Von Aruba nach Curacao – ein Inselhopfer

Donnerstag, der 18. November, Tag 7. Es geht weiter zu dem knapp über 100 km entfernten Curacao in einer kleinen Propellermaschine mit gerade mal 16 Plätzen. Der Flug dauert etwas über 30 min., von Hotel zu Hotel brauchen wir rund vier Stunden.
Curacao ist wie Aruba innenpolitisch ein unabhängiger Staat im niederländischen Königreich und mit 160.000 Bewohnern etwas größer als Aruba (107.000 Bewohner). Auch die Insel selbst ist größer. Hier lebt man auch nicht fast ausschließlich vom Tourismus, der Erdölbereich spielt eine ebenso wichtige Rolle. Auch hat es einen Namen als Offshore-Finanzplatz, steht seit 2010 in den USA aber nicht mehr auf der schwarzen Liste der Steuerparadiese.
Wir habe uns für die elf Tage gleich von Anfang an einen Mietwagen genommen, vom Flughafen geht es zu unserem Domizil, dem Coral Estate Luxury Resort in Willibrordus, rund 20 km vom Flughafen entfernt.

Hier geht es zu Teil Eins mit dem Bericht über Aruba, und hier zu den subjektiv schönsten Bildern Curacaos.

Das erste was uns auffällt, die Insel ist viel grüner als Aruba. Und das zweite, der Fahrstil ist ein anderer. Fahrt man tempomäßig vorschriftsgerecht, hängen einem die schweren SUV und Vans auf der Stoßstange und überholen – auch bei Gegenverkehr. Also schnell etwas an die übliche Fahrweise angepasst um kein Verkehrshindernis darzustellen. Einfädeln lassen ist auch nicht mehr, also alles eher wie in Deutschland. Nicht mehr so relaxt und rücksichtsvoll wie in Aruba.
Die Hotelanlage liegt direkt am Wasser, etwas oberhalb an einer Steilküste stehen private Villen mit traumhafter Sicht. Die eine oder andere wird gerade neu erbaut, die Preise liegen bei 1 bis 2 Millionen Dollar. Auch Appartements in der Hotelanlage gibt es zu kaufen, für rund 500.000 Dollar. Dennoch, die Preise etwa im Restaurant sind niedriger als in Aruba, die Lage ist traumhaft. Auch wenn der Strand eher zum Schnorcheln geeignet ist, das Riff mit all den Fischen, Seeanemonen und Korallen beginnt direkt am Ufer.

Grote Knip, eine von zahlreichen Badebuchten

Willemstad, wie eine holländische Metropole

Wir sind in Willemstad, der Hautpstadt Curacaos. Hier leben 125.000 Menschen, mithin die große Mehrheit aller Inselbewohner. Die Stadt ist niederländisch geprägt und sehr farbenfroh. Aushängeschild der Stadt ist die farbenfrohe Handelskade. Die Kolonialbauten gehören wie die Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe und zeugen von der florierenden Geschichte Willemstads in vergangenen Zeiten als Handelsmetropole und Posten der Niederländischen Westindien-Kompanie.

Farbenfroh, die Handelskade

Für uns noch spannender ist aber die 1888 erbaute Königin Emma-Brücke, auch Swinging Old Lady genannt. Die weltweit einzigartige Pontonbrücke – so heißt es jedenfalls und mir ist auch nichts Vergleichbares bekannt – schwimmt auf 16 Pontons und wird über einen Drehpunkt auf der einen und einem Bootsantrieb auf der anderen Seite weggeschwenkt und geöffnet, wenn ein Schiff in den dahinter liegenden Hafen will. Er wird Schottegat genannt und es soll sich um den siebtgrößten Naturhafen der Welt handeln. Die Brücke wird auch geöffnet, wenn noch Fußgänger darauf sind. Sollen zwar runter, hält sich aber niemand dran. Wir auch nicht.

Weltweit ein Unikat, die Königin Emma-Brücke

Ist es ein kleineres Schiff, schwenkt die Brücke nur ein kleines Stück auf, ist es ein größeres, wird die Brücke ganz an das andere Ufer geschwenkt und bleibt schon mal 40 Minuten offen. Dann kann man die kostenfreie Fähre nutzen. An den Handelskaskaden kann man sich gemütlich in ein Café oder Restaurant direkt am Ufer setzen und das Schauspiel gemütlich beobachten. Einfach wunderbar.
Eine weitere Hauptattraktionen existiert derzeit leider nicht mehr, der schwimmende Markt mit Händlern aus Venezuela, die hier Obst, Gemüse, frischen Fisch und mehr anboten. Seit der Wirtschaftskrise und den Unruhen in Venezuela kommen die Händler kaum mehr her. Heute finden sich noch einige Stände mit Souvenirs und ein paar Gemüsestände lokaler Anbieter an dieser Stelle.


Dafür haben wir uns noch das Marinemuseum angeschaut und mit der dunklen Geschichte der Insel befasst – Curacao war Umschlagplatz für den Sklavenhandel aus Afrika nach Amerika. Selbst die Ureinwohner Curacaos wurden alle von den Spaniern nach Europa verschleppt und versklavt.

Salinen und Flamingos

Auf der Rückfahrt von Willemstadt zum Hotel wurde erst einmal in einem Supermarkt eingekauft, bevor wir an den Jan Kok-Salinen vorbei kamen. Hier finden Flamingo ideale Bedingungen vor. Vom Ufer aus und einem kurzen Steg lassen sich wunderbare Fotos machen. In der Karibik sind derartige Plätze recht selten, insofern ist dieser Ort eine der wichtigsten Brutstätten für Flamingo-Kolonien.

Unterwasser, zum Ersten

Der heutige Tag, sprich Samstag ist ganz dem Relaxen verschrieben. Sprich ausschlafen, gut frühstücken – das Essen hier am Coral Beach ist übrigens vorzüglich, egal ob Frühstück oder a la card am Abend. Danach ging es an den Strand. Der nicht an den in Aruba rankommt, aber wir geben uns auch damit zufrieden. Auf jeden Fall kann man hier wunderbar schnorcheln, was ich auch gemacht habe. Und zum ersten Mal unter Wasser fotografiert und gefilmt, was nicht ganz ohne ist beim Schnorcheln mit Seegang. Dennoch sind einige schöne Aufnahmen entstanden.

Der Christoffel-Nationalpark und Shete Boka

Heute morgen geht es erstmals in den weniger bewohnten Westen der Insel, zum Christoffel-Nationalpark. Er ist mit 2300 Hektar der größte Park auf Curacao und schützt die Tier- sowie Pflanzenwelt rund um den Sint-Christoffelberg, mit 372 Metern die höchste Erhebung der Insel. Auf ihn kann man auch hoch wandern, Kondition und Trittsicherheit vorausgesetzt. Man darf aber nur bis spätestens 10 Uhr loslaufen, anschließend ist es wegen der Hitze verboten ihn zu besteigen.
Der Park lässt sich aber auch einfacher erkunden, auf einer einspurigen Ringstraße von 12 Kilometer Länge mit dem Auto. Stopps gibt es an schönen Aussichtspunkten, an alten Ruinen, einem Stollen in dem Kupfer abgebaut wurde und an kürzeren und längeren Wanderwegen. Die längeren ließen wir ob der Temperatur aber aus.

Nur wenige Kilometer entfernt direkt an der Küste liegt der kleinere Nationalpark Shete Boka. Die Wörter stammen aus dem Papiamentu und bedeuten etwa sieben kleine Buchten. Der rund zehn Kilometer lange Küstenabschnitt zeichnet sich durch seine ständig den Gezeiten ausgesetzten Kalkstein-Kliffs aus. Besonders spektakulär ist die Grotte Boka Tabla. Eine in den Fels gehauene Treppe führt in eine zum Meer hin offene, kleine Höhle, in der sich die hereinrollenden Wellen beobachten und auch belauschen lassen.
Vier Buchten lassen sich besuchen. Komplett zu Fuß in zwei etwa einstündigen Wanderungen in sengender Sonne oder etwas weniger anstrengend teilweise mit dem Auto abkürzen. Was einem einen restlichen Fußmarsch in der Hitze und Schwüle aber nicht erspart – lohnt aber.
Die Gegend ist trocken, wird von Sträuchern und Kakteen dominiert. Überall wuseln kleinere und größere Echsen auf dem scharfkantigen, ausgewaschenen Boden herum. Manchmal muss man aufpassen, nicht auf eine zu treten. Aber die Spaziergänge lohnen.
Baden ist in den malerischen Buchten nicht erlaubt, sollte angesichts der tobenden Wellen eigentlich selbstverständlich sein. In der Bucht Boka Pistol lassen sich mit viel Glück Schildkröten bei der Eiablage beobachten. Hier donnern die lärmenden Wellen an die Küste und bilden bis zu zehn Meter hohe Springwellen aus. Eigentlich ist das der interessantere Park von beiden.

Von Kliffspringern, Sklaven und Korallen

Weiter geht es im Westen der Insel, nächster Stopp ist ein Restaurant in Playa Forti, direkt auf einer Klippe gelegen. Der Flüssigkeitsmangel macht sich bemerkbar, die zwei Flaschen für unterwegs sind bereits leer. Quasi fast von der Terrasse aus kann man den Sprung in das zehn Meter tiefer liegende Meer machen, was auch immer wieder einige tun. Reizt gewaltig, aber wir wollen weiter. 
Unser nächstes Ziel ist das nahe gelegene Landhaus Kenepa mit dem Museo Tula. Zeitweise schufteten auf dieser Plantage 400 Sklaven, hier begann 1795 der größte Sklavenaufstand Curacaos, angeführt von dem Sklaven Tula, heute ein Nationalheld. Ihm ist das Museum gewidmet und auch ein Gedenktag, der 17. August. Um diesen Termin herum finden zahlreichen Aktivitäten und Sonderausstellungen im Museo Tula statt. Damals hat man ihn nach der Niederschlagung des Aufstandes hingerichtet, entsprechend hat Kenepa für Curacao einen enormen kulturellen und geschichtlichen Wert. Und was stellen wir fest: Es ist geschlossen, und zwar schon länger. Auf den Wegen wächst bereits Gras, Büsche machen sich breit, es scheint langsam zu verfallen. Wohl auch eine Folge von Corona und den ausbleibenden Besuchern.
Gut, nahe bei dem Landhaus ist die Playa Lagun, an dem sich das Schnorcheln lohnen soll. Hier gibt es zwei intakte Riffe. Nur ist Sonntag, und da sind auch viele Einheimische an den Stränden. Egal. Wir finden einen Platz. Und das Schnorcheln lohnt, hier finden sich besonders viele schöne Korallen.

Viel Korallenriffe scheinen hier noch intakt, ein Paradies für Schnorcheln und Tauchen

Palmen, Sand und türkisfarbenes Meer

Heute morgen sind wir erstmal zum Grote Knip gefahren, etwa 18 km vom Hotel entfernt. Vermutlich ist das der meist fotografierte Strand Curacaos. Wir waren schon gestern am Sonntag in der Nähe, nur Wochenenden sollte man meiden. Denn der Strand wird nicht nur von Touristen gern besucht, sondern auch von zahlreichen Einheimischen. Die kommen halt vorwiegend am Wochenende. Müssen ja arbeiten.
Grote Knip ist ein Idealtypus von einem karibischen Strand mit feinem weißen Sand, Palmen und türkisfarbenem Wasser. Zumal lässt sich hier wunderbar Schnorcheln und auch das Klippenspringen gehört dazu. Für geübte Schwimmer ist in etwa zehn Minuten ein der Bucht vorgelagertes Riff zu erreichen. Wir sind eigentlich nur mal hingefahren um zu sehen ob es sich lohnt. Und ja, es lohnt. Wir kommen wieder für einen ganzen Badetag. Und ja, auch die Klippe habe ich mir vorgenommen.
In der Nähe habe ich dann einen idealen Ort gefunden, um die Drohne steigen zu lassen. Direkt an der Felsenkante, ein ehemaliger, im Verfall befindlicher Aussichtspunkt mit Resten eines Sonnenschutzes. So konnte ich die Bilder von Grote Knip noch mit Luftaufnahmen ergänzen und auch die grüne Landschaft einfangen.

Von den Hato Caves bis Sint Michiel

Um die Mittagszeit ging es dann zu einer anderer Ecke der Insel, in die Nähe zum Flughafen. Was auffällt, besonders in den weniger bewohnten Gegenden, dass der Coronavirus in Sachen Tourismus auch hier zugeschlagen haben muss. Nicht wenige Restaurants, ganzen Ferienanlagen, Museen, manches geschlossen und dem Zerfall preisgegeben. Nicht selten auch zu lesen, for sale. Selbst in der Hauptstadt Willemstad hat es sichtbare Leerstände mitten im Zentrum. Curacao ist zwar nicht so abhängig von Tourismus, wer aber davon lebt, den trifft es natürlich.
Unser Ziel waren die Hato Höhlen. Sie entstanden vor Millionen von Jahren unter Wasser. Eine Zeit lang lagen sie dann auf Meereshöhe – für die Hebung sorgt die Plattentektonik – bis sie heute rund 60 Meter über dem Meeresspiegel liegen. So wurden sie unter Wasser geformt, aber auch durch die Kraft der Wellen und seit etwa 300.000 Jahren durch Auswaschungen. Zudem bildet das durchsickernde Regenwasser wunderbare Stalaktiten und Stalagmiten. Die wachsen hier durchschnittlich nur einen Zentimeter pro hundert Jahre aufgrund der geringen Regenmengen.

Die Hate-Caves, im Inneren rund 95 % Luftfeuchtigkeit und 32 Grad Celsius


In der Höhle leben rund 300 kleine Langohrfledermäuse, die durch ein Loch in der Decke einer Höhlenkammer ein- und ausfliegen. Auch sie ließen sich gut beobachten. Diese Art hier lebt vegetarisch, sie verspeisen nur Früchte. Die Temperatur in der Höhle beträgt rund 32 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit 95 %. Fotografieren ist verboten, da wir aber nur zu Viert bei der Führung waren, durften wir an zwei Stellen einige Aufnahmen machen.

Zum Abendessen sind wir anschließend in ein kleines Fischerdorf gefahren, nach Boca Sint Michiel. Das noch ursprünglich ist, und wir fanden gleich ein schönes kleines Restaurant direkt am Strand.

Fort Beekenburg

Es soll mit mit das besterhaltene Fort in der Karibik sein, das 1703 errichtete Fort Beekenburg. Ursprünglich zur Abwehr von Piraten errichtet, widerstand es später auch englischen und französischen Angriffen. Es ist frei zugänglich und man kann das mit wunderbaren Kakteen bewachsene Gelände durchstöbern. Überall stehen oder liegen noch alte Kanonen herum, der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Auch der Turm ist offen, er ist über eine recht steile Leiter zu erklimmen. Dafür hat man dann einen wunderbaren Blick über die Carcasbaai, die das Fort zu verteidigen wusste.
Direkt an der Festung liegen zwei Marineschiffe, das größere jedenfalls scheint ausgemustert zu sein.

Blue Curacao und farbenfrohe Bilder

Von Fort Beekenburg haben wir uns zu einer Institution der Insel aufgemacht, zum Landhuis Chobolobo. In der ehemaligen Stadtvilla wird seit 1946 der weltbekannte Likör Blue Curacao von Senior & Co hergestellt, nach dem Originalrezept von 1896. Zum Einsatz kommt immer noch der über 100 Jahre alte Originalkessel. Der Likör entstand eigentlich aus einem Malheur. Wollten die Spanier einst doch Valencia-Orangen hier anbauen, heraus kamen aber nur schrumpelige, bittere Minifrüchte. Der Legende nach experimentierte später der alte Herr Senior mit den Früchten herum und er begann aus den harten Schalen Alkohol herzustellen. Irgendwann kam ein schmackhafter, farbloser Orangenlikör heraus. Durch eine Reaktion mit dem Kupferkessel entstand aber auch ein mal ein blau gefärbter Likör. Das gefiel dem Herrn Senior, also fügte er fortan blaue Lebensmittelfarbe hinzu.
In dem Landhuis Chobolobo kann man kostenfrei eine Führung mitmachen und darf drei Likörvarianten probieren. Und natürlich hinterher im Shop auch kaufen. Haben wir. Den mit Schokolade. Denn den originalen Blue Curacao nach dem alten Rezept gibt es nur hier, er lässt sich auch online nicht erwerben. Man kann ihn aber auch in einem angeschlossenen Kaffee (oder ist es eine Bar?) gleich genießen, etwa pur, als Drink oder versteckt im Kaffee. Wie wir.

Auf dem Rückweg zu unserem Hotel haben wir noch am Landhuis Jan Kok vorbei geschaut. Hier befindet sich die Galerie Nena Sanchez mit Bildern und Skulpturen der über die Insel hinaus bekannten Künstlerin. Einige ihrer Werke haben wir als Wandbemalung schon in Willemstad entdeckt. Die ehemalige Miss Curacao ließ sich von den Farben der Insel inspirieren und malte farbenfrohe und fröhliche Bilder. Sie ist 2017 verstorben, ihre ältere Schwester führt nun die Galerie fort und verwaltet ihr Erbe. 

Zu guter Letzt sind wir noch zu einem nahe gelegenen Top-Strand Curacaos gefahren, dem Play Porto Mari. Da fällt es jetzt schwer, wohin es Morgen geht, drei Strände in der Nähe zur Auswahl… und den vom Hotel natürlich. Morgen ist relaxen angesagt.

Playa Kalki und Playa Piscada

Am Mittwoch sind wir ziemlich ans westliche Ende der Insel gefahren. Mit Playa Kalki gibt es hier einen kleinen Strand, der zwar weniger Sand denn Kiesel aus Korallen bietet, aber gut zum Schnorcheln sein soll. Und ja, er ist es. Nicht weit weg liegt der Playa Piscada. Hier verkaufen Fischer am frühen Nachmittag traditionell direkt am Strand ihren Fang und nehmen die Fische auch gleich aus. Und schon immer werfen sie die Fischabfälle wieder ins Wasser. Das lockt natürlich zahlreiche Fische an, die die Reste ihrer Artgenossen gerne verspeisen. Und auch Karett-Schildkröten, die sich daran ebenfalls laben. Eine gute Chance die Tiere im Wasser beobachten zu können. Also hin. Und ja, es waren einige da. Einfach einmalig. 

Die Tiefsee ruft

Sicherlich einer der Höhepunkte dieser Reise. Und ein Ort, an dem weniger Menschen waren als auf dem Mount Everest. Mithin der zweite derartige Ort für mich. Der erste war bei den Korowai in West Papua und der zweite, jetzt, ist die Tiefsee. Sie fängt ab 200 m an, kein Licht gelangt mehr in diese Tiefen.
Hinunter geht es in einem Mini-U-Boot, der Substation. Nur einen Meter breit ist die Kapsel, 2,70 m lang, bietet aber Platz für fünf Personen. An Platzangst darf man nicht leiden, übergewichtig auch nicht sein. Sonst passt man gar nicht durch die Luke.

Die Substation, ein Mini-U-Boot für Forschung und Touristische Zwecke, einmalig.

Eingesetzt wird das U-Boot für touristische Fahrten und die Forschung. Mehrere neue Fischarten und Muscheln hat man auf diesen Fahrten seit 2010 bereits entdeckt, so Tico Christiaan, mein Pilot. Ich hatte das Glück als einziger Gast – mit Tico natürlich – an Bord zu sein. 
Der Aufwand ist schon enorm. Zuerst eine längere Einführung. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Tico ausfällt, muss ich in der Lage sein das Boot per Joystick und Druckluft wieder an die Oberfläche zu bringen. Und auch die Kommunikation mit dem Sicherheitsoffizier muss dann bedient werden, der an der Station die Fahrt überwacht. Dabei sind dann noch ein Begleitboot und ein Taucher, der von außen nahe der Oberfläche Bilder von uns macht. Reichen würde das Atemgas für eine Woche zu zweit. Wasser und Nahrung ist auch an Bord. Sprich, sieben Tage würde man bis zu einer Bergung überleben. Wenn alle drei Sicherheitssysteme versagen würden. Mehr als unwahrscheinlich, aber Sicherheit geht eben vor. Das Boot hat übrigens schon über tausend Fahrten gemacht, ohne Probleme und ist vom Germanischen Lloyd zertifiziert. Gebaut wurde das U-Boot in Vancouver, Kostenpunkt 2,6 Millionen Dollar.


Nach den Aufnahmen nahe der Oberfläche durch den Taucher geht es in die Tiefe. Für normale Sporttaucher endet ein Tauchgang bei 40 m. In 140 Meter Tiefe macht Tico kurz das Licht aus. Das ist die Tiefe, wo sich das letzte bläuliche Schimmern im ewigen Dunkel verliert. Es geht weiter hinab. Eigentlich eine öde Sandwüste hier unten, ab und an ein Fisch, alles wirkt durch die gläserne Halbkugel und die Lichtbrechung unter Wasser sehr klein. Wie eine Miniaturwelt. Ich sehe schwarze Korallen, riesige Hornkorallen und zwei Meter große Schwämme. Auch einige Skorpionfische, ein Oktopus und eine Muräne lassen sich blicken. Zwischendurch geht es an einem alten, gesunkenen Ruderboot vorbei. Generell hat der Mensch auch hier seine Spuren hinterlassen. Immer mal wieder sieht man Plastikflaschen oder Büchsen und weiteren Unrat. Eine Plastikflasche kann ich mit dem Greifer fassen, sie wird später wieder an die Oberfläche gebracht.
Es ist eng und stickig, man liegt auf dem Bauch, kann sich kaum bewegen. Egal, einfach faszinierend. Alle paar Minuten gibt Tico dem Sicherheitsoffizier Daten durch: Sauerstoffgehalt, Trimmung, Position, Tiefe, Alarmmeldungen (keine) und verschiedenes mehr. Dazwischen erklärt er die Tierwelt hier und allerlei über die Tiefsee und das Leben in der Dunkelheit.
Wir erreichen die tiefste Stelle, mehr geht heute nicht da die Stromversorgung mit den 40 Akkumulatoren nachlässt. Die sind gut für maximal sieben Stunden Tauchfahrt, es ist heute aber nicht die erste. Und sie halten nur neun Monate, müssen dann komplett ausgetauscht werden. Wir sind auf 854 Fuß Tiefe, rund 261 m. Ausgelegt ist das U-Boot bis 450 m, zugelassen bis 1000 Fuß, 305 m.
Es geht langsam wieder hoch, zu dem Höhepunkt dieser Fahrt, dem Wrack eines vor 20 Jahren versenkten Frachters, der Stella Maris. Er misst 98 Meter Länge und hat 18 Meter Breite. Eigentlich sollte er für Taucher als Tauchspot und für Korallen und Fische als künstliches Riff dienen und in etwa 30 Meter Tiefe liegen. Nur überlegte er sich es anders und rollte einen Unterwasser-Hang hinunter. Liegt deshalb jetzt auf der Seite in einer Tiefe von rund 140 m. Also unerreichbar für Taucher, nicht aber für ein U-Boot.

Ein Clip auf YouTube mit der Vorbeifahrt am Wrack der Stella Maris.

Es ist schon faszinierend, an dem Frachter vorbei zu gleiten, die Schraube starrt in den Himmel, Aufbauten wie Winden und Masten kreuz und quer durcheinander. Alles erobert die Natur zurück, sprich Pflanzen und Tiere, der Rost bildet bizarre Skulpturen. Ein einmaliger Erlebnis.


Wieder hoch geht es an einer Riffkante entlang, und je höher wir kommen, desto mehr nimmt die Tierwelt zu. Zahlreiche bunte Fische die um Korallen herum schwimmen oder große Fischschwärme lassen sich beobachten. Bis zu einer Wassertiefe von etwa 50 Metern tobt noch das Leben, darunter war es deutlich ruhiger, lebensfeindlicher. Eine eigene Welt. Man fühlt sich wie ein Entdecker, wenn man es natürlich auch nicht ist. Nach zwei Stunden war alles wieder vorbei. Der Rücken dankt´s, der Rest nicht. Jedenfalls ist es ein einmaliges Erlebnis.

Den Fischen auf der Spur

Strandtage bieten sich natürlich zum Schnorcheln an.Und es ist immer wieder einfach fantastisch. Etwas weiter draußen im Meer an der Steilkante, wo die Insel zur Tiefsee abfällt, habe ich wunderbare Riffe entdeckt. Zwar muss man für die Aufnahmen dort tiefer tauchen, aber die acht bis zehn Meter schaffe ich auch beim Schnorcheln – ohne ärztliche Freigabe. Hier konnte ich wieder einige wunderbare Videoszenen mit Nahaufnahmen von Fischen machen, ganzen Schwärmen folgen – teilweise mehrere Minuten und schöne Korallen einfangen. Erwischt habe ich auch zwei Flötenfische. Zudem fielen einige Fotos ab, auch wenn heute der Fokus auf Videoaufnahmen lag. War heute eigentlich der beste Schnorcheltag.

Das Auge Curacaos

Abgelegen, ganz im westlichen Teil Curacaos und erst nach einigen Kilometern Piste erreichbar ist das Watamula Hole, ein Loch im Boden nahe der Klippen, in dem das Meereswasser rauscht – man nennt es das Auge Curacaos. Hier an der Küste zeigt sich die raue karibische See, das Meer ist keineswegs zahm und lädt nicht zum Baden ein. Kräftige Wellen wogen an die Klippen, die Gischt spritzt meterhoch in die Luft. Der Boden ist sehr scharfkantig, gutes Schuhwerk ist geboten. Zieht sich das Wasser zurück, hört man ein sanftes Rauschen, man vergleicht es mit dem Atem eines Riesen. Der Legende nach ist es der Atem von Mama Baranka, der Mutter Erde. Sie schläft seelenruhing, während um sie herum das Meer tobt.

Das Auge Curacaos aus der Luft…

Der Name des mystischen Ortes kommt übrigens von einer Mühle, die einst hier stand. Watamula bedeutet auf Papiamentu schlicht Windmühle.

…und etwas näher

Das Resumee

Aruba und Curacao, zwei nahe beieinander liegende Inseln, beide gehören zum niederländischen Reich, sind dennoch sehr unterschiedlich. Die kleinere Arbuba lebt fast ausschließlich vom Tourismus, gefühlt ist die halbe Insel von feinen, weißen Sandstränden umgeben. Ein Paradies für alle Arten von Wassersport, hier leben sehr nette Menschen, gastfreundlich, geprägt von der Kolonialgeschichte. Das Essen ist vorzüglich, das Preisniveau hoch. Karibik pur. Ideal für Menschen, die sich vor allem an und im Wasser aufhalten wollen. Die Insel selber bietet auch einige Sehenswürdigkeiten, deswegen kommt man aber nicht hier her.

Palm Beach, Aruba


Curacao ist größer, etwas weniger vom Tourismus abhängig. Ist man mit dem Auto auf der Insel unterwegs, fällt schon der erste Unterschied auf. In Aruba fährt man defensiv, hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, ist rücksichtsvoll, alles sehr relaxt. Curacao ist dagegen eher wie Deutschland. An die Geschwindigkeit hält sich hier kaum jemand, es wird gehupt und überholt – auch bei Gegenverkehr, einfädeln lassen gibt es nicht, Ellbogen ist erforderlich.
Was auch auf den ersten Blick auffällt, die Insel ist viel grüner, überzogen mit Buschwerk und Sukkulenten. Landschaftlich bietet Curacao mehr, Nationalparks mit „Bergen“, viele Steilküsten, es gibt einfach viel mehr mögliche Aktivitäten an Land. Und die Menschen sind auch recht freundlich (außer auf der Straße). Auch gibt es wunderbare karibische Strände, die sind jedoch meist in den Steilküsten eingebettet, also deutlich kleiner. Und besonders an den Wochenenden recht voll. Es geht enger zu als in Aruba. Auch zahlt man immer wieder einige Dollar um an die Strände zu kommen, als Tourist, ohne zu wissen was einen erwartet. Das Essen ist meist ebenfalls vorzüglich und etwas günstiger als in Aruba. Auch Curacaos Hauptstadt Willemstad ist attraktiver als Oranjestad auf Aruba, bietet schlicht viel mehr zum Shoppen und museal.

Unterwasserwelt – Curacao


Für mich das Besondere, Schnorcheln und Tauchen. Hier auf Curacao braucht man eigentlich nur vom Strand los schwimmen und ist sofort an wunderbaren Riffen um die Unterwasserwelt zu erkunden. Auf Aruba ist meist ein Boot erforderlich, dass einen herausbringt. Dafür sind auf Aruba andere Wassersportarten einfacher zu realisieren.
Egal, Aruba und Curacao sind beide eine Reise wert. Relaxen, Erholen, Baden, Wassersport, dafür steht Aruba, Sightseeing, Erkundungstouren und besonders Schnorcheln, dafür steht Curacao. So jedenfalls unsere Erfahrung in drei Wochen, natürlich sehr subjektiv.

Hier geht es zu Teil Eins mit dem Bericht über Aruba

Quelle: eigene Erfahrungen, Intenetrecherche, Bilder alle eigene, Ausnahme U-Boot Außenaufnahmen durch Substation-Crew

Trailer Kuba – Von Havanna im Westen bis Baracoa im Osten

Traumstrände, Tabakplantagen und Rum, dafür steht Kuba. Aber auch für Revolution, Fidel Castro und Che Guevara. Die Menschen versprühen viel Lebensfreude, trotz der wirtschaftlichen Probleme. Ihre gute Laune lassen sie sich nicht verderben. Was sie wirklich von ihrer Regierung, dem Sozialismus und seiner Zukunft halten, das bekommen wir als Besucher nicht mit – offiziell. Viele Kubaner spiegeln uns einfach unsere Meinung wider. Warum auch nicht. Will er doch soviel Trinkgeld wie möglich heraus leiern. Dass er auch dringend benötigt. Von den offiziellen Löhnen kann man kaum leben. Und schon gar keine Familie ernähren. Deswegen des Kubaners Meinungsflexibilität. Revolutionsnostalgiker mit Che-T-Shirt? Schön. Schon ist er der tapferste aller Revolutionäre. Kritiker der schwierigen Lebensumstände? Ja, auch er leidet, kein Geld, keine Medikamente, keine Kleider für die Kinder. Auch nicht einfach bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 25 bis 30 Euro. Mit seiner wirklichen Meinung hält er meist hinterm Berg, auf jeden Fall, wenn jemand mitthören könnte. Hinter verschlossenen Türen oder im Auto ist er manchmal etwas offenherziger.

Kuba ist aber noch viel mehr, ist vielseitig. Der touristisch geprägte Westen mit Havanna und Trinidad sowie etwas zu unrecht im Schatten der beiden Zentren stehenden Stadt Cienfuegos. Die Region um Santiago de Cuba, der Perle des Südens. Und der wenig besuchte Osten mit seinen tropischen Landschaften, den Regionen um Guantanamo, Holguin und Baracoa. Hier ist Kuba noch Kuba, kaum von Besuchern beeinflusst

Reiseroute und besuchte Orte: Havanna, Vinales, Las Terrazas, Cienfuegos, Trinidad, Sancti Spiritus, Camagüey, Las Tunas, Bayamo, Santiago de Cuba, Guantanamo, Baracoa, Holguin, Playa Esperanza.

Der Trailer zum Kuba-Film. Der Film selbst ist 82 Minuten lang und auf Deutsch kommentiert, es gibt ihn als DVD oder BluRay.

Auf meinem YouTube Kanal finden sich zudem längere Ausschnitte des Filmes mit englischen Kommentaren.

Die Kuba-Reise als BluRay oder DVD

Die quer durch das land führende Kubareise ist jetzt in meinem Shop zu erhalten. Der 82-minütige Film zeigt die Reise beginnend in Havanna und führt den Zuschaer dann bis in das ursprüngliche Kuba nach Baracoa ganz im Osten. Viel Informatives erwartet den Zuschauer. Den Film gibt es als DVD oder hochauflösend als BluRay.

Hier gibt es einen kurzenTrailer auf YouTube mit Ausschnitten vom Film. Auf meinem Kanal finden sich fünf weitere längere Ausschnitte jedoch mit englischen statt deutschen Kommentaren.

Reisebericht Kuba ist fertig

Unterwegs auf Kuba auf- und abseits touristische Pfade – Von Havanna im Westen bis Baracoa im Osten

Auch zum Baden geeignet, jedenfalls der Naturpool am Fuße des Wasserfalles

Traumstrände, Tabakplantagen und Rum, dafür steht Kuba. Aber auch für Revolution, Fidel Castro und Che Guevara. Die Menschen versprühen viel Lebensfreude, trotz der wirtschaftlichen Probleme. Ihre gute Laune lassen sie sich nicht verderben. Was sie wirklich von ihrer Regierung, dem Sozialismus und seiner Zukunft halten, das bekommen wir als Besucher nicht mit – offiziell. Viele Kubaner spiegeln uns einfach unsere Meinung wider. Revolutionsnostalgiker mit Che-T-Shirt? Schön. Schon ist er der tapferste aller Revolutionäre. Kritiker der schwierigen Lebensumstände? Ja, auch er leidet, kein Geld, keine Medikamente, keine Kleider für die Kinder. Kuba ist aber noch viel mehr. Und das findet sich in dem ausführlichen zweiteiligen Reisebericht.

Hier finden sich gleich die schönsten Fotos, ersetzen den Reisebericht natürlich nicht.

Allgegenwärtig, nicht nur in Havanna. Die meisten stammen aus den 50er-Jahren

 

Kuba, Teil II – Trinidad bis Baracoa

Kuba 2019 – Unterwegs auf und
abseits touristischer Pfade

Einmal quer durch das Land – von touristischen Ecken bis zum ursprünglichen Kuba

Teil II von Trinidad bis Baracoa und dem Abstecher zur Playa Esmeralda, Hier geht es zu Teil I von Havanna bis nach Trinidad

Weiter ging es Richtung Osten, das nächste größere Ziel hieß Santiago de Cuba. Auf dem Weg dorthin liegt Camagüey, hier machten wir für eine Nacht einen Zwischenstopp, ist die gesamte Strecke bis Santiago für einen Tag doch zu lang, zudem gibt es immer wieder interessante Punkte, die einen etwas längeren Stopp lohnen. Dazu gehört etwa die Stadt Sancti Spiritus. Die Hauptstadt des gleichnamigen Distrikts liegt im Schatten von Trinidad, wird recht selten besucht. Deswegen ist eine durch und durch kubanische Stadt, die auch einiges zu bieten hat. Sie gehört zu den sieben Gründungsstädten Kubas (gegr. 1514), ist mithin eine der ältesten des Landes. Wäre eigentlich mehr als den etwa zweistündigen Stopp wert gewesen.

Auch Sancti Spiritus wurde immer mal wieder von englischen und französischen Korsaren gebrandschatzt, war es doch eine reiche Stadt. Den Reichtum erlangte Sancti Spiritus wie so manche Stadt auf Kuba durch Zuckerrohranbau unter Ausbeutung afrikanischer Sklaven. Das Stadtzentrum weist einen kolonialzeitlichen Charakter auf, schön ist ein Bummel durch die Stadt allemal. Zumal sie kaum von touristischen Einflüssen cerändert wurde.

BiCi-Taxis in Camagüey

Am späten Nachmittag erreichten wir dann Camagüey, die drittgrößte Stadt des Landes. Sie beeindruckt insbesondere durch ihren noch vorhandenen kolonialen Charme. Es reichte noch für eine Stadtführung auf Bici-Taxis, Fahrradtaxen. Die Hochburg des Katholizismus bietet eine der besterhaltenen historischen Zentren und ist seit 2008 Weltkulturerbe. Als eine der wenigen Städte Kubas ist Camagüey nicht als Schachbrettmuster angelegt, sondern unregelmäßig. Damit wollte man die Piraten verwirren, die die Stadt mehrmals heimsuchten und sogar zur zweimaligen Verlegung derselben zwangen. Viel half das aber nicht.

Bildergalerie Sancti Spiritus und Camagüey

Bayamo und Basilika El Cobre

Der nächste Tag führte uns über Bayamo und die Basilika El Cobre nach Santiago de Cuba. Eine lange Strecke. Der erste Stopp erfolgte in Las Tunas, und zwar zu einem Kaffee bei der Mutter unseres Guides. Er ist in dieser Stadt aufgewachsen. Erichs Mutter war Lehrerin, bekommt heute umgerechnet 18 Euro Monatsrente. Ohne Unterstützung durch den Sohn und Onkel wäre das mehr als schwer.

Nach etwa einer Stunde ging es weiter nach Bayamao. Der große zentrale Platz in der Stadt wirkte wie ausgestorben. Kein Wunder, fehlen hier die schattenspenden Bäume, der Platz wurde erst kürzlich umgestaltet. Um die Mittagszeit stieg die Temperatur in der Sonne auf deutlich über 40° Celsius, und das bei der hohen Luftfeuchtigkeit. Wir schauten uns einige geschichtsträchtige Gebäude an, bummelten kurz dem Boulevard entlang. Dann ging es weiter, es war einfach zu heiß und wir hatten ja schon einige Städte erkundet.

Bildergalerie Bayamao und Fahrt

Kurz vor unserem Ziel noch ein Besuch der Basilica El Cobre, Kubas Zentrum des Katholizismus. Hier findet sich die wichtigste religiöse Kultfigur Kubas. Die 1608 in rauer See entdeckte schwarze Marienfigur sorgte für mehrere Wunder, bekam Heilkräfte zugesprochen und wurde 1916 von Papst Benedikt XV zur Schutzheiligen Kubas erklärt. Auch der deutsche Papst Benedikt XVI und der aktuelle Franziskus besuchten sie schon.

Basilica El Cobre, Kubas Zentrum des Katholizismus

Bildergalerie Fahrt und Basilica El Cobre

Santiago de Cuba

Am späten Nachmittag erreichten wir Santiago de Cuba, aßen in unserer Casa im Garten vorzüglich. Der nächste Tag stand dann ganz im Zeichen der heimlichen Hauptstadt. Denn als solche sehen sich die Bewohner, mögen Havanna und die dort lebenden Menschen anscheinend nicht so sehr. Auf jeden Fall ist man Hauptstadt des Karnevals, das liegt an dem afroamerikanischen Erbe, das hier sehr verbreitet ist. Natürlich stand ein Besuch des Militärkomplexes Cuartel Moncada mit dem Revolutionsmuseum an, einer der heiligen Schreine der kubanischen Geschichte.

Am zentralen Platz in Santiago de Cuba – Blick auf die Kirche

Es folgte die Altstadt, man merkt schnell, warum Santiago als die hügeligste Hafenstadt der Welt bezeichnet wird. Deswegen fehlen auch die Pferdekutschen als Taxis, sie werden (illegalerweise) durch Motorräder ersetzt, was aber keinen interessiert.

Bildergalerie Santiago de Cuba

Ein Höhepunkt der Stadt ist sicherlich der Cementerio Santa Ifigenia, der Friedhof. Hier liegt alles was Rang und Namen hat. Darunter José Marti, der geistige Führer der Unabhängigkeitsbewegungen sowohl gegen die Spanier als auch posthum gegen Diktator Batista. Ein monumentales, 22 m hohes Mausoleum hat man für ihn errichtet, in der offen einsehbaren Krypta finden sich seine Gebeine. Alle 30 Minuten findet tagsüber ihn zu Ehren die Zeremonie der Wachablösung statt. Ansonsten sind hier viele Generäle der Revolution, alle beim Angriff auf die Moncada-Kaserne Gefallenen, aber auch Emilio-Bacardi aus der Rum-Dynastie oder Buena-Vista-Legende Compay Segundo begraben. Natürlich wurde hier auch Fidel Castro bestattet, in einem auf eigenen Wunsch relativ schlichten Grab. Für mich einer der schönsten Friedhöfe, die ich bis dato besucht habe. Das waren nicht wenige.

Wachwechsel tagsüber alle 30 Minuten zu Ehren von Jose marti

Bildergalerie Cementerio Santa Ifigenia

Am früheren Nachmittag ging es die rund 10 Kilometer raus aus der Stadt zum Castillo de San Pedro del Morro, einer auf einem Kalkfelsen thronenden Festung aus dem 17. Jahrhundert. Sie zählte einst zu den sichersten der neuen Welt, ist Weltkulturerbe der Unesco. Rund 170 Treppenstufen – in der Sonne – führen fast bis zum Meer herunter, nur die muss man bei der abartigen Hitze auch wieder hoch. Habe es aber überlebt.

Bildergalerie Castillo de San Pedro del Morro

Zu guter Letzt besuchten wir noch ein Herbarium eines auf Farne und Orchideen spezialisierten Biologen. Er baute den privaten Garten rund um sein Haus seit mehr als 50 Jahren auf, dieser hat heute internationale Bedeutung und ist Teil der Universität. Fehlt dennoch in jedem Reiseführer. Über 400 Farnarten und 330 Orchideen finden sich hier, darunter sehr seltene. Der Institutsleiter Dr. Calzado ließ es sich nicht nehmen, uns beide selbst zu führen.

Bildergalerie Herbarium Dr. Calzado

Fahrt nach Baracoa und Stadt

Unser nächstes Ziel, Baracoa, lag weit im Osten der Insel. Wir nahmen die Küstenstraße, fuhren durch die Provinz Guantanamo und die gleichnamige Stadt, versuchten die Basis der Amerikaner aus der Ferne auszumachen. Gepachtet seit 1903 für 99 Jahre Nutzung kündigte Kuba den Vertrag schon länger. Da gibt es aber einen Haken. Beide Vertragspartner müssen die Kündigung akzeptieren, was die Amerikaner nicht machen. Also bleibt er bestehen, auf unbestimmte Zeit. Bekannt ist die Guantamo Bay Naval Base durch das Gefangenenlager. Wer mehr wissen will, den verweise ich hier auf Wikipedia.

Es folgte ein Abstecher an den östlichsten Punkt Kubas (Punta de Maisi) und ein Halt an einem wunderschönen Canyon (Boca de Yumuri) bevor wir Baracoa erreichten. Auffallend war, dass die Küste im Osten eher einer Halbwüste gleicht, ist landschaftlich völlig unterschiedlich zu weiten Teilen Kubas.  Für den wenigen Regen ist eine direkt an der Küste liegende Bergkette verantwortlich. Wenige Kilometer weiter im Landesinneren hat man dann wieder eine wunderschöne tropische Bergwelt.

Inmitten der üppigen Tropenlandschaft direkt an einer Bucht gelegen liegt Baracoa. Die älteste Stadt Kubas, deswegen auch Primera Villa genannt, gehört mit zu den sieben Gründungsstädten des Landes. Kolumbus machte hier seinen zweiten Landgang in der neuen Welt. Doch die Geschichte reicht viel weiter. Schon 500 v. Christus lebten hier Indianer, es war einst deren Hauptansiedlungsgebiet. Für kurze Zeit, für vier Jahre war Baracoa auch die Hauptstadt Kubas, bevor Santiago de Cuba die Rolle übernahm.

40-Kuba-2019-Barracoa-1464Besonders erwähnenswert. Hier in Baracoa findet sich das einzig erhaltene Kreuz (von 29), die Christoph Columbus bei seinen ersten Landgängen in der neuen Welt in die Erde steckte. Es findet sich ganz unscheinbar in einer Ecke in der Kirche am zentralen Platz. An der ursprünglichen Stelle steht eine Kopie. Radiocarbonmethoden bestätigten das Alter.

Bildergalerie Fahrt Barracoa und Stadt

Die Landschaft rund um Baracoa

Unsere Tour nähert sich dem Ende. Zuvor waren wir noch in der tropischen Landschaft um Baracoa unterwegs und besuchten eine staatliche Kakaoplantage. Hier wurden der Anbau und die manuelle Verarbeitung sehr gut durch einen Führer erklärt. Auch wieder nur für uns beide. Die Reisezeit ist eigentlich ideal, wenn nur die hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit nicht wären. Aber im Schatten einer Plantage ist es besser auszuhalten. Natürlich wurde auch noch Kakao (mit Kokosnussmilch) gekostet und auch einiges mitgenommen. Handgefertigt, eine Kugel zum Abschaben, etwa 300 bis 400 g, umgerechnet jeweils etwa 1,80 Euro. Mussten mehrere mit.

Auch ging es mit dem Ruderboot auf eine Insel am Fluss Toa, hier leben Bauern ganz ursprünglich. Wie viele Menschen im Osten. Ein örtlicher Kundiger begleitete uns die insgesamt etwa drei Stunden lange Bootsfahrt und Wanderung, erklärte Lebensweise und Pflanzen. Wir luden ihn und unseren Fahrer anschließend noch zu einem Flusskrebsessen ein. Flusskrebse aus dem Toa gibt es nicht immer. Ich denke, das Foto sagt alles. Zusammen für vier Personen mit Getränken knapp 20 Euro.

Bildergalerie Region um Barracoa

Playa Esmeralda

Über eine halben Tag Fahrtzeit  benötigten wir mit dem Auto bis zu unserer letzten Unterkunft, ausnahmsweise ein Hotel. Die Fahrt ging dabei durch die Region um die Stadt Moa, etwas, was man nicht unbedingt benötigt. Der Abbau von Nickel hat die Natur hier fast zerstört, man findet eher eine verwüstete Mondlandschaft. Halden und Spülkippen prägen das Gebiet. Umweltschutz ist hier kein Thema. Zwar werden die Mitarbeiter der Fabriken jährlich untersucht, die hier lebenden Menschen aber nicht. Verbesserung soll der Neubau von Aufbereitungsanlagen durch ein Joint Venture mit Kanadiern bringen, die hier auch eine Nickelfabrik betreiben. Eine weitere große läuft zudem unter der Regie der Kubaner, andere sind Ruinen, die nie fertig gestellt wurden. Das verhinderte der Zusammenbruch der Sowjetunion. Fotografieren ist hier überall streng verboten. Könnte Industriespionage sein. Ist aber sicherlich der Umweltschäden wegen.

Kurz nach Moa gewinnt aber die Natur und das normale Kuba wieder die Oberhand. Über Holguin erreichten wir dann drei Stunden später unser Hotel an der Playa Esmeralda. Eine Fahrstunde von der Provinzhauptstadt entfernt.  Ein sehr luxuriöses Hotel mit allem was man sich vorstellen kann, geht auch im Sozialismus. Der Komplex ist meines Wissens nach Teil einer Firma, die dem Militär gehört. Das ist der größte Tourismusbetreiber Kubas. Deswegen die aktuellen, durch Trump wieder verschärften Reaktionen der Amerikaner, die den Tourismus hier treffen wollen, und damit das Militär. Leiden wird aber nur die Bevölkerung. Aber das ist Politik, anderes Thema. Generell wäre es gut, wenn der Sozialismus sich hier weiter öffnet, in Richtung soziale Marktwirtschaft. Genauso schlecht wäre aber eine komplette Öffnung in Richtung Kapitalismus westlicher Prägung. Das wäre der Untergang des schönen Landes. 

Zurück zur Playa Esmeralda: Die Anlage liegt direkt am weißen Strand mit Kokospalmen – Karibik pur. Entspannung ist angesagt, das Erlebte Resümee passieren lassen, Bilder und Filmmaterial sichten, lesen, den Strand und das gute Essen und Trinken genießen. Auch mal eine kubanische Zigarre. Und die Ruhe. Juni ist Nebensaison, wie geschrieben. Im Juli und August ist es noch heißer, dann machen aber die Kubaner Urlaub. Es sind Schulferien. Auch so lässt es sich in Kuba leben. Hier bleiben wir bis zum Rückflug noch zwei Tage. Ein dritter wäre auch nicht schlecht gewesen.

Bildergalerie Fahrt und Playa Esmeralda

Hier geht es zu Teil I von Havana über Vinales nach Trinidad

Quellen: Eigene Erlebnisse, Gespräche mit Kubanern, Internetrecherche

Mexiko Januar 2012

Von Wüsten, Menschen und sanften Riesen

Der Nordwesten mit dem Barranca del Cobre, dem Kupfercanyon, und der Baja California, wenig besuchte Regionen Mexikos. Hier finden sich keine Ruinen der Azteken oder Mayas, sondern grandiose Landschaften, zerklüftete Berge, gähnende Abgründe, Wüsten in ihrer ganzen Vielfalt mit riesigen Kakteen und – zwischen Mitte Dezember und Anfang Mai – zahlreiche Grauwale, die sich aus nächster Nähe beobachten lassen. Hinkommen lässt sich mit dem Chepe, der Eisenbahn. Sie führt durch ein 3000 m hohes Gebirge auf einer, wie es heißt, der schönsten und spektakulärsten Eisenbahnstrecken der Welt.
Zum Herunterladen, der Reisebericht Mexiko 2012 und hier geht es zum kurzen Trailer vom Film (2.00min.)

 

Unsere Route:
Von der Stadt Chihuahua aus im Norden zentral gelegen geht es mit dem Zug in vier Tagen bis nach El Fuerte im Nordwesten, unterbrochen von Stopps in Creel, Posada Barrancas und Cerocahui. Auf El Fuerte folgt Topolobampo, von dort aus geht es mit der Fähre über Nacht nach La Paz auf der Baja California. Besucht werden von La Paz aus kleinere Ortschaften wie El Triunfo, San Antonio und López Mateos. Hier geht es erstmals zur Walbeobachtung raus aufs Meer. Besichtigt werden u. a. Loreto, die Minenstadt Santa Rosalía und San Ignacio sowie einige kleinere Ortschaften mit alten Missionen (Kirchen). Von San Ignacio aus ging es zu einer weiteren Walexkursion. Besucht wurde zudem die Salzgewinnungsanlage von Guerrero Negro, am Pier werden ebenfalls Bootstouren zu den Grauwalen angeboten. Zurück in La Paz folgte ein Abstecher mit dem Boot zu der unbewohnten Insel Espíritu Santo. Alles in allem 18 Tage Kupfercanyon und Baja California – der Norden Mexikos pur.

Zum Stöbern und surfen, die Linkliste zu Nordmexiko.

Zur Bildergalerie der – subjektiv betrachtet – schönsten Aufnahmen der Reise, eine kleine Auswahl

Chihuahua bis El Fuerte mit dem Chepe

Trockener, sandiger Ort, so lässt sich Chihuahua (gesprochen Chiwawa) in etwa übersetzen. Die Hauptstadt des gleichnamigen Bundesstaates mit rund 750.000 Einwohnern ist unser Ausgangspunkt für die Tour in den Nordwesten Mexikos. Und wie der Name schon sagt, liegt sie mitten in der Wüste in einer Oase. Touristisch bietet die Stadt nicht allzu viel, einzig einige Bauwerke aus dem 18. Jahrhundert lohnen eine Besichtigung und das Museum La Quinta Luz, gewidmet dem mexikanischen Volkshelden Pancho Villa, der hier seinen Wohnsitz hatte.
In der Umgebung finden sich zahlreiche Minen, auch ist die Stadt durch die Nähe zur Grenze der Vereinigten Staaten eine Metropole, in der sich mexikanische Sitten und Gebräuche mit den nordamerikanischen mischen. Leider kämpft Chihuahua auch mit den Problemen des Drogenhandels, eben wegen der Nähe zu den USA. Als Besucher bekamen wir davon jedoch nichts mit.

Bildergalerie über Chihuahua

Besuchenswert ist die Kathedrale, ein meisterhaftes Gebäude aus rosafarbenem Stein. Der Bau dauerte über 100 Jahre. Im Zentrum gelegen ist auch der Gouverneurspalast, ein Bauwerk im neoklassischen Stil. Hier lässt sich die Gefängniszelle des Paters Miguel Hidalgo besichtigen, dem Gründervater Mexikos, der 1811 im Patio des Regierungspalastes erschossen wurde. Besuchen sollte man zudem das Museum La Quinta Luz zu Ehren des Nationalhelden Francisco Pancho Villa, der die berüchtigte Division Norte anführte und Chihuahua zur Wiege der mexikanischen Revolution machte.
Hat man genügend Zeit, lässt sich auch der archäologische Komplex von Paquimé besuchen, einem der wichtigsten vorspanischen Fundstellen von Mexiko mit rund 50, bis zu dreistöckigen Gebäuden. Sehenswert sind zudem die Kupfermienen, die im Tagebau abgebaut wurden. Die ausgehobenen Täler sollen größer sein als der Grand Canyon und die Halden bis zu 300 m hoch. Diese Zeit hatten wir jedoch nicht.

El Chepe
Wir machten uns gleich an nächsten Tag mit dem Zug Richtung Pazifik auf, dem Chihuahua al Pacifico, kurz Chepe genannt. Die streckenweise spektakuläre Zugstrecke schlängelt sich über Ebenen und durch die Felsen der Sierra Madre, entlang tiefer Schluchten, überquert 175 kleinere und größere Brücken, durchquert 86 Tunnels – mit bis zu 1838 m Länge – und bewältigt einen Höhenunterschied von 2400 m. Zugleich durchfährt man unterschiedliche Vegetationszonen, etwa kühle Bergwelten und Landschaften voll von Kakteen oder auch die Pazifikküste mit ihrem subtropischen Klima.

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CreelZuerst ging es rund fünf Stunden mit dem Chepe über eine Strecke von knapp 300 Kilometer nach Creel. An sich ein unspektakulärer Ort, bewohnt von vielen Holzfällern und ab und an besucht von Touristen, die zum Wandern hierher kommen. Im Winter kann es hier schneien, und auch die Null Grad Grenze wird an manchen Tagen unterschritten. Von hier aus lassen sich zahlreiche Ausflüge in die Sierra Tarahumara zu Wasserfällen, Höhlen, Aussichtspunkten und dem Arareco-See machen. Wir entschieden uns für eine Tour in das Tal der Pilzköpfe, Felsformationen, die eben Pilzen gleichen. Und zum Besuch einer Rarámuri-Wohnhöhle. Die indigene Ethnie lebt im Norden Mexikos, auch als Tarahumara bezeichnet. Bekannt sind sie für ihre Langstreckenläufe durch Wüsten, Schluchten und Berge, Rarámuri bedeutet in ihrer Sprache „jene, die schnell laufen“. Ob zur Jagd oder bei Wettrennen, sie können 170 km laufen ohne anzuhalten.

Auch heute noch leben sie sehr isoliert, bewahren ihre Traditionen. Viele bewohnen immer noch Höhlen und bauen Mais und Bohnen an, leben sehr ärmlich und sind von der Regierung in Mexiko-City fast vergessen. Zwischen 50.000 und 70.000 sollen hier noch leben, so genau weiß man es nicht. Man trifft sie in der Nähe von Creel an. Auffallend ist die Kleidung. Frauen tragen voluminöse Faltenröcke undBlusen aus gemusterten farbenfrohen Stoffen. Die sind bei den Männern unifarben, kombiniert mit Lendenhosen. Am Fuß tragen sie Sandalen mit Lederbändern.

Von Creel aus besuchten wir auch eine Jesuitenmission in Cusaráre. Der Name bedeutet „wo die Adler fliegen“. Die Jesuiten kamen mit den Spaniern Ende des 16. Jahrhunderts in das Land, die Kirche wurde 1741 errichtet. Früher war sie deutlich kleiner, ihr heutiges Aussehen bekam sie bei einem Umbau 1826. Hier finden sich zwölf Gemälde von 1713, gemalt vom mexikanischen Künstler Miguel Correa. Entdeckt wurden die Bilder erst 1969 in sehr schlechtem Zustand, als der Glockenturm einstürzte.

Von hier aus lässt sich zudem ein 33 m hoher Wasserfall besuchen, nahe der Siedlung der Rarámuri-Indianer. Zu erreichen ist er auf einer etwa 3,5 km langen Wanderung auf einem alten Rarámuri-Pfad. Auf der Rückfahrt nach Creel bot sich ein kurzer Stopp am Lago Arareco an.

Am nächsten Morgen ging es dann nach einem Stadtbummel weiter mit dem Zug in etwa zwei Stunden nach Posada Barrancas. Kein Ort, sondern eher ein Aussichtspunkt, für den die Bahn einen extra Halt eingerichtet hat, und ein paar traumhaft gelegene Hotels. Oben am Berg, vom Zimmer aus, ein fantastischer Ausblick auf drei der neun Schluchten des Barranca del Cobre. Kaum zu beschreiben, man muss schon dort gewesen sein.

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Die Kupferschlucht

Posada Barrancas ist Ausgangspunkt für einige Exkursionen in den Barranca del Cobre, der Kupferschlucht. Der Name leitet sich vom kupferfarbenen Gestein ab, das es annimmt, wenn es geregnet hat und alles nass ist. Mit einer Fläche von 25.000 bis 30.000 km2, einem 600 km langen Schluchtensystem und bis zu 1800 m tiefen Canyons handelt es sich um einen der größten Nordamerikas. Sechs Flüsse formten die neun größeren Canyons. Man vergleicht ihn mit dem Grand Canyon. Dabei ist er doppelt so groß als sein nordamerikanisches Gegenstück. Zugleich ist er ein Naturparadies und Siedlungsgebiet der verstreut lebenden Tarahumaras. Von den Hotels aus lassen sich auch einige Familien besuchen, die ihr Handwerk anbieten. Besonders erwähnenswert, aus Nadeln von Pinien geflochtene Gefäße. Der Lohn für eine eintägige Arbeit: rund 20 Peso (1,20 €).

Rund 290 Vogelarten tummeln sich in der Region und über 3500 unterschiedliche Pflanzen sind hier zu finden, darunter 400 mit medizinischer Wirkung. Fünf Klimazonen sorgen für diese Vielfalt. Auch Tiere lassen sich beobachten, so kann man in den Steilhängen auf Pumas, Coyoten, Bären, Füchse, Wölfe und Wild treffen, wenn man denn Glück hat und ausreichend Zeit für Wanderungen.

In der Kupferschlucht lassen sich ein- und mehrtägige Touren unternehmen. Die sind jedoch nicht zu unterschätzen, ist die Landschaft doch Wildnis pur. Außerdem werden in abgelegenen Gegenden Drogen angebaut, und diese Orte sollte man doch besser meiden. Also heißt es, sich gut zu informieren oder man setzt gleich auf einen ortskundigen Führer.

Empfehlenswert ist die Seilbahnfahrt zum Aussichtspunkt im Herzen der Kupferschluchten mit einem guten Blick auf den Río Urique. Der erste Abschnitt des Seilbahn-Systems hat eine Länge von 2.750 m und wurde 2010 fertig gestellt. Später einmal soll sie in zwei Abschnitten auf 5500 m Länge kommen. Die Fahrt vom Piedra Volada aus bietet gute Aussichten in das umliegende Canyon-System. Wanderwege auf alten Rarámuri-Pfaden runden das Erlebnis ab.

Um 13 Uhr ging es dann mit dem Zug weiter nach Bahuichivo, etwa 90 Minuten dauert die Fahrt. Gelegenheit, die Landschaft in aller Ruhe vom Sessel aus zu beobachten. Nach unserer Ankunft erreichten wir das vom Bahnhof etwa noch 30 Autominuten entfernte Ziel Cerocahui. In der Stadt mit etwa 3000 Einwohnern lässt sich eine alte Missionskirche in der Sierra Madre besuchen. 1680 durch den Jesuitenpater Juan María de Salvatierra gegründet, verfiel die Mission über die Jahrhunderte, wurde aber in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts unter Leitung von Padre Andrés Lara restauriert. Dieser energische Padre entwickelte viel Tatkraft, um den Bewohnern der Region das harte Leben erträglicher zu machen.

mexiko-2012-tag-04-cerocahui-0518Direkt gegenüber besuchten wir noch eine der viel zu seltenen privaten Mädcheninternate Nordmexikos, in dem die Töchter der Tarahumara die Möglichkeit haben, eine Schule zu besuchen und etwas von ihrer Kindheit zu erleben. Derzeit sechs Nonnen kümmern sich liebevoll um die 86 Mädchen, hier gehen sie in die Grundschule, lernen Wichtiges fürs Leben, etwa Kochen, Nähen und Disziplin. Die private Schule lebt von Spenden, der Unterstützung durch die Stadt und der Kirche. Hilfreich sind auch die wenigen, herzlich empfangenen Besucher, welche die Schule mit einer kleinen Spende unterstützen. Nur etwa ein Drittel der Tarahumara-Kinder hat überhaupt die Möglichkeit, eine staatliche oder privat finanzierte Schule zu besuchen, trotz Schulpflicht. Üblicherweise bekommen sie mit 14, 15 ihr erstes Kind und heiraten, wenn überhaupt.

Cerocahui ist auch Ausgangspunkt für eine Fahrt zum Aussichtspunkt Cerro del Gallego. Für die Strecke auf einer Naturpiste sollte man genügend Zeit einplanen, man schafft etwa 25 km pro Stunde. Der Blick in die Tiefe der Urique-Schlucht auf das etwa 1800 m tiefer liegende gleichnamige Städtchen ist beeindruckend, etwas für Schwindelfreie. Dort machten wir auch eine kurze Wanderung durch eine wirklich schöne Gegend. Leider war die Zeit etwas knapp bemessen, mussten wir doch zurück, um rechtzeitig den Zug zu erreichen. Der dann eine Stunde Verspätung hatte.

Bildergalerie Fahrt bis Posada Barrancas

Weiter mit dem Chepe erreichen wir etwa vier Stunden später bei Dunkelheit die Endstation, El Fuerte – für uns jedenfalls, der Zug fährt noch einige Kilometer bis Los Moches. Historisch gesehen ist El Fuerte, 1563 durch den Spanier Francisco de Ibarra gegründet, eine der wichtigsten Städte im Norden Mexikos. 1610 wurde ein Fort gegründet, daher der Name El Fuerte. Es sollte vor den Angriffen der Indianer schützen. Typisch für die Städte sind im Zentrum gelegen ein Pavillon mit Gartenanlage, das Rathaus und die Kirche. Die Stadt lohnt einen Bummel, man sollte sich schon drei/vier Stunden Zeit nehmen. Eine Besichtigung wert ist auf jeden Fall das gleichnamige Hotel El Fuerte, erbaut vor etwa 300 Jahren und wundervoll restauriert. Voll von Antiquitäten und alter Geschichte aus der Kolonialzeit. Und einen guten Überblick hat man von der Festung aus, die heute als Museum dient.

Bildergalerie Posada Barrancas bis El Fuerte

El Fuerte
Am Nachmittag fuhren wir dann die rund 70 km nach Topolobampo, ein Fischerdorf mit einer abenteuerlichen Geschichte. Der Grund: der amerikanische Ingenieur Albert K. Owen war bei einem Besuch im Jahr 1868 von der Gegend so begeistert, dass er hier eine »Sozialistische Metropole des Westens« plante, genannt Topolobampo. Um sie mit der Welt zu verbinden, entwarf er vier Jahre später die Eisenbahntrasse durch die Sierra Madre nach Chihuahua, eben El Chepe, und weiter in die USA. 1881 übergab ihm die mexikanische Regierung den Boden, und acht Jahre später kamen 300 Abenteurer mit dem Schiff aus New York. 1891 brach das Projekt zusammen, nur wenige blieben zurück. Noch heute finden sich einstmals prächtige Villen, an denen der Zahn der Zeit nagt. Die Natur aber blieb: kleine Felseninseln im Meer, unberührte Buchten, weiße Strände. Heute lebt der Ort vom Fährbetrieb, einem bescheidenen Tagestourismus und dem Fang von Langusten. Mit einer Bootstour lässt sich hier auch der drittgrößte natürliche Meereshafen der Welt erfahren.

Wir unternahmen eine Tour mit zwei kleinen Booten zur Insel der Enten, der Isla de los Patos. Ein Vogelschutzgebiet, hier ließen sich vom Boot aus u.a. zahlreiche Kormorane, Pelikane und Fischreiher beobachten. Nicht weit weg konnten wir dann zwei Delphinfamilien beobachten, nahe der Insel der Delphine (Isla de los Delfines). In dem Naturreservat leben die Delfine das ganze Jahr über, die Chance sie zu sehen ist groß. Zumal die Fischer sehr genau wissen, wo sie zu finden sind. Die Tiere sind in Mexiko streng geschützt.

Bildergalerie zu Topolabambo

Für uns ist das Fischerdorf Startpunkt für die Überfahrt zur Baja California. Der Fährdienst zwischen Topolobampo und Pichilingue ist die wichtigste Verkehrsverbindung zwischen der Halbinsel und dem mexikanischen Festland. Los ging es Abends um elf Uhr, Ankunft gegen fünf Uhr. Die Sicherheitskontrollen bei der Autofähre, so streng wie an Flughäfen. Hier macht sich der Drogenkrieg so richtig bemerkbar. Zahlreiche schwer bewaffnete und vermummte Militärs, Personenkontrollen, Sicherheitschecks, bevor es für die Nachtfahrt in die Kabine ging. Auch die zahlreichen Lastwagen und PKWs wurden kontrolliert, soweit dies möglich ist. Die gleiche Prozedur dann beim Aussteigen, Personen- und Fahrzeugkontrollen, lange Schlangen… Man sollte schon um die drei Stunden einplanen, als wenn man in ein fremdes Land reist.

Generell sah man die Polizei jedoch nicht viel häufiger als in Deutschland. Dann aber häufig mit mindestens zwei Fahrzeugen, Pickups, zwei Polizisten in der Kabine, zwei oder drei stehend auf dem Pick-up, ausgerüstet mit Maschinengewehren, Pistolen, schusssicherer Weste, schwarzen Uniformen, oft vermummt. Wir hatten jedoch nie das Gefühl der Unsicherheit, die Berichterstattung in Europa erfolgt halt nach dem Motto: bad news are good news. Mexiko jedoch ist viel mehr, und ganz sicher ein faszinierendes Reiseland, was auch für den Norden gilt.

Baja California

Die Baja California, auch Niederkalifornien genannt, ist eine schmale und langgezogene Halbinsel im Nordwesten Mexikos von 1200 km Länge und 80 bis 220 km Breite, mithin größer als die Apennin-Halbinsel Italiens. Dominiert wird die Landschaft durch die Vegetation der Sonora-Wüste. Auch die Tierwelt ist der Wüste angepasst. so finden sich u. a. Leguane, Klapperschlangen, Kitfüchse oder Alkenvögel. Die Herkunft des Namens Kalifornien ist unklar, er könnte von der Bezeichnung calida forna – heißer Ofen – abgeleitet sein. Besonders bekannt ist die Halbinsel für ihre Möglichkeit, vor der Küste Wale aus nächster Nähe zu beobachten. 18 km von Fährhafen in Pichilingue liegt La Paz, Hauptstadt des Bundesstaates Baja California Sur, dem südlichen Teil der Halbinsel. Dazu am Ende des Berichtes mehr. Wir jedenfalls machten uns erst mal auf Richtung Süden zu den Dörfern El Triunfo und San Antonio, einst ihrer Bodenschätze wegen mit die wichtigsten Bevölkerungszentren der südlichen Baja California.

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El Triunfo hat heute noch um die 330 Einwohner und gleicht mehr einer staubigen Geisterstadt. Dennoch finden sich neben Ruinen renovierte Häuser, gute Wege, und der ganze Ort wirkt sehr gepflegt. Die Einwohner leben von etwas Viehzucht und von den wenigen Touristen, die sich hierher verirren. Das aber lohnt sich. Sehenswert ist die Kirche zu Ehren der heiligen Babara, die hier in Mexiko häufig eine größere Bedeutung spielt als Christus. Weiter die alten Ruinen des Silberbergbaus, der Ende der 1890er-Jahre zu Ende ging, einzelne Häuser, das Cafe El Triunfo und ein kleines Musikinstrumenten-Museum.

Etwas mehr Einwohner hat San Antonio, hier sollte man die Ortsmitte besichtigen, mit der Kirche San Antonio zu Ehren des heiligen San Antonio. Beides typische alte mexikanische Städte, geprägt durch die Spanier und einen Besuch wert.

Eine weitere sehenswerte Stadt ist Todos Santos, nur knapp drei Kilometer vom Pazifik entfernt. Die Entfernung nach La Paz beträgt etwa 80 km. Zahlreiche Galerien und kleine Läden prägen die Stadt, viele Künstler bieten hier ihre Waren an. Die Stadt ist schon deutlich mehr touristisch geprägt, hat aber dennoch viel von Ihrem alten Charme erhalten. Sehenswert ist auch die Kirche „Unsere Mutter Pilar Todos Santos“ im Zentrum gelegen. Man sollte schon zwei/drei Stunden einplanen, um durch die Gassen zu bummeln und die schönsten Läden und Galerien zu besichtigen.

Richtig touristisch geprägt im amerikanischen Stil war unser nächstes Ziel, Cabo San Lucas, rund 90 km von Todos Santos entfernt. Discomusik am Yachthafen, ein Bootsverkehr wie in der größten Rushhour, viele Amerikaner die mal schnell runterjetten, ein Paradies für Wassersportler – jedoch wenig für uns. Wir machten eine etwa einstündige Bootfahrt, sahen ein paar Robben, viele Vögel, Boote… und unseren erste Wale, wenigstens kurz. Trotz des Trubels. Dann kehrten wir der Stadt schnell unseren Rücken zu und fuhren zurück nach La Paz. Cabo San Lucas, das muss man mögen. Ansonsten kann man sich die Tour auch sparen. Unser Ziel war das Fischrestaurant von Vorabend, in dem wir sehr gute Erfahrungen gemacht hatten. Der Fisch war vorzüglich. Generell kann man sich an die mexikanische Küche gewöhnen, auch an die Schärfe.

Bildergalerie der Tour von La Paz bis Todos Santos über El Triunfu und Cabo San Lucas

Am nächsten Morgen verließen wir dann La Paz und fuhren nach López Mateos. Im engen Kanal vor der Stadt sind Wale auf stetiger Durchreise. Hier starteten wir unsere erste Walexkursion auf Pangas, kleinen Sportfischer-Booten. In der Lagune lassen sich damit Grauwale hautnah in ihrer natürlichen Umgebung beobachten. Mit zwei kleinen Booten fuhren wir hinaus und sahen zahlreiche Wale, sogar springend. Leider aus der Entfernung. Dafür kamen aber ein Muttertier und sein Kalb direkt an die Boote. Sie kamen sogar so nah an das Boot, dass man sie streicheln konnte. Einfach faszinierend diese friedfertigen Riesen so zu beobachten. Sie spielten richtig mit uns, zeigten keine Scheu. Hier merkt man, dass die Tiere in Mexiko und vielen anderen Ländern streng geschützt sind. Leider werden bestimmte Arten in Ländern wie Japan, Island und Norwegen (ja auch europäische Länder schlachten die friedfertigen Riesen noch ab) immer noch gejagt. Rund zwei Stunden, etwa 50 Minuten davon auf Video und 300 Bilder später ging es zurück ans Kai. Ein faszinierendes Erlebnis. Und es sollte nicht das letzte sein. Es stimmt, dass der Golf von Kalifornien die weltweit beste Stelle ist, um Wale zu beobachten. Kein Vergleich mit Kanada oder den USA, aus eigener Erfahrung.

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Die GrauwaleDer Grauwal, ein Bartenwal, lebt in arktischen bis warm-gemäßigten Gewässern. Er erreicht Längen von 13 bis 15 Metern und ein Gewicht bis zu 34 Tonnen. Diese schiefergrau bis dunkelgrau gefärbten Wale erscheinen in der Entfernung oft weiß gefleckt. Der Grund dafür sind die Besiedlung der Haut
durch parasitische Krebstiere wie Seepocken, Entenmuscheln und
Walläuse. Bis zu 60 Jahre alt kann so ein Riese werden, sofern ihn der Mensch lässt. Erst 1946 wurde die Art unter Schutz gestellt und so vor dem Aussterben bewahrt. Heute leben wieder um die 22.000 Tiere im Ostpazifik, nur scheinen die Nahrungsvorräte selbst für diese gegenüber früher geringe Zahl an Tieren nicht mehr auszureichen.

An der Baja California leben die Grauwale recht nah an der Küste, sind dementsprechend ein sehr beliebtes Ziel für den Waltourismus. Wobei es dennoch nur wenige Menschen sind, die diese Touren auf sich nehmen. Der „Rummel“ hält sich also in Grenzen. Man darf sich mit den kleinen Booten bis auf 30 m nähern. Den Rest machen die Wale dann selber wenn sie wollen, und schwimmen bis an die Boote heran. Die Grauwale verbringen den Sommer in polaren Gewässern und ziehen im Winter südwärts. Die ostpazifische Population überwintert vor den Küsten von Kalifornien und Mexiko und pflanzt sich hier auch fort. Weiter südlich schwimmen sie kaum mehr, werden sie in Peru und Chile doch weiterhin gejagt.

Grauwale legen bei ihren Wanderungen bis zu 10.000 km zurück, mehr als jede andere Wal- und auch Säugetierart. Dabei sind sie mit rund acht Kilometer pro Stunde langsame Schwimmer. Sie finden sich meist in kleineren Gruppen, sind sehr sozial. So ließ sich beobachten, wie kranke oder verletzte Artgenossen zum Atmen an die Wasseroberfläche gebracht wurden.

Gefressen wird vorwiegend während der Sommermonate, die Fettvorräte müssen dann für die lange Wanderung und die Fortpflanzungszeit genügen. Die Nahrung sind Flohkrebse, Ruderfußkrebse und kleine Fische. Als einziger Wal geht er auch am Meeresgrund auf Nahrungssuche. Dabei filtert er Bodenbewohner aus dem Schlamm, unter Bartenwalen der einzige.

Bildergalerie Fahrt nach/und Lopes Mateos – Walbeobachtung aus nächster Nähe

Weiter im Landesinneren

Entlang der Straßen durch die Wüste finden sich immer wieder riesige Kandelaber-Kakteen. Am besten erfahren lassen sie sich durch eine Wanderung. Man fühlt sich wie ein Zwerg. Wir fuhren entlang der Bahía Concepcíon mit einer malerischen Kulisse aus tiefblauem Meer, weißen Sandstränden und den mächtigen Kakteen. Die Bucht ist ein Meeresschutzgebiet, in dem verschiedene Vogelarten, Wale, Delfine und Walhaie ihren Lebensraum haben.

Unser Ziel war Guerrero Negro, unser nördlichster Punkt der Reise. Von dort aus ging es dann wieder in Etappen zurück nach La Paz. In Guerrero Negro besuchten wir als erstes eine riesige Salzgewinnungsanlage, spanisch für schwarzer Krieger. So entstand auch der Name der 1972 gegründeten Stadt, sank vor der Bucht doch ein Schiff Namens Black Warrior. In der Salzanlage erwartet den Besucher eine bizarre Welt der weißen Salzbecken. Fünf Prozent der weltweiten Salzgewinnung erfolgt hier auf rund 90 Quadratkilometern, damit ist die Firma der weltweit größte Salzproduzent. Meerwasser mit einem Salzgehalt von etwa vier Prozent wird in riesige Becken gepumpt, durch die Sonne verdunstet das Wasser, zurück bleibt eine etwa 25 cm dicke Salzschicht. Die wird abgefräst und ähnlich wie bei Erntemaschinen gleich in riesige Trucks mit drei Wagen geladen. Jeder fasst 120 t Salz, summa summarum transportiert jeder davon 360 t in die Waschanlage. Das Abfräsen dauert gerade mal zehn Minuten. Nach der Waschanlage hat man ein Salz mit einem Reinheitsgrad von 99,97 %, das meiste davon wird nach Japan per Schiff exportiert. Täglich werden etwa 23.000 t Salz gewonnen, jährlich um die 9,5 Mio. t. Die Firma beschäftigt etwa 1600 Mitarbeiter, die durchschnittlich 1000 Euro verdienen. Relativ viel, zumal sie ein Haus und ein Auto gestellt bekommen, Sportanlagen vorhanden sind und Grundnahrungsmittel zu günstigeren Preisen in eigenen Läden bezogen werden können. Sonst würde wahrscheinlich aber auch kaum ein Mensch in die Wüstengegend zum Arbeiten kommen.

Guerrero Negro – Salzgewinnung
Hauptgrund für den Besuch der Stadt ist jedoch das Walbeobachtungspier, von hier aus ging es zu unserer zweiten Walexkursion, wieder mit den Panga-Booten. Auch hier boten sich fantastische Möglichkeiten, die Grauwale aus nächster Nähe zu beobachten. Und sie ließen sich blicken. Dutzende um uns herum meist mit etwas Abstand. Kurz kam auch eine Kuh mit ihrem Kalb zu uns, wieder einige wunderschöne Momente. Aber ansonsten eher wenig aus der Nähe, gut, wir waren natürlich nach den Erlebnissen in Lopez Mateos etwas „verwöhnt“.

Eine kurze Abendwanderung durch eine Dünenlandschaft nahe Guerrero Negro rundete den Tag mit einem wunderschönen Sonnenuntergang ab. Und ein Fischadler mit frisch gefangenem Fisch im Abendrot sorgte für die letzten Aufnahmen.

Mexiko 2012 Tag-12 NP San Francisco-1731Am folgenden Tag ging es dann auf dem Weg südlich (160 km) nach San Ignacio in eine unwirtliche Gegend. Schon die Straße, eine kleine Herausforderung. Entlang der Felsen auf schwieriger Piste – hier einmal ein Lob an unseren die ganze Reise sehr guten und sicheren Fahrer Martin – ging es zum Schluss auf etwa 16 km abenteuerlicher Piste (einfach, mussten wir die Strecke ja wieder zurück auf die Hauptstraße) zu Felszeichnungen der Chochimí-Indianer. Geschätzt 10.000 Jahre alt in rot und schwarz lassen sich Puma, Hirsch, Schildkröte und ein Mensch besichtigen. Den Weg zu der archäologischen, gut geschützten Stelle finden jährlich kaum mehr als 100 Besucher. Dafür sorgt schon der Weg. Noch faszinierender war jedoch der Weg selbst. Die zerklüfteten Canyonlandschaften des Nationalparks San Francisco, die Ausblicke auch auf die Pazifikebene und besonders die Fauna in Form zahlreicher Kakteen und Sukkulenten begeisterten einfach. Endemisch sind zum Beispiel die Cirien – eigentümliche, metergroße Sukkulenten, die sich kaum beschreiben lassen. Zahlreiche Stopps sorgten dafür, dass wir etwa drei Stunden später in San Ignacio ankamen und dafür auf einen ersten Ausflug verzichteten. Das aber war es allemal wert.

San Ignacio an, eine Stadt mit etwa 4000 Einwohnern, liegt mitten im Ödland. 1728 errichtete der Jesuit Juan Bautista Loyando an dieser Stelle eine Mission und benannte sie nach dem Gründer seines Ordens, dem heiligen Ignatius von Loyola. Von hier aus ging es zu der dritten Walexkursion, wieder mit den wendigen Motorbooten, hinaus auf die Laguna San Ignacio. Wenn nur die Anfahrt von San Ignacio zu dem Bootspier nicht wäre, einfach über 2 ½ Stunden, fast überwiegend Piste. Doch es lohnt: Zahlreiche Wale (am gestrigen Tag lauf offizieller Zählung 260) tummeln sich hier. Die Vorschriften sind streng. Nur in einem klar umrissenen Gebiet darf man Wale beobachten, und die Bootsführer müssen die 30 m Abstand halten. Nur die Wale, die halten sich wieder nicht daran, kamen auch hier bis an die Boote – das ist auch erlaubt. Können Wale doch keine Vorschriften lesen. Leider hielten sie sich meistens nur sehr kurz auf. Bis auf einen Wal: Zu unserem zweiten Boot kam eine Mutterkuh mit ihrem Kalb, und hob es dann sogar in die Höhe, zeigte es her, brachte es so nah ans Boot, das eine Reiseteilnehmerin es streicheln konnte. Nach einer Weile zogen die Wale dann ab, und die maximal 90 genehmigten Minuten waren auch sehr schnell vorbei. Also hieß es mit Höchstgeschwindigkeit etwa 30 Minuten zurück mit dem Boot, und dann wieder auf die Piste. Ich kenne wirklich kein besseres Gebiet um Wale in ihrer natürlichen Gegend zu beobachten, als im Golf von Kalifornien und im Pazifik Mexikos. Wichtig auch, die kleinen Boote mit 5/6 Personen an Bord, nur mit ihnen ist ein so enger Kontakt möglich

Bildergalerie Guerrero Negro bis San Francisco

Am Abend und am folgenden Morgen besichtigten wir dann erst mal San Ignacio, das von tausenden von Dattelpalmen umgeben ist. Wobei, mehr als die Missionskirche lohnt nicht wirklich. Den besten Blick hat man vom Dach der Mission, der Weg hoch ist aber nicht einfach und nur etwas für Schwindelfreie. Und der Padre muss da sein, um die Türen aufzuschließen. Der Blick lohnt aber allemal, tausende von Dattelpalmen vor einer Bergkulisse und ein guter Überblick belohnen den Weg. Einer der wenigen Läden im Zentrum führte sogar noch Blitzwürfel aus den 50er-Jahren. Regulär zum Verkauf. Auch der Besitzer meinte, die seien wohl etwas alt, aber vielleicht findet sich ja noch einer der sie brauchen kann. Nur dass es derartige Blitzgeräte seit etwa einem halben Jahrhundert nicht mehr gibt. 20 Pesos drei Stück, umgerechnet 1,20 Euro.

Anschließend verließen wir den Ort und machten uns auf in Richtung Loreto (63 km). Die Fahrt ging dabei durch eine von etwa 2.000 m hohen Vulkangipfeln der „Drei Jungfrauen“ – Volcán Las Tres Vírgenes – geprägte Lavalandschaft. Immer mehr nimmt die Landschaft einen vulkanischen Charakter an. Mit 1.920 m stellt die höchste Jungfrau einen imposanten Berg dar. Der letzte Ausbruch fand im Jahr 1986 statt. Am Fuße des aktiven Vulkans machen wir eine Wanderung durch eine Gegend mit zahlreichen unterschiedlichen Kakteen. Eine typische Landschaft für die Baja California, rötliches Vulkangestein, Kakteen und Büsche prägen sie. Hier finden sich auch einige „kleinere“ Saguaro-Kakteen, auch Kandelaber-Kakteen genannt. Die Saguaro werden etwa 15 m groß und bis zu 70 cm dick. Einzelne erreichen sogar eine Größe um die 20 m und einen Stammdurchmesser von 1,5 m. Die aber wachsen weiter oben im Norden, so weit kamen wir nicht. Unsere waren bis zu zehn Meter groß. Pro Jahr wachsen sie etwa 1 bis 3 cm, je nach Regenmenge.

Unser nächstes Ziel, Santa Rosalía, mit rund 15.000 Einwohnern, ist eine alte Bergwerkstadt. Sie verdankt ihre Existenz den hier um 1880 gefunden großen Kupfervorkommen.

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Bildergalerie San Ignacio bis Santa Rosalia

Die Industrieanlagen sind nur noch zum kleinen Teil erhalten. Heute ist man bestrebt, diese Industriemonumente zu bewahren. Überall sichtbar ist der französische Einfluss durch die französische Minengesellschaft, der El Boleo Copper Company. Die Häuser und Geschäfte vom Ende des 19. Jahrhunderts sind aus Holz und dahinter liegendem Mauerwerk. Viele sind äußerst eng gebaut. Keine Lücke trennt sie, sie stehen Wand an Wand. Hinzu kommen typische Villen, ein Verwaltungsgebäude in dem ein Museum integriert ist (Museo Histórico Minero), das Hotel Francés und die Eisen-Kirche Santa Barbara de Santa Rosalía von Gustave Eiffel, dem Erbauer des Eiffelturms in Paris. Er entwarf und baute die Kirche für die Weltausstellung in Paris 1889. Nach der Ausstellung wurde sie abgebaut, zerlegt und nach Santa Rosalía verschifft und aufgebaut. Mitte der 1980er-Jahre wurde der Kupferabbau eingestellt, die Franzosen zogen sich schon 1953 zurück. Heute versucht man wieder einen Teil des Kupferabbaus zu reaktivieren, trotz eines geringeren Kupfergehaltes im Erz. Die gestiegenen Kupferpreise machen einen Abbau jedoch wieder wirtschaftlich. Die meisten Einwohner leben von der Hochseefischerei und verarbeitenden Betrieben.

„It never rains in southern California“, soweit der bekannte Song. Heute Nacht hatte es jedoch erstmals seit langem etwas geregnet. Und eine Rast am Strand von Bahia Magdalena und die Missionskirche von Mulegé fielen einem längeren Wolkenbruch zum Opfer. Gut für die Natur, und wer erlebt schon kräftigen Regen in Niederkalifornien? Gut, eigentlich gibt es hier 360 Sonnentage im Jahr.
mexiko-2012-tag-15-loreto-2244Loreto, unser Etappenziel, war das religiöse und weltliche Zentrum des gesamten spanischen Kaliforniens, das sich bis zum heutigen US-Bundesstaat Oregon erstreckte. 1829 zerstörte ein gewaltiger Wirbelsturm die „Mutter aller Missionen“. Erst die Sportfischerei brachte einen neuen Aufschwung. Hier leben rund 12.000 Menschen in der 1697 als Mission gegründeten Stadt. Besuchen sollte man auf jeden Fall die Mission mit Museum. Sie ist, wie auch der gesamte historische Ortskern, erhalten, und wurde restauriert. Die Mission Nuestra Senora de Loreto war die erste auf der kalifornischen Halbinsel. Von hier aus verbreiteten sich die Missionare auf der Baja California und gründeten in den nächsten Jahrzehnten 31 Missionen (bedeutet Aufgabe), bis hoch ins heutige Kalifornien in den USA. Die Stadt selber ist sehr schön, eigentlich die schönste auf der Reise. Und die Läden führen überwiegend noch Handwerksarbeiten. Man kann man ohne weiteres einen Tag mit Cafes, Bummeln und Genießen verbringen. Da sich die Stadt im Laufe der Zeit nicht wesentlich vergrößert hat, erhält man bei einem Besuch Loretos ein authentisches Gefühl der spanischen Kolonialzeit. Loreto ist übrigens die einzige Stadt im Umkreis von 300 km.

Die Rückfahrt und La Paz

Zurück in La Paz (365 km) machten wir als erstes eine Bootstour zu der unbewohnten Heilig-Geist-Insel Espíritu Santo. Da die Fahrt jedoch über offenes Meer geht, sollte man einigermaßen seefest sein, wenn das Meer nicht ganz ruhig ist. Und bei uns war es das, wenigstens auf der Hinfahrt. Die nicht ganz 80 Quadratkilometer große zerklüftete Insel vulkanischen Ursprungs bietet faszinierende Aussichten und Felsformationen und traumhafte Buchten. Das Gebiet in der die Insel liegt ist – wie der gesamte Golf von Kalifornien – mit über 1.000 Arten an Flora und Fauna extrem artenreich. Es beherbergt unter anderem Kolonien von Seelöwen, fünf Meeresschildkrötenarten und dient Hammerhaien als Rastplatz während ihrer Wanderschaft. Das Schutzgebiet ist das erste Meeresschutzgebiet in Mexiko. Bei der Seelöwenkolonie von Los Islotes lässt sich sogar mit den verspielten Jungtieren schnorcheln. Wir jedoch führen wegen des noch unruhigen Waser nicht ganz so weit. Dafür besichtigten wir vom Boot aus eine große Kolonie an Prachtfregattvögeln, ein Muss wenn man hier in der Gegend ist. Und konnten an der Küste zahlreiche weitere Vogelarten beobachten wie Kormorane, Fischreiher, Pelikane, Schwarzfußtölpel, Möwen… Inzwischen wurde das Wasser auch ruhiger, so dass der Bootsführer auch mehr Gas geben konnte.

Bildergalerie Loreto und Espiritu Santo

Anschließend machten wir an einer fantastischen Bucht einen mehrstündigen Stopp, zum Wandern, Schwimmen und Essen. Ein drittes Boot war vorgefahren, hatte Essen gerichtet, Tisch und Stühle mitgebracht, so könnte man mehr als einen halben Tag verbringen. Die Sonne übrigens brannte gnadenlos herunter. Hat man Zeit, kann man hier auch über Nacht im Zelt bleiben, aber nur organisiert, da es sich um ein Naturschutzgebiet handelt. Absolut empfehlenswert. Zum Schluss kamen wir zwei Stunden später zurück, die Mexikaner hatten uns alle Zeit gelassen. Dafür gab es natürlich auch ein besseres Trinkgeld.

mexiko-2012-tag-07-la-paz-0860La Paz selbst ist im Zentrum eine alte Stadt geblieben, trotz vieler neuerer, nicht besonders schöner Gebäude. Sie hat etwa 250.000 Einwohner. Es bietet sich an, entlang der Uferpromenade, dem Malecón, zu bummeln und die Plaza mit der Kathedrale und deren rosafarbenen Glockentürmen zu besuchen. Wirtschaftszweige sind neben der Industrie (einschließlich Silberbergbau) auch Fischerei (etwa Perlenfischerei) und Landwirtschaft. Im Bereich Tourismus sind ebenfalls viele Bewohner beschäftigt. Mit einem Durchschnittseinkommen von 27 US-Dollar pro Tag soll die Stadt mit den höchsten Lebensstandard in Mexiko haben. Hier finden sich auch durch die Nähe zum Golf von Kalifornien drei der in Lateinamerika führenden Forschungsinstitute für Meeresbiologie.

Bildergalerie La Paz

Resümee

Der Kupfercanyon, El Chepe, die Baja California – alles von Europäern nur selten besuchte und Regionen im Norden Mexikos. Das ist ein Fehler oder auch nicht. So bleiben große Bereiche noch ursprünglich, auf der anderen Seite helfen Besucher den Menschen ihr Land zu bewahren, ein ursprüngliches Mexiko. Landschaften, die zum Staunen einladen, riesige Kakteen, generell die Flora und Fauna in einer sonnenverbrannten Wüste, ursprüngliche Städte außerhalb der Zentren, all das macht den Norden Mexikos schon zu einem erlebenswerten Reiseziel. Der Höhepunkt aber, das sind die Walbeobachtungen, wie sie nirgends besser möglich sind. Allein sie sind ein Grund für eine Reisen auf die Baja California. Und die in Europa so diskutierte Kriminalität. Davon spürten wir nichts, eher die Gastfreundlichkeit der Mexikaner und ihre Ehrlichkeit. In größeren Städten muss man wie überall auf der Welt natürlich eine gewisse Sorgfalt walten lassen. Und der Drogenkrieg, der spielt sich anscheinend meist innerhalb der Banden und der Polizei ab und das eher im Bereich zu den USA hin.

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Quellen: Internetrecherche, Wikipedia, Eigene Erlebnisse, Werner Götz, Winnenden, Januar/Februar 2012