Wir sind am frühen Montagnachmittag am 27. Juni 2022 in der ‚Hauptstadt` Svalbards – so heißt Spitzbergen in Norwegen, in Longyearbyen angekommen. Gesprochen Lung-yer-bin. Man fühlt sich wie auf einem nördlichen Außenposten der Menschheit. Eine karge, baumlose, leicht bergige Landschaft, Schnee und Gletscher ringsherum, der Boden ist tiefgefroren, Tagestemperatur derzeit rund 5 Grad Celsius – Hochsommer. Die Gebäude und Lagerplätze verstärken den Eindruck noch. Die Stadt ist nur rund 1310 Kilometer vom Nordpol entfernt, mithin die nördlichste Siedlung der Welt. Derzeit scheint rund um die Uhr die Sonne, vom 26. Oktober bis 15. Februar bleibt sie dagegen vollständig unter dem Horizont, es herrscht fortwährend schwarze Nacht.
Gegründet hat die Stadt der Amerikaner John Munroe Longyear 1906 als Bergarbeiterstadt, der reichen Kohlevorkommen wegen. Rund 2200 Menschen leben hier, auf der ganzen Insel 2700. Viele davon immer noch vom Bergbau, in Betrieb ist aber nur noch eine Grube nahe der Stadt gelegen. Ein Drittel der abgebauten Kohle verfeuert das einzige Kraftwerk der Insel, der Rest wird exportiert. Aus alten Zeiten übrig geblieben ist der Brauch, dass Besucher im Eingangsbereich ihre Schuhe ausziehen und die Häuser mit Socken oder Hausschuhen betreten. Der Grund: Früher waren die Minenarbeiter oft sehr staubig und dreckig. Schuhe aus, das gilt auch für Hotels oder Museen.
Das wichtigste Verkehrsmittel hier, der Schneescooter
Zunehmend wichtig ist seit den 1990er-Jahren die Forschung und der Tourismus. So kommen pro Jahr etwa 30.000 Besucher nach Spitzbergen, 20.000 sind mit Kreuzfahrtschiffen unterwegs. Ist überschaubar. In Norwegen nennt man die Insel Svalbard, was für Kühle Küste steht.
Zentrum der Forschungsaktivitäten ist der Svalbard Forskingpark, mit einer Universität, dem Polarinstitut und der EISCAT-Radaranlage. 32 und 42 m große Parabolspiegel dienen der Erforschung der Atmosphäre, der Nordlichter und des Ozons. Dann gibt es noch die Svalbard Satellite Station (SvalSat). Sie ist für die Kommunikation und Kontrolle von Satelliten mit polarer Umlaufbahn zuständig.
Global Seed Vault – der Saatguttresor. Hier lagern im Permafrostboden rund eine Million Samenproben von Nutzpflanzen.
Longyearbyen verfügt über eine moderne Infrastruktur, Geschäfte, Restaurants, Hotels, Schule, Kindergarten, auch Kino, Schwimmbad und Hafen. Das Straßennetz umfasst aber nur 40 km rund um den Ort herum, Schneemobil und Boote sind die Fortbewegungsmittel der Wahl.
Von der ursprünglichen Minenarbeit ist nicht mehr viel zu sehen, sprengte die deutsche Wehrmacht im zweiten Weltkrieg doch vieles. Alles was die Zerstörungsorgie überstanden hat, untersteht heute dem Denkmalschutz.
Ein Gerücht übrigens hält sich hartnäckig – in Reiseführern und besonders im Internet. Auch manch Reiseleiter erzählt die Story: das gesetzliche Sterbeverbot. Ein Gesetz von 1950 soll nämlich das Sterben hier verbieten. Der Grund: Der Permafrostboden, der ein Bestatten problematisch mache. Das aber ist Unfug. Longyearbyen war lange Zeit das Betriebsgelände einer Firma und es gab nur firmeneigene Unterkünfte.
Der Friedhof in Longyearbyen – auch heute finden noch Urnenbestattungen statt.
Hörte man auf zu arbeiten oder ging in Rente, verließ man die Stadt in Richtung Festland. Also wurde hier nicht gestorben, außer durch einen Unfall. Zudem gibt es hier keine Alters-oder Pflegeheime und das Krankenhaus ist klein. Stirbt ein Bewohner von Longyearbyen, wollen sie meist in der Heimatgemeinde auf dem Festland beerdigt werden. Leben doch die wenigsten mit ihrer Familie über Generationen in der Stadt. Will jemand dennoch hier beerdigt werden, so ist auch das möglich. Allerdings nur als Urnenbegräbnis. Zuletzt 2014 geschehen. So viel zu den vielen falschen Erzählungen.
Unfug ist auch die Behauptung, es gebe ein gesetzliches Gebot, eine Waffe zu tragen.Der gesunde Menschenverstand gebietet es jedoch, außerhalb der Stadt eben eine geeignete Waffe zu tragen. Es ist Eisbärenland, auch wenn Begegnungen recht selten sind. 2020 wurde ein Niederländer in Longyearbyen durch einen Eisbären auf dem Campingplatz getötet, das ist aber äußerst selten. Das Gesetz fordert nur, ein geeignetes Abschreckmittel außerhalb der Stadt mitzuführen. Etwa eine Signalpistole mit spezieller Munition. Wer ohne Gewehr in Spitzbergen außerhalb von Longyearbyen unterwegs ist, mag vielleicht lebensmüde sein. Er ist aber nicht illegal unterwegs.
Rings um die Stadt ist Eisbärenland. Nur können die auch das Schild lesen?
Auf Vogelpirsch rund um Longyearbyen
Mittwoch, 29. Juni: Heute ist einer der seltenen Tage auf Spitzbergen für diese Jahreszeit, wo es regnet. Generell fällt wenig Niederschlag auf der Insel, hier um Longyearbyen sind es nur etwa 200 mm pro Jahr. Und im Juni regnet es eigentlich nur an drei Tagen. Die Jahresmitteltemperaturen liegen bei – 7,5 °C, recht warm für diese Breitengrade, bedingt durch Ausläufer des Golfstromes. Am wärmsten ist es im Juli mit 5 °C, selten bis maximal 10 °C, am kältesten im Februar mit – 14 °C, im Einzelfall wurden aber auch schon – 30 °C gemessen.
Wir sind mit einem Guide unterwegs, um die Umgebung von Spitzbergen mit dem Auto zu erkunden. In erster Linie steht Vogelbeobachtung auf dem Programm, aber auch Rentiere kreuzen unseren Weg. Die hier sind kleiner und gedrungener als die vom skandinavischen Festland und leben wild. Halten sich aber gern in der Umgebung von Siedlungen auf, da darf nicht gejagt werden.
An Vögeln recht häufig sieht man die Dreizehenmöve und die Eiderenten. Seltener dagegen ist die Prachteiderente, von der wir auch ein Exemplar sahen. Sehr aggressiv sind die Küstenseeschwalben, die gehen gerne sofort auf Attacke. Hier heißt es in der Nähe des Autos zu bleiben. Auch einen einzelnen Papageientaucher entdecken wir, an ungewöhnlicher Stelle. Der Guide vermutet das er krank ist und meldet ihn und den Ort einer Behörde. Denn es besteht das Risiko, dass der Vogel an Vogelgrippe erkrankt ist. Am 24. Juni ist sie erstmals in der Arktis nachgewiesen worden. Forscher hatten schon damit gerechnet, dass das Virus auch in Spitzbergen ankommen würde, da einen großen Ausbruch im Frühjahr unter Gänsen in Schottland gab, und die ziehen zum Brüten nach Svalbard. Das Virus ist Vögel hoch ansteckend und tödlich. Man rechnet für die großen Vogelkolonien in Spitzbergen mit möglicherweise fatalen Folgen. Deswegen sollen Funde toter oder kranker Vögel gemeldet werden.
Prachteiderente
Seeschwalbe
Permafrostboden, hier gut zu sehen
Zwischendurch führen wir noch am Global Seed Vault – dem Saatguttresor auf Spitzbergen vorbei. Rein kann man jedoch nicht und man sieht nur den gesicherten Eingang in des unterirdische Lagersystem. Dennoch ist dies ein sehr wichtiger Platz für die Zukunft der Menschheit. In Betrieb genommen 2008 lagern hier im Permafrostboden rund eine Million Samenproben von Nutzpflanzen aus aller Welt, in Plastikboxen verpackt, sicher vor dem Anstieg des Meeresspiegels, vor Erdbeben, Seuchen, radioaktiver Strahlung oder menschengemachter sowie Naturkatastrophen. Sie können helfen nach einer Katastrophe die Erde wieder zu kultivieren.
Zu guter Letzt fuhren wir noch zu einem Zelt des Veranstalters, wo wir uns aufwärmen konnten und der Guide ein paar Würste für uns grillte. Hier besuchte uns auch ein Skua, eine Raubmöwe mit der Hoffnung auf Beute. Der Guide kommt aus Westfahlen, hat in Tromsø und Longyearbyen Biologie studiert und schreibt gerade eine Publikation. Ideal, er konnte uns sehr viel über die Insel und Tierwelt erzählen und das auf Deutsch. Trotz des Regens ein interessanter Tag mit viel Informationen.
Kohle, das Lebenselixier vergangener Tage
Donnerstag, 30 Juni: Kohle ist der Grund für die Existenz Longyearbeans und der Exploration der Insel Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Qualität der Steinkohle ist sehr gut – sie besteht zu 98 Prozent aus reinem Kohlenstoff, so dass sich der Abbau im hohen Norden lohnt. Heute ist nur noch Mine 7 in Betrieb, etwa 30 Prozent der geförderten Kohle von rund 130.000 Tonnen wird für das inseleigene Kraftwerk benötigt, der Rest wird exportiert, vor allem nach Deutschland. Dort findet die Kohle etwa bei der Herstellung hochwertigen Stahles ihren Einsatz, etwa für Motorenblöcke von Automobilen. Die Mine soll aus Umweltschutzgründen jedoch im Laufe des Jahres 2023 geschlossen werden, so jedenfalls hat es die norwegische Regierung vor. Dann beheizt man das Kraftwerk, das neben Strom vor allem Wärme für die Häuser produziert mit Diesel. Ob das die Umwelt schont, ist sicher zu bezweifeln. Fotovoltaik macht so weit im Norden absolut keinen Sinn, Windenergie erzeugt keine Wärme, der Alternativen gibt es nicht viel.
Wir besuchten heute Morgen jedenfalls die 1971 in Betrieb genommene und 1996 geschlossene Grube Nr. 3. Wobei sie nur temporär außer Betrieb ist, würde man sie endgültig schließen, müsste alles rückgebaut und renaturiert werden. Das gilt für alle Minen nach dem zweiten Weltkrieg, alles davor steht unter Denkmalschutz.
Die rund 3-stündige Tour lohnt, und wir haben einen wunderbaren Guide, der voll engagiert ist und wirklich viel erzählen kann. Auch Geschichten aus der damaligen Zeit. Die Arbeit war extrem schwer, unter Tage herrscht Permafrost, in den Gängen so um die minus zwei Grad, die Schichten dauerten acht Stunden und man arbeitete mit schwerem Gerät (alles Handarbeit) in Flözen von um die 50 / 60 cm Höhe. Also den ganzen Tag liegend und kriechend. Ungefährlich war es auch nicht. Dennoch blieben nicht wenige ihr Leben lang dieser Arbeit treu, der sehr guten Bezahlung wegen, geringer Steuern und der – nicht selten fast familiären Kameradschaft unter den Bergleuten.
Schön auch, als das Bergwerk aufgelassen wurde, konnte man für die Mine 7 nichts verwenden, denn das aktuelle Bergwerk ist hoch automatisiert. Also beließ man alles wie es war, ließ alles liegen wie Werkzeug, Maschinen und Kleidung, nichts wurde abgebaut. Das gibt einen sehr guten Eindruck , wie hier in den 70er- bis 90er-Jahren gearbeitet wurde.
Am frühen Abend sind wir noch einmal mit einem Guide, diesmal eine junge Dame aus dem Ruhrgebiet, in der Gegend von Spitzbergen umhergefahren – auf ähnlichen Wegen wie gestern, ist das Straßen- und Pistennetz hier doch nur 40 km lang. Nur diesmal bei schönerem Wetter. Mehr Tiere als Gestern ließen sich aber auch nicht sehen, eine Herde Rentiere kreuzte unseren Weg und viele altbekannte Vogelarten. Von den Hügeln umher gab es eine gute Sicht auf Longyearbyen und wir fuhren auch an den alten Mienen 5 und 6 vorbei bis zur aktiven Grube 7. Wir besuchten noch die neue Kirche und auch den nahegelegenen Friedhof. Einige schöne Bilder entstanden dabei, mehr gibt es eigentlich nicht zu berichten.
Ausgangspunkt für unsere Tour nach Spitzbergen und durch Mitttelnorwegen sowie die westlichen Fjorde ist Oslo. Rund zwei Tage hatten wir für die Hauptstadt Norwegens. Ursprünglich waren vier Tage geplant, aber durch den Streik der SAS-Piloten – unsere Flüge nach Spitzbergen waren davon betroffen – mussten wir einiges anpassen und umbuchen. Der erste Tag bei wunderbarem Sonnenschein, blauem Himmel, der zweite bei zeitweise stärkerem Platzregen. So wie das Wetter in Norwegen halt ist. Wechselhaft. Also am Tag 1 einen Bummel durch die Stadt gemacht, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten mitgenommen. Sprich, als erstes ging es zur Oper. Das Opernhaus ist aus weißem Marmor gebaut, die eckige Fassade scheint sich aus dem Wasser zu erheben. Genial, man kann auf das riesige Dach steigen – oder mit eRollern auch befahren – was einige machten – und hat dann von oben einen wunderbaren Blick über Oslo und den Fjord. Auf dem Weg dorthin lag auch die Osloer Kathedrale und das Parlament sowie einige weitere Sehenswürdigkeiten.
Manches Mal waren auf dem Weg zur Oper Umwege angesagt, es waren einfach zu viele Menschen unterwegs. Menschenmassen. Zumal mehrere Kundgebungen für die sexuelle Selbstbestimmung und Menschenrechte stattfanden, überall Regenbogenfahnen und entsprechend gekleidete Teilnehmer. Eine freundliche Stimmung, wie man sie sich bei vielen Demos wünschen würde.
Exkurs: Wie wir inzwischen erfahren haben, fand in der Nacht zum Samstag in Oslo in der Nähe einer Schwulenbar ein terroristischer Anschlag statt mit zwei Toten und 21 weiteren Verletzten, zehn davon schwer. Am Samstag war ursprünglich eine große Gay-Parade geplant, die aus Sicherheitsgründen verschoben wurde. Dennoch strömten am Samstag Tausende Menschen mit Regenbohnenfahnen durch die Innenstadt und riefen „Wir sind hier, wir sind queer, wir werden nicht verschwinden“. Die Menschen schwenkten die Regenbogenfahne und legten am Ort des Attentats Blumen nieder. Hier kamen wir auch vorbei, wussten aber noch nicht, was passiert war. Deswegen die vielen Menschen, die unterwegs waren.
Als wir zurück und nahe unserem zentral gelegenen Hotel waren, machten wir noch eine Stippvisite beim Königlichen Schloss. Es dient dem König als Residenz, wird für staatlichen Repräsentation verwendet und ist zugleich Gästehaus des Landes. Mit 173 Räumen gehört es zu den kleineren Residenzen Europas.
Am Sonntag waren dann in Anbetracht des Wetters Museen im Ortsteil Bygdøynes angesagt. Hin ging es mit dem Bus, wir ließen das Auto stehen. Das dortige Wikingermuseum mit drei originalen Schiffen ist derzeit leider geschlossen, aber es gibt in dieser Ecke Oslos noch das Fram-Museum, das Kon-Tiki- und das Maritime Museum. Reicht für einen guten halben Tag. Mindestens. Das dortige Folkloremuseum mit 130 Gebäuden ließen wir aus.
Die Fram soll das stärkste, je aus Holz gebaute Schiff der Welt sein und wurde bei drei Polarexpeditionen von Fridtjof Nansen (1893-1896), Otto Sverdrup (1898-1902) und Roald Amundsen (1910-1912) eingesetzt. Gebaut 1892 ist das Schiff hier im Original mit kompletter Einrichtung und zahlreichen Infos zur Geschichte ausgestellt. Schon faszinierend.
Faszinierend und Geschichte pur, das ist auch das Kon-Tiki-Museum. Hier finden sich das originale Kon-Tiki-Floß aus Balsaholz und das Papyrus-Boot Ra II. Mit der Kon-Tiki überquerte Thor Heyerdahl 1947 den Pazifik auf dem Floß von Lima, Peru bis nach Polynesien. Er war 101 Tage unterwegs und legte etwa 7000 km zurück. Ziel war der Beweis, dass die Besiedlung Polynesiens von Südamerika aus erfolgen konnte, und zwar vor der Zeit der Inka.
Mit der Ra II, einen Papyrusboot – hier steht ein Nachbau im Museum, stach Heyerdahl im Mai 1970 von Marokko aus in See und erreichte nach 57 Tagen und 6.100 km Barbados. In dem Museum findet sich zudem einiges zu archäologische Ausgrabungen auf den Galapagosinseln, den Osterinsel und in Tucume. Gegen die zwei Museen fällt das maritime Museum naturgemäß etwas ab, dafür hat es ein Kaffee und es war weniger los.
Zurück ins Zentrum nahmen wir die Fähre. Von Anlegestelle am Nobel Peace Center bot sich ein kurze Abstecher zu der nahe gelegenen Ankershus Fortress an. Das integrierte Museum zur norwegischen Widerstandsbewegung und das Militärmuseum ließen wir jedoch aus. An Geschichte reicht es heute und das langsame Gehen geht doch ganz schön aufs Kreuz. Dafür schlenderten wir bei Regen lieber die Hafenpromenade entlang, bis wir ein typisches norwegisches Restaurant fanden. Auf das angebotene Walfleisch ließ sich leichten Herzens verzichten, aber ein Rentier als Filet musste daran glauben.
Skien und der Telemarkkanal
Wir sind in Skien, rund 160 km südwestlich von Oslo gelegen. Die Stadt ist Ausgangspunkt für Bootsfahrten auf dem insgesamt 105 km langen Telemarkkanal. Zwei Schiffe starten von hier im Wechsel, die MS Henrik Ibsen und MS Victoria. 18 Schleusen überwinden auf der Strecke einen Höhenunterschied von 72 m. Eine davon befindet sich in der Stadt.
Die manuell betätigte Vrangfoss-Schleuse ist die größte des Telemarkkanals. Die fünf Schleusenkammern überwinden 23 Höhenmeter, die Durchfahrt dauert rund 45 Minuten. Allein die Fahrt durch die Schleusen den Telemarkkanal entlang ist schon einen Besuch dieser Region wert. Aber auch hier, wir waren nahezu die einzigen Nicht-Norweger auf dem Schiff. Die Vrangfoss-Schleusen sind Weltkulturerbe der Unesco, fertiggestellt wurde der Kanal 1892. 500 Arbeiter benötigten rund fünf Jahre dafür. Zugleich bietet eine Schifffahrt die Gelegenheit, die wunderbare Natur aber auch alte Schleusenwärtergebäude, Schmieden, Sägewerke, Lagerschuppen und Anlegestellen vom Bott aus an sich vorbei gleiten zu lassen. Wir machten eine kürzere Tour von etwa fünf Stunden bis Lunde sluse, zurück ging es in einer Stunde mit dem Bus. Fahren kann man auch bis Dalen, dann dauert die Fahrt aber rund zehn Stunden.
Am Samstag ging es weiter, wir entschieden bei dem wunderbaren Wetter den Telemarkkanal entlang zu fahren. Und stoppten passend mit dem Schiff an den zwei Schleusenanlagen Uttfoss und Vrangfoss, konnten so wunderbare Aufnahmen von der Schleusung machen, diesmal mit dem Schwesterschiff MS Victoria. Die MS Henrik Ibsen ist ja in Gegenrichtung unterwegs, also nach Skien.
Ich durfte sogar Aufnahmen stehend auf den Schleusentoren machen, wurde problemlos gestattet. In Deutschland unvorstellbar. Hier zählt die Eigenverantwortung doch noch etwas mehr als bei uns. Wir waren auch rechtzeitig vor der Einfahrt des Schiffes in Lunde, wo wir gestern von Bord gingen. Ich habe so insgesamt rund 90 Minuten Filmmaterial allein von diesen Fahrten, im Film dürfen es aber nicht mehr als drei/vier Minuten werden…
Wir haben jetzt zwei Tage in Skien verbracht. Es ist eine der ältesten Städte Norwegens, davon sieht man aber nicht mehr viel. Brannte die Innenstadt doch zweimal vollständig ab. Auch ist es ein Ort, an dem ausländische Touristen eher selten hinkommen. Jedenfalls derzeit.
Skien ist die Stadt des Dramatikers und Schriftstellers Hendrik Ibsens, der hier 1828 geboren wurde. In dessen Wohnhaus findet sich heute ein kleines Museum, das wir natürlich besuchten und quasi eine Privatführung bekamen. 1867 erschien Ibsens dramatisches Gedicht Peer Gynt. Vorlage dafür war ein norwegisches Feenmärchen von Peter Christen Asbjørnsen. 1874 arbeitete er das Werk zu einer Bühnenfassung um. Dafür schuf der Komponist Edvard Grieg die 26-teilige Schauspielmusik Peer Gynt. Und aus dieser schuf Grieg 1888 und 1891 seine beiden weltbekannten Peer-Gynt-Suiten.
In Skien findet sich zudem der Brekkenpark mit Freilichtmuseum. Hier kann man gemütlich zwischen alten Bauernhäusern und Speichern, teilweise aus dem 16. Jahrhundert, wandeln. Zudem gibt es ein modernes Museum. Und auch ein schön gelegenes Kaffee mit wunderbarem Blick über die Stadt. Hier fand am Donnerstagabend ein Jazz-Konzert statt, dessen Besuch wir uns nicht nehmen ließen. Von den ungefähr 200 Besuchern, dürften wir die einzigen nicht-Norweger gewesen sein. Zwar verstanden wir kein Wort von den Erzählungen der Interpretin, aber die Musik um so besser. Ein schöner Abend.
Stabkirche zu Heddal
Weiter ging es zu der größten Stabkirche Norwegens in Heddal, erbaut um 1250. Einige Baumaterialien stammen aus dem 9. Jahrhundert, dass manches auch älter sein könnte. Sie ist etwa 25 m lang und 17 m breit. Die größte Höhe beträgt 29 m und das Gebäude hat drei Turmspitzen. Sie ist heute noch als Kirche in Betrieb. Die Kirche wurde jedoch um 1600 innen umgebaut und um 1850 noch einmal renoviert. Um 1950 baute man sie in ihren ursprünglichen Zustand zurück, so dass sie jetzt wieder so aussieht wie einst. Im Inneren finden sich drei mittelalterliche Möbelstücke (Nachbauten, Originale sind in Oslo im Museum), die mit Motiven aus den Sagen von Siegfried dem Drachentöter verziert sind. Wagner und die Nibelungen lassen grüßen.
Einst gab es in Skandinavien mehr als 1000 derartige Kirchen, heute existieren noch 28, ausschließlich in Norwegen. Mehr Infos zu Stabkirchen gibt es, wenn wir die in Lom und Borgund besuchen etwas später in diesem Post.
Rjukan und der Gaustatoppen
Unterwegs in Mittelnorwegen
Weiter Richtung Rujkan, unserem Tagesziel. Bei dem schönen Wetter und der wunderbaren Landschaft, bot es sich an, gleich mal die Drohne einzusetzen. Am Nachmittag erreichten wir dann unseren Campingplatz. Hier bezogen wir eine kleine Hütte für die nächsten zwei Tage.
Am kommenden Morgen ging es hoch auf den 1883 m hohen Gaustatoppen, der von vielen als einer der schönsten Berge Norwegen bezeichnet wird. Vom Gipfel aus sieht man ein Sechstel ganz Norwegens, bis rein nach Schweden und auf der anderen Seite bis ans Meer. Bei entsprechender Sicht. Die wir nicht hatten, die Spitze lag im dichten Nebel. Aber anhand der Schautafeln konnte man es sich wenigstens vorstellen. Zudem es gab einen warmen Kaffee und die für hier typischen leckeren Waffeln.
Man kann den Berg in knapp drei Stunden von Stravsro auf 1173 m Höhe erwandern oder aber den bequemeren Weg nehmen, mit einem Zug und einer Schrägseilbahn. Die von der Nato 1954 erbaut wurden. Denn auf dem Berg befindet sich eine Jahrzehnte lang geheime Anlage des Militärbündnisses, die je nach Quelle Mitte der 90er-Jahre oder erst in den 2000ern stillgelegt wurde. Seitdem nutzen Touristen die Bahn. Erst führt ein kleiner Zug in einem dunklen Stollen etwa 840 m tief in den Berg hinein, dann folgt die Schrägseilbahn mitten im Berg mit einer Steigung von 39 Grad. Sie überwindet in 10 Minuten rund 1100 Höhenmeter. Schon die Fahrt in dem Relikt des kalten Krieges lohnt, auch wenn oben die Sicht nahezu Null war.
Also wieder herunter und den Rjukan Bahnhof, heute eine Museumsanlage besucht. Die Bahnstrecke, Fahrzeuge und Fährschiffe sowie eine ganze Reihe von Gebäuden wie große Wasserkraftwerke aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts sind Weltkulturerbe der Unesco. In dem Bahnhof endet die 46 km lange Bahnstrecke, die Züge wurden auf Fähren rangiert und nach Mæl verschifft, dann ging es wieder auf Gleisen nach Skien. Transportiert wurden vor allem Chemikalien von Norsk Hydro. In Betrieb genommen hat man die Anlage 1909, sie war bis 1991 in Betrieb. Zwei der alten Eisenbahnfähren lassen sich besichtigen: Die D/F Ammonia, die letzte dampfbetriebe Eisenbahnfähre der Welt, wird gerade restauriert und soll irgendwann wieder den Betrieb aufnehmen. Und die M/F Storegut, sie ist für gelegentliche Fahrten noch in Betrieb und nicht weniger interessant. Wir bekamen eine exklusive, sehr ausführliche Führung durch die Anlage und beide Schiffe von einer Museumsmitarbeiterin, die viel über die Geschichte, Land und Leute erzählte. Jedenfalls schloss das Museum gegen 17 Uhr, unsere Führung endete um 18 Uhr.
Bekannt ist diese Gegend zudem durch eine Geschichte aus dem zweiten Weltkrieg, fand bei Rjukan doch ein den Zweiten Weltkrieg mit entscheidender Sabotageakt statt: sie sogenannte Norwegische Schwerwasser-Sabotage. Sie bestand aus verschiedenen Operationen sowohl des norwegischen Widerstands als auch der Alliierten. Ziel war, die Herstellung und den Transport Schweren Wassers im Kraftwerk Vermork, zum Bau der Atombombe erforderlich, nach Nazi-Deutschland zu verhindern. Diese Aktionen wurden nach dem Krieg verfilmt, u. a. mit Kirk Douglas.
Über Uvdal nach Borgund
Morgenstimmung, ganz nach Edvard Grieg
Heute war ein Fahrtag vorgesehen, etwa 300 km nach Borgund. Vorwiegend auf kleinen Seitenstraßen über Berge und Pässe. Hauptachsen vermeiden wir, soweit möglich. Das gibt auch die Möglichkeit, immer mal wieder die Drohne aufsteigen zu lassen. Nach rund 100 km entdecken wir ein braunes Schild mit dem Hinweis auf ein Freilichtmuseum und die Stabkirche Uvdal, nur ein kleiner Umweg. Also hin. Es hat sich gelohnt. Kaum etwas los, sind die alten landwirtschaftlichen Gebäude und vor allem die kleine Stabkirche Uvdal wirklich sehenswert. Sie stammt aus dem 12. Jahrhundert, im 17. Jahrhundert finden Erweiterungen statt und im 18. Und 19. Jahrhundert noch Umbauten. Dennoch bietet sie einen sehr guten Eindruck der alten Zeiten. Die Wandmalereien im Inneren stammen von 1770.
In dem Museum finden sich weitere zahlreiche landwirtschaftliche Gebäude wie Vorratshäuser, Getreidemagazin, Scheunen, ein Sommerwohnhaus reicher Bauern, ein Schulhaus, Trockenhaus für Getreide, eine Bachmühle und weiteres. Die meisten stammen aus dem 19. Jahrhundert, das älteste aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Nach dem Besuch des Freilichtmuseums Uvdal ging es über kurvenreiche Straßen und Pässe weiter, auch über eine stärker befahrene Teilstrecke bis nach Borgund. Hier war ich letzten September schon mal mit dem Motorrad. Ziel ist Stabkirche Nummer drei: Das Besondere, sie ist noch so erhalten wie man sie vor über 800 Jahren, um 1180 erbaut hatte. Es fanden keine Umbauten statt, geschützt mit Pech – das regelmäßig erneuert wird – und auf einem steinernen Sockel überstand sie die Zeiten. Ein einmaliges Dokument vergangener Zeiten.
Der Sognefjells und eine traumhafte Bergwelt
Unterwegs in 1400 m Höhe
Heute stand eine kürzere Fahrtstrecke (rund 150 km) zur Sognefjellshytta in den Bergen an. Da es sich aber um eine wunderbare Gegend handelt, erst lange kurvenreich an einem Fjord entlang und dann hoch in die Berge auf etwa 1400 m, dauerte die Fahrt doch einige Stunden. Die Sognefjellshytta war unser Domizil für die nächsten zwei Tage, gelegen in einer wunderbaren Bergwelt mit Seen, schneebedeckten Bergen und Gletschern – umgeben von mehreren Parks wie dem Jotunheimen-Nationalpark. Überall finden sich noch große und dicke Schneefelder aus dem letzten Winter. Und die Sonne scheint. Eine traumhafte Fahrt, und viele Gelegenheiten, für Fotos und um die Drohne außerhalb der Nationalparks aufsteigen zu lassen. Auch die Fahrt über Nordeuropas höchsten Pass – auf 1434 m gelegen, ein Traum. Die E 55 ist zugleich eine der schönsten norwegischen Landschaftsrouten, hier zeigen sich die mächtigsten Berge Norwegens von ihrer wildesten oder schönsten Seite, je nach Wetter. Das wechselt hier sehr schnell.
Abends von unserem Quartier gleich noch bei Sonnenschein eine kurze Wanderung gemacht, runde 4 km über steiniges und sumpfiges Gelände, über Schneefelder und um kleinere Seen herum. Inzwischen scheinte wieder die Sonne, es war verhältnismäßig warm für diese Höhen. Zahlreiche Fotomotive ließen den Weg deutlich länger werden. Aber seht selbst.
Runde 34 km waren am kommenden Vormittag es zur Leirvassbu Fjellstue. Hier findet sich eine Berghütte, quasi ein Zentrum für Bergsteiger, Ausgangspunkt für Gipfeltouren – zahlreiche 2000er-Berge tummeln sich hier, für Gletschertouren und -kurse, aber auch zum Angeln in den umliegenden Seen und Flüssen. Das ist im Nationalpark erlaubt, für den Eigenbedarf. Im Nationalpark Jotunheimen liegt zudem der höchste Berg Norwegens, der 2469 m hohe Galdhøpiggen. Diese Region hatte ich letzten September mit dem Motorrad entdeckt, aber viel zu wenig Zeit. Letztes Jahr bin ich von Geiranger nach Borgund in einem Tag durchgefahren (sind ja nur runde 300 km), diesmal mit dem Auto haben wir für diese Strecke sechs Tage.
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Nachmittags haben wir dann einen gemütlichen Tag in der schönen Berghütte verbracht- gut, Hütte ist wohl etwas untertrieben. Das Wetter hatte umgeschlagen und es regnete immer wieder recht stark, dazwischen Sonnenschein. Zum Wandern hatten wir da keine Lust.
Via Lom zum Geiranger-Fjord
Unterwegs nach Lom. Viele Orte laden zu einem Stopp ein
Heute standen rund 150 km Fahrstrecke an. Auch die dauerten, ging es doch durch wunderbare Berglandschaften. Wie gehabt, bei diesem Wetter kommt natürlich die Drohne immer wieder zum Einsatz. es scheint die Sonne, der Himmel ist blau. Die Fahrt führt über Lom, der wichtigsten Stadt hier in der Region. Das merkt man sehr schnell am etwas chaotischen Verkehr, obwohl es eine Kleinstadt mit gerade mal 26.000 Einwohnern ist. Bald jedes zweite Fahrzeug ist ein Wohnmobil oder Caravan. Es ist Saison. Als ich im September letzten Jahres hier war, schien Lom eher ausgestorben, etwas übertrieben. Der Parkplatz vor der Stabkirche von Lom, randvoll. Im September stand neben mir ein einziges Fahrzeug.
Viele Besucher kommen wegen der Stabkirche von Lom, doch uns sah sie nur von außen. Nach den Stabkirchen von Heddal, Uvdal und Borgund reichte es, zumal ich letztes Jahr auch die von Lom ausgiebig besucht hatte. Dennoch, immer wieder ein imposanter Anblick. Nur Soviel: Lom ist eine der größeren Stabkirchen Norwegens, wurde vermutlich in einer ersten Form um 1150 n. Chr. herum gebaut und im 17. Jahrhundert durch zwei Seitenschiffe ergänzt. Sie ist heute noch als Kirche in Benutzung.
Anschließend stand ein kurzer Stadtbummel an, zudem hieß es die Vorräte in einem Supermarkt aufzufrischen. Es ging weiter, wieder durch wunderschöne Berglandschaften zu unserem nächsten Aufenthaltsort: Dalen Camping, fünf Kilometer und 400 Höhenmeter oberhalb von Geiranger gelegen, weg vom Trubel des touristischen Hotspots. Die Hütte hier, mithin die schönste. Kannte ich vom letzten Jahr und hatte sie im Februar schon fix gemacht. Diesmal bleiben wir drei Nächte.
Unser Domizil nahe Geiranger
Nach dem Bezug der norwegisch Hytten, sind wir noch den Berg runter nach Geiranger gefahren. Wie befürchtet, es lag ein großes Kreuzfahrtschiff im Fjord. Auf 220 Einwohner kommen jährlich rund 800.000 Besucher, vorwiegend im kurzen Sommer. Überraschender weise war nicht mal so viel los, wir fanden sogar sofort einen Parkplatz. Es war schon später und vermutlich Essenszeit an Bord.
In Geiranger, der touristische Hotspot mithin
Die Berge liegen im Nebel, also runter in den Fjord nach Geiranger. Obwohl das Kreuzfahrtschiff abgelegt hat, brauchen wir eine Weile, um einen Parkplatz zu finden. Es ist halt Saison. Letztes Jahr schrieb ich noch: „Was hier in der Saison los ist, wenn Busse, Wohnmobile und Autos die engen Straßen teilen, will ich lieber nicht erleben.“. So kann man sich irren, wir erleben es gerade, wenn normale Pkw´s kilometerlang mit 20 bis 30 km/h die Straßen auf- und runterschleichen, obwohl es deutlich flotter ginge. Nur viele kennen ihre Fahrzeuge anscheinend nicht, die Straßen sind eng und kehren- sowie kurvenreich. Bei den Gespannen und Wohnmobilen sieht es anders aus, hier geht es häufig kaum schneller. Nur wenige lassen den Stau hinter sich vorbei, an den Parkbuchten und Ausweichstellen gäbe es genügend Möglichkeiten. Egal, damit hatten wir gerechnet, konnten durch die Arktisreise der Hauptsaison halt nicht ausweichen.
Also auf zu einem weiteren Bummel, diesmal mit offenen Läden durch den Ort, bei schönstem Wetter. Hier unten im Fjord. Oben in den Bergen ist weiterhin dichter Nebel, wir wollten eigentlich heute morgen auf den 1500 m hohen Dalsnibba. Erstmal gestrichen, nochmal Sicht Null wollen wir uns nicht antun. In Geiranger dann kurzfristig Tickets für eine 90-minütige Bootsfahrt durch den Fjord gebucht. Aus dieser Perspektive kannten wir ihn noch nicht.
Der Geirangerfjord ist umgeben von bis zu 1700 m hohen schneebedeckten Bergen, Wasserfällen und grünen Tälern und ist von der Unesco als Welterbe geschützt, weil kaum durch Menschen verändert. Die Region hat sich als nachhaltiges Reiseziel zertifizieren lassen. Dieses Gütesiegel bekommen Touristenziele, welche die lokale Natur, Kultur und Umwelt bewahren und aktiv etwas gegen überbordenden Tourismus unternehmen. Doch wie sich das bei diesen Fahrzeug- und Menschenmengen realisieren lassen soll, ist mir ein Rätsel. Ein Drittel des Zentrums am Fjord ist Camping- und Parkplatz. Die Gegend lebt halt ausschließlich vom Tourismus.
Hoch auf den Dalsnibba
Der Parkplatz auf dem Gipfel des Dalsnibba mit einem wunderbaren Blick auf den Geirangerfjord und die Bergwelt ringsum
Immer wieder schauen wir auf die Webcams des Dalsnibba, ob sich die Wolken verziehen. Nachmittags gegen 17 Uhr ist es dann so weit. Also hoch auf den Berg auf 1476 m, und es war bei weitem nicht mehr so viel los, wie befürchtet. Der Blick auf die schneebedeckten Berge ist einfach fantastisch. Wir hielten uns bald zwei Stunden oben auf, auch die Drohne kam wieder zum Einsatz. Dann zog es wieder zu, Wolkenfetzen trieben um uns herum. Wir hatten genau das richtige Fenster erwischt. Ich denke, die Aufnahmen sagen alles. Die Maut von etwa 25 Euro hoch auf den Berg ist jeden Cent wert.
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Ein ruhiger Tag in Geiranger
Wir hatten ursprünglich überlegt, auf den kurvenreichen Straßen und durch wunderbare Berge die rund 70 km zum Trollstiegen zu fahren. Doch es ist Samstag und wir wollen den halben Tag nicht unbedingt hinter Wohnmobilen und Schleichern verbringen. Ich war letztes Jahr schon dort, ohne Verkehr. Behalten wir den Aufstieg am Trollstiegen so in Erinnerung.
Also ein ruhiger Tag, nach einem ausgiebigen Frühstück ging es zum etwas oberhalb von Geiranger gelegenen Norsk Fjordsenter, dem Zentrum für die Verwaltung des Weltkulturerbes mit Kaffee, Shop und Museum zum Thema Fjorde. Dort habe ich auch eine vernünftige Internet-Verbindung, um die Post der letzten Tage hochzuladen. Von dort aus führt ein schöner Weg bergab ins Zentrum von Geiranger aus Cortenstahl und Edelstahl entlang wunderbarer brausender Wasserkaskaden. Dieser Weg ist sicherlich ein Höhepunkt von Geiranger. Unten angekommen ging es wieder hinauf (323 Stufen, etwa ). Fast alle anderen machen den Weg umgekehrt. Nur oben am Zentrum spart man sich die Parkplatzsuche. Nach Kaffee mit Waffeln – könnte mich daran gewöhnen – und dem Museumsbesuch ging es wieder hinauf zu unserer Hütte. Den restlichen Nachmittag relaxt, bei einem Gläschen Wein auf der Terrasse. Und wieder zusammengepackt. Morgen geht es weiter, weg von touristischen Hotspots ins ländliche Norwegen.
Über den Gamle Strynefjellsvegen
Eine traumhafte, kaum befahrene Strecke mit wenig Verkehr, der Gamle Strynefjellsvegen
Bis zu unserem nächsten Etappenziel Stryn sind es eigentlich nur rund 70 km. Dennoch brauchen wir über fünf Stunden. Bietet sich doch ein Abstecher über den Gamle Strynefjellsvegen an. Ein Umweg von etwa 100 km, fahren wir doch eine Schleife auf dem Weg nach Stryn. Zehn Jahre arbeiteten norwegische und schwedische Arbeiter an dieser Bergstraße, bis sie 1894 für den Verkehr freigegeben wurde. Sie galt als ingenieurtechnische Meisterleistung und war etwa 80 Jahre die wichtigste Ost-West-Verbindung in diesem Teil Norwegens. Sie ist bis heute gut zur Hälfte immer noch eine Lehmpiste. Bis in die 50er-Jahre hielten 200 Arbeiter im Winter die metertief eingeschneite Straße frei, per Hand mit Schaufeln.
Es geht an mehreren parallel verlaufenden Schmelzwasserflüssen mit Kaskaden und Wasserfällen vorbei, den Berg hinauf, kilometerweit über ein Hochplateau und an einem derzeit trostlosen Sommerskigebiet vorbei. Von Mai bis Mitte Juni soll hier einiges los sein, Skifahrer in Badehosen seien keine Seltenheit. Auch das Wetter macht bei der Fahrt mit. Weiter vorbei an milchig trüben, zum Teil noch zugefrorenen Bergseen geht es nach 27 wunderbaren Kilometern wieder auf die asphaltierte Hauptachse Richtung Stryn. Wir kommen bald danach an der Kreuzung vorbei, von der wir heute Morgen von Geiranger herkamen, fahren die drei Tunnel somit zum zweiten Mal und machen einen Stopp am Jostedalsbreen-Nationalparkzentrum. Hier schlägt das Wetter um, es fängt an zu regnen. Sind aber nur noch 20 km von unserem Campingplatz entfernt.
Erstmalig hat eine Hüttenbuchung auf der Reise nicht gleich funktioniert, man hat vergessen, uns einzutragen. Kein Problem, bekommen eine größere Hütte zum Preis der kleineren, die alle belegt sind. Und inmitten der Pampa auf der Gamle Strynefjellsvegen hielt hinter uns ein Auto aus Waiblingen. Die beiden wohnen in Hebsack. Hatten uns gut unterhalten und wollen uns nach der Reise mal treffen.
Der Weg nach Bergen
Einer dieser trüben Montage, die man so liebt. Es regnete und war kühl. Heute war ein Fahrtag angesagt, es ging etwa 300 km inklusive einer Fährüberfahrt nach Bergen. Es ist unsere letzte Destination, bevor wir Norwegen mit der Fähre wieder verlassen. Eigentlich ging es durch schöne Berglandschaften und entlang mehrere Fjorde, eine Landschaft, die für Norwegen eben typisch ist. Aber bei Regen sieht alles immer ganz anders aus. Also ein ereignisloser Tag, bis wir am Nachmittag an unserem Hotel mitten in Bergen ankamen.
Auch der Regen hat seine schöne Seiten. Immer dann, wenn die Sonne mal durchkommt
Eingecheckt, das Auto in ein nahegelegenes Parkhaus gestellt und noch einen Bummel durch Bryggen und den alten Hafenbereich der Stadt gemacht. Es regnete immer wieder kräftig, so dass erstmals unsere Regenkleidung in Norwegen gefordert war. Bergen ist die zweitgrößte Stadt Norwegen mit rund 265.000 Einwohnern. Wir hatten jetzt noch etwas mehr als zwei Tage, bevor wir diese Region verließen.
Auf den Spuren von Edvard Grieg
Es regnete am Stück. Nichts Ungewöhnliches für Bergen in dieser Jahreszeit. Durchschnittlich fällt n dieser Jahreszeit an 25 Tagen Regen. Jährlich kommen durchschnittlich 2250 mm Niederschlag zusammen, mithin ist Bergen die regenreichste Stadt des ansonsten an Regen sowieso nicht armen Norwegen. Also ab ins Museum, so dachten auch viele andere. Aber egal, das Museum von Edvard Grieg, nage Bergen in Troldhaugen gelegen, ist immer einen Besuch wert. Hier lässt sich das Haus und Garten besichtigen, in dem der norwegische Komponist 22 Jahre lebte und auch starb. Edvard Grieg ist Komponist vieler bekannter Werke, hierzulande ein Nationalheld und gegen Ende des 19. Jahrhunderts der meistgespielte weltweit. Sein bekanntestes Werk dürften wohl die Peer-Gynt-Suiten sein. Das Haus und die Einrichtung sind in dem Zustand zu seinem Tod im Jahr 1907, seitdem nicht verändert worden. Nahe dem Haus mit wunderbaren Blick auf den See findet sich die kleine Gartenhütte, in der er viele seiner Werke komponierte. In einer Felswand direkt am See finden sich zudem die Urnengräber von Edvard und Nina Grieg. Wir hatten für diesen Tag noch Karten für ein Klavierkonzert mit Stücken von Grieg bekommen, das in der auf dem Museumsgelände befindlichen Konzerthalle gegeben wurde. Insofern ein gelungener Tag, wir verbrachten nahezu vier Stunden allein hier.
Nachmittags dann noch etwas relaxt, und als der Regen etwas nachließ noch mal zu einem Bummel in die Stadt gelaufen, unser Hotel liegt ja zentral, und am Fischmarkt etwas gegessen.
Hoch auf den Floyen
Bergen ist in Norwegen die zweitgrößte Stadt nach Oslo. Am besten sieht man das von einem erhöhten Standpunkt aus wie von rund 400 m hohen Floyen. Eine Standseitbahn fährt hinauf, also hin zu der Talstation fast im Zentrum der Stadt gelegen. Nach zwei Tagen Regen und dichten Nebel in den Bergen kamen aber viele auf die Idee. Eine lange Schlange stand schon vor der Kasse. Also schnell online die Karten besorgt und daran vorbei. Vor der Bahn aber hieß es warten, obwohl es für diese Menschenmengen recht zügig voran ging. Nur dann nicht in der modernen Bahn. An einem Zwischenhalt hat vermutlich ein Türsensor gesponnen, eine halbe Stunde ging nichts. Die Fahrt dauert eigentlich nur wenige Minuten. Endlich oben angekommen entschädigt der Blick auf die Stadt für das Warten. Hier sagen Bilder mehr als Worte.
Der Floyen lädt auch für kürzere und längere Wanderungen ein, eine kürzere zu einem See machten wir. Hier ließ sich Kanu fahren, übrigens kostenlos. Generell bietet der Floyen für Familien mit Kindern sehr viel. Im Wald und an der Station wunderbare Spielplätze, für die Kleinsten aber auch für etwas Größeren im Wald verteilt. Mehrere wunderschön angelegte Abenteuerspielplätze. Entsprechend viel war los. Sobald man aber etwas von der Bergstation weg ist, verteilt es sich. An der Bergstation findet sich noch ein gehobenes Restaurant – hier war ich Mitte der 2000er-Jahre schon mal geschäftlich eingeladen. Zudem ein Kaffee, ein Souvenirshop und noch ein paar Stände.
Wieder unten machten wir noch einen Bummel durch Bergen, in einem Teil, den wir noch nicht gesehen hatten. Die letzten Tage hatten wir schon einige Ecken erkundet, besonders schön ist das alte Viertel im Zentrum. Hat man die Innenstadt Bergens erreicht, zeigt die Stadt den Charme und Flair einer Kleinstadt. Der Grund dafür ist das alte Stadtviertel Bryggen (die Bilder hatte ich schon gepostet). Es entstand um 1343 als Handelsniederlassung der Hanse, später wurde die Niederlassung der Hansestadt Lübeck zugeordnet. 1702 brannte ein Großteil ab, wurde aber wieder aufgebaut. Ein weiterer Brand 1955 zerstörte große Teile. Übrig blieben 62 Gebäude, selbst die sollten damals abgerissen werden. Was aber nicht geschah.
Heute ist das Viertel Welterbestätte der Unesco und zahlreiche Handwerksläden, Galerien, ein Museum, Restaurants und Touristenshops bieten hier ihre Waren feil. Mithin prägt die hanseatische Landungsbrücke das Erscheinungsbild des Stadtzentrums und ist ein auffälliges Überbleibsel aus der Zeit, als Bergen das Handelszentrum Norwegens und dem Rest von Europa war.
Blick auf Bergen vom 400 m hohen Flohen aus
Am Folgetag hatten wir noch den Morgen in Bergen, bevor es weiter ging. Das Wetter war wunderbar, blauer Himmel und Sonne. Nur mussten wir der Stadt den Rücken kehren. Bis zur Abfahrt blieb nach einem ausgiebigen Frühstück noch etwa eine Stunde Zeit. So gingen wir noch ins maritime Museum, nur eines von vielen in dieser Stadt. Das bekannteste ist sicherlich der Kode 1-Museumskomplex. Hier findet sich unter anderem die weltweit drittgrößte Sammlung an Munch-Gemälden. Für diesen Museumskomplex sollte man mindestens einen halben Tag einplanen. Später vielleicht einmal. So blieb das kleine, aber feine Schifffahrtsmuseum mit einem interessanten Film über die Brandbestattungen hochrangiger Wikinger inklusive ganzer Schiffe.
Sonne, Strände, gemütliche Tavernen und Kultur, das verspricht Griechenland. Besonders letzteres findet sich auf der Halbinsel Peloponnes im Süden Griechenlands, gilt die Region doch als die Wiege der ersten Hochkultur in Europa und als Schauplatz heldenhafter Taten, als Geburtsstätte vieler Sagen, Mythen und Legenden. Genannt seien nur Herkules, die schöne Helena und Agamemnon oder die Ruinen von Korinth, Mykene und Sparta sowie die olympischen Stätten der Antike. Zudem darf man sich auf ursprüngliche Landschaften, unverbaute Küsten mit Sandstränden, gebirgige Regionen zum Wandern und Dörfer freuen, die ihren eigentümlichen Charme bewahrt haben. Die Reisereportage ist nun online mit vielen Bildern. Viel Spass beim Stöbern und Ideen holen.
Samstag, 09. April: Heute ging es zum nächsten Etappenziel, der Hafenstadt Pylos, etwa 110 km von Mystrás entfernt. Die erste Stunde der Fahrt führte dabei durch eine schöne Bergwelt bis auf rund 1300 m Höhe, wie immer auf kurvenreichen Straßen. Auf denen man 90 km/h fahren dürfte, wenn es denn ginge. Wie auch auf engen Landstraßen. Selbst ein Profi-Rally-Fahrer hätte da aber Probleme. Dafür ist auf bestens ausgebauten, geraden Straßen außerhalb von Ortschaften immer wieder auch über längere Strecken nur 50 oder 70 km/h erlaubt. Man hat öfters den Eindruck, als wären Tempolimits nur ausgewürfelt. Die Konsequenz: Es hält sich eigentlich niemand an die Limits, auch innerhalb von Ortschaften nicht. 20 km/h schneller als erlaubt zu fahren ist normal, und auch dann wird man häufig noch überholt. Die wenigen Radaranlagen, die wir sahen, waren meist demoliert. Und bei den nicht demolierten bremste auch niemand. Auch wir irgendwann nicht mehr. Außer Betrieb – hoffen wir…
Unterwegs machten wir einen kurzen Stopp beim Palast des Nestor, aus dem 13. Jahrhundert v. Chr. Zu sehen ist jedoch außer Fundamenten unter einer interessanten Dachkonstruktion mit Laufstegen aber kaum etwas. Laut Homers Illias war Nestor am Trojanischen Krieg beteiligt, führte 90 Schiffe an und war als Ratgeber von Agamemnon und Achilles tätig. Auch trat er als Schlichter im Streit zwischen den beiden auf. Er kehrte nach zehn Jahren wieder zurück. Gut gemacht sind die Erläuterungen, zudem gibt es an einem kleinen Bildschirm einen virtuellen Rundgang durch den ehemaligen Palast.
Am frühen Nachmittag erreichten wir dann Pylos, checkten ein und bummelten durch die hübsche Hafenstadt. Sie ist noch recht ursprünglich, das sieht man schon daran, dass es nur wenige Shops mit Touristenware gibt. Aber leider auch kaum welche mit heimischen Handwerk. Dafür zahlreiche Tavernen, Kaffees und Bars. Auch ok. Im Sommer muss hier einiges los sein.
Das antike Messene
Sonntag 10. April: Heute stand ein Highlight der Reise an, der Besuch des etwa 70 Kilometer von Pylos entfernten antiken Messene. Es ist sicherlich eine der beeindruckendsten Ausgrabungsstätten des Peleponnes. 369 v. Chr. gegründet, war es die Hauptstadt des antiken Staates Messenien. Die Stadt soll einst in nur 85 Tagen errichtet worden sein. Das ist Legende, nicht jedoch die fantastischen Reste monumentaler Gebäude wie das Theater, die Basilika aus späteren Zeiten, das Brunnenhaus mit 40 m Breite, die Agora (der römische Marktplatz), das Asklepieion (Sanatorium), der zweischiffige Tempel des Askilios mit Abmessungen von 66 x 72 m, ein Gymnasium, die Halle der Ringer und insbesondere das beeindruckende Stadion, das für 10.000 Besucher Platz bot. Messene wurde erst in den letzten Jahren intensiv erforscht und soll das umfangreichstes Ausgrabungsgebiet in Griechenland sein. So ändert sich immer wieder etwas, vieles liegt noch unter der Erde. Das kann man an vielen Stellen erahnen. Alles befindet sich in einer reizvollen Berglandschaft, liegt am Fuß des 798 m hohen Berges Ithome. Auf ihm stand die Akropolis, die Festung der Messener. Davon ist aber kaum mehr etwas vorhanden, so finden sich auf dem Berg nur noch Reste eines Zeus-Heiligtums. Und ein verlassenes Kloster, das ist aber aus jüngerer Zeit. Die Stadt wurde einmal von den Spartanern erobert, die Burg oben am Berg konnten sie jedoch nicht einnehmen.
Das Stadion von Messene
Alles wurde von einer gigantischen Stadtmauer umgeben, deren Reste allein schon eine Sehenswürdigkeit sind. Sie hatte eine Länge von über 9 Kilometer, war etwa 2 bis 3 m dick und bis zu 10 m hoch. Bewehrt zudem mit zahlreichen Wachtürmen. Gebaut aus zehntausenden, tonnenschweren Quadern, so etwas konnten wirklich nur die riesigen Zyklopen errichten. Doch halt, wir befinden uns ja in römischen Zeiten. Da gab es die ja gar nicht mehr. Also waren es doch Menschen – oder eher Sklaven. Überall in den Bergen und Hügeln finden sich Reste davon, mal mehr oder weniger gut erhalten. Die Mauern unterbrach nur der Berg Ithome.
Reste der einstigen Mauer um Messene
Messene ist ein Ort, den man wirklich einmal im Leben besuchen sollte – sofern man sich für Geschichte und alte Gemäuer interessiert. Das natürlich außerhalb der Saison, so wie wir. Dann ist auch nicht so viel los.
Der Tag der Festungen – Pylos, Methoni und Koroni
Montag, 11. April, Pylos: Heute ging es zuerst hoch zur Neo Kastro, der Festung der Stadt Pylos. Sie wurde von den Türken 1573 erbaut und welche Bedeutung sie einst für die Militärstrategen hatte, verrät die Größe der Festung mit ihren sechs Bastionen und einer weitläufigen Burgmauer. Wie bisher bei jeder Besichtigungstour einer Festung handelt es sich zugleich auch um eine mehr oder weniger lange Wanderung, diesmal auf der Burgmauer – sofern man schwindelfrei ist und durch die blühende Natur im Inneren. In jüngerer Zeit diente die Festung noch als Gefängnis, heute finden sich in den Kasematten Archive mit archäologischen Exponaten. Zwei Museen besuchten wir zudem auf dem Gelände, eines zur Unterwasserarchäologie und das archäologische Museum der Stadt Pylos.
Von etwas außerhalb wollte ich mit der Drohne noch einige Übersichtsaufnahmen von der Festung machen, jedoch herrschte heute den ganzen Tag über ein sehr starker, stürmischer Wind vor. Im sicheren Modus schafft die Drohne 36 km/h. Das reichte nicht um gegen den Wind anzufliegen. Erst mit dem Sportmodus mit deaktivierten Sicherheitsfunktionen, hohem Akkuverbrauch und ausschließlich manueller Steuerung konnte ich einige Aufnahmen machen. Dieser Modus schafft immerhin 68 km/h.
Die Festung von Pylos
Rund zehn Kilometer von Pylos entfernt liegt Methoni. Der Ort lockt mit einem schönen Sandstrand – zum Baden ist es aber noch zu kalt, einer hübschen Patia – hier war der Wirt einer Taverne aber überfordert – und 30 Minuten auf einen Kaffee zu warten ist dann doch zu lang sowie natürlich einer großen Festung, diesmal aus venezianischer Zeit. Und die lohnt den Besuch allemal. Eigentlich hat hier jeder Küstenort seine eigene Festung, daran sieht man, wie gebeutelt die Menschen hier in den kriegerischen Zeiten waren. Die über Jahrhunderte andauerten. „Im August des Jahre 1500 belagerten 100.000 türkischen Soldaten die Festung mit ihren 7000 Mann Besatzung. Die widerstanden etwa einen Monat lang, dann fiel der wichtige Militärstützpunkt in die Hände der Osmanen.“ Nur, um einmal die Größe der Anlagen aufzuzeigen. 7000 Mann Besatzung…
Den schönen Turm zum Meer hin, den erbauten die Türken im 16. Jahrhundert, er diente als Leuchtturm und Gefängnis. 300 Jahre lang blieb die Festung in türkischer Hand, sie diente auch als Umschlagplatz für griechische Sklaven, die nach Ägypten verkauft wurden. 1828 eroberten schließlich die Franzosen die Festung.
Auch hier wollte ich noch Drohnenaufnahmen machen, nur der Wind war eher noch stärker geworden, ich ließ es also bleiben. Erst am Abend bei der Rückfahrt gelang es, da der Wind etwas weniger blies.
7000 Venezianer sollen einst hier stationiert gewesen sein
Blick auf den Hafen von Koroni von der Festung aus
Koroni: Die dritte Station an diesem Tag war die weitere 20 Kilometer entfernt liegend Küstenstadt Koroni. Der Besuch lohnt absolut, es dürfte die mithin hübscheste Stadt bei dieser Tour bis dato gewesen sein. Ein typisches, gemütlich-verschlafens griechisches Städtchen mit steil ansteigenden schmalen Gassen und einer Hafenpromenade mit Tavernen und Bars. Auch einige Handwerksläden finden sich. Der Tourismus kam erst in den letzten Jahren hierher. Und am Berg thront natürlich eine Festung aus byzantinischer Zeit, wie könnte es anders sein. Die aber unterscheidet sich deutlich von den anderen heute, denn es ist kein Museum, sondern eine noch immer bewohnte Anlage. Hier finden sich einige Wohnhäuser, Kirche mit Friedhof, eine Zitadelle und große Parkanlagen mit Olivenhainen und wild wuchender, derzeit blühender Natur. Also wieder einen Spaziergang gemacht, hoch hinauf in die Festung. Am beeindruckendsten ist das inmitten gelegene Nonnenkloster mit wunderbaren Kapellen, Gärten, Weinterrassen und faszinierendem Blick von Dach eines alten Turms (ohne Geländer, nur etwas für absolut schwindelfreie) auf die Küste und Stadt. Auch einen schönen Souvenirshop mit Produkten aus Griechenland und aus dem Kloster findet sich im Garten. Ihn betreiben die Nonnen. Also einen Orangelikör und Marmelade gekauft, zumal man keinen Eintritt begleicht. Auch hier legt man einige Meter zurück, in den drei Festungen heute erwanderten wir immerhin eine Strecke von über elf Kilometern.
Bassae, der Tempel des Apollon und die Stadt Olympia
Dienstag 12. April: Auf dem Weg zu den antiken Stätten Olympias liegt der Apollon-Tempel von Bassae, in einer einsamen, kargen Landschaft im Lykaéon-Massiv in 1130 m Höhe. Hier lohnt schon die Anfahrt auf den kurvenreichen und steilen Wegen die Serpentinen hinauf durch das Gebirge. Der Tempel gilt als einer der besterhaltenen in der Peloponnes und ist Weltkulturerbe. Zum Schutz ist er unter einem großen Zelt untergebracht, seit 2001 wird er saniert. Dazu versetzt man ihn um rund einem Meter, baut Säulenreihe für Säulenreihe und Stein für Stein ab und versetzt wieder auf. Nur so lässt sich das marode Fundament sanieren, um einem Einsturz vorzubeugen. In den 20 Jahren seit Beginn hat man erst einen kleineren Teil geschafft, eine Aufgabe von Jahrzehnten. Unterhalb des Tempels liegen einige Reste des antiken Dorfes. Einige Meter entfernt hat man eine größere Halle und einige Steingebäude aufgebaut, in denen Steinmetz- und Restaurierungsarbeiten stattfinden.
Am frühen Nachmittag dann die Stadt Olympia erreicht, morgen geht es zu der Ausgrabungsstätte. Hier merkt man, wie Olympia Menschen aus aller Welt anzieht. Zahlreiche Souvenierläden und Kunsthandwerksgeschäfte mit Krempel, Kitsch aber auch schönen Arbeiten, viele Tavernen, Bars und Kaffees, nahezu überall wo wir waren, wurde auch Deutsch gesprochen. Bisher die große Ausnahme.
Das antike Olympia, zum Ersten – Streik
Mittwoch, 13. April: Olympia. Heute blieb Zeit um Bildmaterial zu sichten und die Posts zu aktualisieren und für einen gemütlichen Stadtbummel– obwohl eigentlich das antike Olympia auf dem Programm stand. Der Grund ist ein ungeplanter Ruhetag. Am Morgen vor dem Eingang des antiken Olympia gestanden, wie viele andere auch – geschlossen. Heute wird gestreikt. Morgen sollte es eigentlich wieder über die Berge zurück nach Mykene gehen, da bliebe keine Zeit für die antike Stätte. Also kurz telefoniert, eine von den drei restlichen Übernachtungen bei Mykene (waren wir ja am Anfang schon) gecancelt und hier um eine Nacht verlängert. Wir sind ja flexibel. So steht Olympia Morgen auf dem Programm und es geht erst am Freitag wieder Richtung Athen. Die Zeit haben wir.
Das antike Olympia, zum Zweiten
Donnerstag, 14. April: Ein geistiges Zentrum der Antike, Sportstätte, heiliger Bezirk – das alte Olympia war vieles, aber sicherlich kein Vorbild für den modernen Hochleistungssport und die heutige funktionärsgetriebene Geldmaschinerie Olympia. Entstanden sein sollen die olympischen Spiele aus den zu Ehren des mythischen Königs Pelops veranstalteten Leichenfeiern, als kultische Handlung, anfangs eher nicht als sportlicher Wettkampf.
Dennoch, ein symbolträchtiger Ort und Touristenmagnet, und das zu Recht. Die ersten Spiele fanden 776 v. Chr. statt und wurden bis 393 n. Chr. abgehalten. Wobei man heute weiß, dass auch schon früher sportliche Wettkämpfe in diesem Areal stattfanden, die Besiedlungsgeschichte geht auf das Jahr 3000 v. Chr. zurück. Und bis auf zweimal wurden in diesen Tagen alle kriegerischen Handlungen eingestellt.
Anfangs gab es nur einen Wettlauf über die Distanz des Stadions (192,27 m), später dauerten die Spiele dann fünf Tage. Sie umfassten u.a. den Wettkampf der Knaben im Laufen, Ringen und Faustkampf, ein Wettreiten und Wagenrennen – das Areal für die Pferderennbahn von 600 x 200 m entdeckte Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts erst 2008 durch geophysikalische Messungen, rund 100 Jahre, nachdem die Ausgrabungen begannen – weiter wurden Kurz- und Langstreckenläufe abgehalten und die Wettkämpfe der Sportler im Ringen, Boxen, dem Waffenlauf sowie der Pankration – eine spezielle Kampfkunst. Am fünften Tag fanden die Siegesfeiern und eine Prozession der Sieger zum Zeustempel statt. In ihm stand die sitzende Zeus-Statue des Phidias, eines der sieben antiken Weltwunder. Sie war aus Gold und Elfenbein gefertigt, der Thron aus Ebenholz und maß 13 m in der Höhe. Sie ließ sich aus antiken Münzfunden mit Abbildungen rekonstruieren, nur ihr Fundament konnte ausgegraben werden.
Das Stadion selber ist eingebettet von Graswällen, auf denen die Besucher saßen. Sitzplätze aus Stein (wie im Stadion von Messene) gab es nur für die Kampfrichter in Form einer Tribüne. Die Hänge boten Platz für 45.000 Zuschauer.
Der Eingang zum Stadion
Auf dem Gelände finden sich neben dem Stadion und den Ruinen des Zeus-Tempels u.a noch Reste des Hera-Tempels – der Gemahlin und zugleich Schwester des obersten olympischen Gottes Zeus. Er stammt aus dem Ende des 7. Jhr. v. Chr., hier wird seit 1936 die Fackel für die olympischen Spiele der Neuzeit angezündet.
Weitere Gebäudereste sind die Werkstatt des Phidias, das Gymnasion, die Echohalle, das Philippeion – ein Rundbau den Alexander der Große vollenden ließ – diverse Schatzhäuser, das Leonidaion, ein 75 x 81 m großes Gästehaus umgeben von Säulenreihen und einem Wasserbecken im Zentrum, eine monumentale Brunnenanlage sowie weitere Tempel und Häuser. Vieles gibt es auch noch zu entdecken, so finden derzeit auch wieder Grabungen statt. Manches holt sich augenscheinlich inzwischen auch wieder die Natur zurück. Hier fehlt die Instandhaltung und vermutlich Kapazitäten wie Geld. Das antike Olympia, ein Ort, der für uns zu den Plätzen gehört, die man einmal im Leben besucht haben sollte. Wenn man sich dafür interessiert…
Nach der rund fünf Kilometer langen Wanderung über die Ausgrabungsstätte ging es in das archäologische Museum Olympias. Hier werden die Geschichte, Kunst und Kultur des Ortes wieder lebendig. Es finden sich etwa die Skulpturen und auch die restaurierten Giebel des Zeustempels, die allein einen ganzen Saal beanspruchen, darüber hinaus viele Statuetten aus Ton und Bronze – Weihegeschenke der Pilger, und auch einmalige Exponate wie die mit Sockel 12 m hohe Marmorstatuete der Siegesgöttin Nike, die Statuete des Hermes, sowie zahlreiche Helme, Brustpanzer und Schilde aus Bronze. Ausgestellt werden aber auch Alltagsgegenstände, Gläser und vieles mehr. Das Museum erweitert und erleichtert das Verständnis für die Geschichte und die Anlage. Und lässt einen ahnen, welch Prunk und Pracht hier einst Olympia herrschten.
Über die Berge nach Mykene
Freitag, 15. April: Heute ging es rund 220 Kilometer zurück nach Mykene, wo wir am Anfang der Peloponnes-Tour schon einmal waren. Dabei führte die erste Etappe wieder kurvenreich durch die Berge Arkadiens und über die sehenswerten Bergdörfer Dimitsana, Stemnitsa und Karitena.
Auf rund 1000 m Höhe liegt der 600-Seelen-Ort Dimitsana. Hier leben vorwiegend ältere Menschen, die Jungen zogen der Arbeit wegen nach Tripoli oder Athen und kommen in der Urlaubszeit in ihr Heimatdorf zurück. So ist es eigentlich in allen Bergdörfern hier in der Gegend. Die Dörfer schmiegen sich wunderbar an die Berghänge, holprige enge Gassen, schöne, massive Steinhäuser, Tavernen und ein paar Läden machen den Ort aus. Touristen verirren sich zunehmend, aber dennoch selten hier her. Eine abgeschiedene Welt.
Dimitsana wurde selbst von den Türken nie beachtet und erobert, deswegen spielte der Ort eine wichtige kulturelle Rolle in der Geschichte. Hier wurde Jahrhunderte lang, während der Besetzung, die verbotene griechische Sprache und Kultur unterrichtet. Die Schüler kamen dazu aus allen Teilen Griechenlands in den Ort.
Zehn Kilometer entfernt liegt Stemnitsa, bekannt durch kunstvolle Gold- und Silberarbeiten. Als wir ankamen, nahezu ausgestorben. Nur noch rund 100 Einwohner leben das ganze Jahr über hier, einst waren es 4000. Seit 1978 erlebt das Dorf jedoch eine kleine Renaissance, als ein inzwischen verstorbener Goldschmied zurückkehrte und eine Gold- und Silberschmiedeschule gründete. In zwei Jahren lernen derzeit jährlich rund 25 Schüler das Handwerk. In den Sommermonaten spielt auch der Tourismus eine Rolle, gut besucht heißt es dann. Zumal die Temperaturen ein paar Grad niedriger sind als auf der übrigen Peleponnes.
Von einer mächtigen Bergfestung aus dem 12. Jahrhundert überragt wird Karítena. Die ist aber schon geraume Zeit geschlossen, wegen archäologischer Ausgrabungen und Sanierungsarbeiten. Der Ort liegt auf keiner der gängigen touristischen Routen einer Arkadien-Rundfahrt, entsprechend wenig gibt es hier. Karítena ist der Geburtsort des Theodor Kolokotronis, der die Griechen nach Jahrhunderten türkischer Herrschaft erfolgreich in die Unabhängigkeit führte und die Burg damals als wichtigen Stützpunkt der Befreiungsarmee ausbaute. Hier trafen wir in einer Taverne Vater und Sohn aus Israel, die mit je einer Tenere 700 – ich fahre selber so ein Motorrad – eine Woche in der Peloponnes unterwegs sind. Es entwickelte sich schnell ein nettes, längeres Gespräch, es könnte nun in absehbarer Zeit eine weitere Israelreise anstehen.
Runter die Berge ging es dann aufgrund der fortgeschrittenen Zeit erstmals auf die mautpflichtige Autobahn Richtung Mykene. Hervorragend ausgebaut kommt man dann doch zügiger voran als auf den Landstraßen. Die Mautkosten, für rund 70/80 km, knapp über vier Euro.
Das antike Nemea, das Heraion, Argos und die Lárissa-Feste
Der Zeus-Tempel von Nemea
Samstag, 16. April (Teil I): Das antike Nemea stand heute Morgen als erstes auf dem Programm. Bei der Hinfahrt hatten wir es ausgelassen. Es war einer der vier Austragungsorte für die panhellenischen Spiele. Dabei handelte es sich um sportliche Wettbewerbe zu Ehren der griechischen Götter. Sie fanden in Nemea, Korinth, Delphi und in Olympia statt. Ursprünglich waren es Wettkämpfe unter Kriegern in voller Montur, später traten die Kämpfer nackt an, einzige Ausnahme war der Waffenlauf. Auch die olympischen Spiele gehörten zu den panhellenischen Spielen. Besichtigen kann man heute den Zeus Tempel, den man teils restauriert hat, das Stadion und ein sehenswertes Museum. In Nemea wurde die Spiele von 573 v. Chr. an abgehalten.
Seit dem Sommer 1996 finden wieder Nemeische Spiele im Stadion statt. Alle zwei Jahre treffen sich Jugendliche, um die Spiele nach alten Regeln abzuhalten. Es gibt keine Rekorde, keine Medaillen und keine Preisgelder. Die Sportler treten barfuß an und in einer weißen Tunika. Zuletzt kamen 8000 Besucher zu den Spielen, die von Prominenten wie Nicolas Cage und Mikis Theodorakis unterstützt werden. Die „Society of the Revival of the Nemean Games“ zählt inzwischen 1800 Mitglieder.
Knapp zehn Kilometer entfernt findet sich das Heraion, mithin das größte und bedeutendste Hera-Heiligtum. Der Kult um die Gemahlin des Zeus wurde sehr aufwändig betrieben. Bei den jährlich stattfindenden Festivitäten wurde die Vermählung von Zeus und Hera nachvollzogen. Sie dauerten wie eine richtige Hochzeit drei Tage. Begleitet wurden die Festlichkeiten von sportlichen Wettkämpfen und kulturellen Handlungen. Hundert, damals besonders verehrte Kühe sollen der obersten Göttin geopfert worden sein. Erhalten ist nicht mehr viel, ein Spaziergang lohnt aber auch schon wegen den schönen Ausblicken ins Tal.
Wir sind in Argos, genauer bei den Ruinen des antiken Argos. Am Rande der lauten und hektischen Stadt Argos mit 27.000 Einwohnern finden sich am Fuße des Lárissa-Berges u. a. Reste des Theaters, römische Thermen und ein Odeon. Das Theater fasste etwa 20.000 Zuschauer und ist aus dem Felsen des Berghanges geschlagen. Es soll größer als das von Athen oder Epidauros gewesen sein und wurde Ende des 4. Jhr. v. Chr. erbaut. Es ist recht gut erhalten, auch wenn die Natur langsam wieder Besitz davon ergreift.
Direkt davor finden sich Reste römischen Thermen, besonders beeindruckend sind die Reste einer zehn Meter hohen Ziegelmauer. Da kann man sich die Dimensionen der Anlage recht gut vorstellen, zudem Schautafeln mit Rekonstruktionen der ehemaligen Gebäude alles recht gut veranschaulichen. Die Thermen dienten einst nicht nur hygienischen Zwecken, sondern waren im ganzen römischen Reich Treffpunkt für geschäftliche und politische Gespräche.
Nahe findet sich noch die Überbleibsel des Odeon mit Platz für 1800 Besucher, hier fanden wohl politische Versammlungen statt und es diente als Kleinkunstbühne. 14 der ehemals 35 Sitzreihen sind noch vorhanden, alles war einst überdacht.
Zu guter Letzt fuhren wir mit dem Auto noch hoch auf dem Lárissa-Berg, finden sich hier doch die Reste einer einst beeindruckenden Festung und auch der grandiose Blick über die Stadt und die argolische Ebene lohnt. Die Burg basiert auf Bauten der Byzantiner aus dem zehnten Jahrhundert, im 13. und 14. Jahrhundert bauten die Herzöge von Athen die Festung weiter aus. Anschließend legten die Venzianer noch Hand an.
Die Festung auf dem Lárissa-Berg
Das war es dann auch, zurück ins Hotel und noch ein kurzer Bummel durch Mykéne – wir waren glaube ich die einzigen Touristen und vieles war noch zu, ein Gläschen Wein und gut gegessen. Morgen geht es zurück nach Athen und Deutschland. 15 tage Peleponnes, es hätten gerne noch einige Tage mehr sein können, den Norden der Halbinsel ließen wir aus. Aber auch so lohnt ein Besuch, viel Geschichte und Kultur, nette Menschen, Griechenland ist immer wieder eine Reise wert.
April 2020: Sonne, Strände, gemütliche Tavernen und Kultur, das verspricht Griechenland. Besonders letzteres findet sich auf der Halbinsel Peloponnes im Süden Griechenlands, gilt die Region doch als die Wiege der ersten Hochkultur in Europa und als Schauplatz heldenhafter Taten, als Geburtsstätte vieler Sagen, Mythen und Legenden. Genannt seien nur Herkules, die schöne Helena und Agamemnon oder die Ruinen von Korinth, Mykene und Sparta sowie die olympischen Stätten der Antike. Zudem darf man sich auf ursprüngliche Landschaften, unverbaute Küsten mit Sandstränden, gebirgige Regionen zum Wandern und Dörfer freuen, die ihren eigentümlichen Charme bewahrt haben.
Die Peloponnes ist eine Halbinsel ganz im Süden Griechenlands und durch den Kanal von Korinth vom Festland getrennt. Die Region ist weitaus weniger vom Tourismus geprägt als der Rest Griechenlands und eignet sich besonders für Individualtouristen.
Samstag, 02. April: Verbunden ist die Peloponnes über eine schmale Landzunge, genannt Isthmus. Hier findet sich der von 1881 bis 1893 erbaute, bald 80 m tiefe und etwa sechs Kilometer lange Kanal von Korinth, der den Schiffen einen Umweg von 325 km erspart. Heute hat er an Bedeutung verloren, da maximal 17 m breite Schiffe den am Wasserspiegel rund 27 m breiten Kanal passieren können. Dennoch nutzen ihn etwa 11.000 Schiffe jährlich.
Weiter ging es die zehn Kilometer bis zur heutigen Stadt Korinth. In dem kleinen Städtchen haben wir für eine Nacht eine Unterkunft, im Pegasus Rooms, direkt im Zentrum gelegen. Die Stadt liegt unmittelbar an den Überresten des antiken Korinth. Das war einst die drittgrößte Stadt Griechenlands, in der einst geschätzt 300.000 Einwohner gelebt haben sollen, während ihrer Blütezeit als Verkehrsknotenpunkt zwischen Europa und Asien. Mehr dazu später. Die Ruinen liegen zu Fuße eines Tafelberges, auf dem sich die Burg Akrokorinth befindet. Da die Ausgrabungsstätte hier aber schon um 15.30 dicht macht, blieb heute keine Zeit für eine Besichtigung. Die machen wir morgen früh. Dafür ging es in das Städtchen und zum Essen in die Taverne Marinos, ist eine Empfehlung wert.
In der Stadt Korinth
Das antike Korinth und Mykene, die Festung des Agamemmnon
Sonntag, 03. April: Am Morgen ging es erst die paar Meter zu den Ruinen des Paleo Korinthos, des antiken Korinth. Die Ruinenstadt prägen die noch stehenden sieben Säulen des ehemaligen Apollon-Tempels. Für das gesamte Gelände sollte man sich schon zwei Stunden Zeit nehmen, inklusive des sehenswerten Museums. Die Ruinen sind jedoch überwiegend römischen Ursprungs. Zerstörten die Römer einst doch die alte Handelsmetropole und bauten sie wieder neu auf.
Reich wurde die damalige Metropole durch den weltweiten Handel. So reichten die Handelsbeziehungen im 6. Jahrhundert vor Christi von Ägypten bis nach Spanien. Und berühmt war die Stadt einst besonders durch seine Keramiken und Metallerzeugnisse. Bekannt war Korinth damals zudem für seinen Reichtum, die lockeren Moralvorstellungen und den Luxus. So genoss Aphrodite, die Göttin der Liebe, der Schönheit und der sinnlichen Begierde hier besondere Verehrung. Sie soll den trojanischen Krieg ausgelöst haben, das ist aber eine andere Geschichte. In der Blütezeiten der Stadt sollen nach je Quelle 100.000 bis 300.000 Menschen gelebt haben, kaum vorstellbar für die damalige Zeit.
Die Maske des Agamemnon, laut Schliemann. Ist aber ein paar hundert Jahre zu alt, entstand lange vor dem Trojanischen Krieg
40 Kilometer entfernt auf dem Weg nach Nafplion lag dann unser nächstes Ziel, das legendäre Mykene, die Festung des Agamemnon. Die über 3000 Jahre alte Anlage mit ihren wuchtigen Zyklopenmauern und dem Löwentor ist Weltkulturerbe der Unesco und eine der großen, kulturhistorischen Attraktionen Griechenlands. Entdeckt hatte die Reste Heinrich Schliemann vor etwa 130 Jahren.
In der Bronzezeit war Mykene Königspalast, Festung und Haupstadt, hier herrschte u. a. eben der mächtige Agamemnon, in der griechischen Mythologie der Anführer der Griechen im Trojanischen Krieg und Herrscher von Mykene. Die schöne Helena war die Frau seines Bruders. Hier wurde von Schliemann auch die legendäre Goldmaske gefunden, die er Agamemnon zuordnete. Nach neueren Untersuchungen ist sie jedoch 300 Jahre zu alt, um zeitlich mit der Schlacht um Troja zu passen.
Besonders beeindruckend sind die Zyklopenmauern, die aus tonnenschweren, exakt angepassten Steinblöcken besteht. Wie musste man sich in der Bronzezeit vorgekommen sein, wenn man die Burg von der Ferne sah und dann die riesige Mauer. Die konnten natürlich nur Götter gebaut haben, oder eben die großen, einäugigen Zyklopen, die in den Diensten der Götter standen. Daher der Name.
Im nahegelegenen Dorf stand dann erst einmal eine Mittagspause an, mit gutem Essen und etwas Wein, dann ging es weiter nach Nafplio, wo wir uns drei Tage in einem nahegelegenen Hotel aufhalten werden. Unterwegs noch einen großen Kunst- und Antiquitätenshop entdeckt, den wir auf dem Rückweg auf jeden Fall ausgiebig besuchen werden und abends einen ersten Eindruck der Hafenstadt gewonnen. Und es ist klar, für die Stadt mit der wunderbaren Altstadt, den Geschäften und Restaurants sowie den zwei Festungen auf Bergen ringsherum müssen wir uns einiges an Zeit nehmen.
Tyrins, eine mykenischen Burg, das Stadion von Epidauros und die Stadt Náfplion
Montag, 04. April: Tiryns, eine mykenische Burg stand heute Morgen als Erstes auf dem Programm. Das Weltkulturerbe war einst eines der wichtigsten Zentren der Bronzezeit im östlichen Mittelmeer. Der steinige Klotz aus riesigen Felsbrocken fällt eigentlich erst auf, wenn man davorsteht. Und diese Mauern, auch die können nur die Gehilfen der Götter errichtet haben, die Zyklopen. Übrig geblieben von der Festung sind nur riesigen Mauern aus tonnenschweren Steinen, die Mauerdicke schwankt zwischen 4,5 und 8 Metern. Die Gesamtlänge der Mauern beträgt rund 725 m. Die heutige Form der Anlage stammt etwa aus dem Zeitraum um 1200 v. Chr. Ein Spaziergang um und durch die Anlage reicht aus, so halten wir uns nicht allzu lange auf.
Die Zyklopenmauer von Tiryns
Unser nächstes Ziel liegt eine halbe Fahrstunde entfernt, ein im Wesentlichen aus römischer Zeit stammendes Sanatorium und Heilbad sowie diverse heilige Stätten, in denen vor allem Asklepios, der Gott der Heilkunde und sein Vater Apollon verehrt wurde. Deswegen fährt man aber nicht nach Epídauros. Sondern wegen des Theaters, das den Patienten u. a. zur geistigen Heilung verhelfen sollte. Es gibt in Griechenland in Sachen Erhaltungszustand und Berühmtheit nichts Vergleichbares. Sprich, es ist nahezu vollständig erhalten, einzig von dem Bühnenhaus sind nur mehr die Fundamente Vorhanden. Es stammt etwa von 330 v. Chr. und war bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. mit Unterbrechungen in Betrieb. Und es fasst sage und schreibe 14.000 Besucher, wartet zudem mit einer wunderbaren Akustik auf. Auch heute noch ist das Theater in Betrieb, jeden Sommer findet seit 1952 hier das Athens & Epidaurus Festival statt.
Das Stadion von Epidauros für 14.000 Besucher
Es blieb noch Zeit, um auch die Ausgrabungen des Sanatoriums, der heiligen Anlagen und der zugehörigen Sportarena zu besuchen, bevor es nachmittags nach Nafpoli und der Festung Palamidi zurück ging.
Es ist eine gewaltige Anlage, mithin eine der größten, die wir jemals besuchten. Und sie thront auf einem Berg über der Stadt Nafplion in 230 m Höhe. Man kann von der Stadt aus hochsteigen, über 999 Stufen oder aber fahren. Haben wir bevorzugt. Die Rede ist von der Palamídi Festung. Zu Beginn des 18. Jahrhundert haben sie die Venezianer erbaut, die gesamte Anlage besteht aus acht Forts mit Namen antiker griechischer Helden. Eine Wanderung durch die Anlage lohnt, allein wegen den fantastischen Blicken auf die Stadt Nafplion und deren Umgebung. Und ja, ich rede bewusst von einer Wanderung, legten wir doch in den alten Gemäuern sage und schreibe fast sieben Kilometer zurück. Das Innere der meisten Forts holt sich die Natur wieder zurück, eine wunderbare Landschaft. Doch seht selbst.
Wieder auf Meereshöhe folgte ein Bummel durch die Stadt Náfplion. Mithin das Touristenzentrum in der Region. Selbst Kreuzfahrtschiffe machen hier Halt. Das macht der Stadt aber keinen Abbruch, findet sich hier doch eine Dichte an Tavernen, Bars, und Kneipen sowie Handwerksläden (keine Chinaware) wie sonst nicht auf der Peloponnes. Sei es in der wunderbaren Altstadt oder an der Hafenpromenade. Die Abende der drei Tage, die wir hier verbringen, sind immer der Altstadt gewidmet. Zum Bummeln und gut Essen (und etwas trinken). Dass Nàfplion eine Touristenhochburg ist – immer relativ betrachtet – merkt man auch am höheren Preisniveau. Wir haben zu zweit für gut Essen, Trinken, mit Espresso und Nachtisch im Schnitt 40 bis 45 Euro liegen gelassen.
Náfplion war übrigens die erste Hauptstadt Griechenlands von 1829 bis 1834, während des griechischen Freiheitskampfes. 1832 fand in einem Vorort die vierte Nationalversammlung statt, die Prinz Otto von Wittelsbach zum König von Griechenland wählte.
Die Vulkaninsel Methana
Dienstag, 05. April: Wir fuhren kurvenreich die Küste gen Süden entlang, bis zu unseren Tagesziel, die Halbinsel Méthana. Sie ist nur durch eine schmale Landbrücke mit der Peloponnes verbunden, rund 80 Kilometer von Nafplíon entfernt. Noch ist die Vulkaninsel ein Geheimtipp, nur wenige Besucher kommen hier her. Wir jedenfalls waren an diesem Tag bei unserer Wanderung durch wunderbare Vulkanlandschaften hoch zu einem Krater die einzigen. Die Insel besteht aus 25 Vulkanschloten, die meisten sind jedoch durch Erosion und Baumbewuchs überdeckt. Einen jedoch kann man besteigen. Eine kurze, aber lohnenswerte Tour. Dieser Vulkan war vor 2000 Jahren das letzte Mal aktiv, auf bis zu 100 m türmen sich die skurillen Felsformationen auf. Eine wunderbare Landschaft, und es blieb Zeit, hier mal die Drohne aufsteigen zu lassen.
Anschließend ging es noch zu einem Kaffee in den Hauptort Méthana, ein 1000-Seelen-Kaff. Am Ortseingang versprühen Schwefelquellen einen stechenden Geruch nach faulen Eiern. Gemütlich an einem Strandkaffee gesessen und die Meeresbrise genossen, bevor es wieder zum Hotel zurück ging. Mal ein Tag ohne Ruinen, dennoch mit vielen Steinen.
Fahrt nach Mystras
Fahrt durch die Berge
Mittwoch, 06. April: Nach den drei Tagen in Nafplíon ging es weiter zum nächsten Etappenziel, nach Mystras, nahe Sparta gelegen. Wir fuhren einen größeren Umweg über das Kloster Eleónis in den Bergen gelegen. Es ging erst kurvenreich die Küste entlang und dann über viele Serpentinen in die Berge. Hier kommt man nicht allzu schnell voran. Nach rund zwei Stunden haben wir das Kloster erreicht. Die im 15. und 16. Jahrhundert errichteten Gebäude kleben förmlich an einer senkrechten Felswand. Leider ist es geschlossen, es gibt keine festen Öffnungszeiten. Vom Haupteingang aus ist es nicht zu sehen, man kann es ausschließlich aus der Ferne vom Tal aus betrachten. Oder aber man setzt die Drohne ein. So hat man wenigstens einen Blick auf die ungewöhnliche Lage, und das aus der Nähe.
Das Kloster Elonis
Dennoch, die Fahrt durch die baumlose Berglandschaft über die landschaftlich herrliche Strecke lohnt. Kurz darauf kommen wir in ein wunderbares kleines Bergdorf namens Kosmás. Das allein wäre die Tour wert gewesen. Riesige, alte Platanen spenden auf dem Dorfplatz Schatten, ringsherum Tavernen und einzelne Läden und natürlich eine überdimensionierte Kirche. Lohnt für einen etwas längeren Stopp und auch um etwas zu Essen. Es ist kaum etwas los.
Später, am Nachmittag, erreichen wir nach rund 170 Kilometern unser Ziel, das Mazaraki Guesthouse, nahe Mystrás gelegen. Die bisher schönste Unterkunft liegt wunderbar an einem Berghang mit Blick ins Tal, mit tollem Garten, wunderbaren Steinhäusern und stilvoll eingerichteten Suiten. Selbst einen offenen Kamin gibt es in unserem Zimmer.
Die Höhle von Pirgos Dirou und die Türme von Váthia
Donnerstag, 07. April: Wir sind im Süden etwa 70 Kilometer von Mystrás, in der Höhle von Pirgos Dirou. „Eine bizarre Welt aus Stalagtiten und Stalagmiten, scheinbar endlose Tunnel in gelben und braunen Farbtönen, die im spiegelglatten Wasser glitzern. In Kähnen geht es durch die märchenhafte Unterwelt der Máni“, so jedenfalls wird es beschrieben. Doch mit der Kahnfahrt war es nichts. Findet derzeit nicht statt. Dafür fanden wir eine große Baustelle vor, alles wird an den Außenanlagen gerade neu gemacht. Einzig den eigentlichen Ausgang der Höhle kann man per Fuß erkunden, aber auch das lohnt. In den Höhlen hier wurden viele Artefakte aus der Jungsteinzeit gefunden. Die lassen sich in einem Museum oberhalb der Höhle besichtigen. Wenn es denn geöffnet wäre.
Weiter gen Süden erreichen wir nach etwa 30 Minuten das größtenteils verlassene Dorf Váthia. Es liegt auf einem Hügel inmitten der Landschaft des Kap Matapan und dürfte eines der beeindruckensten Dörfer auf der Peloponnes sein. Dicht gedrängt stehen die meist im Verfall befindlichen Wohntürme der Mani. Sie sind Sinnbild der Manioten und dienten seit dem 17. Jahrhundert als Fluchtburgen, waren die Menschen hier doch seit altersher für ihre blutigen Fehden bekannt -schon wegen Marginalien. Die Türme sind über den ganzen Landstrich verteilt und für Griechenland einzigartig. Sie sind bis zu 20 m hoch, haben bis zu sieben Stockwerke und äußerst massiv gebaut, die Wandstärke beträgt gern 1,5 m. Schießscharten sind auch vorhanden und der Eingang befindet sich nicht selten in drei Meter Höhe, zu betreten über ein Nebengebäude. Relikte einer archaischen Zeit, die so lange noch gar nicht her ist. Heute sanieren Privatleute wieder einzelne Gebäude, wenn auch der Verfall noch lange nicht gestoppt ist.
Auf dem Rückweg machten wir noch einen Abstecher in das Hafenstädtchen Gíthio für einen kurzen Stopp, etwas zum Essen und etwas Shopping (Oliven und Olivenöl).
Die mittelalterliche Ruinenstadt Mystras
Freitag 08. April: Diesmal waren es nur fünf Kilometer, dafür aber über 200 Höhenmeter, die wir in einer antiken Stätte zurücklegten. Eigentlich eine Wanderung durch Ruinen und wunderbare, blühende Landschaft. Die Reste der mittelalterlichen Stadt Mystrás liegen am steilen Hang eines Berges, hoch oben thront die vor 800 Jahren von den Venezianern erbaute Festung. Von dem ehemaligen Reichtum der Stadt zeugen zahlreiche byzantinischen Kirchen (die noch gut erhalten sind), Klöster, ein Palast, zahlreiche Ruinen herrschaftlicher Häuser und natürlich die Festung. Einst wohnten hier 41.000 Menschen, kaum vorstellbar. Beherrscht wurde die Stadt von den Byzantinern, Türken, Venezianern, wieder Türken und schlussendlich von den Griechen. Und seine Entstehung verdankt es einem Franzosen. Während des griechischen Freiheitskampfes von 1821 bis 1829 wurde die Stadt endgültig zerstört. Mit der Gründung des im Tal liegenden modernen Sparti durch König Otto verließen auch die letzten Bewohner die Ruinenstadt. Seit 1989 ist alles hier Weltkulturerbe der Unesco. Zu Recht. Hier entlang zu wandeln ist einfach wunderbar, man kann die Fantasie walten lassen. Immer wieder finden sich neue Perspektiven, wunderbare Ausblicke, schöne Details. Auch in den Kirchen faszinieren die Reste der Wandmalereien. Fotomotive zuhauf.
Am Berghang gelegen, die Ruinenstadt Mystras mit der Festung obenauf
Für alle die es interessiert und es auf FindPenguin respektive Facebook nicht verfolgt haben, hier nun der Reisebericht zu Aruba und Curacao auf meiner Website.
One Happy Island – so tituliert sich Aruba selbst. Wir sind auf den niederländischen Antillen, auf der Insel Aruba, eine der drei ABC-Inseln (Aruba, Bonaire und Curacao), nahe vor Venezuelas Küste gelegen. Und auch nahe dem Äquator (rund 1400 km), jetzt im November sinken derzeit die Nachtemperaturen nicht unter 27 Grad Celsius. Tags sind es über 30 Grad. Teil Eins des Reiseberichtes über Aruba, hier geht es zum zweiten Teil über Curacao
Heute Morgen haben wir erst einmal unser Boutique-Hotel erkundet. Es ist etwas kleiner, wie der Name schon sagt, rund 50 unterschiedlich gestaltete und eingerichtete Appartements in einer wunderschönen grünen Anlage mit zwei Swimmingpools. Maximal zweigeschossige Gebäude. Eben kein Hotelblock direkt am Strand gelegen, sondern etwas Landestypisches, individuelles. Zwar in der zweiten Reihe, will man an den hoteleigenen Strand muss man halt fünf Minuten laufen. Die Gäste kommen vorwiegend aus den Niederlanden und den USA. Wie die meisten Besucher Arubas.
Anschließend sind wir vor an den Strand. Der Palm-Beach ist mit der bekannteste Arubas. Weißer feiner Sand, Palmen, Bars, große Hotelanlagen mit eigenen Casinos – es kommen viele Amerikaner hierher – und zahlreiche Wassersportmöglichkeiten locken natürlich viele Menschen an. Zugleich mach das ruhige Wasser den Palm-Beach zu einem gemütlichen Refugium zum Schwimmen und Schnorcheln. Dennoch ist es nicht zu voll. Unser Spaziergang führte etwa drei Kilometer den Strand entlang. Irgendwann war es schlicht zu heiß, also zurück zu unserem Hotel und ab an den Pool. Abends dann wieder vor an den Strand und zu einem im Reiseführer empfohlenen Fischrestaurant gelaufen. Für mich gab es als Vorspeise erst mal Ceviche, sauer angemachter roher Fisch (eine meiner Leibspeisen) und ein ganzer frisch gefangener Red Snapper. Leider wird der Fisch hier frittiert, ist so üblich, Dennoch schmeckte er sehr gut. Dazu ein/zwei Gläschen Rotwein, Wasser und einen Irish Coffee. Sind direkt am Meer gesessen bei einen schönen Sonnenuntergang. Das Restaurant ist recht voll, ist ja bekannt. Und weiß das auch zu nutzen, was die Preise angeht. Zu zweit ist man mal schnell 150 Dollar los. Muss ja nicht jeden Abend sein. Nachdem was ich vorab gelesen hatte, soll der Palm Beach nach Sonnenuntergang so richtig zum Leben erwachen. Dem war aber nicht so. Einzelne Bars mit Musik, ok. Aber generell wenig los. Obwohl die Hotels gut gebucht sein sollen. Vielleicht sind viele beim Essen (Vollpension) oder sitzen in den Casinos. Wer weiß, uns soll es recht sein.
Der Arikok N.P und die Ayo Rock-Formationen
Wir haben uns einen Allrad-Jeep gemietet. Es geht zum Arikok Nationalpark. Dort ist, je nachdem wo man hinwill, Allrad gefordert. Unser erstes Ziel nach einem Kaffee im Besucherzentrum ist ein schöner Naturpool am Meer gelegen, der nur mit einem Geländefahrzeug angefahren werden darf. Ich bin schon tausende Kilometer Offroad an Pisten gefahren, aber diese kurze Strecke toppte alles Bisherige. Für die knapp zehn Kilometer vom Besucherzentrum hin und zurück benötigten wir über eine Stunde reine Fahrzeit. Durchschnittstempo: zehn Kilometer pro Stunde. Offroad im wahrsten Sinne des Wortes über felsige und teils steile Pisten – wenn denn die richtige überhaupt zu erkennen war. Stellenweise unter Schrittgeschwindigkeit und Abtasten, was der beste Weg ist und was überhaupt geht.
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Am Ziel dann ab ins kühle Nass, ist eine der wenigen Stellen, wo man hier ins Wasser kann. Denn die Strömungen und Brandungen im offenen Meer im Nordosten sind lebensgefährlich. Hier beherrscht der wilde Atlantik die Küsten, Baden ist normalerweise nicht, außer eben an diesem geschützten Naturpool. Gut, ob sich das jetzt tatsächlich bei dieser Anfahrt lohnt, sei dahingestellt. Die meisten hier kommen mit Veranstaltern und offenen Geländewagen mit acht/zehn Plätzen her, in Verbindung mit den restlichen Sehenswürdigkeiten hier im Park. Nur wenige machen sich selbst auf den Weg oder befahren nur den Bereich mit geteerten Straßen. Insgesamt ist natürlich wenig los, wen wundert´s.
Wieder am Besucherzentrum zurück geht es auf besseren Straßen weiter, teils geteert, teils eine ordentliche Piste. Wir fahren gemütlich durch eine für die Karibik surreale Gegend. Eine staubige, trockene, mit Kakteen und Sukkulenten bewachsene wüstenartige, leicht hügelige Landschaft. An der Küste immer mal wieder weiße Traumstrände – ohne Palmen – Baden ist ob der Strömungen und Brandung nicht angesagt. „On your own Risk – not recommended“. So ein Ranger.
Kurz später, nach ein paar Fotostopps, erreichen wir die Fontain Cave. Die ganze Gegend besteht aus Kalkstein, entsprechend wurden im Laufe der Jahrmillionen Höhlen mit Stalagtiten und Stalagmiten herausgewaschen. Die auch die Ureinwohner nutzen, schon vor über 1000 Jahren. In diese Höhle finden sich einige gut erhaltene Wandmalereien der hier einst lebenden Indianer. Und in den Nischen eine Schlange sowie im Dunkeln ein etwa zwanzig Zentimeter großer, recht giftig aussehender Tausendfüssler. Nur ein paar Minuten später erreichen wir die Quadirikiri Cave. Besonders schön, in zwei größeren Hohlräumen fällt durch ein Loch in der Decke Licht und leuchtet sie aus. Hier leben viele Fledermäuse, die in der Dämmerung die Höhle verlassen. Es ist übrigens überall recht ruhig, hier sind kaum Besucher unterwegs.
Am Rückweg zum Hotel fahren wir an der Ayo Rock-Felsformation vorbei. Geschliffene Felsen türmen sich zu bemerkenswerten Formationen auf, manche sehen aus, als hätten Riesen mit großen Murmeln gespielt. Kein Wunder, dass die einst hier lebenden Arawak-Indianer diese Stätte als heilig ansahen. Davon zeugen jahrtausende alte Felszeichnungen. Zwischen den hoch aufragenden Steinfelsen sollen die Indianer ihre Riten vollzogen haben. Geologen zufolge entstanden die Felsgebilde im Lauf von Jahrmillionen durch Erosion. Zwischen den Tonnen schweren Steinbrocken wachsen meterhohe Kakteen und stacheliges Gestrüpp. Karibik pur…
Das Gelände ist frei zugänglich, teilweise führen Treppen zu imposanten Gebilden. Bis hoch müsste man aber etwas klettern. Dazu bleibt keine Zeit, weil die Sonne hier schnell untergeht, so gegen 18.30 Uhr.
Vom Leuchtturm, Kite-Surfen, Straußen, Gold und Kirchen
Ganz an der Nordwestspitze gelegen, das California-Lighthouse
Wir haben uns wieder ein Auto gemietet, diesmal einen normales Fahrzeug für die nächsten zwei Tage um die Insel weiter zu erkunden. Erstes Ziel ist ein Leuchtturm ganz an der Nordwestspitze gelegen, sprich vier Kilometer vom Hotel entfernt. Ja, die Insel ist recht klein. Zwischen 1914 und 1916 erbaut ist das Leuchtfeuer rund 30 m hoch. Und nein, wir sind nicht hoch gegangen, bei den 35 Grad Celsius, die es um diese Zeit schon hat. Das muss das nicht sein. Dafür habe ich die Drohne fliegen lassen, gibt noch bessere Bilder und strengt weniger an. Den Namen hat das Bauwerk von dem vor der Küste 1891 gesunkenen Dampfschiff California. Umgeben ist der Turm von zahlreichen Sanddünen und er gilt als Sehenswürdigkeit und Wahrzeichen Arubas, ist ein beliebtes Ziel für die Autosafaris auf der Insel.
Dann ging es zu einem nahe gelegenen Strand, der bekannt für seine Kite-Surfer ist. Sie ist sich ihres Könnens bewusst und surft recht nah am Strand, lächelt dabei sogar in die Kamera. Es macht Spaß zuzuschauen und man kann sich vorstellen, wieviel Freude es macht, wenn man das Kitesurfen so beherrscht, wie die junge Frau und einige andere hier am Palm Beach. Der Wind ist recht kräftig, muss er auch sein, um solche Kunststücke zu vollführen.
Beim Kitesurfen steht der Sportler auf einem Board, ähnlich einem kleinen Surfbrett und wird von einem Lenkdrachen gezogen. Entsprechender Wind vorausgesetzt nimmt man dabei ganz schön Fahrt auf und kann auch meterhohe Luftsprünge machen. Wir beobachten das eine ganze Weile bis es einfach zu heiß ist. Schatten ist hier vorne am Wasser Mangelware.
Als nächstes steht eine Straußenfarm auf dem Programm. Sie dient ausschließlich touristischen Zwecken, rund 80 der imponierenden Vögel leben hier und einige Emus. Wir sind die einzigen, entsprechend wenig motiviert ist der Guide. Trotz eines Eintrittes von 14 USD pro Person. Er rasselt sein Programm runter, nach 20 Minuten ist alles gezeigt. Schade, denn die Tiere und Anlage sind wirklich sehenswert. So nah kommt man ihnen selten und sie sind schon wirklich groß. So bis um die 2,70 m.
Weiter geht es mit dem Auto zur nahe gelegenen Natural Bridge, oder dem, was übrig ist. Bis sie 2005 kollabierte, war sie eine der größten Naturbrücken der Welt, 30 m lang, acht Meter über dem Meeresspiegel, sie konnte sogar mit einem Auto befahren werden. Doch das war einmal, und die Brücke heute lohnt nicht mehr. Dafür ist dort ein kleines Touristenzentrum mit Café und Shop. Der Weg hin führt über eine Piste, ist aber auch mit normalen Fahrzeugen befahrbar.
Ebenfalls nahe gelegen – eigentlich ist hier alles nahe beieinander – sind einige Ruinen einer alten Goldmühle, war das edle Metall doch in früheren Zeiten das wichtigste Gut der Insel. Hier hatte man im 19. Jahrhundert während des Aruba-Goldrausches das Erz der Minen verarbeitet.
Dann ab zu den Felsformationen von Casibari. Schöne Wege – zum Teil im Schatten – führen durch den Park mit den besonderen Steinformationen. Gegenüber denen bei Ayo fallen sie aber deutlich ab. Dafür können sie bequemer erklommen werden, auf Stufen. Und es gibt einen Shop und kühle Getränke.
Zu guter Letzt noch ein Besuch bei Arubas ältester Kirche, der Alto Vista Kapelle, respektive dessen Neubaus aus 1952. Sie basiert auf einen Vorgängerbau von 1750, man hat sie auf den Ruinen der alten Kirche Saint Ann aufgebaut. An Karfreitag findet eine Wallfahrt vom 11 Kilometer entfernten Oranjestad statt und einmal die Woche eine heilige Messe.
Oranjestad – Arubas Hot Spot
Am Tag 6 geht es erstmal in die Hauptstadt Arubas, nach Oranjestad. 1796 gründeten die Niederländer hier das Fort Zoutman, und schufen die Grundlage für die Stadt mit ihren knapp 30.000 Einwohnern. Das Fort ist ein sehenswertes Museum, jedoch „bis auf Weiteres“ geschlossen. Also sind wir durch den Hafen gebummelt und nach Downtown marschiert. Hier finden sich noch zahlreiche schöne, farbige Gebäude aus der Kolonialzeit.
Oranjestad´s Wilhelminastraat
Zwei Sachen fielen uns besonders auf. In der Einkaufsstraße Wilhelminastraat sind an fast allen Laternen Lautsprecher angebracht, die laut Musik aller Coleur abstimmen. Karibische Rhythmen genauso wie Pop und Rock. Dazwischen haben einige Läden noch ihre eigene Musik platziert. Dauerberieselung pur. Und die andere, mindestens jeder dritte Laden war geschlossen, for rent, for sale. Corona hat hier gewaltig zugeschlagen und viele Existenzen vernichtet. Aruba erwirtschaftet rund 70 Prozent des Bruttosozialproduktes allein durch Tourismus. Wenn der einbricht wie geschehen, dann gute Nacht. Die meisten Besucher kommen übrigens aus den USA, dann folgen Lateinamerikaner, die Niederländer an vierter Stelle, die Deutschen fallen unter Sonstige. Die Terminals im Hafen für die Kreuzfahrschiffe sind mit einer Straßenbahn mit Downtown verbunden. Obwohl es nur zehn Minuten zu Fuß sind. Entlang der Strecke ballen sich die Luxusläden mit all den bekannten Namen. Kunsthandwerksläden sind selten, nur vereinzelt zu finden. Besonders lohnenswert ist der Mop Mopa im Market Place gelegen. Die spezielle Handwerkskunst hat es sogar in die Unesco-Liste des schutzbedürftigen immateriellen Kulturerbes geschafft.
Was auffällt ist die Freundlichkeit der meisten Menschen. Nicht nur im Service und bei kurzen Gesprächen, sondern auch im Straßenverkehr. Hier herrscht eine sehr defensive Fahrweise, man lässt einen einfahren, wartet, alles sehr rücksichtsvoll.
Von Aloe, Gold und Schmetterlingen
Aloe vera, Basis für viele Produkte und inzwischen bald Kult
Einst war Aruba der Welt größte Exporteur von Aloe. Eingeführt wurde die Pflanze 1840, bald darauf sollen zwei Drittel der Insel mit Aloe Vera-Pflanzen bedeckt gewesen sein. Das ist natürlich Geschichte. Erfahren kann man das alles und viel mehr bei einem Besuch der Aruba Aloe Factory, gegründet 1890 und eines der ältesten, heute noch bestehenden, Unternehmen auf der Insel. Besichtigung des Museums, der Produktion und Plantage inklusive Führung sind kostenlos. Natürlich gibt es einen Laden, in dem die Körper-, Sonnen- und Hautpflegeprodukte eingekauft werden können. Was wir auch taten.
Weiter geht es zu den Ruinen der Balashi Gold Mills, einer alten Goldmühle. Gelegen in malerischer Umgebung an einem See, von dornigen Büschen umwuchert, dazwischen große Kakteen, hier lässt sich wunderbar wandeln und sich auch zahlreiche Fotomotive finden. Gold war einst der wichtigste Wirtschaftsfaktor auf der Insel, und zwar von 1825 bis 1915. Bis es vom Öl abgelöst wurde, dessen Ende dann um 2009 kam. Seitdem ist es der Tourismus. Insgesamt wurden auf Aruba in den 90 Jahren 1700 Kilogramm Gold gewonnen.
Die Butterfly Farm ist wieder in der Palm Beach Region gelegen, nahe unserem Hotel. Gelegenheit für eine wunderbare Begegnung mit den filigranen Wesen in in all ihrer Schönheit und Vielfalt. Dazu wurde ein tropischer Garten angelegt, in dem es von farbenprächtigen Schmetterlingen nur so wimmelt. Hier lässt sich der Lebenszyklus dieser Tiere vom Ei zur Raupe zur Puppe bis zum Schmetterling beobachten. Die Führungen vermitteln einem mit reichlich Wissenswertem über deren Lebenszykus.
Es bleibt viel Zeit, um wunderbare Aufnahmen der Tiere zu machen, wie sie in freier Natur kaum möglich sind. Morgens kann man sogar beobachten, wie Schmetterlinge aus ihren Kokons schlüpfen und die ersten Flugversuche unternehmen. Der Eintritt von 16 USD gilt übrigens für die gesamte Dauer des Urlaubs, leider waren wir am vorletzten Tag dort.
Ein Tag zum Entspannen
Morgens haben wir das Auto zurückgebracht, zu einem nahe gelegenen Hotel am Palm Beach. Von dort aus ging es die rund zwei Kilometer am Strand entlang, Richtung Boardwalk Hotel und das bei wunderbarem Wetter. Angekommen am hoteleigenen Bereich des Strandes haben wir hier den restlichen Tag verbracht. Morgen, also am Donnerstag geht es weiter nach Curacao. Dann ist eine Woche schon wieder vorbei. Unser Hotel hat eine Vereinbarung mit einem Restaurant beim Ritz Charlton, das für Essen und Getränke sorgt. Die Mitarbeiter flitzen auf Segways den Strand entlang und sorgen für das Wohlbefinden der Gäste. Überaus freundlich und kompetent. Sommer, Sonne, Strand und Palmen… Was will man mehr. So lässt sich´s leben.
Donnerstag, der 18. November, Tag 7. Es geht weiter zu dem knapp über 100 km entfernten Curacao in einer kleinen Propellermaschine mit gerade mal 16 Plätzen. Der Flug dauert etwas über 30 min., von Hotel zu Hotel brauchen wir rund vier Stunden. Curacao ist wie Aruba innenpolitisch ein unabhängiger Staat im niederländischen Königreich und mit 160.000 Bewohnern etwas größer als Aruba (107.000 Bewohner). Auch die Insel selbst ist größer. Hier lebt man auch nicht fast ausschließlich vom Tourismus, der Erdölbereich spielt eine ebenso wichtige Rolle. Auch hat es einen Namen als Offshore-Finanzplatz, steht seit 2010 in den USA aber nicht mehr auf der schwarzen Liste der Steuerparadiese. Wir habe uns für die elf Tage gleich von Anfang an einen Mietwagen genommen, vom Flughafen geht es zu unserem Domizil, dem Coral Estate Luxury Resort in Willibrordus, rund 20 km vom Flughafen entfernt.
Das erste was uns auffällt, die Insel ist viel grüner als Aruba. Und das zweite, der Fahrstil ist ein anderer. Fahrt man tempomäßig vorschriftsgerecht, hängen einem die schweren SUV und Vans auf der Stoßstange und überholen – auch bei Gegenverkehr. Also schnell etwas an die übliche Fahrweise angepasst um kein Verkehrshindernis darzustellen. Einfädeln lassen ist auch nicht mehr, also alles eher wie in Deutschland. Nicht mehr so relaxt und rücksichtsvoll wie in Aruba. Die Hotelanlage liegt direkt am Wasser, etwas oberhalb an einer Steilküste stehen private Villen mit traumhafter Sicht. Die eine oder andere wird gerade neu erbaut, die Preise liegen bei 1 bis 2 Millionen Dollar. Auch Appartements in der Hotelanlage gibt es zu kaufen, für rund 500.000 Dollar. Dennoch, die Preise etwa im Restaurant sind niedriger als in Aruba, die Lage ist traumhaft. Auch wenn der Strand eher zum Schnorcheln geeignet ist, das Riff mit all den Fischen, Seeanemonen und Korallen beginnt direkt am Ufer.
Grote Knip, eine von zahlreichen Badebuchten
Willemstad, wie eine holländische Metropole
Wir sind in Willemstad, der Hautpstadt Curacaos. Hier leben 125.000 Menschen, mithin die große Mehrheit aller Inselbewohner. Die Stadt ist niederländisch geprägt und sehr farbenfroh. Aushängeschild der Stadt ist die farbenfrohe Handelskade. Die Kolonialbauten gehören wie die Altstadt zum Unesco-Weltkulturerbe und zeugen von der florierenden Geschichte Willemstads in vergangenen Zeiten als Handelsmetropole und Posten der Niederländischen Westindien-Kompanie.
Farbenfroh, die Handelskade
Für uns noch spannender ist aber die 1888 erbaute Königin Emma-Brücke, auch Swinging Old Lady genannt. Die weltweit einzigartige Pontonbrücke – so heißt es jedenfalls und mir ist auch nichts Vergleichbares bekannt – schwimmt auf 16 Pontons und wird über einen Drehpunkt auf der einen und einem Bootsantrieb auf der anderen Seite weggeschwenkt und geöffnet, wenn ein Schiff in den dahinter liegenden Hafen will. Er wird Schottegat genannt und es soll sich um den siebtgrößten Naturhafen der Welt handeln. Die Brücke wird auch geöffnet, wenn noch Fußgänger darauf sind. Sollen zwar runter, hält sich aber niemand dran. Wir auch nicht.
Weltweit ein Unikat, die Königin Emma-Brücke
Ist es ein kleineres Schiff, schwenkt die Brücke nur ein kleines Stück auf, ist es ein größeres, wird die Brücke ganz an das andere Ufer geschwenkt und bleibt schon mal 40 Minuten offen. Dann kann man die kostenfreie Fähre nutzen. An den Handelskaskaden kann man sich gemütlich in ein Café oder Restaurant direkt am Ufer setzen und das Schauspiel gemütlich beobachten. Einfach wunderbar. Eine weitere Hauptattraktionen existiert derzeit leider nicht mehr, der schwimmende Markt mit Händlern aus Venezuela, die hier Obst, Gemüse, frischen Fisch und mehr anboten. Seit der Wirtschaftskrise und den Unruhen in Venezuela kommen die Händler kaum mehr her. Heute finden sich noch einige Stände mit Souvenirs und ein paar Gemüsestände lokaler Anbieter an dieser Stelle.
Dafür haben wir uns noch das Marinemuseum angeschaut und mit der dunklen Geschichte der Insel befasst – Curacao war Umschlagplatz für den Sklavenhandel aus Afrika nach Amerika. Selbst die Ureinwohner Curacaos wurden alle von den Spaniern nach Europa verschleppt und versklavt.
Salinen und Flamingos
Auf der Rückfahrt von Willemstadt zum Hotel wurde erst einmal in einem Supermarkt eingekauft, bevor wir an den Jan Kok-Salinen vorbei kamen. Hier finden Flamingo ideale Bedingungen vor. Vom Ufer aus und einem kurzen Steg lassen sich wunderbare Fotos machen. In der Karibik sind derartige Plätze recht selten, insofern ist dieser Ort eine der wichtigsten Brutstätten für Flamingo-Kolonien.
Unterwasser, zum Ersten
Der heutige Tag, sprich Samstag ist ganz dem Relaxen verschrieben. Sprich ausschlafen, gut frühstücken – das Essen hier am Coral Beach ist übrigens vorzüglich, egal ob Frühstück oder a la card am Abend. Danach ging es an den Strand. Der nicht an den in Aruba rankommt, aber wir geben uns auch damit zufrieden. Auf jeden Fall kann man hier wunderbar schnorcheln, was ich auch gemacht habe. Und zum ersten Mal unter Wasser fotografiert und gefilmt, was nicht ganz ohne ist beim Schnorcheln mit Seegang. Dennoch sind einige schöne Aufnahmen entstanden.
Der Christoffel-Nationalpark und Shete Boka
Heute morgen geht es erstmals in den weniger bewohnten Westen der Insel, zum Christoffel-Nationalpark. Er ist mit 2300 Hektar der größte Park auf Curacao und schützt die Tier- sowie Pflanzenwelt rund um den Sint-Christoffelberg, mit 372 Metern die höchste Erhebung der Insel. Auf ihn kann man auch hoch wandern, Kondition und Trittsicherheit vorausgesetzt. Man darf aber nur bis spätestens 10 Uhr loslaufen, anschließend ist es wegen der Hitze verboten ihn zu besteigen. Der Park lässt sich aber auch einfacher erkunden, auf einer einspurigen Ringstraße von 12 Kilometer Länge mit dem Auto. Stopps gibt es an schönen Aussichtspunkten, an alten Ruinen, einem Stollen in dem Kupfer abgebaut wurde und an kürzeren und längeren Wanderwegen. Die längeren ließen wir ob der Temperatur aber aus.
Nur wenige Kilometer entfernt direkt an der Küste liegt der kleinere Nationalpark Shete Boka. Die Wörter stammen aus dem Papiamentu und bedeuten etwa sieben kleine Buchten. Der rund zehn Kilometer lange Küstenabschnitt zeichnet sich durch seine ständig den Gezeiten ausgesetzten Kalkstein-Kliffs aus. Besonders spektakulär ist die Grotte Boka Tabla. Eine in den Fels gehauene Treppe führt in eine zum Meer hin offene, kleine Höhle, in der sich die hereinrollenden Wellen beobachten und auch belauschen lassen. Vier Buchten lassen sich besuchen. Komplett zu Fuß in zwei etwa einstündigen Wanderungen in sengender Sonne oder etwas weniger anstrengend teilweise mit dem Auto abkürzen. Was einem einen restlichen Fußmarsch in der Hitze und Schwüle aber nicht erspart – lohnt aber. Die Gegend ist trocken, wird von Sträuchern und Kakteen dominiert. Überall wuseln kleinere und größere Echsen auf dem scharfkantigen, ausgewaschenen Boden herum. Manchmal muss man aufpassen, nicht auf eine zu treten. Aber die Spaziergänge lohnen. Baden ist in den malerischen Buchten nicht erlaubt, sollte angesichts der tobenden Wellen eigentlich selbstverständlich sein. In der Bucht Boka Pistol lassen sich mit viel Glück Schildkröten bei der Eiablage beobachten. Hier donnern die lärmenden Wellen an die Küste und bilden bis zu zehn Meter hohe Springwellen aus. Eigentlich ist das der interessantere Park von beiden.
Von Kliffspringern, Sklaven und Korallen
Weiter geht es im Westen der Insel, nächster Stopp ist ein Restaurant in Playa Forti, direkt auf einer Klippe gelegen. Der Flüssigkeitsmangel macht sich bemerkbar, die zwei Flaschen für unterwegs sind bereits leer. Quasi fast von der Terrasse aus kann man den Sprung in das zehn Meter tiefer liegende Meer machen, was auch immer wieder einige tun. Reizt gewaltig, aber wir wollen weiter. Unser nächstes Ziel ist das nahe gelegene Landhaus Kenepa mit dem Museo Tula. Zeitweise schufteten auf dieser Plantage 400 Sklaven, hier begann 1795 der größte Sklavenaufstand Curacaos, angeführt von dem Sklaven Tula, heute ein Nationalheld. Ihm ist das Museum gewidmet und auch ein Gedenktag, der 17. August. Um diesen Termin herum finden zahlreichen Aktivitäten und Sonderausstellungen im Museo Tula statt. Damals hat man ihn nach der Niederschlagung des Aufstandes hingerichtet, entsprechend hat Kenepa für Curacao einen enormen kulturellen und geschichtlichen Wert. Und was stellen wir fest: Es ist geschlossen, und zwar schon länger. Auf den Wegen wächst bereits Gras, Büsche machen sich breit, es scheint langsam zu verfallen. Wohl auch eine Folge von Corona und den ausbleibenden Besuchern. Gut, nahe bei dem Landhaus ist die Playa Lagun, an dem sich das Schnorcheln lohnen soll. Hier gibt es zwei intakte Riffe. Nur ist Sonntag, und da sind auch viele Einheimische an den Stränden. Egal. Wir finden einen Platz. Und das Schnorcheln lohnt, hier finden sich besonders viele schöne Korallen.
Viel Korallenriffe scheinen hier noch intakt, ein Paradies für Schnorcheln und Tauchen
Palmen, Sand und türkisfarbenes Meer
Heute morgen sind wir erstmal zum Grote Knip gefahren, etwa 18 km vom Hotel entfernt. Vermutlich ist das der meist fotografierte Strand Curacaos. Wir waren schon gestern am Sonntag in der Nähe, nur Wochenenden sollte man meiden. Denn der Strand wird nicht nur von Touristen gern besucht, sondern auch von zahlreichen Einheimischen. Die kommen halt vorwiegend am Wochenende. Müssen ja arbeiten. Grote Knip ist ein Idealtypus von einem karibischen Strand mit feinem weißen Sand, Palmen und türkisfarbenem Wasser. Zumal lässt sich hier wunderbar Schnorcheln und auch das Klippenspringen gehört dazu. Für geübte Schwimmer ist in etwa zehn Minuten ein der Bucht vorgelagertes Riff zu erreichen. Wir sind eigentlich nur mal hingefahren um zu sehen ob es sich lohnt. Und ja, es lohnt. Wir kommen wieder für einen ganzen Badetag. Und ja, auch die Klippe habe ich mir vorgenommen. In der Nähe habe ich dann einen idealen Ort gefunden, um die Drohne steigen zu lassen. Direkt an der Felsenkante, ein ehemaliger, im Verfall befindlicher Aussichtspunkt mit Resten eines Sonnenschutzes. So konnte ich die Bilder von Grote Knip noch mit Luftaufnahmen ergänzen und auch die grüne Landschaft einfangen.
Von den Hato Caves bis Sint Michiel
Um die Mittagszeit ging es dann zu einer anderer Ecke der Insel, in die Nähe zum Flughafen. Was auffällt, besonders in den weniger bewohnten Gegenden, dass der Coronavirus in Sachen Tourismus auch hier zugeschlagen haben muss. Nicht wenige Restaurants, ganzen Ferienanlagen, Museen, manches geschlossen und dem Zerfall preisgegeben. Nicht selten auch zu lesen, for sale. Selbst in der Hauptstadt Willemstad hat es sichtbare Leerstände mitten im Zentrum. Curacao ist zwar nicht so abhängig von Tourismus, wer aber davon lebt, den trifft es natürlich. Unser Ziel waren die Hato Höhlen. Sie entstanden vor Millionen von Jahren unter Wasser. Eine Zeit lang lagen sie dann auf Meereshöhe – für die Hebung sorgt die Plattentektonik – bis sie heute rund 60 Meter über dem Meeresspiegel liegen. So wurden sie unter Wasser geformt, aber auch durch die Kraft der Wellen und seit etwa 300.000 Jahren durch Auswaschungen. Zudem bildet das durchsickernde Regenwasser wunderbare Stalaktiten und Stalagmiten. Die wachsen hier durchschnittlich nur einen Zentimeter pro hundert Jahre aufgrund der geringen Regenmengen.
Die Hate-Caves, im Inneren rund 95 % Luftfeuchtigkeit und 32 Grad Celsius
In der Höhle leben rund 300 kleine Langohrfledermäuse, die durch ein Loch in der Decke einer Höhlenkammer ein- und ausfliegen. Auch sie ließen sich gut beobachten. Diese Art hier lebt vegetarisch, sie verspeisen nur Früchte. Die Temperatur in der Höhle beträgt rund 32 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit 95 %. Fotografieren ist verboten, da wir aber nur zu Viert bei der Führung waren, durften wir an zwei Stellen einige Aufnahmen machen.
Zum Abendessen sind wir anschließend in ein kleines Fischerdorf gefahren, nach Boca Sint Michiel. Das noch ursprünglich ist, und wir fanden gleich ein schönes kleines Restaurant direkt am Strand.
Fort Beekenburg
Es soll mit mit das besterhaltene Fort in der Karibik sein, das 1703 errichtete Fort Beekenburg. Ursprünglich zur Abwehr von Piraten errichtet, widerstand es später auch englischen und französischen Angriffen. Es ist frei zugänglich und man kann das mit wunderbaren Kakteen bewachsene Gelände durchstöbern. Überall stehen oder liegen noch alte Kanonen herum, der Zahn der Zeit nagt an ihnen. Auch der Turm ist offen, er ist über eine recht steile Leiter zu erklimmen. Dafür hat man dann einen wunderbaren Blick über die Carcasbaai, die das Fort zu verteidigen wusste. Direkt an der Festung liegen zwei Marineschiffe, das größere jedenfalls scheint ausgemustert zu sein.
Blue Curacao und farbenfrohe Bilder
Von Fort Beekenburg haben wir uns zu einer Institution der Insel aufgemacht, zum Landhuis Chobolobo. In der ehemaligen Stadtvilla wird seit 1946 der weltbekannte Likör Blue Curacao von Senior & Co hergestellt, nach dem Originalrezept von 1896. Zum Einsatz kommt immer noch der über 100 Jahre alte Originalkessel. Der Likör entstand eigentlich aus einem Malheur. Wollten die Spanier einst doch Valencia-Orangen hier anbauen, heraus kamen aber nur schrumpelige, bittere Minifrüchte. Der Legende nach experimentierte später der alte Herr Senior mit den Früchten herum und er begann aus den harten Schalen Alkohol herzustellen. Irgendwann kam ein schmackhafter, farbloser Orangenlikör heraus. Durch eine Reaktion mit dem Kupferkessel entstand aber auch ein mal ein blau gefärbter Likör. Das gefiel dem Herrn Senior, also fügte er fortan blaue Lebensmittelfarbe hinzu. In dem Landhuis Chobolobo kann man kostenfrei eine Führung mitmachen und darf drei Likörvarianten probieren. Und natürlich hinterher im Shop auch kaufen. Haben wir. Den mit Schokolade. Denn den originalen Blue Curacao nach dem alten Rezept gibt es nur hier, er lässt sich auch online nicht erwerben. Man kann ihn aber auch in einem angeschlossenen Kaffee (oder ist es eine Bar?) gleich genießen, etwa pur, als Drink oder versteckt im Kaffee. Wie wir.
Auf dem Rückweg zu unserem Hotel haben wir noch am Landhuis Jan Kok vorbei geschaut. Hier befindet sich die Galerie Nena Sanchez mit Bildern und Skulpturen der über die Insel hinaus bekannten Künstlerin. Einige ihrer Werke haben wir als Wandbemalung schon in Willemstad entdeckt. Die ehemalige Miss Curacao ließ sich von den Farben der Insel inspirieren und malte farbenfrohe und fröhliche Bilder. Sie ist 2017 verstorben, ihre ältere Schwester führt nun die Galerie fort und verwaltet ihr Erbe.
Zu guter Letzt sind wir noch zu einem nahe gelegenen Top-Strand Curacaos gefahren, dem Play Porto Mari. Da fällt es jetzt schwer, wohin es Morgen geht, drei Strände in der Nähe zur Auswahl… und den vom Hotel natürlich. Morgen ist relaxen angesagt.
Playa Kalki und Playa Piscada
Am Mittwoch sind wir ziemlich ans westliche Ende der Insel gefahren. Mit Playa Kalki gibt es hier einen kleinen Strand, der zwar weniger Sand denn Kiesel aus Korallen bietet, aber gut zum Schnorcheln sein soll. Und ja, er ist es. Nicht weit weg liegt der Playa Piscada. Hier verkaufen Fischer am frühen Nachmittag traditionell direkt am Strand ihren Fang und nehmen die Fische auch gleich aus. Und schon immer werfen sie die Fischabfälle wieder ins Wasser. Das lockt natürlich zahlreiche Fische an, die die Reste ihrer Artgenossen gerne verspeisen. Und auch Karett-Schildkröten, die sich daran ebenfalls laben. Eine gute Chance die Tiere im Wasser beobachten zu können. Also hin. Und ja, es waren einige da. Einfach einmalig.
Die Tiefsee ruft
Sicherlich einer der Höhepunkte dieser Reise. Und ein Ort, an dem weniger Menschen waren als auf dem Mount Everest. Mithin der zweite derartige Ort für mich. Der erste war bei den Korowai in West Papua und der zweite, jetzt, ist die Tiefsee. Sie fängt ab 200 m an, kein Licht gelangt mehr in diese Tiefen. Hinunter geht es in einem Mini-U-Boot, der Substation. Nur einen Meter breit ist die Kapsel, 2,70 m lang, bietet aber Platz für fünf Personen. An Platzangst darf man nicht leiden, übergewichtig auch nicht sein. Sonst passt man gar nicht durch die Luke.
Die Substation, ein Mini-U-Boot für Forschung und Touristische Zwecke, einmalig.
Eingesetzt wird das U-Boot für touristische Fahrten und die Forschung. Mehrere neue Fischarten und Muscheln hat man auf diesen Fahrten seit 2010 bereits entdeckt, so Tico Christiaan, mein Pilot. Ich hatte das Glück als einziger Gast – mit Tico natürlich – an Bord zu sein. Der Aufwand ist schon enorm. Zuerst eine längere Einführung. Sollte der unwahrscheinliche Fall eintreten, dass Tico ausfällt, muss ich in der Lage sein das Boot per Joystick und Druckluft wieder an die Oberfläche zu bringen. Und auch die Kommunikation mit dem Sicherheitsoffizier muss dann bedient werden, der an der Station die Fahrt überwacht. Dabei sind dann noch ein Begleitboot und ein Taucher, der von außen nahe der Oberfläche Bilder von uns macht. Reichen würde das Atemgas für eine Woche zu zweit. Wasser und Nahrung ist auch an Bord. Sprich, sieben Tage würde man bis zu einer Bergung überleben. Wenn alle drei Sicherheitssysteme versagen würden. Mehr als unwahrscheinlich, aber Sicherheit geht eben vor. Das Boot hat übrigens schon über tausend Fahrten gemacht, ohne Probleme und ist vom Germanischen Lloyd zertifiziert. Gebaut wurde das U-Boot in Vancouver, Kostenpunkt 2,6 Millionen Dollar.
Nach den Aufnahmen nahe der Oberfläche durch den Taucher geht es in die Tiefe. Für normale Sporttaucher endet ein Tauchgang bei 40 m. In 140 Meter Tiefe macht Tico kurz das Licht aus. Das ist die Tiefe, wo sich das letzte bläuliche Schimmern im ewigen Dunkel verliert. Es geht weiter hinab. Eigentlich eine öde Sandwüste hier unten, ab und an ein Fisch, alles wirkt durch die gläserne Halbkugel und die Lichtbrechung unter Wasser sehr klein. Wie eine Miniaturwelt. Ich sehe schwarze Korallen, riesige Hornkorallen und zwei Meter große Schwämme. Auch einige Skorpionfische, ein Oktopus und eine Muräne lassen sich blicken. Zwischendurch geht es an einem alten, gesunkenen Ruderboot vorbei. Generell hat der Mensch auch hier seine Spuren hinterlassen. Immer mal wieder sieht man Plastikflaschen oder Büchsen und weiteren Unrat. Eine Plastikflasche kann ich mit dem Greifer fassen, sie wird später wieder an die Oberfläche gebracht. Es ist eng und stickig, man liegt auf dem Bauch, kann sich kaum bewegen. Egal, einfach faszinierend. Alle paar Minuten gibt Tico dem Sicherheitsoffizier Daten durch: Sauerstoffgehalt, Trimmung, Position, Tiefe, Alarmmeldungen (keine) und verschiedenes mehr. Dazwischen erklärt er die Tierwelt hier und allerlei über die Tiefsee und das Leben in der Dunkelheit. Wir erreichen die tiefste Stelle, mehr geht heute nicht da die Stromversorgung mit den 40 Akkumulatoren nachlässt. Die sind gut für maximal sieben Stunden Tauchfahrt, es ist heute aber nicht die erste. Und sie halten nur neun Monate, müssen dann komplett ausgetauscht werden. Wir sind auf 854 Fuß Tiefe, rund 261 m. Ausgelegt ist das U-Boot bis 450 m, zugelassen bis 1000 Fuß, 305 m. Es geht langsam wieder hoch, zu dem Höhepunkt dieser Fahrt, dem Wrack eines vor 20 Jahren versenkten Frachters, der Stella Maris. Er misst 98 Meter Länge und hat 18 Meter Breite. Eigentlich sollte er für Taucher als Tauchspot und für Korallen und Fische als künstliches Riff dienen und in etwa 30 Meter Tiefe liegen. Nur überlegte er sich es anders und rollte einen Unterwasser-Hang hinunter. Liegt deshalb jetzt auf der Seite in einer Tiefe von rund 140 m. Also unerreichbar für Taucher, nicht aber für ein U-Boot.
Ein Clip auf YouTube mit der Vorbeifahrt am Wrack der Stella Maris.Es ist schon faszinierend, an dem Frachter vorbei zu gleiten, die Schraube starrt in den Himmel, Aufbauten wie Winden und Masten kreuz und quer durcheinander. Alles erobert die Natur zurück, sprich Pflanzen und Tiere, der Rost bildet bizarre Skulpturen. Ein einmaliger Erlebnis.
Wieder hoch geht es an einer Riffkante entlang, und je höher wir kommen, desto mehr nimmt die Tierwelt zu. Zahlreiche bunte Fische die um Korallen herum schwimmen oder große Fischschwärme lassen sich beobachten. Bis zu einer Wassertiefe von etwa 50 Metern tobt noch das Leben, darunter war es deutlich ruhiger, lebensfeindlicher. Eine eigene Welt. Man fühlt sich wie ein Entdecker, wenn man es natürlich auch nicht ist. Nach zwei Stunden war alles wieder vorbei. Der Rücken dankt´s, der Rest nicht. Jedenfalls ist es ein einmaliges Erlebnis.
Den Fischen auf der Spur
Strandtage bieten sich natürlich zum Schnorcheln an.Und es ist immer wieder einfach fantastisch. Etwas weiter draußen im Meer an der Steilkante, wo die Insel zur Tiefsee abfällt, habe ich wunderbare Riffe entdeckt. Zwar muss man für die Aufnahmen dort tiefer tauchen, aber die acht bis zehn Meter schaffe ich auch beim Schnorcheln – ohne ärztliche Freigabe. Hier konnte ich wieder einige wunderbare Videoszenen mit Nahaufnahmen von Fischen machen, ganzen Schwärmen folgen – teilweise mehrere Minuten und schöne Korallen einfangen. Erwischt habe ich auch zwei Flötenfische. Zudem fielen einige Fotos ab, auch wenn heute der Fokus auf Videoaufnahmen lag. War heute eigentlich der beste Schnorcheltag.
Das Auge Curacaos
Abgelegen, ganz im westlichen Teil Curacaos und erst nach einigen Kilometern Piste erreichbar ist das Watamula Hole, ein Loch im Boden nahe der Klippen, in dem das Meereswasser rauscht – man nennt es das Auge Curacaos. Hier an der Küste zeigt sich die raue karibische See, das Meer ist keineswegs zahm und lädt nicht zum Baden ein. Kräftige Wellen wogen an die Klippen, die Gischt spritzt meterhoch in die Luft. Der Boden ist sehr scharfkantig, gutes Schuhwerk ist geboten. Zieht sich das Wasser zurück, hört man ein sanftes Rauschen, man vergleicht es mit dem Atem eines Riesen. Der Legende nach ist es der Atem von Mama Baranka, der Mutter Erde. Sie schläft seelenruhing, während um sie herum das Meer tobt.
Das Auge Curacaos aus der Luft…
Der Name des mystischen Ortes kommt übrigens von einer Mühle, die einst hier stand. Watamula bedeutet auf Papiamentu schlicht Windmühle.
…und etwas näher
Das Resumee
Aruba und Curacao, zwei nahe beieinander liegende Inseln, beide gehören zum niederländischen Reich, sind dennoch sehr unterschiedlich. Die kleinere Arbuba lebt fast ausschließlich vom Tourismus, gefühlt ist die halbe Insel von feinen, weißen Sandstränden umgeben. Ein Paradies für alle Arten von Wassersport, hier leben sehr nette Menschen, gastfreundlich, geprägt von der Kolonialgeschichte. Das Essen ist vorzüglich, das Preisniveau hoch. Karibik pur. Ideal für Menschen, die sich vor allem an und im Wasser aufhalten wollen. Die Insel selber bietet auch einige Sehenswürdigkeiten, deswegen kommt man aber nicht hier her.
Palm Beach, Aruba
Curacao ist größer, etwas weniger vom Tourismus abhängig. Ist man mit dem Auto auf der Insel unterwegs, fällt schon der erste Unterschied auf. In Aruba fährt man defensiv, hält sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen, ist rücksichtsvoll, alles sehr relaxt. Curacao ist dagegen eher wie Deutschland. An die Geschwindigkeit hält sich hier kaum jemand, es wird gehupt und überholt – auch bei Gegenverkehr, einfädeln lassen gibt es nicht, Ellbogen ist erforderlich. Was auch auf den ersten Blick auffällt, die Insel ist viel grüner, überzogen mit Buschwerk und Sukkulenten. Landschaftlich bietet Curacao mehr, Nationalparks mit „Bergen“, viele Steilküsten, es gibt einfach viel mehr mögliche Aktivitäten an Land. Und die Menschen sind auch recht freundlich (außer auf der Straße). Auch gibt es wunderbare karibische Strände, die sind jedoch meist in den Steilküsten eingebettet, also deutlich kleiner. Und besonders an den Wochenenden recht voll. Es geht enger zu als in Aruba. Auch zahlt man immer wieder einige Dollar um an die Strände zu kommen, als Tourist, ohne zu wissen was einen erwartet. Das Essen ist meist ebenfalls vorzüglich und etwas günstiger als in Aruba. Auch Curacaos Hauptstadt Willemstad ist attraktiver als Oranjestad auf Aruba, bietet schlicht viel mehr zum Shoppen und museal.
Unterwasserwelt – Curacao
Für mich das Besondere, Schnorcheln und Tauchen. Hier auf Curacao braucht man eigentlich nur vom Strand los schwimmen und ist sofort an wunderbaren Riffen um die Unterwasserwelt zu erkunden. Auf Aruba ist meist ein Boot erforderlich, dass einen herausbringt. Dafür sind auf Aruba andere Wassersportarten einfacher zu realisieren. Egal, Aruba und Curacao sind beide eine Reise wert. Relaxen, Erholen, Baden, Wassersport, dafür steht Aruba, Sightseeing, Erkundungstouren und besonders Schnorcheln, dafür steht Curacao. So jedenfalls unsere Erfahrung in drei Wochen, natürlich sehr subjektiv.
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