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Eine Reise in die Antarktis via Falklands und Süd-Georgien

Teil III – die Antarktis

Unsere Route in die Antarktis via Falkland-Inseln (Reisereportage Teil I) und Südgeorgien (Teil II):

Unsere Route mit der MV Fram via Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarktis

Hier finden sich die Logdateien (GPS) über die gesamte Reise hinweg (Quelle: Hurtigruten)

Hier gibt es den 90-minütigen Film der Reise kommentiert als DVD oder hochauflösend als BluRay. Als Vorgeschmack ein paar Ausschnitte jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln.

Auf hoher See

Die drei Tage auf hoher See Richtung Süden von Süd-Georgien verliefen nicht so ruhig wie die Fahrt bisher. Im Schnitt vier Meter hohe Wellen und Windstärke 6 sorgten schon für stärkere Bewegungen des Schiffs. An Bug und Heck waren Bewegungen von acht bis zehn Meter fast normal. Dennoch ließen sich die Tage nutzen, die Crew bot Vorträge zu Themen wie Robben, Walbeobachtungen oder Vulkanismus auf Deception Island an. Auch musste wieder alle Outdoorkleidung gründlich gereinigt und abgesaugt werden, die Stiefel desinfiziert. Zudem ließ sich die Zeit nutzen, um sich mit der Geschichte der Antarktis und mit dem Antarktisvertrag auseinander zu setzen.

Vor Elephant Island, hier musste Shackletons Mannschaft noch weitere vier Monate auf dem kleinen Landvorsprung ausharren, bis Rettung kam.

Der Vertrag von 1961 legt fest, dass der antarktische Kontinent und seine angrenzenden Gewässer ausschließlich friedlich genutzt werden dürfen, in erster Linie für die wissenschaftliche Forschung. Sind die Polargebiete doch Schlüsselregionen für das Weltklimageschehen, mithin für das Leben auf der Erde. Deswegen reisen auf der MS Fram immer mal wieder Wissenschaftler mit, um ihrer Arbeit nachzugehen oder zu einzelnen Forschungsstationen zu gelangen.

Vereinzelte Eisberge auf dem weiteren Weg Richtung Süden zeigen, dass wir uns der Antarktischen Halbinsel nähern. Diese teilweise gigantischen Tafeleisberge sind typisch für die Antarktis, sie brechen von den Gletschern und vom Schelfeis ab. Ein großer braucht mehrere Jahre um abzuschmelzen und kann tausende Kilometer auf dem Meer zurücklegen. Besonders große Exemplare sollen sogar 30 Jahre überdauert haben.

Mithin der größte dokumentierte war ein antarktischer Tafeleisberg mit einer Fläche von anfangs 31.000 Quadratkilometern aus dem Jahr 1956. Selbst mitten im Atlantik wurde einst einer aus der Antarktis gesichtet. Rund 90 Prozent der Eismasse befinden sich unter Wasser, was bekanntermaßen schon der Titanic zum Verhängnis wurde.

Blaue Adern aus klarem Eis durchziehen manchen Eisberg. Sie entstehen durch Schmelzwasser, das in Gletscherspalten eindrang und wieder gefror. Ansonsten sind sie weiß, dafür sorgen die im Eis eingeschlossenen Luftblasen, die das Licht reflektieren. Tiefblau schimmert er nur, wenn das Eis sehr wenig Luftbläschen enthält. Weißes Licht muss einen Weg von drei Metern durch das Eis zurücklegen, bis es blau schimmert. Gut bei Gletschereis zu beobachten, besonders bei Spalten und Höhlen.

Beim Reinigen der Kleidung

Für die Antarktis-Besucher gibt es strenge Vorschriften. So dürfen nie mehr als 100 Menschen an Land sein, begleitet von fünf Guides. Landungsberechtigt sind nur Schiffe mit maximal 500 Passagieren. Vor jedem Landgang müssen Kleidung und Ausrüstungsgegenstände gesäubert werden. Damit will man verhindern, dass nicht-heimische Arten eingeschleppt werden. Natürlich darf nichts zurückgelassen werden, außer Fußabdrücke.

Lange Zeit haben nur Wissenschaftler ihren Fuß auf die Antarktis gesetzt. Heute ist es auch Touristen möglich. Angelandet wird bei der MS Fram mit schnellen und wendigen Polarcircle-Booten. Sie sind speziell für die antarktische See konzipiert. Sechs bis sieben Menschen passen auf die Boote, hohe Gummistiefel sind Pflicht.

Wo und wann angelandet und welche Inseln besucht werden ist abhängig von Wind, Wetter und Eis. Die Natur bestimmt die Route.

Brown Bluff

Wir sind vor Brown Bluffan der an der Spitze der Antarktischen Halbinsel. Anlandungen werden nicht selten durch treibende Tafeleisberge verhindert. Bei Südost-Wind gibt es kaum eine Chance, weil zahlreiche Eiskolosse aus der Wedell-See auf die Insel zutreiben.

Eine fast 750 Meter hohe Klippe beherrscht das Landschaftsbild von der Seeseite her. Sie ist vulkanischen Ursprungs, an der Nordseite weitgehend Eisfrei und rostfarben gefärbt. Der Strand ist von Lavabomben übersäht und natürlich finden sich zahlreiche Adélie-Pinguine und Eselspinguine hier ein. Zahlreiche Dominikanermöwen und Kapverden-Sturmvögel brüten derzeit, diese Flächen dürfen nicht betreten werden.

Die Anlandung ist nicht so einfach. Tonnenschwere Eisblöcke treiben an den Strand. Die Crewmitglieder halten eine Rinne frei, stehen bis zu der Hüfte im eiskalten Wasser (rund 1 Grad Celsius). Wir stehen zum ersten Mal auf dem antarktischen Kontinent. Schon ein besonderes Gefühl. Am Strand entlang watscheln die Pinguine. Der Kontrast zwischen den fast schwarzen Tieren und dem Eis ist gigantisch. Schnell sind hunderte von Fotos im Kasten und auch zahlreiche Szenen abgedreht. Man weiß gar nicht, wo man anfangen oder aufhören soll. Vergessen darf man natürlich nicht, die Szenerie einfach mal zu genießen, die Tiere nur zu beobachten. Es ist einfach fantastisch. Die Temperatur liegt bei etwa sechs Grad Minus, es schneit kräftig und es bläst ein kalter Wind, der die gefühlte Temperatur weiter sinken lässt. Dafür hat man aber entsprechende Kleidung an. Nach 90 Minuten geht es zurück, inzwischen haben große Eisblöcke die Anlandestelle ziemlich im Griff. Die Crewmitglieder versuchen sie aus der Fahrrinne zu schieben, kaum möglich. Auch der Bootsführer versucht sie mit dem Boot auf die Seite zu drücken, gelingt auch bei voller Motorkraft nur bedingt.  Gibt aber wunderbare Aufnahmen.

Die Mannschaft der MS Fram dürfte nicht so gute Erinnerungen an Brown Bluff haben. Kollidierte das Schiff doch im Dezember 2007 nach einem halbstündigen Maschinenausfall mit einem Eisberg und wurde leicht an der Außenhaut beschädigt. Zudem litt ein Rettungsboot. Aus Sicherheitsgründen lief die Fram den am nächsten gelegenen Ankerplatz einer chilenischen Militärstation auf King George Island an. Passagiere und Besatzung kamen nicht zu Schaden.

Ganz ausschließen kann man Unfälle bei Antarktisfahrten nie. So sank ebenfalls 2007 das Kreuzfahrschiff Explorer nach einer Kollision mit einem Eisberg, etwa 1000 Kilometer südlich von Kap Hoorn. Die 100 Passagiere und 54 Besatzungsmitglieder wurden nach vier Stunden in Rettungsbooten von dem norwegischen Schiff NordNorge aufgenommen.

Weiter geht es durch den Antarctic-Sound. Er steht für wirklich beeindruckende Eisbergformationen, ist ein rund 50 Kilometer langes Gewässer mit Breiten zwischen 12 und 22 Kilometern. Er trennt eine Inselgruppe von der antarktischen Halbinsel ab. Die teils kilometerlangen, tafelförmigen Eisberge stammen vom Schelfeis des Kontinents, starke Strömungen im Wedell-Meer treiben die Eisgiganten Richtung Norden in den antarktischen Sund hinein. Nur macht das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung. Es ist nebelig und schneit stark, zu sehen ist fast gar nichts.

 

Deception Island, Süd-Shetland-Inseln

Um sieben Uhr morgens hatten wir die Einfahrt in den Kratersee von Deception Island erreicht. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs mit einem noch aktiven Vulkan. Neben dem Mt. Erebus einer von noch zwei aktiven Vulkanen in der Antarktis. Das Eiland besteht aus dem ringförmigen Rest der Caldera. Sie entstand vor etwa 10.000 Jahren nach einer gewaltigen Explosion. Kleinere Schiffe wie die Fram können die Caldera befahren. Der letzte Ausbruch fand 1970 statt und gehörte zu den gewaltigsten Explosiv-Eruptionen auf der Erde. Eine spanische Forschungsstation überwacht den Vulkan in den Sommermonaten.

Ein kleiner Nebenkrater

Morgens war es nebelig und windig. Wir landeten in der Telefon-Bay an. Hier bot sich eine einstündige Wanderung um einen Nebenkrater an. Gegen Mittag klarte der Himmel auf, das Wetter und die Vorhersage blieb aber vage. Eigentlich wollte ich heute Nachmittag eine Tour mit dem Kajak machen. Die aber wurde verschoben, der unsicheren Wetterbedingungen wegen.

Das Schiff setzte also innerhalb der Bay um, es erfolgte eine zweite Anlandung auf Deception Island in der Whalers Bay.

Hier finden sich die Reste einer verfallenen britischen Forschungsstation von 1944 und die einer norwegischen Walfangstation. Letztere wurde gemäß des Antarktis-Vertrages zur Historic Site No. 71 erklärt, ist somit geschützt. Die Walfangstation wurde 1927 durch einen Vulkanausbruch zerstört und nicht wiederaufgebaut. Die Forschungsstation fiel 1969 einem Ausbruch zum Opfer. Einen Friedhof aus der Walfängerzeit haben die Vulkanausbrüche im Laufe der Zeit verschüttet.

Ein Seeleopard, mithin das zweitmächtigste Raubtier der Antarktis nach dem Orca. Lieblingsspeise: Pinguine und Robben.

Hier am Strand liegt einsam ein Seeleopard herum, döst vor sich hin. Unser erster den wir sehen. Er trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Bei einer Länge von über dreieinhalb Metern und einem Gewicht von bald 450 Kilogramm ist er neben den Orcas das beherrschende Raubtier des südlichen Polarmeeres. Seine Lieblingsspeise sind Pinguine und Robben. Je nachdem. Manche haben sich auf die Jagd von Pinguinen spezialisiert, andere wiederum auf die von Robben. Sie lauern gern auf Eisschollen auf ihre Beute. Und bewegen sich trotz ihres Gewichtes und der Größe schnell und gewandt. Dabei erlegen sie ihre Beute vor allem im Wasser. Aber auch auf Eisschollen ist sie nicht sicher. Bemerkenswerterweise ernährt sich der Seeleopard gut und gern zur Hälfte auch von dem winzigen Krill, Fische dagegen stehen eher nicht auf seinem Speiseplan.

Um Seeleoparden sollte man als Besucher einen größeren Bogen machen. Sind doch Fälle bekannt, in denen sie Menschen angriffen, etwa in kleinen Booten. Ansonsten beachten Robben den Menschen gar nicht.

Ein kaltes Bad bei etwa 1 – 2 Grad Celsius Wassertemperatur

Tiere finden sich hier in der Bucht eigentlich eher weniger. Der Grund ist das etwas durch die Vulkanaktivitäten etwas wärmere Wasser, somit nährstoffärmere Wasser. Etwas wärmer heißt an manchen Stellen sieben Grad. Eigentlich nur direkt am Ufer an wenigen Stellen. Ansonsten ist das Wasser bei etwa Null bis zwei Grad Celsius hier in der Bay. Hält einen aber natürlich nicht ab, ein kurzes Bad zu nehmen. Der Bordarzt muss aber sein OK geben, Handtücher hat er dabei. Also rein ins sprichwörtlich kalte Nass.

Auf Deception Island lebt in der Nähe noch eine Brutkolonie von Zügelpinguinen. Sie sind etwa 70 Zentimeter groß, erreichen eine Geschwindigkeit von über 30 Kilometer pro Stunde beim Schwimmen und legen auf der Nahrungssuche 80 Kilometer täglich zurück. Die Tiere gelten neben den Felsenpinguinen als sehr streitlustig und greifen deutlich größere Tiere an. An unserem Landungspunkt waren aber nur einige wenige anwesend, und die waren auch ganz relaxt. Trotz des Seeleoparden in der Nähe. Zwei Wissenschaftler aus Norwegen haben hier zwei Zelte aufgebaut, sind schon seit etwa einen Monat hier um die Kolonie und die Zügelpinguine zu erforschen. Zwei weitere stehen Ihnen noch bevor. Gern nutzen sie die Anwesenheit unserer Schiffes um zu duschen, sich mit den Expeditionsmitgliedern zu unterhalten und am Abendessen teilzunehmen.

Klima und Wetterbedingungen

Hier auf Deception Island ließen sich auch sehr gut die schnellen Wetterwechsel erleben. Morgens nebelig und stark windig, kurz darauf schien die Sonne, dann schneite es heftig. Alles innerhalb kurzer Zeit. Die Antarktis ist Terra incognita, also unbekanntes Land. Sie ist bis heute kaum erforscht, zugleich ist sie lebensfeindlich wie kaum eine andere Region. Auch die Wetterumschwünge lassen dies erahnen. Man mag sich kaum vorstellen, unter welch extremen Bedingungen die Forscher vor über 100 Jahren sich auf den Weg zum Südpol machten. Als erster Mensch erreichte Roald Amundsen ihn am 14. Dezember 1911 mit vier Begleitern. Andere ließen bei den Versuchen ihr Leben. So auch der Brite Robert Falcon Scott. Dabei halten wir uns jetzt im Sommer in einer der wärmsten Regionen der Antarktis auf. Dann steigt die Temperatur schon mal auf null Grad Celsius. Im Jahresdurchschnitt liegt sie mit minus 55 Grad Celsius weit darunter. Im Landesinneren beträgt sie selbst im Sommer minus 40 Grad Celsius. Lange galten die minus 89,2 Grad, gemessen 1983 an der Antarktis-Station Woystock in zwei Meter Höhe, als die kälteste jemals gemessene Temperatur auf der Erde.

Eine gefrorene Landschaft

Die Auswertung von Satellitenmessungen über den Zeitraum von 2004 bis 2016 ergab jedoch mehr als 150 Messwerte von über minus 90 Grad Celsius. Der Rekordhalter sind jetzt minus 98,6 Grad, gemessen am 24. Juli 2004 auf 3800 Meter Höhe, also mitten im antarktischen Winter.

Der Südsommer ist die einzige Zeit, in der Touristen überhaupt diese Region besuchen können. Zugleich scheint südlich des Polarkreises 24 Stunden lang die Sonne. Wichtiger noch, den Zeitraum von Dezember bis Februar zeichnen längere, ruhigere Wetterabschnitte aus.

Derartig tiefe Temperaturen dürften jedoch der Vergangenheit angehören. Denn auch die Antarktis trifft die globale Erwärmung. Was fatale Folgen haben könnte. Der Eispanzer ist bis zu fünf Kilometer dick, in der Antarktis sind etwa 70 Prozent der Süßwasserreserven der Erde in Form von Eis gebunden. Ein Abschmelzen dieser ungeheuren Menge dürfte den Meeresspiegel um 58 Meter anheben. Ein komplettes Abschmelzen des Eises ist selbst bei deutlich ansteigenden Temperaturen aber nicht zu erwarten. Dafür sorgt die Lage umgeben von Wasser, die hohen Gebirge und die antarktischen, ablandigen Winde. Dennoch verliert auch die Antarktis zunehmend schneller an Eis.

Typisch für die Antarktis sind zudem ihre starken Winde. Warme, in der Höhe einströmende Luftmassen kühlen sich über dem Zentralplateau ab, sinken nach unten und fließen zu den Küsten hin ab. Da die Gebirgskette im Inneren an flache, weite Ebenen grenzt, gewinnen sie gewaltig an Geschwindigkeit. Dies gilt vor allem für die östlichen Gebiete. Die Sturmregion des King-George-Victoria-Landes zählt im Jahr rund 340 Sturmtage mit Windgeschwindigkeiten von bis zu über 300 Kilometer pro Stunde.

Ein für Menschen häufig ungemütlicher Kontinent

Dafür sind die Niederschlagsmengen im Inneren der Antarktis sehr gering. Sie fallen überwiegend als Schnee und in den Wintermonaten. In der Zentralarktis sind es um die 50 mm Niederschlag pro Jahr, zum Vergleich, in der Sahara fallen ebenfalls um die 50 mm Regen im Jahresmittel. Deswegen handelt es sich um eine trockene Eiswüste. An der Küste können es bis zu 600 mm werden, auf den vorgelagerten Inseln um die tausend.

Wilhelmina Bay, Orne Harbour, Melchior Island

Eisberg in der Wilhelmina Bay

Am kommenden Morgen haben wir die Wilhelmina Bay erreicht, ein für Wale und Robben idealer Futterplatz. Dementsprechend viele Buckelwale kann man hier beobachten. Wenn das Wetter mitmacht. Was es nicht tat. Zuerst herrschte ein starker Wind und Nebel vor, dann schneite es den ganzen Tag heftig. In der Ferne ließen sich dennoch ein paar Wale sehen, üblicherweise, wie es heißt, vor traumhafter Kulisse mit einem pyramidenförmigen Gipfel und riesigen Gletscherzungen. Die lassen sich aber nur erahnen. Man nennt diese Bucht übrigens auch Whale-mina- statt Wilhelmina-Bay.

Generell finden sich im Sommer nahe der antarktischen Halbinsel zahlreiche Wale ein, die sich relativ gut von dem Abschlachten erholt haben, mit Ausnahme der Blauwale. Sie jagen Fische, Tintenfische, Pinguine oder leben vom Plankton. Häufiger zu sehen sind die großen Schwertwale, bekannter als Orcas, die zur Familie der Delfine gehören. Aggressive und ehrgeizige Jäger, die es auf Robben, Seevögel und andere Kleinwale oder Jungtiere großer Bartenwale abgesehen haben. Sie bilden bei der Jagd Gruppen und gehen strategisch vor, sind so in der Lage auch viel größere Beutetiere zu erlegen.

Walreste aus den 30er-Jahren

Mithin der größte Wal ist der Blauwal. Nicht selten über 30 Meter lang und bis zu 200 Tonnen schwer ist er das schwerste Tier, das jemals auf der Erde existierte. Auch kein Dinosaurier kommt an seine Masse heran. Nur der Seismosaurus mag etwas länger gewesen sein. Allein sein Herz kann bis zu einer Tonne wiegen, die Hauptschlagader hat einen Durchmesser von 20 Zentimeter. Wie alle Bartenwale ernährt er sich von Krill und kleinen Krebsen, die er mit seinen Barten aus dem Meerwasser herausfiltert. Es ist als gesichert anzusehen, dass etwa Blauwale ein Alter von hundert Jahren erreichen können.

Untereinander kommunizieren Wale mit Tönen, die über hunderte von Kilometer im Wasser zu hören sind. Neuesten Forschungen zufolge hat jede Walpopulation wohl ihren eigenen typischen Gesang. 622 unterschiedliche Laute haben Forscher schon bei einer einzigen Walart unterscheiden können.

Wale sind meist gesellige Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Nur selten leben sie allein oder als Paar. Gruppen, auch Schulen genannt, bestehen aus zehn bis fünfzig Tieren. Zur Paarungszeit und bei besonders großem Nahrungsangebot können es auch mal bis zu 1000 Tiere sein.

Nachmittags lag die Fram dann vor Orne Harbour vor Anker. Es schneite immer noch kräftig, die Gletscher und Berge ringsum waren von Neuschnee bedeckt, sofern man sie sehen konnte. Eine Anlandung auf Eis klappte dennoch, ein beschwerlicher steiler Marsch durch den Schnee führte auf den spektakulären Spigot-Gipfel. Die Bucht diente zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Ankerplatz für Walfangschiffe.

Orne Harbour ist umgeben von Gletschern und steilen Berghängen. Entlang des Bergkamms nisten auch Zügelpinguine. Auch sie müssen auf dem Bergkamm hoch und runter. Es schneite immer heftiger, selbst den Pinguinen passte es wohl nicht. Sie entfernten den Schnee durch Flügelschlagen und meckerten heftig. Wunderbar war es, Pinguinen zuzuschauen, die im Schnee auf dem Bauch den Hang herunterrutschen. Für die Aufnahmen war das Wetter eigentlich ideal, auch wenn Kamera und Foto triefnass waren. Alles in allem ein gelungener Nachmittag.

Am kommenden Vormittag lagen wir dann vor Melchior Island vor Anker. Der nächste Versuch einer Kajak-Tour scheiterte an Windstärke 5. Also raus mit den Tenderbooten, eine Bootsfahrt durch die wunderschöne Gegend musste genügen. Die Melchior Islands sind eine Gruppe von vielen kleinen, flachen, mit Eis und Schnee bedeckten Inseln. Die Abbruchkanten der Gletscher sind schon faszinierend. An Tieren begegneten uns einige Zügelpinguine und ein Seeleopard, der auf einer Eisscholle vor sich hindöste. Ansonsten war die Fahrt etwas ereignislos.

Neumayer und Lemaire-Kanal

Das Wetter hatte umgeschlagen. Wir verließen die Melchior-Inseln. Die Sonne schien, auch wenn immer wieder bedrohlich dunkle Wolken am Himmel hingen. Die Eisberge, die Küstenlinie mit den eisbedeckten Hängen und die unzähligen Abbruchkanten der Gletscherfunkelten im Sonnenlicht um die Wette. Wir fuhren gerade südlich durch den Neumayer-Kanal. Eine traumhafte Eislandschaft zog an uns auf einer Strecke von 26 km vorbei.

Gegen 19 Uhr erreichten wir den Lemaire-Kanal. Die Durchfahrt durch den sechs Kilometer langen und einen halben Kilometer breiten Kanal gehört mit zu den schönsten Passagen in der Antarktis, ist zweifelsohne einer der landschaftlichen Höhepunkte einer Antarktis-Fahrt. Besonders bei guter Sicht, doch inzwischen hat uns der Nebel und bedeckter Himmel wieder. Dennoch war es eine spannende Durchfahrt, zumal ein Eisberg auch noch Teile der engsten Stelle blockierte. Und es kam uns ein weiteres Expeditionsschiff entgegen. Gab wunderbare Aufnahmen. In Schleichfahrt manövrierte der Kapitän dann die Fram dicht am Eisberg und den Bergen vorbei durch die Engstelle. Kurz darauf erreichten wir mit ordentlich Verspätung Petermann Island, morgen wollten wir hier anlanden. Aber 30 Passagiere durften schon am Abend anlanden, denn sie konnten die Nacht in Zelten auf der Insel verbringen. 60 hatten sich darum beworben, doch das Losglück hatte mich nicht bedacht.

Peterman Island – gefrorene Welten

Die Peterman-Insel unweit des südlichen Polarkreises ist ein sehr guter Beobachtungsort für Eisberge und Wale. Der Ort bietet zudem einen wunderbaren Ausblick auf die antarktische Halbinsel. Ein großer Teil ist von Eis bedeckt, zahlreiche Pinguinkolonien liegen über die Insel verstreut. Und die Pinguine beobachteten ganz fasziniert den Aufbau der Zelte aus nächster Nähe.

Früh am nächsten Morgen gab es einen neuen Anlauf für eine Kajak-Tour. Doch der Blick vom Schiff offenbarte enorme Packeismassen, die der Wind vom Süden hierhergetrieben hat. Eine faszinierende eingefrorene Eislandschaft, die vielmehr wert war als die geplante Anlandung. Das ist die Antarktis. Die Kajaktour wurde natürlich gecancelt und auch die Anlandung auf Peterman Island. Die Tenderboote mussten sich durch das Packeis kämpfen, um die auf der Insel verbliebenen zurück zu holen. Das dauerte rund vier Stunden bis alle und auch das Gepäck und das Expeditionsteam wieder an Bord waren. Zeit für Aufnahmen der auf dem Packeis liegende und vorbei treibenden Robben, von schwimmenden und fischend Pinguinen die sich in der von Schiff freigeräumten Fahrtrinne tummelten und natürlich von den sich durchs Packeis kämpfenden Tenderbooten.

Pleneau-Island

Später ging es in sehr langsamer Fahrt durch das dichte Packeis in Richtung Norden. Den Südpolarkreis konnten wir nicht mehr erreichen obwohl wir nicht mehr weit entfernt waren. Ist aber sowieso nur ein symbolischer Punkt. Nächstes Ziel für eine Anlandung am Nachmittag (und der Versuch einer weiteren Kajaktour) war Pleneau Island. Vom felsigen Strand der kleinen Insel führt eine sanfte Steigung hinauf zu einer großen Eiskappe, die zwei Drittel der Insel bedeckt. Inzwischen kam wieder die Sonne hervor.

Die Kajaktour

Und es wurde wahr. Zum Abschluss war doch noch eine Kajaktour möglich. 14 durften raus in die eisige See. Natürlich gut geschützt im Trockenanzug mit Notfallausrüstung für den Fall der Fälle. Das Wasser hat knapp minus zwei Grad Celsius, Überlebenszeit durch Schock und Auskühlung ohne Trockenanzug nur wenige Minuten.

Einmalig, unvergleichbar, nicht in Worte zu fassen. Mit dem Kajak in der Antarktis unterwegs

Die Fahrt war einfach gigantisch. Auf fast gleicher Höhe mit den Pinguinen, die sich durch das Kajak überhaupt nicht stören ließen und nebenher schwammen und sprangen, die Seehunde, das Paddeln an der Küste entlang, knapp zwei Stunden waren wir unterwegs. Zurück zur Fram mussten zwei Tenderboote uns den Weg durch eine Packeisstrecke frei räumen. Einfach fantastisch und ein passender Abschluss dieser einmaligen und außergewöhnlichen Reise. Ich glaube kaum, dass wir das letzte Mal in diesen Eiswelten unterwegs waren, zu beindruckend, zu schön, es fehlen schlicht die Worte um das was man hier erlebt, beschreiben zum können. Das nennt man den Polar-Virus, der viele Menschen befällt, die diese Regionen bereisen.

Dank auch an das Expeditionsteam, wirklich beeindruckend was sie leisteten, junge enthusiastische Menschen und Wissenschaftler. Dank auch an die Crew.

Eine Reise der anderen Art ging langsam zu Ende, eine traumhafte und faszinierende zugleich. Es ist schon etwas Besonderes, in diese Region unseres Planeten zu reisen.

Doch noch stand uns die Drake-Passage bevor. Knapp 1000 Kilometer liegen vor uns, die Strecke von der Antarktischen Halbinsel bis nach Ushuaia. Das entspricht etwa 40 Stunden Fahrzeit bei gutem Wetter. Aber es geht durch die Drake-Passage Richtung Kap Hoorn. Sie hat den Namen von James Cook erhalten, nach dem britischen Piraten ihrer Majestät Sir Francis Drake.

Das Befahren dieser Strecke ist ein nicht immer ein ganz ungetrübtes Vergnügen. Immer wieder kreisen mächtige Tiefdruckgebiete von West nach Ost um die Antarktis und passieren unweigerlich diese Passage. Dennoch, es ist meist weniger schlimm als der Ruf befürchten lässt. Halt ein Lotteriespiel. Bei uns war es recht ruhig, gerade mal vier bis fünf Meter hohe Wellen und Windgeschwindigkeiten von 10 m/s. Also nicht mehr als bei der Fahrt von Süd-Georgien in die Antarktis.

Der schlechte Ruf der Passage und des Kaps hängen eher damit zusammen, das zu früheren Zeiten bis zum Bau des Panama-Kanals die Schiffe um Kap Hoorn herum mussten. Also waren viele Schiffe unterwegs, vor allem Frachter, die gegen den vorherrschenden Wind gesegelt werden mussten. Kein Wunder, dass es sich um einen der größten Schiffsfriedhöfe der Welt handelt. Rund 800 Schiffe sollen hier verunglückt, mehr als zehntausend Menschen umgekommen sein.Manch Expeditionsleiter hat dafür einen passenden Spruch auf den Lippen: Die Antarktis kostet keinen Eintritt, der Preis ist die Drake-Passage.

Meist bekommt man das Kap Hoorn gar nicht zu sehen, es liegt rund 40 Seemeilen westlich der üblichen Schifffahrtsroute. Hat man aber genügend Zeit und macht das Wetter mit, manchen manche Expeditionsschiff einen Schlenker. So auch bei uns. Und wir konnten zum Abschluss das Kap sogar bei Sonnenschein genießen und bei verhältnismäßig ruhiger See. Näher als drei Seemeilen durfte die Fram sich aber nicht nähern, das wäre eine Einreise nach Chile gewesen und die ist untersagt.

Die Antarktis ist nicht nur ein weiterer Kontinent. Er ist einer der nahezu unberührt ist, große Teile sind immer noch im wahrsten Wortsinn weiße Flecken auf der Landkarte. Groß ist die Vielfalt an Tieren, außergewöhnlich viele Landschaften, lebensfeindlich die Umwelt. Ein Kontinent mit vielen Superlativen die kaum jemand kennt und nur wenige besuchen. Die größten Gletscher, die tiefsten Temperaturen, die größten Eisberge, ungeheure Stürme und zahlreiche wilde Tiere ohne Scheu vor dem Menschen. Es ist außergewöhnlich, diesen Teil der Erde zu besuchen, faszinierend zugleich, zumal die Antarktis und Süd-Georgien einen in den Bann ziehen. Und eigentlich auch nie mehr loslassen.

Brown Bluff, hier erfolge mein erster Schritt auf das antarktische Festland

Quellen: Eigene Erlebnisse, Gespräche mit dem Expeditionsteam, Internetrecherche, Wikipedia

Hier geht es zu Teil I, den Falkland-Inseln und zu Teil II, Süd-Georgien

Eine Reise in die Antarktis via Falklands und Süd-Georgien

Teil II – Südgeorgien

Fahrt nach Südgeorgien

Hier geht es zu Teil I, den Falkland-Inseln und zu Teil III, der Antarktis

Unsere Route in die Antarktis via Falkland-Inseln und Südgeorgien:

Unsere Route mit der MV Fram via Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarktis

Hier finden sich die Logdateien (GPS) über die gesamte Reise hinweg (Quelle: Hurtigruten)

Hier gibt es den 90-minütigen Film der Reise kommentiert als DVD oder hochauflösend als BluRay. Als Vorgeschmack ein paar Ausschnitte jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln.

Auf hoher See

Zwei Tage auf hoher See dauert die Fahrt nach Süd-Georgien. Zeit, um sich etwas mit der Geschichte der Polarregion zu befassen. Eine davon aus der Zeit der Erkundung des Südpols ist besonders spannend. Es ist die Expedition der Endurance, und der Schiffsname – Ausdauer – war Programm.

Suche Freiwillige für gefährliche Reise. Niedriger Lohn, bittere Kälte, lange Stunden in vollständiger Finsternis garantiert. Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Fall des Erfolges.  Mit dieser Anzeige, erzählt man, suchte Sir Ernest Shackleton 1907 Freiwillige für eine Antarktis-Expedition, um an den Südpol zu gelangen. 27 Mann kamen mit, und diese Reise ging in die Geschichte als Ausdruck menschlichen Überlebenswillen ein. [2000 Kilometer vorm Ziel entfernt ging es nicht mehr weiter, das Schiff fror am 19. Januar 1915 im Packeis ein. Im März ging die Sonne für drei Monate unter, die Temperaturen fielen auf minus 26 Grad Celsius. Im Frühjahr gerät das Eis in Bewegung, das Schiff zerbirst und sinkt am 21. November.

Der Überlebenskampf ging weiter. Nach 497 Tagen auf dem Eis erreichten sie in Rettungsbooten, die sie über das Eis zogen Elephant Island. Abseits aller Schiffsrouten. Also machte sich Shackleton mit fünf weiteren Männern zu einer 1500 Kilometer langen Reise über das Meer auf, nach Südgeorgien, um Hilfe bei einer Walfangstation zu holen. Es gelang ihnen. Am 30. August 1916 konnten alle zurück gebliebenen Männer gerettet werden, nach 635 Tagen im Eis.

Shackletons Grab bei Grytviken

Shackleton starb 1922 mit 48 Jahren auf einer weiteren Expedition an einem Herzinfarkt auf Süd-Georgien. Er wurde auf Wunsch seiner Frau auf der Insel begraben.

 

Das Wetter während der Fahrt war übrigens wunderbar, die See recht ruhig. Immer wieder querten ganze Herden an Walen unseren Weg, dabei handelte es sich um Buckelwale. Die Gewässer hier sind reich an Krill, Hauptnahrung für die Wale. Und inmitten des Ozeans schauen sieben Felsen aus dem Meer, ideale Brut- und Rastplätze für Seevögel.

Mitten im Ozean, sieben Felsen. Rast- und Brutplatz für Seevögel
Buckelwale, konnten wir zahlreich beobachten.

Süd Georgien

Eis und Fels, das ist Süd Georgien. Eine 180 Kilometer lange Sichel aus bald 3000 m hohen Bergen und Gletschern. Dieser britische Außenposten hat seine Launen, jedenfalls was das Wetter angeht. Graupelschauer, Sonne und Regen wechseln sich stetig ab. Kommt man von Norden her so wie wir, ist sie abweisend und unwirtlich. Zugleich nennt man Süd Georgien die Serengeti des südlichen Eismeeres. Ist sie doch Heimat unzähliger brütender Pinguine, von Seevögeln und Robben. Zugleich lassen sich im Meer zahlreiche Wale beobachten.

An der Küste sind Relikte einer anderen Zeit zu sehen, vor sich hin modernde Reste von Schlachthäusern. In Ihnen hat man zehntausende von Robben und Seeelefanten niedergemetzelt. In der Saison 1800 bis 1801 brachte allein ein Schiff der Amerikaner 57.000 Robbenfelle nach Hause. Und es war nur eines von insgesamt 18 britischen und amerikanischen Fangschiffen. Die Seeelefanten schlachteten sie wegen ihres Trans ab. Der diente etwa als Brennstoff.

Daneben finden sich die Überbleibsel von sieben alten Walfangstationen. Nach den Robbenfängern kamen die Walfänger, setzten Anfang des 20. Jahrhunderts auf dampfgetriebe Schiffe und Kanonen mit Harpunen. Ihnen zum Opfer fielen neben den langsameren Glatt-, Buckel und Pottwalen auch die großen Bartenwale, Finn- und Blauwale. Letztere haben sich bis heute noch nicht von der Jagd erholt, die anderen Arten dagegen schon. Den traurigen Höhepunkt erreichten die Walfänger hier in der Saison 1930/31 mit über 40.000 getöteten Tieren.

Ein alter Walfänger von seiner schönsten Seite

Begonnen hatte die Ära des industriellen Walfanges hier in Grytviken, unserer ersten Station um 1904. Bevor wir jedoch an Land dürfen, gibt es erst mal strenge Kontrollen in Sachen Bio-Sicherheit. Sprich, dass keine fremden Arten eingeschleppt werden. Deswegen hatten wir auf der Fahrt nach Süd-Georgien unsere Outdoorkleidung, Rucksäcke und Kamerataschen penibel ausgesaugt damit ja kein Schmutz oder Kleingetier übersehen wird. An Land darf man sowieso nur mit von Hurtigruten gestellten speziellen Gummistiefeln, die immer gereinigt und desinfiziert werden.

Ein Beamter von der hier ansässigen Verwaltung überprüft jeden einzelnen Stiefel der Passagiere, Rucksäcke oder Stative, die Outdoorbekleidung, Rattenfallen an Bord… Dauert mehrere Stunden. In dieser Zeit halten Freiwillige vom South Georgia National Trust einen Vortag, der diese Maßnahmen absolut verständlich macht. Und versuchen natürlich auch Spenden für ihre Arbeit einzusammeln. Nun gut, sind wir jetzt halt Pate für einen Hektar Süd-Georgiens

Fällt man bei der Kontrolle durch, darf niemand vom Schiff Süd-Georgien betreten. Das gilt für alle weiteren Anlandungen. Selbst das Schiff ist für ein Jahr gesperrt.

Zurück zum Walfang. Die Walfangstation war 58 Jahre ohne Unterlass in Betrieb, bis zu 500 Männer und ihre Familien lebten einst hier. Am Ende der Welt finden sich Museum, Kino, Kirche, der Friedhof, große Walöl-Tanks und einige Verwaltungsgebäude. Die Wohnhäuser, die hat sich die Natur wieder zurückgeholt. Die Bilanz der Hochburg des industriellen Walfanges in Grytviken lautet wie folgt: 53761 geschlachtete Wale, 455.000 Tonnen Waltran, 192.000 Tonnen Fleisch. Auch zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise überstanden sie hier unbenommen.

Schon Mitte der 30er-Jahre gab es so gut wie keine Buckelwale mehr, zugleich sank der Preis des Walöles auf ein Rekordtief. Der Grund: die Überproduktion. Eine Walfangstation nach der anderen machte auf Süd-Georgien dicht, Anfang der 40er-Jahre gab es nur noch zwei. Opfer der eigenen Gier.

Begehrt waren die Wale ihres Blubbers wegen, der weißen Fettschicht unter ihrer Haut. Daraus produzierte man Glyzerin, ein Bestandteil von Kosmetika wie Seife oder Cremes, oder auch die Basis für Brennstoffe in Öllampen und Heizkesseln. Auch im Krieg kam Walfett zum Einsatz – als Nitroglycerin in Granaten und Bomben.

Heute leben auf Südgeorgien im Winter in der einen Kilometer entfernten Forschungsstation King Edward Point acht Wissenschaftler und im Sommer bis zu vier Museumsangestellte. Fast ganzjährig finden sich in der Station zudem zwei Regierungsangestellte mit ihren Partnern. Will man doch den territorialen Anspruch Großbritanniens aus Süd Georgien untermauern. Die Kiesstrände haben die ehemaligen Bewohner wieder zurückerobert, sie tummeln sich zwischen den verrosteten Resten der Fabriken.

Ihnen, den Tieren, widmen wir uns die nächsten Tage vor allem. Südgeorgien ist mit das wichtigste Brutgebiet des Königpinguins. Bis zu 400.000 Tiere sollen auf der Insel leben. In einer einzigen Kolonie finden sich 150.000 Tiere. Pinguine, soweit das Auge reicht. Sie stehen Schulter an Schulter. Dazwischen hunderte Seebären.

Noch zahlreicher sind die Goldschopfpinguine, die sich an den Stränden tummeln. Die bis zu 70 Zentimeter großen Tiere sind durch die goldgelben Gesichtsfedern und dem rötlich schwarzen Schnabel leicht zu erkennen.

Auch Seeelefanten finden sich ein, die Bestände haben sich erstaunlich erholt. Gab es Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch eine Restpopulation, sind es heute wieder mehrere Hunderttausend.

Ein Jungtier

Krill, das ist die Hauptnahrung der Seebären und Wale. Die krabbenähnlichen Krebstiere werden durch Strömungen alljährlich aus dem Westen der Antarktischen Halbinsel an Süd Georgien vorbei transportiert, quasi ein lebendiger Fluss aus den kleinen roten Tierchen. Doch der Krillbestand ist gefährdet, sind sie und ihre Larven doch auf das Wintereis angewiesen. Nur dort wächst ihre Nahrung, das Phytoplankton. Das wird immer dünner, dem Klimawandel sei es geschuldet.

Eine Bedrohung für das antarktische Ökosystem könnten die Fischtrawler werden, die es in der Nähe des Weddellmeers auf den Krill abgesehen haben. Ihn benötigt man in Aquakulturen als Fischfutter, und ein weiterer Teil geht in die Arzneimittel- und Kosmetikproduktion. Um den Schutzstatus des Gebietes wird heftig geringt, noch ist aber nichts entschieden.

Hatten hier nichts verloren, Rentiere

Einer großen Bedrohung für die Vögel ist man in den letzten Jahren massiv entgegen getreten. Von Menschen eingeführte Rentiere grasten die Hänge ab, und mit Schiffen eingeschleppte Ratten fanden hier ein Paradies vor. Da es keine Bäume gibt, brüten die Vögel im Gras – ein gefundenes Fressen für die Nager. Man schätzt, dass die Vogelpopulation bereits um 90 Prozent zurückgegangen war. Die auf mehrere tausend Tiere angewachsene Rentierherde schossen eingeflogene Jäger ab.

Nur was tun mit den vielen Ratten, zumal nicht ein einziges Paar in den Gebirgslandschaften auf einer Fläche von 100.000 Hektar überleben durfte? Die einzige Lösung waren Giftköder, die mit Hubschraubern über der Insel verteilt wurden. Mit dem Wissen, dass daran auch Vögel sterben würden. Der langfristige Nutzen für die Natur jedoch schien höher. Tatsächlich scheint man es geschafft zu haben. In 2018 erschnüffelten Spürhunde keine einzige Ratte mehr, aufgestellte Fallen bleiben leer.

Das Klima hier ist rau, kühl und feucht, geprägt durch die an der Südküste wehenden Furious Fifties. Dabei handelt es sich um teilweise extreme Winde zwischen dem 50sten und 60sten Breitengrad, deswegen die rasenden Fünfziger genannt. Im Windschatten liegt die Nordküste mit einem angenehmeren Klima. Der Sommer ist kurz und erreicht schon mal 10 ° Celsius. Dennoch gibt es Nachfröste und Schneefall ist nicht selten. Stürme und starke Niederschläge sind nicht selten, wenngleich der Sommer die regenärmste Zeit ist.

Das erfuhren wir auch am eigenen Leib. War der erste Tag in Grytviken erst noch sonnig, schlug Nachmittags das Wetter um. Die Rückfahrt im Boot war da schon nasskalt. Und der Tag darauf verlief anders als geplant und war doch wunderbar. Eigentlich wollten wir im Norden die zweitgrößte Kolonie an Königspinguinen erkunden. Doch es herrschte dichter Nebel, kein Problem. Doch die rund einem Meter hohen Wellen ließen es nicht zu, mit den Polarcirce-Booten anzulanden. Also suchte der Kapitän einen anderen Anlandungspunkt und erwählte einen nur selten angefahrenen. Und der hatte es in sich. Hier tummelten sich so viele Pinguine, Seelöwen, See-Elefanten und vieles mehr, so dass ein anlanden ebenfalls nicht möglich war. Ohne zu viele Tiere zu stören, die zudem noch viele Jungtiere bei sich hatten, und dann ist mit ihnen nicht unbedingt zu spaßen. Also entschloss man sich, in kleinen Gruppen mit den Booten den Strand und die Küste entlangzufahren und alles vom Wasser aus zu beobachten. Kaum zu beschreiben was sich hier abging.

Süd Georgien bietet sich zudem für Wanderungen an. Ein gern begangener Weg ist das letzte Stück der Route, die Sir Ernest Shackleton über die schroffen Berge der Insel antrat, um Hilfe für seine auf Elephant Island zurückgebliebenen 22 Männer zu finden. Nachdem Shackleton nach der 1500 Kilometer langen Überfahrt auf dem knapp sieben Meter langen Boot Süd Georgien erreichte, musste er an der Südküste anlegen, Hurrikan-artige Winde, schwerer Seegang und starke Beschädigungen am Boot verhinderten die Umrundung der Insel.  Also hieß es, zu dritt die unerforschte Insel zu durchqueren um eine Walfangstation zu erreichen. Sie konnten ihren Weg nur abschätzen. Nach schwierigen Auf- und Abstiegen mit Kletterpartien auch durch einen eisigen Wasserfall schafften sie es innerhalb von 36 Stunden ohne Pausen. Den letzten Teil ( sechs Kilometer) wollten wir am kommenden Tag erwandern, nur auch hier schlug uns das Wetter ein Schnippchen. Zu gefährlich der schlechten Wetterbedingungen wegen.

Vorfahrt für alle Tiere, besonders wenn es Seelöwen sind

Dafür landeten wir in Fortuna Bay und in Strømness an, inmitten von Pinguinen, See-Elefanten, Seebären und allem was so herumsprang. Auch viele Jungtiere rannten herum, und die kannten keine Grenzen. Zu neugierig. Abstand halten ist da sehr schwer. Aber es sind und bleiben Wildtiere, und der Biss eines Seebären, den will wohl keiner spüren. Hätte auch den Abbruch der Expedition bedeutet, trotz Arzt, Schwester und Krankenstation an Bord wäre das nicht zu behandeln gewesen. Also immer schön aufpassen und den Tieren den Platz geben, den sie wollen. Kommt einer zu nah, hilft das Heben eines Stockes und zurückweichen. Sie sind hier die Bewohner und Herren, wir nur Gäste. Aber es ist und bleibt ein einmaliges Erlebnis, wie es wohl nirgends sonst auf der Welt möglich ist. Ein Gewusel und Leben, permanent Kämpfe der Seebären, das Schreien und Spielen der Jungtiere… Den Menschen kennen die Tiere nicht mehr als Feind, obwohl er manche Tierarten vor weniger als hundert Jahren nahezu ausgerottet hatte.

In Strømness selber findet sich eine weitere alte Walfangstation, die schon ziemlich im Verfall begriffen ist. Man muss jedoch Abstand halten, das Gelände ist aus Sicherheitsgründen gesperrt. Nicht allein der Verfall würde es gefährlich machen, sondern der damals verbaute Asbest, der sich überall hier wie ein vielen anderen Stationen findet.

Am nächsten Morgen wieder blauer Himmel, klare Sicht aber ein eisiger starker Wind. Unser Anlandepunkt ist eine wunderbare Bucht namens Godthul. Durch hohes Gras, dazwischen liegen immer wieder Seebären und -elefanten, geht es einen steilen Berg hoch. Hier oben findet sich eine Kolonie an Eslespinguinen. Die müssen übrigens den beschwerlichen Weg ebenfalls nehmen, wollen sie ins Wasser. Von hier oben bot sich ein fantastischer Blick in die Landschaft, besonders in die Bucht mit der Fram.

Weiter ging es nach St. Andrew Bay. Nach etwas über einer Stunde Fahrt erreichten wir die Bucht. Schon der Blick auf die zwei Gletscherzungen war gigantisch. Aber erst die Königspinguine. Zuerst eruiert das Expeditionsteam einen möglichen Anlandepunkt und schafft dann die über eine Tonne schwere Sicherheitsausrüstung an Land. Was auch gut eineinhalb Stunden dauerte. Und dann ging es los. Hier brüten über 200.000 Paare des Königpinguins, zusammen mit den Jungtieren sind es über eine halbe Million Tiere. Mithin die größte Kolonie an Königspinguinen auf Süd Georgien. Nur zog das Wetter wieder etwas zu. Und es fing an zu schneien. Auch war der Wellengang recht hoch, sprich es wurde eine etwas nassere Anlandung. Egal.

Was man hier erlebt, ist eigentlich weder mit Worten noch mit Bildern zu beschreiben. Königspinguine zuhauf, die keine Scheu zeigen, an allen Ecken und Enden kämpfen Seeelefanten mit ihrem bis zu 5 t Gewicht gegeneinander, fallen erschöpft nieder, kämpfen weiter. Die Kühe sparen lieber ihre Energie während des 3. bis 4-wöchigen Fellwechsels, liegen herum, können ja nicht ins Wasser um Nahrung zu ergattern. Dazwischen Seelöwen, Seehunde, Sturmvögel, eine Geräuschkulisse, hier tobt das Leben. Dazwischen wir Besucher mit mehr oder weniger Sicherheitsabstand. Die Tiere störte das nicht. Direkt zur eigentlichen Kolonie konnten wir nicht, der Schmelzwasserfluss vom Gletscher her hatte zu viel Wasser. Das aber machte gar nichts aus. Ich wiederhole mich, es ist unbeschreibbar. Was sollte eigentlich noch kommen?

Zurück am Schiff die Bilder und Filmszenen sichten. Das war eine ungeheure Aufgabe, nun standen nach dem Besuch des Drygalski-Fjordes am kommenden Vormittag aber erstmal drei Tage hohe See Richtung Antarktis auf dem Programm.

Der Fjord selber, eine fantastische Bergkulisse rechts und links vom Schiff mit hängenden und in den Fjord mündenden Gletschern. Leider macht das Wetter nicht richtig mit, Schneeschauer, sturmartiger eiskalter Wind, Nebel. Hat aber auch seinen eigenen Flair und ist eine gute Vorbereitung auf die Antarktis.

Hier geht es zum ersten Teil der Reportage zu den Falkland-Inseln und hier zum dritten Teil und Höhepunkt, der Antarktis.

Eine Reise in die Antarktis via Falklands und Süd-Georgien

Teil I – Die Falkland-Inseln

Hier geht es zu Teil II, Süd-Georgien und zu Teil III, der Antarkis

Ende des Jahres 2018 führte uns eine Reise zu einem der abgelegensten Orte der Welt, der Antarktis. Vorher verbrachten wir noch einige Tage in Buenos Aires (hier geht es zu einem kurzen Reisebericht mit zahlreichen Bildern), bevor wir dann am 7. Dezember in Ushuaia an Bord des Expeditionsschiffes  MS Fram der Reederei Hurtigruten gingen.

Die MS Fram, unser Expeditionsschiff der Reederei Hurtigruten in Stanley

Der namensgleiche Vorgänger der MS Fram war eines der berühmtesten Expeditionsschiffe zu Zeiten der ersten Polarexpeditionen. Von 1893 bis 1912 diente es den norwegischen Forschern Fridtjof Nansen und Roald Amundsen auf ihren Arktis- und Antarktisexpeditionen. Insofern ist MS Fram ein Schiffsname mit großer Entdeckertradition und somit ein Versprechen der Reederei auf eine unvergessliche Expedition in eine der entlegensten Regionen unseres Planeten. Zugleich bietet die Tour eines der größten touristischen Abenteuer unserer Zeit.

Hier gibt es den 90-minütigen Film der Reise kommentiert als DVD oder hochauflösend als BluRay. Als Vorgeschmack ein paar Ausschnitte jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln.

Auf dieser Reise erwarten einen faszinierende Eindrücke von der Tierwelt auf den Falklandinseln und natürlich vom Leben der Menschen weit weg von unserer Zivilisation auf dem britischen Überseegebiet. Man erlebt auf Süd-Georgien eines der wichtigsten Brutgebiete des Königpinguins, zugleich ein Vogelparadies mit geschätzt 30 Millionen Seevögeln und lernt vergangene Zeiten kennen, in denen Menschen Tiere wie Wale und Robben nur als Jagdbeute betrachteten. Und man erfährt im wahrsten Sinn des Wortes die hohe See, Eis und Eisberge sowie viele Anlandungen auf der antarktischen Halbinsel mit ihrer einmaligen Tierwelt. Aus Reisenden werden Botschafter. Damit die Antarktis so bleibt, wie sie ist.

Die Route: Bevor wir uns auf den Weg in die Antarktis machten, ging es nordöstlich in Richtung der Falklandinseln. Nach einem Tag auf hoher See widmeten wir uns dann drei Tage den Seevögeln, Pinguinen und der Hauptstadt Stanley. Nach zwei weiteren Tagen erreichten wir Süd-Georgien. Vier Tage blieben uns, um die Schönheit und die Tierwelt des einzigartigen Archipels zu erkunden. Weiter ging es Richtung Süden, nach einem Tag auf See erreichten wir Antarktika, den kältesten, trockensten, windigsten und entlegensten Kontinent der Erde. Hier hielten wir uns sechs Tage auf und machten zahlreiche Anlandungen. Zurück ging es rund zwei Tage durch die raue Drake-Passage, mithin das wildeste Meer weltweit. Und einer der größten Schiffsfriedhöfe unseres Planeten. Die Antarktis kostet keinen Eintritt, der Preis ist die Drake-Passage.

Unsere Route mit der MV Fram via Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarktis

Hier finden sich die Logdateien (GPS) über die gesamte Reise hinweg (Quelle: Hurtigruten)

 

Blick auf Ushuaia, Argentinien, vom alten Flughafen aus

Ausgangspunkt für die Reise war Ushuaia. Die südlichste Stadt Argentiniens und je nach Betrachtungsweise auch der Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem verschlafenen Dorf in eine Stadt mit vielen Besuchern und rund 80.000 Bewohnern gewandelt. Wie am Ende der Welt fühlt man sich hier nicht. Die Menschen und Besucher suchen oder leben von spektakulären Landschaften, der Nähe zum Feuerland-Nationalpark, zudem ist Ushuaia Ausgangspunkt für Reisen durch Patagonien und in die Antarktis.

Betrieben wird das Expeditionsschiff von der norwegischen Reederei Hurtigruten. Das Schiff ist etwa 114 Meter lang und 29 Meter breit. Damit ist es wendig genug, um zwischen Eisbergen, Eisschollen und kleineren Inseln zu navigieren. Derartige Schiffe erreichen Regionen, die größeren Schiffen verschlossen bleiben. Aber es ist groß genug um Stabilität und Sicherheit auch bei rauer See zu gewährleisten. In die Antarktis nimmt es maximal 200 Passagiere auf, das ermöglicht mehrere Anlandungen pro Tag. Bis zu 60 Zentimeter dickes Eis ist für die Fram kein Problem.  Auf Kiel gelegt hat man es 2006 im italienischen Monfalcone. Funktional und praktisch ist das Schiff ausgelegt. Besonderen Luxus darf man nicht erwarten. Es handelt sich ja um ein Expeditionsschiff und nicht um ein Kreuzfahrtschiff. Wer Luxus erwartet, liegt hier falsch. Viel wichtiger sind die Vorträge der mitreisenden Wissenschaftler und Lektoren.

Die Falklandinseln (Islas Malvinas)

Wir haben die Falkland-Inseln erreicht und sind in Stanley, der Hauptstadt des Archipels. Sie ist Ausgangspunkt für verschiedene Touren in die Umgebung und leicht zu Fuß zu erkunden. Die meisten Geschäfte und Restaurants sind am Hafen zu finden. Etwa zwei Drittel der rund 3.000 Einwohner der Falkland-Inseln leben in Stanley. Der Rest findet sich in kleinen Ortschaften über die zwei Hauptinseln verteilt. Die Menschen stammen vor allem von Einwanderern nordenglischen und schottischen Ursprungs ab, die in den 1830er Jahren auf die Inseln kamen.

Infolge des Falklandkrieges von 1982 hat man zudem Einheiten der britischen Luftwaffe, Marine und des Heeres stationiert. Die Soldaten sind noch immer mit dem Räumen von Munition und Minen aus Kriegszeiten beschäftigt, die auch heute Teile der Insel zu Sperrgebieten machen.

Wirtschaftlich gesehen sind die Falkland-Inseln von Großbritannien abhängig. Häute und Talg aus der Schafzucht sind ein traditionelles Exportgut. Bedeutung hat zudem der Fischfang und in einem gewissen Umfang auch der Tourismus. Per Flugzeug erreichen nur um die 1600 Besucher das Eiland, der größere Teil kommt mit Kreuzfahrtschiffen als Tagestouristen.

Einen guten Eindruck von der Geschichte der Insel bekommt man im Falkland Islands Museum. Historische Artefakte, Skulpturen und Gemälde erzählen die Seefahrtgeschichte der Inselgruppe.

Windig, kühl und regenreich ist das Klima auf den Inseln. So regnet oder schneit es an rund 200 Tagen im Jahr. Jetzt im Hochsommer kann die Tagestemperatur aber schon mal auf 20 Grad Celsius steigen. Durchschnittlich beträgt sie im Sommer zwischen 8 und 12 Grad Celsius, im Jahresdurchschnitt 5 Grad. Wir hatten drei Tage lang prima Wetter, Sonnenschein und 12 bis 14 Grad Celsius.

Die Anlandungen

Angelandet sind wir an New Island. Buchten und niedrige Hügel mit sandigen Stränden im Osten und steile und felsige Küstenabschnitte im Norden und Westen prägen die Insel. Mit Beaver Island ist es die am weitesten westlich gelegene Insel der Falklandinseln. Das Eiland wurde um 1770 von amerikanischen Walfängern besiedelt. Mitte des 19. Jahrhunderts baute man den Guano der Vogelkolonien ab. Hier erwarten den Besucher Felsenpinguine, die zusammen mit Schwarzbrauenalbatrossen an einem steilen Küstenabschnitt brüten. Ja nach Anlandungsstelle zu beobachten sind Eselspinguine, See-Elefanten, Robben, Sturmvögel, Möwen, Blauaugenkormorane und Magellangänse. Heute leben auf New Island nur eine Hand voll Menschen.

West Point Island war die nächste Insel, an der wir an Land gingen. Noch in den 1920-Jahren hat man hier Pinguine und Seelöwen zur Ölgewinnung gejagt. Heute lebt die Familie Napier von der Schafzucht und den gelegentlichen Besuchern, die sie sehr gerne bewirten. Ein paar Milchkühe und ein Gemüsegarten versorgen sie mit dem Nötigsten. Zu Fuß ging es die zwei Kilometer nach Devils Noise mit bis zu 300 Meter hohe Klippen. Dieser Ort ist Heimat für über 2000 Brutpaare der Schwarzbrauenalbatrosse und etwa 500 Paare der Felsenpinguine. Manch Besucher zählen ihn zu den spektakulärsten der gesamten Falklandinseln.

Mit einer Spannweite von etwas über zwei Metern sind Schwarzbrauenalbatrosse relativ klein für ihre Gattung. Die Vögel verbringen nahezu ihr ganzes Leben im Südpolarmeer, einzelne Exemplare wurden aber schon an Europas Atlantikküste gesichtet. Sie können stundenlang über den Wellen schweben, ohne einen einzigen Flügelschlag. Die Vögel leben sehr treu. So kommen die Paare normalerweise jedes Jahr wieder zusammen, um gemeinsam zu brüten. Auch erreichen sie ein hohes Alter von bis zu 70 Jahren. Die Nahrung bilden vor allem Tintenfische, Krebse und Krill. Als Nistplätze bevorzugen sie die Steilküsten mit ihren Aufwinden.

Schwarzbrauen-Albatross

Relativ klein sind die Felsenpinguine mit rund einem halben Meter Körperlänge. Das kompensieren sie durch ihre Wehrhaftigkeit, Felsenpinguine greifen jedes Tier an, das ihrem Nest in die Nähe kommt. Seien es andere Pinguine, Albatrosse oder auch Menschen. Ihren Partnern gegenüber sind sie hingegen ausgesprochen zärtlich, soziale Gefiederpflege ist üblich.

Angelandet sind wir am Folgetag dann noch auf Carcass-Island und Sounders Island. Carcass-Island ist rattenfrei, bietet somit eine besonders artenreiche Vogelpopulation. Hier marschierten wir insgesamt sieben Kilometer zu einer Kolonie an Magellan-Pinguinen. Felsen-, Esels- und die Königspinguine fanden sich zahlreich auf Saunders Island.

Carcass-Island

Saunders Island

Der kleinere Magellan-Pinguin erreicht etwa 60 Zentimeter Körpergröße. Besonders auffallend ist die fehlende Scheu vor dem Menschen. Sie nähern sich einem bis auf Armlänge, zeigen keine Drohgebärden oder Fluchtinstinkte. Man muss sogar aufpassen, dass man Ihnen nicht auf die Füße tritt. Magellan-Pinguine bauen mit Schnabel und Krallen eine Bruthöhle, die bis zu zwei Meter tief und mehrere Meter lang sein kann. Sie legen häufig zwei Eier, beim Füttern bevorzugen sie jedoch meist das zuerst geschlüpfte Jungvogel, was zu einer höheren Sterblichkeit des zweiten führt.

Trotz deutlicher Unterschiede in Größe und Gewicht eint alle Pinguinarten eines: Ihre Anpassung an das Meer und teilweise extreme Temperaturen. Das sind der strömungsgünstige, torpedoähnliche Rumpf, die zu Flossen gewandelten Flügel, das dichte und wasserabweisende Federkleid und die als Nährstoffvorrat und Kälteschutz dienende Fettschicht.

Königspinguin

Von den hier auf den Falklands lebenden vier verschiedene Arten ist sicherlich mit am imposantesten der Königspinguin. Ein ausgewachsenes Tier erreicht eine Größe von bis zu 95 Zentimeter und ein Gewicht von neun bis 18 Kilogramm. Sie können bis zu 345 Meter tief tauchen und erkennen sich untereinander anhand ihrer Rufe. Aufgrund der harten klimatischen Bedingungen dauert ein Brutzyklus 14 Monate. Sie bauen keine Nester, sondern legen nur ein etwa 300 Gramm schweres Ei, das auf den Füßen gelagert wird.

Nach etwa zwei Monaten nach dem Schlüpfen hat das Jungtier Ende März vor dem Winter das Gewicht der Eltern, ist aber noch nicht flügge. In den sechs Wintermonaten werden sie nicht selten nur ein oder zwei Mal von den Elterntieren mit Nahrung versorgt. Im Frühjahr haben sie bis zu 70 Prozent ihres Gewichtes verloren, werden von den Eltern wieder hochgepäppelt.

Noch extremer leben die Kaiserpinguine, die tief im antarktischen Winter weit im Landesinneren Antarktikas brüten. Allein um an die Brutgebiete zu kommen, sind sie mehrere Wochen auf dem Eis unterwegs. Ihr Federkleid ist extrem dicht, pro Quadratzentimeter liegen zwölf Federkiele über- und nebeneinander. Kaiserpinguine bekommt der Besucher bei einer Antarktisreise jedoch nicht zu sehen, sie leben zu weit südlich.

Eselspinguin

Die Eselspinguine brüten auf den Falkland-Inseln gern in der Nähe von Königspinguinen. Sie sind mit durchschnittlich 70 Zentimeter Körpergröße etwas kleiner und gehören zu den schnellsten Schwimmern unter den Pinguinen. Je nach Quelle erreichen sie 27 bis 36 Kilometer pro Stunde. Sie haben ihren Namen durch ihre charakteristischen Rufe, die an Eselsschreie erinnern.

Hier geht es zu Teil II mit Süd-Georgien und zu Teil III zur Antarktis.

 

Amazonien Nov./Dez. 2013

Von Cusco nach Manaus – Unterwegs in Peru, Bolivien und Brasilien

Teil 2 Bolivien und Brasilien

10-grenze-peru-bolivien-1715-amazonien-2013…200 m weiter erreichen wir die bolivianische Grenze, ein Militärposten (zum ersten Teil des Reiseberichtes: Von Cusco bis zur Bolivianischen Grenze). Hier hieß es aussteigen. Nach zehn Minuten ist alles erledigt, meinten wir. Also wieder zum Boot, ohne Stempel. Eine Liste mit den Namen der Einreisenden sollte genügen, da wir ja nur durch Bolivien nach Brasilien durchreisen würden. Jetzt halten wir uns erstmals sowieso im Grenzgebiet zwischen  den beiden Ländern auf, am Rio Heath, dem Grenzfluss und kommen zwei Tage später wieder hier vorbei.  Später stellte sich heraus, dass wir die sechs Tage illegal in Bolivien waren. Das verursachte einige nicht geringe Probleme bei der Ausreise nach Brasilien. Davon später mehr.

Um 14 Uhr waren wir dann an der peruanischen Ranger-Station, die als Kontrollpunkt immer besetzt sein sollte. Nur kein Ranger weit und breit. Eigentlich wollten wir hier übernachten. 20 Fahrminuten entfernt soll auf bolivianischer Seite eine Lodge liegen. Hier tauchte dann auch der Ranger auf, also zurück zu der Station, wir dürfen die zwei Tage auf dem Gelände der Station bleiben. Bis hier hin dürfen wir übrigens um die 1100 km zurückgelegt haben.

Um 7.30 Uhr am kommenden Morgen fuhren wir den Heath-River flussaufwärts um zu großen Kapok-Bäumen zu gelangen. Dabei ließ sich am Ufer ein schwarzer Kaiman beobachten, der hier recht selten ist. Ein etwa zweijähriges Tier, zu sehen an den vier Flecken am Kopf.09-rio-heath-madidi-1795-amazonien-2013 Zehn Minuten später landeten wir an, am linken Flussufer, sprich wir sind in Bolivien im Madidi-Nationalpark. Nach kurzem Fußmarsch sahen wir die ersten Kapok-Bäume. Sie erreichen Höhen bis zu 75 Meter. Damit ist die Art mit die größte des tropischen Regenwaldes. Der Stamm ist grün und wird im Alter von Brettwurzeln gestützt. Der größte hier war um die 50 m hoch, etwa 300 Jahre alt und durch die Blattwurzeln im Durchmesser schwer zu schätzen. Jedenfalls hätten wir alle zusammen (16) nicht ausgereicht, um ihn zu umarmen. An Pflanzen entdeckten wir wilden Kakao, den Knoblauchbaum, dessen Rinde wie Knoblauch riecht, Wanderpalmen, die pro Jahr bis zu 80 Zentimeter wie der Name schon sagt wandern und Soldatenameisen, die gerade ein fremdes Nest plünderten und die Eier entwendeten um Sklavenameisen aufzuziehen.

Hier gibt es auch eine Savanne mitten im Regenwald. Die Graslandschaft befindet sich teils auf peruanischer, teils auf bolivianischer Seite. Es handelt es sich dabei um eine nasse Grassteppe, auch wachsen hier immer wieder Palmen. Warum diese doch recht große Landschaft ohne den typischen Regenwaldbewuchs hier entstand, da gibt es nur Theorien: Eine sieht die Ursache in der Bodenbeschaffenheit, eine andere dass sich hier mal ein großer Fluss durch die Gegend schlängelte. Neben endemischen Termiten leben hier große Ameisenbären, die bis zu zwei Meter Länger erreichen.

Erste Station ist heute der uns schon bekannte Militärposten an der bolivianischen Grenze an. Dort sind wir gegen zehn Uhr. Es gibt den Stempel, die Einreise ist gesichert und die Ausreise. Dachten wir. Wie gesagt es war der falsche Stempel und wir unwissentlich illegal in Bolivien unterwegs.

Die Strecke durch Bolivien auf dem Madre de Dios bis Riberalta macht eigentlich kaum ein Besucher. Ist die Region doch zu abgelegen und unbekannt und auch schwierig zu bereisen. Schon eine Stunde später sind wir in Chivee, einem kleinen Ort am Fluss gelegen. Gelegenheit, die Trinkwasservorräte aufzufüllen und Vorräte einzukaufen. Auch war es möglich, in einem Laden US-Dollar gegen Bolivianos umzutauschen. Der Kurs soll besser sein als in Riberalta, in der Stadt.

Der Unterschied zu Peru ist jetzt schon zu erkennen. Zwar ist Peru auch ein armes Land, aber mit höheren Wachstumsraten, zudem investiert die Regierung zunehmend in die ländlichen Gebiete und nicht mehr nur in den Städten. In Bolivien gehört ein großer Teil des Landes nur etwa 20 Familien, die das Sagen haben. Und besonders das Geschäft mit den Paranüssen beherrschen. Neben Gold das Hauptprodukt in dieser Region. Paranüsse sind auch der Grund für diesen Ort, dass es ihn überhaupt gibt. Zur Zeit leben nur wenige Menschen hier, wenn aber Saison ist, die von Mitte Dezember bis Ende März dauert, leben hier Hunderte von Paranuss-Sammlern. Mafiöse Strukturen, fast eine Art Sklavenhaltung, so jedenfalls erzählte man uns. Mehr dazu im Buch ab Ende des Jahres.

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Wir sind wieder auf dem Fluss unterwegs. Während man in Peru nur wenige Goldwäscher auf dem Fluss sah, hier in Bolivien sind sie mit ihren Schiffen recht häufig. An einem Zusammenfluss zweier Flüsse sah man geschätzt 30 bis 40 Goldwäscherboote mit ihren Saugschläuchen, Pumpen und Waschanlagen. Wäre gut für einen Besuch gewesen, aber hier wäre es nicht gut angekommen. Sind die Goldwäscher unter den Bolivianos Fremde nicht gewohnt und Ihnen auch nicht unbedingt freundlich gesonnen. Wir werden es morgen weiter im Landesinneren versuchen um mit einigen ins Gespräch zu kommen.

Santa Rosa. Ein glühend heißer Platz am Flussufer. Es hat etwa 37 °C im Schatten. Ein Platz mit ein zwei leeren, hölzernen Baracken, recht groß. Es sind Lagerhäuser, in einem wollten wir übernachten. Es war jedoch von Wespen besetzt. Die Lager werden übrigens während der Paranuss-Ernte benutzt.  Deswegen gibt es hier nur einen alten Mann in einer Hütte, der das Gelände verwaltet. Er lässt uns für ein paar Bolivianos auch hier übernachten.

Nach Sonnenuntergang lassen wir uns mit dem Boot auf dem Fluss treiben, auf der Suche nach Kaimanen am Flussufer. Wir sehen auch einen, können ihn sogar fangen (die Guides). Und lassen ihn wieder frei.

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7.30 Uhr (bolivianische Zeit). Weiter ging es mit dem Boot auf dem Madre de Dios. Heute stand die längste Etappe der Reise mit dem Boot bevor, rund 350 km Flussabwärts. Selbst für unsere Bootsbesatzungen, die von Touren auf den Flüssen leben, war die Fahrt von Puerto Maldonado nach Sena ein Novum, die insgesamt 740 km umfasst. Es hatte zwischenzeitlich  angefangen zu regnen. Das Dach bot vorne keinen Schutz. Zumal der Fahrtwind den eher leichten Regen durch das ganze Boot trieb.

Gegen elf Uhr erreichten wir America. So heißt ein Dorf am Fluss gelegen. Eine bäuerliche Idylle, arm aber irgendwie erinnerte es daran. Doch der Schein trügt. Zwar haben die etwa 150 hier lebenden Bolivianos ein Zuhause, Arbeit und sogar eine Schule, aber alles gehört einem der Großgrundbesitzer. Er stellt alles zur Verfügung, damit bleiben die Menschen hier und er hat gleich für das kommende Jahr seine Arbeiter für die Paranuss-Ernte. Dazwischen reparieren und restaurieren sie für ihn alte Schiffe und Boote. Darunter einen recht stattlichen Schaufelraddampfer. Im Regenwald wird natürlich Coca angebaut. Zudem befindet sich hinter dem Dorf ein kleiner Flugplatz mit kleinen Flugzeugen, die sehr tief fliegen können – so wurde uns erzählt. Mit ihnen lässt sich derzeit noch das Radar in Peru und Brasilien unterfliegen. Für den Drogenschmuggel.

In der Schule gibt es zwei Klassen. Das heißt, mehrere Jahrgänge werden in einer Klasse unterrichtet, fünf Tage die Woche, je sechs Stunden. Zur Zeit waren Schulferien. Dennoch kamen die Kinder alle zusammen, ist ja nicht so häufig, dass Besucher wie wir hier vorbeifinden.

Wieder auf dem Madre de Dios. Wir fuhren zu Goldwäschern, hier waren vier Boote aneinander gekoppelt. Wir durften in zwei kleineren Gruppen an Bord, uns die Anlagen anschauen. Die Boote heißen Draga, der Taucher, mithin die wichtigste Person die den Saugschlauch bedient heißt Draguero. Die Männer arbeiten 20 Stunden täglich, quasi eine Schicht – nennen wir es mal so. Dann kommt die nächste Schicht. Auch in der Pause ist man an Bord, in der Enge, dem Dieselgestank der LKW-Motoren – sie treiben die Pumpen an –  und dem Lärm.  Eine Waschanlage holt hier in einer Schicht etwa fünf Gramm Gold aus dem Fluss. Die Arbeiter bekommen 20 Prozent, den Rest kassiert der Inhaber der Boote. Er lässt sich auch täglich blicken, kontrolliert seine Arbeiter. Mehr dazu im Buch zu der Reise und auch zum Thema Drogen.

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Abends erreichten wir dann Sena, unser Tagesziel. Es ist noch hell, die eine Stunde Zeitverschiebung in Bolivien macht es möglich. Die Stadt dürfte schon mal bessere Zeiten erlebt haben. Davon zeugt ein altes Kolonialgebäude. Holzhütten, einige modernere Häuser – nach bolivianischen Maßstäben – die rund 300 Einwohner leben vor allem vom Handel. Abends und Nachts sehr heftiger, langandauernder Regen, der sich am Morgen dann kurz legte.

Fahrt nach Riberalta

Drei Pick-Ups wurde geordert. So hätten wir bei dem regnerischen Wetter alle im Auto sitzen können. Hieß es am Vorabend. Vor dem Frühstück waren es dann nur noch zwei Fahrzeuge. Dann war keines mehr verfügbar. Anscheinend wollten die Fahrer die beschwerliche Fahrt nach Riberalta nicht auf sich nehmen. Oder wurde nur nicht genug bezahlt? Keine Ahnung. Dafür trieb der Guide einen alten LKW auf, dessen Fahrer würde uns die 150 km zu der Stadt bringen. Auf der offenen Ladefläche des mit Starrachsen und Blattfedern für die leichte Last denkbar ungeeigneten Fahrzeuges für die lange Fahrt. Denn die dauerte jetzt über sechs Stunden statt der geplanten drei.

Pünktlich mit der Abfahrt fing es zu regnen an. So blieb es auch einen größeren Teil der Fahrt, mit zum Teil recht kräftigen Niederschlägen. Trotz Regenjacke war ich schnell durchnässt und es wurde durch den Fahrtwind bei den 24 °C recht kühl. Außerdem saß ich direkt über der Hinterachse, ab und zu hob man auch mal ab.

Dann ging alles sehr schnell. Der Laster schleuderte, neigte sich bedrohlich, alles flog durcheinander. Es hätte nicht viel gefehlt, und er wäre umgekippt. Dann sitzen wir in einem großen Schlammloch abseits der Straße fest. Glück gehabt. Außer ein paar leichten Blessuren bei einer Mitreisenden nichts weiter passiert. Das hätte ganz anders ausgehen können. Immer ein Risiko, die alten Fahrzeuge. An der Lenkung hatte sich Schraube gelockert, ist rausgefallen und die Lenkung hat sich selbständig gemacht. Entdeckt und repariert war der Schaden in zehn Minuten.  Schien nicht das erste Mal zu sein.  Und er schafft es tatsächlich, den Laster aus dem Schlammloch heraus zu manövrieren. Also weiter, und fehlt noch etwa eine Stunde. Wenigstens regnet es nicht mehr.

11-fahrt-riberalta-2147-amazonien-2013

Etwa 30 Minuten später kommen wir an einen breiten Fluss. Hier enden die Spuren direkt am Wasser, im Schlamm. Kurz darauf kommt eine kleine Fähre, eher ein Floss herüber, nicht viel größer als der LKW. Angetrieben von einem halb mit Wasser vollgelaufenen hölzernen Boot mit 40 PS Außenborder. 11-fahrt-riberalta-2193-amazonien-2013 Verbunden nur über ein etwa ein Zentimeter dickes Tau. Das muss genügen und reicht auch aus. Wir jedenfalls erreichen sicher das andere Ufer. Eine halbe Stunde später erreichen wir Riberalta und unser Hotel, ein schönes altes Kolonialgebäude. Mit Abstand das Beste seit zwei Wochen, seit dem wir Cusco verlassen haben. Bauen lassen hat es ein ehemaliger Kakaobaron.

Riberalta hat um die 80.000 Einwohner. Man lebt in erster Linie von der Ziegelherstellung aufgrund des hier vorkommenden sehr feinen Lehms. Zudem gibt es noch einige Paranuss-Fabriken. Eine lebhafte Stadt und recht sauber. Morgen werden wir sie näher uns anschauen. Bis Riberalta von Cusco aus haben wir übrigens in den knapp zwei Wochen etwa 1760 km zurückgelegt.

Die Saison der Paranuss-Ernte beginnt Mitte Dezember und endet Ende März. Dementsprechend standen die meisten Paranuss-Fabriken in Riberalta still. Eine aber arbeitete noch, gespeist aus den Lagern der letzten Ernte. Ihr statteten wir einen Besuch ab. Unangemeldet, aber es klappte. Vorher ging es jedoch erst mal mit Motorradtaxis zu einer Behörde, die Ausreise nach Brasilien vorzubereiten.

Das Geschäft mit den Paranüssen ist hart für die einen, oft die einzige Möglichkeit des Broterwerbes, lohnend für die anderen, meist nur einige wenige. Paranussbäume sind bis zu 50 Meter hoch. Die Frucht ist rund, etwa 10 bis 12 cm im Durchmesser, ähnlich einer Kokosnuss. Ein Baum trägt zwischen 800 und 2000 davon. Jede davon enthält 10 bis 25 Samen, die eigentlichen Paranüsse. Gesammelt werden sie von den Safreros. Versuche scheiterten, sie in Plantagen anzubauen. Der Qualität wegen. Pro Sack Paranüsse mit 23 kg erhält der Sammler rund 8 bis 13 Bolivianos, etwa 1 bis 2 Euro. Davon muss er sich dann versorgen, Lebensmittel kaufen und so weiter. Am Markt erzielt ein Kilogramm der besten Qualität später 60 bis 70 USD.

In der Fabrik, wir trugen Kopfschutz und Schutzkleidung, lautes Klacken erwartete einen, von hunderten Frauen, die die „Nussknacker“ betätigten, die Schale entfernten. Laut John, dem Firmenchef, arbeiten hier etwa 400 Frauen. 40 Stunden pro Woche an fünf Tagen. Mehr dazu wie immer im Buch mit der ausführlichen Reisereportage.

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Nach dem Besuch der Firma ging es dann zu einer weiteren Behörde, quer durch die Stadt auf Motorradtaxis, japanischen Fabrikats mit meist 125 ccm. Hauptverkehrsmittel. Autos gibt es kaum. Die Ausreise benötigte den Besuch von zwei Ämtern. Später, auf der Fahrt zur Grenze mussten wir noch eine dritte Behörde frequentieren. Der Grund ist eine eigene Geschichte im Buch wert, waren wir doch unwissentlich illegal in Bolivien. Nur so viel (das erzählen die Stempel im Reisepass): Eingereist in Bolivien das erste Mal am 27. November (ohne Stempel). Noch einmal eingereist am 29. November (mit Stempel). Offiziell (rückwirkend) eingereist am 1. Dezember. Ausgereist am 2. November (nein, kein Schreibfehler). Eingereist in Brasilien am 2. Dezember.

Fahrt nach Porto Velho

Kurz nach zwölf Uhr ging es dann vom Hotel aus los, mit zwei Stunden Verspätung, Richtung brasilianische Grenze. der Fahrer bekreuzigt sich, legt den Sicherheitsgurt an und los geht es. Als Beifahrer fehlt mir das Gurtschloss zu Anschnallen. So wie auch der Tacho außer Funktion ist. Am Rio Mamore „überschreiten“ wir mit einer Fähre die Grenze (überfahren geht auch schlecht). Wir wären übrigens ohne irgendeinen Stempel aus Bolivien herausgekommen. Keiner wollte irgendetwas sehen.

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Auf brasilianischer Flussseite, nur ein kleiner Steg, kontrolliert wird nur das Gepäck. Vermutlich auf Drogen. Keine Personen – oder Passkontrolle. Die offizielle Einreise erfolgt wieder in einem kleinen Büro in der Stadt. Dreieinhalb Stunden soll die 320 km lange Fahrt mit Taxen bis Porto Velho dauern, unserem Etappenziel. Es werden nicht ganz fünf Stunden. Der überschaubare Verkehr schlängelt sich die Straße entlang, mal rechts, mal links, mal auf dem unbefestigten Seitenstreifen, wie eine Schlange. Nicht wenige Schlaglöcher haben die Größe einer Badewanne. Selbst große LKW fahren Zick-Zack-Kurs. Es später wird die Straße besser, dann geht es mit 130 km/h vorwärts. Erlaubt sind 80 km/h. Wir erreichen Porto Velho lebend dann gegen acht Uhr Abends.

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Ein Flopp. Früh aufgestanden, auf die Guides gewartet, zu Fuß zu einem Eisenbahnmuseum gehetzt. Zum Filmen blieb diesmal überhaupt keine Möglichkeit, wäre sonst schon nach einer Szene allein auf weiter Flur gewesen. Am Museum festgestellt, dass es heute geschlossen ist. Hatte man vorher nicht gewusst. Eigentlich ein Muss, der Besuch. Die Madeira-Mamoré-Eisenbahn, so ihr Name, sollte in der Zeit des brasilianischen Kautschukbooms von Porto Velho bis nach Riberalta in Bolivien verlaufen. Realisiert wurde ab 1872 mit Unterbrechungen bis 1912 jedoch nur die 364 km lange Strecke bis nach Guajará-Mirim an der bolivianisch-brasilianischen Grenze. Einen hohen Blutzoll verlangte der Bau dieser Strecke. Offiziellen Zahlen zufolge starben etwa 6000 Menschen, ohne die Opfer bei den indigenen Stämmen. Todesursachen waren Schlangen, Krankheiten, Unwetter und auch die Auseinandersetzungen mit den Ureinwohnern.

In Porto Velho selbst leben um die 400.000 Einwohner. Gegründet 1914 als Hafen am Rio Madeira ist sie heute ein wichtiger Punkt der Transamazonica, die einmal den Pazifik und den Atlantik verbinden soll. Früher profitierte die Stadt vom Kautschukboom und gelangte zu bescheidenem Reichtum. Für uns war die Stadt nur noch eine kurze Zwischenetappe, wir mussten um 10.30 Uhr Richtung Flughafen. Die Strecke zu unserem nächsten Ziel, die 880 km nach Manaus, legten wir mit dem Flugzeug zurück.

Rio Urubu und Manaus

Früh geht es los. Nur das Notwendigste geht mit für die zwei Tage am Urubu-Fluss. Bis dorthin respektive der Lodge sind es etwa 160 km mit dem Bus, weitere 35 km mit kleinen Booten. Die Antonio-Lodge, schön, einfach, ökologisch orientiert. Der Strom wird mittels Solarpaneels erzeugt, nur die Kühlschränke betreibt man mit Gas.

Auf kleinen Ruderbooten waren wir dann auf dem Urubu unterwegs, auf der Suche nach den rosa und grauen Delphinen. Unser brasilianischer Guide Christobal ersetzte jetzt Brian, der uns in Porto Velho vor dem Flug nach Manaus verlassen musste. Wir sind hier nur noch auf einer Höhe von etwa 25 m. Obwohl es bis zur Küste noch 1500 Kilometer sind. Der Amazonas hat kaum Gefälle, auch der Urubu nicht. Wirkt manchmal eher wie ein See wegen der glatten Wasseroberfläche. Der Amazonas wird durch die nachfließenden Wassermassen regelrecht Richtung Meer geschoben.

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Es ist traumhaft durch die Wälder mit den Booten zu rudern. Die Bäume hier heißen Mata Mata, sind eine Art Gummibaum und können immer im Wasser stehen. Die abgestorbenen Bäume bilden zusammen mit dem frischen Grün der noch lebenden eine fantastische Kulisse. Nach etwa einer Stunde Bootsfahrt, die offenen Wasserflächen dabei  mit Motorunterstützung überquert, legten wir am Ufer an. Zeit um für das Abendessen zu sorgen. Dran glauben mussten acht Piranhas.  Eine Schnur mit Haken und kleingehacktes Hühnerfleisch reichten aus.

Die Rückfahrt in der Dämmerung durch die Bäume hatte etwas Faszinierendes. Eine surreale Landschaft, hinzu kam die untergehende Sonne. Das alles zusammen mit dem Wolkenspiel zauberte ein irreales Lichtbild auf die glatte Wasseroberfläche. In der Dämmerung entdeckten wir dann doch noch ein paar Delfine. Leider nur aus der Entfernung.

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In stockdunkler Nacht folgte noch eine Bootsfahrt. Ziel waren die erst in der Nacht aktiven Kaimane. Unsere brasilianischen Guides fingen sogar zwei kleinere mit der Hand ein, etwa einen halben Meter groß. Sie wurden nach ausgiebigen Erklärungen wieder freigelassen.

5.40 Uhr am Morgen. Wir trieben auf dem Fluss, umgeben von der Geräuschkulisse eines Regenwaldes. Die Wasseroberfläche war fast spiegelglatt. Wir warteten auf den Sonnenaufgang. Die beiden Sonnen gingen auf respektive unter. Das Original und die Kopie. Letztere spiegelte sich im Wasser.

Nach dem Frühstück wieder eine Bootsfahrt, dann ein etwa 2 bis 2 ½-stündiger Marsch durch den Regenwald. Das war eine Wanderung, wie ich sie mir immer vorgestellt hatte. Christobal ist hier im Regenwald aufgewachsen, kennt sich sehr gut aus. Nahm sich Zeit, erklärte ausgiebig, brachte uns zu interessanten Stellen, wartete, bis alle da waren. So hätte es bei den Wanderungen und in den Siedlungen in Peru und Bolivien auch sein können, nein, sein müssen. Denn Zeit war ja genug vorhanden. Hinterher.

14-urubu-2679-amazonien-2013Wir bekamen unter anderem Lianen gezeigt, die Chinin enthalten und als natürliches Medikament gegen Malaria verwendet werden. Weiter Heilmittel gegen Erkältungen (ja, auch die gibt es hier) und man zeigte uns wie man aus jungen Palmenblättern Gegenstände geflochten werden. Er lockte aus einem Erdloch sogar eine handtellergroße Vogelspinne heraus. Diese Art war sehr giftig, Der Tod tritt beim Menschen innerhalb einer Stunde ein. Aber es gebe ein Gegenmittel. So sei ein Freund von ihm vor geraumer Zeit von dieser Art gebissen worden. Hier das lebensrettende Rezept: Man nehme ein Termitennest mit allem was so dabei ist, sprich Termiten, Eier, Erde… vermahle es und mische es mit Wasser. Dies muss getrunken werden. Bei seinem Freund half es, er überlebte.

Nachmittags gelangten wir nach einer Bootsfahrt durch einen schmalen, sehr flachen Flussarm in traumhafter Umgebung zu einer im Regenwald lebenden Familie. Den Rest zu Fuß durch einen brandgerodeten Dschungel, die Auswirkungen jeglicher Besiedlung, auch die nur einer Familie. Von etwas müssen sie ja leben. Kurz danach ein großes Maniokfeld. Von dessen Anbau lebt die Familie. Die brandgerodete Fläche eignet sich etwa für zehn bis fünfzehn Jahre Anbau, dann ist sie ausgelaugt und die Krume weggeschwemmt. Hier wächst dann nichts mehr. Auch kein Regenwald. Das ist das Problem, großflächig betrachtet. Nicht in diesem Maßstab hier.

John , 73 Jahre alt, und sein seine Frau, 68, haben 32 Kinder. Hat er uns erzählt. Hier leben sie noch zu zwölft. Die Stadt wäre keine Alternative, da wären sie nicht glücklich. Gilt das auch für die Jüngeren?  Auf mich jedenfalls machen alle einen etwas apathischen Eindruck, gibt gerade wahrscheinlich nichts zu tun. Außer für John. Der hämmert und sägt gerade an einer neuen Tür, unterbricht auch bei unserem Besuch seine Arbeit nicht. Obwohl hier her kaum jemand herkommt. Interessiert ihn aber auch nicht so richtig. Dennoch erzählt er von sich und dem Leben hier. Beim Weiterarbeiten. Die Hütte, einfach und schlicht, drei Räume, Ein Schlafzimmer, ein weiterer Raum mit Hängematten. Weiter ein separates Klohäuschen, ein Garten mit Früchten des Dschungels, eine überdacht Holzpresse und Kochvorrichtung für das Maniok

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In Manaus

Am Folgetag ging es die 35 km mit dem Boot zurück zur Anlegestelle und weiter die 160 km Straße nach Manaus. Nach dem Ende des Kautschukbooms lag die Wirtschaft in Manaus am Boden. Auch im Zentrum sind viele Gebäude marode, dazwischen 20-stöckige Hochhäuser. Eine Stadt im Zwiespalt, aber mit einem eigenwilligen Charakter, mit Zerfall, Armut, Patina und vielen Liebespaaren.

Gut in Schuss und zentraler Punkt ist das Teatro Amazonas im Stil der Renaissance. Hier finden heute noch große Konzerte mit berühmten Künstlern statt. 700 Menschen haben darin Platz. Ein Zeichen des Reichtums zu Zeiten des Kautschukbooms.

Nach der Oper stand ein Fußmarsch durch die quirlige Stadt zum Fischmarkt an, ein Muss. Überall werden Waren angeboten, einzelne gesichtslose Luxusläden und Marken wie sie bei uns zu finden sind bis hin zum Brotverkauf aus dem Einkaufswagen heraus. Dazu viele Autos, vermutlich auf der Suche nach Parkplätzen, die es nicht gibt. Die Straßenränder voller Müll, auch das gehört dazu. Und unzählige Essens- und Getränkestände.

Der Fischmarkt, am Rio Negro gelegen, einem Zufluss des Amazonas. Die Brücke, die ihn überspannt ist vier Kilometer lang. Der Geruch erschlägt einen fast. Hier geht es rustikal zu. Fische zuhauf. Draußen frisches Obst.

Abends bin ich allein unterwegs. Die Stadt, ihre Umtriebigkeit, das Leben genießen. Mit ausreichend Zeit. Junge Menschen, Buden, Musik, Restaurants, vieles spielt sich im Freien ab. Kurz die Kathedrale besucht, hier fand gerade ein Gottesdienst statt. Es hat noch 33 °C. Der Busbahnhof. Chaos pur. Für mich jedenfalls. Vor dem Theater auf einem großen Platz ein Violinist. Er spielt zu Orchesterbegleitung die von CD kommt. Eine wunderbare Stimmung. Ein passender Abschluss vor weihnachtlicher Kulisse.

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In Rio de Janeiro

7. Dezember, Freitag, Tag 21: Heute Nacht sollte es um zehn Minuten nach drei mit dem Flugzeug nach Rio de Janeiro gehen. Noch zwei Tage ausspannen, bevor uns die Heimat wieder erwartet. Also gegen ein Uhr am Flughafen. Der Flug hatte etwa elf Stunden Verspätung, also nur einen Tag für Rio.  Das aber ist eine andere Welt mit Copacabana und Zuckerhut, und wäre auch eine andere Geschichte. Deswegen nur ein paar Bilder.

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(Zu Teil 1 von Cusco bis zur bolivianischen Grenze)

Amazonien Nov./Dez. 2013

Von Cusco nach Manaus – Unterwegs in Peru, Bolivien und Brasilien

Teil 1 von Cusco bis zur bolivianischen Grenze

Eine Expedition in touristisch unerschlossenes Gebiet, besonders zwischen Puerto Maldonada in Peru und Riberalta in Bolivien, das war unsere Tour im November und Dezember 2013 in den Regenwald Amazoniens. Wir durchquerten dabei Peru, Bolivien und Brasilien. Schon die Grenzübertritte sind eine eigene Geschichte wert. Kaum Straßen und Wege, unterwegs ist man meisten auf dem Wasser. Kaum Infrastruktur, Camping im Freien auf Feldbetten unter Moskitonetzen oder in einfachen Lodges und Ranger-Stationen  verlangten ein hohes Maß an Anpassungsfähigkeit. Zwei Köche sorgten für die notwendige Kalorienzufuhr, unterwegs war man auf Trampelpfaden und den im Amazonasbecken typischen, überdachten langen Booten mit Außenborder. Manches ging schief, häufig musste improvisiert werden, aber das gehört einfach zu so einer Reise dazu. Dennoch bei weitem nicht so „extrem“ wie unsere Expedition im Sommer 2012 in den Dschungel von West-Papua. Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes und hier findet sich der Film-Trailer zur DVD.

Eine Reisereportage in Buchform ist übrigens auf Amazon  und Co. sowie im Buchhandel erhältlich. Auch als eBook. Mehr dazu hier.

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Der Lohn für die Anstrengungen: Natur pur, exotische Tiere, Papageien-lecken, Goldsucher und Eindrücke aus einer anderen Welt, besonders im armen Bolivien. Teilweise ein Kontrast und richtig erholsam dagegen Brasilien. Wir badeten in Flüssen, fuhren Motorrad-Taxis und auf der Ladefläche eines LKW mit einer Beinahe-Katastrophe, überquerten Ländergrenzen mitten im Regenwald, lernten Bürokratie von einer anderen Seite lernen. Ohne den Einsatz unserer Guides Marco und Brian wären wir wohl daran gescheitert. Startpunkt war Cusco in den peruanischen Anden, Ziel Manaus, bekannt durch das Teatro Amazonas.

Die Route

Ausgangspunkt war Cusco, die alte Inkahauptstadt in den Anden. Von hier aus ging es mit einem Kleinbus über die Anden und weiter eine spektakuläre, aber nicht ungefährliche Piste die Anden den Bergnebelwald hinunter bis nach Pillcopata im Manu Nationalreservat. Weiter mit dem Boot in sechs Tagen auf dem Madre de Dios und dem Tambopata bis nach Puerto Maldonado, unterbrochen von diversen Exkursionen. Die letzte Etappe bis zu der Goldwäscherstadt mit Taxen, einer Fähre und dem Bus. Hier wurde eine (ungeplante) Ruhepause von zwei Tagen eingelegt, da vorgesehene Touren entfielen.
 Wieder auf dem Boot den Madre de Dios weiter, einen 2-tägigen Abstecher auf dem Rio Heath gemacht, ein Grenzfluss zwischen Bolivien und Peru, und rein nach Bolivien. Nach weiteren sechs Tagen Sena erreicht, von hier aus ging es auf der Pritsche eines LKWs und mittels einer abenteuerlichen Fähre nach Riberalta. Es folgte Porto Velho in Brasilien, Manaus (mit dem Flugzeug) und ein dreitägiger Abstecher an den Urubu. Alles in allem rund 3000 km ohne Flug.

Dieser Reisebericht ist nur eine Kurzversion. Eine ausführliche Reisereportage mit viel Erlebtem und Hintergrund gibt es ab Herbst/Winter in Buchform zu erwerben.

Der Startpunkt: Cuzco – die Hauptstadt des alten Inkareiches

Schon 2008 waren wir mehrere Tage in Cuzco. Deswegen hielten wir diesmal nur einen Tag auf. Alte Kulturen standen auf dieser Reise nicht im Fokus, mich zog es in den Regenwald. Also den Markt San Pedro besucht, etwas durch die alte Innenstadt gebummelt, den Placa de Armas, den Waffenplatz genossen. Auch stand ein Kennenlernen der Expeditionsteilnehmer an, die ich nicht schon von früheren Reisen her kannte. Es regnete immer wieder kräftig, quasi als Einstimmung auf die Tour, die ja zu Beginn der Regenzeit stattfand.

Zur Einstimmung ging es zudem in das kleine Museo de Plantas Sagradas, Magicas y Mediciales. Hier lässt sich ein erster Eindruck von der Pflanzenvielfalt im Amazonas gewinnen, im speziellen bei den Heil- und Zauberpflanzen.

Da wir diesmal direkt von Lima aus in die auf knapp 3500 m Höhe liegende Stadt flogen, fand keine Akklimatisierung an die Höhe statt. Dennoch überstanden alle den Höhenwechsel ohne größere Probleme.

Hier geht es zum Reisebericht aus 2007 u. a. mit sechs Tagen Cusco und Umgebung.

Fahrt in das Amazonas-Becken

Am Montagmorgen ging es dann richtig los. Ein Kleinbus für die Expeditionsteilnehmer und ein zweites Fahrzeug für unser Gepäck, trotzdem war es sehr eng. Daran würden wir uns noch gewöhnen müssen, an die Enge, was Busse, Taxen und dergleichen anging.

Also raus aus Cuzco mit den in Lateinamerika üblichen Straßenverhältnissen. Schon kurz, etwa 30 km nach Cuzco, ein Stopp. In Coroposa finden sich eine ganze Reihe von Bäckereien die ihre Waren vorwiegend nach Cuzco liefern. Gebacken wird in Lehmöfen. 220 km, davon etwa das erste Viertel der Strecke geteert, geht es insgesamt bis zu unserem ersten Tagesziel, Pillcopata. Es folgt eine Schotter- und Lehmpiste, die es später noch in sich hat. Unser Ziel Pillcopata ist die einzige etwas größere Ansiedlung im Manu-Nationalreservat. Kurz danach im Hafen von Atalaya endet die Straße.

Der erste Teil ging durch die Anden auf einer verhältnismäßig guten, wenn auch engen Piste. Immer wieder fantastische Ausblicke in die Landschaft. Ein Muss ist der Stopp im hübschen Andendorf Paucartambo. Mittags erreichten wir dann den Pass Abra Ajanaco, zugleich Grenze zum Manu-Nationalreservat auf knapp 3850 m NN.

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Nach dem Pass ging es also die nebeligen Hänge bergab. Denn dieser Teil des Parks ist ein Bergnebelwald. Die folgenden sechs Stunden benötigten wir für die vielleicht 70 km (geschätzt), inklusive rund zwei Stunden Pause. Und den größten Teil davon für die 50 km den Bergnebelwald herunter. Auf einer engen einspurigen Piste, stellenweise direkt am senkrechten Hang gelegen ohne irgendeine Begrenzung, das hat schon was. Enge Kehren, Erdrutsche, schmale Tunnels, eigentlich Löcher im Fels, manchmal hängt das Rad am Abgrund, atemberaubende Schluchten. Immer wieder notdürftige Baustellen, die Straße auch mal für eine halbe Stunde durch einen Bagger gesperrt der gerade einen Erdrutsch wegräumt. Diese Piste bei strömenden Regen zu fahren dürfte ein enormes Wagnis sein, schon bei trockenem Wetter ist sie nicht ohne.

Ausblicke laden immer wieder zu Stopps ein. Hier konnten wir während einer Essenspause den Nationalvogel Guatemalas, einen Quetztal beobachten. Im Gallito de las Rocas‐Rerservat, auf der Strecke gelegen, ließ sich dann von einer Beobachtungsplattform der seltene Nationalvogel Perus beobachten, der „Gallito de las Rocas“, ein Felsenhahn, auch Andenfelsenhahn genannt.

In der Dunkelheit kamen wir dann deutlich später als geplant in Pillcopata an, nachdem die Straße kurz davor noch einmal etwa eine halbe Stunde gesperrt war. Das Manu-Nationalreservat, in dem die Siedlung liegt, gilt als das wichtigste Perus. Auf einer Fläche von über 1,8 Millionen Hektar und Höhenlagen zwischen 365 und 4000 m bietet er Lebensraum für mehr als 1000 Vogelarten, 200 Säugetiere, darunter 13 Affenarten, eine Vielzahl bunter Schmetterlinge aller Größen und 15.000 bekannte Pflanzenarten. 1973 gegründet, war der Park einer der ersten Nationalparks Perus. Die Unesco hat ihn 1987 zum Weltnaturerbe der Menschheit ernannt.

Der Zugang zum Nationalpark ist sehr eingeschränkt. Die Kernzone, die 81,5 Prozent ausmacht, darf nicht betreten werden. Ausgenommen davon sind kleine Indianerstämme, die keinen Kontakt zur Außenwelt wünschen. Weitere 13,5 Prozent dürfen nur mit Erlaubnis für Forschung und eingeschränkten Tourismus betreten werden, sind zugleich Puffer zur Kernzone. Die restlichen 5 Prozent dienen menschlicher Besiedelung, wobei die Fläche meist den Indios vorbehalten ist.

Auf dem Madre de Dios

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Der Río Madre de Dios (spanisch für „Muttergottes-Fluss“) begleitete uns die nächsten 14 Tage immer wieder durch Peru und Bolivien, erreicht nach etwa 460 Kilometern bei der Stadt Puerto Heath die Grenze nach Bolivien. Nach weiteren 480 km vereinigt er sich bei Riberalta mit dem Río Beni. Der Fluss mäandriert auf seiner gesamten Länge und verändert seinen Lauf und seine Länge ständig. Er ist die Hauptverkehrsader eines sehr wenig erschlossenen Gebietes, unterbrochen von kleineren Stromschnellen. An seinen Ufern ist noch wenig Land unter Kultur genommen. Auch für uns ist er Fortbewegungsmittel (respektive das Boot) Nummer Eins. Insgesamt ist er 1400 km lang.

Vor der Flussfahrt verbrachten wir erst noch die Nacht in Pillcopata. Die Ortschaft ist eine der wenigen Siedlungen im Manu Nationalpark. Etwa 2000 Menschen leben hier und in der Umgebung. Typische Holzbaracken prägen die Ansiedlung, vielleicht 100 an der Zahl. Immer mal wieder ein Laden, Werkstätten, eine breite von Schlamm-Pfützen und Schlaglöchern übersäte Lehmstraße.

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Es regnete die ganze Nacht sehr kräftig, ohne Unterlass. Vorbote für unsere Dschungeltour? Das Trommeln auf dem Blechdach ließ einen zuerst kaum schlafen, zudem die Temperaturen und die hohe Luftfeuchtigkeit auch nicht gerade sehr förderlich waren.  Nach dem Frühstück und einem Bummel durch den Ort ging es dann  die letzten 30 km auf der dann endenden Straße zum Hafen Atalaya.

Nach zehn/fünfzehn Minuten ein erster Stopp an einer Art privaten Hilfsstation mitten im Regenwald für verletzte Tiere. Zugleich betreibt der Besitzer eine genehmigte Coca-Plantage für medizinische Zwecke. Zu sehen waren Aras, ein Dreifinger-Faultier, ein Zwergameisenbär, ein Kapuzineraffe, Wasserschwein und Hühnervögeln. Alle übrigens frei herumlaufend, sie könnten den Ort verlassen.

Kaum eine viertel Stunde später wieder ein Stopp, hier fand sich eine Art botanischer Garten in Sachen Orchideen. Des Inhabers Profession ist der Schutz seltener Arten. Auf seinem Gelände hütet er momentan ungefähr 220 Arten, ein Eldorado für Orchideensammler.

Dann, nach weiteren 30 Minuten der Hafen Atalaya. Ein paar Bretterbuden, ein paar kleine, für die Region typische überdachte Holzboote mit Außenborder. Wir benötigten zwei davon, eines für unsere Köche, Gepäck, Lebensmittel, Feldbetten und der Expeditionsausrüstung, das andere für uns und das Tagesgepäck.

Weiter ging es nun sechs Tage auf dem Rio Madre de Dios bis Puerto Maldonado, unserem nächsten Etappenziel. Zwischen hier und der Stadt liegt nichts außer Regenwald, keine Infrastruktur, keine Straßen, keine größeren, nur einige wenige kleinere Siedlungen, einzelne Ranger-Stationen, alles nur über den Wasserweg zu erreichen.

Nach 20 Minuten Fahrt flussaufwärts ein erster Halt. Auf gut ausgetretenen Pfaden ging es teilweise durch Wasser (Wichtig: Gummistiefel mit guten Sohlen sind ein Muss im Dschungel, nicht nur wenn man die Boote auf den schlammigen Ufern verlässt) zu einer kleinen Lagune Namens Machu Cocha (Cocha steht für See). Auf einfachen Holzflössen ließen sich am Rand der Lagune Hoatzine beobachten, quasi Urzeitvögel. Jung besitzen sie noch Krallen zum Klettern und ein an Wiederkäuer erinnerndes Verdauungssystem. Avisiert waren auch Riesen-Fischotter, die aber ließen sich nicht blicken.

Zurück auf dem Boot wechselten wir quasi nur das Flussufer, suchten eine Kiesbank. Zeit für das Mittagessen. Gekocht wurde von Genaro und Hipolito auf dem schwankenden zweiten Boot, für die richtige Temperatur sorgte ein Gaskocher. Da Kiesbänke an Ufern eines Dschungelflusses recht selten sind, wurde übrigens meist in der Flussmitte gespeist, auf den miteinander vertäuten Booten.

Von unserem Rastplatz aus wollten wir in einer einstündigen Wanderung durch den Regenwald einen riesigen Kapokbaum besichtigen. Der Marsch war aber nach etwa zehn Minuten schon wieder beendet. Ein Fluss ließ sich nicht mehr durchwaten und im Gegensatz zu der Expedition in West Papua hatten wir diesmal keine Träger mit Äxten dabei, die schnell mal ein paar Bäume fällten und Übergänge schufen. Denke wäre hier auch nicht erlaubt, da wir uns ja im Manu Nationalreservat befinden.

Also weiter auf dem Madre de Dios zu unserem geplanten Tagesziel, einer einfachen, kleinen Lodge namens Sogade Oho. Abends dann noch eine Nachtwanderung, aber wie sich zeigt wurde es dann schnell hektisch für mich als Filmer, denn fünf Minuten warten bis die Technik bereit und gerichtet war, war anscheinend zu viel. Also hinterher gehetzt. Obwohl ausreichend Zeit da war, ging es in diesem Tempo weiter so dass Filmen und Fotografieren nur sehr eingeschränkt möglich war. Schade. Zumal diese Eile auch tagsüber immer wieder vorkam um dann am Tagesziel mehrere Stunden Zeit totzuschlagen. Wäre auch anders machbar gewesen. Hätte man die folgenden Etappen richtig eingeschätzt.

Am Morgen ging es mit dem Boot weiter, unser heutiges Ziel war eine kleine Siedlung Namens Boca Manu. Etwa sechs Stunden mit dem Boot entfernt. 90 Minuten entfernt fand sich etwas Besonderes für einen Regenwald: heiße Quellen, die zum Baden einladen. Das Wasser kommt mit etwa 76 °C aus der Erde, wird mit Holzrinnen zu einem kleinen Bassin geleitet. Die Temperatur betrug um die 35 °C. Ähnlich wie im Dschungel.  Das Wasser riecht stark nach Schwefel und hinterher auch der ganze Körper. Bei uns wäre das Wellness und müsste teuer bezahlt werden.

Weiter mit dem Boot. Übrigens hat es seit Pillcopata kaum mehr geregnet, nur ein paar Tropfen, mehr nicht. Am frühen Nachmittag erreichten wir schließlich Bocu Manu, eine Siedlung mit etwa 150 Einwohnern die von der Landwirtschaft und Fischerei leben. Holzbaracken, Läden, eine Schule und sogar eine Art Krankenhaus finden sich hier.  Ein Generator produziert von etwa 19 bis gegen 22 Uhr Strom. Gelegenheit die Akkus zu laden. Übernachtet wurde in einfachen, sauberen Holzhütten. Innen zwei Betten mit Moskitonetzen, die braucht man hier generell, wie guten Insektenschutz.

Am nächsten Morgen starteten wir gegen sechs Uhr, Ziel der kurzen Fahrt und Wanderung war eine kleine Lagune. Hier sahen wir kurz auch zwei der großen Fischotter, wenigstens deren Köpfe.  Das nächste Ziel war dann nach weiteren zwei Stunden erreicht, Maquisapoy, Ausgangspunkt für den Marsch zu einer Tapir-Plattform. Heute Nacht wollen wir die seltenen, scheuen Tiere beobachten. Immerhin die größten Säugetiere Südamerikas, wie es heißt. Etwa 30 bis 40 Minuten Fußmarsch im Dschungel entfernt befindet sich eine Lehmlecke, die die Tiere des Nachts gern aufsuchen. Vorher ging es aber noch zu einer metallenen Plattform, quasi einem Stahlturm mit 35 m Höhe, von dem man aus über das Dach des Dschungels blicken kann.

04-tapire-1065-amazonien-2013Auf der etwa vier/fünf Meter hohen hölzernen Plattform befanden etwa 15 Matratzen (60 cm breit) eng nebeneinander, auf ihnen lag man bäuchlings unter einem Moskitonetz und konnte die Tapirlecke in etwa 50 m Entfernung beobachten. Die Tapire benötigen die Minerale in dem Lehm um Gifte in den häufig unreifen Früchten zu neutralisieren. Deswegen kommen sie immer wieder an solche Stellen und fressen eben diesen Lehm. Genauso wie Sittiche, Amazonen und Aras, die wir später noch beobachten konnten

Gegen acht Uhr erschien in der Dunkelheit tatsächlich der erste Tapir. Ein gewaltiges Tier, einem Wildschwein ähnlich mit einem Rüssel. Bis gegen 24 Uhr sahen wir fünf Mal Tapire, es dürfte sich dabei um insgesamt zwei verschiedene Tiere gehandelt haben.

Ara-Lecke Blanquillo

Viertel vor Vier früh Morgens der Aufbruch.  Nur wenige Minuten zum Packen der Videoausrüstung, in Dunkelheit mit der Stirnlampe. Zum Glück nichts übersehen. Zurück durch den dunklen Regenwald zu der Lodge, und nach einer kurzen Pause weiter mit dem Boot. Unser Ziel, die Ara-Lecke in Blanquillo. Da der ganze Bereich überschwemmt war, konnten wir sogar mit dem Boot über einen Seitenarm des Flusses bis zu der Plattform fahren und stiegen direkt dort aus. Ob erlaubt oder nicht, keine Ahnung. 

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Das Boot verließ die Plattform anschließend, sollte uns etwa drei Stunden später gegen neun Uhr wieder abholen.

Die Geräuschkulisse war schon beeindruckend. Zahlreiche Aras, Amazonen und Sittiche saßen in den Bäumen über der Lehmwand, flatterten durch die Gegend, machten einen Lärm, stritten sich und schmusten. Meistens traten sie paarweise auf. Salz-/Lehmlecken sind ideale Stellen, um Papageie zu beobachten. Sie suchen die Lecken auf um den Lehm zu fressen. Darin enthaltene Stoffe neutralisieren die ungesunden Alkaloide und Tannine etwa unreifer Früchte und mancher Samen, die die Papageien fressen.

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Bildergalerie Manu Nationalpark

Nach einer Weile  ließen sich die Aras, Amazonen und Sittiche zu dem Lehmufer herunter. Das Schauspiel dauerte um eine Stunde, endete erst, als unser Boot kam. Erst vor ihm wichen sie mit lautem Geschimpfe. Vorher schien kaum etwas die Vögel wirklich zu stören, eigentlich sind sie scheu und sehr empfindlich. Doch selbst Toilettengänge auf der Plattform ignorierten sie. Ungewöhnlich.

Weiter ging es auf dem Madre de Dios mit dem Ziel Puerto Maldonada. Mit dem Boot zuerst etwa zweieinhalb Stunden bis Boca Colorado. Hier hieß es dann, sich von den Bootsbesatzungen zu verabschieden. Weiter mit mehreren PKWs über eine Dschungelpiste bis zum Rio Inambari, mit Booten über den Fluss und die letzte Strecke mit einem sehr engen Kleinbus knapp drei Stunden durch eine von Menschenhand deutlich veränderte Landschaft. Gerodete Flächen mit Viehhaltung und Plantagen dominierten an der Straße. Ziel war die Anaconda-Lodge nahe der Stadt. Hier verbrachten wir dann zwei Nächte, denn der am Folgetag vorgesehene Beginn unsere Tour in den Tambopata-Nationalpark mit Besuch und Übernachtung bei einem Schamanen wurde gestrichen. Sollte ein Höhepunkt der Tour sein. Und die Alternative war keine wirkliche: ein kurzer Besuch eines Schamanen in einer Stadtwohnung. Dann lieber in der Stadt unterwegs gewesen, zwei Gramm Amazonasgold eingekauft.

Transportmittel der Wahl sind hier die dreirädrigen Mopeds, die Platz für 2 oder 3 Mitfahrer bieten und hier neben Motorradtaxen das Hauptverkehrsmittel stellen. Autos sind eher rar. Die Stadt erlebt die letzten Jahre einen richtigen Boom, heute leben um die 80.000 Menschen hier. Der Grund: Gold. Das Waschen ist zwar illegal, dennoch leben nach Schätzung unseres Guides etwa 50.000 Menschen direkt und indirekt davon.

Am Sonntag, dem achten Tag ging es dann wieder weiter. Es stand die nur selten von Besuchern bereiste Etappe am Rio Heath und durch Bolivien an. Geschlafen wird auf Feldbetten unter Moskitonetzen im Freien unter einer Plastikplane oder in einfachen Unterkünften, sofern vorhanden. Sieben Tage dauerte die Etappe bis Riberalta in Bolivien, inklusive Abstechern in den Tambopata-Nationalpark und dem Rio Heath. Heute lagen etwa 120 km vor uns, bis zu dem Lager im Regenwald. Morgen ging es dann die gleiche Strecke wieder zurück, weiter auf dem Madre de Dios Richtung Bolivien.

Unser Lager hatte schon bessere Zeiten gesehen. Ein paar Holzpflöcke, einige Querbalken, löchrige blaue Plastikplanen darüber, das war´s. Aber der Boden war eben und picobello sauber. Hier fließt des Öfteren Wasser durch. Unsere Helfer besserten die Folie aus, bauten zwei neue Unterstände und darunter kamen die Feldbetten und darüber die Moskitonetze an Schnüren aufgehängt. Auf der Nachtwanderung entdeckten wir diesmal eine kleine Baumechse, Spinnen, auch eine größere, Frösche, eine Taube, eine Fledermaus und weiteres kleines Getier.

Um 5 Uhr am kommenden Morgen ging es dann zu einer weiteren Papageienlecke. Beobachten konnten wir hier ebenfalls diverse Aras, etwa Blue and Yellow Macaws, Scarlet Macaws oder den Red and Green Macaw, um nur ein paar zu nennen.

Sechs Stunden Bootsfahren stand dann auf dem Programm bis zu unserem nächsten Lager auf dem Weg zum Lago Valencia an der bolivianischen Grenze. Erst zurück auf dem Tambopata nach Puerto Maldonado, hier wurden die Vorräte und das Benzin aufgefüllt für die nächste, 5-tägige Etappe. Im Schatten hatte die Temperatur  inzwischen 37 °C erreicht. Weiter dann auf dem Madre de Dios, knapp eine Stunde bis zu einer Lodge – sogar mit Dusche.

27,2 °C war übrigens die tiefste Temperatur in dieser Nacht. Morgens ging es erst um neun Uhr los – außergewöhnlich, der erste Stopp folgte auf der Insel der Affen. Hier sollen fünf verschieden Arten an Affen leben und sich auch beobachten lassen.  Was uns aber erwartete waren Unmengen an hungrigen Moskitos. Nur keine Affen. Und Moskitosprays, die ignorierten viele der Viecher einfach. Also nach einer Stunde weiter mit dem Boot, ohne auch nur einen Affen gesehen zu haben.

Die letzte halbe von den folgenden drei Stunden ging durch einen engen Seitenarm, bis wir den See erreichten. Erst mal einen Platz zum Übernachten gesucht dann ab zum Piranha-Angeln. Ganz zum Abendessen reichte der Fang dann doch nicht, gegrillt gaben sie jedoch eine gute Vorspeise ab.

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Es ist 3.40 Uhr am nächsten Morgen. Auch hier gibt es Hähne. Einen direkt neben dem Lager. An Schlaf ist nicht mehr zu denken. Also halbwach weitergedöst und gegen sechs Uhr viel zu früh aufgestanden. Denn auch heute sollte es erst um neun Uhr weitergehen. Es hat immer noch 28 °C. Früher als geplant ging es dann die 12 km durch den Seitenarm zurück und weiter auf dem Rio Madre de Dios die zwei Stunden bis zur bolivianischen Grenze.

Am peruanischen Kontrollpunkt müssen wir nicht einmal aus dem Boot raus. Unser Guide Victor – er kam in Puerto Maldonado zusätzlich an Bord für Bolivien – erledigte die Formalitäten. Ging recht flott, offiziell habe wir die Ausreiseformalitäten schon vor ein paar Tagen in Puerto Maldonado erledigt.  200 m weiter dann der bolivianische Kontrollpunkt, ein kleiner Militärposten…

…zum zweiten Teil des Reiseberichtes: In Bolivien und Brasilien.

West Papua Juni-Juli 2012

Unter Papuas: Von Waldnomaden und Dämonen

Nicht viele kennen West Papua, den westlichen Teil Neuguineas, der nach Grönland zweitgrößten Insel der Welt. Nahe Australien gelegen. Und noch weniger die dort lebenden Menschen. Besonders die zahlreichen, abgelegenen und häufig nur schwer zu erreichende Stämme mit ihren steinzeitliche Lebensweisen und Riten. Manch Stamm harrt sogar noch der Entdeckung. Fakten gefällig: rund 500 eigenständische Sprachen, der letzte noch intakte tropische Regenwald Asiens, die größte Biodiversität außerhalb des Amazonas, riesige Mangrovensümpfe, über 4000 m hohe vergletscherte Berge. In diesem Bericht geht es vor allem um den Stamm der Dani aus dem Hochland von Wamena und um strapaziöse Dschungeltouren mit Hindernissen zu den Kuruwai im Tiefland, ein abgeschiedenes Volk von Waldnomaden. Sie leben perfekt angepasst an die Natur in diesem größten zusammenhängenden Urwald unseres Planeten, nur über tagelange Fußmärsche und Bootsfahrten zu erreichen. Wie abgeschieden zeigt ihre Bezeichnung für Weiße: Laleo, Dämonen. Sie leben noch wie vor tausenden von Jahren, ja, manche von Ihnen können erzählen, wie das Fleisch von Menschen schmeckt. Rituellen Kannibalismus, den dürfte es heute noch geben. Aber keinen, der das Leben von Reisenden gefährdet. P.S. Hier findet sich eine Linkliste mit weiterführenden Hinweisen. Den ausführliche Reisebericht mit Tagebuch gibt es als gedrucktes Buch und als eBook zu kaufen. Der dazugehörige Film findet sich im Shop. Hier schon mal ein kurzer Trailer zum Film.

Und hier geht es zu einigen Zeitungsveröffentlichungen über die Reise und dem Film

Im Norden: Das Sentani-Fest und die Provinzhauptstadt Jayapura

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Bevor es zu den Dani und den Kuruwai ging, starteten wir unsere Reise zuerst in Sentani und Jayapura, der Provinz-hauptstadt ganz im Nordosten gelegen. Direkt am Sentani-See, mit etwa 94 Quadratkilometern Fläche und 80 km Länge der größte Binnensee West-Papuas, liegt der bereits im 2. Weltkrieg von den Japanern gebaute Flugplatz. Auf einem kleinen Berg Ifar nahe dem See befand sich ab 1944 dann das Hauptquartier der amerikanischen Armee unter Douglas MacArthur. Der Expeditionsleiter Dr. Weiglein kam 1979 erstmals nach Jayapura. „Zu der Zeit gab es nur wenige Häuser um das Flugfeld herum, alles andere war sehr ländlich, sehr einfach.“ Von dem Volk der Sentani leben in der Umgebung des Sees noch geschätzt 30.000 Menschen. Bekannt sind sie durch ihre Schnitzarbeiten, den Männerhäusern, reich dekorierten Booten und Rindenmalereien. Unser erstes Ziel war das Sentani-Festival an den Ufern des Sees. Es fand 2012 nunmehr zum fünften Mal statt. „Der Sinn des Festes ist, unterschiedliche Volkgruppen zusammen zu bringen, auf das sie sich besser kennen lernen und verstehen. Solche Feste fördert die Regierung, da werden ganze Gruppen per Flugzeug oder Schiff kostenlos hierher gebracht“, betont Werner Weiglein. Eigentlich erinnert das Sentani-Fest stark an ein Volksfest. Zu dem was wir später in Wamena erleben und natürlich auf dem Weg zu den Kuruwai liegen Welten. Dennoch zeigt das Fest etwas von der Kultur der hier lebenden Menschen, alte Traditionen spielen wenigstens in den Vorführungen, noch eine Rolle. Dargeboten werden papuanische Tänze mit reichlich geschmückten Einheimischen, traditionelle Musik und der Gesang begleiten durch den ganzen Tag. Die Wettbewerbe und Kriegsspiele zeigen ihre kriegerische Vergangenheit hautnah auf. Im Umfeld des Festes bieten sich natürlich zahlreiche Möglichkeiten, den Sentani-See und dessen Umgebung zu erkunden, etwa bei Fahrten auf dem See zu einzelnen Clans und Inseln oder Überresten aus dem zweiten Weltkrieg. In der Stadt Sentani selber bietet sich ein Abstecher auf einen der zahlreichen Märkte an. Wobei, vieles dürfte für unsere Mägen hier nicht geeignet sein und den einschneidenden Geruch, den muss man ertragen. Denn für Sauberkeit wird hier nicht unbedingt gesorgt. Da die Provinzhauptstadt Jayapura nur etwa 40 km entfernt liegt, bietet sich ein Besuch an. Nur sollte man genügend Zeit einplanen. Auf der einzigen Verbindungsstraße tummelt sich alles, was ein Auto oder ein Moped besitzt. Eigentlich zieht sich auf der Straße ein einziger Lindwurm von Sentani nach Jayapura, und umgekehrt. Unser erster Stopp in einem Vorort von Jayapura, in der Provinzhauptstadt leben etwa 100.000 Menschen, in der gesamten Region ungefähr 500.000, war direkt am Meer ein Hafen ein Fischmarkt. Der Geruch war gleich wieder unverkennbar. Frisch gefangene Fische, vor allem Thunfische von bis zu zwei Meter, auch einzelne Haie und vieles mehr wurde fachmännisch zerlegt. In weniger als einer Minute war so ein etwa 50 cm langer Thunfisch ausgenommen und filetiert.

Weiter ging es zu einem Aussichtspunkt, ein guter Standort, um ganz Jayapura zu überblicken. Vorher standen zudem der Besuch eines kleinen, schönen Museums der Jentrawasi-Universität an und natürlich ein Stopp an Kunsthandwerkgeschäften, welche Holzschnitzarbeiten anbieten. Mannshohe Schilde, Pfeil und Bogen, Speere, Holzfiguren aus ganz Neuguinea (auch Papua-Neuguinea), Penisköcher und vieles mehr. Richtig alt ist hier nichts, 50 Jahre im Freien entsprechen des Klimas wegen etwa 500 Jahre bei uns. Das heißt viele Schnitzereien verrotten ganz einfach in wenigen Jahren oder werden speziell für Feste erstellt und dann weggeworfen oder verbrannt und zu gegebener Zeit aufwendig aus dem Kopf neu erstellt.

Wamena und das Baliem-Tal

Gelandet in Wamena im Hochland nach einem rund 45 minütigen Flug in einer Turboprop-Maschine ging es zuerst auf einen Markt, nach dem Trubel auf dem kleinen Flughafen. Nach außen hin Chaos, aber alles funktioniert reibungslos. Auf dem Markt – wir besuchten ihn zum einen um selber einzukaufen, zum anderen besteht so eine Stadt eigentlich nur aus Märkten und Geschäften – treffen sich die Stämme der angrenzenden Gebiet. Hier werden Früchte, Gemüse, Fisch und Fleisch, Kleidung, Haushaltsgegenstände, eigentlich alles was man zum Leben so braucht angeboten und Neuigkeiten ausgetauscht. Immer wieder bekommt man von fremden Männern die Hände geschüttelt, viele Einheimische freuen sich über den seltenen Besuch. Betteln haben wir bisher nicht erlebt, auch keine „Gebühren“ fürs Foto, ein Lächeln oder ein kurzes Gespräch reicht (noch). Touristische Einflüsse sind kaum wahrzunehmen, besuchen pro Jahr doch nur um die 1000 bis 2000 Fremde Wamena. Dennoch gilt die Region, die nur mit dem Flugzeug zu erreichen ist, als touristische Hochburg. Überall auf dem Markt, besonders auf den Müllhaufen, finden sich Schweine. Der Schweine wegen sind die Häuser und Gärten der Dani eingezäunt, so dass sie draußen bleiben müssen. Zum Schutz der Gemüsegärten. Quasi rennen die Schweine völlig frei herum, die Menschen sind hinter Zäunen und kleinen Mauern. Schweine gehören zur Familie, werden nach besonderen Regeln getauscht und gehandelt, wenn eines für ein Schweinefest geschlachtet werden soll. Ein eigenes Schwein schlachten die Papuas normalerweise nicht, sie ziehen sie von klein auf, geben ihnen Namen und nicht selten werden sie von den Frauen sogar gesäugt. Für die Papuas sind Schweine Statussymbol, Zahlungsmittel, Nahrungsmittel zu besonderen Anlässen und ein wesentlicher Teil des Brautpreises. Wamena bedeutet übersetzt übrigens in etwa „Da wo die Schweine leben“.papua-2012-bilder-norbert-0080

Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt dann auf einer stellenweise recht anspruchsvollen, sprich holprigen Piste im offenen Kleinbus zu dem Baliem Valley Ressort, unserem Domizil für die nächsten Tage. Ein wundervoll auf einer Halbhöhe gelegenes Ressort, für die Region sehr komfortabel, im landestypischen Stil gebaut und randvoll mit wunderschönen Schnitzereien, zahlreichen Schildern, Statuen, Tanzkleidern und vielem mehr. Inhaber ist übrigens Dr. Werner Weiglein, unser Expeditionsleiter. Das Ressort ist Ausgangspunkt für Wanderungen genauso wir für diverse Tagestouren zu dem Stamm der Dani oder auch abenteuerliche Touren bis hin zu Expeditionen.

Die Dani – ursprünglich, und doch beeinflusst von der Zivilisation

Das Baliem-Tal im Hochland von West-Papua ist Siedlungsgebiet der Dani-Stämme, einem Volk von Bauern und Jägern. Entdeckt von Weißen wurde das Baliem-Tal 1938. Aber erst jetzt entwickelt sich so langsam etwas Tourismus. Der Grund sind die faszinierende Landschaft und die kulturellen Sehenswürdigkeiten. Nicht wenige der Dani-Stämme haben sich bereits darauf eingestellt. Dennoch blieb bis heute viel Ursprünglichkeit erhalten. Das Tal liegt rund 1600 m hoch, erstreckt sich über 12 km Breite und 50 km Länge. Vom Klima her ist es hier ähnlich wie in Europa im Sommer, warm, die Luftfeuchtigkeit hält sich in Grenzen, obwohl es häufiger regnet. Nachts wird es sogar richtig kühl.

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Die Lebensweise der hier lebenden Dani unterscheidet sich von den anderen Hochlandstämmen deutlich. Sichtbarstes Zeichen ist ihre Wohnkultur. Die Siedlungen sind von palisadenartigen Zaunanlagen umgeben (wir erinnern uns: damit die Schweine draußen bleiben), innerhalb sind sorgsam angelegte Gärten zu finden. Ihre Männer- und Familienhäuser sind rund, lang gestreckt dagegen die Küchen und Viehställe. Gedeckt sind die Hütten und Häuser mit Gras. Männerhäuser sind für Frauen normalerweise tabu. Refugium für die ganze Familie sind die Familienhäuser. Eine solche Hütte muss der Dani-Mann für jede seiner Frauen bauen, Polygamie ist anerkanntes Sittenverhalten. Für jede Frau ist zudem ein Feld anzulegen. Hier bauen die Dani-Frauen unter anderem Süßkartoffeln, Maniok, Bohnen, Bananen, manchmal Zuckerrohr, Kaffee und Pandanus an. Auch Schweine müssen für die Frauen vorgehalten werden. Mehrere Frauen kann sich nicht jeder Mann leisten. Übrigens sieht man ältere Frauen, bei denen an mehreren oder allen (außer den Daumen) das oberste oder die beiden obersten Fingerlieder fehlen. Ein Zeichen von Trauer. Stirbt ein naher Verwandter oder ein Kind, schlagen (oder müssen) sie ein Fingerglied opfern. Generell sind viele Bergpapuas klein von Statur (um die 1,50 m). Kannibalische Praktiken gab es bis in die 1970er-Jahre. Gestoppt wurden sie in dieser Gegend von christlichen Missionaren, die auch für ein Ende der zahlreichen Stammesfehden, alten Kriegsritualen und der Ahnenkulte sorgten. Traditionell tragen die Männer außerhalb Wamenas nur ein Penisfutteral, das Koteka. Auch in Wamena gibt es neuerdings ein Festival. Es findet Mitte August statt und bietet Schaukämpfe mit traditionell bekleideten Kriegern. Sehenswert sein soll auch das Schweinerennen. Zu dieser Zeit kommen die meisten Besucher nach Wamena, während im Rest des Jahres der touristische „Ansturm“ sich in Grenzen hält.

Wir jedenfalls besuchten u. a. einen Dani-Weiler, der noch eine uralte Mumie eines ihres Clan-Vorfahren beherbergt. Sie soll um die 250 Jahre alt sein. In einem Nachbarweiler zeigten uns die Dani dann ihre kriegerische Vergangenheit in Form eines Schaukampfes und wir konnten an einem traditionellen Schweinefest teilnehmen. Ein Muss für jeden West-Papua-Besucher. Gekocht wird dabei wie seit Urzeiten in Erdgruben mit heißen Steinen. Ursprünglich gab diese Fest nur bei Hochzeiten, Beerdigungen oder besonderen Gästen. Auch heute noch ist alles sehr ursprünglich und echt, keine Show nur für Besucher. Für das Fest wird erst mal ein Schwein mit Pfeil und Bogen getötet. Parallel dazu entzündet man ein großes Feuer und erhitzt Steine darin. In einer Erdgrube packt man das Fleisch mit dem vorher geernteten Gemüse in Bananen- und Palmblätter in verschiedene Lagen und legt immer wieder heiße Steine dazu. Dann packt man den Ofen mit Gras ein. Das ganze gart etwa 90 Minuten bevor man es wieder ausgräbt und verteilt. Während der Garzeit bieten die Dani ihre Handwerkskunst und allerlei Kuriositäten an. Das ganze dauert einen halben Tag.

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Am kommenden Tag fuhren wir dann in den südlichen Teil des Baliem-Tales. Zu Fuß ging es durch eine wunderschöne Landschaft, mal entlang des Flusses, mal oberhalb. Der Weg führt über urige Hängebrücken, vorbei an Dani-Dörfern, Zuckerrohrhainen und terrassierten Feldern. Viele Hochlandbewohner außerhalb des Baliem-Tales leben immer noch auf der Stufe neusteinzeitlicher (neolithischer) Bauern in erster Linie vom Ackerbau. Die Pflanzarbeiten werden mit einem Grabstock verrichtet.

Der Weg zu den Kuruwai

Langsam wird es ernst. Nur ein sehr kleiner Teil der Papua-Besucher nimmt die beschwerliche Reise auf sich, schafft es in die unerschlossenen Gebiete, so wie wir. Die meisten Besucher bleiben im Umfeld von Wamena oder Jayapura hängen. Jetzt warten unerschlossene Gebiete, tagelange Fahrten auf dem Einbaum, undurchdringlicher Dschungel, kilometerlange Fußmärsche, Spinnen, Schlangen und anderes Getier und, unsere Expeditionsziel, Menschen aus der Steinzeit auf uns. Aber dafür geht es erst einmal im Flugzeug nach Dekai südlich ins Tiefland. Deswegen hieß es, das Gepäck zu reduzieren, alles nicht Notwendige ging nach Jayapura per Fracht zu dem Hotel, in dem wir die letzte Nacht auf West-Papua verbrachten. Auch die eingekauften Souvenirs. Angekommen in Dekai, mehrere Stunden später als geplant, was den vorgesehenen Ablauf etwas durcheinander brachte, ging es erst einmal ins „Zentrum“ von Dekai, die letzte Möglichkeit für Einkäufe. Etwa zwei bis drei Dutzend Läden in Holzbaracken und Gassen dazwischen, ein überdachter kleiner Markt, das ist alles. Eingekauft wurden in erster Linie Unmengen an Tabak, als Gastgeschenk für die Kuruwai und die Träger und alle die rauchen. Also alle, mit denen wir zu tun haben werden. Rauchen gehört zur Lieblingsbeschäftigung fast aller Papua, ganz egal ob Mann, Frau oder Kind. Auch auf der Einkaufsliste: Regenschirme. Klingt etwas komisch, für das offene

Auf dem Brazza und Siret

Am kommenden Morgen ging es dann auf der Pritsche eines Kieslasters zum Hafen von Dekai. Was man so nennt. Ein paar Holzhütten (Läden), ein paar kleinere Boote, kein Kai oder ähnliches. Unser Boot, ein Einbaum mit Außenborder, der nebeneinander zwei Personen ausreichend Platz bot und um die 15 m lang war, wurde aus einem einzigen Urwaldriesen gehauen. Also den Einbaum beladen und los ging´s. Was in den letzten zwei Tagen dabei alles schief lieft und auch die nächsten Tage, das ist eine eigene Story (im Buch zu lesen und im Film zu sehen). Gehört aber dazu. Wir sind dann um die acht/neun Stunden mit dem Boot gefahren, bis wir einen passenden Missionsplatz für die Übernachtung erreichen – ab sofort nur noch im Zelt. Besiedlung, auch am Fluss, gibt es hier unten kaum. Angesagt ist eine endlose grüne Dschungellandschaft, an der sich das Boot entlang schlängelte, ab und zu unterbrochen von einem kleinen Dorf oder einzelnen Hütten.

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Am nächsten Morgen ging es sehr früh weiter. Obwohl an den Abbau der Zelte zuerst nicht zu denken war, zu nass. Positiv dabei, der Regen ist warm, man gewöhnt sich schnell daran. Mit der Weiterfahrt dauerte es entsprechend etwas länger, die an den letzten Tagen verlorene Zeit konnten wir wieder nicht hereinholen. Kurz nach 13 Uhr erreichen wir dann unser Tagesziel, Mabul, am Oberlauf des Siret gelegen. Dabei handelt es sich um ein Dorf mit vielleicht 50 Einwohnern, das die Regierung am Fluss bauen ließ. Für uns der Ausgangspunkt für die Tour zu den Waldnomaden. Am kommenden Tag starteten wir mit 15 Trägern, ab hier ging es nur noch zu Fuß weiter. Wenn Fremde kommen werden von den Dorfbewohnern aus allen Ecken und Enden ihre Artefakte und Gebrauchsgegenstände angeschleppt um ein kleines Geschäft zu machen (was sie dann auch tun). Präsentiert werden Pfeifen, Ketten aus Hunde- und Schweinezähnen, Bögen und Pfeile etwa für die Vogel-, Fischjagd oder auch solche, die (früher) im Kampf verwendet wurden, Netze, Schilder (zur Verteidigung), Knochenmesser, Strohröcke, Schmuckutensilien, Sagohämmer und zahlreiches mehr. Eigentlich ihr gesamter Hausrat. Den bieten sie gegen Bares oder Tabak an. Besonders interessant sind die großen Schilder (ja, und man bekommt sie auch nach Deutschland). Von Ales, so der Name des Kuruwai, der es aus einer Brettwurzel eines Urwaldriesen schnitzte, stammt meines. Die Motive sind von Clan zu Clan unterschiedlich. Hier in Mabul zieren die Schilde Blüten der Lianen, Sterne, der Mond und immer der Nabel, der menschliche mit einem Stück Nabelschnur. So ein Schild herzustellen ist nicht einfach, dauert schon mal bis zu einen Monat. Aber Zeit, das ist hier kein Problem. Ein Thema der Gespräche nicht nur in Mabul war der Kannibalismus. Gab es ihn in diesen Regionen doch vor nicht allzu langer Zeit. Wobei gab. Ausführliches dazu im Buch – und nur im Buch, denn filmisch ließ sich das Thema Gott sei Dank nicht erfassen. Grundsätzlich ist für die Kuruwai bei einem Tod immer Hexerei im Spiel, einen natürlichen Tod schien man nicht zu kennen. Also muss man den Hexer ausfindig machen. Auch wenn Krankheiten und die damit verbunde hohe Kindersterblichkeit die Hauptursache für die geringe Lebenserwartung von vielleicht 30 bis 35 Jahre ist. Krank werden geht hier schnell. Weit verbreitet ist zum Beispiel die Elephantiasis. Äußeres Zeichen: monströse Füße, die Ursache Lymphstau durch Infektionen.

Marsch durch den Dschungel

Tags darauf ging es dann richtig los. Unser Expeditionsleiter entschied sich nach Rücksprache mit den Dorfbewohnern zum Besuch eines Clans etwa fünf Kilometer entfernt. Eigentlich nicht viel, dachten wir. Es regnet gerade mal wieder, das Klima ist nicht einfach zu ertragen für uns Europäer. Kein Windhauch, mehr als 35 °C und über 95 % Luftfeuchtigkeit. Unsere Gruppe bestand aus acht Reisenden, dem Expeditionsleiter, seinem Sohn, einem Koch sowie einem „Mädchen für alles“ und 15 Trägern aus dem Dorf. Mitgenommen werden muss alles: Zelte, Kochausrüstung, Lebensmittel (bis auf das was der Dschungel hergibt wie Sago, Kochbananen, Blattgemüse, Insekten), Foto- und Filmzubehör und natürlich die persönliche Expeditionsausrüstung. Auch im Notfall gibt es keine Hilfe, man ist auf sich selbst und das Wissen des Expeditionsleiters und der Einheimischen angewiesen. Unsere Träger sind sehr bescheiden was ihr eigenes Gepäck angeht. Einige haben etwas dabei, kleine handliche Bündel. Andere nicht. Nahrungsmittel, Fehlanzeige. Mit uns kamen auch einige Frauen der Träger, eine schleppte ihr Baby mit, eine andere ein junges Ferkel (nicht zum Essern), beide im typischen Netz, das an der Stirn getragen wird und am Rücken hängt.

Bevor wir zu den ersten, noch ursprünglich lebenden Kuruwai kamen, standen jedoch erst die fünf Kilometer Dschungelmarsch an. Klingt wenig, ist viel und fordert alles von einem. Sechs Stunden benötigten wir für diese fünf Kilometer. Also pro Stunde gerade mal durchschnittlich 800 m. Wege in unserem Sinne gibt es nicht, es geht durch Wasser, Schlamm oder über und auf umgestürzten Baumstämmen durch den Dschungel. Neben einem Wanderstock sehr wichtig: Gute Gummistiefel. Halten sie doch die Füße trocken und Wasser und Schlamm draußen. Dachte ich wenigstens noch am Anfang. Ist der Gummistiefel dann erst einmal vollgelaufen, gewöhnt man sich schnell daran. Obwohl deren Gewicht inklusive Schlamm und Wasser schon ganz schön hoch ist. Im Weg auch zahlreiche Bäche und 10 bis 15 m breite Flüsse. Hier kam die Axt zum Einsatz. Zum fällen größerer Bäume als Übergang, eine Art Baumbrücke. Alles nicht so einfach.

Dennoch, wir schafften es, erreichten die erste Kuruwai-Siedlung mit den Namen Murup, der Name der Chefin. Im Augenblick sind hier zwei Häuser bewohnt, mit fünf Erwachsenen. Die Frauen sind im Wald unterwegs, auch Murup, die entscheidet, wie lange und ob wir hier bleiben dürfen. Die ersten Signale (der Männer) sind positiv. Im Gegenteil, wir scheinen sogar zwei Nächte hier bleiben zu können, die Kuruwai wollen uns eine der Sagopalmen abgeben, für eine Demonstration der Sagogewinnung. Es kam dann auch so, nachdem Murup eintraf, wir konnten zwei Tage bleiben. Ist ja auch eine seltene Abwechslung für die Kuruwai.

Die Kuruwai

Die Waldnomaden leben perfekt angepasst an die Natur in diesen größten zusammenhängenden Urwäldern unserer Erde. Schon ihre 30, manchmal 40 m hohen Baumhäuser zeigen, wie sie sich auf die lebensbedrohliche Umwelt eingestellt haben. Nur verhältnismäßig wenige Besucher dringen zu den Dörfern und Siedlungsgebieten der Kuruwai vor, haben sie besucht oder gesehen. Jetzt gehören wir dazu. Erste Kontaktversuche fanden 1978, vor gerade mal etwas mehr als 30 Jahren statt. Für die lange Nichterschließung des Gebietes spielt im Wesentlichen eine Rolle, dass es keine Bodenschätze gibt. Also ließ man sie weitgehend in Ruhe, mit Ausnahme der christlichen Missionare. Wobei einzelne Teile des Siedlungsgebietes noch heute unerforscht sind, es immer noch einige unentdeckte Clans geben soll, die keinen Kontakt zu Weißen haben. Insgesamt dürften so um die 5000 Menschen in dem etwa 300 bis 400 Quadratkilometer großen Gebiet leben.

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Besuchen kann man die Kuruwai seit Beginn der 1990er-Jahre einigermaßen gefahrlos. Schon die anfängliche Bezeichnung der Waldnomaden für uns Weiße sagt einiges: Laleo. Das bedeutet in ihrem Sprachgebrauch so viel wie Dämonen. Gleichen wir von der Hautfarbe her doch ihren Verstorbenen. Die werden übrigens entweder restlos verbrannt oder einfach im Baumhaus liegen gelassen und die Siedlung dann aufgegeben.
Die meisten Kuruwai leben wie vor tausenden von Jahren ähnlich den Steinzeitmenschen. Zwar setzten die von uns besuchten Familien schon eine metallenes Beil statt der Steinaxt ein, das war es aber auch schon. Die erhielten sie übrigens über die Träger bei den seltenen Besuchen. So kennen die meisten Kuruwai bis heute weder Eisen noch andere Metalle. Unbekannt sind auch die Schrift oder Töpferwaren. Eine Familie umfasst normalerweise bis zu acht Menschen. Es herrscht Geschlechtertrennung vor, wird die Gruppe zu groß, teilt sie sich. Bekleidet sind die Kuruwai-Männer nicht. Das Koteka, den Penisköcher der Dani und Asmat kennt man hier nicht. Die Frauen tragen einen aus Sagofasern gedrehten Rock. Keine Kuruwai-Frau verlässt das Baumhaus ohne Tragnetz, kein Mann ohne Pfeil und Bogen. Den benötigt er für die Jagd. Hauptnahrungsmittel ist Sago, reine Stärke, und für Proteine sorgen vor allem die Insekten und Sagolarven.

Sagopalmen brauchen sumpfigen Boden. Zur Gewinnung des Sagos wird eine reife Sagopalme gefällt und entrindet. Das Palmherz wird ebenfalls gewonnen, schmeckt vorzüglich. Die großen Schäfte der Palmblätter benötigt man für die Waschvorrichtung. Der untere Teil des Stammes wird mittels klöppelartigen Holzgeräten klein und faserig geklopft, eine Heidenarbeit, die mehrere Stunden dauert. Parallel dazu errichten zwei ältere Frauen die Waschanlage. Die Fasern kommen oben in eine Rinne, dazwischen ist ein Tuch als Filter. Die Frauen kneten nun die Späne zusammen mit Wasser, bis sich die Stärke herauslöst. Das milchige Wasser fließt langsam durch den Stofffilter und sammelt sich in einer Vertiefung in der folgenden Rinne, hier setzt dich der Sago ab. Übrig bleibt die reine, fast weiße Masse. Schmeckt nach nichts, Stärke pur halt. Anschließend gingen die Kuruwai noch Sagolarven sammeln. Proteine müssen sein.

Leben in 35 m Höhe – Baumhaus extrem

Am kommenden Morgen hieß es dann Abschied nehmen von den uns so gastfreundlich gesonnenen Kuruwai und weiter ging es etwa zwei Stunden durch den Dschungel zu einer weiteren Familie. Unser Ziel war das Dusum Lobol (wieder nach einem Familienmitglied). Der Chef der Familie hat hier ein typisches Männerhaus gebaut, so um die 35 m hoch. Das scheint die Frauen hier zu beeindrucken, begleiteten ihn immerhin schon zwei jüngere Damen, eine mit Baby. Gebaut hat er es mit zwei Freunden in drei Monaten. Er war so richtig stolz darauf, das war ihm deutlich anzumerken, posierte er sich doch regelrecht zum Fotografieren und Filmen davor.

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Das Baumhaus. Wirklich beeindruckend. Auf jeden Fall, eine wahnsinnige Arbeit und eine unglaubliche Konstruktion. Natürlich nicht für das Gewicht eines Europäers wie mir ausgelegt, halt für einen Kuruwai. Alles, wirklich alles an den Baumhäusern sind Naturprodukte (Holz, Palmblätter und Lianen), kein Nagel, nichts. Der Boden besteht aus Holzstangen, die mit Rinde belegt sind. So ein Baumhaus hält etwa drei bis fünf Jahre, dann wird ein neues gebaut. Witterung und Insekten setzen dem Holz stark zu. Ursprünglich schützte ein Baumhaus vor Angriffen feindlicher Klans, Krankheiten und Überschwemmungen. Herannahende Feinde konnte man in der gerodeten Lichtung einfacher erkennen. Gut, dann wurde das Baumhaus einfach angezündet, aber von oben konnte man mit Pfeilen den Gegner auch leicht treffen. papua-2012-tag13-kuruwai-1346 Tags drauf stand nur ein kurzer Marsch von etwa einer Stunde an, an die Ufer des Siret, wo wir vom Boot abgeholt werden sollten. Sollten, denn der niedrige Wasser-stand ließ nicht zu, dass das Boot bis zu uns kam. Also mussten wir Tags darauf noch einmal zwei bis drei Stunden durch den Dschungel, um zum Boot für die zweitägige Rückfahrt nach Dekai zu kommen. Den Tag nutzen wir zum Tagebuchschreiben, ausruhen, ließen und von einem Kuruwai zeigen, wie man die Schilder aus Brettwurzeln schlägt, schauten uns deren Artefakte an (und nahmen auch das eine oder andere wieder mit). Früh ging es dann los (gegen 6.30) um nach Mabul, unserem Ausgangsort zu gelangen und zu unserem Boot. Die zweitägige Rückfahrt unterbrach dann Niedrigwasser (austeigen und laufen) und Stopps bei diversen Stämmen, darunter auch den Brazza am gleichnamigen Brazza-Fluss in Patipi-Iwawa, wo wir schon auf der Anreise übernachten wollten. So konnten wir unser Versprechen einhalten und wenigstens zu einer Rast stoppen. Die Dorfbewohner brachten wie üblich Teile ihres Hausrates, Waffen und Schilder her um etwas Geschäft zu machen. Was die Schilder betrifft, zwei standen zur Auswahl, bei einem kleineren (etwa 1,5 m hoch) schlug ich erneut zu. Eines von den Kuruwai, eines von den Brazza, die relativ selten seien. Zwei Stunden später erreichten wir den Hafen von Dekai, und am Folgetag ging es nach acht Stunden Wartezeit mit einer Propellermaschine nach Jayapura, bevor wir die Rückreise mit einem Zwischenstopp von drei Tagen in Bali antreten.

Resümee

Eine nicht alltägliche Tour, die Dani und die selten besuchten Kuruwai. Eindeutig die Höhepunkte dieser Reise und alle, wirklich alle Strapazen wert. Die Dani sind verhältnismäßig einfach zu erreichen. Wer die Strapazen einer Dschungeltour scheut, hier kommt er auf seine Kosten, Zumal sich rund um Wamena im Baliem-Tal noch viel mehr besichtigen und besuchen lässt, als uns in den drei Tagen möglich war. Der Höhepunkt war natürlich die Tour zu den Kuruwai. Uns waren sie freundlich gesonnen, Gastfreundschaft pur. Sind wir doch für Sie genauso interessant wie Sie für uns. Auch habe ich mich nie und nirgends auch nur ansatzweise gefährdet gefühlt, so wie die Tour eigentlich für alle zu machen ist, die offen gegenüber fremden Kulturen sind. Tolerant muss man sein, auch mit einfachen Verhältnissen zurecht kommen können und einigermaßen fit. Sind einem die Dschungelmärsche zu anstrengend, kann man auch die Asmat besuchen, das erfolgt vorzugsweise mit dem Boot. Aber die sind mit den Kuruwai eigentlich nicht zu vergleichen. Beide sind eine Reise wert. Wir jeden falls planen für 2015 eine weitere Expedition, dann zu den Spic in Papua-Neuguinea. Fast ohne Dschungelmärsche, mit dem Boot. Wer mehr lesen will: Wie am Anfang geschrieben, den Reisebericht gibt es mit ausführlichen Infos und Tagebuch auch als Buch, eBook und Film.

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Quellen: Wikipedia, Eigene Erlebnisse, Werner Götz, Winnenden, Juni/Juli 2012

Zeitensprung – Zum Abschluss noch etwas Bali

Den abschließenden Bericht über Bali halte ich kurz. Denn was uns die Werbung von der Insel der Götter verspricht, und der Sonneninsel, das ist nicht die Realität. Für mich jedenfalls, rein subjektiv. Über die gesamte Insel ein Verkehr, der unsere Rush Hour alt aussehen lässt. So mieteten wir uns für einen ganzen Tag ein Taxi (50 €), das uns zu einigen Sehenswürdigkeiten bringen sollte. Das Problem, der Verkehr. Für vier Stopps von insgesamt etwa vier Stunden Dauer waren wir mehr als acht Stunden im Auto unterwegs. Nicht das die Entfernungen so gigantisch waren, nein, es war der Verkehr. Rechts und links übrigens nur Geschäfte, von den viel gepriesenen Reisterrassen sieht man so gut wie nichts. Auch nicht schön: Die wirklich sehenswerte Klosteranlage von Pura Besakih, der wichtigsten und heiligsten Tempelanlage Balis und das bedeutendste hinduistische Heiligtum Indonesiens kann man kaum in Ruhe anschauen. Die ganze Zeit wird man von Einheimischen angegangen, wegen Führungen, Regen- oder Sonnenschirmen, Getränken und allem was es so gibt. Wobei das Gelände mit 22 Tempelanlagen und rund 200 Gebäuden immerhin drei Quadratkilometer groß sein soll. Dennoch hat man kaum seine Ruhe. Vielleicht hatten wir auch nur Pech, denn es regnete und es war verhältnismäßig wenig los. Also stürzte man sich auf die paar Touristen. Nervig.

Schön dagegen eine Kaffeeplantage, wo es den berühmten und teuersten Kaffee der Welt gibt, den Kopi Luwak. Hier wurde man zuvorkommend behandelt, auch in Ruhe gelassen. Kopi Luwak, auch Katzenkaffee genannt, ist wirklich einzigartig. Denn eine Schleichkatzenart, in Bali der artverwandte Fleckenmusang, frisst die Kaffeekirschen und deren süßes Fruchtfleisch. Der Kern, die unverdauliche Kaffeebohne wird wieder ausgeschieden. Durch die Verdauungssekrete erhalten die Kaffeebohnen ihren Geschmack. Eine Tasse kostete um die vier Euro, wurde natürlich getestet. Der Kaffee schmeckt recht kräftig, erdig, etwas nach Schokolade. Gut ich trinke zwar gerne Kaffee, bin jedoch sicherlich kein Kaffeespezialist. Denn die rund 35 Euro für 100 g sind mir dann doch zu viel. Wobei. Sieht man die Preise die in Europa von Liebhabern dafür bezahlt werden. Wenn es stimmt, immerhin bis zu 1200 Euro pro Kilogramm. Wäre also doch ein Schnäppchen gewesen. Ansonsten waren wir noch auf zwei Vulkanen (im Nebel), in einer riesigen Bildergalerie (und gleich wieder weg, war eher eine Verkaufsgeschichte der Taxifahrer) und bei einer wirklich schönen Holzschnitzerei. Hier blieben auch einige indonesische Rupien respektive Dollar liegen für wirklich schöne Sachen. Die dann ihren Preis hatten. Wenn nur nicht die Fahrerei wäre. Aber so macht es wenig Spaß, für einen Ausflug stundenlang im Auto zu sitzen. Auch ist für die Australier Bali das, was für manch Deutschen Mallorca ist, nicht das Hinterland, sondern Ballermann und Co. Nicht meine Sache. Auch deswegen verbrachte ich den nächsten Tag lieber im Hotel, sortierte Bilder, schaute erste Filmszenen an, und marschierte drei Kilometer zu interessanten Antiquitätengeschäften. Wo ich die letzten Dollar liegen ließ. Die Filmpremiere des West-Papua-Filmes fand  am 24. November in Passau statt, im Scharfrichterkino.

Kinoplakat West-Papua