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Die Antarktis-Reise als BluRay oder DVD

Sicherlich eine ungewöhnliche Reise in die Antarktis über die Falkland-Inseln und Südgeorgien. Faszinierend und außergewöhnlich. Das alles kann man jetzt auch Zuhause erfahren. Der 90-minütige Film zeigt die Reise so, wie man sie selbst erleben könnte. Außergewöhnliche Tier- und Landschaftsaufnahmen erwarten Sie, aber auch viel Informatives. Den Film gibt es als DVD oder hochauflösend als BluRay.

Hier gibt es einen 8-minütigen Trailer auf YouTube mit Ausschnitten vom Film jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln.

Auf dem Weg in die Antarktis – Ziel erreicht

Die Antarktis ist nicht nur ein weiterer Kontinent. Er ist einer der nahezu unberührt ist, große Teile sind immer noch im wahrsten Wortsinn weiße Flecken auf der Landkarte. Groß ist die Vielfalt an Tieren, außergewöhnlich viele Landschaften, lebensfeindlich die Umwelt. Ein Kontinent mit vielen Superlativen die kaum jemand kennt und nur wenige besuchen. Die größten Gletscher, die tiefsten Temperaturen, die größten Eisberge, ungeheure Stürme und zahlreiche wilde Tiere ohne Scheu vor dem Menschen. Es ist außergewöhnlich, diesen Teil der Erde zu besuchen, faszinierend zugleich, zumal die Antarktis und Süd-Georgien einen in den Bann ziehen. Und eigentlich auch nie mehr loslassen.

Anlandung in Brown Bluff auf der antarktischen Halbinsel
Zügelpinguine im Schneetreiben

Hier geht es zu Teil I, den Falkland-Inseln und zu Teil II, Süd-Georgien

Eine Reise in die Antarktis via Falklands und Süd-Georgien

Teil III – die Antarktis

Unsere Route in die Antarktis via Falkland-Inseln (Reisereportage Teil I) und Südgeorgien (Teil II):

Unsere Route mit der MV Fram via Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarktis

Hier finden sich die Logdateien (GPS) über die gesamte Reise hinweg (Quelle: Hurtigruten)

Der Weg zur Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Aufnahmen (nur eine kleine Auswahl).

Hier gibt es den 90-minütigen Film der Reise kommentiert als DVD oder hochauflösend als BluRay. Als Vorgeschmack ein paar Ausschnitte jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln. 

Auf hoher See

Die drei Tage auf hoher See Richtung Süden von Süd-Georgien verliefen nicht so ruhig wie die Fahrt bisher. Im Schnitt vier Meter hohe Wellen und Windstärke 6 sorgten schon für stärkere Bewegungen des Schiffs. An Bug und Heck waren Bewegungen von acht bis zehn Meter fast normal. Dennoch ließen sich die Tage nutzen, die Crew bot Vorträge zu Themen wie Robben, Walbeobachtungen oder Vulkanismus auf Deception Island an. Auch musste wieder alle Outdoorkleidung gründlich gereinigt und abgesaugt werden, die Stiefel desinfiziert. Zudem ließ sich die Zeit nutzen, um sich mit der Geschichte der Antarktis und mit dem Antarktisvertrag auseinander zu setzen.

Vor Elephant Island, hier musste Shackletons Mannschaft noch weitere vier Monate auf dem kleinen Landvorsprung ausharren, bis Rettung kam.

Der Vertrag von 1961 legt fest, dass der antarktische Kontinent und seine angrenzenden Gewässer ausschließlich friedlich genutzt werden dürfen, in erster Linie für die wissenschaftliche Forschung. Sind die Polargebiete doch Schlüsselregionen für das Weltklimageschehen, mithin für das Leben auf der Erde. Deswegen reisen auf der MS Fram immer mal wieder Wissenschaftler mit, um ihrer Arbeit nachzugehen oder zu einzelnen Forschungsstationen zu gelangen.

Vereinzelte Eisberge auf dem weiteren Weg Richtung Süden zeigen, dass wir uns der Antarktischen Halbinsel nähern. Diese teilweise gigantischen Tafeleisberge sind typisch für die Antarktis, sie brechen von den Gletschern und vom Schelfeis ab. Ein großer braucht mehrere Jahre um abzuschmelzen und kann tausende Kilometer auf dem Meer zurücklegen. Besonders große Exemplare sollen sogar 30 Jahre überdauert haben.

Mithin der größte dokumentierte war ein antarktischer Tafeleisberg mit einer Fläche von anfangs 31.000 Quadratkilometern aus dem Jahr 1956. Selbst mitten im Atlantik wurde einst einer aus der Antarktis gesichtet. Rund 90 Prozent der Eismasse befinden sich unter Wasser, was bekanntermaßen schon der Titanic zum Verhängnis wurde.

Blaue Adern aus klarem Eis durchziehen manchen Eisberg. Sie entstehen durch Schmelzwasser, das in Gletscherspalten eindrang und wieder gefror. Ansonsten sind sie weiß, dafür sorgen die im Eis eingeschlossenen Luftblasen, die das Licht reflektieren. Tiefblau schimmert er nur, wenn das Eis sehr wenig Luftbläschen enthält. Weißes Licht muss einen Weg von drei Metern durch das Eis zurücklegen, bis es blau schimmert. Gut bei Gletschereis zu beobachten, besonders bei Spalten und Höhlen.

Beim Reinigen der Kleidung

Für die Antarktis-Besucher gibt es strenge Vorschriften. So dürfen nie mehr als 100 Menschen an Land sein, begleitet von fünf Guides. Landungsberechtigt sind nur Schiffe mit maximal 500 Passagieren. Vor jedem Landgang müssen Kleidung und Ausrüstungsgegenstände gesäubert werden. Damit will man verhindern, dass nicht-heimische Arten eingeschleppt werden. Natürlich darf nichts zurückgelassen werden, außer Fußabdrücke.

Lange Zeit haben nur Wissenschaftler ihren Fuß auf die Antarktis gesetzt. Heute ist es auch Touristen möglich. Angelandet wird bei der MS Fram mit schnellen und wendigen Polarcircle-Booten. Sie sind speziell für die antarktische See konzipiert. Sechs bis sieben Menschen passen auf die Boote, hohe Gummistiefel sind Pflicht.

Wo und wann angelandet und welche Inseln besucht werden ist abhängig von Wind, Wetter und Eis. Die Natur bestimmt die Route.

Bildergalerie Fahrt Richtung Antarktis

Brown Bluff

Wir sind vor Brown Bluffan der an der Spitze der Antarktischen Halbinsel. Anlandungen werden nicht selten durch treibende Tafeleisberge verhindert. Bei Südost-Wind gibt es kaum eine Chance, weil zahlreiche Eiskolosse aus der Wedell-See auf die Insel zutreiben.

Eine fast 750 Meter hohe Klippe beherrscht das Landschaftsbild von der Seeseite her. Sie ist vulkanischen Ursprungs, an der Nordseite weitgehend Eisfrei und rostfarben gefärbt. Der Strand ist von Lavabomben übersäht und natürlich finden sich zahlreiche Adélie-Pinguine und Eselspinguine hier ein. Zahlreiche Dominikanermöwen und Kapverden-Sturmvögel brüten derzeit, diese Flächen dürfen nicht betreten werden.

Die Anlandung ist nicht so einfach. Tonnenschwere Eisblöcke treiben an den Strand. Die Crewmitglieder halten eine Rinne frei, stehen bis zu der Hüfte im eiskalten Wasser (rund 1 Grad Celsius). Wir stehen zum ersten Mal auf dem antarktischen Kontinent. Schon ein besonderes Gefühl. Am Strand entlang watscheln die Pinguine. Der Kontrast zwischen den fast schwarzen Tieren und dem Eis ist gigantisch. Schnell sind hunderte von Fotos im Kasten und auch zahlreiche Szenen abgedreht. Man weiß gar nicht, wo man anfangen oder aufhören soll. Vergessen darf man natürlich nicht, die Szenerie einfach mal zu genießen, die Tiere nur zu beobachten. Es ist einfach fantastisch. Die Temperatur liegt bei etwa sechs Grad Minus, es schneit kräftig und es bläst ein kalter Wind, der die gefühlte Temperatur weiter sinken lässt. Dafür hat man aber entsprechende Kleidung an. Nach 90 Minuten geht es zurück, inzwischen haben große Eisblöcke die Anlandestelle ziemlich im Griff. Die Crewmitglieder versuchen sie aus der Fahrrinne zu schieben, kaum möglich. Auch der Bootsführer versucht sie mit dem Boot auf die Seite zu drücken, gelingt auch bei voller Motorkraft nur bedingt.  Gibt aber wunderbare Aufnahmen.

Die Mannschaft der MS Fram dürfte nicht so gute Erinnerungen an Brown Bluff haben. Kollidierte das Schiff doch im Dezember 2007 nach einem halbstündigen Maschinenausfall mit einem Eisberg und wurde leicht an der Außenhaut beschädigt. Zudem litt ein Rettungsboot. Aus Sicherheitsgründen lief die Fram den am nächsten gelegenen Ankerplatz einer chilenischen Militärstation auf King George Island an. Passagiere und Besatzung kamen nicht zu Schaden.

Ganz ausschließen kann man Unfälle bei Antarktisfahrten nie. So sank ebenfalls 2007 das Kreuzfahrschiff Explorer nach einer Kollision mit einem Eisberg, etwa 1000 Kilometer südlich von Kap Hoorn. Die 100 Passagiere und 54 Besatzungsmitglieder wurden nach vier Stunden in Rettungsbooten von dem norwegischen Schiff NordNorge aufgenommen.

Bildergalerie Brown Bluff

Weiter geht es durch den Antarctic-Sound. Er steht für wirklich beeindruckende Eisbergformationen, ist ein rund 50 Kilometer langes Gewässer mit Breiten zwischen 12 und 22 Kilometern. Er trennt eine Inselgruppe von der antarktischen Halbinsel ab. Die teils kilometerlangen, tafelförmigen Eisberge stammen vom Schelfeis des Kontinents, starke Strömungen im Wedell-Meer treiben die Eisgiganten Richtung Norden in den antarktischen Sund hinein. Nur macht das Wetter uns einen Strich durch die Rechnung. Es ist nebelig und schneit stark, zu sehen ist fast gar nichts.

Bildergalerie Antarctic Sound

Deception Island, Süd-Shetland-Inseln

Um sieben Uhr morgens hatten wir die Einfahrt in den Kratersee von Deception Island erreicht. Die Insel ist vulkanischen Ursprungs mit einem noch aktiven Vulkan. Neben dem Mt. Erebus einer von noch zwei aktiven Vulkanen in der Antarktis. Das Eiland besteht aus dem ringförmigen Rest der Caldera. Sie entstand vor etwa 10.000 Jahren nach einer gewaltigen Explosion. Kleinere Schiffe wie die Fram können die Caldera befahren. Der letzte Ausbruch fand 1970 statt und gehörte zu den gewaltigsten Explosiv-Eruptionen auf der Erde. Eine spanische Forschungsstation überwacht den Vulkan in den Sommermonaten.

Ein kleiner Nebenkrater

Morgens war es nebelig und windig. Wir landeten in der Telefon-Bay an. Hier bot sich eine einstündige Wanderung um einen Nebenkrater an. Gegen Mittag klarte der Himmel auf, das Wetter und die Vorhersage blieb aber vage. Eigentlich wollte ich heute Nachmittag eine Tour mit dem Kajak machen. Die aber wurde verschoben, der unsicheren Wetterbedingungen wegen.

Bildergalerie Deception Island Telefon-Bay

Das Schiff setzte also innerhalb der Bay um, es erfolgte eine zweite Anlandung auf Deception Island in der Whalers Bay.

Hier finden sich die Reste einer verfallenen britischen Forschungsstation von 1944 und die einer norwegischen Walfangstation. Letztere wurde gemäß des Antarktis-Vertrages zur Historic Site No. 71 erklärt, ist somit geschützt. Die Walfangstation wurde 1927 durch einen Vulkanausbruch zerstört und nicht wiederaufgebaut. Die Forschungsstation fiel 1969 einem Ausbruch zum Opfer. Einen Friedhof aus der Walfängerzeit haben die Vulkanausbrüche im Laufe der Zeit verschüttet.

Ein Seeleopard, mithin das zweitmächtigste Raubtier der Antarktis nach dem Orca. Lieblingsspeise: Pinguine und Robben.

Hier am Strand liegt einsam ein Seeleopard herum, döst vor sich hin. Unser erster den wir sehen. Er trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Bei einer Länge von über dreieinhalb Metern und einem Gewicht von bald 450 Kilogramm ist er neben den Orcas das beherrschende Raubtier des südlichen Polarmeeres. Seine Lieblingsspeise sind Pinguine und Robben. Je nachdem. Manche haben sich auf die Jagd von Pinguinen spezialisiert, andere wiederum auf die von Robben. Sie lauern gern auf Eisschollen auf ihre Beute. Und bewegen sich trotz ihres Gewichtes und der Größe schnell und gewandt. Dabei erlegen sie ihre Beute vor allem im Wasser. Aber auch auf Eisschollen ist sie nicht sicher. Bemerkenswerterweise ernährt sich der Seeleopard gut und gern zur Hälfte auch von dem winzigen Krill, Fische dagegen stehen eher nicht auf seinem Speiseplan.

Um Seeleoparden sollte man als Besucher einen größeren Bogen machen. Sind doch Fälle bekannt, in denen sie Menschen angriffen, etwa in kleinen Booten. Ansonsten beachten Robben den Menschen gar nicht.

Ein kaltes Bad bei etwa 1 – 2 Grad Celsius Wassertemperatur

Tiere finden sich hier in der Bucht eigentlich eher weniger. Der Grund ist das etwas durch die Vulkanaktivitäten etwas wärmere Wasser, somit nährstoffärmere Wasser. Etwas wärmer heißt an manchen Stellen sieben Grad. Eigentlich nur direkt am Ufer an wenigen Stellen. Ansonsten ist das Wasser bei etwa Null bis zwei Grad Celsius hier in der Bay. Hält einen aber natürlich nicht ab, ein kurzes Bad zu nehmen. Der Bordarzt muss aber sein OK geben, Handtücher hat er dabei. Also rein ins sprichwörtlich kalte Nass. 

Auf Deception Island lebt in der Nähe noch eine Brutkolonie von Zügelpinguinen. Sie sind etwa 70 Zentimeter groß, erreichen eine Geschwindigkeit von über 30 Kilometer pro Stunde beim Schwimmen und legen auf der Nahrungssuche 80 Kilometer täglich zurück. Die Tiere gelten neben den Felsenpinguinen als sehr streitlustig und greifen deutlich größere Tiere an. An unserem Landungspunkt waren aber nur einige wenige anwesend, und die waren auch ganz relaxt. Trotz des Seeleoparden in der Nähe. Zwei Wissenschaftler aus Norwegen haben hier zwei Zelte aufgebaut, sind schon seit etwa einen Monat hier um die Kolonie und die Zügelpinguine zu erforschen. Zwei weitere stehen Ihnen noch bevor. Gern nutzen sie die Anwesenheit unserer Schiffes um zu duschen, sich mit den Expeditionsmitgliedern zu unterhalten und am Abendessen teilzunehmen.

Bildergalerie Deception Island Whalers Bay

Klima und Wetterbedingungen

Hier auf Deception Island ließen sich auch sehr gut die schnellen Wetterwechsel erleben. Morgens nebelig und stark windig, kurz darauf schien die Sonne, dann schneite es heftig. Alles innerhalb kurzer Zeit. Die Antarktis ist Terra incognita, also unbekanntes Land. Sie ist bis heute kaum erforscht, zugleich ist sie lebensfeindlich wie kaum eine andere Region. Auch die Wetterumschwünge lassen dies erahnen. Man mag sich kaum vorstellen, unter welch extremen Bedingungen die Forscher vor über 100 Jahren sich auf den Weg zum Südpol machten. Als erster Mensch erreichte Roald Amundsen ihn am 14. Dezember 1911 mit vier Begleitern. Andere ließen bei den Versuchen ihr Leben. So auch der Brite Robert Falcon Scott. Dabei halten wir uns jetzt im Sommer in einer der wärmsten Regionen der Antarktis auf. Dann steigt die Temperatur schon mal auf null Grad Celsius. Im Jahresdurchschnitt liegt sie mit minus 55 Grad Celsius weit darunter. Im Landesinneren beträgt sie selbst im Sommer minus 40 Grad Celsius. Lange galten die minus 89,2 Grad, gemessen 1983 an der Antarktis-Station Woystock in zwei Meter Höhe, als die kälteste jemals gemessene Temperatur auf der Erde.

Eine gefrorene Landschaft

Die Auswertung von Satellitenmessungen über den Zeitraum von 2004 bis 2016 ergab jedoch mehr als 150 Messwerte von über minus 90 Grad Celsius. Der Rekordhalter sind jetzt minus 98,6 Grad, gemessen am 24. Juli 2004 auf 3800 Meter Höhe, also mitten im antarktischen Winter.

Der Südsommer ist die einzige Zeit, in der Touristen überhaupt diese Region besuchen können. Zugleich scheint südlich des Polarkreises 24 Stunden lang die Sonne. Wichtiger noch, den Zeitraum von Dezember bis Februar zeichnen längere, ruhigere Wetterabschnitte aus.

Derartig tiefe Temperaturen dürften jedoch der Vergangenheit angehören. Denn auch die Antarktis trifft die globale Erwärmung. Was fatale Folgen haben könnte. Der Eispanzer ist bis zu fünf Kilometer dick, in der Antarktis sind etwa 70 Prozent der Süßwasserreserven der Erde in Form von Eis gebunden. Ein Abschmelzen dieser ungeheuren Menge dürfte den Meeresspiegel um 58 Meter anheben. Ein komplettes Abschmelzen des Eises ist selbst bei deutlich ansteigenden Temperaturen aber nicht zu erwarten. Dafür sorgt die Lage umgeben von Wasser, die hohen Gebirge und die antarktischen, ablandigen Winde. Dennoch verliert auch die Antarktis zunehmend schneller an Eis.

Typisch für die Antarktis sind zudem ihre starken Winde. Warme, in der Höhe einströmende Luftmassen kühlen sich über dem Zentralplateau ab, sinken nach unten und fließen zu den Küsten hin ab. Da die Gebirgskette im Inneren an flache, weite Ebenen grenzt, gewinnen sie gewaltig an Geschwindigkeit. Dies gilt vor allem für die östlichen Gebiete. Die Sturmregion des King-George-Victoria-Landes zählt im Jahr rund 340 Sturmtage mit Windgeschwindigkeiten von bis zu über 300 Kilometer pro Stunde.

Ein für Menschen häufig ungemütlicher Kontinent

Dafür sind die Niederschlagsmengen im Inneren der Antarktis sehr gering. Sie fallen überwiegend als Schnee und in den Wintermonaten. In der Zentralarktis sind es um die 50 mm Niederschlag pro Jahr, zum Vergleich, in der Sahara fallen ebenfalls um die 50 mm Regen im Jahresmittel. Deswegen handelt es sich um eine trockene Eiswüste. An der Küste können es bis zu 600 mm werden, auf den vorgelagerten Inseln um die tausend.

Wilhelmina Bay, Orne Harbour, Melchior Island

Eisberg in der Wilhelmina Bay

Am kommenden Morgen haben wir die Wilhelmina Bay erreicht, ein für Wale und Robben idealer Futterplatz. Dementsprechend viele Buckelwale kann man hier beobachten. Wenn das Wetter mitmacht. Was es nicht tat. Zuerst herrschte ein starker Wind und Nebel vor, dann schneite es den ganzen Tag heftig. In der Ferne ließen sich dennoch ein paar Wale sehen, üblicherweise, wie es heißt, vor traumhafter Kulisse mit einem pyramidenförmigen Gipfel und riesigen Gletscherzungen. Die lassen sich aber nur erahnen. Man nennt diese Bucht übrigens auch Whale-mina- statt Wilhelmina-Bay.

Bildergalerie Wilhelmina-Bay

Generell finden sich im Sommer nahe der antarktischen Halbinsel zahlreiche Wale ein, die sich relativ gut von dem Abschlachten erholt haben, mit Ausnahme der Blauwale. Sie jagen Fische, Tintenfische, Pinguine oder leben vom Plankton. Häufiger zu sehen sind die großen Schwertwale, bekannter als Orcas, die zur Familie der Delfine gehören. Aggressive und ehrgeizige Jäger, die es auf Robben, Seevögel und andere Kleinwale oder Jungtiere großer Bartenwale abgesehen haben. Sie bilden bei der Jagd Gruppen und gehen strategisch vor, sind so in der Lage auch viel größere Beutetiere zu erlegen.

Walreste aus den 30er-Jahren

Mithin der größte Wal ist der Blauwal. Nicht selten über 30 Meter lang und bis zu 200 Tonnen schwer ist er das schwerste Tier, das jemals auf der Erde existierte. Auch kein Dinosaurier kommt an seine Masse heran. Nur der Seismosaurus mag etwas länger gewesen sein. Allein sein Herz kann bis zu einer Tonne wiegen, die Hauptschlagader hat einen Durchmesser von 20 Zentimeter. Wie alle Bartenwale ernährt er sich von Krill und kleinen Krebsen, die er mit seinen Barten aus dem Meerwasser herausfiltert. Es ist als gesichert anzusehen, dass etwa Blauwale ein Alter von hundert Jahren erreichen können.

Untereinander kommunizieren Wale mit Tönen, die über hunderte von Kilometer im Wasser zu hören sind. Neuesten Forschungen zufolge hat jede Walpopulation wohl ihren eigenen typischen Gesang. 622 unterschiedliche Laute haben Forscher schon bei einer einzigen Walart unterscheiden können.

Wale sind meist gesellige Tiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Nur selten leben sie allein oder als Paar. Gruppen, auch Schulen genannt, bestehen aus zehn bis fünfzig Tieren. Zur Paarungszeit und bei besonders großem Nahrungsangebot können es auch mal bis zu 1000 Tiere sein.

Nachmittags lag die Fram dann vor Orne Harbour vor Anker. Es schneite immer noch kräftig, die Gletscher und Berge ringsum waren von Neuschnee bedeckt, sofern man sie sehen konnte. Eine Anlandung auf Eis klappte dennoch, ein beschwerlicher steiler Marsch durch den Schnee führte auf den spektakulären Spigot-Gipfel. Die Bucht diente zu Beginn des 20. Jahrhunderts als Ankerplatz für Walfangschiffe. 

Orne Harbour ist umgeben von Gletschern und steilen Berghängen. Entlang des Bergkamms nisten auch Zügelpinguine. Auch sie müssen auf dem Bergkamm hoch und runter. Es schneite immer heftiger, selbst den Pinguinen passte es wohl nicht. Sie entfernten den Schnee durch Flügelschlagen und meckerten heftig. Wunderbar war es, Pinguinen zuzuschauen, die im Schnee auf dem Bauch den Hang herunterrutschen. Für die Aufnahmen war das Wetter eigentlich ideal, auch wenn Kamera und Foto triefnass waren. Alles in allem ein gelungener Nachmittag.

Bildergalerie Orne Harbour

Am kommenden Vormittag lagen wir dann vor Melchior Island vor Anker. Der nächste Versuch einer Kajak-Tour scheiterte an Windstärke 5. Also raus mit den Tenderbooten, eine Bootsfahrt durch die wunderschöne Gegend musste genügen. Die Melchior Islands sind eine Gruppe von vielen kleinen, flachen, mit Eis und Schnee bedeckten Inseln. Die Abbruchkanten der Gletscher sind schon faszinierend. An Tieren begegneten uns einige Zügelpinguine und ein Seeleopard, der auf einer Eisscholle vor sich hindöste. Ansonsten war die Fahrt etwas ereignislos.

Bildergalerie Melchior Island

Neumayer und Lemaire-Kanal

Das Wetter hatte umgeschlagen. Wir verließen die Melchior-Inseln. Die Sonne schien, auch wenn immer wieder bedrohlich dunkle Wolken am Himmel hingen. Die Eisberge, die Küstenlinie mit den eisbedeckten Hängen und die unzähligen Abbruchkanten der Gletscherfunkelten im Sonnenlicht um die Wette. Wir fuhren gerade südlich durch den Neumayer-Kanal. Eine traumhafte Eislandschaft zog an uns auf einer Strecke von 26 km vorbei.

Bildergalerie Neumayer-Kanal

Gegen 19 Uhr erreichten wir den Lemaire-Kanal. Die Durchfahrt durch den sechs Kilometer langen und einen halben Kilometer breiten Kanal gehört mit zu den schönsten Passagen in der Antarktis, ist zweifelsohne einer der landschaftlichen Höhepunkte einer Antarktis-Fahrt. Besonders bei guter Sicht, doch inzwischen hat uns der Nebel und bedeckter Himmel wieder. Dennoch war es eine spannende Durchfahrt, zumal ein Eisberg auch noch Teile der engsten Stelle blockierte. Und es kam uns ein weiteres Expeditionsschiff entgegen. Gab wunderbare Aufnahmen. In Schleichfahrt manövrierte der Kapitän dann die Fram dicht am Eisberg und den Bergen vorbei durch die Engstelle. Kurz darauf erreichten wir mit ordentlich Verspätung Petermann Island, morgen wollten wir hier anlanden. Aber 30 Passagiere durften schon am Abend anlanden, denn sie konnten die Nacht in Zelten auf der Insel verbringen. 60 hatten sich darum beworben, doch das Losglück hatte mich nicht bedacht.

Bildergalerie Lemaire-Kanal

Peterman Island – gefrorene Welten

Die Peterman-Insel unweit des südlichen Polarkreises ist ein sehr guter Beobachtungsort für Eisberge und Wale. Der Ort bietet zudem einen wunderbaren Ausblick auf die antarktische Halbinsel. Ein großer Teil ist von Eis bedeckt, zahlreiche Pinguinkolonien liegen über die Insel verstreut. Und die Pinguine beobachteten ganz fasziniert den Aufbau der Zelte aus nächster Nähe. 

Früh am nächsten Morgen gab es einen neuen Anlauf für eine Kajak-Tour. Doch der Blick vom Schiff offenbarte enorme Packeismassen, die der Wind vom Süden hierhergetrieben hat. Eine faszinierende eingefrorene Eislandschaft, die vielmehr wert war als die geplante Anlandung. Das ist die Antarktis. Die Kajaktour wurde natürlich gecancelt und auch die Anlandung auf Peterman Island. Die Tenderboote mussten sich durch das Packeis kämpfen, um die auf der Insel verbliebenen zurück zu holen. Das dauerte rund vier Stunden bis alle und auch das Gepäck und das Expeditionsteam wieder an Bord waren. Zeit für Aufnahmen der auf dem Packeis liegende und vorbei treibenden Robben, von schwimmenden und fischend Pinguinen die sich in der von Schiff freigeräumten Fahrtrinne tummelten und natürlich von den sich durchs Packeis kämpfenden Tenderbooten.

Bildergalerie Peterman-Island

Pleneau-Island

Später ging es in sehr langsamer Fahrt durch das dichte Packeis in Richtung Norden. Den Südpolarkreis konnten wir nicht mehr erreichen obwohl wir nicht mehr weit entfernt waren. Ist aber sowieso nur ein symbolischer Punkt. Nächstes Ziel für eine Anlandung am Nachmittag (und der Versuch einer weiteren Kajaktour) war Pleneau Island. Vom felsigen Strand der kleinen Insel führt eine sanfte Steigung hinauf zu einer großen Eiskappe, die zwei Drittel der Insel bedeckt. Inzwischen kam wieder die Sonne hervor.

Bildergalerie Pleneau-Island

Die Kajaktour

Und es wurde wahr. Zum Abschluss war doch noch eine Kajaktour möglich. 14 durften raus in die eisige See. Natürlich gut geschützt im Trockenanzug mit Notfallausrüstung für den Fall der Fälle. Das Wasser hat knapp minus zwei Grad Celsius, Überlebenszeit durch Schock und Auskühlung ohne Trockenanzug nur wenige Minuten.

Einmalig, unvergleichbar, nicht in Worte zu fassen. Mit dem Kajak in der Antarktis unterwegs

Die Fahrt war einfach gigantisch. Auf fast gleicher Höhe mit den Pinguinen, die sich durch das Kajak überhaupt nicht stören ließen und nebenher schwammen und sprangen, die Seehunde, das Paddeln an der Küste entlang, knapp zwei Stunden waren wir unterwegs. Zurück zur Fram mussten zwei Tenderboote uns den Weg durch eine Packeisstrecke frei räumen. Einfach fantastisch und ein passender Abschluss dieser einmaligen und außergewöhnlichen Reise. Ich glaube kaum, dass wir das letzte Mal in diesen Eiswelten unterwegs waren, zu beindruckend, zu schön, es fehlen schlicht die Worte um das was man hier erlebt, beschreiben zum können. Das nennt man den Polar-Virus, der viele Menschen befällt, die diese Regionen bereisen.

Dank auch an das Expeditionsteam, wirklich beeindruckend was sie leisteten, junge enthusiastische Menschen und Wissenschaftler. Dank auch an die Crew.

Eine Reise der anderen Art ging langsam zu Ende, eine traumhafte und faszinierende zugleich. Es ist schon etwas Besonderes, in diese Region unseres Planeten zu reisen.

Doch noch stand uns die Drake-Passage bevor. Knapp 1000 Kilometer liegen vor uns, die Strecke von der Antarktischen Halbinsel bis nach Ushuaia. Das entspricht etwa 40 Stunden Fahrzeit bei gutem Wetter. Aber es geht durch die Drake-Passage Richtung Kap Hoorn. Sie hat den Namen von James Cook erhalten, nach dem britischen Piraten ihrer Majestät Sir Francis Drake.

Das Befahren dieser Strecke ist ein nicht immer ein ganz ungetrübtes Vergnügen. Immer wieder kreisen mächtige Tiefdruckgebiete von West nach Ost um die Antarktis und passieren unweigerlich diese Passage. Dennoch, es ist meist weniger schlimm als der Ruf befürchten lässt. Halt ein Lotteriespiel. Bei uns war es recht ruhig, gerade mal vier bis fünf Meter hohe Wellen und Windgeschwindigkeiten von 10 m/s. Also nicht mehr als bei der Fahrt von Süd-Georgien in die Antarktis.

Der schlechte Ruf der Passage und des Kaps hängen eher damit zusammen, das zu früheren Zeiten bis zum Bau des Panama-Kanals die Schiffe um Kap Hoorn herum mussten. Also waren viele Schiffe unterwegs, vor allem Frachter, die gegen den vorherrschenden Wind gesegelt werden mussten. Kein Wunder, dass es sich um einen der größten Schiffsfriedhöfe der Welt handelt. Rund 800 Schiffe sollen hier verunglückt, mehr als zehntausend Menschen umgekommen sein.Manch Expeditionsleiter hat dafür einen passenden Spruch auf den Lippen: Die Antarktis kostet keinen Eintritt, der Preis ist die Drake-Passage.

Meist bekommt man das Kap Hoorn gar nicht zu sehen, es liegt rund 40 Seemeilen westlich der üblichen Schifffahrtsroute. Hat man aber genügend Zeit und macht das Wetter mit, manchen manche Expeditionsschiff einen Schlenker. So auch bei uns. Und wir konnten zum Abschluss das Kap sogar bei Sonnenschein genießen und bei verhältnismäßig ruhiger See. Näher als drei Seemeilen durfte die Fram sich aber nicht nähern, das wäre eine Einreise nach Chile gewesen und die ist untersagt.

Die Antarktis ist nicht nur ein weiterer Kontinent. Er ist einer der nahezu unberührt ist, große Teile sind immer noch im wahrsten Wortsinn weiße Flecken auf der Landkarte. Groß ist die Vielfalt an Tieren, außergewöhnlich viele Landschaften, lebensfeindlich die Umwelt. Ein Kontinent mit vielen Superlativen die kaum jemand kennt und nur wenige besuchen. Die größten Gletscher, die tiefsten Temperaturen, die größten Eisberge, ungeheure Stürme und zahlreiche wilde Tiere ohne Scheu vor dem Menschen. Es ist außergewöhnlich, diesen Teil der Erde zu besuchen, faszinierend zugleich, zumal die Antarktis und Süd-Georgien einen in den Bann ziehen. Und eigentlich auch nie mehr loslassen.

Brown Bluff, hier erfolge mein erster Schritt auf das antarktische Festland

Quellen: Eigene Erlebnisse, Gespräche mit dem Expeditionsteam, Internetrecherche, Wikipedia

Hier geht es zu Teil I, den Falkland-Inseln und zu Teil II, Süd-Georgien

Auf dem Weg in die Antarktis – Süd-Georgien

Eine halbe Million Königspinguine finden sich hier.

Eis und Fels, das ist Süd Georgien. Eine 180 Kilometer lange Sichel aus bald 3000 m hohen Bergen und Gletschern. Dieser britische Außenposten hat seine Launen, jedenfalls was das Wetter angeht. Graupelschauer, Sonne und Regen wechseln sich stetig ab. Zugleich nennt man Süd Georgien die Serengeti des südlichen Eismeeres. Ist sie doch Heimat unzähliger brütender Pinguine, von Seevögeln und Robben. Und hier geht es zu dem ausführlichen Reisebericht wie immer mit zahlreichen Bildern.

Ein alter Walfänger in seiner wohl besten Rolle – als Wrack

An der Küste sind Relikte einer anderen Zeit zu sehen, vor sich hin modernde Reste von Schlachthäusern. In Ihnen hat man zehntausende von Robben und Seeelefanten niedergemetzelt. In der Saison 1800 bis 1801 brachte allein ein Schiff der Amerikaner 57.000 Robbenfelle nach Hause.

Einer der Höhepunkte der Reise ist sicherlich der Anlandepunkt St. Andrews. Was man hier erlebt, ist weder mit Worten noch mit Bildern zu beschreiben. Königspinguine zuhauf die keine Scheu zeigen, an allen Ecken und Enden kämpfen Seeelefanten mit ihrem bis zu 5 t Gewicht gegeneinander, fallen erschöpft nieder, kämpfen weiter. Dazwischen Seelöwen, Seehunde, Sturmvögel, eine Geräuschkulisse, hier tobt das Leben. Dazwischen wir Besucher mit mehr oder weniger Sicherheitsabstand. Die Tiere störte das nicht. 

Das Recht des Stärkeren: Elefantenbullen im Kampf

Eine Reise in die Antarktis via Falklands und Süd-Georgien

Teil II – Südgeorgien

Fahrt nach Südgeorgien

Hier geht es zu Teil I, den Falkland-Inseln und zu Teil III, der Antarktis

Unsere Route in die Antarktis via Falkland-Inseln und Südgeorgien:

Unsere Route mit der MV Fram via Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarktis

Hier finden sich die Logdateien (GPS) über die gesamte Reise hinweg (Quelle: Hurtigruten)

Der Weg zur Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Aufnahmen (nur eine kleine Auswahl).

Hier gibt es den 90-minütigen Film der Reise kommentiert als DVD oder hochauflösend als BluRay. Als Vorgeschmack ein paar Ausschnitte jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln. 

Auf hoher See

Zwei Tage auf hoher See dauert die Fahrt nach Süd-Georgien. Zeit, um sich etwas mit der Geschichte der Polarregion zu befassen. Eine davon aus der Zeit der Erkundung des Südpols ist besonders spannend. Es ist die Expedition der Endurance, und der Schiffsname – Ausdauer – war Programm.

Suche Freiwillige für gefährliche Reise. Niedriger Lohn, bittere Kälte, lange Stunden in vollständiger Finsternis garantiert. Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Fall des Erfolges.  Mit dieser Anzeige, erzählt man, suchte Sir Ernest Shackleton 1907 Freiwillige für eine Antarktis-Expedition, um an den Südpol zu gelangen. 27 Mann kamen mit, und diese Reise ging in die Geschichte als Ausdruck menschlichen Überlebenswillen ein. [2000 Kilometer vorm Ziel entfernt ging es nicht mehr weiter, das Schiff fror am 19. Januar 1915 im Packeis ein. Im März ging die Sonne für drei Monate unter, die Temperaturen fielen auf minus 26 Grad Celsius. Im Frühjahr gerät das Eis in Bewegung, das Schiff zerbirst und sinkt am 21. November.

Der Überlebenskampf ging weiter. Nach 497 Tagen auf dem Eis erreichten sie in Rettungsbooten, die sie über das Eis zogen Elephant Island. Abseits aller Schiffsrouten. Also machte sich Shackleton mit fünf weiteren Männern zu einer 1500 Kilometer langen Reise über das Meer auf, nach Südgeorgien, um Hilfe bei einer Walfangstation zu holen. Es gelang ihnen. Am 30. August 1916 konnten alle zurück gebliebenen Männer gerettet werden, nach 635 Tagen im Eis.

Shackletons Grab bei Grytviken

Shackleton starb 1922 mit 48 Jahren auf einer weiteren Expedition an einem Herzinfarkt auf Süd-Georgien. Er wurde auf Wunsch seiner Frau auf der Insel begraben.

 

Das Wetter während der Fahrt war übrigens wunderbar, die See recht ruhig. Immer wieder querten ganze Herden an Walen unseren Weg, dabei handelte es sich um Buckelwale. Die Gewässer hier sind reich an Krill, Hauptnahrung für die Wale. Und inmitten des Ozeans schauen sieben Felsen aus dem Meer, ideale Brut- und Rastplätze für Seevögel.

Mitten im Ozean, sieben Felsen. Rast- und Brutplatz für Seevögel
Buckelwale, konnten wir zahlreich beobachten.

Bildergalerie Fahrt nach Süd-Georgien

Süd Georgien

Eis und Fels, das ist Süd Georgien. Eine 180 Kilometer lange Sichel aus bald 3000 m hohen Bergen und Gletschern. Dieser britische Außenposten hat seine Launen, jedenfalls was das Wetter angeht. Graupelschauer, Sonne und Regen wechseln sich stetig ab. Kommt man von Norden her so wie wir, ist sie abweisend und unwirtlich. Zugleich nennt man Süd Georgien die Serengeti des südlichen Eismeeres. Ist sie doch Heimat unzähliger brütender Pinguine, von Seevögeln und Robben. Zugleich lassen sich im Meer zahlreiche Wale beobachten.

An der Küste sind Relikte einer anderen Zeit zu sehen, vor sich hin modernde Reste von Schlachthäusern. In Ihnen hat man zehntausende von Robben und Seeelefanten niedergemetzelt. In der Saison 1800 bis 1801 brachte allein ein Schiff der Amerikaner 57.000 Robbenfelle nach Hause. Und es war nur eines von insgesamt 18 britischen und amerikanischen Fangschiffen. Die Seeelefanten schlachteten sie wegen ihres Trans ab. Der diente etwa als Brennstoff.

Daneben finden sich die Überbleibsel von sieben alten Walfangstationen. Nach den Robbenfängern kamen die Walfänger, setzten Anfang des 20. Jahrhunderts auf dampfgetriebe Schiffe und Kanonen mit Harpunen. Ihnen zum Opfer fielen neben den langsameren Glatt-, Buckel und Pottwalen auch die großen Bartenwale, Finn- und Blauwale. Letztere haben sich bis heute noch nicht von der Jagd erholt, die anderen Arten dagegen schon. Den traurigen Höhepunkt erreichten die Walfänger hier in der Saison 1930/31 mit über 40.000 getöteten Tieren.

Ein alter Walfänger von seiner schönsten Seite

Begonnen hatte die Ära des industriellen Walfanges hier in Grytviken, unserer ersten Station um 1904. Bevor wir jedoch an Land dürfen, gibt es erst mal strenge Kontrollen in Sachen Bio-Sicherheit. Sprich, dass keine fremden Arten eingeschleppt werden. Deswegen hatten wir auf der Fahrt nach Süd-Georgien unsere Outdoorkleidung, Rucksäcke und Kamerataschen penibel ausgesaugt damit ja kein Schmutz oder Kleingetier übersehen wird. An Land darf man sowieso nur mit von Hurtigruten gestellten speziellen Gummistiefeln, die immer gereinigt und desinfiziert werden.

Ein Beamter von der hier ansässigen Verwaltung überprüft jeden einzelnen Stiefel der Passagiere, Rucksäcke oder Stative, die Outdoorbekleidung, Rattenfallen an Bord… Dauert mehrere Stunden. In dieser Zeit halten Freiwillige vom South Georgia National Trust einen Vortag, der diese Maßnahmen absolut verständlich macht. Und versuchen natürlich auch Spenden für ihre Arbeit einzusammeln. Nun gut, sind wir jetzt halt Pate für einen Hektar Süd-Georgiens

Fällt man bei der Kontrolle durch, darf niemand vom Schiff Süd-Georgien betreten. Das gilt für alle weiteren Anlandungen. Selbst das Schiff ist für ein Jahr gesperrt.

Zurück zum Walfang. Die Walfangstation war 58 Jahre ohne Unterlass in Betrieb, bis zu 500 Männer und ihre Familien lebten einst hier. Am Ende der Welt finden sich Museum, Kino, Kirche, der Friedhof, große Walöl-Tanks und einige Verwaltungsgebäude. Die Wohnhäuser, die hat sich die Natur wieder zurückgeholt. Die Bilanz der Hochburg des industriellen Walfanges in Grytviken lautet wie folgt: 53761 geschlachtete Wale, 455.000 Tonnen Waltran, 192.000 Tonnen Fleisch. Auch zwei Weltkriege und die Weltwirtschaftskrise überstanden sie hier unbenommen.

Schon Mitte der 30er-Jahre gab es so gut wie keine Buckelwale mehr, zugleich sank der Preis des Walöles auf ein Rekordtief. Der Grund: die Überproduktion. Eine Walfangstation nach der anderen machte auf Süd-Georgien dicht, Anfang der 40er-Jahre gab es nur noch zwei. Opfer der eigenen Gier.

Begehrt waren die Wale ihres Blubbers wegen, der weißen Fettschicht unter ihrer Haut. Daraus produzierte man Glyzerin, ein Bestandteil von Kosmetika wie Seife oder Cremes, oder auch die Basis für Brennstoffe in Öllampen und Heizkesseln. Auch im Krieg kam Walfett zum Einsatz – als Nitroglycerin in Granaten und Bomben.

Heute leben auf Südgeorgien im Winter in der einen Kilometer entfernten Forschungsstation King Edward Point acht Wissenschaftler und im Sommer bis zu vier Museumsangestellte. Fast ganzjährig finden sich in der Station zudem zwei Regierungsangestellte mit ihren Partnern. Will man doch den territorialen Anspruch Großbritanniens aus Süd Georgien untermauern. Die Kiesstrände haben die ehemaligen Bewohner wieder zurückerobert, sie tummeln sich zwischen den verrosteten Resten der Fabriken. 

Bildergalerie Grytviken

Ihnen, den Tieren, widmen wir uns die nächsten Tage vor allem. Südgeorgien ist mit das wichtigste Brutgebiet des Königpinguins. Bis zu 400.000 Tiere sollen auf der Insel leben. In einer einzigen Kolonie finden sich 150.000 Tiere. Pinguine, soweit das Auge reicht. Sie stehen Schulter an Schulter. Dazwischen hunderte Seebären.

Noch zahlreicher sind die Goldschopfpinguine, die sich an den Stränden tummeln. Die bis zu 70 Zentimeter großen Tiere sind durch die goldgelben Gesichtsfedern und dem rötlich schwarzen Schnabel leicht zu erkennen.

Auch Seeelefanten finden sich ein, die Bestände haben sich erstaunlich erholt. Gab es Anfang des 20. Jahrhunderts nur noch eine Restpopulation, sind es heute wieder mehrere Hunderttausend.

Ein Jungtier

Krill, das ist die Hauptnahrung der Seebären und Wale. Die krabbenähnlichen Krebstiere werden durch Strömungen alljährlich aus dem Westen der Antarktischen Halbinsel an Süd Georgien vorbei transportiert, quasi ein lebendiger Fluss aus den kleinen roten Tierchen. Doch der Krillbestand ist gefährdet, sind sie und ihre Larven doch auf das Wintereis angewiesen. Nur dort wächst ihre Nahrung, das Phytoplankton. Das wird immer dünner, dem Klimawandel sei es geschuldet.

Eine Bedrohung für das antarktische Ökosystem könnten die Fischtrawler werden, die es in der Nähe des Weddellmeers auf den Krill abgesehen haben. Ihn benötigt man in Aquakulturen als Fischfutter, und ein weiterer Teil geht in die Arzneimittel- und Kosmetikproduktion. Um den Schutzstatus des Gebietes wird heftig geringt, noch ist aber nichts entschieden.

Hatten hier nichts verloren, Rentiere

Einer großen Bedrohung für die Vögel ist man in den letzten Jahren massiv entgegen getreten. Von Menschen eingeführte Rentiere grasten die Hänge ab, und mit Schiffen eingeschleppte Ratten fanden hier ein Paradies vor. Da es keine Bäume gibt, brüten die Vögel im Gras – ein gefundenes Fressen für die Nager. Man schätzt, dass die Vogelpopulation bereits um 90 Prozent zurückgegangen war. Die auf mehrere tausend Tiere angewachsene Rentierherde schossen eingeflogene Jäger ab.

Nur was tun mit den vielen Ratten, zumal nicht ein einziges Paar in den Gebirgslandschaften auf einer Fläche von 100.000 Hektar überleben durfte? Die einzige Lösung waren Giftköder, die mit Hubschraubern über der Insel verteilt wurden. Mit dem Wissen, dass daran auch Vögel sterben würden. Der langfristige Nutzen für die Natur jedoch schien höher. Tatsächlich scheint man es geschafft zu haben. In 2018 erschnüffelten Spürhunde keine einzige Ratte mehr, aufgestellte Fallen bleiben leer.

Das Klima hier ist rau, kühl und feucht, geprägt durch die an der Südküste wehenden Furious Fifties. Dabei handelt es sich um teilweise extreme Winde zwischen dem 50sten und 60sten Breitengrad, deswegen die rasenden Fünfziger genannt. Im Windschatten liegt die Nordküste mit einem angenehmeren Klima. Der Sommer ist kurz und erreicht schon mal 10 ° Celsius. Dennoch gibt es Nachfröste und Schneefall ist nicht selten. Stürme und starke Niederschläge sind nicht selten, wenngleich der Sommer die regenärmste Zeit ist.

Das erfuhren wir auch am eigenen Leib. War der erste Tag in Grytviken erst noch sonnig, schlug Nachmittags das Wetter um. Die Rückfahrt im Boot war da schon nasskalt. Und der Tag darauf verlief anders als geplant und war doch wunderbar. Eigentlich wollten wir im Norden die zweitgrößte Kolonie an Königspinguinen erkunden. Doch es herrschte dichter Nebel, kein Problem. Doch die rund einem Meter hohen Wellen ließen es nicht zu, mit den Polarcirce-Booten anzulanden. Also suchte der Kapitän einen anderen Anlandungspunkt und erwählte einen nur selten angefahrenen. Und der hatte es in sich. Hier tummelten sich so viele Pinguine, Seelöwen, See-Elefanten und vieles mehr, so dass ein anlanden ebenfalls nicht möglich war. Ohne zu viele Tiere zu stören, die zudem noch viele Jungtiere bei sich hatten, und dann ist mit ihnen nicht unbedingt zu spaßen. Also entschloss man sich, in kleinen Gruppen mit den Booten den Strand und die Küste entlangzufahren und alles vom Wasser aus zu beobachten. Kaum zu beschreiben was sich hier abging.

Bildergalerie Boat-Cruise die Küste entlang

Süd Georgien bietet sich zudem für Wanderungen an. Ein gern begangener Weg ist das letzte Stück der Route, die Sir Ernest Shackleton über die schroffen Berge der Insel antrat, um Hilfe für seine auf Elephant Island zurückgebliebenen 22 Männer zu finden. Nachdem Shackleton nach der 1500 Kilometer langen Überfahrt auf dem knapp sieben Meter langen Boot Süd Georgien erreichte, musste er an der Südküste anlegen, Hurrikan-artige Winde, schwerer Seegang und starke Beschädigungen am Boot verhinderten die Umrundung der Insel.  Also hieß es, zu dritt die unerforschte Insel zu durchqueren um eine Walfangstation zu erreichen. Sie konnten ihren Weg nur abschätzen. Nach schwierigen Auf- und Abstiegen mit Kletterpartien auch durch einen eisigen Wasserfall schafften sie es innerhalb von 36 Stunden ohne Pausen. Den letzten Teil ( sechs Kilometer) wollten wir am kommenden Tag erwandern, nur auch hier schlug uns das Wetter ein Schnippchen. Zu gefährlich der schlechten Wetterbedingungen wegen.

Vorfahrt für alle Tiere, besonders wenn es Seelöwen sind

Dafür landeten wir in Fortuna Bay und in Strømness an, inmitten von Pinguinen, See-Elefanten, Seebären und allem was so herumsprang. Auch viele Jungtiere rannten herum, und die kannten keine Grenzen. Zu neugierig. Abstand halten ist da sehr schwer. Aber es sind und bleiben Wildtiere, und der Biss eines Seebären, den will wohl keiner spüren. Hätte auch den Abbruch der Expedition bedeutet, trotz Arzt, Schwester und Krankenstation an Bord wäre das nicht zu behandeln gewesen. Also immer schön aufpassen und den Tieren den Platz geben, den sie wollen. Kommt einer zu nah, hilft das Heben eines Stockes und zurückweichen. Sie sind hier die Bewohner und Herren, wir nur Gäste. Aber es ist und bleibt ein einmaliges Erlebnis, wie es wohl nirgends sonst auf der Welt möglich ist. Ein Gewusel und Leben, permanent Kämpfe der Seebären, das Schreien und Spielen der Jungtiere… Den Menschen kennen die Tiere nicht mehr als Feind, obwohl er manche Tierarten vor weniger als hundert Jahren nahezu ausgerottet hatte. 

Bildergalerie Fortuna Bay

In Strømness selber findet sich eine weitere alte Walfangstation, die schon ziemlich im Verfall begriffen ist. Man muss jedoch Abstand halten, das Gelände ist aus Sicherheitsgründen gesperrt. Nicht allein der Verfall würde es gefährlich machen, sondern der damals verbaute Asbest, der sich überall hier wie ein vielen anderen Stationen findet.

Bildergalerie Strømness

Am nächsten Morgen wieder blauer Himmel, klare Sicht aber ein eisiger starker Wind. Unser Anlandepunkt ist eine wunderbare Bucht namens Godthul. Durch hohes Gras, dazwischen liegen immer wieder Seebären und -elefanten, geht es einen steilen Berg hoch. Hier oben findet sich eine Kolonie an Eslespinguinen. Die müssen übrigens den beschwerlichen Weg ebenfalls nehmen, wollen sie ins Wasser. Von hier oben bot sich ein fantastischer Blick in die Landschaft, besonders in die Bucht mit der Fram.

Bildergalerie Godthul

Weiter ging es nach St. Andrew Bay. Nach etwas über einer Stunde Fahrt erreichten wir die Bucht. Schon der Blick auf die zwei Gletscherzungen war gigantisch. Aber erst die Königspinguine. Zuerst eruiert das Expeditionsteam einen möglichen Anlandepunkt und schafft dann die über eine Tonne schwere Sicherheitsausrüstung an Land. Was auch gut eineinhalb Stunden dauerte. Und dann ging es los. Hier brüten über 200.000 Paare des Königpinguins, zusammen mit den Jungtieren sind es über eine halbe Million Tiere. Mithin die größte Kolonie an Königspinguinen auf Süd Georgien. Nur zog das Wetter wieder etwas zu. Und es fing an zu schneien. Auch war der Wellengang recht hoch, sprich es wurde eine etwas nassere Anlandung. Egal.

Was man hier erlebt, ist eigentlich weder mit Worten noch mit Bildern zu beschreiben. Königspinguine zuhauf, die keine Scheu zeigen, an allen Ecken und Enden kämpfen Seeelefanten mit ihrem bis zu 5 t Gewicht gegeneinander, fallen erschöpft nieder, kämpfen weiter. Die Kühe sparen lieber ihre Energie während des 3. bis 4-wöchigen Fellwechsels, liegen herum, können ja nicht ins Wasser um Nahrung zu ergattern. Dazwischen Seelöwen, Seehunde, Sturmvögel, eine Geräuschkulisse, hier tobt das Leben. Dazwischen wir Besucher mit mehr oder weniger Sicherheitsabstand. Die Tiere störte das nicht. Direkt zur eigentlichen Kolonie konnten wir nicht, der Schmelzwasserfluss vom Gletscher her hatte zu viel Wasser. Das aber machte gar nichts aus. Ich wiederhole mich, es ist unbeschreibbar. Was sollte eigentlich noch kommen?

Bildergalerie St. Andrews Bay

Zurück am Schiff die Bilder und Filmszenen sichten. Das war eine ungeheure Aufgabe, nun standen nach dem Besuch des Drygalski-Fjordes am kommenden Vormittag aber erstmal drei Tage hohe See Richtung Antarktis auf dem Programm.

Der Fjord selber, eine fantastische Bergkulisse rechts und links vom Schiff mit hängenden und in den Fjord mündenden Gletschern. Leider macht das Wetter nicht richtig mit, Schneeschauer, sturmartiger eiskalter Wind, Nebel. Hat aber auch seinen eigenen Flair und ist eine gute Vorbereitung auf die Antarktis.

Hier geht es zum ersten Teil der Reportage zu den Falkland-Inseln und hier zum dritten Teil und Höhepunkt, der Antarktis.

Auf dem Weg in die Antarktis – die Falklandinseln

Eselspinguin

Der erste Teil unsere Arktistour ist online, und zwar die Reisereportage und zahlreiche Bilder zu den Falkland-Inseln. Ausgangspunkt für verschiedene Touren war die Hauptstadt Stanley, Anlandungen fanden an vier Inseln statt: an New Island, West Point Island, Caracas Island und zuletzt Saunders Island. Pinguine und Seevögel wie der Schwarzbrauen-Albatross standen im Fokus. Doch lest selbst.

 

Eine Reise in die Antarktis via Falklands und Süd-Georgien

Teil I – Die Falkland-Inseln

Hier geht es zu Teil II, Süd-Georgien und zu Teil III, der Antarkis

Ende des Jahres 2018 führte uns eine Reise zu einem der abgelegensten Orte der Welt, der Antarktis. Vorher verbrachten wir noch einige Tage in Buenos Aires (hier geht es zu einem kurzen Reisebericht mit zahlreichen Bildern), bevor wir dann am 7. Dezember in Ushuaia an Bord des Expeditionsschiffes  MS Fram der Reederei Hurtigruten gingen.

Die MS Fram, unser Expeditionsschiff der Reederei Hurtigruten in Stanley

Der namensgleiche Vorgänger der MS Fram war eines der berühmtesten Expeditionsschiffe zu Zeiten der ersten Polarexpeditionen. Von 1893 bis 1912 diente es den norwegischen Forschern Fridtjof Nansen und Roald Amundsen auf ihren Arktis- und Antarktisexpeditionen. Insofern ist MS Fram ein Schiffsname mit großer Entdeckertradition und somit ein Versprechen der Reederei auf eine unvergessliche Expedition in eine der entlegensten Regionen unseres Planeten. Zugleich bietet die Tour eines der größten touristischen Abenteuer unserer Zeit.

Hier gibt es den 90-minütigen Film der Reise kommentiert als DVD oder hochauflösend als BluRay. Als Vorgeschmack ein paar Ausschnitte jedoch ohne deutsche Kommentierung dafür mit ein paar englischen Untertiteln. 

Auf dieser Reise erwarten einen faszinierende Eindrücke von der Tierwelt auf den Falklandinseln und natürlich vom Leben der Menschen weit weg von unserer Zivilisation auf dem britischen Überseegebiet. Man erlebt auf Süd-Georgien eines der wichtigsten Brutgebiete des Königpinguins, zugleich ein Vogelparadies mit geschätzt 30 Millionen Seevögeln und lernt vergangene Zeiten kennen, in denen Menschen Tiere wie Wale und Robben nur als Jagdbeute betrachteten. Und man erfährt im wahrsten Sinn des Wortes die hohe See, Eis und Eisberge sowie viele Anlandungen auf der antarktischen Halbinsel mit ihrer einmaligen Tierwelt. Aus Reisenden werden Botschafter. Damit die Antarktis so bleibt, wie sie ist.

Die Route: Bevor wir uns auf den Weg in die Antarktis machten, ging es nordöstlich in Richtung der Falklandinseln. Nach einem Tag auf hoher See widmeten wir uns dann drei Tage den Seevögeln, Pinguinen und der Hauptstadt Stanley. Nach zwei weiteren Tagen erreichten wir Süd-Georgien. Vier Tage blieben uns, um die Schönheit und die Tierwelt des einzigartigen Archipels zu erkunden. Weiter ging es Richtung Süden, nach einem Tag auf See erreichten wir Antarktika, den kältesten, trockensten, windigsten und entlegensten Kontinent der Erde. Hier hielten wir uns sechs Tage auf und machten zahlreiche Anlandungen. Zurück ging es rund zwei Tage durch die raue Drake-Passage, mithin das wildeste Meer weltweit. Und einer der größten Schiffsfriedhöfe unseres Planeten. Die Antarktis kostet keinen Eintritt, der Preis ist die Drake-Passage.

Unsere Route mit der MV Fram via Falkland-Inseln und Südgeorgien in die Antarktis

Hier finden sich die Logdateien (GPS) über die gesamte Reise hinweg (Quelle: Hurtigruten)

 

Und hier geht es zu einer Bildergalerie mit den subjektiv schönsten Aufnahmen (nur eine kleine Auswahl)

Blick auf Ushuaia, Argentinien, vom alten Flughafen aus

Ausgangspunkt für die Reise war Ushuaia. Die südlichste Stadt Argentiniens und je nach Betrachtungsweise auch der Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten von einem verschlafenen Dorf in eine Stadt mit vielen Besuchern und rund 80.000 Bewohnern gewandelt. Wie am Ende der Welt fühlt man sich hier nicht. Die Menschen und Besucher suchen oder leben von spektakulären Landschaften, der Nähe zum Feuerland-Nationalpark, zudem ist Ushuaia Ausgangspunkt für Reisen durch Patagonien und in die Antarktis.

Betrieben wird das Expeditionsschiff von der norwegischen Reederei Hurtigruten. Das Schiff ist etwa 114 Meter lang und 29 Meter breit. Damit ist es wendig genug, um zwischen Eisbergen, Eisschollen und kleineren Inseln zu navigieren. Derartige Schiffe erreichen Regionen, die größeren Schiffen verschlossen bleiben. Aber es ist groß genug um Stabilität und Sicherheit auch bei rauer See zu gewährleisten. In die Antarktis nimmt es maximal 200 Passagiere auf, das ermöglicht mehrere Anlandungen pro Tag. Bis zu 60 Zentimeter dickes Eis ist für die Fram kein Problem.  Auf Kiel gelegt hat man es 2006 im italienischen Monfalcone. Funktional und praktisch ist das Schiff ausgelegt. Besonderen Luxus darf man nicht erwarten. Es handelt sich ja um ein Expeditionsschiff und nicht um ein Kreuzfahrtschiff. Wer Luxus erwartet, liegt hier falsch. Viel wichtiger sind die Vorträge der mitreisenden Wissenschaftler und Lektoren.

Bildergalerie Ushuaia und Fram

Die Falklandinseln (Islas Malvinas)

Wir haben die Falkland-Inseln erreicht und sind in Stanley, der Hauptstadt des Archipels. Sie ist Ausgangspunkt für verschiedene Touren in die Umgebung und leicht zu Fuß zu erkunden. Die meisten Geschäfte und Restaurants sind am Hafen zu finden. Etwa zwei Drittel der rund 3.000 Einwohner der Falkland-Inseln leben in Stanley. Der Rest findet sich in kleinen Ortschaften über die zwei Hauptinseln verteilt. Die Menschen stammen vor allem von Einwanderern nordenglischen und schottischen Ursprungs ab, die in den 1830er Jahren auf die Inseln kamen.

Infolge des Falklandkrieges von 1982 hat man zudem Einheiten der britischen Luftwaffe, Marine und des Heeres stationiert. Die Soldaten sind noch immer mit dem Räumen von Munition und Minen aus Kriegszeiten beschäftigt, die auch heute Teile der Insel zu Sperrgebieten machen.

Wirtschaftlich gesehen sind die Falkland-Inseln von Großbritannien abhängig. Häute und Talg aus der Schafzucht sind ein traditionelles Exportgut. Bedeutung hat zudem der Fischfang und in einem gewissen Umfang auch der Tourismus. Per Flugzeug erreichen nur um die 1600 Besucher das Eiland, der größere Teil kommt mit Kreuzfahrtschiffen als Tagestouristen.

Einen guten Eindruck von der Geschichte der Insel bekommt man im Falkland Islands Museum. Historische Artefakte, Skulpturen und Gemälde erzählen die Seefahrtgeschichte der Inselgruppe.

Windig, kühl und regenreich ist das Klima auf den Inseln. So regnet oder schneit es an rund 200 Tagen im Jahr. Jetzt im Hochsommer kann die Tagestemperatur aber schon mal auf 20 Grad Celsius steigen. Durchschnittlich beträgt sie im Sommer zwischen 8 und 12 Grad Celsius, im Jahresdurchschnitt 5 Grad. Wir hatten drei Tage lang prima Wetter, Sonnenschein und 12 bis 14 Grad Celsius.

Bildergalerie Stanley und Umgebung

Die Anlandungen

Angelandet sind wir an New Island. Buchten und niedrige Hügel mit sandigen Stränden im Osten und steile und felsige Küstenabschnitte im Norden und Westen prägen die Insel. Mit Beaver Island ist es die am weitesten westlich gelegene Insel der Falklandinseln. Das Eiland wurde um 1770 von amerikanischen Walfängern besiedelt. Mitte des 19. Jahrhunderts baute man den Guano der Vogelkolonien ab. Hier erwarten den Besucher Felsenpinguine, die zusammen mit Schwarzbrauenalbatrossen an einem steilen Küstenabschnitt brüten. Ja nach Anlandungsstelle zu beobachten sind Eselspinguine, See-Elefanten, Robben, Sturmvögel, Möwen, Blauaugenkormorane und Magellangänse. Heute leben auf New Island nur eine Hand voll Menschen.

Bildergalerie New Island

West Point Island war die nächste Insel, an der wir an Land gingen. Noch in den 1920-Jahren hat man hier Pinguine und Seelöwen zur Ölgewinnung gejagt. Heute lebt die Familie Napier von der Schafzucht und den gelegentlichen Besuchern, die sie sehr gerne bewirten. Ein paar Milchkühe und ein Gemüsegarten versorgen sie mit dem Nötigsten. Zu Fuß ging es die zwei Kilometer nach Devils Noise mit bis zu 300 Meter hohe Klippen. Dieser Ort ist Heimat für über 2000 Brutpaare der Schwarzbrauenalbatrosse und etwa 500 Paare der Felsenpinguine. Manch Besucher zählen ihn zu den spektakulärsten der gesamten Falklandinseln.

Bildergalerie West Point Island

Mit einer Spannweite von etwas über zwei Metern sind Schwarzbrauenalbatrosse relativ klein für ihre Gattung. Die Vögel verbringen nahezu ihr ganzes Leben im Südpolarmeer, einzelne Exemplare wurden aber schon an Europas Atlantikküste gesichtet. Sie können stundenlang über den Wellen schweben, ohne einen einzigen Flügelschlag. Die Vögel leben sehr treu. So kommen die Paare normalerweise jedes Jahr wieder zusammen, um gemeinsam zu brüten. Auch erreichen sie ein hohes Alter von bis zu 70 Jahren. Die Nahrung bilden vor allem Tintenfische, Krebse und Krill. Als Nistplätze bevorzugen sie die Steilküsten mit ihren Aufwinden.

Schwarzbrauen-Albatross

Relativ klein sind die Felsenpinguine mit rund einem halben Meter Körperlänge. Das kompensieren sie durch ihre Wehrhaftigkeit, Felsenpinguine greifen jedes Tier an, das ihrem Nest in die Nähe kommt. Seien es andere Pinguine, Albatrosse oder auch Menschen. Ihren Partnern gegenüber sind sie hingegen ausgesprochen zärtlich, soziale Gefiederpflege ist üblich.

Angelandet sind wir am Folgetag dann noch auf Carcass-Island und Sounders Island. Carcass-Island ist rattenfrei, bietet somit eine besonders artenreiche Vogelpopulation. Hier marschierten wir insgesamt sieben Kilometer zu einer Kolonie an Magellan-Pinguinen. Felsen-, Esels- und die Königspinguine fanden sich zahlreich auf Saunders Island.

Carcass-Island

Saunders Island

Bildergalerien Caracas Island und Saunders Island

Der kleinere Magellan-Pinguin erreicht etwa 60 Zentimeter Körpergröße. Besonders auffallend ist die fehlende Scheu vor dem Menschen. Sie nähern sich einem bis auf Armlänge, zeigen keine Drohgebärden oder Fluchtinstinkte. Man muss sogar aufpassen, dass man Ihnen nicht auf die Füße tritt. Magellan-Pinguine bauen mit Schnabel und Krallen eine Bruthöhle, die bis zu zwei Meter tief und mehrere Meter lang sein kann. Sie legen häufig zwei Eier, beim Füttern bevorzugen sie jedoch meist das zuerst geschlüpfte Jungvogel, was zu einer höheren Sterblichkeit des zweiten führt.

Trotz deutlicher Unterschiede in Größe und Gewicht eint alle Pinguinarten eines: Ihre Anpassung an das Meer und teilweise extreme Temperaturen. Das sind der strömungsgünstige, torpedoähnliche Rumpf, die zu Flossen gewandelten Flügel, das dichte und wasserabweisende Federkleid und die als Nährstoffvorrat und Kälteschutz dienende Fettschicht.

Königspinguin

Von den hier auf den Falklands lebenden vier verschiedene Arten ist sicherlich mit am imposantesten der Königspinguin. Ein ausgewachsenes Tier erreicht eine Größe von bis zu 95 Zentimeter und ein Gewicht von neun bis 18 Kilogramm. Sie können bis zu 345 Meter tief tauchen und erkennen sich untereinander anhand ihrer Rufe. Aufgrund der harten klimatischen Bedingungen dauert ein Brutzyklus 14 Monate. Sie bauen keine Nester, sondern legen nur ein etwa 300 Gramm schweres Ei, das auf den Füßen gelagert wird.

Nach etwa zwei Monaten nach dem Schlüpfen hat das Jungtier Ende März vor dem Winter das Gewicht der Eltern, ist aber noch nicht flügge. In den sechs Wintermonaten werden sie nicht selten nur ein oder zwei Mal von den Elterntieren mit Nahrung versorgt. Im Frühjahr haben sie bis zu 70 Prozent ihres Gewichtes verloren, werden von den Eltern wieder hochgepäppelt.

Noch extremer leben die Kaiserpinguine, die tief im antarktischen Winter weit im Landesinneren Antarktikas brüten. Allein um an die Brutgebiete zu kommen, sind sie mehrere Wochen auf dem Eis unterwegs. Ihr Federkleid ist extrem dicht, pro Quadratzentimeter liegen zwölf Federkiele über- und nebeneinander. Kaiserpinguine bekommt der Besucher bei einer Antarktisreise jedoch nicht zu sehen, sie leben zu weit südlich.

Eselspinguin

Die Eselspinguine brüten auf den Falkland-Inseln gern in der Nähe von Königspinguinen. Sie sind mit durchschnittlich 70 Zentimeter Körpergröße etwas kleiner und gehören zu den schnellsten Schwimmern unter den Pinguinen. Je nach Quelle erreichen sie 27 bis 36 Kilometer pro Stunde. Sie haben ihren Namen durch ihre charakteristischen Rufe, die an Eselsschreie erinnern.

Hier geht es zu Teil II mit Süd-Georgien und zu Teil III zur Antarktis