Kreta ist eines der beliebtesten Reiseziele des Mittelmeeres. Das hat die Insel ihrer Geschichte und den Sehenswürdigkeiten zu verdanken, ihren durch venezianischem und osmanischem Einfluss malerischen Städten und Dörfern, der Landschaft und den offenen, von jeher Fremden freundlich gesonnenen Menschen. Und den Stränden, die mancherorten karibisches Flair verbreiten. Besonders gilt das für die Nachsaison, wenn viele Besucher die Insel wieder verlassen haben.
Kategoriearchiv: Europa
Kreta 2017 – Unterwegs auf alten und neuen Pfaden
Von Bergen, Stränden und alten Ruinen
27. Oktober, Nachricht auf Wetter-online (ich zitiere): Schwere Gewitter haben im Westen der Insel Kreta hohe Schäden hinterlassen. Sturzfluten bahnten sich ihren Weg durch die Straßen der Stadt Chania und rissen sogar Fahrzeuge mit. Einige Autofahrer waren in den Wassermassen gefangen und mussten von der Feuerwehr befreit werden. Gebäude, Brücken und Straßen wurden beschädigt, einige Strände rund um die Hafenstadt verwüstet. Das Unwetter wütete mehrere Stunden lang, das Ausmaß der Schäden war erst am Folgetag zu überblicken. Die Wetterstationen meldeten für Chania-Zentrum 190, für Platanias rund 240 Liter pro Quadratmeter (Quelle: www.wetteronline.de)
Nein, so haben wir uns den Empfang im sonnigen Herbst auf Kreta nicht vorgestellt. Auch wenn es schon Ende Oktober ist. Tag Eins nach unsere Ankunft stundenlanger, strömender Regen. Wasser schießt von den Hängen, überschwemmt die Straßen, reist Äste, Sträucher, kleinere Bäume und Geröll herunter, lässt Keller volllaufen.
Tags darauf, in Chania. Morgens noch etwas bewölkt, nachmittags dann strahlender Sonnenschein. Kreta hat durchschnittlich 305 Sonnentage im Jahr, gilt als sonnigste Insel im Mittelmeer. Hier am Hafen der Stadt ist kaum mehr etwas vom Unwetter des gestrigen Tages zu sehen. Das Hafenbecken stammt aus venezianischer Zeit, sogar einige intakte Schiffshallen aus dem 16. Jahrhundert stehen noch. In ihnen bauten und reparierten die Venezianer ihre Galeeren. Die Promenade säumen unzählige Kaffees und Tavernen, auch mehrere Museen finden sich. Was hier während der Saison los ist, kann man sich denken. Um diese Zeit aber, Ende Oktober, lässt sich die Stadt wie auch die Insel genießen.
Gleich am Hafen liegt die Altstadt mit ihrem Gewirr an schmalen Gassen, die alte Stadtpaläste und historische Mietshäuser säumen. Und zahlreiche Tavernen, Kunsthandwerker mit echter kretischer Handarbeit, verhältnismäßig wenig Asia-Ware und Touristen-Nippes. Nahezu vollständig von der mittelalterlichen Mauer umgeben.
In einer ehemaligen venezianischen Franziskanerkirche findet sich das archäologische Museum. Funde aus Chania und Umgebung der letzten 100 Jahre sind hier ausgestellt. Von minoischen Artefakten aus dem 15. Jahrhundert vor Christi bis hin zu römische Mosaiken aus dem 3. Jahrhundert reichen die Ausstellungsstücke.
Unser Hotel im Westen war übrigens das , etwa 18 km. westlich gelegen. Eine Empfehlung.
Unser Hotel in Spilia
Die erste Hälfte der Kreta-Tour verbringen wir im Hotel Spilia-Village, im Zentrum eines traditionellen kretischen Dorfes gelegen etwa 20 km westlich von Chania. Das etwa 4000 Quadratmeter umfassende Anwesen besteht aus alten Gebäuden, die behutsam restauriert wurden. Das Hauptgebäude diente einst als Fabrik und später der Produktion von Olivenöl. 33, aus Stein gebaute Zimmer beherbergen die Gäste, ein jedes ist individuell eingerichtet. Inmitten von Orangenbäumen finden sich ein Swimmingpool, eine Poolbar und ein Garten. Die traditionelle Taverne Halara serviert vor allem kretische Speisen in mehreren schönen, kleineren Räumen mit viel Atmosphäre.
Hier geht es in Kürze zu einer Auswahl der schönsten oder besonders typischer Bilder der gesamten Reise.
Der Trailer zum Film:
Akrotiri Halbinsel und ihre Klöster
Auf der Halbinsel Akrotiri östlich von Chania kann man problemlos einen Tag verbringen. Kaum besiedelt eignete sich die über 500 m hohe Bergkette im Norden der Halbinsel Mönchen als Zufluchtsort. In der Folge entstanden hier gleich vier Klöster. Größere Teile im Westen sind militärisches Sperrgebiet, finden sich hier doch seit den 70er-Jahren auch Abschusseinrichtungen für Cruise Missiles der Nato.
Einen Besuch wert ist das Kloster Moni Agia Triada, zugleich das größte Kretas. Gegründet wurde es im 16. Jahrhundert durch zwei venezianische Brüder, die zum orthodoxen Glauben konvertierten. Sie renovierten ein älteres Kloster, das ihnen geschenkt worden war. Dominiert werden die im venezianischen Renaissance-Stil errichteten Gebäude durch die imposante Klosterkirche. Innenaufnahmen sind wie bei den meisten Klöstern jedoch unerwünscht. Kein Problem war das bei den Klosterszenen für den Film Alexis Zorbas, die hier entstanden.
Voll biologisch ist der Anbau von Wein und Oliven auf den Ländereien des Klosters. Die sich natürlich gleich im zugehörigen Laden erwerben lassen. Auch Weinproben sind möglich. Zudem finden sich hier ein kleines Museum mit Ikonen und eines mit alten Utensilien.
Wenige Kilometer weiter eine kurvenreiche, schmale Straße durch eine Schlucht entlang liegt das Kloster Moni Guverneto. Das wie Agia Triada dem Patriarchen von Konstantinopel unterstehende Marienkloster wirkt ähnlich einer Festung. Auch es wurde mehrfach durch die Türken niedergebannt und wieder neu errichtet.

Von hier aus lässt sich die Ruine eines vermutlich im fünften oder sechsten Jahrhundert errichteten Kloster namens Katholico erwandern, das im 16. Jahrhundert aufgrund häufiger arabischer Piratenangriffen aufgegeben wurde.
Unterwegs im Westen Kretas
Heute geht es zu einer Rundfahrt in den Westen der Insel. Von Spilia aus über Kissamos fahren wir die Küste entlang in südlicher Richtung. An der Küste gibt es einen ersten Einsatz für die Videodrohne (Mavik Pro von DJI). Trotz recht kräftigen Windes funktioniert alles recht gut, auch die Qualität der Aufnahmen nach Sichtung am Computer passt.

Weithin sichtbar, auf einem steilen Felsen gelegen erwartet einen das Kloster Moni Christokalitissas. Übersetzt bedeutet der Namen Goldenes Treppchen. Einer Legende nach soll eine der 99 Stufen zum Eingang des Klosters aus Gold sein. Da aber erkennt nur, dessen Herz rein und sündenfrei ist. Wir entdeckten folglich keine goldene Stufe.
Derzeit leben in dem Kloster wohl nur noch ein Mönch und eine Nonne, der Nachwuchs bleibt wie in vielen griechischen Klöstern aus. Erbaut wurde es im 19. Jahrhundert, vermutlich gab es aber schon zu venezianischer Zeit hier ein Kloster. 1944 zerstörten deutsche Soldaten zahlreiche zum Kloster gehörende Gebäude, da sich hier viele Gegner der Alliierten versteckten. Nach der Eroberung Kretas nutzen sie es als Gefängnis.
Kaum fünf Kilometer entfernt, Idylle pur. Einer der schönsten Strände Kretas. Aber nur gegen Ende der Saison, wie jetzt. Hier auf der Insel Elafonissi finden sich im Sommer täglich ungezählte Tagesausflügler wieder. Es locken feine Sandstrände, die blau-grünen Farbtöne des Meeres und das an vielen Stellen seichte und warme Wasser. Bequem lässt es sich durchwaten, zwischen Elafonissi und Kreta hin- und herpendeln. Die Insel ist etwa 1,3 km lang und 400 Meter breit, steht unter Naturschutz.
Durchs Landesinnere geht es wieder zurück Richtung Spilia. Auf dem Weg, die Höhle Agia Sofia, die Höhle der Weisheit Gottes. Hier soll sich in einem Felsspalt eine heilige Ikone der Weisheit Gottes befinden. Auch habe sich hier ein historisches Drama ereignet, die Opferung der Psaromilligos im Jahr 1347 nach Christus beim Aufstand gegen die Venezianer. Ein Widerstandskämpfer musste seinen Onkel und seinen Vater auf eigenen Wunsch köpfen, um Amnestie zu erhalten. Was er nach einiger Überzeugungsarbeit auch tat. Später fand man zwei geköpfte Skelette in der Höhle.

Fakt ist, das man in jüngerer Zeit in der bis zu 20 Meter hohen Grotte eine Lehmfigur aus dem vierten Jahrhundert vor Christus fand sowie zahlreiche weitere Gegenstände aus neolithischen und minoischen Zeiten und auch hellenistische und römische Töpferspuren. Das deutet auf eine lange Nutzung der Höhle hin.
Einen Abstecher wert ist das alte Polyrrhenia. Zuerst geht es zu einem Spaziergang durch das heute etwa 100 Bewohner zählende Dorf. Jorgos, der Olivenholzschnitzer bietet hier in seinem Laden zahlreiche aus eben diesem Holz geschnitzte Gegenstände an. Schon im Ort finden sich mehrere Reste des antiken Polyrrhenia aus der Zeit um 600 vor Christi, gegründet von den Dorern. Einst war sie die zweitmächtigste Stadt auf Kreta, Kissamos der Hafen. Auch Agamemnon soll sich hier aufgehalten haben, nach seinem Feldzug in Troya.

Übrig geblieben ist nicht viel, dienten die Steine, Säulen und der Marmor aus antiken Zeiten doch als Baumaterial für einige Häuser und die Kirche der 99 Heiligen. Lohnenswert aber ist allein schon der Panoramablick über die Bucht von Kissamos.
Geboren aus der Asche – Botanical Gardens
Geboren aus der Asche wurde der ´Botanical Garden and Parks of Crete´, nahe Fournes gelegen. 2003 zerstörte ein Feuer tausende Oliven- und Orangenbäume. Die Dorfbewohner waren von einem Tag auf den anderen ihrer Lebensgrundlage beraubt. Ein junger Betriebswirt aus dem Dorf machte aus der Not jedoch eine Tugend, überzeugte die Dorfbewohner davon, an dem Berghang einen botanischen Garten anzulegen. Erlaubt das hier vorherrschende Mikroklima doch den Anbau einer Vielzahl von Pflanzen aus unterschiedlichen Klimazonen. 2009 wurde der Park auf 20 Hektar eröffnet und ist heute eine Touristenattraktion auf Kreta. Auf einem Rundweg von ein bis zwei Stunden Dauer lassen sich hunderte kretische und tropische Pflanzen kennenlernen, alle gut beschildert.
Der Weg ist teilweise recht steil, gutes Schuhwerk ist angesagt. Eine Flasche Wasser gibt es zusammen mit dem Eintritt. Am Ende biete sich eine Rast in der dazugehörenden Taverne an, die neben eigenem Kuchen auch traditionelle kretische Speisen anbietet. In einem dazugehörenden Laden finden sich lokale Lebensmittel, etwa Honig, Kräuter und natürlich Olivenöl.
Mit Genehmigung des Inhabers kam hier die Videodrohne zum Einsatz.
Rethymno – ein Stück Venedig
Heute wechseln wir unser Hotel, es geht rund 150 Kilometer in die Landesmitte nach Zaros. Es ist ein regnerischer Tag, nachdem in letzter Zeit das Wetter gut war. Auf dem Weg liegt Rethymno, das auf jeden Fall einen längeren Besuch wert ist.
Kretas drittgrößte Stadt ist geprägt von seinem venezianischen und osmanischen Erbe. Die Gassen der Altstadt erinnern an das verschlungene Wegenetz Venedigs. Kein Wunder, beherrschten die Venezianer die Insel doch von 1204 an rund 460 Jahre, bevor die Osmanen die Insel eroberten. Viel von der Bausubstanz ist erhalten. Große Steinbögen im Erdgeschoss vieler Häuser zeugen davon wie auch imposante Eingangsportale der alten Palazzi. Die meisten der Gebäude stammen noch aus dem 16. Jahrhundert, Rethymno gilt als eine der am besten erhaltenen venezianischen Altstädte Kretas
Geprägt wird das Stadtbild von den Überresten der venezianischen Befestigungsanlage auf einer Anhöhe am Meer, 1590 vollendet. Heute heißt die Anlage schlicht Fortezza, der italienische Name für Festung. Sie war Sitz der Verwaltung, der Militärbehörden, der römischen Bischöfe und diente als Zufluchtsort für die Bevölkerung der Stadt. Nach der Eroberung Rethymnos durch die Osmanen wurde die unversehrt übergebene Festung weiter ausgebaut. Nun wohnten hier vor allem Türken und von zum Islam konvertierte Kreter.
Die Burg ist mit ihren Abmessungen von 350 Meter Länge und 230 Meter Breite bei weitem die größte Festung auf Kreta. Die Mauer rund um die Fortezza ist etwa 1,3 Kilometer lang. Schon früher stand an dieser Stelle eine Burg.
Einen Besuch ist auch der venezianische Hafen wert, das aber reichte uns nicht mehr, ging es doch noch weiter nach Zaros.
Im Inselinneren
Die Country Village Eleonas nahe Zaros ist unser Domizil für die nächsten sechs Tage. Ein wunderbares traditionelles Landhotel am Fuße des Psiloritis, dem mit 2456 m höchsten Berg Kretas gelegen. Zwanzig komfortable Wohneinheiten mit Terrasse oder Balkon, ein Garten mit Pool, Cafeteria und eine Taverne mit lokaler Kost lassen es einem gutgehen.

Alles weitab der Touristenströme, dennoch gut gelegen. In einer Stunde ist man in Iraklion und Knossos, in einer halben Stunde an wunderbaren Stränden im Süden. Mehrere Klöster lassen sich zu Fuß erwandern, generell eignet sich das Gebiet für schöne Wanderungen. Nahe gelegen sind auch zahlreiche archäologische Stätten, die einen Besuch lohnen.
Nahe des Hotels gelegen finden sich zudem drei Klöster, darunter das Kloster Vrondisi. Während der venezianischen Herrschaft war es ein Zentrum für Kunst und Bildung, zahlreiche Gelehrte lebten hier und es entstanden mehrere berühmte Ikonen. Unter der türkischen Herrschaft wurde viel davon viel zerstört, Gebäude wie Kostbarkeiten.

Auf den Suren der Minoer – Knossos, Phaestos und Agia Triada
Tags darauf steht eine Tour nach Knossos und ins archäologische Museum in Iraklio auf dem Programm. Insgesamt rund eine Stunde Fahrzeit auf zuerst kurvenreichen Straßen durch eine schöne bergige Landschaft. Olivenhaine dominieren die Gegend. Geschwindigkeitsbegrenzungen scheinen bei den Kretern nur Empfehlungscharakter zu haben. So kommt man zügig voran.
Knossos liegt wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt Iraklio. Es ist eine Touristenattraktion erster Güte, mithin die wichtigste archäologische Ausgrabungsstätte Kretas. Entdeckt wurde der minoische Palast Ende des 19. Jahrhunderts, Anfang des 20. dann von Sir Arthur Evans 40 Jahre lang ausgegraben und teilweise wieder aufgebaut. Aus heutiger Sicht war das jedoch für die Archäologie eine wissenschaftliche Katastrophe. Interpretierte er vieles doch entsprechend seinen Vorstellungen, manches was nicht passte, wurde sogar abgerissen. Den heutigen Besucher aber freut das, so sieht er mehr als nur Grundmauern und einzelne Wände.
Der Palast war zwischen 2100 und 1400 vor Christi Herrschafts-, Verwaltungs- und Kulturzentrum. Aber schon früher war diese Stelle besiedelt, die ältesten Spuren der bis zu acht Meter dicken Siedlungsschichten stammen aus dem 7. Jahrtausend vor Christus. 1300 bis 1400 Räume dürfte der Palast gehabt haben, nachgewiesen sind 900. Er war bis zu vier Etagen hoch, hatte um die 10.000 Bewohner.
Einigen Räumen wies Evans eine bestimmte Funktion zu, etwa dem Thronsaal, Ankleideräumen und Schlafgemächer. Nur, es gibt kaum schriftliche Quellen aus minoischer Zeit und Evans hatte wohl den Buckingham-Palast und dessen Aufteilung im Kopf, als er einzelne Räume und deren Funktion interpretierte. Tatsache ist, dass viele Rückschlüsse aus Bodenfunden auf das Leben im Palast überwiegend spekulativ sind. Sicherer ist man sich bei den vielen Vorratsräumen des Palastes, in denen sich mannshohe Lagergefäße für Öl, Wein und Getreide fanden. Auch Werkstätten ließen sich nachweisen, etwa eine Töpferei und die Arbeitsstätte eines Steinschneiders.
Ein Muss ist auch der Besuch des archäologischen Museums in Iraklio. Zumal sich hier viele Artefakte befinden, die sich in Knossos fanden. Viele davon erzählen aus dem Leben der Menschen vor 3500 Jahren. So lässt sich das Bild im eigenen Kopf wunderbar abrunden. Zudem besitzt kein anderes Museum in der Welt mehr Funde aus minoischer Zeit.
Zu sehen sind Küchenutensilien, Spielzeug, Schmuck, Schiffsmodelle aus Ton, Siegel oder Nachbildungen minoischer Hausfassaden aus Fayenceplättchen. Manch Werkzeug hat sich in den 2500 Jahren kaum verändert. Mit zu den wertvollsten Stücken gehört der Stierkopfrython, eine Spendenvase.

Einzigartig ist der Diskos von Phaestos, eines der bedeutendsten Fundstücke aus der Bronzezeit. Er ist mit spiralförmig angeordneten Menschen-, Tier- und Pflanzenmotiven versehen, die mit einzelnen Stempeln eingedrückt wurden. Der Diskos stellt den ersten bekannten Druck mit beweglichen Lettern dar. Übersetzen ließ sich der Text bis jetzt nicht.
Gefunden wurde der Diskos 1908 im Palast von Phaestos, den wir tags darauf besuchen. Man hat ihn auf 1700 v. Christi datiert. Der Palast von Phaestos wurde um 1900 bis 1850 v. Christi auf einem Hügel errichtet und durch Erdbeben mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Hier jedenfalls wurde nichts restauriert, dadurch ist die Stätte um einiges authentischer als Knossos. Und es ist nicht wirklich viel los.
Der Palast von Phaestos wurde um 1900 bis 1850 v. Christi auf einem Hügel errichtet und durch Erdbeben mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Hier jedenfalls wurde nichts restauriert, dadurch ist die Stätte um einiges authentischer als Knossos. Und es ist nicht wirklich viel los.
Die Minoer gelten als eine der ersten Hochkulturen Europas. Sie kannten Metalle, bauten große Paläste, entwickelten ein Schriftsystem und eine komplexe Administration. Auf Fresken, Vasen, Elfenbeinschnitzereien und Schmuck findet sich eine lebensfrohe Bilderwelt, die von Naturszenen, Tieren, geschminkten Frauen, Sportlern und feiernden Menschen berichtet. Keine grimmigen Götter, Schlachten oder Herrscher dominieren. Scheint eine friedfertige Gesellschaft gewesen zu sein. Bis sie okkupiert wurden.
Die Ausgrabungen begannen um 1900, sind heute nach über 100 Jahren noch nicht beendet. Von hier aus lässt sich die fruchtbare Tiefebene von Messara überblicken. Schon in der Antike war das Tal die Kornkammer Kretas.
Zwei Kilometer entfernt findet sich mit Agia Triada eine weitere archäologische Stätte aus minoischer Zeit. Der Name stammt von einer in der Nähe stehenden Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit. Ein Name aus minoischer Zeit ist nicht überliefert. Auf dem Gelände selbst steht die kleine, um 1302 errichtete byzantinische Kirche Agios Georgios.
Neben den Überresten eines Palastes finden sich zahlreiche Wirtschaftsgebäude und ein Marktplatz. Einst war der Ort durch einen gepflasterten Weg mit dem Palast von Phaestos verbunden. Vermutlich lebten hier Handwerker und Kaufleute, die Handelsbeziehungen nach Nordafrika pflegten. Darauf weist auch der Hafen von Kommos hin, der sich in sechs Kilometer Entfernung findet. Die Ruinen sind jedoch nicht öffentlich zugänglich, es finden immer noch Ausgrabungen statt.
Zugänglich ist dagegen der direkt daneben liegende Strand. Feste Gebäude fehlen, ist das ganze Gebiet doch als archäologische Stätte geschützt. Vorhanden sind Sonnenliegen- und Schirme, WC, Duschen und eine kleine Taverne. Von Mai bis September nistet hier auch eine geschützte Art von Meeresschildkröten.
Matala – Touristenhochburg und ehemalige Hippistätte
Matala, der Ort liegt direkt an der Südküste und ist vielen ein Begriff aus der Ära der Hippies. Nutzten sie in den 60er-Jahren doch die Höhlen von Matala als Wohnungen. Zeitweise lebten hier sogar Bob Dylan und Cat Stevens. Je nach Quelle entstanden die Höhlen in der Jungsteinzeit, wurden dann in der Zeit der römischen Besetzung Kretas als Grabstätten genutzt oder aber als frühchristliche Gräber. Es ist nicht ganz einfach, an die heute unter Schutz stehenden Höhlen zu gelangen. Eine kleine Kletterpartie ist von Nöten, um den Blick von oben auf den Ort und den Strand zu genießen.
Mittlerweile ist Matala ein beliebtes touristisches Ziel, hat dennoch den Charme und Charakter eines Fischerdorfes bewahrt. Jedenfalls um diese Jahreszeit. In der Hochsaison jedoch ist die Bucht mit Pauschal-Urlaubern und Tagesausflüglern in Bussen und Mietwagen verstopft. Diese Zeit sollte man meiden.
Ruhe im Kloster Ogiditrias
Noch etwas weiter im Süden gelegen hat man dann wieder seine Ruhe. Hier liegt das Kloster Ogiditrias aus dem 15. Jahrhundert. Es ähnelt eher einer Festung. Der Grund dafür waren häufigere Piratenüberfälle in früheren Zeiten.
Dominiert wird das Kloster neben dem eigentlichen Kirchenbau durch den Xopateras-Turm, benannt nach einem hiesigen Priester. Einst im 18. Jahrhundert vom Bischof seines Amtes enthoben, spielte er im Kampf gegen die Türken eine wichtige Rolle in der Geschichte Kretas. Im Februar 1829 sanden die Türken 800 Soldaten und Reiter aus, nach anderen Angaben waren es sogar 3000, um ihm habhaft zu werden. Drei Tage und drei Nächte verteidigte er zusammen mit seiner Frau, seiner Schwester, zwei weiteren Frauen und fünf Mönchen den Turm, bis er als letzter fiel.
Die ältesten Gesetzestexte Europas
Eine archäologische Stätte erster Güte ist das alte Gortys. Heute finden sich hier fast ausschließlich römische Ruinen, auch wenn die Gegend schon im Neolithikum besiedelt war und in minoischer Zeit eine größere Rolle gespielt haben dürfte. Einst, um 189 v. Christi, fand Hannibal hier Asyl.
Zu römischen Zeiten hatte die Stadt über 40.000 Einwohner. Berühmt ist Gortys durch eine in Stein gemeißelte Inschrift, die aus dem fünften Jahrhundert vor Christi stammen dürfte. Die noch existierenden 42 Steinblöcke wurden von den Römern als Wandschmuck verwendet und beinhalten das Stadtrecht von Gortys. Damit handelt es sich um den ältesten europäischen Gesetzestext. Er befasst sich unter anderem mit Straf- und Prozessrecht, mit dem Kauf und der Verpfändung von Grundeigentum, mit Eigentum an Sklaven und mit Familien- und Erbrecht.
Ein Auszug: „Wenn Mann und Frau sich scheiden, soll sie das Ihrige haben, was sie mitbrachte zu dem Manne, und von dem Ertrage die Hälfte, wenn solcher aus ihrem eigenen Vermögen vorhanden ist, und von dem, was sie erarbeitete, die Hälfte, was es auch ist“.
Von Gortys ist nur eine kleine Fläche ausgegraben und für Besucher erschlossen. Die Stadt erstreckt sich auf einer großen Fläche, meist zwischen Olivenhainen liegend. Selbst ein längerer Spaziergang erschließt einem die Dimensionen nicht. Die Ausgrabungen dauern seit 1884 an, eine Aufgabe von Generationen, die wohl niemals beendet sein wird.
Lassithi-Hochebene
Etwa zwei Fahrtstunden vom Hotel entfernt liegt die Lassithi-Hochebene auf 800 Meter Höhe im Dikti-Gebirge. Der erste Halt bietet sich noch vor dem Pass zur Hochebene beim Kloster Kera Kardiotissa an. Das von Festungsmauern umgebene Nonnenkloster spielte im Kampf gegen die Türken eine wichtige Rolle. So diente es als geheimer Treffpunkt und Schule für die griechische Bevölkerung.
Die Kirche stammt aus dem 14. Jahrhundert, das Kloster dürfte deutlich älter sein. Auch heute noch ist es Anziehungspunkt vieler Gläubiger. Der Grund ist eine wundertätige Ikone, die von den Türken nach Konstantinopel verbracht wurde und von allein wieder zurückkehrte. Und das mehrmals. Zudem soll das Bild der Gottesmutter von Lazarus gemalt worden sein, eben jenem, den Jesus von den Toten erweckte.
Der Weg zur Hochebene führt über den 900 Meter hohe Pass von Ambelos. Im Sommer bläst hier ein starker Wind aus Norden, deswegen baute man zu venezianischen Zeiten 24 Windmühlen zum Mahlen von Getreide. Sie blieben bis zum zweiten Weltkrieg Jahrhunderte lang in Betrieb. Zwei davon hat man wieder restauriert. Einst fanden sich im oberen Stockwerk Wohnräume.
Von hier aus hat man einen schönen Überblick auf die etwa 9 mal 6 Kilometer umfassende Lassithi-Hochebene. Die Hochebene ist sehr fruchtbar, Grundwasser findet sich dicht unter der Oberfläche. Bis in die 1970er-Jahre pumpte man es mit zahlreichen, mit Segeltuch bespannten Windrädern auf die Felder. Heute ersetzen sie Motorpumpen.
Am besten bietet sich eine Umrundung des Tals mit dem Auto an, mit einzelnen Stopps an Klöstern, Tavernen und in kleineren Ortschaften. Um die 20 finden sich auf dem Rundweg, für den man gut einen halben Tag einplanen sollte.
Schon vor 5000 Jahren sollen auf der Hochebene Menschen gesiedelt haben, auch Reste der Minoer fand man. Später diente die Hochebene als Zufluchtsort für kretische Aufständische gegen die Venezianer oder auf der Flucht vor den türkischen Besatzern. Die Türken benötigten letztendlich 40.000 Mann um die Hochebene zu erobern.
Dikteon Andron – Im Sommer finden sich hier am Parkplatz hunderte Besucher täglich ein, jetzt ist es nur eine Handvoll. Ihr Ziel – eben jene Höhle Dikteon Andron – ist der griechischen Mythologie zufolge der Geburtsort des höchsten aller Götter, von Zeus. Zuerst geht es erst einmal hundert Höhenmeter hinauf bis man an den Eingang gelangt. Wir entscheiden uns für den alten, schattigen, aber steileren Weg. Alternativ kann man auch einen neu angelegten, flacheren begehen oder sich von einem Esel hinaufbefördern lassen.
Ein Heiligtum war die Höhle schon vor mehreren tausend Jahren. Ist sie doch die Wiege der Religion der alten Griechen. So fand man hier zahlreiche Votivgaben, Tongefäße, Doppeläxte und Opfertische. Bei den ersten Ausgrabungen um 1897 bis 1899 verwendete man Sprengpulver, um herabgefallenes Deckgestein zu zertrümmern. Viele der damaligen Funde sind in Oxford und London oder im Louvre ausgestellt, die Kreter gingen nahezu leer aus.
Auf Kreta findet sich eine weitere Höhle im Ida-Gebirge, die als Geburtshöhle des Zeus herhalten darf. Auch in ihr fanden sich Bronzeobjekte und Votivgaben. Gut, in der einen könnte er ja geboren sein, in der anderen aufgewachsen und vor Kronos versteckt gehalten, der üblicherweise seinen Nachwuchs bei lebendigem Leibe verschlang. Sollte doch keines seiner unsterblichen Kinder ihm den Platz als Göttervater streitig machen. Was bekanntermaßen misslang.
Bildergalerie Lassithi-Hochebene und Zeus-Höhle
Den letzten Tag fahren wir noch einmal in den Süden an die Küste. Agia Galini ist das Ziel. Das malerische und typische Hafenstädtchen liegt steil an einem Bergrücken, der zum Meer hin ausläuft. Auch hier ist gegen Ende der Saison Ruhe eingekehrt, erste Tavernen haben schon geschlossen.
Kreta ist eines der beliebtesten Reiseziele des Mittelmeeres. Das hat die Insel ihrer Geschichte und den Sehenswürdigkeiten zu verdanken, ihren durch venezianischem und osmanischem Einfluss malerischen Städten und Dörfern, der Landschaft und den offenen, von jeher Fremden freundlich gesonnenen Menschen. Und den Stränden, die mancherorten karibisches Flair verbreiten. Besonders gilt das für die Nachsaison, wenn viele Besucher die Insel wieder verlassen haben.
Quellen: eigene Recherche und Erlebnisse, Wikipedia,
Trip auf die Azoren: der Film ist fertig

Der Film zu unserer Tour auf die Azoren, konkret auf die drei Inseln Sao Miguel, Faial und Pico ist fertig (hier geht es zu einem ausführlichen Reisebericht mit zahlreichen Bildern). Er dauert 70 Minuten und ist als BluRay oder DVD erhältlich.
Neun größere und mehrere kleinere Inseln bilden die Azoren mitten im Atlantik gelegen. Öfters mal als Geheimtipp tituliert, begeistern vor allem vulkanische Landschaften, der Atlantik, die Menschen und deren jahrhundertalte Traditionen – so ist etwa der Weinbau auf Pico Weltkulturerbe und es finden sich hier die letzten Teeplantagen Europas.
Azoren 2017 – die Inseln São Miguel, Faial und Pico
Von Wind, Vulkanen und grünen Landschaften
Neun größere und mehrere kleinere Inseln bilden die Azoren mitten im Atlantik gelegen. Öfters mal als Geheimtipp tituliert, begeistern vor allem vulkanische Landschaften, jahrhundertealte Traditionen und die Menschen den Besucher. Inzwischen fliegt sogar Ryan-Air von Lissabon aus nach Ponta Delgada, geplant sind auch mehrere neue Hotelkomplexe. Zum Ziel von Massentourismus wird das Archipel wohl aber nicht. Das verhindert das wechselhafte Wetter, das innerhalb kurzer Zeit umschlagen kann. An einer Ecke der Inseln scheint jedoch fast immer die Sonne und die Berge im Nebel haben auch ihren Reiz.

Ohne eigenes Fahrzeug ist man– als individuell Reisender – ziemlich aufgeschmissen, mit macht es aber viel Spaß die Inseln zu erkunden. Auch Inselhopping ist kein Problem, am Vormittag ins Flugzeug oder auf die Fähre gestiegen ist man mittags schon wieder mit einem neuen Mietwagen im nächsten Hotel. Allzu viel sollte man sich jedoch nicht vornehmen, wir besuchten über einen Zeitraum von 17 Tagen drei Inseln: São Miguel, Faial und Pico. Anschließend bot sich noch ein mehrtägiger Zwischenstopp in Lissabon an, ein Kontrastprogramm. Den im Mai waren die Inseln noch ziemlich leer, zumal sie auch nicht besonders dicht besiedelt sind. Was man von Lissabon nicht sagen kann. Aber auch das hat seinen Reiz.
Hier geht es zu einem Trailer vom Film.
São Miguel
Ausgangspunkt für unsere Fahrten und Wanderungen auf São Miguel war der Ort Maia, etwa 30 km nordöstlich der Inselhauptstadt Ponta Delgada gelegen. Unser Quartier war das Solar de Lalém, es soll es sich um eine der schönsten Unterkünfte auf Saó Miguel handeln. Die Geschichte des Hauses beginnt bereits um das Jahr 1500 als der König von Portugal die Insel in fünf Regionen aufteilte. Adelige, die Donatarkapitäne verwalteten die Regionen und lebten in entsprechenden Herrenhäusern. Solar de Lalém ist das einzige noch erhaltene. Seine heutige Form erhielt das Anwesen 1850 nach mehreren Umbauten. Die heutigen Besitzer, ein deutsches Ehepaar, erwarben das Haus 1995, renovierten es und bauten es zu einem kleinen Hotel mit zehn Zimmern um.

Maia selber wurde entsprechend auch schon um 1500 herum besiedelt, heute leben um die 2000 Einwohner hier. Wahrzeihen ist das Gotteshaus Divino Espírito Santo, 1825 fertig gestellt. Es beherbergt im Tabernakel eine der ältesten Monstranzen der Insel, eine Silberschmiedearbeit von 1618.
Bei regnerischen und wechselhaften Wetter machten wir uns auf in den Nordosten der Insel. Es ging mit dem Auto die Küste entlang. Gleich bei Maia gelegen findet sich eine der letzten in Europa gelegenen Teeplantagen. Als einzige Teefabrik überstand die Plantacóes de Chá Gorreana
krisengeschüttelte Zeiten, fanden sich an der Nordküste doch einst 62 Plantagen. Der Besuch zeigt einem die alten, noch in Betrieb befindlichen mit Transmissionen angetrieben Anlagen aus englischer Produktion. Tee lässt sich natürlich auch probieren und alles ist kostenlos. Ein kleiner Laden bietet Tee zum Verkauf an, von den man dann gerne etwas mitnimmt. Produziert wird hier seit 1883, heute sind es 40 bis 50 t pro Jahr. Erntezeit ist von April bis September, alle 14 Tage ernten etwa 30 Arbeiter die Endknospe und die ersten zwei Blätter.

Weiter ging es die Küstenstraße entlang Richtung Nordeste. Was auffällt sind die zahlreichen Rastplätze, schön angelegt und gepflegt, meist mit Grillmöglichkeit und das alle paar Kilometer. Manche erinnern eher an gar nicht so kleine botanische Gärten, sind Picknickplatz und Aussichtspunkt mit häufig wunderbaren Aussichten über die Steilküste. Sanitäre, meist saubere Anlagen sind ebenfalls häufig vorhanden. Sicherlich einer der schönsten liegt bei Salga, der Miradouro do Salto da Farinha hoch über der Küste. Im Schatten kleiner Hütten lässt sich grillen, der Blick schweift von einem Wasserfall auf der einen zum Meer auf der anderen Seite.
Wenige Kilometer weiter kommt man in einer eher tropischen Umgebung zum Ribeira dos Caldeiróes. Hier finden sich ein Wasserfall, Wassermühlen, blühende Beete, ein Kaffee und ein Souvenirshop. Und mehr oder weniger lange Wandermöglichkeiten.
Es ging an weiteren Aussichtspunkten vorbei, die immer wieder einen Stopp lohnten, auch bei regnerischem Wetter. Besonders erwähnenswert ist der Miradouro da Ponta do Sossego, etwa eineinhalb Kilometer südlich von Nordeste gelegen. Hier könnte man mehrere Stunden verbringen, etwa Grillen, Pflanzen studieren, fotografieren, den Ausblick genießen. Ein paar Kilometer weiter auf der anderen Seite des tiefen Taleinschnittes liegt das Pendant, der Miradouro da Ponta da Madrugada. Hier endet dann die Strecke mit den schönsten Picknickplätzen.
Ribeiera Grande, die größte Stadt im Norden der Insel, westlich von Maia gelegen, war eines der nächsten Ziele. Der Fluss, der das Stadtgebiet in zwei Teile trennt, ist Namensgeber des Ortes. Er entspringt hoch in den Bergen. Wie in allen Orten der Azoren bilden Kirchen den Mittelpunkt. Hier sind es gleich zwei, deren Besuch sich lohnt. Aus dem 16. Jahrhundert stammt die aus dunklem Basalt bestehende Kirche Igreja Matriz de Nossa Senhora da Estrela. Am zentralen Platz findet sich zudem die Kirche Igreja do Espirito Santo da Misericordia aus dem 17. Jahrhundert. Sie beeindruckt vor allem durch ihre Barockfassade. Das Zentrum der Stadt bildet der Park Jardim Publico, der einen Spaziergang lohnt. Und drum herum finden sich genügend Kaffees für eine gemütliche Pause.
Hauptstadt der Azoren und größte Stadt mit rund 18.000 Einwohnern in vier Gemeinden ist Ponta Delgada, zugleich Einfallstor für Besucher aus Europa und Amerika. Ihren Namen verdankt die Stadt einer kleinen Landspitze (Ponta Delgada = dünne Spitze). Geprägt ist sie von mehreren Kirchen und zahlreichen historischen Gebäuden und natürlich dem Hafen. Großstadt ist aber was anderes. Ponta Delgada ist überschaubar, kann zu Fuß erkundet werden und ist nicht allzu laut. Aber bis auf einige Plätze auch nicht besonders schön, wenigstens der Hafen.
Ein Bummel in der 1499 gegründeten Stadt lohnt dennoch, auch wenn die Bürgersteige in den engen Gassen in der Altstadt schmal sind und meist vollgeparkt. Parkplätze sind rar, im Mai finden sich aber genügend nahe der Uferpromenade. Einen halben Tag sollte man einplanen, will man das Wichtigste sehen. Das wären natürlich der Hafen mit den Jachten, diverse alte Kirchen, das barocke Rathaus, schöne Plätze und Parkanlagen, das Stadttor Portas da Cidade oder auch die alte Walfabrik etwas außerhalb gelegen. Das Museum war bei unseren Besuch jedoch geschlossen wegen Umbaus.
Die Kirche Igreja da Sao de Nossa Senhora de Conceicao aus dem 16. Jahrhundert ist eine der größten Kirchenbauten auf den Azoren. Finanziert haben den Bau einst die reichsten Familien von Ponta Delgada. Heute zeigt der Innenraum die dekorative Kunst des 18. Jahrhunderts.
Reichlich geschmückt ist auch die Klosterkirche Igreja da Nossa Senhora da Esperanca. 1541 fertig gestellt, beherbergt sie u. a. Fliesenbilder des 18. Jahrhunderts und einen wertvollen Kirchenschatz, darunter den Altar aus dem 16. Jahrhundert.
Mitten im Zentrum gelegen ist die Hauptkirche Ponta Delgadas, Igreja Matriz de Sao Sebastiao. Ursprünglich als kleine Wallfahrtskapelle zwischen 1531 und 1547 als Dank für die Hilfe gegen die Pest erbaut kamen im 18. Jahrhundert zu dem spätgotischen Stil erbauten Gebäude barocke Elemente hinzu.
Wer von Kirchen genug hat, wir wären noch bei Weitem nicht am Ende, sollte einen Bummel die Uferpromenade lang machen. So findet sich am Westende des Hafens findet sich das Forte de Sao Braz von 1522, heute Sitz der portugiesischen Marine.
Weiter ging es am früheren Nachmittag nach Caloura an der Küste unterhalb von Agua de Pau gelegen. Den Ort zeichnet ein mildes Klima aus, hier finden sich viele Sommerresidenzen vermögender Portugiesen. Unser Ziel war ein kleiner, schön gelegener Fischereihafen mit einem Meerwasserschwimmbecken. Heute ist der Atlantik trotz des schönen Wetters zu unruhig für ein Bad. Muss man auch nicht. Viel besser ist ein Fischrestaurant mit guter Küche und wunderbarem Blick von der Terrasse auf den Atlantik.
Den kommenden Tag ging es Richtung Westen. Die Caldera das Sete Cidades stand als erstes auf dem Programm. Der Blick auf die beiden Seen Lagoa Azul und Lagoa Verde inmitten der Caldera ist traumhaft. Die schönste Sicht hat man vom Aussichtspunkt Vista do Rei. Der Kraterrand fällt über 500 m ab, der Krater selbst ist etwa 850 m hoch und gerade mal ein rundes halbes Jahrtausend alt. Eine Explosion sprengte 1444 die Spitze eines über 1200 m hohen Berges weg und schuf den größten Krater der Azoren. Man kann die Caldera komplett zu Fuß umrunden (etwa 13 km, rund 5 h) oder einen Teil auf einer Piste auch mit dem Auto zurücklegen und weitere schöne Ausblicke genießen.

Bevor es aber losging stand noch eine alte Hotelruine auf dem Kraterrand zur Besichtigung an. Nichts ist abgesperrt, man ist selber für sein Handeln verantwortlich. Gäbe es in Deutschland nicht. Das 1983 erbaute Fünf-Sterne Hotels Monte Palace stand nach seiner Fertigstellung erst mal mehrere Jahre leer. Waren die Bauträger doch Pleite gegangen. Eröffnet hatte man es dann Anfang 1989, ein Jahr später waren die Betreiber wieder pleite und so moderte das Hotel vor sich hin. Wasser tropft von der Decke, Moos breitet sich aus und der Blick vom Dach in die Caldera ist gigantisch.
Es heißt aber auch Aufpassen, so steht des Öfteren im Halbdunkel an Wänden etwa groß ein „No Go“. Dahinter befindet sich der offene Aufzugschacht… So ist die Ruine heute quasi auch eine Attraktion, kaum ein Besucher, der sie nicht durchstöbert.
Es folgte die Fahrt über den Kraterrand und dann hinunter in die Caldera zum kleinen Ort Sete Cidades. Sehenswert sind ein kleiner Park bei der Pfarrkirche Igreja de Sao Nicolau, die Kirche selbst und natürlich gibt es diverse Wandermöglichkeiten im Umfeld der Seen. Baden ist nicht unbedingt angesagt, sind die Gewässer doch überdüngt.

Wir entschieden uns ein Stück weiter westlich zu einer etwa sechs Kilometer langen Wanderung durch das Gebiet der Serra Devassa. Die Rundwanderung führt durch eine versteckte Seenlandschaft mit wunderbaren Ausblicken und dauert etwa zwei Stunden. Die Wanderwege sind gut beschildert, der Streckenverlauf gut zu erkennen. Allerdings soll auf diesem Weg in einer Höhe von 750 bis 900 Metern häufiger Nebel auftreten, wir blieben davon verschont.
Auf dem Rückweg zum Hotel fuhren wir noch ganz in den Westen der Insel nach Mosteiros. Der Ort markiert die Westspitze der Insel, direkt am Meer gelegen. Auch heute noch versprüht Mosteiros den Charme eines alten Fischerdorfes. Badegäste sollen sich am dunklen Sandstrand wohlfühlen, das Meerwasser wird durch heiße Quellen erwärmt. Erholungssuchende dürften die Naturschwimmbecken und den dunklen Sandstrand mit heißen Quellen schätzen, denen auch eine gewisse gesundheitliche Wirkung nachgesagt wird.
Unseren sechsten Tag widmeten wir Furnas und seinen geothermischen Aktivitäten. Der Kurort liegt inmitten einer Caldera, die Kraterwände halten den Wind ab und sorgen für ein eigenes Mikroklima mit hoher Luftfeuchtigkeit. Zahlreiche Thermalquellen und vulkanische Aktivitäten prägen die Gegend. Direkt am Kratersee finden sich Fumarole, kochender Schlamm, heiße Quellen. Das Wasser ist durch den hohen Eisengehalt oft rostbraun, so auch im 38 °C warmen Badesee im Parque Terra Nostra, der Besuch (und ein Bad) ist ein Muss.

Umkleidemöglichkeiten sind vorhanden, Duschen auch. Beim Bad sollte man aber nur dunkle Badesachen verwenden, färbt das Wasser doch jeden hellen Flecken braun. Im Park selber finden sich zahlreiche exotische Pflanzen, eine Wanderung lohnt. Einplanen sollte man mindestens eine Stunde.
Um die Mittagszeit kann man im Thermalgebiet am Lagoa das Furnas beobachten, wie Töpfe mit Cozido, eine Art Eintopf und Spezialität des Ortes „geborgen“ werden. Der Eintopf besteht aus verschiedenen Fleischarten, Salami, Blutwurst sowie Gemüse und gart etwa sechs Stunden in vorbereiteten Erdlöchern, abgedeckt mit Erde. Der Dampf mit seinen Mineralstoffen sorgt für einen besonderen Geschmack. Jedenfalls ist er stark sättigend und eher ein Wintergericht.
Wieder an der Küste schauen wir uns den Ort Povoacao an. Hier gingen 1427 die ersten Siedler der Azoren an Land. Der Überlieferung nach band man eine Ziege an einen Pflock. Als sie Tage später noch lebte fühlte man sich vor wilden Tieren auf der unbekannten Insel sicher und ging an Land.
Die Stadt selber wurde immer wieder von Naturgewalten gebeutelt, seien es Erdbeben mit Erdrutschen oder Sturmfluten. Sie machten den Ort mehrmals dem Erdboden gleich. So wurde die ganze Uferpromenade nach einem schweren Sturm 1997 erst wieder aufgebaut. Alte Gebäude finden sich direkt in Küstennähe nicht mehr. Zudem hat man schwere Wellenbrecher aufgeschüttet.
Ein Stück östlich kommt man über eine kleine Straße nach Faial de Terra, gelegen in einem Taleinschnitt direkt am Meer. Ausgangspunkt für eine schöne und empfehlenswerte Wanderung. Sie führt den Taleinschnitt hinauf, ist wie immer gut markiert, nach rund zwei Stunden erreicht man den wunderschönen, kleinen Wasserfall Salto do Prego. Auf dem Rückweg bietet sich ein Umweg über den Weiler Sanguinho an. In diesem alten, im Wiederaufbau befindlichen Dorf finden sich typische Häuser und kleine landwirtschaftliche Betriebe neben zahlreichen verfallenen Ruinen. Eine wunderschöne und schattige Wanderung zum Ende der sieben Tage auf São Miguel.
Insgesamt legten wir 616 km mit dem Mietwagen zurück, die Tagesetappen zur Erkundung der Insel halten sich also in Grenzen. Mit dem Flugzeug ging es nun auf die Insel Faial, dafür muss man nur einen Vormittag opfern, bis man wieder am nächsten Hotel inklusive Mietwagen ist.
Faial
Mit rund 170 Quadratkilometern Fläche und 15.000 Einwohnern ist Faial deutlich kleiner als Sao Miguel. Deswegen hatten wir nur vier Tage für die Insel eingeplant. Unser Hotel das Quinta das Buganvilias ist nahe des Flughafens gelegen, was aber nicht stört, da kaum Flugzeuge landen oder starten. Es schließt an einen wunderschönen, wild romantischen Garten an, der zum Hotel gehört. Er reicht fast bis zum Flugfeld. Die Start- und Landebahn kann man sogar in einem großen Entwässerungstunnel unterqueren, ist dann direkt am Meer.
Nur zehn Minuten mit dem Auto sind es bis zur Hauptstadt Horta. Bekannt ist die Stadt mit ihren 6500 Einwohnern wohl vor allem Seglern, für die ist ein Besuch Hortas quasi ein Muss und Zwischenstation auf der Atlantiküberquerung. Hier sollen jährlich um die 1200 bis 1500 Segler einlaufen. Und die hinterlassen im Hafen ihre Signaturen in Form von zahlreichen Bildern auf den Kaimauern, Böden und überall, wo noch Platz ist. Für Neuankömmlinge ist allerdings kaum mehr Platz vorhanden. Die Segler verewigen sich mit persönlichen Motiven, Walen, Segelschiffen, Rudern, Wellen und Namen auf dem grauen Beton, teils sind die Malereien neu, teils sehr alt und verwittert. Es heißt, wenn man als Segler hier ankommt und nichts auf die Mole malt, hätte man bei der Weiterfahrt kein Glück mit dem Wetter. In der Marina selbst liegen Millionenyachten neben altersschwachen Gefährten, Schulsegler der Marine neben Nussschalen. Hier könnte man Stunden verbringen.
Nahezu jeder Segler und zahlreiche Besucher dürfte es dann – oder zuerst – zum Peters Café Sport ziehen, eine Institution und Kult in Horta. Halb Wirtschaft, halb Café und nebenan ein Souvenirladen. Ein Kneipenmythos, für viele Segler eine der besten Kneipen weltweit. Leider auch sehr voll als wir ankommen. Macht nichts, später nochmal hin.
Die Geschichte des Peters geht auf das frühe 20. Jahrhundert zurück. Schon kurz nach der Gründung um 1918 als Laden begann der Inhaber mit dem Ausschank harter Getränke. Sehr schnell gehörten Seeleute, Walfänger und Matrosen zum Stammpublikum. Sie verbrachten öfters mal einen Winter in Horta, fanden Gleichgesinnte und eben harte Drinks. Seit den 60er-Jahren kommen Freizeitsegler hinzu, und das hält bis heute an.
Im ersten Stock findet sich ein kleines, sehenswertes Scrimshaw-Museum. Scrimshaws sind auf Pottwalzähnen angebrachte feine Gravuren, die die Lebens- und Leidensgeschichte der Fischer erzählen.
Horta ist zugleich kulturelles Zentrum der Azoren und Sitz des Parlaments. Viele der Häuser stammen noch aus dem 18. und 19. Jahrhundert, zeichnen sich durch kleine Balkone und Erker aus. Verkehrstechnisch dominieren enge Einbahnstraßen, außerhalb Parken bietet sich an. Zudem liegt die Stadt am Hang, ein Fußmarsch bedeutet also auch ein Auf und Ab. Für Horta sollte man sich einen ganzen Tag Zeit nehmen, zumal abends gute Restaurants zum Bleiben einladen.
Am kommenden Tag machten wir uns auf, einmal die Insel zu umrunden. Gerade mal 80 Kilometer beträgt die Küstenlänge, reine Fahrzeit einmal herum etwa zwei Stunden. Dennoch sollte man sich einen Tag dafür Zeit nehmen. Zumal sich im Westen der Insel eine Reihe kleinerer Vulkankegel finden, die auf Ausbrüche von 1957/58 zurückgehen. Gewaltige wochenlange Eruptionen vergrößerten die Insel um rund 2,5 Quadratkilometer. Die Aschesäulen standen bis zu vier Kilometer hoch, der Vulkan war ein Jahr lang aktiv. Viele Familien verloren Hab und Gut, einige ihr Leben. In der Folge emigrierten nicht wenige in die USA.

Ein unterirdisches Museum informiert über den Vulkanismus im Allgemeinen, über die Entstehung der Azoren und natürlich den damaligen Ausbruch. Auch der alte Leuchtturm lässt sich noch besteigen, zudem bieten sich diverse Wanderwege an.
Bei den Ortschaften, die an der Inselrundstraße EN1 liegen, handelt es sich meist um einfache Straßendörfer. Immer wieder sieht man besonders im Osten Ruinen und Risse in den Häuserfassaden, eingestürzte Kirchen, einen zerstörten Leuchtturm. Folgen eines schweren Erdbebens, das im Jahr 1998 einige Dörfer fast komplett zerstörte. Um die 1000 Häuser stürzten damals ein, etwa 3000 weitere wurden mehr oder weniger schwer beschädigt. Das Erbeben hatte eine Stärke von 6,2 auf der Richter-Skala. Auf Faial wird einem schnell deutlich, welche große Rolle die Naturgewalten auf den Azoren spielen. Auch heute noch sind mehr oder weniger starke Erdstöße an der Tagesordnung.
Gleichzeitig sind es aber die Naturgewalten, die die eindrucksvollsten Landschaften Faials bildeten. Dazu gehört die riesige Caldera im Inselzentrum mit einer Tiefe von 400 m und etwa zwei Kilometern Durchmesser. Die Caldera aber verborg sich uns die ganzen vier Tage über in dichtem Nebel, so dass eine Wanderung um die Caldera herum wenig Sinn machte. Zumal noch ein stürmischer Wind blies und die hohe Luftfeuchtigkeit einen nach wenigen Minuten wie im Regen vorkommen ließ.

Die Caldera entstand vor rund 1000 Jahren durch eine gewaltige Explosion. Zwei Drittel der Insel wurden damals von Gesteinsniederschlag bedeckt.
30 Minuten mit dem Boot sind es dann bis zu unseren dritten Insel, Pico. Mit Abgabe des Mietwagens, Abholung des Neuen und Fahrt zum Hotel geht ebenfalls nicht mehr als ein Vormittag dafür drauf. Zu beachten ist übrigens auf allen Inseln, dass die Mietwagen häufig nur schwach motorisiert sind. Bei üblichen Steigungen an der Küste abseits der Ringstraße von 18 Prozent geht es gerade noch so, bei manchen mit 25 Prozent sollte man jedoch gut überlegen, ob man das Wagnis auf sich nimmt. Auf Faial sind wir übrigens rund 230 km mit dem Auto kreuz und quer über die Insel gefahren.
Pico
Unser Hotel auf Pico, das Aldeia da Fonte, liegt an einer anderen Ecke der Insel nahe Lajes. Deswegen fuhren wir vom Fährhafen erst einmal durch das Inselinnere, aber auch hier halten sich die Distanzen in Grenzen. Auf Pico leben rund 15.000 Menschen, vor allem an der Küste. Das Inselinnere ist nahezu menschenleer, bewachsen von Heidekrautgewächsen und belebt von zahlreichen Kühen. Heidekraut ist die charakteristische Pflanze der Insel, mal baumhoch, mal ein Busch, mal gerade den Boden bedeckend. Und häufig vom Wind bizarr geformt, der hier gern recht kräftig weht. Zudem finden sich Kraterseen und grüne Vulkankegel zuhauf.
Das Aldeia da Fonte besteht aus mehreren schönen Steinhäusern an der Steilküste gelegen in einem wunderbaren Garten. Eine Empfehlung, hier lässt man sich´s gut gehen. Man kann direkt vom Hotel aus loswandern, durch den Garten streifen oder gut Essen. Auch ein Meerwasserbecken gehört dazu, wenn das Wetter mitmacht.
Pico ist nach dem zentralen Berg Ponta de Pico benannt, mit 2351 m der höchste der Azoren und auch Portugals. Man sollte aber nicht nur des Berges und seiner Besteigung wegen hierher kommen, sonst ist die Enttäuschung leicht vorprogrammiert. Er verschwindet meist in dichten Wolken, und das über Tage hinweg. So wie bei uns.

Aber zu sehen und tun gibt es auf Pico dennoch vieles. Bei unsere Tour am zweiten Tag von Lajes nach Madalena, der Inselhauptstadt – übrigens bei kräftigem Regen – widmeten wir uns dem Weinbau. Er ist seit 2004 als Weltkulturerbe der Unesco eingestuft. Angebaut wird der Wein auf Flächen aus Basaltlava, Spalten im Gestein ermöglichen den langen Wurzeln der Rebstöcke die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Andere Pflanzenkulturen haben es hier schwerer. Zudem wärmt sich das dunkle Gestein in der Sonne auf, Feuchtigkeit gibt es ebenfalls genug und auch Mineralien im Boden. Das sorgt für Trauben mit einem hohen Zuckergehalt. Vor den salzhaltigen, vom Meer kommenden Winden schützen rechteckige oder runde Schutzwälle aus dem dunklen Lavagestein. Typisch sind auch die kleinen, ebenfalls aus dem Lavagestein aufgebauten Winzerhäuser, die mit zum Weltkulturerbe gehören.
Insbesondere Weine aus der Verdelho-Traube, einer portugiesischen Weißweintraube, macht den Wein aus Pico international bekannt. Aber auch hier setze die Reblaus Ende des 19. Jahrhunderts den meisten Weinstöcken ein jähes Ende. Die danach gepflanzten resistenten Amerikanerreben ergaben aber nur minderwertige Weine. Erst seit den 1980er-Jahren baut man wieder hochwertige Weine an.
Zwischenzeitlich hielten wir uns bei kräftigen Regen in der Inselhauptstadt Madalena auf. Diese ist aber nicht mit Horta oder Ponta Delgada zu vergleichen, für uns lohnt ein längerer Aufenthalt nicht. Einzig das Museu do Vinho wäre einen Abstecher wert gewesen, es befindet sich in Teilen des Karmeliterklosters. Man kann Weingärten besichtigen, Weinproben machen und im September an der Weinlese teilnehmen.
Wir bewegten uns weiter entlang der Küste Richtung Sao Roque, zumal inzwischen die Sonne schien. Auch hier ziehen sich der Weinbau oder auch nur Überreste davon entlang der Strecke. Ursprünglich fand sich der Weinanbau auf einer Länge von 40 km die Küste entlang und etwa bis zu 3 km landeinwärts.
Wir kamen nach Lajidoo, dem vielleicht schönsten Ort auf Pico. Hier geht alles um den Weinbau, auch ein kleines Weinbaumuseum findet sich. Im Eintrittspreis von zwei Euro ist gleich noch eine kleine Weinprobe enthalten. Auch bietet sich die Gegend für wunderbare Wanderungen an, von denen wir eine längere am nächsten Tag auch machten. Viele Weinberge wurden hier inzwischen der Natur überlassen, einige werden wieder hergestellt. An einigen Stellen baut man inzwischen Feigen an.
An der Küste und später bei der Wanderung lassen sich an vielen Stellen die Rilheiras erkennen, Furchen, die die mit schweren Weinfässern und Trauben beladenen Ochsengespanne in das Lavagestein mit der Zeit der Jahrhunderte quasi hineingefräst haben. Auch an den Anlagestellen am Meer sind noch Spuren von Bahnen zu erkennen, die das Heruntergleiten der Fässer erleichterten.

Eine nächste Tagesetappe führt uns dann etwas länger nach Sao Roque. Hier findet sich eine sehenswerte Walverarbeitungsfabrik, die heute ein Museum ist, das Museu da Indústria Baleeira. Ein weiteres findet sich in Lajes nahe unserem Hotel, das Museu dos Baleeiros. Auch das schauten wir uns an. Die Azoren und besonders Pico hat eine alte Walfangtradition. Jahrhundertelang war das Archipel Walfangzentrum besonders für amerikanische Walfänger, deren Schiffe hier anlegten und auch schon mal überwinterten. Bewohner der Azoren stellten Teile der Besatzungen, ein Weg um den Militärdienst zu umgehen oder auch um nach zwei/drei Jahren auf See nach Amerika zu kommen. Die Azoreaner selber fingen Wale nur in Küstennähe. Die Jagd auf Wale hat die Insel und die Menschen geprägt, geendet hat das alles erst 1987. An der Küste findet man etwa immer wieder Beobachtungstürme. Wurde ein Wal gesichtet gab man mit Leuchtraketen Signal, die Männer beendeten dann sofort ihre Tätigkeit und fuhren zu siebt/acht mit ihren schlanken, kleinen Booten auf die See hinaus und erlegten den Wal. Auch im Wettlauf untereinander.

Heute fährt man wieder mit kleinen Booten hinaus, jedoch zur Walbeobachtung. Es gibt nur wenige Orte auf der Welt, die eine derartig große Vielfalt und Dichte an Walen und Delfinen bieten, die sich aus nächster Nähe beobachten lassen. Wir jedoch verzichteten darauf, da wir bei einer früheren Reise in der Baja California einmalige Erlebnisse mit Walen hatten. Hier findet sich ein Bericht dazu.
Einen Besuch wert ist auf jeden Fall die Gruta das Torres. Sie ist mit über 5000 m Länge und einer Höhe bis zu 15 m die größte bekannte Lavahöhle auf den Azoren und eine der längsten weltweit. Sie besteht aus einem großen Haupttunnel und verschiedenen Nebentunneln und weist vielfältige geologische Strukturen auf. Hier finden sich Stalagtiten und Stalagmiten, Lavabänke, Glaslava, Fließmarkierungen an den Wänden, Blocklava und Pahoehoe-Lava. Eine ursprünglich sehr dünnflüssige, schnell fließende und sehr heiße Lava.

Lavaröhren entstanden während früherer Vulkanausbrüche. Dabei floss der heiße Gesteinsstrom unter einer bereits erstarrten Kruste noch Kilometer weit, teilweise bis zum Meer. Die Kruste sorgte für die thermische Isolierung. Nach Ende des Ausbruches und Versiegen der Lavaquelle verblieben die leergelaufenen Röhren. Stellenweise stürzte die Höhlendecke ein, so entstanden die Zugänge.
Begehbar ist natürlich nur ein kleiner Teil, auch zum Schutz der erst 1990 entdeckten Höhle. Die beließ man bis auf den Eingang ursprünglich, gutes Schuhwerk ist angesagt. Helm und Grubenlampe bekommt man im Besucherzentrum, das für sich selber schon sehenswert ist. Nähert man sich, sieht man nur eine schwarze Mauer aus Lavabrocken. Sie erinnert an die aufgeschichteten Trockenmauern, die die Weinfelder begrenzen, nur höher. In die Höhle kommt man nur über den Weg durch das Besucherzentrum. Frühzeitig reservieren ist angesagt, maximal 15 Leute dürfen hinein und das nur fünfmal am Tag.
Generell prägt der Vulkanismus das Erscheinungsbild der Insel. So zeigen sich im Inselinneren zahlreiche kleine und größere Krater und Kraterseen, überragt vom Ponta de Pico. Der letzte Ausbruch fand 1562 statt. Pico kennt auch keine Sandstrände wie die meisten atlantischen Vulkaninseln auch. Die Küste bilden meist steile Felswände, die direkt aus dem Meer emporragen, umtost von den Gewalten des Atlantiks. Immer wieder hat man an flachen, felsigen Küstenabschnitten Naturbecken zum Baden angelegt, Felsen und Mauern halten den Atlantik in Zaum, so lässt sich gefahrlos Baden. Dennoch, Badeurlauber sollten woanders hinreisen.
Die Azoren bieten bizarre Landschaften, geeignet zum Wandern, die Möglichkeit Wale zu beobachten, wechselhaftes Wetter und wenig Menschen. Und guten Wein. Hoffen wir, dass das noch lange so bleibt.
P.S. Auf Pico legten wir in den sechs Tagen 512 km zurück. An Tagen mit viel Regen bieten sich eben Autowanderungen an.
Quellen: eigene Recherche und Erlebnisse, Wikipedia, azoren-online.com
Island 2016, Teil II Hochland
Summer in the North:Teil II – im Hochland
Hier geht es zum Teil I, auf der Ringstrasse
In Island unterwegs, Fortsetzung: Recht früh erreichten wir dann nach zusammen 238 km unser Ziel, die Unterkunft in Hofsstaðir. Wieder war uns das Glück holt. Wir bekamen ein kostenloses Upgrade für die Deluxe-Unterkünfte (nur zwei an der Zahl). Und zwar in einem kleinen, etwas abseits gelegenen restaurierten Hof aus dem 19. Jahrhundert. Quasi ein Museum. Wirklich schön. Auch hier wieder ein sehr schnelles Internet, mitten auf dem Land, weit und breit nichts außer ein paar Gebäuden. Also noch schnell was auf Facebook gepostet.
Hochlandpiste Kjölur und Thermalgebiet Hveravellir
Heute wurde der Geländewagen erstmals gefordert. Ging es doch über das Hochland zurück in den Süden. Rund 305 km, davon 220 km mehr oder weniger gute Piste mit Geschwindigkeiten (erlaubt) um die 80 km/h. Wenn möglich. Erste Station war das Thermalgebiet um Hveravellier, das zwischen den Gletschern Langjökull and Hofsjökull liegt. Rauchende Dampfsäulen, Blubbern, Zischen, quasi Schnellkochtöpfe finden sich zuhauf. Das Wetter ist leicht bewölkt und recht kühl, um die 7 °C, zudem herrscht ein starker, eiskalter Wind vor. Dennoch ergab sich eine kurze Wanderung. Hier findet sich auch ein geothermische Pool, sowohl heißes als auch kaltes Wasser fliesen hinein, was die Temperatur des Wassers gut regulierbar macht. Es hat eine hohe Fließgeschwindigkeit und ist damit immer sauber und soll erwiesenermaßen medizinisch heilsam sein. Um die 20 Personen finden gleichzeitig bequem Platz im Pool.
Weitere 45 km entfernt dann noch ein Abstecher in das farbenprächtige Liparitgebirge Kerlingarfjöll. Sicherlich einer der Höhepunkte der bisherigen Islandreise. Nach 6 km zu Fuß (einfach, musste auch wieder zurück) und rund 500 Höhenmeter hat man einen Blick auf das farbenprächtige Gebiet, wie es ihn wohl kaum sonst wo auf diesem Planeten noch einmal gibt. Der Marsch lohnt, ich denke die Bilder sprechen für sich.
Nach weiteren rund 50 km gelangten wir wieder an den Wasserfall Gullfoss, den wir zu Anfang schon besuchten und somit ausließen. Sprich, wir waren wieder in bewohntem Gebiet. Die Hochlandpiste ist je nach Witterung meist erst an Anfang Juli zu befahren, im September ist schon wieder Schluss.
Hochlandperle Landmannalaugar
Auch heute ging es rund 170 km durch das isländische Hochland. Es es bestätigt sich, viele landschaftliche Höhepunkte liegen im Inselinneren. Schwerer erreichbar, aber allemal wert. Unser Ziel war Landmannalaugar. Schon der Weg dahin übertrifft vieles, 80 km Piste, und zwar durch schwarze, bizarre Lavafelder mit einer wunderbaren kargen Vegetation. Zahlreiche Stopps verdoppelten schnell mal die Fahrzeit. Hinzu kamen sechs Flussdurchfahrten, auch nicht alltäglich.
In Landmannalaugar gibt es einen Infostand und eine große Wanderhütte, Zeltplätze, Toiletten, Duschen und Möglichkeiten, sich umzuziehen wenn man den natürlichen Pool ausprobieren möchten. Landmannalaugar ist Basislager für viele Wanderungen, auch mehrtägige Trecks sind möglich, hinkommen kann man auch mit dem öffentlichen Bus, einem geländetauglichen natürlich.
Wir nahmen uns eine etwa dreistündige Wanderung auf der markierten Strecke Laugavegur vor, durch das faszinierende Obsidian-Lavafeld sowie farbenprächtige Berge bis zu den Dampfquellen am farbenfrohen Berg Brennisteinsalda. Zurück folgten wir dem Pfad über die Lava durch die grüne Schlucht Grænagil. Das Wetter machte mit, erst abends dann in unserer Unterkunft in Hrauneyjar angekommen, ein paar Minuten vorher fing es an in Strömen zu regnen. Wir konnten das Auto nicht verlassen, wären komplett durchnässt worden.
Gletscherflusstal und Saga-Hof
Es steht der erste richtige Regentag an. So scheint es. Dennoch los, als erstes stand ein alter wikingerzeitlicher Hof Namens Stöng aus dem 11. Jahrhundert an, respektive dessen Grundmauern. Zerstört mutmaßlich 1104 durch einen Ausbruch des auch heute noch gefürchteten Hekla. Rechtzeitig hörte es übrigens auf zu regnen und fing wieder an, als wir im Auto saßen. Das passierte und nun noch zwei weitere Male. Stiegen wir aus, kam die Sonne, stiegen wir wieder ein, der Regen.
Nur ein paar Kilometer entfernt befindet sich ein originalgetreuer Nachbau des Hofes. Die Rekonstruktion besteht aus drei Gebäuden – darunter ein Langhaus – und wurde 1974 begonnen, anlässlich des 1100-jährigen Jubiläums der Besiedlung Islands.
Nicht weit weg findet sich zudem ein weiter Wasserfall, der Hjalparfoss mit schönen Basaltsäulen. Auch den „nahmen“ wir mit. Dann verließen wir das regnerische Hochland, fuhren Richtung Süden etwa 80 km weit an die Küste. Schönstes Wetter erwartete uns. Zwei Städtchen mit Museen – Stokkseyri (Elfenmuseum) und Eyrarbakki (Heimatmuseum und Fischereimuseum) – besuchten wir
noch, dann ging es zurück zu dem uns schon mehrmals bekannten Sel Guesthouse, drei Nächte verbrachten wir hier – eine Empfehlung. Auf dem Weg noch den wunderschönen Explosionskrater Kerið entdeckt, umrundet und einmal hinabgestiegen, das war es aber auch schon und auf Tacho standen 208 km mehr.
Auf Umwegen nach Reykjavik
Wir nähern uns dem Ende der Rundreise. Morgen geht es weiter nach Grönland. Den direkten Weg nach Reykjavik kennen wir, also fahren wir noch mal einen „kleinen“ Umweg (insgesamt 327 statt 150 km) über das Hochland. Haben ja noch den Geländewagen. Und genügend Zeit. Nach knapp 100 km auf der Hochlandpiste Kjölur erreichen wir die Gletscherzunge des Langjökull, Islands zweitgrößten Gletschers.
Man kann sogar auf ihn hinauffahren, wir aber stoppen direkt an der Zunge, sind hier gerade die einzigen. Von dem Gletscher weht ein eiskalter, fast stürmischer Wind herunter. Nur ein momentan verlassenes Camp mit Motorschlitten können wir ausmachen. Ein paar Hundert Meter vor dem Gletscher ist eine Station, von der aus Touren auf ihn mit riesigen, achträdrigen Trucks gemacht werden können.
Weiter geht es auf der Piste etwa 30 km bis zum Eingang einer alten Lavahöhle, einer von mehreren. Mitten in einem öden, ebenen Lavafeld ist einer dieser kilometerlangen Tunnel eingebrochen, hat somit zwei Öffnungen freigelegt. Erschlossen ist hier nichts, ohne Helmlampen, festes Schuhwerk und entsprechender Ausrüstung kommt man nur einige Dutzend Meter in die Höhlen hinein. Der Boden ist von großen, herabgestürzten Basaltblöcken übersäht, nach wenigen Metern ist es stockdunkel. Innen finden sich kleine Stalagmiten aus Eis.
„Aufgelesen“ haben wir einen weiteren Wasserfall (Hraunfossar), hier tritt an einer Bruchkante über mehrere Hundert Meter Grundwasser direkt aus dem Felsen, bis zu 500 l/s und strömt in einen darunter fließenden Fluss, der oberhalb zugleich einen Wasserfall ausbildet (Barnafoss). Dann fahren wir in Deildartunguhver zu den ergiebigsten isländischen Heißwasserquellen – wenn nicht der Welt.
Sie schütten um die 160 l/s kochendes Wasser aus und weiter geht es nach Borganes, wo wir uns in einer sehr gut gemachten audiovisuellen Ausstellung mit der isländischen Besiedlungsgeschichte und einer wichtigen Sage befassen.
Jetzt geht es eigentlich auf den Weg nach Grönland (hier geht es zum Reisebericht). Der Vollständigkeit halber aber jetzt schon der letzte Tag auf Island:
Fahrt von Reykjavik zum Flughafen Keflavik
Vorgestern sind wir von Grönland zurückgekommen und haben den gestrigen Tag wieder in Reykjavik verbracht. Unter anderem waren wir im Nationalmuseum (an Anfang beschrieben), wo im Foyer der EM-Fußball aus dem Spiel Island gegen England ausgestellt ist. Heute haben wir uns kurzfristig noch mal einen Mietwagen genommen, da unser Rückflug erst in der Nacht um 1.15 Uhr startet und wir so den Tag auf dem Weg zum Flughafen nach Keflavik noch nutzen können. Als erstes waren wir noch an der Blauen Lagune, zum Baden sollte man jedoch den ganzen Tag einplanen, die Zeit hatten wir nicht. Der Eintritt kostet übrigens um die 40 €, pro Person.
Dann waren wir noch in einem Geothermiegebiet mit wundervollen großen Dampfquellen auf der Halbinsel Reykjanes und haben an anderer Stelle eine „Fußgängerbrücke“ über einen Grabenbruch überquert, die die eurasische Erdplatte mit der amerikanischen verbindet.
Weiter standen drei Museen auf dem Plan, das Iceland Museum of Rock’n Roll in Reykjanesbær, kann man mitnehmen, muss aber nicht. Man sollte jedoch etwas Ahnung von isländischen Künstlern haben. Sehr schön ist das Museum Duushus in Keflavik mit einer beeindruckenden Sammlung an Schiffsmodellen, einem heimatlichen Teil sowie diversen Gemälden. Lohnenswert ist auch die Viking World, ebenfalls in Reykjanesbær. Hier findet sich unter anderem ein Nachbau von Leif Erikssons Schiff, mit dem man erst vor einigen Jahren auf der alten Route des Wikingers ebenfalls den Atlantik überquerte. Mit einem Audioguide kann man sich zudem (auf Deutsch) die Geschichte der nordischen Götter erzählen lassen, während man eine Ausstellung darüber entlang wandelt. Und dann ging es zum Flughafen und wieder zurück.
Island, wir kommen wieder. Das nächste Mal im Winter, der Nordlichter und Hundeschlitten wegen. Auch wenn es dann meist dunkel ist, jetzt hatten wir ja die ganze Zeit über Mitternachtssonne. Zum Ausgleich.
Hier geht es zum Teil I der Reise, auf der Ringstrasse, und hier zum Reisebericht Grönland)
Quellen: eigene Erlebnisse, Erlingsson Naturreisen, Wikipedia, Internetrecherche
Island 2016, Teil I Ringstrasse
Summer in the North:Teil I – unterwegs auf der Ringstrasse 1
Die Tour durch Island: Nach einigen Tagen in Reykjavik ging es auf der Ringstraße, der 1, in einem PKW rund um die Insel. Unsere Stationen: Nationalpark Þingvellir, die Springquelle Strokkur, diverse Wasserfälle wie der Gulfoss, weiter Skógar und die Südküste, der Gletscher Vatnajökull, der Nationalpark Skaftafell, die Ostfjorde, Jökulsárgljúfur, Ásbyrgi, für mehrere Tage die Gegend um den See Mývatn, Akureyri (hier Wechsel auf einen Geländewagen, Bericht Teil II), die Region Skagafjörður, die Hochlandpiste Kjölur mit den Thermalgebieten Hveravellir sowie Kerlingarfjöll, der Vulkan Hekla und die Hochlandperle Landmannalaugar sowie die Wikingerruinen Stöng. Zum Schluss folgte noch die Kaldidalur-Piste, bis in die Region von Borganes und ein Abstecher durch die Halbinsel Reykjanes. Die gesamte Fahrstrecke mit den Fahrzeugen betrug 2750 km in 16 Tagen.
Zurück in Reykjavik ging es dann per Flugzeug nach Ilulissat in West-Grönland. Dort wanderten wir im Weltnaturerbe am Eisfjord, befuhren die Mündungszone mit den Eisbergen mit dem Boot, machten uns mit einem Fischerboot auf zu der Inuit-Siedlung Ilimanaq und mit einem Eissicheren Schiff zum kalbenden Gletscher Eqip Sermia. Dieser Trip dauerte fünf Tage.
Zusammengestellt und gebucht als individuelle Tour zusammen mit Erlingsson Naturreisen
Reykjavik

Unser Ausgangspunkt Reykjavik ist die am nördlichsten gelegene Hauptstadt der Welt und bedeutet Rauchbucht. Laut Wikipedia rührt der Name vermutlich von den Dämpfen der heißen Quellen in der Umgebung her. Zugleich ist sie die älteste permanent bewohnte Siedlung des Landes. Hier leben rund 120.000 der etwa 335.000 Einwohner Islands. Entsprechend dünn besiedelt ist das Land.

Neben älteren Gebäuden in Reykjavík finden sich auch zahlreiche interessante Gebäude der moderneren Architektur. Von unserem Hotel nahe des Inlandflughafens ließ sich alles problemlos zu Fuß machen. Prägend für die Silhouette der Stadt ist vor allem das moderne Kirchengebäude Hallgrímskirkja, zugleich eins der höchsten Gebäude des Landes. Von ihrer Stellung auf einem Hügel überragt sie die Innenstadt. Das Gebäude mit dem auffallenden Turm ist das Wahrzeichen der Stadt. Gegen eine Gebühr von rund 7 € kann man auf den 74,5 m hohen Turm per Lift gelangen, und neben dem Öskjuhlíð – einer Glaskuppel auf riesigen Heißwasserspeichern mit Restaurant und Geschäften im Stadtteil Perlan – bietet sich von hier aus die beste Aussicht über die Stadt. Benannt ist der Kirchenbau nach dem Dichter und evangelischen Pfarrer Hallgrímur Pétursson. Der Bau begann 1943, eingeweiht wurde die Kirche 1986
Mit den Heißwasserspeichern in Öskjuhlíð wird übrigens die Stadt nicht nur mit Warmwasser versorgt, sie dienen auch zum Beheizen von vielen Straßen und Gehwegen, das erspart den Winterdienst. Wärme in Form von heißem Wasser ist in Island aufgrund der vulkanischen Aktivitäten keine Mangelware.
Lohnenswert ist zudem ein Spaziergang am alten Hafen und am Stadtteich Tjörnin mit Besuchen etwa des maritimen Museums und des Saga-Museums. Hier lässt sich einiges zu der Besiedlungsgeschichte des Landes erfahren, die von den Anfängen her gut dokumentiert ist.
Besucht haben wir auch das Nationalmuseum Þjóðminjasafn (Þ wird gesprochen wie ein T). Gegründet im Jahr 1863, ist es seit 1955 im jetzigen Gebäude. Gezeigt werden Kunstwerke und Sammelobjekte der isländischen Kultur wie Schmuck, Waffen, Kirchenkunst und Alltagsgegenstände. Besonders hervorzuheben sind eine Bronzestatuette des Gottes Þór, ein silberner Thorshammer (Þórshamar) sowie die reich mit Schnitzereien verzierte Kirchentür aus Valþjófsstaður.
Eines der ältesten Gebäude in der Stadt ist der Dom (Dómkirkjan). Erbaut wurde er im 18. Jahrhunderts anlässlich der Verlegung des Bischofssitzes von Skálholt nach Reykjavík, umgebaut 1847. Bei dessen Einweihung 1796 passten noch alle Einwohner der Stadt in die eher kleine Kirche. Auffallend ist ferner das Konzerthaus und Konferenzzentrum Harpa direkt am Hafen. Harpa ist Sitz des Isländischen Sinfonieorchesters und der Oper.

Im Stadtteil Árbær außerhalb des Zentrums befindet sich ein großes Freilichtmuseum. In diesem sind rund 30 Bürgerhäuser und Torfhütten aus dem 19. Jahrhundert mit passender Innenausstattung zu besichtigen. Die Museumswärter tragen die Tracht der damaligen Zeit. Manchmal kann man auch Handwerkern bei der Arbeit zusehen. Dazu kamen wir aber nicht, wir besuchten später im Landesinneren einige kleinere Freilichtmuseen.
Nationalpark Þingvellir, Strokkur, Gullfoss
150 km betrug unsere erste Tagesetappe bis zu unserem Ziel, dem SEL Guesthouse in der Nähe von Selfoss. Entsprechend Zeit blieb für den Besuch von Sehenswürdigkeiten, die wir mit zahlreichen weiteren Besuchern teilten. Dennoch war es nie überlaufen, die Besucher verteilten sich recht gut. Es ist Saison und wir sind noch nahe Reykjavik. Zuerst stand der Nationalpark Þingvellier auf der Agenda. Er spielte eine wichtige Rolle bei der Gründung Islands. Wurde 930 n Chr. hier doch das erste Parlament gegründet, am Þingplatz fanden regelmäßig die Versammlungen der Herrscher statt. Im Jahre 1000 wurde hier die Annahme des Christentums für das ganze Land beschlossen. Übrig ist davon nicht mehr viel, aber im kleinen Besucherzentrum finden sich Informationen dazu. Ebenso zu der geologischen Bedeutung der Region, treffen hier doch die amerikanische und die eurasische Platte aufeinander. In den letzten 10.000 Jahren ist das Land beidseitig der Schlucht um etwa 70 m auseinander gedriftet und der Talboden hat sich um 40 m gesenkt. Wir sind vom Besucherzentrum noch zu dem kleinen Wasserfall Öxaráfoss gewandert, diesem werden noch zahlreiche, wirklich spektakuläre folgen. Der Weg führt übrigens mitten durch die Bruchstelle hindurch.
Etwa 20 km entfernt folgte ein Besuch des nördlich gelegenen Strokkur, dem wohl bekanntesten Geysir Islands. Die Springquelle schleudert alle fünf bis zehn Minuten eine Wassersäule hoch. Es lohnt auch ein Spaziergang zu den anderen heißen Quellen in der Nähe. Am Geysir gibt es auch eine informative Ausstellung über die Vulkane und Geysire.

Nach weiteren 10 km und einem kurzen Marsch steht man an Islands berühmtesten Wasserfall, dem Gullfoss. Mehrere Aussichtplattformen, ein Souvenirgeschäft und ein Restaurant mit der typischen isländischen Kjötsúpa (Lammfleischsuppe) finden sich hier. Das Infozentrum Sigríðarstofa bietet zahlreiche viele Informationen über die Historie und die Geologie der Gegend. Die kurze Wanderung hinunter in die Schlucht bis ans Wasser ist sehr imposant.
Unser Tagesziel war das Sel Guesthouse, ein Stückchen von Selfoss entfernt gelegen. Viele Höfe vermieten Zimmer und kleine Hütten an Gäste, und versorgen sie zugleich mit landestypischer Kost, etwa Lamm oder Forelle. Eine nette Atmosphäre, hier werden wir im Laufe unserer Tour noch zweimal herkommen. Generell gilt für Island übrigens, das man nahezu überall eine sehr gute Internetverbindung hat, kostenlos und mit Geschwindigkeiten, davon können wir in Deutschland selbst in manchen Ballungsräumen nur träumen. Auch auf dem Land, wo weit und breit nichts ist. Und das in einem sehr dünn besiedelten Land.
Seljalandsfoss, Skogafoss, Dyrhólaey bis Kirjubæjarklaustur

Etwa 250 km mehr standen am Abend auf dem Tacho. Die Straßen sind recht gut, Verkehr ist Mangelware. 90 km/h sind auf geteerten Straßen erlaubt, 80 auf Pisten. Die haben wir aber noch vor uns. Insofern kommt man recht flott voran. Der erste Stopp erfolgte am Wasserfall Seljalandsfoss in einer wunderschönen, grünen Umgebung. Man kann hinter dem Wasserfall herumlaufen. Auch bietet sich eine kurze Wanderung entlang der Böschung zu den anderen Wasserfällen an. Weiter ging es auf der 1 entlang dem Gletscher Eyjafjallajökull wo 2010 ein schwerer Vulkanausbruch stattfand. Direkt an der Straße befindet sich ein Infozentrum über den Ausbruch namens Þórvaldseyri. Hier kann man sich einen kurzen Film darüber ansehen, wie die Menschen unter dem Gletscher den Vulkanausbruch erlebt und wieder den Weg aus der Asche in den Alltag gemeistert haben.

Ein Stück weiter an der Straße liegt Skógar mit dem Wasserfall Skógafoss. Von oben sollte man sich erst einen Überblick verschaffen und ihn dann von unten genießen. Die Gisch bildet wunderbare Regenbögen aus. Auch wenn man unten schon mal
etwas nass werden kann. Aber es lohnt, auch mal in die Gisch zu gehen. In der Nähe des Wasserfalls liegt ein Freilicht- und Heimatmuseum, das aber ließen wir aus. Wir werden auf der Tour noch das eine oder andere besuchen.
Weiter ging die Fahrt durch die schwarze Sandwüste Mýrdalssandur und die „Feuerlava“ Eldhraun zu unserer Unterkunft bei Kirkjubæjarklaustur. Die unwirtlichen schwarzen Flächen werden begrünt, um den Sandstürmen Herr zu werden. Wunderschön anzusehen sind die kilometergroßen Flächen mit blühenden Lupinen. Und später das dicke Moos, das stellenweise die Felsen überzieht.
Nationalpark am Gletscher Vatnajökull
Entlang der Ringstraße 1 stoppten wir zuerst bei Dverghamrar – es finden sich schöne Basaltsäulen unterhalb der Ringstraße durch einen kleinen Spaziergang zu erreichen.
Eigentliches Ziel war aber Skaftafell. Nach dem Besuch des Visitor-Centers machten wir eine rund vierstündige Wanderung. Zuerst kamen wir am Wasserfall Hundafoss an. Man könne meinen, die bisherigen drei genügen, doch jeder ist auf seine Art anders und immer wieder faszinierend. Dieser ist von schwarzen Basaltsäulen umgeben, erinnert etwas an eine Bühne. Weiter ging es durch bergige Landschaft zum Aussichtspunkt Sjónarnípa gelegen. Von hier aus hat man einen schönen Überblick über eine Gletscherzunge Skaftafellsjökull des Vatnajökull. Deren gibt es zahlreiche, ist das Eisfeld des Gletschers doch 8200 Quadratkilometer groß. Wir befanden uns oberhalb der Gletscherzunge, hatten so einen schönen Überblick. Am örtlichen Infozentrum sind die Wanderwege gut beschrieben und man kann eine Wanderkarte kaufen. Generell bieten sich bei Skaftafell weitere, unterschiedliche Wanderungen an, es ist nahezu für jeden etwas dabei. Nur nicht für Fußfaule, das aber gilt für viele Regionen Islands.
Ein paar Kilometer weiter an der Ringstraße gelegen ist ein Stopp an der Gletscherlagune Jökulsárlón ein Muss. Hier lässt sich entlang des Ufers wandern oder eine Amphibienbootfahrt unternehmen. Oder aber einfach vom Ufer aus die wunderbaren Motive mit den über das Wasser treibenden Eisschollen zu genießen. Ab und zu lässt sich auch mal eine Robbe blicken.
Insgesamt fuhren wir heute runde 180 km, so dass wieder genügend Zeit den Tag über blieb um die Sehenswürdigkeiten zu genießen und für weitere Fotostopps oder auch einen Kaffee entlang der Strecke. Übernachtet haben wir in der Region vor Höfn.
Die Ostfjorde bis nach Hallormsstaður
Am folgenden Tag ging es entlang der Ostküste mit ihren Fjorden. Das gute Wetter (wie schon die letzten Tage) bedingte, das wir nicht über die Berge, sondern die Küste entlang fuhren. Erst später ging es höher hinauf auf einer steilen steilen und kurvigen Schotterpiste nach Hallormsstadur – diese Strecke können und dürfen auch normale Pkws fahren. Nur die mit F… bezeichneten Pisten erfordern ein allradgetriebenes Fahrzeug.
Zwischendurch ein Stopp in Djúpivogur mit Kaffeepause und Shopping im einzigen Kunsthandwerksladen der „Stadt“. Wäre bei uns noch nicht mal ein Dorf. Hat aber einen kleinen Hafen, an dem zu schlendern sich lohnt.
Einen kurzen Besuch wert ist das kleine Museum im alten roten Handelshaus und auch das Kunstwerk „Eggin í Gleðivík“: eine Aufreihung von Eiern isländischer Vögel aus Granit. Kurioses bietet dann noch eine private Stein- und Kunstsammlung vor einem roten Haus mit Walskeletten. Kilometermäßig war es eine längere Strecke von rund 320 km bis zu unserem heutigen Domizil bei Hallormsstadur. Aber auch das ist problemlos zu schaffen, auch wenn Schotterpisten dabei sind. Denn auch die kann und darf man mit 80 km/h befahren.

Solche Straßen sollte man dann aber auch schon öfters befahren haben und wissen, wie zu reagieren ist. Wobei es sich heute nur um kürzere Etappen auf ungeteerten Wegen handelte.
Region Hallormstaður
In Hallormsstadur blieben wir zwei Nächte, übernachteten in einer schönen Holzhütte etwas abgelegen vom dazugehörenden Hotel am Waldrand mit wunderbarem Blick über den See.
Nach einem faulen Vormittag ging es zu einer leichten Wanderung von etwa sechs Kilometer Länge. Mal wieder bei traumhaften Wetter durch Wälder, wie sie bei uns sein könnten. Nur blüht derzeit so ziemlich alles, die Blumen haben ja nur einen kurzen Sommer Zeit. Meistens übrigens Pflanzen, die auch bei uns wachsen, nur zu unterschiedlichen Zeiten und nicht alle auf einmal.
Was man wissen sollte ist, dass die Preise hier in Island recht hoch sind. In einem Restaurant kostet ein normales Essen kaum unter 40 Euro pro Person, ohne Getränke. Ein Glas Wein oder Bier kostet etwa 10 Euro. Wer nicht verzichten will, eine Alternative ist Pilsner mit 2,5 % Alkohol. Fällt vermutlich unter irgendeine Steuergrenze und kostet um die 2,50 bis 3 Euro. Für Kaffee muss man in etwas mit dem gleichen rechnen, kann aber häufig kostenlos nachschenken, auch mehrmals.
Jökulsárgljúfur im größten Nationalpark Europas
Der See Myvatn (Mückensee) war unser heutiges Ziel. Dort verbrachten wir dann drei Nächte. Sollte man auch einplanen, mindestens. Dabei fuhren wir nur teilweise auf der Ringstraße 1, machten einen Umweg durch die Missetäterwüste Ódáðahraun auf einer Schotterpiste. Ziel war der einsamen Hof Möðrudalur mit seinem Kaffeehaus. Gut, so einsam war er dann auch wieder nicht, steht er doch als Tipp in vielen Reiseführern. Aber „Menschenmengen“ finden sich hier nicht, vielleicht waren es um die 20 bis 30. Die sich verteilen. Zurück auf der 1 bogen wir später ab und es ging auf einer schlechten Schotterstraße (30 km einfach) zum Wasserfall Dettifoss.
Ein Muss trotz der staubigen Fahrt, ebenfalls mit einem normalen zweiradgetriebenen Wagen möglich. Handelt es sich doch um den mächtigsten „Foss“ (steht für Wasserfall) des Landes. Übrigens sind nahezu alle Sehenswürdigkeiten ohne Gebühren zu besichtigen, zudem sind gut markierte und angelegte Wanderwege vorhanden oder auch Aussichtsplattformen. Gilt natürlich nicht für private Museen. Vorbildlich. Nicht immer gibt es ein Besucherzentrum, ist aber auch nicht erforderlich. Gut, ein Kaffee vermisst man dann ab und zu schon…
Die Kraft des Wassers ist schon enorm, besonders beeindruckend, wenn man direkt an der Kante des Falles steht. Das Gletscherwasser stürzt auf einer Breite von rund 100m etwa 45 m tief in eine Schlucht. Im Sommer kann die Wassermenge 1500 m3/s erreichen, im Jahresmittel liegt sie bei 193 m3/s . Was den Dettifoss zu einem der wasserreichsten Wasserfälle Europas machen soll. Glaubt man gerne. Das Wasser führt zugleich eine große Menge Geröll mit sich, in Form von kleinen Partikeln. Pro Tag sollen es rund 120000 t Geröll, Gestein, Sand und Schlamm sein, auf einem Güterzug verladen, bräuchte man 2400 Waggons. (Quelle: www.iceland.de)
Weiter ging es die Rüttelpiste zurück und auf der 1e-Ringstrasse zu unserem Domizil, dem Hof Stöng. Da wir aber noch gut in der Zeit waren und auch das Wetter stimmte besuchten wir vorher noch die Solfatare in Námaskarð, eine vulkanisch aktive Zone, eigentlich erst für den kommenden Tag geplant.
Der Besuch ist ebenfalls ein Muss. Hier zeigen die Bilder mehr als Worte erklären können. Und dann machten wir noch eine kurze Wanderung bei den Pseudokratern von Skútustaðir. In Stöng bleiben wir jetzt erst mal drei volle Tage. Zurückgelegt haben wir übrigens heute um die 290 km.
Naturperle See Mývatn
Heute hatten Sonnenschein und Traumwetter ein Ende. Knapp 3° C, Nieselregen und Graupelschauer. Summer in the North. Dazu ein eisiger Wind. Macht nichts, dafür haben wir ja die entsprechenden Klamotten bis hierher mitgeschleppt. Es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung… Also rauf zum Krafla und eine etwa 3 ½-stündige Wanderung durch das Vulkangebiet, letzter Ausbruch 1984.
Und so sieht es hier auch aus, unwirtlich, schwarz, überall steigen Dämpfe aus dem Boden – gut zum Aufwärmen, es stinkt nach faulen Eiern (Schwefelwasserstoff). Eine faszinierende Landschaft, die durch das Wetter sogar eine noch mystischere Stimmung erhält. Hier versteht man, warum bald die Hälfte alles Isländer an Gnome und Trolle glaubt.
Nachmittags wird es etwas wärmer, um die 7 °C, und es bleibt trocken. Also noch eine etwa 1 1/2-stündige Wanderung durch die düsteren Felsen, die Lavaformation Dimmuborgir. Ein ehemaliger Lavasee, der an der Oberfläche erstarrte, aber irgendwann brach der Lavawall und die noch nicht erstarrte, sich darunter befindliche Lava floss ab. Dann brach die abgekühlte Oberfläche des Lavasees ein, stehen blieben Schlote und Röhren, Dome, Bögen und Lavafenster.
Die Sonne ist wieder da nach dem einen Tag Unterbrechung. Kühl zwar, zum Wandern jedoch sogar besser. Also rauf auf den Explosionskrater Hyverfjall und einmal umrundet. Dauert über zwei Stunden. Erst der Aufstieg auf den 452 m hohen Ascheringwall, der zwischen 90 und 150 m hoch ist und einen Durchmesser von etwa einem Kilometer hat. Entstanden ist dieser Aschetuffring vor etwa 2500 Jahren durch eine riesige Wasserdampfexplosion. Mag man es sich gar nicht vorstellen, kann aber jederzeit oder auch nie wieder passieren. Die Wanderung auf dem Wall bietet immer wieder beeindruckende Ausblicke auf den Krater selbst und auf die Umgebung.

Nach dem obligatorischen Kaffee, ein Stück Kuchen kostet übrigens in touristischen Gebieten um die 9 €, abseits die Hälfte, geht es zu einer kleineren Wanderung an den See Myvatn. Was übrigens Mückensee heißt. Uns verschonen die zehn Arten an Stechmücken, die es hier gibt. Viel Wind heißt wenig Mücken. Windstille bedeutet entsprechend viele Mücken. Hatten sicherheitshalber Kopfnetze dabei, ohne sie zu benötigen. Kálfaströnd heißt das Eck wo wir wandern und zu sehen gibt es Lavadome aller Couleur und eine wunderschöne, blühende Landschaft.

Gefahren sind wir in den zwei Tagen um die 130 km.
Akureyri
Heute ging es etwas früher 8.30 Uhr los, da wir nicht wussten wie lange der Autotausch in Akureyi dauert. Vorab, es ging sehr schnell und unbürokratisch, wir hatten insofern auch Glück, dass wir anstatt des gebuchten kleinen Suzuki-Jeeps einen deutlich größeren und besseren Geländewagen von Toyota erhielten. Zum gleichen Preis versteht sich. Akureyi ist die „Hauptstadt Nordislands“, im Eyjafjörður gelegen. Ein kurzer Besuch der Kirche, ein Stadtbummel, ein Besuch im Akureyri Art Museum, zuviel Zeit haben wir nicht investiert, zumal es Sonntag war und alle Geschäfte geschlossen.
Vorher ergab sich jedoch noch ein Stopp beim Wasserfall Godafoss, derartige Wasserfälle liegen hier halt mehr oder weniger an der Strecke herum, jeder einzelne wäre in Deutschland eine Attraktion für sich. Anschließend folgte der Besuch von Glaumbær respektive des dortigen Heimatmuseums. Die Gebäude des großen Hofkomplexes entstanden zu unterschiedlichen Zeiten des 18. und 19. Jahrhunderts. Alle jedoch sind in Torfrasenbauweise errichtet, mangels ausreichend Holz schon zu damaligen Zeiten. Zudem schützt diese Bauweise gut vor dem rauen Klima. In Glaumbær lässt sich einiges über das Leben auf solchen Höfen in früheren Zeiten erfahren.
Hier geht es zum zweiten Teil des Reiseberichtes mit den Höhepunkten der Tour, dem Hochland und der Rückfahrt nach Reykjavik bevor es nach Grönland ging
Irland 2015, Teil I
Mit Auto und Boot unterwegs im Süden Irlands – Dublin bis Carrick-on-Shannon
UNSERE ROUTE, Teil I
Dublin (zwei volle Tage), weiter mit dem Mietwagen via Glendalough und den Avoca Mills nach Kilkenny. Optional liegt auf dem Weg noch der Mount Usher Garden. Ein Tagesausflug führte uns von Kilkenny aus ins Irish National Heritage Centre, zur Jerpoint Abbey und nach New Ross. Die Weiterfahrt führte uns dann via Ahenny, Rock of Cashel, Cahir Castle und Mitchelstown nach Blarney. Dort wurde das Blarney Castle and Stone besucht, sowie ein Ausflug zum Charles Fort und nach Cobh (Queenstown) gemacht. Es folgten der Dromberg Stone Circle, das Bantry House and Gardens, Garinish Island, Muckross House und Killorglin. Je ein Tagesausflug ging dann über den Ring of Kerry und über die Dingle-Halbinsel.
Nun fuhren wir via Lough Gur Heritage Centre, Bunratty Castle & Folk Park, den Cliffs of Moher und dem Burren nach Ballyvaugham. Weiter ging es über die Glenglowa Mines und Roundstone nach Clifden. Und unser erster Teil endete dann nach einem Besuch der Kylemore Abbey in Carrick-on-Shannon. Dort übernahmen wir für sechs Tage unser Hausboot.
Weiter zum Teil II der Reise, auf dem Shannon und Rückfahrt nach Dublin
Dublin
Gut zu Fuß unterwegs sollte man sein, will man Dublin näher kennenlernen. Gut, Taxen und Busse oder auch Pferdekutschen sind auch hilfreich, am besten ist es aber immer noch per Pedes. Zwei Irland-Reiseführer möchte ich hier gleich mal empfehlen, und zwar die von Lonely Planet und National Geographics. Sie ergänzen sich ganz gut, geben auch Hinweise und Tipps über die Must-See hinaus. Die finden sich natürlich in jedem anderen Reiseführer auch. Beide haben nur einen Nachteil, sie sind schwer und dick. Alternativ für Unterwegs sind natürlich auch Dublin- und Irland-Apps fürs Smartphone, die Netzabdeckung in Irland ist sehr gut (besser als in Deutschland) und nahezu alle Hotels, B&B Unterkünfte, öffentliche Stellen, Pubs… haben ein freies und schnelles WLAN. Hier sieht man wie rückständig Deutschland diesbezüglich inzwischen ist.
Vorab, ein „Must-See“ haben wir ausgelassen, das Trinity-College mit dem Book of Kells. Uns waren die Warteschlangen einfach zu lang. Neben dem Stadtzentrum mit Pubs, Kaffees und Läden bietet sich ein Bummel den Fluss Liffey entlang an. Mitnehmen sollte man auch das Dubliner-Schloss.
Tipp: Gleich zu Beginn die OPW-Heritage Card kaufen, kostet 25 Euro pro Person, gilt für alle kulturellen Stätten der OPW (und das sind viele). Die Karte hat uns über die gesamte Reise mindestens 50 Euro an Eintrittsgeldern erspart, pro Person.
Für Biertrinker aber auch alle anderen ist natürlich ein Besuch der Guiness-Brauerei ein Muss. Wobei man die Brauerei selber natürlich nicht besuchen kann, sondern eher ein recht umfangreiches, gut gemachtes Eventcenter – natürlich mit Bierprobe.
Tipp: Rabatt-Karte Irland´s Premier Attractions and Heritage Towns. Für private Anbieter und Attraktionen, mit ihr gibt es Nachlässe, eine zweite freie Person und manch andere Goodies. Auch die lohnt sich, zumal sie nur 6,99 € kostet.
Ansonsten. Einfach Touren aus dem Reiseführer ablaufen oder individuell zusammenstellen, so wie wir es gemacht haben. Und Zeit für Läden und Kaffees einplanen. Sehenswürdigkeiten und Museen gibt es viele, würde ich auch wetterabhängig machen. Denn das ist auch im Sommer in Irland sehr wechselhaft. Uns jedenfalls reichten die zwei Tage in Dublin aus, unser Fokus liegt mehr auf dem ländlichen Irland, dem neolithischen, keltischen, den Landschaften und der Altantikküste, dem Shannon…, eben nicht größeren Städten. Die umfuhren wir eher, wenn möglich und sinnvoll.

Fahrt nach Kilkenny via Gledalough und Avoca (220 km)
Der erste Stopp erfolgte in Glendalough (OPW). Das Tal der zwei Seen ist für seine Klostersiedlung des frühen Mittelalters bekannt. Gegründet wurde sie im 6. Jahrhundert von St. Kevin. Von Bedeutung sind das Tor, der Rundturm, die Reste der Kathedrale, das Priesterhaus und die Kirchen. Und natürlich der alte Friedhof. Vom OPW gibt es eine gute Broschüre, sogar auf Deutsch. Um die zwei bis drei Stunden (ohne Kaffee/Essenspause) sollte man schon einplanen.
Vorbei an den Mount Usher Gardens (in Anbetracht der Zeit ohne Stopp) machten wir noch einen Halt an den Avoca Mills bei Wicklow. Ein schönes Zentrum der regionalen Weberei.
Sie kann man unbeschwert und kostenfrei besichtigen, daneben finden sich ein Laden mit guten und verhältnismäßig günstigen Produkten und ein Kaffee. Auch hier gehen gut zwei Stunden drauf.
Abends dann an unserem Ziel, Kilkenny. Bekannt ist die Stadt durch das Kilkenny Castle, einer ehemaligen Normannenburg, dem gut erhaltenen mittelalterlichen Stadtkern und dem gleichnamigen Bier. Das sich hier viele Touristen treffen, waren viele die Geschäfte auch länger geöffnet, bis in den Abend hinein. Ein Besuch lohnt auf jeden Fall auch das Design Centre gegenüber dem Schloss. Es macht aber schon um 18 Uhr zu.

Tagesausflug Irish Heritage Park via Jerpoint Abbey und New Ross (180 km)
Der Irish National Heritage Park bei Wexford bietet – gerade zu Anfang einer Rundreise – einen guten Überblick über die Besiedlungsgeschichte Irlands. Mit 16 getrennten Stationen bietet der Park einen Blick in die Vergangenheit. Zu finden sind u. a. ein Gehöft aus d
er Jungsteinzeit, Gräber, ein frühmittelalterlicher Burgwall, ein frühchristliches Kloster, ein crannóg (künstliche Insel) oder ein Rundturm. Natürlich alles Minimum gute Nachbauten. Original sind dagegen die Rest eines normannischen Wassergrabens. Zwei Stunden sollte man für den Besuch schon einplanen, es kann aber auch ein halber Tag sein.
Auf dem Weg von oder nach Kilkenny sollte man auch eine Stunde für den Besuch der Reste der Jerpoint Abbey (OPW) vorsehen, einem der bedeutendsten ehemaligen Zisterzienserkloster Irlands, 1180 gegründet, aufgelöst 1540.
Auf dem Weg liegt auch das Dunbrody Famine Ship in New Ross. Hier lässt sich die Geschichte der irischen Auswanderer gut erleben. Emigrierten um 1840/50 doch tausende Iren in die USA um der großen Hungersnot (Famine) zu entrinnen. Nur jeder zwe
ite überlebte diese Reise. das Schiff selbst ist ein Nachbau, das Original sank Ende des 19. Jahrhunderts. Was der Besichtigung aber keinen Abbruch tut. Schauspieler bringen einem zudem die „gute“ alte Zeit während der Führung näher. Zu der auch ein kleines Museum gehört. Nach Ende der Führung kann man sich noch frei auf dem Schiff bewegen. Auch hier heißt es mindestens zwei Stunden einzuplanen.
Nach Blarney über Ahenny zum Rock of Cashel, Cahir Castle, Mitchelstown (200 km)
Kurz vor dem Ziel Ende führt eine sehr schmale Straße zu einem seltener besuchten, aber wirklich sehenswerten Stätte: einem alten Friedhof. Dort finden sich die zwei Hochkreuze von Ahenny, die zu dem daneben liegenden, Kloster Kilclispeen gehörten. Davon ist nichts mehr zu sehen, es wurde völlig abgetragen. Die zwei Sandsteinkreuze gehören zu den ältesten Ringkreuzen in Irland, die auf hölzerne oder – weniger wahrscheinlich – auf metallische Vorbilder zurückgehen sollen. Sie sollen je nach Quelle aus dem 8. oder 9. Jahrhundert stammen.
Während das Südkreuz 3,90 m hoch ist, misst das Nordkreuz 3,13 m. Das Alter der beiden Kreuze ist umstritten. Lange galten sie als Relikte des 8. Jahrhunderts, inzwischen werden sie eher der Mitte des 9. Jahrhunderts zugeordnet. Figürliche Darstellungen sind nur auf den übergroßen Sockeln angebracht. Die 3,90 und 3,14 m hohen Kreuze sind mit keltischen Flechtmustern verziert, einige figürliche Darstellungen finden sich auf den Sockeln.

Weiter des Weges folgt der Rock of Cashel. Auf einen 65 m hohen Bergrücken finden sich die beeindruckenden Ruinen einer ehemaligen Kathedrale aus dem Mittelalter. Schon im 4. Jahrhundert diente der Hügel als Königssitz, die heute zu sehenden ältesten Gebäude sind der 28 m hohe Rundturm, eine Kapelle und ein Hochkreuz aus dem 12. Jahrhundert, die gotische Kathedrale stammt aus dem 13. Jahrhundert und die Bischofsburg aus dem 15. Jahrhundert. Der Berg gilt als irisches Wahrzeichen und wurde schon im Altertum als Sitz von Feen und Geistern verehrt.

Quasi mitten in der Stadt liegt dagegen das Cahir-Caste, ebenfalls ein beeindruckender Bau. Erst 1961 starb der letzte Lord Cahir´s, die Burg ging dann in Staatsbesitz über. Die Ursprünge der Burg sollen im dritten Jahrhundert liegen, befestigt wurde sie um 1142. Sie ist nahezu komplett erhalten und diente als Drehort für die Eröffnungsszene des Films Excalibur.
Auf dem Weg nach Blarney blieb dann noch Zeit für den Besuch der Höhlen von Mitchelstown. Auch ein seltener besuchter Ort, zumal nicht ganz einfach zu finden. 1833 entdeckte die sehenswerte Tropfsteinhöhle ein Arbeiter namens Michael Condon. Wie der Zufall es wollte fiel ihm bei der Gewinnung von Kalkstein eine Brechstange in einen Spalt und die Höhle war gefunden. In der Höhle findet sich eine Reihe sehr schöner Tropfsteine, die Führung dauert etwa eine Stunde. Leider ist neuerdings das Fotografieren strikt verboten, warum auch immer. Scheint vor kurzem noch nicht so gewesen zu sein, wie eine kurze Internetrecherche zeigt. Ist in Irland aber eine Ausnahme, ist uns sonst eigentlich nirgendwo sonst passiert.
Blarney Castle and Stone, Charles Fort, Cobh (Queenstown) (140 km)
Viel Zeit kann man in Blarney´s Castle verbringen, mindestens einen halben Tag sollte man schon einrechnen. Und will man den Stein der Redegewandtheit (hier die Infos), den Blarney-Stone küssen oder den Blick von oben genießen, sollte man wenigstens in der Saison schon um neun Uhr dort sein. Sonst verbringt man sehr schnell sehr viel Zeit in einer Schlange. Aber der Besuch des Schlosses lohnt: Der Schlossgarten, die Felsengrotte und der See bieten sich für kürzere und längere Wanderungen an, der Giftgarten für eingehende Studien…, oder auch nur das Kaffee für eine Pause. Einen Shop zum Stöbern gibt es natürlich auch, und nicht zu vergessen, der Aufstieg auf die alte Schlossruine, ob mit oder ohne Kuss.
Nicht weit weg von Blarney, vielleicht 35 km, liegt Charles Fort. Leider muss man dazu durch Cork fahren (auch die etwas größere Stadt lässt sich natürlich besuchen). Es lohnt aber allemal. Soll die Festung am Hafen von Kinsale doch eine der am besten erhaltenen Festungen aus dem 17. Jahrhundert sein. Als Verteidigungsanlage sollte sie verhindern, dass fremde Kriegsschiffe in den Hafen von Kinsale eindrangen. Erobert wurde sie jedoch schon 1690 von Land aus.

Anschließend fuhren wir noch nach Cobh, auch als Queenstown bekannt. Der Ort hat bis heute seinen ursprünglichen irischen Charakter weitestgehend bewahrt. Bekannt wurde er durch zwei Schiffskatastrophen: Es war der letzte Hafen, an dem die RMS Titanic während ihrer Jungfernfahrt am 11. April 1912 auf Reede lag – sprich, der letzte Hafen, den sie anlief. Und das Passagierschiff RMS Lusitania wurde am 7. Mai 1915 auf der Fahrt von New York nach Liverpool 40 Kilometer entfernt von einem deutschen U-Boot torpediert und versenkt. Die Überlebenden brachte

man nach Queenstown, 1200 kamen damals ums Leben. Rund 170 von Ihnen hat man auf dem Clonmel Cemetery beigesetzt.
Fahrt via Dromberg Stone Circle, Bantry House, Garinish Island, Muckross House nach Killorglin (207 km)

Irland ist natürlich das Land für alle archäologisch Interessierten. Beginnend mit dem Neolithikum vor etwa 5000 Jahren, den Kelten bis zum Früh- und Spätmittelalter, überall stößt man auf Spuren. dazu gehören auch keltische Steinkreise. Zu den wohl bekanntesten Irlands gehört Dromberg Stone Circle, auch als Druid´s Altar bekannt. Er soll im Zeitraum zwischen 153 v. Chr. und 127 n. Chr., errichtet worden sein und besteht aus 17, bis etwa 1,90 m hohen Steinen. Im Zentrum des Kreises fand man in den 50er-Jahren die Überreste verbrannter Körper. Der Kreis dürfte als eine Art Kalender genutzt worden sein, zum Bestimmen des kürzesten Tages des Jahres. Auf dem Gelände finden sich zudem noch die Reste zweier Rundhütten mit einem Feuerplatz aus dem 2. bis 7. Jahrhundert. Man warf im Feuer erhitzte Steine in ein Wasserbecken und brachte so das Wasser zum Kochen.
Weiter des Weges folgt das 1720 erbaute und sehenswerte Bantry House and Gardens, Wohnsitz der Familie White seit 1750. Es ist seit 1946 der Öffentlichkeit zugänglich. Schon der italienische Garten ist einen Besuch wert, besonders lohnenswert ist der Aufstieg über steile Treppe den Hang hinauf. Der Blick über die Bantry Bay und das Haus lohnt allemal. Die Innenräume können bei einer Führung besichtigt werden. Die fand aber erst um 14 Uhr statt, hat für uns zeitlich nicht gepasst.
Der nächste Stopp erfolgte dann in Garinish. Vom Parkplatz im Zentrum sind es nur wenige Schritte bis zum Bootsanleger, der zwei Mal pro Stunde den Besucher nach Garinish Island bringt. Die 15 Hektar kleine Insel ist besonders interessant für Gartenliebhaber. Alte Bäume und Sträucher, ein italienischer Garten, Aussichtsplattformen und Mauergärten laden zum Verweilen ein. Hier wachsen Pflanzen, die man soweit nördlich niemals vermuten würde. Möglich machen das die geschützte Lage in der Bucht und natürlich der Golfstrom.
Das Muckross House nahmen wir noch mit, obwohl wir schon etwas spät dran waren. Aber für einen schönen Spaziergang durch den Park reichte es allemal. Eine Besichtigung innen ist auch möglich, zu machen die Iren das Haus aber um 17 Uhr.
Übernachtet haben wir übrigens in der Nähe von Killorglin in einem wunderschönen und absolut empfehlenswerten Landhaus namens Ard na Sidhé. Nicht ganz billig, aber jeden Cent wert.

Ring of Kerry (245 km)
Heute stand der berühmte Ring of Kerry an. Die netto ungefähr 190 km lange Strecke bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten und Stopps an. Sie führ an wirklich schönen Küstenstrecken entlang, der Ausblick ist grandios. Wenn man denn etwas sieht. Der Atlantik sorgt für steten Wetterwechsel, Regen, Sonne, Nebel, starker Wind, alles an einem Tag in – bei uns jedenfalls – schnellem Wechsel.
Natürlich sind hier in der Saison auch viele Reisebusse unterwegs, die Strecke ist jedoch problemlos in beiden Richtungen zu fahren, auch wenn das immer mal wieder anders in den Reiseführern steht. Einfach auch mal früh starten, ist das Gebot.
Wir haben uns auf einige wenige Stopps fokussiert, will man alles sehen, braucht man mindestens zwei, eher drei Tage. Unser erster Stopp war der Sandstrand von Glenbeigh, gut für eine kleine Wanderung und wundervolle Aufnahmen. Ein kurzer Stopp in Cahersiveen an der ehemaligen Kaserne der Royal Irish Constabulary folgte der Abstecher nach Valentia Island mit seinen Steilklippen. Etwas mehr Zeit verbrachten wir am Staigue Fort, einem gut restaurierten keltischen Fort mit einer bis zu 5,5 m hohen und 4 m dicken Ringmauer. Den Abend ließen wir dann in Killarney ausklingen, einer schönen Stadt, Ausgangspunkt für den Ring of Kerry. Und über den wird in Reiseführern und im Internet viel erzählt, so dass ich hier auch diesen Teil hiermit beende.

Dingle-Halbinsel (205 km)
Viel weniger besucht und eigentlich fast noch schöner ist die Dingle-Halbinsel, die wir auch von Killorglin aus befuhren. Sie wird auch die „schöne Schwester des Ring of Kerry“ genannt. Und sie ist zugleich weitaus weniger überlaufen, auch in der Saison. Hätten wir nur die Wahl zwischen den beiden gehabt, vor dem Besuch wäre sie auf den Ring of Kerry gefallen, nachher auf die Dingle-Halbinsel.
Sie zeichnet sich durch zerklüftete Steilküsten, Berge, Sandstände, zahllose Fuchsienhecken, weite Landschaften und auch eisenzeitlicher und frühchristlicher Fundstätten aus. Jedenfalls gibt es eine Menge zu entdecken, so dass der eine Tag natürlich wieder nicht ausreichte. Nur einige seien besonders hervorgehoben: das 3000 Jahre alte Dungeb-Fort, die Bienenkorbhütten, das Gallarus Oratory und ein absolut besuchenswertes Keltenmuseum. Insgesamt sollen sich hier allein um die 2000 Megalithgräber finden. Nicht zu vergessen ist der 30 km lange kurvenreiche Slea Head Drive, eine wunderbare Küstenstraße. Und die mit 456 m höchste Passstraße Irlands, der O´Connor-Pass. Die Stadt Dingle selbst natürlich auch, und, und, und…
Bei den Bienenkorbhütten in Caher Conor handelt es sich übrigens um runde Kraggewölbebauten aus Trockenmauerwerk. Sie stammen aus der Eisenzeit oder frühchristlicher Zeit. Sie stehen zumeist einzeln als Teile von Gruppen, bilden vereinzelt aber auch Doppel- oder Mehrfachstrukturen. So wie hier.

Das Gallarus Oratory, ein rustikaler Gewölbebau aus frühchristlicher Zeit, soll eines der ältesten Bethäuser Irlands sein, es stammt aus dem 8. Jahrhundert. Der fast quadratische Bau misst rund 7 × 6 m und ist innen über 4 m hoch. Die an der Ostseite liegenden Fensteröffnungen könnte sich – so wird gemutmaßt – am Sonnenlauf orientieren und auf den 17. März und 31. August ausgerichtet sein.

Dingle selbst ist eine kleine, typisch irische Stadt, bietet zahlreiche Pubs, Sea-Food-Restaurants und Handwerksläden mit Kunst und Kitsch. Das bekannteste Lokal dürfte Einwohner Dingles dürfte der Delphin Fungi sein, der seit 1984 die Bucht von Dingle zu seiner Heimat erklärt hat und mittlerweile eine der touristischen Hauptattraktionen ist.
Fahrt via Lough Gur, Bunratty Castle, Cliffs of Moher und dem Burren nach Ballyvaugham (300 km)

Das Lough Gur Heritage Centre, für archäologisch Interessierte sicherlich interessant liegt in einer schönen Gegend, die sich auch für eine kürzere Wanderung eignet. Im Besucherzentrum findet sich eine schöne Ausstellung über die Besiedlung des Lough Gur sowie über diverse Legenden, die sich um diesen Ort ranken. Das Außengelände kann man mit einem Audioguide durchwandern (auch in Deutsch). Höhepunkt ist zweifelsohne der etwa drei bis vier Kilometer entfernte große Steinkreis, der Steinkreis von Grange. Es handelt sich mit 113 Steinen und einem Durchmesser von 48 m um den größten Steinkreis Irlands.
Nächstes Ziel war der Bunratty Castle & Folk Park. Dabei handelt es sich um eine normannische Burg, um 1250 erbaut, mit einem sie umgebenden Freilichtmuseum, bestehend aus traditionellen, nachgebauten oder hier her versetzten irische Bauern- und Stadthäusern. Sogar eine ganze Straßenzeile findet sich und eine Kirche. Hier zeigt man auch traditionelle irische Handwerke, leider nicht als wir vor Ort waren. Zeitlich sollte man sicherlich einen halben Tag einplanen.
Die bekanntesten, bis zu 214 m hohen Steilklippen Irland und ein touristisches Ziel erster Güte sind sicherlich die Cliffs of Moher. Kaum ein Irlandbesucher, der sich hier nicht findet. Gut integriert ist das umfangreiche Besucherzentrum, eine hohe Steinmauer verhindert leider, dass man sich den Klippen zu sehr nähert. Ist natürlich dem großen Besucheransturm und dessen Sicherheit geschuldet. Ein breit ausgebauter Weg lenkt die Touristenströme bis zu einen Aussichtsturm. Unverständlich, wer hoch will, muss extra bezahlen, obwohl man mit den Parkgebühren schon den Eintritt gelöhnt hat. Aber für den grandiosen Ausblick braucht es den Turm auch nicht. Wer viel Zeit hat, kann den Cliff Coastal Walk (20 Kilometer) am Rande der Klippen zurücklegen, teilweise ein Trampelpfad nur wenige Meter vom Klippenrand entfernt.
Der Weg nach Ballyvaugham führte uns dann noch durch den Burren, eine faszinierende Landschaft. leider spielte das Wetter nicht mit, so dass wir nur kurz den Poulnabrone Dolmen, ein steinzeitliches Grab besuchten und weiter fuhren. Das holten wir dann am kommenden Tag bei schönsten Wetter nach.
Fahrt Burren mit Poulnabrone Dolmen und Caherconnel, weiter via Glenglowa Mines und Roundstone nach Clifden (180 km)
Typisch für Irland und besonders die Westküste ist das wechselhafte Wetter, manchmal mehrmals am Tag. Und heute Morgen war es so schön, dass wir noch einmal in den Burren fuhren. Dort besichtigten wir den Poulnabrone Dolmen, ungezählte Male fotografiert fotografiert und von einer Aura des Rätselhaften umgeben. Entdeckt wurde das Portalgrab 1968 inmitten der wilden Karstlandschaft des Burren. Es soll über 6000 Jahre alt sein.

Nicht weit weg findet sich mit Caherconnell ein weiteres steinzeitliches Fort. Der Durchmesser beträgt rund 140 m, die Dicke der Mauer etwa 12 m und die Höhe 6 – 14 m. Es dürfte in der Zeit von 400 bis 1200 n. Chr. benutzt worden sein.

Auf eine private Initiative mit jahrelanger schwerer Eigenleistung geht die Restauration der Glenglowa Mines zurück. Und eine dritte Sohle frei zu räumen, zu sichern und begehbar zu machen steht dem Besitzer und seinem Sohn noch bevor. Geschlossen wurde die Mine bereits 1865 nach nur 15-jähriger Abbautätigkeit zu Zeiten der großen Hungersnöte. Und verdient haben die Arbeiter nur dann etwas, wenn sie Erze fanden. Gefördert wurden u. a. Blei und Silber.
Direkt an der Südwestküste Connemaras gelegen lohnt anschließend Roundstone einen Stopp. Zahlreiche Kunsthandwerksgeschäfte finden sich hier, darunter etwas vom Zentrum entfernt ein Musikgeschäft, in dem noch die irischen Trommeln (Bodhrán) handwerklich gefertigt werden. Ist nicht gerade Pause, kann man ihnen bei der Fertigung der mit Ziegenfell bespannten Trommeln zuschauen.
Unser Tagesziel Clifden, eine kleine, typisch irische Stadt. Natürlich inzwischen touristisch geprägt, aber immer noch mit viel Flair. Clifden beheimatet zahlreiche Kunsthandwerksgeschäfte. Ein Tip: Jedes Jahr findet am dritten Donnerstag im August der Pony-Markt mit der weltweit größten Schau von Connemara-Ponys statt. Hierzu kommen Züchter und Interessenten aus vielen Ländern der Welt nach Clifden. Wenn man es einrichten kann, unbedingt mitnehmen.

Fahrt nach Carrick-on-Shannon via Kylemore Abbey (200 km)
Bevor wir Carrick-on-Shannon erreichten um unser Hausboot zu übernehmen machten wir noch einen Abstecher zur Kylemore Abbey. Gegründet 1665 ist sie die älteste Bendiktinerinnenabtei Irlands. Das Schloss von Kylemore selbst wurde von 1867 bis 1871 erbaut. 1920 erwarb das Benediktinerinnenkloster das Schloss und 4.000 Hektar Land. Zu besichtigen sind einige Räume im Schloss und die Kirche sowie die wunderschönen Gärten. Da sie etwas abseits liegen, wurde ein Buspendelverkehr eingerichtet. Auch heute noch ist die Abtei von den Nonnen und Internatsschülerinnen bewohnt.

Hier geht es zum zweiten Teil der Reise mit der Hausbootsfahrt auf dem Shannon und der Rückfahrt nach Dublin (dauert noch etwa bis Ende Juli)
Neapel November 2014
Neapel 2014 – eine Woche im November
Armut, Verkehrschaos und Schmutz, organisierte Kriminalität, das sind die am häufigsten genannten Vorurteile, die man hört wenn man Neapel besuchen will. Manches ist sicherlich wahr, vieles aber auch übertrieben. Für uns präsentierte sich Neapel eher als quirlige, etwas chaotische Stadt voller Lebensfreunde und Gastfreundschaft. Angst muss man sicherlich nicht haben, und aufpassen auf seine Wertsachen sollte man wie in jeder anderen Großstadt auch. Wir jedenfalls haben beschlossen – so viel schon mal vorab – das wir Neapel die nächsten Jahre ein weiteres Mal besuchen wollen.
Neapel ist auch eine reizvolle Stadt am Fuße des Vesuvs mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten in der Region – es seien nur Pompeji, Herculaneum, der Vesuv selbst, die Phlegräischen Felder, die Amalfifiküste, Capri… genannt. Zu viel für die eine Woche, die wir Zeit hatten. Zumal die Stadt selbst mit großartigen Museen, Plätzen und Palästen auftrumpfen kann, ganz abgesehen von den engen Gässchen, Kirchen und Katakomben, den zahlreichen Läden und Einkaufsstraßen, Restaurants und Kaffees, die zum Bummeln und Shoppen einladen. Zwischen Kunsthandwerk, Boutiquen, Schuhgeschäften, Lebensmittelläden und Fischverkäufern lässt sich noch heute die alte neapolitanische Volkskultur bestaunen. Lohnenswert sind auf jeden Fall das Centro Antico, die Via Toledo, die Viertel Chiaia, Vomero, die Gegend rund um das Castel del Ovo sowie der Yachthafen Santa Lucia.

Unser Quartier, das Hotel Il Convento liegt nahe dem Zentrum, ein idealer Ausganspunkt um das meiste in der Stadt zu Fuß oder mit der U-Bahn zu machen. Das einfache, saubere Hotel ist preisgünstig
und empfehlenswert. Vor rund 20 Jahren zählte diese Gegend zu den gefährlichsten der Stadt, so wurde uns jedenfalls erzählt, heute braucht man sich diesbezüglich aber keine Gedanken mehr zu machen. Und die vermutlich allgegenwärtige Camorra ist an Touristen nicht interessiert. Zu beachten ist zudem, dass man Neapel und besonders die touristischen Orte rund um die Stadt nicht gerade in Zeiten der Hochsaison besuchen sollte.
Tag 2: Pompeji und Neapel am Abend
Nach einem ersten Bummel durch über die Via Toledo und zum Castel del Ovo ging es am Folgetag gleich erstmal nach Pompeji. Dafür hatten wir uns von Deutschland aus eine Privatführung für diesen Tag mit einer deutsch sprechenden Neapolitanerin organisiert. Macht die Sache einfacher und man bekommt gute Informationen aus erster Hand, nicht nur von Pompeji, sondern auch was etwa Restaurants abseits touristischer Pfade betrifft.
Pompeji. Wohl kaum jemand hat noch nichts von dieser Stadt gehört. Je nach Quelle besuchen zwischen drei und sechs Millionen Menschen diesen geschichtsträchtigen, weltweit nahezu einmaligen Ort. Untergegangen und verschüttet beim Ausbruch des Vesuv 70 n. Chr. Gegründet wurde Pompeji etwa 700 v. Chr. von den Osker, einem regionalen Stamm. Dann kamen die Griechen, es folgten die Etrusker und zuletzt die Römer. Wiederentdeckt wurde die Stadt im 18. Jahrhundert. Es ist eine der am besten erhaltenen antiken Stadtruinen. Man kann viel darüber lesen und auch Filme anschauen. Wirklich beeindruckend ist sie aber bei einem Besuch, wenn man selbst vor und in den Ruinen steht. Einfach faszinierend, ein Glücksfall für die Archäologie, nicht für die Menschen damals. Unglaublich wie Bilder, Mosaiken, Statuen und vieles mehr von vor 2000 Jahren noch erhalten sind. Noch beeindruckender – für mich – ist übrigens Herculaneum, dazu später mehr.
Abends, entsprechend einem Tipp von Daniela Ibello, unserem heutigen Guide, waren typisch neapolitanisch Essen. Dort, wo sich Touristen sicherlich nicht hin verirren. Stimmung pur, zu Anfang bekommt man gleich eine Flasche Wasser hingestellt und einen Liter Wein (aus Plastikbechern), schlicht und einfach, die Kellner sind gut gelaunt, das Essen einfach und gut. Pasta gegessen und frischen Fisch, dann noch Mozzarella. Alles zusammen für zwei Personen inklusive dem Liter Wein und einer großen Flasche Mineralwasser für 18 Euro.
Tag 3: Archäologisches Museum, Centro Antico
Am nächsten Morgen sind wir erst mal ins archäologische Museum die Via Toledo entlang gelaufen. Hier finden sich zahlreiche Artefakte u. a. aus Pompeji und Herculaneum, die den Besuch vor Ort hervorragend ergänzen. Bestens erhaltene große und kleinere Statuen, feinste Mosaiken und fantastische Wandgemälde, Haushaltsgegenstände, Gläser, silbernes Geschirr und vieles mehr lassen sich bestaunen. Dabei wird nur ein Bruchteil der gefundenen Artefakte ausgestellt, wurden bis dato doch mehrere Hundertausende Gegenstände geborgen.
Den Grundstock bilden die Funde aus den beiden Großgrabungen, hinzu kamen mehrere, ehemals private Sammlungen mit Funden aus römischer Zeit, von antiken griechischen Stätten und aus vorrömischen Kulturen Süditaliens.
Anschließend ging es durch das Centro Antico, das alte Stadtzentrum Neapels. Eine Stadt in der Stadt. Chaos, Gewühl, Lebensfreude, die Stadt hat was. Nur eines nicht, auch hier muss sich sicherlich nicht mehr vor Kriminalität fürchten als in irgendeiner anderen Großstadt der Welt.
Eine Straße ist ganz den Krippen und Figuren gewidmet, ein Laden neben dem anderen, Universität, Kirchen, aber auch ruhige, enge Gassen. Und überall, wirklich überall fahren Roller und Kleinwagen, im Gegenverkehr. Nicht allzu viele, die aber mit eingeklappten Seitenspiegeln auch in den engsten Gassen.
Immer wieder ein Stopp in einem der unzähligen Kaffee. Den Trubel genießen, die Menschenmengen und das scheinbare Chaos beobachten, das bei einem Gläschen Wein – nach dem Kaffee. Abends noch den Untergrund Neapels in Form einer Führung besichtigt – ohne geht es nicht – und dann abends ins gleiche Restaurant wie gestern nahe dem Hotel gelegen. Funktioniert übrigens alles ganz gut auch ohne italienische Sprachkenntnisse.
Übrigens, wer sich hier an Verkehrsregeln hält, baut einen Unfall. So jedenfalls hat man uns erzählt. Das kann man wirklich glauben. Nur ein Unterschied zu uns in Deutschland. Keiner beharrt auf sein Recht, deswegen läuft alles nahezu reibungslos ab und die zahlreich zu sehenden Polizisten interessiert das alles nicht. Und eine Delle mehr oder weniger am Auto stört hier anscheinend niemanden.
Tag 4: Herculaneum, Vesuv und die Phlegräischen Felder
Am Folgetag sind wir dann auf nach Herculaneum, diesmal wieder mit unserer Führerin Daniela. Wir sind früh am Morgen da gewesen und die einzigen bis gegen 10.30 Uhr Sie hat für einen geringen Aufpreis noch einen Fahrer mit Auto mitgebracht, macht uns für die geplanten Besuche einfach flexibler. Manches wäre allein mit Öffentlichen gar nicht machbar oder sehr zeitaufwendig. Während man Pompeji mit dem Zug gut erreichen kann, sieht es bei Herculaneum schon schwieriger aus und die Phlegräischen Felder heute Nachmittag wären kaum machbar.
Auch Herculaneum hat der Vesuv-Ausbruch von 70 n Chr. auf dem Gewissen. Auch Herculaneum erwischte zuerst ein pyroklastischer Strom, jedoch nicht so heftig wie in Pompeji. Dementsprechend wurde die Gebäude zuerst nur relativ wenig beschädigt. Ein zweiter und ein dritter Strom folgten und später noch ein stärkerer vierter. Das Material der letzten Ströme war dicht, zähflüssig und füllte die Gebäude bis in den letzten Winkel aus. Herculaneum lag unter einer etwa 20 m dicken Schicht begraben, die sich beim Abkühlen zu einer dichten Masse von Tuffstein verdichtet.

Dieser Ablauf sorgte für den guten Erhaltungszustand der Gebäude, so stehen häufig noch die zweiten Stockwerke – im Gegensatz zu Pompeji – und die Dächer brachen nicht ein. Zudem erhielt sich auch Holz im verkohlten Zustand im Inneren der Gebäude. In einem Laden finden sich zum Beispiel Geländer, Lebensmittelregale und Amphoren. Bis heute sind übrigens nur etwa 20 Prozent der Stadt ausgegraben, große Teile liegen unter der heutigen Stadt.
Herculaneum mit den geschätzten 4000 Einwohnern dürfte eine griechische Gründung gewesen sein und war zum Zeitpunkt ihres Unterganges eher eine kleine Hafenstadt. Die Ausstattung der Häuser deutet jedoch auf großen Wohlstand der hier lebenden Menschen hin. Der Ort dürfte als Sommerfrische für reiche Römer gedient haben, darauf deuten auch große Villen und herrschaftliche Gebäude hin. Muss man genauso wie Pompeji gesehen haben.
Anschließend der zweite Versuch auf den Vesuv zu kommen. Vorgestern durften wir wegen einem drohenden Gewitter nicht hoch laufen. Der Berg hat sein eigenes Klima. Rund um blauer Himmel, der Vesuv mitten in einer dunklen Wolke. Auch heute sah es nicht anders aus. Wir konnten dennoch hochlaufen. Über uns direkt ein Gewitter, Sicht fast null bis auf kurze Momente. Es war kalt und regnete als wir oben waren. Dann wurde der Berg auch schon wieder gesperrt. Dennoch, kurze Momente mit einem fantastischen Blick auf Neapel, Bilder von der Stadt, wie selbst viele Neapolitaner sie so noch nicht sahen und uns zu eben diesen Fotos gratulierten. Jedes Wetter hat seine Seiten. Und schlechtes gibt es nicht, nur falsche Kleidung, Und wir waren oben, wenn auch nur kurz.
Weiter geht es zu den Phlegräischen Feldern, einem Supervulkan. Als erstes nahmen wir uns Cuma vor, wie es heißt, die erste griechische Gründung außerhalb ihres Staates, jedenfalls die erste im heutigen Italien. Gegründet wurde der Ort um 750 v. Chr. Berühmt wurde der Ort durch die Wahrsagungen der Sibylle von Cuma, das zweitwichtigste Orakel nach Delphi. Ihre vermutete Höhle ist heute eine Attraktion, war jedoch nicht zugänglich, vermutlich weil wir die einzigen Besucher waren, eben außerhalb der Saison. das Orakel lag in einem Raum, zu dem ein 131 m langer Gang führt. Der älteste Teil dieser Anlage stammt aus dem 6. oder 5. Jahrhundert v. Chr.
Die Phlegräischen Felder dehnen sich über ein Gebiet von mehr als 150 km² aus. Wichtigster Ort und zugleich Anziehungspunkt für viele Touristen ist die Ortschaft Pozzuoli. In der Nähe aßen wir auch in einem guten Restaurant hervorragende Pasta und Meeresgetier wie man es so nur frisch bekommen kann. Kochen können die Italiener einfach. Kurz davor noch ein Trip zu Piscina Mirabilis, nahe dem Restaurant gelegen. Dabei handelt es sich um ein hervorragend erhaltenes unterirdisches Trinkwasserreservoir der Römer, das zweitgrößte nach dem in Istanbul. Es diente zur Versorgung der classis praetoria Misenensis, der stärksten der Flotteneinheit der römischen Marine, deren Stützpunkt bis 330 n. Chr. Misenum war.
Das Reservoir ist etwa 70 m lang, 26m breit und 15 m hoch. Die Decke stützen 48 enorme Säulen, das Fassungsvermögen beträgt rund 12.600 m³. Es befindet sich in Privatbesitz, der Besuch ist nach einem Telefonat und einer kleinen Spende möglich.
In Pozzuoli selbst befindet sich übrigens ein riesiges Amphitheater, ähnlich dem Kolosseum in Rom. Es soll über 20.000 Besuchern Platz geboten haben. Wir hatten jedoch leider keine Zeit es zu besuchen, zumal nicht wenige Sehenswürdigkeiten außerhalb der Saison früh schließen. Keine Zeit blieb auch für eine Besichtigung der Überreste des alten Hafens. Hier lassen sich die Auswirkungen des Supervulkans beobachten. So finden sich auf den Säulen des antiken Serapis-Tempels Reste von Meeresmuscheln. Sie zeigen, dass sie längere Zeit unter Wasser standen. Der Grund: ein Heben und
Senken des Bodens, bedingt durch den Füllstand der riesigen Magmablase unterhalb. Geschätzt hat sich der Boden in den letzten zwei Jahrtausenden um 20 m gehoben und gesenkt. Allein um 1970 herum stieg er binnen dreier Jahre um etwa zwei Meter an. Halt ein aktiver Supervulkan, der, ginge er hoch, wohl Europa und den Rest der Welt mehr als verändern würde.

Nach dem Essen ging es dann als nächstes nach Solfatara, einem alten abklingenden Vulkan am Stadtrand. Hier finden sich zahlreiche Thermalquellen und im 770 m durchmessenden Krater selbst ist an mehreren Stellen der Boden intensiv gelb und orange gefärbt. Dabei handelt es sich um Schwefel, der sich aus dem heißen Dampf niederschlägt – und natürlich deutlich zu riechen ist. Zu sehen ist zudem eine altertümliche „Sauna“ aus der Römerzeit. Sie nutzte die natürliche Erdwärme und den Dampf, ist heute aber aus Sicherheitsgründen zugemauert.

Tag 5: Unterwegs in Neapel
Am Freitag, dem fünften Tag unseres Kurztrips, waren wir dann wieder in Neapel unterwegs. Zuerst im Hafengebiet, dann wieder in der Via Toledo, der Via Chiaia und der Spaccanapoli im Centro Antico. Läden um Läden jeglicher Art, es gibt nichts was es nicht gibt, alle Edelmarken, dutzende Schuhgeschäfte, Boutiquen… Menschenmassen. Hier ist auf jeder der drei bekanntesten Einkaufsstraße mehr los als auf der Stuttgarter Königsstraße an einem Advent. Die gehört zu dem meistfrequentierten Deutschlands. Eigentlich ist ein großer Teil des Zentrums Neapels eine Einkaufszone mit teilweise kilometerlangen Straßen. Nachmittags sind wir noch auf eine Festung hoch, dem Castel Sant´Elmo. Von hier aus hat man einen wunderbaren Blick auf Neapel. Ein ruhiger Tag mit dennoch nicht wenigen Fußkilometern.
Tag 6: auf Capri
Den Samstag nutzen wir für einen Tagesausflug nach Capri. Die Insel der Schönen und Reichen, bekannt durch die blaue Grotte. Das mit den Reichen scheinen die Bewohner auch weidlich auszunutzen. Sind die Preise hier doch im Mittel (jedenfalls für Essen und Trinken oder einen Ausflug zur blauen Grotte) etwa drei bis vier Mal so hoch wie die in Neapel. Ein Glas Wein (0,1 l) 190 – 12 €, ein kleiner Salat 12 €, ein Cappuccino 5 €. Gut, die Menschen hier leben nahezu ausschließlich vom Tourismus und viele bringen ihr Essen und Trinken gleich mit für einen Tagesausflug. Aber eines hat die Insel, sie ist wirklich schön und sauber. Ein Ausflug lohnt allemal. Gut, die blaue Grotte war wegen des etwas rauen Meeres gesperrt, aber die wollten wir sowieso nicht besuchen. Uns zog es zu den Ruinen der Villa des römischen Kaisers Tiberius, eine einfach etwa dreiviertelstündige Wanderung bergauf. Deswegen macht sie auch kaum jemand. Nur darf man nicht zu lange trödeln, schließ sie doch schon um 13 Uhr.
Selbst die Ruinen sind beeindruckend, obwohl nur noch Reste der Unterkonstruktion erhalten sind. Bis zu acht Stockwerke, eine ehemals überbaute Fläche von 7000 m2, selbst Wege waren mit Mosaiken ausgelegt, die Hauptterrasse mit verschiedenfarbigem Marmor , eine traumhafte Lage mit einer beeindruckenden Aussicht, hier kann man seine Fantasie spielen lassen ob des Prunkes und der Pracht die hier einst herrschten. Dabei war es nur eine von zwölf Villen des Herrschers. Sie wurde um das Jahr 27 n Chr. errichtet und diente dem alternden Herrscher als Regierungssitz bis zu seinem Tode 37 n Chr.
Neben dem Gebäude, bei unserem Besuch aber abgesperrt, befanden sich auf dem Anwesen noch Gärten, Nymphäen, ein erhaltener Signalturm für die Kommunikation mit Rom und ein weiterer Turm, der wohl astrologischen Beobachtungen diente. Dessen gewaltige Fundamente deuten nach Schätzungen auf eine Höhe von 130 m hin. Damit könnte er mit dem Weltwunder von Alexandria konkurrieren.
Für uns endete am Folgetag die Visite in Neapel, aber wie schon geschrieben, es wird nicht die letzte sein.














































































































































































































































