Kategoriearchiv: Europa

England – Von Lands´ End bis Stonehenge, Teil II

Von Lands´ End bis Stonehenge

Unterwegs im Südwesten Englands (Teil II – von Buckland Abbey bis Stonehenge)

Hier geht es direkt zum Teil I von Lands´ End bis zum Dartmoor Nationalpark.

Trailer zum Film. Natürlich sind auch DVDs und BluRays vom 80-minütigen Film erhältlich.

Buckland Abbey

Am Rande des Dartmoor befindet sich die Heimstätte des berühmtesten Piraten ihrer Majestät, der Buckland Abbey. Ehemals eine Abtei der Zisteriensermönche aus dem Jahr 1278, zog es die Krone im Zuge der Reformation ein, später baute man es zu einem Herrenhaus um. Dies erwarb 1580 Sir Francis Drake und lebte hier, wenn er nicht gerade die Meere unsicher machte. Seine Nachkommen besaßen es bis 1946.

Buckfastleight, South Devon Railway

Der Bahnhof in Buckfastleight am Rande des Dartmoor

Nahezu täglich unterwegs sein kann man mit der South Devon Railway. Sie startet in Buckfastleight, fährt etwa elf Kilometer nach Totnes und wieder zurück. Gebaut 1872 legte man sie 1962 still. Bereits 1969 wurde die Strecke als Touristenbahn wieder reaktiviert. Als Zugmaschinen dienen mehrere Dampflokomotiven und ältere Dieselloks zusammen mit historischen Waggons. Das alte Bahnbetriebswerk repariert und wartet die eigenen Lokomotiven aber auch die anderer Eisenbahngesellschaften.

Im alten Bahnhof von Buckfastleight ist heute eine Autowerkstatt untergebracht. So finden hier auch immer mal wieder Autoschauen statt, diesmal präsentieren die Besitzer ihre alten Triumph-Fahrzeuge.

Totnes

Totnes, die Endstation der South Devon Railway ist sicherlich einen Besuch wert. Das Zentrum besteht aus einer langen Hauptstraße, gesäumt von alten Gebäuden aus dem 18. Jahrhundert. Viele Fassaden sind elisabethanischen Ursprungs, häufig jedoch hinter Putz oder einer Verkleidung aus Schindeln versteckt.

Inmitten der Stadt finden sich die Reste einer normannischen Burg, die auf das 11. Jahrhundert zurückgehen. Errichtet wurde die erste Burg aus Holz ursprünglich von einem Gefolgsmann von Wilhelm dem Eroberer. Die steinerne Burg, deren Überreste hier zu sehen sind, stammt vermutlich von 1219.

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Cockington Village

Nicht weit weg, kurz vor Torquay liegt der Cockington Country Park. Das milde Klima durch den Golfstrom lässt hier exotische Pflanzen wachsen, deswegen nennt man diese Gegend auch englische Riviera. Zudem steht die Gegend mit Wiesen und Waldtälern, den Dörfern und strohgedeckten Landhäusern ganz im Kontrast zu der Moorlandschaft weiter nördlich.

Das Herrenhaus der Familie Mallock ist heute ein Hort für Kunst und Handwerk. In ihren jungen Jahren fand sich Agatha Christie regelmäßig in Cockington ein, widmete einen ihrer Romane Christopher Mallock.

Dartmouth

Von hier aus stachen einst in den Jahren 1147 und 1190 Schiffe zu den Kreuzzügen in See. Heute finden sich in Dartmouth statt großer Segelschiffe eher Yachten und Boote und eine Vielzahl an Touristen erobern die Stadt. Dennoch, außerhalb der Saison, bietet sich ein Bummel durch das schöne Städtchen an, das direkt am Ärmelkanal liegt.

Bereits seit 1388 schützte eine Festung die Hafeneinfahrt von Dartmouth. Nachdem die Stadt dennoch im Hundertjährigen Krieg zweimal von See her überfallen wurde, entstand gegen Ende des 15. Jahrhunderts dieses Bauwerk und wurde später mehrmals erweitert. Von der Burg aus ließ sich eine Kette quer über das Wasser spannen und versperrte im Verteidigungsfall die Ein- und Ausfahrt des River Dart.

Burgh Island

Wir stehen vor Burgh Island, einer privaten Gezeiteninsel, etwa 200 Meter vor der Küste gelegen. Hin kommt man bei Ebbe zu Fuß, bei Flut mit dem Sea Tractor aus dem Jahre 1960. Lohnenswert ist ein Besuch allemal, zumal sich hier nicht allzu viele Besucher einfinden.

Auf der Insel liegt das The Pilchard Inn, einer der ältesten Pubs Englands. Er geht auf das Jahr 1336 zurück. Früher besuchten ihn vor allem Sardinenfischer, Piraten und Schmuggler. Zu finden waren hier ehedem auch Strandräuber, havarierten an den Klippen Burgh Islands doch nicht wenige Schiffe.

Das Pilchard Inn von 1336

Charmouth

Wir sind in Charmouth am Ärmelkanal gelegen. Diese Küste ist unter Fossiliensammlern sehr bekannt, finden sich hier doch zahlreiche Versteinerungen, vor allem Ammoniten und Belemniten. Schon der Name der Küste ist Programm: Jurassic Coast. Die Versteinerungen werden aus den Klippen heraus gespült, und sind im losen Gestein am Strand zu finden. In den Klippen selber sollte man nicht suchen, hier herrscht akute Steinschlaggefahr.

Montacute House

Auf dem Weg nach Bath liegt das Montacute House, ein Meisterwerk elisabethanischer Renaissance-Architektur. Das Herrenhaus in der Grafschaft Somerset gilt als Kulturdenkmal der Kategorie I. Vermutlich wurde der Bau 1601 fertiggestellt, er sollte 1929 abgebrochen werden. Das aber verhinderte Ernest Edward Cook, ein Enkel des Tourismus-Pioniers Thomas Cook. Er erwarb das Gebäude günstig und übereignete es dem National Trust. Der renovierte es nach dem zweiten Weltkrieg dank reichlicher Spenden.

In den Haupträumen finden sich noch zahlreiche wertvolle Möbel aus der Zeit der Erbauung. Besonders sehenswert ist die Galerie im dritten Stock. Sie gilt mit einer Länge von 52 m als die längste erhalten Long Gallery Englands. In Galerie hängen über hundert Portraits aus der Tudor- und Stuartzeit, die Bilder sind eine Dauerleihgabe der National Portrait Gallery und die größte öffentlich ausgestellte Portraitsammlung dieser Epoche.

Stourhead House and Garden

Stourhead, das sind ein Landhaus und der dazugehörige Landschaftsgarten. Das im neopallatinischen Stil errichtet Haus wurde um 1725 im Auftrag des Bankiers Henry Hoare errichtet. Die unabhängige Privatbank Hoare existiert noch heute, ist die älteste Bank Englands. Das Landhaus selber wurde 1946 dem National Trust übergeben.

Für jeden Gartenfreund ist der Besuch des Stourhead House and Garden ein Muss. Ein etwa drei Kilometer langer Weg führt vorbei an alten Steinkreuzen, Grotten, Wasserfällen, einem Druidensitz, einem Tempel. Geschaffen wurde der Garten nach dem Vorbild italienischer und französischer Landschaftsmaler. Das jedenfalls macht ihn zu einem der bekanntesten Gärten Englands.

Das Zentrum des Gartens bildet das Tal mit den Quellen des Flusses Stour, der durch einen Damm zu einem See aufgestaut wurde. Henry Hoare gestaltete ihn ab etwa 1742. Sein Prinzip: Man solle beim Gang durch den Park niemals dasselbe zweimal sehen, jede Wegbiegung solle eine neue Perspektive bieten. Um 1800 gestalteten seine Erben den Garten im viktorianischen Stil um.

Bath

Bath in der Grafschaft Somerset. Die Stadt ist berühmt für ihre römischen Bäder, die ab dem Jahr 43 nach Christus errichtet wurden. Schon die Römer genossen vor 2000 Jahren das milde Klima und die heißen Quellen an den Ufern des Avon. Rund um die einzige Thermalquelle Englands entstanden Thermen, das Erbe der römischen Besatzung existiert noch heute.

Natürlich lässt sich auch heute noch das Thermalwasser genießen. In einem Pool auf dem Dach eines nahen Gebäudes. Für unter der Woche 36 Pfund Eintritt ohne Massagen. Die kommen dann noch hinzu. Hier ein Bild der römischen Anlage.
Großbritannien 2018 - 0574 Bath
Holografien zeigen dem Besucher das Leben in den Bädern von vor 2000 Jahren. Sie werden direkt in die alten Gemäuer projiziert.
The Royal Crescent, der königliche Halbmond, besteht aus 30 halbkreisförmig angeordneten Häusern. Erbaut zwischen 1767 und 1775 gilt der Platz als herausragendes Beispiel gregorianischer Architektur.

Im 18. Jahrhundert wurde Bath Treffpunkt der feinen Gesellschaft. Ein Kuraufenthalt wurde weniger durch medizinische Aspekte bestimmt, vielmehr durch das gesellschaftliche Leben. In diesen Zeiten entstanden die zahlreichen gregorianischen Gebäude und große Plätze, die heute das Stadtbild prägen. Bekannt ist zudem die Pultreney Bridge, fertiggestellt 1774. Sie ist eine der weltweit nur vier Brücken, die über die gesamte Länge beidseitig Ladengeschäfte beheimatet. Ein Muss für jeden Besucher, zumal sich natürlich die eine oder andere Gelegenheit zum Einkaufen ergibt.

Von 1766 bis 1782 wirkte der deutsche Komponist, Musiker und Astronom Friedrich Wilhelm Herschel als Organist in Bath. 1871 entdeckte er mit einem selbst gebauten Teleskop den Planeten Uranus. Eine wissenschaftliche Sensation, die den Amateurastronomen in ganz Europa bekannt machte. 1782 wurde er dann Hofastronom des englischen Königs George III. Sein Wohnhaus ist heute ein Museum.

Lacock Abbey und Ort

Nahe Bath gelegen lohnt der Ort Lacock mit der Lacock Abbey einen Besuch. Das ehemalige Nonnenkloster der Augustiner stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert. Viel gibt es hier zu entdecken, malerische Fachwerkhäuser, eine mittelalterliche Zehntscheuer, eine alte Schleuse oder die Dorfkirche. Ort wie Kloster sind seit 1944 im Besitz der National Trust und dienten schon zahlreichen Filmen und Fernsehserien als Drehort. So auch schon für Teile zweier Harry-Potter-Verfilmungen.

Castle Combe

Als Filmkulisse dient regelmäßig auch Castle Combe, ein kleines Dorf aus dem 14. Jahrhundert. Harry Potter war schon hier, Dr. Doolittle auch und Steven Spielberg mit seinem Film ´Die Gefährten´.  Zu früheren Zeiten war der Ort ein Zentrum der Wollproduktion, und noch viel früher ein Kastell der Römer.

Dyrham Park

Wir sind hier bei Dyrham Park and Garden bei typisch englischen Wetter. Nieselregen und diesige Sicht. Das Landhaus wurde Ende des 17. Jahrhunderts errichtet im barocken Stil. Im Park finden sich Rotwild und Rinderherden, die für die Landschaftspflege sorgen. Übrigens hatten wir in den 14 Tagen eigentlich nur gutes Wetter. Gerade Mal an zwei Tagen war es etwas schlechter und auch nur morgens.

Avebury Manor and Garden

 

Avebury Manor and Garden, in England jedenfalls kennt man dieses vom National Trust verwaltete Anwesen durch die BBC-Serie The Manor reborn aus dem Jahr 2011. Gefilmt wurde in neun Räumen, die in fünf verschiedenen historischen Stilen gestaltet wurden: Tudor, Queen Anne, Georgian, Victorian und 20. Jahrhundert. Die Zimmer sollen die Zeiten reflektieren, in denen die Bewohner von Avebury Manor hier lebten.

Alle Möbel und Gegenstände wurden von Handwerkern nachgebildet, manch altes Stück hat man restauriert. Alle sind da zum Gebrauch. Der National Trust übernahm das Anwesen komplett leer.

Avebury Stone Circle

Nach Avebury kommt der Besucher auch wegen des dortigen Steinkreises, weniger besucht als Stonehenge aber kaum weniger spektakulär. Insgesamt drei Steinkreise finden sich hier, der äußere mit einem Durchmesser von 427 Metern, die zwei inneren mit je rund 100 Metern. Von ehemals 154 Steinen sind noch 36 vorhanden. Errichtet wurde die Anlage um 2600 v. Christi. Zählt man die Steine in den Alleen hinzu, kommt man auf über 600 Steine. Eine enorme Leistung der damaligen Menschen, zumal diese Steine auch mehrere Tonnen schwer sind. Wie in Stonehenge ist auch in dieser Anlage die Mittelinie zwischen den zwei inneren Kreisen auf den Mittsommer-Sonnenaufgang ausgerichtet.

Stonehenge

Der berühmteste Steinkreis der Welt, Stonehenge. Kein anderes Relikt prähistorischer Zeit hat die Fantasie der Menschen so angeregt wie diese alte Anlage. Welchen Zweck sie genau hatte, das ist immer noch umstritten. Der Bau jedenfalls soll vor etwa 5100 Jahren begonnen haben, in drei verschiedenen Phasen. Die heutigen Überreste des Steinkreises dürften wohl zwischen 2400 und 2100 v. Christus entstanden sein. Wobei: Neueste Forschungen deuten sogar auf eine etwa 11.000 Jahre alte Geschichte der Kultstätte hin. Und was die Nutzung betrifft?

Fakt ist, dass mehrere der Steine nach den Positionen der Sonnenwende und Tagundnachtgleiche angeordnet sind. Dementsprechend nimmt man häufig an, dass Stonehenge eine Art vorzeitliches Observatorium darstellt und den Menschen früher half, den bestmöglichen Zeitpunkt für Aussaat und Ernte zu bestimmen. Die Steine selbst kommen aus dem 35 Kilometer entfernten Marlborough, die kleineren wiegen 25 Tonnen, die größeren 50 Tonnen.

Ist man gleich frühmorgens und unter der Woche da, kann man das Monument auch fast ohne Besucher besichtigen. Das sieht eine Stunde später schon anders aus.

Hier geht es zum Teil I von Lands´End bis zum Dartmoor Nationalpark

Von Lands End bis nach Stonehenge und Avebury. Ich hoffe Sie haben den Reisebericht genossen und sich die eine oder andere Anregung geholt. Die Tour gibt es auch als 80minütigen Film auf DVD oder hochauflösen als BluRay.  Ich bin Werner Götz und wünsche Ihnen schöne und interessante Reisen. Entdeckt die Welt. Bis zum nächsten Mal, dann in der Antarktis.

Quellen: eigene Recherche und Erlebnisse, Wikipedia

England – Von Lands´ End bis Stonehenge (Teil I)

Von Lands´End bis Stonehenge

Unterwegs im Südwesten Englands (Teil I – bis Dartmoor)

Statue König Artusin TintagelWandeln Sie mit auf den Spuren König Artus, besuchen Sie alte Bergwerke und genießen Sie mit mir das Mittagessen eines Bergmannes. Freuen Sie sich über eine Fahrt mit einem Morgan über die Penwith-Halbinsel , ganz im Südwesten Großbritanniens. Wir wandern in Moorlandschaften mit freilebenden Pferden, fahren in einem alten Dampfzug und beschäftigen uns mit den Mysterien der Kelten. Der Golfstrom sorgt für ein mildes Klima, ideal für zahlreiche Gärten. Fehlen dürfen natürlich nicht wundervolle Orte und deren Menschen.

Reiseroute und besuchte Orte: Penwith-Halbinsel, Levant Mine und Geevor Tine Mine, Lost Gardens of Heligan, Charlestown, Lanhydrock House, Tintagel, Crackington Haven, Clovelly, Rundfahrt und Wanderungen Dartmoor, Buckland Abbey, South Devon Railway, Totnes, Cockington Village, Dartmouth, Burgh Island, Charmouth, Montacute House, Stourhead House and Gardens, Bath, Lacock Abbey + Ort, Castle Combe, Dyrham Park, Aveburry, Stonehenge

Trailer zum Film. Natürlich sind auch DVDs und BluRays vom 80-minütigen Film erhältlich.

Hier geht es direkt zum Teil II von der Buckland Abbey über Bath bis nach Stonehenge

Penwith-Halbinsel, die Minen

Die Penwith-Halbinsel ist unser Startpunkt für eine Reise durch den Südwesten Englands. Hier erfährt man gleich viel von der Geschichte der Region. In der Nähe von Lands´ End, dem südlichsten Punkt der Insel, finden sich viele Überreste aus Zeiten des Bergbaus. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts deckte Cornwall über die Hälfte des Weltbedarfes an Zinn. Auch sehr viel Kupfer gewannen die Bergarbeiter in den Minen. Schon in der Bronzezeit und Antike begann der Abbau, zwischen 2200 und 2100 v. Christus. Im 20. Jahrhundert waren die Minen weitgehend erschöpft, Bergwerke in anderen Ländern produzierten günstiger. Dennoch hielt das letzte Bergwerke bis 1990 durch, bis es stillgelegt wurde.

Eines unserer ersten Ziele war die Levant Mine. Die ´mine under the sea´ bekam ihren Spitznamen durch bis zu 600 m tiefe und unter dem Meer liegende Stollen. Sie reichten bis zu zweieinhalb Kilometer von den Klippen aus ins Meer hinaus. Seit 1820 wurde erst Kupfer, später auch Zinn gefördert. Erschöpft waren die Vorkommen im Jahr 1930, die Mine wurde aufgegeben und lief voll Wasser.

Eine Besonderheit ist das noch vorhandene Dampfkesselwerk. Die darin stehende Dampfmaschine zum Betrieb der Winde wurde 1840 gebaut und lief bis 1930. Sie sollte verschrottet werden, aber einige Männer kauften sie dem Schrotthändler ab und bewahrten sie in dem Dampfkesselwerk auf.  Zwischen 1989 und 1990 restaurierten sie einige ehemalige Minenarbeiter der letzten, zu dieser Zeit geschlossenen benachbarten Mine. Zuerst hat man die Dampfmaschine nur lackiert und ließ sie mit Druckluft laufen. Später aber erneuerte man das komplette Kesselhaus. Nun läuft sie unter Dampf, seit mehr als 25 Jahren. 1873 waren fünf Dampfmaschinen in Betrieb, auch zum Belüften und Entwässern der Grube und für die mechanische Bearbeitung des Erzes.

Zehn Minuten zu Fuß sind es bis zur benachbarten Geevor Tin Mine, eines der größten erhaltenen Bergwerke des Landes. Die Gebäude der erst 1990 aufgegebenen Mine sind denkmalgeschützt, seit 2006 Teil des Weltkulturerbes Cornwall and West Devon Mining. Die Gebäude sind heute offen für Besucher und erzählen die Geschichte der Minen und Bergarbeiter.

Der Boom der Zinnproduktion startete vor 200 Jahren mit dem Beginn der industriellen Revolution. Zeitweise arbeiteten tausende von Mitarbeitern in den Minen Cornwalls. Mit dem Rückgang der Produktion wurden viele gezwungen auszuwandern, sie gingen nach Nord- und Südamerika, nach Südafrika und nach Australien.

Neben den Bergleuten unter Tage beschäftigte die Mine auch Männer, Frauen und Kinder, die über Tage das abgebaute Erz sortierten, aufbereiteten oder in der Verwaltung tätig waren. Viele Räume sind noch in einem Zustand, als kämen die Mitarbeiter morgen wieder zur Arbeit.

Die Stollen des Bergwerkes stehen mit dem Abschalten der Pumpen unter Wasser. So lassen sie sich nicht mehr erkunden. Deswegen weicht man auf einen Stollen aus dem 18. Jahrhundert aus. Er liegt über dem Meeresspiegel. Die Begehung lässt einen erahnen, unter welchen schwierigen Bedingungen die Minenarbeiter hier arbeiten mussten. Dazu gehörten auch Jungen ab sieben und Mädchen ab zehn Jahre. Und das noch bis in das 20. Jahrhundert hinein.

Die Erzadern verliefen in dieser Gegend Cornwalls meist vertikal, entsprechend trieb man tiefe Schächte ins Gestein. Das abgebaute Gestein wurde in Eimer und mit Hilfe von Holzloren meist von den Kindern ans Tageslicht gebracht.

Penwith-Halbinsel, Rundfahrt mit einem Morgan 4-4

Automobile Klassiker und England, das gehört einfach zusammen. Seit nunmehr 80 Jahren bauen die Briten den Morgan 4-4 fast unverändert. Man schreibt das Jahr 1936. Und Harry Frederick Stanley Morgan baute sein erstes echtes Automobil mit vier Rädern und vier Zylindern, deswegen Morgan 4-4 genannt. Leicht, puristisch und offen ist der Morgan noch heute. Null Komfort, keine Assistenzsysteme oder auch nur Lenk- oder Bremskraftverstärker, ein schlapper Motor und ein Chassis aus Holz zeichnen ihn aus. Genau deswegen begeistert das Auto und der Form wegen natürlich.

Was geht über einer Tour die Küsten entlang in einem Morgan, und das bei bestem Wetter. Wir bewegen uns auf der Penwith Halbinsel, eine Tour von 160 km steht uns bevor. Dafür darf man gern mal einen ganzen Tag einrechnen.

Die Fahrt über die Penwith Halbinsel führt einen durch eine raue Landschaft auf häufig schmalen Straßen und durch kleine Ortschaften. Manchmal kann man die Äste am Auto streifen hören, auf beiden Seiten gleichzeitig. Und Gegenverkehr, naja, es gibt ja immer mal wieder breitere Ausweichstellen. Viele Straßen stammen noch aus Zeiten, als es gar keine Autos gab.

Die Küste entlang finden sich immer wieder kleinere Fischerhäfen wie Mousehole. Hohe Wände aus Granit schützen die Häfen vor der rauen See. Wie unschwer zu erkennen ist, beträgt die Tide hier an der Küste oft mehrere Meter, bei Ebbe liegen die Boote quasi am Strand.

Zusammen mit Irland, Schottland und Wales ist Cornwall ein Zentrum der keltischen Kultur. Die Kelten hatten ihre eigene Sprache über Jahrhunderte hinweg. In Cornwall wurde kornisch gesprochen, und das bis 1777, als mit Dolly Pentreath aus Mousehole die letzte Muttersprachlerin starb. Wirtschaftlich gesehen waren lange Zeit der Fischfang und die Erzgewinnung die dominierenden Wirtschaftszweige Cornwalls. Heute ist es neben der Landwirtschaft der Tourismus.

St. Michaels Mount

Durchtränkt von Mythen und Legenden ist St. Michaels Mount. Bei Ebbe erreichbar über einen steinernen Steg, bei Flut mit dem Boot. Auf dem Felsen thront eine veritable Schloss- und Abteianlage, zum Verwechseln ähnlich dem berühmten französischen Pendant. Nur finden sich in Cornwall gerade mal einige zehntausend Besucher jährlich ein, während es in Frankreich mehrere Millionen sind. Während der normannischen Herrschaft wurde der Inselberg am Ende des 11. Jahrhunderts tatsächlich den Benediktinermönchen des französischen Mont Saint Michel übereignet und zu einer Pilgerstätte. Dennoch dominierte die wirtschaftliche und militärische Rolle des Felsens, er wurde in mehreren Kriegen zu einer Festung ausgebaut und von dem Inselhafen verschiffte man Zinn aus den Minen.

Eine faszinierende Kulisse bietet das Minack Theatre, gelegen direkt in einen Felsabhang am Ufer. Erbaut wurde es in den 1930er-Jahren von Rowena Cade, einer Theaterliebhaberin. Sie kaufte das Gelände für 100 Pfund und arbeitete bis zu ihrem Tod im Jahr 1983 am Ausbau des Theaters. Traditionell werden oft Werke Shakespeare aufgeführt, gespielt auch abends und bei schlechtem Wetter. Heute stand jedoch Dr. Doolittle von Hugh Lofting auf dem Programm.

Lost Gardens of Heligan

Das Wahrzeichen

Rund 50 öffentlich zugängliche Gärten finden sich allein in Cornwall und Devon. Häufig legten reiche Adelige und Geschäftsleute die Gärten im 19. Jahrhundert an. Jeder hat seine Besonderheiten, keiner ähnelt dem anderen. Eine der bekanntesten Gartenanlage ist die Lost Gardens of Heligan. Seit über 400 Jahren in Familienbesitz, verfiel er seit dem ersten Weltkrieg zusehends. Erst in den 1990er-Jahren weckte man ihn aus dem Dornröschenschlaf. Heute finden sich hier wieder Zier- und Nutzgärten, ein Dschungel, Wanderwege führen durch alte Wälder, Feuchtgebiete und Felder.

Im Dschungel

Eine Gruppe von Gartenbauspezialisten und viele Helfer versetzten Heligan wieder in den Zustand der viktorianischen Zeit. Mit Erfolg. 1999 wurde die Anlage in Großbritannien zum Garten des Jahres gewählt, mit über 300.000 Besuchern ist er einer der meist besuchten Englands. Und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der strukturschwachen Gegend.

Charlestown

Die Zeit scheint an Charleston vorbei gegangen zu sein. Während andere Städte in der Region im 20. Jahrhundert große Veränderungen erfuhren, gingen viele Entwicklungen an der Stadt nahezu vorüber. Ursprünglich mal ein verschlafenes Fischerdorf wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts der Hafen erbaut und blieb bis heute nahezu unverändert. Gern wird die Stadt als Drehort für Filme und Fernsehserien benutzt. 2008 etwa filmte Tim Burton hier Szenen für seinen Film Alice im Wunderland. Auch der Großteil einer Episode der TV-Serie Dr. Who entstand in Charlestown Harbour.

Lanhydrock House

Was wäre England ohne seine Herrenhäuser und Schlösser? Weitläufige Gärten, prachtvolle Räume, ein schönes Ambiente. Doch die Verwaltung, die kostet allemal sehr viel Geld. Viele davon sind nicht mehr in Privatbesitz, sondern werden vom National Trust wie hier das Lanhydrock House verwaltet. Doch egal ob Allgemeingut oder Privatbesitz, Besuchermagneten sind sie allemal.

Das Lanhydrock House ist zu einem großen Teil viktorianischen Ursprungs, einige Teile datieren jedoch schon um das Jahr 1620, sind also rund 200 Jahre älter. Alle Räume lassen sich besichtigen, sind detailgetreu eingerichtet. Manchmal scheint es, als ob die Bewohner hier noch leben würden.

Vor dem Gebäude finden sich viktorianische Gärten, umgeben von einem formalen Garten und einem Landschaftspark. Natürlich hielt auch Lanhydrock House als Drehort für eine Rosamunde Pilcher-Verfilmung her.

Tintagel Castle

Die Küste entlang erreichen wie das legendäre Tintagel, König Artus´ Geburtsort, sollte er jemals gelebt haben. Zu erreichen ist die Ruine über steile Zugänge, nur durch eine schmale Landzunge mit dem Festland verbunden.

Neueren archäologischen Grabungen nach dürfte sich hier einst ab Mitte des 5. Jahrhunderts bis Anfang des 7. Jahrhunderts ein bedeutender Fürstensitz befunden haben. Was von der Zeit her passen würde. Die heutigen sichtbaren Reste stammen vorwiegend von einer hochmittelalterlichen Burg.

Nach der Artussage fand in Tintagel die Zeugung König Artus (walisisch Arthur)  statt. In den Tagen von Uther Pendragon versteckte der Herzog von Cornwall hier seine Frau Igraine. Die aber begehrte Uther für sich selbst. Um sich ihr unbemerkt nähern zu können, verlieh der Zauberer Merlin ihm das Aussehen des Herzogs. Und so kam es zur Zeugung Artus. Zeitgleich fiel der Herzog in einer Schlacht.

Der Ort Tintagel selbst und die Burg gehören mit zu den am häufigsten besuchten Zielen Englands. Um den Anforderungen des Tourismus gerecht zu werden, wurden viele alte Gebäude schon Anfang des 20. Jahrhunderts abgerissen. Aus früheren Zeiten erhalten geblieben ist nur das Alte Postamt, ursprünglich ein kleines Herrenhaus aus dem 14. Jahrhundert. Das hat der National Trust restauriert und in einem der Räume eine kleine viktorianische Dorfpost eingerichtet. Der Name Tintagel geht vermutlich auf Zinn, englisch Tin zurück.

Crackington Haven bis Clovelly

Wir sind jetzt im Norden Cornwalls an der Küste der Keltischen See nahe Bude unterwegs. Unser Ziel für die nächsten Tage ist das Trevigue Bed&Breakfast nahe Cockington Haven. Private Unterkünfte bieten sich gerade in England für individuell Reisende an. Sie sind eine gute Möglichkeit, die englische Kultur und Lebensweise kennen zu lernen, Kontakte mit den hier lebenden Menschen aufzubauen.

Auf unserer Tour durch den Südwesten Englands übernachten wir immer in Bed&Breakfast-Unterkünften. Eine der bekanntesten Unterkunftsarten in England. Meist private Häuser und Bauernhöfe die sich im Familienbesitz befinden. Von einfach bis luxuriös ist alles darunter zu finden.

Gepflegte, stilvolle Zimmer in englischem Stil zeichnen die meisten Unterkünfte aus. Dabei hat jedes Haus seine eigenen Merkmale und Stile. Vielen gemein ist auch ein typisch englisches Frühstück, frisch zubereitet.

Clovelly

Wir sind nun im County Devon, in dem alten Fischerdorf Clovelly angekommen. Der malerisch gelegene Ort lockt viele Besucher, ein 800 m langer Fußweg aus Kopfsteinpflaster führt hinunter in das Dorf. Dementsprechend finden sich auch touristische Angebote wie Restaurants und Souvenir- sowie Kunsthandwerksläden.

Trotz des Besucheransturms während der Saison leben viele der 400 Einwohner noch vom Fischfang. Besonders der Fang von Sardinen spielte Jahrhunderte lang eine wichtige Rolle im Leben vieler Menschen in Cornwall und Devon. Mancherorts schon seit dem 15. Jahrhundert. Die Sardine sorge für Nahrung, Einkommen und half den Winter zu überstehen. Bis in die 30er-Jahren des vorigen Jahrhunderts die großen Schwärme vor Cornwalls Küste ausblieben. Es blieb den Fischern nichts anderes übrig, als sich auf andere Fischarten umzustellen.

Auch heute noch riecht es in vielen Orten an der Küste nach Fisch, Netze und Reusen türmen sich auf. Die Kaimauer in Clovelly selbst stammt noch aus dem 14. Jahrhundert. Seit 250 Jahren befindet sich das Dorf im Privatbesitz der Familie Rous. Es spielt auch eine Rolle in einem Roman von Charles Dickens. Die Eintrittsgelder dienen der Erhaltung des Ortes, sind also sinnvoll angelegt.

Dartmoor National Park

Wir sind im Landesinneren unterwegs, in Richtung Dartmoor. Die hügelige und offene Heidelandschaft liegt auf einem etwa 950 Quadratkilometer großem Granitmassiv. Bekannt ist die Gegend für ihre finsteren Gruselgeschichten. Sir Arthur Conan Doyle schuf, inspiriert durch das Dartmoor, eine der berühmtesten Bestien der Literatur, den Geisterhund, der eine Familie zu Tode hetzt, den Hund der Baskervilles. Doch bei Sonnenschein zeigt das Hochmoor seine ganze herbe Schönheit.

Dartmoor ist einer der beliebtesten Nationalparks Englands, eine ursprüngliche und naturbelassene Landschaft inmitten dicht besiedelter Gegenden. Vorwiegend Heidegewächse und Moorpflanzen finden sich hier, auch die Reste bronzezeitlicher Siedlungen von Gräbern, Steinkreisen und Flursystemen. Der Bergbau hat ebenfalls seine Spuren hinterlassen in Form von wüst gefallenen Bergbausiedlungen und Schmelzöfen.

In der baumlosen Moorlandschaft im Zentrum finden sich immer wieder ausgesetzte Granithügel, die Tors.  Mithin der bekannteste ist Haytor, gern besucht. Der Weg hinauf kann schon eine kleine Herausforderung sein. Aber der Blick in die Landschaft entschädigt für den Aufstieg.

Wandern im Südwesten gleicht mancherorts einem Gang durch ein archäologisches Museum. Steinerne Monumente finden sich zahlreich, sie stammen aus einer Zeit etwa 2000 Jahre vor Christi Geburt. Die Kelten siedelten im sechsten Jahrhundert vor Christi in dem Landstrich, bis die Römer im Jahr 43 nach Christus Britannien eroberten und bis zum Ende des 4. Jahrhunderts regierten. Grabsteine wiesen dabei schon früh den Menschen den Weg, manch einer wurde zu einem christlichen Kreuz umgearbeitet. Und viele der alten Steinbrücken stammen noch aus dem Mittelalter, diese hier aus dem 13. Jahrhundert, manche sogar aus der Antike. Das zeigt, dass die Menschen vor tausenden Jahren die gleichen Wege benutzen wie wir heute.

Über das Dartmoor verstreut liegen auch schöne Weiler und Dörfer. Nicht wenige Einwohner der Orte leben inzwischen vom Tourismus, neben der Schaf- und Rinderzucht. Widecomb-in-the-Moor dürfte das mit am häufigsten besuchte Dorf sein, Wahrzeichen ist der 36 m hohe Turm der Gemeindekirche.

Die Pferde von Dartmoor leben frei, sind Nachkommen von Arbeitspferden der Minenarbeiter. Sie haben nur ein Stockmaß von knapp 1,40 m und sich der kargen Landschaft angepasst, können gut in der Moorlandschaft leben.

Das wohl berüchtigtste Gefängnis Englands, auch das findet sich hier im Dartmoor. Nur wenigen Ausbrechern gelang jemals die Flucht. Dartmoor Prison schaut man sich am besten von außen an. Ist es doch noch in Betrieb. Wer durch das schmale Tor tritt, für den ist die normale Welt erst einmal passe. Häufig sogar für sehr lange Zeit. Besser man besucht das daneben liegende kleine Museum, das die Geschichte des Gefängnisses aufzeigt.

Auch Waldgebiete finden sich im Dartmoor und nicht wenige malerische Flussläufe und Wasserfälle. Die zum National Trust gehörende Lydford Gorge zwängt sich durch eine schmale Schlucht. Auf halber Strecke erreicht man einen etwa 30 m hohen Wasserfall, der zu einer Rast einlädt. Eine schöne Rundwanderung von etwa zwei Stunden.

Hier geht es zum Teil II von der Buckland Abbey über Bath bis nach Stonehenge

Quellen: eigene Recherche und Erlebnisse, Wikipedia,

Kreta – Reisebericht und Bildergalerien sind online

Kreta ist eines der beliebtesten Reiseziele des Mittelmeeres. Das hat die Insel ihrer Geschichte und den Sehenswürdigkeiten zu verdanken, ihren durch venezianischem und osmanischem Einfluss malerischen Städten und Dörfern, der Landschaft und den offenen, von jeher Fremden freundlich gesonnenen Menschen. Und den Stränden, die mancherorten karibisches Flair verbreiten. Besonders gilt das für die Nachsaison, wenn viele Besucher die Insel wieder verlassen haben.

Kreta 2017 – Unterwegs auf alten und neuen Pfaden

Von Bergen, Stränden und alten Ruinen

27. Oktober, Nachricht auf Wetter-online (ich zitiere): Schwere Gewitter haben im Westen der Insel Kreta hohe Schäden hinterlassen. Sturzfluten bahnten sich ihren Weg durch die Straßen der Stadt Chania und rissen sogar Fahrzeuge mit. Einige Autofahrer waren in den Wassermassen gefangen und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Gebäude, Brücken und Straßen wurden beschädigt, einige Strände rund um die Hafenstadt verwüstet. Das Unwetter wütete mehrere Stunden lang, das Ausmaß der Schäden war erst am Folgetag zu überblicken. Die Wetterstationen meldeten für Chania-Zentrum 190, für Platanias rund 240 Liter pro Quadratmeter (Quelle: www.wetteronline.de)

Unwetter in Chania

Nein, so haben wir uns den Empfang im sonnigen Herbst auf Kreta nicht vorgestellt. Auch wenn es schon Ende Oktober ist. Tag Eins nach unsere Ankunft stundenlanger, strömender Regen. Wasser schießt von den Hängen, überschwemmt die Straßen, reist Äste, Sträucher, kleinere Bäume und Geröll herunter, lässt Keller volllaufen.

Tags darauf, in Chania. Morgens noch etwas bewölkt, nachmittags dann strahlender Sonnenschein. Kreta hat durchschnittlich 305 Sonnentage im Jahr, gilt als sonnigste Insel im Mittelmeer. Hier am Hafen der Stadt ist kaum mehr etwas vom Unwetter des gestrigen Tages zu sehen. Das Hafenbecken stammt aus venezianischer Zeit, sogar einige intakte Schiffshallen aus dem 16. Jahrhundert stehen noch. In ihnen bauten und reparierten die Venezianer ihre Galeeren. Die Promenade säumen unzählige Kaffees und Tavernen, auch mehrere Museen finden sich. Was hier während der Saison los ist, kann man sich denken. Um diese Zeit aber, Ende Oktober, lässt sich die Stadt wie auch die Insel genießen.

Gleich am Hafen liegt die Altstadt mit ihrem Gewirr an schmalen Gassen, die alte Stadtpaläste und historische Mietshäuser säumen. Und zahlreiche Tavernen, Kunsthandwerker mit echter kretischer Handarbeit, verhältnismäßig wenig Asia-Ware und Touristen-Nippes. Nahezu vollständig von der mittelalterlichen Mauer umgeben.

Archäologisches Museum, Chania

In einer ehemaligen venezianischen Franziskanerkirche findet sich das archäologische Museum. Funde aus Chania und Umgebung der letzten 100 Jahre sind hier ausgestellt. Von minoischen Artefakten aus dem 15. Jahrhundert vor Christi bis hin zu römische Mosaiken aus dem 3. Jahrhundert reichen die Ausstellungsstücke.

Unser Hotel im Westen war übrigens das , etwa 18 km. westlich gelegen. Eine Empfehlung.

Unser Hotel in Spilia

Die erste Hälfte der Kreta-Tour verbringen wir im Hotel Spilia-Village, im Zentrum eines traditionellen kretischen Dorfes gelegen etwa 20 km westlich von Chania. Das etwa 4000 Quadratmeter umfassende Anwesen besteht aus alten Gebäuden, die behutsam restauriert wurden. Das Hauptgebäude diente einst als Fabrik und später der Produktion von Olivenöl. 33, aus Stein gebaute Zimmer beherbergen die Gäste, ein jedes ist individuell eingerichtet. Inmitten von Orangenbäumen finden sich ein Swimmingpool, eine Poolbar und ein Garten. Die traditionelle Taverne Halara serviert vor allem kretische Speisen in mehreren schönen, kleineren Räumen mit viel Atmosphäre.

 

Hier geht es in Kürze zu einer Auswahl der schönsten oder besonders typischer Bilder der gesamten Reise.

Der Trailer zum Film:

Akrotiri Halbinsel und ihre Klöster

Auf der Halbinsel Akrotiri östlich von Chania  kann man problemlos einen Tag verbringen. Kaum besiedelt eignete sich die über 500 m hohe Bergkette im Norden der Halbinsel Mönchen als Zufluchtsort. In der Folge entstanden hier gleich vier Klöster. Größere Teile im Westen sind militärisches Sperrgebiet, finden sich hier doch seit den 70er-Jahren auch Abschusseinrichtungen für Cruise Missiles der Nato.

Einen Besuch wert ist das Kloster Moni Agia Triada, zugleich das größte Kretas. Gegründet wurde es im 16. Jahrhundert durch zwei venezianische Brüder, die zum orthodoxen Glauben konvertierten. Sie renovierten ein älteres Kloster, das ihnen geschenkt worden war. Dominiert werden die im venezianischen Renaissance-Stil errichteten Gebäude durch die imposante Klosterkirche. Innenaufnahmen sind wie bei den meisten Klöstern jedoch unerwünscht. Kein Problem war das bei den Klosterszenen für den Film Alexis Zorbas, die hier entstanden.

Voll biologisch ist der Anbau von Wein und Oliven auf den Ländereien des Klosters. Die sich natürlich gleich im zugehörigen Laden erwerben lassen. Auch Weinproben sind möglich. Zudem finden sich hier ein kleines Museum mit Ikonen und eines mit alten Utensilien.

Wenige Kilometer weiter eine kurvenreiche, schmale Straße durch eine Schlucht entlang liegt das Kloster Moni Guverneto. Das wie Agia Triada dem Patriarchen von Konstantinopel unterstehende Marienkloster wirkt ähnlich einer Festung. Auch es wurde mehrfach durch die Türken niedergebannt und wieder neu errichtet.

Kloster Moni Guverneto

Von hier aus lässt sich die Ruine eines vermutlich im fünften oder sechsten Jahrhundert errichteten Kloster namens Katholico erwandern, das im 16. Jahrhundert aufgrund häufiger arabischer Piratenangriffen aufgegeben wurde.

Unterwegs im Westen Kretas

Heute geht es zu einer Rundfahrt in den Westen der Insel. Von Spilia aus über Kissamos fahren wir die Küste entlang in südlicher Richtung. An der Küste gibt es einen ersten Einsatz für die Videodrohne (Mavik Pro von DJI). Trotz recht kräftigen Windes funktioniert alles recht gut, auch die Qualität der Aufnahmen nach Sichtung am Computer passt.

Kloster Moni Christokalitissas.

Weithin sichtbar, auf einem steilen Felsen gelegen erwartet einen das Kloster Moni Christokalitissas. Übersetzt bedeutet der Namen Goldenes Treppchen. Einer Legende nach soll eine der 99 Stufen zum Eingang des Klosters aus Gold sein. Da aber erkennt nur, dessen Herz rein und sündenfrei ist. Wir entdeckten folglich keine goldene Stufe.

Derzeit leben in dem Kloster wohl nur noch ein Mönch und eine Nonne, der Nachwuchs bleibt wie in vielen griechischen Klöstern aus. Erbaut wurde es im 19. Jahrhundert, vermutlich gab es aber schon zu venezianischer Zeit hier ein Kloster. 1944 zerstörten deutsche Soldaten zahlreiche zum Kloster gehörende Gebäude, da sich hier viele Gegner der Alliierten versteckten. Nach der Eroberung Kretas nutzen sie es als Gefängnis.

Kaum fünf Kilometer entfernt, Idylle pur. Einer der schönsten Strände Kretas. Aber nur gegen Ende der Saison, wie jetzt. Hier auf der Insel Elafonissi finden sich im Sommer täglich ungezählte Tagesausflügler wieder. Es locken feine Sandstrände, die blau-grünen Farbtöne des Meeres und das an vielen Stellen seichte und warme Wasser.  Bequem lässt es sich durchwaten, zwischen Elafonissi und Kreta hin- und herpendeln. Die Insel ist etwa 1,3 km lang und 400 Meter breit, steht unter Naturschutz.

Durchs Landesinnere geht es wieder zurück Richtung Spilia. Auf dem Weg, die Höhle Agia Sofia, die Höhle der Weisheit Gottes. Hier soll sich in einem Felsspalt eine heilige Ikone der Weisheit Gottes befinden.  Auch habe sich hier ein historisches Drama  ereignet, die Opferung der Psaromilligos im Jahr 1347 nach Christus beim Aufstand gegen die Venezianer. Ein Widerstandskämpfer musste seinen Onkel und seinen Vater auf eigenen Wunsch köpfen, um Amnestie zu erhalten. Was er nach einiger Überzeugungsarbeit auch tat. Später fand man zwei geköpfte Skelette in der Höhle.

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Höhle Agia Sofia, die Höhle der Weisheit Gottes

Fakt ist, das man in jüngerer Zeit in der bis zu 20 Meter hohen Grotte eine Lehmfigur aus dem vierten Jahrhundert vor Christus fand sowie zahlreiche weitere Gegenstände aus neolithischen und minoischen Zeiten und auch hellenistische und römische Töpferspuren. Das deutet auf eine lange Nutzung der Höhle hin.

Einen Abstecher wert ist das alte Polyrrhenia. Zuerst geht es zu einem Spaziergang durch das heute etwa 100 Bewohner zählende Dorf. Jorgos, der Olivenholzschnitzer bietet hier in seinem Laden zahlreiche aus eben diesem Holz geschnitzte Gegenstände an. Schon im Ort finden sich mehrere Reste des antiken Polyrrhenia aus der Zeit um 600 vor Christi, gegründet von den Dorern. Einst war sie die zweitmächtigste Stadt auf Kreta, Kissamos der Hafen. Auch Agamemnon soll sich hier aufgehalten haben, nach seinem Feldzug in Troya.

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Übrig geblieben ist nicht viel, dienten die Steine, Säulen und der Marmor aus antiken Zeiten doch als Baumaterial für einige Häuser und die Kirche der 99 Heiligen. Lohnenswert aber ist allein schon der Panoramablick über die Bucht von Kissamos.

Geboren aus der Asche – Botanical Gardens

Geboren aus der Asche wurde der ´Botanical Garden and Parks of Crete´, nahe Fournes gelegen. 2003 zerstörte ein Feuer tausende Oliven- und Orangenbäume. Die Dorfbewohner waren von einem Tag auf den anderen ihrer Lebensgrundlage beraubt. Ein junger Betriebswirt aus dem Dorf machte aus der Not jedoch eine Tugend, überzeugte die Dorfbewohner davon, an dem Berghang einen botanischen Garten anzulegen. Erlaubt das hier vorherrschende Mikroklima doch den Anbau einer Vielzahl von Pflanzen aus unterschiedlichen Klimazonen. 2009 wurde der Park auf 20 Hektar eröffnet und ist heute eine Touristenattraktion auf Kreta. Auf einem Rundweg von ein bis zwei Stunden Dauer lassen sich hunderte kretische und tropische Pflanzen kennenlernen, alle gut beschildert.

Der Weg ist teilweise recht steil, gutes Schuhwerk ist angesagt. Eine Flasche Wasser gibt es zusammen mit dem Eintritt. Am Ende biete sich eine Rast in der dazugehörenden Taverne an, die neben eigenem Kuchen auch traditionelle kretische Speisen anbietet. In einem dazugehörenden Laden finden sich lokale Lebensmittel, etwa Honig, Kräuter und natürlich Olivenöl.

Mit Genehmigung des Inhabers kam hier die Videodrohne zum Einsatz.

Rethymno – ein Stück Venedig

Heute wechseln wir unser Hotel, es geht rund 150 Kilometer in die Landesmitte nach Zaros. Es ist ein regnerischer Tag, nachdem in letzter Zeit das Wetter gut war. Auf dem Weg liegt Rethymno, das auf jeden Fall einen längeren Besuch wert ist.

Kretas drittgrößte Stadt ist geprägt von seinem venezianischen und osmanischen Erbe. Die Gassen der Altstadt erinnern an das verschlungene Wegenetz Venedigs. Kein Wunder, beherrschten die Venezianer die Insel doch von 1204 an rund 460 Jahre, bevor die Osmanen die Insel eroberten. Viel von der Bausubstanz ist erhalten. Große Steinbögen im Erdgeschoss vieler Häuser zeugen davon wie auch imposante Eingangsportale der alten Palazzi. Die meisten der Gebäude stammen noch aus dem 16. Jahrhundert, Rethymno gilt als eine der am besten erhaltenen venezianischen Altstädte Kretas

Geprägt wird das Stadtbild von den Überresten der venezianischen Befestigungsanlage auf einer Anhöhe am Meer, 1590 vollendet. Heute heißt die Anlage schlicht Fortezza, der italienische Name für Festung. Sie war Sitz der Verwaltung, der Militärbehörden, der römischen Bischöfe und diente als Zufluchtsort für die Bevölkerung der Stadt. Nach der Eroberung Rethymnos durch die Osmanen wurde die unversehrt übergebene Festung weiter ausgebaut. Nun wohnten hier vor allem Türken und von zum Islam konvertierte Kreter.

Die Burg ist mit ihren Abmessungen von 350 Meter Länge und 230 Meter Breite bei weitem die größte Festung auf Kreta. Die Mauer rund um die Fortezza ist etwa  1,3 Kilometer lang. Schon früher stand an dieser Stelle eine Burg.

Einen Besuch ist auch der venezianische Hafen wert, das aber reichte uns nicht mehr, ging es doch noch weiter nach Zaros.

Im Inselinneren

Die Country Village Eleonas nahe Zaros ist unser Domizil für die nächsten sechs Tage. Ein wunderbares traditionelles Landhotel am Fuße des Psiloritis, dem mit 2456 m höchsten Berg Kretas gelegen. Zwanzig komfortable Wohneinheiten mit Terrasse oder Balkon, ein Garten mit Pool, Cafeteria und eine Taverne mit lokaler Kost lassen es einem gutgehen.

Alles weitab der Touristenströme, dennoch gut gelegen. In einer Stunde ist man in Iraklion und Knossos, in einer halben Stunde an wunderbaren Stränden im Süden. Mehrere Klöster lassen sich zu Fuß erwandern, generell eignet sich das Gebiet für schöne Wanderungen. Nahe gelegen sind auch zahlreiche archäologische Stätten, die einen Besuch lohnen.

Nahe des Hotels gelegen finden sich zudem drei Klöster, darunter das Kloster Vrondisi. Während der venezianischen Herrschaft war es ein Zentrum für Kunst und Bildung, zahlreiche Gelehrte lebten hier und es entstanden mehrere berühmte Ikonen. Unter der türkischen Herrschaft wurde viel davon viel zerstört, Gebäude wie Kostbarkeiten.

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Kloster Vrondisi
Auf den Suren der Minoer – Knossos, Phaestos und Agia Triada

Tags darauf steht eine Tour nach Knossos und ins archäologische Museum in Iraklio auf dem Programm. Insgesamt rund eine Stunde Fahrzeit auf zuerst kurvenreichen Straßen durch eine schöne bergige Landschaft. Olivenhaine dominieren die Gegend. Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinen bei den Kretern nur Empfehlungscharakter zu haben. So kommt man zügig voran.

Knossos liegt wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Iraklio. Es ist eine Touristenattraktion erster Güte, mithin die wichtigste archäologische Ausgrabungsstätte Kretas. Entdeckt wurde der minoische Palast Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. dann von Sir Arthur Evans 40 Jahre lang ausgegraben und teilweise wieder aufgebaut. Aus heutiger Sicht war das jedoch für die Archäologie eine wissenschaftliche Katastrophe. Interpretierte er vieles doch entsprechend seinen Vorstellungen, manches was nicht passte, wurde sogar abgerissen. Den heutigen Besucher aber freut das, so sieht er mehr als nur Grundmauern und einzelne Wände.

Der Palast war zwischen 2100 und 1400 vor Christi Herrschafts-, Verwaltungs- und Kulturzentrum. Aber schon früher war diese Stelle besiedelt, die ältesten Spuren der bis zu acht Meter dicken Siedlungsschichten stammen aus dem 7. Jahrtausend vor Christus. 1300 bis 1400 Räume dürfte der Palast gehabt haben, nachgewiesen sind 900. Er war bis zu vier Etagen hoch, hatte um die 10.000 Bewohner.

Einigen Räumen wies Evans eine bestimmte Funktion zu, etwa dem Thronsaal, Ankleideräumen und Schlafgemächer. Nur, es gibt kaum schriftliche Quellen aus minoischer Zeit und Evans hatte wohl den Buckingham-Palast und dessen Aufteilung im Kopf, als er einzelne Räume und deren Funktion interpretierte. Tatsache ist, dass viele Rückschlüsse aus Bodenfunden auf das Leben im Palast überwiegend spekulativ sind. Sicherer ist man sich bei den vielen Vorratsräumen des Palastes, in denen sich mannshohe Lagergefäße für Öl, Wein und Getreide fanden. Auch Werkstätten ließen sich nachweisen, etwa eine Töpferei und die Arbeitsstätte eines Steinschneiders.

Ein Muss ist auch der Besuch des archäologischen Museums in Iraklio. Zumal sich hier viele Artefakte befinden, die sich in Knossos fanden. Viele davon erzählen aus dem Leben der Menschen vor 3500 Jahren. So lässt sich das Bild im eigenen Kopf wunderbar abrunden. Zudem besitzt kein anderes Museum in der Welt mehr Funde aus minoischer Zeit.

Zu sehen sind Küchenutensilien, Spielzeug, Schmuck, Schiffsmodelle aus Ton, Siegel oder Nachbildungen minoischer Hausfassaden aus Fayenceplättchen. Manch Werkzeug hat sich in den 2500 Jahren kaum verändert. Mit zu den wertvollsten Stücken gehört der Stierkopfrython, eine Spendenvase.

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Diskos von Phaestos

Einzigartig ist der Diskos von Phaestos, eines der bedeutendsten Fundstücke aus der Bronzezeit. Er ist mit spiralförmig angeordneten Menschen-, Tier- und Pflanzenmotiven versehen, die mit einzelnen Stempeln eingedrückt wurden. Der Diskos stellt den ersten bekannten Druck mit beweglichen Lettern dar. Übersetzen ließ sich der Text bis jetzt nicht.

Gefunden wurde der Diskos 1908 im Palast von Phaestos, den wir tags darauf besuchen. Man hat ihn auf 1700 v. Christi datiert. Der Palast von Phaestos wurde um 1900 bis 1850 v. Christi auf einem Hügel errichtet und durch Erdbeben mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Hier jedenfalls wurde nichts restauriert, dadurch ist die Stätte um einiges authentischer als Knossos. Und es ist nicht wirklich viel los.

Der Palast von Phaestos wurde um 1900 bis 1850 v. Christi auf einem Hügel errichtet und durch Erdbeben mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Hier jedenfalls wurde nichts restauriert, dadurch ist die Stätte um einiges authentischer als Knossos. Und es ist nicht wirklich viel los.

Die Minoer gelten als eine der ersten Hochkulturen Europas. Sie kannten Metalle, bauten große Paläste, entwickelten ein Schriftsystem und eine komplexe Administration. Auf Fresken, Vasen, Elfenbeinschnitzereien und Schmuck findet sich eine lebensfrohe Bilderwelt, die von Naturszenen, Tieren, geschminkten Frauen, Sportlern und feiernden Menschen berichtet. Keine grimmigen Götter, Schlachten oder Herrscher dominieren. Scheint eine friedfertige Gesellschaft gewesen zu sein. Bis sie okkupiert wurden.

Die Ausgrabungen begannen um 1900, sind heute nach über 100 Jahren noch nicht beendet. Von hier aus lässt sich die fruchtbare Tiefebene von Messara überblicken. Schon in der Antike war das Tal die Kornkammer Kretas.

Zwei Kilometer entfernt findet sich mit Agia Triada eine weitere archäologische Stätte aus minoischer Zeit. Der Name stammt von einer in der Nähe stehenden Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Ein Name aus minoischer Zeit ist nicht überliefert. Auf dem Gelände selbst steht die kleine, um 1302 errichtete byzantinische Kirche Agios Georgios.

Neben den Überresten eines Palastes finden sich zahlreiche Wirtschaftsgebäude und ein Marktplatz. Einst war der Ort durch einen gepflasterten Weg mit dem Palast von Phaestos verbunden. Vermutlich lebten hier Handwerker und Kaufleute, die Handelsbeziehungen nach Nordafrika pflegten. Darauf weist auch der Hafen von Kommos hin, der sich in sechs Kilometer Entfernung findet. Die Ruinen sind jedoch nicht öffentlich zugänglich, es finden immer noch Ausgrabungen statt.

Zugänglich ist dagegen der direkt daneben liegende Strand. Feste Gebäude fehlen, ist das ganze Gebiet doch als archäologische Stätte geschützt. Vorhanden sind Sonnenliegen- und Schirme, WC, Duschen und eine kleine Taverne. Von Mai bis September nistet hier auch eine geschützte Art von Meeresschildkröten.

Matala – Touristenhochburg und ehemalige Hippistätte

Matala, der Ort liegt direkt an der Südküste und ist vielen ein Begriff aus der Ära der Hippies. Nutzten sie in den 60er-Jahren doch die Höhlen von Matala als Wohnungen. Zeitweise lebten hier sogar Bob Dylan und Cat Stevens. Je nach Quelle entstanden die Höhlen in der Jungsteinzeit, wurden dann in der Zeit der römischen Besetzung Kretas als Grabstätten genutzt oder aber als frühchristliche Gräber. Es ist nicht ganz einfach, an die heute unter Schutz stehenden Höhlen zu gelangen. Eine kleine Kletterpartie ist von Nöten, um den Blick von oben auf den Ort und den Strand zu genießen.

Mittlerweile ist Matala ein beliebtes touristisches Ziel, hat dennoch den Charme und Charakter eines Fischerdorfes bewahrt. Jedenfalls um diese Jahreszeit. In der Hochsaison jedoch ist die Bucht mit Pauschal-Urlaubern und Tagesausflüglern in Bussen und Mietwagen verstopft. Diese Zeit sollte man meiden.

Ruhe im Kloster Ogiditrias

Noch etwas weiter im Süden gelegen hat man dann wieder seine Ruhe. Hier liegt das Kloster Ogiditrias aus dem 15. Jahrhundert. Es ähnelt eher einer Festung. Der Grund dafür waren häufigere Piratenüberfälle in früheren Zeiten.

Dominiert wird das Kloster neben dem eigentlichen Kirchenbau durch den Xopateras-Turm, benannt nach einem hiesigen Priester. Einst im 18. Jahrhundert vom Bischof seines Amtes enthoben, spielte er im Kampf gegen die Türken eine wichtige Rolle in der Geschichte Kretas. Im Februar 1829 sanden die Türken 800 Soldaten und Reiter aus, nach anderen Angaben waren es sogar 3000, um ihm habhaft zu werden. Drei Tage und drei Nächte verteidigte er zusammen mit seiner Frau, seiner Schwester, zwei weiteren Frauen und fünf Mönchen den Turm, bis er als letzter fiel.

Die ältesten Gesetzestexte Europas

Eine archäologische Stätte erster Güte ist das alte Gortys. Heute finden sich hier fast ausschließlich römische Ruinen, auch wenn die Gegend schon im Neolithikum besiedelt war und in minoischer Zeit eine größere Rolle gespielt haben dürfte. Einst, um 189 v. Christi, fand Hannibal hier Asyl.

Zu römischen Zeiten hatte die Stadt über 40.000 Einwohner. Berühmt ist Gortys durch eine in Stein gemeißelte Inschrift, die aus dem fünften Jahrhundert vor Christi stammen dürfte. Die noch existierenden 42 Steinblöcke wurden von den Römern als Wandschmuck verwendet und beinhalten das Stadtrecht von Gortys. Damit handelt es sich um den ältesten europäischen Gesetzestext. Er befasst sich unter anderem  mit Straf- und Prozessrecht, mit dem Kauf und der Verpfändung von Grundeigentum, mit Eigentum an Sklaven und mit Familien- und Erbrecht.

Ein Auszug: „Wenn Mann und Frau sich scheiden, soll sie das Ihrige haben, was sie mitbrachte zu dem Manne, und von dem Ertrage die Hälfte, wenn solcher aus ihrem eigenen Vermögen vorhanden ist, und von dem, was sie erarbeitete, die Hälfte, was es auch ist“.

Von Gortys ist nur eine kleine Fläche ausgegraben und für Besucher erschlossen. Die Stadt erstreckt sich auf einer großen Fläche, meist zwischen Olivenhainen liegend. Selbst ein längerer Spaziergang erschließt einem die Dimensionen nicht. Die Ausgrabungen dauern seit 1884 an, eine Aufgabe von Generationen, die wohl niemals beendet sein wird.

Lassithi-Hochebene

Etwa zwei Fahrtstunden vom Hotel entfernt liegt die Lassithi-Hochebene auf 800 Meter Höhe im Dikti-Gebirge. Der erste Halt bietet sich noch vor dem Pass zur Hochebene beim Kloster Kera Kardiotissa an. Das von Festungsmauern umgebene Nonnenkloster spielte im Kampf gegen die Türken eine wichtige Rolle. So diente es als geheimer Treffpunkt und Schule für die griechische Bevölkerung.

Griechenland 2017 Kreta - 0529Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert, das Kloster dürfte deutlich älter sein. Auch heute noch ist es Anziehungspunkt vieler Gläubiger. Der Grund ist eine wundertätige Ikone, die von den Türken nach Konstantinopel verbracht wurde und von allein wieder zurückkehrte. Und das mehrmals. Zudem soll das Bild der Gottesmutter von Lazarus gemalt worden sein, eben jenem, den Jesus von den Toten erweckte.

Der Weg zur Hochebene führt über den 900 Meter hohe Pass von Ambelos. Im Sommer bläst hier ein starker Wind aus Norden, deswegen baute man zu venezianischen Zeiten 24 Windmühlen zum Mahlen von Getreide. Sie blieben bis zum zweiten Weltkrieg Jahrhunderte lang in Betrieb. Zwei davon hat man wieder restauriert. Einst fanden sich im oberen Stockwerk Wohnräume.

Von hier aus hat man einen schönen Überblick auf die etwa 9 mal 6 Kilometer umfassende Lassithi-Hochebene. Die Hochebene ist sehr fruchtbar, Grundwasser findet sich dicht unter der Oberfläche. Bis in die 1970er-Jahre pumpte man es mit zahlreichen, mit Segeltuch bespannten Windrädern auf die Felder. Heute ersetzen sie Motorpumpen.

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Am besten bietet sich eine Umrundung des Tals mit dem Auto an, mit einzelnen Stopps an Klöstern, Tavernen und in kleineren Ortschaften. Um die 20 finden sich auf dem Rundweg, für den man gut einen halben Tag einplanen sollte.

Schon vor 5000 Jahren sollen auf der Hochebene Menschen gesiedelt haben, auch Reste der Minoer fand man. Später diente die Hochebene als Zufluchtsort für kretische Aufständische gegen die Venezianer oder auf der Flucht vor den türkischen Besatzern. Die Türken benötigten letztendlich 40.000 Mann um die Hochebene zu erobern.

Dikteon Andron – Im Sommer finden sich hier am Parkplatz hunderte Besucher täglich ein, jetzt ist es nur eine Handvoll. Ihr Ziel – eben jene Höhle Dikteon Andron – ist der griechischen Mythologie zufolge der Geburtsort des höchsten aller Götter, von Zeus. Zuerst geht es erst einmal hundert Höhenmeter hinauf bis man an den Eingang gelangt. Wir entscheiden uns für den alten, schattigen, aber steileren Weg. Alternativ kann man auch einen neu angelegten, flacheren begehen oder sich von einem Esel hinaufbefördern lassen.

Ein Heiligtum war die Höhle schon vor mehreren tausend Jahren. Ist sie doch die Wiege der Religion der alten Griechen. So fand man hier zahlreiche Votivgaben, Tongefäße, Doppeläxte und Opfertische. Bei den ersten Ausgrabungen um 1897 bis 1899 verwendete man Sprengpulver, um herabgefallenes Deckgestein zu zertrümmern. Viele der damaligen Funde sind in Oxford und London oder im Louvre ausgestellt, die Kreter gingen nahezu leer aus.

Auf Kreta findet sich eine weitere Höhle im Ida-Gebirge, die als Geburtshöhle des Zeus herhalten darf.  Auch in ihr fanden sich Bronzeobjekte und Votivgaben. Gut, in der einen könnte er ja geboren sein, in der anderen aufgewachsen und vor Kronos versteckt gehalten, der üblicherweise seinen Nachwuchs bei lebendigem Leibe verschlang. Sollte doch keines seiner unsterblichen Kinder ihm den Platz als Göttervater streitig machen. Was bekanntermaßen misslang.

Bildergalerie Lassithi-Hochebene und Zeus-Höhle

Den letzten Tag fahren wir noch einmal in den Süden an die Küste. Agia Galini ist das Ziel. Das malerische und typische Hafenstädtchen liegt steil an einem Bergrücken, der zum Meer hin ausläuft. Auch hier ist gegen Ende der Saison Ruhe eingekehrt, erste Tavernen haben schon geschlossen.

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Bildergalerie Agia Galini

Kreta ist eines der beliebtesten Reiseziele des Mittelmeeres. Das hat die Insel ihrer Geschichte und den Sehenswürdigkeiten zu verdanken, ihren durch venezianischem und osmanischem Einfluss malerischen Städten und Dörfern, der Landschaft und den offenen, von jeher Fremden freundlich gesonnenen Menschen. Und den Stränden, die mancherorten karibisches Flair verbreiten. Besonders gilt das für die Nachsaison, wenn viele Besucher die Insel wieder verlassen haben.

Quellen: eigene Recherche und Erlebnisse, Wikipedia,

Trip auf die Azoren: der Film ist fertig

Film als DVD und BluRay erhältlich

Der Film zu unserer Tour auf die Azoren, konkret auf die drei Inseln Sao Miguel, Faial und Pico ist fertig (hier geht es zu einem ausführlichen Reisebericht mit zahlreichen Bildern). Er dauert 70 Minuten und ist als BluRay oder DVD erhältlich.

Neun größere und mehrere kleinere Inseln bilden die Azoren mitten im Atlantik gelegen. Öfters mal als Geheimtipp tituliert, begeistern vor allem vulkanische Landschaften, der Atlantik, die Menschen und deren jahrhundertalte Traditionen – so ist etwa der Weinbau auf Pico Weltkulturerbe und es finden sich hier die letzten Teeplantagen Europas.

Azoren 2017 – die Inseln São Miguel, Faial und Pico

Von Wind, Vulkanen und grünen Landschaften

Neun größere und mehrere kleinere Inseln bilden die Azoren mitten im Atlantik gelegen. Öfters mal als Geheimtipp tituliert, begeistern vor allem vulkanische Landschaften, jahrhundertealte Traditionen und die Menschen den Besucher. Inzwischen fliegt sogar Ryan-Air von Lissabon aus nach Ponta Delgada, geplant sind auch mehrere neue Hotelkomplexe. Zum Ziel von Massentourismus wird das Archipel wohl aber nicht. Das verhindert das wechselhafte Wetter, das innerhalb kurzer Zeit umschlagen kann. An einer Ecke der Inseln scheint jedoch fast immer die Sonne und die Berge im Nebel haben auch ihren Reiz.

Blick von oben: Ribeiras auf der Insel Pico

Ohne eigenes Fahrzeug ist man– als individuell Reisender – ziemlich aufgeschmissen, mit macht es aber viel Spaß die Inseln zu erkunden. Auch Inselhopping ist kein Problem, am Vormittag ins Flugzeug oder auf die Fähre gestiegen ist man mittags schon wieder mit einem neuen Mietwagen im nächsten Hotel. Allzu viel sollte man sich jedoch nicht vornehmen, wir besuchten über einen Zeitraum von 17 Tagen drei Inseln: São Miguel, Faial und Pico. Anschließend bot sich noch ein mehrtägiger Zwischenstopp in Lissabon an, ein Kontrastprogramm. Den im Mai waren die Inseln noch ziemlich leer, zumal sie auch nicht besonders dicht besiedelt sind. Was man von Lissabon nicht sagen kann. Aber auch das hat seinen Reiz.

Hier geht es zu einem Trailer vom Film.

São Miguel

Azoren

Ausgangspunkt für unsere Fahrten und Wanderungen auf São Miguel war der Ort Maia, etwa 30 km nordöstlich der Inselhauptstadt Ponta Delgada gelegen. Unser Quartier war das Solar de Lalém, es soll es sich um eine der schönsten Unterkünfte auf Saó Miguel handeln. Die Geschichte des Hauses beginnt bereits um das Jahr 1500 als der König von Portugal die Insel in fünf Regionen aufteilte. Adelige, die Donatarkapitäne verwalteten die Regionen und lebten in entsprechenden Herrenhäusern. Solar de Lalém ist das einzige noch erhaltene. Seine heutige Form erhielt das Anwesen 1850 nach mehreren Umbauten. Die heutigen Besitzer, ein deutsches Ehepaar, erwarben das Haus 1995, renovierten es und bauten es zu einem kleinen Hotel mit zehn Zimmern um.

Unser Domizil auf Sao Miguel: das Solar de Lalém

Maia selber wurde entsprechend auch schon um 1500 herum besiedelt, heute leben um die 2000 Einwohner hier. Wahrzeihen ist das Gotteshaus Divino Espírito Santo, 1825 fertig gestellt. Es beherbergt im Tabernakel eine der ältesten Monstranzen der Insel, eine Silberschmiedearbeit von 1618.

Bei regnerischen und wechselhaften Wetter machten wir uns auf in den Nordosten der Insel. Es ging mit dem Auto die Küste entlang. Gleich bei Maia gelegen findet sich eine der letzten in Europa gelegenen Teeplantagen. Als einzige Teefabrik überstand die Plantacóes de Chá Gorreana krisengeschüttelte Zeiten, fanden sich an der Nordküste doch einst 62 Plantagen. Der Besuch zeigt einem die alten, noch in Betrieb befindlichen mit Transmissionen angetrieben Anlagen aus englischer Produktion. Tee lässt sich natürlich auch probieren und alles ist kostenlos. Ein kleiner Laden bietet Tee zum Verkauf an, von den man dann gerne etwas mitnimmt. Produziert wird hier seit 1883, heute sind es 40 bis 50 t pro Jahr. Erntezeit ist von April bis September, alle 14 Tage ernten etwa 30 Arbeiter die Endknospe und die ersten zwei Blätter.

Teeplantagen auf Sao Miguel

Weiter ging es die Küstenstraße entlang Richtung Nordeste. Was auffällt sind die zahlreichen Rastplätze, schön angelegt und gepflegt, meist mit Grillmöglichkeit und das alle paar Kilometer. Manche erinnern eher an gar nicht so kleine botanische Gärten, sind Picknickplatz und Aussichtspunkt mit häufig wunderbaren Aussichten über die Steilküste. Sanitäre, meist saubere Anlagen sind ebenfalls häufig vorhanden. Sicherlich einer der schönsten liegt bei Salga, der Miradouro do Salto da Farinha hoch über der Küste. Im Schatten kleiner Hütten lässt sich grillen, der Blick schweift von einem Wasserfall auf der einen zum Meer auf der anderen Seite.

Wenige Kilometer weiter kommt man in einer eher tropischen Umgebung zum Ribeira dos Caldeiróes. Hier finden sich ein Wasserfall, Wassermühlen, blühende Beete, ein Kaffee und ein Souvenirshop. Und mehr oder weniger lange Wandermöglichkeiten.

Es ging an weiteren Aussichtspunkten vorbei, die immer wieder einen Stopp lohnten, auch bei regnerischem Wetter. Besonders erwähnenswert ist der Miradouro da Ponta do Sossego, etwa eineinhalb Kilometer südlich von Nordeste gelegen. Hier könnte man mehrere Stunden verbringen, etwa Grillen, Pflanzen studieren, fotografieren, den Ausblick genießen. Ein paar Kilometer weiter auf der anderen Seite des tiefen Taleinschnittes liegt das Pendant, der Miradouro da Ponta da Madrugada. Hier endet dann die Strecke mit den schönsten Picknickplätzen.

Ribeiera Grande, die größte Stadt im Norden der Insel, westlich von Maia gelegen, war eines der nächsten Ziele. Der Fluss, der das Stadtgebiet in zwei Teile trennt, ist Namensgeber des Ortes. Er entspringt hoch in den Bergen. Wie in allen Orten der Azoren bilden Kirchen den Mittelpunkt. Hier sind es gleich zwei, deren Besuch sich lohnt. Aus dem 16. Jahrhundert stammt die aus dunklem Basalt bestehende Kirche Igreja Matriz de Nossa Senhora da Estrela. Am zentralen Platz findet sich zudem die Kirche Igreja do Espirito Santo da Misericordia aus dem 17. Jahrhundert. Sie beeindruckt vor allem durch ihre Barockfassade. Das Zentrum der Stadt bildet der Park Jardim Publico, der einen Spaziergang lohnt. Und drum herum finden sich genügend Kaffees für eine gemütliche Pause.

Hauptstadt der Azoren und größte Stadt mit rund 18.000 Einwohnern in vier Gemeinden ist Ponta Delgada, zugleich Einfallstor für Besucher aus Europa und Amerika. Ihren Namen verdankt die Stadt einer kleinen Landspitze (Ponta Delgada = dünne Spitze). Geprägt ist sie von mehreren Kirchen und zahlreichen historischen Gebäuden und natürlich dem Hafen. Großstadt ist aber was anderes. Ponta Delgada ist überschaubar, kann zu Fuß erkundet werden und ist nicht allzu laut. Aber bis auf einige Plätze auch nicht besonders schön, wenigstens der Hafen.

Ein Bummel in der 1499 gegründeten Stadt lohnt dennoch, auch wenn die Bürgersteige in den engen Gassen in der Altstadt schmal sind und meist vollgeparkt. Parkplätze sind rar, im Mai finden sich aber genügend nahe der Uferpromenade. Einen halben Tag sollte man einplanen, will man das Wichtigste sehen. Das wären natürlich der Hafen mit den Jachten, diverse alte Kirchen, das barocke Rathaus, schöne Plätze und Parkanlagen, das Stadttor Portas da Cidade oder auch die alte Walfabrik etwas außerhalb gelegen. Das Museum war bei unseren Besuch jedoch geschlossen wegen Umbaus.

Die Kirche Igreja da Sao de Nossa Senhora de Conceicao aus dem 16. Jahrhundert ist eine der größten Kirchenbauten auf den Azoren. Finanziert haben den Bau einst die reichsten Familien von Ponta Delgada. Heute zeigt der Innenraum die dekorative Kunst des 18. Jahrhunderts.

Reichlich geschmückt ist auch die Klosterkirche Igreja da Nossa Senhora da Esperanca. 1541 fertig gestellt, beherbergt sie u. a. Fliesenbilder des 18. Jahrhunderts und einen wertvollen Kirchenschatz, darunter den Altar aus dem 16. Jahrhundert.

Mitten im Zentrum gelegen ist die Hauptkirche Ponta Delgadas, Igreja Matriz de Sao Sebastiao. Ursprünglich als kleine Wallfahrtskapelle zwischen 1531 und 1547 als Dank für die Hilfe gegen die Pest erbaut kamen im 18. Jahrhundert zu dem spätgotischen Stil erbauten Gebäude barocke Elemente hinzu.

Wer von Kirchen genug hat, wir wären noch bei Weitem nicht am Ende, sollte einen Bummel die Uferpromenade lang machen. So findet sich am Westende des Hafens findet sich das Forte de Sao Braz von 1522, heute Sitz der portugiesischen Marine.

Weiter ging es am früheren Nachmittag nach Caloura an der Küste unterhalb von Agua de Pau gelegen. Den Ort zeichnet ein mildes Klima aus, hier finden sich viele Sommerresidenzen vermögender Portugiesen. Unser Ziel war ein kleiner, schön gelegener Fischereihafen mit einem Meerwasserschwimmbecken. Heute ist der Atlantik trotz des schönen Wetters zu unruhig für ein Bad. Muss man auch nicht. Viel besser ist ein Fischrestaurant mit guter Küche und wunderbarem Blick von der Terrasse auf den Atlantik.

Den kommenden Tag ging es Richtung Westen. Die Caldera das Sete Cidades stand als erstes auf dem Programm. Der Blick auf die beiden Seen Lagoa Azul und Lagoa Verde inmitten der Caldera ist traumhaft. Die schönste Sicht hat man vom Aussichtspunkt Vista do Rei. Der Kraterrand fällt über 500 m ab, der Krater selbst ist etwa 850 m hoch und gerade mal ein rundes halbes Jahrtausend alt. Eine Explosion sprengte 1444 die Spitze eines über 1200 m hohen Berges weg und schuf den größten Krater der Azoren. Man kann die Caldera komplett zu Fuß umrunden (etwa 13 km, rund 5 h) oder einen Teil auf einer Piste auch mit dem Auto zurücklegen und weitere schöne Ausblicke genießen.

Blick in die Caldera das Sete Cidades

Bevor es aber losging stand noch eine alte Hotelruine auf dem Kraterrand zur Besichtigung an. Nichts ist abgesperrt, man ist selber für sein Handeln verantwortlich. Gäbe es in Deutschland nicht. Das 1983 erbaute Fünf-Sterne Hotels Monte Palace stand nach seiner Fertigstellung erst mal mehrere Jahre leer. Waren die Bauträger doch Pleite gegangen. Eröffnet hatte man es dann Anfang 1989, ein Jahr später waren die Betreiber wieder pleite und so moderte das Hotel vor sich hin. Wasser tropft von der Decke, Moos breitet sich aus und der Blick vom Dach in die Caldera ist gigantisch.

Es heißt aber auch Aufpassen, so steht des Öfteren im Halbdunkel an Wänden etwa groß ein „No Go“. Dahinter befindet sich der offene Aufzugschacht… So ist die Ruine heute quasi auch eine Attraktion, kaum ein Besucher, der sie nicht durchstöbert.

Es folgte die Fahrt über den Kraterrand und dann hinunter in die Caldera zum kleinen Ort  Sete Cidades. Sehenswert sind ein kleiner Park bei der Pfarrkirche Igreja de Sao Nicolau, die Kirche selbst und natürlich gibt es diverse Wandermöglichkeiten im Umfeld der Seen. Baden ist nicht unbedingt angesagt, sind die Gewässer doch überdüngt.

Kirche in Sete Cidades

Wir entschieden uns ein Stück weiter westlich zu einer etwa sechs Kilometer langen Wanderung durch das Gebiet der Serra Devassa. Die Rundwanderung führt durch eine versteckte Seenlandschaft mit wunderbaren Ausblicken und dauert etwa zwei Stunden. Die Wanderwege sind gut beschildert, der Streckenverlauf gut zu erkennen.  Allerdings soll auf  diesem Weg in einer Höhe von 750 bis 900 Metern häufiger Nebel auftreten, wir blieben davon verschont.

Auf dem Rückweg zum Hotel fuhren wir noch ganz in den Westen der Insel nach Mosteiros. Der Ort markiert die Westspitze der Insel, direkt am Meer gelegen. Auch heute noch versprüht Mosteiros den Charme eines alten Fischerdorfes. Badegäste sollen sich am dunklen Sandstrand wohlfühlen, das Meerwasser wird durch heiße Quellen erwärmt. Erholungssuchende dürften die Naturschwimmbecken und den dunklen Sandstrand mit heißen Quellen schätzen, denen auch eine gewisse gesundheitliche Wirkung nachgesagt wird.

Unseren sechsten Tag widmeten wir Furnas und seinen geothermischen Aktivitäten. Der Kurort liegt inmitten einer Caldera, die Kraterwände halten den Wind ab und sorgen für ein eigenes Mikroklima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Zahlreiche Thermalquellen und vulkanische Aktivitäten prägen die Gegend. Direkt am Kratersee finden sich Fumarole, kochender Schlamm, heiße Quellen. Das Wasser ist durch den hohen Eisengehalt oft rostbraun, so auch im 38 °C warmen Badesee im Parque Terra Nostra, der Besuch (und ein Bad) ist ein Muss.

Badesee im Parque Terra Nostra

Umkleidemöglichkeiten sind vorhanden, Duschen auch. Beim Bad sollte man aber nur dunkle Badesachen verwenden, färbt das Wasser doch jeden hellen Flecken braun. Im Park selber finden sich zahlreiche exotische Pflanzen, eine Wanderung lohnt. Einplanen sollte man mindestens eine Stunde.

Um die Mittagszeit kann man im Thermalgebiet am Lagoa das Furnas beobachten, wie Töpfe mit Cozido, eine Art Eintopf und Spezialität des Ortes „geborgen“ werden. Der Eintopf besteht aus verschiedenen Fleischarten, Salami, Blutwurst sowie Gemüse und gart etwa sechs Stunden in vorbereiteten Erdlöchern, abgedeckt mit Erde. Der Dampf mit seinen Mineralstoffen sorgt für einen besonderen Geschmack. Jedenfalls ist er stark sättigend und eher ein Wintergericht.

Wieder an der Küste schauen wir uns den Ort Povoacao an. Hier gingen 1427 die ersten Siedler der Azoren an Land. Der Überlieferung nach band man eine Ziege an einen Pflock. Als sie Tage später noch lebte fühlte man sich vor wilden Tieren auf der unbekannten Insel sicher und ging an Land.

Die Stadt selber wurde immer wieder von Naturgewalten gebeutelt, seien es Erdbeben mit Erdrutschen oder Sturmfluten. Sie machten den Ort mehrmals dem Erdboden gleich. So wurde die ganze Uferpromenade nach einem schweren Sturm 1997 erst wieder aufgebaut. Alte Gebäude finden sich direkt in Küstennähe nicht mehr. Zudem hat man schwere Wellenbrecher aufgeschüttet.

Ein Stück östlich kommt man über eine kleine Straße nach Faial de Terra, gelegen in einem Taleinschnitt direkt am Meer. Ausgangspunkt für eine schöne und empfehlenswerte Wanderung. Sie führt den Taleinschnitt hinauf, ist wie immer gut markiert, nach rund zwei Stunden erreicht man den wunderschönen, kleinen Wasserfall Salto do Prego. Auf dem Rückweg bietet sich ein Umweg über den Weiler Sanguinho an. In diesem alten, im Wiederaufbau befindlichen Dorf finden sich typische Häuser und kleine landwirtschaftliche Betriebe neben zahlreichen verfallenen Ruinen. Eine wunderschöne und schattige Wanderung zum Ende der sieben Tage auf São Miguel.

 

Insgesamt legten wir 616 km mit dem Mietwagen zurück, die Tagesetappen zur Erkundung der Insel halten sich also in Grenzen. Mit dem Flugzeug ging es nun auf die Insel Faial, dafür muss man nur einen Vormittag opfern, bis man wieder am nächsten Hotel inklusive Mietwagen ist.

Faial

Mit rund 170 Quadratkilometern Fläche und 15.000 Einwohnern ist Faial deutlich kleiner als Sao Miguel. Deswegen hatten wir nur vier Tage für die Insel eingeplant. Unser Hotel das Quinta das Buganvilias ist nahe des Flughafens gelegen, was aber nicht stört, da kaum Flugzeuge landen oder starten. Es schließt an einen wunderschönen, wild romantischen Garten an, der zum Hotel gehört. Er reicht fast bis zum Flugfeld. Die Start- und Landebahn kann man sogar in einem großen Entwässerungstunnel unterqueren, ist dann direkt am Meer.

Nur zehn Minuten mit dem Auto sind es bis zur Hauptstadt Horta. Bekannt ist die Stadt mit ihren 6500 Einwohnern wohl vor allem Seglern, für die ist ein Besuch Hortas quasi ein Muss und Zwischenstation auf der Atlantiküberquerung. Hier sollen jährlich um die 1200 bis 1500 Segler einlaufen. Und die hinterlassen im Hafen ihre Signaturen in Form von zahlreichen Bildern auf den Kaimauern, Böden und überall, wo noch Platz ist. Für Neuankömmlinge ist allerdings kaum mehr Platz vorhanden. Die Segler verewigen sich mit persönlichen Motiven, Walen, Segelschiffen, Rudern, Wellen und Namen auf dem grauen Beton, teils sind die Malereien neu, teils sehr alt und verwittert. Es heißt, wenn man als Segler hier ankommt und nichts auf die Mole malt, hätte man bei der Weiterfahrt kein Glück mit dem Wetter. In der Marina selbst liegen Millionenyachten neben altersschwachen Gefährten, Schulsegler der Marine neben Nussschalen. Hier könnte man Stunden verbringen.

Nahezu jeder Segler und zahlreiche Besucher dürfte es dann – oder zuerst – zum Peters Café Sport ziehen, eine Institution und Kult in Horta. Halb Wirtschaft, halb Café und nebenan ein Souvenirladen. Ein Kneipenmythos, für viele Segler eine der besten Kneipen weltweit. Leider auch sehr voll als wir ankommen. Macht nichts, später nochmal hin.

Die Geschichte des Peters geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück. Schon kurz nach der Gründung um 1918  als Laden begann der Inhaber mit dem Ausschank harter Getränke. Sehr schnell gehörten Seeleute, Walfänger und Matrosen zum Stammpublikum. Sie verbrachten öfters mal einen Winter in Horta, fanden Gleichgesinnte und eben harte Drinks. Seit den 60er-Jahren kommen Freizeitsegler hinzu, und das hält bis heute an.

Im ersten Stock findet sich ein kleines, sehenswertes Scrimshaw-Museum. Scrimshaws sind  auf Pottwalzähnen angebrachte feine Gravuren, die die Lebens- und Leidensgeschichte der Fischer erzählen.

Horta ist zugleich kulturelles Zentrum der Azoren und Sitz des Parlaments. Viele der Häuser stammen noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert, zeichnen sich durch kleine Balkone und Erker aus. Verkehrstechnisch dominieren enge Einbahnstraßen, außerhalb Parken bietet sich an. Zudem liegt die Stadt am Hang, ein Fußmarsch bedeutet also auch ein Auf und Ab.  Für Horta sollte man sich einen ganzen Tag Zeit nehmen, zumal abends gute Restaurants zum Bleiben einladen.

Am kommenden Tag machten wir uns auf, einmal die Insel zu umrunden. Gerade mal 80 Kilometer beträgt die Küstenlänge, reine Fahrzeit einmal herum etwa zwei Stunden. Dennoch sollte man sich einen Tag dafür Zeit nehmen. Zumal sich im Westen der Insel eine Reihe kleinerer Vulkankegel finden, die auf Ausbrüche von 1957/58 zurückgehen. Gewaltige wochenlange Eruptionen vergrößerten die Insel um rund 2,5 Quadratkilometer. Die Aschesäulen standen bis zu vier Kilometer hoch, der Vulkan war ein Jahr lang aktiv. Viele Familien verloren Hab und Gut, einige ihr Leben. In der Folge emigrierten nicht wenige in die USA.

Neues Land, entstanden beim letzten Ausbruch 1957/58

Ein unterirdisches Museum informiert über den Vulkanismus im Allgemeinen, über die Entstehung der Azoren und natürlich den damaligen Ausbruch. Auch der alte Leuchtturm lässt sich noch besteigen, zudem bieten sich diverse Wanderwege an.

Bei den Ortschaften, die an der Inselrundstraße EN1 liegen, handelt es sich meist um einfache Straßendörfer. Immer wieder sieht man besonders im Osten Ruinen und Risse in den Häuserfassaden, eingestürzte Kirchen, einen zerstörten Leuchtturm. Folgen eines schweren Erdbebens, das im Jahr 1998 einige Dörfer fast komplett zerstörte. Um die 1000 Häuser stürzten damals ein, etwa 3000 weitere wurden mehr oder weniger schwer beschädigt. Das Erbeben hatte eine Stärke von 6,2 auf der Richter-Skala. Auf Faial wird einem schnell deutlich, welche große Rolle die Naturgewalten auf den Azoren spielen. Auch heute noch sind mehr oder weniger starke Erdstöße an der Tagesordnung.

Gleichzeitig sind es aber die Naturgewalten, die die eindrucksvollsten Landschaften Faials bildeten. Dazu gehört die riesige Caldera im Inselzentrum mit einer Tiefe von 400 m und etwa zwei Kilometern Durchmesser.  Die Caldera aber verborg sich uns die ganzen vier Tage über in dichtem Nebel, so dass eine Wanderung um die Caldera herum wenig Sinn machte. Zumal noch ein stürmischer Wind blies und die hohe Luftfeuchtigkeit einen nach wenigen Minuten wie im Regen vorkommen ließ.

Blick in die Caldera von Faial

Die Caldera entstand vor rund 1000 Jahren durch eine gewaltige Explosion. Zwei Drittel der Insel wurden damals von Gesteinsniederschlag bedeckt.

30 Minuten mit dem Boot sind es dann bis zu unseren dritten Insel, Pico. Mit Abgabe des Mietwagens, Abholung des Neuen und Fahrt zum Hotel geht ebenfalls nicht mehr als ein Vormittag dafür drauf. Zu beachten ist übrigens auf allen Inseln, dass die Mietwagen häufig nur schwach motorisiert sind. Bei üblichen Steigungen an der Küste abseits der Ringstraße von 18 Prozent geht es gerade noch so, bei manchen mit 25 Prozent sollte man jedoch gut überlegen, ob man das Wagnis auf sich nimmt. Auf Faial sind wir übrigens rund 230 km mit dem Auto kreuz und quer über die Insel gefahren.

Pico

Unser Hotel auf Pico, das Aldeia da Fonte, liegt an einer anderen Ecke der Insel nahe Lajes. Deswegen fuhren wir vom Fährhafen erst einmal durch das Inselinnere, aber auch hier halten sich die Distanzen in Grenzen. Auf Pico leben rund 15.000 Menschen, vor allem an der Küste. Das Inselinnere ist nahezu menschenleer, bewachsen von Heidekrautgewächsen und belebt von zahlreichen Kühen. Heidekraut ist die charakteristische Pflanze der Insel, mal baumhoch, mal ein Busch, mal gerade den Boden bedeckend. Und häufig vom Wind bizarr geformt, der hier gern recht kräftig weht. Zudem finden sich Kraterseen und grüne Vulkankegel zuhauf.

Das Aldeia da Fonte besteht aus mehreren schönen Steinhäusern an der Steilküste gelegen in einem wunderbaren Garten. Eine Empfehlung, hier lässt man sich´s gut gehen. Man kann direkt vom Hotel aus loswandern, durch den Garten streifen oder gut Essen. Auch ein Meerwasserbecken gehört dazu, wenn das Wetter mitmacht.

Pico ist nach dem zentralen Berg Ponta de Pico benannt, mit 2351 m der höchste der Azoren und auch Portugals. Man sollte aber nicht nur des Berges und seiner Besteigung wegen hierher kommen, sonst ist die Enttäuschung leicht vorprogrammiert. Er verschwindet meist in dichten Wolken, und das über Tage hinweg. So wie bei uns.

Mal nicht in Wolken verhüllt, der Pico, Portugals höchster Berg

Aber zu sehen und tun gibt es auf Pico dennoch vieles. Bei unsere Tour am zweiten Tag von Lajes nach Madalena, der Inselhauptstadt – übrigens bei kräftigem Regen – widmeten wir uns dem Weinbau. Er ist seit 2004 als Weltkulturerbe der Unesco eingestuft. Angebaut wird der Wein auf Flächen aus Basaltlava, Spalten im Gestein ermöglichen den langen Wurzeln der Rebstöcke die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Andere Pflanzenkulturen haben es hier schwerer. Zudem wärmt sich das dunkle Gestein in der Sonne auf, Feuchtigkeit gibt es ebenfalls genug und auch Mineralien im Boden. Das sorgt für Trauben mit einem hohen Zuckergehalt. Vor den salzhaltigen, vom Meer kommenden Winden schützen rechteckige oder runde Schutzwälle aus dem dunklen Lavagestein. Typisch sind auch die kleinen, ebenfalls aus dem Lavagestein aufgebauten Winzerhäuser, die mit zum Weltkulturerbe gehören.

Insbesondere Weine aus der Verdelho-Traube, einer portugiesischen Weißweintraube, macht den Wein aus Pico international bekannt. Aber auch hier setze die Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts den meisten Weinstöcken ein jähes Ende. Die danach gepflanzten resistenten Amerikanerreben ergaben aber nur minderwertige Weine. Erst seit den 1980er-Jahren baut man wieder hochwertige Weine an.

Zwischenzeitlich hielten wir uns bei kräftigen Regen in der Inselhauptstadt Madalena auf. Diese ist aber nicht mit Horta oder Ponta Delgada zu vergleichen, für uns lohnt ein längerer Aufenthalt nicht. Einzig das Museu do Vinho  wäre einen Abstecher wert gewesen, es befindet sich in Teilen des Karmeliterklosters. Man kann Weingärten besichtigen, Weinproben machen und im September an der Weinlese teilnehmen.

Wir bewegten uns weiter entlang der Küste Richtung Sao Roque, zumal inzwischen die Sonne schien. Auch hier ziehen sich der Weinbau oder auch nur Überreste davon entlang der Strecke. Ursprünglich fand sich der Weinanbau auf einer Länge von 40 km die Küste entlang und etwa bis zu 3 km landeinwärts.

Wir kamen nach Lajidoo, dem vielleicht schönsten Ort auf Pico. Hier geht alles um den Weinbau, auch ein kleines Weinbaumuseum findet sich. Im Eintrittspreis von zwei Euro ist gleich noch eine kleine Weinprobe enthalten. Auch bietet sich die Gegend für wunderbare Wanderungen an, von denen wir eine längere am nächsten Tag auch machten. Viele Weinberge wurden hier inzwischen der Natur überlassen, einige werden wieder hergestellt. An einigen Stellen baut man inzwischen Feigen an.

An der Küste und später bei der Wanderung lassen sich an vielen Stellen die Rilheiras erkennen, Furchen, die die mit schweren Weinfässern und Trauben beladenen Ochsengespanne in das Lavagestein mit der Zeit der Jahrhunderte quasi hineingefräst haben. Auch an den Anlagestellen am Meer sind noch Spuren von Bahnen zu erkennen, die das Heruntergleiten der Fässer erleichterten.

Spurrillen alter Ochsenkarren

Eine nächste Tagesetappe führt uns dann etwas länger nach Sao Roque. Hier findet sich eine sehenswerte Walverarbeitungsfabrik, die heute ein Museum ist, das Museu da Indústria Baleeira. Ein weiteres findet sich in Lajes nahe unserem Hotel, das Museu dos Baleeiros. Auch das schauten wir uns an. Die Azoren und besonders Pico hat eine alte Walfangtradition. Jahrhundertelang war das Archipel Walfangzentrum besonders für amerikanische Walfänger, deren Schiffe hier anlegten und auch schon mal überwinterten. Bewohner der Azoren stellten Teile der Besatzungen, ein Weg um den Militärdienst zu umgehen oder auch um nach zwei/drei Jahren auf See nach Amerika zu kommen. Die Azoreaner selber fingen Wale nur in Küstennähe. Die Jagd auf Wale hat die Insel und die Menschen geprägt, geendet hat das alles erst 1987. An der Küste findet man etwa immer wieder Beobachtungstürme. Wurde ein Wal gesichtet gab man mit Leuchtraketen Signal, die Männer beendeten dann sofort ihre Tätigkeit und fuhren zu siebt/acht mit ihren schlanken, kleinen Booten auf die See hinaus und erlegten den Wal. Auch im Wettlauf untereinander.

Das Museu da Indústria Baleeira, eine alte Fabrik für die Walverarbeitung

Heute fährt man wieder mit kleinen Booten hinaus, jedoch zur Walbeobachtung. Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die eine derartig große Vielfalt und Dichte an Walen und Delfinen bieten, die sich aus nächster Nähe beobachten lassen. Wir jedoch verzichteten darauf, da wir bei einer früheren Reise in der Baja California einmalige Erlebnisse mit Walen hatten. Hier findet sich ein Bericht dazu.

Einen Besuch wert ist auf jeden Fall die Gruta das Torres. Sie ist mit über 5000 m Länge und einer Höhe bis zu 15 m die größte bekannte Lavahöhle auf den Azoren und eine der längsten weltweit. Sie besteht aus einem großen Haupttunnel und verschiedenen Nebentunneln und weist vielfältige geologische Strukturen auf. Hier finden sich Stalagtiten und Stalagmiten, Lavabänke, Glaslava, Fließmarkierungen an den Wänden, Blocklava und Pahoehoe-Lava. Eine ursprünglich sehr dünnflüssige, schnell fließende und sehr heiße Lava.

Die Gruta das Torres, eine Lavahöhle

Lavaröhren entstanden während früherer Vulkanausbrüche. Dabei floss der heiße Gesteinsstrom unter einer bereits erstarrten Kruste noch Kilometer weit, teilweise bis zum Meer. Die Kruste sorgte für die thermische Isolierung. Nach Ende des Ausbruches und Versiegen der Lavaquelle verblieben die leergelaufenen Röhren. Stellenweise stürzte die Höhlendecke ein, so entstanden die Zugänge.

Begehbar ist natürlich nur ein kleiner Teil, auch zum Schutz der erst 1990 entdeckten Höhle. Die beließ man bis auf den Eingang ursprünglich, gutes Schuhwerk ist angesagt. Helm und Grubenlampe bekommt man im Besucherzentrum, das für sich selber schon sehenswert ist. Nähert man sich, sieht man nur eine schwarze Mauer aus Lavabrocken. Sie erinnert an die aufgeschichteten Trockenmauern, die die Weinfelder begrenzen, nur höher. In die Höhle kommt man nur über den Weg durch das Besucherzentrum. Frühzeitig reservieren ist angesagt, maximal 15 Leute dürfen hinein und das nur fünfmal am Tag.

Generell prägt der Vulkanismus das Erscheinungsbild der Insel. So zeigen sich im Inselinneren zahlreiche kleine und größere Krater und Kraterseen, überragt vom Ponta de Pico. Der letzte Ausbruch fand 1562 statt. Pico kennt auch keine Sandstrände wie die meisten atlantischen Vulkaninseln auch. Die Küste bilden meist steile Felswände, die direkt aus dem Meer emporragen, umtost von den Gewalten des Atlantiks. Immer wieder hat man an flachen, felsigen Küstenabschnitten Naturbecken zum Baden angelegt, Felsen und Mauern halten den Atlantik in Zaum, so lässt sich gefahrlos Baden. Dennoch, Badeurlauber sollten woanders hinreisen.

 

Die Azoren bieten bizarre Landschaften, geeignet zum Wandern, die Möglichkeit Wale zu beobachten, wechselhaftes Wetter und wenig Menschen. Und guten Wein. Hoffen wir, dass das noch lange so bleibt.

P.S. Auf Pico legten wir in den sechs Tagen 512 km zurück. An Tagen mit viel Regen bieten sich eben Autowanderungen an.

Quellen: eigene Recherche und Erlebnisse, Wikipedia, azoren-online.com

Island 2016, Teil II Hochland

Summer in the North:Teil II – im Hochland

Hier geht es zum Teil I, auf der Ringstrasse

In Island unterwegs, Fortsetzung: Recht früh erreichten wir dann nach zusammen 238 km unser Ziel, die Unterkunft in Hofsstaðir. Wieder war uns das Glück holt. Wir bekamen ein kostenloses Upgrade für die Deluxe-Unterkünfte (nur zwei an der Zahl). Und zwar in einem kleinen, etwas abseits gelegenen restaurierten Hof aus dem 19. Jahrhundert. Quasi ein Museum. Wirklich schön. Auch hier wieder ein sehr schnelles Internet, mitten auf dem Land, weit und breit nichts außer ein paar Gebäuden. Also noch schnell was auf Facebook gepostet.

Hochlandpiste Kjölur und Thermalgebiet Hveravellir

IslandHeute wurde der Geländewagen erstmals gefordert. Ging es doch über das Hochland zurück in den Süden. Rund 305 km, davon 220 km mehr oder weniger gute Piste mit Geschwindigkeiten (erlaubt) um die 80 km/h. Wenn möglich. Erste Station war das Thermalgebiet um Hveravellier, das zwischen den Gletschern Langjökull and Hofsjökull liegt. Rauchende Dampfsäulen, Blubbern, Zischen, quasi Schnellkochtöpfe finden sich zuhauf. Das Wetter ist leicht bewölkt und recht kühl, um die 7 °C, zudem herrscht ein starker, eiskalter Wind vor. Dennoch ergab sich eine kurze Wanderung. Hier findet sich auch ein geothermische Pool, sowohl heißes als auch kaltes Wasser fliesen hinein, was die Temperatur des Wassers gut regulierbar macht. Es hat eine hohe Fließgeschwindigkeit und ist damit immer sauber und soll erwiesenermaßen medizinisch heilsam sein. Um die 20 Personen finden gleichzeitig bequem Platz im Pool.

Weitere 45 km entfernt dann noch ein Abstecher in das farbenprächtige Liparitgebirge Kerlingarfjöll. Sicherlich einer der Höhepunkte der bisherigen Islandreise. Nach 6 km zu Fuß (einfach, musste auch wieder zurück) und rund 500 Höhenmeter hat man einen Blick auf das farbenprächtige Gebiet, wie es ihn wohl kaum sonst wo auf diesem Planeten noch einmal gibt. Der Marsch lohnt, ich denke die Bilder sprechen für sich.

Nach weiteren rund 50 km gelangten wir wieder an den Wasserfall Gullfoss, den wir zu Anfang schon besuchten und somit ausließen. Sprich, wir waren wieder in bewohntem Gebiet. Die Hochlandpiste ist je nach Witterung meist erst an Anfang Juli zu befahren, im September ist schon wieder Schluss.

Hochlandperle Landmannalaugar

Auch heute ging es rund 170 km durch das isländische Hochland. Es es bestätigt sich, viele landschaftliche Höhepunkte liegen im Inselinneren. Schwerer erreichbar, aber allemal wert. Unser Ziel war Landmannalaugar. Schon der Weg dahin übertrifft vieles, 80 km Piste, und zwar durch schwarze, bizarre Lavafelder mit einer wunderbaren kargen Vegetation. Zahlreiche Stopps verdoppelten schnell mal die Fahrzeit. Hinzu kamen sechs Flussdurchfahrten, auch nicht alltäglich.

In Landmannalaugar gibt es einen Infostand und eine große Wanderhütte, Zeltplätze, Toiletten, Duschen und Möglichkeiten, sich umzuziehen wenn man den natürlichen Pool ausprobieren möchten. Landmannalaugar ist Basislager für viele Wanderungen, auch mehrtägige Trecks sind möglich, hinkommen kann man auch mit dem öffentlichen Bus, einem geländetauglichen natürlich.

36 Landmannalaugar 2204

Wir nahmen uns eine etwa dreistündige Wanderung auf der markierten Strecke Laugavegur vor, durch das faszinierende Obsidian-Lavafeld sowie farbenprächtige Berge bis zu den Dampfquellen am farbenfrohen Berg Brennisteinsalda. Zurück folgten wir dem Pfad über die Lava durch die grüne Schlucht Grænagil. Das Wetter machte mit, erst abends dann in unserer Unterkunft in Hrauneyjar angekommen, ein paar Minuten vorher fing es an in Strömen zu regnen. Wir konnten das Auto nicht verlassen, wären komplett durchnässt worden.

Gletscherflusstal und Saga-Hof

Es steht der erste richtige Regentag an. So scheint es. Dennoch los, als erstes stand ein alter wikingerzeitlicher Hof Namens Stöng aus dem 11. Jahrhundert an, respektive dessen Grundmauern. Zerstört mutmaßlich 1104 durch einen Ausbruch des auch heute noch gefürchteten Hekla. Rechtzeitig hörte es übrigens auf zu regnen und fing wieder an, als wir im Auto saßen. Das passierte und nun noch zwei weitere Male. Stiegen wir aus, kam die Sonne, stiegen wir wieder ein, der Regen.

Nur ein paar Kilometer entfernt befindet sich ein originalgetreuer Nachbau des Hofes. Die Rekonstruktion besteht aus drei Gebäuden – darunter ein Langhaus – und wurde 1974 begonnen, anlässlich des 1100-jährigen Jubiläums der Besiedlung Islands.

41 Hjalparfoss 2509Nicht weit weg findet sich zudem ein weiter Wasserfall, der Hjalparfoss mit schönen Basaltsäulen. Auch den „nahmen“ wir mit. Dann verließen wir das regnerische Hochland, fuhren Richtung Süden etwa 80 km weit an die Küste. Schönstes Wetter erwartete uns. Zwei Städtchen mit Museen – Stokkseyri (Elfenmuseum) und Eyrarbakki (Heimatmuseum und Fischereimuseum) – besuchten wir 43 Eyrarbakki 2552noch, dann ging es zurück zu dem uns schon mehrmals bekannten Sel Guesthouse, drei Nächte verbrachten wir hier – eine Empfehlung. Auf dem Weg noch den wunderschönen Explosionskrater Kerið entdeckt, umrundet und einmal hinabgestiegen, das war es aber auch schon und auf Tacho standen 208 km mehr.

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Auf Umwegen nach Reykjavik

Wir nähern uns dem Ende der Rundreise. Morgen geht es weiter nach Grönland. Den direkten Weg nach Reykjavik kennen wir, also fahren wir noch mal einen „kleinen“ Umweg (insgesamt 327 statt 150 km) über das Hochland. Haben ja noch den Geländewagen. Und genügend Zeit. Nach knapp 100 km auf der Hochlandpiste Kjölur erreichen wir die Gletscherzunge des Langjökull, Islands zweitgrößten Gletschers.

Man kann sogar auf ihn hinauffahren, wir aber stoppen direkt an der Zunge, sind hier gerade die einzigen. Von dem Gletscher weht ein eiskalter, fast stürmischer Wind herunter. Nur ein momentan verlassenes Camp mit Motorschlitten können wir ausmachen. Ein paar Hundert Meter vor dem Gletscher ist eine Station, von der aus Touren auf ihn mit riesigen, achträdrigen Trucks gemacht werden können.

Weiter geht es auf der Piste etwa 30 km bis zum Eingang einer alten Lavahöhle, einer von mehreren. Mitten in einem öden, ebenen Lavafeld ist einer dieser kilometerlangen Tunnel eingebrochen, hat somit zwei Öffnungen freigelegt. Erschlossen ist hier nichts, ohne Helmlampen, festes Schuhwerk und entsprechender Ausrüstung kommt man nur einige Dutzend Meter in die Höhlen hinein. Der Boden ist von großen, herabgestürzten Basaltblöcken übersäht, nach wenigen Metern ist es stockdunkel. Innen finden sich kleine Stalagmiten aus Eis.

„Aufgelesen“ haben wir einen weiteren Wasserfall (Hraunfossar), hier tritt an einer Bruchkante über mehrere Hundert Meter Grundwasser direkt aus dem Felsen, bis zu 500 l/s und strömt in einen darunter fließenden Fluss, der oberhalb zugleich einen Wasserfall ausbildet (Barnafoss). Dann fahren wir in Deildartunguhver zu den ergiebigsten isländischen Heißwasserquellen – wenn nicht der Welt. 48 Deildartunguhver 2847Sie schütten um die 160 l/s kochendes Wasser aus und weiter geht es nach Borganes, wo wir uns in einer sehr gut gemachten audiovisuellen Ausstellung mit der isländischen Besiedlungsgeschichte und einer wichtigen Sage befassen.

Jetzt geht es eigentlich auf den Weg nach Grönland (hier geht es zum Reisebericht). Der Vollständigkeit halber aber jetzt schon der letzte Tag auf Island:

Fahrt von Reykjavik zum Flughafen Keflavik

Vorgestern sind wir von Grönland zurückgekommen und haben den gestrigen Tag wieder in Reykjavik verbracht. Unter anderem waren wir im Nationalmuseum (an Anfang beschrieben), wo im Foyer der EM-Fußball aus dem Spiel Island gegen England ausgestellt ist. Heute haben wir uns kurzfristig noch mal einen Mietwagen genommen, da unser Rückflug erst in der Nacht um 1.15 Uhr startet und wir so den Tag auf dem Weg zum Flughafen nach Keflavik noch nutzen können. Als erstes waren wir noch an der Blauen Lagune, zum Baden sollte man jedoch den ganzen Tag einplanen, die Zeit hatten wir nicht. Der Eintritt kostet übrigens um die 40 €, pro Person.

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Dann waren wir noch in einem Geothermiegebiet mit wundervollen großen Dampfquellen auf der Halbinsel Reykjanes und haben an anderer Stelle eine „Fußgängerbrücke“ über einen Grabenbruch überquert, die die eurasische Erdplatte mit der amerikanischen verbindet.

Weiter standen drei Museen auf dem Plan, das Iceland Museum of Rock’n Roll in Reykjanesbær, kann man mitnehmen, muss aber nicht. Man sollte jedoch etwas Ahnung von isländischen Künstlern haben. Sehr schön ist das Museum Duushus in Keflavik mit einer beeindruckenden Sammlung an Schiffsmodellen, einem heimatlichen Teil sowie diversen Gemälden. Lohnenswert ist auch die Viking World, ebenfalls in Reykjanesbær. Hier findet sich unter anderem ein Nachbau von Leif Erikssons Schiff, mit dem man erst vor einigen Jahren auf der alten Route des Wikingers ebenfalls den Atlantik überquerte. Mit einem Audioguide kann man sich zudem (auf Deutsch) die Geschichte der nordischen Götter erzählen lassen, während man eine Ausstellung darüber entlang wandelt. Und dann ging es zum Flughafen und wieder zurück.

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Island, wir kommen wieder. Das nächste Mal im Winter, der Nordlichter und Hundeschlitten wegen. Auch wenn es dann meist dunkel ist, jetzt hatten wir ja die ganze Zeit über Mitternachtssonne. Zum Ausgleich.

Hier geht es zum Teil I der Reise, auf der Ringstrasse, und hier zum Reisebericht Grönland)

Quellen: eigene Erlebnisse, Erlingsson Naturreisen, Wikipedia, Internetrecherche

Island 2016, Teil I Ringstrasse

Summer in the North:Teil I – unterwegs auf der Ringstrasse 1

Die Tour durch Island: Nach einigen Tagen in Reykjavik ging es auf der Ringstraße, der 1, in einem PKW rund um die Insel. Unsere Stationen: Nationalpark Þingvellir, die  Springquelle Strokkur, diverse Wasserfälle wie der Gulfoss, weiter Skógar und die Südküste, der Gletscher Vatnajökull, der Nationalpark Skaftafell, die Ostfjorde, Jökulsárgljúfur, Ásbyrgi, für mehrere Tage die Gegend um den See Mývatn, Akureyri (hier Wechsel auf einen Geländewagen, Bericht Teil II), die Region Skagafjörður, die Hochlandpiste Kjölur mit den Thermalgebieten Hveravellir sowie Kerlingarfjöll, der Vulkan Hekla und die Hochlandperle Landmannalaugar sowie die Wikingerruinen Stöng. Zum Schluss folgte noch die Kaldidalur-Piste, bis in die Region von Borganes und ein Abstecher durch die Halbinsel Reykjanes. Die gesamte Fahrstrecke mit den Fahrzeugen betrug 2750 km in 16 Tagen.

Zurück in Reykjavik ging es dann per Flugzeug nach Ilulissat in West-Grönland. Dort wanderten wir im Weltnaturerbe am Eisfjord, befuhren die Mündungszone mit den Eisbergen mit dem Boot, machten uns mit einem Fischerboot auf zu der Inuit-Siedlung Ilimanaq und mit einem Eissicheren Schiff zum kalbenden Gletscher Eqip Sermia. Dieser Trip dauerte fünf Tage.

Zusammengestellt und gebucht als individuelle Tour zusammen mit Erlingsson Naturreisen

Reykjavik

Island
Blick von der Hallgrímskirkja aus

Unser Ausgangspunkt Reykjavik ist die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt und bedeutet Rauchbucht. Laut Wikipedia rührt der Name vermutlich von den Dämpfen der heißen Quellen in der Umgebung her. Zugleich ist sie die älteste permanent bewohnte Siedlung des Landes. Hier leben rund 120.000 der etwa 335.000 Einwohner Islands. Entsprechend dünn besiedelt ist das Land.

Island - Reykjavik
Kirche Hallgrímskirkja

Neben älteren Gebäuden in Reykjavík finden sich auch zahlreiche interessante Gebäude der moderneren Architektur. Von unserem Hotel nahe des Inlandflughafens ließ sich alles problemlos zu Fuß machen. Prägend für die Silhouette der Stadt ist vor allem das moderne Kirchengebäude Hallgrímskirkja, zugleich eins der höchsten Gebäude des Landes. Von ihrer Stellung auf einem Hügel überragt sie die Innenstadt. Das Gebäude mit dem auffallenden Turm ist das Wahrzeichen der Stadt. Gegen eine Gebühr von rund 7 € kann man auf den 74,5 m hohen Turm per Lift gelangen, und neben dem Öskjuhlíð – einer Glaskuppel auf riesigen Heißwasserspeichern mit Restaurant und Geschäften im Stadtteil Perlan – bietet sich von hier aus die beste Aussicht über die Stadt. Benannt ist der Kirchenbau nach dem Dichter und evangelischen Pfarrer Hallgrímur Pétursson. Der Bau begann 1943, eingeweiht wurde die Kirche 1986

Mit den Heißwasserspeichern in Öskjuhlíð wird übrigens die Stadt nicht nur mit Warmwasser versorgt, sie dienen auch zum Beheizen von vielen Straßen und Gehwegen, das erspart den Winterdienst. Wärme in Form von heißem Wasser ist in Island aufgrund der vulkanischen Aktivitäten keine Mangelware.

Lohnenswert ist zudem ein Spaziergang am alten Hafen und am Stadtteich Tjörnin mit Besuchen etwa des maritimen Museums und des Saga-Museums. Hier lässt sich einiges zu der Besiedlungsgeschichte des Landes erfahren, die von den Anfängen her gut dokumentiert ist.

Besucht haben wir auch das Nationalmuseum Þjóðminjasafn (Þ wird gesprochen wie ein T). Gegründet im Jahr 1863, ist es seit 1955 im jetzigen Gebäude. Gezeigt werden Kunstwerke und Sammelobjekte der isländischen Kultur wie Schmuck, Waffen, Kirchenkunst und Alltagsgegenstände. Besonders hervorzuheben sind eine Bronzestatuette des Gottes Þór, ein silberner Thorshammer (Þórshamar) sowie die reich mit Schnitzereien verzierte Kirchentür aus Valþjófsstaður.

Eines der ältesten Gebäude in der Stadt ist der Dom (Dómkirkjan). Erbaut wurde er im 18. Jahrhunderts anlässlich der Verlegung des Bischofssitzes von Skálholt nach Reykjavík, umgebaut 1847. Bei dessen Einweihung 1796 passten noch alle Einwohner der Stadt in die eher kleine Kirche. Auffallend ist ferner das Konzerthaus und Konferenzzentrum Harpa direkt am Hafen. Harpa ist Sitz des Isländischen Sinfonieorchesters und der Oper.

Island -Reykjavik
Konferenzzentrum Harpa

Im Stadtteil Árbær außerhalb des Zentrums befindet sich ein großes Freilichtmuseum. In diesem sind rund 30 Bürgerhäuser und Torfhütten aus dem 19. Jahrhundert mit passender Innenausstattung zu besichtigen. Die Museumswärter tragen die Tracht der damaligen Zeit. Manchmal kann man auch Handwerkern bei der Arbeit zusehen. Dazu kamen wir aber nicht, wir besuchten später im Landesinneren einige kleinere Freilichtmuseen.

Nationalpark Þingvellir,  Strokkur, Gullfoss

02 Þingvellier 0112150 km betrug unsere erste Tagesetappe bis zu unserem Ziel, dem SEL Guesthouse in der Nähe von Selfoss. Entsprechend Zeit blieb für den Besuch von Sehenswürdigkeiten, die wir mit zahlreichen weiteren Besuchern teilten. Dennoch war es nie überlaufen, die Besucher verteilten sich recht gut. Es ist Saison und wir sind noch nahe Reykjavik. Zuerst stand der Nationalpark Þingvellier auf der Agenda. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung Islands. Wurde 930 n Chr. hier doch das erste Parlament gegründet, am Þingplatz fanden regelmäßig die Versammlungen der Herrscher statt. Im Jahre 1000 wurde hier die Annahme des Christentums für das ganze Land beschlossen. Übrig ist davon nicht mehr viel, aber im kleinen Besucherzentrum finden sich Informationen dazu. Ebenso zu der geologischen Bedeutung der Region, treffen hier doch die amerikanische und die eurasische Platte aufeinander. In den letzten 10.000 Jahren ist das Land beidseitig der Schlucht um etwa 70 m auseinander gedriftet und der Talboden hat sich um 40 m gesenkt. Wir sind vom Besucherzentrum noch zu dem kleinen Wasserfall Öxaráfoss gewandert, diesem werden noch zahlreiche, wirklich spektakuläre folgen. Der Weg führt übrigens mitten durch die Bruchstelle hindurch.

Etwa 20 km entfernt folgte ein Besuch des nördlich gelegenen Strokkur, dem wohl bekanntesten Geysir Islands. Die Springquelle schleudert alle fünf bis zehn Minuten eine Wassersäule hoch. Es lohnt auch ein Spaziergang zu den anderen heißen Quellen in der Nähe. Am Geysir gibt es auch eine informative Ausstellung über die Vulkane und Geysire.

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Geysir Strokkur

Nach weiteren 10 km und einem kurzen Marsch steht man an Islands berühmtesten Wasserfall, dem Gullfoss. Mehrere Aussichtplattformen, ein Souvenirgeschäft und ein Restaurant mit der typischen isländischen Kjötsúpa (Lammfleischsuppe) finden sich hier. Das Infozentrum Sigríðarstofa bietet zahlreiche viele Informationen über die Historie und die Geologie der Gegend. Die kurze Wanderung hinunter in die Schlucht bis ans Wasser ist sehr imposant.

Unser Tagesziel war das Sel Guesthouse, ein Stückchen von Selfoss entfernt gelegen. Viele Höfe vermieten Zimmer und kleine Hütten an Gäste, und versorgen sie zugleich mit landestypischer Kost, etwa Lamm oder Forelle. Eine nette Atmosphäre, hier werden wir im Laufe unserer Tour noch zweimal herkommen. Generell gilt für Island übrigens, das man nahezu überall eine sehr gute Internetverbindung hat, kostenlos und mit Geschwindigkeiten, davon können wir in Deutschland selbst in manchen Ballungsräumen nur träumen. Auch auf dem Land, wo weit und breit nichts ist. Und das in einem sehr dünn besiedelten Land.

Seljalandsfoss, Skogafoss, Dyrhólaey bis Kirjubæjarklaustur

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Seljalandsfoss

Etwa 250 km mehr standen am Abend auf dem Tacho. Die Straßen sind recht gut, Verkehr ist Mangelware. 90 km/h sind auf geteerten Straßen erlaubt, 80 auf Pisten. Die haben wir aber noch vor uns. Insofern kommt man recht flott voran. Der erste Stopp erfolgte am Wasserfall Seljalandsfoss in einer wunderschönen, grünen Umgebung. Man kann hinter dem Wasserfall herumlaufen. Auch bietet sich eine kurze Wanderung entlang der Böschung zu den anderen Wasserfällen an. Weiter ging es auf der 1 entlang dem Gletscher Eyjafjallajökull wo 2010 ein schwerer Vulkanausbruch stattfand. Direkt an der Straße befindet sich ein Infozentrum über den Ausbruch namens Þórvaldseyri. Hier kann man sich einen kurzen Film darüber ansehen, wie die Menschen unter dem Gletscher den Vulkanausbruch erlebt und wieder den Weg aus der Asche in den Alltag gemeistert haben.

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Skógarfoss

Ein Stück weiter an der Straße liegt Skógar mit dem Wasserfall Skógafoss. Von oben sollte man sich erst einen Überblick verschaffen und ihn dann von unten genießen. Die Gisch bildet wunderbare Regenbögen aus. Auch wenn man unten schon mal 08 Skógarfoss 0283etwas nass werden kann. Aber es lohnt, auch mal in die Gisch zu gehen. In der Nähe des Wasserfalls liegt ein Freilicht- und Heimatmuseum, das aber ließen wir aus. Wir werden auf der Tour noch das eine oder andere besuchen.

Weiter ging die Fahrt durch die schwarze Sandwüste Mýrdalssandur und die „Feuerlava“ Eldhraun zu unserer Unterkunft bei Kirkjubæjarklaustur. Die unwirtlichen schwarzen Flächen werden begrünt, um den Sandstürmen Herr zu werden. Wunderschön anzusehen sind die kilometergroßen Flächen mit blühenden Lupinen. Und später das dicke Moos, das stellenweise die Felsen überzieht.

Nationalpark am Gletscher Vatnajökull

11 Dverghamrar 0356Entlang der Ringstraße 1 stoppten wir zuerst bei Dverghamrar – es finden sich schöne Basaltsäulen unterhalb der Ringstraße durch einen kleinen Spaziergang zu erreichen.

Eigentliches Ziel war aber Skaftafell. Nach dem Besuch des Visitor-Centers machten wir eine rund vierstündige Wanderung. Zuerst kamen wir am Wasserfall Hundafoss an. Man könne meinen, die bisherigen drei genügen, doch jeder ist auf seine Art anders und immer wieder faszinierend. Dieser ist von schwarzen Basaltsäulen umgeben, erinnert etwas an eine Bühne.  Weiter ging es durch bergige Landschaft zum Aussichtspunkt Sjónarnípa gelegen. Von hier aus hat man einen schönen Überblick über eine Gletscherzunge Skaftafellsjökull des Vatnajökull. Deren gibt es zahlreiche, ist das Eisfeld des Gletschers doch 8200 Quadratkilometer groß. Wir befanden uns oberhalb der Gletscherzunge, hatten so einen schönen Überblick. Am örtlichen Infozentrum sind die Wanderwege gut beschrieben und man kann eine Wanderkarte kaufen. Generell bieten sich bei Skaftafell weitere, unterschiedliche Wanderungen an, es ist nahezu für jeden etwas dabei. Nur nicht für Fußfaule, das aber gilt für viele Regionen Islands.

  • Blick von der Ferne auf eine Gletschzunge des Vatnajökutt...

Ein paar Kilometer weiter an der Ringstraße gelegen ist ein Stopp an der Gletscherlagune Jökulsárlón ein Muss. Hier lässt sich entlang des Ufers wandern oder eine Amphibienbootfahrt unternehmen. Oder aber einfach vom Ufer aus die wunderbaren Motive mit den über das Wasser treibenden Eisschollen zu genießen. Ab und zu lässt sich auch mal eine Robbe blicken.

Insgesamt fuhren wir heute runde 180 km, so dass wieder genügend Zeit den Tag über blieb um die Sehenswürdigkeiten zu genießen und für weitere Fotostopps oder auch einen Kaffee entlang der Strecke. Übernachtet haben wir in der Region vor Höfn.

Die Ostfjorde bis nach Hallormsstaður

Am folgenden Tag ging es entlang der Ostküste mit ihren Fjorden. Das gute Wetter (wie schon die letzten Tage) bedingte, das wir nicht über die Berge, sondern die Küste entlang fuhren. Erst später ging es höher hinauf auf einer steilen steilen und kurvigen Schotterpiste nach Hallormsstadur – diese Strecke können und dürfen auch normale Pkws fahren. Nur die mit F… bezeichneten Pisten erfordern ein allradgetriebenes Fahrzeug.

Zwischendurch ein Stopp in Djúpivogur mit Kaffeepause und Shopping im einzigen Kunsthandwerksladen der „Stadt“. Wäre bei uns noch nicht mal ein Dorf. Hat aber einen kleinen Hafen, an dem zu schlendern sich lohnt.

Einen kurzen Besuch wert ist das kleine Museum im alten roten Handelshaus und auch das Kunstwerk „Eggin í Gleðivík“: eine Aufreihung von Eiern isländischer Vögel aus Granit. Kurioses bietet dann noch eine private Stein- und Kunstsammlung vor einem roten Haus mit Walskeletten. Kilometermäßig war es eine längere Strecke von rund 320 km bis zu unserem heutigen Domizil bei Hallormsstadur. Aber auch das ist problemlos zu schaffen, auch wenn Schotterpisten dabei sind. Denn auch die kann und darf man mit 80 km/h befahren.

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Solche Straßen sollte man dann aber auch schon öfters befahren haben und wissen, wie zu reagieren ist. Wobei es sich heute nur um kürzere Etappen auf ungeteerten Wegen handelte.

Region Hallormstaður

In Hallormsstadur blieben wir zwei Nächte, übernachteten in einer schönen Holzhütte etwas abgelegen vom dazugehörenden Hotel am Waldrand mit wunderbarem Blick über den See.

Nach einem faulen Vormittag ging es zu einer leichten Wanderung von etwa sechs Kilometer Länge. Mal wieder bei traumhaften Wetter durch Wälder, wie sie bei uns sein könnten. Nur blüht derzeit so ziemlich alles, die Blumen haben ja nur einen kurzen Sommer Zeit. Meistens übrigens Pflanzen, die auch bei uns wachsen, nur zu unterschiedlichen Zeiten und nicht alle auf einmal.

Was man wissen sollte ist, dass die Preise hier in Island recht hoch sind. In einem Restaurant kostet ein normales Essen kaum unter 40 Euro pro Person, ohne Getränke. Ein Glas Wein oder Bier kostet etwa 10 Euro. Wer nicht verzichten will, eine Alternative ist Pilsner mit 2,5 % Alkohol. Fällt vermutlich unter irgendeine Steuergrenze und kostet um die 2,50 bis 3 Euro. Für Kaffee muss man in etwas mit dem gleichen rechnen, kann aber häufig kostenlos nachschenken, auch mehrmals.

Jökulsárgljúfur im größten Nationalpark Europas

19 Fahrt Mývatn 0844Der See Myvatn (Mückensee) war unser heutiges Ziel. Dort verbrachten wir dann drei Nächte. Sollte man auch einplanen, mindestens. Dabei fuhren wir nur teilweise auf der Ringstraße 1, machten einen Umweg durch die Missetäterwüste Ódáðahraun auf einer Schotterpiste. Ziel war der einsamen Hof Möðrudalur mit seinem Kaffeehaus. Gut, so einsam war er dann auch wieder nicht, steht er doch als Tipp in vielen Reiseführern. Aber „Menschenmengen“ finden sich hier nicht, vielleicht waren es um die 20 bis 30. Die sich verteilen. Zurück auf der 1 bogen wir später ab und es ging auf einer schlechten Schotterstraße (30 km einfach) zum Wasserfall Dettifoss.

Ein Muss trotz der staubigen Fahrt, ebenfalls mit einem normalen zweiradgetriebenen Wagen möglich. Handelt es sich doch um den mächtigsten „Foss“ (steht für Wasserfall) des Landes. Übrigens sind nahezu alle Sehenswürdigkeiten ohne Gebühren zu besichtigen, zudem sind gut markierte und angelegte Wanderwege vorhanden oder auch Aussichtsplattformen. Gilt natürlich nicht für private Museen. Vorbildlich. Nicht immer gibt es ein Besucherzentrum, ist aber auch nicht erforderlich. Gut, ein Kaffee vermisst man dann ab und zu schon…

Die Kraft des Wassers ist schon enorm, besonders beeindruckend, wenn man direkt an der Kante des Falles steht. Das Gletscherwasser stürzt auf einer Breite von rund 100m etwa 45 m tief in eine Schlucht. Im Sommer kann die Wassermenge 1500 m3/s erreichen, im Jahresmittel liegt sie bei 193 m3/s . Was den Dettifoss zu einem der wasserreichsten Wasserfälle Europas machen soll. Glaubt man gerne. Das Wasser führt zugleich eine große Menge Geröll mit sich, in Form von kleinen Partikeln. Pro Tag sollen es rund 120000 t Geröll, Gestein, Sand und Schlamm sein, auf einem Güterzug verladen, bräuchte man 2400 Waggons. (Quelle: www.iceland.de)

Weiter ging es die Rüttelpiste zurück und auf der 1e-Ringstrasse zu unserem Domizil, dem Hof Stöng. Da wir aber noch gut in der Zeit waren und auch das Wetter stimmte besuchten wir vorher noch die Solfatare in Námaskarð, eine vulkanisch aktive Zone, eigentlich erst für den kommenden Tag geplant.

Der Besuch ist ebenfalls ein Muss. Hier zeigen die Bilder mehr als Worte erklären können. Und dann machten wir noch eine kurze Wanderung bei den Pseudokratern von Skútustaðir. In Stöng bleiben wir jetzt erst mal drei volle Tage. Zurückgelegt haben wir übrigens heute um die 290 km.

Naturperle See Mývatn

Heute hatten Sonnenschein und Traumwetter ein Ende. Knapp 3° C, Nieselregen und Graupelschauer. Summer in the North. Dazu ein eisiger Wind. Macht nichts, dafür haben wir ja die entsprechenden Klamotten bis hierher mitgeschleppt. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung…  Also rauf zum Krafla und eine etwa 3 ½-stündige Wanderung durch das Vulkangebiet, letzter Ausbruch 1984.

26 Krafla 1374Und so sieht es hier auch aus, unwirtlich, schwarz, überall steigen Dämpfe aus dem Boden – gut zum Aufwärmen, es stinkt nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff). Eine faszinierende Landschaft, die durch das Wetter sogar eine noch mystischere Stimmung erhält. Hier versteht man, warum bald die Hälfte alles Isländer an Gnome und Trolle glaubt.

Nachmittags wird es etwas wärmer, um die 7 °C, und es bleibt trocken. Also noch eine etwa 1 1/2-stündige Wanderung durch die düsteren Felsen, die Lavaformation Dimmuborgir. Ein ehemaliger Lavasee, der an der Oberfläche erstarrte, aber irgendwann brach der Lavawall und die noch nicht erstarrte, sich darunter befindliche Lava floss ab. Dann brach die abgekühlte Oberfläche des Lavasees ein, stehen blieben Schlote und Röhren, Dome, Bögen und Lavafenster.

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Die Sonne ist wieder da nach dem einen Tag Unterbrechung. Kühl zwar, zum Wandern jedoch sogar besser. Also rauf auf den Explosionskrater Hyverfjall und einmal umrundet. Dauert über zwei Stunden. Erst der Aufstieg auf den 452 m hohen Ascheringwall, der zwischen 90 und 150 m hoch ist und einen Durchmesser von etwa einem Kilometer hat. Entstanden ist dieser Aschetuffring vor etwa 2500 Jahren durch eine riesige Wasserdampfexplosion. Mag man es sich gar nicht vorstellen, kann aber jederzeit oder auch nie wieder passieren. Die Wanderung auf dem Wall bietet immer wieder beeindruckende Ausblicke auf den Krater selbst und auf die Umgebung.

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Hyverfjall

Nach dem obligatorischen Kaffee, ein Stück Kuchen kostet übrigens in touristischen Gebieten um die 9 €, abseits die Hälfte, geht es zu einer kleineren Wanderung an den See Myvatn. Was übrigens Mückensee heißt. Uns verschonen die zehn Arten an Stechmücken, die es hier gibt. Viel Wind heißt wenig Mücken. Windstille bedeutet entsprechend viele Mücken. Hatten sicherheitshalber Kopfnetze dabei, ohne sie zu benötigen. Kálfaströnd heißt das Eck wo wir wandern und zu sehen gibt es Lavadome aller Couleur und eine wunderschöne, blühende Landschaft.

30 Kálfaströnd 1638

Gefahren sind wir in den zwei Tagen um die 130 km.

Akureyri

Heute ging es etwas früher 8.30 Uhr los, da wir nicht wussten wie lange der Autotausch in Akureyi dauert. Vorab, es ging sehr schnell und unbürokratisch, wir hatten insofern auch Glück, dass wir anstatt des gebuchten kleinen Suzuki-Jeeps einen deutlich größeren und besseren Geländewagen von Toyota erhielten. Zum gleichen Preis versteht sich. Akureyi ist die „Hauptstadt Nordislands“, im Eyjafjörður gelegen. Ein kurzer Besuch der Kirche, ein Stadtbummel, ein Besuch im Akureyri Art Museum, zuviel Zeit haben wir nicht investiert, zumal es Sonntag war und alle Geschäfte geschlossen.

 Vorher ergab sich jedoch noch ein Stopp beim Wasserfall Godafoss, derartige Wasserfälle liegen hier halt mehr oder weniger an der Strecke herum, jeder einzelne wäre in Deutschland eine Attraktion für sich. Anschließend folgte der Besuch von Glaumbær respektive des dortigen Heimatmuseums. Die Gebäude des großen Hofkomplexes entstanden zu unterschiedlichen Zeiten des 18. und 19. Jahrhunderts. Alle jedoch sind in Torfrasenbauweise errichtet, mangels ausreichend Holz schon zu damaligen Zeiten. Zudem schützt diese Bauweise gut vor dem rauen Klima. In Glaumbær lässt sich einiges über das Leben auf solchen Höfen in früheren Zeiten erfahren.

Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes mit den Höhepunkten der Tour, dem Hochland und der Rückfahrt nach Reykjavik bevor es nach Grönland ging